The Project Gutenberg EBook of Trume eines Geistersehers, erlutert durch
Trume der Metaphysik, by Immanuel Kant

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Title: Trume eines Geistersehers, erlutert durch Trume der Metaphysik

Author: Immanuel Kant

Release Date: May 10, 2011 [EBook #36076]

Language: German

Character set encoding: ISO-8859-1

*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK TRUME EINES GEISTERSEHERS ***




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  [ Anmerkungen zur Transkription:

    Der Text stammt aus: Vorkritische Schriften. BandII. Hg. v.
    Artur Buchenau. Berlin: Bruno Cassirer 1912 (=Immanuel Kants
    WerkeII). S.329-390 u. 481-484 (Lesarten).

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  Trume eines Geistersehers,
  erlutert
  durch
  Trume der Metaphysik.


                velut aegri somnia, vanae
  Finguntur species.

  HORAT.


  =Knigsberg=
  bei Johann Jacob Kanter
  1766




Ein Vorbericht,

der sehr wenig vor die Ausfhrung verspricht.


Das Schattenreich ist das Paradies der Phantasten. Hier finden sie ein
unbegrenztes Land, wo sie sich nach Belieben anbauen knnen.
Hypochondrische Dnste, Ammenmrchen und Klosterwunder lassen es ihnen
an Bauzeug nicht ermangeln. Die Philosophen zeichnen den Grundri und
ndern ihn wiederum oder verwerfen ihn, wie ihre Gewohnheit ist. Nur das
heilige Rom hat daselbst eintrgliche Provinzen; die zwei Kronen des
unsichtbaren Reichs sttzen die dritte, als das hinfllige Diadem seiner
irdischen Hoheit, und die Schlssel, welche die beide Pforten der andern
Welt auftun, ffnen zugleich sympathetisch die Kasten der gegenwrtigen.
Dergleichen Rechtsame des Geisterreichs, insofern es durch die Grnde
der Staatsklugheit bewiesen ist, erheben sich weit ber alle ohnmchtige
Einwrfe der Schulweisen, und ihr Gebrauch oder Mibrauch ist schon zu
ehrwrdig, als da er sich einer so verworfenen Prfung auszusetzen
ntig htte. Allein die gemeine Erzhlungen, die so viel Glauben finden
und wenigstens so schlecht bestritten sind, weswegen laufen die so
ungentzt oder ungeahndet umher und schleichen sich selbst in die
Lehrverfassungen ein, ob sie gleich den Beweis vom Vorteil hergenommen
(_argumentum ab utili_) nicht vor sich haben, welcher der berzeugendste
unter allen ist? Welcher Philosoph hat nicht einmal zwischen den
Beteurungen eines vernnftigen und fest berredeten Augenzeugen und der
inneren Gegenwehr eines unberwindlichen Zweifels die einfltigste Figur
gemacht, die man sich vorstellen kann? Soll er die Richtigkeit aller
solcher Geistererscheinungen gnzlich ableugnen? Was kann er vor Grnde
anfhren, sie zu widerlegen?

Soll er auch nur eine einzige dieser Erzhlungen als wahrscheinlich
einrumen? Wie wichtig wre ein solches Gestndnis, und in welche
erstaunliche Folgen sieht man hinaus, wenn auch nur =eine= solche
Begebenheit als bewiesen vorausgesetzet werden knnte! Es ist wohl noch
ein dritter Fall brig, nmlich sich mit dergleichen vorwitzigen oder
=migen= Fragen gar nicht zu bemengen und sich an das =Ntzliche= zu
halten. Weil dieser Anschlag aber vernnftig ist, so ist er jederzeit
von grndlichen Gelehrten durch die Mehrheit der Stimmen verworfen
worden.

Da es ebensowohl ein dummes Vorurteil ist, von vielem, das mit einigem
Schein der Wahrheit erzhlt wird, ohne Grund =nichts= zu glauben, als
von dem, was das gemeine Gerchte sagt, ohne Prfung =alles= zu glauben,
so lie sich der Verfasser dieser Schrift, um dem ersten Vorurteile
auszuweichen, zum Teil von dem letzteren fortschleppen. Er bekennet mit
einer gewissen Demtigung, da er so treuherzig war, der Wahrheit
einiger Erzhlungen von der erwhnten Art nachzuspren. Er fand -- -- --
wie gemeiniglich, wo man nichts zu suchen hat -- -- -- er fand nichts.
Nun ist dieses wohl an sich selbst schon eine hinlngliche Ursache, ein
Buch zu schreiben; allein es kam noch dasjenige hinzu, was bescheidenen
Verfassern schon mehrmalen Bcher abgedrungen hat, das ungestme
Anhalten bekannter und unbekannter Freunde. berdem war ein groes Werk
gekauft und, welches noch schlimmer ist, gelesen worden, und diese Mhe
sollte nicht verloren sein. Daraus entstand nun die gegenwrtige
Abhandlung, welche, wie man sich schmeichelt, den Leser nach der
Beschaffenheit der Sache vllig befriedigen soll, indem er das
Vornehmste nicht verstehen, das andere nicht glauben, das brige aber
belachen wird.




Der erste Teil,

welcher dogmatisch ist.


Erstes Hauptstck. _Ein verwickelter metaphysischer Knoten, den man nach
Belieben auflsen oder abhauen kann._

Wenn alles dasjenige, was von Geistern der Schulknabe herbetet, der
groe Haufe erzhlt und der Philosoph demonstriert, zusammengenommen
wird, so scheinet es keinen kleinen Teil von unserem Wissen auszumachen.
Nichtsdestoweniger getraue ich mich zu behaupten, da, wenn es jemand
einfiele, sich bei der Frage etwas zu verweilen, was denn das eigentlich
vor ein Ding sei, wovon man unter dem Namen eines =Geistes= so viel zu
verstehen glaubt, er alle diese Vielwisser in die beschwerlichste
Verlegenheit versetzen wrde. Das methodische Geschwtz der hohen
Schulen ist oftmals nur ein Einverstndnis, durch vernderliche
Wortbedeutungen einer schwer zu lsenden Frage auszuweichen, weil das
bequeme und mehrenteils vernnftige: =Ich wei nicht=, auf Akademien
nicht leichtlich gehret wird. Gewisse neuere Weltweisen, wie sie sich
gerne nennen lassen, kommen sehr leicht ber diese Frage hinweg. Ein
Geist, heit es, ist ein Wesen, welches Vernunft hat. So ist es denn
also keine Wundergabe, Geister zu sehen; denn wer Menschen sieht, der
sieht Wesen, die Vernunft haben. Allein, fhrt man fort, dieses Wesen,
was im Menschen Vernunft hat, ist nur ein Teil vom Menschen, und dieser
Teil, der ihn belebt, ist ein Geist. Wohlan denn: ehe ihr also beweiset,
da nur ein geistiges Wesen Vernunft haben knne, so sorget doch, da
ich zuvrderst verstehe, was ich mir unter einem geistigen Wesen vor
einen Begriff zu machen habe. Diese Selbsttuschung, ob sie gleich grob
genug ist, um mit halboffenen Augen bemerkt zu werden, ist doch von sehr
begreiflichem Ursprunge. Denn wovon man frhzeitig als ein Kind sehr
viel wei, davon ist man sicher, spterhin und im Alter nichts zu
wissen, und der Mann der Grndlichkeit wird zuletzt hchstens der
Sophiste seines Jugendwahnes.

Ich wei also nicht, ob es Geister gebe, ja, was noch mehr ist, ich wei
nicht einmal, was das Wort =Geist= bedeute. Da ich es indessen oft
selbst gebraucht oder andere habe brauchen hren, so mu doch etwas
darunter verstanden werden, es mag nun dieses Etwas ein Hirngespinst
oder was Wirkliches sein. Um diese versteckte Bedeutung auszuwickeln, so
halte ich meinen schlecht verstandenen Begriff an allerlei Flle der
Anwendung und dadurch, da ich bemerke, auf welchen er trifft und
welchem er zuwider ist, verhoffe ich, dessen verborgenen Sinn zu
entfalten.(1)

  (1) Wenn der Begriff eines Geistes von unsern eignen Erfahrungsbegriffen
  abgesondert wre, so wrde das Verfahren, ihn deutlich zu
  machen leicht sein, indem man nur diejenigen Merkmale anzuzeigen
  htte, welche uns die Sinne an dieser Art Wesen offenbareten,
  und wodurch wir sie von materiellen Dingen unterscheiden.
  Nun aber wird von Geistern geredet, selbst alsdenn, wenn
  man zweifelt, ob es gar dergleichen Wesen gebe. Also kann der
  Begriff von der geistigen Natur nicht als ein von der Erfahrung
  abstrahierter behandelt werden. Fragt ihr aber: Wie ist man denn zu
  diesem Begriff berhaupt gekommen, wenn es nicht durch Abstraktion
  geschehen ist? Ich antworte: Viele Begriffe entspringen durch geheime
  und dunkele Schlsse bei Gelegenheit der Erfahrungen und pflanzen sich
  nachher auf andere fort ohne Bewutsein der Erfahrung selbst oder des
  Schlusses, welcher den Begriff ber dieselbe errichtet hat. Solche
  Begriffe kann man =erschlichene= nennen. Dergleichen sind viele, die
  zum Teil nichts als ein Wahn der Einbildung, zum Teil auch wahr sind,
  indem auch dunkele Schlsse nicht immer irren. Der Redegebrauch und
  die Verbindung eines Ausdrucks mit verschiedenen Erzhlungen, in denen
  jederzeit einerlei Hauptmerkmal anzutreffen ist, geben ihm eine
  bestimmte Bedeutung, welche folglich nur dadurch kann entfaltet
  werden, da man diesen versteckten Sinn durch eine Vergleichung mit
  allerlei Fllen der Anwendung, die mit ihm einstimmig sind oder ihm
  widerstreiten, aus seiner Dunkelheit hervorzieht.

Nehmet etwa einen Raum von einem Kubikfu und setzet, es sei etwas, das
diesen Raum erfllt, d.i. dem Eindringen jedes andern Dinges
widerstehet, so wird niemand das Wesen, was auf solche Weise im Raum
ist, =geistig= nennen. Es wrde offenbar =materiell= heien, weil es
ausgedehnt, undurchdringlich und wie alles Krperliche der Teilbarkeit
und den Gesetzen des Stoes unterworfen ist. Bis dahin sind wir noch auf
dem gebhnten Gleise anderer Philosophen. Allein denket euch ein
einfaches Wesen und gebet ihm zugleich Vernunft; wird dies alsdenn die
Bedeutung des Wortes =Geist= gerade ausfllen? Damit ich dieses
entdecke, so will ich die Vernunft dem besagten einfachen Wesen als eine
=innere= Eigenschaft lassen, vor jetzo es aber nur in =ueren=
Verhltnissen betrachten. Und nunmehro frage ich: wenn ich diese
einfache Substanz in jenen Raum vom Kubikfu, der voll Materie ist,
setzen will, wird alsdenn ein einfaches Element derselben den Platz
rumen mssen, damit ihn dieser Geist erflle? Meinet ihr, ja? Wohlan,
so wird der gedachte Raum, um einen zweiten Geist einzunehmen, ein
zweites Elementarteilchen verlieren mssen, und so wird endlich, wenn
man fortfhrt, ein Kubikfu Raum von Geistern erfllet sein, deren
Klumpe ebensowohl durch Undurchdringlichkeit widerstehet, als wenn er
voll Materie wre, und ebenso wie diese der Gesetze des Stoes fhig
sein mu. Nun wrden aber dergleichen Substanzen, ob sie gleich in sich
Vernunftkraft haben mgen, doch uerlich von den Elementen der Materie
gar nicht unterschieden sein, bei denen man auch nur die Krfte ihrer
ueren Gegenwart kennet und, was zu ihren inneren Eigenschaften gehren
mag, gar nicht wei. Es ist also auer Zweifel, da eine solche Art
einfacher Substanzen nicht geistige Wesen heien wrden, davon Klumpen
zusammengeballet werden knnten. Ihr werdet also den Begriff eines
Geistes nur beibehalten knnen, wenn ihr euch Wesen gedenkt, die sogar
in einem von Materie erfllten Raume gegenwrtig sein knnen;(2) Wesen
also, welche die Eigenschaft der Undurchdringlichkeit nicht an sich
haben, und deren so viele, als man auch will, vereinigt niemals ein
solides Ganze ausmachen. Einfache Wesen von dieser Art werden
immaterielle Wesen und, wenn sie Vernunft haben, Geister genannt werden.
Einfache Substanzen aber, deren Zusammensetzung ein undurchdringliches
und ausgedehntes Ganze gibt, werden materielle Einheiten, ihr Ganzes
aber Materie heien. Entweder der Name eines Geistes ist ein Wort ohne
allen Sinn, oder seine Bedeutung ist die angezeigte.

  (2) Man wird hier leichtlich gewahr, da ich nur von Geistern, die als
  Teile zum Weltganzen gehren und nicht von dem unendlichen Geiste
  rede, der der Urheber und Erhalter desselben ist. Denn der Begriff von
  der geistigen Natur des letzteren ist leicht, weil er lediglich
  negativ ist und darin besteht, da man die Eigenschaften der Materie
  an ihm verneinet, die einer unendlichen und schlechterdings
  notwendigen Substanz widerstreiten. Dagegen bei einer geistigen
  Substanz, die mit der Materie in Vereinigung sein soll, wie z.E. der
  menschlichen Seele, uert sich die Schwierigkeit, da ich eine
  wechselseitige Verknpfung derselben mit krperlichen Wesen zu einem
  Ganzen denken und dennoch die einzige bekannte Art der Verbindung,
  welche unter materiellen Wesen stattfindet, aufheben soll.

Von der Erklrung, was der Begriff eines Geistes enthalte, ist der
Schritt noch ungemein weit zu dem Satze, da solche Naturen wirklich, ja
auch nur mglich seien. Man findet in den Schriften der Philosophen
recht gute Beweise, darauf man sich verlassen kann, da alles, was da
denkt, einfach sein msse, da eine jede vernnftigdenkende Substanz
eine Einheit der Natur sei, und das unteilbare Ich nicht knne in einem
Ganzen von viel verbundenen Dingen verteilt sein. Meine Seele wird also
eine einfache Substanz sein. Aber es bleibt durch diesen Beweis noch
immer unausgemacht, ob sie von der Art derjenigen sei, die in dem Raume
vereinigt ein ausgedehntes und undurchdringliches Ganze geben und also
materiell oder ob sie immateriell und folglich ein Geist sei, ja sogar,
ob eine solche Art Wesen als diejenige, so man =geistige= nennet, nur
mglich sei.

Und hiebei kann ich nicht umhin, vor bereilte Entscheidungen zu warnen,
welche in den tiefsten und dunkelsten Fragen sich am leichtesten
eindringen. Was nmlich zu den gemeinen Erfahrungsbegriffen gehrt, das
pflegt man gemeiniglich so anzusehen, als ob man auch seine Mglichkeit
einsehe. Dagegen was von ihnen abweicht und durch keine Erfahrung, auch
nicht einmal der Analogie nach, verstndlich gemacht werden kann, davon
kann man sich freilich keinen Begriff machen, und darum pflegt man es
gerne als unmglich sofort zu verwerfen. Alle Materie widerstehet in dem
Raume ihrer Gegenwart und heit darum undurchdringlich. Da dieses
geschehe, lehrt die Erfahrung, und die Abstraktion von dieser Erfahrung
bringt in uns auch den allgemeinen Begriff der Materie hervor. Dieser
Widerstand aber, den Etwas in dem Raume seiner Gegenwart leistet, ist
auf solche Weise wohl =erkannt=, allein darum nicht =begriffen=. Denn es
ist derselbe, sowie alles, was einer Ttigkeit entgegenwirkt, eine wahre
Kraft, und da ihre Richtung derjenigen entgegensteht, wornach die
fortgezogne Linien der =Annherung= zielen, so ist sie eine Kraft der
=Zurckstoung=, welche der Materie und folglich auch ihren Elementen
mu beigeleget werden. Nun wird sich ein jeder Vernnftiger bald
bescheiden, da hier die menschliche Einsicht zu Ende sei. Denn nur
durch die Erfahrung kann man innewerden, da Dinge der Welt, welche wir
=materiell= nennen, eine solche Kraft haben, niemals aber die
Mglichkeit derselben begreifen. Wenn ich nun Substanzen anderer Art
setze, die mit andern Krften im Raume gegenwrtig sind, als mit jener
=treibenden= Kraft, deren Folge die Undurchdringlichkeit ist, so kann
ich freilich eine Ttigkeit derselben, welche keine Analogie mit meinen
Erfahrungsvorstellungen hat, gar nicht _in concreto_ denken, und indem
ich ihnen die Eigenschaft nehme, den Raum, in dem sie wirken, zu
=erfllen=, so stehet mir ein Begriff ab, wodurch mir sonsten die Dinge
denklich sind, welche in meine Sinne fallen, und es mu daraus notwendig
eine Art von Undenklichkeit entspringen. Allein diese kann darum nicht
als eine erkannte Unmglichkeit angesehen werden, eben darum weil das
Gegenteil seiner Mglichkeit nach gleichfalls uneingesehen bleiben wird,
obzwar dessen Wirklichkeit in die Sinne fllt.

Man kann demnach die Mglichkeit immaterieller Wesen annehmen ohne
Besorgnis widerlegt zu werden, wiewohl auch ohne Hoffnung, diese
Mglichkeit durch Vernunftgrnde beweisen zu knnen. Solche geistige
Naturen wrden im Raume gegenwrtig sein, soda derselbe demungeachtet
vor krperliche Wesen immer durchdringlich bliebe, weil ihre Gegenwart
wohl eine =Wirksamkeit= im Raume, aber nicht dessen =Erfllung=, d.i.
einen Widerstand als den Grund der Soliditt enthielte. Nimmt man nun
eine solche =einfache= geistige Substanz an, so wrde man unbeschadet
ihrer Unteilbarkeit sagen knnen, da der Ort ihrer unmittelbaren
Gegenwart nicht ein Punkt, sondern selbst ein Raum sei. Denn um die
Analogie zu Hlfe zu rufen, so mssen notwendig selbst die einfachen
Elemente der Krper ein jegliches ein Rumchen in dem Krper erfllen,
der ein proportionierter Teil seiner ganzen Ausdehnung ist, weil Punkte
gar nicht Teile, sondern Grenzen des Raumes sind. Da diese Erfllung des
Raumes vermittelst einer wirksamen Kraft (der Zurckstoung) geschieht
und also nur einen Umfang der greren Ttigkeit, nicht aber eine
Vielheit der Bestandteile des wirksamen Subjekts anzeigt, so
widerstreitet sie gar nicht der einfachen Natur desselben, obgleich
freilich die Mglichkeit hievon nicht weiter kann deutlich gemacht
werden, welches niemals bei den ersten Verhltnissen der Ursachen und
Wirkungen angeht. Ebenso wird mir zum wenigsten keine erweisliche
Unmglichkeit entgegenstehen, obschon die Sache selbst unbegreiflich
bleibt, wenn ich behaupte, da eine geistige Substanz, ob sie gleich
einfach ist, dennoch einen Raum =einnehme=, (d.i. in ihm unmittelbar
ttig sein knne), ohne ihn zu =erfllen=, (d.i. materiellen Substanzen
darin Widerstand zu leisten). Auch wrde eine solche immaterielle
Substanz nicht ausgedehnt genannt werden mssen, so wenig wie es die
Einheiten der Materie sind; denn nur dasjenige, was abgesondert von
allem und =vor sich= allein existierend einen Raum einnimmt, ist
=ausgedehnt=; die Substanzen aber, welche Elemente der Materie sind,
nehmen einen Raum nur durch die =uere= Wirkung in andere ein, vor sich
besonders aber, wo keine andre Dinge in Verknpfung mit ihnen gedacht
werden, und da in ihnen selbst auch nichts auereinander Befindliches
anzutreffen ist, enthalten sie keinen Raum. Dieses gilt von
Krperelementen. Dieses wrde auch von geistigen Naturen gelten. Die
Grenzen der Ausdehnung bestimmen die Figur. An ihnen wrde also keine
Figur gedacht werden knnen. Dieses sind schwer einzusehende Grnde der
vermuteten Mglichkeit immaterieller Wesen in dem Weltganzen. Wer im
Besitze leichterer Mittel ist, die zu dieser Einsicht fhren knnen, der
versage seinen Unterricht einem Lehrbegierigen nicht, vor dessen Augen
im Fortschritt der Untersuchung sich fters Alpen erheben, wo andere
einen ebenen und gemchlichen Fusteig vor sich sehen, den sie
fortwandern oder zu wandern glauben.

