Project Gutenberg's Der rote Kampfflieger, by Manfred von Richthofen

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Title: Der rote Kampfflieger

Author: Manfred von Richthofen

Release Date: February 11, 2008 [EBook #24572]

Language: German

Character set encoding: ISO-8859-1

*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DER ROTE KAMPFFLIEGER ***




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                               Der rote
                             Kampfflieger

                                  von

                              Rittmeister
                   Manfred Freiherrn von Richthofen

                           151.-200. Tausend


                                 1917

                   Verlag Ullstein & Co, Berlin-Wien



      Alle Rechte, insbesondere das der bersetzung, vorbehalten.
        Amerikanisches Copyright 1917 by Ullstein & Co, Berlin.




Inhalt


Einiges von meiner Familie                          9

Meine Kadettenzeit                                 12

Eintritt in die Armee                              14

Erste Offizierszeit                                16

Kriegsausbruch                                     19

berschreiten der Grenze                           21

Nach Frankreich                                    25

Wie ich auf Patrouille zum erstenmal die Kugeln
  pfeifen hrte                                    31

Patrouillenritt mit Loen                           37

Langeweile vor Verdun                              41

Das erstemal in der Luft!                          45

Beobachtungsflieger bei Mackensen                  48

Mit Holck in Ruland                               49

Ruland--Ostende                                   55

Ein Tropfen Blut frs Vaterland                    59

Mein erster Luftkampf                              61

In der Champagne-Schlacht                          63

Wie ich Boelcke kennenlernte                       65

Der erste Alleinflug                               67

Aus meiner Dberitzer Ausbildungszeit              69

Erste Zeit als Pilot                               72

Holck [Symbol: Kreuz]                              74

Ein Gewitterflug                                   76

Das erstemal auf einem Fokker                      79

Bombenflge in Ruland                             81

Endlich!                                           88

Mein erster Englnder                              90

Somme-Schlacht                                     94

Boelcke [Symbol: Kreuz]                            96

Der Achte                                          99

Major Hawker                                      103

#Pour le mrite#                                  106

#Le petit rouge#                                  108

Englische und franzsische Fliegerei              110

Selbst abgeschossen                               112

Ein Fliegerstckchen                              120

Erste Dublette                                    122

Mein bisher erfolgreichster Tag                   127

Moritz                                          130

Englischer Bombenangriff auf unseren Flughafen    133

Schfers Notlandung zwischen den Linien           139

Das Anti-Richthofen-Geschwader                    144

Der alte Herr kommt uns besuchen                147

Flug in die Heimat                                154

Mein Bruder                                       163

Lothar ein Schieer und nicht ein Weidmann      174

Der Auerochs                                      176

Infanterie-, Artillerie- und Aufklrungsflieger   180

Unsere Flugzeuge                                  183


[Illustration: Rittmeister Manfred Freiherr v.Richthofen]




Einiges von meiner Familie


Die Familie Richthofen hat sich in den bisherigen Kriegen an fhrender
Stelle eigentlich verhltnismig wenig bettigt, da die Richthofens
immer auf ihren Schollen gesessen haben. Einen Richthofen, der nicht
angesessen war, gab es kaum. War er's nicht, so war er meistenteils in
Staatsdiensten. Mein Grovater, und von da ab alle meine Vorvter, saen
in der Gegend von Breslau und Striegau auf ihren Gtern. Erst in der
Generation meines Grovaters wurde ein Vetter meines Grovaters als
erster Richthofen General.

In der Familie meiner Mutter, einer geborenen von Schickfu und Neudorf,
ist es hnlich wie bei den Richthofens: wenig Soldaten, nur Agrarier.
Der Bruder meines Urgrovaters Schickfu fiel 1806. In der Revolution
1848 wurde einem Schickfu eines seiner schnsten Schlsser abgebrannt.
Im brigen haben sie's alle blo bis zum Rittmeister der Reserve
gebracht.

Auch in der Familie Schickfu sowohl wie Falckenhausen -- meine
Gromutter ist eine Falckenhausen -- kann man nur zwei Hauptinteressen
verfolgen. Das ist Reiten, siehe Falckenhausen, und Jagen, siehe den
Bruder meiner Mutter, Onkel Alexander Schickfu, der sehr viel in
Afrika, Ceylon, Norwegen und Ungarn gejagt hat.

Mein alter Herr ist eigentlich der erste in unserem Zweig, der auf den
Gedanken kam, aktiver Offizier zu werden. Er kam frh ins Kadettenkorps
und trat spter von dort bei den 12.Ulanen ein. Er ist der
pflichttreueste Soldat, den man sich denken kann. Er wurde schwerhrig
und mute den Abschied nehmen. Seine Schwerhrigkeit holte er sich, wie
er einen seiner Leute bei der Pferdeschwemme aus dem Wasser rettete und
nachher seinen Dienst beendete, ohne die Klte und Nsse zu
bercksichtigen.

Unter der heutigen Generation sind natrlich sehr viel mehr Soldaten. Im
Kriege ist jeder waffenfhige Richthofen bei der Fahne. So verlor ich
gleich zu Anfang des Bewegungskrieges sechs Vettern verschiedenen
Grades. Alle waren Kavalleristen.

Genannt bin ich nach einem groen Onkel Manfred, in Friedenszeiten
Flgeladjutant Seiner Majestt und Kommandeur der Gardedukorps, im
Kriege Fhrer eines Kavalleriekorps.

Nun noch von meiner Jugend. Der alte Herr stand in Breslau bei den
Leibkrassieren1, als ich am 2.Mai 1892 geboren wurde. Wir wohnten in
Kleinburg. Ich hatte Privatunterricht bis zu meinem neunten Lebensjahre,
dann ein Jahr Schule in Schweidnitz, spter wurde ich Kadett in
Wahlstatt. Die Schweidnitzer betrachteten mich aber durchaus als ein
Schweidnitzer Kind. Im Kadettenkorps fr meinen jetzigen Beruf
vorbereitet, kam ich dann zum 1.Ulanenregiment.

Was ich selbst erlebte, steht in diesem Buch.

Mein Bruder Lothar ist der andere Flieger Richthofen. Ihn schmckt der
#Pour le mrite#. Mein jngster Bruder ist noch im Kadettenkorps und
wartet sehnschtig darauf, sich gleichfalls zu bettigen. Meine
Schwester ist, wie alle Damen unseres Familienkreises, in der Pflege der
Verwundeten ttig.




Meine Kadettenzeit

(1903-1909 Wahlstatt, 1909-1911 Lichterfelde)


Als kleiner Sextaner kam ich in das Kadettenkorps. Ich war nicht
bermig gerne Kadett, aber es war der Wunsch meines Vaters, und so
wurde ich wenig gefragt.

Die strenge Zucht und Ordnung fiel einem so jungen Dachs besonders
schwer. Fr den Unterricht hatte ich nicht sonderlich viel brig. War
nie ein groes Lumen. Habe immer so viel geleistet, wie ntig war, um
versetzt zu werden. Es war meiner Auffassung nach nicht mehr zu leisten,
und ich htte es fr Streberei angesehen, wenn ich eine bessere
Klassenarbeit geliefert htte als gengend. Die natrliche Folge davon
war, da mich meine Pauker nicht bermig schtzten. Dagegen gefiel mir
das Sportliche: Turnen, Fuballspielen usw., ganz ungeheuer. Es gab,
glaube ich, keine Welle, die ich am Turnreck nicht machen konnte. So
bekam ich bald einige Preise von meinem Kommandeur verliehen.

Alle halsbrecherischen Stcke imponierten mir mchtig. So kroch ich
z.B. eines schnen Tages mit meinem Freunde Frankenberg auf den
bekannten Kirchturm von Wahlstatt am Blitzableiter herauf und band oben
ein Taschentuch an. Genau wei ich noch, wie schwierig es war, an den
Dachrinnen vorbeizukommen. Mein Taschentuch habe ich, wie ich meinen
kleinen Bruder einmal besuchte, etwa zehn Jahre spter, noch immer oben
hngen sehen.

Mein Freund Frankenberg war das erste Opfer des Krieges, das ich zu
Gesicht bekam.

In Lichterfelde gefiel es mir schon bedeutend besser. Man war nicht mehr
so abgeschnitten von der Welt und fing auch schon an, etwas mehr als
Mensch zu leben.

Meine schnsten Erinnerungen aus Lichterfelde sind die groen
Korsowettspiele, bei denen ich sehr viel mit und gegen den Prinzen
Friedrich Karl gefochten habe. Der Prinz erwarb sich damals so manchen
ersten Preis. So im Wettlauf, Fuballspiel usw. gegen mich, der ich
meinen Krper doch nicht so in der Vollendung trainiert hatte wie er.




Eintritt in die Armee

(Ostern 1911)


Natrlich konnte ich es kaum erwarten, in die Armee eingestellt zu
werden. Ich ging deshalb bereits nach meinem Fhnrichexamen in die Front
und kam zum Ulanenregiment Nr.1 Kaiser Alexander III.. Ich hatte mir
dieses Regiment ausgesucht; es lag in meinem lieben Schlesien, auch
hatte ich da einige Bekannte und Verwandte, die mir sehr dazu rieten.

Der Dienst bei meinem Regiment gefiel mir ganz kolossal. Es ist eben
doch das schnste fr einen jungen Soldaten, Kavallerist zu sein.

ber meine Kriegsschulzeit kann ich eigentlich wenig sagen. Sie
erinnerte mich zu sehr an das Kadettenkorps und ist mir infolgedessen in
nicht allzu angenehmer Erinnerung.

Eine spaige Sache erlebte ich. Einer meiner Kriegsschullehrer kaufte
sich eine ganz nette dicke Stute. Der einzige Fehler war, sie war schon
etwas alt. Er kaufte sie fr fnfzehn Jahre. Sie hatte etwas dicke
Beine. Sonst aber sprang sie ganz vortrefflich. Ich habe sie oft
geritten. Sie ging unter dem Namen Biffy.

Etwa ein Jahr spter beim Regiment erzhlte mir mein Rittmeister v.Tr.,
der sehr sportliebend war, er habe sich ein ganz klobiges Springpferd
gekauft. Wir waren alle sehr gespannt auf den klobigen Springer, der
den seltenen Namen Biffy trug. Ich dachte nicht mehr an die alte Stute
meines Kriegsschullehrers. Eines schnen Tages kommt das Wundertier an,
und nun soll man sich das Erstaunen vorstellen, da die gute alte
Biffy als achtjhrig in dem Stall v.Tr.s sich wieder einfand. Sie
hatte inzwischen einige Male den Besitzer gewechselt und war im Preise
sehr gestiegen. Mein Kriegsschullehrer hatte sie fr fnfzehnhundert
Mark gekauft, und v.Tr. hatte sie nach einem Jahre als achtjhrig fr
dreitausendfnfhundert Mark erworben. Gewonnen hat sie keine
Springkonkurrenz mehr, aber sie hat wieder einen Abnehmer gefunden -- --
und ist gleich zu Beginn des Krieges gefallen.




Erste Offizierszeit

(Herbst 1912)


Endlich bekam ich die Epaulettes. So ungefhr das stolzeste Gefhl, was
ich je gehabt habe, mit einem Male Herr Leutnant angeredet zu werden.

Mein Vater kaufte mir eine sehr schne Stute, Santuzza genannt. Sie
war das reinste Wundertier und unverwstlich. Ging vor dem Zuge wie ein
Lamm. Allmhlich entdeckte ich in ihr ein groes Springvermgen. Sofort
war ich dazu entschlossen, aus der guten braven Stute ein Springpferd zu
machen. Sie sprang ganz fabelhaft. Ein Koppelrick von einem Meter
sechzig Zentimeter habe ich mit ihr selbst gesprungen.

Ich fand groe Untersttzung und viel Verstndnis bei meinem Kameraden
von Wedel, der mit seinem Chargenpferd Fandango so manchen schnen
Preis davongetragen hatte.

So trainierten wir beide fr eine Springkonkurrenz und einen Gelnderitt
in Breslau. Fandango machte sich glnzend, Santuzza gab sich groe
Mhe und leistete auch Gutes. Ich hatte Aussichten, etwas mit ihr zu
schaffen. Am Tage, bevor sie verladen wurde, konnte ich es mir nicht
verkneifen, nochmals alle Hindernisse in unserem Springgarten mit ihr zu
nehmen. Dabei schlitterten wir hin. Santuzza quetschte sich etwas
ihre Schulter, und ich knaxte mir mein Schlsselbein an.

Von meiner guten dicken Stute Santuzza verlangte ich im Training auch
Leistungen auf Geschwindigkeit und war sehr erstaunt, als von Wedels
Vollblter sie schlug.

Ein andermal hatte ich das Glck, bei der Olympiade in Breslau einen
sehr schnen Fuchs zu reiten. Der Gelnderitt fing an, und mein Wallach
war im zweiten Drittel noch ganz und munter, so da ich Aussichten auf
Erfolg hatte. Da kommt das letzte Hindernis. Ich sah schon von weitem,
da dies etwas ganz Besonderes sein mute, da sich eine Unmenge Volks
dort angesammelt hatte. Ich dachte mir: Nur Mut, die Sache wird schon
schief gehen! und kam in windender Fahrt den Damm heraufgesaust, auf
dem ein Koppelrick stand. Das Publikum winkte mir immer zu, ich sollte
nicht so schnell reiten, aber ich sah und hrte nichts mehr. Mein Fuchs
nimmt das Koppelrick oben auf dem Damm, und zu meinem grten Erstaunen
geht's auf der anderen Seite in die Weistritz. Ehe ich mich versah,
springt das Tier in einem Riesensatz den Abhang herunter, und Ro und
Reiter verschwinden in den Fluten. Natrlich gingen wir ber Kopf.
Felix kam auf dieser Seite raus und Manfred auf der anderen. Beim
Zurckwiegen nach Schlu des Gelnderittes stellte man mit groem
Erstaunen fest, da ich nicht die blichen zwei Pfund abgenommen hatte,
sondern zehn Pfund schwerer geworden war. Da ich glitschena war, sah
man mir Gott sei Dank nicht an.

Ich besa auch einen sehr guten Charger, und dieses Unglckstier mute
alles machen. Rennen laufen, Gelnderitte, Springkonkurrenzen, vor dem
Zuge gehen, kurz und gut, es gab keine bung, in der das gute Tier nicht
ausgebildet war. Das war meine brave Blume. Auf ihr hatte ich sehr
nette Erfolge. Mein letzter ist der im Kaiserpreis-Ritt 1913. Ich war
der einzige, der die Gelndestrecke ohne Fehler berwunden hatte. Mir
passierte dabei eine Sache, die nicht so leicht nachgemacht werden wird.
Ich galoppierte ber eine Heide und stand pltzlich Kopf. Das Pferd war
in ein Karnickelloch getreten, und ich hatte mir beim Sturz das
Schlsselbein gebrochen. Damit war ich noch siebzig Kilometer geritten,
hatte dabei keinen Fehler gemacht und die Zeit innegehalten.




Kriegsausbruch


In allen Zeitungen stand weiter nichts als dicke Romane ber den Krieg.
Aber seit einigen Monaten war man ja schon an das Kriegsgeheul gewhnt.
Wir hatten schon so oft unseren Dienstkoffer gepackt, da man es schon
langweilig fand und nicht mehr an einen Krieg glaubte. Am wenigsten aber
glaubten wir an einen Krieg, die wir die ersten an der Grenze waren, das
Auge der Armee, wie seinerzeit mein Kommandierender uns
Kavalleriepatrouillen bezeichnet hatte.

Am Vorabend der erhhten Kriegsbereitschaft saen wir bei der
detachierten Schwadron, zehn Kilometer von der Grenze entfernt, in
unserem Kasino, aen Austern, tranken Sekt und spielten ein wenig. Wir
waren sehr vergngt. Wie gesagt, an einen Krieg dachte keiner.

Wedels Mutter hatte uns zwar schon einige Tage zuvor etwas stutzig
gemacht; sie war nmlich aus Pommern erschienen, um ihren Sohn vor dem
Kriege noch einmal zu sehen. Da sie uns in angenehmster Stimmung fand
und feststellen mute, da wir nicht an Krieg dachten, konnte sie nicht
umhin, uns zu einem anstndigen Frhstck einzuladen.

Wir waren gerade sehr ausgelassen, als sich pltzlich die Tr ffnete
und Graf Kospoth, der Landrat von ls, auf der Schwelle stand. Der Graf
machte ein entgeistertes Gesicht.

Wir begrten den alten Bekannten mit einem Hallo! Er erklrte uns den
Zweck seiner Reise, nmlich, da er sich an der Grenze persnlich
berzeugen wolle, was von den Gerchten von dem nahen Weltkrieg stimme.
Er nahm ganz richtig an, die an der Grenze mten es eigentlich am
ehesten wissen. Nun war er ob des Friedensbildes nicht wenig erstaunt.
Durch ihn erfuhren wir, da smtliche Brcken Schlesiens bewacht wurden
und man bereits an die Befestigung von einzelnen Pltzen dachte.

Schnell berzeugten wir ihn, da ein Krieg ausgeschlossen sei, und
feierten weiter.

Am nchsten Tage rckten wir ins Feld.




berschreiten der Grenze


Das Wort Krieg war uns Grenzkavalleristen zwar gelufig. Jeder wute
haarklein, was er zu tun und zu lassen hatte. Keiner hatte aber so eine
rechte Vorstellung, was sich nun zunchst abspielen wrde. Jeder aktive
Soldat war selig, nun endlich seine Persnlichkeit und sein Knnen
zeigen zu drfen.

Uns jungen Kavallerieleutnants war wohl die interessanteste Ttigkeit
zugedacht: aufklren, in den Rcken des Feindes gelangen, wichtige
Anlagen zerstren; alles Aufgaben, die einen ganzen Kerl verlangen.

Meinen Auftrag in der Tasche, von dessen Wichtigkeit ich mich durch
langes Studium schon seit einem Jahre berzeugt hatte, ritt ich nachts
um zwlf Uhr an der Spitze meiner Patrouille zum erstenmal gegen den
Feind.

Die Grenze bildete ein Flu, und ich konnte erwarten, da ich dort zum
erstenmal Feuer bekommen wrde. Ich war ganz erstaunt, wie ich ohne
Zwischenfall die Brcke passieren konnte. Ohne weitere Ereignisse
erreichten wir den mir von Grenzritten her wohlbekannten Kirchturm des
Dorfes Kielcze am nchsten Morgen.

Ohne von einem Gegner etwas gemerkt zu haben oder vielmehr besser ohne
selbst bemerkt worden zu sein, war alles verlaufen. Wie sollte ich es
anstellen, da mich die Dorfbewohner nicht bemerkten? Mein erster
Gedanke war, den Popen hinter Schlo und Riegel zu setzen. So holten wir
den vollkommen berraschten und hchst verdutzten Mann aus seinem Hause.
Ich sperrte ihn zunchst mal auf dem Kirchturm ins Glockenhaus ein, nahm
die Leiter weg und lie ihn oben sitzen. Ich versicherte ihm, da, wenn
auch nur das geringste feindselige Verhalten der Bevlkerung sich
bemerkbar machen sollte, er sofort ein Kind des Todes sein wrde. Ein
Posten hielt Ausschau vom Turm und beobachtete die Gegend.

Ich hatte tglich durch Patrouillenreiter Meldungen zu schicken. So
lste sich bald mein kleines Huflein an Meldereitern auf, so da ich
schlielich den letzten Melderitt als berbringer selbst bernehmen
mute.

Bis zur fnften Nacht war alles ruhig geblieben. In dieser kam pltzlich
der Posten zu mir zum Kirchturm gelaufen -- denn in dessen Nhe hatte ich
meine Pferde hingestellt -- und rief mir zu: Kosaken sind da! Es war
pechfinster, etwas Regen, keine Sterne. Man sah die Hand nicht vor den
Augen.

Wir fhrten die Pferde durch eine schon vorher vorsichtshalber durch die
Kirchhofsmauer geschlagene Bresche auf das freie Feld. Dort war man
infolge der Dunkelheit nach fnfzig Metern in vollstndiger Sicherheit.
Ich selbst ging mit dem Posten, den Karabiner in der Hand, nach der
bezeichneten Stelle, wo die Kosaken sein sollten.

Ich schlich an der Kirchhofsmauer entlang und kam an die Strae. Da
wurde mir doch etwas anders zumute, denn der ganze Dorfausgang wimmelte
von Kosaken. Ich guckte ber die Mauer, hinter der die Kerle ihre Pferde
stehen hatten. Die meisten hatten Blendlaternen und benahmen sich sehr
unvorsichtig und laut. Ich schtzte sie auf etwa zwanzig bis dreiig.
Einer war abgesessen und zum Popen gegangen, den ich am Tage vorher aus
der Haft entlassen hatte.

Natrlich Verrat! zuckte es mir durchs Gehirn. Also doppelt aufpassen.
Auf einen Kampf konnte ich es nicht mehr ankommen lassen, denn mehr als
zwei Karabiner hatte ich nicht zur Verfgung. Also spielte ich Ruber
und Gendarm.

Nach einigen Stunden Rast ritten die Besucher wieder von dannen.

Am nchsten Morgen zog ich es vor, jetzt aber doch einen kleinen
Quartierwechsel vorzunehmen. Am siebenten Tage war ich wieder in meiner
Garnison und wurde von jedem Menschen angestarrt, als sei ich ein
Gespenst. Das kam nicht etwa wegen meines unrasierten Gesichts, sondern
vielmehr weil sich Gerchte verbreitet hatten, Wedel und ich seien bei
Kalisch gefallen. Man wute Ort, Zeit und nhere Umstnde so haargenau
zu erzhlen, da sich das Gercht schon in ganz Schlesien verbreitet
hatte. Selbst meiner Mutter hatte man bereits Kondolenzbesuche gemacht.

Es fehlte nur noch, da eine Todesanzeige in der Zeitung stand.

       *       *       *       *       *

Eine komische Geschichte ereignete sich zur selben Zeit. Ein
Pferdedoktor bekam den Auftrag, mit zehn Ulanen Pferde aus einem Gehft
zu requirieren. Es lag etwas abseits, etwa drei Kilometer. Ganz erregt
kam er von seinem Auftrag zurck und berichtete selber folgendes:

Ich reite ber ein Stoppelfeld, auf dem die Puppen stehen, worauf ich
pltzlich in einiger Entfernung feindliche Infanterie erkenne. Kurz
entschlossen ziehe ich den Sbel, rufe meinen Ulanen zu: 'Lanze gefllt,
zur Attacke, marsch, marsch, hurra!' Den Leuten macht es Spa, es
beginnt ein wildes Hetzen ber die Stoppeln. Die feindliche Infanterie
entpuppt sich aber als ein Rudel Rehe, die ich in meiner Kurzsichtigkeit
verkannt habe.

Noch lange hatte der tchtige Herr unter seiner Attacke zu leiden.

[Illustration: Abgeschossen und an der Starkstromleitung verbrannt. Am
Kanal zwischen Brebires und Vitry]

[Illustration: Abgeschossener Vikkers-Zweisitzer bei Noyelle-Godault]




Nach Frankreich


In meinem Garnisonort wurden wir nun verladen. Wohin? -- Keine Ahnung, ob
West, Ost, Sd, Nord.

Gemunkelt wurde viel, meistens aber vorbei. Aber in diesem Fall hatten
wir wohl den richtigen Riecher: Westen.

Uns stand zu viert ein Abteil zweiter Klasse zur Verfgung. Man mute
sich auf eine lange Bahnfahrt verproviantieren. Getrnke fehlten
natrlich nicht. Aber schon am ersten Tage merkten wir, da so ein
Abteil zweiter Klasse doch verflucht eng ist fr vier kriegsstarke
Jnglinge, und so zogen wir denn vor, uns etwas mehr zu verteilen. Ich
richtete mir die eine Hlfte eines Packwagens zur Wohn- und Schlafsttte
ein und hatte damit ganz entschieden etwas Gutes getan. Ich hatte Luft,
Licht usw. Stroh hatte ich mir in einer Station verschafft, die Zeltbahn
wurde darauf gedeckt. Ich schlief in meinem Schlafwagen so fest, als
lge ich in Ostrowo in meinem Familienbett. Die Fahrt ging Tag und
Nacht, erst durch ganz Schlesien, Sachsen, immer mehr gen Westen. Wir
hatten scheinbar Richtung Metz; selbst der Transportfhrer wute nicht,
wo es hinging. Auf jeder Station, auch da, wo wir nicht hielten, stand
ein Meer von Menschen, die uns mit Hurra und Blumen berschtteten.
Eine wilde Kriegsbegeisterung lag im deutschen Volk; das merkte man. Die
Ulanen wurden besonders angestaunt. Der Zug, der vorher durch die
Station geeilt war, mochte wohl verbreitet haben, da wir bereits am
Feinde gewesen waren -- und wir hatten erst acht Tage Krieg. Auch hatte
im ersten Heeresbericht bereits mein Regiment Erwhnung gefunden.
Ulanenregiment 1 und das Infanterieregiment 155 eroberten Kalisch. Wir
waren also die gefeierten Helden und kamen uns auch ganz als solche vor.
Wedel hatte ein Kosakenschwert gefunden und zeigte dies den erstaunten
Mdchen. Das machte groen Eindruck. Wir behaupteten natrlich, es
klebte Blut daran, und dichteten dem friedlichen Schwert eines
Gendarmeriehuptlings ein ganz ungeheures Mrchen an. Man war doch
schrecklich ausgelassen. Bis wir schlielich in Busendorf bei
Diedenhofen ausgeladen wurden.

Kurz bevor der Zug ankam, hielten wir in einem langen Tunnel. Ich mu
sagen, es ist schon ungemtlich, in einem Tunnel in Friedenszeiten
pltzlich zu halten, besonders aber im Kriege. Nun erlaubte sich ein
bermtiger einen Scherz und gab einen Schu ab. Es dauerte nicht lange,
so fing in diesem Tunnel ein wstes Geschiee an. Da keiner verletzt
wurde, ist ein Wunder. Was die Ursache dazu war, ist nie herausgekommen.

In Busendorf wurde ausgeladen. Es war eine derartige Hitze, da uns die
Pferde umzufallen drohten. Die nchsten Tage marschierten wir immer nach
Norden, Richtung Luxemburg. Mittlerweile hatte ich herausgekriegt, da
mein Bruder vor etwa acht Tagen dieselbe Strecke mit einer
Kavalleriedivision geritten war. Ich konnte ihn sogar noch einmal
fhrten, gesehen habe ich ihn erst ein Jahr spter.

In Luxemburg wute kein Mensch, wie sich dieses Lndchen gegen uns
verhielt. Ich wei noch wie heute, wie ich einen Luxemburger Gendarm von
weitem sah, ihn mit meiner Patrouille umzingelte und gefangennehmen
wollte. Er versicherte mir, da, wenn ich ihn nicht umgehend losliee,
er sich beim Deutschen Kaiser beschweren wrde. Das sah ich denn auch
ein und lie den Helden wieder laufen. So kamen wir durch die Stadt
Luxemburg und Esch durch, und man nherte sich jetzt bedenklich den
ersten befestigten Stdten Belgiens.

Auf dem Hinmarsch machte unsere Infanterie, wie berhaupt unsere ganze
Division, die reinen Friedensmanver. Man war schrecklich aufgeregt.
Aber so ein Manver-Vorpostenbild war einem ab und zu ganz bekmmlich.
Sonst htte man ganz bestimmt ber die Strnge geschlagen. Rechts und
links, auf jeder Strae, vor und hinter uns marschierten Truppen von
verschiedenen Armeekorps. Man hatte das Gefhl eines wsten
Durcheinanders. Pltzlich wurde aus dem Kuddelmuddel ein groartig
funktionierender Aufmarsch.

Was unsere Flieger damals leisteten, ahnte ich nicht. Mich versetzte
jedenfalls jeder Flieger in einen ganz ungeheuren Schwindel. Ob es ein
deutscher war oder ein feindlicher, konnte ich nicht sagen. Ich hatte ja
nicht einmal eine Ahnung, da die deutschen Apparate Kreuze trugen und
die feindlichen Kreise. Folglich wurde jeder Flieger unter Feuer
genommen. Die alten Piloten erzhlen heute noch immer, wie peinlich es
ihnen gewesen sei, von Freund und Feind gleichmig beschossen zu
werden.

