The Project Gutenberg EBook of Du deutsches Kind, by Various

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Title: Du deutsches Kind
       Eine Gabe fr unsere Jugend

Author: Various

Editor: I. B. Laleben

Illustrator: Albert Reich

Release Date: October 5, 2013 [EBook #43891]

Language: German

Character set encoding: ISO-8859-1

*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DU DEUTSCHES KIND ***




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                 Du deutsches Kind!


            Eine Gabe fr unsere Jugend.

          Dargereicht von J.B. Laleben.

              Bilder von Albert Reich.


[Illustration: Dekoration]


         Hochwald-Verlag Mnchen-Kallmnz




    Ein jeder nehme wohl in acht,
    was Lust und Ehr' ihm hat gebracht:
      Der Wirt seinen Krug,
      der Krmer sein Tuch,
      der Bauer seinen Pflug,
      das Kind sein Buch.

                                   Robert Reinick.


  Druck von Michael Laleben (Oberpfalz-Verlag)
               Kallmnz/Bayern 1922




[Illustration: Smann]


Zum Tagewerk.


        Gehe hin in Gottes Namen,
    greif dein Werk mit Freuden an!
    Frhe se deinen Samen!
    Was getan ist, ist getan.
        Sieh nicht aus nach dem Entfernten;
    was dir nah' liegt, mut du tun.
    Sen mut du, willst du ernten;
    nur die flei'ge Hand wird ruhn.
        Migstehen ist gefhrlich,
    heilsam unverdroner Flei;
    und es steht dir abends ehrlich
    an der Stirn des Tages Schwei.
        Weit du auch nicht, was geraten
    oder was milingen mag,
    folgt doch allen guten Taten
    Gottes Segen fr dich nach.
        Geh denn hin in Gottes Namen,
    greif dein Werk mit Freuden an!
    Frhe se deinen Samen!
    Was getan ist, ist getan.

                                   Philipp Spitta.




Der Vater und die drei Shne.


        An Jahren alt, an Gtern reich,
    teilt' einst ein Vater sein Vermgen
    und den mit Mh erworb'nen Segen
    selbst unter die drei Shne gleich.
    Ein Diamant ist's, sprach der Alte,
    den ich fr den von euch behalte,
    der mittels einer edlen Tat
    darauf den grten Anspruch hat.

        Um diesen Anspruch zu erlangen,
    sieht man die Shne sich zerstreu'n.
    Drei Monden waren kaum vergangen,
    so stellten sie sich wieder ein.

        Drauf sprach der lteste der Brder:
    Hrt! es vertraut' ein fremder Mann
    sein Gut ohn' einen Schein mir an;
    ich gab es ihm getreulich wieder.
    Sagt, war die Tat nicht lobenswert? --
    Du tat'st, mein Sohn, was sich gehrt,
    lie sich der Vater hier vernehmen;
    wer anders tut, der mu sich schmen;
    denn ehrlich sein ist unsre Pflicht.
    Die Tat ist gut, doch edel nicht.

        Der zweite sprach: Auf meiner Reise
    fiel einmal unachtsamerweise
    ein Kind in einen tiefen See.

    Ich strzt' ihm nach, zog's in die Hh
    und rettete dem Kind das Leben.
    Ein ganzes Dorf kann Zeugnis geben. --
    Du tatest, sprach der Greis, mein Kind,
    was wir als Menschen schuldig sind.

[Illustration: Rettung]

    Der jngste sprach: Bei seinen Schafen
    war einst mein Feind fest eingeschlafen
    an eines tiefen Abgrunds Rand;
    sein Leben stand in meiner Hand.
    Ich weckt' ihn und zog ihn zurcke.--
    O, rief der Greis mit holdem Blicke,
    Dein ist der Ring! Welch edler Mut,
    wenn man dem Feinde Gutes tut.

                                   M. G. Lichtwer




[Illustration: Gasthausschild]


Das Tischgebet.


    An der Tafel im Gasthaus zum goldnen Stern
    waren beisammen viel reiche Herrn.
    Vor ihnen standen aus Kch' und Keller
    gar lieblich lockend die Flaschen und Teller.
    Schon saen sie da in plaudernden Gruppen,
    die Kellner reichten die dampfenden Suppen
    und mehr noch begann Gems' und Braten
    mit sem Wohlgeruch zu laden.

    Da kam zur Tre still herein
    ein Fremder mit seinem Tchterlein
    und setzte sich unten am langen Tisch,
    um auch zu kosten von Wein und Fisch.
    Oben klirrten die Lffel und Messer,
    klangen die Glser und scherzten die Esser.

    Da tnt auf einmal gar hell und fein
    eine Stimme in den Lrm hinein,
    wie wenn von fern ein Glcklein klingt,
    wie wenn im Wald ein Vogel singt.
    Und wie auch der Strom der Rede rauscht,
    still wird es rings und jeder lauscht:
    der Krieger, der von den Schlachten erzhlt,
    der Kaufmann, der ber die Zlle geschmlt,
    die Reisenden, die von Abenteuern
    gesprochen und von Ungeheuern,
    die Stutzer, die von Pferd und Wagen
    und Hunden und Moden so vieles sagen.

    Und wie sie schauen nach dem Orte,
    von woher dringen die lieblichen Worte:
    mit gefalteten Hnden das Mdchen steht
    und spricht sein gewohntes Tischgebet.
    Und wie beseelt von hherem Geist
    falten auch sie die Hnde zumeist
    und horchen alle mit rechtem Fleie
    auf des betenden Kindes Weise.
    Drauf setzt es sich nieder mit stiller Freude
    und achtet nicht auf all die Leute.
    Die aber, ergriffen im tiefsten Innern,
    muten sich oft noch daran erinnern.
    Und mancher hat wieder gebetet fortan,
    was er schon lange nicht mehr getan.

                                   Friedrich Gll.




Dem Vaterland.


    Das ist ein hohes, helles Wort,
      Dem Vaterland!
    das hallt durch unsre Herzen fort
    wie Waldesrauschen, Glockenklang,
    Drommetenschmettern, Lerchensang;
    das fllt, ein Blitz, in unsre Brust,
    zu heil'ger Flamme wird die Lust!
      Dem Vaterland!

      Dem Vaterland!
    Das Wort gibt Flgel dir, o Herz.
    Flieg auf, flieg auf, schau niederwrts
    die Wlder, Strme, Tal' und Hhn;
    o deutsches Land, wie bist du schn!
    Und berall klingt Liederschall
    und berall _ein_ Widerhall:
      Dem Vaterland!

      Dem Vaterland!
    Das seinen Tchtern hat beschert
    der keuschen Liebe stillen Herd,
    das seinen Shnen gab als Hort
    die freie Tat, das treue Wort,
    das feiner Ehren blanken Schild
    zu wahren allzeit sei gewillt,--
      dem Vaterland!

[Illustration: Landschaft]

      Dem Vaterland!
    O hohes Wort, o helles Wort,
    du tn' fr alle Zeiten fort
    wie Waldesrauschen, Glockenklang,
    Drommetenschmettern, Lerchensang!
    zu heil'ger Flamme weih' die Lust,
    so lange schlgt die deutsche Brust
      dem Vaterland!
     Heil dir, Heil dir, du deutsches Land!

                                   Rob. Reinick.




Deutscher Rat.


    Vor allem eins, mein Kind: Sei treu und wahr,
    la nie die Lge deinen Mund entweih'n!
    Von alters her im deutschen Volke war
    der hchste Ruhm, getreu und wahr zu sein.

    Du bist ein deutsches Kind, so denke dran;
    noch bist du jung, noch ist es nicht so schwer.
    Aus einem Knaben aber wird ein Mann;
    das Bumchen biegt sich, doch der Baum nicht mehr.

    Sprich ja und nein und dreh' und deutle nicht!
    Was du berichtest, sage kurz und schlicht;
    was du gelobest, sei dir hchste Pflicht!
    Dein Wort sei heilig, drum verschwend' es nicht!

    Leicht schleicht die Lge sich ans Herz heran;
    zuerst ein Zwerg, ein Riese hintennach;
    doch dein Gewissen zeigt den Feind dir an,
    und eine Stimme ruft in dir: Sei wach!

    Dann wach' und kmpf', es ist ein Feind bereit:
    Die Lg' in dir, sie drohet dir Gefahr.
    Kind! Deutsche kmpften tapfer allezeit.
    Du, deutsches Kind, sei _tapfer, treu und wahr_!

                                   Robert Reinick.

[Illustration: Dekoration]




Geschichte vom Nuknacker.


[Illustration: Nussknacker]

Zwei Knaben hatten im Walde Haselnsse gepflckt, saen unter den
Stauden und wollten Nsse essen; aber keiner hatte sein Messerlein bei
sich, und mit den Zhnen konnten sie sie nicht aufbeien. Da jammerten
sie sehr und sagten: Ach, kme doch nur jemand, der uns unsre Nsse
aufknacken wollte! Kaum gesagt, so kam ein kleines Mnnlein durch den
Wald einher gezogen. Aber wie sah das Mnnlein aus? Es hatte einen
groen, groen Kopf, an dem ein langer, steifer Zopf bis an die Ferse
herabhing, eine goldene Mtze, ein rotes Kleid und gelbes Hslein. Indem
es nun so einhertrippelte, brummte es das Liedlein:

          Hei, hei,
          bei, bei
          Hans hei' ich,
          Nsse bei' ich;
    geh' gern in den grnen Wald,
    wenn die Nu vom Strauche fallt;
    mach's dem lust'gen Eichhorn nach,
    knack' und nag' den ganzen Tag!

Die Knaben muten sich schier zu Tode lachen ber den kleinen, drolligen
Burschen, den sie fr ein Waldzwerglein hielten. Sie riefen ihm zu:
Wenn du Nsse beien willst, so komm her und knack' uns diese auf,
damit wir sie essen knnen! -- Da brummte das Mnnlein in seinen langen
weien Bart:

    Hansl hei' ich,
    Nsse bei' ich;
    hab' ich aber mich beflissen,
    euch ein Dutzend aufgebissen,
    gebt mir zum Lohn
    ein paar davon!

Ja, ja! schrien die Buben, du kannst mitessen, knacke nur fleiig
auf. -- Das Mnnlein stellte sich zu ihnen hin -- denn am Sitzen
hinderte es sein steifer Zopf -- und sprach:

    Hebet auf den langen Zopf,
    schiebt die Nu in meinen Kropf,
    drcket nieder und so fort,
    schnell ist jede Nu durchbohrt.

[Illustration: Nussbeier]

Also taten sie, und hrten das Lachen nicht auf, wenn sie den Kleinen
immer beim Zopfe nehmen muten und nach jedem tchtigen Knack die Nu
aus dem Munde sprang. Bald waren alle Nsse aufgebissen, und das
Mnnlein brummte:

    Hei, hei,
    bei, bei,
    will meinen Lohn
    nun auch davon!

Der eine der Knaben wollte nun dem Mnnlein den versprochenen Lohn
spenden; der andere aber, ein bser Bube, hinderte ihn daran, indem er
sprach: Warum willst du dem Brschlein von unsern Nssen geben? Wir
wollen sie allein essen. Geh nur fort jetzt, Nubeier, und suche dir
deine Nsse selbst!

Da ward das Nubeierlein gewaltig erzrnt und brummte:

    Gibst du mir keine Nu,
    so machst du mir Verdru;
    ich nehme dich beim Schopf
    und bei' dir ab den Kopf!

Da lachte der bse Bube und sagte: Du mir den Kopf abbeien? Mache
lieber, da du fortkommst, sonst la' ich dich mein Haselstaudengertlein
fhlen! Zugleich drohte er mit seinem Stcklein; der Nuknacker wurde
ganz rot vor Zorn, hob sich mit einem Hndchen den Zopf auf, schnappte
wie ein Fisch im Wasser und -- knack -- der Kopf war weg.

Das ist die Geschichte von dem ersten Nuknacker. Habt wohl acht,
Kinder, da euch die Kpfe oder wenigstens die Fingerlein nicht
abgebissen werden; denn wie ihr Ahnherr, so machen auch die Enkel und
Urenkel des Nuknackergeschlechts mit bsen Kindern nicht lange
Federlesens!                       F. v. Pocci.




Der alte Landmann an seinen Sohn.

    b' immer Treu und Redlichkeit
    bis an dein khles Grab
    und weiche keinen Finger breit
    von Gottes Wegen ab!
    Dann wirst du wie auf grnen Au'n
    durchs Erdenleben gehn;
    dann kannst du sonder Furcht und Grau'n
    dem Tod ins Auge sehn.

