The Project Gutenberg EBook of Rudolph von Habsburg., by Ladislav Pyrker

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Title: Rudolph von Habsburg.
       Ein Heldengedicht in zwlf Gesngen.

Author: Ladislav Pyrker

Release Date: July 20, 2009 [EBook #29465]

Language: German

Character set encoding: ISO-8859-1

*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK RUDOLPH VON HABSBURG. ***




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  [Abbildung:
  Pyrker.
  J. Bucher gez. / Stahlstich v. V. Froer.
  Rudolph von Habsburg.]




  Johann Ladislav Pyrker's

  SMMTLICHE WERKE.

  Neue durchaus verbesserte Ausgabe.

  Zweiter Band.


  Stuttgart und Tbingen.
  _J. G. Cotta'scher Verlag._
  1855.




  Buchdruckerei der J. G. _Cotta_'schen Buchhandlung in Stuttgart
  und Augsburg.




  Rudolph von Habsburg.

  Ein Heldengedicht in zwlf Gesngen.




=Inhalt der zwlf Gesnge.=


=Erster Gesang.=

Eingang. Drahomira entfhrt der Hlle, sich an Ottgar zu rchen. Er
lagert vor Drnkrut. Aufzhlung der bhmischen Vlker. Ottgar im
Kriegsrath mit seinen Feldherrn. Kunegunde, von Drahomira emprt,
erfllt ihn mit unvershnlicher Rachgier. Meinhard von Grz, und
Lichtenstein, die Gesandten Rudolphs, kommen, ihm Frieden zu biethen,
und zugleich, als sie ihn zum Turniere laden, um die Hand seiner Tochter
fr Rudolphs Sohn zu frei'n. Wallstein, Ottgars Liebling, trgt
heimliche Liebe zu ihr. Ottgar entlt die Gesandten mit zweifelhaften
Worten. Beschliet den Kampf. Gesichte der Zukunft.


=Zweiter Gesang.=

Rudolph zieht seinem Sohn Albrecht bis Lilienfeld entgegen. Besteigt die
Alpenhhen, wo ein frommer Klausner ihm seines Hauses knftige Gre
verkndet. Schlgt Mller, den Zrcher, zum Ritter. Sonnenaufgang, und
herrliche Aussicht. Albrecht nah't von Zell heran, und stellt dem
Kehrenden die Schweizer- und die schwbischen Scharen vor. Er zieht mit
ihnen g'en Wien. Hedwig.


=Dritter Gesang.=

Marbod, einst Knig der Markmannen, und ein jetzt dem Kaiser gewogener
Geist, erffnet dem Feldherrn Hugo von Tauffers, in einem Traum, den
Verrath, den Waldram, Brgermeister zu Wien, an dem Kaiser sinnt.
Rudolph kommt mit seinen Scharen heran, und nimmt an der Wien von seiner
Gemahlinn Abschied. Sendet Hugo von Tauffers an den Knig der Ungern,
Ladislav. Ernennt an dessen Stelle seinen Sohn, Hartman, zum
Festungsgebiether, und eilt in das Lager am Tabor. Aufzhlung seiner
Vlker. Hugo von Tauffers im Lager der Kumanier und Ungern. Diese setzen
die March herber.


=Vierter Gesang.=

Morgen. Turnier am Tabor. Von Drahomira erregt, hhnt Wallstein Hartman,
Rudolphs Sohn; kommt unerkannt in schwarzer Rstung Ottgar heran;
widersteht ihrer Einflsterung, den Kaiser zu morden; ersticht Hartmans
Ro; wirft den Fehdehandschuh Rudolph, zum Kampf auf Tod und Leben, hin,
und entflieht im schrecklichen Donnergewitter.


=Fnfter Gesang.=

Ottgar gebiethet in der Nacht dem Heere den Aufbruch, dem er mit
schwachem Geleit folgt. Aus dem Hinterhalt fallen ihn die Kumanier an.
Er schlgt sich mit Wallstein durch. Milota fhrt ihn auf Irrwegen von
dem Heer ab, und qult ihn mit Rckerinnerungen verbter Frevelthaten.
Von Drahomira bethrt, hlt Wallstein um die Hand seiner Tochter an. Er
mihandelt ihn.


=Sechster Gesang.=

Czernin dringt, mit Waldram verstanden, in der Mitternachtsstunde, an
der Spitze einer Schar Bhmen in die Veste Wien ein, als Hartman eben
wegen der schwerkranken Mutter sich nach dem Kahlenberg begab. Ihm, und
den Aufrhrern, setzen sich die Schweizer standhaft entgegen. Der Kaiser
zieht, auf Marbods Wink, mit Hugo von Tauffers vor die Thore. Hartman
sprengt herbei, und tdtet Waldram; worauf die Bhmen sich eilig wieder
ber die Donau zurckzieh'n. Hugo abermals zum Festungsgebiether
ernannt. Tod der Kaiserinn. Todtenfeier und Begrbni. Der Kaiser sendet
Albrecht nach Heunburg, eine Brcke ber die Donau zu erbauen. Hartman
eilt nach dem Rhein fort.


=Siebenter Gesang.=

Der Kaiser setzt mit dem Heere bei Heunburg ber die Donau, und rckt
g'en Marcheck vor. Wallstein, dem Wahnsinn nahe, tdtet einen seiner
Krieger. Der Kaiser entlt ihn schonend. Kaduscha, ein Fhrer der
Kurmanier meldet ihm die Nhe des Knigs, und die Sendung des Geschenks
mit den Kpfen der, im nchtlichen Ueberfall, getdteten Bhmen. Der
Kaiser sendet Schwarzenberg dem Knig entgegen, und heit ihn, jene
begraben zu lassen. Die Geister: Marbod und Inguiomar auf Rudolphs, und
Katwald auf Ottgars Seite. Zusammenkunft Rudolphs mit dem Knig
Ladislav. Ottgar rckt mit dem Heer' an. Der Kaiser stellt seine Vlker
in Schlachtordnung. Marbod treibt Schrlins Ro gegen die Bhmen. Der
Kampf beginnt. Ottgar tdtet in der Vorhuth zwei Trautmansdorfe.
Pfannberg wird verwundet. Die Steyrer weichen. Der Kaiser hlt die
Flchtenden vor Marcheck auf.


=Achter Gesang.=

Nacht. Von Drahomira verleitet, setzt Wallstein, mit kumanischen
Kriegern vereint, ein Stdtchen in Mhren in Brand, und tdtet einige
bhmische Reiter. Kommt zu sich. Eilt in das Lager Rudolphs, und
erbiethet sich, Ottgarn heimlich zu tdten. Der Kaiser heit ihn reuig
zu Jenem zurckkehren. Drahomira drngt ihn umsonst, den schlummernden
Knig zu morden. Er fllt in sein eigenes Schwert. Drahomira fhrt zur
Hlle. Wallsteins Grab. Der Kaiser stellt in der Morgendmmerung sein
Heer in Schlachtordnung. Ottgar, in Gram versunken, sumt. Ernennt
Milota zum Anfhrer des Haupttreffens. Worauf die Meiner und Thringer
von seinem Heer heimlich abziehen; so auch Kunring. Doch Ottgar
gebiethet den Angriff.


=Neunter Gesang.=

Morgen. Der Kaiser verschiebt die Hauptschlacht auf den folgenden Tag.
Sendet Trautmansdorf mit seinen Shnen, es Ottgarn kund zu thun, und ihm
nochmals Frieden zu biethen. Dieser wird von ihm schnde abgefertigt.
Von den feindlichen Reitern gehhnt, kehren fnf seiner Shne, kmpfen,
und fallen. Der Kaiser stellt sein Heer dem anstrmenden Feind, vor des
Lagers Wall, entgegen. Angriff, und hartnckiger Kampf. Milota tdtet
die beiden Fhrer Berchtold und Col von Seldenhofen. Capellen entflammt
die Oestreicher. Die Mhrer weichen. Katwald ermuntert den Herbot von
Fllenstein, da er vor Allen auf den Kaiser eindringe. Meinhard, Graf
von Grz und Tyrol, ringt gegen die Bayern und Sachsen, und erlegt den
Feldherrn Czernin; Heunburg den Markgrafen Pfeil, Feldherrn der Sachsen.
Da dringt Herbot von Fllenstein auf den Kaiser los, und ersticht ihm
das Pferd unter dem Leib. Sechs Trautmansdorfe kmpfen um ihn herum, und
fallen. Der Kaiser reit Herbot mit dem Speere von dem Pferd herunter,
und macht ihn gefangen. Heit dort Albrecht mit den Schweizern
vordringen, hier Matthias von Trentschin mit den Ungern dem Feind' in
die Seite strmen. Lobkowitz ruft Ottgar auf, da er mit ganzer Macht
sich auf den Feind werfe. Er gibt ihm kein Gehr. Auf den Ruf die
Feinde fliehen! weichen seine Vlker, und er fhrt sie bis Drnkrut
zurck. Der Kaiser lagert vor Ebenthal. Nacht.


=Zehnter Gesang.=

Hartman ertrinkt in dem Rhein. Der Kaiser hlt mit seinen Feldherrn erst
Kriegsrath; dann die Abendmahlzeit. Horneck der Snger tritt ein, und
singt die fromme Handlung des Kaisers, als er dem Priester sein Ro
both. Entlt die Feldherrn. Dem Entschlummerten erscheint sein Sohn
Hartman. Ottgars Abschied von Kunegunden.


=Eilfter Gesang.=

Morgen. Schlachtordnung der Bhmen. Der Kaiserlichen. Gottesdienst.
Vorbereitung zur Schlacht. Die Ritter buhlen um die Ehre, die Sturmfahne
zu tragen. Ottgar, von Katwald erregt, nah't mit seinem Heer. Hundert
Zrcher erhalten vom Kaiser den Ritterschlag. Trautmansdorfs letzter
Sohn fllt. Die Kumanier strmen sonder Ordnung. Lobkowitz bringt sie
und die Steyrer, zum Weichen. Verstrkter Angriff. Die Kaiserlichen
allenthalben zurckgedrngt. Der Kaiser steigt vom Pferd, bethet zum
Himmel, und macht ein Gelbde. Ein Unsterblicher strkt ihn, und heit
die Geister entflieh'n. Erneuerter Kampf. Albrecht, sein Sohn, trgt ihm
die Kreuzesfahne vor. Nach schrecklichem Gewrg', wo, mit den Rittern,
die Schweizer und Schwaben entscheidend vordringen, weicht Ottgar auf
den Spannberg zurck. Heit Milota mit dem Nachhalt vorgeh'n. Allein
dieser flieht, ihn hhnend, mit seinen Scharen vom Schlachtfeld. Letzter
mrderischer Kampf. Ottgar von den Merenbergern vom Pferde gestochen.
Sein zerstreutes Heer bis g'en Laa verfolgt.


=Zwlfter Gesang.=

Ottgars Leiche wird in der Nacht auf einen Trauerwagen gehoben. Hornecks
Klaggesang. Des Kaisers Einzug in Wien. Dankgebeth. Der Wagen mit
Ottgars Leiche nah't. Lobkowitz fhrt dessen Sohn Wenzel herbei, da er
um selbe flehe. Der Kaiser entlt sie. Endet seinen Siegeseinzug in die
Burg. Nimmt den Knig Ladislav, und Wenzel an Sohnes statt an, und
verheit diesem seine jngste Tochter Gutha. Belehnt seinen Sohn
Albrecht mit Oestreich, und zieht sich dann in das Trauergemach, wo die
Kaiserinn starb, zurck.




  Erster Gesang.


  Tn', o Heldengesang, von den schmetternden Kriegesdrometen
  Wieder geweckt, von Rudolph nun, dem Kaiser der Deutschen,
  Der obsiegend der Macht des Bhmenkniges, Ottgar,
  Wahrte die Rechte des Reich's, und, kehrend vom blutigen Schlachtfeld,
  Grndete Habsburgs Thron an den Ufern der mchtigen Donau,
  Seinem Geschlechte zum Ruhm, und unzhligen Vlkern zum Segen!

    Wer emprte sofort, nach dem jngsterrungenen Frieden,
  Wieder die Fehd' und das Grau'n der menschenvertilgenden Feldschlacht?
  Ein unseliger Geist, _Drahomira_.[1] Die Herrscherinn Bhmens
  War sie, und noch ist ihr Nahme mit Schauder genannt in dem Land dort:
  Denn Wratislav, dem christlichen Frsten, vermhlet als Heidinn,
  Trug sie den Christen Ha in der schrecklichen Brust, und verfolgte
  Sie mit Feuer und Schwert. Sie waffnete selbst den Erzeugten,
  Boleslav, da er Wenzel ermorde, den eigenen Bruder,
  Weil er dem Heiland getreu, festhielt an dem heiligen Glauben,
  Und verbt' auch sonst an dem Volk' entsetzliche Frevel:
  Zaubergewaltig, ergeben dem Trug der Hlle -- der Schwarzkunst;
  Bis urpltzlich die berstend' Erde zu Prag, am Hradschin, sie,
  Lebend, verschlang. Noch jngst ausspie der klaffende Felsen
  Dort bald finsteren Rauch, bald bluliche Flammen: denn oft kam
  Noch in der Neumondsnacht (so heischt' es die Sag') ihr zu opfern,
  Mancher, vom Wege des Heils Verirrter, dahin, und Verdammni
  Ward ihm zu Theil. D'rum hie, als frher geweihetes Wasser
  Sprengte der Priester umher, und stehende Worte zu Gott rief,
  Ottgar fllen den Zauberschlund mit dem lastenden Felsblock
  So, da auf immer verhllt die Spur des unseligen Raum's sey.

    Unten im Hllenpfuhl, der auer des kreisenden Weltalls
  Grnzen sich noch unendlich erstreckt, erhob Drahomira
  Jetzt, verwundert, ihr Haupt, und sprach wuthfunkelnden Blickes:
  Ha! wie kommt es, da heut der betubende Rauch, und die Flamme,
  Die ich genhrt in dem Schlund',
              in welchem ich schrecklichen Tod fand,
  Qualmend herab sich wlzt, und keiner der Sterblichen seither,
  Opfernd vor ihm, die Schar der Unseligen mehrt in dem Pfuhl hier?
  Meister, ist dir's genehm, da ich eile hinauf nach des Erdballs
  Fluren, und forsche, wie solches gescheh'n? Bald ffnet Verfhrten
  Wieder der Schlund sich weit; ich sende sie, dir zu Gefallen!
  Sagt' es, und blickte nach Satan hin, der, riesengestaltet
  Sa auf dem glhenden Thron', und die furchtbarn Augen zum Boden
  Heftete, so die unendliche Qual des zerrissenen Herzens
  Durch emprenden Trotz und erheuchelte Ruhe zu bergen;
  Aber umsonst: denn nimmer birgt er das innere Weh' mehr,
  Das von der finsteren Stirn' und den zuckenden Wangen sich kund thut.
  Nicht erhob er auch jetzt den Blick von dem Boden: er winkte
  Nur mit dem Haupt, da die Hll' erzitterte, jener den Beifall:
  Alsbald fuhr sie in brausender Hast von dem schrecklichen Wohnsitz
  All der Unseligen auf, und nahte dem Lande der Bhmen.

    Kaltverachtenden Blicks gewahrte sie dort auf den Fluren
  Reiches Gedeih'n, und rings die freundlichen Stdt' und die Drfer;
  Aber vor allen, am Moldaustrom' erglnzend die Hauptstadt,
  Praga, im lieblichen Reiz erst jngstentfalteter Blthen.
  Sieh', und ein Pilger kam vom Gelobten-Lande gezogen,
  Der vor Jahren die Heimath verlie! Er blickte mit Staunen
  Lang' um sich her: da naht' ihm, lchelnd, ein Greis, und im Beiseyn
  Jener Verworf'nen zugleich, die ihm leis' aufhorchte, begann er:
  Fremdling, suchst du den Mann, der hier ein Eden erschaffend,
  Wie durch Wundergewalt das Leben der Menschen verschnt hat?
  Nun ist er fern: denn wiss' es, der Held und erhabene Knig,
  Ottgar, streute mit Liebe die Saat, und ihm reifte zum Segen
  Wohlstand unter dem Volk' in des Landes erfreuender Schnheit.
  Auch erlagen die Gegner ihm stets, und es kndiget allwrts
  Seines Nahmens Unsterblichkeit der herrlichste Siegsruhm.
  Dennoch hielt er so gern in der dunkelen Scheide das Eisen,
  Frieden ersehnend, zurck, und entblt' es auch jetzt, nur gezwungen,
  Gegen des streitbarn Rudolphs Macht. Er wird sie fr immer
  Bndigen: denn er zog, gar furchtbargerstet, zum Kampf' aus.
  Ach, ihn drngte zum Friedensbruch Kunegunde, die Gattinn!
  Grimmvoll ist ihr Gemth, und ihr Herz verwildert durch Herrschsucht,
  Die ihm das Bse vergilt, das er Margarethen, der frommen,[2]
  Einst als Gatt' erwies! Die Eine verdunkelt den Hochglanz
  Seines Ruhms: ihn lenket ein Weib, das, Bhmen zum Jammer,
  Selbst Drahomiren gleich, der Unheilstifterinn, wthet,
  Die fr den schnden Gewinn: zu gebiethen des Himmels Gewittern;
  Auf den Flgeln des Sturms einher zu fahren im Luftraum,
  Oder unsichtbar Menschen zu nah'n -- zu schau'n, und zu horchen
  Dort in dem traulichen Kreis' der Versammelten, und zu verderben
  Alle, die auch mit lispelndem Laut, mit umschauendem Blick nur
  Ihrer gedacht, und tadelnde Worte gesprochen: fr solches
  Hatt' einst diese verkauft die unsterbliche Seele der Hlle;
  D'rauf noch Schuld gehufet auf Schuld, bis schrecklicher Tod ihr
  Macht und Leben entri, und die Bse dem Bsen gesellte,
  Als urpltzlich die berstend' Erde zu Prag, am Hradschin, sie,
  Brausend, verschlang: zur Strafe der wildumtobenden Blutgier,
  Frevelnden Gtzendienst's, und schrecklicher Christenverfolgung.
  Aus dem furchtbarn Schlund aufquoll noch in unseren Tagen
  Finsterer Rauch; doch Ottgar barg ihn, den Menschen zur Rettung,
  Die, vom Satan bethrt, leichtglubigen Sinnes, ihr nchtlich
  Opferten, dort ihr Geschick in kommender Zeit, zu erfragen,
  Oder sich trglichen Glcks zu erfreu'n zu unendlichem Jammer.
  Sagt' es, und ging. Da flog, von der Schmhung emprt, Drahomira
  Ihm auf dem Heerweg nach, und haucht' ihm Gift in das Antlitz:
  Alsbald stand er, erbleicht, und sank, vergehend, zusammen--
  Lag, und sthnte vor Schmerz, bis endlich der Zauber entfloh'n war.

    Aber sie starrete jetzt, tiefsinnend, und sonder Bewegung
  Wie der Aar, der erst die mchtigen Flgel geschlagen,
  Regungslos hinschwebt in der blulichen Luft, in des Schlundes
  Grauen hinab. Das Aug' ihr rollete wild in den Kreisen;
  Knisternd strubt' ihr Rabenhaar sich empor von der Scheitel,
  Und voll Grimms erzitterten ihr die Lippen; sie sagte:
  Ottgar, Fluch sey dir! Du vernichtest des felsigen Schlundes
  Zaubergewalt, die Viele nach mir in's Verderben hinabri?
  Glubig nahten ihm oft die Verblendeten, welche, des Schicksals
  Dunkeln Pfad zu erkunden, auf ihm, des druenden Himmels
  Warnung zum Trotz, der drckenden Last des Lebens entledigt,
  Gerne fr trgliches Erdenglck das ewige bthen.
  Aber von diesem verbannt durch eisernrichtenden Machtspruch,
  Sollt' ich den glhenden Durst nach Rache, durch Trug und Verblendung,
  Ich nicht lschen am Volk, das, glubig, der Tuschung sich hingab?
  Trost ist's, wenn in der Brust der Unseligen solchem noch Raum blieb,
  Mit in dem hnlichen Jammergeschick die Gefhrten zu sehen.
  Wie, du entziehst, ein Thor, durch hhnenden Frevel auch die mir?
  Ha, dir sey jetzt Rache geschworen! Nicht will ich mehr rasten,
  Bis dein Heldenweib -- ihr werde der Thron und die Herrschaft,
  Ja, sie herrsche nach dir, mir hnlich an Kraft und Gesinnung,
  Gegen den Feind dich reizt, und du in dem Kampfe, besiegt, fllst;
  Also be den Ruhm, der dir Drahomiren emprte.
  Und sie flog nun hin, wo im weitverbreiteten Marchfeld
  Ottgars furchtbares Heer von Drnkruts[3] Hgeln hinunter,
  Lagerte, dort mit hllischer Lust ihm, verderbend, zu nahen.

    Leise schwebte die Nacht auf den ringsverstummenden Erdkreis
  Nieder. Aus Sden erbraus'te der Sturm, und jagte die Wolken
  Auf an des Himmels Zelt. Sie rissen im eilenden Zug' oft
  Weit entzwei: da blickte der volle Mond aus des Himmels
  Blue so dster herab, und die Stern', in Nebel sich hllend,
  Trauerten: denn ein Unhold naht' auf den Flgeln der Windsbraut.
  Jetzt, wie die ragenden Wll' und die Huser der mchtigen Hauptstadt,
  Meilenlang bedecken den Plan, und oben zum Bergrand
  Aus der Tiefe herauf dem Wanderer, dsteren Schimmers
  Glnzet der Lampen Schein in der Nacht, unzhlig und endlos:
  Also erschien ihr das Heer des Kniges, das er erst gestern,
  Nach der Eroberung Drosendorfs, des trotzenden Stdtchens,
  Am Gestade der March, auf Drnkruts Fluren vereinte.

    Bald ersphte sie dort in des Lagers Mitte, vor allen,
  Ottgars hochgewlbetes Zelt, das schimmernde Leinwand
  Auen umhllte; von innen hing, zur Erde herunter,
  Scharlachgerthetes Tuch, verbramt mit goldenen Fransen.
  Sieh', in dem grasumwucherten Raum', ihm zur Linken und Rechten,
  Ragten die Zelt', erhht, der Kunring', tapferer Ritter,
  Die in dem Kreis' streichischer Herrn, wie der Mond in der Sternflur,
  Glnzten an ad'liger Macht und weitverbreitetem Eigen:
  Denn Hadmar, und Leutold, die Zwillinge, haus'ten zu Drnstein
  Bald, und bald zu Weitra und Horn; in des rollenden Jahres
  Monden wechselnd die Burg; doch immer in trauter Gemeinschaft:
  Sonder Gattinn und Kind, des Waffengemenges sich freuend.
  Aber mit feindlichem Sinn, von dem Kaiser gewendet, vereinten
  Sie mit des Knigs Panier jetzt zwanzig flatternde Fhnlein.
  Jeglichem folgte die Zahl von fnfzig bepanzerten Reitern,
  Die mit dem Schild' und dem Helme bewehrt, und der Lanze bewaffnet,
  Feurige Rosse zum Kampf vortummelten, siegenden Muths voll.

    D'rauf g'en Idungsbeug, auf dem sandumhlleten Blachfeld,
  Welchen die schwellende Fluth der March seit Jahren gehuft hat,
  War des Fuvolks Macht, zehntausend tapferer Mnner--
  Waren die Reiter gestellt, an der Zahl zweitausend und fnfzig,
  Die sich der Knig in Bhmen erlas, und mit trefflichen Waffen
  So, wie jene, versah. Die muthigen, lwenbeherzten,
  Lenkten die Rosse mit Kraft und Geschick, die, feurigen Blutes,
  Wild umtobten im Kampf', und die Reihen der Feinde zerstampften.
  Lobkowitz fhrte sie an, der ruhmgekrnete Feldherr.

    Aber vor Ebenthal, der freundlichen Burg, an des Hgels
  Abhang, lagerten sich des vielbevlkerten Mhrens
  Tapfere Shn': an der Zahl achttausend erlesenes Fuvolk,
  Die, mit dem Panzerhemd' und der eisernen Haube bewehret,
  Fhrten im Kampfe den Speer und den breitgehmmerten Sbel.
  Milota rief sie in's Feld, ein Ritter, der Ersten des Landes.
  Sonst zur Freude gestimmt, als liebender Vater und Gatte,
  Sah er des Lebens Blthenjahr' und die reifere Mannszeit
  Schwinden im Glck. Nur als ihm die zarteste Tochter, Ludwinen,
  Sie mit tuschender Huld in den Schimmer des Hofes verlockend,
  Ottgar schnde verfhrt', und der Schmach die gefallene Preis gab:
  Da verscheuchte der Menschenha und die brtende Rachgier
  Jegliche Freude vor ihm. Nur Weniges sprach er, und das noch
  Sprach er mit bitterem Hohn' und wildauflachendem Ingrimm;
  Aber nicht mied er des Herrschers Nh', und harrte des Tages,
  Der ihm den Durst nach Rach' einst khlete schrecklich und furchtbar.

    Dort dem Knig zur Linken, hinab sich dehnend bis Stillfried,
  Stand Klein-Reussens Volk, das jngst an den Ufern des Peltew,
  Lembergs Mauern nicht fern, zu Fu und zu Pferd sich vereinte:
  Jenes, gebt, von der Armbrust, schnellvorschreitend im Schlachtfeld,
  Mitten in Feindes Brust den schwirrenden Pfeil zu entsenden;
  Dieses, im Waffengemeng' schnellfuige, hurtige Rosse
  Spornend, vorzusenken den Speer aus der Rhre des Bgels:
  Dann mit des Fues Druck und dem Stoe der nervigen Rechten
  Einzustrmen im sausenden Flug' in die feindlichen Reihen.
  Beide, gleich an der Zahl, dreitausend tapfere Mannen,
  Folgeten Herbot von Fllenstein, der riesengestaltet,
  Ragte vor allen hervor in dem Heer', und rhmlich bekannt war
  Ob des unbndigen Muths, und der ritterlichsiegenden Thatkraft.

    Doch auch der Meiner kam und der Thringer jngst aus der Heimath,
  Ottgars Recht zu verfechten im Kampf', als Bundesgeno her!
  Muth in der Brust, und Kraft in der Rechten, die Lanze zu schwingen
  Brachten sie mit, und beiden geboth der tapfere Markgraf
  Dietrich, Heinrichs Sohn, des Erleuchteten, mchtigen Ansehn's.
  Jenen vereint, stand auch des korngesegneten Bayerns,
  Also auch Sachsens Volk in dem Vorderzuge geordnet:
  Gierig des Kampfs, und gebt, die tdlichen Lanzen zu schwingen.
  Heinrichs schaltendem Wink, des Herzogs, folgten die Bayern;
  Markgraf Pfeils die Sachsen mit Lust in die furchtbare Feldschlacht.
  Gegen den Weidenbach, in des weitgedehneten Thalbrunns
  Niederung hin, erhht auf vierzig ragenden Schaften,
  Flatterten hoch in der Luft, verschieden an Farb' und an Zeichen,
  All des erlesenen Vorderzugs kampfdrohende Fhnlein.
  Jeglichem waren gesellt fnfhundert tapfere Krieger,
  Welche das Panzerhemd, und der Helm im Felde beschirmte.
  Aber im Rcken des Heers, nicht ferne dem schimmernden Marchflu,
  War noch die Wagenburg, Feldzeug, und Gerthe des Lagers
  Aufgehuft, wie auch Mundvorrath fr die dauernde Kriegszeit.
  Also lagerten dort des Knigs versammelte Scharen.

    All' umhllete jetzt der Schlaf mit bleiernem Fittig
  Schon. Sie errangen zuvor, nach schrecklichem Kampfe, die Mauern
  Drosendorfs, von dem Hohenberger, dem tapferen Feldherrn
  Rudolphs, der sie mit Macht und entflammendem Muthe beschirmte.
  Aber noch wacht' im Gezelt der Knig der Bhmen. Zum Kriegsrath
  Rief er um Mitternacht die Feldherrn: denn von dem Kaiser
  Waren die Friedensbothen zu ihm, in das Lager gesendet:
  Meinhard, Graf von Tyrol, und Lichtenstein: in den Waffen
  Beide berhmt. Nicht dacht' er zwar, den friedlichen Oehlzweig,
  Den sein Gegner ihm both, mit vershnlicher Rechten zu fassen:
  Denn er sann nur blutigen Kampf, nur Tod, und Verderben
  Ueber Rudolphs Haupt zu wlzen im Felde der Waffen;
  Aber es sollte der Helden Verein, was er in dem Busen
  Heimlich beschlo, nun knden mit lautentscheidendem Ausspruch.
  Siehe, vor allen kam der Fhrer des reisigen Volkes,
  Lobkowitz, ein gewaltiger Greis, de' leuchtender Aarblick
  Unter den buschigen Brau'n den Muth im Herzen verkndet,
  Der auf die Waffenbahn ihn schon als blhenden Jngling
  Trieb, und das Herz ihm gewann des schlachtruhmdrstenden Knigs!
  Doch umwlkt war jetzt ihm die Stirne von inniger Trauer,
  Und zur Erde geheftet sein Aug', da er dort vor dem Herrscher,
  Schweigend, stand. Alsbald, obgleich von heimlichem Unmuth
  Selber gebeugt, begann, mit erzwungenem Lcheln der Knig:
  Wahrlich, nicht wirst du den Feldherrn heut,
              mit dem Gram in den Augen,
  Muth einflen im Rath! Hat dir das treffliche Streitro,
  Das zum Siege dich schon in zwanzig Schlachten getragen,
  Und aus Feindes Gedrng' oft rettete, heute das Futter,
  Aechzend, verschmht, und du sorgest vielleicht
              um den Liebling im Herzen?
  Wie, verfehlte der Sprer im Wald des flchtigen Rehbocks,
  Oder des Hirsches Spur, mit dem sechzehnendigen Hauptschmuck?
  Fasse dich, tapferer Greis! Bald wird der Braune genesen;
  Bald erfreut uns der Fried', und du streckst in frhlichen Stunden,
  Drauen am Rasengrund der waldumrnderten Hgel,
  Wieder im Hrnerklang' und Gebell verfolgender Sprer
  Raschanstrmendes Wild mit sausenden Lanzen zu Boden.
  Denke des Worts: bald sind wir heimisch im Lande von Oestreich.
  Herr, sprach jener bewegt, gewartet mit emsiger Sorgfalt
  Wiehert das Ro, das mich in zwanzig Schlachten getragen,
  Und aus druender Todesgefahr oft rettete, muthig
  Drben im Zelt! Nicht denk' ich des Weidwerks jetzt in den Tagen
  Ernsten Kriegs, de' Bild uns jenes, im sanfteren Frieden
  Oft ergetzt, und die Kraft uns sthlt in erhhter Gesundheit.
  Ja, du sprachst es im Scherz nur, o Herr! Doch dnkt es mich selber:
  Nicht wohnt Heiterkeit dir in den tieferglhenden Augen.
  Mge die dunkle Nacht verborgenen Strebens enthllen
  Jetzo der Wahrheit leuchtender Strahl! Zum wichtigen Kriegsrath
  Riefst du die Feldherrn: denn die Friedensbothen des Kaisers
  Harren der Antwort im fernen Gezelt. Des Friedens erwhnst du?
  Heischest Rath, und ach, beschlossen im heimlichen Busen
  Hast du den Krieg auf Leben und Tod! O, mchte des Friedens
  Freundlicher Ruf den Ha aus deinem empreten Herzen
  Nun verscheuchen, und dir und dem Volk die Flle des Segens
  Schaffen hinfort! Erfllt hast du mit unendlichem Kriegsruhm
  Weithin die Erd' umher; allberall preisen die Vlker
  Deine Weisheit und Kraft. Zieh' heim nach dem herrlichen Erbreich,
  Das dir gehorcht -- nach Bhmen und Mhren: die trefflichsten Vlker
  Nhrt es im blhenden Schoo. Dort lebe dem Glcke der Deinen,
  Und unsterblicher Ruhm harrt dein, in der sptesten Zeit noch.
  Hast du nicht jngst mit Siegel und Schrift
              und mit heiligem Eidschwur,
  Oestreich, Krnthen, und Krain, als Lehen, entsagt vor dem Kaiser
  Selber, auf Glauben und Treu', und im Treubruch hoffst du zu siegen?
  Bebe der That: schwer rchte den Bruch geschworenen Eides
  Stets an den Sterblichen noch die ewigwaltende Vorsicht.

    Ottgar stand, erschttert im Geist vor dem Schreckensgedanken;
  Sprechen wollt' er schnell, und es bebten die Lippen ihm leis' nur.
  Doch nun drang ihm das Wort aus den festgeklammerten Zhnen:
  Ha, sey nun, und auf immerhin, der Leib und die Seel' auch
  Mit in dem Spiele gewagt! Nicht kann ich mehr weichen: die Gattinn--
  Ja, das schreckliche Weib, hat mich zu dem Schritte gezwungen.
  Da ist kein Rckgang mehr: ich folg', ein Opfer des Schicksals!
  Wie, so sprach, ihm freundlicher nahend, der Greis,
              um die Herrschaft
  Stritten des Reiches Hort und der Knig von Bhmen; im Frieden
  Schieden sie erst, und die rach'emprende Zunge der Gattinn
  Drngte sie wieder zum Wrgen zurck? Nicht mhen die Frau'n sich
  Ab in dem Feld. Wenn wir erlagen, erkiesen sie wieder
  Sich den neuen Gemahl, und erfreu'n sich im Kreise des Lebens;
  Doch uns lass' das Wohl und das Wehe des Landes bedenken.
  Ottgar, stolz und tapfergesinnt, gehorchte dem Weib' nun?[4]

    Also der Greis; doch, da er es sprach, entflammte des Knigs
  Niedergeheftetes Auge sich stets zu grerer Wuth noch.
  Wie der Drache mit glhendem Blick von dem finsteren Felsschlund
  Aufschaut, wenn ein Ruf ihn emprt; dann zischend dem Eingang
  Nah't, und, das Haupt zum Boden krmmend, den furchtbaren Rachen
  Weit vorstreckt, den Feind zu verschlingen, begierig: so sah er
  Jetzo dem Greis' in das Aug', und sthnte vor heimlichem Ingrimm.
  Endlich rief er, bewegt: Halt ein! O tadle den Gatten
  Nicht, der solchem Weibe gehorcht: Margarethen, der Frauen
  Sanfteste, stie ich von mir: da sandte der Rcher im Himmel
  Mir Kunegunde. Sie hat, ja, bebe dem schrecklichen Wort nur,
  Ueber mich Macht und Gewalt. Wie ein Geist des ewigen Abgrunds
  Steht sie vor mir ... mich schrecken entsetzliche Trume. Verschliee
  Das in der redlichen Brust. Sieh', htt' ich auch tausend und tausend
  Eide geschworen: umsonst! Nicht kann ich zurck in dem Kampf mehr
  Weichen: ich mu ihn mit Habsburgs Leu'n nun enden fr immer.
  Jetzo winkt' er dem Greis': denn, eilenden Schrittes, genahet
  Waren die Feldherrn all', und einten sich ihm in dem Kriegsrath.
  Neben ihm sa zur Rechten der Hort und Gebiether der Bayern,
  Heinrich; zur Linken ihm Pfeil, der Markgraf; d'rauf um den Tisch her,
  Der, nach Lagers Gebrauch, von niederen Bnken umstellt war,
  Lobkowitz, Czernin, Zierotin; dann Milota, Dietrich,
  Herbot von Fllenstein, und die Kunring', tapfere Helden.
  Doch von der Mitte herab des hochgespannten Gezeltes
  Hing die flammende Lamp', endlos vom Oehle genhret,
  Und erhellte den Tisch in des Zeltraums dsterem Schimmer.

    Eben hatt' er die Helden begrt, und wollte beginnen:
  Sieh', da scholl's von Hufen der Ro' in der nchtlichen Stille
  Nher und nher, und jetzt absaen die Reiter am Zeltthor.
  Ottgar winkte sogleich dem blhenden Jnglinge, Wallstein,
  Der ein Liebling ihm war, schon seit der zartesten Kindheit.
  Alsbald eilt' er hinaus, und fate vom niederen Gluthherd
  Einen leuchtenden Span, den dort ein Krieger entflammte:
  Schrend die Gluth, und hufend zugleich das harzige Kienholz.
  Mchtiger flammte der Span, da ihn ber dem Haupt in die Graunnacht
  Wallstein hob, und schauete: wer die Versammelten stre?
  Staunend, sah er die Kniginn selbst, Kunegunde, sich schwingen
  Aus dem Sattel, im Kreis' erlesenen Reitergefolges;
  D'rauf durcheilte sie rasch den Zelteingang, und, den Vorhang
  Schleudernd entzwei, schritt sie, mit stolzer Geberde, zum Sitz hin,
  Den der Jngling verlie, an der Seite des Kniges selber.

    Ueber ihr schwebte mit grimmerflletem Blick Drahomira
  Leise herein. Sie trieb die Kniginn eilig von Drsing
  Her in der dunkelen Nacht, da sie erst durch schmhende Reden
  Reize den Gatten, und dann entflamme zur Gier nach des Krieges
  Schrecknissen, mehr denn je, in des Raths entscheidendem Zeitraum.
  Wehe, sie forscht', auf Arges bedacht, im Kreise der Helden
  Gierig herum, wie die Schlange verhllt in dem laubigen Zweig lauscht:
  Ob ein Vgelchen ihr zur Beute sich bieth'? -- und sie fand noch
  Dort den Ersehneten nicht; doch, als der blhende Jngling
  Eintrat, dachte sie schnell die Herz zu bercken durch Ehrsucht,
  Und zu verderben mit ihm den, ihr verhaten Beherrscher!

    Als der Knig die Gattinn ersah, da erblaten die Wangen
  Ihm vor Zorn; doch schwieg er, und lie die Stolze gewhren,
  Auf da keiner im Rath' ihn verachtete -- jeglicher dachte:
  Jetzt erschiene sie hier, ersehnet von ihm, und gerufen.
  Rasch war ihr Drahomira genaht: in dem Hauche des Unholds
  Ward ihr Busen emprt, und alsbald rief sie verhhnend:
  Ha! welch' Wunder geschah? Schon heut erfreuen die Bhmen
  Sich der Eroberung Drosendorfs, der mchtigen Festung,
  Nach den Tagen unendlichen Mh'ns? O, schndliche Thorheit
  War es: vor ihr die goldene Zeit zu vergeuden -- zu harren,
  Bis der klgere Feind, noch arm an Kriegern und Waffen,
  Sich verstrket', und euch des Eisens Spitze wohl biethet!
  Schnell, mit wrgender Hand euch bahnend den Weg in die Hauptstadt,
  Mutet ihr folgen der Stimme des Ruhms, und dem dringenden Aufruf
  Rdiger Waldrams[5] dort, des muthigen Meisters der Brger,
  Der nun bald, ein schmhliches Opfer, dem Feinde verrathen,
  Fllt durch euere Schuld, durch eure Verblendung, und Feigheit.
  Siehe, da grins'te vor Lust Drahomira den Helden in's Antlitz;
  Doch jetzt fuhren empor von dem Sitz die Versammelten alle;
  Ballten die Faust vor Zorn, und wollten enteilen: nur einer,
  Milota, regte sich nicht, und lchelt' unheimlich fr sich hin.
  Fat euch, rief der Knig, bewegt, die Kniginn duldet
  Schon seit jenem unseligen Tag, der uns, und die Vlker
  Bhmens beschimpft -- dem Tage der Huldigung,[6] nagenden Kummer
  Und zerrttendes Weh' in den Tiefen des Herzens. Ihr Helden,
  Dessen gedenkt, und achtet den Schmerz des unglcklichen Weibes:
  Denn nicht wgt er genau das raschverwundende Wort oft,
  Das der Zung' entflieh't im Sturm der emprten Empfindung.
  Aber vernehmt es, was ihr in der Stille der nchtlichen Stunden
  Jetzo mit uns erwgen soll't nach euerer Weisheit:
  Rudolph sandte zuvor zwei tapfere Ritter in's Lager
  Her, uns dringender noch als jngst, die Hand zur Vershnung
  Biethend. Erneuend sodann den Wunsch: durch unserer Kinder
  Wechselheirath das Band der Freundschaft fr immer zu grnden,
  Ladet er uns g'en Wien, zu turnei'n; die Speere zum Scherz nur,
  Nicht zum Ernst zu versuchen, und dann die ersehnte Verlobung
  Durch ein gastlich Mahl zu feiern im schimmernden Prunksaal.
  Solches verkndete heut' in geheim uns Rdiger Waldram;
  Aber zugleich: g'en Lilienfeld[7] hin ziehe der Kaiser
  Albrecht, seinem Erzeugten, mit hundert Reitern entgegen,
  Der in den schwbischen Gau'n die Krieger ihm warb, und vom Aargau
  Her die tapfersten fhrt, die ihm oft errangen den Lorber,
  Altgedient, und versucht im Grau'n der eisernen Feldschlacht.
  Soll mein Volk vorstrmen bis Wien, da unser Vertrauter,
  Waldram, ihm erffne das Thor in der nchtlichen Stille,
  Wie er es eben verhie, mit den treuen Brgern verstanden?
  Ist's wohl rthlicher noch, mit Kunrings Reitergeschwadern
  Ueberzusetzen in Fhren den Strom der mchtigen Donau,
  Und aus dem Hinterhalt den Kaiser zu fah'n in der Waldschlucht,
  Welche sich links und rechts an dem Kaumberg, trglich herumschlingt?
  Nie versagt' ich das Ohr dem Rathe der Mnner: was dnkt euch?
  Herbot schrie zugleich mit dem Kunring, lrmend, und laut auf:
  Fort nach Wien! Bald sinkt mit der khnerrungenen Hauptstadt
  Rudolphs Macht in den Staub: wir brgen fr herrlichen Sieg dir!

    Lobkowitz fuhr von dem Sitz', des Friedens Ruf zu erneuern;
  Aber ihm kam Kunegunde zuvor, und sagte dem Knig:
  Wie, du sphest noch jetzt nach schlauverhlleten Pfaden,
  Thricht verlassend die khnere Bahn, die schnell zu dem Ziel fhrt?
  Ist denn vllig gewichen von dir der Muth und die Khnheit,
  Die von Siegen zum Sieg dich leitete, Schlachtenberhmten?
  Zahllos warben die Freier um mich. Masowiens[8] Herzog
  Lie auf dem glnzenden Thron mir Macht und Reichthum zur Erbschaft;
  Aber ich achtete keinen Mann, im stolzen Bewutseyn
  Herrschender Geisteskraft, und lautgepriesener Schnheit.
  Auch du bothst mir die Hand. Der Ruf erscholl in den Lndern:
  Ottgar trug des Sieges Panier zu dem Belt hin; erbaute
  Dort noch Knigsberg,[9] und schlug, heimkehrend, die Scharen
  Ungerns im Feld auf das Haupt. Er einte die Steyer- und Ostmark
  Dann, als Sieger, mit Krnthen und Krain dem bhmischen Erbreich,
  Und errang die Bewunderung so der entlegensten Vlker.
  Ha, da sank mein Stolz, beschmt, vor dem Helden! Ich gab mich
  Eiteler Tuschung dahin: mit der kniglichsieghaften Rechten
  Wrd' er auch mich erheben im Glanz' unsterblichen Ruhmes.
  Weh', nun steh' ich gebeugt, entehrt, und fruchtlos geopfert!
  Aber, denkst du der Ehre nicht mehr, so gedenke der Schmach doch!
  Soll ich den Mann, den Knig, und ach, den Gatten noch mahnen
  Dort an den graunerregenden Tag, wo gegen den Eidschwur,
  Der dich bewog, dem Kaiser zu huldigen heimlich im Zeltraum,
  Er, o schreckliche Schau! auf des Eilands ragendem Hgel,
  Das die Donau umschlingt mit weitgedehneten Armen,
  Pltzlich am listiggestalteten Zelt den rauschenden Vorhang
  Fallen hie, und dich vor den Augen unzhliger Krieger,
  Die an dem Strom sich die- und jenseits, feindlichgesondert,
  Lagerten, wies zum Hohn' -- auf die Kniee gesunken, o schndlich,
  Ottgar, dich, dem er an dem Hof' einst dienet', als Marschalk,[10]
  Huldigend dort, in dem Staub'! O, knntest du solches vergessen?
  Ottgar prete die Stirn' in die Flche der Linken, und glhend
  Rann ihm die Thrn' an der Wange herab. Er sucht', es zu bergen;
  Blickte grimmiger auf, und rief: Nicht werd' ich's vergessen!
  Doch nun drang Drahomira noch mehr in die Frstinn. Sie hob sich
  Eilig vom Stuhl' empor, und sagte mit leuchtenden Augen:
  Ha, die Dromet' erklinge dem Volk', und gebiethe den Aufbruch
  Nach den Mauern von Wien; in die Luft hoch flatt're die Sturmfahn'
  Vor den Scharen einher, und leite sie glcklich zum Sieg' hin!
  Rief's; doch Ottgar sprach nun so zu dem tapferen Helden,
  Lobkowitz: Wie, du schweigst mein sieggekrneter Feldherr?
  Nie ermangelt' ich deines Raths, und deiner Erfahrung,
  Weisheit, Treue und Kraft verdank' ich, was rhmlich gescheh'n ist.
  Lobkowitz wiegte das Haupt, und sprach eintnig und trocken:
  Haben doch and're vor mir, dem wankenden Greise, gesprochen,
  Die das heiere Blut, wie im Sturm, fortreit auf des Ruhmes
  Glnzender Bahn -- weit blieb ich zurck', und bin es zufrieden.
  Sieh', ich whnte, wir lieh'n ein Ohr des Kaisers Gesandten?
  Doch vor dem zrnenden Blick der Kniginn? Sey es denn morgen!
  Also der Held. Da sprach Kunegunde voll Wuth zu dem Knig:
  Wohl, ich weiche zurck bis Drsing. Sinnst du auf Frieden
  Noch mit dem Kaiser, so sey's; doch nimmer siehst du mich lebend
  Wieder: nur mord' ich zuvor mit Freuden die blhende Tochter,
  Eh' ein schmhlicher Bund dem verhatesten Feind sie vereine.
  Rief's hinschreitend; erhob sich auf's Ro, und eilte nach Drsing,
  Das sie den Abend zuvor mit ihren Erzeugten bezogen.

    Jetzt lie Ottgar schnell die Gesandten des Kaisers entbiethen,
  Die schon lange voll Gier in dem fernen Gezelte des Rufes
  Harrten. Meinhard, Graf von Tyrol, erschien, und zur Seit' ihm
  Nahete Lichtenstein: des Heer's erlesene Zierden.
  Stattlich traten sie ein, und setzten sich wrdig zum Tisch hin,
  Grend den Knig zuvor, und d'rauf, die versammelten Feldherrn.
  Meinhard neigte das Haupt, und begann mit edelem Anstand:
  Rudolph, mein erlauchtester Herr, und Kaiser der Deutschen,
  Sendet uns, Meinhard und Lichtenstein, nicht unwrdige Bothen,
  Freundlich zu dir, erhabener Herr, und Knig der Bhmen!
  Wollest darum uns hren mit Huld, und unsere Reden
  Nicht verachten, da wir, nur arm an zierlichen Worten,
  Stets mit dem rauheren so, wie mit unserem blinkenden Eisen,
  Das wir zu fhren gelernt, zum Ziel vorstreben, und treffen.
  Frieden beut er dir mit leichtvershnlichem Herzen;
  Doch er beut ihn im Augenblick, wo er vllig gerstet,
  Nicht, wie jngst in dem Land', entblt von Kriegern und Waffen,
  Sollte schon fast ihn erflehen von dir -- nein, wo er im Kriegsbund,
  Mchtige Vlker vereint, und der Treue der Vlker gewi ist.
  Da du, als Kaiser ihn anerkenn'st; ihm Bhmen und Mhren
  Tragest zu Leh'n; auf die ost- und die steyrische Mark,
              so auf Krnthen,
  Krain, entsag'st: das ist des Friedens enthllte Bedingni.
  Drei gewaltige Vesten im Land: hier Drsing im Marchfeld,
  Dort Pchlarn, und Enns sollst du mit starker Besatzung
  Halten zum Unterpfand durch drei der Jahre, von heut' an.
  Ha! du erstaunest? So ist's; ihr sollt euch finden in Freundschaft.
  Heilig ist Rudolphs Wort, du kannst ihm sicher vertrauen.

    Als er die Rede voll Kraft jetzt endete, herrscht' in dem Zeltraum
  Stille umher: doch Lichtenstein, gewahrend den Vortheil,
  Grte den Knig zuvor, und begann mit heiterem Blick so:
  Ernstes sagte der Graf. Mit Gott und eurem Gewissen
  Werdet ihr solches erwgen zum Glck und zum Segen der Vlker,
  Die ihr beherrscht; doch leiht auch mir ein gnstiges Ohr noch.
  Nicht vom blutigen Kampf: von der Minne ersehneten Freuden,
  Von Turnei'n, und dem festlichen Mahl gedenk' ich, zu sprechen.
  Allwrts ist es bekannt, da Herr Rudolphus, der Kaiser,
  Ein Turnei, bei'm Tabor,[11] am kommenden Donnererstag schon,
  Der Sanct Rochus geheiliget wird, zu halten, gesinnt ist:
  Denn nach Frieden verlangt sein Herz, und er hat dich geladen.
  Solcher Ehre Gewinn verschmht kein tapferer Mann je.
  Sieh', d'rum harret er dein und deines so edeln Gefolges,
  Das den Herrscher umglnzt, wie die Stern' umglnzen den Vollmond!
  Aber noch hhere Freuden gedenkt, nach vollendetem Festmahl,
  Oben im prunkenden Saal der Kaiser mit dir zu bestellen:
  Lieblich erblheten dir die schnsten der Tchter -- in Shnen
  Ihm sein Glck: zum Bund der Einigung beut er die Hand dar:
  Hartmann fhr' als Braut sich Hedwig, voll siegender Schnheit,
  Thekla, voll zartester Huld, sein Rudolph heim. So ersehnt er's.

    Als er gesprochen das Wort, und noch weiter gedachte zu reden:
  Sieh', da warf sich in brausender Hast der muthige Jngling,
  Wallstein vor! Er stand, und hielt sich die Brust mit der Rechten;
  Athmete tiefer, begann zu sprechen, vermocht's nicht; er strzte
  Dann zum Gezelte hinaus, und verschwand im nchtlichen Dunkel.
  Ottgar blickt' ihm, erstaunt, jetzt nach. Er whnte: sein Liebling
  Sey urpltzlich erkrankt, und von wthenden Schmerzen befallen;
  Doch Drahomira durchschaute sein Herz; sie lchelte grimmig;
  Jubelte dann laut auf, und folgte dem fliehenden Jngling:
  Ihm fr Hedwig die liebende Brust noch mehr zu entflammen,
  Und zu verderben mit ihm den, ihr verhaten Beherrscher.

    Im erleuchteten Zelt verstummten von neuem die Helden;
  Gar nicht wollten von Ottgars Mund' die Worte sich lsen.
  Endlich hob er sich auf, und sagte den Beiden zum Abschied:
  Wahrlich, nicht ahnete mir's, so glhend verlange der Kaiser
  Uns bei festlichem Turnkampf, Tanz, und Gelagen zu sehen!
  Aber wohlan -- das kndet ihm nur, so er etwa daheim ist:
  Ottgar werdet ihr schau'n im Gefolge der Edeln, und hren,
  Was er vom Frieden gedacht, und der Kinder ersehnter Verlobung!
  Aber, ihr Herrn, gehabt euch wohl; der Himmel geleit' euch!
  Beid' erstaunten der Red', und eilten unmuthig von dannen.
  Drauen sagte zu Lichtenstein der tapfere Meinhard:
  Ritter, sprecht, was dnkt euch? Nicht einmal die Krume zum Imbis,
  Nicht des Weines so viel, das unsere Lippen benetzte,
  Reicht' er zum Trunk' uns dar. Ich meine: von Heirathsgedanken
  Ist er so fern, wie dort von mir Veiths glnzender Wagen,
  Der an des Himmels Rand zum eisigen Norden hinabsinkt.
  Ha! und merktet ihr nicht, wie schnell der arge Verrther
  Rudolphs nchtlichen Ritt g'en Lilienfeld ihm enthllte?
  Ach, er zog nur mit schwachem Geleit! Kommt: gut ist die Vorsicht!
  Rasch aufschwangen sie sich in den Sattel, und flogen nach Wien hin.

    Aber der Knig entlie die Versammelten. Jetzo noch einmal
  Blickt' er Jedem in's Aug', und sagte mit rauherer Stimme:
  Mir zerwhlet die Wuth das Herz. Wie kecklich die Ritter
  Sprachen, als sey ich im Feld nicht frder zu scheu'n,
              und, dem Ball gleich,
  Nun rechts hin, dann links im schwebenden Fluge zu wenden;
  Aber es zehr' ihr Hort sich zu Tod' an seinen Gelsten.
  Mein Entschlu ist gefat: am Morgen gebiethet den Aufbruch
  Euerem Volk. Wir ziehen entlang den schlngelnden Marchflu
  Bis an den Weidenbach, wo, erhht, des rumigen Lagers
  Wall uns schirmt g'en List und Gewalt. Verstanden mit Waldram,
  Sey in dem Ueberfall nur Rache der Wrgenden Schlachtruf!
  Ruhet ein Weniges noch: bald rufen euch laut die Drometen.
  Jene gehorchten dem Wort', und eilten nach ihren Gezelten.
  Aber der Knig ging noch lang' im Schimmer des Nachtlichts,
  Sinnend umher. Oft seufzt' er laut; er ballte die Faust oft
  Vor Erbitterung; stand, ging wieder, und hatte nicht Frieden.
  Endlich warf er sich hin auf das Lager, und schlummerte leis' ein.

    Ueber dem Haupt des Schlummernden hing sein schtzender Engel,
  Trauernd. Verglommen war sein Glanz. Wie auf thrmender Alpen
  Ewigbeschneiten Hh'n der rosigglhende Schimmer
  In therischer Blue verglimmt in der sinkenden Dmm'rung:
  Also auch er, den Schwermuthsblick auf den armen gerichtet,
  Den ein furchtbarer Traum umfing. Margarethe, die Gattinn,
  Welch' er schnde verstie, naht' ihm, und sah ihn so trauernd
  An, aus dem hllenden Leichentuch: er wandte sich, schaudernd,
  Weg, und hie sie entflieh'n. Nicht lang', und in hoher Verklrung
  Schwebt' auf schimmernden Au'n, und bekrnzt mit himmlischen Rosen,
  Sie vor ihm hin. Er folgte -- sie floh; doch jetzt, an dem Ufer
  Eines unendlichen Stroms hielt sie den eilenden Flug an;
  Sah, huldflehenden Blicks, zu dem Himmel empor, und entschwand ihm,
  Schatten gleich, wenn Nebelgewlk umhllet die Sonne.
  Wieder umfing ihn des Todes Nacht. Um sich her auf dem Schlachtfeld
  Sah er unzhlige Leichen gehuft: bis endlich ihm selber
  Dort zwei Wrger genah't, mit rach'ausblitzenden Augen,
  Tief in die Brust einstrmten den Speer, und hhnten im Tod noch.
  Sthnend wand er sich dann im Schlaf, und in mchtigen Tropfen
  Stand ihm der Schwei auf der Stirn' und den hochgertheten Wangen.

    Doch nicht vllig verhllt den Augen des Himmelsbewohners
  War des schlummernden Knigs Geschick. Er sah Drahomira
  Walten um ihn, und Gefahr ihm bereiten auf schlpfrigem Pfad hier,
  Der zum Verderben fhrt, und zu nieversiegendem Jammer.
  Flehend faltet' er jetzo die Hnd', und blickte mit Ehrfurcht
  Auf zu dem Thron des Ewigen, der in des kreisenden Weltalls
  Hehrstem Raum', auf lichtausstrmenden Sonnen erhht steht.
  Dorthin drang sein Blick, wo Cherub- und Seraphim selber
  Sich in der Nhe des Throns mit den Fittigen hllen die Augen,
  Dreimal Heilig singend dem Herrn, der herrscht von dem Thron dort,
  Hehr, allmchtig, weis', und gerecht, barmherzig und gndig!
  Ueber die Himmel hinauf erhebt er das Haupt; auf dem Abgrund
  Ruht sein Fu, und sein Arm umfat das kreisende Weltall.
  Als er gewrdigt ward, die Blicke zum Thron zu erheben,
  Sah er, schauernd vor Ehrfurcht, dort enthllet die Zukunft:
  Ottgar, der nun bald mit reuigem Sinn um Erbarmen
  Fleh'n wird, bet die Schuld vergangener Jahre: den Feinden
  Fllt er besiegt in dem Kampf', und verlieret das Reich und das Leben;
  Aber sein Gegner wird ein Vater des Herrschergeschlechtes,
  Das in die fernste Zukunft hinab unzhliger Vlker
  Glck zu frdern, erwhlt, im Segen der Erde genannt sey.
  D'rauf gewahrt' er den Wink des Herrn: da es also gescheh'n wird!
  Sieh', da flammten, und floh'n, und kehrten in Eile die Sonnen
  Wieder zur Bahn! Der Donner rollte hinunter am Weltrand,
  Kreisende Monden und Sterne vorbei; die Vesten des Erdballs
  Zitterten; hoch aufrauschte das Meer, und die Strm' und die Flsse
  Braus'ten wirbelnd zurck, und schumten empor in den Luftraum.

    Aber die Himmlischen feierten nun der unendlichen Allmacht
  Huldausstrahlenden Wink. Auf Erden erglhte das Frhroth.




  Zweiter Gesang.


  Siehe, wer reitet den Wald entlang? Vom felsigen Boden
  Tnet der eiserne Huf. Wer zieht im Schatten der Thler
  Fort im eilenden Trab? Doch dort, wo am lichteren Waldsaum
  Weitgesondert, die Tannen steh'n, und der sonnige Bergpfad
  Schlngelnd sich hebt, erblitzt es von hellgegltteten Waffen
  Quer in die Eb'ne herab. Jetzt nher und nher erschallet
  Munterer Reiter Gesprch, und das Schnauben und Wiehern der Rosse.
  Doch wer ist's, der allen voran den feurigen Rappen
  Reitet, so freundlich und mild, so bar all' prunkenden Schmuckes?
  Zwar erhellt die, in Rosengluth versinkende Sonne
  Kein' unedele Stirn', und Ehrfurcht heischen die Augen
  Dieses Gewaltigen, der ein Frst, ein Kaiser von Anseh'n
  Scheinet? Er ist's -- ha, Rudolph ist's, der Kaiser der Deutschen!

    Gestern zog er im Abendlicht mit hundert Erwhlten
  Eilig zum Krnthnerthore hinaus nach dem herrschenden Hgel,
  Wo (so kndet die Sag') in grau'numhlleter Vorzeit
  Eine Spinnerinn sa, und bettelte, reichliche Spenden
  Sammelnd: ein Kreuz zu erbau'n von zartdurchlichtetem Stein dort,
  Wo das hlzerne, morsch, zerfiel, an welchem sie lebte.
  Aber es wurde zugleich ihr Grab, von dem Fremdling bewundert:
  Denn erblickt er die Stadt, die weit auf Erden gerhmt wird,
  Vor sich in schimmernder Pracht der Thrm' und unzhliger Huser,
  Zollt er vor allem der sinnigen Wahl der Spinnerinn Beifall,
  Und erquickt sein Aug' an dem wunderherrlichen Anblick.
  D'rauf einlenkt' er zum Fu' der traubengesegneten Hgel:
  Petersdorf, und Brunn am Gebirg, wo der emsige Winzer
  Keltert den krftigen Most fr die sptnachfolgende Zeit noch,
  Und durchtrabte die Stadt von Mdeling.[1] Mchtigen Anseh'ns,
  Schaut in das dstere Felsenthal, durch welches der Waldbach,
  Eingezwngt, sich windet, und rauscht, die ragende Felsburg,
  Mdling herab (ein Eigen des babenbergischen Herzogs,
  Heinrich) und lieh auch zugleich dem Stdtchen den Nahmen.
              Die Nacht hing
  Dunkel herab; nicht ersphte der Wart von dem ragenden Wartthurm
  Rudolphs hohe Gestalt: d'rum scholl die Dromete zum Gru nicht.
  Doch jetzt zog er am Tannberg fort,[2] wo im ruhigen Thalgrund
  Schimmert das Gotteshaus zum Heiligen-Kreuz mit dem Kloster.
  Herzog Leopold baut' es, der Heilige. Mnche von Cisterz
  Rief er dahin, da dies' in Saatengefilde die Wildni
  Wandelten, und im Gesange des Chors lobpriesen den Schpfer.
  Manches Helden Gebein', auch Friedrichs, des streitbaren Herzogs,
  Letzten seines Geschlechts, deckt dort der ehrende Denkstein.
  Aber es sandte darauf vom Heiligen-Kreuze der Stiftsabt
  Auch nach Lilienfeld die Brder: so wollt' es der Herzog
  Leupold, der Glorreiche, selbst, als er an dem Fue der Alpen
  Im bezaubernden Thal das Gotteshaus und das Kloster
  Stiftete, dem jetzt Rudolph naht'. Schon lie er auch Kaumbergs
  Marken zurck, und als die Sonne im rosigen Schimmer
  Sich in Osten erhob, da zog er durch's liebliche Hainthal,
  Und erkor's in des Mittags Stunde zur Rast. An dem Gls'bach
  Weideten frei die Rosse hinab. Die tapferen Krieger
  Saen im Kreise herum: sie sttigten sich an des Weizens
  Goldener Frucht, zum nhrenden Brote gebacken, und lschten
  Dann an der Quelle den Durst. Inmitten der frhlichen Mnner
  Sa der Kaiser im Gras'; er rief den Einen und Andern
  Auf zu ergetzlichem Schwank', und zuletzt den redlichen Knappen
  Mller, den Zrcher, der ihm das Leben gerettet, und seither
  Stets zu getreulichem Dienst' ihm stand, im Krieg' und im Frieden.
  Knde, so sprach er zu ihm, den Kriegern das lustige Mhrchen:
  Wie du mich, den Zrnenden, einst auf der Strae begegnend,
  Shntest, listengebt: denn manchen von meinen Getreuen
  Hast du niedergeworfen zuvor, ein frevelnder Raufbold.
  Mit Vergunst, Herr Kaiser, begann der frhliche Kriegsmann,
  Schlaugewendeten Blicks, so ich ruhmbegierig, und eitel,
  Meinen Gefhrten des Zugs verknde zuvor, da ich Habsburgs
  Grafen im Kampf mit dem Regensberg das Leben gerettet!
  Edle von Toggenburg, und Homburg; jene von Nidov,
  Palm, und Warth mit Eschenbach vereinten dem Ritter
  Regensberg, den er gewaltig bedrngte, die Scharen;
  Doch er dachte der List, kriegskundig, dem Feinde zu schaden.
  Oft ritt Regensberg mit zwlf weischimmernden Rossen,
  Welchen voran mit lautem Gebell zwlf hnliche Doggen
  Sprangen, zur Jagd, von dem Uttliberg, stolzirend, herunter.
  Rudolph lag in dem Hinterhalt: die Ross' und die Doggen
  Hatt' er, wie jener gewhlt. Mein Volk, die muthigen Zrcher
  Brachen hervor, mit ihm in dem Handel verstanden, und als er
  Nahte der Burg in verstellter Flucht, da meinte der Wchter,
  Oeffnend das Thor voll Hast, sein feindbedroheter Herr sey's
  Alsbald ward erobert die Burg, und zerstret von Grund aus.
  Ist's nicht also gescheh'n, mein hocherlauchter Gebiether?
  Aber da stellten sie euch, auf offnen und heimlichen Wegen
  Nach. So geschah's, da einst, auf einsamer Fhrt' in dem Wald ihr,
  Nur mit schwachem Geleit dem Feind' in die Hnde gefallen,
  Rang't auf Leben und Tod, als bgellos in den Staub euch
  Warf das getdtete Ro. Ihr waret erlegen der Mehrzahl;
  Doch der Seinen gedenket der Herr: er sandte den Mller
  Euch zu Hlf'. Er kam auf dem Pfade geritten, und sah euch
  Kmpfen, hnlich dem Leu'n, den wthende Tiger umringen;
  Naht' im Flug, und ihr, in den Sattel gehoben, entrannet
  So der Gefahr. Doch Mller ist euer getreuester Jnger
  Seitdem -- rhmt sich denn auch des edelsten Meisters auf Erden.
  Ihr erlat mir vielleicht fr heute das lustige Mhrchen:[3]
  Denn, mich dnkt, es entfielen, wie Perlen gestaltete Tropfen
  Eueren Wangen. Mich drngte frher die Noth, und euch spter:
  Alles auf Erden eint der Liebe geschftige Sorgfalt.
  Innig gerhrt ergriff ihm der Kaiser die Hand, und begann so:
  Edel hast gehandelt an mir, mein trefflicher Jnger!
  Doch die Capelle winkt auf den Alphh'n: heute noch sollst du
  Ernten herrlichen Lohn, der Heldenthaten gebhret.
  Jetzt rasch auf, ihr Reisigen: rasch zu dem winkenden Ziel hin!
  All' erhoben sich nun voll Muths; sie zumten die Rosse,
  Jauchzend, auf, und es ging dann weiter der frhliche Zug fort.

    Siehe, nicht lang', und sie sah'n jetzt schon
              die blulichen Alphh'n
  Oben, und tiefer den _Kulm_ und den kegelgestalteten _Spitzbrand_,
  Freudigen Blicks, als unter dem Huf der gewaltigen Rosse,
  Drnend, die Brck' erscholl, die, stets von den Fluthen der Traisen
  Unten durchrauscht, im Grund die rasche Forelle beschattet.
  Weit gerhmt ist die Traisen im Land (da beide den Ursprung
  Sich bestreiten, die Hohenberg-, und die Lilienfelder)
  Sprudelnd hervor aus dem Schoo des Traisenberges im Waldthal,
  Und enteilend voll Hast, sich dem Donaustrome zu einen.[4]
  Freundlich blickten die Sterne bereits vom Gewlbe des Himmels,
  Wieder zur Erde herab; schon hauchten die wrzigen Matten
  Khlung umher; es verglommen die ragenden Hh'n, und die Fluthen
  Dampften im Thal, als jetzt mit seinem Gefolge der Kaiser
  Nahe vorber an Lilienfeld, dem herrlichen Kloster,[5]
  Eilete: denn zum Abendgebeth' ertnte das Glckchen
  Schon von dem Thurm'; es lud zu des Chors Vollendung die Brder,
  Und erweckte zugleich, mildklagend, die Wonne der Wehmuth
  Tief in der fhlenden Brust, die leise nach Ruhe sich sehnet
  Nach den verschollenen Strmen des Tags, auf irdischer Wand'rung.

    Nahend dem Ziele, durch's _Thal_, geboth der Herrscher den Reitern,
  Lngs dem Bach zu erringen den Kulm, auf dem breiteren Saumpfad;
  Aber er selber klomm, des Weg's wohlkundig, mit Mllern
  Dort, wo ein lieblicher Wasserfall, von schroffer Gebirgswand
  Pltschernd herab, zerstubt die silbernblinkenden Fluthen,
  Schweigend, die Hhen empor. Er sah nach den lichten Gefilden
  Ferner Ebenen, jetzt aus der nchtlichdmmernden Waldung,
  Jetzt vom schwindligen Fels mit thauendem Blick', und errang so
  Frher den Kulm; doch dort, vereint mit seinen Erwhlten
  Wieder, rastet' er nicht, und stieg, stets hher und hher,
  Bis er, den dunkelen Wald entlang, auf blhenden Matten
  Wandelnd, schimmern sah im Schooe der luftigen Alphh'n,
  Aus dem Gezweig umhllender Tannen der kleinen Capelle
  Heiligthum, wo das Licht, in der Lampe genhrt von dem Klausner,
  Sandte die fchelnde Flamm' empor aus goldenem Oehlduft.
  Dorthin wies ein Gesicht, im mitternchtlichen Grauen
  Ihm aufstrubend das Haar vor Furcht und Erstaunen, ihn heut' erst.
  Wichtiges sollt' ihm, dort enthllt nach des Ewigen Rathschlu,
  Mchtig erheben das Herz in der Stunde des nahenden Kampfes.

    Jetzt verlieen auf seinen Wink die Reiter den Sattel,
  Da, freiweidend im Feld, die Pferde sich letzten. Des Zaumes
  Ledig, sprangen sie wiehernd davon, und wlzten im Gras' sich
  Links und rechts, die Gluth des gepreten Rckens zu khlen.
  Auch die Reiter gesammt ausruheten dort von der Wand'rung.
  Aber der Klausner, ein Greis, von neunzig entflohenen Jahren,
  Trat aus der Htt', im barnen Gewand', und fhrte den Kaiser,
  Schweigender Ehrfurcht voll, zur Capelle. Der silberne Bart flo
  Ihm zu dem hanfenen Grtel herab. Von den lastenden Jahren
  Wenig gebeugt, sah noch aus seinen erglhenden Augen
  Jugendkraft, die manchmal in sinnender Trauer am Boden
  Hafteten. Doch jetzt traten sie ein, und beugten die Knie' dort,
  Wo gesegnetes Brot, der Seelen Speise, verwahrt war;
  Wo das Bild des Gekreuzigten stand, und die Mutter das Kindlein
  Wies in dem hehren Gemhld', voll Lieb' an den Busen es drckend,
  Und, den wonn'ausstrahlenden Blick auf die Menschen gerichtet,
  Allen zu rufen schien: O liebt den Liebenden mir gleich!
  Aber der Greis, als wr' es zum legten Male hienieden,
  Sah zu ihr lang' empor, und wandte sich dann zu dem Pilger:
  Herr, sprach er, blick' auf zu der Himmlischen! Frh in des Lebens
  Blthenzeit hast du die Verehrung der seligsten Jungfrau
  Dir erkoren zum wahrenden Schild', und dem Schiffer nicht ungleich,
  Der in der Sturmnacht fest aufschaut zu dem rettenden Leuchtthurm,
  Dadurch bewahrt im reinen Gemth Vertrauen und Demuth:
  Jenes zu Gott und auf Menschenwerth, und dies' auch im Glck' noch.
  Also wandeltest du, ein Seliger, fort auf des Lebens
  Dornenpfad mit heiterem Muth: der gttliche Sohn hrt
  Gerne der Mutter Fleh'n, in ihrem Schutze geborgen.
  Jetzt auch wirst du gewi, in dem furchtbarn Kampf der Entscheidung,
  Huldbeglckt, erringen den Sieg, wenn dir auf dem Schlachtfeld,
  In umdrngender Noth vom Munde des Herzens Gelbd' tnt:
  Fromme Jungfrau'n einst zu versammeln zum Zeichen des Kreuzes.[6]
  Hre, demnach was mir mein Meister und Herr in Gesichten
  Dunkeler Zukunft wies: Ein Vater unzhliger Frsten
  Wirst du seyn, und so oft auch hier auf irdischer Laufbahn
  Wechselt des Menschen Geschick vom Guten zum Schlimmen: so wird doch
  Treu', und Redlichkeit stets in deinem Geschlechte noch dauern.[7]

    Ernsten Gemths, herrscht einst dein ltester ber die Vlker,
  Die dein heitres gewann, und fesselte. Ob er auch mannhaft
  Steht in der Mnnerschlacht, und vor ihm die Feinde, besiegt, flieh'n;
  Ob er auch ehret das Recht, und Gerechtigkeit bet als Richter,
  So auch die Wissenschaften, die Kunst', und den frohen Gewerbsflei
  Blhen heit mit dem Ackerbau, ein sorgsamer Herrscher:
  Dennoch mit er die Liebe. Die Hand der ewigen Vorsicht
  Waltet ber des Menschen Geschick'. In Dunkel gehllet
  Mge sein Ende dir seyn. Ihn rchen entsetzlich die Seinen.

    Schn an Gemth und Krper, die Lust des Menschengeschlechtes,
  Fat mit unstraflicher Hand die Kaiserkrone dein Enkel.
  Aber, ihm gleich, ein Held, vom feindlichen Schicksal zum Feind' ihm
  Auserkoren, entwindet sie ihr auf dem rauchenden Blutfeld
  Mhldorfs; doch entreit er, erst nur der Rache gedenkend,
  Auch in der Kerkerluft der Trausnitz dem edelsten Manne
  Nicht den unsterblichen Kranz, der, lohnend, dem Guten zu Theil wird.
  Sieh', er steht, erschtternd, vor ihm, da er Ehre viel hher,
  Denn des Lebens erlesenstes Glck, die goldene Freiheit,
  Achtet, und wiedergekehrt, die Hnde noch selber den Fesseln
  Beut: ein Muster der deutschen Treu' auf Wort und auf Handschlag!
  Innig ehrt er ihn d'rauf, und theilt das nchtliche Lager,
  Ja, auch den Purpurthron mit dem Freund, der Erde zum Staunen.

    Ha, schon winket des Theuerdanks unsterblicher Held mir
  Aus dem strahlenden Licht des thatenverherrlichten Lebens!
  Sein erbarmt sich der Herr, und rettet ihn, wunderbar oft so,
  Wie auf der Martinswand, aus unsglicher Noth und Gefahren,
  Welch' ihm fortan drau'n auf des Herrschers dornigen Pfaden.
  Hoch erhebt er den Ruhm von Oestreich: khn auf dem Schlachtfeld,
  Weis' im Rath; ein Liedergewaltiger, Held, und Beherrscher.

    Aber ihm folgt, o Habsburgs Stolz, sein grerer Enkel!
  Sein Zeitalter leuchtet in wunderherrlichem Glanz' auf.
  Jugendlich regt sich die Erd', und treibt den erfreuenden Keim schon
  Jedes Groen und Schnen hervor. Erhabene Geister
  Wandeln auf ihr zum Ziel -- der Hchst' er unter den Hohen!
  Ha, wie wrdig er herrscht, wie kraftvoll! Fern in die Zukunft
  Schaut sein Blick: er sinnt auf Deutschlands Gre durch Einung,
  Auf Hispania's Macht, und Italia's, da er die Rettung
  Schaffe dem Christenvolk g'en wildemprter Osmanen
  Allverheerende Wuth, die er tapfer bekmpft, und besieget.
  Auch jenseits dem unendlichen Meer' erbeben die Vlker
  Seiner Gewalt: nie geht die freundlichleuchtende Sonne
  Unter in seines umuferten Reichs endlosen Bezirken.
  Also die alt' und die jngere Welt im Segen zu einen,
  Strebt sein hohes Gemth. Wie dunkel die Wege der Vorsicht!
  Deutschlands Gau'n durchtobt die Neuerung. Feindlichgeschieden,
  Schaut urpltzlich der Mensch dem Menschen in's Aug: ihn verwildert
  Schrecklicher Sectenha: denn Mord, und Brand, und Emprung
  Wrgt Jahrhunderte fort, und verscheucht bald jegliche Hoffnung,
  Die so herrliche Frchte verhie. Vergeblich versucht er,
  Heimzufhren den scheuentflohenen Frieden: auf immer
  Scheint er entfloh'n. Ihn ergreift unendlicher Schmerz, und er endet,
  Freientsagend dem Thron, in einsamer Zelle sein Leben.

    Ha, nach neun, durch Weisheit, Mild', und Gerechtigkeit ruhmvoll
  Herrschenden Mnnern deines Stamms, erseh' ich im Thronsaal
  Eine gewaltige Frau, die im Sturm umdrauender Nthen,
  Gottvertrauenden Muths, die Lieb' und Bewunderung aller,
  Eintritt dort, mit dem Sohn' auf dem Arm, in die hohe Versammlung
  Eines edelen Volks, und tausend Stimmen erschallen,
  Als der ehernen Scheid' entrissen der blitzende Stahl fleugt:
  Lat uns sterben fr Sie, die, als Kniginn, uns ist ein Knig!
  Glcklich als Gattinn und Mutter zugleich, und als Herrscherinn wrdig
  Ewigen Ruhms, entschlummert sie sanft in den Armen des Todes.

    Lange zum Manne gereift, nachfolgt ihr spt ihr Erzeugter:
  Herrschend des Volks Abgott, dem er nur Gutes gewillt ist.
  Aber ihm strmts in der Brust: was kommenden Zeiten noch dau're,
  Msse sorgsam gepflegt, und festgegrndet der Bau seyn,
  Das bedenket er nicht, und sieht noch sterbend, verwelket
  Was er gepflanzt, und im Sand, sturzdrohend, was er gebaut hat;
  Dennoch beut ihm die Liebe den Kranz niewelkenden Nachruhms.

    Siehe den Weisen, in dessen Hand dann erglnzet der Zepter,
  Reit des Todes Geschick aus der Zahl der Lebenden schnell fort!
  Wohl ihm: denn frher erringt er das Ziel der herrlichsten Laufbahn
  Auf hesperischer Flur, wo er Glck ausspendet, und Segen!

    Jetzt entschwinden die hehren Gesichte vor mir wie in Nebeln.
  Furchtbar steigt Geschrei in die Luft. Des alternden Erdballs
  Vesten wanken; es scheint, als sollt' ein neues Geschlecht sich
  Heben empor aus dem ghrenden Grund, doch frher die alten
  Ganz hinschwinden in Nichts: so entsetzlich schwelgt die Emprung
  Fort an den Strmen vergossenen Bluts. Der tauschenden Gleichheit
  Mordruf schallt: hinschwindelt das Volk, und reit mit des Thrones
  Strzendem Heiligthum' auch sich selber hinunter zum Abgrund,
  Wo in dem nchtlichen Grau'n sein Wuthgesthne verhallet.
  Aber ich sehe den Schiffer im Sturm, der, blickend zum Himmel,
  Unerschtterten Muths, durchfleugt die emprten Gewsser;
  Sehe den Sohn vor mir des Verblichenen, wie er im Nachtgrau'n
  Fortgewogt auf der Fluth, nun sinkt, nun steigt, bis er endlich,
  Lautumjauchzt, einfhrt in den volkerflleten Hafen,
  Und noch hher als erst, nach zwei Jahrzehenden aufragt:
  Denn ihn lenkt in den Tagen der Noth stets sicher der Tugend
  Heiliger Wink, und sein ist die Lieb' und die Treue der Vlker,
  Die er, ein Vater, beherrscht mit mildvorsorgender Weisheit.
  Heit auch mancher Gewaltige Gro߫ in Geschichten der Menschen,
  Ihn wird einst die Nachwelt laut den _Edelsten_ nennen.

    Dunkler ward's ... mir schwand in verworrenen Bildern die Zukunft.
  Doch nun hast du vernommen, was mir, unwrdigem Diener
  Heute der Herr enthllt'. Leb' wohl! Vollbracht ist des Lebens
  Weitumirrender Lauf -- er endete, deiner gewrtig.
  Denk' auch mein im Gebeth. Stets sey der Himmel dir gndig!
  Sagt' es, und wankte hinaus, der Klaus' entgegen. Er warf sich
  Dort auf die Knie', und bethete leis' mit erblassenden Wangen.

    Aber auch Rudolph lag mit tiefgesunkenem Antlitz
  So, da die strzende Thrn' auf die Marmorstufe hinunter
  Ihm aus den Wimpern sank, mit hrbarem Laut in der Stille,
  Vor dem Altar auf den Knie'n. Sein Dank auf den Fittigen tiefer,
  Inniger Andacht flog empor zu dem Vater im Himmel.
  Als er den Blick zu dem Bild' erhob, und das Aug' auf die Augen
  Heftete, die so mild den frommhinwandernden Pilger
  Wecken zur Liebe des Sohn's, da erblat' er betroffen. Ihn dauchte:
  Da sie in himmlischem Glanz' erglhten, und schaudernder Angst voll,
  Wich er zurck vom Altar -- bis jetzt in der Lampe der Lichtdocht
  Hell aufflammt', und sanft, wie zuvor, die Mutter ihn ansah.