Wir marschierten und marschierten, die Patrouillen weit voraus, bis wir
eines schnen Tages bei Arlon waren. Es berlief mich ganz spaig den
Buckel 'runter, wie ich zum zweitenmal die Grenze berschritt. Dunkle
Gerchte von Franktireurs und dergleichen waren mir bereits zu Ohren
gekommen.

       *       *       *       *       *

Ich hatte einmal den Auftrag, die Verbindung mit meiner
Kavalleriedivision aufzunehmen. Ich habe an diesem Tage nicht weniger
als hundertundzehn Kilometer mit meiner gesamten Patrouille geritten.
Nicht ein Pferd war kaputt, eine glnzende Leistung meiner Tiere. In
Arlon bestieg ich nach den Grundstzen der Taktik des Friedens den
Kirchturm, sah natrlich nichts, denn der bse Feind war noch weitab.

Man war damals noch ziemlich harmlos. So hatte ich z.B. meine
Patrouille vor der Stadt stehenlassen und war ganz allein mit einem Rad
mitten durch die Stadt zum Kirchturm gefahren. Wie ich wieder
'runterkam, stand ich inmitten einer murrenden und murmelnden Menge
feindselig blickender Jnglinge. Mein Rad war natrlich geklaut, und ich
konnte nun eine halbe Stunde lang zu Fu laufen. Aber das machte mir
Spa. Ich htte so eine kleine Rauferei ganz gern gemocht. Ich fhlte
mich mit meiner Pistole in der Hand ganz kolossal sicher.

Die Einwohner hatten sich, wie ich spter erfahren habe, sowohl einige
Tage vorher gegen unsere Kavallerie als auch spter gegen unsere
Lazarette sehr aufrhrerisch benommen, und man hatte eine ganze Menge
dieser Herren an die Wand stellen mssen.

       *       *       *       *       *

Am Nachmittag erreichte ich mein Ziel und erfuhr dort, da drei Tage
vorher, ganz in der Gegend von Arlon, mein einziger Vetter Richthofen
gefallen war. Ich blieb den Rest des Tages bei der Kavalleriedivision,
machte dort noch einen blinden Alarm mit und kam nachts spt bei meinem
Regiment an.

Man erlebte und sah eben mehr als die anderen, man war eben doch schon
mal am Feind gewesen, hatte mit dem Feinde zu tun gehabt, hatte die
Spuren des Krieges gesehen und wurde von jedem einer anderen Waffe
beneidet. Es war doch zu schn, wohl doch meine schnste Zeit im ganzen
Kriege. Den Kriegsanfang mchte ich wieder mal mitmachen.




Wie ich auf Patrouille zum erstenmal die Kugeln pfeifen hrte

(21./22. August 1914)


Ich hatte den Auftrag, festzustellen, wie stark die Besetzung eines
groen Waldes bei Virton wohl sein mochte. Ich ritt mit fnfzehn Ulanen
los und war mir klar: Heute gibt es den ersten Zusammensto mit dem
Feinde. Mein Auftrag war nicht leicht, denn in so einem Walde kann
furchtbar viel stecken, ohne da man es sieht.

Ich kam ber eine Hhe. Wenige hundert Schritte vor mir lag ein riesiger
Waldkomplex von vielen tausend Morgen. Es war ein schner Augustmorgen.
Der Wald lag so friedlich und ruhig, da man eigentlich gar keine
kriegerischen Gedanken mehr sprte.

Jetzt nherte sich die Spitze dem Eingang des Waldes. Durch das Glas
konnte man nichts Verdchtiges feststellen, man mute also heranreiten
und abwarten, ob man Feuer bekme. Die Spitze verschwand im Waldweg. Ich
war der nchste, neben mir ritt einer meiner tchtigsten Ulanen. Am
Eingang des Waldes war ein einsames Waldwrterhuschen. Wir ritten daran
vorbei. Mit einemmal fiel ein Schu aus einem Fenster des Hauses. Gleich
darauf noch einer. Am Knall erkannte ich sofort, da es kein
Bchsenschu war, sondern da er von einer Flinte herrhrte. Zur
gleichen Zeit sah ich auch Unordnung in meiner Patrouille und vermutete
gleich einen berfall durch Franktireurs. Von den Pferden 'runter und
das Haus umstellen war eins. In einem etwas dunkeln Raum erkannte ich
vier bis fnf Burschen mit feindseligen Augen. Eine Flinte war natrlich
nicht zu sehen. Meine Wut war gro in diesem Augenblick; aber ich hatte
noch nie in meinem Leben einen Menschen gettet, und so mu ich sagen,
war mir der Moment uerst unbehaglich. Eigentlich htte ich den
Franktireur wie ein Stck Vieh 'runterknallen mssen. Er hatte mit dem
Schu eine Ladung Schrot in den Bauch eines meiner Pferde gejagt und
einen meiner Ulanen an der Hand verletzt.

Mit meinem kmmerlichen Franzsisch schrie ich die Bande an und drohte,
wenn sich der Schuldige nicht umgehend melden wrde, sie allesamt ber
den Haufen zu schieen. Sie merkten, da es mir Ernst war, und da ich
nicht zaudern wrde, meinen Worten die Tat folgen zu lassen. Wie es nun
eigentlich kam, wei ich heute selbst nicht mehr. Jedenfalls waren die
Freischtzen mit einemmal aus der Hintertr heraus und vom Erdboden
verschwunden. Ich scho noch hinterher, ohne zu treffen. Zum Glck hatte
ich das Haus umstellt, so da sie mir eigentlich nicht entrutschen
konnten. Sofort lie ich das Haus nach ihnen durchstbern, fand aber
keinen mehr. Mochten nun die Posten hinter dem Haus nicht ordentlich
aufgepat haben, jedenfalls war die ganze Bude leer. Wir fanden noch die
Schrotspritze am Fenster stehend und muten uns auf andere Weise rchen.
In fnf Minuten stand das ganze Haus in Flammen.

Nach diesem Intermezzo ging es weiter.

An frischen Pferdespuren erkannte ich, da unmittelbar vor uns starke
feindliche Kavallerie marschiert sein mute. Ich hielt mit meiner
Patrouille, feuerte sie durch ein paar Worte an und hatte das Gefhl,
da ich mich auf jeden meiner Kerls unbedingt verlassen konnte. Jeder,
so wute ich, wrde seinen Mann in den nchsten Minuten stehen.
Natrlich dachte keiner an etwas anderes als an eine Attacke. Es liegt
wohl im Blute eines Germanen, den Gegner, wo man ihn auch trifft, ber
den Haufen zu rennen, besonders natrlich feindliche Kavallerie. Schon
sah ich mich an der Spitze meines Hufleins eine feindliche Schwadron
zusammenhauen und war ganz trunken vor freudiger Erwartung. Meinen
Ulanen blitzten die Augen. So ging es dann in flottem Trab auf der
frischen Spur weiter. Nach einstndigem scharfem Ritt durch die schnste
Bergschlucht wurde der Wald etwas lichter, und wir nherten uns dem
Ausgang. Da ich damit auf den Feind stoen wrde, war mir klar. Also
Vorsicht! bei allem Attackenmut, der mich beseelte. Rechts von dem
schmalen Pfad war eine viele Meter hohe, steile Felsenwand. Zu meiner
Linken war ein schmaler Gebirgsbach, dann eine Wiese von fnfzig Metern
Breite, eingefat von Stacheldrhten. Mit einem Male hrte die
Pferdespur auf und verschwand ber eine Brcke in den Bschen. Meine
Spitze hielt, denn vor uns war der Waldausgang durch eine Barrikade
versperrt.

Sofort war es mir klar, da ich in einen Hinterhalt geraten war. Ich
erkannte pltzlich Bewegung im Buschwerk hinter der Wiese zu meiner
Linken und konnte abgesessene feindliche Kavallerie erkennen. Ich
schtzte sie auf eine Strke von hundert Gewehren. Hier war nichts zu
wollen. Geradeaus war der Weg durch die Barrikade versperrt, rechts
waren die Felswnde, links hinderte mich die mit Draht eingefate Wiese
an meinem Vorhaben, der Attacke. Zum Absitzen, um den Gegner mit
Karabinern anzugreifen, war keine Zeit mehr. Also blieb nichts anderes
brig, als zurck. Alles htte ich meinen guten Ulanen zutrauen knnen,
blo kein Ausreien vor dem Feinde. -- Das sollte so manchem den Spa
verderben, denn eine Sekunde spter knallte der erste Schu, dem ein
rasendes Schnellfeuer aus dem Walde drben folgte. Die Entfernung betrug
etwa fnfzig bis hundert Meter. Die Leute waren instruiert, da sie, im
Falle ich die Hand hob, schnell zu mir stoen sollten. Nun wute ich,
wir muten zurck, hob den Arm und winkte meinen Leuten zu. Das mgen
sie wohl falsch verstanden haben. Meine Patrouille, die ich
zurckgelassen hatte, glaubte mich in Gefahr und kam in wildem Caracho
herangebraust, um mich herauszuhauen. Alles das spielte sich auf einem
schmalen Waldweg ab, so da man sich wohl die Schweinerei vorstellen
kann, die sich nun ereignete. Meinen beiden Spitzenreitern gingen die
Pferde infolge des rasenden Feuers in der engen Schlucht, wo der Laut
jedes Schusses sich verzehnfachte, durch, und ich sah sie blo die
Barrikade mit einem Sprung nehmen. Von ihnen habe ich nie wieder etwas
gehrt. Gewi sind sie in Gefangenschaft. Ich selbst machte kehrt und
gab meinem guten Antithesis, wohl zum erstenmal in seinem Leben, die
Sporen. Meinen Ulanen, die mir entgegengebraust kamen, konnte ich nur
mit Mhe und Not zu erkennen geben, nicht weiter vorzukommen. Kehrt und
davon! Neben mir ritt mein Bursche. Pltzlich strzte sein Pferd
getroffen, ich sprang darber hinweg, um mich herum wlzten sich andere
Pferde. Kurz und gut, es war ein wstes Durcheinander. Von meinem
Burschen sah ich nur noch, wie er unter dem Pferd lag, scheinbar nicht
verwundet, aber durch das auf ihm liegende Pferd gefesselt. Der Gegner
hatte uns glnzend berrumpelt. Er hatte uns wohl von Anfang an
beobachtet und, wie es den Franzosen nun mal liegt, aus dem Hinterhalt
seinen Feind zu berfallen, so hatte er es auch in diesem Fall wieder
versucht.

Freude machte es mir, als nach zwei Tagen mit einemmal mein Bursche vor
mir stand; allerdings zur Hlfte barfig, denn den einen Stiefel hatte
er unter seinem Pferd gelassen. Er erzhlte mir nun, wie er entkommen
war: Mindestens zwei Schwadronen franzsischer Krassiere waren spter
aus dem Walde gekommen, um die vielen gefallenen Pferde und tapferen
Ulanen zu plndern. Er war gleich aufgesprungen, unverwundet die
Felsenwand hinaufgeklettert und in fnfzig Metern Hhe vollstndig
erschpft in einem Gebsch zusammengebrochen. Nach etwa zwei Stunden,
nachdem der Feind sich wieder in seinen Hinterhalt begeben hatte, hatte
er seine Flucht fortsetzen knnen. Nach einigen Tagen gelangte er so
wieder zu mir. Von dem Verbleib der anderen Kameraden konnte er wenig
aussagen.




Patrouillenritt mit Loen


Die Schlacht von Virton war im Gange. Mein Kamerad Loen und ich hatten
wieder einmal durch eine Patrouille festzustellen, wo der Feind
geblieben war. Den ganzen Tag ritten wir hinter dem Feinde her,
erreichten ihn schlielich und konnten eine ganz ordentliche Meldung
verfassen. Abends war nun die groe Frage: Wollen wir die Nacht
durchreiten, um zu unserer Truppe zurckzukommen, oder unsere Krfte
schonen und uns fr den nchsten Tag ausruhen? Das ist ja gerade das
Schne, da der Kavalleriepatrouille vollstndig freies Handeln
berlassen sein mu.

So entschlossen wir uns, die Nacht am Feinde zu bleiben und am nchsten
Morgen weiterzureiten. Unseren strategischen Blicken nach war der Gegner
auf Rckmarsch, und wir drngten ihm nach. Folglich konnten wir die
Nacht mit ziemlicher Ruhe verbringen.

Gar nicht weit vom Gegner lag ein wunderbares Kloster mit groen
Stllen, so da wir sowohl Loen als auch meine Patrouille einquartieren
konnten. Allerdings sa der Gegner gegen Abend, wie wir dort unterzogen,
noch so nahe dran, da er uns mit Gewehrkugeln die Fensterscheiben htte
einschieen knnen.

Die Mnche waren beraus liebenswrdig. Sie gaben uns zu essen und zu
trinken, so viel wir haben wollten, und wir lieen es uns gut schmecken.
Die Pferde wurden abgesattelt und waren auch ganz froh, wie sie nach
drei Tagen und drei Nchten zum erstenmal ihre achtzig Kilo totes
Gewicht von ihren Rcken loswurden. Mit anderen Worten, wir richteten
uns so ein, als ob wir im Manver bei einem lieben Gastfreund zu Abend
wren. Nebenbei bemerkt, hingen drei Tage darauf mehrere von den
Gastgebern an dem Laternenpfahl, da sie es sich nicht hatten verkneifen
knnen, sich an dem Krieg zu beteiligen. Aber an dem Abend waren sie
wirklich beraus liebenswrdig. Wir krochen in Nachthemden in unsere
Betten, stellten einen Posten auf und lieen den lieben Herrgott einen
guten Mann sein.

Nachts reit pltzlich jemand die Tr auf, und die Stimme des Postens
ertnt: Herr Leutnant, die Franzosen sind da. Ich war zu verschlafen,
um berhaupt Antwort geben zu knnen. Loen ging es so hnlich, und er
stellte nur die geistreiche Frage: Wieviel sind es denn? Die Antwort
des Postens, sehr aufgeregt: Zwei haben wir schon totgeschossen;
wieviel es sind, knnen wir nicht sagen, denn es ist stockfinster. Ich
hre Loen noch ganz verschlafen antworten: Wenn also mehr kommen, dann
weckst du mich. Eine halbe Minute spter schnarchten wir weiter.

Am nchsten Morgen stand die Sonne schon recht hoch, als wir von
unserem gesunden Schlaf erwachten. Nach einem reichlichen Frhstck ging
die Reise wieder los.

Tatschlich waren nachts an unserem Schlo die Franzosen
vorbeimarschiert, und unsere Posten hatten whrend dieser Zeit einen
Feuerberfall auf sie gemacht. Da es aber stockfinster war, hatte sich
keine grere Schlacht daraus entspinnen knnen.

Bald ging's in einem munteren Tal weiter. Wir ritten ber das alte
Schlachtfeld unserer Division und stellten mit Erstaunen fest, da statt
unserer Leute nur franzsische Sanitter zu sehen waren. Franzsische
Soldaten sah man auch noch ab und zu. Sie machten aber ebenso dumme
Gesichter wie wir. An Schieen hatte keiner gedacht. Wir machten uns
dann mglichst rasch dnne; denn wir kamen so sachte dahinter, da wir,
statt vorwrts zu gehen, uns etwas rckwrts konzentriert hatten. Zum
Glck war der Gegner nach der anderen Seite ausgerissen, sonst se ich
jetzt irgendwo in Gefangenschaft.

Wir kamen durch das Dorf Robelmont, wo wir am Tage zuvor unsere
Infanterie zum letztenmal in Stellung gesehen hatten. Dort trafen wir
einen Einwohner und fragten ihn nach dem Verbleib unserer Soldaten. Er
war sehr glcklich und versicherte mir, die Deutschen wren #partis#.

Wir kamen um eine Ecke und waren Zeugen von folgendem komischem Bilde.
Vor uns wimmelte es von roten Hosen -- ich schtzte etwa fnfzig bis
hundert--, die eifrigst bemht waren, an einem Eckstein ihre Gewehre zu
zerschlagen. Daneben stehen sechs Grenadiere, die, wie es sich
herausstellte, die Brder gefangengenommen hatten. Wir halfen ihnen
noch, die Franzosen abzutransportieren, und erfuhren durch die sechs
Grenadiere, da wir nachts eine rckwrtige Bewegung angetreten hatten.

Am spten Nachmittag erreichte ich mein Regiment und war ganz zufrieden
mit dem Verlauf der letzten vierundzwanzig Stunden.




Langeweile vor Verdun


Fr einen so unruhigen Geist, wie ich einer bin, war meine Ttigkeit vor
Verdun durchaus mit langweilig zu bezeichnen. Anfangs lag ich selbst
im Schtzengraben an einer Stelle, wo nichts los war; dann wurde ich
Ordonnanzoffizier und glaubte, nun mehr zu erleben. Da hatte ich mich
aber arg in die Finger geschnitten. Ich wurde vom Kmpfenden zum
besseren Etappenschwein degradiert. So ganz Etappe war es noch nicht,
aber das Weiteste, was ich mich vorwagen durfte, war fnfzehnhundert
Meter hinter die vordere Linie. Dort sa ich wochenlang unter der Erde
in einem bombensicheren, geheizten Unterstand. Ab und zu wurde ich mit
nach vorn genommen. Das war eine groe krperliche Anstrengung. Denn man
ging bergauf, bergab, die Kreuz und die Quer', durch unendlich viele
Annherungsgrben und Schlammlcher hindurch, bis man dann endlich vorn
dort angekommen war, wo es knallte. Bei einem so kurzen Besuch bei den
Kmpfenden kam ich mir immer sehr dumm vor mit meinen gesunden Knochen.

Man fing damals an, unter der Erde zu arbeiten. Wir waren uns noch gar
nicht klar darber, was es eigentlich heit, einen Stollen bauen oder
eine Sappe vorschieben. Man kannte die Namen zwar aus der
Befestigungslehre von der Kriegsschule her, aber das war nun mal
Pionierarbeit, mit der sich ein anderer Sterblicher nicht gern
beschftigt htte. Aber dort vorn an der Combres-Hhe buddelte alles
emsig. Jeder hatte ein Grabscheit und eine Hacke und gab sich unendliche
Mhe, mglichst tief in die Erde hineinzukommen. Es war ganz spaig, die
Franzosen an manchen Stellen nur auf fnf Schritt vor sich zu haben. Man
hrte den Kerl sprechen, man sah ihn Zigaretten rauchen, ab und zu warf
er ein Stck Papier herber. Man unterhielt sich mit ihnen, und trotzdem
suchte man sich auf alle mglichen Arten anzurgern (Handgranaten).

Fnfhundert Meter vor und fnfhundert Meter hinter den Grben war der
dichte Wald der Cte Lorraine abgemht durch die unendlich vielen
Gewehrkugeln und Granaten, die dort stndig durch die Luft sausten. Man
wrde nicht glauben, da dort vorn berhaupt noch ein Mensch leben
knnte. Die Truppe vorne empfand es gar nicht mal so schlimm wie die
Etappenleute.

Nach so einem Spaziergang, der meistenteils in den allerzeitigsten
Morgenstunden stattfand, fing fr mich wieder der langweiligere Teil des
Tages an, nmlich Telephonordonnanz zu spielen.

       *       *       *       *       *

An meinen freien Tagen beschftigte ich mich mit meinem
Lieblingshandwerk, dem Jagen. Der Wald von La Chausse bot mir dazu
reichlich Gelegenheit. Ich hatte bei meinen Spazierritten Sauen gesprt
und war nun damit beschftigt, diese ausfindig zu machen und mich nachts
anzusetzen. Schne Vollmondnchte mit Schnee kamen mir zu Hilfe. Ich
baute mir mit Hilfe meines Burschen Hochsitze an ganz bestimmten
Wechseln und bestieg diese nachts. Da habe ich so manche Nacht auf
Bumen zugebracht und wurde morgens als Eiszapfen wieder vorgefunden.
Aber es hatte sich gelohnt. Besonders eine Sau war interessant, sie kam
jede Nacht durch den See geschwommen, brach an einer bestimmten Stelle
in einen Kartoffelacker und schwamm dann wieder zurck. Es reizte mich
natrlich besonders, dieses Tier nher kennenzulernen. So setzte ich
mich denn an dem Ufer dieses Sees an. Wie verabredet, erschien die alte
Tante um Mitternacht, um sich ihr Nachtmahl zu holen. Ich scho, whrend
sie noch im See schwamm, traf, und das Tier wre mir beinahe versoffen,
wenn ich nicht noch im letzten Moment htte zugreifen knnen, um sie an
einem Lauf festzuhalten.

Ein andermal ritt ich mit meinem Burschen in einer ganz schmalen
Schneise, da wechseln vor mir mehrere Stck Schwarzwild ber sie. Ich
schnell 'runter, den Karabiner meines Burschen ergriffen und einige
hundert Schritt vorgelaufen. Tatschlich, da kam noch ein Kerl, und zwar
ein mchtiger Keiler. Ich hatte noch nie einen Keiler gesehen und war
nun sehr erstaunt, wie riesenhaft dieser Kerl aussah. Jetzt hngt er als
Trophe hier in meinem Zimmer; er ist eine schne Erinnerung.

       *       *       *       *       *

So hatte ich es schon einige Monate ausgehalten, da kam eines schnen
Tages etwas Bewegung in unseren Laden. Wir beabsichtigten eine kleine
Offensive an unserer Front. Ich freute mich mchtig, denn nun mute ja
doch eigentlich der Ordonnanzoffizier zu seinem Ordonnanzieren kommen!
Aber Kuchen! Es wurde mir etwas ganz anderes zugedacht, und dieses
schlug dem Fa den Boden aus. Nun schrieb ich ein Gesuch an meinen
Kommandierenden General, und bse Zungen behaupten, ich htte gesagt:
Liebe Exzellenz, ich bin nicht in den Krieg gezogen, um Kse und Eier
zu sammeln, sondern zu einem anderen Zweck. Man hat anfangs eigentlich
auf mich einschnappen wollen, aber schlielich hat man mir meine Bitte
gewhrt, und so trat ich Ende Mai 1915 zur Fliegertruppe. So war mir
mein grter Wunsch erfllt.




Das erstemal in der Luft!


Morgens frh um sieben Uhr sollte ich zum erstenmal mitfliegen! Ich war
in einer etwas begreiflichen Aufregung, konnte mir so gar nichts
darunter vorstellen. Jeder, den ich fragte, schnurrte mir etwas anderes
vor. Abends ging ich zeitiger schlafen als sonst, um am nchsten Morgen
fr den groen Moment frisch zu sein. Wir fuhren 'rber auf den
Flugplatz, ich setzte mich zum erstenmal in ein Flugzeug. Der
Propellerwind strte mich ganz ungeheuer. Eine Verstndigung mit dem
Fhrer war mir nicht mglich. Alles flog mir weg. Nahm ich ein Stck
Papier heraus, verschwand es. Mein Sturzhelm verrutschte sich, der Schal
lste sich, die Jacke war nicht fest genug zugeknpft, kurz und gut, es
war klglich. Ich war noch gar nicht darauf gefat, schon loszusausen,
da gab bereits der Pilot Vollgas, und die Maschine fing an zu rollen.
Immer schneller, immer schneller. Ich hielt mich krampfhaft fest. Mit
einem Male hrte die Erschtterung auf, und die Maschine war in der
Luft. Der Erdboden sauste unter mir weg.

Man hatte mir gesagt, wo ich hinfliegen sollte, d.h. also, wo ich
meinen Fhrer hinzudirigieren hatte. Wir flogen erst ein Stck
geradeaus, dann machte mein Fhrer kehrt, nochmal kehrt, rechtsum, mal
linksum, und ich hatte ber meinem eigenen Flughafen die Orientierung
verloren. Keine Ahnung mehr, wo ich mich befand! Ich fing so sachte an,
mir mal die Gegend unter mir anzusehen. Die Menschen winzig klein, die
Huser wie aus einem Kinderbaukasten, alles so niedlich und zierlich. Im
Hintergrund lag Kln. Der Klner Dom ein Spielzeug. Es war doch ein
erhabenes Gefhl, ber allem zu schweben. Wer konnte mir jetzt was
anhaben? Keiner! Da ich nicht mehr wute, wo ich war, war mir ganz
Wurscht, und ich war ganz traurig, als mein Pilot meinte, jetzt mten
wir landen.

Am liebsten wre ich gleich wieder geflogen. Da ich irgend welche
Beschwerden, wie etwa bei einer Luftschaukel, gehabt htte, daran ist
nicht zu denken. Die berhmten Amerikanischen Schaukeln sind mir,
nebenbei gesagt, widerlich. Man fhlt sich unsicher darin, aber im
Flugzeug hat man das unbedingte Gefhl der Sicherheit. Man sitzt ganz
ruhig auf seinem Sessel. Da einem schwindlig wird, ist ganz
ausgeschlossen. Es gibt keinen Menschen, dem im Flugzeug je schwindlig
geworden wre. Aber es ist ein verdammter Nervenkitzel, so durch die
Luft zu sausen, besonders nachher, als es wieder 'runterging, das
Flugzeug nach vorn kippte, der Motor aufhrte zu laufen und mit einemmal
eine ungeheure Ruhe eintrat. Ich hielt mich wieder krampfhaft fest und
dachte natrlich: Jetzt strzt du. Aber es ging alles so
selbstverstndlich und natrlich vor sich, auch das Landen, wie man
wieder die Erde berhrte, und alles war so einfach, da einem das Gefhl
der Angst absolut fehlte. Ich war begeistert und htte den ganzen Tag im
Flugzeug sitzen knnen. Ich zhlte die Stunden bis zum nchsten Start.




Beobachtungsflieger bei Mackensen


Am 10.Juni 1915 kam ich nach Groenhain, um von dort aus an die Front
abgeschickt zu werden. Natrlich wollte ich recht schnell 'raus, denn
ich hatte Angst, ich knnte zu dem Weltkrieg zu spt kommen.
Flugzeugfhrer-Werden htte drei Monate in Anspruch genommen. Bis dahin
konnten wir schon lngst Frieden haben; also kam es nicht in Frage. Als
Beobachter mochte ich mich vielleicht in meiner Eigenschaft als
Kavallerist ganz gut eignen; denn nach vierzehn Tagen schickte man mich
bereits 'raus, zu meiner grten Freude an die einzige Stelle, wo wir
noch Bewegungskrieg hatten, nmlich nach Ruland.

Mackensen ging gerade seinen Siegeszug. Er war bei Gorlice
durchgebrochen, und ich kam dazu, wie wir Rawa Ruska nahmen. Ein Tag im
Armee-Flugpark, dann kam ich zu der famosen Abt.69, wo ich mir als
Anfnger kolossal dmlich vorkam. Mein Fhrer war eine Kanone --
Oberleutnant Zeumer--, jetzt auch schon krumm und lahm. Von den brigen
bin ich heute der einzige, der noch lebt.

Jetzt kommt eigentlich meine schnste Zeit. Sie hatte mit dem
Kavalleristischen recht groe hnlichkeit. Jeden Tag, vor- und
nachmittags, konnte ich meine Aufklrung fliegen. Ich habe manche schne
Meldung nach Hause gebracht.




Mit Holck in Ruland

(Sommer 1915)


Juni, Juli, August 1915 blieb ich bei der Fliegerabteilung, die den
ganzen Vormarsch Mackensens von Gorlice nach Brest-Litowsk mitmachte.
Ich war als ganz junger Beobachter dort hingekommen und hatte von Tuten
und Blasen keine Ahnung.

Als Kavallerist war ja meine Beschftigung Aufklren, so schlug der
jetzige Dienst in mein Fach, und ich hatte groen Spa an den riesigen
Aufklrungsflgen, die wir fast tglich unternahmen.

Fr den Beobachter ist es wichtig, einen gesinnungstchtigen Fhrer zu
finden. Da hie es eines schnen Tages: Graf Holck ist auf dem Anmarsch
zu uns. Sofort kam mir der Gedanke: Das ist der Mann, den du
brauchst.