[Illustration: Landmann beim Mhen]

    Dann wird die Sichel und der Pflug
    in deiner Hand so leicht;
    dann singest du beim Wasserkrug,
    als wr' dir Wein gereicht.
    Dem Bsewicht wird alles schwer,
    er tue, was er tu'.
    Der Teufel treibt ihn hin und her
    und lt ihm keine Ruh'.
    Der schne Frhling lacht ihm nicht;
    ihm lacht kein hrenfeld;
    er ist auf Lug und Trug erpicht
    und wnscht sich nichts als Geld.
    Der Wind im Hain, das Laub am Baum
    saust ihm Entsetzen zu.
    Er findet nach des Lebens Traum
    im Grabe keine Ruh'.
    Sohn, be Treu' und Redlichkeit
    bis an dein khles Grab
    und weiche keinen Finger breit
    von Gottes Wegen ab!
    Dann suchen Enkel deine Gruft
    und weinen Trnen drauf,
    und Sonnenblumen, voll von Duft,
    Blhn aus den Trnen auf.
                                   Hlty.

[Illustration: Dekoration - Sonnenblumen]




[Illustration: Die unholdigen Schwestern]


Der getreue Eckart.


    Vom Wundermann hat man euch immer erzhlt;
    nur hat die Besttigung jedem gefehlt,
    die habt ihr nun kstlich in Hnden.

    Sie kommen nach Hause, sie setzen den Krug
    ein jedes den Eltern bescheiden genug
    und harren der Schlg' und der Schelten.
    Doch siehe, man kostet: Ein herrliches Bier!
    Man trinkt in die Runde schon dreimal und vier
    und noch nimmt der Krug nicht ein Ende.

    Das Wunder, es dauert zum morgenden Tag;
    doch fraget, wer immer zu fragen vermag:
    Wie ist's mit den Krgen ergangen?
    Die Muslein, sie lcheln, im stillen ergtzt;
    Sie stammeln und stottern und schwatzen zuletzt
    und gleich sind vertrocknet die Krge.

    Und wenn euch, ihr Kinder, mit treuem Gesicht
    ein Vater, ein Lehrer, ein Aldermann spricht,
    so horchet und folget ihm pnktlich!
    Und liegt auch das Znglein in peinlicher Hut,
    verplaudern ist schdlich, verschweigen ist gut;
    dann fllt sich das Bier in den Krgen.
                                   Goethe.

[Illustration: Dekoration]




[Illustration: Pflug]


Die beiden Pflugscharen.


Von gleicher Art des Eisens wurden in einer Werksttte zwei Pflugscharen
verfertigt. Eine davon kam in die Hand eines Landmannes, die andere ward
in einen Winkel gestellt. Erst nach mehreren Monaten erinnerte man sich
derselben, zog sie aus ihrer Ruhe hervor, und siehe! sie war ganz mit
Rost bedeckt. Wie erstaunte sie, als sie ihre Gefhrtin wiedersah und
sich selbst mit ihr verglich! Denn diese fand sie hell und glatt, ja,
glnzender als sie anfangs gewesen war. Ist das mglich? rief die
verrostete aus; einst waren wir einander gleich; was hat dich so
herrlich gemacht, whrend ich in der glcklichsten Ruhe so verunstaltet
worden bin? -- Eben diese Ruhe, erwiderte jene, war dir verderblich.
Mich hat bung und Arbeit erhalten, und diesen verdanke ich die
Schnheit, in der ich dich jetzt bertreffe.

                                   G. Meiner.




Die beiden xte.


Ein Zimmermann lie seine Axt in einen tiefen Strom fallen und bat den
Flugott inbrnstig, er mchte ihm, da er arm sei, wieder dazu
verhelfen. Der Flugott war so gndig, stieg auf und brachte eine --
goldene Axt zum Vorschein.

[Illustration: Flussgott]

Das ist die meinige nicht! sprach der Zimmermann ganz gelassen. --
Der Geist tauchte von neuem unter und langte eine silberne hervor.

Auch diese gehrt mir nicht! sprach der Arme und zum dritten Male
langte der Flugott eine Axt von Eisen mit einem hlzernen Stiele
heraus. --

Das ist die rechte! das ist sie! rief der Arbeitsmann frhlich.

Gut! Ich sehe, du bist eben so wahrhaft und ehrlich, als arm, sprach
der mitleidige Geist. Zur Belohnung nimm alle drei mit.

Die Geschichte ward bald in der ganzen Gegend ruchbar. Ein Schalk, der
sie erfahren, nahm sich vor zu versuchen, ob auch gegen ihn der Flugott
so mildttig sein wrde. Er lie seine Axt mit Willen in den Strom
fallen, flehte zum Flugott und hatte das Vergngen, ihn aufsteigen zu
sehen. Er klagte ihm seinen Verlust, und der Geist brachte, wie ehemals,
eine goldene hervor.

Ist sie das, mein Sohn?

Ja, ja, das ist sie! antwortete der Lgner und griff schon darnach.
Halt, Nichtswrdiger! erschallte nun die Stimme des erzrnten Geistes.
Glaubst du denjenigen zu hintergehen, der bis ins Innere deines Herzens
blicken kann? Zur Strafe deines Lugs und Betrugs verliere auch
dasjenige, was bisher dein war! Und ohne Axt mute er nach Hause
wandern.                           G. Meiner.





Sparbchslein.


    Teuer ist die War'
    und das Geld ist rar:
      Spar'!

    Lang ist auch das Jahr,
    gro der Tage Schar:
      Spar'!

    Eh' dein Geld ist gar,
    jetzt und immerdar:
      Spar'!

    Spar' fr die Gefahr,
    fr die grauen Haar:
      Spar'!

    Sag' nicht: Wenn und zwar! --
    Bis zu deiner Bahr:
      Spar'!

                                   Friedrich Gll.

[Illustration: Sparbchse]




Wie Kaiser Karl Schulvisitation hielt.


    Als Kaiser Karl zur Schule kam und wollte visitieren,
    da prft' er scharf das kleine Volk, ihr Schreiben, Buchstabieren,
    ihr Vaterunser, Einmaleins, und was man lernte mehr;
    zum Schlusse rief die Majestt die Schler um sich her.

    Gleichwie der Hirte schied er da die Bcke von den Schafen,
    zu seiner Rechten hie er stehn die Fleiigen, die Braven.
    Da stand im groben Linnenkleid manch schlichtes Brgerkind,
    manch Shnlein eines armen Knechts von Kaisers Hofgesind'.

    Dann rief er mit gestrengem Blick die Faulen her, die Bcke,
    und wies sie mit erhobner Hand zur Linken in die Ecke;
    da stand im pelzverbrmten Rock manch feiner Herrensohn,
    manch ungezognes Mutterkind, manch junger Reichsbaron.

    Da sprach nach rechts der Kaiser mild: Habt Dank ihr frommen Knaben,
    ihr sollt' an mir den gnd'gen Herrn, den gt'gen Vater haben;
    und ob ihr armer Leute Kind und Knechteshne seid,
    in meinem Reiche gilt der Mann und nicht des Mannes Kleid.

    Dann blitzt' sein Blick zur Linken hin, wie Donner klang sein Tadel:
    Ihr Taugenichtse, bessert euch, ihr schndet euren Adel;
    ihr seidnen Pppchen, trotzet nicht auf euer Milchgesicht,
    ich frage nach des Manns Verdienst, nach seinem Namen nicht!

    Da sah man manches Kindesaug' in frohem Glanze leuchten
    und manches stumm zu Boden sehn und manches still sich feuchten;
    und als man aus der Schule kam, da wurde viel erzhlt,
    wen heute Kaiser Karl gelobt, und wen er ausgeschmlt.

    Und wie's der groe Kaiser hielt, so soll man's allzeit halten
    im Schulhaus mit dem kleinen Volk, im Staate mit den Alten:
    Den Platz nach Kunst und nicht nach Gunst, den Stand nach dem Verstand,
    so steht es in der Schule wohl und gut im Vaterland.

                                   Karl Gerock.




Hurtig an die Arbeit.


    Mein Kind, du bist schon lang
    der Mutter aus der Wiegen;
    nun hilf dir selbst; wie du
    dich bettest, wirst du liegen.
    Die Flgel wuchsen dir,
    gebrauche sie zum Fliegen!
    Der kommt nicht auf den Berg,
    der nicht hinaufgestiegen.
    Greif an die Schwierigkeit,
    so wirst du sie besiegen!

                                   Friedrich Rckert.




Meister, Geselle und Lehrling.


    Wer soll Meister sein? Wer was ersann.
    Wer soll Geselle sein? Wer was kann.
    Wer soll Lehrling sein? Jedermann.

                                   Joh. Wolfg. v. Goethe.

[Illustration: Dekoration - Rose]




Der Knstler und sein Sohn.


Der Meister sa in seiner Werksttte und meielte an einem Herkules. Da
trat eines Tages sein Shnlein zu ihm und fragte: Vater, was machst du
da? Der Vater antwortete: Ich bildne einen Herkules. Und er erzhlte
ihm darauf, wie ein gar groer und gewaltiger Mann der gewesen, und wie
er Lwen und Schlangen und Riesen erlegt, und noch viele andere
wundersame Heldenstcke getan. Da sagte der Knabe: Vater, ich will auch
einen Herkules machen. -- Tue das, mein Kind! versetzte der Meister
lchelnd. Und er gab demselben einen Klumpen Ton, aus dem jener den
Herkules machen knnte. Nach einiger Zeit fragte der Vater: Wie ist's
mit dem Herkules? Der Knabe antwortete: Es fgt sich nicht recht; ich
will lieber einen Reiter machen. Der Vater nickte und sprach: So mach'
denn einen Reiter! Nach einer Weile stiller Arbeit rief der Knabe:
Vater, es geht mit dem Reiter auch nicht; ich will nur gleich einen
Hanswurst machen. Und er knetete nun aus dem Ton zuerst einen groen
Wanst; dann fgte er Hnde und Fe daran und setzte zuletzt einen
spitzen Hut drauf, unter dem ein Kopf stak mit einer groen Nase. So war
denn der Hanswurst fertig. Das Shnlein klatschte voll Freuden sich in
die Hnde; der Vater aber schttelte den Kopf und dachte sich, -- was
sich jeder leicht denken kann.     Ludwig Aurbacher.




[Illustration: Zweig mit Pfirsichen]


Die Pfirsiche.


Ein Landmann brachte aus der Stadt fnf Pfirsiche mit, die schnsten,
die man sehen konnte. Seine Kinder aber sahen diese Frucht zum
erstenmale. Deshalb wunderten und freuten sie sich sehr ber die schnen
pfel mit den rtlichen Backen und dem zarten Flaum. Darauf verteilte
sie der Vater unter seine vier Knaben, und einen erhielt die Mutter.

Am Abend, als die Kinder in das Schlafkmmerlein gingen, fragte der
Vater: Nun, wie haben euch die schnen pfel geschmeckt? Herrlich,
lieber Vater! sagte der lteste. Es ist eine schne Frucht, so
suerlich und so sanft von Geschmack. Ich habe mir den Stein sorgsam
bewahrt und will mir daraus einen Baum erziehen. Brav! sagte der
Vater; das heit haushlterisch auch fr die Zukunft gesorgt, wie es
dem Landmanne geziemt!

Ich habe den meinigen sogleich aufgegessen, rief der Jngste, und den
Stein fortgeworfen, und die Mutter hat mir die Hlfte von dem ihrigen
gegeben. O! das schmeckte so s und zerschmilzt einem im Munde. Nun,
sagte der Vater, du hast zwar nicht sehr klug, aber doch natrlich und
nach kindlicher Weise gehandelt. Fr die Klugheit ist auch noch Raum
genug im Leben.

Da begann der zweite Sohn: Ich habe den Stein, den der kleine Bruder
fortwarf, aufgehoben und zerklopft. Es war ein Kern darin, der schmeckte
so s wie eine Nu. Aber meinen Pfirsich habe ich verkauft und so viel
Geld dafr erhalten, da ich, wenn ich nach der Stadt komme, wohl zwlf
dafr kaufen kann. Der Vater schttelte den Kopf und sagte: Klug ist
das wohl, aber kindlich und natrlich war es nicht.