    Jetzo rief er Mllern herbei, der drauen im Vorhof
  Harrte; legte die Hand ihm fest auf die Schulter, und sagt' ihm:
  Hole die Waffen schnell: den Degen, den Helm, und den Harnisch;
  Auch die Spor'n, die wir mitfhreten: leg' sie in Demuth
  Auf den Altar; dann fasse den Speer, die Wache zu halten,
  Bis zum Morgen. Ich geh', ein Weniges drauen zu schlummern.
  Also geschah's. Der Knappe ging, und holte, verwundert,
  Alles und Jedes herbei; dann fat' er den Speer, und erging sich
  Dort, gemessenen Schritts, die Wach' an dem Heiligthum haltend.
  Doch als jetzt an des Himmels Rand der erwachende Morgen
  Wie der purpurne Kelch der frischentfalteten Rosen
  Glhete, hie der Kaiser sein Volk der kleinen Capelle
  Nahen, und dort im Kreis' umgeben den heiligen Altar.
  Anbethend stand er selber vor ihm; dann wandt' er sich freundlich
  Gegen den Kreis; rief laut dem Knappen Mller, und winkt' ihm,
  Niederzuknieen vor Gott auf die Marmorstufe. Den Wammsrock
  Nahm er ihm erst von dem Leib', und umgab mit dem glnzenden Harnisch
  Ihm die Brust: er reicht' ihm die Sporn' und den trefflichen Degen
  Dar mit dem Wehrgehang; bedeckte sein Haupt mit dem Festhelm,
  Ri dann schnell das Eisen hervor aus der Scheid', und begann so:
  Weil du, tapfergesinnt, obgleich als Brger geboren,
  Habsburgs Herrn, der jetzt des heiligen, rmischen Reiches
  Kaiser sich rhmt, das Leben gerettet, und stets auf dem Schlachtfeld
  Ritterlich' Ehre gewannst durch heldenmtige Thaten:
  Will ich dich hier, vor Gottes Altare, den Edeln gesellen.
  Aber bedenke denn auch, da dir hinfort auf des Ritters
  Ehrenbahn gezieme, zu schirmen das Recht und die Unschuld;
  Schtzer zu seyn des zarten Geschlechts in Zucht und in Ehren;
  Nie zu meiden den Kampf, in die Schranken durch Edle gefordert;
  Nie zu dulden die Schmach, und zu rchen erlittenes Unrecht,
  Krftig und ohne Verzug, so dir's nicht wehrt das Bewutseyn:
  Hierauf schlag' ich dich Gott, und Maria, der heiligen Jungfrau,
  Auch Sanct Grgen, des Ritters Patron, zu Ehren, zum Ritter.[8]
  Sagt' es, und fhrte den Streich
              kreuzweis mit dem tnenden Schwertstahl
  Ihm die Schulter hinab, erhob den Edeln, und kt' ihn.
  Laut aufschrie die Schar der Versammelten. Jeglicher staunte,
  Forschte zuvor, wohin sich wende das ernste Beginnen?
  Doch, nun schttelt' ihm jeder die Hand, und lchelt' ihm Beifall.

    Schon erglhte das zarte Gewlk im lichteren Osten,
  Das dem erwachenden Tag das Nahen der herrlichen Sonne
  Kndete: sieh', da fhrte sein treues Gefolge der Kaiser
  Schnell zum ersehneten Alpenrand, wo jetzo die Aussicht
  Unermelich gro, vor den Augen der Mnner sich aufthat!
  Aber sie bebten zurck vor freudigem Schreck und Erstaunen:
  Erst zur Tiefe hinab, wo auf duftigen Schwingen die Nebel,
  Zgernden Flugs, bald hier, bald dort nach entfernteren Thlern
  Flatterten, sank ihr Blick. Wie staunt' er: gewaltige Berghh'n
  Nun zu Hgeln versunken, zu schau'n, und auf jeglichem ringsher
  Wiesen, und Ackergrnd', und waldumsumtes Gehftland;
  Unten am hellen Teich das Gotteshaus, und des Klosters
  Riesengebude; das Thal entlang, an der schimmernden Traisen
  Hin, aufwirbelnden Rauch von den Eisenhmmern und Htten -- Dann
  unendlich hinaus vom Gebirg verbreitet die Fluren;
  Doch als jetzt aus dem Nebelmeer ihr breiteres Antlitz,
  Dunkelgerthet, die Sonn' erhob, und ringsum der Erdkreis
  Jubelte: reich mit Perlen geschmckt, und begrt von den Scharen
  Zahlloser Vgel im Wald', in den Thlern, und hoch in den Lften,
  Wo sich empor unsichtbar schwangen die wirbelnden Lerchen:
  Ha, da erglhte die Brust der Mnner vor tiefem Entzcken!
  Mancher faltete, bethend, die Hnd', und blickte hinunter,
  Rings umher, dann himmelwrts, mit Thrnen der Wonne.
  Keiner hatte zuvor erstiegen die Hh'n, und gesehen
  Dorther tausendfaltig bes't mit schimmernden Stdten,
  Drfern, und Klstern das Land, und hochaufragenden Burgen;
  Nur der erhabene Kaiser allein erlabte schon oft sich
  Dort an der seligen Schau, und begann jetzt freudigen Blickes:
  Seht, wo nrdlich hinaus sich die Strae, wie schimmernde Leinwand,
  Dehnt, Sanct-Plten, die Stadt voll trefflicher Brger und d'rben
  Herzogburg mit dem Gotteshaus' im lieblichen Aufeld.
  Seht dort links, erbaut auf dem weitgesehenen Berggrath,
  Gttweih herrschen im Donauthal, das herrliche Kloster;
  Doch, nicht ferne der Burg des Hoheneckers am Wald dort,
  Herrlicher Mlk: bewohnt von Benedicts Shnen die beiden;
  D'rauf die Stadt' auch: Krems, Und, Stein, von Traubengebirgen
  Rings umgrnt, an dem Ufer der hellerglnzenden Donau.
  Doch, o! wer erspht', auch schrferen Blickes, noch jenseits,
  Bis zu dem blulichen Kranz der Karpathen hin, und den Marken
  Mhrens der Menschen Wohnungen all' in unendlicher Landschaft?
  Seh't, g'en Westen, den Traunstein dort: er senket den Felsfu
  Tief in den Gmundner See: die Zierde des Oberen-Oestreichs.
  Nher erglnzet die Tillisburg, die im ruhigen Thalgrund
  Birgt Sanct Florians Stift, das Haus ruhmwrdiger Chorherrn.
  Dann erhebt der mchtige Briel, und drben der Oetscher
  Noch das Haupt zum Gewlk, und rings bis zum stlichen Schneeberg,
  Der nach der Wiener-Neustadt schaut, der _Immer-Getreuen_,[9]
  Sehet ihr Berg' auf Berge gethrmt, erschtternden Anblicks.
  Nur verhllt uns der Kahlenberg mit seiner Karthause
  Wien, die Kaiserstadt, und das weitverbreitete Marchfeld,
  Wo jetzt Ottgar lagert, und dort auf blutigen Kampf sinnt;
  Doch wir biethen ihm lieber die Hand mit dem friedlichen Oehlzweig,
  Als da er fhle den Schlag der eisernen, niedergeschmettert.
  Ha, die Bild entschwind' euch nie, das heute so wonnig
  Uns enthllten die Hh'n des Lilienfelder-Gebirges!

    Eiliger wandt' er jetzt die Schritte zurck, in der Htte
  Noch dem frommen Klausner zu nah'n -- zu vernehmen des Segens
  Laute von ihm, und ach, wie ergriff ihn Angst und Entsetzen,
  Als er geffnet die Thr', und ihn, vor dem Bild des Erlsers
  Auf den Knie'n, im Gebeth, mit gesunkenem Haupt und zum Boden
  Starrendem Aug', ersah -- doch stumm, und erblasset im Tod schon!
  Lange staunt' er, bewegt, den Verblichenen an, und enteilte
  Dann der Htt'. In des Augenblicks entschwindendem Zeitraum
  Schwangen die Reiter sich all' in den Sattel,
              und trabten ihm, schweigend,
  Nach, zum Kloster hinab, wo er, tieferschttert im Geist noch,
  Anbethend, weilt in dem Gotteshaus', und dann in dem Kreuzgang
  Wandelnd, hinauf in das Schlafhaus stieg in der Stunde des Mittags.
  Hundert Schritt' entlang, auf mchtige Sulen gegrndet,
  Wlbete dreifach die Halle sich auf: nur dmmerndes Zwielicht
  Brach durch farbiges Glas der zierlichgestalteten Fenster.
  Ernst ergriff ihn das Bild der Vergnglichkeit, als er mit Ehrfurcht
  Staunte dem Bau. Du sollst, so lispelt' er leise fr sich hin,
  Eiserngefgt, mit Stolz auf die wechselnden Zeiten herabschau'n;
  Aber vielleicht, da nach sechs Jahrhunderten, oder nach sieben
  Du in dem Schutte versinkst, wenn dort die prasselnde Flamme
  Ueber dir braust, und vergeblich des Wanderers Auge dich suchet![10]

    Sieh', da nahte des Klosters Abt mit den Brdern, und sagte:
  Herr, du zrnest uns wohl? Wir sumten den Herrscher zu gren!
  Doch der Kaiser begann: Nicht euere Schuld ist es, wahrlich:
  Denn ich schlich gar leise herein, als km' ich, ein Spher.
  Jetzo gedenkt, Herr Abt, mit sorglicher Liebe zu einen
  Staub dem Staub', aus welchem er kam: die Leiche des Klausners,
  Der in dem Herrn entschlief, in der einsamen Htte der Alphh'n.
  Weh', entgegnete jener bestrzt, so schwand auch der Segen
  Von den Alpen mit ihm: denn seinen erhrten Gebethen
  Dankten sie ihr Gedeih'n, und des Segens Flle die Hirten!
  Aber nicht zeitlichen nur, auch ewigen wut' er zu spenden.
  Liebend brach er das Brot den Groen und Kleinen -- versteht mich
  Wohl, erlauchtester Herr: das Brot des gttlichen Wortes,
  Das die Seel' ernhrt, und strket fr immer und ewig!
  Aber woher er kam; we' Landes und Stamm's er gewesen,
  Hat noch keiner enthllt. Versenkt in dstere Schwermuth,
  Kam er in frhester Jugendzeit auf die Alp', und erbaute
  Dort die Capelle, geweiht dem Dienste der seligsten Jungfrau.
  Weniges sprach er nur, mit den Worten geizend -- mit Werken
  Himmlischen Wohlthuns nicht: ein Heiliger allen verehret.
  Morgen wollen wir ihn mit der Seelenme' und dem Bupsalm
  Wrdig zur Erde bestatten, und ihm erhhen den Denkstein.

    Jetzo erscholl mit freudigem Ruf Drometengeschmetter
  Von dem Wege heran, der Zell' entgegen -- der Jungfrau
  Gnaden-Zelle, fhrt, wohin, wie der Hirsch nach dem Bronnen
  Schmachtet, unzhlige Pilger zieh'n mit sehnendem Herzen
  Nach dem Segens-Born der gttlichen Huld und Erbarmung.
  Hell erglnzte das Aug' und die Wange des Kaisers. Er eilte
  Rasch die Stufen herab: denn Albrecht, sein ltester, kam jetzt
  Her aus den rheinischen Gau'n mit tapferen Scharen gezogen.
  Laut begrt' er den nahenden Sohn, und both ihm die Hand dar,
  Freundlich und mild; doch warm erwiedert' es dieser, und innig,
  Obschon er dstern Gemths nie lchelte. Siehe, zur Heerschau
  Hatt' er die Krieger in Reihen gestellt! Mit stolzem Vertrauen
  Wies er ihm erst fnfhundert aus Zrch, die im Kampfe der Markgraf
  Hochberg lenkt; dann jene von Kyburg, Salm und Luzern her:
  Dreimal so viel' an der Zahl, die Nrnbergs tapferer Burggraf,
  Friedrich, erkiesend, im Felde beherrscht, und wies ihm dann endlich
  Jene, den ersteren gleich an der Zahl, die er selber in Schwabens
  Heiteren Gau'n jngst warb, und jetzo zum Kampf und zum Sieg fhrt:
  Lanzengewaltiges Volk, mit Helmen bewehrt und mit Schilden.
  Aber hinab und herauf vor den Reih'n erging sich der Kaiser
  Dort mit zgerndem Schritt'. Er sah mit freundlichen Blicken
  Jedem Krieger in's Aug'; erzwang ihm ein Lcheln, und fragt' ihn:
  Wie's ihm erging seither? -- bei'm Nahmen die Tapferen rufend.
  Manchem strich er das rauhe Gesicht mit der Rechten; dem andern
  Fat' er die Hand, und verhie ihm des Kampfs Arbeiten die Flle:
  Da er schon alle zuvor im furchtbarn Felde der Waffen
  Sah, und erprobte den Muth und die Kraft des einen und andern.

    Jetzo begann der Sohn dem herrschenden Vater zu knden:
  Wie er das Kriegsvolk warb in der Heimath -- d'rauf an den Marken
  Schwabens vereinte zum Heer'; wie er schnell g'en Ulm an der Donau
  Zog, wo zuerst der Strom den breiteren Rcken zur Fahrt beut;
  Dann' in Schiffen herab, durch Bayerns gesegnete Fluren,
  Also durch Oestreichs obere Gau'n nach Enns, und gelandet,
  Nach Stadt-Steyer geeilt, die am hellerglnzenden Waldstrom
  Vielfach den Wand'rer ergetzt durch eisengestaltender Meister
  Sinnigen Flei, und jetzt unwegsame Schluchten durchirrend,
  Kam nach Zell, wo sich an der Gnadenquelle die Krieger
  Alle reinten von Schuld, und des himmlischen Brotes genossen.
  Doch, so erzhlt' er fort, wie erhob mich,
              nicht ferne dem Ziel mehr,
  Heut' in dem dunkeln Oetscherthal' ein Wunder der Allmacht!
  Vor mir sprang ein flchtiger Gemsbock fort in des Weges
  Krmmungen. Ich, von Jagdlust hei, verfolgte den Khnen
  Seitab, bis er vom Rand der steilabgleitenden Felswand
  Strzte zur Tiefe hinab, und zerschmetterte dort die Gebein' all'.
  Aber der Rckgang schien auch mir versagt, und ich wand mich
  Mhesam nur, die Schluchten entlang, zu lichteren Stellen.
  Pltzlich ergriff mein Ohr ein Donnergetmmel: die Felsen
  Drnten umher; stets furchtbarer scholl aus der Schlucht,
              wie ich nahte,
  Strzender Fluthen Gerausch', und erfllte die Thler mit Schauder.
  Doch nun war errungen der Stand. Von des schwindligen Felsens
  Schmalvorragendem Riff' ersah ich, vor freudigem Schrecken
  Selber zum Stein erstarrt, des Waldstroms Fall in den Abgrund:
  Denn vor mir aufthrmte sich hoch der gespaltene Felsberg
  Oben am Rand nur sanft zur Rechten gebogen, und dorther
  Strzt, ein raschvorstrmendes Ungethm, nieder die Lasing.[11]
  Ha, wie Fluth auf Fluth und Wog' auf Woge sich drnget,
  Rastlos; dann, erbebend dem Sturz', aufheult, und die Stimme
  Aller, vereint, zum furchtbarn, schrecklichen Donnergets' wird!
  Wie sie sich fassen im Flug, mit eh'rnem Geprassel die Klippen
  Schlagen, und schumen vor Wuth; wie sie von dem Felsen herunter
  Fort und fort, den jhabrollenden Schnee-Lawinen
  Gleich, im kreisenden Schwung sich wlzen, und strzen, und ewig
  Rauschen, und brausen, da rings die waldigen Hhen erzittern.
  Ueber die Berg' empor, in die hehren Gefilde der Wolken
  Fleugt der glnzende Staub zerschellter Gewsser, und dreht sich,
  Wirbelnd, im eisigen Hauch des stromgeborenen Windes.
  Doch als dort in die Felsenschlucht, am glnzenden Mittag,
  Freundlich die Sonne schaut, da haucht sie in vielfacher Wlbung
  Hin auf das wirbelnde Na den siebenfarbigen Bogen,
  Der die strmende Brust mild snftiget: so wie er Noah
  Einst erquickte das Herz, ein Zeichen der hohen Verheiung.
  Wahrlich, entzckend schn, und erhebend dem fhlenden Menschen,
  Pranget der Lasingfall in Oestreichs hehrem Gebirgsthal!
  Aber er horchte den Worten des Sohn's mit Lust, und geboth dann,
  Laut, dem Volke zu Fu und den Reitern den eiligen Aufbruch.

    Staunend ersah'n die Krieger zuvor, an der Seite des Kaisers
  Mllern im Ritterschmuck -- den ebenbrtigen Brger
  Zrcher Stadt; sie sah'n es, und lispelten, wiegend das Haupt noch,
  Einer dem andern die Frag' in's Ohr: was solches bedeute?
  Jener gewahrt' es, und, sich im kreisenden Schwung in den Sattel
  Hebend, lenkte den Rappen herbei; dann heischt' er von Diesem,
  Jenem die Rechte zum Gru, und prete sie, hei in der seinen.
  Aber da kam, erglhenden Blicks, der Kaiser, und sagte:
  Staunt nicht frder, da ihr im Ritterschmucke den Brger
  Euerer Stadt erblickt. Allmnniglich ist es bekannt ja,
  Wie er in groer Gefahr mit tapferem Muth mir das Leben
  Rettete: d'rum auch werth und wrdig des Standes der Edeln;
  Aber nicht Mllern nur, auch jeglichem steh' ich als Schuldner,
  Der so, wie er dem Kaiser und Reich sich verdingte: Rudolphus,
  Kaiser des Reichs, wird ihm die Schuld mit Wucher bezahlen.
  Sagt' es, und schwang sich auf's wiehernde Ro. Zum freudigen Aufbruch
  Scholl die Dromet', und schnell g'en Wien bewegte der Zug sich.

    Sieh', in des Abends Grau'n, gewiegt von gaukelnden Lftchen,
  Rauschte das Laub in dem Weidenhain, der nahe den Mauern
  Drsings, am Hgel empor sich hob, und im schlngelnden Waldbach,
  Lngs dem duftenden Thal sich spiegelte! Vllig verhallt war
  Nun des Kampfes Gets' -- erstrmt die Veste. Die Gegner
  Wichen, bezwungen, zurck, und Ottgars furchtbare Gattinn
  Sah schon stolz auf das Land, das bald (so whnte sie thricht)
  Oestreichs Aar' entrissen, dem Leu'n von Bhmen zu Theil wird.
  Doch wer ist die holde Gestalt, die, zgernden Schrittes,
  Drben, den Bach entlang, hinwandelt in sinniger Schwermuth?
  Hedwig, ihr' Erzeugte, die Wonne des herrschenden Vaters,
  Und der Liebling des Volks, geliebt, und bewundert von allen.
  Aber warum erbebt ihr hochgesinnetes Herz nun
  Unter der sanftvorwlbenden Brust? Entlockte der Thrnen
  Hellerglnzendes Paar, das ber die rosige Wang' ihr
  Trufelte, tiefverborgener Gram, und die Einsame geht nun
  Solches dem sphenden Blick der furchtbarn Mutter zu bergen?
  Ach, nicht der Mutter allein -- auch allen den Sterblichen ringsum,
  Ja, sich selbst, und sogar dem Allerforscher im Himmel,
  Brge sie gerne den Gram, dem heute die Thrnen geflossen!
  Doch nun hemmt sie den Schritt. An den Stamm des schattenden Baumes
  Sttzend den Arm, und pressend die Wang' in die Hhle der Linken,
  Hebt sie das Aug', voll Himmelsblu', empor zu den Sternen.
  Seitwrts sank von der hellen Stirn' ihr des brunlichen Haupthaars
  Ringelnde Meng', und hing von den Schultern zugleich, und des Nackens
  Schner Sul' an dem schneeigen Faltengewande hinunter,
  Das dicht unter der schwebenden Brust der goldene Grtel
  Lieblich umfing. Nicht kam von den funkelnden Sternen ein Lichtstrahl
  Ihr in die grau'numnachtete Brust. Sie starrte, verstummend,
  Lange vergeblich empor; doch jetzt mit lispelndem Laut nur,
  Und umschauend mit Angst, begann das jammernde Frulein:
  Ha, vernichtendes Bild -- entsetzlich, und furchtbar, und dennoch
  Himmlisch zugleich aufschwebst du vor mir, umgaukelst mich rastlos,
  Und bethrst mir den Geist mit tiefverwirrendem Schwindel!
  Wallstein -- Gott! Wen nannt' ich? Sein Nahm' entri sich den Lippen
  Mir, der Unglcklichen jetzt, und ach, der holdeste Laut wr's;
  Ser als Harfengetn' in des Mondlichts freundlichem Schimmer,
  Klang' er mir in dem Ohr', drft' ich ihn nennen -- ich darf nicht!
  Glckliche Menschen ihr, die ihr dort in der niedrigen Htte
  Wohnt, wo des Throns augblendender Glanz nicht das Herz von dem Herzen
  Trennt, dem ihr's auf immer geweiht: wie zg ich so freudig
  Hin den dunkeln Pfad, der euch beglckend zum Ziel fhrt!
  Weh', wie sprach ich? Wohin entschwand mir jede Besinnung!
  Grnende Matten, du murmelnder Bach, und ihr Sterne da oben
  Sagt es nicht, was ihr gehrt. Du Mutter des Heiligsten, Besten,
  Huldvolle Maid, nah' mir, der armen Verirrten, zur Rettung!
  Billig hat' ich ihn. Ha, wie verwegen er jngst zu den Knie'n mir
  Sank -- ich bebte vor Angst, in des Gartens umschattendem Laubgang;
  Wie er mir fate die Hand, an die glhenden Lippen sie pressend,
  Bleich aufstarrte zu mir! Nicht soll er frder mir nahen.
  Doch wer eilt im Dunkel daher? Ich strbe vor ihm jetzt.

    Sagt' es, und wollt' entflieh'n: da trat ein edeler Ritter,
  Schimmernd im tnenden Waffenschmuck', in der Stille des Abends
  Ihr in den Weg, und sprach: Gnnt mir, holdseliges Frulein,
  Freundlich Gehr! Von Eginhards Geschlechte geboren,
  Folg' ich, ein Rittersmann, der Fahne des Knigs von Bhmen,
  Eures Erzeugers, und doch, erschrecket nicht, steh' ich, ein Anwald
  Seines Gegners, vor euch. Ich komme, gesendet von Hartmann,
  Rudolphs Sohn', der euch schon lange zum Gatten erwhlt ist:
  Denn in dem rosigdmmernden Licht unschuldiger Kindheit
  Wollten zu eh'lichem Bund' euch die liebenden Aeltern vereinen,
  Ehe des schrecklichen Jammers Grund, die Krone der Kaiser,
  Feindlich die Frsten schied, und her auf das eiserne Schlachtfeld
  Zog. Doch hrt: mich hob er zuvor mit dem Speer' aus dem Sattel,
  Als ich die flchtende Schar aus den khneroberten Mauern
  Drosendorfs verfolgt', und ihn selber bestand auf dem Heerweg.
  Aber er schenkte das Leben mir, und die Freiheit -- auf Ritters
  Redliches Wort d'rob heischend die Pflicht:
              da ich brchte die Bothschaft
  Her, und zurck, wie es euch Bescheid zu geben, genehm ist.
  Ach, er hat euch jngst, so sprach er mit leuchtenden Augen,
  Wiedergeseh'n nach Jahren voll Grams, und nimmer entschwindet
  Mehr ihm das Bild der holderblheten Jugendgefhrtinn!
  Nicht entfloh ihm die Hoffnung noch des ersehneten Friedens.
  Mild schlgt Rudolphs Herz: er biethet dem tapferen Ottgar
  Freundlich die Hand. Vielleicht, da bald die gesonderten Krieger,
  Die jetzt noch, blutdrstenden Blicks, nach den Lagern hinber
  Schau'n, und, geballt, erheben die Faust: voll druenden Ingrimms
  Gegen einander zu wthen bereit, vernehmend des Friedens
  Frhlichdrometenden Ruf, in die Scheid' ihr blitzendes Eisen
  Bergen, und mitten im Feld mit lautem Gejauchz' sich die Rechten
  Schtteln, und ganz vergessen des Grimms in froher Umarmung.
  D'rauf zerstreuen sich all'. Auf den stubenden Straen erschallet
  Sang und Klang. Bekrnzt mit grnenden Reisern, enteilen
  Sie zur heimischen Flur, um dort in den Blicken der Lieben
  Jetzo des Wiedersehn's erschtternde Wonne zu lesen.
  Dann aufdmmert auch ihm, dem euch die liebenden Aeltern
  Einst verlobten, der Tag ersehnter, unendlicher Wonne.
  Doch so ihn trge der Hoffnungs-Strahl, und die waltenden Herrscher
  Sich bekmpften mit eisernem Trotz' -- o, hrt ihn! Er frgt euch:
  Wollt ihr auch dann noch treu dem geschlossenen Bund euch erweisen?
  Fromm, und gut ist des Kaisers Erzeugter gesinnt: auf dem Schlachtfeld
  Hob sich sein Ruhm, und Deutschlands throngeborene Jungfrau'n
  Schau'n mit sehnlichem Blick nach dem herrlichgestalteten Mann hin.
  Nur kargt er mit den Worten: es wohnt stets dstere Schwermuth
  Ihm auf der Stirn' -- und im Herzen nach euch unendliche Sehnsucht.
  Also sprach er, und harrte, bewegt, der entscheidenden Antwort.

    Hedwig sann fr sich hin; nach dauerndem Schweigen begann sie:
  Wohl ist Rudolphs trefflicher Sohn, der tapfere Hartmann,
  Mir bekannt -- ich ehre den edelgesinnten Jngling;
  Aber getrennt hat uns des Schicksals eherner Rathschlu,
  Wandelnd in Ha, und nievershnliche Feindschaft der Aeltern
  Herzen um uns: ich steh', entledigt der frhen Verlobung.
  Ach, und sollt' in dem Kampf auch mein Erzeuger dem seinen
  Unterliegen, und ich, die Tochter des mchtigen Ottgar,
  Dem Europa's Vlker umher sich beugen, voll Ehrfurcht,
  Strzen hinab in den Staub der schmachbelasteten Armuth:
  Dennoch wrd' ich nicht Rudolphs Sohn zum Gatten mir kiesen!
  Und, da nur ein einziges Wort entscheidet fr immer,
  Knd' ihm: ich htte gewhlt -- fr den Einen gelobt' ich zu leben.
  Also floh ihr das Wort von den zitternden Lippen. Sie wandte
  Heim nach der Stadt die furchtbeflgelten Schritt', und der Ritter
  Eilte davon, beschwert mit der trauererregenden Bothschaft.




  Dritter Gesang.


  Ha, schon lockte der Kampf des Geisterreiches Bewohner
  Aus dem bersinnlichen Raum', und den Tiefen des Erdballs,
  Mchtigen Zaubers herbei! Auch _Marbod_,[1] der edele Markmann,
  Kam. Nicht im bersinnlichen Raum ergetzte das Licht ihn
  Seither: denn er sa, versunken in dstere Schwermuth,
  Dort in des Erdballs Schoo wohl zwlf Jahrhunderte lang schon,
  Seit er getrennt sich sah von der liebenden Gattinn, Erwine,
  Die, in dem Todeskampf', ihm die Hnde mit weinenden Blicken
  Reichte zum letzten Mal', und dann, viel reineren Herzens
  Denn ihr Gemahl, empor zu glnzenden Rumen sich aufschwang.

    Marbod herrschte, von Kraft und glhendem Muthe beseelet,
  Ueber ein tapferes Volk: Markmannen genannt in den Reihen
  Mchtiger Stmme des deutschen Vereins. Von Schwabens Gefilden
  Her, die norischen Alpen entlang, Pannonien nahend,
  Wo in der Ostmark sich am Ufer der mchtigen Donau
  Vindobona erhebt, bis hin zu den Hhen der Henburg[2]
  Schirmten gegen den Feind, im Rcken der Berge, die Marken,
  Sie des gemeinsamen Vaterlands, als mannhafte Streiter.
  Aber dem schrecklichsten dort, der allzermalmenden Roma,
  Ferne zu stehen, und ihm einst khn zu begegnen im Schlachtfeld,
  Zog er nach Bojenheim; verjagte den Gothen-Beherrscher
  Katwald; grndete sich ein Reich und die Stadt an der Moldau,
  Marobud,[3] und ward gefrchtet umher in den Lndern.
  Inguiomar, der Ohm des tapfern, cheruskischen Hermann,
  Floh, von diesem gehat, zu Marbod. Sie kmpften im Marchfeld
  Lange die blutige Schlacht, und es rhmten sich beide des Sieges.
  Aber an Hermanns Macht, des glcklichen, schlossen die Scharen
  Marbods sich an. Da entri, mit den Rmern verbndet, ihm Katwald,
  Strmend, die Burg Mar'bud, und entthront' ihn. Ach, er vertraute
  Roma's tuschender Huld, und starb in den Mauern Ravenna's
  Arm -- ein Zeuge des wechselnden Glcks auf irdischer Laufbahn!
  Doch nun kam er herauf, und wandte sich rasch nach den Fluren
  Oestreichs, das er mit Bojenheim sein nannt' in der Vorzeit.
  Bald gewahrte sein Aug' auf des Lilienfelder Gebirgs Hh'n
  Drben die Ritterschar blondhaariger Deutschen. Er schwebte
  Jetzt in sausender Eile dahin, und so, wie der Geier
  Schnell von dem Felsenhorst nach dem dunkeln Thale herabfhrt,
  Weil er im Laub hellschwirrende Vgel ersphte: so blitzschnell
  Fuhr er herab. Er staunte: wie hier die ermdeten Krieger
  Schlummerten; dort, zu dem Bild des Gekreuzigten, einer der Helden
  Flehend rang, und ein Greis ihm naht' in erschtternder Hoheit;
  Hrte: wie jenem der Greis der tiefverborgenen Zukunft
  Dunkel enthllt', und Habsburgs Ruhm mit unzhliger Vlker
  Glck in seinem Geschlecht verkndete: schauend im Geist dort
  Oestreichs Gr', und in Wonn' erbebend den hehren Gesichten.
  Aber vor allem ergriff des stattlichragenden Herrschers
  Nh' ihn, der, entsprossen aus seinem Stamm', in des Aargau's
  Thlern die Burge der Ahnen bewohnt', und von allen gepriesen
  Als der Schirmer des Rechts, zum erhabenen Kaiser der Deutschen
  Jauchzenden Rufes erwhlet ward. Doch biethet ihm jetzo,
  Also sagte zuvor der Greis auf den luftigen Alphh'n,
  Ottgar furchtbarn Kampf, und er soll in dem Waffengefild nur
  Dann erringen den Sieg, wenn ihm -- welch' dunkele Reden! -- In
  umdrngender Noth vom Munde des Herzens Gelbd' tnt?
  Dacht' es, und eilte, die Heeresmacht des gewaltigen Knigs
  Drben am Ufer der March, durchdringenden Blick's, zu erforschen;
  Rudolph helfend zur Seite zu steh'n; in dem Seelenverein ihm
  Stets zu erregen das Herz zu ruhmverherrlichten Thaten,
  Und zu enthllen die List auflauernder Feind' in dem Feldzug.

    Dort, wo im schimmernden Zelt', umfangen von nchtlichen Schatten,
  Ottgar eben, vereint mit den tapferen Helden, zu Rath sa,
  Hielt er, schwebend, und sank, wie der Aar, der hoch aus dem Luftraum
  Auf die kreischenden Jungen sich senkt, vor dem Zelte herunter;
  Doch wie erwachte sein Zorn, als jetzt Drahomira die Recht' ihm
  Lchelnd both, im Wahn: er nah' als Verbndeter Freund ihr.
  Grimmig sah er sie an; sie lchelte wieder, und sagte:
  Ha, nicht hast du die Knie' vor des Menschen-Sohne gebeugt einst,
  Du, in dem Lande der Frei'n Geborener: hast in des Eichwalds
  Schauriger Nacht, noch triefend von Blut, geopfert den Gttern--
  Zwar erschuf sie der Wahn, doch hatten wir Schuld an dem Irrwahn
  Dort? Jetzt nhr' ich ihn khn -- will nie dem stolzen Gewaltspruch
  Huldigen. Komm, und stehe mit mir im Bund des Verderbens.
  Stark ist mein unbndig Gemth: dir will ich auf immer
  Thatengenossinn seyn auf der Bahn, die Emprung genannt wird
  Von dem Beherrscher des All's. Wir wandeln sie muthig und khn fort,
  Wie er es will, uns fern von des Lichtreichs Grnze verbannend.
  Uns vereine das gleiche Geschick und die gleiche Gesinnung:
  Ottgar falle besiegt; Kunegund' sey Herrscherinn! Mir gleich
  Trgt sie im Busen ein Herz, voll Kraft, und unbndiger Khnheit.
  Aber sie lockt' ihn umsonst: aus der Blue der trotzigen Augen,
  Die, vom rthlichen Haar umwallt, einst, Gegnern zum Schrecken,
  Glheten, sah er, verachtenden Blicks, auf die Zauberinn nieder;
  Wandt' ihr den Rcken, und fuhr in den Raum des Zeltes herunter:
  Denn ihm schwebt' Erwinens Bild vor den Augen, und Thrnen
  Trbten sie schnell, da er jetzo, bewegt, der Sanften gedachte.
  Doch als sie in dem Kreis' der Versammelten hier Kunegundens
  Herz mit verblendendem Zorn und Ha zu erfllen bedacht war;
  Ottgar selbst, von dem Weib' emprt, dem Herrscher der Deutschen
  Grause Vernichtung sann; Verrath in den Mauern der Hauptstadt
  Gegen ihn druend sich hob, und, Rache, die Losung des Heers war:
  Ha, da flog der entrstete Geist in Eile von dannen!
  Eben erglhte das Morgenroth, erneut, wie der Hoffnung
  Herzerheiternder Strahl, an dem stlichen Himmel. Er fhlte
  Ruh' in der strmischen Brust, und schwebte hinan zu den Zinnen
  Wiens, wo er bald mit ringsumsphendem Blick im Gebein-Haus,
  Unter der wlbenden Gruft der Kirche Maria-Stiegen,
  Rdiger Waldram fand, der dort mit den Brgern zu Rath sa:
  Rudolphs Feinden die Veste noch heut zu verrathen, entschlossen.
  Seht, so sprach er, uns frommt's des ruhmverherrlichten Ottgars
  Herrscherthron zu erhhen in Oestreichs blhender Hauptstadt.
  Wir sind Brger der Stadt, und erfuhren es all' in der Wahrheit,
  Da uns Rudolphs Macht, des stolzaufstrebenden Fremdlings,
  Schon in dem frheren Vlkerkampf nicht zu schirmen vermochte.
  Seine Heimath ist fern -- ein Aargau'r bleibt er noch immer.
  Flieht den Leu'n im gldenen Feld: _roth_ glht er vor Ingrimm;[4]
  Aber euch sey in dem Purpurfeld der _weie_[5] willkommen,
  Selbst vor dem Doppelaar, den Kaiser Friedrich, der And're,[6]
  Hier zum Wapen uns gab. Nun hrt', ihr Getreuen! Erschallen
  Wird vor dem Stubenthor im mitternchtlichen Grauen
  Dreimal ein Glckchen. Es ruft uns zur That: denn khne Gesellen,
  Von dem Knig der Bhmen gesandt, durcheilen den Wehr-Gang
  Auer der Veste, wo ich in Menge die tdlichen Waffen
  Heute gehuft. Wir ffnen das Thor, und, wit es: verrathen,
  Oder errungen im Blut -- uns gleich! wir biethen die Stadt ihm
  Morgen zum Unterpfand des jngstbeschworenen Bundes.
  Eilt nun heim, und gedenket des Muths,
              und des herrlichsten Lohn's nur!
  Schweigend reichten ihm jene die Hand, und eilten von dannen.

    Aber mit Schrecken vernahm den schnden Verrath an dem Kaiser
  Marbod im schwebenden Flug', und sann, wie er solchen vereitle.
  Jetzt entschlo er sich rasch, zu nah'n im warnenden Traumbild
  Hugo von Tauffers, dem Greis' unbndigen Muthes im Schlachtfeld,
  Dessen gewaltiger Feldherrnkraft die Veste vertraut war.
  Wie sich ein Nebelgewlk hersenkt auf die dmmernden Berghh'n:
  Also nahet' er ihm, und wies in der Tiefe des Grabens,
  Auer dem Stubenthor', ein Heer von Wlfen: sie folgten
  Eilig dem Weidmann nach, der wildanlockenden Kder
  Trug in der Hand, und Waldram glich, voll triegender Arglist.
  D'rauf durchstrmten sie das erffnete Thor, und erwrgten
  Ringsum Kinder und Greis', und lautaufheulende Mtter
  So, da das Blut durchwogte die Stadt, wie ein brausender Giebach,
  Der im regnigen Herbst mit schumenden Fluthen daherfleugt.
  Sthnend entwand sich der Held dem Traum', und sagte, verwundert:
  Wahrlich, mir fhrte die Nacht noch nie so klar und lebendig
  Gaukelgebilde des Schlafs an der Seele vorber. Mich dnket,
  So ich es recht erwg' im Gemth: ein warnender Traum seys!
  Und er erhob sich behend', um die Veste besorgt in dem Herzen.

    Jetzt erscholl ringsher von den hochaufragenden Wllen,
  Mchtiger stets Drometengetn', und unzhlige Glocken
  Weckten mit ehernem Schall des Volks unendlichen Jubel:
  Denn von des Berges Hh'n, wo die Spinnerinn sa an dem Kreuzbild,
  Kam Kriegsvolk, und vor ihm der erhabene Kaiser. Die Sonne,
  Die sich im rosigen Osten erhob, sog blitzende Strahlen
  Aus dem sthlernen Kleid der Gewaffneten, herrlich zu schauen!
  Rhrend zugleich, und herrlicher noch: wie, inmitten des Volkes,
  Das entgegen ihm zog, im Geleit zwo lieblicher Tchter,
  Agnes und Adelheid, und Hartmann, ihres Erzeugten,
  Man die Kaiserinn trug in der Snfte. Die Mutter der Armen
  Hie sie dem Volk', und hie die trefflichste Mutter und Gattinn:
  Mild sich bewhrend an allen zugleich, ein Engel an Sanftmuth;
  Doch sie naht', abzehrend, des Lebens Ziel', und auf einmal
  Welket sie hin wie die Blume, versengt vom giftigen Mehlthau.

    Drauen in Matzleinsdorf, wo fromme Verehrer ein Standbild
  Weihten dem Sankt Florian, dort hob Jahrhunderte lang schon
  Eine Linde sich auf, die mchtigen Zweige verbreitend
  Rings, und biethend in Sommers Zeit umschattende Khlung
  So dem Pilger zugleich, wie dem schwerarbeitenden Lhner.
  Dort geboth er die Rast, und grte die nahende Volksschar
  Freundlichen Blicks. Doch jetzt, die treffliche Gattinn gewahrend,
  Trat er zu ihr, und fhrte sie sanft zum beschatteten Sitz hin.
  Wie ihm die liebende Brust auch blutete, sie an des Lebens
  Kraft so erschpft, und ach, dem Tode verfallen zu schauen;
  Dennoch bezwang er den Schmerz, und sah ihr noch heiter in's Antlitz!
  Aber das liebliche Paar der Tchterchen legt' ihr das Kissen,
  Unter den Fen zurecht, und wand das Tuch ihr mit Sorgfalt,
  Um die erschtterte Brust: der druenden Khle gedenkend.
  Doch sie sprach zu dem trauten Gemahl, verweisend mit Sanftmuth:
  Gar nicht erwgest du, ach, wie des Vaters die Kinder bedrfen--
  Meiner, der Mutter, nicht mehr: denn schon gewahr' ich sie mndig
  Alle vor mir, und bewahrt, mit Gott, in jeglichem Guten!
  Rastlos sucht dein Geist nur Mh' und Arbeit: die Tag all'
  Schwinden dir hin, und die Nchte, gesammt, in ewigem Streben
  Nach dem erkorenen Ziel', und die Ruh' erquicket dich nimmer.
  Auch bestehst du zu oft und zu khn die Gefahren, als Herrscher;
  Zogst auch jetzo hinauf g'en Lilienfeld in dem Waldthal
  Nur mit schwachem Geleit, und leicht wohl htte die Heimkehr
  Dir der Bhme verwehrt, so ein arger Verrther es kund that.
  Weh', und neu entflammt sich der Krieg! Von neuem beginnst du
  Wieder den blutigen Lauf, und, ob auch die liebende Gattinn,
  Ob die Mutter vergehe vor Angst, und die Kinder, verwaiset,
  Schreien nach dir -- umsonst: du kennst, Tollkhner, die Furcht nicht!
  Ach, erhob dich die Huld der ewigwaltenden Vorsicht
  Nicht auf den Thron, da du beglckest unzhlige Vlker;
  Fhrest den Frieden zurck' in die sturmerschtterten Gauen
  Deutschlands, unseres Vaterlands, und erhebest die Ostmark,
  Deinem Geschlechte zum Ruhm -- zum Sitz' unendlichen Segens?
  Jener entgegnet' ihr sanft: Nicht also gedacht, und gesprochen
  Hast du, Theure, zuvor in den blhendentfalteten Jahren,
  Als in den Kampf dein Held auszog. Du reichtest die Waffen
  Selber ihm dort, vom Staub sie reinigend, oder vom Blutrost
  Oft mit dem Hauche des Mund's und den zartgestalteten Fingern,
  Und umgrtetest ihn mit dem Schwert, nach ad'liger Sitte.
  Zwar dir pochte die Brust, und die rosigerglhenden Lippen
  Zitterten ob den Gefahren des Kampfs; doch immer bezwangst du,
  Schweigend, die Angst, und theiltest die Freude des kehrenden Siegers:
  Denn nicht eitelen Ruhm, nicht schnden Besitz zu erjagen,
  Lag ich drauen im Feld; nie schaffte mein Eisen das Eigen
  Armer und Waisen mir heim: nur diese zu schirmen -- zu rchen
  Unterdrckung und Schmach der Unschuldigen, zog ich mit Macht aus,
  Wie es die Ritterehre geboth. Auch jetzo, gezwungen
  Nur, entrei' ich das Schwert der rostenden Scheide. Des Friedens
  Bothen, erhaben an Rang und Verdienst, entsandt' ich in's Lager
  Ottgars erst: wohl mir, so er beiden ein gnstiges Ohr leiht!
  Doch so er taub verschmht den ein- und den anderen: dann sey
  Gott befohlen mein Haupt. Ich mu ja leben, und sterben,
  Wie es der Vlker Wohl und des Herrschers heilige Pflicht heischt.
  Mg' er Trster dir seyn, und das Leben noch lange dir fristen
  Mir zur Freud', und den Kindern zum Glck', auf immer und ewig!
  Jetzo erhob er sich rasch von der steinernen Bank mit der Gattinn;
  Winkt', und reicht' ihr, zum Scheiden, die Hand.
              Durch quellende Zhren
  Sah'n sie lang' einander in's Aug': die Zitternde sank ihm
  Dann, voll Hast, an die Brust, und kte das pochende Herz ihm.
  Angst ergriff das Volk, und ihr' Erzeugten verhllten,
  Weinend, das Aug': sie kehrete heim nach der einsamen Hofburg.
  Ach, nicht sieht er sie mehr, die holde Geliebte der Jugend,
  Nicht die erlesenste Gattinn mehr, nicht die beste der Mtter:
  Denn ihr Lebenslicht soll nun, wie die Lampe verlschen,
  Die, des Oehles beraubt, nur matt aufflimmert noch einmal!

    D'rauf an der Wien, die trg in den buschigen Ufern sich fortwlzt,
  Fhrt' er die Heerschar schnell den Mauern der Veste vorber:
  Denn nicht wollt' er die Burg in den Tagen des Kampfes beschreiten,
  Whlend das Zelt zur Wohnung im Kreise der tapferen Krieger.
  Auer dem Stubenthor naht' ihm mit eilenden Schritten
  Hugo von Tauffers, er, des treuen, tyrolischen Berglands
  Heldensohn, der, jngst erkoren zum Schirmer der Festung
  Tausend trefflichen Schtzen geboth, die er warb in der Heimath.
  Herr, so sprach er ihm leis' in das Ohr, nicht wollest du Hugo's,
  Deines Getreu'n, der lange, frwahr, den Schuhen des Jnglings
  Schon entwuchs, jetzt hhnen, als aberwitzigen Trumers!
  Wohl ist des Menschen Geschick, zu spielen als Kind an dem Morgen;
  D'rauf an dem Mittag ernst zu wandeln als Mann, -- wie ein Kind fast
  Sich zu geberden als Greis, an dem Abend des wechselnden Lebens;
  Doch, getrost: noch sitzet das Haupt mir fest auf den Schultern;
  Schaue noch scharf in die Fern', und mir entgehet der Laut nicht,
  Der zu Thaten mich ruft im rhmlichen Felde der Waffen!
  So verknd' ich dir jetzt, wie heute am dmmernden Morgen
  Mir ein Wundertraum das Geheimni enthllte, da Gegner
  Drinnen im Schooe der Stadt gehgt, gleich giftigen Nattern,
  Sinnen auf Mord und Verrath. Ich sah an dem heimlichen Wehr-Gang,
  Der, verborgen im dichten Gestruch, vom Ufer der Donau,
  Vielverschlungenen Zugs, zu dem inneren Graben herauffhrt,
  Listigerffnet die Thr', und gehuft unzhlig die Waffen:
  Sie zu vertrau'n der wrgenden Faust verruchter Gesellen.
  Auch entnahm ich zuvor aus dunkelen Zeilen, da Waldram,
  Gestern um Mitternacht Rath hielt im grausen Gebeinhaus
  Unter der wlbenden Gruft der Kirche Maria-Stiegen.
  Solches erwg', o Herr, und begegne dem schnden Verrath jetzt!
  Horch, so gab ihm der Kaiser zurck, der Huth in der Festung
  Eine sich hier die Schar zweitausend gewaltiger Schweizer
  Heute noch, die, so hei' es, erschlaffte die dauernde Heersfahrt!
  Hartmanns Muthe vertraut sey dann die Vest' und die Hofburg;
  Doch du schwinge dich hurtig auf's Ro, und reite g'en Theben,
  Wo schon Ladislav, mit der Krone des heiligen Knigs
  Jngst geschmckt, als Freund und verbndeter Kriegesgenosse,
  Unser mit Sehnsucht harrt im Kreise der tapfer'n Magyaren.
  Ihm entbiethe denn unsern Gru: er solle bereit steh'n,
  Bis von dem Kahlenberg', in dem mitternchtlichen Grauen
  Hoch die Lohe sich hebt: des Kampfs bedeutender Wink; dann
  Eil' er herber die March mit den schrecklichen Reitern, und berge
  Sie in dem trocknen Gerhr', an dem Weidenbache vor Marchek.
  Auch ich werde nicht fern mehr seyn, und ihm einen die Scharen
  Dort zu gemeinsamer That in des blutigen Kampfes Entscheidung.
  Hugo vernahm das Wort -- nicht zweimal braucht' er's zu hren:
  Denn er hob sich, behend', im kreisenden Schwung in den Sattel,
  Jagte davon -- ihm nach der rstige Knapp', und in Sulen
  Hob sich der Staub empor in die Luft vom schimmernden Heerweg.

    Doch nun theilten die Schtzen Tyrols mit den tapferen Schweizern
  Wiens ruhmwrdige Huth, wie solches der Kaiser gebothen,
  Der das Schwert von der Hfte sich nahm, und dem tapferen Hartmann,
  Seinem Erzeugten, es gab mit sanftermahnenden Worten:
  Deinem Muthe vertraut sey jetzo die Burg und die Festung
  Wiens, der herrlichen Stadt. Ein rettender Schild der Bedrngten
  Mgest du seyn, und den Ruhm von deinem Geschlechte bewahren,
  Das von der Habsburg kam, und Oestreich, liebend, zur Heimath
  Sich erkor: ihr Glck auf immer zu grnden, entschlossen!
  Sagt' es, und Hartmann trat mit schweigendem Ernst in die Vest' ein,
  Dort zu gebiethen der Schar wallschirmender, muthiger Vlker.
  Trauer umwlkte sein stilles Gemth. Von den Sterblichen einer,
  Die, durch Prfung bewhrt, des Herrn verborgener Rathschlu
  Wandeln heit auf der Dornenbahn in die ewige Heimath,
  Wuchs er in Schwermuth auf. Den Gegnern gefrchtet im Schlachtfeld,
  Und von Jeglichem ob des Wissens Reichthum bewundert,
  War er der Aeltern Stolz, und die Freude der edelsten Menschen;
  Doch milang ihm oft sein Mh'n und Streben, und ach, erst
  Kndet' ihm Eginhard des stolzgesinneten Fruleins
  Liebeverschmhendes Wort. Er hielt sich die Brust mit der Rechten,
  Wo das Herz emprter ihm schlug, und sah zu dem Himmel
  Dsteren Blicks, empor; doch bald bezwang er sich wieder:
  Mit Ergebung vor Gott, und den Menschen zu wandeln, entschlossen.
  Jetzt, so hoch ihn der Ruf des Heldenvaters auch ehrte,
  Inner den ragenden Mauern Wiens dem Feinde zu trotzen,
  Und zu entreien den Sieg, nicht weckt' er ihm Freud' in dem Herzen:
  Denn ihn hie auf den Kahlenberg zur stillen Karthause
  Pilgern ein frommes Gelbd', und, wie es nun lsen?
              -- nicht wut' er's.

    Aber es zog auf der Brcke dort, die, einigend Leupold's
  Auen- und Inselstadt[7] mit dem Land' und der Vest',
              in dem Grund fut,
  Eilig der stattliche Kaiser einher vor den muthigen Scharen.
  Schmal, und getrennt von dem Riesenarm der herrschenden Donau,
  Wogt in der Tiefe der Strom, und umfat ein mchtiges Eiland,
  Das im Schooe die Auenstadt und umschattende Auen
  Lieblich vereint, zur Lust des wandelnden Stdtebewohners.
  D'rauf im Eilschritt ritt er hinaus auf den schwankenden Bohlen,
  Wo auf dem Riesenstrom sich die Fhren an Fhren, im Halbkreis
  Reihten, dem wachsenden Mond' an dem Sternenhimmel nicht ungleich,
  Wenn er auf dunkeles Nebelgewlk im Westen hinabsinkt.
  Angelangt an der Spitze, vom Tabor hinaus, wo im Aufeld
  Links an der Stra', und rechts sein Heer das Lager bezogen,
  Sah er zum Ehrenempfang die Scharen geordnet, und winkte
  Beifall den Amtnern[8] zugleich, und den muthbegeisterten Kriegern:
  Denn schon hob sich ihr Freuden-Geschrei die Reihen hinunter,
  Endlosdauernd im Ruf: Hoch lebe der Kaiser Rudolphus!

    Allen voran stand dort der Hauf' streichischer Krieger,
  Ober'n und unteren Lands; die letzteren fhrte Capellen,
  Jene Dietrichstein in das Feld: zehntausend der Mnner,
  Die mit dem Panzerhemd, mit dem Helm', und dem Schilde bewehret,
  Kmpfend zu Fu, aufschwangen im Feld die tdlichen Lanzen.
  Aber das muthige Volk der Steyrer, der Krainer, und Krnthner
  Stand an jene gereiht, und, wahrt' auch der Helm nicht das Haupt ihm,
  Nicht der eiserne Harnisch die Brust; doch wrd' es, den Degen
  Schwingend, durchbrechen im Sturm,
              und erringen den blutigen Kampfpreis.
  Pfannberg, Meinhard, und Ortenburg die untad'ligen Feldherrn,
  Riefen die Vlker in's Feld: dreitausend erlesene Reiter.
  Auch der Schweizer gewaltiges Volk, und der heiteren Schwaben
  Heldenschar stand dort, gesellet der lagernden Heersmacht;
  Dies' emprte zur Schlacht der Burggraf, Friedrich von Nrnberg,
  Rudolphs Schwestersohn, und ein tapferer Degen im Schlachtfeld,
  Albrecht jene, der edele Sohn des edelsten Kaisers;
  Doch den beiden vereinten sich noch tyrolische Schtzen,
  Die, gerufen erst jngst aus den Thlern der Heimath, die Armbrust
  Auf der Schulter -- die Pfeil', im Bndel geschnrt, auf dem Rcken
  Trugen; umsphenden Blicks, wie dem Wild' auf der Fhrte die Jger,
  Fernhin sah'n, und, khn, nicht in Stahl und Eisen sich hllten.
  Tauffers war ihr Hort im Gewhle der Schlachten. Er flog jetzt
  Unaufhaltsam dahin, des Kaisers erlesener Herold.

    Sieh', und schon gewahrt' er das Ziel! Die sinkende Sonne
  Stand an dem Abendthor', umhllt von rosigem Schimmer.
  Heller glht' ihr scheidender Blick; ihr goldenes Haupthaar
  Flammt' empor, da in hehrem Glanz sie noch einmal herber
  Winkt' ihr Lebewohl! dem sanft entschlummerten Erdkreis.
  Aber die Khlung sank auf den Fittigen schmeichelnder Lftchen
  Leise herab, und erquickte die schweraufathmende Schpfung.
  Jetzt vollbrachte den Ritt sein feuriger Renner; es flogen
  Dampfend und triefend von Schwei ihm die Seiten;
              der Hals und der Rcken
  Schumt', und ihm wankten die F',
              da er stand vor dem Zelte des Knigs.

    Dort den Hgel empor, wo jetzt nur Trmmer des Schlosses
  Weitumkreisenden Hof bezeichneten, das in der Vorzeit
  Herrschend hinuntersah auf das Land, aus dem in die Donau
  Drben die March sich ergiet, und, von ihren gewaltigen Fluthen
  Stolz zurckgedrngt, seegleich bedecket die Fluren:
  Dort, auf Pfhle gespannt, erhoben sich tausend und tausend
  Schimmernde Zelte des Volks der Kumanier und der Magyaren.[9]
  Jene rhmten sich gleichen Geschlechts und Ursprungs mit diesen;
  Doch der edlere Stamm der ahnenstolzen Magyaren
  Hielt Jahrhunderte schon, aus Scythiens grasiger Steppe
  Kommend (Tanfu, Zuard, Lehel, und der tapfere Almus,
  Waren die Fhrer des Volks) Pannoniens herrliche Fluren
  Im Besitz', errungen im Sieg ruhmdrstender Ahnen.
  Jngst erst kam der Kune heran, dem wilden Tartaren
  Folgend im Schreckenszug, und, als er, verwilderter heimzog,[10]
  Nach entsetzlichem Mord' und Gewrg' unzhliger Christen,
  Blieb er im Lande zurck: inmitten der They und der Donau,
  Sich erwhlend ein Sandgefild zum dauernden Wohnsitz,
  Welches der Steppe gleich, unendlicher Flche sich ausdehnt,
  Und Kumanien heit. Ihn nennt der Unger den Kun nur.
  Eisern hielt er noch fest an der Sitte der Heimath; auch Gtzen
  Dienet' er, so vermengend das Wort der ewigen Wahrheit
  Mit entehrendem Wahn: denn kaum erkannte des Heilands
  Rettenden Weg sein Geist, und roh bewahrt' er das Herz noch.
  Aber entsetzlich wthet der grimmige Kun' in der Feldschlacht.
  Ordnungslos, bald links, bald rechts sich wendend, im Eilflug,
  Braus't er heran wie der Sturm. Er schnellt von dem tnenden Bogen
  Durch die heulende Luft den befiederten Pfeil, und verfehlt nie,
  So er den Gegner in's Auge gefat, in die Brust ihn zu treffen.
  Aber von diesem bedrngt, entflieht, und kehret er wieder,
  Listengebt; lt oft dem fliehenden Rosse den Zgel;
  Wendet sich hurtig im Sattel herum, und schleudert des Tschakans
  Eisengewichtige Last dem Nahenden mchtig entgegen.
  Sieh', und hatt' er ihn etwa verfehlt, da setzt er sich wieder
  Rasch, im Schwunge, zurecht in dem Sattel; ergreifet die Zgel;
  Lenkt im kreisenden Lauf mit eisernem Drucke der Schenkel
  Eilig den Renner heran, und so der entflogenen Waffe
  Nahend, schwebt er mit einem Fu noch im Riemen des Bgels;
  Beugt sich nieder im Flug', und hebt sie empor von dem Boden,
  Ehe der Feind sich gestellt, und des Fliehenden Jauchzen vernommen.

    Dort schwang Hugo sich jetzt mit forschendem Blick' aus dem Sattel,
  Und vertraute das Ro dem redlichen Knappen zur Pfleg' an.
  Fernher scholl an sein Ohr des Lagers Getse: dem Meersturm
  Gleich, der himmelan braus't, erfllt' ein dumpfes Gemurmel
  Drben die Nacht. Stets glhender schien der wolkige Himmel
  Ueber dem Lager, erhellt von unzhlbarlodernden Feuern.
  Dorther kam auftobender Mnner Geschrei, und der Weiber
  Lautes Kreischen, vermengt dem Gebrll'
              und dem Wiehern des Lastthiers:
  Denn von den Zelten hinaus umgrasete rings in dem Blachfeld
  Breitgehrnetes Rind und der Ross' unendliche Mehrzahl,
  Die nur klein von Gestalt, und unscheinbar dnken dem Fremdling,
  Aber, von feurigem Muth' erfllt, und dauernder Kraft voll,
  Tragen den Reiter so schnell wie der Blitz an den Feind, und erretten
  Oft ihn im Schlachtengemeng, schnellfig zum Sprung und zum Laufen.
  Also lagerten hier die Kumanier. Doch in des Heeres
  Rcken ruhte das Reitervolk der edelen Ungern,
  Kummererfllt: denn Ladislav, der Knig, erkor sich
  Jene zu Lieblingen, so der Ahnenehre vergessend.

    Als nun Hugo dem Zelt des Kniges nahte, vermeint' er,
  Zithergetne zu hren; ihm schien: kumanische Mdchen
  Sangen dazu, nach Heidenbrauch, unziemliche Weisen.
  Ach, und so war's! Doch bald verstummte der Sang und die Zither,
  Als der Fremdling, in Eisen gehllt, ihm nher getreten.
  All' erhoben sich schnell von dem Boden -- die brtigen Mnner
  Und die rosigen Mdchen, und jetzt der frstliche Jngling,
  Anmuthstrahlenden Blicks, an dem Haupte von brunlichen Haaren
  Lieblich umlockt, voll Jugendkraft und blhender Schnheit.
  Aber er stand verwirrt, und wute nicht, wie er beginne,
  Bis er sich wieder ermannt', und d'rauf mit krftigem Laut rief:
  Sprich: we' Landes du bist, o Fremdling? Triegt uns die Ahnung
  Nicht, so kommst du gesandt von dem Kaiser der Deutschen, Rudolphus,
  Der uns vielleicht des Saumsals zeiht, und unrhmlicher Trgheit,
  Weil wir ruhen dahier, bei Saitenspiel und Gesngen
  Uns ergetzend, und sein', des feindbedrngten nicht achten?
  Doch wir harreten nur des Winks, den er uns verheien,
  Und gedenken, ihm treu und redlich zu Hlfe zu stehen!
  Hugo beugte das Haupt, und sagte mit edelem Anstand:
  Herr, du ahnetest recht! Hier steht des Kaisers Gesandter,
  Hugo von Tauffers genannt, vor dir, und, wahrlich, ein Krieger,
  Seit er der Schul' entlief: ein Taug'nichts ist er am Schreibtisch!
  Aber nicht rostete noch in der Scheide sein trefflicher Degen;
  Gerne stellt er sich ein, wo es gilt ihm Ruhm zu gewinnen,
  Und hoch ehrt ihn die Sendung auch jetzt: denn Wichtiges soll er
  Dir kund thun; doch, Herr, verzeih' -- in dieser Gesellschaft?
  Sagt' es, und lchelte fast; der Knig entgegnete leiser:
  Ritter, mir scheint dein lchelndstrafendes Auge zu sagen,
  Was dem Knige ziemt, was nicht! Erfahrenes Alter
  Richtet streng; doch sieh', noch blht mir der frhlichen Jugend
  Rosenhain, und ich wandle in ihm mit heiterem Sinn fort;
  Weile so gerne dahier im Kreis' des unschuldigen Volkes,
  Das, von der Urzeit her die ererbeten Sitten bewahrend,
  Frei, die Fessel nicht kennt, die uns engt im verfeinerten Leben!
  Aber tritt in mein Zelt, und vergnge dein Herz an dem Sptmahl,
  Das ich dir biethe nach Lagers Brauch; dann will ich dich hren.

    Eilig traten sie ein. Die finsteren Scharengebiether
  Folgten dem Knige nach, und setzten sich rings um den Tisch her,
  Sonder Ordnung, noch Wahl. In zottige Pelze gehllet,
  Sah'n sie stolz aus den tiefvergrabenen Augen dem Fremdling
  Jetzt in das heitre Gesicht, und strichen den Bart an der Lippe.
  Bald erschienen im Zelt' auch die rosigblhenden Mdchen,
  Tragend in Krben Pferdfleisch auf, das unter dem Sattel
  Barg der Reiter, und dann hinflog, bis solches im Ritte
  Hei geworden, und mrb', des Volks ersehntes Gericht war;
  Auch gebratenes Fleisch vlietragender Lmmer, mit Knoblauch
  Vielgewrzt; dann Brot aus dem feinsten Mehle gebacken,
  Hochgewlbet und wei, nach Art magyarischer Backkunst,
  Und die mchtigen Krge, gefllt mit den edelsten Weinen.
  Alle schmaus'ten nach Lust; doch Hugo verschmhte des Kunen
  Lieblingsgericht -- nicht des Weins,
              des trefflichen, schonend: unendlich
  Gab er bei Humpen Bescheid, und blieb stets seiner noch Meister.

    Siehe, von neuem erscholl der Zither Getn', und der Herrscher
  Mahnte die Mnner und Mdchen zum Tanz', dem Gaste zu Ehren!
  Jene stellten sich ernsten Blicks, dem Knig gehorchend,
  Drauen in Doppelreih'n, und hoben den werbenden Tanz an,
  Der in das Feld den Jngling ruft, und Gefhle der Wehmuth,
  Ihm in der Brust aufregt, an die Zeiten der Vter ihn mahnend,
  Mit wehklagenden, tief das Herz bestrmenden Weisen.
  Aber sie schlugen die Hand an die Hand, und die Sporn' an die Spornen;
  Stampften zugleich, rasch hin und daher sich wendend, den Boden;
  Sthnend vor Lust, und ihr Aug' erfllten oft schimmernde Thrnen,
  Pltzlich geweckt von dem Sturm der emprten Herzensempfindung.
  Doch als d'rauf zu dem Wechseltanz der erfahrene Knstler
  Rasch in die Saiten griff, mit dem Fue der schnelleren Weisen
  Zeitma schlug: da fate die Tnzerinn jeglicher Tnzer
  Um den blhenden Leib, und schwang sie umher an der Stelle,
  Bald mit dem linken, und bald mit dem rechten Arme sie drehend
  Fort im verengenden Kreis'. Dann ri er sich wieder von ihr los;
  Hpfte schnell vor ihr hin, und schlug die klingenden Spornen,
  Jauchzend, zusammen, und schlug die Wade mit wechselnden Hnden.
  Aber sie folgt' ihm entfernt. Die Recht' an die Seite sich stemmend,
  Hielt sie die Schrze am Saum' sich stolz vom Leib' mit der Linken,
  Wandte sich links und rechts, mit niedlichen Sprngen, und mied ihn
  Scheinbar, bis sie, ersehnt, urschnell in die Arme des Tnzers
  Flog, und von neuem das Paar in schwindelnden Kreisen sich drehte.
  Doch nun winkte der Knig zum Schlu: die Saiten verstummten;
  Hoch erhob der Tnzer die Tnzerinn noch, und entlie sie;
  Kam dann, triefend von Schwei, und setzte sich wieder zum Tisch hin.
  Jene entfloh'n, und der Knig sprach, mildlchelnd, zu Hugo:
  Ritter, du hast magyarische Tnze geseh'n, und ergetzet
  Dich bei'm frhlichen Mahl', obgleich du ein nchterner Gast bist!
  Nun ersehnte mein Geist zu vernehmen, wie Kaiser Rudolphus,
  Unser Bundesgeno' und Freund, zum Throne gelangt ist--
  Er, einst Habsburgs Graf? Doch knde zuvor uns die Abkunft
  Und die muthigen Thaten des huldbeseligten Herrschers,
  Die mit unsterblichem Ruhm' ihm zieren die Stirne. Der Morgen
  Graut: bald steht ihm Ungerns Macht zu Geboth' in der Feldschlacht.
  Zwar verweigerst du noch, so entgegnete jener, des Kaisers
  Herold' ein willig Gehr, und lullst ihn bei Tnzen und Mahlen,
  Zaubernd, ein, da er ganz vergesse der wichtigen Sendung.
  Aber, weil dich verlangt, von meines erlauchten Gebiethers
  Abkunft, Muth und Heldenkraft, die Carol des Groen
  Glnzenden Thron ihm errang, zu hren, so will ich mich fgen
  In Geduld, und harren: es gilt ja die Ehre des Kaisers!

    Wisse demnach! Stolz hebt sich vom Fels die mchtige Habsburg
  Aus umdmmerndem Wald, an der Aar in die bluliche Luft auf.
  Dort, so kndet die Sag', erschien in grauender Vorzeit
  Rudolphs edles Geschlecht, aus frnkischem Stamm, und erbaute
  Jene, wie auch Aarburg, und Brugg, die gewaltigen Vesten.
  Aber vor allen hie die Herrliche jene von Habsburg:
  Denn mildherzige That an den Drftigen, eisernes Schirmrecht
  Gegen die freche Gewalt des Unterdrckers der Schwachen,
  Uebten aus ihr, gebhrend, die weitgerhmten Gebiether.
  Dort erwuchs, entflammt von dem Ruhm gefeierter Ahnen,
  Rudolph, Albrechts Sohn, des Weisen, und Hedwig, der Frommen,
  Lernend durch Gottesfurcht und Weisheit frhe des Lebens
  Hchstes Glck in der eigenen Brust zu grnden fr immer.
  Doch wo wre Beginn und Ende? so Alles und Jedes
  Ich dir kndete: wie an den Hof ihn Friedrich, der Kaiser,
  Der zu der heiligen Tauf', als Path' ihn fhrte, gerufen,
  Da er ihn lehrte mit Rittersmuth nach rhmlichen Thaten
  Streben; wie er im sicilischen Krieg', und in jenem von Oestreich,
  Gegen den Streitbar'n focht, und miterstrmte die Stadt Wien,
  Die, vor allen beglckt, ihn einst als Herrscher begret;
  D'rauf in der Ahnen-Burg[11] zugleich mit dem Vater das Kreuz nahm;
  Nach dem Gelobten-Land, die Feinde des Kreuzes bekmpfend,
  Wallete; dort den Vater begrub, und, als er zur Habsburg
  Heimzog, freudig zu eh'lichem Bund sich Annen erkies'te,
  Hochbergs Kind, voll Huld, und die tugendreichste der Frauen--
  Auch, allmnniglich werth, ein trefflicher Ritter und Herr war.
  Wohl gebrch' es mir auch an der Zeit und an Odem, geziemend
  Nun zu schildern die sieg- und ruhmverherrlichten Krieg' all',
  Die er gefhrt in den zweimal eilf unseligen Jahren,
  Wo das verwaisete Reich nach Friedrichs Tode, des Kaisers,
  Voll von Mord und Plnderung war, da in grauser Verwild'rung
  Aus der thrmenden Burg ein jeglicher Ritter, nach Willkhr
  Schaltend, Sitten, Gesetz', und allem Heiligen Hohn sprach;
  Wie er beschirmte das Recht und die Unschuld stets, und das Banner
  Habsburgs ward dem Schwachen zum Trost',
              und den Rubern zum Schrecken.
  Aber vernimm die einzige nur, wie khn, wie entschlossen,
  Und wie edel er ist! Ihm stand der Abt zu Sanct-Gallen,
  Der, ein Falkensteiner, das Schwert und den hirtlichen Krummstab
  Kundig zu fhren gelernt, gar feindlich entgegen; sie qulten
  Tapfer sich ab. Da brach sein Zorn auf die Baseler Brger
  Los, die ihm, wildemprt, erschlugen die Freund' und Verwandten:
  Denn mit wenigen Reisigen hielt er still vor den Thoren
  Wyls, des Stdtchens, und heischte noch Einla dort zu dem Stiftsabt,
  Der bei dem nchtlichen Imbi sa, und, erstaunet, ihn ansah.
  Aber er both ihm die Hand, und sprach: Da ich also zu dir kam,
  Diene zum Zeichen dir: ich achte dich, redlichgesinnet,
  Wie ich es bin, und vertraue dir khn so Leben und Freiheit.
  Hre, viel besser wr's, da wir uns in Rechten vertrgen,
  Heute noch; dann die Waffen vereint, nach den Baselern kehrten,
  Die mir erschlugen die Freund', und erwrgten die theuern Verwandten!
  Also geschah's: sie schmaus'ten vershnt. Am kommenden Abend
  Zogen sie rasch auf die Baseler los, und frchterlich brannt' es
  Bald von der Stadt auf; bald vershnete Blut die Erschlag'nen,
  Und die Gegner umfing der Friede mit traulichen Armen.
  D'rauf durchschwamm er die Furt, die noch habsburger im Land dort
  Heiet, des mchtigen Rheins mit reisigem Volk', und erstrmte
  Breisach khn, mit dem Stahl in der Faust, ein trefflicher Strmer!

    Laut aufjubelten jetzt die Kumanier, preisend des Ritters
  Heldenmuth, und, ergreifend, voll Hast, den irdenen Weinkrug,
  Der vor jeglichem stand, mit edelem Moste gefllet,
  Leerten sie ihn bis zum Boden hinab auf seine Gesundheit
  Aus, auf einen Zug: da ihr Haupt mit dem steigenden Weinkrug
  Weit zurcke sich bog, und stellten ihn dann auf den Tisch dort
  Nieder mit ohrerschtterndem Schlag. Doch wieder begann er:
  Also erscholl sein Ruhm zu den fernentlegensten Lndern
  So, da der Bhmen-Knig sogar, der jetzt in dem Feld uns
  Biethet die Fehd' auf Leben und Tod, mit schimmernder Goldschrift
  Ihn an den Hof zu sich lud, und zum Marschalk, ehrend, ernannte.
  Ha, nicht reut' ihn die Wahl! Er focht ihm zur Seite mit Siegsruhm,
  Gegen die Heiden im Preuenland', und errang ihm den Lorber
  Auch im Vernichtungskampf g'en Bela's schreckliche Heersmacht.
  D'rum kein Wunder, da er, nach dem Wink der erbarmenden Vorsicht,
  Die des gemeinsamen Vaterlands unendlichem Jammer
  Setzen wollt' ein Ziel, von den _sieben_ glnzenden Sternen
  Unser's heiligen Reichs zur herrschenden Sonne gewhlt ward:
  Da er im goldenen Schmuck der Kaiserkrone des Segens
  Strahlen ber die Gau'n des deutschen Landes versende.
  Sieh' er lag vor Basel mit Macht; da brachte die Bothschaft
  Ihm der Pappenheimer! Er stand, und wankt', und besann sich;
  Aber, auf Gott vertrauend, geboth ihm das Herz in dem Busen
  Freudigen Muth. Er ging, und bald vereinte der Krnung
  Allerfreuendes Fest die Vlker der Deutschen zu Aachen.
  Dort heischt' er, im Dome gekrnt, den Eid von den Frsten:
  Da sie verschafften nach _Recht_
              dem heiligen, rmischen Reich' jetzt,
  Was ihm die Faust entri.[12] Sie ersannen, zaudernd, die Ausflucht:
  Noch vermiss' er zum Knigseid' den Zepter der Ahnen.
  Doch er wandte sich schnell; hob selbst das Kreuz von dem Altar;
  Hielt es empor, und rief: Wer kennt ein schneres Zeichen,
  Kraft zu verleihen dem Eid', denn dieses, woran der Erlser
  Sterbend hing, und uns errettete, heilig und wahrhaft?
  Und sie schwuren darauf: erbebend dem herrschenden Manne,
  Der so krftig gesprochen -- so fest- und so muthiggesinnt war.
  Dir, und manniglich ist es bekannt, wie der Kaiser, Rudolphus,
  Redlich gehalten sein Wort, und treu gelset den Schwur hat:
  Bannend den Uebermuth, und des Faustrechts wildes Gewaltreich
  Muthig aus Deutschlands Gau'n --
              an Leib und an Seel', er, ein Deutscher,
  Der bald unserer geist- und herzerhebenden Sprach' auch
  Sinnig zu Ehren half: in den Kanzeleien den Vorzug
  Ihr vor dem todten Latein, dem schwerverstndlichen, gnnend.[13]
  Also geschah es, da, dankerfllt, ein jegliches Herz ihm
  Huldigte: denn ihm zrnet allein der Knig der Bhmen,
  Weil er, thrichten Sinns, die Kaiserkrone verschmhend,
  Sie auf dem Haupte des Mannes sah, der einst ihm als Marschalk
  Dienete. Doch umsonst bestrmt er die Erd' und den Himmel,
  Sie zu entreien dem Haupt, dem Gott sie gegeben, zum Segen
  Gegenwrtiger Zeit und endlos dauernder Zukunft.
  Ha, schon winket das Morgenroth! So hre mit Huld nun,
  Was mein Kaiser und Herr zum freundlichen Gru dir entbiethet:
  Wenn von dem Kahlenberg in dem mitternchtlichen Grauen
  Hoch die Loh' auffleugt: dann eil' aus dem schirmenden Lager
  Schnell hinber die March mit den schrecklichen Reitern, und berge
  Sie in dem trocknen Gerhr' an dem Weidenbache bei Marcheck:
  Denn auch er wird also dir nah'n, und die Hnde dir reichen
  Dort zu gemeinsamer That in des blutigen Kampfes Entscheidung.
  Und er erhob sich nun, schnell heimzukehren, entschlossen.

    Glhenden Blickes sah aus dem schimmernden Thore des Morgens
  Nach dem Zelteingang die Sonne herber, und hauchte
  Hpfende Funken in's bleiche Gesicht der schlfrigen Krieger,
  Die um den Knig herum sich lagerten. Aber er hob jetzt,
  Stillhinbrtend, vom Stuhle sich auf. Zur glnzenden Heerschau
  Dacht' er zu wecken sein Volk, dem scheidenden Fremdling zum Staunen.
  Gern, so entgegnet' er, will ich mich ganz dem Winke des Kaisers
  Fgen, und eilen in's Feld, sein redlicher Bundesgenosse;
  Aber nicht wollest du scheiden zuvor, eh' dir nicht zur Heerschau
  Drauen mein Volk sich wies: nicht soll sich's lange verziehen.
  Sagt' es; ri sich das Schwert von der Hft', und schlug in die Tafel
  Dann mit der Klinge so stark, da die ird'nen Gefe zum Boden
  Taumelten: ein's das and're im Flug zu Scherben zerschmetternd.
  Wunder zu schau'n! Da fuhr in brausender Eile der Feldherrn
  Leise zum Schlaf hinnickende Schar von den Sitzen, und leer war's
  Bald in dem weiten Gezelt. Dem Knige folgte der Ritter
  Staunend nach. Doch jetzt erschollen von grausem Gebrlle
  Tausend Hrner, die einst die mchtige Stirne des Pflugstiers
  Ziereten, breitgestellt, da kaum der grte der Mnner
  Sie mit den Armen erma von einer Spitze zur andern.
  Schon erhob sich Geschrei und Gets', und das Wiehern der Rosse
  Rings in dem Lager, und fllte mit Angst und Entsetzen die Umwelt.
  Hoch auf fuhr der finstere Staub, und dicht, wie der Krhen
  Wimmelnde Schar durchstrmt den nebligen Himmel, so flogen,
  Schnell gewahrend den Wink des Knigs, unzhlige Haufen,
  Sich in den Sattel schwingend, voll Hast, nach dem Ufer der March hin.

    Dort, auf dem sandigen Feld', in fernhinschwindenden langen,
  Drei Mann tief, geordneten-Reih'n aufritten die Kunen:
  Lenkend hurtige Rosse vor und zurck mit des Schenkels
  Mchtigem Druck, den, weitumflatternd, das leinene Beinkleid
  Hllete bis zu der Ferse hinab, und den ledernen Bundschuh'n.
  Sonst ihr Kleid: ein Pelz von dem zottigen Vliee des Widders,
  Ueber dem krzeren Hemd', das halb des Niedergebeugten
  Rcken entblt -- doch weit die Arme umwallt, und, der Scheitel
  Zur Bedeckung, die Mtze von Filz, mit der wallenden Feder.
  Zehnmal tausend' erhoben zur Luft den blitzenden Sbel,
  Der der Sichel des Neumonds glich in der Krmm', und es fhrten,
  Eben so viele den Bogen und Pfeil mit dem hmmernden Tschakan.
  Diese lenkte Suhol, der Eber genannt von den Seinen,
  Ob des unbndigen Muths, und der Blitzstrahl, Kaduscha, jene:
  Denn er flog so schnell wie der Blitz im Sturme der Schlacht hin.
  Aber der Ungern edeles Volk beherrschte Matthias
  Von Trentschin, der schlachterfahrene, tapfere Feldherr,
  Dessen gewaltige Burg an den schimmernden Fluthen des Waagstroms,
  Druend, in's Waag-Thal schaut, und Schrecken gebiethet den Feinden.
  Auch er fhrte heran zehntausend muthige Reiter,
  Welchen der Kalpag zierte das Haupt mit des Reihers Gefieder;
  Aber der Pelz, am Rcken hinab an goldenen Schnren
  Hngend, von hellblau'm Tuch, verbrmt mit schwrzlichem Lammsfell,
  Und gelbschimmernden Knpfen besetzt; dann, hnlich, der Dolman,
  Schimmernd von Gold an der Brust, vom seidenen Grtel umfangen,
  Ziert' ihm den Leib, und der Bein' anschmiegende, gleiche Bekleidung
  Zierte die Fe zugleich mit den spornenbewaffneten Tschismen.
  Jeglicher hielt in der Faust, an die Schulter gelehnet, des Sbels
  Krummgehmmerten Stahl, der, sausend, die Feinde zerschmettert.

    Als nun Hugo die Vlker geseh'n, da sprach zu Matthias
  Von Trentschin der Knig, ihm selbst und den Seinen zur Trauer:
  Tapferer, weile dahier mit deinen Geschwadern, des Lagers
  Mchtiger Hort: denn bald, erbaut auf schwankende Fhren,
  Einet die Brcke des Flusses Gestad', und all das Gerth hier
  Schaffest du dann noch heute hinber, dem Heere zum Vortheil!
  Aber, o freundlicher Greis, du, Hugo von Tauffers, der Ritter
  Edelster, folg' mir nach, und knde dem mchtigen Herrscher,
  Heimgekehrt in die Kaiserburg, was du an der March hier,
  Staunend, gewahren wirst; knd' ihm: wir stehen den Feinden
  Jenseits nahe genug; zum wrgenden Kampfe gerstet!
  Sagt' es, und sprengte voraus: ihm nach die Kumanier alle,
  Mitten hinein in den Flu, hinber zu schwimmen, entschlossen.
  Hochaufspritzte die Fluth dem gewaltigen Drange; die Wsser
  Brauseten laut von unzhligen Hufen der Rosse geschlagen;
  Brandend flogen die Wellen zum Land', und schumten, und zischten
  Endlos. Wie in dem eisigen Belt keckmuthige Fischer,
  Eilend zum Wallfischfang' in schaukelnden Booten, auf einmal
  Nahe des Unthiers Riesengestalt, das Heere der Fischchen
  Vor sich jagt, erseh'n: da werfen sie schnell die Harpun' aus,
  Die zweizackig gespitzt, einstrmt in die Weiche des Bauches,
  Oder in's breite Genick des riesigen Fisches, und Blut frbt
  Alsbald ringsum das Meer: denn eilig hinunter zum Abgrund
  Fhrt er, und eilig herauf,
              und peitscht mit dem Schweife die Meerfluth,
  Da sie himmelan fleugt, und rchelt mit dumpfem Gebrlle
  Durch den schrecklichen Sturm der emprten Gewsser: so wogte,
  Schumt', und braus'te die March, als jetzo die Kunen hinber
  Mit gewaltigem Lrm und Geschrei, die wiehernden Rosse
  Spornten, und all' das Heer errang, durchschwimmend, das Ufer.
    Hugo sa in dem Sattel, und schwieg; doch jetzo besann er
  Sich nicht lang', und schwamm (ihm folgte der redliche Knappe)
  Eisenbewehrt, wie er war, auf dem mchtigen Gaule hinber;
  Schwang das Schwert in die Luft, und flog entgegen der Hauptstadt.