Holck erschien nicht, wie man wohl glauben knnte, im 60-P.S.-Mercedes
oder im Schlafwagen erster Klasse, sondern zu Fu. Er war nach
tagelanger Bahnfahrt endlich in die Gegend von Jaroslau gekommen. Dort
stieg er aus, denn es war wieder mal ein unendlicher Aufenthalt. Seinem
Burschen sagte er, er mchte mit dem Gepck nachreisen, er wrde
vorausgehen. Er zieht los, und nach einer Stunde Fumarsch guckt er
sich um, aber kein Zug folgt ihm. So lief und lief er, ohne von seinem
Zuge berholt zu werden, bis er schlielich nach fnfzig Kilometern in
Rawa Ruska, seinem Ziel, ankam und vierundzwanzig Stunden spter der
Bursche mit dem Gepck erschien. Das war dem Sportsmann aber weiter
keine ungewohnte Arbeit. Sein Krper war derart trainiert, da ihm
fnfzig Kilometer Fumarsch nichts weiter ausmachten.

Graf Holck war nicht blo ein Sportsmann auf dem grnen Rasen, der
Flugsport machte ihm allem Anschein nach nicht weniger Vergngen. Er war
ein Fhrer von seltener Befhigung, und besonders eben, was ja noch eine
groe Hauptsache ist, er war grob Klasse ber dem Feind.

Manch schnen Aufklrungsflug flogen wir, wer wei wie weit, Richtung
Ruland. Nie hatte ich bei dem noch so jungen Piloten das Gefhl der
Unsicherheit, vielmehr gab er mir im kritischen Moment einen Halt. Wenn
ich mich umsah und in sein entschlossenes Gesicht blickte, hatte ich
wieder nochmal so viel Mut wie vorher.

       *       *       *       *       *

Mein letzter Flug mit ihm zusammen sollte beinahe schief gehen. Wir
hatten eigentlich gar keinen bestimmten Auftrag zu fliegen. Das ist ja
aber gerade das Schne, da man sich vollstndig als freier Mensch fhlt
und vollkommen sein eigener Herr ist, wenn man mal in der Luft ist.

Wir hatten einen Flughafenwechsel vorwrts und wuten nicht genau,
welche Wiese nun eigentlich die richtige sei. Um unsere Kiste bei der
Landung nicht unntig aufs Spiel zu setzen, flogen wir Richtung
Brest-Litowsk. Die Russen waren in vollem Rckmarsch, alles brannte -- --
ein grausig-schnes Bild. Wir wollten feindliche Kolonnen feststellen
und kamen dabei ber die brennende Stadt Wiczniace. Eine riesige
Rauchwolke, die vielleicht bis auf zweitausend Meter hinaufreichte,
hinderte uns am Weiterfliegen, da wir selbst, um besser zu sehen, nur in
fnfzehnhundert Metern Hhe flogen. Einen Augenblick berlegte Holck.
Ich fragte ihn, was er machen wollte, und riet ihm, drumherum zu
fliegen, was vielleicht ein Umweg von fnf Minuten gewesen wre. Aber
daran dachte Holck gar nicht. Im Gegenteil: je mehr sich die Gefahr
erhhte, um so reizvoller war es ihm. Also mitten durch! Mir machte es
auch Spa, mit einem so schneidigen Kerl zusammen zu sein. Doch sollte
uns unsere Unvorsichtigkeit bald teuer zu stehen kommen, denn kaum war
der Schwanz des Apparates in der Wolke verschwunden, schon merkte ich
ein Schwanken im Flugzeug. Ich konnte nichts mehr sehen, der Rauch bi
mir in die Augen, die Luft war bedeutend wrmer, und ich sah unter mir
blo noch ein riesiges Feuermeer. Pltzlich verlor das Flugzeug das
Gleichgewicht und strzte, sich berschlagend, in die Tiefe. Ich konnte
noch schnell eine Strebe erfassen, um mich festzuhalten, sonst wre ich
'rausgeschleudert worden. Das erste, was ich tat, war ein Blick in
Holcks Gesicht. Schon hatte ich wieder Mut gefat, denn seine Mienen
waren eisern zuversichtlich. Der einzige Gedanke, den ich hatte, war
der: es ist doch dumm, auf so unntige Weise den Heldentod zu sterben.

Spter fragte ich Holck, was er sich eigentlich in dem Augenblick
gedacht htte. Da meinte er, da ihm doch noch nie so eklig zumute
gewesen sei.

Wir strzten herunter bis auf fnfhundert Meter ber die brennende
Stadt. War es die Geschicklichkeit meines Fhrers oder hhere Fgung,
vielleicht auch beides, jedenfalls waren wir pltzlich aus der
Rauchwolke herausgefallen, der gute Albatros fing sich wieder und flog
erneut geradeaus, als sei nichts vorgefallen.

Wir hatten nun doch die Nase voll von unserem Flughafenwechsel und
wollten schleunigst zu unseren Linien zurckkehren. Wir waren nmlich
noch immer weit drben bei den Russen und zudem nur noch in fnfhundert
Metern Hhe. Nach etwa fnf Minuten ertnte hinter mir die Stimme
Holcks: Der Motor lt nach.

Ich mu hinzufgen, da Holck von einem Motor nicht ganz dieselbe Ahnung
hatte wie von einem Hafervergaser, und ich selbst war vollstndig
schimmerlos. Nur eines wute ich, da, wenn der Motor nicht mehr
mitmachte, wir bei den Russen landen muten. Also kamen wir aus der
einen Gefahr in die andere.

Ich berzeugte mich, da die Russen unter uns noch flott marschierten,
was ich aus fnfhundert Metern Hhe genau sehen konnte. Im brigen
brauchte ich gar nichts zu sehen, denn der Ruki scho mit
Maschinengewehren wie verfault. Es hrte sich an, als wenn Kastanien im
Feuer liegen.

Der Motor hrte bald ganz auf zu laufen, er hatte einen Treffer. So
kamen wir immer tiefer, bis wir gerade noch ber einem Wald ausschwebten
und schlielich in einer verlassenen Artilleriestellung landeten, die
ich noch am Abend vorher als besetzte russische Artilleriestellung
gemeldet hatte.

Ich teilte Holck meine Vermutungen mit. Wir sprangen 'raus aus der Kiste
und versuchten, das nahe Waldstckchen zu erreichen, um uns dort zur
Wehr zu setzen. Ich verfgte ber eine Pistole und sechs Patronen, Holck
hatte nichts.

Am Waldrande angekommen, machten wir halt, und ich konnte mit meinem
Glase erkennen, wie ein Soldat auf unser Flugzeug zulief. Zu meinem
Schreck stellte ich fest, da er eine Mtze trug und nicht eine
Pickelhaube. Das hielt ich fr ein sicheres Zeichen, da es ein Russe
sei. Als der Mann nher kam, stie Holck einen Freudenschrei aus, denn
es war ein preuischer Gardegrenadier.

Unsere Elitetruppe hatte wieder einmal die Stellung beim Morgengrauen
gestrmt und war bis zu den feindlichen Batteriestellungen
durchgebrochen.

       *       *       *       *       *

Ich erinnere mich, da Holck bei dieser Gelegenheit seinen kleinen
Liebling, ein Hndchen, verlor. Er nahm das Tierchen bei jedem Aufstieg
mit, es lag ganz ruhig in seinem Pelz unten in der Karosserie. Im Walde
hatten wir es noch mit. Kurz darauf, als wir mit dem Gardegrenadier
gesprochen hatten, kamen Truppen vorbeigezogen. Dann kamen Stbe von der
Garde und Prinz Eitel Friedrich mit seinen Adjutanten und
Ordonnanzoffizieren. Der Prinz lie uns Pferde geben, so da wir beiden
Kavallerieflieger mal wieder auf richtigen Hafermotoren saen. Leider
ging uns beim Weiterreiten das Hndchen verloren. Es mu wohl mit
anderen Truppen mitgelaufen sein.

Sptabends kamen wir schlielich mit einem Panjewagen in unseren
Flughafen zurck. Die Maschine war futsch.




Ruland--Ostende

(Vom Zweisitzer zum Grokampfflugzeug)


Nachdem in Ruland unsere Unternehmungen so sachte zum Stehen kamen,
wurde ich pltzlich zu einem Grokampfflugzeug, zur B.A.O. nach
Ostende versetzt (21.August 1915). Ich traf da einen alten Bekannten,
Zeumer, und auerdem verlockte mich der Name Grokampfflugzeug.

August 1915 traf ich in Ostende ein. Auf dem Bahnhof in Brssel hatte
mich mein guter Freund Zeumer abgeholt. Nun verlebte ich eigentlich eine
sehr nette Zeit, die aber wenig Kriegerisches an sich hatte, aber sie
war als Lehrzeit zum Kampfflieger unentbehrlich. Wir flogen viel, hatten
selten Luftkmpfe und nie Erfolge. Dafr aber war das sonstige Leben
reizvoll. Am Strand von Ostende hatten wir ein Hotel beschlagnahmt.
Jeden Nachmittag badeten wir. Leider waren als Kurgste nur Soldaten zu
sehen. Auf den Terrassen von Ostende saen wir, in unsere bunten
Bademntel gehllt, und tranken nachmittags unseren Kaffee.

       *       *       *       *       *

Wir saen wieder mal, wie blich, am Strande bei unserem Kaffee.
Pltzlich ein Tuten, das hie: ein englisches Seegeschwader ist
gemeldet. Natrlich lieen wir uns durch derartige Alarmnachrichten in
unserer Gemtlichkeit nicht stren und tranken weiter. Da ruft einer:
Da sind sie! und tatschlich konnten wir am Horizont, wenn auch nicht
sehr deutlich, einige qualmende Schornsteine und spter auch Schiffe
erkennen. Schnell wurden die Fernglser geholt und beobachtet. Wir sahen
eine ganz stattliche Zahl von Schiffen. Was sie eigentlich machen
wollten, war uns unklar, aber bald sollten wir eines Besseren belehrt
werden. Wir stiegen auf das Dach, um von dort oben mehr zu sehen. Mit
einem Male pfeift's, gleich darauf ein Riesenknall, und eine Granate
schlgt am Strande ein, wo wir eben noch im Wasser waren. So schnell bin
ich noch nie in den Heldenkeller gestrzt wie in diesem Moment. Das
englische Geschwader scho noch vielleicht drei-, viermal auf uns und
richtete sich dann in der Hauptsache gegen den Ostender Hafen und
Bahnhof. Getroffen haben sie natrlich nichts. Aber sie haben die braven
Belgier in mchtige Aufregung versetzt. Eine Granate sauste mitten in
das schne Palasthotel am Strande von Ostende. Dies war der einzige
Schaden. Zum Glck ist es englisches Kapital, das sie selbst vernichtet
haben.

       *       *       *       *       *

Abends wurde dann wieder feste geflogen. Bei einem unserer Flge waren
wir mit unserem Grokampfflugzeug sehr weit hinaus auf See gekommen.
Das Ding hatte zwei Motoren, und wir probierten hauptschlich ein neues
Steuer aus, das uns ermglichen sollte, auch mit einem Motor weiter
geradeaus zu fliegen. Wie wir ziemlich weit drauen sind, sehe ich unter
uns, nicht auf dem Wasser, sondern -- wie es mir schien -- unter dem
Wasser, ein Schiff schwimmen. Es ist ganz eigentmlich: Man kann von
oben aus bei etwas ruhigem Seegang bis auf den Meeresgrund
hinuntersehen. Natrlich nicht vierzig Kilometer tief, aber so einige
hundert Meter Wasser kann man glatt durchschauen. Ich hatte mich auch
nicht getuscht, da das Schiff nicht ber Wasser, sondern unter Wasser
schwamm, und trotzdem sah ich es so, als sei es oben. Ich machte Zeumer
darauf aufmerksam, und wir gingen etwas tiefer hinunter, um Nheres zu
erkennen. Ich bin zu wenig Marinemann, um gleich sagen zu knnen, was es
gewesen ist; aber so sachte kapierte ich denn doch, da es ein U-Boot
war. Aber welcher Nationalitt? Das ist nun wieder eine zweite
schwierige Frage, die meiner Ansicht nach nur ein Marinemann lsen kann
-- und der auch nicht immer. Farbe ist so gut wie gar nicht zu erkennen.
Die Flagge schon erst recht nicht. Auerdem hat ja wohl so ein U-Boot
gar nichts dergleichen. Wir hatten zwei Bomben mit, und ich war mir sehr
im Zweifel: sollte ich werfen, oder sollte ich nicht werfen? Das U-Boot
hatte uns nicht gesehen, denn es war halb unter Wasser. Wir konnten aber
ber dem Ding ganz ruhig herfliegen und htten den Moment abpassen
knnen, wo es auftauchte, um Luft zu schnappen, um unsere Eier zu legen.
Das ist ganz bestimmt ein sehr kritischer Punkt fr unsere
Schwesterwaffe. Wie wir noch eine ganze Weile mit den Kerlen da unten
'rumgekindscht hatten, merkte ich pltzlich, wie aus dem einen unserer
Khler sich so sachte das Wasser empfahl. Dieses schien mir als Franz
nicht ganz geheuer, und ich machte meinen Emil darauf aufmerksam. Der
zog sein Gesicht in die Lnge und machte nun, da er nach Hause kam.
Aber wir waren schtzungsweise zwanzig Kilometer von der Kste entfernt,
und die wollen erst zurckgeflogen sein. Der Motor lie so sachte nach,
und ich machte mich schon im stillen auf ein kaltes und feuchtes Bad
gefat. Aber siehe da, es ging! Der Riesenppelkahn lie sich mit einem
Motor und dem neuen Steuer groartig deichseln, und wir erreichten noch
glatt die Kste und konnten dort sehr schn auf unserem nahen Hafen
landen.

Glck mu der Mensch haben. Htten wir nicht das neue Steuer an diesem
Tage ausprobiert, wir wren rettungslos versoffen.




Ein Tropfen Blut frs Vaterland

(Ostende)


Verwundet bin ich eigentlich nie worden. Ich habe wohl immer im
entscheidenden Moment den Kopf weggenommen und den Bauch eingezogen. Oft
habe ich mich gewundert, da sie mich nicht gehascht haben. Einmal ging
mir ein Schu durch beide Pelzstiefel durch, ein andermal durch meinen
Schal, wieder einmal an meinem Arm durch den Pelz und die Lederjacke
durch, aber nie hat es mich berhrt.

Da flogen wir eines schnen Tages mit unserem Grokampfflugzeug los, um
die Englnder etwas mit Bomben zu erfreuen, erreichten das Ziel, die
erste Bombe fllt. Es ist natrlich sehr interessant festzustellen, wie
der Erfolg dieser Bombe ist. Wenigstens den Einschlag mchte man immer
gerne sehen. Mein Grokampfflugzeug, das sich fr das Bombenschleppen
ganz gut eignete, hatte aber die dumme Eigenschaft, da man von der
abgeworfenen Bombe den Einschlag schlecht sehen konnte, denn das
Flugzeug schob sich nach dem Abwurf ber das Ziel weg und verdeckte es
mit seinen Flchen vollkommen. Dieses rgerte mich immer, denn man hatte
so wenig Spa davon. Wenn's unten knallt und man die lieblich grau-weie
Wolke der Explosion sieht und sie auch in der Nhe des Zieles liegt,
macht einem viel Freude. So winkte ich meinen guten Zeumer ein und
wollte eigentlich, da er so etwas mit dem Tragdeck beiseite ging. Dabei
verga ich, da das infame Ding, mein ppelkahn, zwei Propeller hatte,
die sich rechts und links neben meinem Beobachtersitz drehten. Ich
zeigte ihm ungefhr den Einschlag der Bombe -- und patsch! habe ich eins
auf die Finger. Etwas verdutzt anfangs, stellte ich dann fest, da mein
kleiner Finger zu Schaden gekommen war. Zeumer hatte nichts gemerkt.

Das Bombenwerfen war mir verleidet, schnell wurde ich meine letzten
Dinger los, und wir machten, da wir nach Hause kamen.

Meine Liebe zum Grokampfflugzeug, die sowieso etwas schwach war, hatte
durch diesen Bombenwurf schwer gelitten. Ich mute nun acht Tage lang
hocken und durfte nicht mitfliegen. Jetzt ist es nur noch ein
Schnheitsfehler, aber ich kann doch wenigstens mit Stolz sagen: Ich
habe auch eine Kriegsverwundung.




Mein erster Luftkampf

(1. September 1915)


Zeumer und ich htten zu gerne mal einen Luftkampf gehabt. Wir flogen
natrlich unser Grokampfflugzeug. Schon allein der Name des Kahnes gab
uns einen solchen Mut, da wir es fr ausgeschlossen hielten, ein Gegner
knnte uns entgehen.

Wir flogen am Tage fnf bis sechs Stunden, ohne je einen Englnder
gesehen zu haben. Schon ganz entmutigt begaben wir uns eines Morgens
wieder auf Jagd. Mit einemmal entdeckte ich einen Farman, der ungeniert
seine Aufklrung fliegen wollte. Mir pochte das Herz, wie Zeumer auf ihn
zuflog. Ich war gespannt, was sich nun eigentlich abspielen wrde. Ich
hatte nie einen Luftkampf gesehen und machte mir nur ganz dunkle
Vorstellungen, so etwa wie du, mein lieber Leser.

Ehe ich mich versah, waren wir beide, der Englnder und ich, aneinander
vorbeigesaust. Ich hatte hchstens vier Schu abgegeben, whrend der
Englnder pltzlich hinter uns sa und uns den ganzen Laden voll scho.
Ich mu sagen, ich hatte nicht das Gefhl der Gefahr, weil ich mir auch
gar nicht vorstellen konnte, wie nun eigentlich das Endresultat so eines
Kampfes aussehen wrde. Wir drehten uns noch einige Male umeinander, bis
schlielich der Englnder zu unserem grten Erstaunen ganz vergngt
kehrtmachte und weiterflog. Ich war stark enttuscht, mein Fhrer auch.

Zu Hause angekommen, waren wir beide sehr schlechter Laune. Er machte
mir Vorwrfe, ich htte schlecht geschossen, ich machte ihm Vorwrfe, er
htte mich nicht recht zum Schu gebracht -- kurz und gut, unsere
Flugzeugehe, die sonst so tadellos war, hatte mit einemmal einen Knacks.

Wir beschauten uns unsere Kiste und stellten fest, da wir eigentlich
eine ganz anstndige Zahl von Treffern drinnen hatten.

Noch am selben Tage unternahmen wir einen zweiten Jagdflug, der aber
ebenso ergebnislos blieb. Ich war sehr traurig, denn ich hatte es mir
bei einem Kampfgeschwader ganz anders vorgestellt. Ich glaubte immer,
wenn ich mal zum Schu kme, dann mte der Bruder auch fallen. Bald
mute ich mich aber davon berzeugen, da so ein Flugzeug ungeheuer viel
vertrgt. Schlielich gelangte ich zu der berzeugung, ich knne noch so
viel schieen und wrde doch nie einen 'runterbekommen.

An Mut hatten wir es nicht fehlen lassen. Zeumer konnte fliegen wie
selten einer, und ich war ein ganz leidlicher Kugelschtze. Wir standen
also vor einem Rtsel. Es ging nicht blo mir alleine so, sondern es
geht noch heute vielen anderen ebenso. Die Geschichte will eben wirklich
verstanden sein.




In der Champagne-Schlacht


Die schne Zeit in Ostende war nur sehr kurz, denn bald entbrannte die
Schlacht in der Champagne, und wir flogen nach dieser Front, um uns dort
weiter mit dem Grokampfflugzeug zu bettigen. Wir bemerkten bald, da
die Klamotte zwar ein groes Flugzeug war, aber niemals ein
Kampfflugzeug abgab.

Einmal flog ich mit Osteroth, der ein etwas kleineres Flugzeug hatte als
der ppelkahn (das Grokampfflugzeug). Etwa fnf Kilometer hinter der
Front trafen wir mit einem Farman-Zweisitzer zusammen. Er lie uns ruhig
'rankommen, und ich sah zum ersten Male einen Gegner so ganz aus
nchster Nhe in der Luft. Osteroth flog sehr geschickt so neben ihm
her, da ich ihn gut unter Feuer nehmen konnte. Der Gegner hatte uns
wohl gar nicht bemerkt, denn ich hatte bereits meine erste Ladehemmung,
wie er anfing, wiederzuschieen. Nachdem ich meinen Patronenkasten von
hundert Schu verschossen hatte, glaubte ich meinen Augen nicht trauen
zu knnen, wie mit einem Male der Gegner in ganz seltsamen Spiralen
niederging. Ich verfolgte ihn mit den Augen und klopfte Osteroth auf den
Kopf. Er fllt, er fllt, und tatschlich fiel er in einen groen
Sprengtrichter; man sah ihn darin auf dem Kopf stehen, Schwanz nach
oben. Auf der Karte stellte ich fest: fnf Kilometer hinter der jetzigen
Front lag er. Wir hatten ihn also jenseits abgeschossen. In damaliger
Zeit wurden aber Abschsse jenseits der Front nicht bewertet, sonst
htte ich heute einen mehr auf meiner Liste. Ich war aber sehr stolz auf
meinen Erfolg, und im brigen ist es ja die Hauptsache, wenn der Kerl
unten liegt, also nicht, da er einem als Abschu angerechnet wird.

[Illustration: Der Entente-Brunnen auf einem Flugplatz im Westen]

[Illustration: Das erste Dutzend der von Richthofen abgeschossenen
Apparate wird zum Abtransport in die Heimat verladen]




Wie ich Boelcke kennenlernte


Zeumer verpate sich in dieser Zeit einen Fokker-Eindecker, und ich
konnte zusehen, wie er allein durch die Welt segelte. Die
Champagne-Schlacht tobte. Die franzsischen Flieger machten sich
bemerkbar. Wir sollten zu einem Kampfgeschwader zusammengestellt werden
und fuhren am 1.Oktober 1915 nach. Im Speisewagen sa am Nebentisch ein
junger unscheinbarer Leutnant. Es lag auch kein Grund fr ihn vor,
besonders aufzufallen, nur eine Tatsache stand fest: er war von uns
allen der einzige, der bereits mal einen feindlichen Flieger
abgeschossen hatte, und zwar nicht nur einen, sondern schon vier. Er war
sogar mit Namen im Heeresbericht genannt. Er imponierte mir auf Grund
seiner Erfahrungen ganz rasend. Ich konnte mir noch so groe Mhe geben,
ich hatte bis dahin noch immer keinen zur Strecke, jedenfalls war mir
noch keiner anerkannt worden. Zu gerne htte ich erfahren, wie dieser
Leutnant Boelcke das nun eigentlich machte. So stellte ich an ihn die
Frage: Sagen Sie mal blo, wie machen Sie's denn eigentlich? Er lachte
sehr belustigt, dabei hatte ich aber wirklich ernst gefragt. Dann
antwortete er mir: Ja, Herrgott, ganz einfach. Ich fliege eben ran und
ziele gut, dann fllt er halt herunter. Ich schttelte blo den Kopf
und meinte, das tte ich doch auch, blo da er eben bei mir nicht
'runterfiele. Der Unterschied war allerdings der, er flog Fokker und ich
mein Grokampfflugzeug.

Ich gab mir Mhe, diesen netten bescheidenen Menschen, der mir
wahnsinnig imponierte, nher kennenzulernen. Wir spielten oft Karten
zusammen, gingen spazieren, und ich fragte ihn aus. So reifte in mir der
Entschlu: Du mut selber einen Fokker fliegen lernen, dann wird es
vielleicht besser gehen.

Mein Sinnen und Trachten ging nun dahin, zu lernen, selbst den Knppel
zu fhren. Denn ich war bisher immer nur Beobachter gewesen. Es bot
sich bald Gelegenheit, auf einer alten Klamotte in der Champagne zu
schulen. Ich betrieb das mit groem Eifer und war nach fnfundzwanzig
Schulflgen vor dem Alleinflug.




Der erste Alleinflug

(10. Oktober 1915)


Es gibt so einige Augenblicke im Leben, die einen besonderen
Nervenkitzel verursachen, so z.B. der erste Alleinflug.

Zeumer, mein Lehrer, erklrte mir eines Abends: So, nun flieg' mal
alleine los. Ich mu sagen, da ich ihm am liebsten geantwortet htte:
Ich habe zu groe Angst. Aber dies Wort soll ja der Vaterlandsverteidiger
niemals in den Mund nehmen. Also mute ich wohl oder bel meinen
Schweinehund 'runterschlucken und mich in die Maschine setzen.

Er erklrte mir noch einmal jeden Griff theoretisch; ich hrte nur noch
mit halbem Ohre zu, denn ich war der festen berzeugung: Du vergit doch
die Hlfte.

Ich rollte zum Start, gab Gas, die Maschine bekam ihre bestimmte
Geschwindigkeit, und mit einem Male konnte ich nicht umhin,
festzustellen, da ich tatschlich flog. Es war schlielich kein
ngstliches, sondern ein verwegenes Gefhl. Mir war jetzt alles Wurscht.
Mochte passieren, was da wollte, ich wre ber nichts mehr erschrocken
gewesen. Mit Todesverachtung machte ich eine Riesenlinkskurve, stellte
an dem genau bezeichneten Baum das Gas ab und wartete der Dinge, die
sich nun ereignen wrden. Nun kam das Schwierigste, die Landung. Mir
waren die notwendigen Handgriffe genau in Erinnerung. Ich machte sie
mechanisch nach, jedoch reagierte die Maschine ganz anders als sonst, wo
Zeumer drin sa. Ich war aus dem Gleichgewicht gebracht, machte einige
falsche Bewegungen, stand auf dem Kopf, und schon gab es wieder mal eine
Schulmaschine. Sehr traurig beguckte ich mir den Schaden, der sich zum
Glck bald beheben lie, und hatte im brigen noch den Spott auf meiner
Seite.

Zwei Tage spter ging ich mit rasender Passion wieder an mein Flugzeug,
und siehe da, es ging wunderbar.

Nach vierzehn Tagen konnte ich die erste Prfung machen. Ein Herr v.T.
war Richter. Ich flog die mir vorgeschriebenen Achten und die mir
befohlenen Landungen, worauf ich sehr stolz ausstieg und nun zu meinem
grten Erstaunen hrte, da ich durchgefallen sei. Mir blieb nichts
anderes brig, als spter meine erste Prfung noch einmal zu machen.




Aus meiner Dberitzer Ausbildungszeit


Um meine Examina bestehen zu knnen, mute ich aber nach Berlin. Ich
benutzte die Gelegenheit, um als Beobachter ein Riesenflugzeug in Berlin
auf den Schwung zu bringen, und lie mich dazu nach Dberitz
kommandieren (15.November 1915). Fr das Riesenflugzeug hatte ich
anfangs groes Interesse. Aber es ist komisch, gerade durch das
Riesending wurde mir klar, da nur das kleinste Flugzeug fr meine
Zwecke als Kampfflieger etwas taugen kann. So ein groer ppelkahn ist
zum Kmpfen zu unbeweglich, und das ist ja eben die Hauptsache fr mein
Geschft.

Der Unterschied zwischen einem Grokampfflugzeug und einem
Riesenflugzeug ist der, da das Riesenflugzeug noch erheblich grer ist
und mehr dem Zwecke fr Bomben dient und weniger zum Kampfe.

Meine Prfungen machte ich nun in Dberitz, zusammen mit einem lieben
Menschen, Oberleutnant v.Lyncker. Wir beide vertrugen uns gut und
hatten dieselben Passionen, auch dieselbe Auffassung ber unsere sptere
Ttigkeit. Unser Ziel war Fokkerfliegen, um zusammen zu einer
Jagdstaffel nach dem Westen zu kommen. Ein Jahr spter haben wir es
erreicht, zusammenwirken zu knnen, wenn auch nur fr kurze Zeit, denn
meinen guten Freund ereilte bei seinem dritten Abschu die tdliche
Kugel.

Oft haben wir in Dberitz lustige Stunden verlebt. So war z.B. eine
Bedingung: Auenlandungen.