Gesetzt nun, man htte bewiesen, die Seele des Menschen sei ein Geist,
(wiewohl aus dem vorigen zu sehen ist, da ein solcher Beweis noch
niemals gefhret worden), so wrde die nchste Frage, die man tun
knnte, etwa diese sein: Wo ist der Ort dieser menschlichen Seele in der
Krperwelt? Ich wrde antworten: Derjenige Krper, dessen Vernderungen
=meine= Vernderungen sind, dieser Krper ist =mein= Krper, und der Ort
desselben ist zugleich =mein Ort=. Setzet man die Frage weiter fort: Wo
ist denn =dein= Ort (der Seele) in diesem Krper, so wrde ich etwas
Verfngliches in dieser Frage vermuten. Denn man bemerkt leicht, da
darin etwas schon vorausgesetzet werde, was nicht durch Erfahrung
bekannt ist, sondern vielleicht auf eingebildeten Schlssen beruhet,
nmlich da mein denkendes Ich in einem Orte sei, der von den rtern
anderer Teile desjenigen Krpers, der zu meinem Selbst gehret,
unterschieden wre. Niemand aber ist sich eines besondern Orts in seinem
Krper unmittelbar bewut, sondern desjenigen, den er als Mensch in
Ansehung der Welt umher einnimmt. Ich wrde mich also an der gemeinen
Erfahrung halten und vorlufig sagen: Wo ich empfinde, da =bin= ich. Ich
bin ebenso unmittelbar in der Fingerspitze wie in dem Kopfe. Ich bin es
selbst, der in der Ferse leidet und welchem das Herz im Affekte klopft.
Ich fhle den schmerzhaften Eindruck nicht an einer Gehirnnerve, wenn
mich mein Leichdorn peinigt, sondern am Ende meiner Zehen. Keine
Erfahrung lehrt mich einige Teile meiner Empfindung von mir vor entfernt
zu halten, mein unteilbares Ich in ein mikroskopisch kleines Pltzchen
des Gehirnes zu versperren, um von da aus den Hebezeug meiner
Krpermaschine in Bewegung zu setzen oder dadurch selbst getroffen zu
werden. Daher wrde ich einen strengen Beweis verlangen, um dasjenige
ungereimt zu finden, was die Schullehrer sagten: =Meine Seele ist ganz
im ganzen Krper und ganz in jedem seiner Teile.= Der gesunde Verstand
bemerkt oft die Wahrheit eher, als er die Grnde einsiehet, dadurch er
sie beweisen oder erlutern kann. Der Einwurf wrde mich auch nicht
gnzlich irre machen, wenn man sagte, da ich auf solche Art die Seele
ausgedehnt und durch den ganzen Krper verbreitet gedchte, so ohngefhr
wie sie den Kindern in der =gemalten Welt= abgebildet wird. Denn ich
wrde diese Hindernis dadurch wegrumen, da ich bemerkte, die
unmittelbare Gegenwart in einem ganzen Raume beweise nur eine Sphre der
ueren Wirksamkeit, aber nicht eine Vielheit innerer Teile, mithin auch
keine Ausdehnung oder Figur, als welche nur stattfinden, wenn in einem
Wesen =vor sich allein gesetzt= ein Raum ist, d.i. Teile anzutreffen
sind, die sich auerhalb einander befinden. Endlich wrde ich entweder
dieses wenige von der geistigen Eigenschaft meiner Seele wissen oder,
wenn man es nicht einwilligte, auch zufrieden sein, davon gar nichts zu
wissen.

Wollte man diesen Gedanken die Unbegreiflichkeit oder, welches bei den
meisten vor einerlei gilt, ihre Unmglichkeit vorrcken, so knnte ich
es auch geschehen lassen. Alsdenn wrde ich mich zu den Fen dieser
Weisen niederlassen, um sie also reden zu hren: Die Seele des Menschen
hat ihren Sitz im Gehirne, und ein unbeschreiblich kleiner Platz in
demselben ist ihr Aufenthalt.(3) Daselbst empfindet sie wie die Spinne
im Mittelpunkte ihres Gewebes. Die Nerven des Gehirnes stoen oder
erschttern sie, dadurch verursachen sie aber, da nicht dieser
unmittelbare Eindruck, sondern der, so auf ganz entlegene Teile des
Krpers geschieht, jedoch als ein auerhalb dem Gehirne gegenwrtiges
Objekt vorgestellet wird. Aus diesem Sitze bewegt sie auch die Seile und
Hebel der ganzen Maschine und verursacht willkrliche Bewegungen nach
ihrem Belieben. Dergleichen Stze lassen sich nur sehr seichte oder gar
nicht beweisen und, weil die Natur der Seele im Grunde nicht bekannt
gnug ist, auch nur ebenso schwach widerlegen. Ich wrde also mich in
keine Schulgeznke einlassen, wo gemeiniglich beide Teile alsdenn am
meisten zu sagen haben, wenn sie von ihrem Gegenstande gar nichts
verstehen; sondern ich wrde lediglich den Folgerungen nachgehen, auf
die mich eine Lehre von dieser Art leiten kann. Weil also nach denen mir
angepriesenen Stzen meine Seele, in der Art wie sie im Raume
gegenwrtig ist, von jedem Element der Materie nicht unterschieden wre,
und die Verstandeskraft eine innere Eigenschaft ist, welche ich in
diesen Elementen doch nicht wahrnehmen knnte, wenngleich selbige in
ihnen allen angetroffen wrde, so knnte kein tauglicher Grund
angefhret werden, weswegen nicht meine Seele eine von den Substanzen
sei, welche die Materie ausmachen, und warum nicht ihre besondere
Erscheinungen lediglich von dem Orte herrhren sollten, den sie in einer
knstlichen Maschine, wie der tierische Krper ist, einnimmt, wo die
Nervenvereinigung der inneren Fhigkeit des Denkens und der Willkr
zustatten kommt. Alsdenn aber wrde man kein eigentmliches Merkmal der
Seele mehr mit Sicherheit erkennen, welches sie von dem rohen
Grundstoffe der krperlichen Naturen unterschiede, und LEIBNIZENS
scherzhafter Einfall, nach welchem wir vielleicht im Kaffee Atomen
verschluckten, woraus Menschenseelen werden sollen, wre nicht mehr ein
Gedanke zum Lachen. Wrde aber auf solchen Fall dieses denkende Ich
nicht dem gemeinen Schicksale materieller Naturen unterworfen sein und,
wie es durch den Zufall aus dem Chaos aller Elemente gezogen worden, um
eine tierische Maschine zu beleben, warum sollte es, nachdem diese
zufllige Vereinigung aufgehrt hat, nicht auch knftig dahin wiederum
zurckkehren? Es ist bisweilen ntig, den Denker, der auf unrechtem Wege
ist, durch die Folgen zu erschrecken, damit er aufmerksamer auf die
Grundstze werde, durch welche er sich gleichsam trumend hat fortfhren
lassen.

  (3) Man hat Beispiele von Verletzungen, dadurch ein guter Teil des
  Gehirns verloren worden, ohne da es dem Menschen das Leben oder die
  Gedanken gekostet hat. Nach der gemeinen Vorstellung, die ich hier
  anfhre, wrde ein Atomus desselben haben drfen entfhrt oder aus der
  Stelle gerckt werden, um in einem Augenblick den Menschen zu
  entseelen. Die herrschende Meinung, der Seele einen Platz im Gehirne
  anzuweisen, scheinet hauptschlich ihren Ursprung darin zu haben, da
  man bei starkem Nachsinnen deutlich fhlt, da die Gehirnnerven
  angestrengt werden. Allein wenn dieser Schlu richtig wre, so wrde
  er auch noch andere rter der Seele beweisen. In der Bangigkeit oder
  der Freude scheint die Empfindung ihren Sitz im Herzen zu haben. Viele
  Affekten, ja die mehresten, uern ihre Hauptstrke im Zwerchfell. Das
  Mitleiden bewegt die Eingeweide, und andre Instinkte uern ihren
  Ursprung und Empfindsamkeit in andern Organen. Die Ursache, die da
  macht, da man die =nachdenkende= Seele vornehmlich im Gehirne zu
  empfinden glaubt, ist vielleicht diese. Alles Nachsinnen erfordert die
  Vermittelung der =Zeichen= vor die zu erweckende Ideen, um in deren
  Begleitung und Untersttzung diesen den erforderlichen Grad Klarheit
  zu geben. Die Zeichen unserer Vorstellungen aber sind vornehmlich
  solche, die entweder durchs Gehr oder das Gesicht empfangen sind,
  welche beide Sinne durch die Eindrcke im Gehirne bewegt werden, indem
  ihre Organen auch diesem Teile am nchsten liegen. Wenn nun die
  Erweckung dieser Zeichen, welche =Cartesius= _ideas materiales_ nennt,
  eigentlich eine Reizung der Nerven zu einer hnlichen Bewegung mit
  derjenigen ist, welche die Empfindung ehedem hervorbrachte, so wird
  das Gewebe des Gehirns im Nachdenken vornehmlich gentiget werden, mit
  vormaligen Eindrcken harmonisch zu beben und dadurch ermdet werden.
  Denn wenn das Denken zugleich affektvoll ist, so empfindet man nicht
  allein Anstrengungen des Gehirnes, sondern zugleich Angriffe der
  reizbaren Teile, welche sonst mit den Vorstellungen der in
  Leidenschaft versetzten Seele in Sympathie stehen.

Ich gestehe, da ich sehr geneigt sei, das Dasein immaterieller Naturen
in der Welt zu behaupten und meine Seele selbst in die Klasse dieser
Wesen zu versetzen.(4) Alsdenn aber, wie geheimnisvoll wird nicht die
Gemeinschaft zwischen einem Geiste und einem Krper? Aber wie natrlich
ist nicht zugleich diese Unbegreiflichkeit, da unsere Begriffe uerer
Handlungen von denen der Materie abgezogen worden und jederzeit mit den
Bedingungen des Druckes oder Stoes verbunden sind, die hier nicht
stattfinden? Denn wie sollte wohl eine immaterielle Substanz der Materie
im Wege liegen, damit diese in ihrer Bewegung auf einen Geist stoe, und
wie knnen krperliche Dinge Wirkungen auf ein fremdes Wesen ausben,
das ihnen nicht Undurchdringlichkeit entgegenstellet, oder welches sie
auf keine Weise hindert, sich in demselben Raume, darin es gegenwrtig
ist, zugleich zu befinden? Es scheinet, ein geistiges Wesen sei der
Materie innigst gegenwrtig, mit der es verbunden ist und wirke nicht
auf diejenige Krfte der Elemente, womit diese untereinander in
Verhltnissen sind, sondern auf das innere Principium ihres Zustandes.
Denn eine jede Substanz, selbst ein einfaches Element der Materie mu
doch irgend eine innere Ttigkeit als den Grund der uerlichen
Wirksamkeit haben, wenn ich gleich nicht anzugeben wei, worin solche
bestehe.(5) Andererseits wrde bei solchen Grundstzen die Seele auch in
diesen innern Bestimmungen als Wirkungen den Zustand des Universum
anschauend erkennen, der die Ursache derselben ist. Welche Notwendigkeit
aber verursache, da ein Geist und ein Krper zusammen Eines ausmache,
und welche Grnde bei gewissen Zerstrungen diese Einheit wiederum
aufheben, diese Fragen bersteigen nebst verschiedenen andern sehr weit
meine Einsicht, und wie wenig ich auch sonst dreiste bin, meine
Verstandesfhigkeit an den Geheimnissen der Natur zu messen, so bin ich
gleichwohl zuversichtlich gnug, keinen noch so frchterlich
ausgersteten Gegner zu scheuen, (wenn ich sonsten einige Neigung zum
Streiten htte), um in diesem Falle mit ihm den Versuch der Gegengrnde
im =Widerlegen= zu machen, der bei den Gelehrten eigentlich die
Geschicklichkeit ist, einander das Nichtwissen zu demonstrieren.

  (4) Der Grund hievon, der mir selbst sehr dunkel ist und
  wahrscheinlicherweise auch wohl so bleiben wird, trifft zugleich auf
  das empfindende Wesen in den Tieren. Was in der Welt ein Principium
  des =Lebens= enthlt, scheint immaterieller Natur zu sein. Denn alles
  =Leben= beruhet auf dem inneren Vermgen, sich selbst nach =Willkr=
  zu bestimmen. Da hingegen das wesentliche Merkmal der Materie in der
  Erfllung des Raumes durch eine notwendige Kraft bestehet, die durch
  uere Gegenwirkung beschrnkt ist; daher der Zustand alles dessen,
  was materiell ist, uerlich =abhangend= und =gezwungen= ist,
  diejenige Naturen aber, die =selbst ttig= und aus ihrer innern Kraft
  wirksam den Grund des Lebens enthalten sollen, kurz diejenige, deren
  eigene Willkr sich von selber zu bestimmen und zu verndern vermgend
  ist, schwerlich materieller Natur sein knnen. Man kann
  vernnftigerweise nicht verlangen, da eine so unbekannte Art Wesen,
  die man mehrenteils nur hypothetisch erkennt, in den Abteilungen ihrer
  verschiedenen Gattungen sollte begriffen werden; zum wenigsten sind
  diejenige immaterielle Wesen, die den Grund des tierischen Lebens
  enthalten, von denenjenigen unterschieden, die in ihrer
  Selbstttigkeit Vernunft begreifen und Geister genannt werden.

  (5) =Leibniz= sagte, dieser innere Grund aller seiner ueren
  Verhltnisse und ihrer Vernderungen sei eine =Vorstellungskraft=, und
  sptere Philosophen empfingen diesen unausgefhrten Gedanken mit
  Gelchter. Sie htten aber nicht bel getan, wenn sie vorhero bei sich
  berlegt htten, ob denn eine Substanz, wie ein einfacher Teil der
  Materie ist, ohne allem inneren Zustande mglich sei, und wenn sie
  denn diesen etwa nicht ausschlieen wollten, so wrde ihnen obgelegen
  haben, irgend einen andern mglichen innern Zustand zu ersinnen als
  den der Vorstellungen und der Ttigkeiten, die von ihnen abhngend
  sind. Jedermann sieht von selber, da, wenn man auch den einfachen
  Elementarteilen der Materie ein Vermgen dunkler Vorstellungen
  zugesteht, daraus noch keine Vorstellungskraft der Materie selbst
  erfolge, weil viel Substanzen von solcher Art, in einem Ganzen
  verbunden, doch niemals eine denkende Einheit ausmachen knnen.


Zweites Hauptstck. _Ein Fragment der geheimen Philosophie, die
Gemeinschaft mit der Geisterwelt zu erffnen._

Der Initiat hat schon den groben und an den uerlichen Sinnen klebenden
Verstand zu hhern und abgezogenen Begriffen gewhnt, und nun kann er
geistige und von krperlichen Zeuge enthllete Gestalten in derjenigen
Dmmerung sehen, womit das schwache Licht der Metaphysik das Reich der
Schatten sichtbar macht. Wir wollen daher nach der beschwerlichen
Vorbereitung, welche berstanden ist, uns auf den gefhrlichen Weg
wagen.

    Ibant obscuri sola sub nocte per umbras,
    Perque domos Ditis vacuas et inania regna.

    VIRGILIUS.

Die =tote= Materie, welche den Weltraum erfllet, ist ihrer
eigentmlichen Natur nach im Stande der Trgheit und der Beharrlichkeit
in einerlei Zustande, sie hat Soliditt, Ausdehnung und Figur, und ihre
Erscheinungen, die auf allen diesen Grnden beruhen, lassen eine
=physische= Erklrung zu, die zugleich mathematisch ist und zusammen
=mechanisch= genannt wird. Wenn man andererseits seine Achtsamkeit auf
diejenige Art Wesen richtet, welche den Grund des =Lebens= in dem
Weltganzen enthalten, die um deswillen nicht von der Art sind, da sie
als Bestandteile den Klumpen und die Ausdehnung der leblosen Materie
vermehren, noch von ihr nach den Gesetzen der Berhrung und des Stoes
leiden, sondern vielmehr durch innere Ttigkeit sich selbst und berdem
den toten Stoff der Natur rege machen, so wird man, wo nicht mit der
Deutlichkeit einer Demonstration, doch wenigstens mit der Vorempfindung
eines nicht ungebten Verstandes sich von dem Dasein immaterieller Wesen
berredet finden, deren besondere Wirkungsgesetze =pneumatisch= und,
soferne die krperliche Wesen Mittelursachen ihrer Wirkungen in der
materiellen Welt sind, =organisch= genannt werden. Da diese immaterielle
Wesen selbstttige Prinzipien sind, mithin Substanzen und vor sich
bestehende Naturen, so ist diejenige Folge, auf die man zunchst gert,
diese, da sie untereinander, unmittelbar vereinigt, vielleicht ein
groes Ganze ausmachen mgen, welches man die immaterielle Welt (_mundus
intelligibilis_) nennen kann. Denn mit welchem Grunde der
Wahrscheinlichkeit wollte man wohl behaupten, da dergleichen Wesen von
einander hnlicher Natur nur vermittelst anderer (krperlichen Dinge)
von fremder Beschaffenheit in Gemeinschaft stehen knnten, indem dieses
letztere noch viel rtselhafter als das erste ist?

Diese =immaterielle= Welt kann also als ein vor sich bestehendes Ganze
angesehen werden, deren Teile untereinander in wechselseitiger
Verknpfung und Gemeinschaft stehen, auch ohne Vermittelung krperlicher
Dinge, soda dieses letztere Verhltnis zufllig ist und nur einigen
zukommen darf, ja, wo sie auch angetroffen wird, nicht hindert, da
nicht eben die immaterielle Wesen, welche durch die Vermittelung der
Materie ineinander wirken, auer diesem noch in einer besondern und
durchgngigen Verbindung stehen und jederzeit untereinander als
immaterielle Wesen wechselseitige Einflsse ausben, soda das
Verhltnis derselben vermittelst der Materie nur zufllig und auf einer
besonderen gttlichen Anstalt beruhet, jene hingegen natrlich und
unauflslich ist.

Indem man denn auf solche Weise alle Prinzipien des Lebens in der ganzen
Natur als so viel unkrperliche Substanzen untereinander in
Gemeinschaft, aber auch zum Teil mit der Materie vereinigt
zusammennimmt, so gedenkt man sich ein groes Ganze der immateriellen
Welt, eine unermeliche, aber unbekannte Stufenfolge von Wesen und
ttigen Naturen, durch welche der tote Stoff der Krperwelt allein
belebt wird. Bis auf welche Glieder aber der Natur Leben ausgebreitet
sei, und welche diejenigen Grade desselben seien, die zunchst an die
vllige Leblosigkeit grenzen, ist vielleicht unmglich, jemals mit
Sicherheit auszumachen. Der =Hylozoismus= belebt alles, der
Materialismus dagegen, wenn er genau erwogen wird, ttet alles.
MAUPERTUIS ma den organischen Nahrungsteilchen aller Tiere den
niedrigsten Grad Leben bei; andere Philosophen sehen an ihnen nichts als
tote Klumpen, welche nur dienen, den Hebezeug der tierischen Maschinen
zu vergrern. Das ungezweifelte Merkmal des Lebens an dem, was in
unsere uere Sinne fllt, ist wohl die freie Bewegung, die da blicken
lt, da sie aus Willkr entsprungen sei; allein der Schlu ist nicht
sicher, da, wo dieses Merkmal nicht angetroffen wird, auch kein Grad
des Lebens befindlich sei. BOERHAAVE sagt an einem Orte: =Das Tier ist
eine Pflanze, die ihre Wurzel im Magen= (inwendig) =hat.= Vielleicht
knnte ein anderer ebenso ungetadelt mit diesen Begriffen spielen und
sagen: =Die Pflanze ist ein Tier, das seinen Magen in der Wurzel=
(uerlich) =hat.= Daher auch den letzteren die Organen der
willkrlichen Bewegung und mit ihnen die uerliche Merkmale des Lebens
fehlen knnen, die doch den ersteren notwendig sind, weil ein Wesen,
welches die Werkzeuge seiner Ernhrung in sich hat, sich selbst seiner
Bedrfnis gem mu bewegen knnen, dasjenige aber, an welchem dieselbe
auerhalb und in dem Elemente seiner Unterhaltung eingesenkt sind, schon
gnugsam durch uere Krfte erhalten wird und, wenn es gleich ein
Principium des inneren Lebens in der Vegetation enthlt, doch keine
organische Einrichtung zur uerlichen willkrlichen Ttigkeit bedarf.
Ich verlange nichts von allem diesen auf Beweisgrnde; denn auerdem,
da ich sehr wenig zum Vorteil von dergleichen Mutmaungen wrde zu
sagen haben, so haben sie noch als bestubte veraltete Grillen den Spott
der Mode wider sich. Die Alten glaubten nmlich dreierlei Art vom Leben
annehmen zu knnen, das =pflanzenartige=, das =tierische= und das
=vernnftige=. Wenn sie die drei immaterielle Prinzipien derselben in
dem Menschen vereinigten, so mchten sie wohl unrecht haben, wenn sie
aber solche unter die dreierlei Gattungen der wachsenden und
ihresgleichen erzeugenden Geschpfe verteileten, so sagten sie freilich
wohl etwas Unerweisliches, aber darum noch nicht Ungereimtes,
vornehmlich in dem Urteile desjenigen, der das besondere Leben der von
einigen Tieren abgetrenneten Teile, die Irritabilitt, diese so wohl
erwiesene, aber auch zugleich so unerklrliche Eigenschaft der Fasern
eines tierischen Krpers und einiger Gewchse, und endlich die nahe
Verwandtschaft der Polypen und anderer Zoophyten mit den Gewchsen in
Betracht ziehen wollte. brigens ist die Berufung auf immaterielle
Prinzipien eine Zuflucht der faulen Philosophie und darum auch die
Erklrungsart in diesem Geschmacke nach aller Mglichkeit zu vermeiden,
damit diejenigen Grnde der Welterscheinungen, welche auf den
Bewegungsgesetzen der bloen Materie beruhen, und welche auch einzig und
allein der Begreiflichkeit fhig sind, in ihrem ganzen Umfange erkannt
werden. Gleichwohl bin ich berzeugt, da STAHL, welcher die tierische
Vernderungen gerne organisch erklrt, oftmals der Wahrheit nher sei,
als HOFMANN, BOERHAAVE u.a.m., welche die immaterielle Krfte aus dem
Zusammenhange lassen, sich an die mechanische Grnde halten und hierin
einer mehr philosophischen Methode folgen, die wohl bisweilen fehlt,
aber mehrmalen zutrifft, und die auch allein in der Wissenschaft von
ntzlicher Anwendung ist, wenn anderseits von dem Einflusse der Wesen
von unkrperlicher Natur hchstens nur erkannt werden kann, da er da
sei, niemals aber, wie er zugehe und wie weit sich seine Wirksamkeit
erstrecke.