  Vierter Gesang.


  Leis' entschwebte die Nacht; aus dem hehren Gewlbe des Himmels
  Schwanden die Sternenheere dahin, und auf gaukelnden Lftchen
  Schien ein freundlicher Tag sich herab auf die Fluren zu senken:
  Doch, es erhob vor dem Morgenroth am stlichen Erdrand
  Sich ein Nebelgewlk, das, eiligen Flugs, sich verbreitend,
  Mehr und mehr den hochaufwlbenden Himmel befleckte.
  Sieh', als jetzo dem Saum der lichtergewordenen Hhen
  Nher die Sonne kam: da erglhten im blulichen Luftraum
  Rings die zerrissenen Wolken umher, blutrthlichen Schimmers.
  Jetzt erhob sie das Haupt; nur sparsam scholl aus den Lften
  Und aus dem Wald, der Morgengru der befiederten Snger
  Ihr entgegen: sie sah mit trauerndem Blicke herber.
  Schwl umwogte die Luft; erboter qulten die Fliegen
  Menschen und Thiere zugleich; dumpf klang der wechselnde Windsto
  Ueber die Heid': er kruselte weit den Rcken des Stroms hin,
  Und erhob in Wirbeln den Staub. Kein khlender Nachtthau
  Hatte die Fluren erquickt, und die Schpfung trauerte ringsum:
  Zeichen all' annhernden Sturms und gewaltigen Regens.
  Aber im Zelteingang, verlassend das nchtliche Lager,
  Sa der Kaiser, und sah mit dsterem Blick' in des Morgens
  Druende Gluth. Er dacht' im Geiste das dunkele Schicksal
  Tausender, bis zu dem Abendlicht' entschieden zum Leben,
  Oder zum Tode, mit Angst! Bald sollten die Lose, so grau'nvoll,
  Fallen des blutigen Kriegs -- des holdumlchelnden Friedens,
  Wie es dem mchtigen Feinde gefiel, dem er ihn gebothen.
  Ach, der Jammer des Volks durchdrang ihm die Seele! Zum Himmel
  Hob er den Blick, und lispelte so mit gefalteten Hnden:
  La den Frieden, o Herr, ihm mild erscheinen im Frhroth,
  Und erwrmen sein Herz mit den huldausspendenden Strahlen,
  Da er erkenne die eigene Schuld, entsage der Rachgier,
  Und, als Herrscher vershnt, heimkehre den Seinen zum Segen!
  Aber mit Staunen vernahm's der, einst kampfdrstende Marbod,
  Als er umschwebte das Haupt des Bethenden, wie er dem Gegner
  Frieden gelobte, vershnlich und mild, und konnt' es nicht fassen--
  Er, der stets nur Schlachten ersehnt', und glhenden Muths voll,
  Selber aufreizte den Feind auf den Pfaden des irdischen Lebens.
  Zweifelnd stand er lange vor ihm. Er whnte, bekmmert:
  Ihm gebrech' es an Kraft und an raschvordringender Khnheit
  (Nicht begreifend sein Herz, ein Irrender, Lichtesberaubter)
  Wiegte das Haupt, und fuhr, verstrt, zu dem Morgengewlk auf.

    Siehe, der Kaiser trat alsbald erheiterten Blickes
  Aus dem Gezelt, und hrte mit Lust, unferne dem Lager,
  Walten geschftig das Volk der Zimmerer, Schmied', und der Schreiner.
  All' die Nacht forthmmerten sie bei dem Scheine der Kesseln,
  Die mit schwrzlichem Pech und duftendem Harze genhret,
  Weit erhellten die Au an des Heerwegs schlngelndem Zug hin.
  Drauen bei Floridsdorf am Donaustrande, wo dreifach,
  Strahlen gleich, fortzieh'n die lnderverbindenden Straen:
  Diese nach Ungerland -- nach Bhmen und Mhren die andern,
  Eileten sie, zu erbau'n die Gerst' und die Schranken der Turnbahn.
  Hundert Schritte, die Stra' entlang, und der Breite nach fnfzig,
  Ebneten sie den Grund schnurgleich, und bestreuten ihn zolltief
  Dann mit dem schimmernden Sand, der drben am Ufer gehuft lag;
  Fgten auf Sulen die Balken umher, und trennten mit Absicht
  So von dem Wiesengrund das langgedehnete Viereck.
  Aber es wich an dem unteren Rand des umschrankten Gebiethes
  Quer ein Balken zurck, so er Einla both den Erwhlten,
  Und an dem oberen stand, gar herrlich gestaltet, die Prachtlug[1]
  Oben verziert mit dem Doppelaar, mit der Kron' und dem Zepter,
  Und von Innen geschmckt mit Sammtvorhngen von Purpur,
  Die an dem Saum' umher von goldnen Blumen erglnzten.
  Dort dem Herrscher und seinem Gefolg', erles'nen Geschlechtes,
  Standen die Sitz' erhht, und emporgereihet im Halbkreis';
  Doch ein breites Gerst, entlang die Schranken der Turnbahn,
  Bauten sie auch; versahn's mit emporgereiheten Sitzen
  Fr schaulustiges Volk aus den nahen und fernen Gefilden,
  Und erhhten die luftigen Zelt', entgegen der Prachtlug:
  Tapferen Rittern zur Rast, die her zu turneien gekommen.
  Als der Krieger dem Zelt' enteilete, stand er, vor Staunen,
  Pltzlich verstummt; er rieb sich die Augen im dmmernden Frhroth;
  Sann: ob Trume der Nacht ihn fften, oder von fern her
  Irgend ein Zauberer kam, und die Luftgebilde zur Schau gab?
  Doch bald lacht' er des eitelen Wahns: hochrhmend die Meister
  Des, mit Geschick und regsamer Kraft gefrderten Werkes;
  Eilte hinaus, sein Ro an dem Standpfahl, wo es die Nacht durch
  Ruhete, jetzt mit sorglicher Treue zu warten, und klopft' erst
  Selbes am mhnigen Hals' mit der Hand, im freundlichen Zuruf;
  Aber es scharrt' in dem Grund', und wieherte, gierig des Futters.
  Rings erwachte Gets' und unendlicher Lrm in dem Lager.

    Jetzo erscholl Getrab anstrmender Rosse, den Ohren
  Hrbarer stets; dann sah das Aug', umsphend, von fern her
  Blitzen die Harnisch und Helm', und endlich erkannte der Kaiser
  Meinhard, und Lichtenstein, die er, Frieden zu biethen, gesendet.
  Angelangt im Gewlk' umwirbelnden Staubs vor dem Herrscher
  Rissen die beiden das Ro am Zgel zurcke. Sie sprangen
  Aus dem Sattel behend', und nahten ihm, grend mit Ehrfurcht.
  Aber er rief erstaunt: Wie, Meinhard kehrt uns, emprt heim?
  Lichtenstein, was bringt ihr zurck aus dem bhmischen Lager?
  Sanft ist des Friedens Hand: sie streut in des Lebens Gefilden
  Blumen umher -- die in Eisen gehllete Rechte des Krieges
  Trieft vom Blut der Erschlagenen; doch, wenn eben dem Unhold
  Heiliges Recht das Schwert vertraut, da bringt er vom Schlachtfeld
  Muth, selbststndige Kraft, und Sicherheit unter die Vlker:
  D'rum auch der Krieg erwnscht, wenn nur das Recht ihn gebiethet.
  Jetzt, frwahr ersehnte mein Herz den Frieden, und wohl mir,
  Wenn der Knig, vershnt, zum gebothenen selber die Hand reicht!
  Meinhard sagte darauf: Nicht hat uns der Knig von Bhmen
  Ritterlich' Ehre gewhrt -- gastfreundlich das Herz uns erheitert:
  Grimm bewlkte sein Aug', da er sprach, und finster uns ansah.
  Wie der furchtbare Leu' mit glhenden Blicken des Gegners
  Harrt auf dem Plan, da er ihm zermalme die Knochen: so dnkt mich
  Sah der Knig uns an, und schwerlich sinnt er auf Frieden.
  Aber vielleicht, da Lichtenstein, der glckliche Freier,
  Frohere Kunde gebracht: de' will ich mich gerne bescheiden.
  Zwar, so begann jetzt Lichtenstein, versprach uns des Knigs
  Zornumwlketer Blick des Guten nicht viel, und ich brgte
  Fr den Frieden nicht mehr mit dem Kopf: er mchte nicht fest steh'n;
  Aber noch stehet das Spiel, und es fllt der entscheidende Wrfel
  Heute noch nicht. Ich sehe dahier mit unsglicher Hochlust
  Schon die Schranken gefgt zum Turnei, und bald, in dem Prunksaal,
  Den von der Decke herab unzhlige Kerzen erleuchten,
  Minniglich schne Frau'n und Frulein, an gastlichen Tafeln
  Wrdiggepaart umher mit den sieggekrneten Rittern.
  Welche Beseligung, mich in dem lrmenden Kreise zu treffen:
  Denn auch trgere Zungen bewegt die frhliche Mahlzeit!
  Hre mich Jung und Alt; nicht spricht ein faselnder Seher!
  Da des Knigs verdsterter Geist noch heute sich aufhellt,
  Knd' ich zuvor: denn wit es, er kommt, und nah' ist die Zeit schon,
  Zum dankbiethenden Turnkampf her, mit erlesenen Rittern.
  Dort, so sprach er vor uns, soll's bald allmnniglich kund seyn,
  Was er vom Krieg und Frieden gedacht, und der Kinder Verlobung.
  Gott befohlen das Ein' und das Andere! sagte, gen Himmel
  Schauend, der Kaiser, und wandte sich; dann begann er von neuem
  Wieder, mit sorglichem Blick: Wo weilt mein tapferer Hugo?
  Das sey ferne, da ihm was Leides geschehen: mir brche
  Wahrlich vor Kummer das Herz um den treugesinneten Helden.

    Kaum entfloh ihm das Wort, da tnte von ferne der Hufschlag
  Brausender Rosse die Strae heran, die entgegen den Marken
  Ungerns fhrt am linken Gestad der mchtigen Donau.
  Hugo war's, der kam (weit hinter ihm folgte der Knappe,
  Schlechter beritten, denn er) die stubende Strae herber;
  Doch nun hemmt' er das Ro, und die Wange, wie Flammen gerthet,
  Lchelt' ihm, als er gegrt. Er schwang sich vom Sattel, und sagte:
  Herr, nicht hast du umsonst die Gste geladen: erhellt sind
  Weit die Straen hinaus von schimmernden Kleidern und Waffen.
  Trog nicht der Schein, so trabt von dem Bisamberg an der Donau,
  De' unendlicher Ruhm an kstlichem Moste bewhrt ist,
  Ein gar stattlicher Haufe heran: die flatternden Fhnlein,
  Wei, wie des Schneebergs Haupt, verknden uns bhmische Kmpen.
  Aber, als sie dahier zum Scherz nur brechen die Lanzen,
  Harren ihrer im Hinterhalt gar ernste Gesellen,
  Und ersehnen den Kampf. Der Ungern blhender Knig--
  Blhend, und jung frwahr! verhie dir Hlf', und gewhrt sie:
  Denn vor mir durchschwamm sein furchtbares Reitergeschwader,
  Jauchzend, die March, und steht auf Oestreichs Erde, vor Marcheck
  In dem Gerhr', lngs hin dem Weidenbache, verborgen.
  Zrne nicht, da ich zu kommen verzog. Viel hatt' ich zu reden,--
  Von dem Kaiser zumal, und dem Greif', wenn alles ihm abstirbt,
  Wird die Zung' allein stets rhriger noch mit den Jahren.
  Auch gebrach's nicht an kstlichem Trank', an magyarischer Tnzer
  Frhlichem Lrm, und du weit, dein Haug ist freudig gestimmet,
  Sieht er die Humpen gefllt, und um ihn lebendig die Jugend:
  Dennoch stellt er sich ein, wo es gilt, und die Klingen entscheiden.
  Ruhe, so sprach mit lchelndem Blick der erhabene Kaiser,
  Raschvorstrmender Greis, in dem Zelt' auf das Lager gesunken!
  Aber euch beid', obgleich ermdet vom dauernden Ritte,
  Lockt, de' bin ich gewi, Drometengeschmetter zur Turnbahn,
  Rstet euch denn. Mir ziemt, hausvterlich sorgend, im Lugsaal
  Fertig zu stehen, und dort die Gste mit Huld zu begren.
  Meinhard, zieh' im festlichen Schmuck, mit flatternden Fhnlein,
  Zinken, und Paukengetn', und hundert erlesenen Reitern
  Bis zu des Lagers Rand' entgegen dem Herrscher von Bhmen:
  Ihn zu begren nach Wrd', und des Turnspiels Sitte geziemend!

    Also entlie er mit heiterem Muth die gewaltigen Helden.
  Aber er stieg die Stufen empor in die herrliche Prachtlug,
  Eilete vor, und sieh', ihm nahten die theuren Erzeugten
  Albrecht, Hartmann, und Adelheid: nur blieb in der Hofburg
  Agnes, die holde, daheim, die leidende Mutter zu pflegen.
  Alsbald scholl aufjubelnder Pauken Getn', und Drometen
  Schmetterten laut in des wimmelnden Volks unendliches Jauchzen:
  Denn, wie der Bienen unzhliger Schwarm in des kehrenden Frhlings
  Milderem Hauch, fortzieht in die lieblichduftenden Fluren,
  Gierig des Honigseims, und rings umsummet die Blthen:
  Also zog aus der Stadt, von dem nahen und fernen Gebieth her,
  Zahllos, Jung und Alt, im Schmucke der festlichen Kleider,
  Und erfllte die hohen Gerst', augblendenden Schimmers.
  Mitten im dichten Gedrng' erglnzten, vor allen, die Edeln,
  Die im glhenden Muth vortummelten feurige Rosse:
  Herrlich geschmckt der Reiter zugleich,
              und das wiehernde Schlachtro.
  Doch wer knnte die Zahl, und den Ruhm der Tapferen knden?

    Otto von Meiau kam: Feldoberster war er des Kaisers,
  Reich in dem Land umher an Gtern und Mannen, und reicher
  Noch an errungenem Ruhm' im druenden Felde der Waffen.
  Blau, wie des Himmels Zelt, mit Gold umrndert, und seiden,
  Flo ihm der Mantel am Rcken hinab von dem Harnisch, und blau war
  Auch sein Wehrgehng mit der seidenen Schrp' und dem Helmbusch;
  Also des Rosses Hauptzier, Zaum, und die schuppigen Decken
  Vorn an der Brust und den Seiten herum, von Eisen gefget.
  Aber das Einhorn wies sein Schild im goldenen Feldraum,
  Wie es zum muthigen Kampf von dem schroffen Felsen sich aufbumt.
  Solchen trug ein Knapp ihm nach, und der andere folgt' ihm,
  Haltend die zween hochragenden Speer' in der nervigen Rechten.
  Pauk' und Dromet' erklang, da er jetzt vor den rhmlichen Schranken
  Hemmte sein feuriges Ro, absa, und in's dunkele Zelt ging.

    Bald nachfolgte dem Helden zuerst der khne Capellen:
  Oberster Fhrer auch er im Heere des Kaisers, und werth ihm
  Ob der bestndigen Treu', und des nie zu erschtternden Muthes.
  Meergrn hatt' er zur Farbe gewhlt, und verzieret mit Silber
  Seine Rstung zugleich, und des Rosses herrliches Reitzeug.
  Aber den Schild, wo ein Wehrgehng den silbernen Feldraum
  Dreimal durchschlingt, und vom Helm sich des Adlers Fittig erhebet,
  Trug ihm der Knappe nach, und ein anderer brachte die Waffen.
  Freudig ersah ihn das Volk, und als er mit edelem Anstand
  Sich vor dem Schrankenthor von dem schnaubenden Rosse herabschwang,
  Rief erneueten Gru der Klang der Drometen und Pauken.

    Nun kam Trautmansdorf, von acht selbst-eigenen Shnen--
  Angeeigneten sechs, umringt, vor die Schranken. Des Bruders
  Ehrenreich, den einst ein wthender Eber zerrissen,
  Als er im Walde des Weidwerks pflog, verlassene Waisen
  Waren die sechs, und er, ein liebender Vater den einen,
  Wie den andern; doch sie lohnten ihm herrlich die Sorgfalt:
  Wohlgesittet, fromm, und im blhendentfalteten Leben
  Alle, voll Heldenmuths, nachfolgend dem edelsten Vater.
  Nicht entbehrt' er im Krieg, nicht daheim, nicht an heiliger Sttte
  Selber ihres Gefolg's, und lchelte, stolz in dem Herzen
  Seines Glcks, das hher denn all' sein Reichthum ihn dnkte,
  Wenn ihm das Volk, erstaunt, nachsah, und den Segen ihm zurief.
  Aber nicht lang', da sinkt, wie, vom sausenden Hagel zerschmettert,
  Halmfrucht drauen im Feld, die herrliche Schar in das Grab hin--
  All', erschlagen vom Feind, und einsam kehret der Vater
  Heim in die Ahnen-Burg: ihn trstet ihr rhmlicher Tod nur.
  Doch jetzt naht' er vor seinen, ihm gleich gersteten Shnen:
  Denn von Silber blank war Harnisch, und Helm, und der Helmbusch;
  Also das Wehrgehng, die Schrpe, der seidene Mantel,
  Und der glnzende Schild, (den, goldengehrnet, ein Widder
  Zierete) wei wie der Schnee, mit der Wehre des stattlichen Rosses.
  Jubelnd im Paukenklang', erschollen die eh'rnen Drometen.

    Doch jetzt naht' ein Paar der Edelgestein' in dem Adel
  Oestreichs: Lichten- und Dietrichstein.
              Aus der steyrischen Mark stammt
  Jener (Ulrichs Sohn, des trefflichen Ritters und Sngers,
  Der sein Leben der _Frauen-Ehr'_ und dem Degen verschrieben)[2]
  Dieser aus Oesterreich, ein Sohn ruhmwrdiger Aeltern:
  Er, stets dstern Gemths, da jener des heiteren Vaters
  Frohsinn geerbt; doch einte schon frhe der trautesten Freundschaft
  Unauflsliches Band die Herzen der tapferen Ritter.
  Hochroth zierte des Lichtenstein, und seines Gefhrten
  Waffengeschmeid Kornblumenblau. Im grnlichen Feldraum
  Wies des Winzers Messer sein Schild, und im goldenen zeigte
  Jener des Lichtenstein zwei schrgablaufende Balken.
  Schmetternd klang die Dromet', und die Pauken donnerten laut auf.

    Sieh' auch die beiden Demantberg', auf welche sich Oestreich
  Ruhig sttzt: der Schwarzen- und Stahrenberg (in des Ruhmes
  Ehernen Tafeln genannt, und hochgepriesen fr immer)
  Sprengten eilig heran! In des Schildes goldenem Feldraum
  Fhrete jener den Aar und das Hfthorn; dieser im lichtblau'n
  Einen geschnabelten Wolf, und kor sich zur Farbe der Ehren
  Blagelb, silbergeschmckt, da jener mit goldenem Zierrath
  Whlte das dunkele Kirschenroth, erfreulich zu schauen.
  Mchtiger hob sich zur Luft der Pauk' und Dromete Getn' auf.

    Kurd von Haselau, der achtzigjhrige Ritter,
  Naht' im Fluge heran. Noch rstig und Kampfes begierig,
  Stieg er vom Ro, und ging, den ehrenden Sitz an der Prachtlug
  Einzunehmen: erwhlt zum Turnvogt heut von dem Kaiser.
  Ihm nachfolgten zugleich der Seldenhofer, der Pfannberg,
  Hardeg, Hohenberg, und der Wildon: treffliche Kmpen!

    Jetzt anlangten im Ehrengeleit die bhmischen Ritter:
  Lobkowitz, Czernin, Zierotin; dann Milota, Wallstein,
  Dann auch Herbot von Fllenstein, der reuische Kampfheld,
  Riesengestaltet, im Trotz allbeugender Strke sich rhmend,
  Den sich Ottgar jngst zum Feldherrn kor, und als Herrscher
  Einst in der steyrischen Mark dem Volk aufstellte zum Zwingherrn.
  Sieh', gar herrlich geschmckt erschienen die Ritter, als sollte
  Oestreichs ad'ligen Glanz heut jener von Bhmen verdunkeln!
  Tausende wandten den Blick nach den Fremdlingen, alle voll Sehnsucht:
  Ottgarn dort zu schau'n, als Freund: er sumte zu kommen.
  Dreimal, und lauter stets erhob sich der donnernden Pauken
  Und Drometen Getn, den nahenden Fremden zu Ehren.
  Doch, vernehmend den jubelnden Schall, enteilten die Helden
  Oestreichs hurtig dem Zelt', und schwangen sich auf in den Sattel.

    Meinhard, fhrend die Bhmen heran, verlangte vom Thorwart,
  Da er den Degen erhob, Einla in die rhmlichen Schranken.
  Alsbald wich der Riegel zurck, und in Reihen geordnet
  (Jene zuerst, und drauf die Heldenshne des Landes)
  Ritten entlang die Turnbahn all', in der nervigen Rechten
  Hebend den Speer in die Luft,
              mit zgerndem Schritt nach der Prachtlug,
  Wo der erhabene Kaiser sa, und der Kommenden harrte.
  Als sie gegrt -- er gedankt, da sprach der tapfere Meinhard:
  Mein durchlauchtigster Kaiser, und Herr! Des bhmischen Reiches
  Knig entbiethet dir Gru und Freundschaft zuvor, und erklret:
  Ihm selbst wehrt es ein bses Geschick des frhlichen Turnspiels
  Zeuge zu seyn; doch sendet er dir die tapfersten Ritter,
  Hier den Ruhm des Vaterlands zu erhhen als Sieger!
  Wahrlich, so rief der Kaiser ihm zu, nicht dacht' ich: entrissen
  Werde mir heut' ein Glck, das ich ersehnt' in dem Herzen
  Aber wohlan: werth seyen uns auch die tapferen Ritter,
  Die uns der Knig gesandt! Der Kampf beginne. Turneivogt,
  Handle dein Amt! Der Herold rufe, der Sitte geziemend.
  Grieswart sey fr heut der edle Wildonier, Berchtold,
  Breuner, und Pottendorf, die Kmpfer zu schirmen vor Unbill,
  Ordnungbedacht: ihr Wink sey heilig geachtet von allen.
  Sagt' es, und setzte sich dann auf den schwellenden Pfhl.
              Da erhob sich
  Haselau, der Greis, und ging nach der rumigen Halle,
  Die sich unter der Lug aufwlbte, mit Purpur behangen,
  Dort zu beginnen die Waffenschau. Die erlesenen Ritter
  Legten sogleich den Speer und das Schwert, kampfgierigen Muths, hin.
  Sorgsam prfte der Greis die gebothenen: stumpf und gefahrlos
  Sollten sie seyn -- zum Scherz, nicht zum Ernst
              gebraucht in dem Turnkampf.
  Zween der Grieswrt' hoben den Helm von dem Haupt', und empfiengen,
  Schreitend umher links, rechts, ein bezeichnendes Los von den Rittern:
  Jeglicher gab's, mit dem Nahmen verseh'n. D'rauf schttelten mehrmal
  Jene die Zeichen umher in dem Helm', und bothen (die Ordnung
  Wechselnd) sie dar: der rechts, wo links der and're gefordert,
  Also whlte sich dort ein jeglicher Kmpe den Gegner.

    Jetzt erhob der Herold den Stab, und Tausende schwiegen;
  Zog ein Blatt aus dem Busen heraus, das, rauschendentfaltet,
  Glnzte von goldener Schrift, und las mit gewaltiger Stimme,
  Allen verstndlich, vor: Wie der mchtigste Kaiser, Rudolphus,
  Jngst auf den heiligen Rochus Tag, des Jahrs der Erlsung:
  Tausend zweihundert und siebenzig-acht, der heute gezhlt wird,
  Alle die Edeln, von Nah' und von Fern, zu turneien am Tabor
  Aufboth, die nach dem Recht' und nach Rittersitte gemeint sind.
  Weiche darum von hier, der bar ist der ad'ligen Ahnen-
  Reih' erhrtender Zahl, und der unehlich geboren;
  Der in den Kirchenbann, in die Acht des Kaisers und Reiches
  Fiel ob schndlicher That, ob Mord und Gottesverlugnung;
  Der die Wittwen und Waisen bedrckt', und das zarte Geschlecht nicht
  Schirmt' in Gefahr, nicht rcht', als Mann, g'en schnde Verlumdung;
  Der Meineides und Trugs, und unedlen Gewerbs sich bewut ist,
  So er dem Schild und dem Schwerte zur Schmach, einst Handel getrieben:
  Ferne mgen sie stehen, sie all', und ermangeln des Vorzugs,
  Der nur Edeln gebhrt, in des Turnkampfs rhmlichem Feld hier!
  Rief's; dann faltet' er wieder das Blatt, und barg's in dem Busen.
  Jetzt aufpflanzten, voll Hast, die hurtigen Knappen die Fhnlein
  Ihrer Ritter so hier, als drben, die Schranken hinunter,
  Und die Grieswrt' theilten sich links und rechts an der Bahn hin,
  Tragend den Stab in der Hand, zum Zeichen des heiligen Gastrechts.
  Doch nun kehrten zugleich, im zgernden Schritte, die Kmpen
  Wieder zurck, vor dem Schrankenthor sich fertig zu stellen.

    Als der Kaiser die Kehrenden sah -- dann vor sich das Volk dort,
  Dann im Rcken die Bnke gedrngt voll grauender Ritter,
  Edeler Herrn, und Frau'n, und zartaufblhender Frulein:
  Ach, da fllten sich fast ihm die Augen mit Thrnen! Er wandte
  Halb nach den Kindern sich um, und sprach mit inniger Rhrung:
  Welch unzhliges Volk: nur die Ein' ersehen wir hier nicht--
  Euere Mutter ist fern, und Agnes, als Pflegerinn wechselnd
  Heute mit euch! Auch wir entbehreten freudig des Schauspiels--
  Weilten so gerne daheim bei der Leidenden; aber die Pflicht ruft
  Ehernen Lauts, und heit all' and're im Herzen verstummen.
  Weh', da ich auch die Kunringe hier vermi', und der Helden
  Einige, die verlockt auf trugverhlleten Pfaden
  Sich zu den Feinden gesellt, und im Schooe der eigenen Mutter,
  Jenen gleich mit der grimmigen Faust zu whlen bereit steh'n;
  Aber vielleicht gelingt es mir noch die Verirrten zu sammeln!
  Jene schwiegen, und hielten die Hand vor die thrnenden Augen:
  Ob der Mutter betrbt; doch Hartmann vor allen: ein Liebling
  War der Trauernde stets der holden Mutter gewesen.

    Sieh', nun schwebt' auf dem Wettergewlk des umnachteten Himmels
  Marbod daher! Er sah Drahomira vorber im Eilflug
  Ziehen, und folgen der Spur des schwarzgersteten Ritters,
  Der mit geschlossenem Helm' aus dem bhmischen Lager herber
  Spornte den Rappen im Donnergalopp', an die Schranken der Turnbahn.
  Nicht wie den Sterblichen war dem Geiste der Ritter verhllet:
  D'rum erbangt' ihm die Brust vor Angst ob seinem Erwhlten,
  Rudolph, dem er sich liebend geweiht: denn siegenden Hohn sah
  Er in dem Blick Dahomira's, und kam, ihm rettend zu nahen,
  Wenn sie, hllischen Trugs, Gefahr ihm sann, und Verderben.
  Immer schneller verschlang des Tages Heit're der Wolken
  Finstere Nacht. An dem Himmel herauf, und hinunter zum Erdrand
  Zuckte der rthliche Blitz, und von fern her murrte der Donner:
  Kommend auf Flgeln des Sturms, vom druenden Sden herber.

    Jetzt erscholl drometender Ruf, dreimaligen Stillstands,
  Tief, eintnig, gedehnt: des Kampfs ersehnetes Zeichen.
  Alsbald braus'te der Riegel zurck: in die rhmlichen Schranken
  Ritt, gemessenen Schritts, hellstrahlend von Purpur und Goldschmuck,
  Lobkowitz ein; den Schild ihm ziert' ein fliegender Adler.
  Ganz durchma er die Bahn bis vor in die Nhe der Prachtlug;
  Wandte das Ro, und harrete dort des wrdigen Gegners,
  Den das Los ihm beschied, und sieh', ihm nahte Capellen,
  Muthigen Blicks! Da rief ihm Lobkowitz freundlich entgegen:
  Nun geschlossen den Helm, und fest in dem Sattel gesessen!
  Schon viel Rhmens hrt' ich von euch, Capellen! So lat uns
  Heut' erseh'n: ob mir, ob euch die Krone bestimmt sey,
  Welche zum Dank uns beut die Erzeugte des edelsten Kaisers,
  Adelheid, voll Engelshuld und himmlischer Schnheit.
  Wohl, entgegnete jener mit Trotz, das lat uns erproben,
  Lobkowitz! Rasch seyd ihr, bheimische Kmpen, und dennoch
  Sollt ihr Oestreichs Shnen den Kranz nicht rauben im Turnkampf.
  Aber sie schlossen den Helm, und setzten sich fest in dem Sattel.
  D'rauf, mit gewaltiger Faust vorsenkend den Speer aus des Bgels
  Rhr', und den ehernen Schild vorhaltend dem Feinde zur Abwehr,
  Spornten beide das Ro, das, weitvorgreifenden Sprunges,
  Schnell, wie der Blitz, auf dem Plan mit tnendem Hufe dahinflog,
  Bis inmitten der Bahn, urpltzlich, ein jeder der Gegner
  Traf des anderen Schild mit des Speers abprallendem Eisen
  So, da der mchtige Schaft, in tausende Splitter zertrmmert,
  Hoch empor in die Luft und umher auf dem zischenden Sand flog,
  Und die Rosse, zurck' auf die Hinterfe gesunken,
  Noch dem gewaltigen Sto' erzitterten, schreckenerfllet.
  Lautaufjauchzte den Kmpen das Volk; unzhlige Stimmen
  Zollten im tausendfltigen Ruf den Trefflichen Beifall.
  Jetzt gedachten sie schon, aus dem Sattel sich schwingend, zu zeigen
  Auch in dem zweiten Gang mit dem blinkenden Schwert die Gewandtheit,
  Schnelle, und Kraft; doch laut rief dort der herrschende Turnvogt:
  Helden, es ist euch Siegesruhm die Flle geworden!
  Ruht von dem Scheinkampf jetzt! Vielleicht, so Gott es nicht wendet,
  Werdet ihr bald zum Ernst, nicht zum Scherz,
              in schrecklicher Feldschlacht
  Richten das blitzende Schwert auf die Brust anstrmender Gegner!
  Ihr brach't zierlich den Speer: aus der Hand der holden Erzeugten
  Rudolphs, wird euch herrlicher Lohn noch heut' in dem Turn-Dank!
  Jene kehrten zurck, in dem hohen Gezelte zu ruhen.

    Stille wurd' es umher, und es fat' ein heimlicher Schauder
  Manchem die Brust bei'm ernsteren Wort des prophetischen Greises.
  Doch nun braust' im Sturm der schwarzgerstete Ritter
  Nher, und ri den Rappen zurck' an dem leitenden Zgel,
  Sonst durchbrach er im Sprung die hemmenden Schranken. Er nagte,
  Wthenden Grimms, am Gebi', und schnob, und streute den Schneeschaum
  Hin auf den Sand, den er mit den scharrenden Hufen umherwarf.
  Edelem Stamm' entsprossen schien der gewaltige Reiter;
  Aber noch barg der geschlossene Helm ihn den Augen des Volkes.
  Stolz erhob er die Hand, und hie mit stummen Geberden
  Milota nah'n. D'rauf zog er ein Blatt aus den Fugen des Panzers,
  Reicht' es ihm dar, und wies nach des Turnvogts herrschendem Sitz hin.
  Milota lchelte Hohn, da er, spornend sein Ro, an den Schranken
  Hinflog, und darreichte das Blatt dem staunenden Alten.
  Dieser entfaltet' es schnell, und las mit vernehmlicher Stimme:
  Euch entbiethet zuvor, ihr edelen Herren und Ritter,
  Ihren freundlichen Gru Kunegunde, des bhmischen Reiches
  Kniginn! Dann verlangt sie, da ihr den Ritter in Trauer
  Nicht verschmht, der glnzenden Stamms sich rhmt, und im Turnkampf
  Heute, vor euch, ihr herrlichen Ruhm zu ersiegen, bereit ist.
  Aber ihm werde nach Wunsch der letzte der Kmpfe gewhret!
  Stumm verneigte der Greis sein Haupt, und Milota kehrte
  Wieder zurck. Da lispelte leis' in die Ohren des Nachbars
  Ein Barfermnch, der jngst aus Bhmen gekommen,
  Und auf dem volkerfllten Gerst schaulustig sich einfand:
  Seh' ich den Ritter dort, gehllt in die finstere Rstung,
  Will es mich fast bednken: er sey der Kniginn Liebling,
  Zawi von Rosenberg,[3] der weitgepriesener Anmuth,
  Blhender Jugendkraft, und tapferen Muthes, ihr Herz schon
  Vllig gewann, das leis' in heimlichen Flammen sich abzehrt.
  Also rcht sich die Schuld! Ein Gleiches mit Gleichem vergolten
  Wird dem Knige, der Margarethen verstie, und den Unhold
  Sich beilegte zum Weib: Kunegund' ersehnt sich den Buhlen.
  Also das Mnchlein sprach. Doch feuriger stets, und entflammter,
  Zuckten die Blitz' umher im Gewlk', und auf ehernen Rdern
  Sank stets tiefer herab des Donners rollender Wagen
  So, da die Menge mit Angst aufsah, und, des strmenden Regens
  Denkend, nur an dem Leinendach des Gerstes noch Trost fand.

    Wieder erscholl gar feierlich ernst die Dromete. Zum Turnkampf
  Rief sie ein Heldenpaar: da flog der muthige Wallstein,
  Herrlich glnzend von Gold auf dem perlen-farbigen Sammttuch,
  Ueber die Plne hinab, und wandte sich, harrend des Gegners.
  Sieh', ihm fiel das Los, mit dem Stahrenberg in den Schranken
  Heute zum erstenmal, sich zu messen: zum Ritter geschlagen
  Jngst durch Ottgar selbst, der ihn vor jeglichem liebte!
  Jugendlich hpfte das Blut in den Adern des feurigen Helden
  Noch. Er lechzte nach Ruhm; doch wthete jetzt in der Brust ihm
  Furchtbare Liebesgluth, seit er vernommen, da Hedwig--
  Sie, die Zierde der Welt, fr welch' er thricht entbrannt war,
  Reichen sollte die Hand zum eh'lichen Bund dem Erzeugten
  Rudolphs, Hartmann, und ach, Verzweiflung fat' ihn erneut an!
  Ungeheueres sann er emprt im Gemth, und nicht wut' er
  Wie er's vollbringe dereinst. Da sprach ihm jetzt Drahomira,
  Die, nur auf Arges bedacht, auflauerte, leis' an das Ohr so:
  Denke des Muths: vielleicht gelingt es dir heut, den Verhaten
  Dort mit hhnendem Blick zu reizen, und Rache zu ben!
  Alsbald wandt' er das Haupt, und sah mit hhnenden Blicken,
  Lang' nach dem tapferen Hartmann hin, als htt' er gefrevelt.
  Zorngluth scho in das bleiche Gesicht des Edeln: er hob sich
  Hastig vom Sitz, ihn laut zur Rede zu stellen, entschlossen.

    Doch schon nahete Stahrenberg, im feurigen Vorschritt
  Zgelnd das Ro, und rief dem Gegner, lchelnd, entgegen:
  Erst so beweglich, und nun sumst du den Kampf zu beginnen?
  Nein, ich sume nicht! sprach alsbald der Zrnende, whnend:
  Jener zeihe der Feigheit ihn. Er ahnte nicht, wer ihm
  Also emprte die Brust durch dunkle Gebilde der Rachgier.
  Trotzig schlo er den Helm; lie sinken den Speer in der Rechten;
  Gab dem Rosse den Sporn, und flog dem Ritter entgegen,
  Der nicht mig geharrt: denn sieh', jetzt trafen die beiden
  Sich inmitten des Plans, an dem Schilde die Speere zu brechen,
  Wie es der Turnbahn Sitte geboth, und trefflich erzielte
  Stahrenberg den Gewinn: sein Speer zerbrach an dem Turnschild
  Wallsteins, den ein glnzender Stern erhellete, krachend;
  Schlug auch den Stern entzwei, und zerstob in unzhlige Trmmer!
  Aber nicht so sein Gegenpart. Von stachelnder Rachgier
  Glhend, nahm er das Abseh'n hoch nach dem Helm', und er stie ihm
  Solchen vom Haupt mit festnachstrmender Rechten, da alsbald
  Ihm an dem Kinn der Riemen zerri, und im Sande der Helm hin
  Kollerte. Zornerfllt gewahrten die lteren Ritter
  Wallsteins Frevelthat, und murreten. Aber dem Turnvogt
  Schien gleichmig des Kampfes Gewinn: weil jener den Schild ihm,
  Schmetternd, zerbrach, und dieser den Helm von dem Haupt ihm gehoben.
  Stille herrscht' umher; kein Beifall krnte die Kmpen.
  Stahrenberg ritt eilig zurck; doch zgerte Wallstein
  Noch auf dem Plan, und sah von neuem mit hhnendem Ingrimm
  Nach der Lug empor, wo Hartmann im glnzenden Harnisch,
  Lieben Geschwistern vereint, sich fand an der Seite des Kaisers.
  Ihn verhhnet' er frech, und begann mit stachelnden Worten:
  Khlere Lftchen umweh'n dich dort; hier fhlt es sich heier:
  Komm, und versuch's! Der Jugend Kraft zu erproben, ist rhmlich.
  Sthnend vor edelem Zorn erhob sich der Jngling, und forschte
  Einen Augenblick in dem Antlitz des herrschenden Vaters.
  Aber er sa in erschtternder Hoheit dort in der Mitte
  Seiner Erwhlten, und sah, verstummend, hinab auf den Ritter.
  Jenem genug: er sprang die Stufen herunter, und warf sich
  Schnell auf das wiehernde Ro, das drauen der Knappe gehalten;
  Fate, zitternd vor Hast, den Speer, und flog auf die Turnbahn.

    Doch schon hatte zuvor von dem trugverblendeten Wallstein
  Sich Drahomira gewendet, und hing mit flammenden Blicken
  Ueber Ottgars Haupt. Er war's, der heute des Nachtgrau'ns
  Farbe zur Rstung sich whlt', als jene, voll hllischer Arglist,
  Ihn zu dem Kampf hertrieb: nur Jammer zu schaffen, entschlossen.
  Wie auf dem trglichen Netz die giftige Spinne dahinfhrt,
  Wo die Beute sich fing, und diese mit klebrigen Fden
  Dicht umstrickt, da kein' Errettung mehr von dem Tod ist:
  Also lie sie nicht ab von dem unglckseligen Herrscher,
  De', sonst edele, Heldenbrust in wilder Emprung
  Schrecklicher Ehrsucht gohr, und allein nach Rache sich sehnte.
  Siehe, wie zween geschweifte Kometen am nchtlichen Himmel
  Glh'n, und in blutiger Kriegeszeit den zagenden Vlkern
  Dru'n Pest, Hungersnoth, und Theurung: also erglhten
  Jetzt Drahomira's zur Wuth emprete Blicke; sie hauchte
  Ottgars horchendem Ohr den seelenverderbenden Rath ein:
  Pfeilschnell naht, und entfliehet das Glck:
              d'rum hasch' es im Flug jetzt,
  Eh' es auf immer entweicht, und nicht wiederkehret dem Trgen:
  Tritt mit Hartmann du in den Kampf; dir weiche dein Liebling
  Wallstein. Thricht verga der waffenbeschauende Turnvogt
  Deine zu prfen: du fhrst verderbliche. Schleudre den Jngling
  Erst in den Staub; dann wende dich, nah' ist der Kaiser,
              durchbohr' ihm
  Khn die verrth'rische Brust, und entflieh'.
              Dein schreckliches Reitro
  Trgt dich schnell aus umdrngender Noth: denn hllische Macht tobt
  Ihm in den Adern. Auf, und rche dich jetzt an dem Gegner.

    Wild aufbumte sich Ottgars Rapp', als jene gesprochen;
  Scharrt' in dem Sand, und schnob, und drehte sich,
              wthend, im Halbkreis':
  Denn sie erregte das Thier durch Gaukelgebilde der Hlle.
  Heimlicher Schauder ergriff das Volk und die edelen Ritter.
  Ottgars Aug' umdsterte Nacht: gleich Meeresorkanen,
  Whlten in seiner Brust die Empfindungen streitender Rachgier,
  Ehre, und Pflicht. Doch jetzt besann er sich; sprengte den Rappen
  Ueber die Schranken, und rief dem kampfbeginnenden Helden
  Laut, im Brausen des nahenden Sturms und Donnergewitters:
  Wallstein, halt! Zieh' hin zu dem Schrankenthor', und vergnne
  Mir in des Kampfs Entscheidung den Sieg. Kunegunde geboth mir
  Sie zu rchen, und dich an dem schmhungliebenden Buben
  De', der Kaiser sich nennt des heiligen, rmischen Reiches.
  Wallstein eilte zurck; doch Hartmann rief ihm entgegen:
  Ha, du lgst! Nie hat mein Mund Kunegunden, noch jenen,
  Der so frech sich erweis't, so unritterlich handelt, geschmhet,
  Weder heimlich, noch offenbar: das sollst du mir ben.
  Rief's, und senkte den Speer, nicht erwgend, da solchen der Knappe,
  Nicht zum Kampf auf Leben und Tod -- nur zum rhmlichen Scheinkampf
  Ihm darreichte zuvor, in drngender Hast und Verwirrung.
  Zwar erhob den Stab und die herrschende Stimme der Turnvogt;
  Zwar abmahnten vom Streit die Grieswart' die und auch jenseits;
  Aber sie achteten's nicht. Von dem lautaufheulenden Sturmwind
  Ward verschlungen ihr Ruf, und die rachebefeuerten Gegner
  Bringt zur Ruhe kein Stab jetzt mehr, noch zu klarer Besinnung.
  Aber schon war, voll sorglicher Hast, dem erhabenen Kaiser
  Marbod genaht. Nicht entging dem liebenden Geist Drahomira's
  Unheilschwangerer Blick, die, beiden: dem Kaiser und Bhmens
  Knige, Tod und Verderben sann, und in wilder Verwirrung
  Leichen auf Leichen gehuft, der Hlle zur frevelnden Lust, sah.
  Jetzt umfat' er ihn hei, und rief im Geistergelispel:
  Auf, und ziehe dein blinkendes Schwert, zur Wehre dich stellend!
  Dir droht Mord und Verrath, und deinem Sohne Verderben
  Von dem Fremdlinge. Horch, und verschmhe des Warnenden Rath nicht!
  Alsbald hob, von dem Geist erregt, der gewaltige Herrscher
  Von dem Stuhle sich auf; entblte das Eisen, und eilte
  Schnell die Treppe herab auf die Plane, den theuern Erzeugten
  Gegen die Wuth des rascheindringenden Gegners zu schirmen,
  Der so frech verhhnte den Ruf des heiligen Gastrechts.

    Jetzo sporneten, laut mit Geschrei, die erbitterten Helden
  Gegen einander die Ross' auf dem Plan; doch, brausenden Fluges,
  Trieb in dem Augenblick das entsetzliche Donnergewitter
  Nher, und stubte den Sand in wirbelnden Sulen vom Grund auf.
  Blitz auf Blitz, und Schlag auf Schlag urpltzlichen Donners
  Flammt', und krachte herab aus dem finsteren Schooe der Wolken,
  Die, gewitterschwer, tiefhangend, zum Boden gesunken,
  Jetzo des Mittags Hell' in Nacht verwandelten ringsum.
  Angst ergriff das versammelte Volk. Dem Schreckensgedanken
  Bebte das Herz, als sey der Tag' allletzter gekommen.
  Wie, und dennoch ruhten die zween erbitterten Gegner
  Von dem Kampfe noch nicht? Sie sprengten die Lufer im Flug fort.
  Jetzo, wo Ottgars Speer mit tdlicher Spitze dem Turnschild,
  Harnisch, und Herzen zugleich des harmloskmpfenden Hartmann
  Nahete, fuhr ein Blitz, an der Breite dem strzenden Waldstrom
  Aehnlich, zwischen die beiden herab, und entsetzlicher Donner
  Rollte, betubenden Schlags, erschtternd ringsum die Gegend,
  Pltzlich ihm nach; doch Marbod sprang urschnell in den Blitz hin.
  Sein entrsteter Blick entflammte sich hell, und er schreckte
  Hartmanns wildanstrmendes Ro vor dem Rosse des Gegners.
  Bumend hob es sich auf: da drang ihm der Speer so gewaltig
  Ein in die Brust, da der Schaft, erkrachend,
              sich bog, und entzwei brach.
  Sthnend sank das Ro auf den Rcken. Der Reiter entzog ihm
  Schnell das Bein, und stand, ergriffen von inniger Wehmuth:
  Schauend sein treues Thier, das jetzt mit den vorderen Hufen,
  Jetzt mit den hinteren scharrt' in dem Sand --
              dann todt, und erstarrt lag.

    Ottgar sa, geblendet vom Blitz', und schnaubend vor Ingrimm
  Ob des gebrochenen Speers. Er hrte den schrecklichen Donner,
  Hrte die lrmenden Ritter nicht mehr, die, emprt von dem Frevel,
  Naheten; doch er sann im schnellhinschwindenden Zeitraum
  Eines Augenblicks. Drahomira emprte zur Wuth ihn,
  Als der Kaiser zur Rettung des Sohns in Eile dahersprang;
  Aber umsonst: denn stolz- und tapfergesinnet war Ottgar;
  Feig ihm dnkte der Mord. Er ri von der Rechten den Handschuh,
  Warf ihn entgegen dem Feind', entblte das Eisen, und rief ihm:
  Rudolph, heb' ihn nur auf: denn es biethet auf Tod und auf Leben
  Ottgar, zitt're vor ihm, dir Fehde fr jetzt, und fr immer!
  Nichts von Frieden darum, und nichts von der Kinder Verlobung:
  Rach' allein ist die Losung hinfort: das soll ich dir kund thun!
  Rief's, und gab dem Rosse den Sporn. Die Schranken hinber
  Trug es ihn fort im Sprung; dann, sausend, im Donnergaloppe
  Weiter und weiter hinaus auf der staubenden Strae nach Stillfried,
  Und ihm sprengte sein Ehrengefolg' im eiligen Flug nach.
  Aber in wilder Verwirrung schrie'n, und entstrzten die ander'n
  Rings den Sitzen, und floh'n durch Sturm und Gewitter voll Angst heim.




  Fnfter Gesang.


  Schttelnd die triefenden Schwingen, erhob nach unendlichem Regen
  Sich der Abendwind, und warf von dem rauschenden Hochwald
  Und dem ersuselnden Hain' gewichtige Tropfen zum Boden.
  Trauernd senkten den lastenden Kelch in dem Felde die Blumen
  Noch, und das blinkende Gras bewegte sich langsam und schwer nur.
  Kein Gesang der Vgel erscholl; nur fern in dem Sumpfrohr
  Quackte der Frosch, und die finstere Luft durchkrchzten die Raben:
  Denn noch deckte Gewlk des Himmels Bogen; der Donner
  Rollte noch fort, und der leuchtende Blitzstrahl fuhr noch im Sden
  Flatternd umher: als droht' er entsetzlicher wiederzukehren.
  Da gelangte, von Wuth und ghrender Rache getrieben,
  Ottgar heim vor das Lagerzelt, und schwang sich vom Sattel
  Hastig herab. Ihm kam der Kunring, Leutold, entgegen,
  Der mit Schmerzen daheim sein harrete. Jetzo begann er:
  Wahrlich, du kommst ersehnt, und glhender noch, als am Abend
  Unsers mit Blut gefertigten Bund's: an dem Kaiser -- an Rudolph,
  Rache zu ben -- an ihm, der nach den geheiligten Rechten
  Altehrwrdiger Ritterzeit im emprenden Hochmuth
  Greift mit gewaffneter Hand; der Deutschlands Edeln der Knechtschaft
  Fesseln beut, da er schon gar viele der Vesten zu Boden
  Schmettert', und allen ein Gleiches droht: da nimmer die Freien
  Uebten ihr Recht an dem Volk, dem niedriggebornen, nach Willkhr.
  Nicht so wurden wir einst lehnpflichtig dem Knig. Der Leh'nsherr
  Rang um sein Eigen im Feld; sein ist's, was dort ihm zu Theil ward--
  Knig auch er: ihm huldigt zur Frohne der Hold und der Sasse.
  Wie, mir wrd' es verwehrt zu erbauen die Burg auf dem Felsen,
  Der aus dunkelem Wald' aufragt, und zum schwindelnden Abgrund,
  Senkrecht bis zu dem Wildbach hin die Wnde hinabsenkt,
  Unnahbar dem Feind? Nicht sollt' ich dort von den Zinnen,
  Oder des Wartthurms Hh'n mit herrschendem Blick in des Abends
  Goldenem Schein' erforschen die Gau'n: ob, lauernd, der Gegner
  Nahe den Thalweg her? Nicht sein, des ohnmchtigen, spotten,
  Der, mit blutigen Kpfen zurck von der Veste gewiesen,
  Schamroth flieht? Nicht von ihr zum Kampf mit den Reisigen auszieh'n,
  Kennend der Mauern Gefg', und in selben geschirmt nach dem Heimzug?
  Rechte nur immerhin der Unfreie mit mir, da ich, Freier,
  Niederwerfe nach Lust auf der Strae den wandernden Kaufmann,
  Der, ein Brger der Stadt, dem Juden zugleich und dem Wechsler
  Treuverbndet, mein Volk betriegt, de' Habe doch mein ist?
  Nur in der Ritterburg, der Wieg' erhebender Thatkraft,
  Heldensinnes, und Muths wohnt auch das husliche Glck noch.
  Wenn ich schaue die Hausfrau dort, wie sie schaltet mit Sanftmuth
  Ueber das rohe Gesind', und die zchtigen Tchter, den Rosen
  Gleich aufblhend, erwerben die Huld und die Wrde der Mutter;
  Wenn ich vom Fenster hinab an des Hofraums rasigem Abhang
  Ringen sehe den Sohn mit den Knappen: wie diesem den Bart er,
  Lachend, zerrauft, und den anderen schlgt mit den winzigen Fustchen,
  So vorbend die Kraft auf die herrlichsten Jahre des Lebens:
  Nicht fr die goldene Kron' eintauscht' ich die goldene Freiheit.
  Sieh', auch der Snger spricht dort ein, und lt in dem Hofraum,
  Nachtumhllt, gar mild ertnen die lieblichen Saiten,
  Eh' er beginnet sein Lied; doch sitzen wir bald in des Saales
  Schimmerndem Licht um ihn her, und horchen den zaub'rischen Tnen
  Von der Minne Leiden und Glck; von den Wundergeschichten
  Grauender Heldenzeit, und den Thaten gewaltiger Ahnen
  So, da in wonniger Lust, wie im Flug', uns die Stunden entschwinden!
  Ha, und dessen gedenkt der Habsburg uns zu berauben?
  Knftig sollen wir feig, erschlafft, und vllig verweichlicht,
  Wohnen in dumpfiger Stadt, und der Ritterehre vergessend,
  Hflingen gleich, uns bcken vor ihm? Doch, Knig, verzeihe,
  Wenn vor dir nicht Geflliges spricht ein wackerer Deutscher!
  Wie habt ihr turneit? Ward Habsburgs Lwe gebndigt?
  Hast du Rache gebt? -- denn Schreckliches kndet dein Aug' an.
  Sagt' es, erstaunt; doch Ottgar sah mit den flammenden Augen
  Ihn noch schrecklicher an, und rief: Ja, Rache gebet
  Offen vor allem Volk! Wohl sagt' ein hllischer Geist mir
  Heimlich in's Ohr: Durchbohr' ihn! doch mich dnkt' es zu niedrig:
  Morden! Ein Leichtes war's, auf dem Plan das blinkende Schwert ihm
  In die verrth'rische Brust -- er zitterte! heute zu tauchen;
  Doch nur in offener Schlacht, das Aug' auf das Auge geheftet,
  Soll er mir steh'n, und, fallend, im Staub' aushauchen das Leben.
  Vor, aus seinem Gefolg trat Milota jetzt, und begann so:
  Knig, verzeih': er zitterte nicht! Dich tuschte der Rachgier
  Seelenverwirrende Gluth. Wohl staunt' ich, als er so muthvoll
  Dir entgegen trat auf dem Plan: du sporntest den Rappen
  Weise davon. Gut war's: nicht wehrlos falle der Gegner,
  Tapferen Herzens, dem tapferen Mann; das hast du erwogen:
  Selber beut sich ja oft nur klgeren Seelen das Glck an.
  Sprach so, kaum bekmpfend die Wuth, die ihm heimlich des Herzens
  Tiefen zerri, und er lchelte nur. Doch jener zernagte,
  Schweigend, die Lippen vor Zorn: denn Spott verriethen die Augen
  Milota's. Jetzt entblt' er das Schwert, und flehte zum Himmel:
  Ewiger, der du schirmst das Recht, und bestrafest das Unrecht;
  Auch in der Vorzeit oft in die Hnde der Fhrer des Volkes
  Gabst dein Rcherschwert, zu vertilgen Israels Gegner,
  Hre mein Fleh'n, und la' mich jetzt vergelten im Vollma
  Dem, der, frevelnd an mir, verletzte die Treu' und die Wahrheit,
  Mich beschimpfend vor allem Volk, da er laut es gebilligt:
  Heimlich im Zelt sollt' ich ihm huldigen -- schndlicher Trug war's!
  Mich verachtet das Volk seitdem, und die jammernde Mutter
  Meiner Erzeugten weis't die unschuldigen Opfer des Truges
  Mir, im verzweifelnden Schmerz.
              O, gib mir den Sieg in dem Kampf jetzt!
  Ihr, so rief er den Feldherrn laut, erhebet die Banner
  Eurer geordneten Schar! Wir ziehen noch heute nach Thalsbrunn:
  Dort von dem Weidenbach g'en Wien zu dringen, entschlossen.

    Jene gehorchten sogleich, und gebothen dem Heere den Aufbruch.
  All' die geordneten Reihen hinab ertnte das Rufen
  Tausender: Auf! In den Kampf! Wir geh'n den Feinden entgegen.
  Trommeln rasselten dumpf, und das Schmettern eh'rner Drometen
  Scholl aus dem Waffen-Geklirr mit dem Wiehern unbndiger Rosse.
  Bald schwand rings die wandernde Stadt der Gezelt' aus den Fluren,
  Und die unendliche Wagenburg nachfolgte der Heer'smacht
  Langsamen Schritts, von dem Lastvieh fort auf der Strae gezogen.
  Siehe, in drei Heersulen ging des gewaltigen Knigs
  Furchtbare Macht jetzt vor! Er hemmte sein Ro an dem Heerweg;
  Sah die Tausende zieh'n, und heischte von Diesem und Jenem,
  Schnelleren Gang mit erhobener, oft schrittweisender Rechten.
  Lobkowitz fhrt' in dem Vorderzug die bhmischen Reiter;
  Mhrens Volk, das muthig zu Fu anstrmt in der Feldschlacht,
  Milota, der in der Mitt' einher vor den Reussen, den Meinern,
  Und den Thringern zog. Doch Czernin lenkt' in dem Nachzug
  Sachsens reisiges Volk, dem rasch die Mannen der Kunring',
  Und die Bayern zugleich voreileten, frhlichen Muthes.
  Als das geordnete Heer aufbrach, da schlo mit Gefolg auch
  Ottgar sich, hinbrtend, ihm an. Der tapfere Wallstein
  Ritt ihm zur Seit' -- auch er versunken in dstere Schwermuth:
  Denn nicht brachte der Tag ihm Gewinn; nicht die schnere Hoffnung
  Blht' ihm darum, weil er sie dem Gegner entri auf der Turnbahn.
  Ach, sie stand ihm zu hoch, des Knigs Erzeugte! Nicht wagt' er,
  Ihm zu erffnen das Herz, obgleich er liebend an ihm hing.

    Jetzo schwand das hg'lige Matz zur Rechten, und Angerns
  Weidenreiches Gefild zur Linken dem Heere vorber.
  Ottgars Blick hing starr an der March, die rauschend hinunter,
  G'en Marcheck und Kressenbrunn die dunkelen Fluthen
  Wlzte. Der herrlichen Zeit errungenen Ruhmes gedacht' er
  Jetzo mit pochender Brust, und sprach zu dem sinnenden Jngling:
  Eilt nicht der Strom, wie die Zeit, in ewigwechselndem Lauf fort?
  Bald erglnzt er im sonnigen Licht, bald wogt er im Sturmhauch,
  Trbaufschumend, umher: sein voriger Reiz ist entschwunden.
  Siehe, wie dster die March jetzt fliet,
              und wie herrlich erschien sie
  Dort an dem Tage von Kressenbrunn,[1] wo im Siegesgefild mir
  Ungerns Macht erlag, die Bela, der tapfere Knig,
  Zahllos, wie der Heuschrecken Heer', uns entgegengefhrt hat!
  Jenem Siegestag zur Erinnerung grndet' ich dankbar
  Dann Marcheck, die blhende Stadt, am Gestade des Flusses.
  Ha, dort scholl mir die Stimme des Glcks in dem Sieges-Gefild noch,
  Und ich folgt' ihr beherzt! Vielleicht erschallt sie mir nimmer.
  So ist des Menschen Geschick, des sterblichen, hier auf des Lebens
  Pilgerpfad' empor zu schieen, voll ppigen Wuchses;
  Doch gestellt ist das Ma, und er schrumpft dann wieder zusammen,
  Wie die thrmend' Eich', die ihr Haupt in die Lfte gehoben,
  Nun zu Moder zerfllt: die, ach, Jahrhunderten trotzte,
  Liegt in dem Staub! So schreiten auch Reich' und gewaltige Vlker
  Pltzlich wieder zurck von den kaum errungenen Hhen,
  Und mir ahnet es fast, ich hab' sie errungen: zum Abend
  Neigt sich mein Strahlengestirn, und bald versinkt es in Nachtgrau'n.
  Das sey ferne, so rief den schwrmerischtrben Gedanken
  Sich entreiend mit Macht, der feurige Jngling, das Dunkel
  Kennt dein Glcksgestirn nicht mehr: erst jetzo beginne
  Solches den schneren Lauf zu des Ruhms hellleuchtender Sonne!
  Fllt der Kaiser besiegt, und das soll er! dann ist die Welt dir
  Unterthan. Wie dort nach dem herrlichen Sieg' im Triumphzug
  Du hinfhrtest dein Volk an Italiens Grnze:[2] so winkt jetzt,
  Ueber sie hin dein Siegespfad. Weltherrschend, erffnet
  Roma dir die Thor', und erblickt die Krone der Kaiser
  Schimmernd auf deinem Haupt, die Carol der Groe getragen.
  Stark bist du, und noch strker, so dir ein tapferer Eidam--
  Doch nicht aus Rudolphs Stamm, den du geziemend verschmhtest,
  Sich in dem Schlachtfeld eint, als Gatte der himmlischen Hedwig!

    Ottgar schwieg, und das Heer zog weiter in tuschender Stille,
  Wie er gebothen zuvor. Doch sieh', aus den nchtlichen Wolken
  Senkte sich Arpad[3] jetzt in Eile herunter! Ein Vater
  Ward er genannt dem Magyaren-Volk', und aus seinem Geschlecht her
  Sprote der Segenszweig: der erste, der heilige Knig
  Ungerns, der, sein Volk auf des Heilands Pfade geleitend,
  Ihm der Menschlichkeit beglckende Recht', und der Sitten
  Mildere Form kund gab, auch Gesetz' ihm schenkte zur Wohlfahrt.
  Arpad, schauend den Kun, im Rohrgefilde verborgen,
  Sann alsbald nur Thaten des Muths, und er nahete pfeilschnell
  Ladislav, dem Knige, der, entschlummert im Zeltraum
  Lag auf dem Brenfell' im grasumwucherten Aufeld;
  Beugte sich ber ihn hin, und prete den Mund auf den Mund ihm
  So, da er ngstlich sich wand, und sthnete, bis er die Augen
  Aufschlug, schrie, und im finsteren Zelt', entrstet, umher sah.
  Arpad haucht' ihm Muth in die Brust mit dem Seelengelispel:
  Also bezwungen vom Schlaf, dehnst du die blhenden Glieder,
  Eingelullt vom Gesang kumanischer Frau'n und der Zither
  Sanftem Getn? Wach' auf, du Weichlicher! Denke der Ahnen
  Weitgefeierten Heldenruhms, und des feurigen Muthes,
  Der sie beseelte beim Klang des furchtbarbrllenden Rindhorns,
  Wenn die Feinde sich trafen im Feld', und der Wrgenden Ruf scholl.
  Wachen mu dort stets fr alle der Herrscher, und rastlos
  Walten bei Tag und bei Nacht, in gefahrumdruender Kriegszeit.
  Horch dem Gewirr! Schon zieht der Bhm' in tuschender Stille
  Eilig die Strae hinab g'en Thalsbrunn, dort in des Lagers
  Weitumkreisendem Raum, von dem Rasenwall' und dem Graben
  Mchtig geschirmt, dem Feinde sich rasch entgegen zu werfen.
  Zahllos regten sich dort viel' Tag' und Nchte die Grber,
  Die er entboth in dem Land' umher voll schrecklicher Drohung;
  Doch im Rcken des eilenden Heers, nichts Arges vermuthend,
  Kommt mit schwachem Gefolg' auch der Knig vorber, und langsam
  Folgt ihm die Wagenburg: d'rum schnell an das muthige Werk jetzt!
  Sende hinaus in den Hinterhalt der bewhrtesten Reiter
  Tausend, die, verborgen im trocknen Gerhr', an dem Heerweg
  Harren, bis Ottgar naht: gleich weit entfernt von den Scharen
  Und von der Wagenburg; dann all', im sausenden Eilflug,
  All' auf ihn los, und erhascht ihr ihn,
              schnell in Geschrei und Getmmel
  Wieder zurck in das Lager gejagt mit dem werthen Gefang'nen.
  So beginne den Kampf, ein Sieger, zur Freude dem Kaiser--
  Dir, und dem Vaterlande zum Ruhm, dem Lande der Helden!
  Sagt' es mit lispelndem Laut. Da trat ein Kun in das Zelt ein,
  Athemberaubt vor Hast, und verkndete: da auf dem Heerweg
  Zahllos, Schar auf Schar, der Bhme vorbergezogen.
  Feuriger hauchte der Geist, da er sprach, dem horchenden Knig
  Noch in die Seele den khnen Entschlu. Sieh', eilig erhob er
  D'rauf sich vom Lager, und rief nach dem tapferen Fhrer der Kunen,
  Kaduscha, der, von Gestalt nur klein, und hlich von Anseh'n,
  Doch unbndiger Kraft, und flammenschnaubenden Muths war.
  Eile, so sprach er zu ihm, mit tausend erlesenen Reitern
  Bis an den Rand des Gerhres hinaus, und harre mit Vorsicht
  Dort in dem Hinterhalt, bis Ottgar selber dir nah' ist:
  Weit getrennt von der Wagenburg, und den eilenden Scharen;
  Dann im Fluge hinaus, zu erhaschen den Herrscher der Bhmen!
  Fnfzig Rosse sind dein, und zehn goldschimmernde Sttel,
  Auch der Waffenschmuck des Kniges, kehrst du als Sieger.
  Ich vernahm es, entgegnete stolz der muthige Feldherr,
  Als er das Ro bestieg. Er jagte mit tausend Erwhlten
  Bis an den Saum des Gerhres hinaus, und warf sich, des Knigs
  Harrend, in's Gras. Wie in dunkeler Nacht der schreckliche Rohrwolf
  Lauscht an der Trift, und dort auf die Hinterfe gesunken,
  Winselnd vor Gier nach Blut, mit glhenden Augen umherschaut:
  Ob nicht der Rinder Schar vorber wandere, grasend?
  So der Kune dahier. Doch sieh', bald wogten des Feindes
  Reihen vorbei, und im Zwischenraum, nichts Arges vermuthend,
  Naht' auch Ottgar jetzt, als Kaduscha, sich in den Sattel
  Hebend, den Kunen zu strmen geboth. Vor dem wilden Getmmel
  Klirrender Waffen, und brausender Ross', und der strmenden Krieger
  Lautem Gejauchz' erbebte die Nacht, und des Knigs Geleitschar
  Starrte vor Angst: denn schnell, weit vorgebeugt aus dem Sattel,
  Schwingend mit wildem Gebrll den krummgehmmerten Sbel,
  Jagten die Kunen heran, und drohten ihm Tod und Verderben.
  Wallstein rief alsbald dem Gefolg': O, schliet um den Herrscher
  Einen ehernen Kreis mit der Brust, und fielen im Kampf wir
  Alle zugleich, nur sey des Herrn Gesalbter errettet!
  Aber nicht sumten die Tapferen: denn dreihundert aus Bhmen,
  Bayern, und Sachsen, erwhlt zum Geleit', umringten den Knig
  Schirmend, und kehrten die Brust nach dem Feind,
              der, hnlich dem Sturmwind,
  Naher und naher im Flug, herbraust' auf dem staubenden Heerweg.

    Kaduscha hieb der erst' in den Kreis des khnen Gefolgs ein.
  Er zerschmetterte schnell zwei muthigen Bayern, von Trings
  Mannen, die Stirn', und erhob sein Eisen, noch frder zu wthen.
  Tring, der edele Ritter, der, ausziehend aus Seefelds
  Ragender Burg, dort sieben unmndige Kinder zurcklie:
  Denn ihm raubte der Tod erst jngst die treffliche Hausfrau,
  Senkte den Speer auf den Wthenden; ritt rasch an, und durchstie ihm
  Also die Rechte, da ihr alsbald entschlpfte der Sbel.
  Jetzo hatt' er gercht die Ermordeten; aber es barg sich
  Jener sogleich im Gedrng', und rief nach dem Fhrer des Volkes,
  Zobor, ihm vertrauend des Kampfs entscheidende Leitung--
  Ihm, dem Riesen an Kraft: er lockte den grimmigen Bren
  Aus der Hhle heraus, und erwrgte ihn, ringend, am Boden.
  Seitwrts drang er auf Tring ein, der, schnaubend vor Rachgier
  Reiter auf Reiter herab aus dem Sattel warf mit dem Speerschaft.
  Vier' erwrgt' er schon: da stie ihm die Spitze des Eisens
  Zobor tief in's Genick', als er nach dem Gegner sich beugte.
  Tring sank in den Staub, und hauchte den muthigen Geist aus.
  Ach, und die Amme fhrt, wie die liebvollsorgende Mutter,
  Jeglichen Morgen die Kinder heraus auf die Zinnen der Felsburg;
  Zeigt dort allen den Weg, den jngst der Vater gezogen,
  Und euch allen, so sprach sie,
              ein schnes Geschenk aus der Hauptstadt
  Heimbringt, so ihr euch fromm und gut, wie er's heischte, benehmet.
  Doch nicht kehret er heim; sein harren die Kinder vergeblich:
  Denn er liegt getdtet im Staub! So fielen noch hundert,
  Unter der wrgenden Faust der Kunen, gebndigte Krieger,
  Und Verderben umgab stets nher und nher den Knig.
  Wie wenn nchtlich im Wald' ein wandernder Fleischer, von Rubern
  Angefallen, mit tapferem Muth' sich wehrt, und der Gegner
  Manchen erlegt; doch wre noch all sein Mhen vergeblich,
  So das menschengetreueste Thier ihm nicht fest an den Seiten
  Kmpfte: sein mchtiger Hund, der rasch im Kreise sich wendend,
  Diesem die Kehle durchhaut mit den tdlichen Zhnen; den andern
  Niederreit am Genick', und, wrgend, nicht ruhet, nicht rastet,
  Bis er errettet schaut den Gebiether: so stritt fr das Leben
  Ottgars, hufend die Leichen umher, der tapfere Wallstein.
  Doch, als jetzt die Gefahr ihm noch gewaltiger drohte,
  Schrie er ihm zu: Mir nach, mein Knig und Herr! und er bahnte
  Sich mit dem sausenden Stahl durch Feindeshaufen den Blutpfad.
  Ottgar folgt' ihm beherzt, und hieb die Umstrmenden nieder.
  Ha, nach entsetzlichem Mord und Gewrg, durchhau'n, und gesprengt war
  Endlich der Todesring, und ihm entrannen die beiden,
  Brausenden Flugs, auf dem Heerweg fort! Im nchtlichen Dunkel
  Schwanden sie bald aus den Augen der weitnachfolgenden Gegner;
  Doch die kehrten zurck', und des Knigs treue Geleitschar
  Fiel nach tapferer Gegenwehr (denn Keiner ergab sich)
  Hier erschlagen im Kampf mit den herzblutdrstenden Kunen.
  Ach, wie grausam wtheten jetzt die Schrecklichen: hauend
  Allen das Haupt von dem Rumpf', und es dann auf die Spitze des Sbels
  Pflanzend, zogen sie heim, siegtrunken und rachegesttigt:
  Denn sie sahen zuvor wohl doppelt die Zahl der Gefhrten
  Hingestreckt im Staub', und erwrgt von den tapferen Feinden.

    Fort, und fort im Galopp war Ottgar schon in des Heeres
  Nhe gelangt; nur die Hh'n von Prottes, dem ruhigen Drfchen,
  Lagen noch, trennend, vor ihm, und hinter den eilenden Scharen.
  Milota trabte die Hhen herab. Mit ngstlicher Sorgfalt
  Forschte sein Auge zuvor nach dem Knig: er hatt' ihn dem Tod schon
  Lange geweiht, und harrete nur des ersehneten Tages,
  Wo er nach Rache die Gier an ihm sttigte, schrecklich und furchtbar!
  D'rum verlor er ihn nie aus den Augen, und so, wie der Kater,
  Grausamer Lust, freigibt das erst gefangene Muschen:
  Da folgt ihm sein glhender Blick, und will es entrinnen,
  Streckt er sogleich ihm nach die klau'nbewaffneten Pfoten--
  Reit es zurck in den Todes-Kreis, und weidet die Augen
  So an dem armen, voll Grimms: nicht anders verfolgten die Augen
  Milota's Ottgarn stets, der Rach' ihn zu opfern, entschlossen.
  Jetzo gewahrend: er sey's, begann er von weitem zu rufen:
  Wahrlich, du wagtest viel, mein Knig, so fern dich zu halten
  Von dem schnellvoreilenden Heer! Wer so die Gefahr sucht,
  Wandelt auf glattem Gerll', an des Abgrunds schwindligem Rand hin:
  Denn in den Auen der March droht uns der schrecklichen Kunen
  Leis'umsphendes Volk: du warst die erwnschteste Beut' ihm,
  So es dich traf. Doch sprich, wo weilt dein Reitergefolg noch?
  Mein Gefolg ist todt, entgegnete jener, gefallen
  Unter des Feindes wrgender Faust. Dem tapferen Jngling
  Hier verdank' ich das Leben allein; stets hielt er im Leben
  Treulich an mir; er sey, wie ein Sohn, mir geliebt in der Zukunft.
  D'rauf hinbeugt' er nach Wallstein sich von dem Sattel; er kt' ihn
  Auf die glhende Stirn, und drckt' ihm die Rechte noch freundlich.
  Jener, mit Freudenthrnen im Blick', erwiederte, hebend
  Ottgars Hand an den Mund, der Liebe beglckendes Zeichen.
  Pltzlich sah er im Geist der wahnsinngenhreten Hoffnung
  Truggestalt in der Wirklichkeit, hellschimmernden Glanzes,
  Ihm genaht, und gestillt des Herzens unendliche Sehnsucht.
  Wehe, da Drahomira so nah' ihm war in des Nachtgrau'ns
  Schrecklicher Stund', und stets auflauerte, da sie, verderbend
  Ihn, sich rche zugleich an Ottgarn, hllischer Lust voll!
  Hufesgerassel erscholl: denn Milota's Reitergeschwader
  Jagte heran. Sie schrie ihm ins Ohr: Der Feind ist im Anzug!
  Ha, der Feind! rief Milota laut, und in wilder Verwirrung
  Jagt' er nach Ebenthal, woher sie gekommen, das Ro hin.
  Ottgar folgt' ihm schnell; nur Wallstein hemmte den Lufer
  Oft: um den Knig besorgt, und fr ihn zu sterben, entschlossen.
  Aber ihm duchte das nahe Gebirg, und drben das Blachfeld
  Jenes von Ebenthal an der freundlichen Burg, wo er seicher
  Oft sich erging, des Weidwerks Lust ergeben im Feld' auch.
  Ottgar hrete jetzt den Ruf des warnenden Jnglings;
  Tobte vor Zorn, und sprach zu Milota grimmigen Blickes:
  Hat dich mein bses Geschick mir entgegengefhrt an dem Kreuzweg,
  Wo in dem nchtlichen Grau'n nur menschenfeindliche Geister
  Hausen, da du dem Heer mich entrckst, und verleitest zum Irrgang?
  Wahrlich, der Himmel straft heut Nacht die Vergehungen alle,
  Die mich erniedrigten einst auf des Lebens verlockenden Bahnen!
  Fort, g'en Stillfried jetzt, wo die Wagenburg und der Nachhuth
  Tapfere Schar mich schirmt, bis wir dem Heere vereint sind!

    Finster umhllete noch das Gewlk den nchtlichen Himmel;
  Noch aufri der entfliehende Blitz zuweilen die Lieder,
  Zrnend, und sah mit feurigem Blick aus Osten herber.
  Bergan hob sich der Weg, und Milota sagte, verhhnend,
  Als die Ross', oft zgernden Gang's, aufschritten den Bergpfad:
  Hoffst du, Herr! vor des Ewigen Richterstuhle so leicht dich
  Abzufinden dereinst mit dem schreckengersteten Engel,
  Der dein Blatt dir weis't in dem Buche des Lebens und Todes?
  Whnst noch gar, du habest gebt fr Alles und Jedes,
  Was du verbt seither, schon heut' im nchtlichen Irr-Ritt?
  Grauses vernahm mein Ohr. Ist's Wahrheit, oder nur Tuschung,
  Was die Sag' uns gab von dem blutbesudelten Handel
  Dort? Da die Ost- und die steyrische-Mark dir bleibe zu Eigen,
  Hast du Schtze gesandt nach Wlschland -- heimlich verbndet
  Rom und Neapel dir, und Konradin, Friedrich von Oestreich[4]
  Hingeopfert des Henkers Schwert, die blhenden Frsten?
  Hast nicht Erbarmen gebt, als d'rauf die Mutter des letztern,
  Gertrud,[5] sanften Gemths, aus dem Erbe der Vter vertrieben,
  Fliehen hie dein Wthrich fort in strmischer Nachtzeit?
  Bist du rein von Schuld an dem Tod der verstoenen Gattinn,
  Margareth?[6] Ward der edele Herr und Ritter von Meiau
  Nicht in unwrdiger Haft von dir verbrannt in dem Schlothurm?[7]
  Nicht die Heldenschar, von dem Pettau'r,[8] niedrigen Herzens,
  Angeschwrzt, jahrlang' in schmhlichen Banden gehalten--
  Ihrer gewaltigen Vesten beraubt? Sieh' dort auf dem Hgel
  Drben den Rabenstein: wie im Wind sich die drren Gerippe
  Dreh'n nun hin, nun her, und im Schwung lautchzen die Ketten!
  Hu, aufstrubt sich mein Haar -- und dennoch lieber gehenkt dort,
  Als da ich bte, wie du, an dem Merenberger[9] den Frevel!
  Aber horch! Da er nun, das Haupt an die Fe gebunden,
  Zweimal den Morgen und Abend sah, in schrecklichen Qualen
  Hngend am Rabenstein, war nur der geschndeten Schwester
  Bild -- geschndet von dir, vor seinem Gemthe! Dir flucht' er,
  Eh' er starb, durchbohrt von einem der wilden Szupanen.
  Wie, du erschrickst? Nein, frchte nichts, Herr!
              Da ich jetzo der Tochter,[10]
  Meines geliebtesten Kindes, gedacht, nicht verdenk' es dem Vater,
  Der nicht weinen mehr kann um sie, die schndlich verfhrt ward.
  Ihre die Schuld, der Metze: sie gab sich wohl selber der Schmach hin!

    Ottgar schlug sich die Brust, und wimmerte: Vater, Verzeihung;
  Mein ist die Schuld allein: den Himmlischen glich sie an Reinheit!
  So? -- sprach dann mit gedehnetem Laut der entsetzliche Vater.
  Ottgar sthnte vor Angst, da es jener vernahm; mit den Zhnen
  Knirscht' er; sah empor, und rief mit ersterbender Stimme:
  Milota, sieh', wie es ber den armen Sndern erblitzet!
  Sagt' es, und sttzte das Haupt, vergehend, auf Milota's Schulter.
  Jetzt in der geistverzckenden Zeit todhnlicher Ohnmacht
  Sah, wie entkrpert, er dort an dem Rabenstein, Drahomira
  Schweben umher, und oft hellstrahlen von rthlichen Flammen.
  Ihr nachfolgten zum Dienst drei Migestalten der Hlle
  So, da der Halbentseelte noch zuckt', und bebte vor Schrecken,
  Als er die Furchtbar'n sah. Aus schwarzumhllendem Schleier
  Starrten mit weitgeffnetem Aug' todblasse Gesichter,
  Und ihr Leib, durchblinkt von der Flammengestalt Drahomira's,
  Flo, wie ein Trauerflor, hinaus in das finstere Nachtgrau'n.
  Doch, nach dem Wink der Gebietherinn, auf,
              und hinunter sich schwingend
  Dicht an dem Rabenstein, wie der Mauerspecht am Gemuer,
  Der mit klglichem Ruf nach Gewrm' und Kferchen sphet,
  Nagten sie dort ein Giftgewchs und das Moos mit den Zhnen
  Ab von dem Stein und Gehlz, und schwebten hinab auf den Heerweg.
  (Zwischen Ottgar hier, und Milota -- aber vor Wallstein
  Dort, der zgernd folgt': in tuschende Trume versunken
  Knftigen Glcks) und hauchten zugleich auf die Erde den Unrath.
  Doch Drahomira kam, vorhaltend in glhender Rechten
  Einen Becher, in dem verderbliche Sfte von Krutern
  Ghreten: erst entpret dem Eisenhtchen und Schierling,
  Dann Tollkirschensfte vermengt, der pltzlich des Menschen
  Sinne verwirrt. Sie go mit zaubergewaltigen Worten,
  Vor den Drei'n, die sie nachmurmelten, wie aus der Felskluft
  Grimmvoll murrt ein Drach', das Gift auf den furchtbaren Unrath
  Aus; zertrmmerte schnell den Becher auf ihm, und erhob sich
  Dann im Weh'ausruf des Hllengefolg's in den Luftraum.
  Alsbald schwamm ein blulicher Duft, des giftigen Pfuhles
  Nebel gleich, umher: dem nahenden Jngling zum Falle
  Hingebannt von der Macht Drahomira's, des schrecklichen Weibes.

    Ha, schon naht' er heran! Noch brannte der glhende Ku ihm
  Auf der Stirn'; noch scholl in das Ohr ihm der schmeichelnde Zuruf
  Ottgars: Da er ein Sohn ihm sey -- dem liebenden Vater.
  Wie, ein Sohn? Dann ... ja, wenn Hedwig die Rechte mir reichet!
  Himmlische Hoffnung! Rief's; da bumte schnaubend sein Reitro
  Dort an der furchtbarn Stelle sich auf. Ihn duchte der Wehruf,
  Den er jetzo vernahm, aufhorchend mit pochendem Herzen,
  Hedwigs Stimm': alsbald vorspornend den hurtigen Lufer,
  Stand er gebannt in dem Zauberkreis', und urpltzlich, so whnt' er,
  Ward ihm zur Gegenwart die nimmergeahnete Zukunft.
  Hochbeglckt hielt er die Ersehnete jetzt in den Armen:
  Ihm schwand Himmel und Erde dahin! Doch flatterte blitzschnell
  Weiter der tuschende Spuk, da, schnaubend vor Angst und Entsetzen,
  Nun das Ro fortsprang aus dem Zauberkreise der Hlle.
  Sthnend sah er zurck, und die Blsse des Todes bedeckte
  Seine Wangen: ein Traum, so schien es ihm, flchtig entronnen,
  Wies ihm des Erdenglcks Erwnschtestes. Wehe, nicht schwand jetzt
  Mehr des Gesehenen Bild aus seinem Gemth'. In den Adern
  Kocht' ihm das Blut, und im kreisenden Schwung' umgaukelte jenes
  Rastlos ihn, da er flog, getrieben von hllischem Zauber,
  Abzufordern die Hand der Knigstochter dem Vater;
  So zu empren des Herrschers Stolz, und, von diesem gehhnet,
  Racherfllt, sich selber und ihn zu verderben auf immer.