Und du Edmund? fragte der Vater. Unbefangen und offen antwortete
Edmund: Ich habe meinen Pfirsich dem Sohne unseres Nachbars, dem
kranken Georg, der das Fieber hat, gebracht, er wollte ihn nicht nehmen.
Da habe ich ihn auf sein Bett gelegt und bin hinweggegangen.

Nun! sagte der Vater, wer hat denn wohl den besten Gebrauch von
seinem Pfirsich gemacht? Da riefen sie alle drei: Das hat Bruder
Edmund getan! Edmund aber schwieg still. Und die Mutter umarmte ihn mit
einer Trne im Auge.               A. Krummacher.




[Illustration: Garben]


Die treuen Brder.


Zur Zeit der Ernte kamen zwei rstige Jnglinge aus dem Gebirg herab in
das ebene Land, wo es an Arbeitern fehlte und sagten zu einem Bauern:
Wir beide wollen euch die ganze Erntezeit hindurch helfen, euer
Getreide hereinzubringen, wenn ihr uns die Kost und zehn Taler Lohn
gebt!

Zehn Taler ist zu viel, sagte der Bauer; ich meine, zehn Gulden[1]
wren mehr als genug. Nein, sagten die Jnglinge, es mssen gerade
zehn Taler sein, mit weniger ist uns nicht geholfen. Wollt ihr uns nicht
so viel geben, so bieten wir unsere Dienste einem andern an.

Wozu habt ihr denn so viel Geld notwendig? fragte der Bauer. Seht,
sagten sie, wir haben zu Hause einen jngeren Bruder, der bereits
vierzehn Jahre alt ist. Ein geschickter Wagner will ihn in die Lehre
nehmen, verlangt aber durchaus zehn Taler Lehrgeld. So viel Geld aber
wei unser alter Vater nicht aufzubringen. Da haben wir zwei ltere
Brder uns denn verabredet, dieses Geld zu verdienen.

Nun wohl, sagte der Bauer, wegen eurer brderlichen Liebe will ich
euch zehn Taler geben, wenn ihr so fleiig arbeitet, da ich damit
zufrieden sein kann.

Die beiden Brder arbeiteten an den heien Erntetagen unermdet im
Schweie ihres Angesichtes; sie waren morgens am frhesten auf und
legten sich abends am sptesten zur Ruhe.

Als die Ernte glcklich eingebracht war, bezahlte der Bauer ihnen die
zehn Taler und sprach: Ihr habt euern Lohn redlich verdient und da gebe
ich jedem von euch noch einen Taler darber.

    Wenn Geschwister einig leben,
    treulich sich zu helfen streben --
    kann es etwas Schnr'es geben?

                                   Chr. v. Schmid.

[Illustration: Dekoration - hren]




[Illustration: Der Bauer und sein Sohn]




Der Bauer und sein Sohn.


    Ein guter dummer Bauernknabe,
    den Junker Hans einst mit auf Reisen nahm
    und der, trotz seinem Herrn, mit einer guten Gabe
    recht dreist zu lgen wiederkam,
    ging kurz nach der vollbrachten Reise
    mit seinem Vater ber Land.
    Fritz, der im Geh'n recht Zeit zum Lgen fand,
    log auf die unverschmt'ste Weise.
    Zu seinem Unglck kam ein groer Hund gerannt.
    Ja, Vater, rief der unverschmte Knabe,
    ihr mgt mir glauben oder nicht,
    so sag' ich euch und jedem ins Gesicht,
    da ich einst einen Hund im Haag[2] gesehen habe,
    hart an dem Weg, wo man nach Frankreich fhrt,
    der -- ja, ich bin nicht ehrenwert,
    wenn er nicht grer war als euer grtes Pferd.

[Illustration: Hund]

    Das, spricht der Vater, nimmt mich wunder,
    wiewohl ein jeder Ort lt Wunderdinge seh'n.
    Wir zum Exempel geh'n jetzunder
    und werden keine Stunde geh'n,
    so wirst du eine Brcke seh'n,
    (wir mssen selbst darber geh'n),
    die hat dir manchen schon betrogen;
    (denn berhaupt soll's dort nicht gar zu richtig sein).
    Auf dieser Brcke liegt ein Stein,
    an den stt man, wenn man denselben Tag gelogen,
    und fllt und bricht sogleich das Bein.

    Der Bub' erschrak, sobald er dies vernommen.
    Ach, sprach er, lauft doch nicht so sehr!
    Doch, wieder auf den Hund zu kommen,
    wie gro sagt' ich, da er gewesen wr'?
    Wie euer grtes Pferd? Dazu will viel gehren.
    Der Hund, jetzt fllt mir's ein, war erst ein halbes Jahr;
    allein, das wollt' ich wohl beschwren,
    da er so gro als mancher Ochse war.

    Sie gingen noch ein gutes Stcke;
    doch Fritzen schlug das Herz. Wie konnt' es anders sein?
    Denn niemand bricht doch gern ein Bein.
    Er sah nunmehr die richterliche Brcke --
    und fhlte schon den Beinbruch halb.
    Ja, Vater, fing er an, der Hund, von dem ich rede,
    war gro, und wenn ich ihn auch was vergrert htte,
    so war er doch viel grer als ein Kalb.

    Die Brcke kommt. Fritz! Fritz! wie wird dir's gehen!
    Der Vater geht voran; doch Fritz hlt ihn geschwind.
    Ach, Vater, spricht er, seid kein Kind
    und glaubt, da ich dergleichen Hund gesehen;
    denn kurz und gut, eh' wir darber gehen,
    der Hund war nur so gro, wie alle Hunde sind.

                                   Christian Frchtegott Gellert

[Illustration: Dekoration - Brcke]




Das Kind.


    Die Mutter lag im Totenschrein,
    zum letzten Mal geschmckt;
    da spielt das kleine Kind herein,
    das staunend sie erblickt.

    Die Blumenkron' im blonden Haar
    gefllt ihm gar zu sehr,
    die Busenblumen, bunt und klar,
    zum Strau gereiht, noch mehr.

    Und sanft und schmeichelnd ruft es aus:
    du, liebe Mutter, gib
    mir eine Blum aus deinem Strau,
    ich hab' dich auch so lieb!

    Und als die Mutter es nicht tut,
    da denkt das Kind fr sich:
    Sie schlft, doch wenn sie ausgeruht,
    so tut sie's sicherlich.

    Schleicht fort, so leis' es immer kann,
    und schliet die Tre sacht
    und lauscht von Zeit zu Zeit daran,
    ob Mutter noch nicht wacht.

                                   Hebbel.

[Illustration: Dekoration - Blumen]




Das Kind am Brunnen.


    Frau Amme, Frau Amme, das Kind ist erwacht!
    Doch die liegt ruhig im Schlafe.
    Die Vglein zwitschern, die Sonne lacht,
    am Hgel weiden die Schafe.
    Frau Amme, Frau Amme, das Kind steht auf,
    es wagt sich weiter und weiter!
    Hinab zum Brunnen nimmt es den Lauf,
    da stehen Blumen und Kruter.
    Frau Amme, Frau Amme, der Brunnen ist tief!
    Sie schlft, als lge sie drinnen.
    Das Kind luft schnell, wie es nie noch lief,
    die Blumen lockens von hinnen.
    Nun steht es am Brunnen, nun steht es am Ziel,
    nun pflckt es die Blumen sich munter;
    doch bald ermdet das reizende Spiel,
    da schaut's in die Tiefe hinunter.
    Und unten erblickt es ein holdes Gesicht
    mit Augen, so hell und so se.
    Es ist sein eignes, das wei es noch nicht,
    viel stumme freundliche Gre!
    Das Kindlein winkt, der Schatten geschwind
    winkt aus der Tiefe ihm wieder.
    Herauf! Herauf! so meint's das Kind;
    der Schatten: Hernieder! Hernieder!
    Schon beugt es sich ber den Brunnenrand.
    Frau Amme, du schlfst noch immer!

[Illustration: Kind am Brunnen]

    Da fallen die Blumen ihm aus der Hand
    und trben den lockenden Schimmer.
    Verschwunden ist sie, die se Gestalt,
    verschluckt von der hpfenden Welle;
    das Kind durchschauert's fremd und kalt,
    und schnell enteilt es der Stelle.

                                   Friedrich Hebbel.




[Illustration: Blumenkorb]


Des Mgdleins Schmuck.


    Es wchst ein Blmlein _Bescheidenheit_,
    der Mgdlein Krnzel und Ehrenkleid.
    Wer solches Blmlein sich frisch erhlt,
    dem blhet golden die ganze Welt.

    Auch wird ein zweites, das _Demut_ heit,
    als Schmuck der Mgdelein hoch gepreist.
    Die Englein, singend an Gottes Thron,
    es trag'n als Demant in goldner Kron'.

    Ein drittes Blmlein, wo diese zwei
    nur stehen, immer ist dicht dabei:
    heit _Unschuld_, sieht gar freundlich aus,
    das schnste Blmchen im Frhlingsstrau.

    So pflege, Mgdlein, die Blmlein drei
    mit frommer Sorge und stiller Treu'!
    Denn wer sie wahret, wird nimmer alt,
    er trgt die himmlische Wohlgestalt.

                                   Ernst Moritz Arndt.




Der Jhzorn.


Ein junger Schfer htete im Gebirge seine Schafe. Eines Tages sa er
auf einem Felsenstcke in dem Schatten einer Tanne. Er schlief ein und
wankte und nickte im Schlafe bestndig mit dem vorwrts hngenden Kopfe.
Der Schafbock, der nicht weit von ihm graste, meinte, der Schfer
fordere ihn zum Zweikampfe heraus und wolle mit ihm stoen. Der Bock
nahm daher eine drohende Stellung, ging, um einen rechten Anlauf zu
nehmen, einige Schritte zurck, rannte dann auf den Schfer zu und
versetzte ihm mit seinen Hrnern einen gewaltigen Sto. Der Schfer, der
sich aus seinem sen Schlummer so unsanft geweckt sah, geriet in
wtenden Zorn. Er sprang auf, packte den Bock mit beiden Fusten und
schleuderte ihn weit von sich. Der verscheuchte Bock rannte fort und
strzte in den nahen Abgrund. Die Schafe, wohl ihrer hundert, sprangen
dem Bocke nach und wurden an den Felsen elend zerschmettert. Der Schfer
aber raufte sich vor Jammer die Haare aus und bereute zu spt seinen
Jhzorn.                           Chr. v. Schmid.

[Illustration: Dekoration - Widderkopf]




Eifer fhrt zum Ziel.


Der Hase verspottete einst die Schildkrte ihrer Langsamkeit wegen. Die
Natur, erwiderte diese, hat mir freilich keinen schnellen Schritt
verliehen; dennoch getraue ich mir wohl mit dir um die Wette zu laufen.

Mit Hohn und Scherz ward von dem Hasen dieser Vorschlag angenommen. Man
bestimmte ein Ziel. Beide machten sich zu gleicher Zeit auf den Weg. Und
unermdet kroch auf schnurgeradem Pfade die Schildkrte fort. Ganz
anders machte es der Hase. Um zu zeigen, wie sehr er seinen Mitbewerber
verachte, hpfte er bald rechts bald links und kam demungeachtet viel
frher bis auf die Mitte des Weges. Ermdet von den vielen
Seitensprngen legte er allda sich nieder um ein wenig zu schlummern.
Ich kann ja doch, dachte er bei sich selbst, die Schildkrte mit drei
oder vier Sprngen wieder einholen! So schlief er ruhig, bis er von
einem lauten Gelchter der Zuschauer erwachte. Jetzt wollte er sich
hurtig aufraffen und ans Ziel eilen, als er -- o Schande! -- die
Schildkrte bereits an demselben erblickte.

                                   A. G. Meiner.

[Illustration: Dekoration - Hase]




Einer fr alle.