So wrde denn also die immaterielle Welt zuerst alle erschaffene
Intelligenzen, deren einige mit der Materie zu einer Person verbunden
sind, andere aber nicht, in sich befassen, berdem die empfindende
Subjekte in allen Tierarten und endlich alle Prinzipien des Lebens,
welche sonst noch in der Natur wo sein mgen, ob dieses sich gleich
durch keine uerliche Kennzeichen der willkrlichen Bewegung
offenbarete. Alle diese immaterielle Naturen, sage ich, sie mgen nun
ihre Einflsse in der Krperwelt ausben oder nicht, alle vernnftige
Wesen, deren zuflliger Zustand tierisch ist, es sei hier auf der Erde
oder in andern Himmelskrpern, sie mgen den rohen Zeug der Materie
jetzt oder knftig beleben oder ehedem belebt haben, wrden nach diesen
Begriffen in einer ihrer Natur gemen Gemeinschaft stehen, die nicht
auf den Bedingungen beruht, wodurch die Verhltnis der Krper
eingeschrnkt ist, und wo die Entfernung der rter oder der Zeitalter,
welche in der sichtbaren Welt die groe Kluft ausmacht, die alle
Gemeinschaft aufhebt, verschwindet. Die menschliche Seele wrde daher
schon in dem gegenwrtigen Leben als verknpft mit zweien Welten
zugleich mssen angesehen werden, von welchen sie, soferne sie zu
persnlicher Einheit mit einem Krper verbunden ist, die materielle
allein klar empfindet, dagegen als ein Glied der Geisterwelt die reine
Einflsse immaterieller Naturen empfngt und erteilet, soda, sobald
jene Verbindung aufgehrt hat, die Gemeinschaft, darin sie jederzeit mit
geistigen Naturen stehet, allein brig bleibt und sich ihrem Bewutsein
zum klaren Anschauen erffnen mte.(6)

  (6) Wenn man von dem Himmel als dem Sitze der Seligen redet, so setzt
  die gemeine Vorstellung ihn gerne ber sich, hoch in dem unermelichen
  Weltraume. Man bedenket aber nicht, da unsre Erde, aus diesen
  Gegenden gesehen, auch als einer von den Sternen des Himmels
  erscheine, und da die Bewohner anderer Welten mit ebenso gutem Grunde
  nach uns hin zeigen knnten und sagen: Sehet da den Wohnplatz ewiger
  Freuden und einen himmlischen Aufenthalt, welcher zubereitet ist, uns
  dereinst zu empfangen. Ein wunderlicher Wahn nmlich macht, da der
  hohe Flug, den die Hoffnung nimmt, immer mit dem Begriffe des Steigens
  verbunden ist, ohne zu bedenken, da, so hoch man auch gestiegen ist,
  man doch wieder sinken msse, um allenfalls in einer andern Welt
  festen Fu zu fassen. Nach den angefhrten Begriffen aber wrde der
  Himmel eigentlich die Geisterwelt sein oder, wenn man will, der selige
  Teil derselben, und diese wrde man weder ber sich noch unter sich zu
  suchen haben, weil ein solches immaterielle Ganze nicht nach den
  Entfernungen oder Naheiten gegen krperliche Dinge, sondern in
  geistigen Verknpfungen seiner Teile untereinander vorgestellt werden
  mu, wenigstens die Glieder derselben sich nur nach solchen
  Verhltnissen ihrer selbst bewut sind.

Es wird mir nachgerade beschwerlich, immer die behutsame Sprache der
Vernunft zu fhren. Warum sollte es mir nicht auch erlaubt sein, im
akademischen Tone zu reden, der entscheidender ist und sowohl den
Verfasser als den Leser des Nachdenkens berhebt, welches ber lang oder
kurz beide nur zu einer verdrielichen Unentschlossenheit fhren mu. Es
ist demnach so gut als demonstriert, oder es knnte leichtlich bewiesen
werden, wenn man weitluftig sein wollte oder noch besser, es wird
knftig, ich wei nicht wo oder wenn, noch bewiesen werden, da die
menschliche Seele auch in diesem Leben in einer unauflslich verknpften
Gemeinschaft mit allen immateriellen Naturen der Geisterwelt stehe, da
sie wechselweise in diese wirke und von ihnen Eindrcke empfange, deren
sie sich aber als Mensch nicht bewut ist, solange alles wohl steht.
Andererseits ist es auch wahrscheinlich, da die geistige Naturen
unmittelbar keine sinnliche Empfindung von der Krperwelt mit Bewutsein
haben knnen, weil sie mit keinem Teil der Materie zu einer Person
verbunden sind, um sich vermittelst desselben ihres Orts in dem
materiellen Weltganzen und durch knstliche Organen der Verhltnis der
ausgedehnten Wesen gegen sich und gegen einander bewut zu werden, da
sie aber wohl in die Seelen der Menschen als Wesen von einerlei Natur
einflieen knnen und auch wirklich jederzeit mit ihnen in
wechselseitiger Gemeinschaft stehen, doch so, da in der Mitteilung der
Vorstellungen diejenige, welche die Seele als ein von der Krperwelt
abhngendes Wesen in sich enthlt, nicht in andere geistige Wesen und
die Begriffe der letzteren, als anschauende Vorstellungen von
immateriellen Dingen, nicht in das klare Bewutsein des Menschen
bergehen knnen, wenigstens nicht in ihrer eigentlichen Beschaffenheit,
weil die Materialien zu beiderlei Ideen von verschiedener Art sind.

Es wrde schn sein, wenn eine dergleichen systematische Verfassung der
Geisterwelt, als wir sie vorstellen, nicht lediglich aus dem Begriffe
von der geistigen Natur berhaupt, der gar zu sehr hypothetisch ist,
sondern aus irgendeiner wirklichen und allgemein zugestandenen
Beobachtung knnte geschlossen, oder auch nur wahrscheinlich vermutet
werden. Daher wage ich es auf die Nachsicht des Lesers, einen Versuch
von dieser Art hier einzuschalten, der zwar etwas auer meinem Wege
liegt und auch von der Evidenz weit gnug entfernet ist, gleichwohl aber
zu nicht unangenehmen Vermutungen Anla zu geben scheinet.

                   *       *       *       *       *

Unter den Krften, die das menschliche Herz bewegen, scheinen einige der
mchtigsten auerhalb demselben zu liegen, die also nicht etwa als bloe
Mittel sich auf die Eigenntzigkeit und Privatbedrfnis als auf ein
Ziel, das =innerhalb= dem Menschen selbst liegt, beziehen, sondern
welche machen, da die Tendenzen unserer Regungen den Brennpunkt ihrer
Vereinigung =auer uns= in andere vernnftige Wesen versetzen; woraus
ein Streit zweier Krfte entspringt, nmlich der Eigenheit, die alles
auf sich beziehet, und der Gemeinntzigkeit, dadurch das Gemt gegen
andere auer sich getrieben oder gezogen wird. Ich halte mich bei dem
Triebe nicht auf, vermge dessen wir so stark und so allgemein am
Urteile anderer hngen und fremde Billigung oder Beifall zur Vollendung
des unsrigen vor uns selbst so ntig zu sein erachten, woraus,
wenngleich bisweilen ein belverstandener Ehrenwahn entspringt, dennoch
selbst in der uneigenntzigsten und wahrhaftesten Gemtsart ein geheimer
Zug versprt wird, dasjenige, was man vor sich selbst als =gut= oder
=wahr= erkennt, mit dem Urteil anderer zu vergleichen, um beide
einstimmig zu machen, imgleichen eine jede menschliche Seele auf dem
Erkenntniswege gleichsam anzuhalten, wenn sie einen andern Fusteig zu
gehen scheint, als den wir eingeschlagen haben, welches alles vielleicht
eine empfundene Abhngigkeit unserer eigenen Urteile vom =allgemeinen
menschlichen Verstande= ist und ein Mittel wird, dem Ganzen denkender
Wesen eine Art von Vernunfteinheit zu verschaffen.

Ich bergehe aber diese sonst nicht unerhebliche Betrachtung und halte
mich vor jetzt an eine andere, welche einleuchtender und betrchtlicher
ist, so viel es unsere Absicht betrifft. Wenn wir uere Dinge auf
unsere Bedrfnis beziehen, so knnen wir dieses nicht tun, ohne uns
zugleich durch eine gewisse Empfindung gebunden und eingeschrnkt zu
fhlen, die uns merken lt, da in uns gleichsam ein fremder Wille
wirksam sei, und unser eigen Belieben die Bedingung von uerer
Beistimmung ntig habe. Eine geheime Macht ntiget uns, unsere Absicht
zugleich auf anderer Wohl oder nach fremder Willkr zu richten, ob
dieses gleich fters ungern geschieht und der eigenntzigen Neigung
stark widerstreitet, und der Punkt, wohin die Richtungslinien unserer
Triebe zusammenlaufen, ist also nicht blo in uns, sondern es sind noch
Krfte, die uns bewegen, in dem Wollen anderer auer uns. Daher
entspringen die sittlichen Antriebe, die uns oft wider den Dank des
Eigennutzes fortreien, das starke Gesetz der Schuldigkeit und das
schwchere der Gtigkeit, deren jede uns manche Aufopferung abdringt,
und obgleich beide dann und wann durch eigenntzige Neigungen berwogen
werden, doch nirgend in der menschlichen Natur ermangeln, ihre
Wirklichkeit zu uern. Dadurch sehen wir uns in den geheimsten
Beweggrnden abhngig von der =Regel des allgemeinen Willens=, und es
entspringt daraus in der Welt aller denkenden Naturen eine =moralische
Einheit= und systematische Verfassung nach blo geistigen Gesetzen. Will
man diese in uns empfundene Ntigung unseres Willens zur Einstimmung mit
dem allgemeinen Willen das =sittliche Gefhl= nennen, so redet man davon
nur als von einer Erscheinung dessen, was in uns wirklich vorgeht, ohne
die Ursachen derselben auszumachen. So nannte NEWTON das sichere Gesetz
der Bestrebungen aller Materie, sich einander zu nhern die
=Gravitation= derselben, indem er seine mathematische Demonstrationen
nicht in eine verdrieliche Teilnehmung an philosophischen
Streitigkeiten verflechten wollte, die sich ber die Ursache derselben
erugnen knnten. Gleichwohl trug er kein Bedenken, diese Gravitation
als eine wahre Wirkung einer allgemeinen Ttigkeit der Materie
ineinander zu behandeln und gab ihr daher auch den Namen der
=Anziehung=. Sollte es nicht mglich sein, die Erscheinung der
sittlichen Antriebe in den denkenden Naturen, wie solche sich
aufeinander wechselsweise beziehen, gleichfalls als die Folge einer
wahrhaftig ttigen Kraft, dadurch geistige Naturen ineinander
einflieen, vorzustellen, soda das sittliche Gefhl diese =empfundene
Abhngigkeit= des Privatwillens vom allgemeinen Willen wre und eine
Folge der natrlichen und allgemeinen Wechselwirkung, dadurch die
immaterielle Welt ihre sittliche Einheit erlangt, indem sie sich nach
den Gesetzen dieses ihr eigenen Zusammenhanges zu einem System von
geistiger Vollkommenheit bildet? Wenn man diesen Gedanken so viel
Scheinbarkeit zugesteht als erforderlich ist, um die Mhe zu verdienen,
sie an ihren Folgen zu messen, so wird man vielleicht durch den Reiz
derselben unvermerkt in einige Parteilichkeit gegen sie verflochten
werden. Denn es scheinen in diesem Falle die Unregelmigkeiten
mehrenteils zu verschwinden, die sonsten bei dem Widerspruch der
moralischen und physischen Verhltnisse der Menschen hier auf der Erde
so befremdlich in die Augen fallen. Alle Moralitt der Handlungen kann
nach der Ordnung der Natur niemals ihre vollstndige Wirkung in dem
leiblichen Leben des Menschen haben, wohl aber in der Geisterwelt nach
pneumatischen Gesetzen. Die wahre Absichten, die geheime Beweggrnde
vieler aus Ohnmacht fruchtlosen Bestrebungen, der Sieg ber sich selbst,
oder auch bisweilen die verborgene Tcke bei scheinbarlich guten
Handlungen sind mehrenteils vor den physischen Erfolg in dem
krperlichen Zustande verloren, sie wrden aber auf solche Weise in der
immateriellen Welt als fruchtbare Grnde angesehen werden mssen und in
Ansehung ihrer nach pneumatischen Gesetzen zufolge der Verknpfung des
Privatwillens und des allgemeinen Willens, d.i. der Einheit und des
Ganzen der Geisterwelt, eine der sittlichen Beschaffenheit der freien
Willkr angemessene Wirkung ausben oder auch gegenseitig empfangen.
Denn weil das Sittliche der Tat den inneren Zustand des Geistes
betrifft, so kann es auch natrlicherweise nur in der unmittelbaren
Gemeinschaft der Geister die der ganzen Moralitt adquate Wirkung nach
sich ziehen. Dadurch wrde es nun geschehen, da die Seele des Menschen
schon in diesem Leben dem sittlichen Zustande zufolge ihre Stelle unter
den geistigen Substanzen des Universum einnehmen mte, so wie nach den
Gesetzen der Bewegung die Materien des Weltraums sich in solche Ordnung
gegeneinander setzen, die ihren Krperkrften gem ist.(7) Wenn denn
endlich durch den Tod die Gemeinschaft der Seele mit der Krperwelt
aufgehoben worden, so wrde das Leben in der andern Welt nur eine
natrliche Fortsetzung derjenigen Verknpfung sein, darin sie mit ihr
schon in diesem Leben gestanden war, und die gesamte Folgen der hier
ausgebten Sittlichkeit wrden sich dort in denen Wirkungen wieder
finden, die ein mit der ganzen Geisterwelt in unauflslicher
Gemeinschaft stehendes Wesen schon vorher daselbst nach pneumatischen
Gesetzen ausgebt hat. Die Gegenwart und die Zukunft wrden also
gleichsam aus einem Stcke sein und ein stetiges Ganze ausmachen, selbst
nach der =Ordnung der Natur=. Dieser letztere Umstand ist von besonderer
Erheblichkeit. Denn in einer Vermutung nach bloen Grnden der Vernunft
ist es eine groe Schwierigkeit, wenn man, um den belstand zu heben,
der aus der unvollendeten Harmonie zwischen der Moralitt und ihren
Folgen in dieser Welt entspringt, zu einem auerordentlichen gttlichen
Willen seine Zuflucht nehmen mu, weil, so wahrscheinlich auch das
Urteil ber denselben nach unseren Begriffen von der gttlichen Weisheit
sein mag, immer ein starker Verdacht brig bleibt, da die schwache
Begriffe unseres Verstandes vielleicht auf den Hchsten sehr verkehrt
bertragen worden, da des Menschen Obliegenheit nur ist, von dem
gttlichen Willen zu urteilen aus der Wohlgereimtheit, die er wirklich
in der Welt wahrnimmt, oder welche er nach der Regel der Analogie gem
der Naturordnung darin vermuten kann, nicht aber nach dem Entwurfe
seiner eigenen Weisheit, den er zugleich dem gttlichen Willen zur
Vorschrift macht, befugt ist, neue und willkrliche Anordnungen in der
gegenwrtigen oder knftigen Welt zu ersinnen.

  (7) Die aus dem Grunde der Moralitt entspringende Wechselwirkungen
  des Menschen und der Geisterwelt nach den Gesetzen des pneumatischen
  Einflusses knnte man darin setzen, da daraus natrlicherweise eine
  nhere Gemeinschaft einer guten oder bsen Seele mit guten und bsen
  Geistern entspringe, und jene dadurch sich selbst dem Teile der
  geistigen Republik zugeselleten, der ihrer sittlichen Beschaffenheit
  gem ist, mit der Teilnehmung an allen Folgen, die daraus nach der
  Ordnung der Natur entstehen mgen.

                   *       *       *       *       *

Wir lenken nunmehr unsere Betrachtung wiederum in den vorigen Weg ein
und nhern uns dem Ziele, welches wir uns vorgesetzt hatten. Wenn es
sich mit der Geisterwelt und dem Anteile, den unsere Seele an ihr hat,
so verhlt, wie der Abri, den wir erteilten, ihn vorstellt, so scheinet
fast nichts befremdlicher zu sein, als da die Geistergemeinschaft nicht
eine ganz allgemeine und gewhnliche Sache ist, und das Auerordentliche
betrifft fast mehr die Seltenheit der Erscheinungen, als die Mglichkeit
derselben. Diese Schwierigkeit lt sich indessen ziemlich gut heben und
ist zum Teil auch schon gehoben worden. Denn die Vorstellung, die die
Seele des Menschen von sich selbst als einem Geiste durch ein
immaterielles Anschauen hat, indem sie sich in Verhltnis gegen Wesen
von hnlicher Natur betrachtet, ist von derjenigen ganz verschieden, da
ihr Bewutsein sich selbst als einen =Menschen= vorstellt durch ein
Bild, das seinen Ursprung aus dem Eindrucke krperlicher Organen hat,
und welches in Verhltnis gegen keine andere als materielle Dinge
vorgestellt wird. Es ist demnach zwar einerlei Subjekt, was der
sichtbaren und unsichtbaren Welt zugleich als ein Glied angehrt, aber
nicht ebendieselbe Person, weil die Vorstellungen der einen ihrer
verschiedenen Beschaffenheit wegen keine begleitende Ideen von denen der
andern Welt sind und daher, was ich als Geist denke, von mir als Mensch
nicht erinnert wird, und umgekehrt mein Zustand als eines Menschen in
die Vorstellung meiner selbst als eines Geistes gar nicht hineinkommt.
brigens mgen die Vorstellungen von der Geisterwelt so klar und
anschauend sein, wie man will,(8) so ist dieses doch nicht hinlnglich,
um mich deren als Mensch bewut zu werden; wie denn sogar die
Vorstellung seiner selbst (d.i. der Seele) als eines Geistes wohl durch
Schlsse erworben wird, bei keinem Menschen aber ein anschauender und
Erfahrungsbegriff ist.

  (8) Man kann dieses durch eine gewisse Art von zwiefacher
  Persnlichkeit, die der Seele selbst in Ansehung dieses Lebens
  zukommt, erlutern. Gewisse Philosophen glauben, sich ohne den
  mindesten besorglichen Einspruch auf den Zustand des festen Schlafes
  berufen zu knnen, wenn sie die Wirklichkeit dunkeler Vorstellungen
  beweisen wollen, da sich doch nichts weiter hievon mit Sicherheit
  sagen lt, als da wir uns im Wachen keiner von denenjenigen
  erinnern, die wir im festen Schlafe etwa mochten gehabt haben, und
  daraus nur soviel folgt, da sie beim Erwachen nicht klar vorgestellt
  worden, nicht aber, da sie auch damals, als wir schliefen, dunkel
  waren. Ich vermute vielmehr, da dieselbe klrer und ausgebreiteter
  sein mgen, als selbst die klresten im Wachen, weil dieses bei der
  vlligen Ruhe uerer Sinne von einem so ttigen Wesen als die Seele
  ist, zu erwarten ist, wiewohl, da der Krper des Menschen zu der Zeit
  nicht mit empfunden ist, beim Erwachen die begleitende Idee desselben
  ermangelt, welche den vorigen Zustand der Gedanken als zu
  ebenderselben Person gehrig zum Bewutsein verhelfen knnte. Die
  Handlungen einiger Schlafwanderer, welche bisweilen in solchem
  Zustande mehr Verstand als sonsten zeigen, ob sie gleich nichts davon
  beim Erwachen erinnern, besttigen die Mglichkeit dessen, was ich vom
  festen Schlafe vermute. Die Trume dagegen, das ist, die Vorstellungen
  des Schlafenden, deren er sich beim Erwachen erinnert, gehren nicht
  hieher. Denn alsdenn schlft der Mensch nicht vllig; er empfindet in
  einem gewissen Grade klar und webt seine Geisteshandlungen in die
  Eindrcke der ueren Sinne. Daher er sich ihrer zum Teil nachhero
  erinnert, aber auch an ihnen lauter wilde und abgeschmackte Chimren
  antrifft, wie sie es denn notwendig sein mssen, da in ihnen Ideen der
  Phantasie und die der ueren Empfindung untereinander geworfen
  werden.

Diese Ungleichartigkeit der geistigen Vorstellungen und derer, die zum
leiblichen Leben des Menschen gehren, darf indessen nicht als eine so
groe Hindernis angesehen werden, da sie alle Mglichkeit aufhebe, sich
bisweilen der Einflsse von seiten der Geisterwelt sogar in diesem Leben
bewut zu werden. Denn sie knnen in das persnliche Bewutsein des
Menschen zwar nicht unmittelbar, aber doch so bergehen, da sie nach
dem Gesetz der vergesellschafteten Begriffe diejenige Bilder rege
machen, die mit ihnen verwandt sind und analogische Vorstellungen
unserer Sinne erwecken, die wohl nicht der geistige Begriff selber, aber
doch deren Symbolen sind. Denn es ist doch immer ebendieselbe Substanz,
die zu dieser Welt sowohl als zu der andern wie ein Glied gehret, und
beiderlei Art von Vorstellungen gehren zu demselben Subjekte und sind
miteinander verknpft. Die Mglichkeit hievon knnen wir einigermaen
dadurch falich machen, wenn wir betrachten, wie unsere hhere
Vernunftbegriffe, welche sich den geistigen ziemlich nhern,
gewhnlichermaen gleichsam ein krperlich Kleid annehmen, um sich in
Klarheit zu setzen. Daher die moralische Eigenschaften der Gottheit
unter den Vorstellungen des Zorns, der Eifersucht, der Barmherzigkeit,
der Rache, u.d.g. vorgestellt werden; daher personifizieren Dichter
die Tugenden, Laster oder andere Eigenschaften der Natur, doch so, da
die wahre Idee des Verstandes hindurchscheinet; so stellt der Geometra
die Zeit durch eine Linie vor, obgleich Raum und Zeit nur eine
bereinkunft in Verhltnissen haben und also wohl der Analogie nach,
niemals aber der Qualitt nach miteinander bereintreffen; daher nimmt
die Vorstellung der gttlichen Ewigkeit selbst bei Philosophen den
Schein einer unendlichen Zeit an, so sehr wie man sich auch htet, beide
zu vermengen, und eine groe Ursache, weswegen die Mathematiker
gemeiniglich abgeneigt sind, die Leibnizische Monaden einzurumen, ist
wohl diese, da sie nicht umhin knnen, sich an ihnen kleine Klmpchen
vorzustellen. Daher ist es nicht unwahrscheinlich, da geistige
Empfindungen in das Bewutsein bergehen knnten, wenn sie Phantaseien
erregen, die mit ihnen verwandt sind. Auf diese Art wrden Ideen, die
durch einen geistigen Einflu mitgeteilt sind, sich in die Zeichen
derjenigen =Sprache= einkleiden, die der Mensch sonsten im Gebrauch hat,
die empfundene Gegenwart eines Geistes in das Bild einer =menschlichen
Figur=, Ordnung und Schnheit der immateriellen Welt in Phantasien, die
unsere Sinne sonst im Leben vergngen, u.s.w.