Ich verband bei dieser Gelegenheit das Notwendige mit dem Angenehmen. Zu
meinem Auenlandeplatz suchte ich mir ein mir bekanntes Gut Buchow aus.
Dort war ich auf Saujagd eingeladen, blo vertrug sich die Sache
schlecht mit meinem Dienst, denn an schnen Abenden wollte ich fliegen
und trotzdem meiner Jagdpassion nachgehen. So legte ich mir meinen
Auenlandeplatz so, da ich von dort aus bequem meine Jagdgrnde
erreichen konnte.

Ich nahm mir einen zweiten Piloten als Beobachter mit und schickte
diesen abends zurck. Nachts setzte ich mich auf Sauen an und wurde am
nchsten Morgen von diesem Piloten wieder abgeholt.

Wenn ich nicht htte abgeholt werden knnen, so wre ich ziemlich auf
dem Trockenen gewesen, da mir ein Fumarsch von etwa zehn Kilometern
geblht htte. So brauchte ich einen Mann, der mich bei jedem Wetter von
meinem Hochsitz abholte. Es ist aber nicht jedermanns Sache, auf Wetter
gar keine Rcksicht zu nehmen, doch es gelang mir, einen
Gesinnungstchtigen zu finden.

Eines Morgens, nachdem ich die Nacht wieder drauen zugebracht hatte,
begann ein ungeheures Schneegestber. Man konnte nicht fnfzig Meter
weit sehen. Acht Uhr war es gerade, die angegebene Zeit, zu der mich der
Pilot abholen sollte. Im stillen hoffte ich, er wrde es diesmal sein
lassen. Aber mit einem Male hrte ich ein Summen -- sehen konnte ich
nichts -- fnf Minuten spter lag mein schner Vogel etwas verbogen vor
mir.




Erste Zeit als Pilot


Am Weihnachtstage 1915 machte ich mein drittes Examen. Ich verband damit
einen Flug nach Schwerin und sah mir dort die Fokker-Werke an. Als
Beobachter nahm ich mir meinen Monteur mit und flog dann spter mit ihm
von Berlin nach Breslau, von Breslau nach Schweidnitz, von Schweidnitz
nach Lben, von Lben nach Berlin, berall zwischenlandend, Bekannte und
Verwandte aufsuchend. Das Orientieren im Flugzeug fiel mir als altem
Beobachter nicht schwer.

Mrz war ich beim Kampfgeschwader 2 vor Verdun und lernte nun den
Luftkampf als Flugzeugfhrer, d.h. ich lernte, das Flugzeug im Kampfe
zu beherrschen. Ich flog dazu einen Zweisitzer.

       *       *       *       *       *

Im Heeresbericht vom 26.April 1916 bin ich zum ersten Male, wenn auch
nicht persnlich genannt, so doch durch eine meiner Taten erwhnt. Ich
hatte mir auf meine Maschine ein Gewehr oben zwischen die Tragdecks im
Geschmack, wie es der Nieuport hat, aufgebaut und war auf diese
Konstruktion allein schon sehr stolz. Man lachte wohl etwas darber,
denn sie sah sehr primitiv aus. Ich schwor natrlich darauf und hatte
bald Gelegenheit, sie praktisch zu verwerten.

Ich begegnete einem Nieuport, der scheinbar auch Anfnger war, denn er
benahm sich furchtbar tricht. Ich flog auf ihn zu, worauf er ausri.
Offenbar hatte er eine Ladehemmung. Ich hatte nicht das Gefhl, als ob
ich kmpfen wrde, vielmehr: Was wird jetzt erfolgen, wenn du auf ihn
schiet? Ich fliege 'ran, zum erstenmal auf eine ganz, ganz nahe
Entfernung, drcke auf den Knopf des Maschinengewehrs, eine kurze Serie
wohlgezielter Schsse, mein Nieuport bumt sich auf und berschlgt
sich. Anfangs glaubten wir, mein Beobachter und ich, es sei eins der
vielen Kunststcke, die einem die Franzosen vorzumachen pflegen. Dieses
Kunststck wollte aber nicht aufhren, es ging immer tiefer, immer
tiefer; da klopft mir mein Franz auf den Kopf und ruft mir zu: Ich
gratuliere, der fllt! Tatschlich fiel er in einen Wald hinter dem
Fort Douaumont und verschwand zwischen den Bumen. Den hast du
abgeschossen, das war mir klar. Aber -- jenseits! Ich flog nach Hause,
meldete weiter nichts als: Ein Luftkampf, ein Nieuport abgeschossen.
Einen Tag darauf las ich diese meine Heldentat im Heeresbericht. Ich war
nicht schlecht stolz darauf, aber zu meinen zweiundfnfzig zhlt dieser
Nieuport nicht.

       *       *       *       *       *

_Heeresbericht vom 26.April 1916_

Zwei feindliche Flugzeuge sind ber Fleury, sdlich von Douaumont und
westlich davon, im Luftkampf abgeschossen.




Holck [Symbol: Kreuz]

(30. April 1916)


Als junger Flugzeugfhrer flog ich mal bei einem Jagdfluge ber das Fort
Douaumont hinweg, auf dem gerade heftiges Trommelfeuer lag. Da sah ich,
wie ein deutscher Fokker drei Caudrons angriff. Zu seinem Pech war aber
sehr starker Westwind. Also ungnstiger Wind. Er wurde im Laufe des
Kampfes ber die Stadt Verdun hinausgetrieben. Ich machte meinen
Beobachter darauf aufmerksam, der auch meinte, das mu ein ganz
schneidiger Kerl sein. Wir berlegten, ob es Boelcke sein knnte, und
wollten uns nachher danach erkundigen. Da sah ich aber zu meinem
Schrecken, wie aus dem Angreifer ein Verteidiger wurde. Der Deutsche
wurde von den Franzosen, die sich mittlerweile auf mindestens zehn
Flugzeuge verstrkt hatten, immer mehr heruntergedrckt. Ihm zu Hilfe
kommen, konnte ich nicht. Ich war zu weit ab von den Kmpfenden und kam
zudem in meiner schweren Maschine nicht gegen den Wind an. Der Fokker
wehrte sich verzweifelt. Jetzt hatten ihn die Feinde schon mindestens
auf sechshundert Meter heruntergedrckt. Da wurde er pltzlich von einem
seiner Verfolger erneut angegriffen. Er verschwand in einem Sturzflug in
einer Kumuluswolke. Ich atmete auf, denn das war meiner Ansicht nach
seine Rettung.

Zu Hause angekommen, erzhlte ich, was ich gesehen hatte, und erfuhr,
da es Holck, mein alter Kampfgenosse aus dem Osten, war, der vor kurzem
vor Verdun Jagdflieger geworden war.

Mit Kopfschu war Graf Holck senkrecht abgestrzt. Es ging mir sehr
nahe, denn er war nicht blo ein Vorbild an Schneid, er war eben auch
als Mensch eine Persnlichkeit, wie es nur wenige gibt.




Ein Gewitterflug


Unsere Ttigkeit vor Verdun im Sommer 1916 wurde durch hufige
Gewitterstrme gestrt. Nichts Unangenehmeres gibt es fr einen Flieger,
als durch ein Gewitter hindurch zu mssen. Whrend der Somme-Schlacht
zum Beispiel landete ein ganzes englisches Geschwader hinter unseren
Linien, weil es durch ein Gewitter berrascht wurde. Es geriet so in
Gefangenschaft.

Ich hatte noch nie den Versuch gemacht, durch ein Gewitter
hindurchzufliegen, und konnte es mir nicht verkneifen, das doch mal
auszuprobieren. In der Luft war den ganzen Tag eine richtige
Gewitterstimmung. Von meinem Flughafen Mont war ich nach dem nahen Metz
hinbergeflogen, um dort einiges zu erledigen. Da ereignete sich bei
meinem Nachhauseflug folgendes:

Ich war auf dem Flugplatz in Metz und wollte nach meinem Flughafen
zurck. Wie ich meine Maschine aus der Halle zog, machten sich die
ersten Anzeichen eines nahen Gewittersturmes bemerkbar. Der Wind
kruselte den Sand, und eine pechschwarze Wand zog von Norden her heran.
Alte, erfahrene Piloten rieten mir dringend ab, zu fliegen. Ich hatte
aber fest versprochen zu kommen, und es wre mir furchtsam erschienen,
wenn ich wegen eines dummen Gewitters ausgeblieben wre. Also, Gas
gegeben und mal probiert! Schon beim Start fing's an zu regnen. Die
Brille mute ich wegwerfen, um berhaupt etwas sehen zu knnen. Das ble
war, da ich ber die Moselberge wegmute, durch deren Tler gerade der
Gewittersturm brauste. Ich dachte mir: Nur zu, es wird schon glcken,
und nherte mich mehr und mehr der schwarzen Wolke, die bis auf die Erde
herunterreichte. Ich flog so niedrig wie mglich. ber Huser und
Baumreihen mute ich teilweise hinwegspringen. Wo ich war, wute ich
schon lange nicht mehr. Der Sturm erfate meinen Apparat wie ein Stck
Papier und trieb ihn vor sich her. Mir sa das Herz doch etwas tiefer.
Landen konnte ich nicht mehr in den Bergen, also mute durchgehalten
werden.

Um mich herum war es schwarz, unter mir bogen sich die Bume im Sturm.
Pltzlich lag vor mir eine bewaldete Hhe. Ich mute auf sie zu, mein
guter Albatros schaffte es und ri mich darber hinweg. Ich konnte nur
noch geradeaus fliegen; jedes Hindernis, das kam, mute genommen werden.
Es war die reine Springkonkurrenz ber Bume, Drfer, besonders
Kirchtrme und Schornsteine, da ich hchstens noch fnf Meter hoch
fliegen konnte, um in der schwarzen Gewitterwolke berhaupt noch etwas
zu sehen. Um mich herum zuckten die Blitze. Ich wute damals noch nicht,
da der Blitz nicht in das Flugzeug schlagen kann. Ich glaubte den
sicheren Tod vor Augen zu haben, denn der Sturm mute mich bei der
nchsten Gelegenheit in ein Dorf oder in einen Wald werfen. Htte der
Motor ausgesetzt, so wre ich erledigt gewesen.

Da sah ich mit einem Male vor mir eine helle Stelle am Horizont. Dort
hrte das Gewitter auf; erreichte ich diesen Punkt, so war ich gerettet.
Die ganze Energie zusammennehmend, die ein junger, leichtsinniger Mensch
haben kann, steuerte ich darauf zu.

Pltzlich, wie abgerissen, war ich aus der Gewitterwolke heraus, flog
zwar noch im strmenden Regen, aber fhlte mich im brigen geborgen.

Noch immer bei strmendem Regen landete ich in meinem Heimatshafen, wo
schon alles auf mich wartete, da von Metz bereits die Nachricht
eingetroffen war, ich sei in einer Gewitterwolke, Richtung dorthin,
verschwunden.

Nie wieder werde ich, wenn es nicht mein Vaterland von mir fordert,
durch einen Gewittersturm hindurchfliegen.

In der Erinnerung ist alles schn, so gab es auch dabei schne Momente,
die ich nicht in meinem Fliegerdasein missen mchte.




Das erstemal auf einem Fokker


Von Anfang meiner Pilotenlaufbahn an hatte ich nur ein Streben, und das
war, in einem einsitzigen Kampfflugzeug fliegen zu drfen. Nach langem
Qulen bei meinem Kommandeur hatte ich die Erlaubnis 'rausgeschunden,
einen Fokker zu schaukeln. Der Motor, der sich um sich selbst drehte,
war mir etwas ganz Neues. Auch so allein in einem kleinen Flugzeug zu
sitzen, war mir fremd.

Ich besa mit einem Freund, der jetzt schon lange tot ist, zusammen
diesen einen Fokker. Vormittags flog ich ihn, nachmittags er. Jeder
hatte Angst, der andere knne die Kiste eher zerschmeien. Am zweiten
Tage flogen wir gegen den Feind. Mir war vormittags kein Franzose
begegnet, nachmittags kam der andere an die Reihe. Er kam nicht wieder,
keine Nachricht, nichts. Sptabends meldete die Infanterie einen
Luftkampf zwischen einem Nieuport und einem deutschen Fokker, nach
dessen Verlauf der Deutsche scheinbar jenseits auf dem Toten Mann
gelandet wre. Es konnte nur Reimann sein, denn alle anderen waren
zurckgekommen. Wir bedauerten unseren khnen Kameraden, da pltzlich
kam nachts die telephonische Nachricht, ein deutscher Fliegeroffizier
sei mit einem Male im vordersten Sappenkopf der Infanteriestellung auf
dem Toten Mann erschienen. Er entpuppte sich als Reimann. Ihm war der
Motor zerschossen worden, so da er zur Notlandung gezwungen war. Er
hatte dabei unsere Linien nicht mehr erreichen knnen und war zwischen
dem Feind und uns gelandet. Schnell hatte er noch seine Maschine in
Brand gesteckt und sich dann einige hundert Meter davon in einem
Sprengtrichter verborgen gehalten. In der Nacht war er dann als
Schleichpatrouille in unseren Grben erschienen. So endete zum ersten
Male unser Aktienunternehmen: Der Fokker.

       *       *       *       *       *

Nach einigen Wochen bekamen wir einen zweiten. Diesmal fhlte ich mich
verpflichtet, das gute Ding ins Jenseits zu befrdern. Es war vielleicht
mein dritter Flug auf der kleinen, schnellen Maschine. Beim Start setzte
der Motor aus. Ich mute hinunter, gerade in ein Haferfeld hinein, und
im Umsehen war aus dem stolzen, schnen Apparat blo noch eine
unkenntliche Masse geworden. Wie durch ein Wunder war mir nichts
passiert.




Bombenflge in Ruland


Juni hie es pltzlich verladen. Wir wuten nicht, wo es hinging, aber
den richtigen Tip hatten wir und waren deshalb nicht bermig erstaunt,
wie uns unser Kommandeur mit der Neuigkeit berraschte, da wir nach
Ruland gingen. Wir fuhren durch ganz Deutschland mit unserem Wohnzug,
aus Speise- und Schlafwagen bestehend, und kamen schlielich nach Kowel.
Dort blieben wir in unseren Eisenbahnwagen wohnen. Dieses Wohnen in
Zgen hat ja nun natrlich sehr viel Vorteile. Man ist stets fertig, um
weiterzureisen, und man hat immer dasselbe Quartier.

Aber in der russischen Sommerhitze ist so ein Schlafwagen das
Frchterlichste, was es geben kann. Deshalb zog ich es vor, mit zwei
guten Freunden, Gerstenberg und Scheele, in den nahen Wald zu ziehen, wo
wir uns ein Zelt aufbauten und wie Zigeuner lebten. Das waren schne
Zeiten.

       *       *       *       *       *

In Ruland warf unser Kampfgeschwader viel Bomben. Wir beschftigten uns
damit, die Russen zu rgern, und legten auf ihre schnsten Bahnanlagen
unsere Eier. An einem dieser Tage zog unser ganzes Geschwader los, um
eine sehr wichtige Bahnhofsanlage zu bewerfen. Das Nest hie Manjewicze
und lag etwa dreiig Kilometer hinter der Front, also nicht so
bertrieben weit. Die Russen hatten einen Angriff geplant, und zu diesem
Zweck war der Bahnhof ganz ungeheuerlich mit Zgen angefllt. Ein Zug
stand neben dem anderen, eine ganze Strecke war mit fahrenden Zgen
belegt. Man konnte das von oben sehr schn sehen; an jeder
Ausweichstelle stand ein Transportzug. Also ein wirklich lohnendes Ziel
fr einen Bombenflug.

Man kann sich fr alles begeistern. So hatte ich mich mal fr eine Weile
fr dieses Bombenfliegen begeistert. Es machte mir einen unheimlichen
Spa, die Brder da unten zu bepflastern. Oft zog ich an einem Tage
zweimal los. An diesem Tage hatten wir uns also Manjewicze zum Ziele
gesteckt. Jede Staffel fr sich zog geschlossen gen Ruland. Die
Maschinen standen am Start, jeder Flugzeugfhrer versuchte noch einmal
seinen Motor, denn es ist eine peinliche Sache, auf der falschen Partei
notzulanden und besonders in Ruland. Der Russe ist auf Flieger wie
wild. Kriegt er einen zu fassen, schlgt er ihn ganz bestimmt tot. Das
ist auch die einzige Gefahr in Ruland, denn feindliche Flieger gibt es
da nicht, oder so gut wie gar nicht. Kommt mal einer vor, so hat er
sicherlich Pech und wird abgeschossen. Die Ballonabwehrgeschtze in
Ruland sind manchmal ganz gut, aber ihre Zahl nicht ausreichend. Gegen
den Westen jedenfalls ist das Fliegen im Osten eine Erholung.

       *       *       *       *       *

Die Maschinen rollen schwer bis an den Startplatz. Sie sind bis auf ihr
letztes Ladegewicht mit Bomben angefllt. Ich schleppte manchmal
einhundertfnfzig Kilogramm Bomben mit einem ganz normalen C-Flugzeug.
Auerdem hatte ich noch einen schweren Beobachter mit, dem man die
Fleischnot gar nicht ansah, ferner fr den Fall, da߫ noch zwei
Maschinengewehre. Ich habe sie nie in Ruland ausprobieren knnen. Es
ist sehr schade, da in meiner Sammlung kein Russe vorhanden ist. An der
Wand wrde sich seine Kokarde gewi ganz malerisch machen. So ein Flug
mit einer dicken, schwerbeladenen Maschine, besonders in der russischen
Mittagsglut, ist nicht von Pappe. Die Khne schaukeln sehr unangenehm.
Runterfallen tun sie natrlich nicht, dafr sorgen die einhundertfnfzig
Pferde, aber es ist doch kein angenehmes Gefhl, so viel Sprengladung
und Benzin bei sich zu haben. Endlich ist man in einer ruhigeren
Luftschicht und kommt allmhlich zu dem Genu des Bombenfluges. Es ist
schn, geradeaus zu fliegen, ein bestimmtes Ziel zu haben und einen
festen Auftrag. Man hat nach einem Bombenwurf das Gefhl: Du hast etwas
geleistet, whrend man manchmal bei einem Jagdflug, wo man keinen
abgeschossen hat, sich sagen mu: Du httest es besser machen knnen.
Ich habe sehr gern Bomben geworfen. Mein Beobachter hatte es sachte sehr
ordentlich wegbekommen, das Ziel genau senkrecht zu berfliegen und mit
Hilfe eines Zielfernrohres den guten Augenblick abzupassen, um sein Ei
zu legen. Es ist ein schner Flug nach Manjewicze. Ich habe ihn fters
hinter mir.

Wir kamen ber riesige Waldkomplexe, in denen gewi die Elche und Luchse
herumturnen. Die Drfer sahen allerdings auch so aus, als ob sich die
Fchse darin Gute Nacht sagen knnten. Das einzige grere Dorf in der
ganzen Gegend war Manjewicze. Um das Dorf herum waren zahllose Zelte
aufgeschlagen und am Bahnhof selbst unzhlige Baracken. Rote Kreuze
konnten wir nicht erkennen. Vor uns war eine Staffel dagewesen. Dieses
konnte man an einzelnen rauchenden Husern und Baracken noch
feststellen. Sie hatte nicht schlecht geworfen. Der eine Ausgang des
Bahnhofs war durch einen Treffer offenbar versperrt. Die Lokomotive
dampfte noch. Gewi waren die Herren Zugfhrer irgendwo in einem
Unterstand oder so was hnlichem. Auf der anderen Seite fuhr gerade eine
Lokomotive mit groer Fahrt heraus. Natrlich reizte einen das, das Ding
zu treffen. Wir fliegen das Ding an und setzen einige hundert Meter
davor eine Bombe. Der gewnschte Erfolg war da, die Lokomotive blieb
stehen. Wir machen kehrt und werfen noch sauber Bombe fr Bombe, fein
gezielt durch das Zielfernrohr, auf den Bahnhof. Wir haben ja Zeit, es
strt uns niemand. Ein feindlicher Flughafen ist zwar ganz in der Nhe,
aber seine Piloten sind nicht zu sehen. Abwehrgeschtze knallen nur ganz
vereinzelt und in einer ganz anderen Richtung als wir fliegen. Wir heben
uns noch eine Bombe auf, um sie besonders nutzbringend beim
Nachhauseflug anzuwenden. Da sehen wir, wie ein feindlicher Flieger auf
seinem Hafen startet. Ob er sich wohl mit dem Gedanken trgt, uns
anzugreifen? Ich glaube es nicht. Viel eher sucht er Sicherheit in der
Luft, denn das ist bei Bombenflgen auf Flughfen ganz gewi das
bequemste, sich der persnlichen Lebensgefahr zu entziehen.

Wir machen noch einige Umwege und suchen Truppenlager, denn das macht
besonderen Spa, die Herren da unten mit Maschinengewehren zu
beunruhigen. Solche halbwilden Vlkerstmme wie die Asiaten haben noch
viel mehr Angst als die gebildeten Englnder. Besonders interessant ist
es, auf feindliche Kavallerie zu schieen. Es bringt ungeheure Unruhe
unter die Leute. Man sieht sie mit einem Male nach allen
Himmelsrichtungen davonsausen. Ich mchte nicht Schwadronschef von so
einer Kosakeneskadron sein, die von Fliegern mit Maschinengewehren
beschossen wird. Allmhlich konnten wir wieder unsere Linien sehen. Nun
wurde es Zeit, da wir unsere letzte Bombe loswurden. Wir beschlossen,
einen Fesselballon, _den_ Fesselballon der Russen, mit einer Bombe zu
bedenken. Wir konnten ganz gemtlich auf wenige hundert Meter
heruntergehen und den Fesselballon bewerfen. Anfangs wurde er mit groer
Hast eingezogen, wie aber die Bombe gefallen war, hrte das Einziehen
auf. Ich erklrte es mir dadurch, nicht etwa, da ich getroffen hatte,
sondern eher, da die Russen ihren Hetman da oben in dem Korb im Stich
lieen und weggelaufen waren. Wir erreichten schlielich unsere Front,
unsere Grben und waren, als wir zu Hause ankamen, doch etwas erstaunt,
wie wir feststellten, da man uns von unten doch beschossen hatte,
wenigstens zeigte dies ein Treffer in der Tragflche.

       *       *       *       *       *

Ein andermal waren wir gleichfalls etwa in derselben Gegend auf einen
Angriff der Russen angesetzt, die den Stochod zu berschreiten
beabsichtigten. Wir kamen an die gefhrdete Stelle, mit Bomben beladen
und sehr viel Patronen frs Maschinengewehr, und da sahen wir zu unserer
groen berraschung, wie bereits der Stochod von feindlicher Kavallerie
berschritten wird. Eine einzige Brcke diente zum Nachschub. Also war
es klar: Trifft man diese, so kann man dem Feind ungeheuer schaden.
Auerdem wlzten sich ber den schmalen Steg dicke Truppenmassen. Wir
gingen auf mglichst niedrige Hhe hinunter und konnten nun genau
erkennen, da die feindliche Kavallerie in groer Geschwindigkeit ber
den bergang marschierte. Die erste Bombe krachte nicht weit von ihr,
die zweite, dritte folgte unmittelbar darauf. Unten entsteht eine wste
Unordnung. Die Brcke ist zwar nicht getroffen, aber nichtsdestotrotz
hat der Verkehr vollstndig aufgehrt, und alles, was Beine hat, ist
nach allen Himmelsrichtungen davon. Der Erfolg war gut, denn das waren
nur drei Bomben; es kam ja noch das ganze Geschwader hinterher. Und so
konnten wir noch manches erreichen. Mein Beobachter scho feste mit dem
Maschinengewehr unter die Brder, und wir hatten einen wilden Spa
daran. Was unser positiver Erfolg war, kann ich natrlich nicht sagen.
Die Russen haben es mir auch nicht erzhlt. Aber eingebildet habe ich
mir, da ich den russischen Angriff allein abgeschlagen habe. Ob es
stimmt, wird die Kriegschronik der Russen nach dem Kriege mir wohl
mitteilen.




Endlich!


Die Augustsonne war fast unertrglich auf dem sandigen Flugplatz in
Kowel. Wir unterhielten uns mit den Kameraden, da erzhlte einer: Heute
kommt der groe Boelcke und will uns, oder vielmehr seinen Bruder, in
Kowel besuchen. Abends erschien der berhmte Mann, von uns sehr
angestaunt, und erzhlte vieles Interessante von seiner Reise nach der
Trkei, von der er gerade auf dem Rckwege war, um sich im Groen
Hauptquartier zu melden. Er sprach davon, da er an die Somme ginge, um
dort seine Arbeit fortzusetzen, auch sollte er eine ganze Jagdstaffel
aufstellen. Zu diesem Zwecke konnte er sich aus der Fliegertruppe ihm
geeignet erscheinende Leute aussuchen. Ich wagte nicht, ihn zu bitten,
da er mich mitnhme. Nicht aus dem Grunde heraus, da es mir bei
unserem Geschwader zu langweilig gewesen wre -- im Gegenteil, wir
machten groe und interessante Flge, haben den Rukis mit unseren
Bomben so manchen Bahnhof eingetppert -- aber der Gedanke, wieder an der
Westfront zu kmpfen, reizte mich. Es gibt eben nichts Schneres fr
einen jungen Kavallerieoffizier, als auf Jagd zu fliegen.

Am nchsten Morgen sollte Boelcke wieder wegfahren. Frhmorgens klopfte
es pltzlich an meiner Tr, und vor mir stand der groe Mann mit dem
#Pour le mrite#. Ich wute nicht recht, was er von mir wollte. Ich
kannte ihn zwar, wie bereits erwhnt, aber auf den Gedanken kam ich
nicht, da er mich dazu aufgesucht hatte, um mich aufzufordern, sein
Schler zu werden. Fast wre ich ihm um den Hals gefallen, wie er mich
fragte, ob ich mit ihm nach der Somme gehen wollte.

Drei Tage spter sa ich auf der Eisenbahn und fuhr quer durch
Deutschland direkt nach dem Feld meiner neuen Ttigkeit. Endlich war
mein sehnlichster Wunsch erfllt, und nun begann fr mich die schnste
Zeit meines Lebens.

Da sie sich so erfolgreich gestalten wrde, wagte ich damals nicht zu
hoffen. Beim Abschied rief mir ein guter Freund noch nach: Komm' blo
nicht ohne den #Pour le mrite# zurck!




Mein erster Englnder

(17. September 1916)


Wir standen alle auf dem Schieplatz, und einer nach dem anderen scho
sein Maschinengewehr ein, so, wie es ihm am gnstigsten erschien. Am
Tage vorher hatten wir unsere neuen Apparate bekommen, und am nchsten
Morgen wollte Boelcke mit uns fliegen. Wir waren alle Anfnger, keiner
von uns hatte bisher einen Erfolg zu verzeichnen. Was Boelcke uns sagte,
war uns daher ein Evangelium. In den letzten Tagen hatte er, wie er sich
ausdrckte, zum Frhstck schon mindestens einen, manchmal auch zwei
Englnder abgeschossen.

Der nchste Morgen, der 17.September, war ein wunderbarer Tag. Man
konnte mit regem Flugbetrieb der Englnder rechnen. Bevor wir
aufstiegen, erteilte Boelcke uns noch einige genaue Instruktionen, und
zum ersten Male flogen wir im Geschwader unter Fhrung des berhmten
Mannes, dem wir uns blindlings anvertrauten.