    Siehe, voll Himmelshuld war ihm sein schtzender Engel
  Wieder genaht, und rief in sanftverweisenden Lauten:
  Wie, umsonst ertnte dir erst mein warnender Zuruf?
  Wehe dir, Jngling, ach, wenn Schuld verdunkelt die Reinheit
  Deines Gemths! Wie ein Spiegel, noch erst im herrlichsten Lichtglanz
  Schimmernd, schnell abstirbt, so ihn feuchtannahender Hauch deckt:
  Also umwlkt es die Schuld. Bald scheint die blhende Schpfung
  Dir verwelkt, und erstarrt ringsum das regsame Leben:
  Nichts des Hohen vollfhrest du mehr, von irdischen Banden
  Niedergehalten. Verzieh'; o denke des Ewigen, reuig;
  Kehre zurck, und beherrsche mit Kraft die Gelste des Herzens,
  Da du nicht Schmach dir jetzt durch thrichte Worte bereitest!

    Sagt' es, und schwang sich empor zu dem Vater
              im Himmel, de' Antlitz
  Er mit dem Seraph und Cherub schaut fr immer und ewig.
  Aber der Jngling rief: Ward erst der Seligen Wonne
  Mir von dem Himmel gewhrt? Vernahm ich jetzo der Hlle
  Tuschenden Ruf? Nicht wei ich's -- will es nicht wissen;
              es dreht sich
  Schwindelnd die Welt um mich her; sie reie mich mit in den Abgrund!
  Sieh, und er hieb in den Bauch des chzenden Lufers den Sporn ein:
  Brausenden Sprung's trug fort ihn das Thier,
              bis er's vor dem Herrscher,
  Der mit dem Feldherrn, ernst und schweigend die nchtliche Bahn zog,
  Jetzt festhielt, nach gewaltigem Mh'n: denn wthenden Ingrimms
  Flog es dahin! Nun sprach mit sanfterheitertem Antlitz,
  Nach dem Jngling gekehrt, der weitgefrchtete Knig:
  Wallstein, ha, wo weilst du? Komm, und rette den Vater
  Dir, dem liebenden Sohn, von diesem entsetzlichen Manne!
  Milota, fort! Entfleuch! Du warst mir treulich ergeben,
  Du, des Herrschers Vasall; doch hast du mit blutiger Faust ihm
  Heut' in dem Herzen gewhlt -- frechlautende Worte gesprochen.
  Gott ist gerecht. Die Schuld, vergrert von feindlicher Migunst,
  Mindert vor ihm ein reuiges Herz: er wird's nicht verschmhen!
  Halte dich knftig entfernt von mir -- auch jetzt in dem Feldzug,
  Da nicht mein Zorn, erwacht, dich noch verderbend ereile.
  Jener lchelte grimmig, und rief: Recht hast du gesprochen:
  Weichen will ich -- im Kampf' entfernt dir stehen; der Tochter
  Stets gedenken, und flieh'n die Nhe des druenden Herrschers.
  D'rauf entschwand er im Feld; doch Ottgar sagte dem Jngling:
  Wallstein, hre mich nun! Stets warst du mir theuer vor Allen
  Ob des Heldenmuths und der Treue, mit welcher du, liebend,
  Hingest an mir: doch heut, wie lohn' ich geziemend die Thaten
  Ewigen Ruhms? Erst rchtest du mich an Rudolphs Erzeugtem;
  D'rauf hast du mich entrissen der Wuth umdrngender Gegner.
  Sieh', am kommenden Tag sollst du durch wrdigen Lobspruch
  Hochverherrlichet steh'n vor meiner versammelten Heersmacht;
  Auch den Feldherrn dort, als Fhrer des bhmischen Fuvolks,
  Beigesellt, ein Zeuge der Huld und des Glckes erscheinen!

    Jener entgegnete schnell, von dem Hllenzauber getrieben:
  Herr! du nanntest mich Sohn zuvor, und ein liebender Vater
  Willst du mir seyn? Wohlan! Ich rhme mich edlen Geschlechtes,
  Ja, des edelsten, das in dem Vaterlande genannt ist:
  Reich an Schtzen und Land, gleich Frstenshnen geachtet!
  Vater, mein hchstes, mein einziges Glck harrt deiner Entscheidung!
  Gib mir Hedwigs Hand, des angebetheten Fruleins:
  Dann wird berschwenglicher Lohn mir zu Theil, und ein Eidam
  Steht dir dankbar bereit -- fr dich zu sterben, entschlossen,
  Tapferen Muth's im Feld', ein mchtiger Schirmer des Thrones,
  Den du zierest, und Wenzeslav, dem Erzeugten, vererbest.
  Hrst du mich nicht: dann fort an die fernsten Grnzen des Weltmeers;
  Dann aus dem Leben fort, dann whle dir treuere Diener!
  Tod und Hlle! so rief entrstet der Knig, wie ward mir
  Heut das Geschick, Wahnsinnigen hier zum Spotte zu dienen?
  O Verblendeter! Wie? so tuschest du frech und verwegen,
  Meine Hoffnungen all', auf dich gegrndet, und trotzest
  Auf die erworbene Herrscherhuld? Du erkhnst dich um Ottgars
  Tochter zu frei'n -- um Hedwig, nach welcher sich Knige sehnten?
  Schwind' aus dem Glanz der Sonn', aufdmmernder Stern, und durchlaufe
  Fern mit jenen die dunkele Bahn, die selber dir gleichen!
  Ehren sollte des Knigs Ruf dich am kommenden Morgen?
  Sieh', ich schlage dich jetzt --
              doch, wiss' es, Bube, zur Schmach nur:
  Da du gedenkest hinfort, wie frech du ihn eben gehhnt hast!
  Rief's, von der Hfte sich reiend das Schwert.
              Er schlug mit der Kling' ihn,
  Wthend, ber den Helm, und jagte hinber zur Heersmacht,
  Der er genaht, in des Morgenroths erglhendem Lichtstrahl.
  Wallstein zog bei dem Schlag schon halb aus der Scheide das Eisen,
  Hielt's so, fest umspannt, hinbrtend, die Augen zum Boden
  Heftend, erblat, und starrete noch mit entsetzlichen Blicken
  Lang' um sich her; dann stie er das Eisen zurck, und verlor sich
  Von dem Pfad seitab, in des Hains umschattendem Dunkel.




  Sechster Gesang.


  Sieh', im rosigen Duft versank die glhende Sonne
  Hinter dem fernen Gebirg; die Nacht umschleierte ringsum
  Schon die Gefild', als jetzo von Neuburg her an der Donau,
  Czernin khn vordrang mit tausend tapferen Bhmen,
  Die er, unferne dem Bisamberg, in rumigen Fhren
  Uebergesetzt, nach Waldrams Wink, des frechen Emprers.
  Dort in verengender Schlucht, die am Fue des Kahlen- und Leupold-
  Berges ein Drfchen birgt in gebschumhllender Bergschlucht,
  Lagen die Bhmen im schlauen Versteck, sich Reiter von Oestreich
  Rhmend, und hielten das Volk in den Htten fest, nach des Krieges
  Eisernem Brauch, da kein Verrther dem Feinde zum Dienst sey.
  Doch als jetzo der Mitternacht ersehneter Zeitraum
  Nah' war, brachen sie auf, und schlichen am Ufer der Donau
  Leise hinab, den Fchsen gleich, die so den Gehften
  Nah'n, aus den Stllen umher, raschwrgend, die Beute zu holen.
  Als sie Nudorf links, durch freundliche Traubengelnder
  Wandernd, und d'rauf rechts Heiligenstadt, und Dbling erblickten,
  Lenkten sie wieder behend zu dem lautaufrauschenden Strom ein,
  Bis sie erreichten den Weidenhain unferne der Steinwehr,
  Welche das Neuthor schirmt, und harrten, im Dickicht verborgen,
  Dort des verheienen Winks, durch List zu erringen die Festung.

    Doch nun klirrten des Thors gewaltige Riegel, und Czernin
  Whnte: verrathen sey dem Feinde sein khnes Beginnen.
  Weniges sprach er nur: der Schweigende hie er den Kriegern;
  Aber das Wenige sprach er mit Kraft; so rief er auch jetzo:
  Mnner, fasset das Schwert! Wir wollen dem Feinde das Leben
  Theuer verkaufen im Handgemeng': ein schrecklicher Kampf sey's!
  Siehe, da ritt aus dem Thor, das aufflog, brausend ein Ritter
  Nher, und jagte dem Haine vorbei. Ihm folgte der Knappe.
  Hartmann, Wiens erlesener Hort, verlie mit dem Treuen
  Eben die Mauern der Burg: er war's, der nher gesprengt kam.
  Alsbald wre der Feind ihm hier in den Rcken gefallen:
  Ihn, der Rettung bedacht, zu erlegen zugleich mit dem Knappen;
  Aber es schwang sich Marbod jetzt aus dem finsteren Luftraum,
  Hastig an Czernins Seit', und hemmt' ihn mit tuschenden Worten:
  Czernin, halte die Krieger zurck, nicht siehst du den Feind hier,
  Sondern die Freund', entsandt durch Rdiger, da sie im Rundgang
  Zieh'n an der Vest' umher, und erforschen: ob nicht die Gegner
  Euerer Macht, auflauernden Blicks, entgegen sich stellen?
  Bald ist die Runde vollbracht, euch ffnet sich leise das Neuthor.
  Sagt' es, voll Hast; dann flog er dem Jnglinge nach, und begann so:
  Hartmann, kehre zurck! In dem Hinterhalte verborgen,
  Lauert dir, mit Verrthern im Bund, der listige Feind auf.
  Kehre durchs Schottenthor in die Burg, und beschirme die Festung,
  Dir von dem Herrscher vertraut mit wichtigem Worte: gehorch' ihm!
  Aber der Eilende sprach: Mich ducht, ein Hllengeflister
  Hlt von der Wallerfahrt mich zurck? Ich gehe, zu bethen
  Auf dem Kahlenberg fr die schwachaufathmende Mutter:
  Ob nicht Gott sich erbarmt; mein Fleh'n die heilige Jungfrau--
  Mutter auch sie! voll Huld, dem liebenden Sohn' an das Herz legt,
  Und das erfllte Gelbd' erringt der Mutter Genesung?
  Als er es rief, da gab er dem Pferde die Spornen, und brausend
  Trug es ihn fort im Galopp' auf die Hh'n des umnachteten Berges.
  Dort, zu dem Kloster gelangt, vertraut' er dem Knappen den Renner;
  Zog an dem ehernen Pfortenring, und klingelte. Dreimal
  Scholl in der einsamen Nacht, entlang den finsteren Kreuzgang
  Hin, der Glocke Getn. Bald klirrte der eiserne Riegel,
  Von dem Pfrtner getrieben, im Schlo', und in schweigender Ehrfurcht
  Lie er den Ritter, der Gelobt sey Jesus! ihm rief, ein.
  Ewig! gab er zurck', und verschlo die Thre mit Sorgfalt:
  Denn nicht war er ihm fremd; er kannte des Kaisers Erzeugten.
  Aber er schritt entlang die weitgesonderten Zellen,
  Die ein freundliches Grtchen schied, die Reihe hinunter,
  Bis zu dem Fenster des Bruders Ernst, und klopfte, nur halblaut
  Rufend: Vater, komm! Schon floh die zwlfte der Stunden,
  Komm, und lese die Messe sogleich in der heiligen Halle,
  Wo vor dem Kreuz-Bild schon unzhlige Kranke genasen.
  O, da dein frommes Gebeth uns erflehte die liebende Mutter!
  Jngling! so rief der Erwachende jetzt, was treibest du rastlos
  Durch die dunkele Nacht? Der Himmel erhret das Flehen
  Sterblicher mild bei Tag und Nacht, wenn solches der Seelen
  Heil' entspricht: stell's heim, wie es kmmt, der ewigen Vorsicht.
  Sagt' es, erhob sich, und trat aus der nchtlichen Kammer.
              Er schlief dort
  Immer im hrnen Gewand': um das Grab sein Lager zu tauschen
  Jeglichen Augenblick, mit gottergebenem Herzen.

    Schauer durchfuhr den Geist, der schnell dem Ritter gefolgt war,
  Als er des Bruders bleiches Gesicht, und das Auge, voll Demuth
  Stets zur Erde geheftet, ersah; die himmlische Weisheit
  Klar an der Stirn' ihm las, und, vereint abtdtendem Businn
  Seelenfrieden und Ruh' in seinen erhelleten Zgen
  Wahrnahm. Dennoch wagt' er es nicht, ihm zu folgen in Gottes
  Heiligthum; nur entfernt und schchtern sah er hinber,
  Als er dort vor dem Bild des Gekreuzigten, wrdigbekleidet,
  Stand in dem hellen Schein sechs strahlender Kerzen: sie ragten
  Aus den silbernen Leuchtern, geteilt, vom Marmor-Altar auf;
  Sah, wie ihm diente der Ritter selbst, auf die Kniee gesunken:
  Jetzt ihm brachte das Buch, und er bethete; jetzo, die Gaben
  Opfernd, Brot und Wein darreicht'; er Worte des Segens
  Ueber sie sprach, dann auf zur Anbethung hob, und, in Demuth
  Klopfend die Brust vorher, geno: ein hehres Geheimni
  Feiernd. Er staunte noch mehr: wie dort der muthige Jngling
  Ganz in heiliger Gluth und in herzdurchschauernder Andacht
  Aufgels't, mit gesenktem Haupt und gefalteten Hnden
  Bethete; auch den thrnenden Blick von der Erde nicht aufhob,
  Bis das Opfer vollbracht, und gestillt das sehnende Herz war.
  Graunvoll stand ihm Odins[1] Altar vor den Augen, und Sclaven
  Blutend darauf, die, im Kampf gefangen, als Opfer ihm bten.
  Ach, er prete sie fest in die Flche der Hnde, nicht wagend,
  Sie jetzt himmelempor zu dem furchtbarn Richter zu heben!
  Doch schon fhrte der Mnch den Ritter zur Pforte hinber,
  Schttelt' ihm traulich die Hand, und sagte beklommen zum Abschied:
  Gottes Friede mit dir! Vollbracht ist die heilige Handlung,
  Wie du gewnscht. In dem Wink des Ewigen liegt die Genesung,
  Liegt das Leben, der Tod, und seine Gerichte sind dunkel.
  La nur walten die Huld: die hier Getrennten vereint sie
  Jenseits wieder im Glck', im ewigen, wahren, und einen!

    Als er sich wandte, zu geh'n, da ergriff ihm Hartmann die Hand noch,
  Drckte sie glhend an's Herz, und rief mit thauenden Wimpern:
  Ernst, nicht lebt dir der Vater mehr, nicht die Mutter:
              zur Kriegszeit
  Haben die grausamen Feind', unmenschlich vor Wuth, in der Kammer
  Beid' erwrgt vor dir, dem scheuverkrochenen Knaben!
  Nimmer wurdest du froh seitdem, und wohnst in des Klosters
  Einsamer Zell'. Ach, komm, und sey mir ein Stab auf des Lebens
  Dunkelem Pfad, mein Lehrer und Freund, und mit dankbarem Herzen
  Will ich die Freundesliebe dir treu durch Liebe vergelten!
  Ernst fuhr, schaudernd, zusammen, und rief:
              Der Freundschaft erwhnst du?
  Ja, mir ward ein Freund von treuem und redlichem Herzen;
  Aber er wanderte fort, weit ber das Meer, und nach Jahren
  Schmerzlicher Trennung -- sieh', drei Schritte von hier, an der Mauer
  Dort, erkannt' ich den Kehrenden schon: da zuckte der Blitzstrahl
  Her aus dem Wettergewlk', und todt, und erstarrt in den Armen
  Hielt ich ihn! Ach, nicht frbten sich mehr, und frben sich nimmer
  Meine Wangen, vom Schrecken erbleicht, und entsetzlichem Jammer!
  La mich im Frieden dahier. Geschrzt zur endlichen Wand'rung
  Hab' ich mein Kleid, und ich halte den Stab bereit in der Rechten,
  Wann, und wie es dem Himmel gefllt: du thue degleichen
  Hartmann, eile hinab in die Burg: ich hre der Glocken
  Strmenden Ruf im Geschrei und Gets' lauttobender Menschen!
  Jener horchte, bestrzt; dann warf er sich schnell in den Sattel;
  Spornte sein Ro, und flog, lautathmend, den Wllen entgegen.

    Dort gebar einstweilen die Nacht entsetzliche Thaten.
  Rdigers horchendem Ohr' entging das warnende Wort nicht,
  Das erst Hugo zuvor dem Kaiser vertraute. Die Sohlen
  Fremder Mnner gewahrete bald sein sphender Scharfblick
  Unten im Felsengang, wo er huft' in Menge die Waffen,
  Und er sandte den Bothen sogleich an den Knig von Bhmen,
  Da er ihm eine die Macht. Den Schirmern der Veste zur Tuschung,
  Wandt' er den Blick von dem Stubenthor nach dem stilleren Neuthor,
  Wo nur selten erscholl der Futritt wandelnder Menschen,
  Nie des rollenden Wagens Gets': nur jenen zum Frommen
  Frher erbaut. Dort sah er das Werk der frechen Emprung
  Schon gelungen, und harrete nur der verheienen Hlfsschar.

    Jetzt erscholl die Glock' aus den Fenstern des ragenden Kirchthurms,
  Zwlfmal dumpferdrnend dem Schlag des gewichtigen Hammers,
  Und ummurrend lang' in dem leis'entschlummerten Luftraum.
  Alsbald regten im Weidenhain sich die Krieger aus Bhmen--
  Traten, in Eisen gehllt, und mit schneidenden Lanzen bewaffnet,
  Aus den Husern hervor die Verschworenen (siebenmal hundert
  An der Zahl) und entlang den Tiefengraben zum Neuthor
  Standen die frechen geschart, des Wink's von Rdiger Waldram
  Harrend. Er zgerte nicht, und kam, und sprach zu dem Amtner:
  Gnther, muthig an's Werk! Mit Hundert deiner Erwhlten
  Hin zu der Burg: dort stot mit wrgender Rechte die Wachen
  Nieder, und wahret das Thor an der Kaiserstiege mit Sorgfalt!
  Hundert send' ich sogleich in die Runde mit tapferen Fhrern,
  Die auf den Wllen erwrgen die Huth. Ist solches geschehen,
  Dann ertne Geschrei; dann reit an den Strngen; der Glocken
  Sturmruf schalle; das Schlangenhaar aufstrubend, die Augen
  Drehend vor blutiger Gier, und schwingend die flammende Fackel,
  Tobe der Aufruhr fort in den Straen, und brlle die Menschen
  Wach aus dem Schlaf' zum Kampf g'en Rudolphs bebende Sldner!
  Ottgars harren wir dann: bald kmmt er, und wird ihn zermalmen;
  Doch, so er siegt'? -- ein Unterpfand ist unser: die Mutter,
  Und die Tchter zugleich: denn Hartmann eilte von hinnen,
  Das euch sichere Brgschaft sey ersehnter Verzeihung.
  Nur mir werde sie nicht. Ha, lieber zum eisigen Nordpol
  Will ich, ein Bettler zieh'n, als Rudolphs Zepter gehorchen!
  Kommt; viel lieber den Tod, als solch' unwrdiges Leben!
  Rief's, emprt, und alsbald eileten jene dem Amtner
  Nach. So wre die Huth auf den ragenden Mauern erlegen;
  Doch auf dem Rasenwall an der Burg, wo im Sden des Schneebergs
  Heitere Stirn' der Wandelnde stets mit Freuden gewahret:
  Da er ihm so viel sonn'erhellete Tage vorhersagt,
  Ging, gemessenen Schritts, Bertrand, der tapfere Schweizer,
  Hthend umher. Als jetzt zum zwlften Mal von dem Kirchthurm
  Dumpf die Glock' ausklang, von dem eisernen Hammer geschlagen,
  Sieh', da stand er erstarrt! Ein Schrei -- doch schrecklich zu hren,
  Scholl ihm vom Mund; sein Haar aufstrubte sich; laut, wie im Fieber,
  Klapperten ihm die Zhn'. Er sah zwlf Schattengestalten:
  Hliche Weiber der Stimm', und wankende Greise dem Gang' nach,
  Kommen, in Leichentcher gehllt, todbleich und den Nacken
  Altersschwer gebeugt: die _Klag'_ genannt von dem Volk dort,
  Welche, vereint (sechs hie, und drben so viel') auf der Schulter
  Trugen die Bahre heran, und sthneten. Aber sie zogen,
  Sein nicht achtend, vorbei; dann fort, an der Mauer der Hofburg
  Steilrecht schwebend empor -- fort ber das Dach, und verschwanden
  Fern in der finsteren Luft mit klglichem, leisem Gewimmer.
  Weiber, so sagt sich das Volk mit schaudernder Angst in die Ohren,
  Die auf der irdischen Bahn sich unnennbarem Frevel ergaben,
  Gingen im mitternchtlichen Zug einher auf dem Erdkreis;
  Klagten, und chzten, und trgen die Bahr' an der Kammer vorber,
  Wo, zumal bei den Frsten des Volks -- bei den Mchtigen, Hohen,
  Bald anklopfet der Tod: sie sterben, und Weinen erschallet.

    Jetzt vernahmen den Schrei die Gefhrten des Kriegers. Sie blten
  Hurtig das Schwert; erkletterten schnell die ragende Mauer;
  Schrie'n von fern: Wer da? und fragten zugleich um die Losung.
  Zwar nicht kam aus dem Mund des Kriegers das heimliche Wort jetzt:
  Denn noch stand er verstrt, und zitterte; aber sein Hauptmann
  Sah die nahende Schar bewaffneter Brger: ihm ahnte
  Schnder Verrath. Alsbald erhob er die mchtige Stimme;
  Schrie an die Nachbarhuth, und diese der nchsten, und nchsten
  So, da der Lrmruf rings umtnte die Veste: den Kriegern
  Nun zum Glck' erregt von dem angstergriffenen Mann dort.

    Als der Ueberfall dem Hort der empreten Brger,
  Gnther, milang: da mahnt' er sogleich die Seinen zur Rckkehr,
  Sich mit Rdiger Waldrams Macht zu vereinen am Neuthor.
  Schon begann er den Kampf. In des weitgewlbeten Thorwegs
  Mauern sah er die Stub' erhellt, und die Krieger entschlummert.
  Nur die Wach' allein ging inner dem Thore den gleichen,
  Ernstgemessenen Schritt herauf und hinab. An die Schulter
  Hatt' er die Lanze gelehnt, und summte zuweilen ein Liedchen.
  Schnell, wie der Blitz, flog Rdiger vor, und setzte dem Krieger,
  Druend, das Schwert auf die Brust, so er schrie,
              ihn zu tdten, entschlossen.
  Ach, an dem Zrcher-See lie Wolf in der reinlichen Htte
  Gattinn und Shnchen zurck: denn kaum entschwand ihm ein Jahr erst
  Glcklicher Ehe, als ihn zu den Waffen der tapfere Herzog,
  Albrecht, rief! Er sann, des Kind's und der Gattinn gedenkend,
  Einen Augenblick; dann dacht' er der Pflicht und der Rettung
  Seiner Gefhrten: er schrie -- der edelmthige Krieger
  Schrie, und sank, von Rdigers Schwert durchbohrt, auf den Sand hin.

    Wildes Getmmel erscholl. Hervor aus der dmmernden Wachtstub'
  Strmten Wolfs Gefhrten, voll Hast, und Rdiger Waldram
  Hob das blutige Schwert mit gellendem Ruf in die Luft auf.
  Alsbald trafen sich, im Gemeng, die empreten Brger
  Und die Krieger zugleich. Wie Nachts von der eichenen Tenne
  Lautes Gepolter erschallt, wenn emsige Lhner des Weizens
  Goldene Frucht entdreschen dem Halm: so tnte der Waffen
  Hmmernder Schlag von dem Schild' und dem Helm der kmpfenden Mnner.
  Nur Gesthne der Wuth erscholl in den Hallen, und Blut flo
  Rings in Strmen umher. Die Krieger des Kampfes gebter,
  Wrgten die grere Zahl; doch so, wie die Stier' auf dem Schauplatz
  Von unzhligen Rden umstrmt, mit furchtbaren Hrnern
  Manchen der Feinde, durchbohrt, hinstrecken, und wthend sich wehren,
  Bis sie zuletzt erliegen der stets ergrimmteren Mehrzahl:
  Also, nach tapferer Gegenwehr, erlag an dem Neuthor,
  Ueberwltigt, die Huth von fnfzig tapferen Kriegern.
  Ha, da flogen sogleich des Thors gewaltige Flgel,
  Heulend, auf eisernen Angeln entzwei! Mit traulichem Handschlag,
  Grte die bhmische Schar, die drauen, mit steigender Kampfgier,
  Harrete, hier das verbndete Volk, und strzte, dem Mhlbach
  Gleich, der schumender Hast, durch weiterffnete Schleuen
  Wild herrauscht, in die Stadt, und Rdiger jauchzete laut auf:
  Eilt zum Kampf, Gefhrten des Siegs! Schon seh' ich erfllet,
  Was wir sehnlich gehofft: den Sturz des verhaten Geschlechtes.
  Unser die Stadt, das Volk emprt. Auf, lat uns die Sldner
  All' erwrgen im Schlaf, die jetzt auch des Fhrers beraubt sind--
  Hartmanns: denn er floh, feig bebend, zuvor aus der Festung!
  Schlieet die Flgel sogleich des festeinfugenden Thores,
  Und erweckt die Bewohner der Stadt zum Kampf der Errettung.

    Czernin jubelte nicht. Frwahr, so sprach er bedeutsam,
  Viel ist gescheh'n, und mehr, als die Hoffnung verhie zum Beginne:
  Nahe der Kaiserburg erblitzen die bhmischen Waffen;
  Aber ich scheue des Glcks und des leicht zu bethrenden Volkes
  Wankelmuth! Gar mchtig bewegt des herrschenden Stammes
  Fromme Liebe die Brust: der Zauber, welchem die Herzen
  Huldigen, kalt vom Erob'rer gekehrt -- nicht selten auf immer.
  Zwar verheit uns die Schreckensnacht in dem Kampfe den Vortheil;
  Doch uns bleibe die Thor. Des Rckzugs denke der Feldherr
  Auch in dem Sieg, sonst gleitet sein Fu auf schlpfrigem Pfad' aus.
  Sagt' es, und lie an dem Thor zweihundert tapfere Krieger,
  Sorgend, zurck: Bolest, dem Amtner, die Khnen vertrauend,
  Der, in dem Felde bewhrt, mit festausdauerndem Kampfmuth
  Schirmer ihm sey, und dereinst, so es also des Krieges Geschick will,
  Seinem Volk' es erffne zur heiersehneten Rettung.
  D'rauf vordrang er zugleich mit Rdigers jauchzenden Scharen:
  Denn schon hob aus der Stadt unendlicher Lrm und Getmmel
  Sich in die Luft. Von den Thrmen umher ertnten die Glocken
  Strmenden Rufs; unzhlige Feuer, mit hastigen Hnden,
  Rings auf den Zinnen entflammt, erleuchteten schrecklich die Umwelt,
  Und Gebrlle der Wuth, unsinniger, frecher Emprung,
  Scholl die drnenden Straen hinab. Da fuhren die Mtter
  Auf aus dem ruhigen Schlaf', und strzten herbei an das Fenster,
  Weinten, und rangen die Hnd', umschart von heulenden Kindern.
  Zitternd stand der Greis an der Thr: sein silbernes Haupthaar
  Schlug ihm der Wind um die Stirn' und die toderblasseten Wangen--
  Sah den eilenden Sohn, und schrie, da er kehre, vergeblich.
  Aber es mehrte die Schar der Verblendeten weniges Volk nur,
  Das, unstt und heimathlos, in die Veste gekommen
  Ehedem: treu verharrt' in der Pflicht die bessere Mehrzahl.

    Doch schon trafen, voll Wuth, die Emprer und ihre Genossen
  Auf das muthige Schweizervolk, das khn im Verein stand.
  Hartmann! scholl's in der Burg, und Hartmann! rings in den Straen
  Aengstlich und laut -- umsonst: er weilte noch fern auf den Berghh'n.
  Da gedachten der Gegenwehr die Obersten: Arnold,
  Fle, und Hohenried, und stellten die Scharen im Halbmond,
  Der sein Horn hier rechts, dort links in die Straen hinausschob,
  Gegen den wildempreten Feind, vor der ragenden Burg auf:
  Also vor ihr in dem Kampf, pflichttreu, zu sterben entschlossen.
  Rdiger strmt' auf Hohenried, der vorne die Scharen
  Ordnete, los, und schrie: Dich, Rudolphs treuen Gesellen,
  Will ich allen zuvor, als heulenden Bothen, zur Hlle
  Senden: verknd' es nur dort, da sie folgen,
              und keiner entrinnt mehr!
  Rief's, vorschreitend, und jener begann: Gewaltiger Prahler,
  Wrst du so tapfer, als frech mit der tnenden Zunge: mir wrde,
  Trau'n, erbangen die Brust; doch komm, und be den Frevel,
  Den du verbst g'en Treu', und Pflicht, und den heiligen Eidschwur!
  So wortwechselten sie in dem Augenblick der Entscheidung.
  Allen zuvor kam Hohenried, den blinkenden Degen
  Schwingend, und drang grad' aus auf Rdigers pochende Brust ein.
  Aber er hielt ihm entgegen den Leun, von Silber gestaltet,
  (Ottgars Lwen zum Ruhm') auf dem Schild von mchtiger Wlbung:
  Dieser wehrte dem Sto', und der sprdere Stahl, auf des Leu'n Haupt
  Treffend, brach, wie unbeugsames Glas, mit kreischendem Milaut
  Mitten entzwei. Da stie, in des Gegners erschtterndem Unfall
  Khner geworden, ihm Waldram schnell die Spitze des Degens
  Durch die erhobene Hand, da ihr auch das umklammerte Heft noch,
  Blutumhllt, entsank -- er wehrlos stand vor dem Gegner.
  Sieh', er htt' ihn durchbohrt: doch rissen hurtige Krieger
  Ihn aus umdrngender Todesnoth, und fhrten ihn sorglich
  Hinter die Reih'n, wo ihm Hlf' und erquickende Pflege zu Theil ward.

    Waldram schrie: Getreue, nun vor! Des Fhrers beraubet,
  Wanken die Feinde. Hinauf in die Burg, wo, sehnend, die Gattinn
  Rudolphs harrt mit den Tchtern des Siegs und der frhlichen Heimkehr
  Ihres Gemahls. Vergeblich harre sie. Eilt, und geleitet
  Sie in das Kloster Sanct Dorothe'; doch fhret sie sanft hin:
  Denn sie that uns kein Leid, und nah't, abzehrend, dem Grab schon.
  Nur dem Herrscher allein, der seither Kaiser sich nannte,
  Zeiget euch unvershnlich, und schont ihn selbst in dem Tod nicht!
  Also rasete Waldram hier. Die frechen Emprer
  Griffen wthender an, und drngten die mittlere Kriegsschar,
  Ihres Gebiethers beraubt, stets weiter zurck in den Burghof.
  Czernin spornte sein Ro nun links, nun rechts, und entflammte
  Laut mit Geschrei sein Volk, in die Feinde zu strmen. Es kmpften
  Fle dahier, und Arnold dort, voll eisernen Muthes,
  Gegen ihn an, und zu schwach, der Menge die Spitze zu biethen,
  Zog sich Fle, im schrggedehneten Zuge, vom rechten
  Eilig zum linken Horn, um, vereint dem khnen Gefhrten,
  Arnold, dort zu steh'n, und zu fallen im rhmlichen Kampf nur.
  Dichtgedrngt in Reih'n, vorhielten die Schweizer die Lanzen
  Hier dem strmenden, reisigen Volk; die verwundeten Rosse
  Wtheten -- d'rauf noch mehr mit dem wrgenden Eisen die Reiter
  So, da das Blut aufwogt', und die starrenden Leichen bewegte:
  Dennoch wichen nicht hier, nicht dort die erbitterten Gegner.

    Doch von dem Kahlenberg, voreilend dem frstlichen Jngling,
  Nahete Marbod erst, und sah mit Schrecken des Kaisers
  Schirmende Burg von der Macht des argen Verrthers gefhrdet.
  Nicht besann er sich lang', und eilte hinaus nach dem Tabor,
  Wo der Kaiser im Zelt sanft schlummerte, mitten im Lager
  Seines erlesenen Heers. Dort fand er auch nahe das Schlafzelt
  Hugo's, den er erst gestern warnt'. Ihn dacht' er zu wecken,
  Senkte den Flug rasch hin, und begann im Geistergelispel:
  Auf, erhebe dich, Greis! Bald schaust du die Flamme des Aufruhrs
  Leuchten heran von den Thrmen der Stadt, und hrest von dorther
  Strmenden Glocken-Klang und Gebrll emprter Gesellen.
  Wie, so schnell vergaest du nun des warnenden Traumes:
  Lachtest wohl fein? Auf, sume nicht hier zu erwecken den Herrscher!
  Eben rief auch die Vorhuth schon an dem Rande des Lagers
  All' das entschlummerte Volk stets lrmender auf zu den Waffen.
  Aber der Greis erhob sich, voll Hast, und sah in der Wahrheit
  Jenes erfllt, was ach, nur ein Traum noch gestern ihn dnkte!
  Eilig trat er sofort zu dem Herrscher, und sagte beklommen:
  Herr! unglaublich erschien dir vielleicht des trumenden Greises
  Warnung? Tritt vor das Zelt, und vernimm mit Staunen des Aufruhrs
  Wuthgeschrei in der Stadt, emprt durch Rdiger Waldram.
  Willst du's, Herr, so eil' ich mit reisigem Volk vor das Burgthor,
  Einla heischend, und dmpfe die Gluth, eh' ihr Flammen entfahren!
  Nein, ich frchte sie nicht, so entgegnete jener, den Auswurf
  Meines Volks emprte der Rasende nur, und die Bessern
  Hngen noch redlich an mir. Und wie, ist mein tapferer Sohn nicht
  Wiens Besatzung ein schirmender Hort? Sind Mutter und Schwestern
  Ihm nicht ein heiliges Pfand, und es wagten die frechen Emprer,
  Ungestraft, mit frevelnder Hand an die Theuern zu tasten?
  Hundert Reiter allein gengen mir, sie zu vernichten.
  Komm, wir zertreten die Gluth gar leicht im niedrigen Staub noch:
  Denn ich bau' auf die Hlfe des Herrn und die Liebe des Volkes.
  Heiter schwang er sich jetzt auf das Ro, und flog mit dem Helden
  Hugo, im sicher'n Geleit erlesener Reiter zur Stadt hin;
  Dann an dem Walle herum, bis er endlich des finsteren Burgthors
  Graben ersah. Dort hemmt' er das Ro, und winkt': ein Drometer
  Stie in das schmetternde Rohr, und sieh', bald riefen die Krieger,
  Kletternd herauf an dem Wall': Ist's Hartmann, unser Gebiether?
  Kommt er, ein Retter, heran in der Stund' entsetzlicher Nothwehr?
  Lat uns vernehmen des Freundes Ruf, und wir senken das Fallthor!
  Gott, und das Vaterland! so gab mit gewaltiger Stimme
  Hugo zurck, ist Freundesruf in dem Lager von Oestreich:
  Aber nicht Hartmann -- nein, den Kaiser gewahrt ihr als Retter!

    Laut erhob sich ihr Jubelgeschrei; doch nher und nhere
  Scholl von der Ro-Au her, wo sonst die Rosse der Krieger
  Weideten, schon das Getrab und das Klirren des Waffengeschmeides
  Auf in der Nacht. Ach, Hartmann war's! Ihn erkannte der Vater--
  Ihn, den Vater, der Sohn. Verwirrung, Angst und Entsetzen
  Faten wechselnd ihn an; nur leis' und furchtsam begann er:
  Vater, ich ging, auf dem heiligen Berg fr die Mutter zu bethen,
  Wie ich es jngst verhie der Flehenden: denn nicht entfernt mehr
  Scheint ihr des Lebens Ziel; doch ach, entsetzlichen Frevel
  Seh' ich indessen verbt von den Meuterern hier, in dem Zeitraum
  Einer entflohenen Stund'! Ich rch' ihn, und sollt' ich auch fallen.
  Aber der Vater schwieg. Erschtternd zu schau'n, wie er vor sich
  Hinsah, schweigend und ernst. Da flog der unglckliche Jngling
  Ueber das Thor, das erst mit Gets', auf den Graben gesenkt, fiel,
  Durch die finsterumwlbende Halle hinaus auf des Burghofs
  Rumigen Platz. Er sah, wie auf Leichen erschlagener Brder,
  Rdiger Waldrams siegender Macht, ein tapferes Huflein
  Muthig entgegenrang, der jetzt, Entsetzliches sinnend,
  Ueber die Stufen hinauf in die Kammer zu dringen gedachte,
  Wo die Frstinn sich fand mit den lieblichen Tchtern: entschlossen,
  Sie mit frevelnder Hand in des Klosters Gewahrsam zu bringen:
  Denn er whnt' errungen die Burg, und dem bhmischen Lwen
  Unterthan die Stadt mit Oestreichs herrlichen Fluren.

    Halt, Verruchter! so rief, aus dem Sattel gestiegen, ihm Hartmann
  Donnernd zu. Er entblte das Schwert, und kam wie ein Rohrwolf,
  Der in des Winters Frost, vom Hunger getrieben, voll Blutgier,
  Ein in die nchtlichen Hrden strmt, und die blckenden Lmmer
  Wrgt mit zerfleischendem Zahn: so kam er in Eile gesprungen.
  Flammen sprhte sein Aug', und aus seiner erhobenen Rechten
  Zuckte der Blitz gen Waldram hin; doch als er ihm nahte,
  Wandte sich dieser, und rief: Ha, du, Verhater vor Allen;
  Jetzo nur muthig heran: euch all' entsend' ich zur Hlle!
  Flog, so rufend, ergrimmt, dem Feind' entgegen, und strebte,
  Sthnend vor Hast, das Schwert in die tapfere Brust ihm zu stoen;
  Aber er schlug, vorschauenden Blicks, den nahenden Mordstahl
  Seitwrts; fhrte den Todesstreich; zerschmetterte Waldrams
  Helmdach tief in die Stirne hinab, und warf ihn entseelt hin.
  Doch nicht rastet' er noch: er sa blitzschnell in dem Sattel
  Wieder: erhob das blutige Schwert; ritt glhend vor Mordgier
  Mitten hinein in die Schar der Emprer, und wthete links, rechts
  Dort mit wrgender Faust, da Leichen auf Leichen sich huften.
  Ihres Gebiethers beraubt, und entmuthiget, warfen die andern,
  Schnell die Waffen von sich, und floh'n, im Verborgenen Rettung
  Suchend, davon. Die Burg ward frei durch den tapferen Jngling.

    Czernin drngte zuvor die hauptverwaiseten Scharen
  Arnolds: ihm wichen die Krieger nur Schritt fr Schritt
              in dem Wuthkampf,
  Bis zu dem Schottenthore hinab. Sie schlossen sich eng' an
  Dort vor dem Gotteshaus', und wehrten sich: alle fr Einen,
  Einer fr alle zu sterben bereit, im rhmlichen Tod nur.
  Keiner wr' ihm entfloh'n, wenn jetzo nicht, keuchend im Eilflug,
  Nher der Reisige kam, und schrie: Erschlagen ist Waldram:
  Denket der Flucht! Er fiel in dem Kampf mit des Kaisers Erzeugtem;
  Aber er selber, so jubelt das Volk, hlt drauen am Burgthor.
  Freunde, so rief ihr Hort den Reisigen, Rdiger Waldram
  Hat uns schnde getuscht; nicht des Kampfes Gefahren -- der Festung
  Leichten Besitz verhie er uns jngst, da er stolz sich des Antheils
  Aller Bewohner verma! Mit Recht wohl bt' er den Frevel.
  Unser, zum Glck, das Thor: nun lat uns gedenken der Rckkehr!
  Rief's, und den Tiefengraben entlang, zu dem stilleren Neuthor
  Jagt' er das Ro: ihm nach die Reisigen alle. Die Flgel
  Theilten sich heulend entzwei, und nicht rastet' er, bis er die Fhren
  Wieder ersah an dem Ufer der weithinrollenden Donau.
  Doch nicht fllte den Raum der schwankenden jetzo die Last mehr,
  Wie zuvor: erwrgt in den Straen der mchtigen Festung
  Lag die Hlfte des reisigen Volks, das gestern herankam.

    Aber mit Trauer im Blick, obgleich ein Sieger, und Retter
  In der Gefahr, kam Hartmann jetzt aus dem finsteren Burgthor,
  Langsam geritten heraus, wo sein der liebende Vater
  Harrte; trauernd auch er, ob solchem Vergehen des Sohnes.
  Dieser begann: Verhallt ist der Sturm unsinnigen Aufruhrs:
  Waldram bte die Schuld: von meinem vernichtenden Eisen
  Liegt er, durchbohrt, an der Treppe der Burg,
              die er, frevelnden Fues,
  Erst zu betreten gewagt; die Verbndeten schtzte die Flucht nur.
  Dennoch steh' ich vor dir, ein Schuldiger. Soll ich auch ben--
  Denke des dunkeln Geschicks, das oft auf irdischer Laufbahn
  Auch die Besseren feindlich ereilt! Nie mg' es dich treffen!
  Und er senkte das Haupt. Doch Rudolph sah ihn, bewegt, an,
  Hob die Rechte empor, und sagte mit rhrender Stimme:
  Treu erflltest du dein Wort, als edeler Ritter,
  Mildgesinnet, und fromm, der sterbenden Mutter gehorsam;
  Aber dich sollte die Pflicht mit eiserner Macht an die Festung
  Bannen: ihr solltest du steh'n ein Hort in druender Kriegszeit,
  Und ein wehrsamer Schild in der Noth. Wer darf sich erkhnen,
  Das, was hher ihm schien, vor jener zu whlen nach Willkhr?
  Herrndienst rief dich hier zu dem Dienste des Herrn, und du fehltest
  Gegen das gttliche Wort des welterleuchtenden Lehrers.
  Dein Vergeh'n, unglcklicher Sohn, soll keinem der Krieger
  Knftig zum Beispiel seyn, zur Ermunterung, Gleiches zu wagen!
  So wie ich jngst, der Veste zum Schirm, das Schwert dir vertraute,
  Stellst du's wieder zurck', in die Hnde des Helden von Tauffers.
  Jener reichte das Schwert ihm dar, erblassend, und schweigend.

    Sieh', jetzt kam aus dem Thor' ein Jngling gelaufen, und rief so:
  Herr, voll Angst erschein' ich, ein Both' aus des Jammers Behausung.
  Deine Gattinn verschied in den Armen der liebenden Tchter
  Sanft und ruhig um Mitternacht, noch ehe der Hammer
  Zwlf' ausschlug; o komm, und sey den armen ein Trster!
  Hartmann warf sich vom Ro, und flog -- ihm folgte der Vater,
  Langsam und wankend vor Schmerz, die Stufen hinauf in die Kammer,
  Wo die Heilige sanft entschlummerte: schnell zu erwachen
  Wieder zum ewigen Glck' und nie vergnglicher Wonne.
  Ihr zu dem Haupt' und den Fen, die Stirn' in die Hnde geheftet,
  Saen die Tchter umher: gleich Marmorgestalten am Grabmaal,
  Die zur herzerschtternden Schau der Knstler gebildet.
  Hartmann beugte sich ber sie hin; er kte, noch sthnend,
  Ihr die erkaltete Hand, und der leis'aufweinende Vater
  Warf sich im stillen Gebeth' auf die Knie'. Nur Seufzer erschollen;
  Thrnen regten sich nur an den schmerzerstarreten Wangen.

    Aber am Morgen wie dumpf und bang ertnen die Glocken
  Von den Thrmen der Stadt! Was luft, und drngt sich das Volk jetzt,
  Thrnenumflossenen Blicks, in die heiligen Hallen des Domes,
  Den, wie im Dunkel der Nacht, unzhlige Kerzen erhellen?
  Feierlich schallt ein Wehe-Getn' aus der Orgel: Posaunen
  Heulen, gedmpft, in den Sterbegesang vielstimmigen Chores,
  Der von dem Tage des Zorns, von dem unerbittlichen Richter,
  Von dem Gericht und dem Ende der Welt in Feuer und Flammen,
  Spricht mit erschtterndem Laut. Doch jetzt gewahren die Augen
  Mitten das Trauergerst, auf drei, sich verjngenden Stufen
  Sinnig erbaut, und umher mit schwarzem Tuche behangen.
  Ueber den Stufen gesammt ruht dort die sterbliche Hlle
  Jener Verewigten schon, mit der Stirn' zum Altare gewendet,
  In dem gerumigen, sammt- und goldbekleideten Bleisarg.
  Oben ziert ihn die Krone von Gold; die schimmernden Wapen
  Sind an dem Trauergerst ringsher auf Sulen geheftet,
  Und auf silbernen Leuchtern erhht die flammenden Kerzen.
  Weihrauch wallt empor in die heiligen Hallen; die Priester
  Feiern das Seelen-Amt am Altar, und die bethende Volksschar
  Liegt auf den Knieen, und schluchzt:
              um die Beste der Frstinnen trauernd,
  Die nur zum Segen gelebt, als Mutter der Armen und Waisen.
  Aber, erschtternd zu schau'n: nicht fern dem heiligen Altar,
  Knie't, von den Seinen umringt, und im Trauergewand auch der Kaiser:
  Alle zugleich vor Schmerz erblat -- wie gealtert seit gestern!
  Ach, sie starren zuweilen mit rothgeweineten Augen
  Nach dem Sarg', und sehnen sich, ihr, der selig Erhhten,
  Wieder vereinet zu seyn schon dort auf immer und ewig!
  Als nun alles erfllt, und die heilige Handlung vollbracht war,
  Schwebte der Sarg, vom Gerst' auf krftige Schultern gehoben,
  Langsam hinab in die Frstengruft. Zu Paaren geordnet,
  Gingen die Priester ihm vor, und beteten leise den Bupsalm;
  Ihm nachfolgten die Ihren mit wankendem Schritt. Und so ward dort
  Beigesetzt in der Gruft die Leiche der edelsten Frstinn.[2]

    Aber der Kaiser sprach zu dem ltesten seiner Erzeugten,
  Albrecht: Glhender Schmerz nagt tief in dem Herzen des Vaters
  Und der Erzeugten zugleich, die jetzo der Mutter beraubt sind.
  Ach, mich zg' es wohl hin, in der einsamen Kammer zu trauern,
  Jahrlang: denn nicht sehe ich mehr die holde Genossinn
  Meines Lebens vor mir; nicht hr' ich die Worte des Trostes
  Aus dem Munde der Gattinn hinfort, wenn Tage des Kummers
  Nah'n! So lsen sich hier die trautesten Bande des Lebens,
  Die uns umfingen mit Lieb', und wir steh'n am errungenen Ziel oft,
  Wie der pilgernde Fremdling, allein. Doch sey es, wie Gott will!
  Jetzt, wo das Glck der Vlker, der Ruhm, und das Beste des Landes,
  Uns'rer Ehre vereint, von des blutigen Kampfes Entscheidung
  Abhngt, la uns das Leid, das eigene, tief in des Herzens
  Unterstem Grund verschlieen, und stark und krftig einhergeh'n,
  Wie es dem Manne geziemt, der wrdig zu handeln, bestimmt ist.
  Hre denn, was ich zuvor erwog im Gemth', und getreulich
  Dann zu erfllen beschlo! Jngst wstete weit in dem Marchfeld,
  Wege und Stege gesammt, das entsetzliche Donnergewitter
  So, da dem Heereszug Gefahren entgegen sich thrmen
  Sonder Zahl, die ein Feldherr nie hochmthig verachte.
  Ich geleite das Heer gen Heunburg heute noch, morgen
  Ueberzusetzen, gesinnt, den Strom auf knstlichen Brcken,[3]
  Die uns, auf Fl' erbaut, und mit lastenden Ankern gefesselt,
  Dienen zur Bahn. Schon sah ich am Ufer unzhlige Stmme,
  Wohl behau'n, und gefgt von den werkbeflissenen Lhnern.
  Eile mir vor im Gefolg fnfhundert erlesener Krieger,
  Dort zu gebiethen den Bau, mit kundiger Sorgfalt. Ich folge
  Rasch mit dem Heere dir nach, und steh' an dem kommenden Morgen
  Drben am Ufer der March, vereint mit des Knigs von Ungern
  Tapferem Volk, im Rcken des Feind's, und im mchtigen Vortheil.
  Rhmt er der Menge sich gleich,
              doch siege die Treu' und das Recht nur.

    Jener begann alsbald: Mit Freuden gehorch' ich dir, Vater!
  Aber, o sieh', da sprengt dein Hartmann, eilenden Fluges,
  Mit dem getreuen Kurd, der einst in den Jahren der Kindheit
  Ihn auf den Armen trug, und den blhenden Jngling das Reitro
  Bndigen lehrt' auf der Ritterburg, ein tapferer Degen,
  Nher; mich dnkt: zu weiterer Fahrt, mit dem Treuen, gerstet!
  Hartmann hemmte den Lauf, und sagte, herber gewendet:
  Denn schon stand sein Ro auf dem Sprung, zu den Staunenden also:
  Leb' wohl, Vater, und ihr, Geschwister mein, auch ihr alle,
  Lebet auf lange denn wohl! Gar viele der Wege hienieden
  Sind's, die Gott die Seinigen fhrt; doch bringt er uns einst dann
  Wieder zusammen im Glck von unvergnglicher Dauer!
  Fort an den vaterlndischen Rhein -- hinber nach Aargau,
  Fhrt mich der Weg: denkt mein, des Entfernten, mit Liebe zuweilen!
  Rief's; dann gab er dem Pferde den Sporn, und schwand auf dem Heerweg
  Pltzlich dahin: ihm sah'n die Beiden mit thrnendem Blick nach.




  Siebenter Gesang.


  Marbod sah aus den Wolkenhh'n, verglommenen Blickes,
  Wie der Mond, umflort von herbstlichen Nebeln am Morgen,
  Lang' auf die dmmernden Fluren herab. Er dachte des Bruders
  Ernst auf dem Kahlenberg, der kriegrische Thaten verschmhend,
  Froh in der Einsamkeit verharrete: selbst, da ihm Hartmann
  Ehre und Vortheil both in des Throns hellschimmerndem Umkreis.
  Vllig fremd erschien ihm die Erd', und verndert der Menschen
  Leben und Geist. Nur Feindes-Gewrg im Schlachtengetmmel
  Sann er sein Lebenlang; nur Kampfmuth heisch't er vom Manne,
  Und, ergrimmt, so ihm einst das hei Ersehnte versagt war,
  Schlug er den Stein mit dem Schwert', und spaltete Bume des Waldes--
  Ja, was jetzt ihn zermalm't, unschuldigen Menschen die Scheitel:
  Denn jetzt hrt' er von Liebe des Feinds, vershnender Sanftmuth,
  Schonung, und froher Geduld, und des Friedens sanften Gebothen.
  Feig und entnervt erschien ihm frwahr die Volk, so er seither
  Nicht mit staunendem Blick sein Heldenleben gewahrte:
  Seinen Muth in dem Kampf' und im Tod, der Helden zu Theil wird.
  Doch nun horcht' er, erstaunt: im lauten Getse der Waffen
  Kam des Kaisers gewaltige Macht auf dem stubenden Heerweg
  Nher. So, wie der Sturm, emprt, hersaust, und die Bltter,
  Tausendfltig bewegt, aufrauschen im finsteren Waldthal:
  Also klang in sein Ohr des kommenden Heeres Getmmel.
  Alsbald schwebt' er vom Morgengewlk nach den Zinnen der Heunburg
  Hin: einst Attila's Burg, der sich, als Knig der Heunen,
  Furchtbarn Ruhm gewann, da er Gottes Geiel genannt ward;[1]
  Doch verdet aufragte die Burg in die Lfte; der Epheu
  Kroch an der Mauer umher, und durch weitgehhlete Fenster
  Sah der bluliche Himmel herab in den grasigen Hofraum,
  Wo vom zerschlag'nen Gesims' ureinst verfallener Bgen
  Sich der Dornstrauch hob, und im Windesgesusel sich wiegte.
  Dort von des Wartthurms schwindliger Hh' ersah er des Kaisers
  Nahende Macht, und ihn selbst inmitten der tapferen Scharen:
  Wie auf dem feurigen Ro er schaltete, hin und herber
  Eilend, sie in geordneten Reih'n zum Ziele zu leiten.
  Unabsehlich hinab auf der Strae war reges Gewimmel,
  Lrm, und Gets'. Im Lichte der hellaufstrahlenden Sonne
  Lachten die Fluren rings, und sie sog aus den blanken Gewehren,
  Aus dem Harnisch und Helm, wie der Blitz augblendend, die Funken.

    Jetzt, wo am Fue des Bergs sich weit hinber, im Halbkreis
  Windet der Donaustrom, anlangten des Heeres Geschwader.
  Zweifach theilt er sich dort, und streckt ein liebliches Eiland,
  Gegen die breiteinmndende March zum linken Gestad hin.
  Sieh', und all' die Nacht anschwammen die mchtigen Stmme
  Wolkengethrmter Fichten, gesandt aus dem sdlichen Forstland
  Oestreichs, das im Gebirg, unendlicher Flle, sich ausdehnt!
  Dort, gehorchend dem Wink des hohen Erzeugers, erbaute
  Albrecht nun die Brcke dem Heer'. Der Stmme je sechzehn
  Hatt' er zu Flen vereint, und ber des eilenden Stromes
  Rcken, im kiesigen Grund mit lastenden Ankern gefesselt:
  D'rauf erhht das Sulengeblk'; unendliche Stmme
  Ueber ihn hin gefgt, und sie in die Quere mit Bohlen
  Dicht bedeckt: dem Mann' und dem Rosse zum sicheren Heerweg,
  Den an jeglichem Rand' ein leichtes Gelnder begrnzte.
  Doch vom Gestade, wohin mit duftenden Matten das Eiland
  Sich erstreckt, hie Albrecht dann die Brcke noch schneller
  Ueber den schmlern Arm erbau'n: denn lngliche Fhren
  Reihten, ber der Fluth von gewichtigen Ankern gehalten,
  Sich hinber den Strom, und einten die ragenden Ufer:
  Sicheren Uebergang dem eilenden Heere zu bahnen.
  Trefflich hast du, mein Sohn, so rief ihm der Kaiser entgegen,
  Alles und Jedes vollbracht, und bezwungen die Fluthen des Stromes
  So, da wir hinziehn auf ihm, und, des furchtbaren Abgrunds
  Achtlos, freudig zum Ziel, dem ersehneten, frdern die Schritte:
  Drben dem stolzvertrauenden Feind' in den Rcken zu strmen.
  Dein gedenken mit Ruhm noch kommende Menschengeschlechter.
  Vater, so sagte darauf der Tapfere, nimmer geahnet
  Httest du wohl: ich sey jetzt eigenntzig, und harre
  Gierig des Lohnes? So ist's: mir wollest du solchen gewhren
  Bald in der Schlacht: da ich dort das Zeichen des Sieges vor dir her
  Tragend, kmpfe zugleich fr den edelsten Herrscher und Vater!

    Rudolph legte die Hand ihm sanft auf die Schulter, und sah ihm,
  Beifalllchelnd in's Aug': ein zartgesinneter Vater!
  D'rauf erhob er das Schwert, und ritt, der erste vor allen
  Ueber die Brcke, das Ro kurz haltend am Zaum', und ihm folgten
  So im gehalt'nen Schritt die Reisigen -- folgte das Fuvolk
  Rastlos nach. Sie donnerte laut, von unzhligen Hufen
  Wiehernder Rosse gestampft; doch unter des eilenden Fuvolks
  Ehernem Schritt', erdrnte sie dumpf nur, und schwankte der Last nach.
  Also zog er den breiteren Arm, des grnenden Eilands
  Augefild', und den schmleren Arm der mchtigen Donau
  Freudig hinber zum linken Gestad', am unendlichen Marchfeld.
  Dort aufstellt' er das Heer, und rief dem khnen Capellen:
  Tapferer, sey mit der Schar fnfhundert erlesener Reiter
  Heute der Fhrer des Vorderzugs, schlagfertig und wachsam
  Jeglichen Augenblick, so Gefahr uns drohte vom Gegner!
  Otto von Meiau lenkt die Reisigen; doch vor dem Fuvolk
  Ziehe nun Meinhard, herrschend, einher; ich gebiethe dem Nachzug.
  Rastlos wollen wir bald des Feindes Lager uns nhern.
  Also geschah's: Capellen ging an der Spitze der Reiter
  Vorwrts. Hoch in der Luft, vom suselnden Winde gehoben,
  Flatterte, grn, sein Fhnlein vor in der Farbe der Hoffnung.
  Otto's Fhnlein, blau, die Farb' ausdauernder Thatkraft,
  Folgte mit neun- und zwanzigen noch, die im Lichte des Morgens
  Schimmerten, vielfach an Farb', wie solche dem Ritter genehm war,
  Der sie gewhlt, ihm nach, und mit jeglichem kamen der Reiter
  Hundert. D'rauf erschien, blutroth, des unbndigen Muthes
  Farbe verrathend, die Fahne der grz- und tyrolischen Herrschaft:
  Meinhards Siegespanier! Ihr reihten der schimmernden Fhnlein
  Fnfzig sich an, und nach jeglichem eileten hundert der Krieger:
  Alle mit Helmen und Schilden bewehrt, und mit Lanzen bewaffnet.
  Aber nach ihm, umringt von der Schar der edelen Ritter,
  Fhrte der Kaiser selbst in dem Nachzug jene zum Kampf vor,
  Die aus den rheinischen Gau'n nach Oestreichs Fluren gekommen,
  Und ihm folgte das Kriegs-Gezeug' im unendlichen Zug nach.

    Schnell g'en Hof an der March vordrangen die muthigen Vlker,
  Sonder Trommelgetn und Drometengeschmetter: dem Gegner
  Weislich zu bergen die Macht, die ihn bald umstrmet im Schlachtfeld;
  Naheten dann Schlo-Hof, wo empor aus den dsteren Mauern
  Einer verdeten Burg der Wartthurm sich in die Luft auf,
  Druenden Anseh'ns, hob.[2] Nur Molch' und giftige Nattern
  Haus'ten in ihrem unheimlichen Raum. Mit rieselndem Schauder
  Eilte der Wand'rer vorbei, und der Hirt hielt ferne die Heerden
  Von den Mauern, wo einst (so kndet die Sage) die Hausfrau,
  Eitelen Sinnes, der Wangen Paar in dauernder Schnheit
  Sich zu bewahren, in's Burgverlie die Kinder verlockte,
  Schlachtete, dann mit dem Blute sich wusch, unmenschlichen Herzens;
  Aber sie starb durchs Schwert, und die Burg vermieden im Land dort
  Rings die Bewohner umher -- zumal in den Stunden des Abends,
  Wo, so kndeten sie, ein Werfen mit Steinen im Hofraum,
  Lautes Zischen vom Wartthurm her, und ein Sthnen und Aechzen
  Aus dem Verlie erscholl. Doch sieh', als jetzo vorber
  Eilte das Heer, da gewahrete Jrg, der muthige Reiter
  Steyrischen Oberlands, auf den Zinnen des ragenden Wartthurms
  Sitzend ein Wesen von Menschengestalt, von Bewegung, und Leben!
  Alsbald sprang er vom Sattel, und rief, verhhnend: Nicht furchtbar
  Sind die Geister bei Tageslicht; ich wette, die Bhmen
  Sandten den Spher heran: ich will es ihm tapfer gesegnen!
  Rasch enteilt' er, und klomm an der Mauer, der Gemse nicht ungleich,
  Die an der Felswand schwebt, empor, bis ber dem Fallthor
  Er die Stufen gewann, und schnell zu den Zinnen hinaufstieg.
  Schon entfuhr ihm ein hhnender Ruf, da wankt' er voll Schrecken
  Wieder zurck: so grausenhaft erwies sich der Fremdling,
  Der ein Jngling ihm schien. Sein losgewhletes Haupthaar
  Flog ihm wild um die Stirn'; an dem blutigen Wamms und den Schenkeln
  Hingen nur Trmmer des Riemwerks noch vom zerschmetterten Panzer,
  Wie auch der Schienen am Bein'. Er zitterte: Wuth und Verzweiflung,
  Rach' und Schmerz verrieth sein tieferglhendes Antlitz,
  Als er, den Degengriff mit krampfhaftzuckender Rechten
  Haltend, nach Jrg umsah, der jetzt ihm wieder genaht war.
  Aber dem druenden fat' er die Brust, und warf, mit des Riesen
  Kraft gesthlt, von des Wartthurms Rand' ihn hinab in den Abgrund:
  Seinem Volke zur Schau, das eben voll Muthes heran kam.
  Siehe, da liefen sogleich die Gefhrten des sterbenden Kriegers
  Hin nach dem Thurm, voll Gier, den schrecklichen Frevel zu rchen;
  Doch schon eilt' er die Stufen herab, und sprang wie der Steinbock,
  Den der Schtze verfolgt von Klippe zu Klippe hinunter,
  Mit erhobenem Schwert, von der Mauer der Burg auf den Vorgrund,
  Gegen die Rcherschar, sich wthend zu wehren, entschlossen!
  Aber es sprengte der Kaiser das Ro in Eile herber,
  Und, vernehmend die That des grimmerflleten Jnglings,
  Hemmt' er die Krieger, und rief dem Nahenden: Halt, ich gebieth' es!
  Jenem sank der druende Arm bei den Worten des Herrschers
  Pltzlich hinab, da am Stein die Spitze des funkelnden Eisens
  Klirrete: denn er besann, die Augen erhebend, sich jetzo:
  Ob er die Stimme gekannt, die ihm also gerufen? Er starrte
  Schweigend ihn an; die Wuth entschwand, wie schneeige Flocken
  Vor dem mchtigen Strahl der wolkenenthlleten Sonne
  Schwinden, aus feinem Gesicht', und im Kreise der zuckenden Wimpern
  Wies sich nun herzinniges Leid, das nahe der Thrnen
  Leis'aufstrebenden Quell verkndete. Mild, und vershnend
  Sagte der Kaiser: Verschonet ihn doch: nicht mit hellem Bewutseyn
  Hat er Arges verbt. Kein grerer Jammer auf Erden,
  Denn des Unglcklichen Schau, de' edelster Vorzug: des Geistes
  Licht, verdunkelt ward; der unter den Lebenden weilet,
  Aber, entfremdet dem holden Verkehr' und der trauten Gemeinschaft
  Seiner Lieben, zum Grab fortwankt im finsteren Wahnsinn.
  Wahrlich mich ducht, als htt' ich ihn jngst gesehen: ein Zerrbild
  Jenes Ritters, der so feindlich am Tabor turneyte!
  Pferdegetrab erscholl jetzt laut in der Nhe: des Reiters
  Ledig, kam mit verhngtem Zaum der Braune gesprungen;
  Lief dem erkannten Jnglinge zu, und fuhr mit dem Hals' ihm,
  Wiehernd, unter den Arm, da er ber den Mhnen herabhing.
  Alsbald fat' er dies', auf des treu erfundenen Thieres
  Rcken sich schwingend in Hast, und flog nach dem Ufer der March hin.
  Nicht besann er sich dort: er schwamm die Fluthen hinber,
  Und entschwand den Augen der stummnachstarrenden Krieger.

    Ach, und der Jngling war's, der jngst so feindlich turneyte:
  Wallstein! Als in der Schreckensnacht, vernichtet von Ottgars
  Wthendem Zorn, er, allein, gehhnt, und urpltzlich aus Edens
  Rosenau'n, wohin ihn Hedwigs Engelgestalt rief,
  Rauhverstoen sich sah: da warf er die Blicke, mit Ingrimm,
  Schweigend noch, um sich her; erhob sie g'en Himmel; zerwhlte
  Sich mit der Rechten das lockige Haar an der Stirn', und besann sich:
  Was ihm gescheh'n? Jetzt trieb er das Ro mit schrecklichem Ruf' an;
  Ri aus der Scheide den Stahl, und schlug, und bohrte dem armen,
  Immer tiefer den Sporn in den Leib, da er blutet' im Lauf hin.
  Also wohl Stunden lang, fort ber die Hgel und Thler
  Trieb er hinaus und herein, voll Wuth, bis athemberaubet,
  Endlich das Ro hinsank am hainumrnderten Blachfeld.
  Lange stand er dort, wie erstarrt. Der nahenden Sonne
  Rosiger Strahl, nach welchem er sonst mit Liebe sich sehnend,
  Rasch die Hhen erklomm, und dort aufjubelte, wenn er
  Ihm die Stirn', die umliegende Flur, und der wirbelnden Lerchen
  Zartes Gefieder beschien, die hoch vom Gewlk' ihn begrten--
  Ha, wie trb erglht' er ihm jetzt! Wie schrecklich ertnt' ihm
  Heut der sonst entzckende Ruf der befiederten Snger
  Drben im schauernden Wald, und wie schal erschien ihm das Leben
  Ringsum! Furchtbar schwoll ihm die Brust von unsglichen Qualen:
  Lichtleer dnkt' ihn der Tag, und die Sonne verloschen. Er warf sich
  Dann auf die Erde; verbarg im thauenden Grase das Antlitz;
  Lag schwerathmend noch, und weinte mit leisem Gesthn' fort.
  Doch nun fuhr er empor (ihn fat' unbndige Zornwuth)
  Ri sich vom Haupte den Helm, den Panzer vom Leib', und die Schienen,
  Hastig, von Arm und Bein', und verstreute sie, schmetternd,
              im Staub dort,
  Weil ihn solche nicht schirmten, zuvor, g'en Schmach und Entehrung.
  Jetzt mit dem Schwert in der Faust, und dem einen Gedanken im Herzen:
  Ottgars Tod! hinbraus't' er im Feld', ihm zu nahen, entschlossen.
  Also den Tag und die Nacht fortras't' er, und kam an dem Morgen,
  Wutherschpft, g'en Hof an der March zu dem einsamen Schlo her;
  Klomm den Thurm empor, und forschte herum in der Dmm'rung.
  Stille herrscht'. Er sah hinab in den schwindelnden Abgrund:
  Einen Schritt von dem Rand -- kopflangs hinunter, und stumm war
  Pltzlich der schreiende Schmerz in der Brust,
              und verschollen der Menschen
  Liebehhnender Ruf. Doch Ottgar lebend auf Erden
  Noch? Nur jenen erwrgt zuvor: dann sterben wie immer!
  Nun, vor den Kaiser gefhrt, und dort nur Worte der Sanftmuth
  Hrend von ihm, den er erst jngst, ein eifernder Ritter
  Ottgars, offen gehhnt: das brach ihm das Herz, und mit Thrnen
  Htt' er, liegend im Staub', ein Reuiger, jetzt ihn geshnet;
  Doch ihm folgte sein treues Thier, und er jagte von dannen.

    Sieh', und rastlos fort g'en Marcheck zogen die Scharen
  Weiter im frhlichen Muth, nicht achtend des sengenden Mittags,
  Noch des qualmenden Staubs, entlang den unendlichen Heerweg!
  Aber vor Marcheck kam ein Huflein kumanischer Reiter
  Nher gesprengt: wohl fnfzig Mann, und der Fhrer des Volks war
  Kaduscha. Ihm ertnte der Gru der Kampfesgenossen.
  Auch er schwang den blitzenden Stahl, den Freunden zum Dank, auf,
  Und erkundet' im Flug: wo er treffe den mchtigen Kaiser?
  Aber ihn fhrte das Volk stets weiter zurck' in den Reihen,
  Bis er im Waffenschmuck die Schar der erlesenen Ritter
  Drben ersah, und gerad' dorthin den schnaubenden Lufer
  Spornte. Umforschend im Kreis', begann er, und sagte, verwundert:
  Traun, ich schaue vor mir vereint gewaltige Mnner;
  Doch nach dem Herrscher des deutschen Volks, dem Kaiser Rudolphus,
  Forsch' ich umsonst! Erkennbar leicht ist der Knig der Ungern
  Schon an dem Purpurpelz, der, rings mit Zobel verbrmet,
  Ihm von den Schultern fliet; an dem Stern, voll Edelgeschmeides,
  Der an der Brust den Pelz festschlingt mit der goldenen Kette;
  Auch an dem Reiher, des Kalpags Zier, entschwebend des Demants
  Funkelnder Ros', und dem Stab, den er in der Rechten, zum Zeichen
  Heerebewegender Macht, und erhabener Herrschergewalt fhrt:
  Denn nur kurz ist der Stab, von Golde getrieben, und oben
  Noch mit der Kugel verseh'n: ein Abbild furchtbarer Waffe,
  Die in des Ungern Faust zerschmettert dem Feinde die Scheitel;[3]
  Doch wen gr' ich als Herrscher hier mit meines Gebiethers
  Freundlichem Wort? Verzeiht, so ich irre! Mich dnket, der Ritter
  Dort in der einfachen Wehr', ob seines erhabenen Anseh'ns
  Und der Macht in dem Blick', ist der Herrscher,
              zu dem ich gesandt bin.
  Wohl, er ist's, entgegnete jener, du hast ihn gefunden!
  Aber verknde nur schnell: was uns der tapfere Knig,
  Unser Freund und Bundesgeno', Erfreuliches darbringt?
  Heil und Segen zum Gru, sprach Kaduscha, heimlich erschttert,
  Sendend zugleich mit der Siegesbothschaft Zeichen des Glckes
  Dir zum Geschenk! Den Kampf begann der Kune mit Ruhm schon.
  Lngs dem Ufer der March, im Hinterhalte verborgen,
  Lag mein Volk: da zog des Weges vorber der Bhmen
  Streitgerstetes Heer. Wir harrten, lauernd im Dunkel,
  Bis der grere Hauf' hinschwand, und die Beute so herrlich
  Dar sich both. Frwahr, ein blutiger, schrecklicher Kampf war's!
  Dennoch entkamen der Feinde nur zween aus hunderten: alle
  Lagen erwrgt. Wir hieben sogleich von dem Rumpfe die Hupter,
  Sie, auf die Sbel gespiet, nach dem Lager zu tragen, und eben
  Bringt in Krben von Schilf dir solche mein Volk zum Geschenk her,
  Drben am schlngelnden Weidenbach, wo dein der Beherrscher
  Ungerns harrt mit gewaltiger Macht. Das soll ich dir knden.
  Heimlicher Schauder ergriff, bei der Red' entsetzlichem Inhalt,
  Rudolphs mildgesinnetes Herz, er wandte sich seitab,
  Barg die Stirn' in die Hand, und rief nach erschtterndem Schweigen:
  Furchtbar habt ihr gesiegt, und dem Feinde Verderben bereitet,
  Uns voreilend sogar. O mchte die Liebe des Heilands,
  Mchte sein hohes Gesetz in euren verwilderten Herzen
  Eingang finden, da ihr entsagtet fr immer der Ahnen
  Schmhlichem Gtzendienst: nicht wrd' unmenschlicher Kriegsbrauch
  Schnden den Sieg, den ihr mit tapferem Muthe gewonnen!
  Biethet der Krieg nicht genug des Furchtbaren dar, und ein Jammer,
  Schrecklich, wie der, soll ihn noch entsetzlicher, wilder gestalten?
  Wehe, da oft nur aus Blut des Friedens lieblicher Oehlzweig
  Keimt, und, mit glhenden Thrnen benetzt, die Blthen entfaltet!
  Schwarzenberg, gib jetzo Geleit den muthigen Kunen;
  Zieh' uns voran, und verknde mit Huld, wie es Rittern geziemet,
  Unsern Freundesgru dem Knige! Aber ich folge,
  Tapferer, dir auf dem Fu, mit dem muthbegeisterten Heer nach!
  D'rauf noch sagt' er ihm leis': O schaffe die Reste der Todten
  Schnell bei Seite, da solch' ein frommer Priester begrabe,
  Wrdig, nach Christenbrauch: denn unsere Brder begrbt er!
  Hohn, an den Todten verbt, erfllet die Seele mit Schauder.
  Sagt' es, und jen' entschwanden im Flug auf dem stubenden Heerweg.

    Ottgar rckte mit Heer'smacht an. Nur das Auge der Geister
  Dringt in die weiteste Fern': entflohen der sterblichen Hlle
  Schau'n sie vom Nord- zu dem Sdpol hin des kreisenden Erdballs
  Vielbevlkerten Raum; sie schau'n des unendlichen Weltmeers
  Schwankende Wsten, und dort, wohin kein segelndes Fahrzeug
  Je noch Sterbliche trug, auf weitentlegenen Inseln,
  Sonder Zahl, gar seltsamgestaltete Thier' und auch Menschen.
  Marbod sah aus den Wolkenhh'n des entrsteten Ottgars
  Nahende Heeresmacht mit heimlichem Schauder: unzhlbar
  Schien sie ihm gegen des Kaisers Heer an Mannen und Rossen;
  Auch nicht ferne zugleich der wildumwthende Kampf mehr.
  Alsbald sann er besorgt, ob einer der Lftebewohner
  Nahe sich fnde, mit ihm vereint, in blutiger Feldschlacht
  Beizustehen dem Hort der edelmthigen Deutschen?
  Schauend umher vom Gewlk nach den fernentlegensten Lndern,
  Drang sein forschender Blick von dem Rcken des sanften Gebirges,
  Wo, beginnend vom Donaustrom', an dem freundlichen Preburg
  Hher und hher empor sich hebt, und thrmt der Karpathen
  Mchtige Kett' (entlang die silesisch- und polnischen Lnder,
  Eine schirmende Mark fr die reichen Gefilde von Ungern)
  Bis zu dem Riesen der Lomnitz hinauf, der, schneeigen Hauptes,
  Hoch aus den Wolkenhh'n in die lieblichen Thler der Zips schaut:[4]
  Dorthin drang sein Blick. Auf der Scheitel des Riesen gewahrt' er
  Jetzo, erstaunt, den, einst gewaltigen Fhrer der Gothen,
  Katwald, hingestreckt mit Inguiomar, dem Cherusker,[5]
  Hermanns Ohm, der, zrnend dem heftigen Varus-Besieger,
  Ihn zum Bundesgenossen erkor in den Tagen der Nothwehr.
  Schchtern naht' er den Hh'n: denn Katwald, finstern Gemthes,
  Trug ihm Ha in der Brust. Er hatt' ihn vertrieben aus Bheim;
  Jener rchte sich d'rauf, mit den Rmern im Bund', und vertrieb ihn
  Wieder aus Marobud, der Stadt, die er grndete, machtvoll
  So, da er dann ein Flchtling starb in den Mauern Ravenna's.
  Dennoch bezwang er sein strubendes Herz, und schwang sich hinber
  Von dem Gewlk. So lang', als hier, aus der Schleuder geworfen,
  Fleugt der sausende Stein, und fern zur Erde herabsinkt,
  Whrte sein Eilflug nur, und er stand vor den Beiden, und sagte:
  Ha, ihr weilet dahier, entzckt von der reizenden Ansicht,
  Die die Land gewhrt im Schoo' umragender Berghh'n?
  Schn ist es: wie nach den vier Weltgegenden, mchtige Flsse,
  Ewig genhrt von dem sprudelnden Quell, aus dem hohen Gebirgsthal
  Wlzen die silberne Fluth; wie solches, mit Stdtchen und Drfern
  Rings beset, die blhende Flur dem Auge zur Lust beut!
  Aber ein wichtiger Streit entzweit die mchtigsten Frsten:
  Welchem die stliche Mark, die ich einst beherrschte, zum Eigen
  Werde noch heut': denn nah' ist der Kampf, dem Kaiser der Deutschen,
  Oder dem Knig des Lands, das ach, von Rache getrieben,
  Katwald, du, mir entrissest im Kampf -- dem Knig von Bhmen?
  Habt ihr vllig vergessen des Muths, der schnell in dem Busen
  Aufflammt, wenn die Dromet' erschallt, das wiehernde Schlachtro
  Steigt, und der blitzende Stahl in der Rechten des Helden umhersaus't?
  Kommt, mit thatenerregendem Wort' und stachelndem Zuruf
  Anzufeuern die Kraft der, uns abstammenden Deutschen,
  Und zu verherrlichen heut' in dem Feld den erhabensten Kaiser!
  Inguiomar erhob bei den Worten sich schnell von des Felsens
  Schneeigem Kulm, wo er sa (er ragte noch hher denn Marbod,
  Riesengestaltet, auf), ergriff ihm die Hand, und begann so:
  Trauter, nicht sah dich mein Aug' seitdem, als, flchtig des Landes,
  Du nach dem herrlichen Wlschland zogst: mehr Jahre, denn tausend,
  Sind den Menschen entfloh'n, seit solches geschehen! Ich weilte
  Unten im Schooe der Erd', in dstere Trume versunken;
  Pltzlich rief es mich fort. Wer rief? nicht wut' ich es -- folgte.
  Doch nun zieh' ich mit dir: ein Freund der Shne von Deutschland!
  Also gesellt' er sich ihm; doch Katwald starrt' in den Abgrund
  Finster hinab, und verschlo den mildvershnenden Worten
  Marbods feindlich das Ohr: da entschwanden die beiden Vereinten,
  Arm in Arm. Er hob mit Grimm in den blulichen Augen--
  Trotz in dem blassen Gesicht', um welches der suselnde Westwind
  Wiegte das rthliche Haar, sich vom Boden, und folgte nur zgernd
  Jenen nach, die rasch nach Oestreichs Fluren enteilen.

    Aber auch Marcheck lag im Rcken des ziehenden Heers schon.
  Von Baumgarten herab, in der Au feldlagerte weithin
  Ungerns Macht, verhllt von schattenden Weidengebschen.
  Dorther jagt' im Gefolg der Reisigen jetzt auf dem Heerweg
  Ladislav, der Knig, heran: er dachte dem Kaiser
  Wrdig zu nahen, und hielt, als Staub aufwallte zum Himmel.
  Schwarzenberg mit Kaduscha war's, der eilig daherkam.
  Jener entblte den Stahl, und senkt' ihn zum Zeichen der Ehrfurcht,
  Vor dem Knige; d'rauf erhob er ihn wieder, und sprach so:
  Mein erhabener Kaiser und Herr entbiethet dir, Hoheit,
  Seinen Gru! Er kommt, dein redlicher Bundesgenosse,
  Dich an die sehnende Brust vor dem Heere zu drcken. Nicht fern mir
  Folgte der Vorderzug: bald siehst du ihn schalten im Nachzug.
  Herr, sprach Kaduscha jetzt, erblickst du sein Heldengefolg dort,
  Forsche mit Flei, da vor Allen sogleich dein Aug' ihn ersphe:
  Denn nicht glnzt er im Waffenschmuck; nur magst du ihn kennen
  An der erhabenen Stirn', der wlbenden Nase des Adlers,
  Und an dem Herrscherblick in der Himmelsblue der Augen!
  Fremd ist die Furcht dem Kaduscha, doch erbebt' er, ihm nahend.
  Freude mit ihm, entgegnete schnell der Knig, und Glck uns
  Beiden Verbndeten, da sich Ottgars furchtbare Heersmacht
  Gegen uns wlzt wie die Fluth, die aus ihren Gestaden getreten!
  Aber er komme nur: bald begegnen wir ihm in den Feldern
  Ewigen Ruhms, vereint mit Rudolphs tapferen Scharen.
  Unser Stahl ist geschrft, und die Rechte gar mchtig zum Einhau'n.
  Sieh', da hob sich erneut von der Strae der wirbelnde Staub auf,
  Und der Rosse Getrab ertnete nher und nher!
  Rudolph jagte heran im Gefolg' erlesener Ritter:
  Denn ihn drngte das Herz, den verbndeten Knig zu gren!
  Aber noch standen die Ross' an dem Weg, tiefhangenden Hauptes
  Tragend den Siegespreis unmenschlicher Krieger. Nicht sumte
  Schwarzenberg, und begann mit eiferndem Laut vor dem Knig:
  Schnell g'en Zwerndorf hin, da es also dem Kaiser genehm ist,
  Trage die Last der wohlverhlleten Krbe das Saumthier:
  Ihm ein werthes Geschenk, weil dort der redliche Priester
  Solche nach heiligem Christenbrauch der Erde vertrau'n wird.
  Sagt' es, und rief Luitold, dem muthigen Knappen. Er nahte
  Folgsam, und fhrte die Schar der Treiber zurck mit den Rossen.
  Ringsum staunte das Volk, und sah bald seinen Beherrscher,
  Bald den Fremdling an; doch, tieferglhenden Blickes,
  Sa der Knig im Sattel, und schwieg, und lie ihn gewhren.