Beim Sturm auf Lttich (1914) hatte eine deutsche Batterie nach schweren
Verlusten eine gute Stellung gewonnen. Immer hitziger wurde der Kampf.
Die schwere Artillerie der Festung schleuderte dem Angreifer
zentnerschwere Granaten entgegen. Da pltzlich -- es war auf dem
Hhepunkt des heien Artilleriekampfes -- fllt eines dieser
Riesengeschosse mit dumpfem Schlag mitten in die deutsche Batterie. Der
Sand spritzt nach allen Seiten, das Gescho liegt offen in der Hhlung.
Jeden Augenblick kann es losgehen und alles Lebende ringsum tten. Da
schiet dem Unteroffizier Heinemann der Gedanke durch das Gehirn: Lieber
einer als alle! Er springt hin, rafft das schwere Gescho auf und
schleppt es an den Leib gepret eilends aus der Batterie hinaus. Wre es
in diesen Sekunden geplatzt, er wre in tausend Stcke zerrissen worden.
Aber die Tat glckte. Eine Strecke auerhalb der Stellung legte er die
gefhrliche Last zur Erde und eilte zurck. Doch kaum ist er eine
Strecke gesprungen, da war die Zeit der Granate gekommen. Sie zersprang
mit furchtbarem Brllen und spritzte ihren totbringenden Eisenhagel nach
allen Seiten. Wie durch ein Wunder aber blieb der Tapfere heil. Nur ein
Splitter traf ihn in die Ferse, und als sieben Stunden spter die
Festung fiel, konnte er noch siegreich mit einziehen.

                                   Hamburger Fremdenblatt.

[Illustration: Unteroffizier Heinemann]




[Illustration: Dekoration - Weinrebe]


Der Schatzgrber.


    Ein Winzer, der am Tode lag,
    Rief seine Kinder an und sprach:
    In unserm Weinberg liegt ein Schatz,
    Grabt nur darnach! -- An welchem Platz?
    Schrie alles laut den Vater an. --
    Grabt nur! O weh, da starb der Mann.

    Kaum war der Alte beigeschafft,
    So grub man nach aus Leibeskraft.
    Mit Hacke, Karst und Spaten ward
    Der Weinberg um und um gescharrt.
    Da war kein Klo, der ruhig blieb;
    Man warf die Erde gar durchs Sieb
    Und zog die Harken kreuz und quer
    Nach jedem Steinchen hin und her.
    Allein da ward kein Schatz versprt
    Und jeder hielt sich angefhrt.

    Doch kaum erschien das nchste Jahr,
    So nahm man mit Erstaunen wahr,
    Da jede Rebe dreifach trug.
    Da wurden erst die Shne klug
    Und gruben nun jahrein, jahraus
    Des Schatzes immer mehr heraus.

                                   Gottfr. Aug. Brger.




[Illustration: Dekoration - Grabkreuz]


Hoffnung.


    Es reden und trumen die Menschen viel
    von bessern knftigen Tagen,
    nach einem glcklichen, goldenen Ziel
    sieht man sie rennen und jagen.
    Die Welt wird alt und wird wieder jung,
    doch der Mensch hofft immer Verbesserung.
    Die Hoffnung fhrt ihn ins Leben ein,
    sie umflattert den frhlichen Knaben,
    den Jngling locket ihr Zauberschein,
    sie wird mit dem Greis nicht begraben;
    denn beschliet er im Grabe den mden Lauf,
    noch am Grabe pflanzt er die Hoffnung auf.
    Es ist kein leerer, schmeichelnder Wahn,
    erzeugt im Gehirne des Toren;
    im Herzen kndet es laut sich an:
    Zu was Besserm sind wir geboren.
    Und was die innere Stimme spricht,
    das tuscht die hoffende Seele nicht.

                                   Friedrich von Schiller.




Der beste Empfehlungsbrief.


Auf das Ausschreiben eines Kaufmanns, durch welches ein Laufbursche
gesucht wurde, meldeten sich fnfzig Knaben. Der Kaufmann whlte sehr
rasch einen unter denselben und verabschiedete die andern. Ich mchte
wohl wissen, sagte ein Freund, warum du gerade diesen Knaben, der doch
keinen einzigen Empfehlungsbrief hatte, bevorzugtest? Du irrst,
lautete die Antwort, dieser Knabe hatte viele Empfehlungen. Er putzte
seine Fe ab, ehe er ins Zimmer trat, und machte die Tre zu; er ist
daher sorgfltig. Er gab ohne Besinnen seinen Stuhl jenem alten, lahmen
Manne, was seine Herzensgte und Aufmerksamkeit zeigt. Er nahm seine
Mtze ab, ehe er hereinkam, und antwortete auf meine Fragen schnell und
sicher; er ist also hflich und hat gute Sitten. Er hob das Buch auf,
welches ich absichtlich auf den Boden gelegt hatte, whrend alle brigen
dasselbe zur Seite stieen oder darber stolperten. Er wartete ruhig und
drngte sich nicht heran -- ein gutes Zeugnis fr sein anstndiges
Benehmen. Ich bemerkte ferner, da sein Rock gut ausgebrstet und seine
Hnde und sein Gesicht rein waren. Nennst du dies alles keinen
Empfehlungsbrief? Ich gebe mehr darauf, was ich von einem Menschen wei,
nachdem ich ihn zehn Minuten lang gesehen, als auf das, was in schn
klingenden Empfehlungsbriefen geschrieben steht.

                                   Magdeburger Zeitung.




[Illustration: Dekoration - Blume]


Reinlichkeit.


    Rein gehalten dein Gewand, rein gehalten Mund und Hand!
    Rein das Kleid von Erdenputz, rein die Hand von Erdenschmutz!
    Sohn, die ure Reinlichkeit ist der innern Unterpfand.

                                   Friedrich Rckert.

[Illustration: Hermann Billing]




Hermann Billings Berufung.


Es war um das Jahr 940 nach Christi Geburt, da htete nicht weit von
Hermannsburg in der Lneburger Heide ein dreizehn- bis vierzehnjhriger
Knabe die Rinderherde seines Vaters auf der Legde[3], als pltzlich ein
prchtiger Zug von gewappneten Rittern dahergezogen kam. Der Knabe sieht
mit Lust die blinkenden Helme und Harnische, die glnzenden Speere und
die hohen Reitersleute an und denkt wohl in seinem Herzen: das sieht
noch nach was aus! Aber pltzlich biegen die Reiter von der sich
krmmenden Strae ab und kommen querfeldein auf die Legde zugeritten, wo
er htet. Das ist ihm zu arg; denn das Feld ist keine Strae, und das
Feld gehrt seinem Vater. Er besinnt sich kurz, geht den Rittern
entgegen, stellt sich ihnen in den Weg und ruft ihnen mit dreister
Stimme zu: Kehrt um; die Strae ist euer, das Feld ist mein.

[Illustration: Knig Otto]

Ein hoher Mann, auf dessen Stirn ein majesttischer Ernst thront, reitet
an der Spitze des Zuges und sieht ganz verwundert den Knaben an, der es
wagt, sich ihm in den Weg zu stellen. Er hlt sein Ro an und hat seine
Freude an dem mutigen Jungen, der so khn und furchtlos seinen Blick
erwidert und nicht vom Platze weicht.

Wer bist du, Knabe? Ich bin Hermann Billings ltester Sohn und heie
auch Hermann, und dies ist meines Vaters Feld; Ihr drft nicht darber
reiten.

Ich will's aber, erwiderte der Ritter mit drohendem Ernst; weiche,
oder ich stoe dich nieder. Dabei erhob er den Speer. Der Knabe aber
bleibt furchtlos stehen, sieht mit blitzendem Auge zu dem Ritter hinauf
und spricht: Recht mu Recht bleiben, und Ihr drft nicht ber das Feld
reiten, Ihr reitet denn ber mich weg.

Was weit du von Recht, Knabe? -- Mein Vater ist der Billing[4],
antwortete der Knabe; vor einem Billing darf niemand das Recht
verletzen.

Da ruft der Ritter noch drohender: Ist das denn Recht, Knabe, deinem
Knige den Gehorsam zu versagen? Ich bin Otto, dein Knig.

Ihr wret Otto, unser Knig, von dem mein Vater uns so viel erzhlt?
Nein, Ihr seid es nicht! Knig Otto schtzt das Recht, und Ihr brecht
das Recht: Das tut Otto nicht, sagt mein Vater.

Fhre mich zu deinem Vater, braver Knabe, antwortete der Knig, und
eine ungewhnliche Milde und Freundlichkeit erglnzte auf seinem ernsten
Angesichte.

Dort ist meines Vaters Hof, Ihr knnt ihn sehen, sagte Hermann; aber
die Rinder hier hat mir mein Vater anvertraut; ich darf sie nicht
verlassen, kann Euch also auch nicht fhren. Seid Ihr aber Otto der
Knig, so lenket ab vom Felde auf die Strae; denn der Knig schtzt das
Recht.

Und der Knig Otto der Groe gehorchte der Stimme des Knaben und lenkte
sein Ro zurck auf die Strae.

Bald wird Hermann vom Felde geholt. Der Knig ist bei seinem Vater
eingekehrt und hat zu ihm gesagt: Billing, gib mir deinen ltesten Sohn
mit; ich will ihn bei Hofe erziehen lassen; er wird ein treuer Mann
werden, und ich brauche treue Mnner. Und welcher gute Sachse konnte
einem Knige wie Otto etwas abschlagen?

So sollte denn der mutige Knabe mit seinem Knige ziehen, und als Otto
ihn fragte: Hermann, willst du mit mir ziehen? Da antwortete der Knabe
freudig: Ich will mit dir ziehen; du bist der Knig, denn du schtzest
das Recht.

Otto bergab den jungen Billing guten Lehrmeistern, in deren Pflege und
Leitung er zu einem tugendlichen und tchtigen Manne erwuchs. Der Knig
hielt ihn fr einen seiner nchsten Freunde und vertraute dermaen der
Klugheit, Tapferkeit und Treue seines Pfleglings, da er, als er seine
Rmerfahrt antrat, ihm das eigene angestammte Herzogtum Sachsen zur
Verwaltung bergab. Dieser Hermann Billing ist der Ahnherr eines
blhenden Geschlechtes geworden, welches bis zum Jahre 1106 dem
Sachsenlande seine Herzoge gab.

                                   Ferdinand Bler.

[Illustration: Dekoration - Schild und Schwert]




Wohltun macht Freunde.

Ein Venetianer, der hufig das Fichtelgebirg besuchte, um da nach edlen
Metallen besonders nach Goldkrnern zu graben, kehrte oft bei einem
Landmanne in Wlfertsreuth ein, der ihn gastfreundlich aufnahm und ihm
bot, was er vermochte. Einstmals kam er wieder, jedoch um fr immer
Abschied zu nehmen. Ich kehre jetzt in meine Heimat zurck, um die
Frchte meiner langjhrigen Mhen friedlich zu genieen, sagte er, und
werde wohl nie mehr deine gastliche Schwelle berschreiten. Wenn du
jedoch einst irgend ein Anliegen auf dem Herzen hast, so komme zu mir in
das ferne Venedig und ich will dir von deinem Kummer helfen. Ich glaube,
ich werde dich noch bei mir sehen. Er schied.

Und siehe, nach langen Jahren zogen schwere Wolken ber das kleine Haus,
so da der arme Mann keinen Retter mehr wute aus Not und Sorgen als
seinen alten Freund in Welschland. Da machte er sich auf, pilgerte gen
Sden und erreichte glcklich die groe Meerstadt. Nun ward ihm aber
bange, als er die weiten Straen beschaute. Wie wollte er seinen Freund
ausfindig machen, dessen fremden Namen er lngst vergessen?

[Illustration: Venedig]

Als er jedoch in halber Verzweiflung die kstlichen Palste ringsum
anstarrte, da rief es pltzlich aus einem derselben: Hans, Hans! und
ein vornehmer Mann strzte heraus, um den Staunenden zu umarmen. War das
der Venetianer in den schlechten, schwarzen Kleidern, den er einst
beherbergt? Der war es. Der reiche Mann hatte den Fichtelberger an der
Tracht wiedererkannt und fhrte diesen hinauf in die Sle voll Pracht
und Reichtum und vergalt ihm nun alles tausendfach, was er dem Fremdling
einst in seiner Heimat Gutes getan. Reich beschenkt kam Hans zurck und
fhrte von da an ein sorgenfreies Leben.

                                   Schppner, Sagenbuch




Das Loch im rmel.


Ich hatte einen Spielgesellen und Jugendfreund, Namens Albrecht,
erzhlte einst Herr Marbel seinem Neffen. Wir beide waren berall
und nirgends, wie nun Knaben sind, wild und unbndig. Unsere Kleider
waren nie neu, sondern schnell besudelt und zerrissen. Da gab es
Schlge zu Hause, aber es blieb beim alten. Eines Tages saen wir in
einem ffentlichen Garten auf einer Bank und erzhlten einander,
was wir werden wollten. Ich wollte Generalleutnant, Albrecht
Generalsuperintendent werden.