Wir waren gerade an die Front gekommen, als wir bereits ber unseren
Linien an den Sprengpunkten unserer Ballon-Abwehrkanonen ein feindliches
Geschwader erkannten, das in Richtung Cambrai flog. Boelcke war
natrlich der erste, der es sah, denn er sah eben mehr als andere
Menschen. Bald hatten wir auch die Lage erfat, und jeder strebte,
dicht hinter Boelcke zu bleiben. Wir waren uns alle klar, da wir unsere
erste Prfung unter den Augen unseres verehrten Fhrers zu bestehen
hatten. Wir nherten uns dem Geschwader langsam, aber es konnte uns
nicht mehr entgehen. Wir waren zwischen der Front und dem Gegner. Wollte
er zurck, so mute er an uns vorbei. Wir zhlten schon die feindlichen
Flugzeuge und stellten fest, da es sieben waren. Wir dagegen nur fnf.
Alle Englnder flogen groe, zweisitzige Bomben-Flugzeuge. Nur noch
Sekunden, dann mute es losgehen. Boelcke war dem ersten schon verflucht
nahe auf die Pelle gerckt, aber noch scho er nicht. Ich war der
zweite, dicht neben mir meine Kameraden. Der mir am nchsten fliegende
Englnder war ein groer, dunkel angestrichener Kahn. Ich berlegte
nicht lange und nahm ihn mir aufs Korn. Er scho, ich scho, und ich
scho vorbei, er auch. Es begann ein Kampf, in dem es fr mich
jedenfalls darauf ankam, hinter den Burschen zu kommen, da ich ja nur in
meiner Flugrichtung schieen konnte. Er hatte es nicht ntig, denn sein
bewegliches Maschinengewehr reichte nach allen Seiten. Er schien aber
kein Anfnger zu sein, denn er wute genau, da in dem Moment sein
letztes Stndlein geschlagen hatte, wo ich es erreichte, hinter ihn zu
gelangen. Ich hatte damals noch nicht die berzeugung, der mu fallen,
wie ich sie jetzt voll habe, sondern ich war vielmehr gespannt, ob er
wohl fallen wrde, und das ist ein wesentlicher Unterschied. Liegt mal
der erste oder gar der zweite oder dritte, dann geht einem ein Licht
auf: So mut du's machen.

Also mein Englnder wandte, drehte sich, oft meine Garbe kreuzend. Daran
dachte ich nicht, da es auch noch andere Englnder in dem Geschwader
gab, die ihrem bedrngten Kameraden zu Hilfe kommen konnten. Nur immer
der eine Gedanke: Der mu fallen, mag kommen, was da will! Da, endlich
ein gnstiger Augenblick. Der Gegner hat mich scheinbar verloren und
fliegt geradeaus. Im Bruchteil einer Sekunde sitze ich ihm mit meiner
guten Maschine im Nacken. Eine kurze Serie aus meinem Maschinengewehr.
Ich war so nahe dran, da ich Angst hatte, ihn zu rammen. Da pltzlich,
fast htte ich einen Freudenjauchzer ausgestoen, denn der Propeller des
Gegners drehte sich nicht mehr. Hurra! Getroffen! Der Motor war
zerschossen, und der Feind mute bei uns landen, da ein Erreichen seiner
Linien ausgeschlossen war. Auch merkte ich an den schwankenden
Bewegungen des Apparates, da irgend was mit dem Fhrer nicht mehr ganz
in Ordnung war. Auch der Beobachter war nicht mehr zu sehen, sein
Maschinengewehr ragte ohne Bedienung in die Luft. Ich hatte ihn also
getroffen, und er mute am Boden seiner Karosserie liegen.

Der Englnder landete irgendwo unmittelbar neben dem Flughafen eines
mir bekannten Geschwaders. Ich war so aufgeregt, da ich mir das Landen
nicht verkneifen konnte, und landete in dem mir fremden Flughafen, wo
ich fast im Eifer meine Maschine noch auf den Kopf stellte. Die beiden
Flugzeuge, der Englnder und meines, waren nicht sehr weit voneinander
entfernt. Ich lief gleich hin und sah bereits eine Menge Soldaten nach
dem Gegner hinstrmen. Dort angekommen, fand ich, da meine Annahme
stimmte. Der Motor war zerschossen und beide Insassen schwer verletzt.
Der Beobachter starb gleich, der Fhrer auf dem Transport zum nahen
Lazarett. Meinem in Ehren gefallenen Gegner setzte ich zum Andenken
einen Stein auf sein schnes Grab.

Als ich nach Hause kam, sa Boelcke mit den anderen Kameraden bereits
beim Frhstck und wunderte sich sehr, wo ich so lange geblieben war.
Stolz meldete ich zum ersten Male: Einen Englnder abgeschossen.
Sofort jubelte alles, denn ich war nicht der einzige; auer Boelcke,
der, wie blich, seinen Frhstckssieg hatte, war jeder von uns
Anfngern zum ersten Male Sieger im Luftkampf geblieben.

Ich mchte bemerken, da seitdem kein englisches Geschwader sich mehr
bis Cambrai getraute, solange es dort eine Jagdstaffel Boelcke gab.




Somme-Schlacht


Ich habe in meinem ganzen Leben kein schneres Jagdgefilde kennengelernt
als in den Tagen der Somme-Schlacht. Morgens, wenn man aufgestanden,
kamen schon die ersten Englnder, und die letzten verschwanden, nachdem
schon lange die Sonne untergegangen war. Ein Dorado fr die
Jagdflieger, hat Boelcke einmal gesagt. Es ist damals die Zeit gewesen,
wo Boelcke in zwei Monaten mit seinen Abschssen von zwanzig auf vierzig
gestiegen war. Wir Anfnger hatten damals noch nicht die Erfahrung wie
unser Meister und waren ganz zufrieden, wenn wir nicht selbst Senge
bezogen. Aber schn war es! Kein Start ohne Luftkampf. Oft groe
Luftschlachten von vierzig bis sechzig Englndern gegen leider nicht
immer so viele Deutsche. Bei ihnen macht es die Quantitt und bei uns
die Qualitt.

Aber der Englnder ist ein schneidiger Bursche, das mu man ihm lassen.
Er kam ab und zu in ganz niedriger Hhe und besuchte Boelcke auf seinem
Platz mit Bomben. Er forderte zum Kampf frmlich heraus und nahm ihn
auch stets an. Ich habe kaum einen Englnder getroffen, der den Kampf
verweigert htte, whrend der Franzose es vorzieht, jede Berhrung mit
dem Gegner in der Luft peinlichst zu vermeiden.

Es waren schne Zeiten bei unserer Jagdstaffel. Der Geist des Fhrers
bertrug sich auf seine Schler. Wir konnten uns blindlings seiner
Fhrung anvertrauen. Die Mglichkeit, da einer im Stich gelassen wurde,
gab es nicht. Der Gedanke kam einem berhaupt nicht. Und so rumten wir
flott und munter unter unseren Feinden auf.

An dem Tage, an dem Boelcke fiel, hatte die Staffel schon vierzig. Jetzt
hat sie weit ber hundert. Der Geist Boelckes lebt fort unter seinen
tchtigen Nachfolgern.




Boelcke [Symbol: Kreuz]

(28. Oktober 1916)


Eines Tages flogen wir wieder einmal unter der Fhrung des groen Mannes
gegen den Feind. Man hatte stets ein so sicheres Gefhl, wenn er dabei
war. Es gab eben nur einen Boelcke. Ein sehr strmisches Wetter. Viel
Wolken. Andere Flieger flogen an dem Tage berhaupt nicht, nur der
Jagdflieger.

Schon von weitem sahen wir an der Front zwei freche Englnder, denen
scheinbar das schlechte Wetter auch mal Spa machte. Wir waren sechs,
drben waren zwei. Wren es zwanzig gewesen, uns htte das Zeichen von
Boelcke zum Angriff auch nicht weiter in Erstaunen gesetzt.

Es beginnt der bliche Kampf. Boelcke hatte den einen vor und ich den
anderen. Ich mu ablassen, weil ich von einem eigenen gestrt werde. Ich
sehe mich um und beobachte, wie etwa zweihundert Meter neben mir Boelcke
sein Opfer gerade verarbeitet.

[Illustration: Der Dreiigste!]

[Illustration: Der Vierzigste!]

Es war wieder das bliche Bild. Boelcke schiet einen ab, und ich kann
zusehen. Dicht neben Boelcke fliegt ein guter Freund von ihm. Es war ein
interessanter Kampf. Beide schossen, jeden Augenblick mute der
Englnder strzen. Pltzlich ist eine unnatrliche Bewegung in den
beiden deutschen Flugzeugen zu beobachten. Es zuckt mir durchs Hirn:
Zusammensto. Ich habe sonst nie einen Zusammensto in der Luft gesehen
und hatte mir so etwas viel anders vorgestellt. Es war auch kein
Zusammensto, sondern mehr ein Berhren. Aber in der groen
Geschwindigkeit, die so ein Flugzeug hat, ist jede leise Berhrung ein
heftiger Aufprall.

Boelcke lt sofort von seinem Opfer ab und geht in groem
Kurvengleitflug zur Erde hinunter. Noch immer hatte ich nicht das Gefhl
eines Absturzes, aber wie er unter mir durchgleitet, erkenne ich, da
ein Teil seiner Tragflchen abgebrochen ist. Was nun folgte, konnte ich
nicht beobachten, aber in den Wolken verlor er eine Tragflche ganz. Da
war das Flugzeug steuerlos, und er strzte ab, immer begleitet von
seinem treuen Freund. Als wir zu Haus ankamen, war bereits die Meldung
da: Unser Boelcke tot! Man konnte es nicht fassen.

Am schmerzlichsten empfand es natrlich derjenige, dem das Unglck
zustoen mute.

Es ist eigentmlich, da jeder Mensch, der Boelcke kennenlernte, sich
einbildete, er sei der einzig wahre Freund von ihm. Ich habe von diesen
einzig wahren Freunden Boelckes etwa vierzig kennengelernt, und jeder
bildete sich ein, er sei der einzige. Menschen, deren Name Boelcke nie
gewut hat, glaubten, sie stnden ihm besonders nahe. Es ist eine
eigentmliche Erscheinung, die ich nur bei ihm beobachtet habe. Einen
persnlichen Feind hat er nie gehabt. Er war gegen jedermann gleichmig
liebenswrdig, zu keinem mehr, zu keinem weniger.

Der einzige, der ihm vielleicht etwas nher stand, hatte das eben
beschriebene Unglck mit ihm.

Nichts geschieht ohne Gottes Fgung. Das ist ein Trost, den man sich in
diesem Kriege so oft sagen mu.




Der Achte


Acht war zu Boelckes Zeiten eine ganz anstndige Zahl. Jeder, der
heutzutage von den kolossalen Zahlen der Abschsse hrt, mu zu der
berzeugung kommen, da das Abschieen leichter geworden ist. Ich kann
ihm nur eins versichern, da dieses von Monat zu Monat, ja, von Woche zu
Woche schwieriger wird. Natrlich bietet sich die Gelegenheit jetzt
fters, abzuschieen; aber leider wird die Mglichkeit, selbst
abgeschossen zu werden, ebenfalls grer. Die Bewaffnung des Gegners
wird immer besser, seine Zahl immer grer. Als Immelmann seinen ersten
abscho, hatte er sogar das Glck, einen Gegner zu finden, der gar kein
Maschinengewehr bei sich hatte. Solche Hschen findet man jetzt
hchstens noch ber Johannisthal. Am 9.November 1916 flog ich mit
meinem kleinen Kampfgenossen, dem achtzehnjhrigen Imelmann, gegen den
Feind. Wir waren zusammen bei der Jagdstaffel Boelcke, kannten uns schon
vorher und hatten uns immer sehr gut vertragen. Kameradschaft ist die
Hauptsache. Wir zogen los. Ich hatte schon sieben, Imelmann fnf. Fr
damalige Zeiten eine ganze Menge.

Wir sind ganz kurze Zeit an der Front, da sehen wir ein
Bombengeschwader. Es kommt sehr frech geflogen. In ungeheurer Zahl
kommen sie natrlich wieder an, wie berhaupt immer whrend der
Somme-Schlacht. Ich glaube, in dem Geschwader waren etwa vierzig bis
fnfzig, genau kann ich die Zahl nicht angeben. Sie hatten sich gar
nicht weit weg von unserem Flughafen ein Ziel fr ihre Bomben
ausgesucht. Kurz vor dem Ziel erreichte ich den letzten der Gegner. Wohl
gleich meine ersten Schsse machten den Maschinengewehrschtzen im
feindlichen Flugzeug kampfunfhig, mochten wohl auch den Piloten etwas
gekitzelt haben, jedenfalls entschlo er sich zur Landung mitsamt seinen
Bomben. Ich brannte ihm noch einige auf den Bast, dadurch wurde das
Tempo, in dem er die Erde zu erreichen suchte, etwas grer, er strzte
nmlich ab und fiel ganz in die Nhe unseres Flughafens Lagnicourt.

Imelmann war zur selben Zeit gleichfalls in einen Kampf mit einem
Englnder verwickelt und hatte auch einen Gegner zur Strecke gebracht,
gleichfalls in derselben Gegend. Schnell flogen wir nach Hause, um uns
unsere abgeschossenen Maschinen ansehen zu knnen. Wir fahren im Auto
bis in die Nhe meines Gegners und mssen dann sehr lange durch tiefen
Acker laufen. Es war sehr hei, deshalb knpfte ich mir alles auf, sogar
das Hemd und den Kragen. Die Jacke zog ich aus, die Mtze lie ich im
Auto, dafr nahm ich einen groen Knotenstock mit, die Stiefel waren
bis an die Knie voll Schmutz. Ich sah also wst aus. So komme ich in die
Nhe meines Opfers. Natrlich hat sich schon eine Unmenge Menschen
drumrum angesammelt.

Eine Gruppe von Offizieren steht etwas abseits. Ich gehe auf sie zu,
begre sie und frage den ersten besten, ob er mir nicht erzhlen
knnte, wie der Luftkampf ausgesehen habe, denn es interessiert
hinterher immer sehr, von den anderen, die von unten zugesehen haben, zu
erfahren, wie der Luftkampf ausgesehen hat. Da erfahre ich, da die
Englnder Bomben geworfen haben und dieses Flugzeug noch seine Bomben
bei sich hatte. Der betreffende Herr nimmt mich am Arm, geht auf die
Gruppe der anderen Offiziere zu, fragt noch schnell nach meinem Namen
und stellt mich den Herren vor. Es war mir nicht angenehm, denn ich
hatte, wie gesagt, meine Toilette etwas derangiert. Und die Herren, mit
denen ich jetzt zu tun hatte, sahen alle totschick angezogen aus. Ich
wurde einer Persnlichkeit vorgestellt, die mir nicht so ganz geheuer
erschien. Generalshosen, einen Orden zum Hals heraus, dafr aber ein
verhltnismig jugendliches Gesicht, undefinierbare Achselstcke -- kurz
und gut, ich wittere etwas Auerordentliches, knpfe mir im Laufe der
Unterhaltung Hose und Kragen zu und nehme eine etwas militrischere Form
an. Wer es war, wute ich nicht. Ich verabschiede mich wieder, fahre
nach Hause. Abends klingelt das Telephon, und ich erfahre nun, da dies
Seine Knigliche Hoheit der Groherzog von Sachsen-Koburg-Gotha war. Ich
werde zu ihm befohlen. Es war bekannt, da die Englnder die Absicht
hatten, auf seinen Stab Bomben zu werfen. So htte ich dazu beigetragen,
ihm die Attentter vom Leibe zu halten. Dafr bekam ich die
Sachsen-Koburg-Gothaische Tapferkeitsmedaille.

Sie macht mir jedesmal Spa, wenn ich sie sehe.




Major Hawker


Am stolzesten war ich, als ich eines schnen Tages hrte, da der von
mir am 23.November 1916 abgeschossene Englnder der englische Immelmann
war.

Dem Luftkampf nach htte ich mir's schon denken knnen, da es ein
Mordskerl war, mit dem ich es zu tun hatte.

Ich flog quietschvergngt eines schnen Tages wieder mal auf Jagd und
beobachtete drei Englnder, die scheinbar auch nichts anderes vorhatten
als zu jagen. Ich merkte, wie sie mit mir liebugelten, und da ich
gerade viel Lust zum Kampfe hatte, lie ich mich darauf ein. Ich war
tiefer als der Englnder, folglich mute ich warten, bis der Bruder auf
mich 'runterstie. Es dauerte auch nicht lange, schon kam er angesegelt
und wollte mich von hinten fassen. Nach den ersten fnf Schssen mute
der Kunde schon wieder aufhren, denn ich lag bereits in einer scharfen
Linkskurve. Der Englnder versuchte, sich hinter mich zu setzen, whrend
ich versuchte, hinter den Englnder zu kommen. So drehten wir uns beide
wie die Wahnsinnigen im Kreise mit vollaufendem Motor in
dreitausendfnfhundert Metern Hhe. Erst zwanzigmal linksrum, dann
dreiigmal rechtsrum, jeder darauf bedacht, ber und hinter den anderen
zu kommen. Ich hatte bald spitz, da ich es mit keinem Anfnger zu tun
hatte, denn es fiel ihm nicht im Traum ein, den Kampf abzubrechen. Er
hatte zwar eine sehr wendige Kiste, aber meine stieg dafr besser, und
so gelang es mir, ber und hinter den Englnder zu kommen.

Nachdem wir so zweitausend Meter tiefer gekommen waren, ohne ein
Resultat erreicht zu haben, mute mein Gegner eigentlich merken, da nun
die hchste Zeit fr ihn war, sich zu drcken, denn der fr mich
gnstige Wind trieb uns immer mehr auf unsere Stellen zu, bis ich
schlielich beinahe ber Bapaume, etwa einen Kilometer hinter unserer
Front, angekommen war. Der freche Kerl besa nun noch die
Unverschmtheit und winkte mir, als wir bereits in tausend Meter Hhe
waren, ganz vergngt zu, als wollte er sagen: #Well, well, how do you
do?#

Die Kreise, die wir umeinander machten, waren so eng, da ich sie nicht
weiter als achtzig bis hundert Meter schtzte. Ich hatte Zeit, mir
meinen Gegner anzusehen. Ich guckte ihm senkrecht in die Karosserie und
konnte jede Kopfbewegung beobachten. Htte er nicht seine Kappe
aufgehabt, so htte ich sagen knnen, was fr ein Gesicht er schnitt.

Allmhlich wurde selbst dem braven Sportsmann dies doch etwas zu bunt,
und er mute sich schlielich entscheiden, ob er bei uns landen wollte
oder zu seinen Linien zurckfliegen. Natrlich versuchte er letzteres,
nachdem er durch einige Loopings und solche Witze vergeblich probiert
hatte, sich mir zu entziehen. Dabei flogen meine ersten blauen Bohnen
ihm um die Ohren, denn bis jetzt war keiner zu Schu gekommen. In
hundert Metern Hhe versuchte er, durch Zickzackflge, whrend deren
sich von dem Beobachter bekanntlich schlecht schieen lt, nach der
Front zu entkommen. Jetzt war der gegebene Moment fr mich. Ich folgte
ihm in fnfzig bis dreiig Metern Hhe, unentwegt feuernd. So mute der
Englnder fallen. Beinahe htte mich eine Ladehemmung noch um meinen
Erfolg gebracht.

Mit Kopfschu strzte der Gegner ab, etwa fnfzig Meter hinter unserer
Linie. Sein Maschinengewehr rannte in die Erde und ziert jetzt den
Eingang ber meiner Haustr.




#Pour le mrite#


Der Sechzehnte ist gefallen. Ich stand somit an der Spitze smtlicher
Jagdflieger. Dieses war das Ziel, das ich erreichen wollte. Das hatte
ich scherzeshalber mal vor einem Jahr zu meinem Freund Lynker gesagt,
als wir zusammen schulten und er mich fragte: Was ist denn Ihr Ziel --
was wollen Sie erreichen als Flieger? Da meinte ich so scherzhaft:
Nun, so an der Spitze der Jagdflieger zu fliegen, mu doch ganz schn
sein! Da dies mal Tatsache wrde, habe weder ich mir zugetraut noch
andere Menschen mir. Blo Boelcke soll einmal gesagt haben -- natrlich
nicht mir direkt persnlich, aber man hat es mir nachher erzhlt -- wie
er gefragt wurde: Wer hat denn Aussicht, mal ein guter Jagdflieger zu
werden? da soll er mit dem Finger auf mich gezeigt und gesagt haben:
Das ist der Mann!

Boelcke und Immelmann hatten mit dem Achten den #Pour le mrite#
bekommen. Ich hatte das Doppelte. Was wird sich nun ereignen? Ich war
sehr gespannt. Man munkelte, ich wrde eine Jagdstaffel bekommen. Da
kommt eines Tages das Telegramm: Leutnant v.R. zum Fhrer der
Jagdstaffel 11 ernannt. Ich mu sagen, ich habe mich gergert. Man
hatte sich so schn mit den Kameraden der Jagdstaffel Boelcke
eingearbeitet. Nun wieder ganz von neuem anzufangen, das Einleben usw.
war langweilig. Auerdem wre mir der #Pour le mrite# lieber gewesen.

Nach zwei Tagen -- wir sitzen gemtlich bei der Jagdstaffel Boelcke und
feiern meinen Abschied--, da kommt das Telegramm aus dem Hauptquartier,
da Majestt die Gnade hatte, mir den #Pour le mrite# zu verleihen. Da
war die Freude natrlich gro. Es war ein Pflaster auf das
Vorangegangene.

       *       *       *       *       *

Ich hatte es mir nicht so nett vorgestellt, selbst eine Jagdstaffel zu
fhren, wie es nachher in Wirklichkeit geworden ist. Ich habe mir nie
trumen lassen, da es mal eine Jagdstaffel Richthofen geben wrde.




#Le petit rouge#


Aus irgend welchen Grnden kam ich eines schnen Tages auf den Gedanken,
mir meine Kiste knallrot anzupinseln. Der Erfolg war der, da sich mein
roter Vogel jedem Menschen unbedingt aufdrngte. Auch meinen Gegnern
schien dies tatschlich nicht ganz unbekannt geblieben zu sein.

Gelegentlich eines Kampfes, der sich sogar an einer anderen Frontstelle
abspielte wie die brigen, glckte es mir, einen zweisitzigen Vickers,
der ganz friedlich unsere Artilleriestellung photographierte,
anzuschieen. Der Gegner kam gar nicht dazu, sich zu wehren, und mute
sich beeilen, auf die Erde zu kommen, denn er fing schon an, verdchtige
Zeichen des Brennens von sich zu geben. Wir nennen das: er stinkt. Wie
sich herausstellte, war es auch tatschlich Zeit, denn der Apparat fing
kurz ber der Erde an, in hellen Flammen zu brennen.

Ich fhlte ein menschliches Mitleid mit meinem Gegner und hatte mich
entschlossen, ihn nicht zum Absturz zu bringen, sondern ihn nur zur
Landung zu zwingen, zumal ich das Gefhl hatte, da der Gegner schon
verwundet war, denn er brachte keinen Schu 'raus.

In etwa fnfhundert Metern Hhe zwang mich ein Defekt an meiner
Maschine, im normalen Gleitflug, ohne eine Kurve machen zu knnen,
gleichfalls zu landen. Nun ereignete sich etwas ganz Komisches. Mein
Feind landete mit seiner brennenden Maschine glatt, whrend ich als
Sieger unmittelbar daneben in den Drahthindernissen der Schtzengrben
einer unserer Reservestellungen mich berschlug.

Es folgte eine sportliche Begrung der beiden #Englishmen# mit mir, die
wegen meines Bruches nicht wenig erstaunt waren, da sie, wie bereits
erwhnt, keinen Schu auf mich abgegeben hatten und sich den Grund
meiner Notlandung gar nicht vorstellen konnten. Es waren dies die ersten
Englnder, die ich lebendig heruntergebracht habe. Deshalb machte es mir
besonders Spa, mich mit ihnen zu unterhalten. Ich fragte sie unter
anderem, ob sie meine Maschine schon einmal in der Luft gesehen htten.
#Oh yes,# sagte der eine, die kenne ich ganz genau. Wir nennen sie
#'le petit rouge'#.

Nun kommt eine echt englische -- in meinen Augen -- Gemeinheit. Er fragte
mich, weshalb ich mich vor der Landung so unvorsichtig benommen htte.
Der Grund lag darin, da ich nicht anders konnte. Da sagte der Schurke,
er htte versucht, in den letzten dreihundert Metern auf mich zu
schieen, habe aber Ladehemmung gehabt. Ich gebe ihm Pardon -- er nimmt
es an und vergilt es mir nachher mit einem hinterlistigen berfall.

Seitdem habe ich noch keinen meiner Gegner wieder sprechen knnen, aus
einem naheliegenden Grund.




Englische und franzsische Fliegerei

(Februar 1917)


Zurzeit bin ich bemht, der Jagdstaffel Boelcke Konkurrenz zu machen.
Abends legen wir uns gegenseitig die Strecke vor. Aber es sind
verteufelte Kerls da drben. Zu schlagen sind sie nie. Hchstens, da
man der Staffel gleichkommt. Hundert haben sie ja schon Vorsprung.
Diesen Vorsprung mu ich ihnen lassen. Es hngt ja viel davon ab,
welchem Gegner man gegenber liegt, ob man die laurigen Franzosen oder
die schneidigen Kerls, die Englnder, gegenber hat. Mir ist der
Englnder lieber. Der Franzose kneift, der Englnder selten. Oft kann
man sogar hier von Dummheit sprechen; sie bezeichnen dies dann wohl als
Draufgngertum.

Es ist das Schne beim Jagdflieger, da es auf keinerlei Kunststcke bei
ihm ankommt, sondern lediglich persnlicher Schneid das Ausschlaggebende
bleibt. Es kann einer ein ganz herrlicher Sturz- und Loopingflieger
sein. Er braucht deshalb noch lange keinen abzuschieen. Meiner Ansicht
nach macht das Draufgehen alles, und das liegt uns Deutschen ja. Deshalb
werden wir stets die Oberherrschaft in der Luft behalten.

Dem Franzosen liegt es, aus dem Hinterhalt zu berfallen und einem
anderen aufzulauern. Das lt sich in der Luft schlecht machen.
berrumpeln lt sich nur ein Anfnger. Auflauern geht nicht, da man
sich ja nicht verstecken kann, auch ist das unsichtbare Flugzeug noch
nicht erfunden. Ab und zu braust wohl mal das gallische Blut in ihm auf.
Dann setzt er zum Angriff an; aber es ist wohl mit einer Brauselimonade
zu vergleichen. Fr einen Augenblick furchtbar viel Mut, der ebenso
schnell vollstndig schwindet. Das zhe Durchhalten fehlt ihm.

Dem Englnder dagegen merkt man eben doch ab und zu noch etwas von
seinem Germanenblut an. Auch liegt dem Sportsmann das Fliegen sehr, aber
sie verlieren sich zu sehr in dem Sportlichen. Sie haben genug Vergngen
daran, Loopings, Sturzflge, Auf-dem-Rcken-fliegen und hnliche Scherze
unseren Leuten im Schtzengraben vorzumachen. Dies macht wohl bei der
Johannisthaler Sportswoche Eindruck, aber der Schtzengraben ist nicht
so dankbar wie dieses Publikum.

Er verlangt mehr. Es soll immer englisches Pilotenblut regnen.




Selbst abgeschossen

(Mitte Mrz 1917)


Abgeschossen ist eigentlich ein falscher Ausdruck fr das, was mir heute
passiert ist. Ich nenne abgeschossen im allgemeinen nur den, der
'runterplumpst, aber heute habe ich mich wieder gefangen und kam noch
ganz heil 'runter.

Ich bin im Geschwader und sehe einen Gegner, der gleichfalls im
Geschwader fliegt. Etwa ber unserer Artilleriestellung in der Gegend
von Lens. Ich habe noch ein ganzes Stckchen zu fliegen, bis ich die
Gegend erreiche. Es ist das der nervenkitzelndste Augenblick, das
Anfliegen an den Gegner, wenn man den Feind schon sieht und noch einige
Minuten Zeit hat, bis man zum Kampf kommt. Ich glaube, ich werde dann
immer etwas bleich im Gesicht, aber ich habe leider noch nie einen
Spiegel mitgehabt. Ich finde diesen Augenblick schn, denn er ist
beraus nervenkitzelnd, und all so etwas liebe ich. Man beobachtet den
Gegner schon von weitem, hat das Geschwader als feindlich erkannt, zhlt
die feindlichen Apparate, wgt die ungnstigen und gnstigen Momente ab.
So zum Beispiel spielt es eine ungeheure Rolle, ob der Wind mich im
Kampfe von meiner Front abdrngt oder auf meine Front zudrckt. So habe
ich mal einen Englnder abgeschossen, dem ich den Todesschu jenseits
der feindlichen Linien gegeben habe, und 'runtergeplumpst ist er bei
unseren Fesselballons, so weit hat ihn der Sturm noch 'rbergetrieben.