    Allen zuvor kam jetzt der Kaiser gesprengt, da ihn alsbald
  Ladislav erkenne, der Hort der tapfern Magyaren.
  Beide sprangen behend' aus dem Sattel. Sie streckten die Rechten,
  Einer dem andern im schnelleren Gang, begrend, entgegen;
  Hielten mit heiem Druck die verschlungenen; standen, und blickten
  Lange, staunend sich an. Dem Auge des einen entstrahlte
  Feuriger Muth; entscheidende Kraft, und Wrde des andern.
  Als sie jetzo gesttigt das Herz in freundlicher Anschau,
  Schweigend, begann voll Hast der jugendlichblhende Knig:
  Werth sey mir der heutige Tag, und theuer vor allen,
  Wo ich, Erhabener, dir, de' Ruhm erfllet den Erdkreis,
  Nahete, bund'svereint: denn lang ersehnt' es mein Herz schon!
  Siehe, nicht riefst du umsonst: ich zog aus den unteren Landen
  Meines Reichs mit Heeresmacht dir zu Hlfe! Des Ungern
  Flammenden Muth kennst du, wie er einstrmt
              rasch in die Schlachtreih'n;
  Aber der Kun' ist schrecklicher: denn ihm wohnet die Wildheit
  Seiner, erst jngst verlassenen Stepp' an des Tanais Ufern,
  Ungezhmt in der Brust; du sollst uns loben im Schlachtfeld.
  Ha, dort fleugt Staub auf! Frwahr der Feind ist im Anzug;
  Solches verkndeten mir zuvor Eilbothen, aus Weiden
  Kommend, voll Angst: das Volk ersehnet den Retter Rudolphus!

    Als der Kaiser die Worte vernahm, da wandt' er die Augen
  Schnell g'en Oberweiden zurck, das ber den Sandhh'n
  Einsam liegt: ein hainumsuseltes Drfchen. Von dorther
  Hob sich der Staub zum Gewlk. Wie nach glhenden Tagen des Sommers,
  Hinter dem fernen Gebirg', empor die schwrzlichen Wlkchen,
  Gleich dem, geblht, in die Lft' aufsteigenden Balle sich heben,
  Bis sie im hheren Raum mit den weitgedehneten, lichten,
  Aestigen pltzlich vereint, den wetterleuchtenden Schleier
  Auf an den heiteren Himmel zieh'n: so flog auf dem Heerweg
  Sparsamer erst, dann hufiger, hoch der qualmende Staub auf,
  Der, von der Abendsonne durchblinkt, wie vom Blute gerthet,
  Ottgars nahende Macht verkndete. Jener begann so:
  Ha, Beherrscher der Ungern, du bist zur Stunde des Glckes
  Jetzt mit dem Heldenheer' als Bundesgeno mir erschienen!
  Sumen wir nicht. Nur einmal beut auf entscheidender Bahn dir
  Freundlich die Hand das Geschick:
              ergreifst du sie nicht, so entzieht es
  Selbe fr immer vielleicht. D'rum sey in gebiethender Hast nun
  Unsere Macht zum Wohl unzhliger Menschen vereinigt.
  Frisch an die That! Wir ordnen das Heer sogleich in dem Feld hier.
  Alsbald schwang er sich rstiger auf in den Sattel, und sprengte
  Hin, und herber im Flug, mit des Feldherrn Auge die Gegend
  Rings erforschend, zum Kampf den gnstigen Raum zu erlesen.
  D'rauf entboth er vor sich die Herolde: hie von des Heeres
  Rechtem Horn, g'en Zwerndorf hin Oestreicher und Steyrer
  Zieh'n; von dem linken die Macht der Krnthner und Krainer,
              nach Marchecks
  Fluren hinab. Capellen geboth den ersteren; diesen
  Meinhard, Graf von Grz und Tyrol, als oberster Feldherr.
  Aber im mittleren Raum, Baumgarten nicht ferne, des Drfchens
  Frchtegesegneter Flur, vereinte sein Wink die Tyroler,
  Schwaben, und Schweizer zugleich, gar tapfere Scharen im Schlachtfeld.
  Also in fnf Heersulen stand des gewaltigen Kaisers
  Macht zu dem Kampfe bereit. Vor jeglicher wehten die Fhnlein
  Edeler Ritter empor in die Luft, und die sinkende Sonne
  Leuchtete hell aus den Helmen und Harnischen, furchtbar zu schauen!
  Reisige folgten den Rittern nach, und, diesen im Rcken,
  Trefflich geordnet, die Reih'n des lanzentragenden Fuvolks,
  Wo vor jeglicher, schimmernd im Licht, ein mchtiges Banner
  Flatterte, dort den Kriegern Verein in dem Kampfe gebiethend.
  Aber vor allen empor, aus dem Kern des stattlichen Heeres
  Hob sich die Reichsfahn' auf: wie des Meerschiffs mittleres Segel,
  Flatternd umher im Hauch des leis'umschmeichelnden Westwinds,
  Und enthllend den Doppelaar, mit der Kron' und dem Zepter
  Herrlich geziert, nun rechts, nun links auf dem goldenen Feldraum;
  Immer wies sie dem Heer' die Nhe des waltenden Herrschers.
  Aber er sagte darauf zu dem Knige, schnell und entschlossen:
  Sey dort hinter Capellens Macht, zur Rechten, der Kunen
  Furchtbare Schar gestellt, die Kaduscha's Winken gehorchet;
  Aber zur Linken, verhllt von der schattenden Au', und des Meinhards
  Vlkern zur Sttze gespart, erwarte die tapfere Heerschar,
  Die Trentschins Gebiether beherrscht, den ehrenden Aufruf:
  Loszubrechen mit Macht auf die wildanstrmenden Gegner;
  Doch du weiche zurck: denn also gebiethet die Sitte
  Deines Landes dem Knige -- fern von dem blutigen, Schlachtfeld
  Sitzend auf einer der ragenden Hh'n, auf dem rollenden Wagen,
  Oder dem feurigen Ro, des Kampfmuths seiner Erwhlten
  Zeuge zu seyn![6] Schon neigt sich der Tag.
              Nicht wird uns der Feind mehr
  Heute begegnen im Feld; doch sey's: er komme! Mit Freuden
  Wollen wir entgegen ihm zieh'n, und der Ehre gedenken.
  Sagt' es, und bald stand jegliche Schar, in Reihen geordnet,
  Nach dem schaltenden Wink des erhabenen Kaisers. Der Knig
  Ungerns gewann mit Gefolg die aufragende Wart' auf dem Hgel,
  Die in der Vorzeit einst zur Grnzmark diente den Vlkern.

    Doch g'en Westen hinab, nach des Abends goldenen Fluren
  Senkte die Sonne den Flug, und sah vom Rande des Himmels
  In das erhellete Nebelgewlk, das, duftigem Schleier
  Gleich, empor sich hob, sie in lieblicher Ruh zu umfangen;
  Rosig die Brust erhellt von ihren verglhenden Strahlen,
  Wanderten hoch in dem Wolkenreich nach entfernteren Zonen
  Singende Schwne dahin; im Saatfeld zirpten die Heimchen;
  Leise verhallte des Tages Gerusch, und das Leben verstummte.
  Aber die Hhen entlang, die rechts von Weiden nach Marcheck,
  Weitgedehnt, sich zieh'n, und des Marchthals Fluren beherrschen,
  Tnete jetzt Getrab anstrmender Rosse, der Waffen
  Helles Geklirr, und das Schrei'n und Rufen unzhliger Krieger.
  D'rauf erschien, dem Gewittergewlk' im Sommer nicht ungleich,
  Das, von ghrendem Donner schwer, am Himmel heraufschwebt,
  Drben am Rande der Hh'n die schlachtgerstete Heersmacht
  Ottgars: gierig des Kampfs, und zu muthigen Thaten entschlossen.
  Noch emprt' ihn der Zorn ob jenes verwegenen Jnglings
  Frechenthlleter Gluth zu seiner Erzeugten, und dennoch
  Sehnt' er sich herzinnig nach ihm, in dem einsamen Kriegszelt
  Sitzend, und schlug sich die Stirn',
              und jammerte laut um den Liebling.
  Also kam er heran, und hoffte, des lechzenden Herzens
  Heien Durst im Blut' und Gewrge der Feinde zu stillen.

    Doch nicht rastete jetzt Drahomira, die schreckliche Feindinn
  Ottgars: denn sie sah, wie Marbod und Inguiomar erst
  Sich vereinten, im Kampf zu entflammen die Deutschen. Sie nagte
  Heimlich vor Wuth an den Lippen, und htte mit schmhenden Worten
  Jene gehhnt; doch schwang sich nun, verdsterten Blickes,
  Katwald her in der Luft, und sah nach der Erde herunter.
  Alsbald hob sie zu ihm sich empor, und rief, ihn erforschend:
  Ha, du sahst es, wie Marbod, der schrecklichste dir in des Lebens
  Langentschwundener Zeit, auch Inguiomar zum Gehlfen
  Sich erkor, heut' Oestreichs Volk zu entflammen im Schlachtfeld!
  Komm, und eine dich mir! Erst will ich den Knig der Bhmen,
  Strzen: denn mir zur Schmach verbt' er entsetzlichen Frevel;
  Aber erliegt er im Kampf, dann sey Kunegunde, des Zepters
  Wrdig, erhht auf den Thron; ihr la uns erringen den Vortheil.
  Hoch erhebe sich Bhmens Ruhm, des trefflichen Landes,
  Das dir gehorcht', eh' Marbod dir's mit den Waffen geraubt hat.
  Sagt' es mit stachelndem Wort; doch jener entgegnete zrnend:
  Weiche von mir, du fluchbeladene, da nicht dein Odem
  Noch verpeste die Luft, die mir umsuselt die Wangen!
  Kein Verein, Drahomira, mit dir! So willst du mit Marbod
  Und mit Inguiomar, des Kaisers verbndeten Freunden,
  Ottgars Haupt gefhrden im Kampf'? Ich nah' ihm, als Helfer,
  Schon dem Lande zum Ruhm, wo ich herrschend lebt' in der Vorzeit,
  Ha, und lache des Zorns, der, so wie zum Strande die Meersfluth
  Brausend fleugt, und zurck, der Ohnmacht eiteles Bild, sinkt,
  Dir empret die Brust, und druet in nichtiger Ohnmacht!
  Rief's, und strzte herab vom Gewlk' an die Seite des Knigs,
  Der das Ro anhielt, und des Kaisers geordnete Vlker
  Staunend ersah, wie solche den Plan erflleten weithin.
  Jetzo noch einmal, quer von dem Saum der Erde herber,
  Blickte die Sonn', und verschwand; die Dmmerung zog von dem Thal her.
  Nicht gedacht' er des Kampfs fr heut'; an dem kommenden Morgen
  Wollt' er dem Feind' ihn biethen auf Tod und Leben, den Herold
  Sendend zuvor, nach des Kriegs herkmmlicher, edeler Sitte.[7]
  Katwald war ihm genaht, und haucht' ihm vor allem den Rath ein:
  Ottgar, wie, du willst, nachtlagernd, des dmmernden Morgens
  Harren dahier? Schnell vor, eh' dunkel die Nacht sich herabsenkt:
  Schleudre die feindlichen Reihen entzwei! So machst du dir heut' noch,
  Schrecken verbreitend, Bahn zu des Siegs erhellten Gefilden:
  Denn der erste Gewinn in dem eisernen Feld ist ein Hagel,
  Der die Halmen der Hoffnung zerschlgt; ein brausender Sturmwind,
  Der des Athems beraubt den Wanderer, und ihn ermattet.
  Alsbald biethet der Feind dir selbst ein Zeichen des Angriffs.

    Jener verschlo ihm das Ohr. Doch wer entflammt' an dem Abend
  Schon den noch nicht ersehneten Streit im tosenden Schlachtfeld?
  Marbod, der muthige that's. In den Reih'n der strmischen Reiter
  Spornt' ein munterer Held bischflicher Leute von Salzburg,
  Schrlin, ein unbndiges Ro heran in dem Kriegszug.[8]
  Ihm nicht fern, ersah das Nest pferdstachelnder Bremsen
  Marbods sphendes Aug': er eilte dahin, und emprte
  Mit gewaltigem Geisterhauch die entschlummerten Quler:
  Denn er brannte vor Gier des Kampfs Arbeiten zu schauen.
  Sieh', und, also geweckt, im heulenden, wilden Gesumme
  Fuhr der Schwarm empor; er flog dem muthigen Rosse
  Schrlins unter den Bauch, und stachelte solches, erbot, wund.
  Schrecklich tobt' es umher, schlug aus, bog, sthnend, die Ohren
  Gegen die Brust, und rannte dahin: nicht achtend des Rufens,
  Nicht des Schrei'ns, das Schrlin erhob, da er, rcklings gebogen,
  Zog an dem Zgel, es noch im wthenden Laufe zu hemmen.
  Schnurgerad auf Ottgar hin losrannte das Thier jetzt.
  Zorn erfllte sein Herz; er rief den staunenden Feldherrn:
  Wahrlich, nicht dacht' ich mehr den Stahl an dem heutigen Abend
  Feindlich zu zieh'n; doch seht, die Unsinnigen strzen sich selber
  Ihm entgegen, voll Wuth! Sie sollen mir ben die Khnheit.
  Fort! Wir greifen sie an mit den schwergeharnischten Reitern,
  Welch' uns Bhmen gesandt, den tapfersten Mnnern auf Erden,
  Und im gemessenen Schritt' uns folge das Heer auf dem Fu nach.
  Alsbald gab er dem Pferde den Sporn, und jagte die Hhen
  Brausend herab. Ihm nach, mit dem kampferfahrenen Helden
  Lobkowitz, flog die Schar zweitausend geharnischter Reiter.
  Wie, wenn unterirdische Gluth aus den Tiefen des Erdballs
  Aufwrts braus't, und gehemmt, weithin erschttert die Gegend
  So, da vom strzenden Felsengebirg' unzhlige Trmmer
  Schnell in's drnende Thal herrollen mit wildem Getmmel,
  Krachend der Wald entsinkt, und Staub auffleugt in die Wolken:
  Also strmt' auch hier der Knig mit seinen Erwhlten
  Von den Hhen herab. Vor den Kommenden strzte das Reitro
  Schrlins zusammen. Kein Leid ihm geschah: die furchtbaren Reiter
  Setzten ber ihn hin; er lag, listsinnend, im Scheintod
  Dort bis Mitternacht, und kehrete heim zu den Seinen.

    Ottgar nahete schon den uersten Wachen der Steyrer.
  Auf, zu den Waffen! so schrie Wildon, der tapfere Hauptmann
  (Pfannberg weilte noch fern bei Capellen, dem obersten Feldherrn,
  Drben im luftigen Zelt, des Kriegs Arbeiten erwgend,
  Die der Morgen verhie) und das Fuvolk eilt' aus dem Lager:
  Denn nicht dachten des Streites mehr die erlesenen Ritter
  Jetzt, in der sinkenden Nacht. Wohl mancher sa in dem Gras' noch,
  Haltend das Ro an dem Zaum', und beredete Dieses, und Jenes;
  Doch nun fuhren sie all' empor, von dem feurigen Marbod
  Aufgestrmt mit emprendem Ruf. Bald schwang in den Sattel
  Jeder sich auf, erhob den Speer in der Rechten, und senkte
  Sein Helmgitter herab, das Ro zu dem Kampfe bewegend.
  Ha, und der Kampf begann! In dem Vorderzuge, des Feindes
  Druende List zu ersphen gesandt von dem sinnigen Feldherrn,
  Stand ein Brderpaar der Trantmannsdorfe beisammen:
  Heinrich, und Gtz, von der Schar der Verwaiseten.
              Laut, und mit Nachdruck
  Hie sie des Hauptmanns Ruf in die Reih'n der Versammelten kehren:
  Aber sie hrten ihn nicht, von glhendem Muthe getrieben.
  Ottgar fuhr auf den lteren los, und, ob er den Speer schon
  Ihm entgegen streckt', und des Kampfs wohl kundig sich zeigte,
  Schlug er ihm doch mit dem Heldenschwert den nahenden Speerschaft
  Seitwrts, und durchstie ihm den Hals, wo, gleitend, vom Harnisch
  Sich der Helm verschob: er sank, und verhauchte das Leben.
  Gtz drang muthig auf Lobkowitz ein; verwundete, jauchzend,
  Sein aufbumendes Ro, und strmte noch feuriger vorwrts;
  Aber ihm bohrte, von jenem gekehrt, der emprete Knig
  Sein, von des Bruders Blut gerthetes Schwert in die Brust ein
  So, da er rcklings vom Sattel sank, und dicht an dem Bruder
  Ruhete, langgestreckt, und erblassend im Tode. Sie lagen
  Dort wie jhrige Leu'n im Staub, die, grausam, ein Tiger
  Eben erwrgt' im Gebsch', als Beut' aufsuchte die Mutter.
  Doch der feurige Katwald sprach, umschwebend, in's Ohr ihm:
  Ottgar, flchtig enteilet das Glck: erhasch' es im Flug jetzt!
  Werfe den Feind, eh' Rudolphs Schwert dir nah't. Ich gewahrte
  Helfende Geister um ihn, die ihn warneten: eile, zu siegen!
  Ha, wer drngt mich so muthig, und khn? sprach zrnend der Knig,
  Muthig, und feig zugleich, mit Rudolphs Schwert mir zu drohen:
  Denn er komme nur, bald entreit ihm das meine das Leben!
  Rief's, und jagte dahin wie der brausende Sturm auf den Heiden.

    Welchen erlegt' er zuerst aus den Reih'n der tapferen Ritter?
  Sieh', ihm warf sich Stubenberg vor allen entgegen:
  Weit vorhaltend den Schild, de' Zier, im Ringe der Anker,
  Schlangenumwunden, sich wies, und strebte, das muthige Herz ihm
  Durchzubohren im Wuthanlauf mit dem blinkenden Speerstahl;
  Doch in des Rosses Bauch stie Ottgar, stachelnd, den Sporn ein
  So, da es seitwrts sprang, und er drngte dem Gegner den Degen
  Tief in die Brust, als ihm die entblte Hhle der Schulter
  Rumigen Eingang both: er sank, und athmete nicht mehr.
  D'rauf erwrgt' er auch noch urschnell den redlichen Knappen
  Edelred, der jetzt dem Ritter zu Hlfe geeilt war.
  Czernin stellte sich g'en Wildon zur Wehre: sie kmpften
  Lange mit wechselndem Glck; verwundeten: jener des Gegners
  Bein, und dieser den Arm, und schieden mit druendem Ingrimm
  Mitten im Kampf: denn schon herstrmten im Felde die Reiter
  Ottgars, welchen das Fuvolk rasch nachdrang, und urpltzlich
  Hob sich der schwellende Ruf mit dem Waffengetse der Wrger
  Himmelempor, und erfllte die Welt mit Entsetzen und Schauder.

    Jetzo vernahm in der zweiten der fnf Heersulen Capellen
  Kmpfender Krieger Geschrei, das drben, am Rande der ersten,
  Stets vernehmlicher scholl in der Dmmerung. Eifernd besprach er
  Eben mit Pfannberg dort, dem Fhrer des steyrischen Volkes,
  Fr den kommenden Tag des Angriffs muthige Weisen;
  Auch die verstellete Flucht: den wechselnden Kampf, und den Rckzug,
  So des Krieges Geschick ihn gebeut: da verstummt' er auf einmal,
  Horchte dem Lrm, und sprach, voll Hast, zu dem Scharengebiether:
  Pfannberg, eile zurck! Der Feind, so sagt uns der Lrm dort,
  Wagte den Ueberfall in der Dmmerung; eile zur Rettung
  Deines Volks: ich folge dir schnell mit erlesenen Scharen.
  Also geschah's. Im Flug' erreichte der tapfere Feldherr
  Sein gefhrdetes Volk, und warf, mit dem Schwert' in der Faust, sich,
  Allen voran, als sie nachbraus'ten im stubenden Saatfeld,
  Rasch auf die furchtbare Macht der Geharnischten, die zu dem Angriff
  Ottgar selber gefhrt, und jetzt umtobte, voll Mordwuth.
  Ihm selbst htt' er die Brust durchbohrt, so pltzlich erschien er
  Mitten im Waffengemeng; doch schlug ihm der muthige Ritter,
  Zawi von Rosenberg, der schnste der Mnner im Kriegsheer
  Bheims, sein erhobenes Schwert aus der Faust, und durchstie ihm
  Schnell mit dem Speere den Arm, da er, sthnend,
              vom Sattel herabsank.
  Ottgar rhmte gerhrt den Tapferen; doch Drahomira
  Lchelte Hohn aus den Lften herab: sie ersphte die Neigung
  Schon, die verborgene, jngst in der Brust Kunegundens fr Zawi,
  Und gedachte mit Lust der unheilschwangeren Zukunft.

    Pfannbergs Volk, den Sturz des tapferen Fhrers gewahrend,
  Drang jetzt eilender vor, und kmpfte, der Lwinn nicht ungleich,
  Die vor der Hhle die Jungen, umringt von Pardeln erblicket,
  Um den Verwundeten dort, und es htte gesiegt mit den Scharen
  Oestreichs, die Capellen zu Hlfe gefhret, und jenen,
  Die aus dem Hinterhalt' auch Kaduscha, hrend im Nachtgrau'n
  Feindlicher Waffen Gets', ihm, lautaufjauchzend, vereinte:
  Hemmt' es nicht Katwalds List. Er sah in der Reihe der Edeln
  Einen, mit bleichem Gesicht' und scheuumirrenden Augen,
  Trg vorschreiten im Kampf: den Pettauer, der vor dem Knig
  Ottgar, einst die Ritter der steyrischen Mark des Verrathes
  Zieh, und dieser verhngte sogleich entsetzliche Strafen;
  Aber er hatte nicht Ruhe noch Rast seitdem, und im Herzen
  Trug er die Strafe der Schuld, da er jeglichen Trostes beraubt war.
  Diesem nahete Katwald jetzt, und schrie in das Ohr ihm:
  Horch, dir drohet Verrath und Mord! Unseliger, fliehe!
  Schauer durchlief ihm die Haut, da er solches im Geiste vernommen:
  Alsbald wandt' er das Ro, und rief, entfliehend: Verrath! Mord!
  Wilde Verwirrung begann: das vorgedrungene Fuvolk
  Wankte zuerst; ihm folgten die Reisigen -- dann auch die Ritter.
  Tausendzngig erhob sich der Ruf: Entflieht dem Verrath! Fort!
  Aus den flchtenden Reih'n. Auch Kaduscha wich mit den Seinen
  Lrmend zurck, und entsetzlich erscholl in der Nacht das Getmmel.

    Doch in dem fernen Gezelt vernahm der erhabene Kaiser
  Jetzo den Lrm, und geboth den Mannen die Rosse zu zumen:
  Denn schon lagerten sich die Tapfern ruhig im Saatfeld,
  Reichend den Rossen das Futter zuvor, und stillten den Hunger
  Dann mit Brot, und den Durst mit des Quellbachs khlenden Fluthen:
  Alsbald waren die Pferde gezumt, und die Muthigen saen
  Sattelfest. Da kam vor allen, gesprengt, auf dem Pfad her
  Oestreichs Reiterschar. Mit zrnendem Ernst in den Blicken
  Ritt ihr der Kaiser entgegen. Sie stand von Schauer ergriffen:
  Denn kein Vorwurf kam aus dem Mund des erhabenen Herrschers.
  Also gehemmt, wuchs stets zu dichteren Haufen die Heersmacht,
  Und er kehrte mit ihr g'en Marchecks sandige Fluren.




  Achter Gesang.


  Ha, was rthet den Himmel fern im nchtlichen Dunkel?
  Welch' Geschrei erfllt urpltzlich mit Angst und Entsetzen
  Drben die Stadt? Ein Jngling sitzt, verwilderten Ansehn's,
  Dort auf des Felsens Hh'n, und schaut auf
              die schreckliche Brandsttt'
  Grinsend herab, wo ruhig noch erst unschuldige Menschen
  Schlummerten, jetzt Gewrg' erschallt, und in Strmen das Blut fliet?
  Furchtbare Schau! Darf also der sterbliche Mensch an dem Menschen
  Wthen, da sanfterer Art der grausame Tiger erscheinet?
  Wehe, wie fiel er so tief! Wie entwrdigt ihn Laster und Thorheit!
  Doch ich nah' ihm schnell, zu erkunden, wie solches geschehen?
  So sprach Inguiomar, das gluthverheerete Stdtchen
  Schauend, und eilt' im Fluge dahin, wo, schrecklichen Blickes
  Jener hinuntersah nach der Sttte des Jammers. Er sa dort
  Schauerlich in sich gekehrt, und ihm zuckten die schneeigen Wangen
  Leise vor ungesttigtem Grimm, da er, vorwrtsgebogen,
  Sttzend das Kinn auf die krampfhaftgeschlossene Faust, in die Flammen
  Starrete. Doch es stockte das Wort in dem Munde des Geistes,
  Als er ihn nher geseh'n. Er bebte dem Jammer, und eilte
  Fort nach den Ufern der March, wo heut', unferne dem Stdtchen
  Marcheck, nach unrhmlicher Flucht sich die Krieger vereinten.

    Wallstein war's, der dort auf dem Felsriff sa, und hinunter
  Starrte, voll Grimms. Sein war die entsetzliche That, und der Hlle
  Jngstentlaufene Brut, Drahomira, hauchte die Wuth ihm
  In die empfngliche Brust, aus welcher des warnenden Engels
  Bild entfloh, da er sich der Sinneschmeichlerinn hingab.
  Sieh', er eilte zuvor aus der Nhe des Kaisers, und setzte,
  Schwimmend, die Fluthen der March mit dem schnaubenden Rosse hinber;
  Flog dann, Auen und Wlder entlang, an Moravia's Marken
  Rastlos fort, bis endlich das Ro am dmmernden Abend
  Sthnend zu Boden sank. Er entschlummerte neben dem Thier dort;
  Aber ihm war Drahomira gefolgt. Wie der feurige Schweihund[1]
  Angeschossenes Wild, so hei es auch strebt, zu entkommen,
  Durch des umschattenden Waldes Nacht verfolgt auf den Fhrten,
  Rastlos, bis es ermattet ihm fllt: so lie Drahomira
  Ihn aus den Augen nicht mehr: denn Ottgar sollte getdtet
  Fallen durch ihn, und ihr Herz sich ersttigen dort an des Jammers
  Grau'nerregender Schau -- an dem Fall des unglcklichen Jnglings.
  Einen tuschenden Traum ersann, und bannte sie, zaubernd,
  Vor den Entschlummerten hin. Er sah im Geiste das Stdtchen,
  Kostel in Mhren, vor sich, und dort sein Alles auf Erden,
  Hedwig, gefesselt im Thurm, weil sie nicht verhllte die Neigung,
  Die sie ihm still genhrt in dem treuergebenen Herzen;
  Sah, wie sie, jammernd, ihm mit den kettenbelasteten Hnden
  Winkt', und so bleich her sah von des Fensters eisernen Stben,
  Hlfe! schreiend, und Rach' an Ottgar! Aber er sthnte
  Laut in dem Schlaf', und schlug sich die Brust
              vor unsglichem Herzleid.
  Bald erweckt' ihn Geschrei anstrmender Krieger. Der Kunen
  Tausend, vereinten sich erst: Weglagerer, Ruber, und Mrder,
  Von dem Heere getrennt, auf Raub zu ziehen, entschlossen,
  Die Drahomira noch mehr emprte zu schrecklichen Thaten.

    Als sie jetzt den Schlummernden sahn, der, blhender Jugend,
  Noch im Schlafe das Schwert umklammert hielt mit der Rechten;
  Durch die gesenkten Brau'n Wuth kndet', und, sthnend, von Rachgier
  Mit den verzerreten Lippen sprach, da riefen sie freudig:
  Seht, den sandt' uns Tyr,[2] der Gott des Kriegs und Verderbens:
  Ihm gleich, hlt er das Schwert umfat, und drohet im Schlaf noch
  Schrecken dem Feind'. Er sey uns Fhrer im nchtlichen Raubzug!
  Also erweckt' ihn ihr wildes Geschrei; sie faten, und hoben
  Ihn von der Erd' empor; umhingen in Eile die Schulter
  Ihm mit dem Pelz, der, marderumbrmt, zur Ferse hinabhing;
  Setzten die Mtz' auf sein Haupt, mit dem schwebenden Reiher,
              und bothen
  Ihm das erlesenste Pferd. D'rauf sagte noch Sikra, der Hauptmann:
  Komm, und fhr' uns im sausenden Ritt nach Kostel, dem Stdtchen
  Drben im Mhrenland, voll reichthumstolzer Bewohner,
  Die, dem Bhmenknig getreu, zum Kampfe sich rsten.
  Unser Knig bekriegt ihn selbst auf den Feldern von Oestreich:
  Wir erhoben uns hier, ihm Schaden zu thun, und zu rchen
  Plnderung, Mord, und Brand, mit welchen er Ungern vor Jahren
  Wstete: ha, nun Rache dafr an dem grausamen Ottgar!
  Also tobten sie fort. Der Jngling lie sie gewhren,
  Stand verstrt, und wute nicht, wie ihm geschehen? Er sann jetzt:
  Ottgar ward ihm genannt -- der Grausame hie er den Rubern
  Selbst? Da jauchzet' er laut; entblte das Eisen; erhob sich
  Schnell in den Sattel, und rief: Mir nach, wir rchen die Unthat!
  D'rauf ging's fort, im sausenden Ritt nach Kostel in Mhren.
  Vor ihm flog Drahomira einher, und lchelte grimmig:
  Denn sie sah das Entsetzliche dort vollbracht, und Verderben
  Ueber des Jnglings Haupt, und Ottgars schweben im Vollma.

    Tief entschlummerten schon des ummauerten Stdtchens Bewohner.
  Ach, oft ahnet der Sterbliche nicht, der ruhig dem Schlaf sich
  Noch an dem Abend ergibt, welch' Jammer ihn weckt vor dem Morgen!
  Frher ersphten die Ruber schon des friedlichen Stdtchens
  Schwachverriegeltes Thor und die leichtersteigbare Mauer,
  Die sie, keuchend vor Hast, erkletterten. Aber das Reitro
  Spornte Wallstein rasch umher: denn hoch in die Nacht auf
  Ragte der Thurm, der dort die holde Geliebte (so whnt' er
  Noch, getuscht von dem Traum) von ihm fr immer getrennt hielt.
  Wehe, und bald aufflammte die Gluth, an die breternen Dcher
  Durch die entsetzlichen Kunen gelegt, und erhellete weithin
  Rings die schweigende Nacht! Nicht sumte der lauernde Nachtwind,
  Lauterbrausenden Flug's annahend, die Flamme zu wlzen
  Hin und daher, an den Husern der engverschlungenen Straen.
  Wildes Geheul erscholl: aus den Stuben hervor auf den Marktplatz
  Flchteten jetzt die Bewohner, um dort die Vter, und Mtter,
  Kinder, und Greise zu seh'n, wie sie bluteten unter dem Schwerthieb
  Wthender Ruber, und bald, erwrgt mit den andern, zu fallen
  Rettungslos: denn Niemand war, der half in dem Jammer.
  Wohl anlangten den Abend zuvor zwlf muthige Reiter
  Ottgars, ber die March, von Drsing herber gesendet:
  Mundvorrath aus dem Stdtchen hier, in das Lager der Bhmen
  Heut noch zu schaffen mit Waffenmacht: denn schreckengerstet
  Herrscht in des Krieges Zeit die Gewalt: nur Laute des Ingrimms
  Treffen das Ohr, das sonst des Friedens sanfte gewohnt war.
  Als der feindliche Lrmruf scholl, da schwangen die Reiter
  Sich auf das Ro, zu entflieh'n der wuthempreten Mehrzahl;
  Doch sie waren umringt, und nun, mit dem Schwert' in der Rechten,
  Kmpfend, zu sterben bereit. Sie stellten sich fest und entschlossen,
  Vor dem Thurm dort auf, und harrten des nahenden Feindes.

    Allen zuvor kam Wallstein, jauchzt', und hieb in den Haufen,
  Blindumwthend, ein: denn Ottgars kenntliche Reiter
  Sah er vor sich, und schnob nur Rache, nur flammende Sehnsucht
  Hedwigs Retter zu seyn aus den Hnden unmenschlicher Krieger.
  Jetzt auflachte voll Hohn Drahomira, und hob sich von dannen:
  Denn jetzt klebte das Blut des eigenen Volks an dem Schlachtschwert,
  Das ihm Ottgars Rechte vertraut', und sie dachte: nicht fern mehr
  Sey ihm das Ziel, zu fallen mit ihm, unrhmlich, und furchtbar!
  Siehe, die Reiterschar, umstrmt von den wthenden Rubern,
  Fiel nach tapferer Gegenwehr auf die Leichen des Feindes,
  Die sie gehuft! Doch Veith, der jetzt aus dem Sattel geworfen,
  Sank, rief sterbend ihm noch: Ha, Wallstein: bist du ein Gegner
  Deines eigenen Vaterlands? Du ermordest die Bhmen?
  Wallstein horchte bestrzt: er erkannte den redlichen Krieger,
  Der in der Ahnen-Burg gedient, und in zartester Kindheit
  Oft ihm Mhrchen erzhlt': ein treugesinneter Reiter;
  Hob die Blick' empor, und sah, durch des ragenden, leeren,
  Halbverfallenen Thurms verwitterte Fenster den Himmel,
  Sternenhell, herab auf das Blut der Reisigen starren;
  Sah, erstaunt, um sich her die Leichen der Greis' und der Kinder
  Schwimmen im Blut' -- all' berall Blut, und die wthenden Kunen
  Nur erpicht auf Raub und Plnderung. Pltzlich ergriff ihn
  Seelenangst: er gab dem Rosse die Sporen, und jagte
  Durch das offene Thor hinaus auf den einsamen Heerweg;
  Dann seitab den Hgel empor, der, nahe dem Stdtchen,
  Jh sich erhebt. Dort sa er am Rand', aus dem Sattel gestiegen,
  Haltend das Ro am Zaum', und sah nach dem schrecklichen Jammer
  Drben hinab. Bald whlt' er, ergrimmt, sich die Brust mit den Ngeln
  Wund; bald sttzt' er das Kinn auf die Recht', und starrte hinunter,
  Starrte hinauf zu dem tiefverstummenden Himmel, und rang nur
  Einem Schreckensbild zu entflieh'n, das fieb'risch die Brust ihm
  Schttelte: denn er dachte, wie frech er die freundliche Warnung
  Von sich stie in der Nacht, welch' ber ihn schrecklich entschieden.
  Doch als jetzt ihm ein Thrnenpaar hei ber die Wangen
  Trufelte, hob er sich auf von dem Boden, und pltzlich verscheuchte
  All die Bilder ein khner Entschlu. Er sagte fr sich hin:
  Ottgar, kein Verein ist zwischen uns mehr! Ich gehre
  Deinem Gegner hinfort: denn sieh', ich erwrgte die Bhmen--
  Ach, mein Volk, mit den Kunen im Bund! Die blutige Schwert lechzt
  Jetzo nach deiner Brust, und nach meiner:
              wir fallen zugleich -- bald!
  Sthnend schwang er sich dann auf's Ro, und jagte herber
  Immer den Flu entlang, im Galopp, die lagernde Heersmacht
  Rudolphs noch vor dem Morgenroth zu erreichen vor Marcheck.

    Sieh', und es rief in der Stadt, in den weitgetrennten Gehften,
  Und in den Drfern umher der Hahn, des dmmernden Morgens
  Muthiger Herold, sein wach' auf das andere Mal schon,
  Als er die seichtere Furt durchwatete; d'rauf vor dem Lager,
  Laufend, erschien, das Kunenro heimjagend vom Ufer.
  Wer da? rief ihm die Huth vom Wall' entgegen, und zielte
  Dann mit der Lanze zugleich nach der Brust des nahenden Jnglings:
  Aber er sprach ergrimmt: Zu Rudolph, eurem Gebiether
  Fhret mich schnell! Hochwichtiges mu ich sogleich ihm enthllen.
  Jener sah ihn zuvor mit Staunen vom Kopf bis zum Fu' an,
  Eh' er die Freund' entboth, ihm sich'res Geleite zu geben:
  Denn unglcklich nur -- nicht verdchtig erschien er von Anseh'n,
  Und sie fhrten ihn jetzt nach des Kaisers ragendem Zelt hin.

    Aber der liebliche Schlaf (ein Balsam fr blutende Herzen,
  Welcher so mild den Schmerz beschwinget, der in des Lebens
  Dornengefilden sie grausam zerri) war eben auf Rudolphs
  Lieder gesunken, und er floh vor dem Futritt nahender Krieger
  Wieder hinweg. Oft wacht' er im Feld mit heiterem Antlitz
  Tag' und Nchte hindurch, zu des Kriegs Beschwerden gesthlet.
  Als in das einsame Zelt der Jngling getreten, da ducht' ihn:
  Jener Unglckliche sey's, der jngst den muthigen Reiter
  Von dem Thurm in den Abgrund warf, und nicht irrte sein Scharfblick.
  Freundlich winkt' er ihm jetzt mit der Hand, und jener begann so:
  Meine Rede sey kurz! Der Sterbende mu sich beeilen,
  Da er enthlle das Wort, das lastend die Brust ihm beschweret.
  Hre mich, Herr! Ich war dein Feind, und htte den Sohn dir
  Gern durchbohrt auf dem Plan, vom wthenden Hasse getrieben;
  Aber es zieht das Geschick gar wunderbar oft in des Lebens
  Irre den Pfad: mich fhrt es als Freund dir zurck. Mit den Kunen
  Hab' ich, dein Dienstmann, erst gesengt, und gebrannt in dem Stdtchen
  Drben im Mhrenland', und die Brger zugleich mit den Kriegern
  Muthig erwrgt: all' Ottgars Schuld, des grausamen Wthrichs,
  Der auch dir nach dem Leben strebt, und die Mrder bereit hlt.
  Aber ich eil' ihm zuvor, willst du's, und raub' ihm das Leben
  Heut' noch. Dir ist die Schwert geweiht; nicht soll es ihn fehlen:
  Denn er verbt' an mir Entsetzliches. Sprich, und ich mord' ihn!
  Wie, so begann, aufjammernd, der Kaiser, Unselige, habt ihr
  Ruhige Menschen erwrgt, und gesengt, und gebrannt in dem Stdtchen
  Drben nach schrecklichem Kriegsbrauch? O, der Vlkerbeherrscher
  Trauriges Los, da ihr Streit auch Ruberhnde bewaffnet,
  Ungezgelt und frech, dem Gesetz hohnsprechend, zu wthen!
  Herr, nicht gehe mit mir in's Gericht: denn mein ist die Schuld nicht!
  Doch du kehre zurck, Unglcklicher! Kehre zu Ottgar,
  Der ein liebender Vater dir war, nun zurck, ihn zu shnen,
  Ihn mit reuigem Sinn um den Segen zu fleh'n -- zu erwiedern
  Ihm verzeihende Huld, so er dich einst krnkte mit Unrecht!
  Also hat es der Herr uns gelehrt: er mge dir helfen!

    Wallstein strzte hinaus, und flog nach dem feindlichen Lager,
  Rastlos, bis er erreichte die Huth der bhmischen Reiter.
  Schnell erkannten sie ihn, der oft im Gewhle der Schlachten
  Sie zum Siege gefhrt, und jubelten laut in die Nacht auf.
  Einer begann: Kehrst du zur Freude des Heers und des Knigs
  Wieder zurck, der, wisse es nur, mit unsglicher Sehnsucht
  Nach dem verlorenen Sohn sich abhrmete? Wahrlich, er nannte
  Heute dich so, und verhie allmanniglich reiche Belohnung,
  Der dich fhrte zurck in die Arme des liebenden Vaters!
  Doch, es erwiederte Wallstein ihm den freundlichen Gru nicht;
  Eilete vor, und erreichte das Zelt des entschlummerten Knigs.
  Jetzo murrete Greif, der mchtige Hund, vor dem Eingang:
  Ottgars Liebling, ein Schrecken des Volks, das nchtlicher Stund' ihm
  Nahete, wo er, der Kette los, umwandelte wachsam:
  Denn er bewltigte leicht den strksten der Reisigen; hielt ihn
  Nieder, und bellete, bis ein Hausgenosse daherkam.
  Wallstein zischte nur leis', und rief ihn bei'm Nahmen: da sprang er,
  Heulend, herbei; erhob sich mit freudigem, lautem Gewinsel
  Ihm auf die Schulter, lang wie er war, und leckt' ihm die Wangen;
  Lief dann kreisend umher, und kehrete wieder, vor Freuden
  Bellend, und heulend zugleich: denn Wallstein war ihm seit Jahren
  Hold, und qulet' ihn einst im jugendfrhlichen Muth' oft.
  Doch er streichelte jetzt den Treu'n mit unwilliger Hand nur;
  Trat in das Zelt, wo im Lampenschein, auf das Lager gesunken,
  Ottgar schlummerte: ganz in die Waffen gehllt, und zu kmpfen
  Wieder am Morgen bereit, und schauderte, wie er den Mann dort
  Schlummern sah, der einst ihm vor allen Sterblichen werth war--
  Jetzt, ohnmchtig im Schlaf', ihm Preis gegeben zur Willkhr.
  Grauer schien ihm sein grauendes Haupt seit Tagen geworden,
  Blsser sein blasses Gesicht. Er sthnete laut vor dem Traum' auf,
  Der ihn umfing, und wand sich, und rief, fast wimmernd,
              nach Wallstein.
  Dieser entblte das Schwert. Noch einmal stand ihm des Jammers
  Grau'ngestalt, den Ottgar schuf, vor den Augen; er eilte
  Vorwrts, schwang das Eisen, und sann. Drahomira durchschwebte
  Jetzo den Zelteingang; umflog in furchtbaren Kreisen
  Schneller und schneller des Jnglings Haupt, und hauchte des Abgrunds
  Gifte umher, da er, schwindelnd, den Mord verbt' an dem Knig;
  Aber er hatte zuvor, vom Kaiser, mit Schrecken, des Heilands
  Worte gehrt. Wie dort im Fiebertraum sich ein Kranker
  Freut, da ein Freund ihm naht, und nachsinnt: ob er ihn kenne?
  Also nur dunkel vernahm der zerrttete Jngling die Warnung;
  Dennoch bezwang er sich jetzt, trat nher, und stampfte den Boden.
  Auffuhr Ottgar schnell, und starrte dem Starrenden, schweigend,
  In das Gesicht. Ein ganzes, im Glck' entschwundenes Leben
  Eilete schnell, wie der Blitz, den Beiden noch einmal vorber,
  Und die Vergangenheit warf, hellleuchtend, viel grausere Schatten
  Noch auf die dunkele Gegenwart. Doch jetzo begann er:
  Wallstein, kommst du zurck'? Ich wut' es: ein edeles Herz schlgt
  Dir in der Brust. O, schwer hast du mich betrbt, und des Abgrunds
  Seelenverwirrende Macht emprte die Wuth mir im Busen
  So, da ich, nicht durch eigene Schuld -- von der Hlle betubt nur,
  Dir das liebende Herz verwundete! Wohl sind die Menschen
  Sich zu betrben, geneigt; doch Reue vershnt, und Verzeihung
  Windet den schneren Kranz um die friedenbiethenden Herzen.
  Du nun wieder mein Sohn, und ich -- dein liebender Vater ...

    Jener naht' ihm, und rief ergrimmt: Halt ein, und erhebe
  Nicht den Vorhang mehr, der zwischen uns dunkel herabsank!
  Was du ersehntest -- es sey: ich verzeihe dir! Aber dem Bogen
  Furchtbarer Rach' entschwirrte der Pfeil; nicht reit ihn des Schtzen
  Hand mehr zurck. Weh' dir, Unglcklichem: denn ich entsandt' ihn!
  Bhmisches Blut benetzte die Schwert: mit den Kunen verbunden,
  Hab' ich zuvor dein Volk erwrgt, wie ein Sldner des Kaisers.
  Du hast ihm nach dem Leben gestrebt: ich both mich, als Rcher,
  Dir zu durchbohren die Brust; doch, sieh', dein edeler Gegner
  Achtet dein Haupt, und gab mir sanftvershnende Lehren:
  Solchem fllst du besiegt -- ich meinem unglcklichen Schicksal!
  Sagt' es, und kehrte das Schwert urpltzlich von unten nach oben
  Gegen die Brust, und sank in den Stahl, der, zischenden Lautes,
  Ihm das pochende Herz durchfuhr. Er verhauchte das Leben
  Lautlos. Jammernd erhob sich jetzt, ihn zu retten, der Knig:
  Aber umsonst: er lag entseelt, und regte sich nicht mehr!
  Schon aufjauchzte vor Lust Drahomira, der That sich zu rhmen:
  Da durchblitzt' ein Glanz den Raum des Gezeltes; ein Flehen
  Nach erbarmender Huld erscholl. Von Schauder ergriffen
  Wollte sie flieh'n, um fern in den bersinnlichen Rumen
  Noch zu entgeh'n dem Zorn der Himmlischen; aber unendlich
  Rauscht' Entsetzen ihr vor -- ihr nach: sie sank in den Abgrund
  Auer den Grnzen der Welt, betubt vom Schrecken, hinunter,
  Und erkannte sich erst in den Jammergefilden der Hlle.

    Drauen im Schattenkreis' des hochaufragenden Eichbaums
  Gruben die Krieger ein Grab. Der Entseelte lag auf dem Rasen
  Dort in den Lagermantel gehllt: da hinkte sein Reitro,
  Vllig des Anseh'ns bar, aus der Au herber, und senkte,
  Leise genaht, das Haupt zu ihm hin, da die wallende Mhn' ihm
  Dann mit dem Zaum nachsank, und des Todten Antlitz bedeckte.
  Jahr' entfloh'n: da hie es, am Grabe des bhmischen Kriegers
  Liege das bleiche Geripp von seinem verschmachteten Ro noch!

    Als aus Osten der Hauch des hellaufdmmernden Morgens
  Ueber die frischbethauete Flur den khleren Frhwind
  Sendete; rings im Gefild sich die wiedererwachten Geschlechter
  Regten, mit gleichgeschftigem Drang zu durchlaufen des Tages
  Kreisende Bahn, bis ihr Ziel, nun bald, nun spter erreicht ist;
  Als in den Stdten und Drfern umher, in den Hainen und Wldern
  Munterer Laut sich erhob: da hatte der Kaiser im Lager
  Schon die Scharen vereint, und zu drei Heersulen geordnet,
  Sie in geschlossenen Reih'n dem Feind' entgegen zu stellen.
  Aber der Ost- und der Steyer-Mark geworfene Scharen
  Schob er den andern vor in der Mitte, da sie in dem Schlachtfeld
  Sich den entwundenen Kranz jetzt herrlicher wieder erkmpften.
  Heiter sa er zu Pferd', und sprengte hinauf und hinunter
  Vor den Reih'n, zu entflammen den Muth der schweigenden Krieger:
  Denn sie schwiegen, beschmt von des Rckzugs qulendem Vorwurf.
  Mnner, wohlan, so ermahnt' er sie laut,
              steht heut' in dem Schlachtfeld
  Fest zusammengedrngt -- euch tapfer zu wehren, entschlossen:
  Denn bald drfte der Feind, noch stolz auf errungenen Vortheil,
  Mit gesteigertem Muth vorstrmen zum blutigen Angriff!
  Ha, schon seh' ich den Siegeskranz, mein edler Capellen,
  Dir an der Stirn! Dir, Trautmansdorf, dem Vater der Helden,
  Glhen die Wangen vor Gier, zu rchen im Blute des Feindes
  Die, nur mit Uebermacht erschlagenen Shn' in dem Vorkampf.
  Oestreichs Edelstein' und Demantberge, verdunkelt
  Heute sogar den Ruhm der thatengewaltigen Ahnen:
  Denket des Siegs! Doch, Lichtenstein, wie? Soll ich dich schelten?
  Nicht die gewohnte Heiterkeit frbt mit Freude dein Antlitz
  Heut': erbebst du dem Feind? Der Tapfere scheuet den Tod nicht.
  So, vortummelnd das Ro, erregte der Kaiser die Helden.
  Aber dem Eilenden rief der Lichtensteiner im Scherz nach:
  Mit Vergunst! Ihr irrt, erlauchtester Kaiser! Den Feinden
  Bebt kein Lichtenstein; doch, frhlicher Dinge zu scheinen
  Noch, da uns Ottgar jngst des Turnmahls schnde beraubte,
  Gestern nicht gnnte die Zeit, an dem trockenen Brot' uns zu letzen,
  Auch den Schlaf uns stahl? Das mchte nicht allen genehm seyn!
  Doch wir tischen ihm bald die Mahlzeit auf, und verhelfen
  Ihm zu dem furchtbarn Schlaf, dem er gar freudig entrnne.

    Lchelnd hrte das Volk den Munteren. Aber der Kaiser
  Flog zur Rechten hinauf, wo Schweizer, Tyroler, und Schwaben,
  Muthbeseelt, sich eineten; schwang das Eisen, und rief dann
  Laut zu dem Sohn, den jngst er jenen erwhlte zum Feldherrn:
  Albrecht, halte dich wohl! Stets warst du im Schlachtengewitter,
  Leuchtend, ein Stern; dir gleich der Burggraf Friedrich und Hochberg,
  Und mein Mller dort, der redliche, treue Geselle!
  Auf, ihr seyd mein Volk, ihr sollt mir Ehre gewinnen!
  Dietrichstein, du Hort der Helden Tyrols, wie erhebt dich
  Jetzo die Stelle, nach welcher mein Haug in der Veste sich sehnet!
  Rief's; dann flog er zur Linken hinab, und ermahnte die Feldherrn:
  Meinhard, trefflicher Held, nicht harrst du erregenden Aufrufs
  Muthig zu steh'n im Kampf: denn immer wird dir im Schlachtfeld
  Nur der herrlichste Lorber zu Theil; nun fhre die Krnthner,
  Fhre die Krainer zum Sieg! Dir folgen die Tapferen: Heunburg,
  Albert von Grz, und der Ortenburg auf der rhmlichen Bahn nach.
  Und er entflammte zugleich mit mutherregenden Worten
  Kaduschas Brust, und die Kraft des Trentschiner Helden Mathias.
  D'rauf entsandt' er die Herolde, noch in der Stunde des Morgens
  Aufzubiethen sein Volk: die heilige Shne zu feiern.

    Aber noch sumte daheim in dem Lager der Knig der Bhmen;
  D'rob der Kaiser sich hoch verwunderte: denn nicht enthllt war
  Ihm des Jnglings Tod, und der Gram des erschtterten Knigs,
  Ottgars. Katwald fuhr um ihn her, und erregte das Herz ihm:
  Jetzt auf des Siegs betretener Bahn mit gewaltiger Thatkraft
  Vorzudringen. Umsonst! Er sa, hinstarrenden Blickes,
  In dem Gezelt, und regte sich nicht -- wie ein Marmorgebild dort,
  Wo an der Urne des Sohn's, des frhverblich'nen, der Vater,
  Sitzt gesenketen Haupt's, und die Thrn' entlocket dem Wand'rer.
  D'rauf entschwang sich der Geist, und rief den muthigen Feldherrn:
  Lobkowitz, Czernin, Zierotin; dann Milota, Herbot,
  Heinrich, dem Hort der Baiern, und Pfeil, dem Gebiether der Sachsen,
  Die zu erneuertem Kampfe bereit, des mchtigen Knigs
  Harrten, schwebend umher von einem zum andern, ergrimmt, zu:
  Eilt, und erweckt aus Gram und Verzweiflung euren Beherrscher:
  Denn er brtet erstarrt fr sich hin, und verschlieet des Glckes
  Stimme sein Ohr, das flchtig entweicht! O nichtige Hoffnung:
  Als den geworfenen Feind nur die Nacht den vernichtenden Blitzen
  Eures Arms entri, da flucht' er dem nchtlichen Dunkel
  Laut, und ersehnte des Morgens Strahl; nun weilet er mig,
  Und versumt des Schlachtengeschicks entscheidenden Zeitraum!
  Also der Geist, und sie eilten sogleich nach dem Zelte des Knigs;
  Doch, eintretend voll Hast, erbebten die Tapferen alle;
  Allen erstarb der Laut in dem Mund: so schrecklich zu schauen
  War die Gestalt, die jngst noch in jeglichem Busen den Muth hob.
  Lange starreten sie, von Schauern ergriffen, dem Knig
  In das entseelte Gesicht; doch jetzt erhob er sich. Pltzlich
  Frbte glhendes Roth ihm die Wangen, und hell, wie im Nachtgrau'n
  Flammt der Essen zerschmelzende Gluth, von mchtigen Blgen
  Brausend emprt, ihm glnzten die zornausblitzenden Augen,
  Als er den Helden genaht, mit geballter Faust, und, den Boden
  Stampfend, das Kleid aufri, und die Brust voll rhmlicher Narben
  Rasch entblend, rief: Habt ihr ihn getdtet, den Jngling
  Voll gewaltiger Kraft, voll edelen Muthes und Sinnes?
  Nein, ihr nicht: denn ihr seyd feig! Doch heimlich empret
  Habt ihr das edle Gemth, da er frech des Kindes Gehorsam
  Mir versagte, mich floh, und selbst mein schrecklichster Feind ward.
  Aber er stie den Dolch, den ihr ihm gereicht, nicht dem Vater
  Hier in die liebende Brust: er durchbohrte sein eigenes Herz nur.
  Ha, was sumt ihr frder? Entblt -- dem meuchelnden Dolchsto
  Offen seht ihr die Brust, in der ein tapferes Herz schlgt!
  Wohl bekannt ist mir's, da ihr nach dem Leben mir strebet;
  Auf, vollfhret es hier, eh' drauen noch tausende fallen,
  Opfer des Kriegs, des furchtbarn, der mir nimmer zum Heil wird![3]
  Dann verstummt' er, erblat, vor den Tapferen. Lobkowitz wiegte
  Trauernd, das Haupt: erhob g'en Himmel den Blick, und begann so:
  Welchen Jammer verhngt der Ewige ber die Vlker
  Bheims! Herr, droht Krankheit dir? Ach, immer zum Herzleid
  Deines getreuesten Volks geschh's -- doch jetzt zur Verzweiflung:
  Wo der Sieg uns winkt, und die Feinde, vom Schrecken gebndigt,
  Zitterten! Hab' ich, dem Streit abhold, nicht des segnenden Friedens
  Worte gesprochen im Rath'? Umsonst: du wolltest den Krieg nur!
  Nun vollfhr' es mit Muth, was du so krftig begonnen.
  Ottgar wandte sich schnell zu Milota: Fhre, so sprach er,
  Heute den Kern des Heers rasch vor zu des Kampfes Entscheidung.
  Hast du die dunkele Brust mir jngst auf dem nchtlichen Irrpfad,
  Hhnend, enthllt -- zerfleischt mit blutigen Krallen das Herz mir:
  Traun, khn war's! so wirst du auch jetzt unbndigen Muthes
  Stehen im Waffenfeld', und erringen den Sieg mit Gewiheit:
  Denn erprobt bist du in des Feldherrn wichtiger Stelle.
  Lobkowitz weile mit mir, der Thaten gewrtig, im Rckhalt.
  Katwald hrt', erstaunt, die Rede des Knigs, und rief ihm
  Angstvoll: Welch' entsetzliche Wuth verblendet dich vollends,
  Da du den Kern des Heers dem heimlichen Gegner vertrau'n willst?
  Immer lchelt er Hohn, und sinnt verderbliche Tcken.
  Auf, ermunt're dich jetzt, und fhre das Heer in die Feldschlacht,
  Selber, sogleich; wo nicht, so vertrau' es dem tapferen Helden
  Lobkowitz, eh' denn ihm, der dir zum Jammer erseh'n ist!
  Aber er ballte die Faust, und wankte nicht, eiserngesinnet.
  Ihm sah Milota kalt in das Aug', und entgegnete trotzig:
  Keinem Schwachen vertraust du den Stab, die Zierde des Feldherrn,
  Ueber den Kern des Heers: ich werde mir Ehre gewinnen!
  Zwar verbanntest du mich erst jngst auf dem nchtlichen Irrpfad
  Ferne von dir: ich weilete heut', und in kommender Zeit noch
  Gern in dem Nachhalt nur: den hatt' ich mir heimlich ersehnet!
  Sprach's mit bedeutendem Blick', und eilte hinaus in der Dmm'rung
  Schnell zu entbiethen des Vorderzugs beritt'ne Geschwader.

    Drauen am Lagerrand, vor allen dem feindlichen nher,
  Saen die Meiner und Thringer noch, erlesen zur Vorhuth,
  An den Feuern umher, und verkrzten in frohen Gesprchen,
  Oft aufjauchzend zugleich, sich die nchtlichen Stunden.
              Nur, als jetzt
  Milota, schaltend, vorberzog, verstummte des Kriegers
  Lautes Geschrei. Auch Inguiomar kam, eilenden Fluges,
  Nher, und rief dem Fhrer des Volks, dem tapferen Dietrich:
  Ha, was sagte wohl jetzt der hochgesinnete Kaiser,
  Heinrich, der Finkler genannt, der herrliche Vesten-Erbauer,[4]
  Der auch Meien erbaute, die Burg, und der Eurigen Ahn ist,
  So er euch sah' im Bund mit den Bhmen, als Deutsche den Deutschen
  Feindlichentgegengestellt, und gehorchend dem Fremdling' als Sldner
  Hier in dem Kampf, der euch nicht Ruhm gewhret, nicht Vortheil?
  Jetzt soll Milota's Wink, der euch nie gnstig gesinnt war,
  Gegen den Feind mit dem Kern des Heer's euch drngen, und treiben:
  Denn hochwerth ist ihm, und noch mehr dem Knige selber,
  Deutscher Muth, und der Arm, der stets in dem Schlachtengefild noch
  Ihm den Sieg errang; doch bald vergit er des Schweies,
  Und des Bluts, das ihr vergeudet, im eisernen Feld' euch
  Mhend fr ihn, und ehrt, wie jetzt, nur die Seinen als Feldherrn.
  Mnner, besteiget das Ro, und zieht in der Stille, des Lagers
  Wall entlang, nach der Heimath fort, wo die einsame Gattinn
  Eurer mit Sehnsucht harrt, im Kreis' umlrmender Kinder!
  So nicht einet ihr euch, dem Eid' untreu, mit den Feinden
  Ottgars; aber auch ihm nicht frhnet ihr mehr in dem Kriegszug.
  Also der Geist. Da erhob sich schnell Herr Dietrich, und rief so:
  Mnner, hrt, was dnkt euch? Ha, was sagte wohl jetzo
  Unser erlauchter Ahn, der treffliche Vesten-Erbauer,
  Heinrich, so er uns sah' im Bund mit den Bhmen, den Deutschen
  Feindlichentgegenstellt? Wie, Ottgar soll uns zum Kampf hier
  Drngen, da wir mit dem Muth, der deutsche Herzen beseelet,
  Und noch stets ihm den Sieg errang in dem eisernen Schlachtfeld,
  Enden den Krieg, der uns nicht Ruhm gewhret, nicht Vortheil?
  Ha, er vergit nur zu bald des Bluts, und des strmenden Schweies,
  Den wir unverzagt ihm spendeten! Lieblinge sind ihm
  Nur die Slaven allein: denn Milota soll uns gebiethen.
  Brder, sitzen wir auf, schnurstracks, und zieh'n in der Stille
  Fort, nach der Heimath fort: g'en Thringen, Meien, wo, liebend,
  Unser die Gattinn harrt im Kreis' umlrmender Kinder!
  Zwar stamm' ich aus der Ostmark her[5]: denn wisset es, Leupolds
  Tochter, des Herzogs, war's, die mich mit Schmerzen geboren,
  Und mit Lieb' erzog, zur Freude des _sieghaften_ Vaters;
  Doch nicht einen wir uns, dem Wort' untreu, mit den Feinden
  Ottgars -- zieh'n nur heim, da wir nicht die Brder bekmpfen.
  Lautumjauchzender Schrei verschlang ihm das Ende des Zurufs.
  Zitternd vor freudiger Hast, aufzumte der Krieger sein Reitro;
  Hing das Schwert mit dem Wehrgehng' um die Schulter, und schwang sich
  Auf in den Sattel, den eilenden Ritt zu beginnen, unmerkbar
  Milota's Falkenblick: denn als er wieder zur Rechten
  Kehrte, ritten sie links Herrn Dietrich nach in der Stille,
  Auer dem Rasenwall, thaleinwrts, bis sie den Heerweg
  Wieder gewannen, entfernt dem Heer', und fr jetzo geborgen:
  Denn hier whneten all': ein feindverderbender Zug sey's--
  Milota's Werk. Doch jen' enteilten, voll Hast, nach der Heimath.[6]

    Ottgar sa noch im Zelt vereint im Rath mit den Feldherrn.
  Milder schlug sein strmisches Herz, und er sagte mit Sanftmuth
  Manches freundliche Wort den Tapferen. Aber vor allen
  Rhmt' er Czernin: ob des entschlossenen Zugs vor die Mauern
  Wiens, des Ueberfalls, und des kluggeordneten Rckzugs
  Nach dem rhmlichbestandenen Kampf mit unzhligen Gegnern.
  Ha, rief Czernin jetzt mit zweifelndem Blick, noch entrann ich
  Glcklich des Kaisers Gewalt: denn hatte der Vater des Sohns nicht,
  Schonend, geharrt, der erst in nchtlicher Stunde die Festung,
  Fr die sterbende Mutter besorgt, verlie: das Entrinnen
  Wre nicht leicht, und sicher das Grab in dem Zug uns geworden.
  Jetzt nur schnell in den Kampf! Nicht in dumpfeinengenden Mauern,
  Und Spiebrgern vereint, behagt mir, zu streiten; in Freiheit,
  Drauen im Feld mir nahe der Feind: ich werd' ihm begegnen!
  Als er geendet das Wort, da hob sich zur Decke des Zeltes
  Herbot von Fllenstein, der riesengestaltete Ritter,
  Der den reussischen Scharen geboth, in feuriger Hast auf,
  Blte sein mchtiges Schwert, und sagte mit donnernder Stimme:
  Nehmt, o Knig, zum Unterpfand des khnen Versprechens,
  Herbots eidliches Wort: nie zieht er hinfort in das Feld mehr,
  So er nicht eueren Feind, der Kaiser sich nennet, gefangen,
  Oder todt, euch schafft: dann mget ihr wrdig ihm's lohnen!
  Dann, so hhnt' ihn Zierotin, dann werd' ihm als Siegspreis,
  So er es khn vollfhrt, was er so muthig verheien,
  Bhmens Hlfte zu Theil -- vielleicht verhie ich zu wenig!
  Aber, wohlan, wir all' erringen gewi in dem Feld dir
  Heut' unendlichen Ruhm, so uns dein gewaltiger Wink nur
  Lenkt, und dein Siegesblick uns leuchtet
              im furchtbaren Schlachtgrau'n!
  Sprach's mit Kraft. So riefen zugleich der tapfere Heinrich,
  Bayerns Herzog, und Pfeil, des Sachsen-Volkes Gebiether.

    Nun trat Zawi von Rosenberg, der blhende Ritter,
  Hastig in's Zelt. Ihm sah wildstarrender Grimm aus den Augen,
  Als er zu reden begann: Nicht Erfreuliches werdet ihr hren:
  Fort ist Meiens und Thringens Volk, das reisige. Treulos
  Zog es davon, und ihm liegt das Lager schon fern in dem Rcken,
  Da es im Flug' enteilt, zu erreichen die Fluren der Heimath.
  All' aufschrie'n, von Zorn g'en jen' empret; nur Ottgar
  Hob sich, schweigend, vom Stuhl. Wie des Vollmonds zitternder Schimmer
  Fern auf dem dunkelen Teich' erglnzt: so erhellt' ihm die Augen,
  Welche die Trauer umfing, des Muths aufdmmernder Lichtstrahl.
  Langsam trat er heraus vor das Zelt; ihm folgten die Feldherrn.
  Dort ersah er das Heer in der rosigen Frhe. Geschftig,
  Wie auf gehgeltem Laub' im Walde die Ameisen rastlos
  Kommen, und geh'n: so regte sich schon, die Rosse besorgend,
  Rings das reisige Volk; der Waffen Glanz und des Lagers
  Dumpfauftosender Lrm erfllt' ihm die Brust mit Vertrauen.
  Doch stets lauter ertnete jetzt des eisernen Hufes
  Schmetternder Schlag. Ein Ritter kam in brausendem Eilflug
  Nher, und hielt das Ro vor dem Knige, trotzigen Blicks, an.
  Leutold, der Kunring, war's. Auch ihn emprte so eben
  Inguiomar, da er stolz entsage dem Waffenverein hier
  Mit dem Beherrscher des Bhmenvolks. Nun sprach er ergrimmt so:
  Lang ersehnte mein Herz des furchtbarn Kampfes Entscheidung;
  Aber umsonst: noch zauderst du stets, und versumest des Glckes
  Schnellentfliehende Zeit. Erst sah ich hinaus aus dem Lager
  Ziehen die Meiner zugleich, und die Thringer. Also bewhrt sich
  Mir die Sage: du biethest die Hand zum schmhlichen Frieden,
  Auf des Sohnes Verlobung bedacht, dem Grafen von Habsburg?
  Sey's, ich tadle dich nicht: du magst verfahren nach Willkhr!
  Aber ich ziehe g'en Drrenstein mit meinen Getreuen.
  Kommt dann, beide, vereint! Gar viel' erblickt ihr der Euren
  Liegen, entseelt, an dem Wall' umher, eh' Leutold, der Kunring,
  Fllt: nicht besiegt durch euch -- von dem Schutt der Veste begraben.
  Sthnend gab er dem Rosse den Sporn, und entschwand aus den Augen
  Ottgars schnell. Er griff an die Stirn', um welche der Frhwind
  Wiegte sein grauendes Haar, und sprach zu dem sinnenden Feldherrn
  Lobkowitz: So ist des Menschen Geschick! In krftiger Jugend
  Hpft der muntere Bach hervor aus grnenden Thlern;
  Eilet dem freundlichen Land' und den schimmernden Stdten entgegen,
  Stets gewinnend an Kraft, als sich unzhlige Flsse,
  Huldigend, ihm anreih'n: er rauscht, ein mchtiger Strom, fort.
  Doch nicht ferne dem Ziel', eh' er matt versinkt in des Meeres
  Dunkelen Schoo, reit hier und dort sich in sandigen Eb'nen
  Wieder ein Arm nach dem andern von ihm, und er endet verloren
  Dann in dem allverschlingenden dort, auf immer die Laufbahn!
  Aber, wohlan, nicht klage der Feind: mit unzhligen Scharen
  Htt' ich errungen den Sieg! Die treu verharren, gengen
  Mir noch, Oestreichs Thron zu erkmpfen im Felde der Ehren.
  Auf, wir ziehen dahin! Die Dromet' erschalle; die Trommel
  Rufe zur Schlacht, und im Wind entfalte sich winkend die Sturmfahn'!
  Also geschah's: denn rasch vordrangen die muthigen Scharen.




  Neunter Gesang.


  Sanft verhallete jetzt der Gesang zu der heiligen Feier,
  Die der Priester des Herrn vollendete, kreisendumgeben
  Von des Heeres geordneten Reih'n. Im rumigen Lager
  Stand der Altar erbaut vor dem Bild des erlsenden Kreuzes
  Schnell, wie die Zeit es heischt', im Schmuck hellgrnender Reiser;
  Aber im Augenblick, wo nahe des Lebens und Todes
  Wrfel fallen, aufschwang sich das Herz in heierer Andacht
  Mit dem Gesange zu Gott: gar feierlich schlug's in dem Busen!
  Jetzt vom Staub, wo er bethend kniet', erhob sich der Kaiser.
  Himmlische Ruh' erhellte sein Aug', und, heiteren Muthes
  Pochte sein Heldenherz, da im Feld die kehrenden Scharen
  Schnell sich ordneten: denn schon riefen zum Kampf die Drometen.

    Hell aufflammte des Morgens Strahl. Die freundliche Sonne,
  Die den Abend zuvor in Westen ermdet hinabsank,
  Hob sich in Osten jetzt, als unter dem kreisenden Erdball
  Sie die heimliche Bahn vollendete, schneren Anblicks,
  Wieder herauf, und erweckte die Welt zu erneuertem Leben.
  Frischer grnte das Feld, und glnzender hpfte der Strom hin;
  Voll war Himmel und Erde vom Laut der verjngeten Schpfung;
  Nur aus dem Waffenschmuck des versammelten Heers in dem Lager,
  Sog die Sonn', im Lauf, toddruenden Glanz, und erfllte
  Rings die Vlker umher mit Angstgebilden der Zukunft.
  Aber den Kaiser umgab ein Kranz erlesener Feldherrn;
  Alle horchten auf ihn, und harrten freudig des Winkes,
  Der zu Thaten sie rief. Da sprach er, finsteren Blicks, so:
  Ottgar sumt, uns hier, wie er gestern gedroht, zu vernichten.
  Schmach der That: nicht der Sitte gem, die aus grauender Vorzeit
  Wir ererbten, uns both er den Kampf; nein, heimlich, im Dunkeln
  Fiel er, dem Whrwolf gleich, der nchtlich die Hrde bestrmet,
  Ueber uns her. Es gelang dem Khnen, zerstreute Geschwader
  Niederzuwerfen: sie trugen die Schuld und hatten den Lohn hin,
  Allen zum warnenden Wink, da nimmer ein Gleiches geschehe!
  Aber vernehmt, was mir zuvor an heiliger Sttte
  Mchtig die Seel' ergriff. Der entschwundenen Tage des Lebens
  Dacht' ich im stillen Gemth: kein dauerndes Glck ist auf Erden.
  Als ich Gutes und Schlimmes erwog, da fand ich, verwundert,
  Da ich am Freitag, an dem der Welterlser fr uns starb,
  Stets mit Vortheil focht, und den Sieg errang in der Feldschlacht.
  D'rum, nicht aus Feigheit, nein, aus herzentspross'ner Verehrung
  Fr das geheiligte Kreuz, will ich den Kampf der Entscheidung
  Morgen kmpfen, am Tag des heiligen Bartholomus--
  Heute, gefat, nur khn abwehren den feindlichen Angriff
  Ottgars, so er ihn wagt. Wir wollen sogar ihm vershnend
  Nah'n vor des furchtbaren Kampfes Beginn. Hervor aus den Reihen,
  Trautmansdorf! Zieh' hin zu dem Knige; bieth' ihm des Friedens
  Oehlzweig noch einmal aus meiner vershnlichen Rechten.
  Mgen auch dein' Erzeugten, wie sonst, dir folgen, da etwa
  Solches den Trotz ihm beugt, und das Herz zur Milde beweget:
  Denn tief rhrt uns die Schau des shn'umgebenen Helden!
  Also geschah's. Hervor aus den Reihen der tapferen Ritter
  Kam nun Trautmansdorf mit den zwlf ruhmdrstenden Shnen--
  Zwei entraffte der grimmige Tod schon gestern im Nachtgrau'n,
  Als sie im Ueberfall dort Ottgars Rechter erlagen.
  Ach, nicht lange, so fallen auch sie, auf dem eisernen Schlachtfeld
  Kmpfend, und einsam kehrt der trauernde Vater zur Burg heim!
  Jetzt entblt' er den Stahl, und sagte mit sinnigen Blicken:
  Hart ertnet dem Vater der Ruf, da er nahe dem Gegner,
  Dessen Rechte noch roth vom Blut der erschlagenen Shn' ist:
  Denn er knnte den Streit, obgleich ein Bothe des Friedens,
  Heier entflammen. Wohlan, wir wollen des Friedens gedenken!
  Sagt' es, und sprengte davon, umringt von den tapferen Shnen.

    Siehe, nicht fern von Zwerndorf theilt, von trben Gewssern
  Schwer, sich der Weidenbach, und eint sich nur wieder vor Marcheck.
  Links hin streckt er im Augefild den schlngelnden Arm aus,
  Whrend, die Stra' entlang, er rechts die tieferen Fluthen
  Trg fortwlzt. In dem Eiland dort, Baumgarten vorber,
  Traf nun Trautmansdorf auf die Reisigen, welche der Gegner
  Sandt', umsphenden Blicks, zu erkunden die Nhe des Gegners:
  Denn es erlies't auf der Kriegslaufbahn ein jeglicher Feldherr
  Waghls' sich, die im Grau'n des feindbedroheten Vorschritts,
  Als _Erleuchter_ ihm zieh'n,
              und Sicherheit schaffen der Heersmacht.[1]
  Schon von ferne die Schar, die Rudolph sandte, gewahrend,
  Ritten sie, brausenden Flugs, zu den Mhnen gebeugt, und den Degen
  Schwingend auf in die Lfte, heran: sie whnten, des Gegners
  Vorhuth sey's, und brannten vor Gier, sie niederzuschmettern.
  Laut schrie Trautmansdorf: Halt ein! Als Herolde nah'n wir:
  Blutigen Kampf -- will's Gott, noch lieber den Frieden zu biethen!
  Jen', unmuthigen Blicks (denn beutebegierig) ihm winkten
  Stille zu halten am staubenden Weg', und sendeten alsbald
  Zween der Reiter zurck, des Feldherrn Sinn zu erforschen,
  Milota's; doch er that, des Herolds Worte bedenkend,
  Solches dem Herrscher kund, und er sumte nicht: denn mit den Reitern
  Seines Gefolgs und Milota's, kam er heran zu dem Vor-Zug;
  Hemmte den Rappen, und hie, mit zorngertheten Augen,
  Gegen ihn stolzausstreckend den Arm, den Redner beginnen:
  Mein erlauchtester Kaiser und Herr, so sagte der Ritter,
  Sendet dir freundlichen Gru, und thu't dir kund, und zu wissen:
  Nicht nach edelem Brauch -- unritterlich hast du sein Volk ihm
  Ueberfallen bei dunkeler Nacht, und zu weichen, gezwungen.
  Dennoch biethet er jetzt, hier unter des wlbenden Himmels
  Heiterem Blau, und im Angesicht des versammelten Heeres,
  Dir an dem Fest des heiligen Bartholomus, auf morgen,
  Offen die Feldschlacht an; obgleich gerstet, entschlossen
  Heut' in dem Lager zu ruhn, und abzuwehren den Angriff
  Deiner Gewaltigen, wenn -- doch, das sey ferne, sie strmten.
  Aber er heit dich zugleich das Wohl und das Wehe bedenken
  Tausender. Seyd vershnt! Du vernahmst des Friedens Bedingni.

    Ottgar schwieg erstaunt. Ihn erschtterte heimlich die Bothschaft.
  Auch ergriff ihn mit Zaubergewalt ein flchtiger Anblick
  Jener blhenden Schar, die um ihren Erzeuger zu Pferd sa.
  Bald auf dem einen und bald auf dem anderen hing mit Gefallen
  Sein gemilderter Blick: er dachte des Sohnes, und -- Wallsteins!
  Schon gewahrete jetzt auch Lobkowitz, da ihm der Unmuth
  Wich aus der Brust: er kam, des Friedens Ruf zu erneuern;
  Aber da naht' ihm Katwald schnell, und haucht' ihm, vor allem,
  Trotz in das Herz. Er sagte: Du sollst fr den blhenden Oehlzweig
  Tauschen heute dein Schwert im furchtbarn Felde der Waffen,
  Wo der Sieg dich erhht'? Ein Thor wr's, der es nicht she,
  Da nur die Angst vor dir ihm solches gerathen; zerschmettr' ihn!
  Also der Geist. Auch Milota rief ihm, verhhnend, entgegen:
  Ha, du sollest vielleicht neu huldigen, wie auf dem Eiland
  Kamberg? Steht das dunkle Gezelt, mit dem trglichen Vorhang,
  Dich zu beschimpfen, bereit, da rings die Vlker dich schauen,
  Dich, den Knig von Bheim, dort auf den Knie'n vor dem Kaiser?
  Ottgar ballte die Faust; er sah mit grimmigen Augen
  Um sich her, und begann voll Wuth: Wer wagt es, vom Frieden
  Hier zu sprechen? Hinweg auf immer mit jeglicher Einung
  Zwischen Habsburgs Grafen und mir, dem Knige! Weichet,
  Zitternde Memmen, nur wieder zurck', und entbiethet von Ottgar
  Ihm die Fehd' auf Leben und Tod! Zieht hurtig von hinnen,
  Alle, da euch nicht ereile mein Zorn schon hier, vor dem Angriff.

    Rasche Bewegung erhob sich im Kreis' der gesendeten Helden:
  Manchem zuckt' es im Arm, aus der Scheide sein blinkendes Eisen
  Gegen den Knig zu zieh'n; doch schnell bezwang sie der Vater:
  Denket, so rief er gefat, wir kamen als Herolde Rudolphs,
  Unsers erhabenen Kaisers, gesandt: nicht ziemt es uns, jetzt hier
  Rcher der Unbill zu seyn; doch bald, in dem Felde der Waffen
  Lat uns gedenken der Schmach, und sie rchen im Blute mit Nachdruck.
  Rief's, und jagte den Renner zurck'. Ihm folgten die Seinen
  Zgernd, vor Ingrimm, nur, und wandten die flammenden Augen
  Hufig zurck: denn ach, die raschnachstrmenden Reiter
  Hhnten sie noch mit Geschrei und mit schallendem, lautem Gelchter!
  Sieben gehorchten, und folgten ihm nach; doch lenkten die andern
  Fnf', aus der Zahl der eigenen Shn', unbndiger Wuth voll,
  Pltzlich die Rosse herum, und flogen zurck auf dem Heerweg.
  Brder, so rief der lteste laut, kommt, lasset uns sterben,
  Eh' wir dulden die Schmach, die uns also die Seele betrbet!
  So mit emprendem Ruf' enteilete Hartwig, den Degen
  Schwingend zur Luft. Ihm nach, mit Eckhard, Walther, und Siegfried,
  Folgte sein Zwillingsbruder und Freund, der tapfere Dietbert,
  Bis sie erreichten die Schar der Reisigen, die zu dem Angriff
  Herbot von Fllenstein, der riesengestaltete, fhrte:
  Denn er warb sie entlang die grnlichen Fluthen des Peltew,
  Jngst: Klein-Reussens Volk, zu des Kriegs Beschwerden gesthlet,
  Wie auch gebt in dem Schlachtengedrng, schnellfige Rosse
  Spornend, vorzusenken den Speer aus der Rhre des Bgels;
  Dann mit des Fues Druck' und dem Stoe der nervigen Rechten
  Einzustrmen im sausenden Flug' in die feindlichen Reihen.

    Siehe, so weit ein Pfeil, von der Sehne geschnellt, in den Lften
  Herfleugt, hemmte schon Hartwig das Ro, und harrte, dem Leu'n gleich,
  Der in der Hetz', umringt von emporgereiheten Sitzen
  Voll schaulustigen Volkes, allein, der entfesselten Rden
  Heulender Schar, wie sie kommen, mit todandruenden Augen
  Harrt, und vor Grimm dumpf murrt: so Hartwig, als ihm die Reiter
  Naheten; doch er rief mit gewaltiger Stimme noch laut so:
  Ha, ihr brstet euch wohl, auf die zierlichgestalteten Mtzen
  Wie auf das wallende Kleid und die fhnleintragenden Lanzen
  Stolz, in dem Vor-Zug oft, in vielumstrmender Mehrzahl,
  Niederzustoen den einzelnen Mann? -- so gar nicht geachtet,
  Weder dem Feinde noch Freund': denn bar all' edler Gesinnung,
  Die des Kriegers Brust, des tapferen, fllet mit Gromuth!
  Euere Zung' ist khn, die Helden zu schmhen; so kommt denn,
  Zeiget den Muth, uns hier zu besiegen im rhmlichen Vorkampf!
  Also drang er im Eilflug vor; ihm folgten die Brder
  Alle, zur Wuth emprt. Den Schaft der feindlichen Lanzen
  Jetzt aufschleudernd zugleich mit dem Schwert', erwrgten der Gegner
  Dreizeh'n sie, voll Hast, und wandten dann fliehend den Rcken.
  Fort nur ein Weniges noch, und sie waren entrckt dem Verderben:
  Da fiel Dietberts Ro, und begrub mit dem Rcken den Reiter.
  Hartwig ersah's, wie er lag in dem Staub: denn immer nach ihm hin
  Wandt' er den lchelnden Blick; urpltzlich verscheuchte das Lcheln
  Jetzo die Angst: er stieg nicht, er strzte vom Pferde herunter;
  Lief, erhob ihn, und strebt', auf den Rcken des rasch und behend sich
  Wieder erhebenden Thiers, ihm, lautermunternd, zu helfen.