Aus euch beiden gibt's in Ewigkeit nichts! sagte ein steinalter Mann
in feinen Kleidern und weigepuderter Percke, der hinter unserer Bank
stand und die kindlichen Entwrfe angehrt hatte.

Wir erschraken. Albrecht fragte: Warum nicht?

Der Alte sagte: Ihr seid guter Leute Kinder, ich sehe es eueren Rcken
an, aber ihr seid zu Bettlern geboren; wrdet ihr sonst diese Lcher in
eueren rmeln dulden? Dabei fate er jeden von uns an dem Ellenbogen
und bohrte mit den Fingern im durchgerissenen rmel hinauf. -- Ich
schmte mich, Albrecht auch. Wenn's euch, sagte der alte Herr, zu
Hause niemand zunht, warum lernt ihr es nicht selbst? Im Anfang httet
ihr den Rock mit zwei Nadelstichen geheilt, jetzt ist's zu spt, und
ihr kommt wie Bettelbuben. Wollt ihr Generalleutnant werden, so fangt an
beim Kleinsten. Erst das Loch im rmel geheilt, ihr Bettelbuben, dann
denkt an etwas anderes!

Wir beide schmten uns von Herzensgrund, gingen schweigend davon und
hatten das Herz nicht, etwas Bses ber den bsen Alten zu sagen. Ich
aber drehte den Ellenbogen des Rockrmels so herum, da das Loch
einwrts kam, damit es niemand erblicken mchte. Ich lernte von meiner
Mutter das Nhen spielend; denn ich sagte nicht, warum ich's lernen
wollte. Wenn sich jetzt an meinen Kleidern eine Naht ffnete, ein
Fleckchen sich durchschabte, ward's sogleich gebessert. Das machte mich
aufmerksam; ich mochte an zerrissenen Kleidern nun nicht mehr
Unreinlichkeit leiden. Ich ging sauberer, ward sorgfltiger, freute mich
und dachte, der alte Herr in der schneeweien Perrcke htte so unrecht
nicht. Mit zwei Nadelstichen zu rechter Zeit rettet man einen Rock, mit
einer Hand voll Kalk ein Haus; aus roten Pfennigen werden Taler, aus
kleinen Samenkrnern Bume, wer wei wie gro.

Albrecht nahm die Sache nicht so streng. Es ward sein Schaden. Wir waren
beide einem Handelsmanne empfohlen; er verlangte einen Lehrburschen, der
im Schreiben und Rechnen gebt war. Der Herr prfte uns, dann gab er
mir den Vorzug. Meine alten Kleider waren hell und sauber; Albrecht im
Sonntagsrocke lie Nachlssigkeiten sehen. Das sagte mir der Herr
Prinzipal nachher. Ich sehe Ihm an, sagte er, Er hlt das Seine zu
Rat; aus dem anderen gibt's keinen Kaufmann. Da dachte ich wieder an
den alten Herrn und an das Loch im rmel.

Ich merkte wohl, ich hatte in anderen Dingen, in meinen Kenntnissen, in
meinem Betragen, in meinen Neigungen noch manches Loch im rmel. Zwei
Nadelstiche zur rechten Zeit bessern alles ohne Mhe, ohne Kunst. Man
lasse nur das Loch nicht grer werden, sonst braucht man fr das Kleid
den Schneider, fr die Gesundheit den Arzt. -- Es gibt nichts
Unbedeutendes noch Gleichgltiges, weder im Guten noch im Bsen. Wer das
glaubt, kennt sich und das Leben nicht. Mein Prinzipal hatte auch ein
abscheuliches Loch im rmel, nmlich er war rechthaberisch, znkisch,
launenhaft; das brachte mir oft Verdru. Ich widersprach, da gab es
Zank. Holla, dachte ich, es knnte ein Loch im rmel geben und ich ein
Znker und gallschtig und unvertrglich wie der Herr Prinzipal werden.
Von Stunde an lie ich den Mann recht haben; ich begngte mich, recht zu
tun, und bewahrte meinerseits den Frieden.

Als ich ausgelernt hatte, trat ich in eine andere Stellung. Da ich
gewhnt war, mit wenigen Bedrfnissen des Lebens froh zu sein (denn wer
viel hat, ist nie ganz froh), so sparte ich manches, und da ich auch
gewhnt war, mir kein Loch im rmel zu verzeihen, aber schonend ber
dasjenige an fremden rmeln wegzusehen, war alle Welt mit mir zufrieden,
wie ich mit aller Welt. -- So hatte ich bestndig Freunde, bestndig
Beistand, Zutrauen, Geschfte. Gott gab Segen. Der Segen liegt im
Rechttun und Rechtdenken, wie im Nukerne der fruchttragende hohe Baum.

So wuchs mein Vermgen. Wozu denn? fragte ich; du brauchst ja nicht den
zwanzigsten Teil davon. -- Prunk damit treiben vor den Leuten? -- Das
ist Torheit. Soll ich in meinen alten Tagen noch ein Loch im rmel
aufweisen? -- Hilf anderen, wie dir Gott durch andere geholfen hat.
Dabei bleibt's. Das hchste Gut, das der Reichtum gewhrt, ist zuletzt
Unabhngigkeit von den Launen der Leute und ein groer Wirkungskreis. --
Jetzt, Konrad, gehe auf die hohe Schule, lerne etwas Rechtes; denke an
den Mann mit der schneeweien Percke; hte dich vor dem ersten kleinen
Loche im rmel; mach es nicht wie mein Kamerad Albrecht! Er ward zuletzt
Soldat und lie sich in Amerika totschieen.

                                   Heinrich Zschokke.





Der gekreuzte Dukaten.


Wenn ich nur hunderttausend Gulden htte! Das hast du vielleicht auch
schon oft gedacht oder gesagt. Wenn du aus einem Talerlande bist, ist es
dir nicht darauf angekommen und hast hunderttausend Taler daraus
gemacht, obgleich das ein Erkleckliches mehr ist. Ich nehme dir den
Hunderttausendwunsch nicht bel, es ist keine schlimme Sache ums
Reichsein, aber das Glck macht es doch nicht aus. Davon kann ich eine
besondere Geschichte erzhlen.

Ein junger Mann hatte seine Hunderttausend geerbt, und er begngte sich
auch damit. Er wollte blo sein Geld verzehren, arbeiten aber wollte er
nicht; das, meinte er, sei nur etwas fr unbemittelte Leute. So hatte
also der Herr Adolf gar kein Geschft als Essen, Trinken, Schlafen,
Spazierengehen oder Reiten, und was ihm sonst noch einfiel. Ja, das Aus-
und Anziehen war ihm viel zu viel, und er hielt sich einen Kammerdiener.
Wenn er des Morgens erwachte, wute er eigentlich gar nicht, warum er
aufstehen sollte; es wartete kein Geschft und darum keine rechte Freude
auf ihn. Darum blieb er auch fein liegen, bis ihm auch das zu
beschwerlich wurde. Fast ging es ihm wie jenem Englnder, der aus purer
Langeweile, um sich nicht mehr aus- und anziehen zu mssen, sich das
Leben nahm.

Herr Adolf machte dann jeden Vormittag seinen Spaziergang, damit er den
Nachmittag fr sich frei und nichts mehr zu tun habe. Meist lag er auf
dem Kanapee, ghnte und rauchte. Dabei hatte er mitunter noch seine
besonderen Gedanken. Jeder Mensch, dachte er, hat so seine Summe von
Kraft mit auf die Welt bekommen, die fr seine siebenzig Jhrlein oder
auch mehr ausreichen mu. Wenn ich also einen schweren Stuhl von einem
Ort an den andern hebe, ist damit ein Stck von meiner Lebenskraft
aufgewendet und verbraucht -- darum la ich's hbsch bleiben. Auf solche
Gedanken kann ein Nichtstuer kommen.

Der Herr Adolf ward aber dick und oft krnklich und mute seinen Leib
pflegen. Das war auch ein Geschft.

Das Jahr durch ging dem Herrn Adolf manch schnes Stck Geld durch die
Hand, und dabei hatte er die besondere Liebhaberei, da er bei jeder
Goldmnze, die er ausgab, ein kleines, zierliches Kreuz unter die Nase
des geprgten Herrschers machte. Er dachte wenig dabei, denn er hatte ja
Gold genug; ihn kmmerte berhaupt nichts, wie es anderen Menschen ging,
obgleich er manchmal aus angeborener Gutmtigkeit einem Armen etwas
schenkte.

Ich will nur einmal sehen, dachte er, ob nach langer Umherwanderung in
der Welt mir einmal wieder so ein Goldstck unter die Hnde kommen
wird. Da nun Herr Adolf gar nichts war, so nahm er sich ernstlich vor,
etwas zu werden und er ward -- ein Passagier. Das ist noch immer ein
Titel, wenn man sonst weiter nichts ist. Er reiste nmlich von einer
Stadt in die andere, von einem Land ins andere und lie sich's berall
wohl sein, und wo er etwas zu bezahlen hatte, da gab er die mit seinem
Ordenskreuze gezierten Goldstcke hin. Noch nie aber war es ihm
vorgekommen, da er eins wiedergesehen htte. Endlich ward er des
Herumreisens auf dem festen Lande mde, er verlie die Alte Welt und
schiffte sich nach Amerika ein.

Nun war der Herr Adolf noch etwas mehr als ein Passagier, er war sogar
ein Auswanderer. Diesmal aber ging's gar schlecht auf der See. Fnf Tage
und fnf Nchte wtete ein gewaltiger Sturm. Alles, was auf dem Schiffe
war, mute Hand ans Werk legen, aber vergebens -- das Schiff ging unter,
und nur der Beherztheit des Schiffshauptmanns gelang es, die Mannschaft
und die Reisenden in einer Schaluppe zu retten. Nach zwei Tagen
frchterlichen Umherirrens und schrecklicher Hungersnot, in welcher
viele starben, wurden die Verschlagenen von einem Kauffahrteischiffe
aufgenommen und in den Hafen zu Boston gebracht.

[Illustration: Schaluppe]

Arm, hilflos und verlassen irrte hier Adolf umher, und er wnschte sich
oft, da er mit den anderen von den Wellen begraben wre. Da sah er
einen Mann eilig des Weges gehen; mit niedergeschlagenem Blicke bat er
ihn um eine Gabe. Der Mann griff in die Tasche, reichte ihm ein Stck
Geld und war schnell verschwunden. Als Adolf wieder seinen Blick
emporhob und das Geld betrachtete, wollte er seinen Augen kaum trauen,
es war ein Dukaten, der das Ordenszeichen von seiner eigenen Hand
unverkennbar trug.

Sei es nun, da der Mann sich vergriffen hatte, oder da er wirklich
eine so namhafte Gabe schenken wollte, Adolf dachte nicht lange darber
nach, und er weinte helle Trnen auf das einzige Goldstck, das ihm von
seinem ganzen Reichtum als Bettlergabe wieder zugekommen war. Mit Wehmut
dachte er daran, da er es wieder weggeben und vielleicht nie mehr sehen
solle. Da begegnete ihm eine groe Menge von Arbeitern, die an einer
Strae arbeiteten; schnell war er entschlossen und lie sich unter ihre
Zahl einschreiben. Ein sonderbarer Gedanke trstete ihn bei dieser
ungewohnten Lebensweise. Ich brauchte eigentlich nicht zu arbeiten,
sagte er sich in der ersten Zeit und fhlte dann an seine Brust, wo er
den Dukaten verborgen hatte, ich habe ja Geld und knnte eine ganze
Woche und lnger davon leben oder etwas anderes damit anfangen; aber ich
arbeite, weil mir's Vergngen macht. Dann aber machte er einen Spa
daraus und sagte oft: Ich arbeite blo zu meinem Vergngen. Ich
arbeite, damit ich was zu essen habe, und das Essen macht mir dann
Vergngen, also arbeite ich zu meinem Vergngen. Nach und nach aber
erkannte er, da nichts Entwrdigendes, ja die Ehre und der Lebenszweck
allein darin liege, fr den Genu seines Daseins und fr das, was man
von der Welt hat, auch etwas fr sie zu tun. Frher hatte er gedacht,
durch das Wegrcken eines Stuhles, ja durch jede Ttigkeit seine
Lebenskraft zu schwchen; jetzt erkannte er, da, je mehr man seine
Krfte braucht, sie um so mehr wachsen und zunehmen, da die Lebenskraft
durch Ttigkeit immer neu erzeugt wird.