Wir waren fnf, der Gegner war dreimal so stark. Wie ein groer
Mckenschwarm flogen die Englnder durcheinander. So einen Schwarm, der
so gut zusammenfliegt, zum Zersprengen zu bringen, ist nicht leicht, fr
den einzelnen ausgeschlossen, fr mehrere uerst schwierig, besonders,
wenn die Zahlenunterschiede so ungnstig sind wie in unserem Falle. Aber
man fhlt sich dem Gegner derartig berlegen, da man keinen Augenblick
an dem sicheren Erfolg zweifelt. Der Angriffsgeist, also die Offensive,
ist die Hauptsache, wie berall, so auch in der Luft. Aber der Gegner
dachte ebenso. Das sollte ich gleich merken. Kaum sah er uns, so machte
er umgehend kehrt und griff uns an. Da hie es fr uns fnf Mnneken:
Aufgepat! Hngt einer ab, so kann es ihm dreckig gehen. Wir schlossen
uns ebenfalls zusammen und lieen die Herren etwas nhertreten. Ich
pate auf, ob nicht einer von den Brdern sich etwas von den anderen
absentierte. Da -- einer ist so dumm. Ich kann ihn erreichen. Du bist
ein verlorenes Kind. Auf ihn mit Gebrll. Jetzt hab' ich ihn erreicht
oder mu ihn gleich erreichen. Er fngt bereits an zu schieen, ist also
etwas nervs. Ich dachte mir: Schie' du nur, du triffst ja doch
nicht! Er scho mit einer Leuchtspurmunition, die an mir sichtbar
vorbeiflog. Ich kam mir vor wie in dem Spritzenkegel einer Giekanne.
Nicht angenehm, aber die Englnder schieen fast durchweg mit diesem
gemeinen Zeug, also mu man sich daran gewhnen. Der Mensch ist ein
Gewohnheitstier, denn in diesem Augenblick, glaube ich, habe ich
gelacht. Bald sollte ich aber eines Besseren belehrt werden.

Jetzt bin ich beinahe ganz heran, etwa hundert Meter, das Gewehr ist
entsichert, ich ziele noch einmal Probe, gebe einige Probeschsse, die
Gewehre sind in Ordnung. Nicht mehr lange kann es dauern. Im Geiste sah
ich den Gegner schon plumpsen. Die Aufregung von vorhin ist vorber. Man
denkt ganz ruhig und sachlich, wgt die Treffwahrscheinlichkeiten von
ihm und von mir ab. berhaupt ist der Kampf selbst am wenigsten
aufregend in den meisten Fllen, und wer sich dabei aufregt, macht einen
Fehler. Er wird nie einen abschieen. Auch ist es wohl Gewohnheitssache.
Jedenfalls habe ich in diesem Falle keinen Fehler gemacht. Nun bin ich
auf fnfzig Meter 'ran, jetzt einige gute Schsse, dann kann der Erfolg
nicht ausbleiben. So dachte ich mir. Aber mit einem Male gibt es einen
groen Knall, ich habe kaum zehn Schu heraus, gleich darauf klatscht es
wieder in meiner Maschine. Es ist mir klar, ich bin getroffen.
Wenigstens meine Maschine, ich fr meine Person nicht. Im selben
Augenblick stinkt es ganz ungeheuerlich nach Benzin, auch lt der Motor
nach. Der Englnder merkt es, denn er schiet nun um so mehr. Ich mu
sofort ablassen.

Senkrecht geht es 'runter. Unwillkrlich habe ich den Motor abgestellt.
Es war auch hchste Zeit. Wenn der Benzintank durchlchert ist und das
Zeug einem so um die Beine spritzt, ist die Gefahr des Brennens doch
gro. Vor sich hat man einen ber einhundertundfnfzig Pferde starken
Explosionsmotor, also glhend hei. Ein Tropfen Benzin, und die ganze
Maschine brennt. Ich hinterlasse in der Luft einen weien Streifen. Ich
kenne ihn beim Gegner genau. Es sind dies die Vorzeichen der Explosion.
Noch bin ich dreitausend Meter hoch, habe also noch ein ganzes Ende bis
auf die Erde. Gott sei Dank hrt der Motor auf zu laufen. Die
Geschwindigkeit, die das Flugzeug erreicht, kann ich nicht berechnen.
Sie ist jedenfalls so gro, da ich nicht den Kopf herausstecken kann,
ohne durch den Windzug hintenber gedrckt zu werden.

Bald bin ich den Gegner los und habe nun noch Zeit, bis ich auf die Erde
komme, zu sehen, was denn meine vier anderen Herren machen. Sie sind
noch im Kampf. Man hrt das Maschinengewehrfeuer des Gegners und das der
eignen. Pltzlich eine Rakete. Ist es das Leuchtsignal eines Gegners?
Aber nein. Dafr ist es zu gro. Es wird immer grer. Es brennt einer.
Aber was fr einer? Die Maschine sieht genau so aus wie unsere. Gott sei
Dank, es ist ein Gegner. Wer mag ihn abgeschossen haben? Gleich darauf
fllt aus dem Geschwader ein zweites Flugzeug heraus, hnlich wie ich,
senkrecht nach unten, berschlgt sich sogar, berschlgt sich immer
noch -- da -- jetzt hat es sich gefangen. Fliegt geradeaus genau auf mich
zu. Auch ein Albatros. Gewi ist es ihm so gegangen wie mir.

Ich bin wohl noch einige hundert Meter hoch und mu mich so sachte
umgucken, wo ich denn landen will. Denn so eine Landung ist meistenteils
mit Bruch verbunden. Und so ein Bruch luft nicht immer gnstig ab, also
-- aufpassen. Ich finde eine Wiese, nicht sehr gro, aber sie gengt
gerade, wenn man etwas vorsichtig zu Werke geht. Auerdem liegt sie mir
gnstig, direkt an der Chaussee bei Hnin-Litard. Dort will ich auch
landen. Es geht alles glatt. Mein erster Gedanke ist: Wo bleibt der
andere? Er landet einige Kilometer von mir entfernt.

Ich habe nun Zeit, mir den Schaden zu beschauen. Einige Treffer sind
darin, aber der Treffer, der mich veranlat hat, den Kampf abzubrechen,
ist einer durch beide Benzintanks. Ich habe keinen Tropfen Benzin mehr
drin, der Motor ist gleichfalls angeschossen. Schade um ihn, er lief
noch so gut.

Die Beine lasse ich herausbaumeln aus der Maschine und mag wohl ein
ziemlich trichtes Gesicht gemacht haben. Sofort hat sich eine groe
Menge Soldaten um mich versammelt. Da kommt ein Offizier. Er ist ganz
auer Atem. Sehr aufgeregt! Gewi ist ihm was Schreckliches passiert. Er
strzt auf mich zu, schnappt nach Luft und fragt: Hoffentlich ist Ihnen
nichts passiert? Ich habe die ganze Sache beobachtet und bin ja so
aufgeregt! Herrgott, das sah schrecklich aus! Ich versicherte ihm, da
mir gar nichts fehlte, sprang herunter, stellte mich vor.
Selbstverstndlich verstand er keinen Ton von meinem Namen. Aber er
forderte mich auf, mit seinem Automobil in das nahe Hnin-Litard
hineinzufahren, wo sein Quartier war. Es war ein Pionieroffizier.

Wir sitzen bereits in dem Wagen und fahren gerade an. Mein Gastgeber hat
sich noch immer nicht beruhigt. Pltzlich erschrickt er und fragt:
Herrgott, wo ist denn Ihr Kraftfahrer? Zuerst wute ich nicht recht,
was er meinte, guckte ihn wohl etwas verwirrt an. Dann wurde mir klar,
da er mich fr den Beobachter eines zweisitzigen Flugzeuges hielt und
nach meinem Flugzeugfhrer fragte. Schnell fate ich mich und sagte ganz
trocken: Ich fahre allein. Das Wort fahren ist in der Fliegertruppe
verpnt. Man fhrt nicht, man fliegt. In den Augen des braven Herrn
war ich ganz entschieden durch die Tatsache, da ich allein fahre,
sichtbar gesunken. Die Unterhaltung wurde etwas sprder.

Da kommen wir in seinem Quartier an. Ich habe noch immer meine
schmutzige llederjacke an, einen dicken Schal um. Unterwegs hat er mich
natrlich mit unendlich vielen Fragen bestrmt. berhaupt war der ganze
Herr bedeutend mehr aufgeregt als ich. Da zwang er mich, auf einem Sofa
mich hinzulegen, oder wollte dies tun mit der Begrndung, da ich doch
von meinem Kampf noch ganz echauffiert sein mte. Ich versicherte ihm,
da ich schon manchmal luftgekmpft htte, was ihm aber gar nicht in den
Kopf kommen wollte. Ich sah gewi nicht sehr kriegerisch aus.

Nach einiger Unterhaltung kommt er natrlich mit der berhmten Frage:
Haben Sie schon einmal einen abgeschossen? Meinen Namen hatte er, wie
gesagt, nicht gehrt. Ach ja, sagte ich, ab und zu. So -- so haben
Sie etwa schon zwei abgeschossen? Nein, aber vierundzwanzig. Er
lchelt, wiederholt seine Frage und meint, unter abgeschossen verstehe
er einen, der 'runtergefallen sei und unten liegenbliebe. Ich
versicherte ihm, das wre auch meine Auffassung davon. Jetzt war ich
ganz unten durch, denn jetzt hielt er mich fr einen mchtigen
Aufschneider. Er lie mich sitzen und sagte mir, da in einer Stunde
gegessen wrde, und wenn es mir recht sei, knne ich ja mitessen. Nun
machte ich doch von seinem Anerbieten Gebrauch und schlief eine Stunde
fest. Dann gingen wir 'rber ins Kasino. Hier pellte ich mich aus und
hatte zum Glck meinen #Pour le mrite# um. Leider aber keine
Uniformjacke darunter, sondern nur eine Weste. Ich bitte um
Entschuldigung, da ich nicht besser angezogen bin, und mit einem Male
entdeckt mein guter Huptling an mir den #Pour le mrite#. Er wird
sprachlos vor Erstaunen und versichert mir, da er nicht wte, wie ich
heie. Ich sagte ihm nochmals meinen Namen. Jetzt schien ihm etwas zu
dmmern, da er wohl schon mal von mir gehrt hatte. Ich bekam nun
Austern und Schampus zu trinken und lebte eigentlich recht gut, bis
schlielich Schfer kam und mich mit meinem Wagen abholte. Von ihm
erfuhr ich, da Lbbert wieder mal seinem Spitznamen Ehre gemacht hatte.
Er hie nmlich unter uns Kugelfang, denn in jedem Luftkampf wurde
seine Maschine arg mitgenommen. Einmal wies sie vierundsechzig Treffer
auf, ohne da er selbst verwundet war. Diesmal hatte er einen
Streifschu an der Brust bekommen und lag bereits im Lazarett. Seine
Maschine flog ich gleich nach dem Hafen. Leider ist dieser hervorragende
Offizier, der das Zeug dazu hatte, einmal ein Boelcke zu werden, einige
Wochen spter den Heldentod frs Vaterland gestorben.

Am Abend kann ich meinem Gastgeber aus Hnin-Litard noch Bescheid
sagen, da ich heute ein Viertelhundert voll gemacht habe.




Ein Fliegerstckchen

(Ende Mrz 1917)


Der Name Siegfried-Stellung ist wohl jedem Jngling im Deutschen Reiche
bekannt. In den Tagen, in denen wir uns gegen diese Stellungen
zurckzogen, gab es natrlich in der Luft auch eine rege Ttigkeit. Der
Gegner hatte zwar unser verlassenes Gebiet auf der Erde bereits besetzt,
die Luft dagegen berlieen wir den Englndern nicht so bald, dafr
sorgte Jagdstaffel Boelcke. Nur ganz vorsichtig wagten sich die
Englnder aus ihrem bisherigen Stellungskrieg in der Luft hervor.

Es ist das die Zeit, wo unser lieber Prinz Friedrich Karl sein Leben dem
Vaterland opferte.

Bei einem Jagdflug der Jagdstaffel Boelcke hatte Leutnant Vo einen
Englnder im Luftkampf besiegt. Er wurde von seinem Bezwinger auf die
Erde gedrckt und landete in dem Gebiet, das man wohl als neutrales
Gebiet bezeichnen kann. Wir hatten es zwar schon verlassen, der Gegner
aber noch nicht besetzt. Nur Patrouillen, sowohl englische wie deutsche,
hielten sich in dieser unbesetzten Zone auf. Das englische Flugzeug
stand zwischen den Linien. Der brave #Englishman# hatte wohl geglaubt,
da dieses Gebiet bereits von den Seinen besetzt wre, zu welcher
Annahme er auch berechtigt war. Vo war aber anderer Meinung. Kurz
entschlossen landete er neben seinem Opfer. Mit groer Geschwindigkeit
montierte er die feindlichen Maschinengewehre und sonst noch brauchbare
Teile aus der Maschine ab und verfrachtete sie in der seinen, griff zum
Streichholz, und in wenigen Augenblicken stand die Maschine in hellen
Flammen. Eine Minute spter winkte er den von allen Seiten
herbeistrmenden Englndern aus seinem sieggewohnten Luftro freundlich
zu.




Erste Dublette


Der 2.April 1917 war wieder einmal ein heier Tag fr meine Staffel.
Von meinem Platze aus konnten wir deutlich das Trommelfeuer hren, und
gerade heute war es mal wieder sehr heftig.

Ich lag noch im Bett, da kommt mein Bursche zu mir hereingestrzt mit
dem Ausruf: Herr Leutnant, die Englnder sind schon da! Noch etwas
verschlafen gucke ich zum Fenster 'raus, und tatschlich, da kreisen
ber dem Platz bereits meine lieben Freunde. Ich 'raus aus meinem Bett,
die Sachen angezogen, war eins. Mein roter Vogel stand zur Morgenarbeit
am Start. Meine Monteure wuten, da ich diesen gnstigen Augenblick
wohl nicht ungentzt vorbergehen lassen wrde. Alles war fertig.
Schnell noch die Warmpelze, dann geht's los.

Ich war als letzter gestartet. Meine anderen Kameraden waren dem Feind
viel nher. Ich frchtete schon, da mir mein Braten entgehen wrde, so
da ich von weitem zusehen mte, wie vor meinen Augen sich einige
Luftkmpfe abspielen. Da pltzlich fllt einem der frechen Kunden ein,
auf mich herunterzustoen. Ich lasse ihn ruhig herankommen, und nun
beginnt ein lustiger Tanz. Bald fliegt mein Gegner auf dem Rcken, bald
macht er dies, bald jenes. Es war ein zweisitziges Jagdflugzeug. Ich war
ihm ber, und so erkannte ich denn bald, da er mir eigentlich nicht
mehr entgehen konnte. In einer Gefechtspause berzeugte ich mich, da
wir uns alleine gegenberstanden. Also, wer besser schiet, wer die
grere Ruhe und den besseren berblick im Augenblick der Gefahr hat,
der gewinnt.

Es dauerte nicht lange, da hatte ich ihn 'runtergedrckt, ohne ihn
wirklich ernstlich angeschossen zu haben, mindestens zwei Kilometer von
der Front entfernt. Ich denke, er will landen, aber da habe ich mich in
meinem Gegner verrechnet. Mit einem Male sehe ich, wie er, nur wenige
Meter ber dem Erdboden, pltzlich wieder geradeaus fliegt und mir zu
entkommen sucht. Das war mir doch zu bunt. Ich griff ihn nochmals an und
zwar so niedrig, da ich fast frchtete, die Huser eines unter mir
liegenden Dorfes zu berhren. Der Englnder wehrte sich bis zum letzten
Augenblick. Noch ganz zum Schlu sprte ich einen Treffer in meiner
Maschine. Nun lie ich aber nicht mehr locker, jetzt mute er fallen. Er
rannte mit voller Fahrt in einen Huserblock hinein.

Viel war nicht mehr brig. Es war wieder ein Fall glnzenden Schneids.
Er verteidigte sich bis zum Letzten. Aber meiner Ansicht nach war es zum
Schlu doch mehr Dummheit von ihm. Es war eben mal wieder der Punkt, wo
ich eine Grenze zwischen Schneid und Dummheit ziehe. Runter mute er
doch. So hatte er seine Dummheit mit dem Leben bezahlen mssen.

       *       *       *       *       *

Sehr vergngt ber die Leistungen meines roten Stahlrosses bei der
Morgenarbeit kehrte ich zurck. Meine Kameraden waren noch in der Luft
und waren sehr erstaunt, als wir uns beim Frhstck trafen und ich ihnen
von meiner Nummer Zweiunddreiig erzhlen konnte.

Ein ganz junger Leutnant hatte seinen Ersten abgeschossen, wir waren
sehr vergngt und bereiteten uns fr neue Kmpfe vor.

Ich hole meine versumte Morgentoilette nach. Da kommt ein guter Freund
-- Leutnant Vo von der Jagdstaffel Boelcke -- zu mir, um mich zu
besuchen. Wir unterhalten uns. Vo hatte am Tage vorher seinen
Dreiundzwanzigsten erledigt. Er stand also mir am nchsten und ist wohl
zurzeit mein heftigster Konkurrent.

Wie er nach Hause fliegt, wollte ich ihn noch ein Stckchen begleiten.
Wir machen einen Umweg ber die Front. Das Wetter ist eigentlich sehr
schlecht geworden, so da wir nicht annehmen konnten, noch Weidmannsheil
zu haben.

Unter uns geschlossene Wolken. Vo, dem die Gegend unbekannt war, fing
es schon an, ungemtlich zu werden. ber Arras traf ich meinen Bruder,
der gleichfalls bei meiner Staffel ist und sein Geschwader verloren
hatte. Er schliet sich uns auch an. Er wute ja, da ich es bin (roter
Vogel).

Da sehen wir von drben ein Geschwader ankommen. Sofort zuckt es mir
durch den Kopf: Nummer Dreiunddreiig! Trotzdem es neun Englnder
waren und auf ihrem Gebiet, zogen sie es doch vor, den Kampf zu meiden.
(Ich werde nchstens doch mal die Farbe wechseln mssen.) Aber wir
holten sie doch ein. Schnelle Maschine ist eben die Hauptsache.

Ich bin dem Feind am nchsten und greife den hintersten an. Zu meinem
grten Entzcken merke ich, da er sich gleich in den Kampf mit mir
einlt, und mit noch viel grerem Vergngen, da ihn seine Kameraden
im Stich lassen. Ich habe ihn also bald allein vor. Es ist wiederum
derselbe Typ, mit dem ich es vormittags zu tun hatte. Er machte es mir
nicht leicht. Er wei, worauf es ankommt, und besonders aber: der Kerl
scho gut. Das konnte ich zu meinem Leidwesen nachher noch ziemlich
genau feststellen. Der gnstige Wind kommt mir zu Hilfe und treibt uns
beide Kmpfenden ber unsere Linien. Der Gegner merkt, da die Sache
doch nicht so einfach ist, wie er sich wohl gedacht hat, und
verschwindet in einem Sturzflug in einer Wolke. Beinahe war es seine
Rettung. Ich stoe hinter ihm her, komme unten heraus und -- Anlauf mu
eben der Mensch haben -- ich sitze wie durch ein Wunder genau hinter
ihm. Ich schiee, er schiet, aber kein greifbares Resultat. Da --
endlich habe ich ihn getroffen. Ich merke es an dem weien Benzindunst,
der hinter seinem Apparat zurckbleibt. Er mu also landen, denn sein
Motor bleibt stehen.

Er war aber doch ein hartnckiger Bursche. Er mute erkennen, da er
ausgespielt hatte. Scho er nun noch weiter, so konnte ich ihn sofort
totschieen, denn wir waren mittlerweile nur noch dreihundert Meter
hoch. Aber der Kerl verteidigte sich genau wie der von heute morgen, bis
er unten gelandet war. Nach seiner Landung flog ich nochmals ber ihn
hinweg in zehn Metern Hhe, um festzustellen, ob ich ihn totgeschossen
hatte oder nicht. Was macht der Kerl? Er nimmt sein Maschinengewehr und
zerschiet mir die ganze Maschine.

Vo sagte nachher zu mir, wenn ihm das passiert wre, htte er ihn
nachtrglich noch auf dem Boden totgeschossen. Eigentlich htte ich es
auch machen mssen, denn er hatte sich eben noch nicht ergeben. Er war
brigens einer von den wenigen Glcklichen, die am Leben geblieben sind.

Sehr vergngt flog ich nach Hause und konnte meinen Dreiunddreiigsten
feiern.




Mein bisher erfolgreichster Tag


Wunderbares Wetter. Wir stehen auf dem Platz. Ich habe Besuch von einem
Herrn, der noch nie einen Luftkampf oder so etwas hnliches gesehen hat
und mir gerade versichert, da es ihn ungeheuer interessieren wrde,
einen solchen Luftkampf zu sehen.

Wir steigen in unsere Kisten und lachen sehr ber ihn, und Schfer
meint: Den Spa knnen wir ihm machen! Wir stellen ihn an ein
Scherenfernrohr und fliegen los.

Der Tag fing gut an. Wir waren kaum zweitausend Meter hoch, da kamen uns
schon die ersten Englnder in einem Geschwader von fnf entgegen. Ein
Angriff, der mit einer Attacke zu vergleichen war -- und das feindliche
Geschwader lag vernichtet am Boden. Von uns war nicht ein einziger auch
nur verwundet. Die Gegner waren -- zwei brennend und drei so -- auf
unserer Seite abgestrzt.

Der gute Freund unten auf der Erde hatte nicht wenig gestaunt. Er hatte
sich die Sache ganz anders vorgestellt; viel dramatischer. Er meinte,
die Sache htte so harmlos ausgesehen, bis pltzlich einige Flugzeuge,
einer Rakete gleich, brennend abstrzten. Ich habe mich an den Anblick
so allmhlich gewhnt, aber ich mu sagen, mir hat es auch einen
Mordseindruck gemacht, und ich habe noch lange davon getrumt, wie ich
den ersten Englnder habe in die Tiefe sausen sehen.

Ich glaube, wenn es mir noch einmal passieren wrde, es wre mir nicht
mehr so schrecklich wie damals.

Nachdem dieser Tag so gut angefangen hatte, setzten wir uns erst mal zu
einem ordentlichen Frhstck hin, da wir alle einen Mordshunger hatten.
In der Zwischenzeit wurden unsere Maschinen wieder in Schu gebracht,
neue Patronen geladen, und dann ging's weiter.

Am Abend konnten wir die stolze Meldung machen: Dreizehn feindliche
Flugzeuge durch sechs deutsche Apparate vernichtet.

Eine hnliche Meldung hatte nur einmal die Jagdstaffel Boelcke machen
knnen. Acht Flugzeuge waren es, die wir damals abschossen, heute hatte
einer sogar vier Gegner zum Absturz gebracht. Es ist ein Leutnant Wolff,
ein zartes, schlankes Kerlchen, in dem niemals einer einen solchen
Massensieger erblicken wrde. Mein Bruder hatte zwei, Schfer zwei,
Festner zwei, ich drei.

Abends legten wir uns kolossal stolz, andererseits aber auch recht mde
in unsere Klappen.

Am Tage darauf lasen wir unter groem Hallo im Heeresbericht von den
Taten des Tages vorher. Im brigen schossen wir am Tage darauf acht ab.

       *       *       *       *       *

[Illustration: Leutnant Schaefers Notlandung zwischen den Linien]

[Illustration: Weihnachten 1916
Der alte Herr (X) bei der Jagdstaffel Boelcke]

Eine sehr niedliche Geschichte ereignete sich noch:

Einer von unseren abgeschossenen Englndern war gefangen und kommt ins
Gesprch mit uns. Natrlich erkundigte er sich auch nach der roten
Maschine. Selbst bei der Truppe unten im Schtzengraben ist sie nicht
unbekannt und geht unter dem Namen #le diable rouge#. Bei seiner
Squadron hat sich das Gercht verbreitet, da in der roten Maschine ein
Mdchen se, so etwas hnliches wie Jeanne d'Arc. Er war sehr erstaunt,
wie ich ihm versicherte, da das vermutete Mdchen zurzeit vor ihm
stnde. Er hatte damit keinen Witz machen wollen, sondern war selbst
berzeugt, da tatschlich in der pervers angestrichenen Kiste nur eine
Jungfrau sitzen konnte.




Moritz


Das schnste Wesen, das je die Welt geschaffen hat, ist die echte Ulmer
Dogge, mein kleines Schohndchen, der Moritz. Ich habe ihn in
Ostende von einem braven Belgier fr fnf Mark gekauft. Die Mutter war
ein schnes Tier, einer seiner Vter auch, also ganz rasserein. Davon
bin ich berzeugt. Ich hatte die Auswahl und suchte mir den niedlichsten
heraus. Zeumer nahm sich einen zweiten und nannte ihn Max. Max fand
ein jhes Ende unter einem Auto, Moritz aber gedieh vortrefflich. Er
schlief mit mir im Bett und wurde vorzglich erzogen. Er hat mich von
Ostende ab auf Schritt und Tritt begleitet und ist mir sehr ans Herz
gewachsen. Von Monat zu Monat wurde Moritz gro und grer, und es
entwickelte sich so allmhlich aus dem zarten Schohndchen ein ganz
ungeheuer groes Tier.

Ich habe ihn sogar einmal mitgenommen. Er ist mein erster Franz
gewesen. Er benahm sich dabei sehr vernnftig, und sehr interessiert
beugte er sich die Welt von oben. Nur meine Monteure schimpften
nachher, da sie das Flugzeug von einigen unangenehmen Dingen reinigen
muten. Moritz war aber nachher wieder sehr vergngt.

Er ist nun schon ber ein Jahr alt und immer noch das kindische Tier
von einigen Monaten. Er spielt sehr gut Billard. Leider geht dabei so
manche Kugel, besonders aber so manches Billardtuch flten. Er hat auch
eine Riesen-Jagdpassion. Meine Monteure sind darber sehr glcklich,
denn er fngt ihnen so manchen schnen Hasenbraten. Von mir kriegt er
immer dafr etwas Senge, denn ich bin weniger erbaut von dieser Passion.

Er hatte eine dumme Eigenschaft. Er liebte es, die Flugzeuge bei jedem
Start zu begleiten. Der normale Tod eines Fliegerhundes ist bei dieser
Gelegenheit der Tod durch den Propeller. Wieder einmal jagte er vor
einem startenden Flugzeug einher, wird natrlich eingeholt und -- ein
sehr schner Propeller war hin. Moritz heulte schrecklich, und eine von
mir versumte Manahme wurde auf diese Weise nachgeholt. Ich habe mich
immer gestrubt, ihn koupieren zu lassen, d.h. im besonderen ihm die
Ohren beschneiden zu lassen. Auf der einen Seite hat es nun der
Propeller nachgeholt. Die Schnheit hat ihn nie gedrckt, aber das eine
Klappohr und das andere halbkoupierte stehen ihm recht gut. berhaupt,
wenn der Ringelschwanz nicht wre, wre es eine richtige, echte Ulmer
Dogge.

Moritz hat den Weltkrieg und unsere Feinde richtig erfat. Wie er zum
erstenmal im Sommer 1916 russische Eingeborene sah -- der Zug hielt, und
Moritz wurde etwas spazieren gefhrt--, verjagte er die hinzugelaufene
russische Jugend mit ungeheurem Geklff. Auch Franzosen schtzt er
nicht, trotzdem er ja eigentlich selbst ein Belgier ist. Ich gab mal in
einem neuen Quartier Einwohnern den Auftrag, das Haus zu subern. Wie
ich abends wiederkam, war nichts gemacht. Verrgert lasse ich mir einen
Franzosen kommen. Kaum macht er die Tr auf, begrt ihn Moritz etwas
unliebenswrdig. Nun konnte ich mir erklren, weshalb die Herren mein
Chteau gemieden hatten.




Englischer Bombenangriff auf unseren Flughafen


Die Vollmondnchte sind fr den Nachtflieger am geeignetsten.