    Doch schon nahten im Flug die erbitterten Feinde. Die Lanzen,
  Lechzend nach Blut, voreileten weit, zugleich von der Rechten
  Und vom krftigen Fue gedrngt, zum schrecklichen Mordsto.
  Sieh', und, als den Zaum und die Mhn' erfassend, sich Dietbert
  Auf in den Bgel schwang, da bohrten der feindlichen Reiter
  Zween ihm die Lanz' in die Brust: er sank, und verhauchte das Leben,
  Eh' aufschreiend vor Angst um den liebenden Bruder, ihm Hartwig
  Hlfe geschafft, und Eckhard, fern mit Walther und Siegfried,
  Sich des Jammers versah'n im lauterbrausenden Heimritt.
  Zwar sie kehrten zurck'; auch Hartwig sa in dem Sattel
  Wieder, und so wie der wthende Br, dem drben der Weidmann
  Schon das zweite Gescho in die Seite getrieben, sich brllend,
  Auf den hinteren Beinen erhebt, und rasch auf den Schtzen
  Losstrmt: drang auch er, ergrimmt, auf die feindliche Schar ein.
  Nur die Zween im Aug', die ihm erst erwrgten den Bruder,
  Gab er dem Rosse den Sporn, und warf sich inmitten der beiden:
  Einem im Flug zerschmetternd die Stirn', und dem andern die Scheitel
  So, da sie lautlos jetzt, und auf einmal dem Sattel entstrzten!
  Hoch aufflatterte noch, im Sturz, von dem Schafte das Fhnlein,
  Das, gerthet vom Blut des erschlagenen Bruders, ihn reizte.
  Lang' noch, htt' er zugleich mit den drei kampfmuthigen Brdern,
  Sich, unbndiger Kraft, gewehrt, und noch manchen der Gegner
  Hingewrgt; doch schrie, vor Wuth sich die Lippen zernagend,
  Jaroslav, der Fhrer des Volks, mit entsetzlicher Stimme:
  Schliet, ihr Memmen, den Kreis um die Rasenden; stoet sie nieder!
  Also geschah's: denn jetzt, umringt von dichteren Haufen,
  Sanken sie dort, mit nie zu erschtterndem Muthe sich wehrend,
  Alle, vom Sattel herab, und verhauchten auf Leichen der Gegner,
  Die sie im Kampf' erwrgten zuvor, die tapferen Seelen.

    Doch der unglckliche Vater flog auf dem schnaubenden Rosse
  Nach dem Lager zurck. Den Herrscher zu treffen, verlangend,
  Da er ihm knde sogleich das Nahen der feindlichen Heersmacht,
  Sprengt' er, die Scharen entlang, dorthin, wo im Hauche des Windes
  Sein Panier aufflatterte, schn und erhaben vor allen.
  Eilig sprach er vor ihm, um die fnf gefhrdeten Kinder,
  Die ihm nicht folgten, besorgt: Umsonst ersehnst du den Frieden
  Jetzt mit dem Knige: denn nur des Kampfs und der Rache gedenkt er.
  Wisse, dir nah't sein Heer; nicht fern mehr streifen die Reiter
  Milota's. Ach, mir gnne die Huld, vor des Lagers Umwallung,
  Kehrend in Eile, zu schau'n: ob mein' Erzeugten mir folgen?
  Denn sie sanken vielleicht, emprt von unwrdiger Schmhung,
  Die von dem Feind' uns ward, als Opfer unbndiger Rachgier!
  Sagt' es, und eilete dann, von den tapferen Shnen umgeben,
  Wieder hinaus vor des Lagers Wall, wo Lrm und Getmmel
  Unter dem Volk sich erhob: denn Milota's furchtbare Reiter
  Jagten herbei, wie am grau'numhlleten Morgen des Winters
  Mit endlosem Geschrei unzhlige Krhen heranzieh'n;
  Schwangen die Lanzen zur Luft, und bothen dem Heere des Kaisers
  Kampf auf Leben und Tod, mit wildverhhnendem Trotz', an.
  D'rauf nachbrausten sie wieder im Flug den Kriegesgefhrten,
  Sich auf des Feldherrn Wink schnell aufzustellen im Saatfeld.

    Aber der Lrmruf scholl nun rings in dem Lager. Die Trommel
  Wirbelte; stets emprender klangen die hellen Drometen;
  Herolde flogen voll Hast umher; die Stimme der Fhrer
  Rief gebiethend zur Schlacht; das Fuvolk schlo sich in Reihen;
  Rasch auf das Pferd aufschwang sich der Reisige; schimmernden Anblicks
  Zogen die Ritter allen voran, und herrlich geordnet
  Ging jetzt Rudolphs Heer in festausdauernder Abwehr
  Auer des Lagers Wall, dem Feinde die Spitze zu biethen.
  Ach, dort starrete noch auf die fnf erschlagenen Brder
  Trautmansdorf, der tapfere Held, mit erschtternder Fassung,
  Schweigend, hinab! Es sandte zuvor der schreckliche Feldherr,
  Milota, der auf dem Feld den angstergriffenen Landmann
  Zwang, das gehrnete Rind, in Eil', an den Karren zu spannen,
  Sie nach dem feindlichen Lager heran. Da enthoben die Krieger
  Jenem die traurige Last, und legten sie dort auf den Boden.
  Aber er trieb sein Gespann, schnell wieder zurck' auf dem Heerweg.
  Siehe, schon wandte sich Trautmansdorf von den theueren Todten
  Nach den Lebenden um, und gewahrte mit steigender Rhrung
  Jetzt, da sie all', ihm gleich, bezwangen die Thrne. Nur Erdwin
  Hielt sich nicht lnger, der jngst',
              und der theuerst' ihm seiner Erzeugten:
  Denn er sprang von dem Ro', und warf mit schallendem Wehruf
  Sich auf die Brder hin: nun dem -- dann wieder dem andern
  Kssend die blasse Stirn' und die toderstarreten Lippen.
  Schnell umzog ein glnzender Thau die Augen des Vaters
  Und der Shne zugleich; sie weineten, ber die Todten
  Hingebeugt. Doch jetzo begann der tapfere Feldherr:
  Keiner tadle den Schmerz, der uns bei den jammernden Tnen
  Meines geliebtesten Sohnes ergriff. Vielleicht, da ihn auch bald
  Grausam der Tod entrafft. Da mir doch solches geschhe,
  Eh' denn ihm -- zu entsetzlich wr' des Getdteten Anblick!
  Aber so will es des Kriegers Los: er sterbe der Pflicht treu!
  Nur beschirmt, als Brder, ihn khn! Im Gemenge der Waffen
  Mge der eine die Brust fr den andern biethen, und Rettung
  Schaffen sich selber und ihm, der Wechselhlfe gedenkend!
  Erdwin, auf! Gebieth', und schnell gehorchen die Krieger
  Dir: nach Marchecks heiligem Grund die gefallenen Helden
  Heimzutragen, da dort der Priester mit Grabesgesngen,
  Segnend, vertraue dem Staube den Staub; du folge dem Zug' nach!
  Erdwin winkte den Kriegern stumm: sie erhoben die Leichen
  Auf langschaftige Speer', und trugen sie schnell nach den Mauern
  Jener, unferne gelegenen Stadt, da Alles und Jedes
  Nach dem Willen geschah des mildgesinneten Vaters.
  Durch das geordnete Heer ging nun der trauernde Zug fort:
  Denn nach dem Rasenwall, den gestern unzhliges Landvolk
  Baute, und d'rauf mit dem Graben umzog, dem Lager zur Schutzwehr,
  Kam es heran: in den blutigen Kampf mit dem Feinde zu treten.

    Aber, nicht rastete Katwald jetzt im hheren Luftraum:
  Denn voll Muthes emprt' er die Kraft des nahenden Feldherrn,
  Milota's. Sieh', als dieser die furchtbarn Reisigen Herbots
  Eilen hie in dem Vorderzug, nach dem muthigen Fuvolk
  Mhrens, dem er geboth, nachdrang ihm zur Rechten der Baiern
  Treffliche Schar, gefhrt von Heinrich dem edelen Herzog,
  Jetzt mit den Sachsen vereint, den tapferen, welche der Markgraf
  Pfeil (ein Pfeil in der Schlacht!) im Sturmschritt lenkte: den beiden
  Herrschte noch Czernin ob, als Feldherr. Aber zur Linken
  Drang der Bhmen erlesenes Volk, gehorchend dem Helden
  Lobkowitz, vor, und nach diesem kam das khne Geschwader,
  Welches sich Ottgar heut' erlas, gleich loderndem Feuer,
  Rasch aus dem Nachhalt vor, in die Reihen der Feinde zu strmen.
  Katwald eilte, voll Hast, vom Einen zum Andern, und weckte
  Mchtig in jeglicher Brust des Kampfs entsetzliche Sehnsucht.
  Horch, schon tnt drometendes Erz; schon wirbelt die Trommel,
  Schreit der Krieger, und wiehert das Ro; schon zittert der Boden
  Unter dem stampfenden Huf; des Blachfelds Weite bewegt sich
  Vorwrts. Doch, wie im Hauch zwei streitender Wind' an den Ufern
  Wogen die Fluthen des See's herauf und hinunter: so trat auch
  Rudolphs tapferes Heer vor dem Wall den Feinden entgegen,
  Und, wie der thrmende Wald erkracht, den pltzlich aus Sden
  Und aus Norden zugleich, Orkane zerschmettern im Sptherbst:
  Zahllos liegen umher die unendlichen Stmme geworfen
  Durcheinander hinab in den Staub: so lagen die Reiter
  Dort mit den Rossen, erwrgt, und des Fuvolks Reihen vermenget.
  Furchtbar wthete heut vor allen der tapfere Feldherr,
  Milota, so da Ottgar selbst den gewaltigen Thaten
  Staunte, die er vollbracht' in des Todes erkorenem Saatfeld.
  Ach, er ahnete nicht, wie der Rachebrtende jetzt auch
  Arges sann im Gemth -- da er ihm vertraue, die Scheingluth
  Heuchelte, bald Verrath nur an ihm zu verben, entschlossen!
  Herbot, so rief er hin, wo in keilgestalteter Ordnung
  Oestreichs Heerschar naht -- die Ritter fr jetzo vermeidend,
  Eile zuerst, und strm' im Flug' in die Seite des Volks ein!
  Also geschah's: denn schmetternd erklangen die eh'rnen Drometen;
  Schnell, wie das Wetter fleugt, vorbraus'ten die reussischen Reiter,
  Und die gesenkte Lanz' aus der Rhre des eisernen Bgels
  Festnachdrngend, erkor ein jeder von ferne den Mann schon,
  Dem er die Brust zu durchbohren beschlo. Wohl sechzig erlagen
  Also dem tdlichen Stahl der wildanprallenden Reiter,
  Die in des oberen Oestreichs Gau'n der tapfere Hauptmann
  Berchthold, warb, und lautes Geschrei auftobte zum Himmel.
  Jene wichen zurck', um schnell zu erneuerndem Anlauf
  Sich zu stellen im Feld', und die mordende Lanze zu senken;
  Aber Capellen, der oberste Hort des Volks, wie des Ober-
  Also des Unterlands, flog her, und emprte sie laut so:
  Denket der Ehr' und des Vaterlands, streichische Mnner,
  Jetzt in dem Kampf. Nur fest die Reihen geschlossen; die Lanzen
  Khn dem Feind' entgegengesenkt, und, nah't er, zur Erd' euch
  Hurtig gebeugt; dann auf, zu durchbohren dem schnaubenden Rosse,
  Oder dem Reiter, die Brust!
              Bald schaut ihr sie fliehen im Schlachtfeld.
  Auch die Steyrer entflammt' er, und rief:
              Heut sollt an dem Feind', ihr,
  Krieger der Steyermark, euch rchen, der Schande gedenkend,
  Wie ihr gewichen vor ihm mit Lrm und Gets' in dem Nachtgrau'n,
  Fortgerissen durch Schuld des Pettau'r, der, von dem Kaiser
  Heimgesandt, hinfort zur Flucht euch nimmer verlocket!
  Jetzo nur khn an den Feind! Uns lohnt der herrlichste Sieg bald.
  Sagt' es, und sprengte zurck: da braus'ten die furchtbaren Reiter
  Herbots wieder heran, zu erneuen den muthigen Angriff.
  Jene senkten das Haupt, ausbeugend, zum Knie' hin, und bohrten
  Hier dem Reiter, und dort dem Ro den Stahl in die Brust ein,
  Als weit ber ihr Haupt die feindliche Lanze dahinfuhr.
  Aber der Boden, mit Leichen bedeckt, verwandelte ringsher
  Sein erfreuendes Grn in die gruliche Farbe des Blutes.

    Milota sah den wankenden Sieg mit Staunen: er sandte
  Schnell die Reiter zurck, und fhrte die mhrischen Krieger
  Gegen das Fuvolk, das aus dem ober'n und unteren Oestreich
  Kam, und den Steyrern vereint, ihm entgegen stand in dem Schlachtfeld.
  Gleich den Wogen des Meers, die ein Sturm aus Sden daherrollt,
  Eilten die Reih'n jetzt vor; doch so, wie jene zum Strand sich
  Strzen mit lautem Gebrll', und im schumenden Zorne zerschellen:
  Denn nicht wanket der Fels: so trafen sie auch an den Kriegern
  Oestreichs ehernen Widerstand im Gemenge der Waffen.
  Schrecklich ertnte der Schrei der Wrgenden, schrecklich der Lanzen
  Kreischender Schlag, als sie den eisernen Helm und den Harnisch,
  Oder das Panzerhemd zerschmetterten, wthend geschwungen.
  Gleich dem Orkan, flog jetzt auch Milota hin, und, ersehend,
  Wie die Fhrer des Volks: der Seldenhofen die Steyrer--
  Berchthold Oestreichs Krieger zum Kampf' empreten, schwur er
  Beiden den Tod. Urschnell auf Berchthold drngt' er das Streitro,
  Und als dieser, erhebend das Schwert, die muthigen Krieger
  Oestreichs jetzt noch mehr vortummelte, siehe, da bohrt' er
  Ihm den Stahl in den Hals, da alsbald ihm auf den Lippen
  Starb das Wort, er taumelnd sank, und das Leben verhauchte!
  Schmerz durchzuckte die Brust des Volks bei dem schrecklichen Anblick,
  Da er, so mildgesinnt, ein Vater der Krieger genannt ward.
  Doch mit erneuerter Wuth flog Milota hinter den Reihen
  Seines Volkes hinab; drang wieder hervor, und durchrannte
  Col von Seldenhofen das Herz, der weit vor den Seinen,
  Die er entboth, hersprang, und nach ihm sein blutiges Eisen
  Zuckte, die Stirn' ihm zu spalten, gesinnt. Nun brachen die Knie' ihm,
  Schlotternd, ein, und er fiel, im Tod' erbleicht, auf das Eisen.
  Ach, bald jammert daheim die alterserblindete Mutter,
  Deren einziger Sohn und Trost er war in den Jahren
  Trauerbelasteter Witwenzeit auf der einsamen Felsburg:
  Denn nicht kehrt er zurck, wie ein tuschender Traum ihr verheien--
  Er, den Traum ihr deutend, verhie, die Gute zu trsten,
  Als er zum letzten Mal' auszog von dem rhmlichen Stammhaus!
  Hier erlag er zugleich mit fnf erlesenen Kriegern
  Milota's Schwert, der furchtbarn Muths, umtobt' in dem Schlachtfeld.
  Ottgar wandte sich jetzt nach Lobkowitz um, und begann so:
  Nie war Milota's Seele mir hold: ich kenne der Menschen
  Trugverhllende Brust; doch sieh', ein schrecklicher Krieger
  Ist er im Feld': ich vertraute mit Recht ihm die rhmliche Stelle!
  Jener entgegnete schnell: D'rum vor mit den Reitergeschwadern
  Jetzt, wo die Feind' erbeben vor ihm, sie niederzuwerfen,
  Und zu entscheiden den Kampf in der heiteren Stunde des Glckes.
  Nein, so sagte der Knig ergrimmt, noch la uns verziehen,
  Bis er noch mehr aufflammt, und wir ihn entscheiden fr immer!

    Also die beiden dahier. Capellen, der Edle, gewahrend
  Drben im Feld den Tod der muthigen Scharengebiether,
  Sandte den Oesterreichern den Meiauer hier, und den Steyrern
  Dort den Lichtenstein, aus der Schar der Ritter, als Feldherrn.
  Schnell gehorchten die zwei Feldobersten jetzo Capellens
  Ruf; denn jener erkor, an Berchtholds Stelle, den Helden
  Summerau, und Lichtenstein den furtbaren Ritter
  Merenberg, an jene des Seldenhofen, zu Fhrern.
  Hoch schwang Merenberg sein Schwert in die Luft, und er rief dann:
  Ha, nun endlich dem Ziel, dem schrecklichen, nher und nher
  Schreit' ich den dunkelen Pfad! Komm, Richard, und stehe dem Bruder
  Treu zur Seite, mit ihm die entsetzliche That zu vollfhren,
  Die sich der Merenberger ersehnt! O denke des Bruders:
  Wie er am Galgen hing -- das Haupt zu den Fen gebunden,
  Dreimal schreckliche Tage sich wand! Wie, leben soll Ottgar?
  Alsbald einte sich ihm in dem Kampf sein finsterer Bruder.
  Doch mit erneuetem Muth vorstrmten die beiden Geschwader,
  Und ermordeten, was sich entgegenstemmt' in den Reihen.
  Also gedrngt von den Strmenden, wich Morawia's Fuvolk
  Langsam zurck', und stand, und wehrte sich wieder: nicht anders
  Weicht der gewaltige Felsenblock, nach dauerndem Regen
  Losgewhlt vom Gebirg', an des Bergs abgleitendem Rand hin;
  Bis nachstrmend die Fluth ihn bewegt, und er in den Abgrund
  Strzt im sausenden Sprung' und Gets', unhemmbaren Fluges.

    Doch der erhabene Kaiser sah mit Freude die Seinen
  Ringen im Feld, die im Vorkampf schon die gesunkenen Lorbern
  Ihrer Heldenstirn' jetzt herrlicher wieder erhhten.
  Schnell entboth er zu sich Trentschins Gebiether, der Ungern
  Muthigen Hort, und sprach: Noch ward dir, tapferer Feldherr,
  Nicht erffnet das Thor an der siegsruhmbiethenden Laufbahn;
  Aber ich kenne den Muth, der dich und die Deinen beseelet.
  Zieh' g'en Schnfeld hin mit den furchtbarn Reitern, und harre
  Drben des Winks: urschnell dem Feind' in die Seite zu fallen.
  Aber der Wink sey dir: wenn, blutrothschimmernd, von Marchecks
  Ragendem Thurm die Sturmfahn' weht, und die Glocken erschallen.
  Also erringst du dir Ruhm, und mir den herrlichsten Vortheil.
  Jenem erglnzten die Augen wie Gluth; er strich mit der Rechten
  Sich den mchtigen Bart, und sprach: Glorwrdiger Kaiser,
  Gleich dem Morgenthau, der schmachtende Fluren erquicket,
  Hat dein ehrendes Wort das Herz mir gelabt, und des Unmuths
  Wolken entflieh'n mir jetzt vor den lang'umdsterten Augen!
  Tdtendem Blitz und verheerenden Strmen gleich ist im Schlachtfeld
  Ungerns tapferes Volk: ich will sie dir lenken zum Vortheil,
  Mir zum Ruhm: weil mich des edelsten Kaisers Vertrau'n ehrt.
  Sagt' es, und ritt im Flug,
              mit den jauchzenden Scharen nach Schnfelds
  Auen hinab, ersehnend den Wink zu dem schrecklichen Angriff.
  Aber der Kaiser entsendete links und rechts an die Feldherrn:
  Albrecht hier, und Meinhard dort, die Herolde; stehen
  Hie er sie noch vor dem Wall', und festabwehren des Gegners
  Furchtbardrngende Wuth, bis, blutrothschimmernd, von Marchecks
  Ragendem Thurm die Sturmfahn' weht, und die Glocken erschallen:
  Denn er ordnete dort die zeichenersphenden Mnner.

    Marbod nahte heran. Er schwebte zuvor in dem Zeitraum
  Eines entfliehenden Augenblicks nach den schimmernden Mauern
  Drben der Wunderstadt, Venezia,[2] die aus des Meeres
  Fluthen sich hebt, und des Fremdlings Brust erfllet mit Staunen,
  Dort das ehrende Maal des Heldengreises zu schauen,
  Dandolos, der mit den Franken im Bund', ersiegte die Hauptstadt
  Constantins, erst jngst, mit nie zu erschtternder Thatkraft.
  Doch nun kehrt' er zurck', und staunte der Menge der Leichen,
  Die in der Mnnerschlacht schon weit bedeckten die Felder.
  Wie den Wanderer Grau'n befllt, der pltzlich ereilet
  Von dem sausenden Sturm', in den tiefergesunkenen Wolken
  Weiherschimmernden Hagel ersieht, und drben im Wald' ihn
  Wthen hrt, wo er bald, entstrzend mit lautem Geprassel,
  Blhende Zweige zerschlgt, und zu Boden schmettert die Wipfel:
  Also befiel ein Schauder auch ihn. Im Fluge vernahm er
  Katwalds Ruf, wie er hier emprte den mchtigen Herbot.
  Ha, so sprach er, du prahltest zuvor: du wollest lebendig,
  Oder todt, aus der Schlacht heimfhren den Kaiser der Deutschen?
  Eitler Schwtzer, wie werden dereinst dein spotten die Helden!
  Reite zur Rechten hinab, und versuche denn quer in die Reihen
  Einzudringen, wo Rudolph weilt, und keine Gefahr ahnt.

    Herbot besann sich schnell; fnfhundert Reisigen rief er:
  Folgt mir! und jagte zur Rechten hinab, wo, nahe dem Herrscher,
  Meinhards Heldenruf die Krieger zum Kampfe bewegte:
  Denn schon maen im Waffengemeng' auch die Bayern und Sachsen
  Sich mit den Tapferen Krains und Krnthens. Dicht, und unzhlbar
  Lagen die Leichen im Gras'. Doch Czernin fhrte die Vlker
  Gegen Meinhards Macht, der jetzt ihn nher gewahrend,
  Schnell vordrang, und, genaht, ihm rief: Du hast dich vermessen,
  Nchtlich, im Ueberfall, Vindobona, die herrliche Festung
  Zu betreten; gehofft, als Sieger, herunter zu schauen,
  Stolzen Blicks, aus der Kaiserburg: nun sollst du es ben,
  Was du frevelnd gedacht, und gewollt, und nimmer erreicht hast.
  Czernin schwieg, ergrimmt. Er senkte den Speer, und erreichte,
  Sausenden Flugs, den Mann, der also ihn schalt vor den Scharen,
  Ihm die Brust zu durchbohren, gesinnt; doch fehlt' er des Zieles,
  Zitternd vor glhender Hast, und der blutgerthete Speerstahl
  Streifte nur, zwischen dem Leib' und dem Arm,
              durchfahrend, den Harnisch.
  Meinhard sumte nicht, hob, und senkte das Schwert, und zerschlug ihm
  Jetzo den Helm und die Stirne zugleich, da er rcklings vom Rosse
  Sank, und, gestreckt lang hin, in Todesschauern erblate.
  So vor den uersten Reih'n stritt auch der muthigen Sachsen
  Feldherr, Pfeil, mit dem weitgefrchteten Grafen von Heunburg,
  Der den Krnthnern geboth, und der Hort der krainischen Scharen,
  Ortenburg, mit Bayerns gewaltigem Herzoge, Heinrich,
  Jetzo auf Leben und Tod: da Scharen des einen und andern
  Sich bekmpften, und rings nur Mord und Gewrge zu schau'n war.
  Heunburgs blitzendem Stahl' erlag der tapfere Markgraf
  Pfeil, nicht des Todes Pfeil, von des Gegners Rechte geschleudert,
  Mehr vermeidend, nach schrecklichem Kampf', und hauchte den Geist aus.
  Heinrich gelang's, den Ortenburg aus dem Sattel zu heben,
  Ihm durchstoend den Arm, da er dort im knisternden Sandstaub
  Blutete, kriegsgefangen sich sah, doch wieder gerettet
  Heim in das Lager kam, und dem kundigen Arzte sich hingab.

    Sieh', als hier in dem Streit die erbitterten Vlker sich maen;
  Schlachtruf scholl; Drometen schmetterten; Trommelgewirbel
  Klang: der Wrger Geschrei und Verwundeter Aechzen ertnte,
  Jagte Herbot von Fllenstein mit seinem Geschwader
  Durch den sondernden Raum, der zwischen der mittleren Heersmacht
  Und dem Flgel zur Linken sich fand, in Eile hinunter--
  Dann auf den Kaiser los, den Katwald ihm, wie der Gemsaar
  Fernhin schauend, verrieth mit emprendem Geistergelispel.
  Rudolph kam, im Gefolge der Trautmansdorfe (nur Erdwin
  Weilte noch, frommbesorgt, in Marchecks schattigem Freythof)
  Eben heran, gelockt von des raschvorstrmenden Meinhards
  Lautem Siegesgeschrei, und ahnte die nahe Gefahr nicht;
  Doch nun hemmt' er mit zweifelndem Blick das Ro, und erforschte
  Gierig: ob Freund', ob Feind' ihm naheten? bis er des Ritters
  Riesengestalt ersah, der kennbar im feindlichen Heer war.
  Ha, so rief er, erlag mein Volk? Entsetzliches Unglck
  Droht: denn, seht, uns kommt ein feindlich Geschwader entgegen!
  Doch schon war er umringt. Laut schrie zu seinen Erzeugten
  Trautmansdorf: Kommt, lat uns sterben fr unseren Kaiser:
  Rettet ihn, kmpft, und ersiegt euch hier unsterblichen Nachruhm!
  Alsbald kehrten die sechs untad'ligen Brder den Feinden
  Kmpfend, entgegen die muthige Brust, vom rhmlichen Beispiel
  Ihres Erzeugers entflammt, den edelsten Herrscher zu retten.
  Aber auch Marbod sah die Gefahr, die jetzo dem Leben
  Rudolphs droht'; er umfing mit heiumschlingenden Armen,
  Flehend, Capellens Brust, und rief: Zur Linken hinber
  Eil' im sausenden Flug', und errette den Kaiser vom Tod jetzt!
  Jener staunte bei sich, wie ihn solche Gedanken bestrmten?
  Gab dem Rosse den Sporn, und jagte herber im Blachfeld.

    Schon umhuften die Brderschar in Menge die Leichen;
  Schon war Edelred mit Erhard gefallen: die andern
  Bluteten; doch ermahnte sie laut ihr edeler Vater
  Noch mit dem Schwert' in der Faust, zum Kampf fr den edelsten Kaiser.
  Sie gehorchten ihm all', und erlagen nach schrecklichem Mord nur:
  Kurd, Agilolf, und zuletzt mit Otto der heitere Winfried.
  Jetzt drang Herbot schnell mit dem Speer, der hoch wie ein Mastbaum
  Sich in die Lft' erhob, auf Rudolphs tapfere Brust ein.
  Siehe, nicht traf er die Brust des kampferfahrenen Herrschers;
  Doch dem steigenden Ro durchstie er die Stirn, da es sthnend
  Sank, und zugleich in den Staub den trefflichen Reiter herabwarf!
  Ha, wer rettet ihn mehr? Zwar nahte Capellen; die Ritter
  Naheten; links und rechts herstrmten die muthigsten Krieger:
  Dennoch war es um ihn gescheh'n, und die Hlfe vergeblich,
  Wenn nicht hurtig er selbst, mit dem mordenden Speer in der Rechten,
  Auf den schrecklichen Mann losfuhr; unbndigen Muthes
  Ihn bekmpfte; den Streich nach seinem geschlossenen Schlachthelm
  Fhrend, mit solcher Gewalt ihn traf, da die Augen ihm alsbald
  Dunkelten -- Seh'n und Hren verging. Auch erhob er urpltzlich
  Wieder den Speer: durchstach dicht unter dem Kinne den Riemen,
  Der den Helm an das Haupt ihm festigte; drehte den Schaft noch
  Hurtig herum, und ri blitzschnell ihn vom Sattel herunter.
  Wie die Zinne der Burg, vom Orkan zur Erde geschleudert,
  Fllt mit Gekrach, und der Grund weit hin erbebet: so fiel dort
  Herbot zur Erde: sie bebte dem Fall', und Gerassel der Waffen
  Scholl im Gefild' umher. Laut schnaubend vor Angst und Entsetzen
  Jagte Capellen herbei. Er both, vom Pferde gesprungen,
  Solches dem Kaiser, und half ihm hinauf in den Sattel, er selber
  Schwingend das Schwert mit Trautmansdorf, dem tapferen Helden,
  G'en die umdrngende Feindesschar sich zur Wehre zu stellen.

    Schon entfloh die Gefahr: ein Jauchzen erscholl um den Herrscher,
  Als jetzt Herbots Volk sich ergab an die drngenden Scharen.
  Aber er stand, und zitterte. Schnell, emprt von dem Anblick
  Dieses Gewaltigen, der das Leben des Kaisers bedrohte,
  Sprengten die zrnenden Krieger herbei, an ihm Rache zu ben;
  Doch der Erhabene rief: Zurck, verschont ihn: er lebe!
  Das sey ferne, da ich bestrafe den tapferen Ritter,
  Der so khn sich erwies, nicht Tausende scheuend, im Angriff:
  Heute noch komm' er nach Wien in ehrenvolle Gewahrsam.
  Trautmansdorf, dir dank' ich das Leben, nach Gott! Nicht zum Boden
  Wende den Blick jetzt mehr, noch einmal die Opfer zu sehen,
  Die es dich kostete! Fort, zur Rechten hinab, und entbiethe
  Albrecht schnell: er strm' in den Feind; du stehe zur Seit' ihm
  Dann mit gewaltigem Arm, ein rettender Schild in Gefahren!
  Eilt nun all' an's Werk! ich bin geborgen; erhebt euch!
  Alle jagten davon; nur einer -- unglcklicher Vater,
  Nur du allein verweiletest noch, und sah'st auf die Todten,
  Uebergebogen, hinab; dann gabst du dem Rosse die Spornen!
  Ach, und das Augenpaar des umschauenden Kaisers erglnzte,
  Thrnenumhllt! Doch jetzt aufschwang er den Degen: von Marchecks
  Thurm ertnten mit strmendem Ruf die Glocken, und blutroth
  Flatterte dort in die Luft die thatengebiethende Sturmfahn';
  Bald erscholl ringsum Geschrei und verwirrtes Getmmel.

    Ottgar zgerte noch. Umsonst ermahnte der Greis ihn,
  Jammernden Lauts, getuscht von Herbots Khnheit, und sagte:
  Sieh', wie dort rechts hin die Reisigen strmen, das Fuvolk
  Rasch vordringt! Nun gilt's: entscheide den schrecklichen Kampf du!
  Aber der Knig begann: Frwahr, wir tauschten fr heut schon
  Art und Gemth: du khltest die Gluth sonst mir in dem Busen,
  Kaltvorschauend, und heut', emprt zu Feuer und Flammen,
  Hast du nicht Ruhe, nicht Rast. Bald tnt der ersehnete Ruf dir.
  Dann begann er noch leise fr sich in sinnender Schwermuth:
  Wallstein, ach, ich schau' in des Sieges Gefilden dich nimmer!
  Lobkowitz schwieg. Doch sieh', nun hemmte die strmenden Krieger
  Milota's Feldherrnwink! Er dacht', ergrimmend im Geist, so:
  Jetzo der Thaten genug, da mir vertraue der Knig.
  Ist's nicht klar? Er sann mir heute den sicheren Tod nur,
  Als er mich ehrend erkor: ich lebe noch, ihm zum Verderben.
  Dacht' es, und zog alsbald, schwachkmpfend, mit zgernden Schritten
  Sich auf des Nachhalts Reihen zurck. Ihn emprete Katwald,
  Tapfer zu steh'n: umsonst, er wich! Doch, sausenden Flugs, war
  Marbod den Vlkern genaht, die am rechten Flgel, gehorchend
  Albrechts Stimme, voll Heldenmuths, nach dem Kampfe sich sehnten.
  Hochberg, der den Zrchern geboth, ersah er, und rief ihm:
  Schreie: Der Feind entflieht! Gar mchtig ertnet dein Ausruf.
  Hochberg schrie: Der Feind entflieht mit gewaltiger Stimme,
  Die zum Kern des Heers, und hinaus zum uersten Flgel
  Donnerte. Bald erscholl's von tausenden Stimmen auf einmal:
  Holla, die Feind' entflieh'n!
              Sie flieh'n -- die Feinde, sie fliehen!

    Ottgar horchte dem Ruf mit kalthinstarrendem Blick' auf;
  Wandte das Ro, und sprach zu Lobkowitz: Wahrlich, vermuthend
  War ich des Unfalls mir: denn hre des Herzens Geheimni!
  Jngst, in der furchtbarn Zeit des mitternchtlichen Grauens
  Hie ich, im dunkelen Eichenhain, die Alrune,[3] des Schicksals
  Hehre Verkndigerinn durch Bothen befragen; sie gab mir
  Antwort: Ottgarn winkt an Stillfrieds Marken das Ziel schon!
  Dort ist der Sieg mir gewi; wir wollen uns fechtend zurckzieh'n!
  Herr, nicht der Hlle vertrau', so rief der jammernde Greis auf,
  Gott vertraue -- dir selbst, und deinen gewaltigen Kriegern!
  Noch steht Sachs und Bayer im Kampf; noch nichts ist verloren.
  Wolle mit Ernst den Sieg, er ist dein: o komm', und erring' ihn!
  Aber er trabte zurck. Ihm folgten am Fue die Scharen
  Milota's, der in dem Nachzug noch voll tuschenden Eifers,
  Selbst abwehrte, zum Schein, die raschnachrckenden Gegner.

    Bald erscholl auch drben Geschrei, wo Bayern und Sachsen
  Kmpften im Waffengefild, gefhrt von dem tapferen Herzog
  Heinrich, und Zierotin, dem kraftgersteten Helden:
  Denn Matthias, der Hort magyarischer Krieger, ersehend
  Oben am ragenden Thurm die blutrothflatternde Sturmfahn'--
  Hrend der Glocken Getn', erhob sich in Eile von Schnfeld,
  Mit zermalmender Macht dem Feind' in die Seite zu fallen.
  Vor zu des Rosses Mhne gebeugt, den blitzenden Sbel
  Schwingend in krftiger Faust, hinbraus'ten die Reiter, und hieben
  Links, rechts, ein: bald lagen die Leichen ges't in dem Blutfeld,
  Wankten die Gegner, und floh'n, verfolgt von den Gegnern in Hast fort.
  Rastlos eilte der Knig dahin im sinkenden Nachtgrau'n,
  Bis er nach Drnkrut kam in das Lager, das er noch letzthin,
  Stolz vor Siegeshoffnung, verlie -- nun trotzig begrte:
  Denn er dachte des Siegs am nchstaufstrahlenden Morgen.
  Doch bis Ebenthal, dem einsamen Schlo' an dem Waldthal,
  Fhrte der Kaiser sein Heer, und ruht', umlagernd, im Feld dort.
  Ganz verhallte des Tages Lrm, und vom nchtlichen Himmel
  Sah'n die Sternenheer' auf die schlummernden Vlker herunter.




  Zehnter Gesang.


  Abendrthlich erglnzt der schnellentgleitende Rheinstrom;
  Vllig verhallte der Sturm; nur liebliche Lftchen bewegen
  Manchmal, leis'umsuselnden Flugs den ergossenen Spiegel
  Seiner Gestade, wo links und rechts, von dunklen Gebschen,
  Wldern, und Hh'n, nun hochaufragende Thrme der Burgen,
  Nun hellschimmernde Stdt' und Gotteshuser sich heben,
  Und ihr Bild in die spiegelnde Fluth von oben nach unten
  Kehren, gewiegt von dem Zuge der raschforteilenden Wellen.
  Wechselnd, von einem zum andern Gestad' durchkreuzen der Vgel
  Singende Scharen die Luft, und ziehen dem schauernden Wald zu.
  Abendglockengetn, vermengt dem Blcken der Heerden
  Schallet die Ufer entlang, als jetzt an dem wlbenden Himmel
  Auf sich schwingen die goldenen Stern'; umschattendes Dunkel
  Ruh' auf die Welt umher verbreitet, und jeglicher Laut stirbt.
  Von Schafhausen allein tnt Donnergets', in des Abends
  Stille hrbarer noch dem Ohr: wo im schwindelnden Jhsturz
  Sich von dem Klippendamm hinab zum versunkenen Strombett
  Strzt die gewaltige Fluth, aufschumt an den Felsen, und dorther
  Schauernden Nebelqualm in die Haine hinaus, und die Thler
  Sendet im Windeshauch', unendlichen, ewigen Eilflugs.

    Sieh', ein Ritter kam aus fremden Landen gezogen!
  Eilig trabt' er die Strae herab, und ihm folgte der Knappe
  Fern, ermattet der Last der Wanderung. Aber den Ritter
  Trieb herzinniges Leid und der Heimath glhende Sehnsucht.
  Als er im Abendlicht, hervor aus dem dunkelen Eichwald
  Kommend, vor sich das weitverbreitete Land, und inmitten
  Fluthen sah den ersehneten Rhein, da hielt er das Ro an;
  Sprang aus dem Sattel herab, warf sich, erschttert, zum Boden,
  Netzt' ihn mit Thrnen, und stand, in des Anschau'ns Wonne versunken.
  Hartmann war's, der jetzo dem Strom sich nhernd, und kehrend
  Heim in das Vaterland, die trauten Gefilde begrte.
  Drben am linken Gestad', ersah er das freundliche Stdtchen
  Rheinau, welches der Rhein im kreisenden Lauf, sich nach Osten
  Wendend, umfliet. Dort baute (so knden die Sagen der Vorzeit)
  Sorglich das Gotteshaus Funtan, der Heilige,[1] Schottlands
  Knigen blutsverwandt, den Brdern von Monte-Cassino,
  Als er, ein Pilger, dort die Stelle, vom Geiste getrieben,
  Endlich fand, wo allein der Strom nach Osten den Lauf kehrt.
  Hartmann sah vom Gestad mit bewegtem Herzen hinber--
  Sah im Geist noch hinaus weit ber die Berge, des Aargau's
  Liebliches Thal, und dort von dem Felsenhgel die Habsburg
  Ragen aus dunkeln Tannen empor in die Luft, und herunter
  Schau'n auf die Fluthen der Aar,
              die ihr, eilenden Laufes vorbeirauscht.
  Zwar vermite sie jetzt die trauten Gebiether: der Vater
  Fern (er tauschte den Grafenhut mit der Krone der Kaiser)
  Todt die Mutter -- von ihm die holden Geschwister geschieden.
  Er, der Unglckliche, kehrt allein, in einsamer Stille
  Dort zu erreichen das trstende Ziel der irdischen Wand'rung.

    Doch nun rief er, bewegt, dem sptnachfolgenden Knappen:
  Mangold, fasse das Ro an dem Zaum', und fhr' es mit Vorsicht
  Ueber die Brcke zur Stadt; bald folg' ich dir nach in die Herberg!
  Mangold fate das Ro an dem Zaum, und fhrt' es mit Vorsicht
  Nebenher, dem seinen gesellt, hinber nach Rheinau
  So, da die Brck', entlang, erst laut, dann leiser und leiser
  Unter dem eisernen Huf fortpolterte, bis zu dem Land hin.
  Hartmann weilete noch. Er sa in Trauer versunken,
  Dort auf dem Felsenriff, das sich auf die Fluthen hinber
  Beugt; sah oft nach den Wellen hinab, wie sie rollten, und eilten
  Rastlos fort in des ewigen Meers verschlingende Tiefen,
  Und gedachte mit Trost der eilenden Tage des Lebens.
  Sieh', nun hob sich vor ihm der Mond in des Himmels Gezelt auf;
  Hellte die Nacht, und zog in grnlichen Goldes Gefunkel
  Quer auf dem dunkelen Strom die flimmernde Strae hinunter,
  Der er, bewegt, nachsah, bis dort zu dem uersten Rand hin,
  Wo das Gestirn sich scheitelrecht in den helleren Fluthen
  Spiegelte. Dort winkt' ihm (so ducht' es ihn) freundlichen Blickes,
  Jenseits her aus therischem Glanz die liebende Mutter.
  Ach, er streckte die Arme nach ihr mit sthnender Brust aus;
  Beugte die Stirn', und ihm sank die heimliche Thrn' aus den Augen!
  Jetzo fuhr ein Kahn rasch ber den schimmernden Mondpfad;
  Muntere Stimmen erreichten sein Ohr. Herber von Rheinau
  Kehrte nach Eglisau, der Vater mit seinem Erzeugten,
  Der, ein Fischer, dahin die Beute der Netze getragen,
  Und seit Jahren umher auf dem fischdurchwimmelten Rheinstrom
  Ruderte. Nun verfehlt' er, getuscht, des Zieles: der Kahn schlug,
  Von der Strmung gerafft, an dem Joch der gewaltigen Brck' um,
  Barst entzwei, und die Zween verschlang, so mchtig sie kmpften,
  Schrie'n, und riefen, die Fluth.
              Nicht der lastenden Rstung gedenkend,
  Nicht der grausen Gefahr, aufsprang der edele Ritter
  Auf das Angstgeschrei nach Rettung jammernder Menschen;
  Lief das Ufer entlang, und warf sich hinab in die Strmung,
  Als der Junge hervor aus der Fluth die Rechte gehoben;
  Aber nicht rettet' er ihn, und fand in dem brausenden Abgrund
  Dort das Ziel des schwermuthvoll entschwundenen Lebens.[2]

    Ach, nicht ahnte des theueren Sohns unglckliches Schicksal
  Rudolph noch, der fern im Zelt, von den Helden umgeben,
  Sa beim erquickenden Mahl, nach unsglicher Mhe des Tages!
  Drauen, von Lagerfeuern erhellt, verlor sich des Himmels
  Nchtliches Grau'n; Geschrei und Gelrm erscholl mit dem Wehruf
  Blckender Lmmer und Schaf', und des dumpfaufbrllenden Rindes:
  Denn die Krieger besorgten das Mahl in geschftiger Sorgfalt:
  Jetzo das Fleisch in der siedenden Fluth, die im rumigen Kessel
  Brodelte, wohl mrbkochend, und jetzt es auf kreisenden Spieen
  Bratend so, da der Wohlgeruch weit das Lager erfllte.
  Auch ermangeln sie nicht des herzerfreuenden Weines,
  Oder des Brots; nicht des Habers und Heu's die munteren Rosse:
  Denn des Heers Marschalk, der Breuner, hatte gengend
  Alles und Jedes zur Stelle geschafft fr die dauernde Kriegszeit,
  Und stets lauter erscholl auftobende Freud' in dem Lager.

    Drinnen im hellerleuchteten Zelt, von den Helden umgeben,
  Harrte der Kaiser zuvor des blhenden Knigs der Ungern,
  Dem er den Herold gesandt, als dort vom Lager vor Marcheck
  Sich das siegende Heer erhob, die geworfenen Scharen
  Ueber den Weidenbach voll drngender Hast zu verfolgen.
  An dem Gestade der March, wo, g'en Hochsttten, im Halbkreis
  Sich hinwindet der Flu, aufragte die Kuppe des Felsens,
  Der vor grau'n Jahrhunderten schon den Vlkern zum Markstein
  Dienete, jetzt dem Zelt des lebensfreudigen Knigs
  Khlenden Schatten both, und, ferne geseh'n, in der Umwelt
  Alles dem sphenden Auge verrieth. Dort fand ihn der Herold
  Sitzend im munteren Kreis' der Zitherspieler und Snger,
  Die von dem Heldenzug der Ahnen herber nach Ungerns
  Reichem Gefild' und der Thatenkraft gepriesener Fhrer
  Sprachen im jubelnden Lied'; auch rhmten darauf: wie im Feld' erst,
  Kmpfend mit nieu erschtterndem Muth, des verbndeten Kaisers
  Macht die Feinde bestand, und, gleich dem brausenden Sturmwind,
  Der auf der Heid' im Herbst die verdorrten Disteln dahinjagt,
  Trentschins ruhmverherrlichter Held dann ihnen im Rcken
  Lag mit mordendem Stahl, als all die Scharen zerstoben.
  Aber so laut der Knig sich d'rob erfreute, so gnnt' er
  Dennoch dem Kunen den Ruhm vor dem Unger im heimlichen Busen,
  Und ergrimmte noch mehr, da ihm Kaduscha heute zurckstand.
  Hastig nahet' ihm Meyenberg, der Herold, und sprach so:
  Herr, dein Herz erfreue der Ruhm des herrlichsten Sieges,
  Den dein tapferes Volk mit raschentscheidender Thatkraft
  Uns erringen half. Zum Kriegsrath ruft dich der Kaiser,
  Und zu dem frhlichen Mahl nach des Tags ermdender Arbeit.
  Gern, erwiederte jener, voll Hast, hineil' ich in's Lager
  Meines erlauchten Verbndeten, der so edel gesinnt ist.
  Sagt' es, und schwang sich auf's Ro, im Gefolg kumanischer Reiter,
  Ebenthal zu erreichen im Flug, wo im schimmernden Zeltraum
  Rudolph, heldenumschart, sein harrete. Wie er dahinflog,
  Fuhr der Staub zum Gewlk, erregt von den stampfenden Hufen.

    Alle gehorchten dem Ruf des erhabenen Kaisers: nur Einer--
  Kaduscha war nicht zu schau'n. Emprt von dem Glcke des Helden
  Von Trentschin, entboth er zu sich zweitausend der Reiter:
  Ha, so sprach er, was sollen wir hier, mit den Deutschen verbndet,
  Nutzlos opfern das Blut, da jngst den lohnenden _Woldan_[3]
  Wie er den Raubritt hie, uns grausam der Kaiser verwehrte?
  Auf, wir zieh'n nach Gn, den tapferen Iwan[4] zu retten,
  Den jetzt Bertholdsdorf, der Kammerer, strmend, bedrnget,
  Innen im Raum der gewaltigen Burg! Wir entsetzen die Festung
  Schnell mit wrgender Faust, und erlsen den tapferen Grafen:
  Dann soll Oestreich bald, verheert, und geplndert, mit Schrecken
  Schau'n von nah' und von fern aufflammende Drfer und Stdtchen;
  Aber wir kehren, beschwert mit reichlicher Beute, zur Heimath.
  Laut aufjauchzten sie ihm, nach Beute begierig, und zogen
  Schnell g'en Heunburg fort, der Donau Fluthen hinber,
  Ueber die Brcke, die Albrecht jngst erbaute mit Sorgfalt;
  D'rauf gewahrten sie bald den Neusiedl-See, und die Mauern
  Oedenburgs, und eileten rasch nach den Hhen von Gn hin.

    Doch schon hatte der Kaiser, vereint mit seinen Erwhlten,
  Mit vorschauendem Blick des Angriffs Weisen erwogen;
  Manchen erforscht, und dem Forschenden gern mit wrdiger Sanftmuth
  Klaren Bescheid ertheilt: bis all', einmthig, ihm Beifall
  Zollten; die Ordnungen, Zahl,
              und die Stellung der Vlker im Schlachtfeld
  Jeder gar trefflich fand, und jeglicher Zweifel entfloh'n war.
  Siehe, nun scholl des Rosses Huf von der Strae herber.
  Jene horchten erstaunt; da sprach, sanftlchelnd, der Kaiser:
  Alle vermiet ihr hier nur ungern Hugo von Tauffers,
  Jenen gewaltigen Greis, bei'm herzerheiternden Sptmahl.
  Wahrlich, viel erduldet' er jetzt, in der engenden Festung
  Mig zu steh'n, der stets im Gemenge der eisernen Waffen
  Rasch vortummelt das Ro, und allwrts ist, wo Gefahr drut!
  Ich entboth ihn in's Feld, dem jngst verwundeten Helden,
  Ortenburg, vertrauend die Vest', und er folgte dem Ruf bald.
  Als er's sprach, da trat der muntere Greis in das Zelt ein;
  Grte den Kaiser zuvor, und den blhenden Knig der Ungern;
  Dann die tapferen Helden umher mit feurigen Blicken,
  Setzte sich hin, und begann: Frwahr, ich whnte: verrosten
  Mte mein tchtiges Schwert in der dunkelen Scheide fr immer,
  Und ich daheim Geschriebenes nur aus dem Munde des Mnchleins
  Hren: von Thaten des Kriegs und euern errungenen Lorbern!
  Aber als gtigen Herrn erwies dem alten Gesellen
  Haug der Kaiser sich stets: sein dacht' er auch jetzo mit Huld nur.
  Kaduscha sah ich zuvor an der Spitze des reisigen Volkes
  Treulos flieh'n; er gab, hohnlachend, den kurzen Bescheid mir:
  Iwan weih' er sein Schwert; euch wnsch' er Glck in dem Siegslauf.

    All' aufhorchten mit Staunen dem Wort; doch glhendes Roth fuhr
  Jetzo mit wechselndem Wei in die Wangen des Knigs von Ungern,
  Und ihm blitzte der Zorn aus den halbgeschlossenen Augen;
  Dennoch besann er sich schnell; both dann die Rechte Matthias
  Von Trentschin, und sprach: Du sey des Heeres Gebiether
  Mir hinfort! Obgleich vom Geschlechte der Kunen geboren
  Mir die Mutter ward; ich die Liebe des Kun's aus der Brust ihr
  Sog als wimmerndes Kind, und, zum Jngling gereift auf dem Todbett
  Noch ihr schwur auf die pochende Brust: so will ich den, Unger,
  Reuig erwgend die Schuld der dauernden Geistesverblendung,
  Vorzieh'n jetzt dem Treulosen, der mich verlie, und nicht schmhen
  Frder das edlere Blut des throngebornen Erzeugers.
  Jener erhob sich mit Wrde vor ihm, und beugte die Scheitel,
  Schweigend, zum Dank. Doch, als im schlachtentscheidenden Kriegsrath
  Fr den bald aufdmmernden Tag Alljedes besorgt war,
  Sa der Kaiser im Heldenkreis' bei dem frhlichen Nachtmahl
  Heiteren Blicks, und sprach, umschauend, zu Diesem und Jenem:
  Lat euch Lagerkost, ihr Herrn, gengen: fr jetzt noch
  Sind der Gerichte nicht viel', doch wrze die wenigen Frohsinn!
  Lautes Gemurmel erscholl in dem Zelt. Geschftige Diener
  Reichten die Speisen herum: das dampfende Mu, aus dem Vorrath
  Zartesten Mehles gekocht; dann wildes und zahmes Geflgel,
  Wohlgebraten am Spie mit dem Rcken des jhrigen Rindes,
  Und, zum krftigen Brote zuletzt, der Sitte geziemend,
  Goldenen Honigseim, wie solcher dem Deutschen ersehnt war.
  Andere trugen die Fluth des kstlichen Weins in den Krgen
  Freundlich herum, und fllten den Bauch der rumigen Humpen,
  Die vor jeglichem Gast', aus schimmerndem Erze getrieben,
  Standen, nach Herzenslust bei dem Nachtgelage zu trinken.
  Lauter und feuriger ward das Gesprch, und bewegter das Kriegszelt.

    Aber der Kaiser sah mit lchelndem Wink nach dem Ritter
  Mller, dem Zrcher, der im Kreise der Frhlichen, immer
  Heiteren Scherzes gedacht', und jetzt zu Friedrich von Nrnberg
  Also begann: Herr Burggraf, sprecht: wie war's denn vor Basel
  Mit dem Gelehrten, da Ihr ihm Habsburgs Pfennig nicht gnntet?
  Jener kndete nun mit hocherrthenden Wangen:
  Wie in dem dauernden Kampf vor Basel dem edelen Ritter,
  Rudolph, both sein Werk: Von den Kriegen der Rmer und Deutschen--
  So auch des Feldherrn Wissenschaft ein Gelehrter aus Straburg;
  Jener ihm schnell ein Goldstck gab mit der goldenen Kette,
  Die von dem Hals ihm hing, und d'rauf, voll Gier, in den Bchern
  Bltterte; wie er -- der Schwester Sohn, ihm solches verwiesen,
  Da viel Geldes das Volk ihn kostete, viel auch der Kriegszug
  Fortan heischt'. Ach hrt, so erzhlt' er dann, wie mich Rudolph
  Schalt! Der herrlichste Lohn, so sprach er, gebhrt dem Gelehrten,
  Der hochrhmliche Thaten beschreibt, und im Herzen den Muth weckt,
  Sie zu vollbringen dereinst. Er se wohl selber mit Freuden
  Ueber den Bchern, so ihm nicht die Zeit ermangelte; lieber
  Spendet' er auch sein Gold auf ihn, der, dauernden Mhens,
  Solche Schtze gehuft, denn auf manchen untchtigen Krieger.[5]
  Wahrlich, so fiel ihm Mller in's Wort, kein wankendes Schilfrohr,
  Das sich im Hauche des Windes bewegt, gewahrten die Gegner
  Jemals an ihm, denn hrt: der Regensberger vererbte
  Auch an den Kraft von Toggenburg, der seines Geschlechts war,
  Unvershnlichen Ha g'en Habsburg. Feindlich umringten
  Wir mit erlesenem Volk dort Uznach, die ragende Felsburg,
  Und ein Krachen begann alsbald: denn laut und unzhlbar
  Flogen die Felsen nach ihr, von des _Antwerks_[6] mchtigem Wurfbaum
  Hingeschnellt, das Ermel in Roth, der treffliche Meister,
  Sinnig zu bauen, verstand. Auch die _Katzen_,[7] mit Erde bedecket,
  Rasteten nicht, stets nher den Mauern gerckt, und die Krieger
  Schirmend vor Feindesgescho, die im Sonnenlicht und im Nachtgrau'n
  Schwangen die furchtbare Wucht des mauerzertrmmernden Balkens.
  Hundert Fu aufragte der Stamm des mchtigen Eichbaums,
  Den der Meister sich whlt', und mit Eisen die Stirn' ihm bewehrte.
  Donnernd schlug er die Wand, von krftigen Kriegern geschwungen.
  Endlich rckten wir auch mit dem _Ebenhoch_[8] an die Zinnen:
  Schleudernd von ihm zermalmende Blck' in die Mitte der Felsburg--
  Auch mit Schwefel und Harz erfllete, brennende Kugeln.
  Doch ereilt' uns d'rauf der grimmige Winter: verderbend
  Hielt sich die Burg sechs Monden schon mit erlesenem Streitvolk.
  Viele begruben wir dort der Unseren; viele vermiten
  Wir an dem Morgen oft, die feig entwichen bei Nachtzeit;
  Doch nie wankte noch Rudolphs Muth. Da warfen die Gegner
  Lebende Fische heraus in das Lager, als spotteten sie noch
  Seiner Gewalt. Er rief: Ermannt euch: unser ist Uznach!
  Also geschah's. Er drang bei Nacht mit wenigem Volk nur
  Ein durch den Mauerbruch, und erffnete herzhaft das Thor selbst.
  Unserm wrgenden Schwert' erlagen die Gegner, und alsbald
  Fiel auch die Burg, zerstrt, auf den Wink des Helden von Habsburg.

    Laut umtnt' ihn einhelliger Ruf: Hoch lebe der Held uns!
  Doch nun sah ihn zugleich der blhende Knig der Ungern
  Traulicher an, und sprach: Stets bist du wohl glcklich gewesen?
  Denn ein heiterer Geist wohnt dir in den freundlichen Augen.
  Jener begann: Nicht also: denn vieles erduldet' ich seither,
  Ander'n Sterblichen gleich, im wechselnden Laufe des Lebens;
  Leidengebt erkenn' ich das Ma auch der hrtesten Leiden
  Anderer; doch, ich lernete dem, was ber uns waltet,
  Frhe mich fgen; hab' treu an des Heilands Lehre gehalten,
  Die uns gewi, denn einzig wahr, hienieden und jenseits
  Leitet zum dauernden Glck. Mit Dank geno ich des Guten;
  Setzte dem Schlimmen ein Ziel durch Geduld;
              stets ehrt' ich die Wahrheit;
  Meine Wege befahl ich dem Herrn, und schau' in des Grab's Nacht
  Ruhigen Blicks: mir winket aus ihr das ewige Lichtreich.
  Sagt' es, und sah, bewegt, nach Albrecht, seinem Erzeugten,
  Der an den Lippen des Vaters hing, und weinte, hinber.
  Stiller wurd' es im Zelt, da rief mit umschallender Stimme
  Lichtenstein: Was soll uns der Ernst bei der frhlichen Mahlzeit?
  Morgen ruft uns die Schlacht mit donnerndem Laut', und des Frohsinns
  Jubel verhallt. Wer kehret, wer nicht? We' Sitz an dem Tisch hier
  Leer ist bei'm knftigen Mahl: das steht uns zum Glck noch verborgen;
  D'rum genieet des Augenblicks, eh' er schwindet auf immer!
  Soll die herrliche Fest des Sngers ermangeln? Er harret
  D'rauen nur eures Winks: der gemeinsamen Freude gedacht' ich.
  Sage mir an, sprach Rudolph jetzt, we' Landes und Volkes
  Rhmt sich dein Snger? Bekannt sind mir die Weisen der Meister:
  Denn mir waren sie stets ersehnete Gste; so mancher
  Wallte zur Habsburg hin, und geehrt ging jeder von dannen.
  Gierig horcht mein Ohr den zaubergewaltigen Mnnern:
  Denn mit frischerem Grn bekleidet ihr Sang in dem Winter
  Selbst, den entbltterten Wald, und mit Frhlingsblumen die Matten,
  Die der herbstliche Wind versengt': auf den nebligen Himmel
  S't er glnzende Stern' umher, und weckt in des Menschen
  Fhlender Brust, gar mchtig die Ahnung der schneren Zukunft,
  Der hier unter dem Druck der Gegenwart, wie erstarret,
  Ach, nach jener, so oft, mit inniger Liebe sich sehnet!
  Eilt, und fhrt ihn herein den werthen Gast bei dem Mahl hier.
  Jener eilte hinaus; dann kehrt' er, und sagte dem Herrscher:
  Nicht unrhmlich bekannt ist Hornecks[9] Name, des Sngers,
  Der aus der Steyermark entspro, und in blhender Jugend
  Fort nach Deutschland zog an den Hof des wrdigen Bischofs,
  Werner von Mainz, wo ihm Rotenburg zum Meister geworden.
  Aber ihn drngte das Herz: ein redlicher Hirte der Schflein
  Seines Heilands zu seyn, und er weidete solche mit Sorgfalt,
  Jahrlang, bis ihm die Feder zugleich und das Siegel der Bischof
  Wieder vertraut'. Er starb, und Horneck kehrt' in die Heimath:
  Erst dem Snger des _Frauenbuch's_,[10] de' Sohn ich mich rhme,
  Sich zum Frommen zu weih'n: dann mir, als jener gestorben:
  Denn mit unsglichem Flei, in zierlichem Reim die Geschichten
  Schreibend, folgt er mir treulich nach im Krieg' und im Frieden.
  Doch nun trat im langen Talare der heilige Snger
  Leise herein. Er trug die tnende Harfe mit Vorsicht
  Unter dem Arm, und grte die Schar -- vor allen den Kaiser
  Tief, und mit innigem Blick'. Erstaunt besann der Beherrscher
  Deutschlands sich. Ihm schien: als htt' er ihn frher gesehen;
  Nur vom lastenden Alter gebeugt, und ergrauet an Haaren
  Stand er, ein Fremdling, vor ihm. Da lie er mit freundlichen Mienen
  Auf den niedrigen Stuhl am Zelteingange sich nieder;
  Langte die Harfe hervor, und fuhr mit flchtigen Fingern
  Ueber die Saiten dahin, die herzerschtternden Lautes
  Tneten. Still ward's d'rauf in dem Zelt, und es stockte der Odem
  Allen umher in der Brust, da er jetzt den feierlichernsten,
  Heiligen Sang begann im Klange der bebenden Saiten:

    Laut erbrauset der Sturm, und jagt tiefhangende Wolken
  Ueber die finsteren Berge hinaus. Der laubige Hochwald
  Trieft, der Giebach rauscht, vom dauernden Regen geschwollen.
  Sieh', dort ruhete nun, aus dem Sattel gestiegen, ein Ritter,
  Nach ermdendem Weidwerk aus. Von dem heiteren Antlitz
  Strahlt ihm der Heldenmuth -- aus den blulichen Augen die Wahrheit,
  Liebe, und Treu'. Er sah in die Fluthen: sie saus'ten, und braus'ten,
  Eilten im Fluge dahin, und er dachte des fliehenden Lebens.
  Aber der Rappe scharrt; laut winselt der gierige Schweihund:
  Denn kein Wild auftrieb er im Forst, und der Ritter erhebt sich
  Heim zu zieh'n in die Burg, wo sein die Liebenden harren.
  Jetzt erreicht Geklingel sein Ohr. Von dem finsteren Wald her
  Naht dem Ufer ein Priester des Herrn: im schimmernden Chorrock,
  Und mit goldener Stol' an der Brust, nachschreitend dem Mener
  Eilig, das Engelsbrot zu dem sterbenden Manne zu tragen.
  Doch jetzt schaut er, voll Angst, umher: denn siehe, der Giebach
  Schwemmte den Steg aus dem Grund', und drben aufjammert die Hausfrau:
  Hrbar poche der Tod an der Thr', und es lechze der Gatte
  Nach der Labung, die ihn auf die Reis' in die Ewigkeit strke.
  Schnell entblt' er die F' an des Ufers felsigem Abhang,
  Dort die rauschende Fluth khn durch zu waten, entschlossen.
  Aber der Ritter kam in Eile herber, und both ihm--
  Erst anbethend den Heiland der Welt, das gesattelte Reitro
  An zu heiligem Dienst, und kehrte, vergngt, zu den Seinen.
  Als der Abend sank, und die Welt in rosigen Schimmer
  Hllete, sieh', da fhrte der Priester das Ro an dem Zgel
  Ueber den Burghof her, und sagt' es dem Ritter mit Dank heim!
  Aber er sprach: Was dnkt dich? Nein, nicht diene die Reitpferd
  Frder zu schndem Gebrauch, das meinen Erlser getragen:
  Denn nun sey's der Kirche des Herrn mit dem Feld' an dem Weiher
  Frei geschenkt, da hinfort kein Wildbach mehr auf den Pfaden
  Jenes unwirthbaren Raums, in dem heiligsten Amte dich hemme!
  D'rauf der Priester begann: So vergelt' es dir Gott, der Erbarmer,
  Edeler Herr, was du mit erbarmendem Sinn an dem Diener
  Seiner Kirche gethan: stets mg' es dir glcklich ergehen!
  Ha, mir sagt es der Geist, und ich irre nicht -- sey die Geheimni
  Dir in den Tiefen des Herzens bewahrt: dir zieret die Scheitel
  Wrdig dereinst die Krone des heiligen, rmischen Reiches!
  Herrschen wird dein Geschlecht auf dem herrlichsten Thron'
              in die Zukunft
  Endlos hin. Dein dauernder Ruhm erfllet den Erdkreis!

    Endete so: da sah'n zugleich die versammelten Helden
  Staunend, dem Kaiser in's Aug', und erkannten des Grafen von Habsburg
  Fromme That enthllt, die er stets verschwiegen voll Demuth.
  Aber er strzte herbei, und drckte mit heier Umarmung
  Lange den heiligen Greis an die Brust; dann rief er bewegt so:
  Wahrlich, du bist's, Ehrwrdiger, der an dem rauschenden Giebach
  Mir mit dem Herrn erschien, dort Glck und Segen zu spenden!
  Mge die ewige Huld dir hier und dort ihn vergelten!
  Jener beugte die Stirn' auf Rudolphs Hand, ihm die Thrnen
  Bergend, und wankte hinaus in dem einsamen Zelte zu ruhen.
  Auch die Helden, gesammt, enteileten: denn an des Morgens
  Tod- und lebenentscheidende Schlacht ermahnte der Kaiser
  Sie mit erglhendem Aug': O denket, so sprach er, des Morgens,
  Der uns im eisernen Felde vereint. Im Sieg' ist die Freiheit,
  Wohlfahrt, Ruhe und Glck viel Tausender: denket des Sieges!
  Aber erschtternd braust' ein Ruf aus dem Munde der Helden:
  Ha, wir gedenken mit Gott zu erringen den Sieg in dem Blutfeld!

    Tief verstummte das einsame Zelt. Mit sinnenden Blicken
  Ging der Kaiser umher; dann sa er wieder, und dachte
  Noch des wechselnden Glcks der Sterblichen -- sah mit Ergebung
  Himmelempor, und entschlummert' im Schimmer der Lamp'
              auf dem Lehnstuhl.
  Aber nicht lang, da fuhr er, bewegt, zusammen (nicht wacht' er,
  Schlummerte nicht) ihm stand, verklrt in himmlischer Schnheit,
  Hartmann, der liebende Sohn, vor den nachtumhlleten Augen,
  Blickte lchelnd ihn an, und sprach: In dsterem Zeitraum
  Schieden wir, mein Vater! Mir ward auf dem irdischen Dornpfad
  Jammer zu Theil, und ich weinete still: nicht gewahrend der Vorsicht
  Mildumschlingende Hand, die allein zum lohnenden Ziel fhrt.
  Ha, nun steh' ich am Ziel! Gels't, und in himmlischer Klarheit
  Liegen des Lebens Rthsel vor mir; versiegt ist der Thrnen
  Bitterer Quell', und es jauchzt die entfesselte Seele vor Wonn' auf.
  Vater, traure nicht, wenn die Todesbothen dir knden:
  Hartmann starb in den Fluthen des Rheins: im rhmlichen Streben,
  Retter zu seyn Unglcklicher! Schon ist die sterbliche Hlle,
  Die ihn umgab, in dem Baseler Dom zu Grabe getragen,
  Wo ihm ein Denkstein wird, auf immer zum ehrenden Zeichen.
  Traure nicht. Ich, und die Mutter -- wir harren dein in Gefilden
  Ewigen Glcks, bis treuerfunden am Ziel, wo entscheidend
  Sinket die Wag', und steigt, auch du, vor unsglicher Wonne
  Jauchzend, die Deinen ersiehst in seliger Wiedervereinung.
  Denke der Alpenhh'n, des Greises, und frommen Gelbdes,
  Wenn in umdrngender Schlacht die Hoffnung des Sieges dir schwindet!
  Rudolph fuhr von dem Stuhl'. Er whnte den fliehenden Schimmer
  Noch an der Decke des Zeltes zu schau'n, und zitterte, starrend
  Hin, den Gesichten der Nacht.
              Dann rief er: Ein furchtbarer Traum war's:
  Furchtbar und himmlisch zugleich!
              Mein Hartmann lebt, und mich tuschte
  Nur der Lamp' aufflimmerndes Licht. O Herr, du bewahr' ihn!
  Sprach so; streckt' auf dem Lager sich aus, und entschlummerte wieder.

    Aber nicht herrschte die Ruh' und des Herzens Frieden in Ottgars
  Zelt: denn eben kehrt' er zurck aus dem finsteren Eichwald
  Gtzendorfs, und er whnete noch: die Schrecken der Hlle
  Rauschten hinter ihm her, im Gezisch' unseliger Geister.
  Furchtbar rollte sein Aug', und seine geffneten Lippen
  Zitterten. Doch nun warf er das Schwert auf den drnenden Tisch hin,
  Lie sich nieder, und starrte mit dsterem Blick' in des Oehldochts
  Flimmernden Schein. Er eilte zuvor dem waldigen Thalgrund
  Gtzendorfs, im Grauen der Nacht, allein, und dem Heerweg
  Fern' auf dem schnaubenden Ro entgegen: des dunkelen Schicksals
  Ruf noch einmal dort an dem schauerumflossenen Eichbaum,
  Dem die Bewohner des Dorfs nur mit Angst und Schrecken vorber
  Eileten: denn stets scholl Gezisch um ihn her, zu vernehmen.
  Dorthin bannt' erst jngst Drahomira, voll hllischer Arglist,
  Einen tuschenden Spuk, zu verlocken den finsteren Ottgar,
  Der um die Mitternacht hinwanderte, Gott zu versuchen.
  Als er rasch auf den Baum losdrang, da trat ihm sein Engel
  Unsichtbar in den Weg, und rief an das Herz ihm die Warnung:
  Wie, Verehrer des Herrn des Weltalls, Theuererls'ter,
  Willst du dem Vater der Lge dich weih'n -- die unsterbliche Seel' ihm
  Selbst verschreiben zum Pfand fr trugverhllende Zeichen?
  Kehre zurck; bereue die Schuld des entflohenen Lebens.
  Mild erbarmt sich der Herr des Reuigen: eil' ihn zu shnen!
  Ottgar horchte bestrzt: denn zorngertheten Blickes,
  Sah der Unsterbliche jetzt nach dem Baume hinber, und alsbald
  Floh'n die finsteren Mchte davon. Ihr wildes Gezisch scholl
  Laut um ihn her: er wandte das Ro, und im brausenden Eilflug
  Kehrt' er heim in das Zelt, von Angst ergriffen, und Schauder.
  Als er dort beim Scheine der mattaufflimmernden Lampen,
  Sinnend, sa: da scholl ein Getrab anstrmender Rosse
  Nher. Nicht lange, so stand Kunegunde, mit flammenden Blicken
  Schauend, vor ihm, und sprach: Hast du die verhllete Neigung
  Deiner so theuren Tochter dir, zu dem herrlichen Jngling,
  Wallstein, frher gekannt, der jngst in's eigene Schwert sank,
  Und ihr Herz verwundet im Zorn? Nie siehst du sie wieder.
  Hedwig entfloh. Aus dem Kloster, ach, der ad'ligen Nonnen
  Drben im Ungerland kam mir die Kunde gesendet:
  Eine Braut des Herrn, will sie in erkorener Stille
  Leben hinfort. Schon hllt ihr die liebliche Stirne der Schleier.
  Schrecklicher, dein Werk ist's: gar viel des Schlimmen erlebst du!

    Ottgar beugte das Haupt, und barg die thrnenden Augen
  Schnell mit den Hnden vor ihr: von dem leise geahneten Schicksal
  Seines theuersten Kindes bewegt. Er bebte, verstummend.
  Doch sie sprach von neuem mit Hohn: Im nchtlichen Grauen
  Komm ich von Drsing heran: denn wer gewahrt' in des Tages-
  Licht nicht die Scham und die heimliche Wuth mir im glhenden Antlitz
  Ueber die Flucht des Bhmenheers -- des tapfersten Heeres,
  Das sein Hort: weh mir, da ich Gattinn dem Feigen geworden,
  Fliehen hie in dem Augenblick des entschiedenen Sieges!
  Weib, halt ein! schrie laut der Emprete, khn und entschlossen
  War ich mein Leben lang, und feig ertrug ich als Gatte
  Nur, die Launen des Weibs, das mir zum Jammer zu Theil ward.
  Ach, die unfriedliche Ehe gebiert die herbste der Qualen!
  Doch fr jetzo hinweg mit eitlem Gezanke. Zu furchtbar
  Drnget der Augenblick: nicht fern ist die Stunde der Schlacht mehr.
  Fort noch heute g'en Prag! Ich sende dir muthige Scharen
  Zum Geleit. Mit dir sey Gott! Kunegunde die Mutter
  Meiner Kinder bist du! Erhabenes liegt in den Worten.
  Halte sie wohl, die theuern! Gar viel ertrug ich des Schlimmen
  Mit Geduld, um die Kindlein: denn mir fehlte der Sohn noch.
  Ha, da vielleicht, so mir die Heimkehr wird aus dem Kriegszug,
  Schnere Tag' uns blh'n! Nur als Sieger siehst du mich wieder.
  Sagt' es, und stand, verwendeten Blicks. Ihr rollten die Thrnen
  Ueber die Wangen herab: denn tief vorahnte sie's: nimmer
  Werde sie ihn mehr seh'n; doch scholl kein freundliches Leb' wohl!
  Ihr von den Lippen; sie ging, und schwang sich auf's Ro,
              von den Reitern
  Dicht umschart, bald Prag, die herrliche Stadt zu erreichen.

    Heftig bewegt, ging Ottgar jetzt im dmmernden Zeltraum
  Auf und nieder, und sann. Schon lngstentflohene Zeiten
  Kehreten ihm, nun lieblich und hell, nun nchtlich und furchtbar,
  Wieder im Bilde zurck, und ach, unendliche Wehmuth
  Fate sein Herz, als dort die dmmernde Helle des Nachtgrau'ns
  Trauergewlk verschlang, und um ihn, verdet, die Welt lag!
  Sthnend streckt' er zuweilen den Arm weit vor, und ersehnte
  Hei, zu entreien dem Grab, was solches im Moder bedeckt hielt.
  Seine Lippen bewegten sich dann, und lispelten Nahmen,
  Ort, und Zeit umher in die Dmmerung. Willigen Herzens,
  Wr' er mit flehendem Wort vor Dem, und vor Jenem gesunken
  Auf die Knie', zu erringen den Wink ersehnter Verzeihung.
  Doch, als Niemand war, der Antwort gab, und auf Erden
  Alles, verstummt, und erstarrt, auf immer jegliches Mitleid
  Ihm zu versagen schien: da hob er die furchtsamen Augen
  Auf zu dem Himmel, und sah durch leis'aufquellende Zhren,
  Zweifelnd, hin, bis jetzt, erschttert, die bebenden Hnd' er
  Faltete; dann, gesunkenen Haupts, auf die Kniee sich werfend,
  Also begann: O Herr, nicht geh' in's Gericht mit mir Armen!
  Ringsum drngt mich die Schuld,
              wie die Fluthen des schwellenden Bergstroms,
  Und einstrzender Berge Gerll. Wo find' ich Errettung
  Einst vor deinem Zorn, Allmchtiger, wo, so dem Schuldner
  Nur vergeltendes Recht, nicht auch Erbarmen zu Theil wird?
  Doch Erbarmen mit mir, das, hart- und eiserngesinnet,
  Ich nicht bt' an den Menschen -- ein Mensch? Erhebe die Hand nur,
  Furchtbarer, straf' mich: denn ich hab' es verschuldet, auf immer!
  Dennoch nimmst du die Shne noch an; barmherzig und gndig
  Bist du, o Herr, wenn reuig das Herz auf der irdischen Bahn noch,
  Schmerzdurchdrungen, sie beut! Noch wandl' ich auf ihr. Im Bewutseyn
  Schrecklichen Frevels, zu dem auf der schwindelnden Hhe des Thrones
  Mich die gefhrliche Macht und der feiggesinneten Schmeichler
  Zauberruf hinri, und des ungebndigten Herzens
  Ehrgeiz, Stolz, und begierliche Gluth stets mchtiger drngte,
  Will ich, lt du mich leben, o Herr, mit reuigem Herzen
  Shnen die Schuld! Wie ich einst des Kreuzes heiliges Zeichen,
  Siegend, zur Ostsee trug, und dort den verwilderten Heiden
  Deines Nahmens Ruhm verkndigte, eifernd fr Wahrheit,
  Tugend, und Recht; wie dort das Herz bei jeglichem Guten
  Hher im Busen mir schlug, und ringsum die heitere Schpfung
  Lchelte, weil in der Brust noch Frieden mir wohnte: so will ich,
  Ein erneuerter Mensch, hinfort dir leben, und wrdig
  Wandeln vor dir, geschirmt von deiner allmchtigen Rechten!
  Ha, der Morgen graut! Ich stehe g'en ber den Feinden:
  Jenem zumal, der mich verhhnete -- mir in dem Herzen
  Glhenden Ha und Rachsucht weckt'. Ich verzeih' ihm: du heischest
  Solches, mein Heiland, von mir zum Gehorsam. Im redlichen Kampf nur,
  Den des Throns erworbenes Recht und die Liebe der Vlker
  Heiliget, will ich ihm steh'n, und anheim dir stellen mein Schicksal.
  Gieb mir den Sieg, Herr! Doch nicht mein -- dein Wille geschehe!

    Aber die Himmlischen feierten nun der unendlichen Allmacht
  Huldausstrahlenden Wink. Auf Erden erglhte das Frhroth.




  Eilfter Gesang.


  Zweifelnd rang der Tag mit der Nacht, und im schauernden Zwielicht
  Ruhte die Erde, noch rings vom holden Schlummer umfangen,
  Als das schreckliche Paar der Meerenberger in's Lager
  Kehrete. Dort an dem Pfad, der, lngs dem duftenden Weinberg,
  Immer hher sich hebt, und erst an dem felsigen Hgel
  Schwindet, von welchem der Rabenstein empor in die Luft ragt,
  Standen die Rachebrder, vereint zu entsetzlichen Thaten,
  Schon drei Stunden lang, und sah'n mit finsteren Blicken
  Bald nach dem Hochgericht, bald einer in's Auge dem andern,
  Das, wie der Blitz aufflammt in dem Nachtgrau'n, fters erglhte
  Vor dem gewaltigen Drang des grimmgesttigten Herzens.
  Aber da sprach der ltere so zu dem jngeren Bruder:
  Siehe, der Morgen graut; schon bin ich gefat, und entschlossen!
  Komm: die Vorhuth harrt, der wir uns entzogen. Und jener
  Sagt', erweicht: Noch ist das Entsetzliche, dem ich erbebe,
  Nicht gescheh'n; noch stehen wir fern dem gekrneten Gegner,
  Den ich zu morden schwur in der offenen Schlacht, in des Tempels
  Heiligthum, und in dem stillen Gemach, wie solches das Glck mir
  Gnstig beut. Bereit ist die Rach', und der schndlichste Frevel
  Heischt sie mit Recht, und doch -- ich knnt' ihm verzeihen!
              Nicht zrne
  Theurer, mir ob dem Wort', er sinkt: ich knnt' ihm verzeihen!
  Wie, so entgegnete jener voll Wuth, das verhateste Wort kam
  Dir von den Lippen: verzeih'n? Sieh' hin nach dem Baume des Fluches!
  Ist er nicht jenem gleich -- vielleicht da die hllischen Mcht' ihn,
  Mir zum Hohn, durch Zaubergewalt herfhrten im Luftraum,
  Weh', auf dem der edelgesinnete Bruder, mein Seyfried,
  Schuldlos litt; das Haupt zu den Fen gebunden, nach dreimal
  Schrecklichen Tagen verblich? Verzeih'n?
              Ich erwrge dich, thust du's!
  Jener verstummte vor ihm, und sie kehrten mit eilenden Schritten
  Wieder zurck zur Heldenschar der erlesenen Vorhuth.

    Drben in Osten entstieg des erd'umrandenden Himmels
  Tiefen, gehllt in Rosengluth, die ersehnete Sonne;
  Aber sie schwand dann bald, von dsteren Wolken verschlungen,
  Wieder, und zeigt' auch heute nicht mehr ihr freundliches Antlitz,
  Bis sie vom Abendthor erreicht das herrliche Ziel sah!
  Schon war drngende Hast und dumpfes Gemurmel im Lager
  Beider Gegner erwacht; schon sprengten die Herolde hierhin,
  Dorthin fort: des Heers Aufstellung den schaltenden Amtnern[1]
  Kund zu thun, wie solche zuvor der Herrscher gebothen.
  Ottgars druende Macht hob weit an dem dunkelen Spannberg
  Sich empor: ausdehnend rechts den mchtigen Flgel
  Bis g'en Weidendorf, und links an die Marken von Drnkrut,
  Also geordnet in sechs Heersulen, dem Feind zu begegnen:
  Hier an das Bhmen-Volk der Sachs und der Bayer, und drben
  Reu' und Pol' an jenes aus Mhren, gereiht, mit den Scharen,
  Kunrings: denn ihm verharrete dort mit erlesenen Kriegern
  Noch zu getreulichem Dienst Hadmar, der ltere; Leutold
  Nur, aufflammenden Zorns, zog jngst mit den Seinen zur Burg heim.