Diese Art der Erscheinungen kann gleichwohl nicht etwas Gemeines und
Gewhnliches sein, sondern sich nur bei Personen erugnen, deren
Organen(9) eine ungewhnlich groe Reizbarkeit haben, die Bilder der
Phantasie dem innern Zustande der Seele gem durch harmonische Bewegung
mehr zu verstrken, als gewhnlicherweise bei gesunden Menschen
geschieht und auch geschehen soll. Solche seltsame Personen wrden in
gewissen Augenblicken mit der Apparenz mancher Gegenstnde als auer
ihnen angefochten sein, welche sie vor eine Gegenwart von geistigen
Naturen halten wrden, die auf ihre krperliche Sinne fiele, obgleich
hiebei nur ein Blendwerk der Einbildung vorgeht, doch so, da die
Ursache davon ein wahrhafter geistiger Einflu ist, der nicht
unmittelbar empfunden werden kann, sondern sich nur durch verwandte
Bilder der Phantasie, welche den Schein der Empfindungen annehmen, zum
Bewutsein offenbaret.

  (9) Ich verstehe hierunter nicht die Organen der ueren Empfindung,
  sondern das Sensorium der Seele, wie man es nennt, d.i. denjenigen
  Teil des Gehirnes, dessen Bewegung die mancherlei Bilder und
  Vorstellungen der denkenden Seele zu begleiten pflegt, wie die
  Philosophen davor halten.

Die Erziehungsbegriffe oder auch mancherlei sonst eingeschlichene Wahn
wrden hiebei ihre Rolle spielen, wo Verblendung mit Wahrheit untermengt
wird, und eine wirkliche geistige Empfindung zwar zum Grunde liegt, die
doch in Schattenbilder der sinnlichen Dinge umgeschaffen worden. Man
wird aber auch zugeben, da die Eigenschaft, auf solche Weise die
Eindrcke der Geisterwelt in diesem Leben zum klaren Anschauen
auszuwickeln, schwerlich wozu ntzen knne; weil dabei die geistige
Empfindung notwendig so genau in das Hirngespenst der Einbildung verwebt
wird, da es unmglich sein mu, in derselben das Wahre von den groben
Blendwerken, die es umgeben, zu unterscheiden. Imgleichen wrde ein
solcher Zustand, da er ein verndertes Gleichgewicht in den Nerven
voraussetzt, welche sogar durch die Wirksamkeit der blo geistig
empfindenden Seele in unnatrliche Bewegung versetzet werden, eine
wirkliche Krankheit anzeigen. Endlich wrde es gar nicht befremdlich
sein, an einem Geisterseher zugleich einen Phantasten anzutreffen, zum
wenigsten in Ansehung der begleitenden Bilder von diesen seinen
Erscheinungen, weil Vorstellungen, die ihrer Natur nach fremd und mit
denen im leiblichen Zustande des Menschen unvereinbar sind, sich
hervordrngen, und belgepaarte Bilder in die uere Empfindung
hereinziehen, wodurch wilde Chimren und wunderliche Fratzen ausgeheckt
werden, die in langem Geschleppe den betrogenen Sinnen vorgaukeln, ob
sie gleich einen wahren geistigen Einflu zum Grunde haben mgen.

Nunmehro kann man nicht verlegen sein, von denen Gespenstererzhlungen,
die den Philosophen so oft in den Weg kommen, imgleichen allerlei
Geistereinflssen, von denen hie oder da die Rede geht, scheinbare
Vernunftgrnde anzugeben. Abgeschiedene Seelen und reine Geister knnen
zwar niemals unsern ueren Sinnen gegenwrtig sein, noch sonst mit der
Materie in Gemeinschaft stehen, aber wohl auf den Geist des Menschen,
der mit ihnen zu einer groen Republik gehrt, wirken, so, da die
Vorstellungen, welche sie in ihm erwecken, sich nach dem Gesetze seiner
Phantasei in verwandte Bilder einkleiden und die Apparenz der ihnen
gemen Gegenstnde als auer ihm erregen. Diese Tuschung kann einen
jeden Sinn betreffen, und so sehr dieselbe auch mit ungereimten
Hirngespinsten untermengt wre, so drfte man sich dieses nicht abhalten
lassen, hierunter geistige Einflsse zu vermuten. Ich wrde der
Scharfsichtigkeit des Lesers zu nahe treten, wenn ich mich bei der
Anwendung dieser Erklrungsart noch aufhalten wollte. Denn metaphysische
Hypothesen haben eine so ungemeine Biegsamkeit an sich, da man sehr
ungeschickt sein mte, wenn man die gegenwrtige nicht einer jeden
Erzhlung bequemen knnte, sogar ehe man ihre Wahrhaftigkeit untersucht
hat, welches in vielen Fllen unmglich und in noch mehreren sehr
unhflich ist.

Wenn indessen die Vorteile und Nachteile in einander gerechnet werden,
die demjenigen erwachsen knnen, der nicht allein vor die sichtbare
Welt, sondern auch vor die unsichtbare in gewissem Grade organisiert
ist, (wofern es jemals einen solchen gegeben hat), so scheint ein
Geschenk von dieser Art demjenigen gleich zu sein, womit JUNO den
TIRESIAS beehrte, die ihn zuvor blind machte, damit sie ihm die Gabe zu
weissagen erteilen knnte. Denn nach den obigen Stzen zu urteilen, kann
die anschauende Kenntnis der =andern= Welt allhier nur erlangt werden,
indem man etwas von demjenigen Verstande einbt, welchen man vor die
=gegenwrtige= ntig hat. Ich wei auch nicht, ob selbst gewisse
Philosophen gnzlich von dieser harten Bedingung frei sein sollten,
welche so fleiig und vertieft ihre metaphysische Glser nach jenen
entlegenen Gegenden hinrichten und Wunderdinge von daher zu erzhlen
wissen, zum wenigsten mignne ich ihnen keine von ihren Entdeckungen;
nur besorge ich, da ihnen irgendein Mann von gutem Verstande und wenig
Feinigkeit ebendasselbe drfte zu verstehen geben, was dem TYCHO DE
BRAHE sein Kutscher antwortete, als jener meinte, zur Nachtzeit nach den
Sternen den krzesten Weg fahren zu knnen: =Guter Herr, auf den Himmel
mgt Ihr Euch wohl verstehen, hier aber auf der Erde seid Ihr ein Narr.=


Drittes Hauptstck. _Antikabbala. Ein Fragment der gemeinen Philosophie,
die Gemeinschaft mit der Geisterwelt aufzuheben._

ARISTOTELES sagt irgendwo: =Wenn wir wachen, so haben wir eine
gemeinschaftliche Welt, trumen wir aber, so hat ein jeder seine eigne.=
Mich dnkt, man sollte wohl den letzteren Satz umkehren und sagen
knnen: wenn von verschiedenen Menschen ein jeglicher seine eigene Welt
hat, so ist zu vermuten, da sie trumen. Auf diesen Fu, wenn wir die
=Luftbaumeister= der mancherlei Gedankenwelten betrachten, deren
jeglicher die seinige mit Ausschlieung anderer ruhig bewohnt,
denjenigen etwa, welcher die Ordnung der Dinge, so wie sie von WOLFFEN
aus wenig Bauzeug der Erfahrung, aber mehr erschlichenen Begriffen
gezimmert oder die, so von CRUSIUS durch die magische Kraft einiger
Sprche vom =Denklichen= und =Undenklichen= aus Nichts hervorgebracht
worden, bewohnet, so werden wir uns bei dem Widerspruche ihrer Visionen
gedulden, bis diese Herren ausgetrumet haben. Denn wenn sie einmal, so
Gott will, vllig wachen, d.i. zu einem Blicke, der die Einstimmung mit
anderem Menschenverstande nicht ausschliet, die Augen auftun werden, so
wird niemand von ihnen etwas sehen, was nicht jedem andern gleichfalls
bei dem Lichte ihrer Beweistmer augenscheinlich und gewi erscheinen
sollte, und die Philosophen werden zu derselbigen Zeit eine
gemeinschaftliche Welt bewohnen, dergleichen die Grenlehrer schon
lngst innegehabt haben, welche wichtige Begebenheit nicht lange mehr
anstehen kann, woferne gewissen Zeichen und Vorbedeutungen zu trauen
ist, die seit einiger Zeit ber dem Horizonte der Wissenschaften
erschienen sind.

In gewisser Verwandtschaft mit den =Trumern= der =Vernunft= stehen die
Trumer der =Empfindung=, und unter dieselbe werden gemeiniglich
diejenige, so bisweilen mit Geistern zu tun haben, gezhlt und zwar aus
dem nmlichen Grunde wie die vorigen, weil sie etwas sehen, was kein
anderer gesunder Mensch sieht, und ihre eigene Gemeinschaft mit Wesen
haben, die sich niemanden sonst offenbaren, so gute Sinne er auch haben
mag. Es ist auch die Benennung der Trumereien, wenn man voraussetzt,
da die gedachte Erscheinungen auf bloe Hirngespenster auslaufen,
insoferne passend, als die eine so gut wie die andere selbst ausgeheckte
Bilder sind, die gleichwohl als wahre Gegenstnde die Sinne betrgen;
allein wenn man sich einbildet, da beide Tuschungen brigens in ihrer
Entstehungsart sich hnlich gnug wren, um die Quelle der einen auch zur
Erklrung der andern zureichend zu finden, so betrgt man sich sehr.
Derjenige, der im Wachen sich in Erdichtungen und Chimren, welche seine
stets fruchtbare Einbildung ausheckt, dermaen vertieft, da er auf die
Empfindung der Sinne wenig achthat, die ihm jetzt am meisten angelegen
sind, wird mit Recht ein =wachender Trumer= genannt. Denn es drfen nur
die Empfindungen der Sinne noch etwas mehr in ihrer Strke nachlassen,
so wird er schlafen, und die vorige Chimren werden wahre Trume sein.
Die Ursache, weswegen sie es nicht schon im Wachen sind, ist diese, weil
er sie zu der Zeit als =in sich=, andere Gegenstnde aber, die er
empfindet, als =auer sich= vorstellt, folglich jene zu Wirkungen seiner
eignen Ttigkeit, diese aber zu demjenigen zhlet, was er von auen
empfngt und erleidet. Denn hiebei kommt es alles auf das Verhltnis an,
darin die Gegenstnde auf ihn selbst als einen Menschen, folglich auch
auf seinen Krper gedacht werden. Daher knnen die nmliche Bilder ihn
im Wachen wohl sehr beschftigen, aber nicht betrgen, so klar sie auch
sein mgen. Denn ob er gleich alsdenn eine Vorstellung von sich selbst
und seinem Krper auch im Gehirne hat, gegen die er seine phantastische
Bilder in Verhltnis setzt, so macht doch die wirkliche Empfindung
seines Krpers durch uere Sinne gegen jene Chimren einen Kontrast
oder Abstechung, um jene als von sich ausgeheckt, diese aber als
empfunden anzusehen. Schlummert er hiebei ein, so erlischt die
empfundene Vorstellung seines Krpers, und es bleibt blo die
selbstgedichtete brig, gegen welche die andre Chimren als in uerer
Verhltnis gedacht werden und auch, solange man schlft, den Trumenden
betrgen mssen, weil keine Empfindung da ist, die in Vergleichung mit
jener das Urbild vom Schattenbilde, nmlich das uere vom Innern,
unterscheiden liee.

Von wachenden Trumern sind demnach die Geisterseher nicht blo dem
Grade, sondern der Art nach gnzlich unterschieden. Denn diese
referieren im Wachen und oft bei der grten Lebhaftigkeit anderer
Empfindungen gewisse Gegenstnde unter die uerliche Stellen der andern
Dinge, die sie wirklich um sich wahrnehmen, und die Frage ist hie nur,
wie es zugehe, da sie das Blendwerk ihrer Einbildung auer sich
versetzen und zwar in Verhltnis auf ihren Krper, den sie auch durch
uere Sinne empfinden. Die groe Klarheit ihres Hirngespinstes kann
hievon nicht die Ursache sein; denn es kommt hier auf den Ort an, wohin
es als ein Gegenstand versetzt ist, und daher verlange ich, da man
zeige, wie die Seele ein solches Bild, was sie doch als =in= sich
enthalten vorstellen sollte, in ein ganz ander Verhltnis, nmlich in
einen Ort =uerlich= und unter die Gegenstnde versetze, die sich ihrer
wirklichen Empfindung darbieten. Auch werde ich mich durch die Anfhrung
anderer Flle, die einige hnlichkeit mit solcher Tuschung haben und
etwa im fieberhaften Zustande vorfallen, nicht abfertigen lassen; denn
gesund oder krank, wie der Zustand des Betrogenen auch sein mag, so will
man nicht wissen, ob dergleichen auch sonsten geschehe, sondern wie
dieser Betrug mglich sei.

Wir finden aber bei dem Gebrauch der ueren Sinne, da ber die
Klarheit, darin die Gegenstnde vorgestellt werden, man in der
Empfindung auch ihren Ort mit begreife, vielleicht nicht allemal mit
gleicher Richtigkeit, dennoch als eine notwendige Bedingung der
Empfindung, ohne welche es unmglich wre, die Dinge als auer uns
vorzustellen. Hiebei wird es sehr wahrscheinlich, da unsere Seele das
empfundene Objekt dahin in ihrer Vorstellung versetze, wo die
verschiedene Richtungslinien des Eindrucks, die dasselbe gemacht hat,
wenn sie fortgezogen werden, zusammenstoen. Daher sieht man einen
strahlenden Punkt an demjenigen Orte, wo die von dem Auge in der
Richtung des Einfalls der Lichtstrahlen zurckgezogene Linien sich
schneiden. Dieser Punkt, welchen man den Sehepunkt nennt, ist zwar in
der Wirkung der =Zerstreuungspunkt=, aber in der Vorstellung der
=Sammlungspunkt= der Direktionslinien, nach welchen die Empfindung
eingedrckt wird (_focus imaginarius_). So bestimmt man selbst durch ein
einziges Auge einem sichtbaren Objekte den Ort, wie unter andern
geschieht, wenn das Spektrum eines Krpers vermittelst eines
Hohlspiegels in der Luft gesehen wird, gerade da, wo die Strahlen,
welche aus einem Punkte des Objekts ausflieen, sich schneiden, ehe sie
ins Auge fallen.(10)

  (10) So wird das Urteil, welches wir von dem scheinbaren Orte naher
  Gegenstnde fllen, in der Sehekunst gemeiniglich vorgestellt, und es
  stimmt auch sehr gut mit der Erfahrung. Indessen treffen ebendieselbe
  Lichtstrahlen, die aus einem Punkte auslaufen, vermge der Brechung in
  den Augenfeuchtigkeiten nicht divergierend auf den Sehenerven, sondern
  vereinigen sich daselbst in einem Punkte. Daher, wenn die Empfindung
  lediglich in diesem Nerven vorgeht, der _focus imaginarius_ nicht
  auer dem Krper, sondern im Boden des Auges gesetzt werden mte,
  welches eine Schwierigkeit macht, die ich jetzt nicht auflsen kann,
  und die mit den obigen Stzen sowohl als mit der Erfahrung unvereinbar
  scheint.

Vielleicht kann man ebenso bei den Eindrcken des Schalles, weil dessen
Ste auch nach geraden Linien geschehen, annehmen, da die Empfindung
desselben zugleich mit der Vorstellung eines _foci imaginarii_ begleitet
sei, der dahin gesetzt wird, wo die gerade Linien des in Bebung
gesetzten Nervengebudes, im Gehirne uerlich fortgezogen,
zusammenstoen. Denn man bemerkt die Gegend und Weite eines schallenden
Objekts einigermaen, wenn der Schall gleich leise ist und hinter uns
geschieht, obschon die gerade Linien, die von da gezogen werden knnen,
eben nicht die Erffnung des Ohrs treffen, sondern auf andere Stellen
des Haupts fallen, soda man glauben mu, die Richtungslinien der
Erschtterung werden in der Vorstellung der Seele uerlich fortgezogen
und das schallende Objekt in den Punkt ihres Zusammenstoes versetzt.
Ebendasselbe kann, wie mich dnkt, auch von den brigen drei Sinnen
gesagt werden, welche sich darin von dem Gesichte und dem Gehr
unterscheiden, da der Gegenstand der Empfindung mit den Organen in
unmittelbarer Berhrung stehet, und die Richtungslinien des sinnlichen
Reizes daher in diesen Organen selbst ihren Punkt der Vereinigung haben.

Um dieses auf die Bilder der Einbildung anzuwenden, so erlaube man mir
dasjenige, was CARTESIUS annahm und die mehresten Philosophen nach ihm
billigten, zum Grunde zu legen: nmlich da alle Vorstellungen der
Einbildungskraft zugleich mit gewissen Bewegungen in dem Nervengewebe
oder Nervengeiste des Gehirns begleitet sind, welche man _ideas
materiales_ nennt, d.i. vielleicht mit der Erschtterung oder Bebung
des feinen Elements, welches von ihnen abgesondert wird, und die
derjenigen Bewegung hnlich ist, welche der sinnliche Eindruck machen
knnte, wovon er die Kopie ist. Nun verlange ich aber, mir einzurumen,
da der vornehmste Unterscheid der Nervenbewegung in den Phantasien von
der in der Empfindung darin bestehe, da die Richtungslinien der
Bewegung bei jenem sich innerhalb dem Gehirne, bei diesem aber auerhalb
schneiden; daher, weil der _focus imaginarius_, darin das Objekt
vorgestellt wird, bei den klaren Empfindungen des Wachens auer mir, der
von den Phantasien aber, die ich zu der Zeit etwa habe, in mir gesetzt
wird, ich, solange ich wache, nicht fehlen kann, die Einbildungen als
meine eigene Hirngespinste von dem Eindruck der Sinne zu unterscheiden.

Wenn man dieses einrumt, so dnkt mich, da ich ber diejenige Art von
Strung des Gemts, die man den Wahnsinn und im hhern Grade die
Verrckung nennt, etwas Begreifliches zur Ursache anfhren knne. Das
Eigentmliche dieser Krankheit bestehet darin, da der verworrene Mensch
bloe Gegenstnde seiner Einbildung auer sich versetzt und als wirklich
vor ihm gegenwrtige Dinge ansieht. Nun habe ich gesagt, da nach der
gewhnlichen Ordnung die Direktionslinien der Bewegung, die in dem
Gehirne als materielle Hlfsmittel die Phantasie begleiten, sich
innerhalb demselben durchschneiden mssen, und mithin der Ort, darin er
sich seines Bildes bewut ist, zur Zeit des Wachens in ihm selbst
gedacht werde. Wenn ich also setze, da durch irgendeinen Zufall oder
Krankheit gewisse Organen des Gehirnes so verzogen und aus ihrem
gehrigen Gleichgewicht gebracht seien, da die Bewegung der Nerven, die
mit einigen Phantasien harmonisch beben, nach solchen Richtungslinien
geschieht, welche fortgezogen sich auerhalb dem Gehirne durchkreuzen
wrden, so ist der _focus imaginarius_ auerhalb dem denkenden Subjekt
gesetzt,(11) und das Bild, welches ein Werk der bloen Einbildung ist,
wird als ein Gegenstand vorgestellt, der den ueren Sinnen gegenwrtig
wre. Die Bestrzung ber die vermeinte Erscheinung einer Sache, die
nach der natrlichen Ordnung nicht zugegen sein sollte, wird, obschon
auch anfangs ein solches Schattenbild der Phantasie nur schwach wre,
bald die Aufmerksamkeit rege machen und der Scheinempfindung eine so
groe Lebhaftigkeit geben, die den betrogenen Menschen an der
Wahrhaftigkeit nicht zweifeln lt. Dieser Betrug kann einen jeden
ueren Sinn betreffen; denn von jeglichen haben wir kopierte Bilder in
der Einbildung, und die Verrckung des Nervengewebes kann die Ursache
werden, den _focum imaginarium_ dahin zu versetzen, von wo der sinnliche
Eindruck eines wirklich vorhandenen krperlichen Gegenstandes kommen
wrde. Es ist alsdenn kein Wunder, wenn der Phantast manches sehr
deutlich zu sehen oder zu hren glaubt, was niemand auer ihm wahrnimmt,
imgleichen wenn diese Hirngespenster ihm erscheinen und pltzlich
verschwinden, oder indem sie etwa einem Sinne, z.E. dem Gesichte,
vorgaukeln, durch keinen andern, wie z.E. das Gefhl, knnen empfunden
werden und daher durchdringlich scheinen. Die gemeine Geistererzhlungen
laufen so sehr auf dergleichen Bestimmungen hinaus, da sie den Verdacht
ungemein rechtfertigen, sie knnten wohl aus einer solchen Quelle
entsprungen sein. Und so ist auch der gangbare Begriff von =geistigen
Wesen=, den wir oben aus dem gemeinen Redegebrauche herauswickelten,
dieser Tuschung sehr gem und verleugnet seinen Ursprung nicht, weil
die Eigenschaft einer durchdringlichen Gegenwart im Raume das
wesentliche Merkmal dieses Begriffes ausmachen soll.

  (11) Man knnte als eine entfernte hnlichkeit mit dem angefhrten
  Zufalle die Beschaffenheit der Trunkenen anfhren, die in diesem
  Zustande mit beiden Augen doppelt sehen, darum weil durch die
  Anschwellung der Blutgefe eine Hindernis entspringt, die Augenachsen
  so zu richten, da ihre verlngerte Linien sich im Punkte, worin das
  Objekt ist, schneiden. Ebenso mag die Verziehung der Hirngefe, die
  vielleicht nur vorbergehend ist und, solange sie dauert, nur einige
  Nerven betrifft, dazu dienen, da gewisse Bilder der Phantasie selbst
  im Wachen als auer uns erscheinen. Eine sehr gemeine Erfahrung kann
  mit dieser Tuschung verglichen werden. Wenn man nach vollbrachten
  Schlafe mit einer Gemchlichkeit, die einem Schlummer nahekommt und
  gleichsam mit gebrochnen Augen die mancherlei Fden der Bettvorhnge
  oder des Bezuges oder die kleinen Flecken einer nahen Wand ansieht, so
  macht man sich daraus leichtlich Figuren von Menschengesichtern und
  dergleichen. Das Blendwerk hrt auf, sobald man will und die
  Aufmerksamkeit anstrengt. Hier ist die Versetzung des _foci
  imaginarii_ der Phantasien der Willkr einigermaen unterworfen, da
  sie bei der Verrckung durch keine Willkr kann gehindert werden.