In den Vollmondnchten des Monats April bettigten sich unsere lieben
Englnder besonders emsig. Natrlich war es mit der Arras-Schlacht in
Verbindung zu bringen. Sie mochten wohl herausbekommen haben, da wir in
Douai auf einem sehr, sehr schnen, groen Flugplatz uns huslich
eingerichtet hatten. Eines Nachts, wir sitzen im Kasino, klingelt das
Telephon, und es wird mitgeteilt: Die Englnder kommen. Natrlich
groes Hallo. Unterstnde hatten wir ja; dafr hatte der tchtige Simon
gesorgt. Simon ist unser Bausachverwalter. Also alles strzt in die
Unterstnde, und man hrt tatschlich -- zuerst noch ganz leise, aber
ganz sicher das Gerusch eines Flugmotors. Die Flaks und Scheinwerfer
scheinen auch eben die Mitteilung bekommen zu haben, denn man merkt, wie
sie sachte lebendig werden. Der erste Feind war aber noch viel zu weit,
um angegriffen zu werden. Uns machte es einen Heidenspa. Wir
befrchteten nur immer, die Englnder wrden unseren Platz nicht finden,
denn das ist nachts gar nicht so einfach, besonders, da wir nicht an
einer groen Chaussee lagen oder an einem Wasser oder an einer
Eisenbahn, die des Nachts die besten Anhaltspunkte bilden.

Der Englnder flog scheinbar sehr hoch. Erst einmal um den ganzen Platz
herum. Wir glaubten schon, er htte sich ein anderes Ziel gesucht. Mit
einem Male aber stellt er den Motor ab und kommt herunter. Nun wird's
Ernst, meinte Wolff. Wir hatten uns zwei Karabiner geholt und fingen
an, auf den Englnder zu schieen. Sehen konnten wir ihn ja noch nicht.
Aber allein der Knall beruhigte schon unsere Nerven. Jetzt kommt er in
den Scheinwerfer herein. Auf dem ganzen Flugplatz berall ein groes
Hallo. Es ist eine ganz alte Kiste. Wir knnen den Typ genau erkennen.
Er ist hchstens noch einen Kilometer von uns entfernt. Er fliegt genau
auf unseren Platz zu. Er kommt immer niedriger. Jetzt kann er hchstens
noch hundert Meter hoch sein. Da stellt er wieder den Motor an und kommt
genau auf uns zugeflogen. Wolff meint noch: Gott sei Dank, er hat sich
die andere Seite des Flugplatzes ausgesucht. Aber es dauerte nicht
lange, da kommt die erste, und dann regnet es einige Bmbchen. Es war
ein wunderbares Feuerwerk, das uns der Bruder vormachte. Einem
Angsthasen konnte er auch Eindruck machen. Ich finde berhaupt,
Bombenwerfen in der Nacht ist nur moralisch von Bedeutung. Hat einer
die Hosen voll, so ist es fr _ihn_ sehr peinlich, fr die anderen aber
nicht.

Wir empfanden einen groen Spa und meinten, die Englnder knnten doch
recht oft kommen. Also, mein guter Gitterschwanz warf seine Bomben ab,
und zwar aus fnfzig Metern Hhe. Das ist eine ziemliche Frechheit, denn
auf fnfzig Meter mute ich mir zu, auch des Nachts bei Vollmond einem
Keiler einen ganz anstndigen Blattschu zu verpassen. Warum sollte ich
nicht auch einen Englnder treffen? Es wre doch mal etwas anderes
gewesen, so einen Bruder von unten abzuschieen.

Von oben hatten wir schon mehreren die Ehre gegeben, aber von unten
hatte ich es nicht probiert. Wie der Englnder weg war, gingen wir
wieder ins Kasino und besprachen uns, wie wir den Brdern in der
nchsten Nacht einen Empfang bereiten wollten. Tags darauf sah man die
Burschen usw. sehr emsig arbeiten. Sie beschftigten sich damit, Pfhle
in der Nhe des Kasinos und der Offizier-Wohnbaracken einzurammen, die
in der kommenden Nacht als Maschinengewehrstnde benutzt werden sollten.
Wir schossen uns mit erbeuteten englischen Flugzeug-Maschinengewehren
ein, machten uns ein Nachtkorn drauf und waren sehr gespannt, was nun
werden wrde. Die Zahl der Maschinengewehre will ich nicht verraten,
aber es sollte gengen. Jeder von meinen Herren war mit so einem Ding
bewaffnet.

Wir sitzen wieder im Kasino. Gesprchstoff sind natrlich die
Nachtflieger. Da kommt ein Bursche hereingestrzt und schreit nur: Sie
kommen, sie kommen! und verschwindet, etwas sprlich bekleidet, im
nchsten Unterstand. Jeder von uns strzt an die Maschinengewehre.
Einige tchtige Mannschaften, die gute Schtzen sind, sind auch damit
bewaffnet. Alle brigen haben Karabiner. Die Jagdstaffel ist jedenfalls
bis an die Zhne bewaffnet und bereit, die Herren zu empfangen.

Der erste kam, genau wie am Abend vorher, in grerer Hhe, geht dann
auf fnfzig Meter herunter, und zu unserer grten Freude hat er es
diesmal gleich auf unsere Barackenseite abgesehen. Er ist im
Scheinwerfer. Jetzt ist er hchstens noch dreihundert Meter von uns
entfernt. Der erste fngt an zu schieen, und zur selben Zeit setzen
alle brigen ein. Ein Sturmangriff knnte nicht besser abgewehrt werden
als dieser Angriff des einzelnen frechen Kunden in fnfzig Metern Hhe.
Ein rasendes Feuer empfngt ihn. Hren konnte er das Maschinengewehrfeuer
ja nicht, daran verhinderte ihn sein Motor, aber das Mndungsfeuer eines
jeden sah er, und deshalb finde ich es auch diesmal sehr schneidig von
dem Bruder, da er nicht abbog, sondern starr seinen Auftrag
durchfhrte. Er flog genau ber uns weg. In dem Augenblick, wie er ber
uns weg war, springen wir natrlich schnell in den Unterstand, denn
durch so 'ne dmliche Bombe erschlagen zu werden, wre fr einen
Jagdflieger ein selten dmlicher Heldentod. Kaum ist er ber uns weg,
wieder 'ran an die Gewehre und feste hinter ihm hergefeuert. Schfer
behauptete natrlich: Ich habe ihn getroffen. Der Kerl schiet ganz
gut. Aber in diesem Fall glaubte ich ihm denn doch nicht, und auerdem
hatte jeder andere ebenso gute Chancen.

Wir hatten wenigstens das erreicht, da der Gegner seine Bomben ziemlich
planlos in die Gegend warf. Eine allerdings platzte ein paar Meter neben
dem #petit rouge,# tat ihm aber nicht weh. Dieser Spa wiederholte
sich in der Nacht noch mehrere Male. Ich lag bereits im Bett und schlief
fest, da hrte ich im Traum Ballonabwehrfeuer, wachte davon auf und
konnte nur feststellen, da der Traum Wahrheit war. Ein Kunde flog so
niedrig ber meine Bude weg, da ich mir vor lauter Angst die Bettdecke
ber den Kopf zog. Im nchsten Augenblick ein wahnsinniger Knall, ganz
in der Nhe meines Fensters, und meine Scheiben waren ein Opfer der
Bombe. Schnell im Hemd 'rausgestrzt und noch einige Schu hinter ihm
her. Drauen wurde er schon krftig beschossen. Ich hatte aber diesen
Herrn leider verschlafen.

Am nchsten Morgen waren wir sehr erstaunt und hocherfreut, als wir
feststellten, da wir nicht weniger wie drei Englnder von der Erde aus
abgeschossen hatten. Sie waren nicht weit von unserem Flughafen gelandet
und gefangengenommen worden. Wir hatten meist die Motoren getroffen und
sie dadurch gezwungen, auf unserer Seite 'runterzugehen. Also hatte sich
vielleicht Schfer doch nicht geirrt. Wir waren jedenfalls sehr
zufrieden mit unserem Erfolg. Die Englnder dafr etwas weniger, denn
sie zogen es vor, nicht mehr unseren Platz zu attackieren. Eigentlich
schade, denn sie haben uns viel Spa damit gemacht. Vielleicht kommen
sie nchsten Monat wieder.




Schfers Notlandung zwischen den Linien


Am Abend des 20.April machen wir einen Jagdflug, kommen sehr spt nach
Hause und haben Schfer unterwegs verloren. Natrlich hofft jeder, da
er vor Dunkelheit noch den Platz erreicht. Es wird Neun, es wird Zehn,
Schfer kommt nicht. Benzin kann er nicht mehr haben, folglich ist er
irgendwo notgelandet. Da einer abgeschossen ist, will man sich nie
zugeben. Keiner wagt es in den Mund zu nehmen, aber jeder frchtet es im
stillen. Das Telephonnetz wird in Bewegung gesetzt, um zu ermitteln, wo
ein Flieger gelandet ist. Kein Mensch kann uns Auskunft geben. Keine
Division, keine Brigade will ihn gesehen haben. Ein ungemtlicher
Zustand. Schlielich gehen wir schlafen. Wir waren alle fest berzeugt,
er wrde sich noch einfinden. Nachts um Zwei werde ich pltzlich
geweckt. Die Telephonordonnanz teilt mir strahlend mit: Schfer
befindet sich im Dorf #Y# und bittet um Abholung.

Am nchsten Morgen zum Frhstck ffnet sich die Tr, und mein braver
Pilot steht in so verdrecktem Anzug vor mir, wie ihn der Infanterist
nach vierzehn Tagen Arras-Schlacht am Leibe hat. Groes Hallo! Schfer
ist quietschvergngt und mu seine Erlebnisse zum besten geben. Er hat
einen Brenhunger. Nachdem er gefrhstckt hat, erzhlt er uns
folgendes:

Ich fliege nach Hause an der Front entlang und sehe in ganz niedriger
Hhe drben scheinbar einen Infanterieflieger. Ich greife ihn an,
schiee ihn ab und will wieder zurckfliegen, da nehmen mich die
Englnder unten aus den Schtzengrben mchtig vor und beknallen mich
ganz unheimlich. Meine Rettung war natrlich die Geschwindigkeit des
Flugzeugs, denn da sie beim Schieen vorhalten mssen, daran denken die
Kerle natrlich nicht. Ich war vielleicht noch zweihundert Meter hoch,
aber ich mu doch versichern, da ich gewisse Krperteile mchtig
angespannt habe, aus erklrlichen Grnden. Mit einem Male gibt es einen
Schlag, und mein Motor bleibt stehen. Also landen. Komme ich noch ber
die feindlichen Linien, oder komme ich nicht? Das war sehr die Frage.
Die Englnder haben es bemerkt und fangen wie wahnsinnig an zu schieen.
Jetzt hre ich jeden einzelnen Schu, denn mein Motor luft nicht mehr,
der Propeller steht still. Eine peinliche Situation. Ich komme herunter,
lande, meine Maschine steht noch nicht, da werde ich aus einer Hecke des
Dorfes Monchy bei Arras ganz kolossal mit Maschinengewehrfeuer
beschossen. Die Kugeln klatschen nur so in meine Maschine herein. Ich
'raus aus der Kiste und in das nchste Granatloch 'rein, war eins. Dort
besann ich mich mal erst, wo ich mich befinde. So allmhlich wird mir
klar, da ich ber die Linien 'rber bin, aber noch verdammt nahe bei
ihnen. Gott sei Dank ist es etwas spt abends. Das ist meine Rettung.

Es dauert nicht lange, da kommen die ersten Granaten an. Natrlich sind
es Gasgranaten, und eine Maske hatte ich selbstverstndlich nicht mit.
Also mir fingen die Augen ganz erbrmlich an zu trnen. Die Englnder
schossen sich vor Dunkelheit auch noch mit Maschinengewehren auf meine
Landungsstelle ein, ein Maschinengewehr offenbar auf mein Flugzeug, das
andere auf meinen Granattrichter. Die Kugeln klatschten oben immer
dagegen. Ich steckte mir daraufhin, um meine Nerven zu beruhigen, erst
mal eine Zigarette an, ziehe mir meinen dicken Pelz aus und mache mich
zum Sprung auf! Marsch, marsch! bereit. Jede Minute erscheint eine
Stunde.

Allmhlich wurde es dunkel, aber nur ganz allmhlich. Um mich herum
locken die Rebhhner. Als Jger erkannte ich, da die Hhner ganz
friedlich und vertraut waren, also war keine Gefahr, da ich in meinem
Versteck berrascht wurde. Schlielich wurde es immer finsterer. Auf
einmal geht ganz in meiner Nhe ein Prchen Rebhhner hoch, gleich
darauf ein zweites, und ich erkannte daraus, da Gefahr im Anzuge war.
Offenbar war es eine Patrouille, die mir Guten Abend sagen wollte. Nun
wird's die hchste Zeit, da ich mich aus dem Staube mache. Erst ganz
vorsichtig auf dem Bauche kriechend, von Granatloch zu Granatloch. Ich
komme nach etwa anderthalb Stunden eifrigen Kriechens an die ersten
Menschen. Sind es Englnder, oder sind es Deutsche? Sie kommen heran,
und beinahe wre ich den Musketieren um den Hals gesprungen, als ich sie
erkannte. Es war eine Schleichpatrouille, die sich im neutralen
Zwischengelnde herumtreibt. Einer der Leute fhrte mich zu seinem
Kompagniefhrer, und hier erfuhr ich denn, da ich am Abend zuvor etwa
fnfzig Schritte vor der feindlichen Linie gelandet sei und unsere
Infanterie mich bereits aufgegeben hatte. Ich nahm mal erst ein
ordentliches Abendbrot zu mir und trete dann den Rckmarsch an.

Hinten wurde viel mehr geschossen als vorn. Jeder Weg, jeder
Annherungsgraben, jedes Gebsch, jeder Hohlweg, alles lag unter
feindlichem Feuer. Am nchsten Morgen griffen die Englnder an, sie
muten also heute abend ihre Artillerievorbereitung beginnen. Ich hatte
mir also einen ungnstigen Tag fr mein Unternehmen ausgesucht. Erst
gegen zwei Uhr morgens erreichte ich das erste Telephon und konnte mich
mit meiner Staffel in Verbindung setzen.

Wir waren alle glcklich, unseren Schfer wieder zu haben. Er legte
sich ins Bett. Jeder andere htte mal fr die nchsten vierundzwanzig
Stunden auf den Genu des Jagdfliegens verzichtet. Mein Schfer
attackierte aber bereits am Nachmittag desselben Tages wiederum ber
Monchy einen ganz tieffliegenden B.E.




Das Anti-Richthofen-Geschwader

(25. April 1917)


Die Englnder hatten sich einen famosen Witz ausgedacht, nmlich mich zu
fangen oder abzuschieen. Zu diesem Zwecke hatten sie tatschlich ein
besonderes Geschwader aufgestellt, das in dem Raum flog, in dem wir uns
meistens 'rumtrieben. Wir erkannten es daran, da es hauptschlich gegen
unsere roten Flugzeuge offensiv wurde.

Ich mu bemerken, da wir unsere _ganze_ Jagdstaffel rot angemalt
hatten, da den Brdern doch allmhlich klar geworden war, da ich in
dieser knallroten Kiste se. So waren wir jetzt alle rot, und die
Englnder machten recht groe Augen, wie sie statt der einen ein ganzes
Dutzend solcher Kisten sahen. Das hielt sie aber nicht ab, den Versuch
zu machen, uns zu attackieren. Es ist mir ja viel lieber, die Kundschaft
kommt zu mir, als da ich zu ihr hingehen mu.

Wir flogen an die Front, in der Hoffnung, unsere Gegner zu finden. Nach
etwa zwanzig Minuten kamen die ersten an und attackierten uns
tatschlich. Das war uns schon seit langer Zeit nicht mehr passiert. Die
Englnder hatten ihren berhmten Offensivgeist doch etwas eingeschrnkt,
da er ihnen wohl etwas zu teuer zu stehen gekommen war. Es waren drei
Spad-Einsitzer, die sich infolge ihrer guten Maschinen uns sehr
berlegen glaubten. Es flogen zusammen: Wolff, mein Bruder und ich. Drei
gegen drei, das pate also ganz genau. Gleich zu Anfang wurde aus dem
Angriff eine Verteidigung. Schon hatten wir berhand. Ich kriegte meinen
Gegner vor und konnte noch schnell sehen, wie mein Bruder und Wolff sich
jeder einen dieser Burschen vorbanden. Es begann der bliche Tanz, man
kreist umeinander. Der gute Wind kam uns zu Hilfe. Er trieb uns
Kmpfende von der Front weg, Richtung Deutschland.

Meiner war der erste, der strzte. Ich hatte ihm wohl den Motor
zerschossen. Jedenfalls entschlo er sich, bei uns zu landen. Pardon
kenne ich nicht mehr, deshalb attackierte ich ihn noch ein zweites Mal,
worauf das Flugzeug in meiner Geschogarbe auseinanderklappte. Die
Flchen fielen wie ein Blatt Papier, jede einzeln, und der Rumpf sauste
wie ein Stein brennend in die Tiefe. Er fiel in einen Sumpf. Man konnte
ihn nicht mehr ausgraben. Ich habe nie erfahren, wer es war, mit dem ich
gekmpft habe. Er war verschwunden. Blo noch die letzten Reste des
Schwanzes verbrannten und zeigten die Sttte, wo er sich selbst sein
Grab gegraben hatte.

Gleichzeitig mit mir hatten Wolff und mein Bruder ihre Gegner
angegriffen und nicht weit von dem meinigen zur Landung gezwungen.

Wir flogen sehr vergngt nach Hause und meinten: Hoffentlich kommt
recht oft das Anti-Richthofen-Geschwader.




Der alte Herr kommt uns besuchen


Fr den 29.April hatte sich der alte Herr angesagt, der seine beiden
Shne besuchen wollte. Mein Vater ist Ortskommandant eines Stdtchens in
der Nhe von Lille, also nicht sehr weit weg von uns. Von oben kann ich
ihn fters sehen. Er wollte mit dem Zuge um neun Uhr kommen. Um halb
Zehn ist er auf unserem Platz. Wir kommen gerade von einem Jagdflug nach
Hause, und mein Bruder steigt zuerst aus seiner Kiste, begrt den alten
Herrn: Guten Tag, Papa, ich habe eben einen Englnder abgeschossen.
Darauf steige ich aus meiner Maschine: Guten Tag, Papa, ich habe eben
einen Englnder abgeschossen. Der alte Herr war glcklich, es machte
ihm viel Spa, das sah man ihm an. Er ist nicht einer von den Vtern,
die sich um ihre Shne bangen, sondern am liebsten mchte er selbst sich
in eine Maschine setzen und auch abschieen -- glaube ich wenigstens. Wir
frhstckten erst mit ihm, dann flogen wir wieder.

In der Zwischenzeit spielte sich ein Luftkampf ber unserem eigenen
Flughafen ab, den mein Vater sehr interessiert beobachtete. Wir waren
aber nicht beteiligt, denn wir standen unten und sahen selbst zu. Es war
ein englisches Geschwader, das durchgebrochen war und ber unserem
Flughafen von einigen unserer Aufklrungsflieger angegriffen wurde.
Pltzlich berschlgt sich das eine Flugzeug, fngt sich wieder und
kommt herunter im normalen Gleitflug, und wir erkennen mit Bedauern, da
es diesmal ein Deutscher ist. Die Englnder fliegen weiter. Das deutsche
Flugzeug ist scheinbar angeschossen, kommt aber ganz richtig gesteuert
herunter und versucht, auf unserem Flugplatz zu landen. Der Platz ist
etwas klein fr das groe Ding. Auch war es dem Piloten unbekanntes
Gelnde. So war die Landung nicht ganz glatt. Wir strzen hin und mssen
mit Bedauern feststellen, da der eine der Insassen, der
Maschinengewehrschtze, gefallen ist. Dieser Anblick war meinem Vater
etwas Neues und stimmte ihn offenbar sehr ernst.

Der Tag versprach noch gut zu werden fr uns. Wunderbar klares Wetter.
Dauernd hrte man die Abwehrgeschtze; also unentwegter Flugbetrieb.
Gegen Mittag flogen wir wieder. Diesmal hatte ich wieder Glck und hatte
meinen zweiten Englnder an dem Tage abgeschossen. Die Stimmung des
alten Herrn war wieder da. Nach Tisch ein kurzes Schlfchen und man war
wieder ganz auf der Hhe. Wolff war mit seiner Gruppe whrend der Zeit
am Feinde gewesen und hatte selbst einen erledigt. Auch Schfer hatte
sich einen zu Gemte gefhrt. Nachmittags starteten mein Bruder und ich
mit Schfer, Festner und Allmenrder noch zweimal. Der erste Flug war
verunglckt, der zweite Flug um so besser. Wir waren nicht lange an der
Front, da kam uns ein feindliches Geschwader entgegen. Leider sind sie
hher als wir. Also knnen wir nichts machen. Wir versuchen, ihre Hhe
zu erreichen: es glckt uns nicht. Wir mssen sie auslassen, fliegen an
der Front entlang, mein Bruder dicht neben mir, den anderen voraus. Da
sehe ich zwei feindliche Artillerieflieger in ganz unverschmt frecher
Weise nahe an unsere Front herankommen. Ein kurzer Wink meines Bruders,
und wir hatten uns verstndigt. Wir fliegen nebeneinander her, unsere
Geschwindigkeit vergrernd. Jeder fhlt sich so sicher, einmal sich
selbst dem Feinde berlegen. Besonders aber konnte man sich aufeinander
verlassen. Denn das ist eben die Hauptsache. Man mu wissen, mit wem man
fliegt. Also mein Bruder war zuerst an die Gegner heran, greift sich den
ersten, der ihm am nchsten fliegt, heraus, ich mir den zweiten.

Nun gucke ich mich noch schnell um, da nicht noch ein dritter in der
Nhe ist; aber wir sind allein. Aug' in Auge. Ich habe meinem Gegner
bald die gnstigste Seite abgerungen, ein kurzes Reihenfeuer, und das
feindliche Flugzeug platzt auseinander. So schnell war mir ein Kampf
noch nie vorgekommen.

Whrend ich noch beobachte, wo die Trmmer meines Gegners
herunterstrzen, gucke ich mich nach meinem Bruder um. Er war kaum
fnfhundert Meter von mir entfernt, noch im Kampf mit seinem Gegner.

Ich hatte Zeit, mir dieses Bild genau anzusehen, und mu sagen, da ich
selbst es nicht htte besser machen knnen. Auch er hatte bereits den
Gegner berrumpelt, und beide drehten sich umeinander. Da pltzlich
bumt sich das feindliche Flugzeug auf -- ein sicheres Zeichen des
Getroffenseins, gewi hatte der Fhrer Kopfschu oder so etwas -- das
Flugzeug strzt, und die Flchen des feindlichen Apparates klappen
auseinander. Die Trmmer fallen ganz in die Nhe meines Opfers. Ich
fliege an meinen Bruder heran und gratuliere ihm, d.h. wir winkten uns
gegenseitig zu. Wir waren befriedigt und flogen weiter. Es ist schn,
wenn man mit seinem Bruder so zusammen fliegen kann.

Die anderen waren in der Zwischenzeit auch herangekommen und hatten sich
das Schauspiel, das ihnen die beiden Brder boten, angeguckt, denn
helfen kann man ja nicht, einer kann nur abschieen, und ist einer mit
dem Gegner beschftigt, so knnen die anderen nur zusehen, ihm den
Rcken decken, damit er nicht von hinten von einem Dritten belapst wird.

Wir fliegen weiter, gehen auf grere Hhe, denn oben haben sich einige
aus dem Klub der Anti-Richthofen zusammengefunden. Wir waren mal wieder
gut zu erkennen, die Sonne vom Westen her beleuchtete die Apparate und
lie sie in ihrer schnen roten Farbe weithin schillern. Wir schlossen
uns eng zusammen, denn jeder wute, da man es mit Brdern zu tun hat,
die dasselbe Metier verfolgen wie wir selbst. Leider sind sie wieder
hher, so da wir auf ihren Angriff warten mssen. Die berhmten
Dreidecker und Spads, ganz neue Maschinen, aber es kommt eben nicht auf
die Kiste an, sondern auf den, der drinnen sitzt; die Brder waren
laurig und hatten keinen Mumm. Wir boten ihnen den Kampf an, sowohl bei
uns wie auch drben. Aber sie wollten ihn nicht annehmen. Wozu prahlen
sie erst mit ihrem Geschwader, das angesetzt ist, um mich abzuschieen,
wenn ihnen nachher doch das Herz in die Hosen fllt?

Endlich hat einer Mut gefat und stt auf unseren letzten herunter.
Natrlich wird der Kampf angenommen, obwohl es ja fr uns ungnstig ist,
denn der, der drber ist, ist im Vorteil. Aber wenn einem die Kundschaft
nicht mehr gibt, mu man sie halt nehmen, wie sie kommt. Also macht
alles kehrt. Der Englnder merkt es und lt sofort ab. Nun ist aber der
Anfang gemacht. Ein anderer Englnder versucht das gleiche. Er hat sich
mich als Gegner ausgesucht, und ich begre ihn gleich mit einer Salve
aus beiden Maschinengewehren. Dies schien er nicht zu schtzen. Er
versuchte, sich durch einen Sturzflug mir zu entziehen. Das war sein
Verderben. Denn dadurch kam er unter mich. Nun blieb ich ber ihm. Was
unter mir ist, womglich noch allein und auf unserem Gebiet, kann wohl
als verloren gelten, besonders, wenn es ein Einsitzer ist, also ein
Jagdflieger, der nicht nach hinten 'rausschieen kann. Der Gegner hatte
eine sehr gute Maschine und war sehr schnell. Aber es sollte ihm nicht
glcken, seine Linien zu erreichen. ber Lens fing ich an, auf ihn zu
schieen. Ich war noch viel zu weit. Es war aber ein Trick von mir, ich
beunruhigte ihn dadurch. Er kroch auf den Leim und machte Kurven. Dies
ntzte ich aus und kam etwas nher heran. Schnell versuchte ich dasselbe
Manver nochmals und zum drittenmal. Jedesmal fiel mein Freund darauf
'rein. So hatte ich mich sachte an ihn herangeschossen. Nun bin ich ganz
nahebei. Jetzt wird sauber gezielt, noch einen Augenblick gewartet,
hchstens noch fnfzig Meter von ihm entfernt, drcke ich auf beide
Maschinengewehrknpfe. Erst ein leises Rauschen, das sichere Zeichen des
getroffenen Benzintanks, dann eine helle Flamme, und mein Lord
verschwindet in der Tiefe.

Dieser war der Vierte an diesem Tage. Mein Bruder hatte zwei. Dazu
hatten wir den alten Herrn scheinbar eingeladen. Die Freude war ganz
ungeheuer.

Abends hatte ich mir noch einige Herren eingeladen, unter anderen meinen
guten Wedel, der zufllig auch in der Gegend war. Das Ganze war eine
geglckte, verabredete Sache. Sechs Englnder hatten die beiden Brder
also an einem Tage abgeschossen. Das ist zusammen eine ganze
Fliegerabteilung. Ich glaube, wir waren den Englndern unsympathisch.




Flug in die Heimat


Fnfzig sind abgeschossen. Zweiundfnfzig fand ich besser. Deshalb scho
ich gleich am selben Tage zwei mehr ab. Es ging eigentlich gegen die
Verabredung.

Eigentlich hatte man mir blo einundvierzig zugebilligt; weshalb die
Zahl einundvierzig herauskam, kann sich wohl jeder denken, aber gerade
deshalb wollte ich es durchaus vermeiden. Ich bin kein Rekordarbeiter,
berhaupt liegen uns in der Fliegertruppe alle Rekorde fern. Man erfllt
nur seine Pflicht. Boelcke htte hundert abgeschossen, wre ihm nicht
das Unglck passiert. Und manch anderer der guten gefallenen Kameraden
htte eine ganz andere Zahl erreichen knnen, wenn ihn nicht sein
pltzlicher Tod daran verhindert htte. Aber so ein halbes Hundert macht
einem eben doch auch Spa. Nun hatte ich es schlielich auch erreicht,
da man mir fnfzig zubilligte, bevor ich meinen Urlaub antrat.