    Aber wie gestern am Wall', zu drei Heersulen geordnet,
  Standen des Kaisers Reih'n entgegen den Reihen der Gegner,
  Und gedachten anjetzt vor dem Kampf, der Beicht und des Buwerks:
  Denn manch tapferer Krieger sprach: Wo weilt in des Heeres
  Ordnung der Seelenhirt, der von dem verirreten Schflein
  Hre die Snden bekannt, und im Nahmen des Herrn es entlasse,
  Ledig der Schuld? Ach, furchtbar wr's, in solcher zu scheiden!
  Bald gewahrt' er den Wink, der ihm das ragende Zelt wies,
  Wo in dem dmmernden Raum, mit niedergehefteten Augen,
  Heiligen Mitleids voll, der Priester des Herrn zu Gericht sa.
  Willig senkten vor ihm auch sonst unwillige Knie' sich
  Jetzt in den Staub, und, segengestrkt, bekannten die Krieger,
  Nicht durch Erdenmacht -- nein, nur von dem Herzen getrieben,
  Was sie gefehlt, und bereut; sie hreten warnende Lehren;
  Hrten erfreuenden Trost, und zuletzt den gttlichen Ausspruch,
  Der sie ls'te, nicht band, auf dem Wege des Heils und Erbarmens,
  Wie es der Meister gelehrt, der Menschen des Himmels Gewalt gab.
  D'rauf, als dort vor jeder der drei Heersulen ein Priester
  Wrdig die Feier des Abendmahls vollendete, traten
  Sie zu dem Tische des Herrn, und empfingen die Speise der Seelen,
  Klopfend die Brust dreimal mit des Kapernaonischen Hauptmanns
  Demuthssinn, der sprach: O Herr, nicht wrdig erkenn' ich
  Mich, da du einkehrst heute bei mir; doch, sprichst du ein Wort nur,
  Wird die Seele gesund! Und mit Freudigkeit stellten die Scharen
  Wieder sich auf in Reih'n, gestrkt in heiliger Andacht.[2]

    Jetzt erwacht' in dem Lager Gets'. Der edele Ritter
  Rief den Knappen herbei, da er sh' nach dem Zaum' und dem Bgel--
  Nach dem Sattel und Gurt: ob jedes dem mchtigen Schlachtdrang
  Haltbar sich wies'? da er selbst den Helm mit dem Riemen am Kinn sich
  Festigte; dann sein gutes Schwert, aus der Scheide gezogen,
  Prfte, die Schneid' entlang, mit sanfthingleitendem Daumen.
  D'rauf noch einmal umwandelnd das Ro mit forschenden Blicken,
  Fat' er hurtig den Zaum, und sagte zu seinem Getreuen:
  Gr' mir den grauenden Vater daheim, so der Vater im Himmel
  Mich in dem Waffengemeng, durchbohrt vom feindlichen Eisen,
  Abruft: bald nachfolgt, vom Alter gebeugt, er in's Grab mir!
  Aber ein Anderer sprach: Merk' auf! So ich niedergeworfen
  Lieg' auf dem Feld', und du kehrst, so bringe der Gre viel tausend'
  Dort der Schwester noch, der redlichen: denn in dem Leben
  Theilten wir Freud' und Leid, vereint von der zartesten Jugend!
  Wieder ein Anderer trat mit dem Knappen beiseit', und geboth ihm:
  Kmmst du vorber die Burg, wo mir, holdselig, das Frulein
  Treue Minne gelobt: oft hast du es selber gesehen,
  Wie von dem Erker sie mir, dem Scheidenden, thrnenden Blickes,
  Nachsah, dann noch fern mit dem schimmernden Tuche mir winkte:
  O so sprich: Treu bis in den Tod ihr weiht' ich das Leben!
  Doch der fromme Gemahl begann mit sinnendem Ernst so:
  Redlicher, kehrst du, des Ritters beraubt, zur rhmlichen Heimath:
  Gre die beste der Frau'n und die holdaufblhenden Kinder
  Alle mit herzlichem Wort! Die so edelgesinnete Gattinn
  Solle mir ja bewahren den Eid, und die munteren Jungen,
  Sorgend mit Mutterhuld, zur Furcht des Herrn auf der Wahrheit
  Hellem Pfad' erzieh'n, da sie Mnner in jeglichem Sinne
  Werden, und wir vor Gott uns wiederfinden in Wonne!

    So bestelleten dort, voll Hast, die gersteten Ritter,
  Vor dem Entscheidungskampf, des ergriffenen Herzens Geheimni.
  Andere sprengten daher, und schttelten Diesem und Jenem
  Freundlich die Hand, leb' wohl! auf immer vielleicht ihm zu rufen.
  Doch die, bundesgesellt, in den schimmernden Reih'n sich erblickten,
  Eineten sich mit betheuerndem Wort' und mit krftigem Handschlag:
  Nahe zu seyn in Gefahr, und zu schtzen der eine den andern.

    Sieh', da ritt, umringt von seinen gewaltigen Feldherrn,
  Nach vollendetem Mahle des Herrn, auch der Kaiser herber!
  Hugo von Tauffers sah des Heers Aufstellung, und sagte:
  Herr, nicht schweigt dein Haug: er kennt den gtigsten Herrscher!
  Heie die Scharen in fnf, nicht in drei Heersulen geordnet,
  Gegen den Feind vordringen im Feld, da die tapferen Krieger
  Jeglichen Volks, entflammt von der rhmlichen Liebe der Heimath,
  Streben den andern zuvor, zu erringen den herrlichen Siegspreis.
  Klug hast du, sprach jener mit Huld, mir gerathen. Des Weisen
  Rath ist besser denn Gold, und des Demants funkelnder Reichthum
  Wiegt ihn nicht auf. So mge das Heer in gesonderten Haufen
  Stehen: um mich die Ritter-Schar und die Vlker aus Deutschlands
  Oberen Gau'n; dann rechts, in zwei Heersulen der Ostmark
  Heldenshn' und der steyrischen Mark, und in zweien, zur Linken,
  Jene von Krnthen und Krain, von muthigen Fhrern geordnet;
  Aber das tapfere Volk der Ungern stehe zur Rechten--
  Jenes der Kunen zur Linken zurck: im entscheidenden Zeitraum
  Vorzubrechen, und dort zu vernichten die fliehenden Scharen,
  Da von der Warte von Ebenthal der mchtige Knig,
  Schauend als Zeuge sein Volk, zum Sieg entflammet die beiden.

    Also geschah's. Noch war der volkvereinenden Fhnlein
  Pracht im Heer nicht enthllt. Die Fahnenjunker entbanden
  Solche dem ragenden Schaft', und sie flatterten jetzt in dem Wind hin,
  Zahllos, buntvermengt, wie im Lenze die Blumen des Feldes.
  Alsbald sprengten die Edeln heran, den Ruhm zu erringen:
  Vor dem Kaiser im Kampf' einher zu tragen die Sturmfahn':[3]
  Oestreichs Demantberg' und Edelgesteine mit Konrad
  Haselau; dann Trautmansdorf mit seinem Erzeugten,
  Ach, dem einzigen jetzt, und auch Capellen mit Heunburg!
  Aber mit freudigem Stolz begann der erhabene Kaiser:
  Werth seyd ihr des Ruhms, des herrlichsten, alle vor allen;
  Doch mein Haselau, der achtzigjhrige Greis dort,
  Heischt ihn mit Recht: d'rum werd' ihm heut die erlesene Stelle
  Oestreichs Siegespanier fr Oestreichs ewige Herrschaft
  In der entscheidenden Vlkerschlacht zu erhh'n, und es steh' ihm
  Lichtenstein, so er dort ermattete, hlfegesellet.
  Tritt, Markgraf von Hochberg, vor, und empfange die Reichsfahn'!
  Albrecht, du, mein ltester, komm, mir die erste der Fahnen,
  Die vor allen, geziert mit dem Bild des erlsenden Kreuzes,
  Aufragt, heut zur ermunternden Schau, in dem Kampfe zu weisen:
  Dicht vor mir in Gefahr und todverbreitendem Schlachtgrau'n,
  Wie du es selber ersehntest jngst, im muthigen Herzen!
  Hochberg hob nun zuerst des heiligen, rmischen Reiches
  Fahne zur Luft, wo schwarz im gelbherschimmernden Feldraum
  Sich der Doppel-Aar, mit Zepter und Krone geschmckt, wies;
  Jene von Oestreich Haselau, ehrwrdigen Anseh'ns,
  Weisend den schneeigen Streif in Leupolds rhmlichem Blutfeld.
  Beide hielten, dem Kaiser nicht fern, zur Rechten und Linken;
  Aber vor ihm hob dann sein Albrecht die heilige Fahn' auf,
  Die in dem grnlichen Feld mit dem Bild des Erlsers geschmckt war.
  Wieder begann er, und sprach vor dem Heere mit leuchtenden Augen:
  Schwarzenberg, nun hin, zu erforschen den Knig von Bhmen:
  Ob er gerstet im Feld' uns heut zu begegnen, gewillt sey?
  Nahe der Vorderhuth, mit den Reisigen wirst du ihn treffen:
  Denn er kennt in Gefahren des Kampfs die unmnnliche Furcht nicht!
  Jener enteilete, wie der fernhinbrausende Sturmwind,
  Der des Staubes Gewlk auf dem Heerweg, wirbelnd, emporhebt.
  Bald annahte der Held dem nahenden Feind', und gewahrte
  Dort an der Vorderhuth, im Kreis' erlesener Feldherrn,
  Ottgars hohe Gestalt, der, herrlichgewaffnet, daherkam:
  Denn er hllte das Haupt in den silbernen Helm, und es wand sich
  Rings um selben, die Kron' aus strahlendem Golde, gezackt, auf;
  Auch der Harnisch und Schild, und am Arm und dem Beine die Schienen,
  Die er sich heute gewhlt, erglnzten von Silber, und druend,
  Warf von des Degens Griff in der Rechten ein rthlicher Demant
  Blitz' umher. So kam er, zum Kampf gerstet, herber.
  Als er den Ritter ersah, da hemmt' er den schnaubenden Rappen
  Rasch mit zorngerthetem Blick; doch jener begann so:
  Herr, du hast den Frieden verschmht: so bieth' ich dir Krieg denn,
  Ich, von Schwarzenberg, des Kaisers gesendeter Herold,
  Krieg auf Leben und Tod, im Nahmen des Kaisers! Er fragt dich,
  Edelgesinnet, zuvor, nach altherkmmlicher Sitte:[4]
  Ob du, gerstet zum Kampf', ihn heut' erwartest im Schlachtfeld?
  Also der tapfere Held. Grimmlchelnd erwiederte jener:
  Bring' ihm die Kunde zurck: ich sey Streit's halber[5] gekommen!
  Sagt' es, und wandte das Ro, im schnelleren Zuge die Krieger
  Vorzufhren zur Schlacht, und zu schrecklichem Feindesgemetzel.

    Schon verkndete Schwarzenberg, der edele Herold,
  Kehrend in Eile zurck, dem Kaiser, da ewige Feindschaft
  Ihm der Knig gelobt, und bald vorstrme zum Angriff.
  Sieh', und kaum entfuhr ihm das Wort, da jagten des Gegners
  Vorderste Haufen herab von dem Hgel; viel tausende folgten
  Bald den ersteren nach, und verdunkelten alle die Hhen!
  Manchem der Krieger, der zum ersten Male des Feindes
  Scharen ersah in dem Feld; noch nie der wrgenden Waffen
  Furchtbaren Schlag vernahm, und empfand in dem Sturme des Angriffs,
  Pochte das Herz in der Brust viel mchtiger: wechselnde Schauer
  Liefen ihm fort und fort an dem Haupt und dem Rcken hinunter,
  Und zu dem Helmdach hob sich oft sein starrendes Haar auf.

    Doch nun ritten im Flug' aus den Reih'n der mittleren Heerschar
  Hundert Jnglinge vor, die aus Zrich, dem Stdtchen, gezogen;
  Stellten dort vor dem Kaiser sich auf, und einer begann so:
  Mchtest du jetzt, erhabener Herr, ruhmwrdiger Sitte
  Denkend, ertheilen den Schlag, der uns den Edeln geselle!
  Ha, nicht soll es dich reu'n, wenn wir vordringen im Schlachtfeld!
  Freudig entblte der Kaiser sein Schwert, erhob es, und sagte:
  Blhende Mnner, wohlan: da ihr edele Thaten verheiet,
  So gescheh' euch nach Wunsch! Hart drngt uns die Stunde: wir schlagen
  Darum euch nur auf den Helm und den Schild, nach edeler Sitte,
  Jetzt im Nahmen des Ein-dreieinigen Gottes zu Rittern.
  Und er fhrte den Streich kreuzweis nach den Helmen und Schilden
  Aller umher. So wurden sie hier den Edeln gesellet.[6]
  Aber er sprengt' im Fluge hinaus vor die glnzenden Scharen;
  Schwang das Eisen, und rief mit lautumschallender Stimme:
  Tapfere, hrt: nun gilt's! Dort nah't in furchtbarer Mehrzahl,
  Unvershnlichen Grolls, der Feind, uns die Lnder der Ostmark,
  Ja, auch die Krone des Reichs, im entscheidenden Kampf zu entreien.
  Aber nicht soll er de' sich erfreu'n. Allmchtig ist Gottes
  Schtzender Arm: er fhrt uns mit allumfassender Vorsicht
  Durch die sonnige Flur und die Nachtabgrnde des Lebens:
  Fest ruht mein Vertrauen auf ihm. So werdet auch ihr jetzt,
  Stark durch Gott, mit unbeugsamer Kraft des endlichen Kampfes
  Schrecknisse siegend besteh'n; den eidverhhnenden Frevel
  Strafen: erringen die langersehnete Ruhe fr Deutschland;
  Grnden der Vlker Glck und euren unsterblichen Nachruhm.
  Ha, und erliegen wir auch, so lat uns erliegen als Helden!
  Eins sey mein, und euer Geschick: ich, Kaiser der Deutschen,
  Leb', und sterbe mit euch auf dem winkenden Felde der Ehren.
  Sieh', und die jauchzenden Scharen entlang aufblitzten die Waffen
  Aller zugleich in die Luft: sie heischten urpltzlichen Angriff.

    Aber auch Ottgar rief entflammende Worte den Seinen:
  Sehet, so sprach er mit grimmigem Blick, schon naht uns des Gegners
  Heersmacht, der so frech uns hhnete, schndliche Tuschung
  Uebend an mir, und an euch: noch bebt mir die Seele vor Schauder,
  Denk' ich's! Doch er be dafr: denn ewige Schand' euch,
  So ihr nicht rchet die Schmach,
              die, gleich, dem Volk' und dem Herrscher
  Bhmens galt. Gedenket der Zeltvorhnge von Kamberg,
  Strafet des Frevlers Trotz. Er brste sich, da ihm die Kunen
  Gestern erfochten den Sieg. Schaut hin nach den rhmlichen Feldern
  Kressenbruns, wo ich Bela's Macht, vernichtend, in Staub warf.
  Ha, noch bin ich der Held, der euch vom Siege zu Siegen
  Fhrete! Fort -- greift an! Dem druenden Aare von Oestreich
  Mge der bhmische Leu' nun weisen die furchtbaren Klauen.

    Also emprten ihr Volk die schlachtgebiethenden Herrscher.
  D'rauf erscholl ringsher Geschrei und Getmmel; die Trommeln
  Wirbelten; laut in dem Sturm erklangen die eh'rnen Drometen:
  Hier die Reisigen, dort des Fuvolks Reihen zum Angriff
  Drngend im Feld', und so, wie ein Lftchen die wogenden Aehren
  Treibt im Kreise herauf und hinab: so bewegte sich hierher,
  Dorthin, wimmelnd, das Heer. Staub flog empor, wie im Mrzmond,
  Wenn der eisige Nord-, dann wieder der brausende Westwind
  Noch den entfliehenden Winter hemmt, und am glnzenden Mittag
  Rieselgewlk aufjagt: da hebt sich im wirbelnden Aufflug
  Hoch in die Lfte der flimmernde Schnee; da schwindet des Himmels
  Sonnige Blue; das Thal, und die ringsaufragenden Berghhn
  Hllt das Gestber in Nacht: so erregte der feindlichen Scharen
  Schlachtanlauf unendlichen Staub in den Saatengefilden,
  Und das Entsetzen schnob aus dem Grau'n des umnachtenden Qualms her;
  Aber nicht anders, wie dann, mit entfesselter Wuth, die emprten
  Strzen aus Westen und Norden zugleich auf den wimmelnden Hafen,
  Wo das Gewsser des Meers, aufbrandend, sich hebt; von den Ankern
  Reisset das Seil, und jetzt, wild an einander geschleudert,
  Mitten im furchtbarn Wogengeheul, am zerschmetterten Schiffsraum
  Kracht der Raum, am Maste der Mast, und, berstend am Kiel hin,
  Donnert das hohle Verdeck, da rings den umuferten Hafen
  Grause Zertrmmerung hllt: so stieen die Heere zusammen.
  Sieh', und seitwrts, weit vom Winde hinbergetragen,
  Legte sich jetzo der Staub in dem Feld: da sah'n sich die Gegner
  Nher in's Aug', und ha, bald traf das Eisen auf's Leben!
  Doch, ach! mute der Kampf fr Rudolphs Helden so schrecklich,
  Und am schrecklichsten noch, fr den einen der Helden beginnen?

    Zamor trieb aus der Vorderhuth die rstigen Schtzen
  Reussens vor in die Schlacht. Sie hatten der tdlichen Armbrust
  Sehne gespannt; den Pfeil in die Rhre des Schaftes geschoben;
  Fest an die Wange gepret den krummgebogenen Kolben;
  Dann im Lauf, nach dem Gegner zielend, das schnellende Znglein
  Losgedrckt: urpltzlich ertnte die Sehn', und erbraus'te
  Fort in der Luft der befiederte Pfeil, nach feindlichem Herzblut
  Lechzend: er traf, und verwundete Ro und Mann in den Scharen,
  Die aus der Steyermark herlenkte der tapfere Pfannberg,
  Und jetzt Trautmansdorf beherrscht: da jener, verwundet,
  Noch im luftigen Zelt des vielerfahrenen Arztes
  Sorge sich fgt: voll Gier, in die Schlachtreih'n wiederzukehren.
  Trautmansdorf ermahnete laut das treffliche Fuvolk
  Und die Reiter zugleich, des vaterlndischen Ruhmes
  Eingedenk', heut' in dem Feld' als mannhafte Streiter zu stehen.
  Freudig gehorchte das Volk,
              und im Sturmlauf ging's an den Feind jetzt,
  Als, von der Armbrust her die befiederten Pfeile geschnellet,
  Zischten. Dicht vorber dem Ohr des unglcklichen Vaters
  Flog ein mordender hin, und verschont' ihn -- den zartesten Sprling,
  Der ihm von zehn-und-vier noch blhete, niederzuwerfen.
  Hinter ihm sank ein Reiter vom Ro'. Er hrt' es, und bebte;
  Aber nicht sah er zurck, und rief des aufstrmenden Herzens
  Angst bekmpfend, noch lauter sein Volk zum Kampf und Gewrg' auf.
  Erdwin war's, der fiel, von dem Pfeil' im Halse getroffen,
  Da in dem Sturmlauf jetzt die Halsberg' sich von der Schulter
  Aufschob. Still, wie die Lilie sinkt, vom Hagel zerschmettert,
  Sank er vom Ro', und, fallend, bath er mit sterbendem Blick noch,
  Da kein Laut sein Geschick dem enteilenden Vater verrathe.
  Trauernd gehorchten dem Wink die raschvorstrmenden Krieger.
  Doch schon drang im beflgelten Ritt sein edler Erzeuger
  Bis in die vordersten Feindesreih'n,
              und schnell, wie der Blitz schlgt,
  Warf sein schrecklicher Arm fnf Schtzen aus Reussen zu Boden.
  Zamor, des Volkes Hort, ersah den Wrger, und alsbald
  Jagt' er heran, den Tod der gefallenen Krieger zu rchen;
  Aber ihm eilte nur muthiger noch der Ritter entgegen;
  Fate noch fester den Griff in die Hand, und hieb mit des Schwertes
  Tdlichem Stahl' ihm die hochgethrmete Mtz' und die Scheitel
  Tief in die Stirn' entzwei, da er strzend vom Sattel hinunter
  Taumelte, laut aufsthnt', und das blhende Leben verhauchte.
  Ach, bald jammert die Gattinn daheim, die, heimlich im Busen
  Ahnend ihr Trauergeschick, dem scheidenden Gatten den Sugling,
  Schlummernd in lieblicher Unschuld wies, und die Knie' ihm umfate,
  Flehend mit Thrnen im Blick, da er doch bei den Seinen verharre;
  Aber umsonst! Ihn rief der ruhmverheiende Heerbann
  Fort in das Feld, und er sank, erwrgt,
              in dem schrecklichen Kampf jetzt.
  Siehe, nicht rastete Trautmansdorf: er drngte die Schtzen,
  Rasch fortkmpfend, zurck', und Blut bestrmte den Boden!

    Fern, vom gehgelten Sand', ersah der Fhrer der Kunen,
  Suhol, der Eber genannt, dem Trentschins Gebiether den Herold
  Sendete: da er ihm eine sein Volk, wie dort in dem Vortrab
  Trautmansdorf vor allen zuerst vordrang mit den Reitern.
  Das emprt' ihm die Brust, und, unbndigen Zorns, wie ihm stets noch
  Jugendlichhei das Blut in dem leichtaufbrausenden Herzen
  Kochte, schwang er sein Eisen zur Luft, und begann vor dem Volk so:
  Seht, dort fechten sie schon, und trnken ihr Schwert mit des Feindes
  Dampfendem Blut', -- erringen wohl auch sich die Beute vor andern,
  Da wir, mig im Hinterhalt, des unsicheren Vortheils
  Harren! Soll denn die Beut' und der Siegsruhm stets nur die Deutschen
  Lohnen im Schlachtengefild? Stets sollen wir jenen zurcksteh'n,
  Eng' in die Ordnung gebannt? Nicht also gefllt es dem Kunen:
  Denn er schwrmt in dem Feld, wie ein brausendes Donnergewitter,
  Frei umher, und erfllt es mit Angst, Verderben, und Jammer.
  Auf, wir wollen hinaus, dem Feind' in die Seite zu fallen
  Mit entsetzenverbreitender Hand! So holen wir Beut' uns
  Selber, und Ruhm wird uns, die Sieger, nur herrlicher lohnen.
  Alsbald gab er dem Rosse den Sporn, und es jagte sein Volk ihm
  Dann im brausenden Flug rasch nach: umschwrmend das Huflein
  Kunrings, und schnellend zugleich von dem weitgehrneten Bogen
  Pfeile, so dicht, da rings sich in nchtliches Dunkel der Luftraum
  Hllete. Bald traf hier, bald dort der befiederte Mordstahl
  Reiter und Ro, und verwundete viel' in der nahenden Kriegsschar;
  Doch als solches die Pfeile verscho, den entleereten Kcher
  Und den Bogen, vereint, mit der Schnur auf den Rcken zurckwarf:
  Da griff's rasch nach dem Sbel,
              und hieb mit Gejauchz' in die Feind' ein.
  Kunring hatte den Speer gesenkt; das unbndige Reitro
  Links gespornt, und rechts, und die wildumschwrmenden Krieger
  Niedergeworfen, bis ihm ihr Feldherr, Suhol, der Eber,
  Seitwrts nahend im Flug, mit dem Sbel die Lenden durchrannte.
  Alsbald sank er vom Sattel herab: die erschrockenen Krieger
  Wichen zurck, und im Feld hin scholl Geschrei und Getmmel.

    Ottgar bebte vor Zorn, da er so, im beginnenden Kampf schon
  Wieder die Gegner im Vortheil sah, und die Seinen im Feld hin
  Flchteten. Sieh', da schwang sich, ergrimmt, der finstere Katwald
  Aus den Lften herab, und rief im Geistergelispel:
  Wehe, du schaust die Deinen besiegt, noch ehe die Gegner
  All' ihr Schwert entblten, und eh' den ragenden Speer sie
  Senkten zum Todessto'! Unglcklicher, willst du noch zaudern?
  Whle sogleich die tapfersten dir aus des Heeres Geschwadern;
  Fhre sie khn selbst vor, zu erwecken den Muth in dem Herzen
  Aller umher: so erringst du vielleicht den herrlichsten Sieg noch!
  Ottgar rief alsbald nach Lobkowitz, schreiend hinber:
  Tapferer Greis, nun vor mit deinen geharnischten Reitern,
  Hier den allentscheidenden Sieg mir heut zu erkmpfen!
  Gro ist der Ruhm, den dieser mir beut; doch grer die Freundschaft
  Noch, und die Liebe, die ich, dein Knig, dankbargesinnet,
  Dir werkthtig bewies seit dreiig entflohenen Jahren.
  Dessen gedenk' anjetzt, und vergilt mir mehr, als die Schuld war!
  Dann entsendet' er dort an Zierotin, und den Herzog
  Bayerns die Herolde: Muth und dauernde Kraft in dem Busen
  Beider zu wecken, und hier entboth er, gewaltigen Ausrufs,
  Selber die Khnsten im Heer',
              und fhrte sie rasch in die Feldschlacht.

    Nicht entging es dem Blick des erhabenen Kaisers, wie tapfer
  Trautmansdorf vordrang, und die strmenden Schtzen zurckwarf:
  Freud' erfllte sein Herz; doch bald versiegte sie wieder,
  Als der Kune so frech, der Willkhr frhnend, zum Angriff
  Flog. Kein Sterblicher hemmte den Fels, der, rollend aus Alphh'n,
  Schneller und schneller herab in das Thal
              mit donnerndem Sprung fleugt:
  D'rum geboth er auch jetzt, den edelen Rittern und Feldherrn,
  Winkend, das Feldgeschrei. Urpltzlich ertnte der Aufruf:
  Gott mit uns! im streichischen Heer', und Praga! zur Losung
  Allentscheidender Schlacht, in dem bhmischen, lauter und lauter,
  Durch drometenden Schall und den Lrm fortwirbelnder Trommeln,
  Und in dem staubumwlkten Gefild traf Reiter und Fuvolk,
  Ritter und Knappe zugleich in schrecklicher Eile zusammen.
  Wie, herstrmend, der Donner rollt, da die Vesten des Erdballs
  Zittern, ritt im Galopp mit den schwergeharnischten Reitern
  Lobkowitz nher, und schlug der Kunen umschwrmende Scharen
  Mordend zur Erd', als Suhol, ihr jngsterlesener Fhrer,
  Sank vor seiner Gewalt, und, entmuthigt die andern entflohen.
  Sieh', auch Trautmansdorf, von den Reitern entblt, und der Unzahl
  Blogestellt, wich nun vor Lobkowitz! Aber dem Leu'n gleich,
  Der, von unbndigen Rden verfolgt, noch hufig sich wendet,
  Und noch manchen zerreit mit den schrecklichen Zhnen: so wies er
  Ihm die muthige Stirn', da er fechtend die Scharen zurckzog.

    Meinhard warf sich zuvor rechts hin auf Heinrich, den Herzog
  Bayerns: denn voll Kraft und verwegenen Muthes im Schlachtfeld,
  Waren die Krieger aus Krnthen und Krain ihm gefolgt, und es strmten
  Oestreichs Tapfere links, gefhrt von dem khnen Capellen,
  Gegen die Sachsen vor, die Mansfeld, furchtbaren Grimmes
  Wrgen heit. Da war, entlang die feindlichen Reihen,
  Schrecklicher Mord, Wehklag', Aufjauchzen und Jammern zu hren:
  Da zu schau'n das Entsetzliche: wie der erbitterten Gegner
  Manche, schon nahe dem Tod, sich im Staub noch, wrgend, umfaten,
  Und das Blut der Erschlagenen, gleich aufschumenden Bchen,
  Wogte hinauf und herab in dem grau'numnachteten Schlachtfeld.
  Bis an des Himmels Gewlb' empor die mittgliche Sonne
  Sich erhob, die heut' ihr strahlendes Antlitz in Wolken
  Hllete, wies die Vlkerschlacht, wie auf strmischer Meerfluth
  Ein entmastetes Schiff, hinauf und hinunter im Kreis' treibt,
  Sich im wechselnden Glck; doch jetzt gelang es dem Helden
  Lobkowitz, rasch vorstrmend im Feld, der mittleren Heerschar
  Obzusiegen. Sie wich nur langsam, und stellte sich wieder,
  Gegen den Feind, erneut, die tdliche Waffe zu fhren;
  Aber mit leuchtendem Blick und muthgertheten Wangen,
  Sprengte der Knig das Ro von Reihen zu Reihen. Er schalt, bath,
  Und bewegte sein Heer noch eilender vor in dem Blachfeld.
  Jetzo hinan, so rief er, und schrie, da die Vlker erbebten,
  Jetzo nur muthig hinan: denn Ottgar fhrt euch als Sieger!
  Seht, wie Jene vor euch entflieh'n; fort, schmettert sie nieder!
  Also braus'te das Wort, emprend, ihm von den Lippen.
  Wie den nchtlich umwthenden Brand, der viele der Huser
  Schon vernichtete, noch das Volk zu bewltigen hoffet:
  Denn still ruhen die Lft' umher; doch pltzlich erhebt sich
  Ein feindseliger Sturm, und unaufhaltsam hinunter
  Wlzt sich von neuem der Strom des empreten Feuers: so strmten
  Ottgars Vlker dahin, und drngten die Gegner im Blachfeld,
  Immer rascher und rascher zurck. Ein Krnchen Gewichts mehr
  Auf die Schale des Leu'n, und den himmelannahenden Rumen,
  Seinem erkorenen Reich', entsank der Adler auf immer.

    Rudolph sah des Augenblicks kurzdauernden Zeitraum
  Lang, bestrzt, umher, und ihm dunkelten nchtlich die Augen.
  Deutschlands Ruh', und des Reiches Wohl,
              dem, herrschend mit Thatkraft,
  Er sich geweiht, ersah er von neuem gefhrdet, und allwrts
  Wieder entfesselt die Wuth der grau'nverbreitenden Willkhr;
  Doch bald schwang sich sein Geist aus der Erdennacht in des Himmels
  Ewiges Lichtreich auf, wo ein mchtiger Helfer ihm lebte.
  Schnell verlie er den Sattel, und lag auf den Knieen im Staub dort,
  Laut aufrufend vor allem Volk mit gefalteten Hnden:
  Ewiger, komm' uns, errettend, zu Hlf'! Ach, wende die Augen
  Nicht von uns ab: denn nicht entzndeten, frevelnden Muthes,
  Wir den blutigen Streit: nur unvershnlicher Rachgier,
  Und zermalmender Wuth steh'n wir, abwehrend, entgegen!
  Gib uns den Sieg! Ein Gelbd lebt mir, erhebend, im Herzen:
  Denn ich schaue dein Heil, wie der erste der christlichen Kaiser,
  Huldausstrahlend, vor mir: des weltvershnenden Kreuzes
  Heiliges Zeichen, in dem ich den Sieg erringen, und dankbar
  Ihm, zu verehrendem Dienst, fr immer und ewige Zeiten,
  Stiften ein Gotteshaus, und zu ihm versammeln die Jungfrau'n
  Werde zu Tulln, am Ufer der freihinrollenden Donau.
  Sey dem Gelbd von dir, Allmchtiger, Huld und Erhrung!
  Als er's rief, da fuhr ein leuchtender Strahl aus den Wolken,
  Und erfllt' ihn mit Muth und Freudigkeit. Sieh', auf dem Lichtstrahl
  Schwebt' ein Engel daher, und hie die Scharen der Geister,
  Welche die Schlacht herab aus dem Uebersinnlichen lockte,
  Flieh'n, da keiner im Kampf sich den Gegnern als Helfer erweise!
  Alle gehorchten, und sah'n, umher in den Wolken sich lagernd,
  Noch voll Gier auf die Streiter herab; nur einer aus allen,
  Marbod, stand, und sann den Worten des bethenden Kaisers
  Trauernd nach. Da erklang urpltzlich ein Ruf aus den Wolken.
  Ha, sie rissen entzwei: Erwine, die liebende Gattinn,
  Sank ihm, weinend vor Wonn', an die Brust.
              Sie entschwebten des Erdballs
  Dunkeln Gefilden, vereint, auf dem Sirius, der in dem Sternreich
  Herrschet, im Lauf des vom Ewigen nur ermessenen Zeitraums,
  Huldbeglckt, und des Erdenjammers vergessend, zu weilen.

    Aber mit leuchtendem Blick' erhob der Kaiser der Deutschen
  Sich von dem Staub': ein Strahl der himmlischhohen Begeistrung
  Glnzt' in ihm, und auf seinen gertheten Wangen. Betroffen
  Staunten die Krieger ihn an; doch all' aufjauchzten mit einmal,
  Als er das schnaubende Ro vortummelte, dann mit dem Schlachtschwert
  Auf den nahenden Feind hinwies, und, ermuthigend, ausrief:
  Gott ist mit uns! Eilt jetzt, gleich loderndem Feuer im Saatfeld,
  Gegen den Feind; vertilgt ihm schnell die Haufen, und schafft mir
  Heut' unendlichen Ruhm, da ich euerem Muthe vertraute.
  Euer zugleich ist der Ruhm und der Dank noch sptester Nachwelt:
  Denn wir kmpfen fr Deutschlands Glck, als Deutsche, der Ahnen
  Werth, die, tapfergesinnt, sich nie im Joche des Fremdlings
  Beugeten. Hrt, der Herr ist mit uns, und scheuet den Tod nicht,
  Hier der heiligen Pflicht und des Vaterlandes gedenkend!
  All' entflammte sein Wort: ein jeglicher Mann in den Reihen
  Lechzte vor Gier, schnell vorzudringen im Feld', und zu sterben
  Dort den Tod fr das Vaterland und die heilige Freiheit.
  Aber nach Albrecht sah vor allen sein hoher Erzeuger
  Mit bedeutendem Blick', und freudiger ging er im Schlachtfeld,
  Hoch in der Linken die Kreuzesfahn',
              in der Rechten das Schlachtschwert
  Fhrend, ihm vor. Das Panier von Oestreich, als ihm des Greises
  Arm ermattete, trug der hochgesinnete Kampfheld,
  Lichtenstein, und die Reichsfahn' ihm der tapfere Markgraf
  Hochberg vor in die Schlacht. D'rauf folgten die lteren Ritter
  Ihm mit den Edeln aus Zrch, die, heute zu Rittern geschlagen,
  Khn voreileten. Laut ermahnt' er sie noch mit den Worten:
  Jnglinge, vor, und ahmt die Tapferen, die sich schon frher
  Als die Meister im Feld' erprobten, jetzt in dem Kampf nach!
  Jen' entgegneten jauchzenden Rufs: Wir halten dir Wort, Herr!
  Und entfloh'n. Doch schnell vorstrmten die muthigen Scharen,
  Die sein Erzeugter ihm warb in den rheinischen Landen, in Schwaben,
  Und in dem Schweizerland, und die vor allen gewaltig,
  Altgedient, und in jeder der Kriegsarbeiten erfahren,
  Ihm auch heut' errangen den Sieg in dem Kampf der Entscheidung.

    So, wie der eiserne Keil, vom gewichtigen Hammer getrieben,
  Den mit krftiger Hand im Gehlz aufschwinget der Lhner,
  Krachend, entzwei den Stamm des hundertjhrigen Eichbaums
  Spaltet, da rings umher die Splitter fliegen: so drang jetzt
  Rudolphs raschgeordnete Macht in das feindliche Heer ein.
  Kreischender rief die Dromete zum Sturm; die erregende Trommel
  Scholl ergrimmter, und rings, und berall drngten die Fhrer
  Mit gewaltigem Schrei den Krieger vor zu dem Angriff,
  Da er noch heier entbrenne vor Gier: muthfest und entschlossen
  Niederzuschmettern, was entgegen sich warf in der Feldschlacht,
  Und entsetzlich war das Gewrg' in dem Waffengetmmel;
  Doch, wie ein Felsendamm in dem waldumschatteten Weiher
  Sich entgegenstemmt den Gewssern des thauenden Frhlings,
  Unerschttert und fest: so stemmte sich, eiserngesinnet,
  Ottgar hier dem strmenden Feind' entgegen, und wich nicht.
  Stundenlang fortwhrete schon das tdliche Ringen
  Tausender gegen einander im Feld! Den tapferen Bhmen,
  Die in der Heerschar Lobkowitz lenkt', vereinte der Knig
  Bayerns und Sachsens Macht, und fhrte sie selbst in die Schlacht vor.
  Zahllos lag sein Volk, erwrgt, auf dem Boden; unzhlig
  Warf auch er die Gegner, entseelt, in den Staub, und es ragten
  Von den hundert, zuvor zu Rittern geschlagenen Zrchern,
  Jetzo nur wenige mehr. Wie im hagelgetroffenen Saatfeld
  Einzeln die Halme noch steh'n, die andern bedecken den Boden
  Weit, zermalmt von dem sausenden Eis: so ragten auch hier nur
  Einzeln die Helden noch auf, die aus Zrch gezogen; verwundet,
  Oder todt, verlor sich im Feld das tapfere Huflein,
  Niedergeworfen durch Ottgars Kraft und zerschmetterndes Eisen.

    Doch stets nher kam dem gewaltigen Knig des Todes
  Dunkles Geschick. Bald sinkt er in Staub, all' irdischer Hoheit,
  Macht, und Wrde beraubt, dem rmsten im Heere vergleichbar:
  Denn zu entscheidender That aufboth der Edle von Tauffers
  Nun die Schtzen Tyrols. Er drang im brausenden Schlachtfeld
  Dort mit den khnen entsetzlicher vor, und, nimmer ermdend,
  Spanneten sie die Sehn' an der Armbrust; legten den Pfeil an,
  Zielten, und schnellten ihn fort in die Luft. Unhemmbaren Fluges,
  Saus't er in Eile dahin, und traf stets sicher in's Leben:
  Denn gewohnt ist das Aug' und die Hand tyrolischer Schtzen,
  Mitten in Feindesbrust des Todes Geschoe zu senden.
  Doch nun winkte der Held dem Gebtesten, der in den Gauen
  Rings umher, im _Kreis_- so wie auch _Hauptschieen_ berhmt war:
  Wenn Zielscheiben, erhht vor dem Thor' an festlichen Tagen,
  Manchen des Schtzenvolks aufregeten, stets in der Mitte
  Drben zu treffen, und stets zu erringen das Beste vor allen.[7]
  Martin, so rief er ihm zu, sieh' hin, wie der Knig von Bhmen
  Dort vortummelt das Ro in dem Feld', und unsere Vlker,
  Jenem Unsterblichen gleich, der Pharao's Erstlinge tilgte,
  Niederwirft! Versuche denn jetzt, ob, sausenden Flugs, nicht
  Ein befiederter Pfeil, durch dich geschnellt von der Armbrust,
  Ihn erreicht, und erlegt -- dir Lohn und auch Ehre gewinnet.
  Jener entgegnet' ihm laut: Nicht geiz' ich nach Gold und nach Silber:
  Zierlein nah', und nicht fern dem wunderlieblichen Innsbruck,
  Ruht mein Haus an der Felsenwand, die hoch in die Wolken
  Aufragt, reingezimmert erst jngst, und mit Habe gesegnet;
  Doch so ich heute im Feld den blutgierathmenden Knig,
  Oder sein Ro, mit dem tdlichen Pfeil durchbohrete: ha, da
  Rhmt von der Martinswand mich noch die spteste Nachwelt!
  D'rauf entsandt' er den Pfeil: er durchbohrte dem Rosse des Knigs,
  Sausend, die Brust, da es auf in die Luft sich bumte, des Reiters
  Ingrimm theilend; es sank auf den Rcken, und warf ihn herunter.
  Wildes Getmmel erscholl um den Strzenden. Reisige schwangen
  Alsbald sich vom Sattel herab, vor Gefahr ihn zu schirmen;
  Doch erhob er sich schnell, und ermahnte, besteigend das Streitro,
  Das ein Reiter ihm both, mit donnernder Stimme die Krieger:
  Nimmer zu rasten vom Streit', und den herrlicherrungenen Vortheil
  Rasch zu verfolgen: schon nahe dem Ziel des entscheidenden Sieges.

    Aber im Feld verhallte sein Ruf. Der furchtbare Keil drang
  Vor mit zermalmender Kraft; vordrang, die Fahn' in der Linken,
  Und in der Rechten das wrgende Schwert, des Kaisers Erzeugter,
  Also auch Lichtenstein und Hochberg; also der Ritter
  Glnzende Schar, und, vereint, der tapferen Schweizer und Schwaben
  Siegsruhmdrstende Macht. Doch, als der erhabene Herrscher
  Auch den Trentschiner entboth, mit den khnen, magyarischen Reitern
  Einzubrechen im Sturm in die Seite des Feindes, und Meinhard
  Dort, hier Otto von Meissau, gleich dem tapferen Helden
  Trautmansdorf, ihr Volk vortummelten: siehe, da wankte
  Ottgars Macht. Wie ein Wald an den schwer zu erklimmenden Hhen,
  Losgewhlt aus dem Grund von innenaufschwellenden Wssern,
  Erst nur langsam, nur zitternd sich regt; dann pltzlich zum Abgrund
  Taumelt mit Erd' und Gestein, wild durcheinander geschleudert:
  So, nach gewaltigem Kampf, dem entscheidenden, wankten, und strzten
  Ottgars Vlker dahin; nachbraus'te der Feind, in dem Rcken
  Rastlos wrgend, und st' ergrimmt die Leichen im Feld hin.
  Allwrts war auch das blitzende Schwert des Kaisers zu schauen,
  Und zu vernehmen sein Ruf, der vorwrts drngte die Scharen;
  Dennoch verga er auch, mitten im Kampf, der verwundeten Krieger
  Nicht; er hie mit gebiethendem Wink sie zurck, nach dem Rckhalt
  Tragen, und dort der Sorgfalt kundiger Aerzte vertrauen.
  Aber warum hlt er nun pltzlich sein feuriges Ro an?
  Ach, ein Verwundeter streckt, mit lchelndsterbenden Augen,
  Seine Rechte nach ihm empor, und ruft ihm ein Leb'wohl!
  Matt, doch freundlich noch zu! Sein Mller, der tapfere Held war's.
  Tief, zu den Mhnen des Rosses hinab, sank leise des Kaisers
  Blsseres Antlitz: er sah mit starrendem Aug' in die Augen
  Seines Getreu'n, bis, thrnenumhllt, ihm's dunkelte. Sthnend
  Gab er dem Rosse den Sporn, und flog wie ein brausender Sturmwind
  Dort nun wieder hinaus, wo am lautesten tnte der Schlachtruf.

    Wohlgeordnet, und schnell: denn Lobkowitz deckte des Heeres
  Rcken, voll Heldenkraft mit den schwergeharnischten Reitern,
  Zog sich Ottgar jetzt nach den mittleren Hhen von Spannberg
  Aufwrts, dort dem Feind', erneu't die Spitze zu biethen:
  Denn weit berwog an der Zahl, in dem Waffengemeng schon
  Seine des Kaisers Macht, und siehe, noch stand in dem Rckhalt
  Milota! Laut entboth er vor sich den muthigen Feldherrn,
  Zierotin, und begann: Nicht kam uns zuvor in dem Schlachtfeld
  Milota, selbstvorschauenden Blicks, zu Hlfe. Noch steht er,
  Ungeschwcht, mit der Schar der tapferen Mhrer im Rckhalt;
  Doch jetzt brech' er vor, und fall' in die Seite des Gegners,
  Links anstrmend, da wir zugleich mit vereintem Vermgen,
  Und unhemmbarer Kraft, auf den mittleren Haufen uns werfen.
  Gro ist erst die Gefahr, so er sumt; ihm vertrau' ich: er eile!
  Rief's, und im sausenden Flug fortsprengte der edele Feldherr.
  Aber des Siegers Heer drang Ottgarn nher und nher.
  Wie vom verwundeten Leu'n, so sehr er auch strebt, zu entkommen,
  Sich die lautumbellende Schar gewaltiger Rden
  Nicht mehr fernt; ihn, stets blutgieriger, treibt, und bedrnget,
  Bis er, ermattet, sinkt auf den sandigen Hhen: so lie auch
  Jetzt von dem Knig, im Kampf, nicht mehr der verfolgende Feind ab:
  Denn mit flammendem Muth und unwiderstehlicher Thatkraft
  Eilte, zum Siege gefhrt von dem tapferen Grafen von Nrnberg,
  Schwabens Heldenvolk und der Schweiz gefrchtete Kriegsschar,
  Rasch die Hhen herauf, und wthete dort in den Reihen
  Khnabwehrender Gegner, vereint, mit gesenketen Lanzen,
  Allvernichtend, umher. Entsetzlich erscholl das Getmmel.

    Ottgar sah im brausenden Feld den verhatesten Gegner,
  Rudolph jetzt, voll Grimms, wie er schaltete: Reiter und Fuvolk
  Drngend vor mit gewaltigem Wort', und das furchtbare Schlachtschwert,
  De' Blitzglanz vom Blut nur tapferer Gegner verhllt war,
  Aufschwang -- sah den Kaiser, und Wuth und unendliche Rachgier
  Wandelte schnell sein Aug' in Feuer und Flammen. Er spornte,
  Hemmte sein Ro dreimal, in dem wildumtobenden Schlachtgrau'n
  Ihm die Spitze zu biethen, gesinnt; doch immer ergrimmter,
  Brachen die Gegner heran (nur Lobkowitz stand in dem Kampf noch,
  Gleich dem Felsen im Wogentumult) und zur Linken und Rechten
  Wich sein Volk geworfen, zurck in dem stubenden Saatfeld.
  Jetzo wandt' er das Ro, und forscht': ob Milota vordrang?
  Denn nicht schien ihm verloren der Sieg, so er rasch in die Seiten
  Strmte dem Feind. Doch, ach, was sah er, vor Staunen erstarret?
  Staub flog auf im Gefild', und Milota jagte von dannen!
  Ihm nachbraus'te die reisige Schar, und das mhrische Fuvolk,
  Das er mit tuschendem Wort, dem Knig zum sichern Verderben,
  Erst zu dem Rckhalt zog. Mit verhngtem Zgel, und fernher
  Winkend, naht' auch Zierotin. Ihm folgten am Fu nur
  Zween, der flchtigen Schar sich entreiende Brder: der Hanna
  Fruchtbarem Land entsprossen die Edeln. Der Nahende sprach jetzt:
  Herr, nicht knd' ich es, was dein Auge gesehen -- des Frevlers
  Schnden Verrath! Hohnlachend vernahm der schndliche Mann erst
  Dein gebiethendes Wort, dann rief er mit grimmigen Blicken:
  Eile zurck zu dem Knige, sprich: so rche der Vater
  Seine Tochter an ihm: er fahre denn, fluchend, zur Hlle!
  Also der Rach' allein, nicht des Vaterlandes gedenkend,
  Floh er mit jenen Verrthern davon, die er frher gewonnen.
  Nur die beiden dahier mir eilten zum mchtigen Trost nach:
  Zeigend, da noch in der Brust der Tapferen Ehr' und Gewissen
  Herrlich sich eint, und dir die erlesensten Mnner noch treu sind.

    Ottgar sah nach den Zween mit bewegtem Gemth', und begann so:
  La den Verrther flieh'n. Noch sind die erlesensten Mnner,
  Also sprachst du mit Recht, mir treu. Nicht im dahlenden Frohsinn
  Will das Groe gethan, das Gewaltige, spielend, vollbracht seyn:
  Denn, ein leuchtender Blitz in des Lebens umnachteten Stunden,
  Flammet es auf in der Brust, und wecket den Ernst und die Thatkraft.
  Jetzt umnachtet auch uns die Gefahr; doch la uns, noch khner,
  Dringen hinaus zu dem Tag', und so dort fallen im Licht nur!
  Rief's, und spornte sein Ro, umschauend: ob er zur Linken,
  Oder zur Rechten hinab es wende, die kmpfenden Scharen
  Nun zu gewagter, die Schlacht urpltzlich entscheidender Kriegsthat
  Anzufeuern, und so mit unwiderstehlicher Khnheit
  Festzuhalten das wankende Glck, das sonst ihm getreu war.
  Doch dort floh'n, gedrngt von den Shnen der Steyer- und Ostmark,
  Bayern und Sachsen zurck; hier sank, an der Schulter verwundet,
  Lobkowitz, er, der untad'lige Held, aus dem Sattel, und, schreiend,
  Braus'te das reisige, gleich dem vorgedrungenen Fuvolk
  Bhmens, herber im Feld, durch Meinhards Vlker geworfen,
  Und gedrngt von dem Hort Trentschins, zur Flucht und Verwirrung:
  Da in dem Kern des Heers ihn selbst der edelen Ritter
  Glnzende Schar, und, vereint, die tapferen Schweizer und Schwaben
  Nher und furchtbarer stets bedroheten, horchend des Kaisers
  Schlachterregendem Ruf' in dem wildemprten Getmmel.

    Mansfeld erst, dann Zierotin, die Scharengebiether,
  Jagten herber im Feld', und riefen dem Knig: Entfliehe!
  Aber er sah, voll Wuth, nach den Rufenden; fate sein Schwert noch
  Fester zur Hand, und begann: Wer sprach ein schmhliches Wort aus?
  Nichts von Flucht mir gesagt! Ich lebt' als Knig, und sterben
  Werd' ich als solcher, dem Feinde zum Trotz, auf dem Felde der Ehren.
  Mir nach, wem sie noch werth im rhmlichen Leben und Tod' ist!
  Wie der gewaltige Leu' sich wthenden Tigern entgegen
  Wirft in des Abends Grau'n: die hochaufstrubenden Mhnen
  Flattern mit Sturmes Weh'n um den Nacken ihm; dunkelgerthet
  Funkeln hervor aus den tiefgesenketen Brau'n ihm die Augen,
  Als er naht mit Gebrll, dem so, wie dem rollenden Donner,
  Drnt das Gefild, und peitschend sich mit dem buschigen Schweifhaar
  Beide Seiten, sich selbst entflammet zur Wuth: da erliegen
  Links, rechts ihm, zerschmettert zugleich, die umdrngenden Gegner:
  Also warf sich auch er vor allen den Rittern entgegen,
  Da ihm noch ein', und der andere dort, streichischen Blutes,
  Fiele durchbohrt: denn fest bewahrt' er den Ha noch im Busen.
  Jene, erregt von dem stachelnden Wort, nachjagten ihm brausend.

    Sieh', ihm ritt, tollkhn, der jugendlich blhende Ritter
  Falkenberg, in den Weg, den oft sein strenger Erzeuger
  Heimlich und offen gestraft, ihn zu bndigen; aber vergebens:
  Denn er qulte die Menschen und Thier', und beherrschte des Herzens
  Unmuth nicht, der stets zu gewaltsamen Thaten ihn hinri.
  Ottgar jagte das Ro dem Nahenden seitwrts vorber;
  Schwang sein Eisen, und hieb im Flug mit unbndiger Kraft ihm,
  Sausend, den Helm und die Scheitel entzwei: er strzte zum Boden.
  D'rauf erreichte sein Schwert auf dem Todespfade den Helden,
  Dietrichstein. So schnell, so kundig der Tapfere vordrang,
  Ihn mit gesenktem Speer' aus dem Sattel zu heben, so kam ihm
  Ottgar doch, verderbend, zuvor, und bohrte den Mordstahl
  Ihm durch Harnisch und Wamms in das muthvollschlagende Herz ein
  So, da er lautlos, bleich, entseelt, an dem Rosse herabsank.
  Jammern werden daheim die zartaufblhenden Kinder
  Da er, schon frhe der Gattinn beraubt, ein liebender Vater,
  Oft auf den Armen sie trug, und so mild, so freundlich und gut war.

    Schnell, zu rchen das Blut der Erschlagenen, blitzten auf Ottgar
  Jetzt unzhlige Speere heran. Da brausete pfeilschnell
  Otto von Meissau vor, von dem Herrscher gesendet, und schrie laut:
  Ritter, schont den Gesalbten des Herrn: so geboth es der Kaiser!
  Rief's; doch jener ergrimmte noch mehr, und spornte sein Streitro
  Mitten unter die Schar (zu sterben entschlossen) den heien,
  Glhenden Durst nach Rach' im Blute der Feinde zu lschen.
  Jetzt umgab ihn des Todes Grau'n. Die furchtbaren Ritter,
  Merenberg, die, beide mit nie gesttigter Blutgier
  Nher und nher herbei an die Seite des Knigs sich drngten,
  Sorgend: er beuge sich dort, ein Gefangener, oder er falle
  Andern, nicht ihren, durch Ha zur Rache bewaffneten Hnden,
  Sprengten dicht vor ihn hin; erffneten, schnaubend vor Mordlust
  Ihren geschlossenen Helm, und der ltere rief ihm noch laut zu:
  Sieh', gleich Rachegeistern, vor dir die furchtbaren Brder,
  Merenberg -- ein Nahme, der dich zur Hlle hinunter
  Schleudert! So fahre denn hin, Unmenschlicher, stirb, und verzweifle!
  Ha, und sie bohrten den schneidenden Speer mit wildem Gejauchz' ihm,
  Beide zugleich, in das Herz (ihm fest in die sterbenden Augen
  Schauend) und also, voll Hast, mit stets emprterem Ingrimm,
  Zwlfmal noch in die tapfere Brust, in den Hals, und den Rcken,
  Bis er, von Wunden bedeckt, hinsank, und das Leben verhauchte.

    Wthender flog in dem Feld dem Besiegten das siegende Heer nach;
  Aber vor allen das reisige Volk der Magyaren und Kunen,
  Heute zu einem vereint, und gehorchend dem tapferen Helden
  Von Trentschin, der stets den Flchtenden, mordend, im Rcken
  Lag, und das Land umher mit unzhligen Leichen bes'te.
  Rastlos fort g'en Schrieck; dann weiter und weiter von Asparn
  Bis g'en Laa, der ummauerten Stadt, nachjagten die Ungern
  Ottgars fliehendem Heer', und, wo sie dann der Verfolgung
  Endlich setzten ein Ziel, wird heute zu Tage das Dorf noch
  Ungerndorf genannt: dem Heldenvolke zum Denkmaal.
  Siehe, die Wolken entfloh'n; der Geister unzhlige Scharen
  Brauseten, lautaufjubelnd, davon, und die scheidende Sonne
  Sah von dem Abendthor, verklrt, auf des Sieges Gefild her!




  Zwlfter Gesang.


  Schauerlich irrt durch Nacht und Grau'n ein zitternder Lichtstrahl
  Ueber das schweigende Schlachtfeld hin. Nicht lang', und es folgen
  Ihm unzhlige nach; viel hundert Fackeln erhellen
  Bald die Gegend umher: ihr Schimmer, vom Winde gefchelt,
  Wogt (entsetzlich zu schau'n!) auf den bleicherstarreten Leichen
  Tausender blitzschnell fort, und erfllet die Seele mit Wehmuth.
  Doch wen suchen, voll emsiger Hast, die furchtbaren Mnner
  Jetzo, schreitend umher, in den weiten Gefilden des Todes?
  Ottgarn! Sieh', und bald verkndete drben ein Hgel
  Rings um ihn her erschlagenen Volks, wo er muthig im Kampf sich
  Wehrete, bis er, durchbohrt, den Rachebrdern dahinsank!
  Dorthin wandelte, schweigend, der Zug; die leuchtende Flamme
  Wies ihn: erkennbar leicht, obgleich entblt von des Heeres
  Plnderndem Tro, wie er lag im finsteren Kreise der Leichen,
  Mit den heruntergezogenen Brau'n, und den Lippen, zum Bogen
  Eingekrmmt vor Zorn: denn selbst mit des schwindenden Lebens
  Letztem Hauch, da ihm schon aus dreizehn Wunden das Blut rann,
  Whnet' er noch: er habe gerecht bestraft den Verrther,
  Den so feig, so unedel jetzt die schrecklichen Brder
  Rchten: zur Wuth emprt von der langgenhreten Blutgier.

    Aber des Fhrers Ruf erscholl, und der stattliche Wagen,
  Schon mit der Leiche des Knigs beschwert,
              und verhllt mit dem Bahrtuch,
  Folgte, rasselnd, dem Zug sechs glnzender, feuriger Rappen,
  Die zum eng'gemessenen Schritt mit Mhe der Rowart
  Bndigte. Sieh', da trug der weitgefeierte Snger,
  Horneck, leise die Harfe herbei. Ihm rollten die Thrnen
  Ueber den grauenden Bart in den Busen herunter, und schweigend
  Starrt' er nach Ottgar hin; dann hob er den Klagegesang an:
  Weh', da liegt er entseelt, der einst gewaltige Knig!
  Tausende blickten auf ihn, und es drngte der eine den andern,
  Glhend vor Hast, so er rief; nun ist er verlassen: es horcht ihm
  Keiner der Emsigen mehr. Wie staunt', und bewundert' ihn Jeder
  Sonst, da er noch zu dem Knigsthron, von Edelgesteinen
  Schimmernd am gold'nen Gewand', aufschritt:
              nun wandten sie, schaudernd,
  Von dem Nackten sich ab, den kaum das krgliche Gras barg!
  Ha, wo weilte der Arzt, dem Vergehenden Labsal zu reichen?
  Waren nicht seidene Kissen zur Hand, nicht schimmernde Decken,
  Ihn zu erwrmen, und ach! nicht scholl aus dem Munde der Gattinn,
  Kinder, Verwandten und Freunde umher, ein trstendes Wrtchen,
  Ihm zu erheben das Herz? Verlieen im Kampfe die Streiter
  All' ihn? Wie, nicht einer der Tapferen kam, ihn zu schirmen?
  Welt, Welt, so ist dein schnder Gewinn! Ach, wehe dem Thoren,
  Der dir, falschen, vertraut! Erst biethest du lieblichen Honig
  Mit bethrenden Worten ihm dar; dann wandelst du pltzlich
  Solchen in furchtbares Gift: er saugt Verderben und Tod ein.
  Also erging es auch hier dem Knige. Frsten, bedenket
  Sein Geschick! Handhabt die Gerechtigkeit, schtzet das Recht nur;
  Seyd durch Tugenden gro, durch Wohlthun herrlich und geizet
  Nach dem Lohne der Welt nicht allein: vor Gott ist er eitel!
  Ottgar, ach, er geizte nach ihm! Die, prahlend, geschworen:
  Auszuhalten bei ihm im Leben und Tode -- wo sind sie?
  Einsam sinkt er jetzo hinab in des Todes Behausung.
  Welt, Welt, so ist dein schnder Gewinn! Ach, wehe dem Thoren,
  Der dir, falschen, vertraut:
              denn nichtig entschwebt ihm das Leben![1]
  So wehklagte der edele Greis. Ihm horchten die Krieger
  Alle mit pochender Brust, den Trauerwagen umstehend,
  Und erhebend die Fackeln zur Luft, die, flatternden Schimmers,
  Ottgars finstere Stirn' erhelleten. Jener entzog sich
  Ihren Blicken, und wanderte dann auf dem nchtlichen Pfad fort.
  Doch sie schlugen behend', als solches der Fhrer gebothen,
  Ueber die Leiche das Bahrtuch her. Die schnaubenden Rappen
  Trieb der Rowart an, und sie trabten, gehaltenen Schrittes,
  Von den Kriegern umschart, g'en Wien, die herrliche Stadt, hin.

    Dort scholl freudiger Lrm dem kommenden Morgen entgegen,
  Als, dem Sieger zum Ehrenempfang', in geschftiger Hast sie,
  Durch die dunkele Nacht sich schmckte mit festlichen Krnzen:
  Denn vor dem Thor, das sich nach Krnthen dem Wanderer ffnet,
  Sollte von Laubgehlz' ein Siegesbogen sich heben,
  Hochgewlbt, und geziert mit schimmernden Bndern, und oben
  Rufen die goldene Schrift ein Lebehoch! dem Befreier,
  Der von der Stadt und dem Land' abwehrt' unendlichen Jammer;
  Oestreichs Herrscherthron fest grndete; dauernden Frieden
  Deutschlands Gauen errang, und ein Ziel aufsteckte der Willkhr,
  Die sich gefiel im Raub', und in all' den Grueln des Faustrechts!
  Auch die Straen entlang, erhoben sich, dicht vor den Husern,
  Lieblichgrnende Reiser zur Luft; buntschimmernde Blumen
  Hauchten Wohlgeruch her auf die Bahn, die, erkoren dem Sieger,
  Durch die Stadt sich wand, und zahllos wogten die Fahnen
  Oestreichs rings von dem Wall' und den ragenden Thrmen im Wind hin.
  Also schmckte sich jetzo die Stadt, wie die blhende Braut sich
  Schmckt an dem Morgen des Tags,
              der sie eint mit dem Lieben auf immer.

    Hinter des Ostens dmmerndem Thor' entfaltete jetzo,
  Neuverjngt, der Tag die Fittige: weit sich erstreckend
  Hoben sie fchelnd sich auf, und wehten den glhenden Schimmer,
  Der sein Rosenlager umfing, empor an dem Himmel;
  Doch sie weckten zugleich des sanftumschmeichelnden Frhwinds
  Khligen Hauch. Er kam aus des suselnden Waldes Umlaubung
  Ueber die blumigen Matten heran; verbreitete ringsum
  Balsamduft, und erfllte mit Lust die erwachende Schpfung.
  Zwitschernd regte die Schwalbe sich schon im Nest mit den Jungen,
  Das sie im Lenz' erbaut' an dem Mauergesimse des Hauses;
  Auch umgirrete laut die Taub' in dem Schlag', und der Hahn rief
  Schmetternd darein, als drauen vom Feld,
              von dem Hain', und dem Hochwald
  Bis in die bluliche Luft empor das Getne sich mehrte.
  Jetzt von des Himmels Rand, dem Rosenlager entschwebend,
  Hob die herrliche Sonne sich auf; umhllte die Berghh'n,
  Huser und Thrme der Stadt mit rthlichem Duft', und entflammte
  Hier die Fenster zu Gold, und dort auf den blhenden Matten,
  Unermelich umher, den Thau zu blitzenden Perlen.
  Doch bald schwang sie, verklrt, sich empor: den wlbenden Himmel
  Trbte kein Wlkchen, und rings auf dem lichtumflossenen Erdkreis
  Scholl ein Wonnegejauchz, dem schnsten der Tage zur Feier.
  Aber schon zogen den Weg nach dem Kreuze der Spinnerinn, eilig,
  Krieger zu Fu und zu Pferd in gesonderten Haufen, und weithin
  Blitzten im Sonnenschein die hellgegltteten Waffen--
  Blitzte der Harnisch und Helm der Tapferen, die, von dem Schlachtfeld
  Kehrend, zum Siegseinzug' auf dem sanfterhobenen Berg sich
  Sammelten, wie es der Herrscher geboth. Mit grnenden Reisern
  Waren die Helme geschmckt, behangen mit Krnzen die Rosse;
  Laut scholl Jubel die Scharen entlang: denn frhliche Weisen
  Sang der Krieger; sein Ro ihm wieherte d'rein; die Drometen
  Schmetterten, Zink' und Pauk' erklang, und die wirbelnde Trommel
  Rief das verworr'ne Getn zum allerfreuenden Einklang.

    Sieh', und es lief unzhliges Volk aus der Stadt und vom Land her,
  Nach der Strae hinaus, auf welcher die Tapferen kamen:
  Alle mit Angst in der Brust, bis sie in den frhlichen Reihen
  Ihre Lieben ersah'n! Da scholl (erschtternd zu hren!)
  Jauchzen empor; da bog sich mancher vom Sattel herunter:
  Einer umhalste den Freund, ein andrer den Sohn, und ein dritter
  Reichte dem grauenden Vater die Hand, der grauenden Mutter,
  Oder der Braut, die thrnenden Blicks, ihm lchelte, sprachlos!
  Aber es trat nun hier, nun dort mit erblassendem Antlitz
  Auch der unglckliche Mensch aus den lautaufjubelnden Scharen:
  Denn nicht hatt' er die Lieben erseh'n, und dem Fragenden tnte
  Schrecklich der kurze Bescheid: Er fiel, und kehret nicht wieder!
  Feldeinwrts ging dort ein zartaufblhendes Mdchen,
  Ringend die Hnde mit schwerem Gesthn; hier sa an des Grabens
  Rand der Vater: er sah in die Tiefe hinab, und die Mutter
  Prete den Arm mit der Stirn' an den Baum,
              und schluchzte vor Herzleid.
  Aber der schwellende Ruf des Entzckens dmpfte des Wehes
  Schnellverhallenden Laut, und unendlich erscholl das Getmmel,
  Als dem festlichen Kreuz der Spinnerinn jetzo der Kaiser
  Nahte mit hehrem Gefolg: denn Ladislav, der Magyaren
  Blhender Knig, ritt, hellschimmernd von Gold, ihm zur Rechten;
  Ihm zur Linken sein tapferer Sohn, der jngst in der Feldschlacht,
  Muthentflammt, vortrug der Erlsung heiliges Zeichen,
  Und ihm folgten, erwhlt, des Heers siegstolze Geschwader
  Nach auf den Wienerberg, der unter den Drngenden bebte,
  Und in dem Waffengeblitz erschtternd dem Auge zu schau'n war.
  Jetzt umgab er sich dort mit dem kaiserlichprangenden Mantel;
  Setzte den Helm, an welchem umher der goldene Kronreif
  Schimmerte, sich auf das Haupt; entblte den Degen, und hob ihn
  Auf zum ersehneten Wink'. Alsbald bewegte das Heer sich
  Im Geleite des Volks nach Wiens aufjubelnden Mauern.
  Sieh', ihm eilten die Ritter vor mit den Reisigen Ungerns--
  Jenen der Ost- und der steyrischen Mark: von den Heldengebiethern
  Angefhrt, und vereint um die ruhmgekrneten Fhnlein!
  Aber ihm folgten dann die muthigen Schweizer und Schwaben
  Und die Tapfern aus Krnthen und Krain mit den khnen Tyrolern.
  Wie der Alpenbach, vom Regen geschwollen, sein Bette
  Pltzlich verlt, und quer von des Bergs Abhange sich strzet,
  Endlos ber die Matten hin die Fluthen ergieend:
  So fortwlzte sich schnell das Heer; stets nher erscholl ihm
  Festlicher Glocken Getn' und des Volks auftobender Jubel.

    Auer dem Krnthner Thor, wo ein Siegesbogen erhht war,
  Standen die trefflichen Brger vereint. Ihr Meister, erkoren
  Durch gemeinsame Wahl an Waldrams Stelle, des falschen,
  Eilte heran, den Zug des erhabenen Kaisers zu hemmen;
  Both auf dem Becken von schimmerndem Erz, die vergoldeten Schlssel
  Wiens, ihm huldigend, dar, und begann die Rede mit Ehrfurcht:
  Heil dir, Oestreichs Herrn, dir edelstem Kaiser der Deutschen!
  Mgest du heut, wo dir, dem Retter, die jubelnde Stadt Wien,
  Festlichgeschmckt, entgegeneilt mit verlangenden Armen,
  Nicht gedenken der Schuld entflohener Tage -- des Herzens
  Deiner Getreuen gewi! Nun herrsch' im Segen des Himmels
  Ueber dein glckliches Volk, und vom Thron, den du auf dem Grundstein
  Heiliger Religion, Gerechtigkeit, Tugend erhhtest,
  Dein erhab'nes Geschlecht an der Zeiten entferntestem Ziel noch!
  Sagt' es, bewegt; doch schnell entgegnete jetzo der Kaiser:
  Ihr Getreu'n, habt Dank fr des Herzens enthllte Gesinnung!
  Gndig willfahre mir Gott in dem Wunsch, da ich grnde die Wohlfahrt
  Fern in die Zukunft noch der guten und trefflichen Vlker,
  Die er mir anvertraut! Mein Glck ist das eure fr immer!
  Pltzlich entstrzt' ein heller Strom von Thrnen den Augen
  Aller umher: denn rings erscholl, von Tausender Lippen
  Brausend, ein Lebehoch! und mehrte sich, jubelnden Lautes,
  Dort die Straen entlang, die, erkoren dem festlichen Einzug,
  Schimmerten. Jetzt durch's Thor und die Strae Karinthia's trug ihn,
  Stolzvorschreitend, das Ro, und aus jeglichem Fenster ertnte
  Huldigung, wo, bekrnzt, die zartaufblhenden Jungfrau'n--
  Frau'n im glnzenden Schmuck', ihr schneeiges Tuch in die Lft' auf
  Schwangen, und jauchzten empor mit hellerklingender Stimme.
  Doch, aus dem wimmelnden Volk vordrngten jetzt, wie verjngt sich
  Wankende Greis', ihn zu seh'n, und zu segnen. Die Vter und Mtter
  Hoben ihr lallendes Kind auf den Arm; sie falteten erst ihm
  Freundlich die Hndchen, und zeigten ihm dann den Herrlichen drben,
  Da es des Tages noch oft im sptesten Alter gedenke!
  Sieh', und nicht trockneten mehr dem erhabenen Kaiser die Augen
  All' die Straen entlang, da er links, und rechts, in dem Siegszug
  Dankte dem jauchzenden Volk mit oft erhobener Rechten.

    Also im Freudengeschrei unzhliger Meng', in der Glocken
  Festlichem Klang', und der Pauk' und Dromet' emprterem Jubel,
  Zog er entgegen dem Rothenthurm, und lenkete jetzo
  Ueber den schimmernden Hohenmarkt nach dem prchtigen Hof ein;
  Dann nach der Freiung hinab, und, dem Schottenkloster vorber,
  Durch die Herrngass' fort nach dem breitaufragenden Graben,
  Bis er am Riesenthor des unendlichen Doms aus dem Sattel
  Eilig zur Erde herab sich schwang. Sein mchtiger Gegner,
  Ottgar, Oestreichs Herrscher vor ihm, vollbrachte des Domes
  Herrlichen Bau, da er einst zerstrt von den Flammen,
              im Schutt lag.[2]
  Dort reicht' ihm der oberste Hirt der Gemeinde, vor allen,
  Festlichgeschmckt, im Kreise der Priester geweihetes Wasser
  Sanft mit dem Sprenger dar; dann schwang er das duftende Rauchfa
  Dreimal ihm entgegen, und ging, beginnend der Lieder
  Herrlichstes: Gott, dich preisen wir! zum erleuchteten Altar,
  Singend, vor ihm einher, und Tausende sangen das Lied nach.
  Aber, als in dem wlbenden Raum des unendlichen Domes
  Rings umher des Gesangs allletztes Suseln verhallt war,
  Knie'te der Kaiser noch hin, und bethete, heiliger Andacht
  Voll, am Altar', im Kreise der ruhmgekrneten Feldherrn.
  Staunend sah ihn das Volk; doch hingen mit inniger Wehmuth
  Auch an Trautmansdorf, dem Helden, viel Tausender Augen,
  Der, von dem schimmernden Kreis' entfernt, auf die Kniee gesunken,
  Beugte das grauende Haupt mit gottergebenem Herzen.
  Bald umhllten ein jegliches Aug' untad'lige Thrnen:
  Dort den Mann mit dem schneeigen Haupt so einsam zu schauen,
  Der noch jngst, umringt von blhenden Shnen einherging:
  Froh der gewaltigen Schar! Nun stand er allein und verlassen,
  Wie der verdorrete Stamm in dem Wald', um welchen die Windsbraut
  All' die frischen umher mit lautem Gekrach' in den Staub warf.

    Thauenden Blicks, trat jetzt von den heiligen Hallen der Kaiser
  Wieder heraus, vor dem Riesenthor zu beginnen den Heimzug
  Nach der erhabenen Burg. Doch sieh', welch' tiefes Erstaunen
  Unter dem Volk? Schnell theilt es sich links und rechts in den Straen
  So, da der Bahre, von sechs lautschnaubenden Rossen gezogen,
  Raum sey, frder zu zieh'n bis hin zur Pforte des Domes.
  Schmerz ergriff die Brust des beseligten Siegers. Er starrte
  Lang' nach dem Trauerflor, und dem leich'umhllenden Tuch hin,
  Und erwog im Gemth: wie mchtig der Todte noch gestern
  Gegen ihn stand, der heut', erstarrt, all' irdischer Hoheit,
  Kraft, und Streitlust bar, dort unter der finsteren Hlle
  Ruhete! Dann begann er fr sich mit rhrendem Laut so:
  Ottgar, lebtest du noch, und herrschtest im Frieden, der Rachgier
  Wthenden Sturm in der Brust besnftigend; heiteren Blickes
  Wrdest du seh'n: nie hat' ich dich, und im redlichen Busen
  Strebte die Herz, voll Liebe, dem deinen entgegen zu schlagen!
  Ruhe denn jetzt im Schoo des Allerbarmers auf immer!
  Sagt' es, und hie die Leich' auf dem trauerumhlleten Wagen
  Fort nach dem Schottenkloster hinab mit Wrde geleiten,
  Wo sie ruhe, bis ihr, nach der Seelenmess' und dem Bupsalm
  Werd' ein Grab mit dem ehrenden Stein, an heiliger Sttte.
  Doch wer drngt sich hier, voll Ungestmm, vor aus den Scharen?
  Lobkowitz kam, erblat von der Wunde zugleich, und dem Herzleid
  Ob des erschlagenen Knigs und Freunds, in Eile herber,
  Fhrend an zitternder Hand das holdaufblhende Shnlein
  Ottgars, Wenzeslav, der einsam in Drsing zurckblieb.
  Ach, er harrete dort des Vaters, in frhlicher Unschuld;
  Aber nicht kehrt' er ihm mehr, und, verwais't in der zartesten Jugend,
  Mit er die krftige Hand, die ihn leitete, seines Erzeugers!
  Groes beschlo alsbald der treffliche Greis, und, dem Kaiser
  Jetzo genaht, vordrngt' er das Kind, und sprach in das Ohr ihm:
  Geh', und umfass' ihm die Knie' mit festgeschlungenen Armen,
  Da er dein sich erbarme mit Huld, und die Leiche des Vaters
  Frei gewhre zum Trost den Unglcklichen, die er zurcklie;
  Dir zum Ruhm, wenn einst auf vaterlndischem Boden
  Du ihm erhhst das ehrende Maal, und zur Zierde dem Land dort,
  De gewaltiger Held, und erhabenster Frst er gewesen!
  Fasse nur Herz: nicht hartgesinnt erweis't sich der Kaiser
  Dir: als Vater das dunkle Geschick der Kinder bedenkend.
  Ottgars blhender Sohn gehorcht' ihm: er strzte zu Rudolphs
  Fen; umfat' ihm die Knie', und rief erschtternden Lautes:
  Mildgesinnt, so sprachen sie all', ist der mchtige Kaiser,
  Dem ich hier auf den Knie'n, und mit thrnenerflleten Augen
  Rufe: erbarme dich mein, des Verwaiseten; lasse des Vaters
  Leich' uns frei, der dir erlag in der schrecklichen Feldschlacht!
  Hast ja auch Kinder, und sie erfreu'n sich des liebenden Vaters
  Noch, der, machtbegabt, sie schirmt, und zu Ehren erhebet.
  Aber, o, mich Unglcklichen: denn des Vaters beraubet,
  Welcher so hold mir war, vermiss' ich die mchtige Hand jetzt,
  Die mich hatte gefhrt auf des Lebens unsicheren Pfaden!
  Dennoch wird sein Grab im vaterlndischen Boden,
  Der sein theures Gebein bedeckt, und der redende Denkstein
  Mir erfllen die Brust mit Trost, und mit Strke sie waffnen;
  Stillen den Schmerz der Mutter um ihn, und erheben des Volkes
  Sinkenden Muth, das stets, in Treu' ergeben, ihm anhing.
  Doch der erhabene Kaiser schwieg, mit sinnenden Blicken
  Ueber den Jngling gebeugt, und das Volk dort weinete ringsum.
  Hre des Sohnes Fleh'n, begann jetzt Lobkowitz finster,
  Himmelan hebt sich dein Ruhm: nicht bedarf er des ehrenden Denksteins
  Hier, der, rhmend, von Ottgars Grab verknde der Nachwelt,
  Welchen Gegner du einst im Felde der Waffen erlegt hast.
  Allwrts preis't dich die Welt gromthig und edel: als solchen
  Sollst du auch ihm dich erweisen -- wo nicht?
              so tuschte dein Ruf nur:
  Denn unziemlicher Ha g'en Ottgar fllet dein Herz noch.
  Rief's emprt, und bermannt von unbndigem Herzleid.
  Alle staunten umher; doch zrnte dem eifernden Alten,
  Welcher so edel gesinnt, und zugleich so tapfer im Feld war,
  Rudolph nicht. Voll Rhrung erhob er nun den Erzeugten
  Ottgars, der erneut ihm die Knie' umschlang, von dem Boden,
  Herzt' ihn vor allem Volk', und begann mit erheitertem Antlitz:
  Sey getrstet, mein Sohn! Nicht sann ich, vor Trauer verstummend,
  Dir ein kostbares Unterpfand zu entreien: denn alsbald
  Geb' ich es frei. Auch fhre zugleich mit dem tapferen Helden,
  Lobkowitz, dich der Fllensteiner im Ehrengeleit heim.
  Zieh' dann schnell g'en Prag mit der Leiche des theuern Erzeugers,
  Sie zu bestatten mit wrdiger Pracht, und zu weihen ein Denkmaal
  Ihm, der, herrschend mit Kraft und mit vielumfassender Weisheit,
  Rastlos seines unzhligen Volks Gedeihen und Wohlfahrt
  Frderte. Doch, nun komm'! Ich will ein Vater dir werden,
  Wie ich's zuvor beschlo im Gemth', und im Segen des Himmels
  Mge der sprossende Keim noch herrliche Frchte dir bringen.
  Sagt' es mit freud'ausstrahlendem Blick', und als er, gewendet,
  Fate des Rosses Zaum mit der Linken, hinauf in den Sattel
  Sich zu schwingen, da both er zugleich dem staunenden Helden,
  Lobkowitz, schnell die Rechte zum Gru mit den freundlichen Worten:
  Khner, du stand'st mir zwar gar feindlich entgegen, und dennoch
  Sagt mir das Herz: wir scheiden noch bald, als Freunde fr immer!
  Jener dankt' ihm d'rauf mit thrnenumflossenen Wimpern,
  Schweigend; aber es quillt ein Dank aus den schimmernden Thrnen,
  Den im schwellenden Strom der Worte die Zunge nicht ausspricht.
  Solches gewahrete nun der Kaiser, erfreuet, und schwang sich
  Rasch auf das Ro, den Siegeszug in der Burg zu vollenden:
  Denn mit jubelndem Ruf fortwogten von neuem die Scharen.