So war Adolf, fr den die Straen frher nur dagewesen waren, um als
vergngungsschtiger Reisender darauf herumzurutschen, ein Bahnmacher
und Straenarbeiter fr andere. Mit der Zeit aber gelangte er auch zur
Stelle eines Aufsehers bei dem Straenbau und erfreute sich in dem
Gedanken, da von seinem Dasein auf der Welt noch andere Spuren
hinterblieben als die bloen Kreuze auf dem Gelde, das ihm durch die
Hand gegangen war. Lange Zeit hatte er den Dukaten als Andenken
aufbewahrt, bis er endlich eingesehen, da auch dieser nicht ruhen darf
in dem groen Weltverkehre, und er schenkte ihn einer Witwe, deren Mann
beim Straenbau verunglckt war.

                                   Berthold Auerbach.

[Illustration: Dekoration]




Der Solnhofer Knabe.


An der Altmhl, ungefhr eine Viertelstunde unterhalb Solnhofen, ist
eine Glashtte im Gang. Das Holz zu den fen kann leicht ber die jhen
Bergwnde herabgelassen werden und der reine, zuckerweie Sand findet
sich da und dort in Nestern unter dem Rasen.

Ehe man anfing, diesen Sand in Glas zu verwandeln, bestreuten oder
fegten schon die Hausfrauen in der Umgegend ihre Stubenbden, Tische,
Bnke, hlzernen Geschirre usw. damit und kauften ihn von Weibern, die
ihn bei Solnhofen gruben und in kleinen Sckchen zum Verkauf in die
umliegenden Orte trugen.

In der ltesten Zeit befate sich eine Zeitlang nur ein einziges Weib
mit diesem beschwerlichen Handel, bei welchem sie oft ber fnfzig Pfund
auf dem Rcken aus- und nur ein paar Heller in der Tasche dafr
heimtrug. Es war eine Witwe in mittlerem Alter. Sie hatte einen
zwlfjhrigen Knaben, der im Sommer die Ziegen des Ortes htete und im
Winter mit seiner Mutter in den unterirdischen Felsklften Sandnester
aufsuchte und ausbeutete, wenn man vor Schnee und Eis in den Boden
kommen konnte.

[Illustration: Gottesdienst]

Einmal in einem besonders harten Winter wollte es den guten Leuten gar
nicht gelingen. Lange war der Boden bald so fest gefroren und bald so
hoch mit Schnee bedeckt, da sie gar nicht zu ihrer unterirdischen
Nahrungsquelle gelangen konnten. Der kleine Vorrat an Sand, den sie sich
im Herbst gegraben hatten, ging zu Ende und mit ihm das Brot, das sie
sich fr die erlsten Pfennige aus den benachbarten Orten mitzunehmen
pflegten. An den Sommerseiten der Berge, wo die Februarsonne die
dnneren Schneeschichten weggeleckt hatte, fingen sie nun an zu
schrfen, aber berall und immer ohne Erfolg. Ihre Werkzeuge zerbrachen
und sie hatten noch kein weies Sandkorn gefunden. Dazu ging das Futter
fr die Ziegen auf die Neige und in der Htte waren nun vier Geschpfe,
denen der Hunger aus den Augen sah. Das einzige, was sie noch unter sich
teilen konnten, war eine Kufe mit eingestampften Rben und weiem Kohl;
aber auch diese stritten schon mit der Verwesung, weil sie nur wenig
gesalzen waren. Die Geien erhielten ihren Anteil roh, wie er aus der
Kufe kam; die Portionen fr sich und ihren Knaben kochte die Witwe und
salzte sie oft mit ihren bitteren Kummertrnen; denn es war damals unter
ihrem Dache wie in der Htte der Witwe von Zarpath, als sie dem
Propheten antwortete: So wahr der Herr, dein Gott, lebt, ich habe
nichts Gebackenes, nur eine Hand voll Mehl im Topf und ein wenig l im
Kruge. Und siehe, ich habe Holz aufgelesen und gehe hinein und will es
mir und meinem Sohne zurichten, da wir essen und sterben.

Der Knabe liebte seine Mutter und bewies seine Liebe meistens dadurch,
da er nie ber seinen Hunger klagte, sondern geduldig von einer
Mahlzeit auf die andere wartete und berhaupt alles vermied und verbarg,
was ihr das Herz noch schwerer machen konnte. Aber fast die ganze andere
Hlfte seines Herzens war den Ziegen zugewandt und es wollte ihm
brechen, wenn er sah, wie sie, von Hunger getrieben, an der Kufe
hinaufsprangen und vergebens Hals und Zunge streckten, um die Neige
darin zu erreichen. Htten sie von seinen schnen Worten und
Vertrstungen auf den nahen Frhling satt werden knnen, dann htten sie
mehr als genug gehabt; aber so wurden sie immer magerer. Der Knabe
entschlo sich endlich, fr sie zu tun, was er noch nicht einmal fr
seine Mutter getan hatte.

In Solnhofen war ein Benediktinerkloster. An die Pforte derselben pochte
der Knabe mit dem schweren eisernen Klpfel, der daran hing, und
antwortete dem Bruder Pfrtner, der nach seinem Begehren fragte, er
msse mit dem Abt selbst reden. Er wurde vor diesen ehrwrdigen Diener
Gottes gefhrt, kte ihm die Hand und bat, er mchte ihm doch nur
erlauben, das Heu aufzulesen, das die Klosterkhe unter den Barren und
unter die Streu wrfen; denn seine zwei Ziegen waren am Verhungern. Den
Abt berraschte anfangs die Bitte, deren Gewhrung gar leicht mibraucht
oder wenigstens zu einer groen Versuchung werden konnte; aber bald
berzeugte er sich, mit was fr einer aufrichtigen und redlichen Seele
er es zu tun habe. Er fragte unter andern Dingen nach dem wenigen, was
nach den damaligen Anforderungen der Kirche ein Christ wissen sollte.
Der Knabe sagte seinen Glauben, sein Vaterunser nebst einigen anderen
krzeren Gebeten gut her und beantwortete munter etliche Fragen aus den
Evangelien. Nun sprach der Abt: Mein Shnlein, du darfst alle Tage,
wenn unsere Khe zur Trnke getrieben werden, kommen und holen, was sie
unter dem Barren liegen lassen, und wenn der Bruder Kchenmeister etwas
brig hat, so wird er es dir auch mitgeben fr dich und deine Mutter.
Dann segnete er den Knaben und entlie ihn froh getrstet.

In der Htte der Witfrau hatte nun die Not ein Ende. Bald kam auch der
warme und freundliche Frhling, die Witwe entdeckte wieder eine
ergiebige Sandgrube und ihr Benedikt trieb als gedungenes Ziegenhirtlein
die Ziegen des Dorfes auf die hohen, luftigen Berge. In die Kost ging er
bei den einzelnen Besitzern der Ziegen der Reihe nach. Sein Osterlamm a
er im Kloster, seinen Pfingstkuchen buk ihm die Wirtin, seinen
Kirchweihschmaus hielt er in der neuen Mhle und seinen Namenstag
feierte er wieder mit den Benediktinern.

An Unterhaltung fehlte es ihm auch auf den einsamen Hhen nicht. Da lag
der damals noch unbentzte Kalkschiefer so am Tage, da es ihm leicht
war, Platten davon herauszuheben und aus ihnen mit einem ganz kleinen
Hammer, den ihm noch sein verstorbener Vater gemacht hatte, regelmige
Vierecke zu fertigen.

[Illustration: Benedikt mit Schieferplatten]

Was man so unrichtiger- und sndhafterweise Zufall nennt, fhrte den
Knaben zu einer wichtigen Erfindung. Benedikt legte einmal eine
Schieferplatte, wie er sie aus dem Boden gebrochen hatte, auf seinen
Scho, zeichnete mit einer Kohle von seinem Hirtenfeuer ein Viereck
darauf und sprach dann bei sich: Wenn ich fnfzig solche viereckige
Tafeln htte, knnte ich meine ganze Hausflur damit belegen, wo jetzt
die Hhner scharren, wenn es drauen regnet. Whrend er dies dachte,
klopfte er mit seinem Hmmerlein auf dem einen schnurgeraden
Kohlenstrich sanft auf und ab; denn er freute sich ber den hellen Klang
der Platte. Auf einmal wurden die hellen Tne dumpf und immer dumpfer
wie bei einer zersprungenen Glocke und zuletzt sprang die Tafel gerade
in der Richtung des Kohlenstrichs entzwei. Ist es da so gegangen,
dachte Benedikt, so kann es bei den brigen drei Seiten ebenso gehen.
Er hmmerte auch auf dem zweiten Kohlenstrich eine Weile vorwrts und
rckwrts. Sein Schlu war richtig. Nachdem er noch einige Minuten so
fortgemacht hatte, lag eine vollkommen viereckige Platte auf seinen
Knieen. Eine zweite gelang nicht minder. Frher schon hatte er manchmal
zwei Schiefertrmmer aneinander gerieben, um sie zu polieren, und
gefunden, da er damit am schnellsten zustande kam, wenn er von dem
Sande, womit seine Mutter handelte, dazwischen tat und Wasser dazu nahm.
Diese frhere Erfindung wandte er nun auf seine Pflastersteine an und
gewann so einige sehr schne Platten. Indes trieb er dies alles als eine
bloe Spielerei und sagte davon niemand etwas, selbst seiner Mutter
nicht. Seine schnsten Tafeln verbarg er da und dort unter einem Busch,
wie etwa ein Hirtenknabe an der Donau schne Kiesel, die er in ihrem
Bette findet, in einem hohlen Weidenstamme aufhebt.

Eines Abends aber, als er eingetrieben hatte und seiner Mutter gegenber
an der Suppenschssel sa, erzhlte sie ihm, da sie mit Sand in
Eichsttt gewesen und dort dem Bischof so nahe gekommen sei, da sie
jedes seiner Worte verstanden habe.

Was sagte er denn? fragte Benedikt.

Er stand, antwortete die Witwe, mitten unter den Domherren in der
neuen Kirche, die er hat bauen lassen, und beratschlagte mit ihnen, mit
was fr Steinen der Fuboden belegt werden drfte. Der eine riet dies
und der andere das, bis der hochwrdige Herr der Unterredung damit ein
Ende machte, da er sagte: Nun, morgen um die elfte Stunde haben wir
die fremden Steinmetzen hieher bestellt und wollen die Proben schauen,
die sie von allerlei Sand- und Marmelsteinen bei sich haben. Aber wir
frchten, ein solches Pflaster mchte fr unsern bischflichen Beutel zu
teuer kommen. Wir werden uns wohl die Backsteine gefallen lassen mssen,
die am wohlfeilsten sind.

So, so! versetzte Benedikt, warf seinen Lffel von Horn in die
Tischlade, wnschte seiner Mutter eine gute Nacht und ging unter das
Dach hinauf in seine Schlafsttte.

Das Sandweib hatte brigens den Frstbischof ganz recht verstanden.
Schon bald nach der zehnten Stunde des Morgens versammelten sich in der
neuen Kirche zu Eichsttt, in der von der Hand des Maurermeisters nichts
mehr fehlte als das Pflaster, etliche Steinmetzen, die der Bischof aus
Tirol, dem Fichtelgebirge und dem Rheingau auf seine Kosten berufen
hatte. Die Steinproben trugen ihnen ihre Gesellen in kleinen, hlzernen
Kstchen nach und stellten sie nebeneinander auf eine lange Tafel.
Darauf fanden sich nach und nach mehrere Grafen und Herren aus der
Nachbarschaft ein, die schon reichlich zu dem Kirchenbau beigesteuert
hatten und nun auch noch bei dem Pflaster ein briges tun sollten.
Endlich erschien auch der Frstbischof mit allen seinen Domherren und
seinen weltlichen Beamten hinter sich. Als alle beisammen waren, schien
es fast, als sollte eine Kirchenversammlung gehalten werden, so viele
waren ihrer.