Es ist auch sehr wahrscheinlich, da die Erziehungsbegriffe von
Geistergestalten dem kranken Kopfe die Materialien zu den tuschenden
Einbildungen geben, und da ein von allen solchen Vorurteilen leeres
Gehirn, wenn ihm gleich eine Verkehrtheit anwandelte, wohl nicht so
leicht Bilder von solcher Art aushecken wrde. Ferner siehet man daraus
auch, da, da die Krankheit des Phantasten nicht eigentlich den
Verstand, sondern die Tuschung der Sinne betrifft, der Unglckliche
seine Blendwerke durch kein Vernnfteln heben knne, weil die wahre oder
scheinbare Empfindung der Sinne selbst vor allem Urteil des Verstandes
vorhergeht und eine unmittelbare Evidenz hat, die alle andre berredung
weit bertrifft.

Die Folge, die sich aus diesen Betrachtungen ergibt, hat dieses
Ungelegene an sich, da sie die tiefe Vermutungen des vorigen
Hauptstcks entbehrlich macht, und da der Leser, so bereitwillig er
auch sein mochte, denen idealischen Entwrfen desselben einigen Beifall
einzurumen, dennoch den Begriff vorziehen wird, welcher mehr
Gemchlichkeit und Krze im Entscheiden bei sich fhret und sich einen
allgemeineren Beifall versprechen kann. Denn auer dem, da es einer
vernnftigen Denkungsart gemer zu sein scheint, die Grnde der
Erklrung aus dem Stoffe herzunehmen, den die Erfahrung uns darbietet,
als sich in schwindlichten Begriffen einer halb dichtenden, halb
schlieenden Vernunft zu verlieren, so uert sich noch dazu auf dieser
Seite einiger Anla zum Gesptte, welches, es mag nun gegrndet sein
oder nicht, ein krftigeres Mittel ist als irgend ein anderes, eitele
Nachforschungen zurckzuhalten. Denn auf eine ernsthafte Art ber die
Hirngespenster der Phantasten Auslegungen machen zu wollen, gibt schon
eine schlimme Vermutung, und die Philosophie setzt sich in Verdacht,
welche sich in so schlechter Gesellschaft betreffen lt. Zwar habe ich
oben den Wahnsinn in dergleichen Erscheinung nicht bestritten, vielmehr
ihn, zwar nicht als die Ursache einer eingebildeten Geistergemeinschaft,
doch als eine natrliche Folge derselben damit verknpfet; allein was
vor eine Torheit gibt es doch, die nicht mit einer bodenlosen
Weltweisheit knnte in Einstimmung gebracht werden? Daher verdenke ich
es dem Leser keinesweges, wenn er, anstatt die Geisterseher vor
Halbbrger der andern Welt anzusehen, sie kurz und gut als Kandidaten
des Hospitals abfertigt und sich dadurch alles weiteren Nachforschens
berhebt. Wenn nun aber alles auf solchen Fu genommen wird, so mu auch
die Art, dergleichen Adepten des Geisterreichs zu behandeln, von
derjenigen nach den obigen Begriffen sehr verschieden sein, und da man
es sonst ntig fand, bisweilen einige derselben zu =brennen=, so wird es
jetzt gnug sein, sie nur zu =purgieren=. Auch wre es bei dieser Lage
der Sachen eben nicht ntig gewesen, so weit auszuholen und in dem
fieberhaften Gehirne betrogener Schwrmer durch Hlfe der Metaphysik
Geheimnisse aufzusuchen. Der scharfsichtige HUDIBRAS htte uns allein
das Rtsel auflsen knnen; denn nach seiner Meinung: =wenn ein
hypochondrischer Wind in den Eingeweiden tobet, so kommt es darauf an,
welche Richtung er nimmt, geht er abwrts, so wird daraus ein F--,
steigt er aber aufwrts, so ist es eine Erscheinung oder eine heilige
Eingebung=.


Viertes Hauptstck. _Theoretischer Schlu aus den gesamten Betrachtungen
des ersten Teils._

Die Trglichkeit einer Wage, die nach brgerlichen Gesetzen ein Ma der
Handlung sein soll, wird entdeckt, wenn man Ware und Gewichte ihre
Schalen vertauschen lt, und die Parteilichkeit der Verstandeswage
offenbaret sich durch ebendenselben Kunstgriff, ohne welchen man auch in
philosophischen Urteilen nimmermehr ein einstimmiges Fazit aus den
verglichenen Abwiegungen herausbekommen kann. Ich habe meine Seele von
Vorurteilen gereinigt, ich habe eine jede blinde Ergebenheit vertilgt,
welche sich jemals einschlich, um manchem eingebildeten Wissen in mir
Eingang zu verschaffen. Jetzo ist mir nichts angelegen, nichts
ehrwrdig, als was durch den Weg der Aufrichtigkeit in einem ruhigen und
vor alle Grnde zugnglichem Gemte Platz nimmt; es mag mein voriges
Urteil besttigen oder aufheben, mich bestimmen oder unentschieden
lassen. Wo ich etwas antreffe, das mich belehrt, da eigne ich es mir zu.
Das Urteil desjenigen, der meine Grnde widerlegt, ist mein Urteil,
nachdem ich es vorerst =gegen= die Schale der Selbstliebe und nachher in
derselben gegen meine vermeintliche Grnde abgewogen und in ihm einen
greren Gehalt gefunden habe. Sonst betrachtete ich den allgemeinen
menschlichen Verstand blo aus dem Standpunkte des meinigen: jetzt setze
ich mich in die Stelle einer fremden und ueren Vernunft und beobachte
meine Urteile samt ihren geheimsten Anlssen aus dem Gesichtspunkte
anderer. Die Vergleichung beider Beobachtungen gibt zwar starke
Parallaxen, aber sie ist auch das einzige Mittel, den optischen Betrug
zu verhten und die Begriffe an die wahre Stellen zu setzen, darin sie
in Ansehung der Erkenntnisvermgen der menschlichen Natur stehen. Man
wird sagen, da dieses eine sehr ernsthafte Sprache sei vor eine so
gleichgltige Aufgabe, als wir abhandeln, die mehr ein Spielwerk als
eine ernstliche Beschftigung genannt zu werden verdient, und man hat
nicht unrecht, so zu urteilen. Allein ob man zwar ber eine Kleinigkeit
keine groe Zurstung machen darf, so kann man sie doch gar wohl bei
Gelegenheit derselben machen, und die entbehrliche Behutsamkeit beim
Entscheiden in Kleinigkeiten kann zum Beispiele in wichtigen Fllen
dienen. Ich finde nicht, da irgendeine Anhnglichkeit, oder sonst eine
vor der Prfung eingeschlichene Neigung meinem Gemte die Lenksamkeit
nach allerlei Grnden vor oder dawider benehme, eine einzige
ausgenommen. Die Verstandeswage ist doch nicht ganz unparteiisch, und
der eine Arm derselben, der die Aufschrift fhret: =Hoffnung der
Zukunft=, hat einen mechanischen Vorteil, welcher macht, da auch
leichte Grnde, welche in die ihm angehrige Schale fallen, die
Spekulationen von an sich greren Gewichte auf der andern Seite in die
Hhe ziehen. Dieses ist die einzige Unrichtigkeit, die ich nicht wohl
heben kann, und die ich in der Tat auch niemals heben will. Nun gestehe
ich, da alle Erzhlungen vom Erscheinen abgeschiedener Seelen oder von
Geistereinflssen und alle Theorien von der mutmalichen Natur geistiger
Wesen und ihrer Verknpfung mit uns nur in der Schale der Hoffnung
merklich wiegen; dagegen in der der Spekulation aus lauter Luft zu
bestehen scheinen. Wenn die Ausmittelung der aufgegebenen Frage nicht
mit einer vorher schon entschiedenen Neigung in Sympathie stnde,
welcher Vernnftige wrde wohl unschlssig sein, ob er mehr Mglichkeit
darin finden sollte, eine Art Wesen anzunehmen, die mit allem, was ihm
die Sinne lehren, gar nichts hnliches haben, als einige angebliche
Erfahrungen dem Selbstbetruge und der Erdichtung beizumessen, die in
mehreren Fllen nicht ungewhnlich sind.

Ja, dieses scheint auch berhaupt von der Beglaubigung der
Geistererzhlungen, welche so allgemeinen Eingang finden, die vornehmste
Ursache zu sein, und selbst die erste Tuschungen von vermeinten
Erscheinungen abgeschiedener Menschen sind vermutlich aus der
schmeichelhaften Hoffnung entsprungen, da man noch auf irgendeine Art
nach dem Tode brig sei, da denn bei nchtlichen Schatten oftmals der
Wahn die Sinne betrog und aus zweideutigen Gestalten Blendwerke schuf,
die der vorhergehenden Meinung gem waren, woraus denn endlich die
Philosophen Anla nahmen, die Vernunftidee von Geistern auszudenken und
sie in Lehrverfassung zu bringen. Man sieht es auch wohl meinem
anmalichen Lehrbegriff von der Geistergemeinschaft an, da er
ebendieselbe Richtung nehme, in den die gemeine Neigung einschlgt. Denn
die Stze vereinbaren sich sehr merklich nur dahin, um einen Begriff zu
geben, wie der Geist des Menschen aus dieser Welt =herausgehe=,(12)
d.i. vom Zustande nach dem Tode; wie er aber =hineinkomme=, d.i. von
der Zeugung und Fortpflanzung, davon erwhne ich nichts; ja sogar nicht
einmal, wie er in dieser Welt =gegenwrtig= sei, d.i. wie eine
immaterielle Natur in einem Krper und durch denselben wirksam sein
knne; alles um einer sehr gltigen Ursache willen, welche diese ist,
da ich hievon insgesamt nichts verstehe und folglich mich wohl htte
bescheiden knnen, ebenso unwissend in Ansehung des knftigen Zustandes
zu sein, wofern nicht die Parteilichkeit einer Lieblingsmeinung denen
Grnden, die sich darboten, so schwach sie auch sein mochten, zur
Empfehlung gedienet htte.

  (12) Das Sinnbild der alten gypter vor die Seele war ein Papillon,
  und die griechische Benennung bedeutete ebendasselbe. Man siehet
  leicht, da die Hoffnung, welche aus dem Tode nur eine Verwandlung
  macht, eine solche Idee samt ihren Zeichen veranlat habe. Indessen
  hebt dieses keinesweges das Zutrauen zu der Richtigkeit der hieraus
  entsprungenen Begriffe. Unsere innere Empfindung und die darauf
  gegrndete Urteile des =Vernunfthnlichen= fhren, solange sie
  unverderbt sind, ebendahin, wo die Vernunft hinleiten wrde, wenn sie
  erleuchteter und ausgebreiteter wre.

Ebendieselbe Unwissenheit macht auch, da ich mich nicht unterstehe, so
gnzlich alle Wahrheit an den mancherlei Geistererzhlungen abzuleugnen,
doch mit dem gewhnlichen, obgleich wunderlichen Vorbehalt, eine jede
einzelne derselben in Zweifel zu ziehen, allen zusammengenommen aber
einigen Glauben beizumessen. Dem Leser bleibt das Urteil frei; was mich
aber anlangt, so ist zum wenigsten der Ausschlag auf die Seite der
Grnde des zweiten Hauptstcks bei mir gro gnug, mich bei Anhrung der
mancherlei befremdlichen Erzhlungen dieser Art ernsthaft und
unentschieden zu erhalten. Indessen da es niemals an Grnden der
Rechtfertigung fehlt, wenn das Gemt vorher eingenommen ist, so will ich
dem Leser mit keiner weiteren Verteidigung dieser Denkungsart
beschwerlich fallen.

Da ich mich jetzt beim Schlusse der Theorie von Geistern befinde, so
unterstehe ich mir noch zu sagen, da diese Betrachtung, wenn sie von
dem Leser gehrig genutzt wird, alle philosophische Einsicht von
dergleichen Wesen vollende, und da man davon vielleicht knftighin noch
allerlei =meinen=, niemals aber mehr =wissen= knne. Dieses Vorgeben
klingt ziemlich ruhmredig. Denn es ist gewi kein den Sinnen bekannter
Gegenstand der Natur, von dem man sagen knnte, man habe ihn durch
Beobachtung oder Vernunft jemals =erschpft=, wenn es auch ein
Wassertropfen, ein Sandkorn oder etwas noch Einfacheres wre; so
unermelich ist die Mannigfaltigkeit desjenigen, was die Natur in ihren
geringsten Teilen einem so eingeschrnkten Verstande wie der menschliche
ist zur Auflsung darbietet. Allein mit dem philosophischen Lehrbegriff
von geistigen Wesen ist es ganz anders bewandt. Er kann vollendet sein,
aber im =negativen= Verstande, indem er nmlich die Grenzen unserer
Einsicht mit Sicherheit festsetzt und uns berzeugt, da die
verschiedene Erscheinungen des =Lebens= in der Natur und deren Gesetze
alles seien, was uns zu erkennen vergnnet ist, das Principium dieses
Lebens aber, d.i. die geistige Natur, welche man nicht kennet, sondern
vermutet, niemals positiv knne gedacht werden, weil keine Data hiezu in
unseren gesamten Empfindungen anzutreffen seien, und da man sich mit
Verneinungen behelfen msse, um etwas von allem Sinnlichen so sehr
Unterschiedenes zu denken, da aber selbst die Mglichkeit solcher
Verneinungen weder auf Erfahrung, noch auf Schlssen, sondern auf einer
Erdichtung beruhe, zu der eine von allen Hlfsmitteln entblte Vernunft
ihre Zuflucht nimmt. Auf diesen Fu kann die Pneumatologie der Menschen
ein Lehrbegriff ihrer notwendigen Unwissenheit in Absicht auf eine
vermutete Art Wesen genannt werden und als ein solcher der Aufgabe
leichtlich adaequat sein.

Nunmehro lege ich die ganze Materie von Geistern, ein weitluftig Stck
der Metaphysik, als abgemacht und vollendet beiseite. Sie geht mich
knftig nichts mehr an. Indem ich den Plan meiner Nachforschung auf
diese Art besser zusammenziehe und mich einiger gnzlich vergeblichen
Untersuchungen entschlage, so hoffe ich meine geringe Verstandesfhigkeit
auf die brige Gegenstnde vorteilhafter anlegen zu knnen.
Es ist mehrenteils umsonst, das kleine Ma seiner Kraft auf alle
windichte Entwrfe ausdehnen zu wollen. Daher gebeut die Klugheit sowohl
in diesem als in andern Fllen, den Zuschnitt der Entwrfe den Krften
angemessen zu machen und, wenn man das Groe nicht fglich erreichen
kann, sich auf das Mittelmige einzuschrnken.




Der zweite Teil,

welcher historisch ist.


Erstes Hauptstck. _Eine Erzhlung, deren Wahrheit der beliebigen
Erkundigung des Lesers empfohlen wird._

    Sit mihi fas audita loqui. -- -- --

    VIRG.

Die Philosophie, deren Eigendnkel macht, da sie sich selbst allen
eiteln Fragen blostellet, siehet sich oft bei dem Anlasse gewisser
Erzhlungen in schlimmer Verlegenheit, wenn sie entweder an einigem in
denselben ungestraft nicht =zweifeln= oder manches davon unausgelacht
nicht =glauben= darf. Beide Beschwerlichkeiten finden sich in gewisser
Mae bei den herumgehenden Geistergeschichten zusammen, die erste bei
Anhrung desjenigen, der sie beteurt, und die zweite in Betracht derer,
auf die man sie weiter bringt. In der Tat ist auch kein Vorwurf dem
Philosophen bitterer, als der der Leichtglubigkeit und der Ergebenheit
in den gemeinen Wahn, und da diejenigen, welche sich darauf verstehen,
gutes Kaufs klug zu scheinen, ihr spttisches Gelchter auf alles
werfen, was die Unwissenden und die Weisen gewissermaen gleichmacht,
indem es beiden unbegreiflich ist, so ist kein Wunder, da die so hufig
vorgegebene Erscheinungen groen Eingang finden, ffentlich aber
entweder abgeleugnet oder doch verhehlet werden. Man kann sich daher
darauf verlassen, da niemals eine Akademie der Wissenschaften diese
Materie zur Preisfrage machen werde; nicht als wenn die Glieder
derselben gnzlich von aller Ergebenheit in die gedachte Meinung frei
wren, sondern weil die Regel der Klugheit denen Fragen, welche der
Vorwitz und die eitle Wibegierde ohne Unterscheid aufwirft, mit Recht
Schranken setzet. Und so werden die Erzhlungen von dieser Art wohl
jederzeit nur heimliche Glubige haben, ffentlich aber durch die
herrschende Mode des Unglaubens verworfen werden.

Da mir indessen diese ganze Frage weder wichtig noch vorbereitet gnug
scheint, um ber dieselbe etwas zu entscheiden, so trage ich kein
Bedenken, hier eine Nachricht der erwhnten Art anzufhren und sie mit
vlliger Gleichgltigkeit dem geneigten oder ungeneigten Urteile der
Leser preiszugeben.

Es lebt zu Stockholm ein gewisser Herr SWEDENBORG ohne Amt oder
Bedienung von seinem ziemlich ansehnlichen Vermgen. Seine ganze
Beschftigung besteht darin, da er, wie er selbst sagt, schon seit mehr
als zwanzig Jahren mit Geistern und abgeschiedenen Seelen im genauesten
Umgange stehet, von ihnen Nachrichten aus der andern Welt einholet und
ihnen dagegen welche aus der gegenwrtigen erteilt, groe Bnde ber
seine Entdeckungen abfat und bisweilen nach London reiset, um die
Ausgabe derselben zu besorgen. Er ist eben nicht zurckhaltend mit
seinen Geheimnissen, spricht mit jedermann frei davon, scheint
vollkommen von dem, was er vorgibt, berredet zu sein ohne einigen
Anschein eines angelegten Betruges oder Charlatanerei. So wie er, wenn
man ihm selbst glauben darf, der Erzgeisterseher unter allen
Geistersehern ist, so ist er auch sicherlich der Erzphantast unter allen
Phantasten, man mag ihn nun aus der Beschreibung derer, welche ihn
kennen oder aus seinen Schriften beurteilen. Doch kann dieser Umstand
diejenige, welche den Geistereinflssen sonst gnstig sind, nicht
abhalten, hinter solcher Phantasterei noch etwas Wahres zu vermuten.
Weil indessen das Kreditiv aller Bevollmchtigten aus der andern Welt in
den Beweistmern besteht, die sie durch gewisse Proben in der
gegenwrtigen von ihrem auerordentlichen Beruf ablegen, so mu ich von
demjenigen, was zur Beglaubigung der auerordentlichen Eigenschaft des
gedachten Mannes herumgetragen wird, wenigstens dasjenige anfhren, was
noch bei den meisten einigen Glauben findet.

Gegen das Ende des Jahres 1761 wurde Herr SWEDENBORG zu einer Frstin
gerufen, deren groer Verstand und Einsicht es beinahe unmglich machen
sollte, in dergleichen Fllen hintergangen zu werden. Die Veranlassung
dazu gab das allgemeine Gerchte von denen vorgegebenen Visionen dieses
Mannes. Nach einigen Fragen, die mehr darauf abzielten, sich mit seinen
Einbildungen zu belustigen, als wirkliche Nachrichten aus der andern
Welt zu vernehmen, verabschiedete ihn die Frstin, indem sie ihm vorher
einen geheimen Auftrag tat, der in seine Geistergemeinschaft einschlug.
Nach einigen Tagen erschien Herr SWEDENBORG mit der Antwort, welche von
der Art war, da solche die Frstin ihrem eigenen Gestndnisse nach in
das greste Erstaunen versetzte, indem sie solche wahr befand und ihm
gleichwohl solche von keinem lebendigen Menschen konnte erteilt sein.
Diese Erzhlung ist aus dem Berichte eines Gesandten an dem dortigen
Hofe, der damals zugegen war, an einen andern fremden Gesandten in
Kopenhagen gezogen worden, stimmt auch genau mit dem, was die besondere
Nachfrage darber hat erkundigen knnen, zusammen.

Folgende Erzhlungen haben keine andere Gewhrleistung als die gemeine
Sage, deren Beweis sehr milich ist. Madame MARTEVILLE, die Witwe eines
hollndischen Envoy an dem schwedischen Hofe, wurde von den Angehrigen
eines Goldschmiedes um die Bezahlung des Rckstandes vor ein
verfertigtes Silberservice gemahnet. Die Dame, welche die regelmige
Wirtschaft ihres verstorbenen Gemahls kannte, war berzeugt, da diese
Schuld schon bei seinem Leben abgemacht sein mte; allein sie fand in
seinen hinterlassenen Papieren gar keinen Beweis. Das Frauenzimmer ist
vorzglich geneigt, den Erzhlungen der Wahrsagerei, der Traumdeutung
und allerlei anderer wunderbarer Dinge Glauben beizumessen. Sie
entdeckte daher ihr Anliegen dem Herrn SWEDENBORG mit dem Ersuchen, wenn
es wahr wre, was man von ihm sagte, da er mit abgeschiedenen Seelen im
Umgange stehe, ihr aus der andern Welt von ihrem verstorbenen Gemahl
Nachricht zu verschaffen, wie es mit der gedachten Anforderung bewandt
sei. Herr SWEDENBORG versprach solches zu tun und stellte der Dame nach
wenig Tagen in ihrem Hause den Bericht ab, da er die verlangte
Kundschaft eingezogen habe, da in einem Schrank, den er anzeigte und
der ihrer Meinung nach vllig ausgerumt war, sich noch ein verborgenes
Fach befinde, welches die erforderliche Quittungen enthielte. Man suchte
sofort seiner Beschreibung zufolge und fand nebst der geheimen
hollndischen Correspondence die Quittungen, wodurch alle gemachte
Ansprche vllig getilgt wurden.