    Jetzt, in dem weitumschlossenen Raum der mchtigen Hofburg,
  Wies sich dem Volk' ein Schaugerst, der Sichel des Mondes
  Aehnlich an Bogengestalt, erhht, und mit Purpur behangen.
  Vierzehn Stufen empor, in stets verengteren Kreisen
  Hob sich der herrliche Bau, und zuhchst, auf dem oberen Feldraum
  Stand, hellschimmernd, des Herrschers Thron, an welchem zur Linken,
  Und zur Rechten, gar zierlich geschmckt, zwei Sthle von Purpur
  Glnzten. In drngender Hast erfllte sich eilig die Hofburg.
  Freudiger Lrm erscholl, als die Rosse, der Reiter entledigt,
  Wieherten, heim durch die Menge gefhrt, und in stattlicher Hoheit
  Rudolph nun mit Gefolg zu dem glnzenden Throne hinaufschritt;
  Dort sich Ladislav, den Knig der Ungern, zur Rechten--
  Wenzel, den Sohn des getdteten Horts der Bhmen, zur Linken
  Sitzen hie, und das Volk mit freundlichem Winke begrte;
  Doch ein schmetternder Laut der Dromete geboth in dem Hofraum
  Schweigen, und Stille ward, da der Hauch des athmenden Busens
  Hrbar flog, und umher die Stimme des Kaisers vernehmlich
  Tnete, da er die Recht' erhob, und also zum Volk sprach:
  Seht uns am Ziele, mit Gott! Vollbracht ist die That, und das Opfer,
  Das aus dankbarer Brust zu dem Ewigen heute sich aufschwang.
  Ach, gar drftig erscheinet das Wort! Wie sollen wir wrdig
  Danken dem Heer', das uns den Sieg errang in der Feldschlacht?
  Wie dem erlauchtesten Knige, der als helfender Freund, uns
  Einte sein tapferes Volk im allentscheidenden Zeitraum?
  Nicht vermchten wir das! Doch ihn, den Knig der Ungern
  Schlieen wir heut' an Sohnesstatt, wie er selbst es ersehnet,[3]
  Freudig an's Herz, und geloben ihm Schutz und Freundschaft fr immer.
  Wohl bezeugt uns der Herr: Wer hat, dem wird noch gegeben!
  Also auch wir, von Gott mit Kindern gesegnet, erkiesen
  Heute der Shne noch mehr -- denn hrt: den theuern Erzeugten
  Ottgars einen wir auch, als solchen, in liebender Sorgfalt
  Bald mit unserem Blut: ihm Gutha, die Tochter, verlobend,
  Die uns die jngst' erblht aus den Tchtern,
              voll lieblicher Unschuld!
  Jetzo drckt' er zuerst den Knig, und d'rauf den Erzeugten
  Ottgars rasch an die Brust, und unendlich jauchzte das Volk auf.
  Aber der Knig erhob sich vom Stuhl', und sagte voll Feuer:
  O, gesegnet fr immer der Tag, der, freundlichen Anblicks,
  Dich als Bundesgenossen mir wies! Der brausenden Jugend
  Jahr' umgaukelten mich noch jngst im verwirrenden Schimmer;
  Aber du kamst: wohl nenn' ich dich Vater mit Recht, und ich fhle
  Mich urpltzlich zum Manne gereift -- dein wrdig, als Sohn jetzt!
  Lange lebe, beglckt, der edelste Kaiser der Deutschen!
  Sprach's mit jubelndem Ruf', und umher ertnte des Volkes
  Freudengeschrei, wie Donnersturm, wie strzender Wasser
  Lautes Rauschen: Er lebe beglckt! Hoch lebe der Kaiser!
  So, da jegliche Brust Entzcken ergriff, und der Thrnen
  Strmische Fluth in das Aug' urschnell aufjagte vom Herzen.
  Aber es winkte der Kaiser erneut: der eh'rnen Drometen
  Ernstem Schall verstummte das Volk, und er sagte, bewegt, noch:
  Hrt! Wir scheiden von euch nun bald, und auf lange. Gebiethend
  Ruft uns Deutschlands Wohl nach den rheinischen Gau'n, und wir folgen
  Freudig dem Ruf, da uns hier zu weilen hinfort nicht vergnnt ist.
  Doch nicht bleibe darum die Land nach unserer Abfahrt
  Hauptlos. Wichtiges reift im dunkeln Schooe der Zukunft
  Ihm, und Hohes erringt es. Inmitten gewaltiger Lnder,
  Hebt Haus-Oestreich hier, aus seinem unscheinbaren Umkreis
  Eiserngegrndet, sich auf; gewhrt dann jenen die Herrscher;
  Flicht in den Kranz nie welkender Macht die herrlichsten Kronen,
  Die bald Knig' ihm biethen, und fhrt vielfltig durch Sitte,
  Sprach', und Stamm gesonderte Vlker zu dauernder Einung.
  Also, gerstet mit Kraft, soll's einst im Sturme der Zeiten
  Fest wie ein Leuchtthurm steh'n, der rettend, Gefahrenbedrngten
  Von dem Felsen die Flamme weis't auf dem nchtlichen Irrpfad.
  Albrecht komme heran. Ihm, unserem theuern Erzeugten,
  De' erhabener Sinn und Weisheit euch allen bekannt ist,
  Wollen wir Oestreich hier zu Lehen ertheilen. Als Herzog
  Werd' ihm der Thron, und in seinem Geschlecht
              fortdaure die Herrschaft,
  Endlos, segenbeglckt zum Wohl unzhliger Vlker.
  Ha, und er dachte, bewegt, des Alp'bewohnenden Klausners!

    Doch schon ritt aus dem hallenden Thor der Erzeugte des Kaisers,
  Albrecht, stattlich heran. Sein Ro, der tnenden Hauptzier--
  Also des Zaums und Geschirrs von blinkendem Silber sich freuend,
  Beugte stolz das Haupt an die Brust. Doch herrlich geschmckt war
  Er mit dem Frstenhut' und dem Purpurmantel: ihn deckte
  Glnzender Hermelin; auch hielt er den goldenen Zepter
  Fest in der Rechten erhht. Durch Schrift und Siegel ertheilte
  Friedrich der Erste, von Hohenstauff, der mchtig als Kaiser
  Ragte vor andern hervor, das Recht dem Herzog von Oestreich,
  Also zu Pferd, und so herrlich geschmckt das Leh'n zu empfangen.[4]
  Siehe, vor ihm trug Lichtenstein das Banner von Oestreich,
  De' ruhmwrdiger Schild, mit dem schneeigen Streif in dem Blutfeld
  Schimmerte, rasch einher; doch Albrecht hielt an des Thrones
  Stufen, und beugte sich; d'rauf begann der erhabene Kaiser:
  Albrecht, euch beschwren wir jetzt im Nahmen des einen,
  Wahren, und ewigen Gott's, zu bekennen: ob ihr, als Herzog
  Oestreichs, herrschen wollet nach Recht und Gerechtigkeit; ob ihr
  Schirmen wollet die heilige Lehr' und den Glauben der Vter,
  Und euch widmen dem Wohl des Landes mit Leib und mit Leben,
  Das ihr heute zu Lehen empfaht aus unserer Vollmacht?
  Jener rief: Ich will! und alsbald winkte der Kaiser
  Lichtenstein, da er ihm darreichte die Fahn', und begann so:
  Nun auch schwrt es zu Gott, und im Beiseyn eueres Volkes,
  Eilig das Banner zugleich, und den goldenen Zepter erhebend
  Hoch g'en Himmel empor. Und jener entgegnete muthig:
  Ja, ich schwr' es zu Gott! und erhob den goldenen Zepter
  Dann mit dem Banner zugleich in die Luft. Der Kaiser entstrzte
  Jetzo dem Purpurpfhl', und flog in die Arme des Sohnes,
  Der, sich schwingend vom Zelter herab, ihm entgegen geeilt war.
  Lange hielt er den Sohn umfat, und sagte mit Rhrung:
  Gottes Segen mit dir, und mit deinem Geschlechte! Der Nachwelt
  Stell' ich es freudig anheim, was heut' allhier sich begeben.
  Mge sie noch an der Zeiten entferntestem Ziele, des Glckes
  Herrlichster Flle froh, laut Habsburg segnen und Oestreich!

    Siehe, da rief umher die Menge dem neuen Beherrscher,
  Jauchzend, ihr Lebehoch! Doch sah nach dem Kaiser so mancher,
  Innig betrbt, noch hin, der erst von Trennen und Scheiden
  Sprach, und auf immer vielleicht den liebenden Herzen entrckt wird.
  D'rauf hie er die Frsten bei sich willkommen, und sagte:
  Kommt zum erquickenden Mahl', und ruht in der friedlichen Burg hier,
  Heiteren Sinn's, jetzt aus von des Kriegs unzhligen Sorgen!
  Aber verzeiht: ich eile zuvor nach der dsteren Kammer,
  Wo die Gattinn mir starb, und nach ihr sich, in Trauergewanden,
  Sehnen die Kinder vereint; ich gehe, die Lieben zu trsten.
  Und er entzog sich den Blicken der lautaufjubelnden Scharen:
  Thrnenden Blicks, aufschreitend allein zur Wohnung der Trauer.




  Nachtrag

  zu dem

  Heldengedichte Rudolph von Habsburg.


Die Marchfelder Schlacht. Jahr 1278.

Die merkwrdige Schlacht auf dem Marchfeld zwischen Rudolph I. von
Habsburg, Kaiser der Deutschen, und Przemisl Ottokar II., Knig von
Bhmen, in welcher letzterer besiegt fiel, und jener seinen Nachkommen
Oestreichs Herrscherthron erkmpfte, geschah am 24. August des Jahres
1278. Schon zwei Jahre vorher standen sich, eben daselbst, die beiden
Frsten feindlich entgegen. Ottokar, durch frheren Ehebund mit der
babenbergischen Margareth, der Herrscher geworden von Oestreich und
Steyermark, und, durch Kauf, von Krnthen und Krain, lie sich endlich
herbei, diesen Provinzen, als anheimgefallenen Reichslehen, zu entsagen;
worauf er, auf der Donau-Insel Kamberg, im Angesicht beider Heere, dem
Kaiser (19. November 1276) knieend gehuldigt, und dieser, angeblich,
durch Herabrollen der Zeltvorhnge, diese Handlung offenkundig gemacht
haben soll. Dem heimkehrenden Knig setzte seine ehrgeizige Gemahlin,
Kunegunde, durch Schmhungen so lange zu, bis er dem Kaiser neuerdings
den Kampf auf Tod und Leben both. Schon am 27. Juni brach er von Prag zu
seinem Heer' auf, das sich vor Brnn versammelt hatte, verlor aber auf
seinem Kriegszug in Oestreich, durch die Belagerung des befestigten
Stdtchens Drosendorf, den entscheidenden Augenblick, und setzte dadurch
den Kaiser in den Stand, Hlfsvlker zu sammeln, um welchen es sonst
durch schnelles Vordringen geschehen gewesen wre. Auf Rudolphs Seite
standen nebst den Schweizern und Elsassern, die ihm sein Sohn Albrecht
zufhrte, der Pfalzgraf Ludwig, sein Tochtermann; der Burggraf Friedrich
von Nrnberg; der Markgraf Heinrich von Hochberg: zu welchen noch die
Grafen von Henneberg, und Frstenberg stieen. Dann: Meinhard Graf von
Tyrol; Graf Albert von Grz; Friedrich, und Albert, die Grafen von
Ortenburg, und Ulrich von Heunburg mit den Tyrolern, Krnthnern und
Krainern; Pfannberg, und zugleich die Herren von Pettau, Lichtenstein,
und Colo von Seldenhofen, mit den Steyrern. Auch die Bischfe von
Salzburg und Basel fhrten ihm Krieger zu, deren ersterem er in der
Schlacht die Leitung der Oestreicher und Steyrer bergab. Endlich
erschien auch der Knig Ladislav IV., an welchen er den tapferen
tyrolischen Hauptmann, Hugo von Tauffers, abgeschickt hatte, mit mehr
denn zwanzigtausend kumanischen und ungrischen Reisigen, als sein
Verbndeter, auf dem Schlachtfeld. An Ottokars Vlker, die Bhmen, und
die Mhrer unter Milota's Leitung, reiheten sich: Bayern, welche der
Herzog Heinrich; Sachsen, welche Pfeil, der Markgraf von Magdeburg, und
Meiner und Thringer, welche der Markgraf Dietrich anfhrte. Die
Reussen sandte K. Leo, und die Polen und Schlesier K. Kasimir heran.
Auch einige streichische Ritter, unter diesen die beiden Brder
Heinrich und Leopold Kunring, ergriffen seine Parthei, so, da er dem
Kaiser an der Zahl der Krieger weit berlegen war. Das Feld, auf welchem
gestritten ward, erstreckte sich von Marcheck ber den Weidenbach, dann
weiter von Stillfried ber Drnkrut bis gegen Idungspeugen, hinauf, und
der Kampf endete wahrscheinlich, wie weiter unten erhellet, nahe vor dem
Stdtchen Laa. Rudolph setzte mit seinem Heere bei Hainburg ber die
Donau, seine Vereinigung mit dem Knig der Ungern zu bewirken, und dem
Feind in den Rcken zu kommen, und lagerte sich vor Marcheck. Die
Kumanier hatten bereits aus dem Hinterhalt die herumstreifenden Feinde
angefallen, ihnen ber 100 Mann getdtet, und nachdem sie ihnen die
Kpfe abgehauen, sandten sie selbe dem Kaiser als Geschenk entgegen, der
sich mit Schauder davon wegwendete, und sie begraben lie. Am 23. August
rckte er g'en Stillfried vor, und beschlo die Schlacht auf den
folgenden Tag, der mit dem Feste des heil. Bartholomus auf einen
Freitag fiel, an welchem er fters glcklich gekmpft hatte.[A] Der Tag
brach an: die Kaiserlichen standen in fnf Heerhaufen, den sechsen der
Bhmen, entgegen. Noch kurz vor dem Kampfe schlug der Kaiser, nebst
anderen, auch hundert Zrcher zu Rittern. In seinem Heer herrschte mehr
froher Muth, als in jenem Ottokars, da vor Tagesanbruch die Meiner und
Thringer aus dem Lager heimlich abzogen, und er zuvor im Zelt, mit
erregtem Mitrauen, die Feldherrn aufforderte: sie sollten ihm, wenn
sie Verrath an ihm snnen, lieber jetzt die Brust durchbohren, ehe
Tausende auf dem Schlachtfelde gefallen seyn wrden. Das unbndige
Pferd eines salzburgischen Reiters, Heinrich Schrlin, rannte, wie toll,
auf die Bhmen los, und ward so zum Zeichen des frheren Angriffs.
Ottokar brachte mit den schwergeharnischten Reitern die Oestreicher und
Steyrer zum Weichen, nachdem der Fhrer der letzteren, Pfannberg,
verwundet vom Pferde gefallen war. Als der Kaiser die wankende Schlacht
sah, da warf er sich aus dem Sattel im Staub auf die Knie', und bethete
laut zum Himmel, verheiend durch ein Gelbde, so er den Sieg gewnne,
ein Kloster zu Ehren des heil. Kreuzes zu stiften; worauf seine Scharen
ermuthigt vordrangen. Doch schlug sich Herbot von Fllenstein, ein
polnischer Ritter, durch groe Verheiungen Ottokars bewogen, bis zu ihm
durch, erstach ihm das Pferd unter dem Leib, und brachte ihn in die
grte Gefahr, wenn nicht er selber, zu Fu ankmpfend, ihn mit dem
Speer von dem Sattel herabgerissen, und der herbeieilende tapfere Ritter
Ulrich Capellen ihm ein Pferd gebothen htte. Den gefangenen Ritter
Herbot hie der Kaiser schonen, seine Wunden verbinden, und warf sich
dann, wie ein erzrnter Lwe, neuerdings auf die Feinde. Auf dem rechten
Flgel, wo Hochberg stritt, erhob sich das Geschrei, die Feinde
fliehen! und bald verbreitete es sich durch alle Reihen Rudolphs.
Ottokar wankte einen Augenblick, hie aber Milota aus dem Nachhalt
vorgeh'n; und als dieser, langgenhrter Rache frhnend, mit den Mhrern
und einigen bhmischen Herren, die er gewann, eben jetzt von dem
Schlachtfeld abzog, strzte er sich in den letzten mrderischen Kampf,
und fiel auch hier, als ein Opfer der Rache, durch die Hand der beiden
Ritter von Meerenberg, mit dreizehn Wunden, ehe der Befehl des Kaisers,
der sein Leben zu schonen geboth, erfllt werden konnte. Worauf Flucht
und Verwirrung der Bhmen. Der Kaiser lie zum Rckzug blasen, allein
die Kumanier verfolgten sie, bis die sinkende Nacht dem Wrgen ein Ende
machte. Die Schlacht whrte nur fnf Stunden, und es sollen auf Ottokars
Seite ber 14,000 gefallen seyn. Rudolph hie seine Leiche sogleich
aufsuchen, nach dem Stdtchen Laa, und noch in der Nacht nach Wien
bringen, wo sie anfangs in dem Schotten-Kloster beigesetzt, und dann in
der Kirche der Barfer-Mnche ffentlich zur Schau ausgestellt blieb.
Allein, auf die in das Lager gelangte Bitte der Bhmen, stellte er sie
ihnen wieder zu; worauf sie ber Znaim nach Prag abgefhrt, und in dem,
von ihm erbauten Franciskaner-Kloster kniglich zur Erde bestattet ward.
Rudolph hielt in Wien, unter unendlichem Jubel des Volkes, seinen
feierlichen Einzug, und erfllte bald darauf sein Gelbde, indem er zu
Tuln, zu Ehren des heil. Kreuzes ein adeliges Frauenkloster erbauen
lie.

  [Fussnote A: Bei _+Arenpeck Chron. Austr. ad Annum+ 1278 heit es_:
  +Conveniunt ambo Reges cum exercitibus suis in campis Austriae trans
  Danubium apud Weidenbach feria sexta ante Bartholomaei etc.+ Viele
  andere wollen, da die Schlacht sich am 26. August ereignet habe.]




  Anmerkungen

  zu

  Rudolph von Habsburg.


Erster Gesang.

[1] Vers 9.

_Drahomira_ war die Gemahlinn Vratislavs, Herzogs von Bhmen, der die
Heidinn in der Hoffnung, da sie sich zum Christenthume bekehren wrde,
im Jahr 907 ehlichte. Sie gebar ihm zwei Shne, Wenzel und Boleslav, und
als er im Jahr 916 starb, und seine Mutter, die heil. Ludmilla, die
vormundschaftliche Regierung bernehmen wollte, stand sie in der
berufenen Stndeversammlung zu Prag dagegen auf, zog sich mit ihrem
jngeren Sohn, Boleslav, auf das feste Schlo Wischehrad zurck, und
wthete beinahe durch vier Jahre, mit Beihlfe des heidnischen
Stadtrichters Palhog, gegen die Christen mit Feuer und Schwert. Darauf
lie sie die Kirche zu Bunzlau zerstren, und endlich auch ihre
Schwiegermutter auf dem Schlosse Tetin hinrichten. Wenzel, obgleich nur
ein Jngling, kam hierauf nach Prag, berief die Stnde im Jahr 921, und
entsetzte sie der Regierung. Doch ruhte die unmenschliche Mutter nicht,
bis ihr jngerer Sohn den lteren im Jahr 938 auf ihr Anstiften durch
Brudermord auf die Seite schaffte. Nach der Sage soll sie auf dem
Hradschin die Erde lebendig verschlungen haben. S. +_Cosmas Pragensis_
L. I. _Hist._ -- _Pulkawa Hist. Boh._ C. 13. _Dubrav. Hist. Boh._ L. 5.
_Sylvius_, _Hagek_ etc.+

[2] Vers 68.

_Margareth_, die Tochter des babenbergischen Leopold des Glorreichen,
Herzogs von Oestreich, war die Wittwe Kaisers Heinrich VII., und bereits
an Jahren vorgerckt, als Ottokar, wohl nur in der Absicht, mit ihrer
Hand Oestreich und die Steyermark zu erlangen, sie im Jahr 1252
heirathete, aber schon im Jahr 1261 sich von ihr, wegen beschuldigter
Unfruchtbarkeit, wieder scheiden lie. Sie starb zu Krems im Jahr 1267
im Kloster, und zwar, wie Einige behaupten, durch Gift, mit welchem sie
Ottokar aus der Welt geschafft haben soll. Doch hat Hanthaler +_Fast.
Campilil._ T. I. P. II. Dec. VII. . I. C. XXXIV.+ diese Behauptung
widerlegt. Sie liegt in dem Kloster Lilienfeld, das ihr Vater stiftete,
ihm zur Linken, vor dem Hochaltar, begraben.

[3] Vers 117.

_Durnkrut._ Siehe den merkwrdigen Aufsatz Die Entscheidungsschlacht im
Marchfelde zwischen Rudolph und Ottokar 1278 im Archiv fr Geographie,
Historie &c. Nr. 1 und 2 des J. 1814. Der vortreffliche
Geschichtschreiber, Chorherr Kurz, sagt in seinem +Oestreich unter
Ottokar und Albrecht I.+: In Rcksicht des Schlachtfeldes stimmen die
Berichte nicht ganz berein, welches wohl nicht anders mglich ist, da
zwei Heere nothwendig eine groe Strecke einnehmen, und whrend einer so
entscheidenden Schlacht an mehreren Orten gestritten wird. Da an dem
Marchflu gekmpft ward, in welchem viele Bhmen den Tod fanden,
besttigen alle Chroniken. Der Bezirk von _Stillfried_ bis
_Idungspeugen_ hinauf, war der eigentliche Kampfplatz, _Chrutterfeld_,
das ebenfalls genannt wird, liegt in der Mitte. Die Schlacht mu sich
von Stillfried gegen den _Weidenbach_ und bis _Marcheck_ ausgedehnt
haben, da Rudolph in seinem Stiftsbrief sagt: Gott habe ihn nicht fern
der Kirche von Marcheck aus Todesgefahr errettet. +In loco ab ecclesia
eadem non longe distante nos quasi in angustiis mortis positos liberavit
ab hostibus: et prostratis eisdem liberavit gloria triumphali.+
+_Bodmann_ cap. I. p. 100.+ Wahrscheinlich deutet er auf die Gefahr, die
ihm drohte, als ihm das Pferd unter dem Leib' erstochen ward. +_Calles_
T. II.+ p. 552-562 hat alle hierher gehrigen Stellen gesammelt.

[4] Vers 284.

Siehe ber dieses Gesprch Hornecks Reim-Chronik, Cap. 132-136

[5] Vers 351.

_Rdiger Waldram_ nennt _Fugger_, in seinem _Ehrenspiegel des Erzhauses
Oestreich_, den Brgermeister Wiens, der an Rudolph mit dem Knig der
Bhmen einverstanden, heimlichen Verrath sann. Bei andern
Schriftstellern heit er Paltram Vazo. Der Snger Rudolphs fand jenen
wohlklingender zu seinem Zwecke (S. auch +Wolf. Lazius Chron. Vienn.
Lib. IV.+ und +Gerard. Roo Hist. Austr. Lib. I.+)

[6] Vers 360.

Die Erzhlung von der Huldigung Ottokars auf der Donau-Insel _Kamberg_,
wo er, nachdem die tuschenden Zeltvorhnge gefallen waren, auf den
Knieen vor dem Kaiser liegend, den beiden, durch die Donau geschiedenen
Heeren gewiesen ward, ist von vielen grndlichen Geschichtsforschern als
unstatthaft verworfen worden.

[7] Vers 375.

In einem der anmuthigsten Gebirgsthler Unter-Oestreichs, am Fue der
Alpen, und an dem Ufer des Traisenflusses, liegt das Cisterzienser-Stift
_Lilienfeld_, von dem babenbergischen Leopold VII., oder Glorreichen, im
Jahr 1202 gestiftet, dem der Snger Rudolphs durch acht und zwanzig
Jahre angehrte, und demselben in den letzten sieben Jahren als Abt,
k.k. Rath und niederstreichischer Landesstand, vorgesetzt war.

[8] Vers 397.

_Masovien_ (Masuren), eine Landschaft in Polen, welche an Preuen, an
Gro- und Klein-Polen und an Lithauen grnzte, frher durch eigene
Herzoge regiert, und unter Knig Sigismund I. mit Polen vereiniget ward.
Ihre vornehmsten Stdte waren Warschau und Plozk. (Hartknoch +de Republ.
Pol. L. I. c. 10.+)

[9] Vers 403.

_Knigsberg_, die zweite Residenzstadt Preuens an der Pregel, von mehr
als 60,000 Einwohnern, und einer Universitt, die in der neueren Zeit
durch Kant berhmt geworden ist, soll Ottokar im Jahr 1254 gegrndet
haben.

[10] Vers 421.

Da Rudolph in seinem sieben und dreiigsten Jahre an den Hof Ottokars,
der brigens als ein groer Feldherr jungen Frsten allerdings zum
Muster dienen knnte, berufen, und zu seinem Hofmarschalk ernannt worden
sey, da er dann mit ihm die, bei dem Einfall der Tartaren wieder
heidnisch gewordenen, Preuen bekmpfte, im Jahr 1260 einem Kriegszug
gegen die Ungern beigewohnt, und wegen ausgezeichneter Heldenthaten von
ihm den Ritterschlag erhalten habe, sind Erzhlungen aus seinem Leben,
deren Wahrheit hie und da bestritten worden ist.

[11] Vers 484.

_Tabor_. Ein an dem linken Ufer der Donau, Wien gegenber liegendes
Dorf.


Zweiter Gesang.

[1] Vers 28.

Die Veste _Mdling_, deren Ruinen ber dem Stdtchen gleiches Nahmens,
nicht fern von Wien, in dem Brhler Thal zu sehen sind, war das
Eigenthum mehrerer Frsten eines Zweigs des babenbergischen
Herrscherstammes, die sich Herzoge von Modeling nannten, und das zuletzt
auch Gertrud, die Tochter Heinrichs, Herzogs von Mdling, und Bruders
Friedrichs des Streitbaren, zu ihrem Antheil erhielt, nachdem ihr Gatte,
Herman, Markgraf von Baden, gestorben war.

[2] Vers 35.

In einem eng umschlossenen Thal', am Fue des Tannberges, welches der
Sattelbach durckfliet, stiftete Leopold der Heilige im Jahr 1135 das
Cisterzienser-Kloster Heiligen-Kreuz, welches nebst andern merkwrdigen
Grabmlern im Kreuzgang auch jenes von Friedrich dem Streitbaren,
letzten Sprossen des babenbergischen Stammes, zur Schau stellt.

[3] Vers 91.

Ueber _Jacob Mllers_, des Zrcher Kriegers, _lustige Mhre_ siehe
+_Alb. Argent. Cap._ 18+ und _Fuggers Spiegel der Ehren des Erzhauses
Oestreich_. Nrnberg, 1668, erstes Buch 7. Cap. S. 66.

[4] Vers 110.

Der _Traisen_-Flu in Unterstreich, der bei Traisenmauer in die Donau
fllt, entspringt hinter der Lilienfelder Alpenkette aus dem sogenannten
Traisenberg, und ergiet sich in zwei Bchen, wovon der eine hinter
Tirnitz aus der Sd- und der andere hinter Hohenberg aus der Nordseite
des Berges hervordringt, so, da beide erst oberhalb Lilienfeld sich
wieder vereinigen, und die eigentliche Traisen bilden. Wechselweise wird
der eine, und der andere Arm die _unechte Traisen_ genannt, je nachdem
der Bewohner des einen und des andern Bezirks Kunde darber geben soll.

[5] Vers 115.

_Lilienfeld_, das Cisterzienserkloster in Unterstreich, welches am Fue
der Alpen, in einem der reizendsten Thler, nicht weit von der, auf der
Hauptstrae nach Wien liegenden Stadt St. Plten entfernt liegt, wurde
durch den babenbergischen Leopold den Glorreichen, Herzog von Oestreich,
im Jahr 1202 gestiftet, erhielt, wie schon weiter oben im Gedichte
gesagt wird, die ersten Mitglieder aus dem Kloster Heiligen-Kreuz, und
besteht nun schon 640 Jahre. In dieses Kloster trat der Dichter Rudolphs
von Habsburg, in seinem zwanzigsten Lebensjahre, im Jahre 1792, und
hatte ihm gegen 28 Jahre lang angehrt, nach welchen er zu hhern
Stellen berufen ward; es ist ihm daher wohl zu guten zu halten, da er
es zu einem der Schaupltze seines Gedichtes gewhlt, und mit besonderer
Liebe und Ortskenntni beschrieben hat.

[6] Vers 171.

Ob Rudolph vor, oder whrend der Schlacht das Gelbde gemacht habe: so
er den Sieg gewnne, ein Kloster zu Ehren des heil. Kreuzes zu erbauen,
ist aus den vorhandenen Nachrichten nicht vllig erweisbar. So viel ist
gewi, da er, nach jenem erhaltenen Sieg ber seinen Gegner, das
adelige Frauenkloster zu Tuln, zu Ehren des heil. Kreuzes erbaut, und
auch seine, und seiner Gemahlinn aus Stein gehauene Statuen dahin
geschenkt habe, die leider zur Zeit der Aufhebung desselben, auf eine
unverantwortliche Weise, vernichtet worden sind!

[7] Vers 176.

Die hier bezeichneten Frsten sind: Albrecht I., Friedrich der Schne,
Maximilian I., Carl V., Maria Theresia, Joseph II., Leopold II.,
FranzI.

[8] Vers 320.

Nach Fugger geschah diese Handlung zu Mainz, als Kaiser Rudolph das
Reich bereisete, im Jahr 1273. (_Siehe Spiegel der Ehren_. S. 84.)

[9] Vers 372.

_Wiener-Neustadt_ -- erhielt den Titel der _Allzeit Getreuen_ schon von
Herzog Friedrich dem Streitbaren, wie es aus einer ihr im Jahr 1242
ertheilten Privilegien-Urkunde erhellet. Kaiser Leopold I. schenkte ihr
im J. 1708 eine Fahne mit der Aufschrift: +Semper fidelis civitas
Neostadiensis -- pro Caesare et Religione+ -- wie solches nebst andern
historisch merkwrdigen Seltenheiten in dem Rathhaus-Archive daselbst zu
ersehen ist.

[10] Vers 410.

Ein Meisterwerk der gothischen Baukunst, das alle Fremden durch seinen
majesttischen Umfang in Erstaunen setzte, das sogenannte Dormitorium,
oder Schlafhaus zu Lilienfeld, welches ursprnglich den Klosterbrdern
zur gemeinschaftlichen Wohn- und Schlafsttte diente, als noch, auer
dem Chorgebeth, das Ausruten und Urbarmachen der Wildni umher ihr
hauptschliches Geschft war, ging durch den groen Brand (13. September
1810) vllig zu Grunde, so da keine Spur mehr von seiner Herrlichkeit
brig blieb.

[11] Vers 478.

Der _Lasingfall_, in den Lilienfelder Gebirgen, ist seit dem Jahr 1815,
wo ihn der Verfasser des gegenwrtigen Gedichts, als damaliger
Stiftsvorsteher, zugnglich, und dadurch erst bekannt machte, der
Gegenstand der Aufmerksamkeit der Reisenden, die ihn jhrlich in groer
Anzahl besuchen. Seine Schnheit bertrifft jede Vorstellung. Die
Felsenschlucht, durch welche sich die Lasing herabstrzt, hat drei
Hauptabstze, die nach Wiener Ma:

  a = 107 Fu
  b =  40     8"
  c = 123     2"
    -------------
      270  '  10"

senkrechte Hhe, und

  a = 145 Fu  2"
  b = 126     7"
  c = 123     4"
    -------------
      395  '   1"

horizontale Lnge des Wasserfalls bewirken. Auch das Felsenthal am Fu
des Oetschers, durch welches sie sich ergiet, gewhrt einen
ergreifenden Anblick.


Dritter Gesang.

[1] Vers 3.

_Marbod_, +Marobodus+, wie ihn Tacitus nennt, Knig der Marcomannen,
eines schwbischen Stammes (Mark-Mannen, Hther der Grnze, oder wie
Andere wollen: _Marich_-Mannen, Rotummler, von dem alten deutschen Wort
_Marich_, Stute, Mhre, +equa+), lebte gleichzeitig mit Herman dem
Cherusker. Entschlossen, sich in einer entfernteren Stellung den Rmern
furchtbar zu machen, sammelte er ein Heer von mehr denn siebenzig
tausend Mann, zog immer weiter an der Donau herab, und nachdem er den
_Catualda_ (Gothwald oder Katwald), einen Anfhrer der Gothen, aus dem
Lande der Bojen, dem heutigen Bhmen, verjagt hatte, grndete er dort
den Sitz eines neuen Reichs, das sich von der uersten Spitze der
Ostmark, und der Grnze Pannoniens, bis an das Riesengebirge hin
erstreckte. _Inguiomar_ (wahrscheinlich Hinkmar), der Ohm Hermans, der
zu ihm flchtete, verwickelte ihn in einen heftigen Streit mit seinem
gewaltigen Neffen, und als nach einer unentschiedenen blutigen
Feldschlacht seine Krieger auf Hermans Seite traten, und Catuald mit
Hlfe rmischer Scharen seine Burg erstrmte, fate er den Entschlu,
sich in Roms Schutz zu begeben. Er wurde nach Ravenna verwiesen, wo er
nach einem zwei und zwanzigjhrigen Aufenthalt sein Leben -- das er, wie
Tacitus sagt, zu sehr liebte, in unrhmlicher Abgeschiedenheit endete.
Catuald hatte ein gleiches Schicksal, denn er wurde von den Rmern nach
Frejus in Frankreich verwiesen.

[2] Vers 16.

Das Schlo _Hainburg_ mit dem Stdtchen gleiches Nahmens, an der Grnze
Ungerns in Unter-Oestreich, soll, der Sage nach, von Attila, dem Knig
der Heunen, wie die Deutschen der Vorzeit die Hunnen nannten, erbaut
worden sein: daher Heunenburg, _Heunburg_, geheien haben. Was hier von
dem Umfang, und der Lage des markomannischen Reichs unter Marbod, und
weiter unten Vers 25 von der durch ihn gekmpften Schlacht auf dem
Marchfeld gesagt wird, grndet sich, nicht mit historischer Gewiheit,
sondern in poetisch genommener scheinbarer Mglichkeit, auf folgende
Stellen aus dem Werke: +Hist. opus in IV. T. divisum, quorum T. I. Germ.
ant. illust. continet. Basileae 1574 ed. Tencterus+.

+Sub Martungis erant Curiones, inde Chetuari, et Parmecampi, ubi hodie
pars est Austriae Cis-Danubianae juxta _Krembs, Znaem et Niclaspurg_.
Inde habitabant Marcomanni; hodie regio illa Moravia est, quae se ad
Sudinos extendebat, et Danubium usque, ubi hodie civitas est
_Prespurgium_. -- Gessit haec gens maxima bella cum Romanis etc. etc.
_Bilibaldi Birkheimeri Locor. per German. explicatio pag. 209._+

Ferner: +Nariscos Marcomannos et Quados haud dubie ea loca tenuisse
putamus, ubi nunc agunt Moravi, _Merherlandt_. De Marcomannis nemo
dubitare potest, qui Vellejum legerit. _Henr. Clareani in P. C. Taciti
de Mor. Germ. comment._ p. 188.+

Und endlich: +Marcomanni sedes habuerunt in ea parte, quae spectat ortum
versus Moraviam et Austriam. Enituit autem virtus Marcomannorum in
multis asperrimis bellis, in quibus patriam adversus Romanos fortissime
defenderunt etc. _Philip. Melanchtonis Vocabula Regionum et Gent. quae
recens. in libello Taciti de mor. Germ._ p. 193.+

Da aber Rudolph aus Marbods Stamm entsprossen seyn soll (siehe unten V.
48) grndet sich in besagtem Sinn auf folgende Stelle:

+Andreas Alciatus in suis annotationibus in Tacitum, etiam in Helvetiis
consedisse Marcomannos quadosque putat. Exstat enim, inquit, adhuc in
eis Vallis _Marcomanna_ nomine.+

+_Andreae Althameri Scholia in Cornel. Tacit. de Germ._ pag. 61+
desselben Werks.

[3] Vers 23.

_Marobudum_ hie die Residenzstadt Marbods, des Knigs der Marcomannen,
die er sich in dem vormahligen Bojenheim erbaute, und die an der Stelle,
wo jetzt Prag -- nach Andern -- wo jezt Budweis, gestanden haben soll.

[4] Vers 106.

Das Wapen der Grafen von Habsburg enthielt im goldenen Felde einen
rothen Lwen mit einer blauen Krone auf dem Haupt.

[5] Vers 107.

Das bhmische Wapen zeigt einen weien gekrnten Lwen im rothen Feld.
Kaiser Friedrich I. ertheilte selbes, nach dem Mailnder Krieg,
Uladislav II. im Jahr 1159.

[6] Vers 108.

Kaiser Friedrich II. erhob Wien im Jahr 1237 zu einer freien
Reichsstadt, ertheilte ihr den doppelten Adler zum Wapen, und stiftete
eine hohe Schule daselbst. S. _Lazius_. Auch diesem wird widersprochen.

[7] Vers 295.

Der schmale Donau-Arm, der, unterhalb Nudorf von dem Hauptstrom
geschieden, die Stadt Wien von der Leopoldstadt trennet, und hiermit ein
groes Eyland bildet, auf welchem nebst besagter Vorstadt, auch die
anmuthigsten Spaziergnge in der Brigittenau, dem Augarten und dem
berhmten Prater sich befinden.

[8] Vers 308.

_Amtner_, dieses im Verlaufe des Gedichtes einigemal vorkommende Wort,
bezeichnet (wie Schaff-ner, Zll-ner u.s.w. geformt) ganz entsprechend
die franzsische Benennung _Offizier_; wo sodann _Offizier-Corps_, durch
_Amtnergilde_ gegeben werden knnte.

[9] Vers 350.

Die Kumanier (ein sarmatisches Volk), die aus ihrem Land, welches
zwischen den Alpen und der Donau, gegen die Tartarei zu, lag, von den
hinterhalb wohnenden Tartaren gedrngt, unter Bela IV. Jahr 1239 nach
Ungern kamen, und von diesem eine groe Strecke Lands zwischen der Donau
und der They eingerumt erhielten, vereinigten sich dann mit den bald
nachfolgenden Tataren, ber Ungern die schrecklichste Verwstung zu
bringen, wewegen sie dem Unger, der sie in seiner Sprache Kun nennt,
auch nachdem jene schon abgezogen waren, noch lange verhat blieben.
(+Bonfinii Decad. II. Lib. 8.+)

[10] Vers 358.

Dschengis Khan brachte durch die Grndung seines groen Reichs in Asien
auch die europische Tartarei, welche die Halbinsel Krimm, Bearabien
und das Land zwischen dem Dniester und Dnepr in sich fate, in Bewegung.
Seine Horden drngten die vor ihnen liegenden Kumanier, und als diese,
unter ihrem Knig Kuthen, sich nach Ungern zurck zogen, folgten sie
ihnen dahin nach, und verwsteten unter ihren beiden Anfhrern, Vathos,
der ber Reuen, Polen und Mhren, und Kadan, der aus der Moldau
hereinbrach, beinahe durch zwei Jahre das Land mit Feuer und Schwert.

[11] Vers 517.

Rudolphs Zug nach dem Gelobten-Lande; auch da er Hofmarschalk Knig
Ottokars gewesen (siehe weiter unten Vers 602) gehrt unter die
bestrittenen Ereignisse seines Lebens.

[12] Vers 581.

_Ueber das Faustrecht_ siehe Dr. Gerhards Abhandlung. Jena 1711.

[13] Vers 595.

_Fugger_ erzhlt: Auf dem Reichstag zu Nrnberg Jahr 1274 ist
beschlossen worden, da forthin alle Reichsabschiede, Freiheitsbriefe,
Befehle, Vertrge, letzte Willen, und dergleichen ffentliche Urkunden,
nicht mehr wie zuvor, in lateinischer, sondern in deutscher Sprache
sollten ausgefertigt werden, damit also die Ungelehrten, die das Latein
nicht verstnden, nicht ungefhrt bleiben, und die brgerlichen
Geschfte in mehrere Richtigkeit kommen mchten. Wiewohl es noch bei dem
damaligen Unform der Sprache (!!) mit der deutschen Rednerei etwas hart
herginge, so wre doch diese lbliche Sorgfalt K. Rudolph ein guter
Anfang, und eine krftige Anreizung zur Ausbung unserer Muttersprache
gewesen. (_Siehe Ehrenspiegel_ S. 87.)


Vierter Gesang.

[1] Vers 58.

_Lug_, _Lueg_ im Oberdeutschen eine Warte, +Specula+, welche demnach dem
franzsischen +Loge+ entspricht. Siehe Theuerd. Cap. 47.

[2] Vers 131.

Alles, was hier, und weiter unten von Turnier und Turniergebruchen
gesagt wird, mag in _Rxners Turnierbuche_; in +_Du Cange dissertations
sur l'histoire de St. Louis_+, und in +_Menestrier_ (Claude Fran.)
_Trait des Tournois_, _Joustes_ etc. Lyon 1669. IV.+ seine Belege
finden.

[3] Vers 428.

_Zawi von Rosenberg_, der Geliebte, und nachher Gemahl der Wittwe
Ottokars, Kunegunde, bte, whrend der Minderjhrigkeit Wenzels,
Herrschergewalt ber Bhmen aus. Dieser, nach ihrem Tod Knig geworden,
trug ihm tiefen Ha im Herzen, welchem zu entgehen, und sich zugleich an
dem feindseligen Herrscher zu rchen, Zawi, durch eine Heirath mit der
Base des Ungernknigs Ladislav, sich gegen ihn zu verbinden suchte.
--Doch, in dem Augenblick der Abfahrt ward er zu Prag durch List
festgenommen, und nach mehr als Jahresfrist im Kerker zu Budweis
enthauptet.


Fnfter Gesang.

[1] Vers 131.

Die Schlacht von Kressenbrunn (Kroissenbrunn) im Marchfeld, in welcher
Ottokar ber Bela IV. Knig der Ungern, einen entscheidenden Sieg davon
trug, ereignete sich im J. 1260. Siehe die hchst anziehende
Beschreibung derselben in _Hornecks Reim-Chronik_ vom 58. bis 64. Cap.

[2] Vers 153.

Nach jenem Sieg von Kroissenbrunn ber die Ungern, zog Ottokar mit
seinen Scharen, wie im Triumph, durch Krnthen und Krain. Als die Bhmen
an der Grnze von Italien die Steinwnde von Canale ersahen, fragten sie
den Knig: ob Rom nahe sey? denn sie htten fters von ihren Vorfahren
sagen gehrt, da sie durch eine solche Felsenpforte auf die Strae nach
Rom gekommen seyen. Ottokar antwortete ihnen, Bhm' und Pole sollen
sich einst hier wie zu Hause finden, denn, so er noch einige Zeit lebte,
wrde sich seine Gewalt noch viel weiter erstrecken. _Horneck
Reim-Chronik_ Cap. 90.

[3] Vers 162.

_Arpad_, der erste Anfhrer der Ungern (Magyaren), die, kommend von den
Ufern des Tanais her, im neunten Jahrhundert Pannonien in Besitz nahmen,
stand seinem Volk (nach +Anonym. Belae Not. 52. Cap.+) beilufig von 889
bis 907 vor, und war der Stammvater einer Reihe von Knigen, unter
welchen der heil. Stephan zuerst, im J. 1000, diesen Titel annahm, bis
mit Andreas III. im J. 1301 sein Stamm ausstarb. Erst Ferdinand I. hat
dieses Reich auf immer mit Oestreich vereinigt, obschon dasselbe vor ihm
zwei Frsten seines Hauses, Albert II., und Ladislaus Posthumus,
besaen.

[4] Vers 358.

Das Schicksal beider frstlichen Jnglinge, Konradins von Schwaben (Sohn
Konrads IV.) und Friedrichs von Oestreich (Sohn Markgraf Hermans von
Baden, und Gertrud, Tochter Heinrichs, Herzogs von Mdling) die im Jahr
1268 zu Neapel durch das Bluturtheil Carls von Anjou hingerichtet
wurden, ist bekannt. Horneck beschuldigt Ottokarn an mehr denn einer
Stelle, da er, als Mitwerber um Oestreich und Steyermark, ihren Tod
befrdert habe. _S. Reim-Chronik_ Cap. 164.

[5] Vers 361.

Gertrud, die Mutter Friedrichs von Oestreich, lie Ottokar, nachdem er
Steyermark in seine Gewalt bekam, aus allen ihren Besitzungen, zuletzt
auch aus Judenburg und Feistritz, durch den grausam gesinnten Propst von
Brnn, vertreiben. Zur Nachtzeit, im Regen und Sturm, mute sie die
Reise antreten. Sie begab sich nach Meien. (_Horneck Reim-Chronik_ Cap.
55 und 56.)

[6] Vers 364.

Ueber Margarethens, der verstoenen Gemahlinn Ottokars, Schicksale,
siehe _oben Anmerkungen zum ersten Gesange [2] zum Vers_ 68.

[7] Vers 365.

Otto, Herrn von und zu Meiau, den Stolz des streichischen Adels, hatte
Ottokar, wegen geargwohnter Anhnglichkeit fr den Sohn der
babenbergischen Gertrud, im Schlo Eichhorn festsetzen, und dort Jahr
1265 im Hungerthurm verbrennen lassen. (+Chron. Austral. Neob. et Leob.
apud. Hieron. Pez T. I.+)

[8] Vers 366.

Der scheelschtige Ritter Friedrich von Pettau hatte Ottokars
argwhnisches Gemth gegen einige seiner Mitstnde in der Steyermark
aufgeregt, der dann mehrere von ihnen, als: Ulrich von Lichtenstein,
Hartneid von Wildon, Wlfing von Stubenberg, und Heinrich und Bernhard
von Pfannberg, auf verschiedene Vesten gefangen setzen, und sie aus
diesen nach einer zweijhrigen Haft nicht eher entlie, bis sie ihm ihre
Burgen ausgeliefert hatten. _Horneck_ Cap. 85 und 86.

[9] Vers 372.

Seyfried von Merenberg, der steyrische Ritter, versumte dem Knig
Ottokar, auf seinem Siegszug an der Drau mit den brigen Herrn entgegen
zu kommen, und fiel durch Einflsterung eines bsen Menschen bei ihm in
Verdacht. Er lie ihn in der Folge heimlich greifen, und gebunden nach
Prag abfhren. Als er vielfltig gemartert, Gott zum Zeugen seiner
Unschuld rief, und dem, nach Gestndnissen einer Verschwrung in
Krnthen und Krain gierigen Knig, keine Lge fr Wahrheit geben wollte,
wurde er durch ein Pferd zum Galgen geschleift, und dort, das Haupt zu
den Fen gebunden, aufgehenkt. Noch in der zweiten Nacht lebt' er in
diesem qualvollen Zustand, bis ihm endlich einer der bhmischen Szupane
die Scheitel mit einem Kolben einschlug, weil er, auf wiederholte
Aufforderungen, schon halbtodt, aber standhaft, der Wahrheit getreu
gewesen zu seyn betheuerte. (_Horneck_ Cap. 99.)

[10] Vers 378.

Ottokar lie den Bruder Milota's, Bene, Kmmerer von Mhren, dessen
Tochter er geschndet haben soll, zugleich mit Otto von Meiau im Jahr
1265 in dem Hungerthurm zu Eichhorn verbrennen. Milota's Ha gegen
Ottokar, und der Verrath, den er in der Marchfelder Schlacht 1278 an ihm
beging, soll dadurch veranlat worden seyn. (Siehe _Hanthalers_ +Fast.
Campil. Lib. I. Dec. VII. . 26.+ S. 1017 und _Fuggers Ehrenspiegel_ &c.
S. 104.)


Sechster Gesang.

[1] Vers 96.

_Odin_, der Gott der Gtter, nach der nordischen Mythologie. (Siehe
_Ryerups Wrterbuch der scandinavischen Mythologie von Sander_,
Copenhagen 1817.)

[2] Vers 516.

Die Gemahlinn Rudolphs, Anna, verschied zu Wien am 23. Hornung des Jahrs
1281, von wo ihre Leiche nach Basel abgefhrt, und in der Domkirche
beigesetzt worden ist.

[3] Vers 538.

Da sowohl Ottokar, als auch Rudolph schon zu ihrer Zeit eine Art
Pontonsbrcke ber Flsse zu schlagen verstanden, erhellet aus _Hornecks
Reim-Chronik_ Cap. 92., wo es heit:

  Chostleichen hiez er machen
  Von Holczwerich ein Prukken
  Dew waz von manigen stuckchen
  Chluegleichen gevalten.

und dann

  Bey der Tunawstaden
  Do sich das Her vol gelait,
  Do waz dew Prukken berait
  Vber die Tunaw weit;
  Die Prukken muesten alle Zeit
  Wohl hundert Wegen tragen,
  Wo des Kunigs Helfer lagen,
  Da ward nach gesannt &c. &c.

In diesem 92. Capitel ist von der Einnahme des Preburger Schlosses im
letzten Krieg Ottokars gegen Ungern die Rede.


Siebenter Gesang.

[1] Vers 25.

Ueber Hainburg, und ihre vermeintliche Erbauung durch Attila, siehe oben
_Anmerkungen zum dritten Gesang_[2] Vers 16.

[2] Vers 110.

Die Sage von der Burgfrau, welche grausam eitlen Sinnes das Blut der
Kinder vergo, zeigt auf die Ruinen des Schlosses * * *, an dem rechten
Waag-Ufer, nicht fern von Trentschin, welches sie bewohnt hat.

[3] Vers 244.

Die Waffe, eine Art kurzer Streitkolben, von welcher hier die Rede ist
nennt der Unger +Buzogny+, wo der Buchstabe +z+ wie beim italienischen
+zero+ ausgesprochen wird; das +y+ verliert sich aber im Druck der Zunge
an den Gaumen.

[4] Vers 309.

Die _Zips_ (Zip), lat. +Scepusium+, eine Gespannschaft in Ober-Ungern
am Fue der hchsten Karpathen gelegen, und wohl eines der hchsten
bewohnten Gebirgsthler der streichischen Monarchie, aus welchem nach
allen Welttheilen bedeutende Flsse sich ergieen: g'en Westen die Waag;
g'en Sden die Hernath; g'en Osten die Tarza; g'en Norden die Poprad,
die in dem angrnzenden Polen, mit der Dunajez vereint, in die
Weichsel fllt. Diese Gespannschaft zeichnet intellectuelle und
landwirthschaftliche Cultur vor mancher andern Ungerns aus, so, da viel
Wohlstand sowohl in den zwei kniglichen Stdten Leutschau und Kmark,
als auch in den XVI. Stdten, unter den munteren und fleiigen Bewohnern
zu sehen ist. Der Verfasser gegenwrtigen Gedichts trennte sich schwer
von diesem Lndchen, worinn ihm 1819 und 1820 eine ehrenvolle Bestimmung
geworden war.

[5] Vers 312.

Ueber Katwald und _Inguiomar_ siehe oben die _Anmerkungen zum dritten
Gesange_ [1] Vers 3.

[6] Vers 474.

Da die Knige von Ungern, zur Zeit _Hornecks_ wenigstens, in der
Schlacht nicht selber mitfochten, sondern von einer Anhhe nur Zeugen
derselben waren, erhellet aus Cap. 153, wo von der Marchfelder Schlacht
die Rede ist:

  Kunig Ladila den jungen
  Sy furten von Streit dan
  Auf den Perikch ob dem Plan
  Da er wol hrt und sach
  Alles daz, daz da geschach
  Auf dem Veld prait.
  Ez ist der Vnger Gewonhait
  Vnd jehent auch offenbar:
  Ir Kunig sey jn zu achpar
  Darezu, daz er schull streiten &c. &c.

Auch sagt _Haselbach_ +Chron. Austr. Lib. III. ap. Hier. Pez. T. II.
Ladislao+, juvene Ungariae, cuncta de monte prospectante; nam Ungarorum
mos habet, ut Rex propria persona bellum intrare non debeat.

[7] Vers 536.

Die Sitte, des Gegners Heer zum Kampf herauszufordern, und sogar von
beiden Seiten dazu Tag und Ort zu bestimmen, war den alten Deutschen
gemein. Ein Beispiel davon findet man auch bei _Horneck_ Cap. 60, wo
Ottokar den Knig Bela durch Otto von Meiau zum Kampf auffordert, und
bald darauf auch Bela den Gegnern sagen lt, sie sollen sich auf eine
bestimmte Strecke zurckziehen, damit die Ungern ber die March setzen,
sich aufstellen, und die Schlacht liefern mgen.

[8] Vers 550.

Sowohl bei Horneck, als auch bei den sptern Geschichtschreibern, wird
Schrlins und seines unbndigen Rosses erwhnt, welches das erste
Zeichen zur Marchfelder Schlacht gegeben habe.


Achter Gesang.

[1] Vers 31.

In der Jgersprache heit das Bluten des verwundeten Wildes: das
_Schweien_; daher die Benennung einer Gattung der Jagdhunde.

[2] Vers 55.

_Tyr_, nach der nordischen Mythologie, der Sohn Odins, des hchsten der
Gtter, und ein Beschtzer der muthigen Krieger, soll die einzige
Gottheit der scythischen Vlker gewesen seyn, die ohne Zweifel unter
einem andern Nahmen bei ihnen in Verehrung stand. Bei seinem Scheiden
von der Erde soll er sein Schwert in die Erde vergraben haben, welches
erst spter Attila auffand.

[3] Vers 386.

Vor der Schlacht sollen Einige aus dem streichischen Heere den Knig
Ottokar, aus alter Anhnglichkeit, schriftlich vor Untreue der Seinigen
gewarnt haben; da nun auch die Meiner und Thringer heimlich aus dem
Lager abzogen, so habe er sich wehrlos in die Mitte seiner Feldherrn
gestellt, und sie aufgefordert, ihm die Brust zu durchbohren, ehe noch
viele Tausende auf dem Schlachtfelde gefallen seyn wrden. (Siehe
_Hanthaler_ +Fast. Camp. T. I. Pars II. Dec. VIII. . 80.+ +Arenpeckii
Chron. Austr. ad An. 1278+.)

[4] Vers 428.

Heinrich I. der _Stdte-Erbauer_, hat ungefhr im J. 930 die Stadt, und
das Schlo Meien an der Elbe erbaut, und ihr von dem Flchen, das sie
eben dort aufnimmt, und Meie heit, den Nahmen gegeben.

[5] Vers 459.

Constanzia, Tochter des babenbergischen Leopold des _Glorreichen_, war
die Gemahlinn Markgrafs Heinrich von Meien, des Sieghaften, die ihm die
beiden Shne Dietrich und Albrecht gebar. Einen von diesen beiden
verlangten die Stnde von Oestreich, nach dem Erlschen des
babenbergischen Stammes, und der kurzen Regierung Hermanns von Baden, zu
ihrem Herrscher, und fertigten von Tuln, wo sie ihre Versammlung
hielten, Gesandte nach Meien ab, die hernach der Knig von Bhmen
unterwegs aufgehalten, von der Fortsetzung der Reise abgebracht, und
sich durch Hindeutung auf eine Heirath mit der verwittweten Herrscherinn
Margareth den Weg zur Erwerbung von Oestreich und der Steyermark
erffnet hat.

[6] Vers 473.

Da die Meiner und Thringer vor der Schlacht heimlich aus dem Lager
Ottokars abgezogen seyen, ist geschichtlich. (S. oben _Anmerkung_ [3]
zum 386 Vers.) Die Ursache dieses Abzugs ist unbekannt.


Neunter Gesang.

[1] Vers 71.

Die Krieger, gewhnlich leichte Reiterei, die vor einem feindlichen
Heere daherzieh'n, heien in der bestehenden Kriegssprache:
+Eclaireurs+.

[2] Vers 436.

_Venezia_. Ueber die merkwrdige Eroberung Constantinopels im Jahr 1202
(also 76 Jahre vor der Marchfelder Schlacht) durch vorzgliche
Mitwirkung des 90jhrigen Greises, Heinrich Dandolo, Doge von Venedig,
siehe Raumers Geschichte der Hohenstaufen III. B. und Daru's Histoire de
Venise I. Der Snger Rudolphs von Habsburg wollte hier, jener herrlichen
Stadt, der einstigen Kniginn des adriatischen Meeres, deren Andenken
ihm auf immer theuer bleiben wird, dankbar erwhnen.

[3] Vers 600.

_Al-rune_. _Runen, Runenschrift_, ein den alten Germanen und
Scandinaviern eigenes Alphabet, nach welchem im nrdlichen Deutschland
noch einige Denksteine beschrieben gefunden werden. Wahrscheinlich
hatten sie selbes von den Phnikern erhalten, und was sich davon hie und
da auf verwittertem Gestein vorfand, diente in spterer Zeit zu manchen
vorgeblich zauberischen Knsten, das Schicksal der Menschen von den
Nornen, den Schicksalsgttinnen, zu erfragen. Diese drei schnen
Jungfrauen, heben sich stets aus Mimers Brunn, der himmlischen Quelle,
herauf bei welcher die Gtter Rath halten, und ihre Urtheile offenbaren,
und heien: Urda, Werandi, Skulda: _Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft_.
(_Ryerups scandinav. Mythol._ &c.)


Zehnter Gesang.

[1] Vers 35.

_Rheinau_, +Augia major+, ein kleines Stdtchen zwischen Schaffhausen
und Eglisau, wo eine Brcke ber den Rhein fhrt. Dort befand sich
vormals ein reiches Benedictiner-Stift, das Funtan der Heilige, aus dem
kniglichen Geblt Schottlands, erbaut haben soll, da er aus hherer
Eingebung einen Platz dazu suchen mute, wo der Rhein _nach Osten_
fliet, und solcher an dieser Stelle allein gefunden wird. +Stumpf.
Schw. Chron. p. 360.+

[2] Vers 84.

_Hartmann_, der jngste der Shne Rudolphs, ertrank, mit noch andern
dreizehn Jnglingen, adeligen Geschlechts, am 20. Dezember des Jahrs
1280, im achtzehnten seines Alters, als er mit selben den Rhein
hinabfuhr, und das Schiff bei Rheinau von dem Grundeis umgestrzt wurde.
-- Seine Leiche ward nach Basel gefhrt, und im dortigen Mnster
begraben.

[3] Vers 138.

_Woldan_ hie ein Raubritt, den fters der oberste Anfhrer eines im
Krieg begriffenen Volks, mit einer Schar Freiwilliger, in dem Lande des
Feindes, Beute zu holen, unternahm. Bei der Belagerung Peterlingens
forderte Rudolph sein Volk zu einem solchen Woldan auf; er streifte bis
gen Lausanne, und es heit da;

  Si namen da so viel
  Daz Ich frwar sagen wil,
  Daz in langer Zeit
  Nahent, noch weit,
  Nie wart geritten noch gethan
  Ain so schedleicher Woldan.

  (Horneck R. Chr. C. 319.)

[4] Vers 140.

_Iwan von Gn_ (Sohn des Grafen Heinrich) emprte sich erst gegen
seinen eigenen Knig, fiel dann, hufig plndernd, auch in Oestreich und
Steyermark ein, und verbte unzhlige Grausamkeiten. Im Jahr 1286 schlug
er den gegen ihn gesandten Abt von Admont; spter auch Herman von
Landenberg, der sich ihm mit seinen streichischen und steyerischen
Kriegern ergeben mute. Herzog Albrecht, von Truppen entblt, verschlo
sich in Neustadt, und ging sogar den Vertrag von Hainburg ein, vermge
welchem die Gefangenen ausgewechselt, und in einem Krieg mit Ungern sie
sich beide gegenseitige Hlfe leisten sollten. Iwan setzte seine
Verheerungen in Oestreich bald wieder fort, bis endlich im Jahr 1280 ihn
Albrecht mit starker Macht bekriegte, ihm Oedenburg nebst vielen andern
Vesten, Burgen und Mrkten abnahm, und ihn endlich, nach einer
hartnckigen Belagerung, in Gn bezwang. Ueber diese Belagerung siehe
_Horneck R. Chron._ von Cap. 312 bis 315.

[5] Vers 228.

Ueber dieses historische Faktum siehe Fugger _Ehrenspiegel_ S. 75. Cap.
VIII.

[6] Vers 236.

_Antwerk_ war ein Wurfgeschtz, aus welchem Steine von bedeutender
Schwere, ja auch zuweilen Schwefelfeuer nach den Erkern, und auf die
Huser der Veste geworfen wurden. (Ueber diese und die folgenden
Kriegswerkzeuge des Mittelalters, siehe: _Schachts vortreffliches Werk
ber Hornecks Reim-Chronik_, Mainz 1821, S. 388.)

[7] Vers 238.

_Katzen_ nannte man die mit Erde gedeckten Werke, welche inwendig mit
Stobumen versehen, nach Ausfllung der Grben, bis an die Mauern
vorgeschoben wurden, und gegen welche man sich durch Minen, und
Geschosse von den Mauern herab, zu wehren suchte. S. oben.

[8] Vers 245.

_Ebenhoch_ hieen eine Art Thrme, die, wahrscheinlich auf Rdern, an
die Mauern geschoben, verschiedene Geschosse in die Veste zu schleudern,
dienten. Ihr Nahme zeigt, da sie hoch genug waren, um das Innere der
ummauerten Stdte und Vesten bersehen zu knnen. S. oben.

[9] Vers 297.

Dem Verfasser der berhmten _Reim-Chronik_, die zuerst von dem gelehrten
Benediktiner von Melk, _Hieronymus Pez_, im Jahre 1745 zum Druck
befrdert ward, hat Lazius +Comment. Geneal. p. Auster.+ 233 auer dem
Nahmen _Ottakcher_ (Ottokar), den er sich selber R. Chr. Cap. 177
beilegt, unbekannt aus welcher Quelle, auch den von _Horneck_,
aufgefunden. Er lebte unter _Rudolphs_ I. und _Albrechts_ I. Zeiten; war
in Steyermark geboren; hatte den berhmten Meistersnger Kunrad von
Rotenberg, der vorher an Manfreds Hofe lebte, zum Lehrmeister; stand,
man wei nicht, in welcher Eigenschaft, im Gefolge Ulrich und Otto
Lichtensteins; wohnte der Marchfelder Schlacht 1278 bei, und starb erst
nach dem Jahr 1309, da er noch von dem Aufruhr einiger aus dem Adel, und
der Wiener Brger, gegen _Friedrich den Schnen_ spricht, und damit sein
Werk beschliet. Die _Reim-Chronik Hornecks_, die mit dem Tode
_Friedrichs_ II. rm. Kaisers beginnt, und um das Jahr 1309 der
Regierung _Friedrich des Schnen_ endet, enthlt ber 83,000 kurze
gereimte Verse in 830 Capiteln.

Ein anderes noch ungedrucktes Werk Hornecks: _Von den Monarchen und
Kaisern der Welt bis auf Friedrich II. rm. Kaiser_, in hnlichen Versen
verfat, ist im Besitze der k. k. Hofbibliothek zu Wien. (Siehe die
Vorerinnerungen des Hieronymus Pez zu Hornecks Reim-Chronik in seinem
Werke: +Scriptores rerum Austriacarum III.+ Band; und obiges treffliche
Werk: _Aus- und ber Ottokars von Horneck Reim-Chronik_, von Th.
Schacht, Mainz 1821.)

[10] Vers 305.

Ulrich von Lichtenstein, aus der steyerischen Linie der Lichtensteine --
ein trefflicher Ritter und Minnesnger zugleich, der die beiden
merkwrdigen Gedichte: _Frauendienst_, und: _Ytwitz oder der Frauen
Puech_, verfate, mag kurz vor der Marchfelder Entscheidungsschlacht
gestorben seyn. Das erstere Werk enthlt ein prchtiger Codex in
Mnchen, und wurde herausgegeben durch Ludwig Tieck. Stuttgart und
Tbingen in der J.G. Cotta'schen Buchhandlung 1812. Das zweite befindet
sich in der Ambraser Sammlung zu Wien, Bl. 220-225 noch ungedruckt. (S.
die Beschreibung Primiers -- Seite 279.)


Eilfter Gesang.

[1] Vers 38.

_Siehe oben Anmerkungen_ zum _dritten Gesang_ [8] Vers 308.

[2] Vers 73.

Was hier von den Vorbereitungen zur Schlacht, als: von der Feier des
Abendmahls im Lager; von der Beicht' und Communion, und weiter unten:
von dem Mustern der Gurt' und Steigbgel; von den Auftrgen, welche die
Ritter im Fall, da sie dem Feinde erlgen, an ihre Daheimgebliebenen
den Knappen ertheilen; von dem Zusammenhalten der Freunde in der
Schlacht u.s.w. gesagt wird, ist durchaus der damaligen Rittersitte
gem, und in Hornecks _Reim-Chronik_ Cap. 147, 329, 330 und 530
begrndet.

[3] Vers 135.

Die ausgezeichnetsten Ritter wetteiferten um den Vorzug, das
Hauptbanner, oder die Sturmfahn, dem Herrscher selber in der Schlacht
vorzutragen. Horneck _Reim-Chronik_ C. 148.

[4] Vers 181.

Ueber die Sitte, sich gegenseitig die Schlacht anzukndigen, und dazu
Tag und Stunde zu bestimmen, siehe oben _Anmerkung zum siebenten
Gesange_ Vers 536.  [[Anm. 7.7.]]

[5] Vers 184.

Im Jahr 1289 berzog Kaiser Rudolph den Herzog von Burgund mit Krieg,
eroberte Mmpelgard, und zwang ihn zum Frieden. Vor der Schlacht sandte
er einen Bothen mit der Frage an ihn: ob er zum Streiten bereit sey?
und der Herzog lie ihm sagen: er seye darum hergekommen. (Siehe
_Horneck Reim-Chronik_ C. 329.)

[6] Vers 211.

Den Ritterschlag auf Schild und Schwert ertheilte Rudolph also vor der
Schlacht: S. _Horneck_ R. Chr. C. 149.

[7] Vers 542.

In den Gebirgsthlern Tirols, Steyermarks und Oestreichs, ist das
sogenannte _Scheibenschieen_ eine beliebte und mitunter ntzliche
Unterhaltung des Volks. _Zu Hauptschieen_ werden von nahe und ferne die
Schtzen geladen: das _Kreisschieen_ ist das gewhnliche an Sonn- und
Festtagen; das _Beste_, ist der Preis dessen der den besten Schu
gethan.


Zwlfter Gesang.

[1] Vers 54.

Ueber diesen Klaggesang Hornecks siehe dessen _Reim-Chronik_ Cap. 163
und 164. Hier nur Einiges aus demselben:

  Sieh Welt aller Untrew Chron,
  Daz ist auch ainer deiner Lon!
    --  --  --  --  --  --
  Auf der Erden lag er par
  Sein eigen Pluts naz.
  Wo waren die Matra,
  Und die gulter Seydein,
  Darauf er sollt gelegen sein?
  Wo waren die ihn sollten chlagen?
  Von Mannen und von Magen, (Anverwandte)
  Pelieb er Trostes frey.
  Wo waren Erzt und Erzeney,
  Damit man seine Wunden
  Solt han gepunden?
    --  --  --  --  --
  Er hat so viel Guts,
  Wer er gewesen des Muts,
  Daz er tegleich wolt
  Von edlem Gestain und Gold
  Haben tragen Kleider an,
  Daz hiet er wol getan.
  Dez liez er ihm so gar zerrinnen
  Daz man im muest gewinnen
  Ain Graz, da man ihn mit pedackt,
  So gar pelieb er nakht.
    --  --  --  --  --  --
  Ungetrev Welt, die spielt
  Du von im so gar,
  Daz aus dainer Schar
  Im Niempt volgt nach.
    --  --  --  --  --  --
  Sieh Welt daz ist dein Sold.
  We im! der dir ist hold
  Und We im den du trewtest.
  Mit dem Mund du im pewtest
  Honig an dem Anwang,
  Und hechst als ein Gift-Slang
  An dem End  --  --
    --  --  --  --  --  --
  Wer nicht will Gottes Haz
  Und seinen Zorn leiden,
  Der mu die Welt vermeiden.
  Dann die Werich, die sy geert
  Die sind vor Gott unwert.
  Dez vermaid nit der wakcher
  Von Pehaim Kunig Ottakher:
  Wann er vollfurt mit Gelust
  Der Welt Achust, (unordl. Begierden und Laster.)
  Und rang hier also ser
  Nach der zergenklichen Er,
  Daz er sich dez nicht liez befillen
  Damit er nach irm Willen
  Mcht gewerben, und geleben,
  Daz sol im Gott vergeben!

[2] Vers 209.

Die Stephanskirche, nachdem sie vorher zweimal abgebrannt war, hat
Ottokar beinahe in derselben Gestalt, wie sie noch heut' zu Tage zu
sehen ist, whrend er ber Oestreich herrschte, hergestellt.

[3] Vers 347.

Da Rudolph den Knig Ladislav adoptirt habe, meldet auch Fugger I. Buch
12. Cap. S. 101.

[4] Vers 401.

Die Belehnung Albrechts mit Oestreich, Steyer, Krain, der Windischmark
und Portenau geschah eigentlich zu Augsburg whrend des Reichstags
daselbst im Jahr 1282, wo, im sogenannten _Frohnhof_, ein kaiserlicher
Thron, umgeben von den Churfrsten und Frstenshnen, zu sehen war, und
die Feierlichkeit nach denen, von Friedrich I., Heinrich IV. Friedrich
II. ertheilten Privilegien geschah.


       *       *       *       *       *
           *       *       *       *
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Druckfehler:

Rechtschreibeformen in -lll- (_allletzter_, _hellleuchtend_) sind
ungendert.

  1. Gesang
    Des Friedens erwhnst du?  [ererwhnst]
    da es also gescheh'n wird!  [_ aus 1827 Auflage ergnzt_]

  2. Gesang
    Manches Helden Gebein', auch Friedrichs ...  [Fiedrichs]
    stets in deinem Geschlechte noch dauern.[7]  [_ 1827_]
    und waldumsumtes Gehftland;  [waldumsaumtes]

  3. Gesang
    ein trefflicher Strmer!  [_ 1827_]

  4. Gesang
    und nahten ihm, grend mit Ehrfurcht.  [gruend]
    Wahrlich vor Kummer das Herz um den treugesinneten Helden.
      [_hier und anderswo fehlt das zweite _]
    hoben den Helm von dem Haupt', und empfiengen  [_ungendert_]
    Euch entbiethet zuvor  [_,Euch mit einfaches Anfhrungszeichen_]
    der letzte der Kmpfe gewhret!  [gewahret]

  8. Gesang
    Heinrich, dem Hort der Baiern  [_ungendert: anderswo Bayern_]
    Drauen am Lagerrand, vor allen dem feindlichen nher
      [_naher; aber vielleicht nahe wie in 1827_]

  9. Gesang
    Drben der Wunderstadt, Venezia,[2]  [_[1] statt [2]_]
    die Feinde, sie fliehen!  [_ 1827_]
    die Alrune,[3]  [_[4] statt [3]_]

  10. Gesang
    Sie zu vollbringen dereinst.  [_ fehlt hier?_]
    Retter zu seyn Unglcklicher!  [_ 1827_]

  11. Gesang
    O so sprich: Treu bis in den Tod ihr weiht' ich das Leben!
      [_zweites  fehlt_]
    Nun die Schtzen Tyrols  [Schtzens]
    den schwer zu erklimmenden Hhen  [erglimmenden]


  Anmerkungen:

  [Einige Anmerkungen, wie 2.5, 3.8, 9.2, und das Dicht in 12.1, sind
  scheinbar nach Pyrkers Tod eingefgt.]

  1.
  Gerard. Roo Hist. Austr. Lib. I.)  [_) fehlt_]
    [_eigentlich Gerard de Roo_]
  von dem babenbergischen Leopold VII.  [_. fehlt_]

  2.
  gewhrt einen ergreifenden Anblick.  [_. fehlt_]

  3.
  Uladislav II.  [_ungendert_]

  5.
  noch viel weiter erstrecken. [_ fehlt_]
  (Siehe _Hanthalers_ ...  [_( fehlt_]

  6.
  Wohl hundert Wegen tragen,  [_hunbert; 1827 hundert_]

  7.
  [8] Vers 550.  [_[5] statt [8]_]

  12.
  Privilegien geschah.  [_. fehlt_]





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and accept all the terms of this license and intellectual property
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the terms of this agreement, you must cease using and return or destroy
all copies of Project Gutenberg-tm electronic works in your possession.
If you paid a fee for obtaining a copy of or access to a Project
Gutenberg-tm electronic work and you do not agree to be bound by the
terms of this agreement, you may obtain a refund from the person or
entity to whom you paid the fee as set forth in paragraph 1.E.8.

1.B.  "Project Gutenberg" is a registered trademark.  It may only be
used on or associated in any way with an electronic work by people who
agree to be bound by the terms of this agreement.  There are a few
things that you can do with most Project Gutenberg-tm electronic works
even without complying with the full terms of this agreement.  See
paragraph 1.C below.  There are a lot of things you can do with Project
Gutenberg-tm electronic works if you follow the terms of this agreement
and help preserve free future access to Project Gutenberg-tm electronic
works.  See paragraph 1.E below.

1.C.  The Project Gutenberg Literary Archive Foundation ("the Foundation"
or PGLAF), owns a compilation copyright in the collection of Project
Gutenberg-tm electronic works.  Nearly all the individual works in the
collection are in the public domain in the United States.  If an
individual work is in the public domain in the United States and you are
located in the United States, we do not claim a right to prevent you from
copying, distributing, performing, displaying or creating derivative
works based on the work as long as all references to Project Gutenberg
are removed.  Of course, we hope that you will support the Project
Gutenberg-tm mission of promoting free access to electronic works by
freely sharing Project Gutenberg-tm works in compliance with the terms of
this agreement for keeping the Project Gutenberg-tm name associated with
the work.  You can easily comply with the terms of this agreement by
keeping this work in the same format with its attached full Project
Gutenberg-tm License when you share it without charge with others.

1.D.  The copyright laws of the place where you are located also govern
what you can do with this work.  Copyright laws in most countries are in
a constant state of change.  If you are outside the United States, check
the laws of your country in addition to the terms of this agreement
before downloading, copying, displaying, performing, distributing or
creating derivative works based on this work or any other Project
Gutenberg-tm work.  The Foundation makes no representations concerning
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States.

1.E.  Unless you have removed all references to Project Gutenberg:

1.E.1.  The following sentence, with active links to, or other immediate
access to, the full Project Gutenberg-tm License must appear prominently
whenever any copy of a Project Gutenberg-tm work (any work on which the
phrase "Project Gutenberg" appears, or with which the phrase "Project
Gutenberg" is associated) is accessed, displayed, performed, viewed,
copied or distributed:

This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
almost no restrictions whatsoever.  You may copy it, give it away or
re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
with this eBook or online at www.gutenberg.org

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from the public domain (does not contain a notice indicating that it is
posted with permission of the copyright holder), the work can be copied
and distributed to anyone in the United States without paying any fees
or charges.  If you are redistributing or providing access to a work
with the phrase "Project Gutenberg" associated with or appearing on the
work, you must comply either with the requirements of paragraphs 1.E.1
through 1.E.7 or obtain permission for the use of the work and the
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     owed to the owner of the Project Gutenberg-tm trademark, but he
     has agreed to donate royalties under this paragraph to the
     Project Gutenberg Literary Archive Foundation.  Royalty payments
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     prepare (or are legally required to prepare) your periodic tax
     returns.  Royalty payments should be clearly marked as such and
     sent to the Project Gutenberg Literary Archive Foundation at the
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     the Project Gutenberg Literary Archive Foundation."

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     distribution of Project Gutenberg-tm works.

1.E.9.  If you wish to charge a fee or distribute a Project Gutenberg-tm
electronic work or group of works on different terms than are set
forth in this agreement, you must obtain permission in writing from
both the Project Gutenberg Literary Archive Foundation and Michael
Hart, the owner of the Project Gutenberg-tm trademark.  Contact the
Foundation as set forth in Section 3 below.

1.F.

1.F.1.  Project Gutenberg volunteers and employees expend considerable
effort to identify, do copyright research on, transcribe and proofread
public domain works in creating the Project Gutenberg-tm
collection.  Despite these efforts, Project Gutenberg-tm electronic
works, and the medium on which they may be stored, may contain
"Defects," such as, but not limited to, incomplete, inaccurate or
corrupt data, transcription errors, a copyright or other intellectual
property infringement, a defective or damaged disk or other medium, a
computer virus, or computer codes that damage or cannot be read by
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1.F.2.  LIMITED WARRANTY, DISCLAIMER OF DAMAGES - Except for the "Right
of Replacement or Refund" described in paragraph 1.F.3, the Project
Gutenberg Literary Archive Foundation, the owner of the Project
Gutenberg-tm trademark, and any other party distributing a Project
Gutenberg-tm electronic work under this agreement, disclaim all
liability to you for damages, costs and expenses, including legal
fees.  YOU AGREE THAT YOU HAVE NO REMEDIES FOR NEGLIGENCE, STRICT
LIABILITY, BREACH OF WARRANTY OR BREACH OF CONTRACT EXCEPT THOSE
PROVIDED IN PARAGRAPH F3.  YOU AGREE THAT THE FOUNDATION, THE
TRADEMARK OWNER, AND ANY DISTRIBUTOR UNDER THIS AGREEMENT WILL NOT BE
LIABLE TO YOU FOR ACTUAL, DIRECT, INDIRECT, CONSEQUENTIAL, PUNITIVE OR
INCIDENTAL DAMAGES EVEN IF YOU GIVE NOTICE OF THE POSSIBILITY OF SUCH
DAMAGE.

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received the work on a physical medium, you must return the medium with
your written explanation.  The person or entity that provided you with
the defective work may elect to provide a replacement copy in lieu of a
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providing it to you may choose to give you a second opportunity to
receive the work electronically in lieu of a refund.  If the second copy
is also defective, you may demand a refund in writing without further
opportunities to fix the problem.

1.F.4.  Except for the limited right of replacement or refund set forth
in paragraph 1.F.3, this work is provided to you 'AS-IS' WITH NO OTHER
WARRANTIES OF ANY KIND, EXPRESS OR IMPLIED, INCLUDING BUT NOT LIMITED TO
WARRANTIES OF MERCHANTIBILITY OR FITNESS FOR ANY PURPOSE.

1.F.5.  Some states do not allow disclaimers of certain implied
warranties or the exclusion or limitation of certain types of damages.
If any disclaimer or limitation set forth in this agreement violates the
law of the state applicable to this agreement, the agreement shall be
interpreted to make the maximum disclaimer or limitation permitted by
the applicable state law.  The invalidity or unenforceability of any
provision of this agreement shall not void the remaining provisions.

1.F.6.  INDEMNITY - You agree to indemnify and hold the Foundation, the
trademark owner, any agent or employee of the Foundation, anyone
providing copies of Project Gutenberg-tm electronic works in accordance
with this agreement, and any volunteers associated with the production,
promotion and distribution of Project Gutenberg-tm electronic works,
harmless from all liability, costs and expenses, including legal fees,
that arise directly or indirectly from any of the following which you do
or cause to occur: (a) distribution of this or any Project Gutenberg-tm
work, (b) alteration, modification, or additions or deletions to any
Project Gutenberg-tm work, and (c) any Defect you cause.


Section  2.  Information about the Mission of Project Gutenberg-tm

Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
electronic works in formats readable by the widest variety of computers
including obsolete, old, middle-aged and new computers.  It exists
because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from
people in all walks of life.

Volunteers and financial support to provide volunteers with the
assistance they need, are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
remain freely available for generations to come.  In 2001, the Project
Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations.
To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
and the Foundation web page at http://www.pglaf.org.


Section 3.  Information about the Project Gutenberg Literary Archive
Foundation

The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
Revenue Service.  The Foundation's EIN or federal tax identification
number is 64-6221541.  Its 501(c)(3) letter is posted at
http://pglaf.org/fundraising.  Contributions to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
permitted by U.S. federal laws and your state's laws.

The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S.
Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered
throughout numerous locations.  Its business office is located at
809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email
business@pglaf.org.  Email contact links and up to date contact
information can be found at the Foundation's web site and official
page at http://pglaf.org

For additional contact information:
     Dr. Gregory B. Newby
     Chief Executive and Director
     gbnewby@pglaf.org


Section 4.  Information about Donations to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation

Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
spread public support and donations to carry out its mission of
increasing the number of public domain and licensed works that can be
freely distributed in machine readable form accessible by the widest
array of equipment including outdated equipment.  Many small donations
($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
status with the IRS.

The Foundation is committed to complying with the laws regulating
charities and charitable donations in all 50 states of the United
States.  Compliance requirements are not uniform and it takes a
considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
with these requirements.  We do not solicit donations in locations
where we have not received written confirmation of compliance.  To
SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any
particular state visit http://pglaf.org

While we cannot and do not solicit contributions from states where we
have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
against accepting unsolicited donations from donors in such states who
approach us with offers to donate.

International donations are gratefully accepted, but we cannot make
any statements concerning tax treatment of donations received from
outside the United States.  U.S. laws alone swamp our small staff.

Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
methods and addresses.  Donations are accepted in a number of other
ways including checks, online payments and credit card donations.
To donate, please visit: http://pglaf.org/donate


Section 5.  General Information About Project Gutenberg-tm electronic
works.

Professor Michael S. Hart is the originator of the Project Gutenberg-tm
concept of a library of electronic works that could be freely shared
with anyone.  For thirty years, he produced and distributed Project
Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support.


Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S.
unless a copyright notice is included.  Thus, we do not necessarily
keep eBooks in compliance with any particular paper edition.


Most people start at our Web site which has the main PG search facility:

     http://www.gutenberg.org

This Web site includes information about Project Gutenberg-tm,
including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to
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