Der Bischof nahm nun die schngeschliffenen Proben aus den Kstlein,
eine nach der andern und es war keine darunter, die ihm und seinem
Gefolge nicht gefallen htte. Auch waren zum Teil die kleinen
Marmelsteine in den Schubladen so nebeneinander gelegt, weie und
schwarze, gelbe und graue, bunte und einfarbige, da man schon im
kleinen sehen konnte, wie herrlich schn ein Steinpflaster davon im
groen ausfallen wrde. Aber als die fremden Steinmetzen nacheinander
sagten, was der Quadratfu davon schon an Ort und Stelle koste, und als
der Baumeister an den Fingern berechnete, wieviel Quadratfu er brauche,
und als der Rentmeister die Totalsumme in Goldgulden aussprach, fuhr der
Bischof mit der Hand hinter das Ohr und sein Schatzmeister schttelte
mit dem Kopf und die Grafen und Herren machten groe Augen und sahen
einander schweigend an.

In diesem Augenblick entstand unter dem Hauptportal der Kirche ein
Gerusch. Zwei Trabanten des Frstbischofs wollten einen barfigen
Bauernknaben nicht hereinlassen und hielten ihre Hellebarden vor; aber
der Knabe duckte sich, schlpfte darunter hinweg wie eine Henne unter
der Gartentre und drngte sich dann ohne Umstnde mitten durch die
Versammlung, bis er vor dem Bischof stand, dem er den Saum seines
Kleides kte. Seine Mtze, an der nicht viel zu verkrppeln war, nahm
er zwischen die Kniee, drei viereckige und zolldicke Schieferplatten,
eine blagelbe, eine blaugraue und eine marmorierte, nahm er aus der
Schrze, womit sie umwickelt waren, und legte sie auf die Tafel. Sie
waren noch na; denn er hatte sie erst in den Dombrunnen getaucht; desto
mehr aber glnzten die geschliffenen Seiten und zeigten, wie schn die
Steine erst dann werden wrden, wenn eine kunstgebte Hand darber
kme.

Seine Ware zu empfehlen, meinte der Knabe, sei nicht ntig, sondern er
schaute nur einem von den Umstehenden nach dem andern ins Gesicht und
wischte sich mit der Schrze den Schwei von der Stirn. Als aber der
Bischof anfing, ihn zu fragen, antwortete er munter und sprach: Ich
gehre dem Sandweib von Solnhofen und die Steine habe ich auf dem Berge
hinter dem Kloster gemacht. Wenn ihr noch mehr braucht, so drft ihr mir
nur euere Steinhauer mitgeben, so will ich ihnen zeigen, wie sie es
anfangen mssen.

Der Knabe war Benedikt, unser Ziegenhirtlein. Er hatte nach der
Abendsuppe, bei der ihm seine Mutter von der neuen Kirche in Eichsttt
erzhlte, nicht mehr geschlafen. Ein Gedanke, der ihm unter dem Essen
gekommen war, trieb ihn durch die Hintertr hinaus auf den Berg, wo
seine Steine lagen, und von da mit ihnen in der hellen Mondnacht gen
Eichsttt, wohin er den Weg genau kannte von dem Sandhandel her. Seine
Mutter erschrak freilich, als sie ihn in der Frhe wecken wollte und das
Nest leer fand. Sie konnte nicht einmal gehen, ihn zu suchen oder ihm
nachzufragen; denn die Ziegen waren schon alle aus den Stllen gelassen
und standen meckernd auf der Gasse oder naschten von den Blumenstcken
vor den Fenstern des Pfarrhauses. bel oder wohl mute sie tun, als wre
ihr Benedikt krank. Sie nahm Geiel und Stecken und trieb das Vieh
selbst auf den Berg, wo sie den langen, langen Tag unter vergeblichem
Warten in Sorge zubrachte. -- Aber als sie abends hinter der gehrnten
Schar das Dorf hinunterging, kamen einige Maultiere herauf, ihr
entgegen. Auf dem vordersten sa ihr Benedikt hinter einem Knechte des
Frstbischofs, und zwar so munter, da die Witfrau sogleich sah, es
msse ihm den Tag ber nicht schlecht ergangen sein.

So war es auch. Der Bischof hatte sich sogleich fr die Pflastersteine
des Sandbuben entschieden und die fremden Steinmetzen wieder in ihre
Heimat entlassen, den Knaben aber mit in sein Haus genommen, gespeist
und ihm versichert, da er fr ihn und seine Mutter sorgen wolle. Dann
hatte er ihn mit dem Baumeister, der das Steinlager untersuchen sollte,
nach Solnhofen zurckgehen lassen.

Der Bischof hielt Wort. Nachdem Benedikt bei einem Meister Steinmetz in
Eichsttt in der Lehre gewesen war, lie er sich in Solnhofen nieder und
hatte fortwhrend so viele Bestellungen an Pflaster- und Quadersteinen,
da es ihm und seiner Mutter nie mehr an dem tglichen Brot fehlte.

                                   Karl Stber.

[Illustration: Dekoration]




Hans Lustig.


Hans Lustig war armer Leute Kind, sein Vater war Schuhflicker, seine
Mutter Wscherin. Er war ein kleiner breitschulteriger Junge, etwa zwlf
Jahre alt. Jeder, der ihn ansah, hatte seine Freude an dem munteren
Knaben; denn wie aus seinen drftigen Kleidern ein krftiger, gesunder
Krper, ein Paar braune, feste Arme hervorguckten, so schaute aus seinen
Gesichtszgen ein frischer lustiger Sinn hervor, so da er seinen Namen
nicht umsonst fhrte. Hans hatte von frhauf zu tun: fr den Vater die
Schuhe und Stiefel auszutragen, der Mutter die Wsche zu hten und
allerlei Einkufe fr die kleine Wirtschaft zu besorgen. Die ganze
Strae kannte den lustigen Buben, und weil er jeden so freundlich
anlachte, suchten die Leute auch ihm allerlei Freude zu machen. Der
Bcker schenkte ihm oft einige Fastenbrezeln, die Kunden seines Vaters
allerlei Kleidungsstcke oder irgend ein Spielzeug, und selbst manche
blanke Kupfermnze brachte er seiner Mutter nach Hause, die sie in einer
tnernen Sparbchse verwahrte. Auch bei allen Kindern in der
Nachbarschaft wurde der Hans bald beliebt. Als er lter wurde, war er
bei allen Spielen der erste und wute immer was Neues anzugeben. Alle
Spiele gingen gut, wenn Hans dabei war. Da gab's niemals Zank und
Streit; zankten sich wirklich zwei Kinder einmal, fuhr mein Hans
dazwischen, machte jedem ein nrrisches Gesicht, und alles mute lachen.

Allmhlich kam die Zeit heran, wo Hans ein Handwerk lernen sollte, und
da er nach des Vaters Meinung zum Schuster nicht besonders geeignet war,
so sollte er das Handwerk des Herrn Paten erlernen, der ein braver
Schornsteinfegermeister und bei allen Leuten in der Nachbarschaft sehr
angesehen war. Hans gefiel das Ding auch gar nicht bel. Mutig und
gewandt schlpfte er oben an den hchsten Husern zu den Schornsteinen
heraus; er wute nichts von Schwindel, machte allerlei possierliche
Faxen mit seinem Besen und sein russiges Gesicht lachte hinein in den
blauen Himmel und hinab ber die Stadt; dabei sang er wie ein Vogel auf
dem Wipfel des Baumes.

[Illustration: Hans - Schornsteinfeger]

Die Erwachsenen hatten Hans Lustig lieb und die Kinder auch, trotzdem er
Schornsteinfeger war. Wollte man die Kinder mit dem Feuerrpel zu
frchten machen, lachten sie; sie wuten ja, da der Feuerrpel niemand
anders war als der Hans Lustig, der keinem etwas zuleide tat, im
Gegenteil allzeit freundlich und gut war, und manche Kinder hatten sogar
den Mut, ihm eine Patschhand in seine berute Rechte zu geben.

[Illustration: Haus]

So wuchs unser Hans immer mehr heran und ward ein tchtiger
Schornsteinfeger voll Herzhaftigkeit und Behendigkeit. Er konnte
klettern wie eine Katze. Das zeigte er bei dem groen Brande, als das
alte Rathaus mitten in der Nacht pltzlich in hellen Flammen stand! Der
alte Trmer hatte versumt, das Feuerzeichen zu geben, und so stand das
altertmliche Gebude mit seinen wichtigen Akten und Urkunden bereits in
Flammen, als man erst das Unglck gewahr wurde. Der alte Trmer war aber
unschuldig; denn in derselben Nacht war er gestorben. Hans war einer der
ersten auf der Brandsttte, und die Gefahr nicht achtend, strzte er in
das Gebude und rettete einen Schrank, der die wichtigsten stdtischen
Urkunden enthielt.

Am Tage darauf lie ihn der Rat der Stadt vor sich kommen, und der
lteste Ratsherr belobte ihn, dankte ihm im Namen der Stadt und fragte,
welche Belohnung er wnsche. Hans antwortete ohne langes Besinnen, man
mge seinem Vater die erledigte Stelle als Trmer bertragen. Dieses
wurde ihm auch sogleich gewhrt. Man konnte nicht sagen, wer
glckseliger war, Hans, der seinem Vater eine sorgenfreie Stelle
verschafft hatte, oder der Vater selber, der durch den Mut und die
Bravheit seines Sohnes so ber alle Sorgen und recht eigentlich in die
Hhe gehoben wurde.

Der alte Schuhflicker besserte nun hoch oben auf dem Turme das Schuhwerk
fr die Menschen aus, die da unten umherliefen. Hans, der immer eine
besondere Lust und ein Geschick fr die Musik gehabt hatte, begann
jetzt, den Zinken blasen zu lernen. In kurzer Zeit brachte er es darin
zu groer Fertigkeit.

Im selben Jahre, als er Soldat werden mute, starben seine Eltern. Sie
segneten ihn, denn er hatte ihnen viel Freude und Glck gebracht.

Beim Regimente wurde Hans Musiker und zeichnete sich hierbei so aus, da
er nach wenigen Jahren die erste Stelle in der Regimentsmusik erhielt.
Wenn er in seiner betreten Uniform unter den Musikern steht und den
Takt schlgt, so sieht man ihm nichts mehr davon an, da er vor Jahren
voll Ru und ein lustiger Schornsteinfeger war. Sein Titel heit: Herr
Kapellmeister; aber von alten Verwandten und Bekannten hat er's gern,
wenn sie ihn Hans Lustig heien, und er macht diesen Namen noch immer
zur vollen Wahrheit.

                                   Robert Reinick.

[Illustration: Horn]




Inhalt.


  Reimspruch. Robert Reinick                            4

  Zum Tagewerk. Philipp Spitta                          5

  Der Vater und die drei Shne. M. G. Lichtwer          6

  Das Tischgebet. Friedrich Gll                        8

  Dem Vaterland. Robert Reinick                        10

  Deutscher Rat. Robert Reinick                        12

  Geschichte vom Nuknacker. F.v. Pocci                13

  Der alte Landmann an seinen Sohn. L. H. Chr. Hlty   16

  Der getreue Eckart. J. W. v. Goethe                  20

  Die beiden Pflugscharen. G. Meiner                  21

  Die beiden xte. G. Meiner                          22

  Sparbchslein. Friedrich Gll                        24

  Wie Kaiser Karl Schulvisitation hielt. K. Gerock     25

  Hurtig an die Arbeit. Friedrich Rckert              27

  Meister, Geselle und Lehrling. J. W. v. Goethe       27

  Der Knstler und sein Sohn. Ludwig Auerbacher        28

  Die Pfirsiche. A. Krummacher                         29

  Die treuen Brder. Chr. v. Schmid                    31

  Der Bauer und sein Sohn. Chr. F. Gellert             33

  Das Kind. Fr. Hebbel                                 36

  Das Kind am Brunnen. Friedrich Hebbel                37

  Des Mgdleins Schmuck. Ernst Moritz Arndt            39

  Der jhzornige Schfer. Chr. v. Schmid               40

  Eifer fhrt zum Ziel. G. Meiner                     41

  Einer fr alle. Hambgr. Fremdenblatt                 42

  Der Schatzgrber. G. F. Brger                       44

  Hoffnung. Frdr. v. Schiller                          45

  Der beste Empfehlungsbrief. Magdeburger Zeitung      46

  Reinlichkeit. Friedrich Rckert                      47

  Hermann Billings Berufung. Ferdinand Bler          48

  Wohltun macht Freude. Schppner, Sagenbuch           52

  Das Loch im rmel. Heinrich Zschokke                 54

  Der gekreuzte Dukaten. Berthold Auerbach             58

  Der Solnhofer Knabe. Karl Stber                     64

  Hans Lustig. R. Reinick                              75




FUSSNOTEN:

[Funote 1: 1 Gulden = 1,71 Mk.; 1 Taler = 3.00 Mk.]