Die dritte Geschichte ist von der Art, da sich sehr leicht ein
vollstndiger Beweis ihrer Richtigkeit oder Unrichtigkeit mu geben
lassen. Es war, wo ich recht berichtet bin, gegen das Ende des 1759ten
Jahres, als Herr SWEDENBORG, aus England kommend, an einem Nachmittage
zu =Gotenburg= ans Land trat. Er wurde denselben Abend zu einer
Gesellschaft bei einem dortigen Kaufmann gezogen und gab ihr nach
einigem Aufenthalt mit allen Zeichen der Bestrzung die Nachricht, da
eben jetzt in Stockholm im =Sdermalm= eine erschreckliche Feuersbrunst
wte. Nach Verlauf einiger Stunden, binnen welchen er sich dann und wann
entfernte, berichtete er der Gesellschaft, da das Feuer gehemmet sei,
imgleichen wie weit es um sich gegriffen habe. Ebendenselben Abend
verbreitete sich schon diese wunderliche Nachricht und war den andern
Morgen in der ganzen Stadt herumgetragen; allein nach zwei Tagen
allererst kam der Bericht davon aus Stockholm in Gotenburg an, vllig
einstimmig, wie man sagt, mit SWEDENBORGS Visionen.

Man wird vermutlich fragen, was mich doch immer habe bewegen knnen, ein
so verachtetes Geschfte zu bernehmen, als dieses ist, Mrchen weiter
zu bringen, die ein Vernnftiger Bedenken trgt, mit Geduld anzuhren,
ja solche gar zum Text philosophischer Untersuchungen zu machen. Allein
da die Philosophie, welche wir voranschickten, ebensowohl ein Mrchen
war aus dem =Schlaraffenlande= der Metaphysik, so sehe ich nichts
Unschickliches darin, beide in Verbindung auftreten zu lassen; und warum
sollte es auch eben rhmlicher sein, sich durch das blinde Vertrauen in
die Scheingrnde der Vernunft, als durch unbehutsamen Glauben an
betrgliche Erzhlungen hintergehen zu lassen?

Torheit und Verstand haben so unkenntlich bezeichnete Grenzen, da man
schwerlich in dem einen Gebiete lange fortgeht, ohne bisweilen einen
kleinen Streif in das andre zu tun; aber was die Treuherzigkeit anlangt,
die sich bereden lt, vielen festen Beteurungen selbst wider die
Gegenwehr des Verstandes bisweilen etwas einzurumen, so scheint sie ein
Rest der alten Stammehrlichkeit zu sein, die freilich auf den jetzigen
Zustand nicht recht pat und daher oft zur Torheit wird, aber darum doch
eben nicht als ein natrliches Erbstck der Dummheit angesehen werden
mu. Daher berlasse ich es dem Belieben des Lesers, bei der
wunderlichen Erzhlung, mit welcher ich mich bemenge, jene zweideutige
Mischung von Vernunft und Leichtglubigkeit in ihre Elemente aufzulsen
und die Proportion beider Ingredienzien vor meine Denkungsart
auszurechnen. Denn da es bei einer solchen Kritik doch nur um die
Anstndigkeit zu tun ist, so halte ich mich gnugsam vor dem Spott
gesichert, dadurch da ich mit dieser Torheit, wenn man sie so nennen
will, mich gleichwohl in recht guter und zahlreicher Gesellschaft
befinde, welches schon gnug ist, wie FONTENELLE glaubt, um wenigstens
nicht vor unklug gehalten zu werden. Denn es ist zu allen Zeiten so
gewesen und wird auch wohl knftighin so bleiben, da gewisse
widersinnige Dinge selbst bei Vernnftigen Eingang finden, blo darum
weil allgemein davon gesprochen wird. Dahin gehren die Sympathie, die
Wnschelrute, die Ahndungen, die Wirkung der Einbildungskraft
schwangerer Frauen, die Einflsse der Mondwechsel auf Tiere und Pflanzen
u.d.g. Ja, hat nicht vor kurzem das gemeine Landvolk denen Gelehrten
die Sptterei gut vergolten, welche sie gemeiniglich auf dasselbe der
Leichtglubigkeit wegen zu werfen pflegen? Denn durch vieles Hrensagen
brachten Kinder und Weiber endlich einen groen Teil kluger Mnner
dahin, da sie einen gemeinen Wolf vor eine =Hyne= hielten, obgleich
jetzo ein jeder Vernnftiger leicht einsieht, da in den Wldern von
Frankreich wohl kein afrikanisches Raubtier herumlaufen werde. Die
Schwche des menschlichen Verstandes in Verbindung mit seiner
Wibegierde macht, da man anfnglich Wahrheit und Betrug ohne
Unterschied aufraffet. Aber nach und nach lutern sich die Begriffe, ein
kleiner Teil bleibt, das brige wird als Auskehricht weggeworfen.

Wem also jene Geistererzhlungen eine Sache von Wichtigkeit zu sein
scheinen, der kann immerhin, im Fall er Geld gnug und nichts Besseres zu
tun hat, eine Reise auf eine nhere Erkundigung derselben wagen, so wie
ARTEMIDOR zum Besten der Traumdeutung in Kleinasien herumzog. Es wird
ihm auch die Nachkommenschaft von hnlicher Denkungsart davor hchlich
verbunden sein, da er verhtete, damit nicht dereinst ein anderer
PHILOSTRAT aufstnde, der nach Verlauf vieler Jahre aus unserm
SWEDENBORG einen neuen APOLLONIUS =von Tyane= machete, wenn das
Hrensagen zu einem frmlichen Beweise wird gereifet sein, und das
ungelegene, obzwar hchstntige Verhr der Augenzeugen dereinst
unmglich geworden sein wird.


Zweites Hauptstck. _Ekstatische Reise eines Schwrmers durch die
Geisterwelt._

    Somnia, terrores magicos, miracula, sagas,
    Nocturnos lemures, portentaque Thessala --.

    HORATIUS.

Ich kann es dem behutsamen Leser auf keinerlei Weise belnehmen, wenn
sich im Fortgange dieser Schrift einiges Bedenken bei ihm gereget htte
ber das Verfahren, das der Verfasser vor gut gefunden hat, darin zu
beobachten. Denn da ich den dogmatischen Teil vor dem historischen und
also die Vernunftgrnde vor der Erfahrung voranschickte, so gab ich
Ursache zu dem Argwohn, als wenn ich mit Hinterlist umginge und, da ich
die Geschichte schon vielleicht zum voraus im Kopfe gehabt haben mochte,
mich nur so angestellet htte, als wte ich von nichts, als von reinen,
abgesonderten Betrachtungen, damit ich den Leser, der sich nichts
dergleichen besorgt, am Ende mit einer erfreulichen Besttigung aus der
Erfahrung berraschen knnte. Und in der Tat ist dieses auch ein
Kunstgriff, dessen die Philosophen sich mehrmalen sehr glcklich bedient
haben. Denn man mu wissen, da alle Erkenntnis zwei Enden habe, bei
denen man sie fassen kann, das eine _a priori_, das andere _a
posteriori_. Zwar haben verschiedene Naturlehrer neuerer Zeiten
vorgegeben, man msse es bei dem letzteren anfangen, und glauben den Aal
der Wissenschaft beim Schwanze zu erwischen, indem sie sich gnugsamer
Erfahrungskenntnisse versichern und denn so allmhlich zu allgemeinen
und hheren Begriffen hinaufrcken. Allein ob dieses zwar nicht unklug
gehandelt sein mchte, so ist es doch bei weitem nicht gelehrt und
philosophisch gnug; denn man ist auf diese Art bald bei einem =Warum=,
worauf keine Antwort gegeben werden kann, welches einem Philosophen
gerade so viel Ehre macht als einem Kaufmann, der bei einer
Wechselzahlung freundlich bittet, ein andermal wieder anzusprechen.
Daher haben scharfsinnige Mnner, um diese Unbequemlichkeit zu
vermeiden, von der entgegengesetzten uersten Grenze, nmlich dem
obersten Punkte der Metaphysik, angefangen. Es findet sich aber hiebei
eine neue Beschwerlichkeit, nmlich, da man anfngt, ich wei nicht
=wo=, und kmmt, ich wei nicht =wohin=, und da der Fortgang der Grnde
nicht auf die Erfahrung treffen will, ja, da es scheinet, die Atomen
des EPIKURS drften eher, nachdem sie von Ewigkeit her immer gefallen,
einmal von ungefhr zusammenstoen, um eine Welt zu bilden, als die
allgemeinsten und abstraktesten Begriffe, um sie zu erklren. Da also
der Philosoph wohl sahe, da seine Vernunftgrnde einerseits und die
wirkliche Erfahrung oder Erzhlung andererseits, wie ein Paar
Parallellinien wohl ins Undenkliche nebeneinander fortlaufen wrden,
ohne jemals zusammenzutreffen, so ist er mit den brigen, gleich als
wenn sie darber Abrede genommen htten, bereingekommen, ein jeder nach
seiner Art den Anfangspunkt zu nehmen und darauf, nicht in der geraden
Linie der Schlufolge, sondern mit einem unmerklichen =Clinamen= der
Beweisgrnde, dadurch da sie nach dem Ziele gewisser Erfahrungen oder
Zeugnisse verstohlen hinschieleten, die Vernunft so zu lenken, da sie
gerade dahin treffen mute, wo der treuherzige Schler sie nicht
vermutet hatte, nmlich dasjenige zu beweisen, wovon man schon vorher
wute, da es sollte bewiesen werden. Diesen Weg nannten sie alsdenn
noch den Weg _a priori_, ob er wohl unvermerkt durch ausgesteckte Stbe
nach dem Punkte _a posteriori_ gezogen war, wobei aber billigermaen
der, so die Kunst versteht, den Meister nicht verraten mu. Nach dieser
sinnreichen Lehrart haben verschiedene verdienstvolle Mnner auf dem
bloen Wege der Vernunft sogar Geheimnisse der Religion ertappt, so wie
Romanschreiber die Heldin der Geschichte in entfernete Lnder fliehen
lassen, damit sie ihrem Anbeter durch ein glckliches Abenteuer von
ungefhr aufstoe: _et fugit ad salices et se cupit ante videri_. VIRG.
Ich wrde mich also bei so gepriesenen Vorgngern in der Tat nicht zu
schmen Ursache haben, wenn ich gleich wirklich ebendasselbe Kunststck
gebraucht htte, um meiner Schrift zu einem erwnschten Ausgange zu
verhelfen. Allein ich bitte den Leser gar sehr, dergleichen nicht von
mir zu glauben. Was wrde es mir auch jetzo helfen, da ich keinen mehr
hintergehen kann, nachdem ich das Geheimnis schon ausgeplaudert habe?
Zudem habe ich das Unglck, da das Zeugnis, worauf ich stoe und was
meiner philosophischen Hirngeburt so ungemein hnlich ist, verzweifelt
migeschaffen und albern aussieht, soda ich viel eher vermuten mu, der
Leser werde um der Verwandtschaft mit solchen Beistimmungen willen meine
Vernunftgrnde vor ungereimt, als jene um dieser willen vor vernnftig
halten. Ich sage demnach ohne Umschweif, da, was solche anzgliche
Vergleichungen anlangt, ich keinen Spa verstehe, und erklre kurz und
gut, da man entweder in SWEDENBORGS Schriften mehr Klugheit und
Wahrheit vermuten msse, als der erste Anschein blicken lt, oder da
es nur so von ohngefhr komme, wenn er mit meinem System zusammentrifft,
wie Dichter bisweilen, wenn sie rasen, weissagen, wie man glaubt, oder
wenigstens wie sie selbst sagen, wenn sie dann und wann mit dem Erfolge
zusammentreffen.

Ich komme zu meinem Zwecke, nmlich zu den Schriften meines Helden. Wenn
manche jetzt vergessene oder dereinst doch namenlose Schriftsteller kein
geringes Verdienst haben, da sie in der Ausarbeitung groer Werke den
Aufwand ihres Verstandes nicht achteten, so gebhret dem Herren
SWEDENBORG ohne Zweifel die greste Ehre unter allen. Denn gewi, seine
Flasche in der Mondenwelt ist ganz voll und weicht keiner einzigen unter
denen, die ARIOSTO dort mit der hier verlornen Vernunft angefllet
gesehen hat, und die ihre Besitzer dereinst werden wiedersuchen mssen,
so vllig entleert ist das groe Werk von einem jeden Tropfen derselben.
Nichtsdestoweniger herrscht darinnen eine so wundersame bereinkunft mit
demjenigen, was die feineste Ergrbelung der Vernunft ber den hnlichen
Gegenstand herausbringen kann, da der Leser mir es verzeihen wird, wenn
ich hier diejenige Seltenheit in den Spielen der Einbildung finde, die
so viel andere Sammler in denen Spielen der Natur angetroffen haben, als
wenn sie etwa im fleckichten Marmor die heilige Familie oder in
Bildungen von Tropfstein Mnche, Taufstein und Orgeln, oder sogar wie
der Sptter LISCOW auf einer gefrorenen Fensterscheibe die Zahl des
Tieres und die dreifache Krone entdecken; lauter Dinge, die niemand
sonsten sieht, als dessen Kopf schon vorher damit angefllet ist.

Das groe Werk dieses Schriftstellers enthlt acht Quartbnde voll
Unsinn, welche er unter dem Titel: _Arcana caelestia_, der Welt als eine
neue Offenbarung vorlegt, und wo seine Erscheinungen mehrenteils auf die
Entdeckung des geheimen Sinnes in den zwei ersten Bchern Mosis und eine
hnliche Erklrungsart der ganzen H. Schrift angewendet werden. Alle
diese schwrmende Auslegungen gehen mich hier nichts an; man kann aber,
wenn man will, einige Nachrichten von denenselben in des Herrn Doctor
ERNESTI Theol. Bibliothek im ersten Bande aufsuchen. Nur die _audita et
visa_, d.i. was seine eigne Augen sollen gesehen und eigene Ohren
gehrt haben, sind alles, was wir vornehmlich aus denen Beilagen zu
seinen Kapiteln ziehen wollen, weil sie allen brigen Trumereien zum
Grunde liegen und auch ziemlich in das Abenteuer einschlagen, das wir
oben auf dem Luftschiffe der Metaphysik gewagt haben. Der Stil des
Verfassers ist platt. Seine Erzhlungen und ihre Zusammenordnung
scheinen in der Tat aus =fanatischem Anschauen= entsprungen zu sein und
geben gar wenig Verdacht, da spekulative Hirngespinste einer verkehrt
grblenden Vernunft ihn bewogen haben sollten, dieselbe zu erdichten und
zum Betruge anzulegen. Insoferne haben sie also einige Wichtigkeit und
verdienen wirklich, in einem kleinen Auszuge vorgestellet zu werden,
vielleicht mehr, als so manche Spielwerke hirnloser Vernnftler, welche
unsere Journale anschwellen, weil eine zusammenhngende Tuschung der
Sinne berhaupt ein viel merkwrdiger Phaenomenon ist, als der Betrug
der Vernunft, dessen Grnde bekannt genug sind, und der auch groenteils
durch willkrliche Richtung der Gemtskrfte und etwas mehr Bndigung
eines leeren Vorwitzes knnte verhtet werden, da hingegen jene das
erste Fundament aller Urteile betrifft, dawider, wenn es unrichtig ist,
die Regeln der Logik wenig vermgen! Ich sondere also bei unserm
Verfasser den =Wahnsinn= vom =Wahnwitze= ab und bergehe dasjenige, was
er auf eine verkehrte Weise klgelt, indem er nicht bei seinen
=Visionen= stehen bleibt, ebenso wie man sonst vielfltig bei einem
Philosophen dasjenige, was er =beobachtet=, von dem absondern mu, was
er =vernnftelt=, und sogar =Scheinerfahrungen= mehrenteils lehrreicher
sind, als die =Scheingrnde= aus der Vernunft. Indem ich also dem Leser
einige von denen Augenblicken raube, die er sonst vielleicht mit nicht
viel grerem Nutzen auf die Lesung =grndlicher= Schriften von eben der
Materie wrde verwandt haben, so sorge ich zugleich vor die Zrtlichkeit
seines Geschmacks, da ich mit Weglassung vieler wilden Chimren die
Quintessenz des Buchs auf wenig Tropfen bringe, wovor ich mir von ihm
ebensoviel Dank verspreche, als ein gewisser Patient glaubte den rzten
schuldig zu sein, da sie ihn nur die Rinde von der Quinquina verzehren
lieen, da sie ihn leichtlich htten ntigen knnen, den ganzen Baum
aufzuessen.

Herr SWEDENBORG teilet seine Erscheinungen in drei Arten ein, davon die
=erste= ist, vom Krper befreiet zu werden: ein mittlerer Zustand
zwischen Schlafen und Wachen, worin er Geister gesehen, gehrt, ja
gefhlt hat. Dergleichen ist ihm nur drei- oder viermal begegnet. Die
=zweite= ist, vom Geiste weggefhrt zu werden, da er etwa auf der Strae
geht, ohne sich zu verwirren, indessen da er im Geiste in ganz anderen
Gegenden ist und anderwrts Huser, Menschen, Wlder u.d.g. deutlich
sieht, und dieses wohl einige Stunden lang, bis er sich pltzlich
wiederum an seinem rechten Orte gewahr wird. Dieses ist ihm zwei- bis
dreimal zugestoen. Die =dritte= Art der Erscheinungen ist die
gewhnliche, welche er tglich im vlligen Wachen hat, und davon auch
hauptschlich diese seine Erzhlungen hergenommen sind.

Alle Menschen stehen seiner Aussage nach in gleich inniglicher
Verbindung mit der Geisterwelt; nur sie empfinden es nicht, und der
Unterscheid zwischen ihm und den andern besteht nur darin, =da sein
Innerstes aufgetan ist=, von welchem Geschenke er jederzeit mit
Ehrerbietigkeit redet (_datum mihi est ex divina Domini misericordia_).
Man siehet aus dem Zusammenhange, da diese Gabe darin bestehen soll,
sich derer dunkelen Vorstellungen bewut zu werden, welche die Seele
durch ihre bestndige Verknpfung mit der Geisterwelt empfngt. Er
unterscheidet daher an dem Menschen das uere und innere Gedchtnis.
Jenes hat er als eine Person, die zu der sichtbaren Welt gehrt, dieses
aber kraft seines Zusammenhanges mit der Geisterwelt. Darauf grndet
sich auch der Unterschied des ueren und inneren Menschen, und sein
eigener Vorzug besteht darin, da er schon in diesem Leben als eine
Person sich in der Gesellschaft der Geister sieht und von ihnen auch als
eine solche erkannt wird. In diesem innern Gedchtnis wird auch alles
aufbehalten, was aus dem ueren verschwunden war, und es geht nichts
von allen Vorstellungen eines Menschen jemals verloren. Nach dem Tode
ist die Erinnerung alles desjenigen, was jemals in seine Seele kam und
was ihm selbst ehedem verborgen blieb, das vollstndige Buch seines
Lebens.

Die Gegenwart der Geister trifft zwar nur seinen innern Sinn. Dieses
erregt ihm aber die Apparenz derselben als auer ihm und zwar unter
einer menschlichen Figur. Die Geistersprache ist eine unmittelbare
Mitteilung der Ideen, sie ist aber jederzeit mit der Apparenz derjenigen
Sprache verbunden, die er sonst spricht, und wird vorgestellt als auer
ihm. Ein Geist liest in eines andern Geistes Gedchtnis die
Vorstellungen, die dieser darin mit Klarheit enthlt. So sehen die
Geister in SWEDENBORGEN seine Vorstellungen, die er von dieser Welt hat,
mit so klarem Anschauen, da sie sich dabei selbst hintergehen und sich
fters einbilden, sie sehen unmittelbar die Sachen, welches doch
unmglich ist; denn kein reiner Geist hat die mindeste Empfindung von
der krperlichen Welt; allein durch die Gemeinschaft mit andern Seelen
lebender Menschen knnen sie auch keine Vorstellung davon haben, weil
ihr Innerstes nicht aufgetan ist, d.i. ihr innerer Sinn gnzlich
dunkele Vorstellungen enthlt. Daher ist SWEDENBORG das rechte Orakel
der Geister, welche ebenso neugierig sind, in ihm den gegenwrtigen
Zustand der Welt zu beschauen, als er es ist, in ihrem Gedchtnis wie in
einem Spiegel die Wunder der Geisterwelt zu betrachten. Obgleich diese
Geister mit allen andern Seelen lebender Menschen gleichfalls in der
genauesten Verbindung stehen und in dieselbe wirken oder von ihnen
leiden, so wissen sie doch dieses ebensowenig, als es die Menschen
wissen, weil dieser ihr innerer Sinn, welcher zu ihrer geistigen
Persnlichkeit gehrt, ganz dunkel ist. Es meinen also die Geister, da
dasjenige, was aus dem Einflusse der Menschenseelen in ihnen gewirkt
worden, von ihnen allein gedacht sei, so wie auch die Menschen in diesem
Leben nicht anders glauben, als da alle ihre Gedanken und
Willensregungen aus ihnen selbst entspringen, ob sie gleich in der Tat
oftmals aus der unsichtbaren Welt in sie bergehen. Indessen hat eine
jede menschliche Seele schon in diesem Leben ihre Stelle in der
Geisterwelt und gehrt zu einer gewissen Soziett, die jederzeit ihrem
innern Zustande des Wahren und Guten, d.i. des Verstandes und Willens,
gem ist. Es haben aber die Stellen der Geister untereinander nichts
mit dem Raume der krperlichen Welt gemein; daher die Seele eines
Menschen in Indien mit der eines andern in Europa, was die geistige
Lagen betrifft, oft die nchste Nachbaren sein, und dagegen die, so dem
Krper nach in einem Hause wohnen, nach jenen Verhltnissen weit gnug
voneinander entfernet sein knnen. Stirbt der Mensch, so verndert die
Seele nicht ihre Stelle, sondern empfindet sich nur in derselben, darin
sie in Ansehung anderer Geister schon in diesem Leben war. brigens,
obgleich die Verhltnis der Geister untereinander kein wahrer Raum ist,
so hat dieselbe doch bei ihnen die Apparenz desselben, und ihre
Verknpfungen werden unter der begleitenden Bedingung der Naheiten, ihre
Verschiedenheiten aber als Weiten vorgestellt, so wie die Geister selber
wirklich nicht ausgedehnt sind, einander aber doch die Apparenz einer
menschlichen Figur geben. In diesem eingebildetem Raume ist eine
durchgngige Gemeinschaft der geistigen Naturen. SWEDENBORG spricht mit
abgeschiedenen Seelen, wenn es ihm beliebt, und liest in ihrem
Gedchtnis (Vorstellungskraft) denjenigen Zustand, darin sie sich selbst
beschauen, und siehet diesen ebenso klar als mit leiblichen Augen. Auch
ist die ungeheure Entfernung der vernnftigen Bewohner der Welt in
Absicht auf das geistige Weltganze vor nichts zu halten, und mit einem
Bewohner des Saturns zu reden, ist ihm ebenso leicht, als eine
abgeschiedene Menschenseele zu sprechen. Alles kommt auf das Verhltnis
des innern Zustandes und auf die Verknpfung an, die sie untereinander
nach ihrer bereinstimmung im =Wahren= und im =Guten= haben; die
entferntere Geister aber knnen leichtlich durch Vermittelung anderer in
Gemeinschaft kommen. Daher braucht der Mensch auch nicht in den brigen
Weltkrpern wirklich gewohnt zu haben, um dieselbe dereinst mit allen
ihren Wundern zu kennen. Seine Seele lieset in dem Gedchtnisse anderer
abgeschiedenen Weltbrger ihre Vorstellungen, die diese von ihrem Leben
und Wohnplatze haben, und siehet darin die Gegenstnde so gut wie durch
ein unmittelbares Anschauen.

Ein Hauptbegriff in SWEDENBORGS Phantasterei ist dieser. Die krperliche
Wesen haben keine eigene Subsistenz, sondern bestehen lediglich durch
die Geisterwelt, wiewohl ein jeder Krper nicht durch einen Geist
allein, sondern durch alle zusammengenommen. Daher hat die Erkenntnis
der materiellen Dinge zweierlei Bedeutung, einen uerlichen Sinn in
Verhltnis der Materie aufeinander und einen innern, insoferne sie als
Wirkungen die Krfte der Geisterwelt bezeichnen, die ihre Ursachen sind.
So hat der Krper des Menschen eine Verhltnis der Teile untereinander
nach materiellen Gesetzen; aber insoferne er durch den Geist, der in ihm
lebt, erhalten wird, haben seine verschiedene Gliedmaen und ihre
Funktionen einen bezeichnenden Wert vor diejenige Seelenkrfte, durch
deren Wirkung sie ihre Gestalt, Ttigkeit und Beharrlichkeit haben.
Dieser innere Sinn ist den Menschen unbekannt, und den hat SWEDENBORG,
dessen Innerstes aufgetan ist, den Menschen bekannt machen wollen. Mit
allen andern Dingen der sichtbaren Welt ist es ebenso bewandt; sie
haben, wie gesagt, eine Bedeutung als Sachen, welches wenig ist und eine
andere als Zeichen, welches mehr ist. Dieses ist auch der Ursprung der
neuen Auslegungen, die er von der Schrift hat machen wollen. Denn der
innere Sinn, nmlich die symbolische Beziehung aller darin erzhlten
Dinge auf die Geisterwelt, ist, wie er schwrmet, der Kern ihres Werts,
das brige ist nur die Schale. Was aber wiederum in dieser symbolischen
Verknpfung krperlicher Dinge als Bilder mit dem innern geistigen
Zustande wichtig ist, besteht darin: Alle Geister stellen sich einander
jederzeit unter dem Anschein ausgedehnter Gestalten vor, und die
Einflsse aller dieser geistigen Wesen untereinander erregen ihnen
zugleich die Apparenz von noch andern ausgedehnten Wesen und gleichsam
von einer materialen Welt, deren Bilder doch nur Symbolen ihres inneren
Zustandes sind, aber gleichwohl eine so klare und dauerhafte Tuschung
des Sinnes verursachen, da solche der wirklichen Empfindung solcher
Gegenstnde gleich ist. (Ein knftiger Ausleger wird daraus schlieen,
da SWEDENBORG ein Idealist sei, weil er der Materie dieser Welt auch
die eigne Subsistenz abspricht und sie daher vielleicht nur vor eine
zusammenhngende Erscheinung halten mag, welche aus der Verknpfung der
Geisterwelt entspringt). Er redet also von Grten, weitluftigen
Gegenden, Wohnpltzen, Galerien und Arkaden der Geister, die er mit
eigenen Augen in dem klresten Lichte she, und versichert, da, da er
mit allen seinen Freunden nach ihrem Tode vielfltig gesprochen, er an
denen, die nur krzlich gestorben, fast jederzeit gefunden htte, da
sie sich kaum htten berreden knnen, gestorben zu sein, weil sie eine
hnliche Welt um sich shen; imgleichen, da Geistergesellschaften von
einerlei innerem Zustande einerlei Apparenz der Gegend und anderer
daselbst befindlichen Dinge htten, die Vernderung ihres Zustandes aber
sei mit dem Schein der Vernderung des Orts verbunden. Weil nun
jederzeit, wenn die Geister den Menschenseelen ihre Gedanken mitteilen,
diese mit der Apparenz materieller Dinge verbunden sind, welche im
Grunde nur kraft einer Beziehung auf den geistigen Sinn, doch mit allem
Schein der Wirklichkeit sich demjenigen vormalen, der solche empfngt,
so ist daraus der Vorrat der wilden und unaussprechlich albernen
Gestalten herzuleiten, welche unser Schwrmer bei seinem tglichen
Geisterumgange in aller Klarheit zu sehen glaubt.

Ich habe schon angefhrt, da nach unserm Verfasser die mancherlei
Krfte und Eigenschaften der Seele mit denen ihrer Regierung
untergeordneten Organen des Krpers in Sympathie stehen. Der ganze
uere Mensch korrespondiert also dem ganzen innern Menschen, und wenn
daher ein merklicher geistiger Einflu aus der unsichtbaren Welt eine
oder andere dieser seiner Seelenkrfte vorzglich trifft, so empfindet
er auch harmonisch die apparente Gegenwart desselben an denen Gliedmaen
seines ueren Menschen, die diesen korrespondieren. Dahin bezieht er
nun eine groe Mannigfaltigkeit von Empfindungen an seinem Krper, die
jederzeit mit der geistigen Beschauung verbunden sind, deren
Ungereimtheit aber zu gro ist, als da ich es wagen drfte, nur eine
einzige derselben anzufhren.

Hieraus kann man sich nun, wofern man es der Mhe wert hlt, einen
Begriff von der abenteuerlichsten und seltsamsten Einbildung machen, in
welche sich alle seine Trumereien vereinbaren. So wie nmlich
verschiedene Krfte und Fhigkeiten diejenige Einheit ausmachen, welche
die Seele oder der innere Mensch ist, so machen auch verschiedene
Geister, (deren Hauptcharaktere sich ebenso aufeinander beziehen, wie
die mancherlei Fhigkeiten eines Geistes untereinander), eine Soziett
aus, welche die Apparenz eines groen Menschen an sich zeigt, und in
welchem Schattenbilde ein jeder Geist sich an demjenigen Orte und in den
scheinbaren Gliedmaen sieht, die seiner eigentmlichen Verrichtung in
einem solchen geistigen Krper gem sind. Alle Geistersozietten aber
zusammen und die ganze Welt aller dieser unsichtbaren Wesen erscheinet
zuletzt selbst wiederum in der Apparenz des =gresten Menschen=. Eine
ungeheure und riesenmige Phantasie, zu welcher sich vielleicht eine
alte kindische Vorstellung ausgedehnt hat, wenn etwa in Schulen, um dem
Gedchtnis zu Hlfe zu kommen, ein ganzer Weltteil unter dem Bilde einer
sitzenden Jungfrau u.d.g. den Lehrlingen vorgemalt wird. In diesem
unermelichen Menschen ist eine durchgngige innigste Gemeinschaft eines
Geistes mit allen und aller mit einem, und wie auch immer die Lage der
lebenden Wesen gegeneinander in dieser Welt oder deren Vernderung
beschaffen sein mag, so haben sie doch eine ganz andere Stelle im
gresten Menschen, welche sie niemals verndern und welche nur dem
Scheine nach ein Ort in einem unermelichen Raume, in der Tat aber eine
bestimmte Art ihrer Verhltnisse und Einflsse ist.

Ich bin es mde, die wilden Hirngespinste des rgsten Schwrmers unter
allen zu kopieren oder solche bis zu seinen Beschreibungen vom Zustande
nach dem Tode fortzusetzen. Ich habe auch noch andere Bedenklichkeiten.
Denn obgleich ein Natursammler unter den prparierten Stcken tierischer
Zeugungen nicht nur solche, die in natrlicher Form gebildet sind,
sondern auch Migeburten in seinem Schranke aufstellt, so mu er doch
behutsam sein, sie nicht jedermann und nicht gar zu deutlich sehen zu
lassen. Denn es knnten unter den Vorwitzigen leichtlich schwangere
Personen sein, bei denen es einen schlimmen Eindruck machen drfte. Und
da unter meinen Lesern einige in Ansehung der idealen Empfngnis
ebensowohl in andern Umstnden sein mgen, so wrde mir es leid tun,
wenn sie sich hier etwa woran sollten versehen haben. Indessen, weil ich
sie doch gleich anfangs gewarnet habe, so stehe ich vor nichts und
hoffe, man werde mir die Mondklber nicht aufbrden, die bei dieser
Veranlassung von ihrer fruchtbaren Einbildung mchten geboren werden.

brigens habe ich den Trumereien unseres Verfassers keine eigene
unterschoben, sondern solche durch einen getreuen Auszug dem bequemen
und wirtschaftlichen Leser, (der einem kleinen Vorwitze nicht so leicht
7 Pfund Sterlinge aufopfern mchte), dargeboten. Zwar sind die
unmittelbare Anschauungen mehrenteils von mir weggelassen worden, weil
dergleichen wilde Hirngespinste nur den Nachtschlaf des Lesers stren
wrden; auch ist der verworrene Sinn seiner Erffnungen hin und wieder
in eine etwas gangbare Sprache eingekleidet worden; allein die Hauptzge
des Abrisses haben dadurch in ihrer Richtigkeit nicht gelitten.
Gleichwohl ist es nur umsonst, es verhehlen zu wollen, weil es jedermann
doch so in die Augen fllt, da alle diese Arbeit am Ende auf nichts
herauslaufe. Denn da die vorgegebene Privaterscheinungen des Buchs sich
selbst nicht beweisen knnen, so konnte der Bewegungsgrund, sich mit
ihnen abzugeben, nur in der Vermutung liegen, da der Verfasser zur
Beglaubigung derselben sich vielleicht auf Vorflle von der oben
erwhnten Art, die durch lebende Zeugen besttigt werden knnten,
berufen wrde. Dergleichen aber findet man nirgend. Und so ziehen wir
uns mit einiger Beschmung von einem trichten Versuche zurck mit der
vernnftigen, obgleich etwas spten Anmerkung, da das Klugdenken
mehrenteils eine leichte Sache sei, aber leider nur, nachdem man sich
eine Zeitlang hat hintergehen lassen.

                   *       *       *       *       *

Ich habe einen undankbaren Stoff bearbeitet, den mir die Nachfrage und
Zudringlichkeit vorwitziger und miger Freunde unterlegte. Indem ich
diesem Leichtsinn meine Bemhung unterwarf, so habe ich zugleich dessen
Erwartung betrogen und weder dem Neugierigen durch Nachrichten, noch dem
Forschenden durch Vernunftgrnde etwas zur Befriedigung ausgerichtet.
Wenn keine andre Absicht diese Arbeit beseelte, so habe ich meine Zeit
verloren; ich habe das Zutrauen des Lesers verloren, dessen Erkundigung
und Wibegierde ich durch einen langweiligen Umweg zu demselben Punkte
der Unwissenheit gefhret habe, aus welchem er herausgegangen war.
Allein ich hatte in der Tat einen Zweck vor Augen, der mir wichtiger
scheint als der, welchen ich vorgab, und diesen meine ich erreicht zu
haben. Die Metaphysik, in welche ich das Schicksal habe verliebt zu
sein, ob ich mich gleich von ihr nur selten einiger Gunstbezeugungen
rhmen kann, leistet zweierlei Vorteile. Der erste ist, denen Aufgaben
ein Gnge zu tun, die das forschende Gemt aufwirft, wenn es
verborgenern Eigenschaften der Dinge durch Vernunft nachsphet. Aber
hier tuscht der Ausgang nur gar zu oft die Hoffnung und ist diesmal
auch unsern begierigen Hnden entgangen.

    Ter frustra comprensa manus effugit imago
    Par levibus ventis volucrique simillima somno.

    VIRG.

Der andre Vorteil ist der Natur des menschlichen Verstandes mehr
angemessen und besteht darin einzusehen, ob die Aufgabe aus demjenigen,
was man wissen kann, auch bestimmt sei und welches Verhltnis die Frage
zu denen Erfahrungsbegriffen habe, darauf sich alle unsre Urteile
jederzeit sttzen mssen. Insoferne ist die Metaphysik eine Wissenschaft
von den =Grenzen der menschlichen Vernunft=, und da ein kleines Land
jederzeit viel Grenze hat, berhaupt auch mehr daran liegt, seine
Besitzungen wohl zu kennen und zu behaupten, als blindlings auf
Eroberungen auszugehen, so ist dieser Nutze der erwhnten Wissenschaft
der unbekannteste und zugleich der wichtigste, wie er denn auch nur
ziemlich spt und nach langer Erfahrung erreichet wird. Ich habe diese
Grenze hier zwar nicht genau bestimmt, aber doch insoweit angezeigt, da
der Leser bei weiterem Nachdenken finden wird, er knne sich aller
vergeblichen Nachforschung berheben in Ansehung einer Frage, wozu die
Data in einer andern Welt, als in welcher er empfindet, anzutreffen
sind. Ich habe also meine Zeit verloren, damit ich sie gewnne. Ich habe
meinen Leser hintergangen, damit ich ihm ntzete, und wenn ich ihm
gleich keine neue Einsicht darbot, so vertilgte ich doch den Wahn und
das eitele Wissen, welches den Verstand aufblhet und in seinem engen
Raume den Platz ausfllt, den die Lehren der Weisheit und der ntzlichen
Unterweisung einnehmen knnten.

Wen die bisherigen Betrachtungen ermdet haben, ohne ihn zu belehren,
dessen Ungeduld kann sich nunmehro damit aufrichten, was DIOGENES, wie
man sagt, seinen ghnenden Zuhrern zusprach, als er das letzte Blatt
eines langweiligen Buchs sah: =Courage=, meine Herren, =ich sehe Land=.
Vorher wandelten wir wie DEMOKRIT im leeren Raume, wohin uns die
=Schmetterlingsflgel= der Metaphysik gehoben hatten und unterhielten
uns daselbst mit geistigen Gestalten. Jetzt, da die =stiptische= Kraft
der Selbsterkenntnis die seidene Schwingen zusammengezogen hat, sehen
wir uns wieder auf dem niedrigen Boden der Erfahrung und des gemeinen
Verstandes; glcklich, wenn wir denselben als unseren angewiesenen Platz
betrachten, aus welchem wir niemals ungestraft hinausgehen, und der auch
alles enthlt, was uns befriedigen kann, solange wir uns am Ntzlichen
halten.


Drittes Hauptstck. _Praktischer Schlu aus der ganzen Abhandlung._

Einem jeden Vorwitze nachzuhngen und der Erkenntnissucht keine andre
Grenzen zu verstatten als das Unvermgen, ist ein Eifer, welcher der
=Gelehrsamkeit= nicht bel ansteht. Allein unter unzhligen Aufgaben,
die sich selbst darbieten, diejenige auswhlen, deren Auflsung dem
Menschen angelegen ist, ist das Verdienst der =Weisheit=. Wenn die
Wissenschaft ihren Kreis durchlaufen hat, so gelanget sie
natrlicherweise zu dem Punkte eines bescheidenen Mitrauens und sagt,
unwillig ber sich selbst: =Wieviel Dinge gibt es doch, die ich nicht
einsehe!= Aber die durch Erfahrung gereifte Vernunft, welche zur
Weisheit wird, spricht in dem Munde des SOKRATES mitten unter den Waren
eines Jahrmarkts mit heiterer Seele: =Wieviel Dinge gibt es doch, die
ich alle nicht brauche!= Auf solche Art flieen endlich zwei
Bestrebungen von so unhnlicher Natur in eine zusammen, ob sie gleich
anfangs nach sehr verschiedenen Richtungen ausgingen, indem die erste
eitel und unzufrieden, die zweite aber gesetzt und gngsam ist. Denn um
vernnftig zu whlen, mu man vorher selbst das Entbehrliche, ja das
Unmgliche kennen; aber endlich gelangt die Wissenschaft zu der
Bestimmung der ihr durch die Natur der menschlichen Vernunft gesetzten
Grenzen; alle bodenlose Entwrfe aber, die vielleicht an sich selbst
nicht unwrdig sein mgen, nur da sie auer der Sphre des Menschen
liegen, fliehen auf den =Limbus= der Eitelkeit. Alsdenn wird selbst die
Metaphysik dasjenige, wovon sie jetzo noch ziemlich weit entfernet ist,
und was man von ihr am wenigsten vermuten sollte, die =Begleiterin der
Weisheit=. Denn solange die Meinung einer Mglichkeit, zu so entfernten
Einsichten zu gelangen, brigbleibt, so ruft die =weise Einfalt=
vergeblich, da solche groe Bestrebungen entbehrlich seien. Die
Annehmlichkeit, welche die Erweiterung des Wissens begleitet, wird sehr
leicht den Schein der Pflichtmigkeit annehmen und aus jener
vorsetzlichen und berlegten Gngsamkeit eine =dumme Einfalt= machen,
die sich der Veredelung unserer Natur entgegensetzen will. Die Fragen
von der geistigen Natur, von der Freiheit und Vorherbestimmung, dem
knftigen Zustande u.d.g. bringen anfnglich alle Krfte des
Verstandes in Bewegung und ziehen den Menschen durch ihre
Vortrefflichkeit in den Wetteifer der Spekulation, welche ohne
Unterschied klgelt und entscheidet, lehret oder widerlegt, wie es die
Scheineinsicht jedesmal mit sich bringt. Wenn diese Nachforschung aber
in Philosophie ausschlgt, die ber ihr eigen Verfahren urteilt, und die
nicht die Gegenstnde allein, sondern deren Verhltnis zu dem Verstande
des Menschen kennt, so ziehen sich die Grenzen enger zusammen, und die
Marksteine werden gelegt, welche die Nachforschung aus ihrem
eigentmlichen Bezirke niemals mehr ausschweifen lassen. Wir haben
einige Philosophie ntig gehabt, um die Schwierigkeiten zu kennen,
welche einen Begriff umgeben, den man gemeiniglich als sehr bequem und
alltgig behandelt. Etwas mehr Philosophie entfernet dieses Schattenbild
der Einsicht noch mehr und berzeugt uns, da es gnzlich auer dem
Gesichtskreise der Menschen liege. Denn in den Verhltnissen der Ursache
und Wirkung, der Substanz und der Handlung dient anfnglich die
Philosophie dazu, die verwickelte Erscheinungen aufzulsen und solche
auf einfachere Vorstellungen zu bringen. Ist man aber endlich zu den
Grundverhltnissen gelangt, so hat das Geschfte der Philosophie ein
Ende, und wie etwas knne eine Ursache sein oder eine Kraft haben, ist
unmglich jemals durch Vernunft einzusehen, sondern diese Verhltnisse
mssen lediglich aus der Erfahrung genommen werden. Denn unsere
Vernunftregel gehet nur auf die Vergleichung nach der =Identitt= und
dem =Widerspruche=. Soferne aber etwas eine Ursache ist, so wird durch
=Etwas= etwas =Anders= gesetzt, und es ist also kein Zusammenhang
vermge der Einstimmung anzutreffen; wie denn auch, wenn ich
ebendasselbe nicht als eine Ursache ansehen will, niemals ein
Widerspruch entspringt, weil es sich nicht contradicieret, wenn etwas
gesetzt ist, etwas anderes aufzuheben. Daher die Grundbegriffe der Dinge
als Ursachen, die der Krfte und Handlungen, wenn sie nicht aus der
Erfahrung hergenommen sind, gnzlich willkrlich sind und weder bewiesen
noch widerlegt werden knnen. Ich wei wohl, da das Denken und Wollen
meinen Krper bewege, aber ich kann diese Erscheinung als eine einfache
Erfahrung niemals durch Zergliederung auf eine andere bringen und sie
daher wohl erkennen, aber nicht einsehen. Da mein Wille meinen Arm
bewegt, ist mir nicht verstndlicher, als wenn jemand sagte, da
derselbe auch den Mond in seinem Kreise zurckhalten knnte; der
Unterschied ist nur dieser, da ich jenes erfahre, dieses aber niemals
in meine Sinne gekommen ist. Ich erkenne in mir Vernderungen als in
einem Subjekte, was lebt, nmlich Gedanken, Willkr etc. etc., und weil
diese Bestimmungen von anderer Art sind als alles, was zusammengenommen
meinen Begriff vom Krper macht, so denke ich mir billigermaen ein
unkrperliches und beharrliches Wesen. Ob dieses auch ohne Verbindung
mit dem Krper denken werde, kann vermittelst dieser aus Erfahrung
erkannten Natur niemals geschlossen werden. Ich bin mit meiner Art Wesen
durch Vermittelung krperlicher Gesetze in Verknpfung, ob ich aber auch
sonst nach andern Gesetzen, welche ich pneumatisch nennen will, ohne die
Vermittelung der Materie in Verbindung stehe oder jemals stehen werde,
kann ich auf keinerlei Weise aus demjenigen schlieen, was mir gegeben
ist. Alle solche Urteile, wie diejenige von der Art, wie meine Seele den
Krper bewegt oder mit andern Wesen ihrer Art jetzt oder knftig in
Verhltnis steht, knnen niemals etwas mehr als Erdichtungen sein und
zwar bei weitem nicht einmal von demjenigen Werte als die in der
Naturwissenschaft, welche man Hypothesen nennt, bei welchen man keine
Grundkrfte ersinnt, sondern diejenige, welche man durch Erfahrung schon
kennt, nur auf eine den Erscheinungen angemessene Art verbindet, und
deren Mglichkeit sich also jederzeit mu knnen beweisen lassen;
dagegen im ersten Falle selbst neue Fundamentalverhltnisse von Ursache
und Wirkung angenommen werden, in welchen man niemals den mindesten
Begriff ihrer Mglichkeit haben kann und also nur schpferisch oder
chimrisch, wie man es nennen will, dichtet. Die Begreiflichkeit
verschiedener wahren oder angeblichen Erscheinungen aus dergleichen
angenommenen Grundideen dienet diesen zu gar keinem Vorteile. Denn man
kann leicht von allem Grund angeben, wenn man berechtigt ist,
Ttigkeiten und Wirkungsgesetze zu ersinnen, wie man will. Wir mssen
also warten, bis wir vielleicht in der knftigen Welt durch neue
Erfahrungen und Begriffe von denen uns noch verborgenen Krften in
unserm denkenden Selbst werden belehrt werden. So haben uns die
Beobachtungen spterer Zeiten, nachdem sie durch Mathematik aufgelset
worden, die Kraft der Anziehung an der Materie offenbaret, von deren
Mglichkeit, (weil sie eine Grundkraft zu sein scheint), man sich
niemals einigen ferneren Begriff wird machen knnen. Diejenige, welche,
ohne den Beweis aus der Erfahrung in Hnden zu haben, vorher sich eine
solche Eigenschaft htten ersinnen wollen, wrden als Toren mit Recht
verdienet haben, ausgelacht zu werden. Da nun die Vernunftgrnde in
dergleichen Fllen weder zur Erfindung noch zur Besttigung der
Mglichkeit oder Unmglichkeit von der mindesten Erheblichkeit sind, so
kann man nur den Erfahrungen das Recht der Entscheidung einrumen, so
wie ich es auch der Zeit, welche Erfahrung bringt, berlasse, etwas ber
die gepriesene Heilkrfte des Magnets in Zahnkrankheiten auszumachen,
wenn sie ebensoviel Beobachtungen wird vorzeigen knnen, da magnetische
Stbe auf Fleisch und Knochen wirken, als wir schon vor uns haben, da
es auf Eisen und Stahl geschehe. Wenn aber gewisse angebliche
Erfahrungen sich in kein unter den meisten Menschen einstimmiges Gesetz
der Empfindung bringen lassen und also nur eine Regellosigkeit in den
Zeugnissen der Sinne beweisen wrden, (wie es in der Tat mit den
herumgehenden Geistererzhlungen bewandt ist), so ist ratsam, sie nur
abzubrechen, weil der Mangel der Einstimmung und Gleichfrmigkeit
alsdenn der historischen Erkenntnis alle Beweiskraft nimmt und sie
untauglich macht, als Fundament zu irgendeinem Gesetze der Erfahrung zu
dienen, worber der Verstand urteilen knnte.