[Funote 2: Haag = Residenzstadt in Holland.]

[Funote 3: Legde (Lehde) = Weideland.]

[Funote 4: _Bill_ ist im Schsischen ein von der Volksgemeinde
besttigtes Gesetz. Der Mann, der darauf achten mute, da
dieses Gesetz gehalten wurde, hie _Billing_ (Billung), soviel
als heutzutage Schulthei, Brgermeister.]




Anmerkungen des Umkodierers:

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paragraph 1.C below.  There are a lot of things you can do with Project
Gutenberg-tm electronic works if you follow the terms of this agreement
and help preserve free future access to Project Gutenberg-tm electronic
works.  See paragraph 1.E below.

1.C.  The Project Gutenberg Literary Archive Foundation ("the Foundation"
or PGLAF), owns a compilation copyright in the collection of Project
Gutenberg-tm electronic works.  Nearly all the individual works in the
collection are in the public domain in the United States.  If an
individual work is in the public domain in the United States and you are
located in the United States, we do not claim a right to prevent you from
copying, distributing, performing, displaying or creating derivative
works based on the work as long as all references to Project Gutenberg
are removed.  Of course, we hope that you will support the Project
Gutenberg-tm mission of promoting free access to electronic works by
freely sharing Project Gutenberg-tm works in compliance with the terms of
this agreement for keeping the Project Gutenberg-tm name associated with
the work.  You can easily comply with the terms of this agreement by
keeping this work in the same format with its attached full Project
Gutenberg-tm License when you share it without charge with others.

1.D.  The copyright laws of the place where you are located also govern
what you can do with this work.  Copyright laws in most countries are in
a constant state of change.  If you are outside the United States, check
the laws of your country in addition to the terms of this agreement
before downloading, copying, displaying, performing, distributing or
creating derivative works based on this work or any other Project
Gutenberg-tm work.  The Foundation makes no representations concerning
the copyright status of any work in any country outside the United
States.

1.E.  Unless you have removed all references to Project Gutenberg:

1.E.1.  The following sentence, with active links to, or other immediate
access to, the full Project Gutenberg-tm License must appear prominently
whenever any copy of a Project Gutenberg-tm work (any work on which the
phrase "Project Gutenberg" appears, or with which the phrase "Project
Gutenberg" is associated) is accessed, displayed, performed, viewed,
copied or distributed:

This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
almost no restrictions whatsoever.  You may copy it, give it away or
re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
with this eBook or online at www.gutenberg.org

1.E.2.  If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is derived
from the public domain (does not contain a notice indicating that it is
posted with permission of the copyright holder), the work can be copied
and distributed to anyone in the United States without paying any fees
or charges.  If you are redistributing or providing access to a work
with the phrase "Project Gutenberg" associated with or appearing on the
work, you must comply either with the requirements of paragraphs 1.E.1
through 1.E.7 or obtain permission for the use of the work and the
Project Gutenberg-tm trademark as set forth in paragraphs 1.E.8 or
1.E.9.

1.E.3.  If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is posted
with the permission of the copyright holder, your use and distribution
must comply with both paragraphs 1.E.1 through 1.E.7 and any additional
terms imposed by the copyright holder.  Additional terms will be linked
to the Project Gutenberg-tm License for all works posted with the
permission of the copyright holder found at the beginning of this work.

1.E.4.  Do not unlink or detach or remove the full Project Gutenberg-tm
License terms from this work, or any files containing a part of this
work or any other work associated with Project Gutenberg-tm.

1.E.5.  Do not copy, display, perform, distribute or redistribute this
electronic work, or any part of this electronic work, without
prominently displaying the sentence set forth in paragraph 1.E.1 with
active links or immediate access to the full terms of the Project
Gutenberg-tm License.

1.E.6.  You may convert to and distribute this work in any binary,
compressed, marked up, nonproprietary or proprietary form, including any
word processing or hypertext form.  However, if you provide access to or
distribute copies of a Project Gutenberg-tm work in a format other than
"Plain Vanilla ASCII" or other format used in the official version
posted on the official Project Gutenberg-tm web site (www.gutenberg.org),
you must, at no additional cost, fee or expense to the user, provide a
copy, a means of exporting a copy, or a means of obtaining a copy upon
request, of the work in its original "Plain Vanilla ASCII" or other
form.  Any alternate format must include the full Project Gutenberg-tm
License as specified in paragraph 1.E.1.

1.E.7.  Do not charge a fee for access to, viewing, displaying,
performing, copying or distributing any Project Gutenberg-tm works
unless you comply with paragraph 1.E.8 or 1.E.9.

1.E.8.  You may charge a reasonable fee for copies of or providing
access to or distributing Project Gutenberg-tm electronic works provided
that

- You pay a royalty fee of 20% of the gross profits you derive from
     the use of Project Gutenberg-tm works calculated using the method
     you already use to calculate your applicable taxes.  The fee is
     owed to the owner of the Project Gutenberg-tm trademark, but he
     has agreed to donate royalties under this paragraph to the
     Project Gutenberg Literary Archive Foundation.  Royalty payments
     must be paid within 60 days following each date on which you
     prepare (or are legally required to prepare) your periodic tax
     returns.  Royalty payments should be clearly marked as such and
     sent to the Project Gutenberg Literary Archive Foundation at the
     address specified in Section 4, "Information about donations to
     the Project Gutenberg Literary Archive Foundation."

- You provide a full refund of any money paid by a user who notifies
     you in writing (or by e-mail) within 30 days of receipt that s/he
     does not agree to the terms of the full Project Gutenberg-tm
     License.  You must require such a user to return or
     destroy all copies of the works possessed in a physical medium
     and discontinue all use of and all access to other copies of
     Project Gutenberg-tm works.

- You provide, in accordance with paragraph 1.F.3, a full refund of any
     money paid for a work or a replacement copy, if a defect in the
     electronic work is discovered and reported to you within 90 days
     of receipt of the work.

- You comply with all other terms of this agreement for free
     distribution of Project Gutenberg-tm works.

1.E.9.  If you wish to charge a fee or distribute a Project Gutenberg-tm
electronic work or group of works on different terms than are set
forth in this agreement, you must obtain permission in writing from
both the Project Gutenberg Literary Archive Foundation and Michael
Hart, the owner of the Project Gutenberg-tm trademark.  Contact the
Foundation as set forth in Section 3 below.

1.F.

1.F.1.  Project Gutenberg volunteers and employees expend considerable
effort to identify, do copyright research on, transcribe and proofread
public domain works in creating the Project Gutenberg-tm
collection.  Despite these efforts, Project Gutenberg-tm electronic
works, and the medium on which they may be stored, may contain
"Defects," such as, but not limited to, incomplete, inaccurate or
corrupt data, transcription errors, a copyright or other intellectual
property infringement, a defective or damaged disk or other medium, a
computer virus, or computer codes that damage or cannot be read by
your equipment.

1.F.2.  LIMITED WARRANTY, DISCLAIMER OF DAMAGES - Except for the "Right
of Replacement or Refund" described in paragraph 1.F.3, the Project
Gutenberg Literary Archive Foundation, the owner of the Project
Gutenberg-tm trademark, and any other party distributing a Project
Gutenberg-tm electronic work under this agreement, disclaim all
liability to you for damages, costs and expenses, including legal
fees.  YOU AGREE THAT YOU HAVE NO REMEDIES FOR NEGLIGENCE, STRICT
LIABILITY, BREACH OF WARRANTY OR BREACH OF CONTRACT EXCEPT THOSE
PROVIDED IN PARAGRAPH 1.F.3.  YOU AGREE THAT THE FOUNDATION, THE
TRADEMARK OWNER, AND ANY DISTRIBUTOR UNDER THIS AGREEMENT WILL NOT BE
LIABLE TO YOU FOR ACTUAL, DIRECT, INDIRECT, CONSEQUENTIAL, PUNITIVE OR
INCIDENTAL DAMAGES EVEN IF YOU GIVE NOTICE OF THE POSSIBILITY OF SUCH
DAMAGE.

1.F.3.  LIMITED RIGHT OF REPLACEMENT OR REFUND - If you discover a
defect in this electronic work within 90 days of receiving it, you can
receive a refund of the money (if any) you paid for it by sending a
written explanation to the person you received the work from.  If you
received the work on a physical medium, you must return the medium with
your written explanation.  The person or entity that provided you with
the defective work may elect to provide a replacement copy in lieu of a
refund.  If you received the work electronically, the person or entity
providing it to you may choose to give you a second opportunity to
receive the work electronically in lieu of a refund.  If the second copy
is also defective, you may demand a refund in writing without further
opportunities to fix the problem.

1.F.4.  Except for the limited right of replacement or refund set forth
in paragraph 1.F.3, this work is provided to you 'AS-IS', WITH NO OTHER
WARRANTIES OF ANY KIND, EXPRESS OR IMPLIED, INCLUDING BUT NOT LIMITED TO
WARRANTIES OF MERCHANTABILITY OR FITNESS FOR ANY PURPOSE.

1.F.5.  Some states do not allow disclaimers of certain implied
warranties or the exclusion or limitation of certain types of damages.
If any disclaimer or limitation set forth in this agreement violates the
law of the state applicable to this agreement, the agreement shall be
interpreted to make the maximum disclaimer or limitation permitted by
the applicable state law.  The invalidity or unenforceability of any
provision of this agreement shall not void the remaining provisions.

1.F.6.  INDEMNITY - You agree to indemnify and hold the Foundation, the
trademark owner, any agent or employee of the Foundation, anyone
providing copies of Project Gutenberg-tm electronic works in accordance
with this agreement, and any volunteers associated with the production,
promotion and distribution of Project Gutenberg-tm electronic works,
harmless from all liability, costs and expenses, including legal fees,
that arise directly or indirectly from any of the following which you do
or cause to occur: (a) distribution of this or any Project Gutenberg-tm
work, (b) alteration, modification, or additions or deletions to any
Project Gutenberg-tm work, and (c) any Defect you cause.


Section  2.  Information about the Mission of Project Gutenberg-tm

Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
electronic works in formats readable by the widest variety of computers
including obsolete, old, middle-aged and new computers.  It exists
because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from
people in all walks of life.

Volunteers and financial support to provide volunteers with the
assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
remain freely available for generations to come.  In 2001, the Project
Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations.
To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
and the Foundation information page at www.gutenberg.org


Section 3.  Information about the Project Gutenberg Literary Archive
Foundation

The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
Revenue Service.  The Foundation's EIN or federal tax identification
number is 64-6221541.  Contributions to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
permitted by U.S. federal laws and your state's laws.

The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S.
Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered
throughout numerous locations.  Its business office is located at 809
North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887.  Email
contact links and up to date contact information can be found at the
Foundation's web site and official page at www.gutenberg.org/contact

For additional contact information:
     Dr. Gregory B. Newby
     Chief Executive and Director
     gbnewby@pglaf.org

Section 4.  Information about Donations to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation

Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
spread public support and donations to carry out its mission of
increasing the number of public domain and licensed works that can be
freely distributed in machine readable form accessible by the widest
array of equipment including outdated equipment.  Many small donations
($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
status with the IRS.

The Foundation is committed to complying with the laws regulating
charities and charitable donations in all 50 states of the United
States.  Compliance requirements are not uniform and it takes a
considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
with these requirements.  We do not solicit donations in locations
where we have not received written confirmation of compliance.  To
SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any
particular state visit www.gutenberg.org/donate

While we cannot and do not solicit contributions from states where we
have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
against accepting unsolicited donations from donors in such states who
approach us with offers to donate.

International donations are gratefully accepted, but we cannot make
any statements concerning tax treatment of donations received from
outside the United States.  U.S. laws alone swamp our small staff.

Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
methods and addresses.  Donations are accepted in a number of other
ways including checks, online payments and credit card donations.
To donate, please visit:  www.gutenberg.org/donate


Section 5.  General Information About Project Gutenberg-tm electronic
works.

Professor Michael S. Hart was the originator of the Project Gutenberg-tm
concept of a library of electronic works that could be freely shared
with anyone.  For forty years, he produced and distributed Project
Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support.

Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S.
unless a copyright notice is included.  Thus, we do not necessarily
keep eBooks in compliance with any particular paper edition.

Most people start at our Web site which has the main PG search facility:

     www.gutenberg.org

This Web site includes information about Project Gutenberg-tm,
including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to
subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks.