So wie man einerseits durch etwas tiefere Nachforschung einsehen lernet,
da die berzeugende und philosophische Einsicht in dem Falle, wovon wir
reden, =unmglich= sei, so wird man auch andererseits bei einem ruhigen
und vorurteilfreien Gemte gestehen mssen, da sie entbehrlich und
=unntig= sei. Die Eitelkeit der Wissenschaft entschuldigt gerne ihre
Beschftigung mit dem Vorwande der Wichtigkeit, und so gibt man auch
hier gemeiniglich vor, da die Vernunfteinsicht von der geistigen Natur
der Seele zu der berzeugung von dem Dasein nach dem Tode, diese aber
zum Bewegungsgrunde eines tugendhaften Lebens sehr ntig sei; die mige
Neubegierde aber setzt hinzu, da die Wahrhaftigkeit der Erscheinungen
abgeschiedener Seelen von allem diesen sogar einen Beweis aus der
Erfahrung abgeben knne. Allein die wahre Weisheit ist die Begleiterin
der Einfalt, und da bei ihr das Herz dem Verstande die Vorschrift gibt,
so macht sie gemeiniglich die groe Zurstungen der Gelehrsamkeit
entbehrlich, und ihre Zwecke bedrfen nicht solcher Mittel, die
nimmermehr in aller Menschen Gewalt sein knnen. Wie? ist es denn nur
darum gut, tugendhaft zu sein, weil es eine andre Welt gibt, oder werden
die Handlungen nicht vielmehr dereinst belohnt werden, weil sie an sich
selbst gut und tugendhaft waren? Enthlt das Herz des Menschen nicht
unmittelbare sittliche Vorschriften, und mu man, um ihn allhier seiner
Bestimmung gem zu bewegen, durchaus die Maschinen an eine andere Welt
ansetzen? Kann derjenige wohl redlich, kann er wohl tugendhaft heien,
welcher sich gern seinen Lieblingslastern ergeben wrde, wenn ihn nur
keine knftige Strafe schreckte, und wird man nicht vielmehr sagen
mssen, da er zwar die Ausbung der Bosheit scheue, die lasterhafte
Gesinnung aber in seiner Seele nhre, da er den Vorteil der
tugendhnlichen Handlungen liebe, die Tugend selbst aber hasse? Und in
der Tat lehret die Erfahrung auch, da so viele, welche von der
knftigen Welt belehrt und berzeugt sind, gleichwohl dem Laster und der
Niedertrchtigkeit ergeben nur auf Mittel sinnen, den drohenden Folgen
der Zukunft arglistig auszuweichen; aber es hat wohl niemals eine
rechtschaffene Seele gelebt, welche den Gedanken htte ertragen knnen,
da mit dem Tode alles zu Ende sei, und deren edle Gesinnung sich nicht
zur Hoffnung der Zukunft erhoben htte. Daher scheint es der
menschlichen Natur und der Reinigkeit der Sitten gemer zu sein, die
Erwartung der knftigen Welt auf die Empfindungen einer wohlgearteten
Seele, als umgekehrt, ihr Wohlverhalten auf die Hoffnung der andern Welt
zu grnden. So ist auch der =moralische Glaube= bewandt, dessen Einfalt
mancher Spitzfindigkeit des Vernnftelns berhoben sein kann, und
welcher einzig und allein dem Menschen in jeglichem Zustande angemessen
ist, indem er ihn ohne Umschweif zu seinen wahren Zwecken fhret. Lat
uns demnach alle lrmende Lehrverfassungen von so entfernten
Gegenstnden der Spekulation und der Sorge miger Kpfe berlassen. Sie
sind uns in der Tat gleichgltig, und der augenblickliche Schein der
Grnde vor oder dawider mag vielleicht ber den Beifall der Schulen,
schwerlich aber etwas ber das knftige Schicksal der Redlichen
entscheiden. Es war auch die menschliche Vernunft nicht gnugsam dazu
beflgelt, da sie so hohe Wolken teilen sollte, die uns die Geheimnisse
der andern Welt aus den Augen ziehen, und denen Wibegierigen, die sich
nach derselben so angelegentlich erkundigen, kann man den einfltigen,
aber sehr natrlichen Bescheid geben, da es wohl am ratsamsten sei,
=wenn sie sich zu gedulden beliebten, bis sie werden dahin kommen=. Da
aber unser Schicksal in der knftigen Welt vermutlich sehr darauf
ankommen mag, wie wir unsern Posten in der gegenwrtigen verwaltet
haben, so schliee ich mit demjenigen, was VOLTAIRE seinen ehrlichen
CANDIDE nach so viel unntzen Schulstreitigkeiten zum Beschlusse sagen
lt: =Lat uns unser Glck besorgen, in den Garten gehen und arbeiten!=




Lesarten


Drucke:

ber die Originaldrucke berichtet =Kehrbach= (S.Xf. seiner Ausg.), der
erste Herausgeber, der seiner Neu-Ausgabe der Trume den eigentlichen
Originaldruck zugrunde gelegt hat, folgendes.

1. Trume | eines Geistersehers, | erlutert | durch | Trume der
Metaphysik. | Titelvignette (einen nackten sitzenden Genius darstellend,
der in der linken Hand eine Leier hlt.) | Motto: velut aegri somnia,
vanae | Finguntur species. Hor. Knigsberg, | bey Johann Jacob Kanter |
1766. 8, 128 S. (Unten als A1 bezeichnet.)

2. Trume | eines Geistersehers, | erlutert | durch | Trume der
Metaphysik. | Titelvignette (Rosenzweige darstellend). Motto wie A1. |
Riga und Mietau, | bey Johann Friedrich Hartknoch | 1766. 8, 128 S.
(Unten als A2 bezeichnet.)

3. Trume | eines Geistersehers etc.

Die Ausgabe 3. unterscheidet sich in Bezug auf das Titelblatt nur durch
die Titelvignette und den zwischen Ortsangabe und Motto angebrachten
Strich. Die Titelvignette besteht aus einem sitzenden nackten Genius,
der in den Hnden einen Blumenstock hlt. Der Querstrich zwischen Motto
und Ortsangabe besteht aus aneinandergereihten -- -- -- --, whrend er
in A2 aus *** besteht. Auch auf der ersten Seite des Textes ist die
Verschiedenheit der beiden Drucke 2. und 3. sofort sichtbar. Die
Randleiste, welche ber dem Texte steht, ist in 2. eine andere als in 3.
Ferner, um noch ein Beispiel der in die Augen tretenden Differenz zu
geben, hat 2. auf der letzten Zeile der ersten Seite: die beyden
Pforten, 3. dagegen hat wie 1.: die beyde Pforten. (Unten als A3
bezeichnet.) Welche Ausgabe von den beiden Hartknochschen die ltere
ist, wird sich schwer nachweisen lassen.

Nach der von Menzer vorgenommenen Vergleichung der beiden Drucke A2 und
A3 (s. Ak.II, 503) ist es wahrscheinlich, da A3 der zweite, A2 der
dritte Druck ist. A3 wird wohl als Druckvorlage fr A2 gedient haben.

4. Trume eines Geistersehers, erlutert durch Trume der Metaphysik,
in: I. Kants smmtliche kleine Schriften. Nach der Zeitfolge geordnet.
Knigsberg und Leipzig 1797/8. Bd.II, S.379-478.

5. Trume eines Geistersehers, erlutert durch Trume der Metaphysik,
in: I. Kants vermischte Schriften. Halle (Renger), 1799. (Tieftrunk.)
Bd.II, S.247-346.

6. Trume eines Geistersehers, erlutert durch Trume der Metaphysik,
in: Kants populre Schriften, hrsg. von Paul Menzer. S.117-202.

                   *       *       *       *       *

331, 12 v.u. und wenigstens (A)] Wille mchte lesen: =oder=
wenigstens. Unntig. 332, 3 hinaus (A1)] hieraus (A2 A3) 334, 10 v.u.
errichtet (A1)] erreichet (A2. A3). 334, 4 v.u. entfaltet (A3)] A1. A2
haben den Druckfehler: entfalten. 336, 24 Entscheidungen (A1)]
Entschlieungen (A2. A3). 337, 6 =Zurckstoung=] erst von Ak. gesperrt.
338, 4 desselben (Wille)] derselben (A) 339, 13 schmerzhaften (A1, A3)]
schmerzhaftesten A2. Danach die andern Hsgg., auer Ak. 340, 4 d. Anm.
ein Atomus (A)] Wille: =nur= ein Atomus. Unntig. 340, 15 v.u. diesen
(T)] dessen (A1-3). 340, 14 v.u. Grad Klarheit (A). So auch Kehrb. Ak.]
T, Ros, H, Vorl. lesen: Grad der Klarheit. 340, 11 v.u. Wille mchte
lesen: welche beide Sinne durch die Eindrcke =Stellen= im Gehirne
=bewegen= werden. -- Eher eine Verschlechterung! 342, 1 d. Anm. auch
wohl so (A1)] auch so A2, A3; Voigt, T, Starke, R, H1, H2 (alle nach A2!
Kehrb. und Ak. lesen nach A1). 343, 2 d. Anm. ohne allem inneren
Zustande (A1, A2)] Ak: ohne allen inneren Zustand. Die Lesart von A.
entspricht wohl Kants Sprachgebrauch, daher nderung unangebracht. 344,
1 sola (A1)] fehlt A2, A3. Ebenso in T, H, Ros., die nach A2 gedruckt
haben. Auch bei Kehrbach, obwohl dieser A1, A2, A3 verglichen hat.
Wiederhergestellt ist es in Ak. und Vorl. 344, 14 v.u. immaterielle
(A1)] immateriale (A2) 344, 7 v.u. deren (A)] dessen (Vorl.) Zunchst
wahrscheinlich, aber bei Kant gerade diese lose Beziehung (auf Welt)
beliebt. nderung daher unntig. 344, 4 v.u. wo sie auch (A1, A2)] wo
es auch (Ak). Unntig. 345, 27 Wurzel (A)] Vorl.: Wurzeln. Unntig.
345, 1 v.u. allem diesen A1, T, H, K] allem diesem A2, A3, Ak. 346, 1
auf Beweisgrnde] auf Beweisgrnden (A1, A2); K: aus Beweisgrnden.
(In A1 steht irrtmlich Beweiegrnden.) 347, 20 mir (A)] fehlt in Ak.
(Druckfehler.) 348, 21 ihnen (Wille)] ihr (A) 348, 15 v.u. andere (Ak)]
andern A1 A2 349, 3 die Eigenntzigkeit (A1-3)] Vorl.: Eigenntzigkeit.
Unntig. 349, 13 vor] von (A) 349, 18 um (A1 A3)] und (A2).
Dieser Sachverhalt von Vorl. nicht erkannt, er schreibt im Text
und und bemerkt: Akademie um. 350, 2 jede (A)] Kehrbach (in den
Lesarten) jedes. Unntig. In Kehrbachs =Text= steht der Druckfehler:
jeder. Danach ist auch Vorl.s Anm. zu der Stelle zu berichtigen. 350,
6 Beweggrnden (A1, K)] Bewegungsgrnden A2, A3. Voigt, T, Starke, H1,
H2, R lesen mit A2! 350, 14 derselben (A1, A2)] Menzer (in Ak) ndert
in: desselben. Erhardt (a.a.O. S.446) bemerkt dazu mit Recht, da
sich dieses Wort ohne Schwierigkeit auf Erscheinungen beziehen lasse
und daher die nderung nicht richtig sei. Die nderung von Ak. also
unangebracht. 350, 15 Materie (A)] Materien? (Menzer). Unntig. 351, 21
Materien (Ak)] Materie (A1 A2) 351, 26 darin (A1)] darein (A2) 352, 7
v.u. in (A)] fehlt bei T, Ros., H. Der Tieftrunksche Druckfehler ist
von R. und H. bernommen worden. 353, 10 v.u. ob sie gleich (A)] ob sie
sich gleich (K). Unntig. 353, 9 v.u. besttigen (Kehrb.)] besttigt
(A1, A2) 353, 1 v.u. werden (T)] wird (A) 354, 7 vergesellschafteten
(A1)] A2 hat: vergesellschaftenden; A3: vergesellschaftenten. 354,
10 deren (A)] Vorlnder mchte lesen: dessen. Beides mglich. 355, 15
zum (A)] dem? Vorl. 356, 5 vorgaukeln] A1, A2 haben den Druckfehler:
vergaukeln. 356, 20 dieses (A)] Vorl. liest: durch dieses, wodurch
indes der Sinn der Stelle unntig gendert wird. 357, 10 v.u.
bewohn(e)t (H)] bewohnen (A1, A2) 358, 22 am meisten (A)] am wenigsten
?Vorl. 358, 12 v.u. =sich=] erst in der obigen Ausgabe gesperrt, vgl.
Z.13 v.u. =in sich=. 359, 9 Trumern (A1)] Trumen (A2) 359, 9 v.u.
vielleicht (Wille)] vielleicht bisweilen (A)] Wille vermutet, wohl mit
Recht, da bisweilen nur durch ein Versehen stehen geblieben ist. 360,
2 in der Wirkung (A)] in der Wirklichkeit mchte Wille lesen (ihm
folgt Vorl.), weil als Gegensatz folgt: in der Vorstellung. Da der
Text von A. einen guten Sinn gibt, nderung unntig. 361, 13 f. jenem --
diesem (A)] Ak: jener (Nervenbewegung) -- dieser (Empfindung). Statt
jener liest Vorl. jene_n_ (sc. den Phantasien!). Eine nderung ist
wohl berhaupt nicht notwendig. 361, 27 die (A1, T)] der Druckfehler
in A2, A3, Kehrbach gibt vorne S.XXIII das Richtige (die) an, hat aber
S.36 Z.12 dann selbst im Text das falsche der! 361, 37 denkenden]
A1: denkendes (Druckfehler); A2 hat: denkendem. 362, 18 A2 hat den
sinnstrenden Druckfehler: Gesicht. 363, 4 Es ist ... die
Erziehungsbegriffe von Geistergestalten ... Einbildungen geben (A)]
Vorl. mchte von Geistergestalten nach Einbildungen setzen. Wohl
nicht ntig. 363, 19 Entwrfen (H)] Einwrfen (A) 365, 25 der eine]
eine A1 ein A2 und die Ausgaben. Wahrscheinlicher ist einfach der
ausgefallen. 365, 6 v.u. der der (A1)] der (A2, A3) 367, 26 negativen
(T)] negativem (A) 367, 4 v.u. der (Ak)] denen (A) 369, 11 denselben
(T)] demselben (A) 370, 11 Swedenborg] in A steht durchweg:
Schwedenberg. 370, 18 abfat (A1)] abgefat (A2) 370, 3 v.u. gerufen
(A1)] berufen (A2, A3) 371, 5 v.u. sich (A1, A3)] sie (A2) 372, 9 eine
(A2)] ein (A1) 372, 23 voranschickten (A1)] voranschicken (A2, A3) 373,
5 dem (Ak)] den (A1, A2) 373, 11 v.u. im (A2)] in (A1) 374, 4
portentaque (T) Thessala (H)] protentaque Tessala (A1, A2) 374, 24
genugsamer (A1)] grausamer (A2 A3) =grausamer= Erfahrungskenntnisse!
Diesen offenbaren Druckfehler von A2 drucken Voigt, T, Starke, Ros., H1
und H2 nach! Erst von Kehrb. verbessert. 374, 10 v.u. bei (A1)] auf
(A2, A3). Druckfehler. 375, 19 ob er wohl (A)] H: ob er gleichwohl.
Unntig. 375, 11 v.u. meiner (H)] meine (A1, Ak) 376, 19 derselben
(Wille)] desselben (A1, A2, H) 378, 1 nur (A1, A3)] nun (A2). A2 folgen
die Hsgg. bis auf Kehrb. 378, 3 verwirren (A)] T: verirren. Der
Druckfehler ist von R. u. H. bernommen. 379, 10 v.u. Lagen (A1, A3)]
Lage (A2). Die meisten Hsgg. (T, Starke, H1, H2, R) wieder nach A2! 381,
10 erregen (H)] erregt (A1 A2 A3) 381, 17 Subsistenz (A1, A3)] Substanz
(A2). Alle Hsgg. bis auf H2 nach A2! 381, 21 er (A1)] fehlt in A2 382,
23 gem sind (Ak)] gem ist (A) 382, 9 v.u. allen (T)] allem (A) 383,
25 gangbare (A)] gangbarere Vorl.? Nicht unbedingt ntig. 385, 11 eines
(A3)] einiges (A1) (Druckfehler). 385, 16 f. zusammengezogen] A1 liest:
zusammenzogen (Druckfehler?). 386, 12 des (A1)] der (A2, A3) 386, 7
v.u. ihrem] Zus. H. 386, 6 v.u. Schwierigkeiten (H)] Schwierigkeit (A)
388, 18 neue Erfahrungen und Begriffe] A: neue Erfahrungen neue
Begriffe. Das zweite neue wahrscheinlich ein Satzfehler fr und. R.
und Kehrb. lesen: Erfahrungen ber neue Begriffe; Ak: neue
Erfahrungen und neue Begriffe. 389, 1 ist (A)] ist es Vorl. Unntig.
389, 4 als (Kehrb.)] ein (A); als ein (Wille).




  [ Im folgenden werden alle genderten Textzeilen angefhrt, wobei
    jeweils zuerst die Zeile wie im Original, danach die genderte Zeile
    steht.

  ist, wird sich schwer nachweisen lassen.
  ist, wird sich schwer nachweisen lassen.

  S.36 Z.12 dann selbst im Text des falsche der! 361, 37 denkenden]
  S.36 Z.12 dann selbst im Text das falsche der! 361, 37 denkenden]

  ]






End of the Project Gutenberg EBook of Trume eines Geistersehers, erlutert
durch Trume der Metaphysik, by Immanuel Kant

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*** START: FULL LICENSE ***

THE FULL PROJECT GUTENBERG LICENSE
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or cause to occur: (a) distribution of this or any Project Gutenberg-tm
work, (b) alteration, modification, or additions or deletions to any
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Section  2.  Information about the Mission of Project Gutenberg-tm

Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
electronic works in formats readable by the widest variety of computers
including obsolete, old, middle-aged and new computers.  It exists
because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from
people in all walks of life.

Volunteers and financial support to provide volunteers with the
assistance they need, are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
remain freely available for generations to come.  In 2001, the Project
Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations.
To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
and the Foundation web page at http://www.pglaf.org.


Section 3.  Information about the Project Gutenberg Literary Archive
Foundation

The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
Revenue Service.  The Foundation's EIN or federal tax identification
number is 64-6221541.  Its 501(c)(3) letter is posted at
http://pglaf.org/fundraising.  Contributions to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
permitted by U.S. federal laws and your state's laws.

The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S.
Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered
throughout numerous locations.  Its business office is located at
809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email
business@pglaf.org.  Email contact links and up to date contact
information can be found at the Foundation's web site and official
page at http://pglaf.org

For additional contact information:
     Dr. Gregory B. Newby
     Chief Executive and Director
     gbnewby@pglaf.org


Section 4.  Information about Donations to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation

Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
spread public support and donations to carry out its mission of
increasing the number of public domain and licensed works that can be
freely distributed in machine readable form accessible by the widest
array of equipment including outdated equipment.  Many small donations
($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
status with the IRS.

The Foundation is committed to complying with the laws regulating
charities and charitable donations in all 50 states of the United
States.  Compliance requirements are not uniform and it takes a
considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
with these requirements.  We do not solicit donations in locations
where we have not received written confirmation of compliance.  To
SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any
particular state visit http://pglaf.org

While we cannot and do not solicit contributions from states where we
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against accepting unsolicited donations from donors in such states who
approach us with offers to donate.

International donations are gratefully accepted, but we cannot make
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Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
methods and addresses.  Donations are accepted in a number of other
ways including checks, online payments and credit card donations.
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works.

Professor Michael S. Hart is the originator of the Project Gutenberg-tm
concept of a library of electronic works that could be freely shared
with anyone.  For thirty years, he produced and distributed Project
Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support.


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