Hoffentlich kann ich noch das zweite Fnfzig feiern.

Am Abend desselben Tages klingelte es, und nichts Geringeres als das
Groe Hauptquartier wnschte mich zu sprechen. Ich kam mir ganz spaig
vor, so mit der Groen Bude verbunden zu sein. Ich erhielt unter
anderem die erfreuliche Nachricht, da Seine Majestt den Wunsch
geuert htte, mich persnlich zu sprechen, und zwar war gleich der Tag
angesagt: am 2.Mai. Dies ereignete sich aber schon am 30.April abends
neun Uhr. Mit dem Zuge wre es nicht mehr mglich gewesen, dem Wunsch
des Allerhchsten Kriegsherrn nachzukommen. So zog ich es vor, was ja
auch viel schner ist, die Reise auf dem Luftwege zu erledigen. Am
nchsten Morgen wurde gestartet, und zwar nicht in meinem Einsitzer #Le
petit rouge#, sondern in einem dicken, groen Zweisitzer.

Ich setzte mich hinten 'rein, d.h. also nicht an den Knppel.
Arbeiten mute in diesem Falle der Leutnant Krefft, auch einer der
Herren meiner Jagdstaffel. Er wollte gerade auf Erholungsurlaub, es
pate also ausgezeichnet. So kam er auch schneller in die Heimat. Es war
ihm nicht unsympathisch.

Meine Abreise ging etwas Hals ber Kopf. Ich konnte in dem Flugzeug
nichts weiter mitnehmen als die Zahnbrste, mute mich also gleich so
anziehen, wie ich mich im Groen Hauptquartier vorzustellen hatte. Und
so im Felde hat eben der Militrsoldat nicht viel mit von schnen
Kleidungsstcken, jedenfalls nicht so ein armes Frontschwein wie ich.

Die Fhrung der Staffel bernahm mein Bruder. Ich verabschiedete mich
kurz, denn ich hoffte, bald im Kreise dieser lieben Menschen meine
Ttigkeit wieder aufnehmen zu knnen.

Der Flug ging nun ber Lttich, Namur auf Aachen und Kln. Es war doch
schn, so mal ohne kriegerische Gedanken durch das Luftmeer zu segeln.
Herrliches Wetter, wie wir es schon seit langem nicht gehabt hatten.
Gewi gab es am heutigen Tage mchtig viel zu tun an der Front. Bald
sind die eigenen Fesselballons nicht mehr zu sehen. Immer weiter weg von
dem Donner der Schlachten von Arras. Unter uns Bilder des Friedens.
Fahrende Dampfer. Dort saust ein #D#-Zug durchs Gelnde, wir berholen
ihn spielend. Der Wind ist uns gnstig. Die Erde scheint uns wie eine
Tenne so platt. Die schnen Maasberge sind nicht zu erkennen als Berge.
Man erkennt sie nicht einmal am Schatten, denn die Sonne steht fast
senkrecht. Man wei nur, da sie vorhanden sind, und mit etwas Phantasie
kann man sich sogar in ihre khlen Schluchten verkriechen.

Es war doch etwas spt geworden, und so kamen wir in die Mittagsstunde.
Eine Wolkenschicht zieht sich unter uns zusammen und verdeckt die Erde
vllig. Nach Sonne und Kompa orientierend fliegen wir weiter. Die Nhe
von Holland ist uns allmhlich aber doch unsympathisch, und so ziehen
wir es vor, wieder mit dem Erdboden Fhlung zu nehmen. Wir gehen unter
die Wolke und befinden uns gerade ber Namur. Nun geht es weiter nach
Aachen. Aachen lassen wir links liegen und erreichen zur Mittagszeit
Kln. Die Stimmung in unserem Flugzeug war gehoben. Vor uns ein lngerer
Urlaub, auerdem das schne Wetter, die gelungene Sache, wenigstens Kln
erreicht zu haben, und die Gewiheit, da, wenn einem auch jetzt etwas
passiert, man doch noch das Groe Hauptquartier erreichen konnte.

Man hatte uns in Kln telegraphisch angesagt, so wurden wir dort
erwartet. Am Tage vorher hatte mein zweiundfnfzigster Luftsieg in der
Zeitung gestanden. So war der Empfang auch danach.

Durch den dreistndigen Flug hatte ich doch etwas Schdelbrummen, und so
zog ich es vor, erst einen kleinen Mittagsschlummer einzulegen, bevor
ich im Groen Hauptquartier eintraf. Wir flogen nun von Kln ein ganzes
Stckchen den Rhein entlang. Ich kannte die Strecke. Ich bin sie oft
gefahren, auf dem Dampfer, mit dem Auto und der Eisenbahn, und nun im
Flugzeug. Was war das Schnste? Es ist schwer zu sagen. Gewisse
Einzelheiten sieht man ja natrlich vom Dampfer aus besser. Aber der
Gesamtblick aus dem Flugzeug ist auch nicht zu verachten. Der Rhein hat
eben einen besonderen Reiz, so auch von oben. Wir flogen nicht zu hoch,
um nicht das Gefhl der Berge vllig zu verlieren, denn das ist doch
wohl das Schnste am Rhein, die riesigen, bewaldeten Hhen, die Burgen
usw. Die einzelnen Huser konnten wir natrlich nicht sehen. Schade, da
man nicht langsam und schnell fliegen kann. Ich htte gewi den
langsamsten Gang eingestellt.

Nur zu schnell verschwand ein schnes Bild nach dem anderen. Man hat,
wenn man hher fliegt, ja nicht das Gefhl, da es sehr schnell vorwrts
geht. In einem Auto oder einem #D#-Zug zum Beispiel kommt einem die
Geschwindigkeit ganz ungeheuer vor, dagegen im Flugzeug eigentlich immer
langsam, wenn man eine gewisse Hhe erreicht hat. Man merkt es
eigentlich erst daran, wenn man mal fnf Minuten nicht 'rausgeguckt hat
und dann mit einem Male wieder die Orientierung aufnimmt. Da ist das
Bild, das man noch kurz vorher im Kopfe hatte, mit einem Male vllig
verndert. Was man unter sich sah, sieht man auf einmal in einem Winkel,
gar nicht zum Wiedererkennen. Deshalb kann man sich so schnell
verorientieren, wenn man mal fr einen Augenblick nicht aufpat. So
kamen wir am Nachmittag im Groen Hauptquartier an, herzlich empfangen
von einigen mir bekannten Kameraden, die dort in der Groen Bude zu
arbeiten haben. Sie tun mir ordentlich leid, die Tintenspione. Sie haben
ja nur den halben Spa vom Kriege. Zunchst meldete ich mich bei dem
Kommandierenden General der Luftstreitkrfte. Am nchsten Vormittag
ereignete sich nun der groe Moment, wo ich Hindenburg und Ludendorff
vorgestellt werden sollte. Ich mute eine ganze Weile warten. Wie die
Begrung im einzelnen war, kann ich eigentlich schlecht schreiben. Erst
meldete ich mich bei Hindenburg, dann bei Ludendorff.

Es ist ein unheimliches Gefhl in dem Raum, wo das Geschick der Erde
entschieden wird. So war ich ganz froh, wie ich die Groe Bude wieder
hinter mir hatte und mittags bei Seiner Majestt zum Frhstck befohlen
war. Es war ja heute mein Geburtstag, und irgendeiner hatte es wohl
Seiner Majestt verraten, und so gratulierte er mir. Einmal zu meinem
Erfolg, dann zum fnfundzwanzigsten Lebensjahr. Auch ein kleines
Geburtstagsgeschenk berraschte mich.

Frher htte ich es mir wohl nie trumen lassen, da ich am
fnfundzwanzigsten Geburtstag rechts von Hindenburg sitzen und in einer
Rede vom Generalfeldmarschall erwhnt werden wrde.

       *       *       *       *       *

Tags darauf war ich zu Mittag bei Ihrer Majestt eingeladen und fuhr zu
diesem Zweck nach Homburg. Dort war ich zum Frhstck bei Ihrer
Majestt, wurde gleichfalls mit einem Geburtstagsgeschenk bedacht, und
ich hatte noch die groe Freude, Ihrer Majestt einen Start
vorzufhren. Abends war ich nochmals bei dem Generalfeldmarschall
v.Hindenburg eingeladen.

Den Tag darauf flog ich nach Freiburg, um dort einen Auerhahn zu
schieen. Von Freiburg aus benutzte ich ein Flugzeug, das nach Berlin
flog. In Nrnberg wurde Benzin aufgefllt. Da zog ein Gewitter auf. Ich
hatte es aber dringend eilig, in Berlin anzukommen. Allerhand mehr oder
weniger interessante Dinge warteten dort meiner. So flog ich trotz des
Gewitters weiter. Mir machten die Wolken und das Schweinewetter Spa. Es
go mit Kannen. Ab und zu etwas Hagel. Der Propeller sah nachher ganz
toll aus, durch die Hagelkrner zerschlagen, wie eine Sge. Leider
machte mir das Wetter so viel Spa, da ich darber gnzlich verga
aufzupassen, wo ich mich befand. Wie ich wieder die Orientierung
aufnehmen will, habe ich keinen Dunst mehr, wo ich bin. Eine schne
Bescherung! In der Heimat verfranzt! Das mute natrlich gerade mir
passieren. Wie wrden die zu Hause sich amsieren, wenn sie das wten!
Aber es war an der Tatsache nichts zu ndern. Ich wute nicht mehr, wo
ich war. Ich war durch den starken Wind und das niedrige Fliegen sehr
abgetrieben worden und von meiner Karte heruntergekommen und mute nun
nach Sonne und Kompa notdrftig die Richtung nach Berlin einhalten.
Stdte, Drfer, Flsse, Wlder jagen unter mir dahin. Ich erkenne
nichts wieder. Ich vergleiche die Natur mit meiner Karte, aber
vergeblich. Es ist alles anders. Ich bin eben tatschlich nicht mehr im
Bilde. Es ist mir nicht mglich, die Gegend wiederzuerkennen. Wie sich
spter herausstellte, war es allerdings auch ausgeschlossen, denn ich
flog etwa hundert Kilometer neben meinem Kartenrand.

[Illustration: Der kommandierende General der Luftstreitkrfte,
Exzellenz v. Hoeppner (1), und der Chef des Stabes der Luftstreitkrfte,
Oberstleutnant Thomson (2), mit Rittmeister Manfred Freih. v. Richthofen
(3)]

[Illustration: Ein Glckwunsch des Kaisers

aufgenommen am 30. IV. 1917.    4 Uhr 20 Min. vorm.

aus dem Gr. H. Qu.

An Krg. schl homb. 27.    29. IV. 8^h nachm.

Rittm. Freih. von Richthofen
                Jagdstaffel Richthofen.
                         durch A.O.K.G.

Es wird mir soeben gemeldet, da Sie heute zum 50. Male als Sieger aus
dem Luftkampf hervorgingen. Ich spreche Ihnen zu diesem glnzenden
Erfolg Meinen herzlichen Glckwunsch und Meine vollste Anerkennung aus.
Mit Bewunderung und Dankbarkeit blickt das Vaterland auf seinen tapferen
Flieger. Gott sei ferner mit Ihnen.

                          Wilhelm I. R.]

Nach etwa zweistndigem Fluge entschlossen sich mein Fhrer und ich zu
einer Notlandung. Dies ist immer was Unangenehmes, so ohne Flughafen.
Man wei nicht, wie die Erdoberflche ist. Kommt ein Rad in ein Loch,
ist die Kiste futsch. Erst versuchten wir noch, auf einem Bahnhof die
Aufschrift der Station zu erkennen, aber Kuchen, natrlich war sie so
klein aufgepinselt, da man auch nicht einen Buchstaben erkennen konnte.
Also mssen wir landen. Nur schweren Herzens, aber es bleibt uns nichts
anderes brig. Wir suchen uns eine Wiese, die von oben ganz schn
aussieht, und versuchen unser Heil. Leider sah die Wiese bei nherer
Betrachtung nicht so schn aus. Dies konnte ich auch an einem etwas
verbogenen Fahrgestell feststellen. So hatten wir uns denn vllig mit
Ruhm bekleckert. Erst verfranzt und dann die Kiste zerschmissen! Wir
muten nun also mit einem ganz ordinren Fortbewegungsmittel, dem
#D#-Zug, unsere weitere Reise nach der Heimat antreten. Langsam, aber
sicher erreichten wir Berlin. Wir waren in der Nhe von Leipzig
notgelandet. Htten wir nicht die Dummheit gemacht, so wren wir gewi
noch nach Berlin gekommen, aber wie man's macht, macht man's falsch.

Einige Tage spter traf ich in meiner Heimatstadt Schweidnitz ein.
Obwohl es sieben Uhr morgens war, hatte sich doch eine ganze Menge
Menschen auf dem Bahnhof angefunden. Die Begrung war herzlich. Am
Nachmittag wurden mir verschiedene Ehrungen zuteil, darunter auch durch
Jugendwehr.

Im groen und ganzen wurde mir klar, da die Heimat sich fr ihre
Kmpfer im Felde doch lebhaft interessiert.




Mein Bruder


Ich war noch nicht acht Tage auf Urlaub, da kriegte ich die
telegraphische Nachricht: Lothar verwundet, nicht lebensgefhrlich.
Mehr nicht. Nhere Erkundigungen ergaben, da er wieder mal recht
leichtsinnig gewesen war. Er flog mit Allmenrder zusammen gegen den
Feind. Da sah er tief unten, ziemlich weit drben, einen allein
herumkrebsenden #Englishman#. Das sind so die feindlichen
Infanterieflieger, die unseren Truppen besonders lstig fallen.
Jedenfalls beunruhigen sie sehr. Ob sie wirklich etwas erreichen mit
ihrem tiefen Rumkrebsen, ist sehr die Frage. Mein Bruder war etwa
zweitausend Meter hoch, der Englnder tausend. Er prscht sich 'ran,
setzt zum Sturzflug an und ist in wenigen Sekunden bei ihm. Der
Englnder zog es vor, den Kampf zu vermeiden, und verschwand gleichfalls
im Sturzflug in der Tiefe. Mein Bruder, nicht faul, hinterher. Ganz
schnuppe, ob es drben oder bei uns ist. Nur ein Gedanke: er mu
'runter. Das ist ja auch natrlich das richtige. Ab und zu mache ich's
auch. Aber wenn es mein Bruder bei jedem Fluge nicht mindestens einmal
gemacht hat, macht ihm das ganze Unternehmen keinen Spa. Erst ganz kurz
ber dem Boden kriegt er ihn wirklich gut vor und kann ihm den Laden
vollschieen. Der Englnder strzt senkrecht in die Erde. Viel bleibt
nicht mehr brig.

Nach so einem Kampfe, besonders in geringer Hhe, in dem man sich so oft
gedreht und gewendet hat, mal rechtsrum und mal linksrum geflogen ist,
hat der normale Sterbliche keine Ahnung mehr, wo er sich befindet. Nun
war es an diesem Tage noch etwas dunstig, also ein besonders ungnstiges
Wetter. Schnell hatte er sich orientiert und merkt erst jetzt, da er
doch wohl ein ganzes Ende hinter der Front ist. Er war hinter der
Vimy-Hhe. Die Vimy-Hhen sind etwa hundert Meter hher als die andere
Gegend. Mein Bruder war hinter diesen Vimy-Hhen verschwunden --
behaupten jedenfalls die Beobachter von der Erde aus.

Dieses Nachhausefliegen, bis man seine eigene Stellung erreicht hat,
gehrt nicht zu den angenehmsten Gefhlen, die man sich denken kann. Man
kann nichts dagegen tun, da einen der Gegner beschiet. Nur selten
treffen sie. Mein Bruder nherte sich der Linie. In so geringer Hhe
kann man jeden Schu hren, es hrt sich an, wie wenn Kastanien im Feuer
platzen, wenn der einzelne Infanterist schiet. Da -- mit einem Male
fhlte er einen Schlag, getroffen. Das war ihm klar. Er zhlt zu den
Menschen, die nicht ihr eignes Blut sehen knnen. Bei einem anderen
macht es ihm keinen Eindruck; wenigstens weniger. Aber sein eigenes
Blut strt ihn. Er fhlt, wie es ihm warm am rechten Bein herunterluft,
zur gleichen Zeit auch einen Schmerz in der Hfte. Unten wird noch immer
geknallt. Also ist er noch drben. Da endlich hrt es so sachte auf, und
er ist ber unsere Front hinber. Nun mu er sich aber beeilen, denn
seine Krfte lassen zusehends nach. Da sieht er einen Wald, daneben eine
Wiese. Also auf die Wiese zu. Die Zndung schnell herausgenommen, der
Motor bleibt stehen, und in demselben Augenblick ist es alle mit seinen
Krften, die Besinnung hat ihn verlassen. Er sitzt ja nun ganz allein in
seinem Flugzeug, also ein zweiter konnte ihm nicht helfen. Wie er auf
die Erde hinuntergekommen ist, ist eigentlich ein Wunder. Denn von
allein startet und landet kein Flugzeug. Man behauptet dies nur von
einer alten Taube in Kln, die von einem Monteur zum Start
zurechtgemacht ist und gerade in dem Augenblick, wie der Pilot sich
hineinsetzen will, von allein losfliegt, von allein eine Kurve macht und
nach fnf Minuten wieder landet. Das wollen viele Mnner gesehen haben.
Ich habe es nicht gesehen -- aber ich bin doch fest davon berzeugt, da
es wahr ist. Mein Bruder jedenfalls hatte nicht so eine Taube, die von
allein landet, aber trotzdem hatte er sich bei dem Berhren mit dem
Erdboden nichts getan. Erst im Lazarett fand er die Besinnung wieder.
Er wurde nach Douai transportiert.

Es ist fr einen Bruder ein ganz eigenartiges Gefhl, wenn man den
anderen in einen Kampf mit einem Englnder verwickelt sieht. So sah ich
zum Beispiel einmal, wie Lothar hinter dem Geschwader etwas herhngt und
von einem Englnder attackiert wird. Es wre fr ihn ein leichtes
gewesen, den Kampf zu verweigern. Er braucht blo in der Tiefe zu
verschwinden. Aber nein, das tut er nicht! Der Gedanke kommt ihm
scheinbar gar nicht. Ausreien kennt er nicht. Zum Glck hatte ich dies
beobachtet und pate auf. Da sah ich, wie der Englnder, der ber ihm
war, immer auf ihn 'runterstt und schiet. Mein Bruder versucht, seine
Hhe zu erreichen, unbekmmert, ob er beschossen wird oder nicht. Da --
mit einem Male berschlgt sich das Flugzeug, und die rot angestrichene
Maschine strzt senkrecht, sich um sich selbst drehend, herunter. Keine
gewollte Bewegung, sondern ein regelrechter Absturz. Dieses ist fr den
zusehenden Bruder nicht das schnste aller Gefhle. Aber ich habe mich
so sachte daran gewhnen mssen, denn mein Bruder benutzte es als Trick.
Wie er erkannt hatte, da der Englnder ihm ber war, markierte er ein
Angeschossensein. Der Englnder hinterher, mein Bruder fngt sich und
hat ihn im Umsehen berstiegen. Das feindliche Flugzeug konnte sich
nicht so schnell wieder aufrichten und zur Besinnung kommen, da sa ihm
mein Bruder im Nacken, und einige Augenblicke spter schlugen die
Flammen heraus. Dann ist nichts mehr zu retten, dann strzt das Flugzeug
brennend ab.

Ich habe mal auf der Erde neben einem Benzintank gestanden, wo hundert
Liter auf einmal explodierten und verbrannten. Ich konnte nicht zehn
Schritt daneben stehen, so hei wurde mir. Und nun mu man sich
vorstellen, da auf wenige Zentimeter vor einem so ein Tank von vielen
fnfzig Litern explodiert und der Propellerwind die ganze Glut einem ins
Gesicht treibt. Ich glaube, man ist im ersten Moment schon
besinnungslos, und es geht jedenfalls am schnellsten.

Aber es passieren doch ab und zu Zeichen und Wunder. So sah ich z.B.
einmal ein englisches Flugzeug brennend abstrzen. Die Flammen schlugen
erst in fnfhundert Metern Hhe heraus. Die Maschine stand in hellen
Flammen. Wie wir nach Hause fliegen, erfahren wir, da der eine der
Insassen aus fnfzig Metern Hhe herausgesprungen ist. Es war der
Beobachter. Fnfzig Meter Hhe! Man mu sich mal die Hhe berlegen. Der
hchste Kirchturm, der in Berlin ist, reicht gerade heran. Man springe
mal von der Spitze dieses Turmes herunter! Wie man wohl unten ankommen
mag! Die meisten brchen sich's Genick, wenn sie aus dem Hochparterre
herausspringen wrden. Jedenfalls, dieser brave Franz sprang aus
seinem brennenden Flugzeug aus fnfzig Meter Hhe heraus, das bereits
mindestens eine Minute gebrannt hatte, und machte sich weiter nichts als
einen glatten Unterschenkelbruch. Er hat sogar, gleich nachdem ihm all
dies passiert ist, noch Aussagen gemacht, also sein seelischer Zustand
hatte nicht einmal gelitten.

Ein andermal scho ich einen Englnder ab. Der Flugzeugfhrer hatte
einen tdlichen Kopfschu, das Flugzeug strzte steuerlos, senkrecht,
ohne sich zu fangen, aus dreitausend Metern Hhe in die Erde. Eine ganze
Weile spter erst kam ich im Gleitflug hinterher und sah unten weiter
nichts als einen wsten Haufen. Zu meinem Erstaunen erfuhr ich, der
Beobachter habe nur einen Schdelbruch, und sein Zustand sei nicht
lebensgefhrlich. Glck mu eben der Mensch haben.

Wieder einmal scho Boelcke einen Nieuport ab. Ich sah es selbst. Das
Flugzeug strzte wie ein Stein. Wir fuhren hin und fanden das Flugzeug
bis zur Hlfte im Lehm vergraben. Der Insasse, ein Jagdflieger, war
durch einen Bauchschu besinnungslos und hatte sich beim Aufschlagen nur
einen Arm ausgekugelt. Er ist nicht gestorben.

Andererseits habe ich es wieder erlebt, da ein guter Freund von mir bei
einer Landung mit einem Rade in ein Karnickelloch kam. Die Maschine
hatte berhaupt keine Geschwindigkeit mehr und stellte sich ganz langsam
auf den Kopf, berlegte sich, nach welcher Seite sie umkippen sollte,
fiel auf den Rcken -- und der arme Kerl hatte das Genick gebrochen.

       *       *       *       *       *

Mein Bruder Lothar ist Leutnant bei den Vierten Dragonern, war vor dem
Kriege auf Kriegsschule, wurde gleich zu Anfang Offizier und hat,
gleichwie ich, den Krieg als Kavallerist begonnen. Was er da alles an
Heldentaten begangen hat, ist mir unbekannt, da er nie von sich selbst
spricht. Man hat mir nur folgende Geschichte erzhlt: Es war im Winter
1914, sein Regiment lag an der Warthe, die Russen auf der anderen Seite.
Kein Mensch wute, rcken sie oder bleiben sie. Die Ufer waren zum Teil
gefroren, so da man schlecht durchreiten konnte. Brcken gab's
natrlich nicht, die hatten die Russen abgerissen. Da schwamm mein
Bruder durch, stellte fest, wo die Russen waren, und kam
zurckgeschwommen. Dieses alles im strengen russischen Winter bei
soundso viel Grad minus. Seine Kleider waren nach wenigen Minuten
festgefroren, und darunter, behauptete er, sei es ganz warm gewesen. So
ritt er den ganzen Tag, bis er abends in sein Quartier kam. Dabei hat er
sich nicht erkltet.

Im Winter 1915 ging er auf mein Drngen hin zur Fliegerei, wurde,
gleichwie ich, Beobachter. Erst ein Jahr spter Flugzeugfhrer. Die
Schule als Beobachter ist gewi nicht schlecht, gerade fr einen
Jagdflieger. Mrz 1917 machte er sein drittes Examen und kam sofort zu
meiner Jagdstaffel.

Er war also noch ein ganz, ganz junger und ahnungsloser Flugzeugfhrer,
der noch an kein Looping und hnliche Scherze dachte, sondern zufrieden
war, wenn er ordentlich landen und starten konnte. Nach vierzehn Tagen
nahm ich ihn zum ersten Male mit gegen den Feind und bat ihn, dicht
hinter mir zu fliegen, um sich die Sache mal genau anzusehen. Nach dem
dritten Fluge mit ihm sehe ich mit einem Male, wie er sich von mir
trennt und sich gleichfalls auf einen Englnder strzt und ihn erlegt.
Mein Herz hpfte vor Freude, als ich dies sah. Es war mir wieder mal ein
Beweis, wie wenig das Abschieen eine Kunst ist. Es ist nur die
Persnlichkeit oder, anders ausgedrckt, der Schneid des Betreffenden,
der die Sache macht. Ich bin also kein Pgoud, will es auch nicht sein,
sondern nur Soldat, und tue meine Pflicht.

Vier Wochen spter hatte mein Bruder bereits zwanzig Englnder
abgeschossen. Dies drfte wohl einzig dastehen in der ganzen Fliegerei,
da ein Flugzeugfhrer vierzehn Tage nach seinem dritten Examen den
ersten und vier Wochen nach dem ersten zwanzig Gegner abgeschossen hat.

Sein zweiundzwanzigster Gegner war der berhmte Captain Ball, weitaus
der beste englische Flieger. Den seinerzeit ebenso bekannten Major
Hawker hatte ich mir vor einigen Monaten bereits zur Brust genommen. Es
machte mir besonders Freude, da es nun mein Bruder war, der den zweiten
Champion Englands erledigte. Captain Ball flog einen Dreidecker und
begegnete meinem Bruder einzeln an der Front. Jeder versuchte den
anderen zu fassen. Keiner gab sich eine Ble. Es blieb bei einem kurzen
Begegnen. Immer nur auf sich zufliegend. Nie glckte es dem einen, sich
hinter den anderen zu setzen. Da entschlossen sich pltzlich beide in
dem kurzen Augenblick des Aufeinanderzufliegens, einige wohlgezielte
Schsse abzugeben. Beide fliegen aufeinander zu. Beide schieen. Jeder
hat vor sich einen Motor. Die Treffwahrscheinlichkeiten sind sehr
gering, die Geschwindigkeit doppelt so gro wie normal. Eigentlich
unwahrscheinlich, da einer von beiden trifft. Mein Bruder, der etwas
tiefer war, hatte dabei seine Maschine stark berzogen und berschlug
sich, verlor das Gleichgewicht, und seine Maschine wurde fr einige
Momente steuerlos. Bald hatte er sie wieder gefangen, mute aber
feststellen, da ihm der Gegner beide Benzintanks zerschossen hatte.
Also landen! Schnell die Zndung 'raus, sonst brennt die Kiste. Der
nchste Gedanke aber war: Wo bleibt mein Gegner? Im Augenblick des
berschlagens hatte er gesehen, wie sich der Gegner gleichfalls
aufbumte und berschlagen hatte. Er konnte also nicht allzu weit von
ihm entfernt sein. Der Gedanke herrscht: Ist er ber mir oder unter mir?
Drber war er nicht mehr, dafr aber sah er unter sich den Dreidecker
sich dauernd berschlagen und noch immer tiefer strzen. Er strzte und
strzte, ohne sich zu fangen, bis auf den Boden. Dort zerschellte er. Es
war auf unserem Gebiet. Beide Gegner hatten sich in dem kurzen
Augenblick des Begegnens mit ihren starren Maschinengewehren getroffen.
Meinem Bruder waren die beiden Benzintanks zerschossen, und im selben
Augenblick hatte der Captain Ball einen Kopfschu bekommen. Er trug bei
sich einige Photographien und Zeitungsausschnitte seiner
Heimatprovinzen, in denen er sehr angefeiert wurde. Er schien kurze Zeit
zuvor noch auf Urlaub gewesen zu sein. Zu Boelckes Zeiten hatte Captain
Ball sechsunddreiig deutsche Apparate vernichtet. Auch er hat einen
Meister gefunden. Oder war es Zufall, da eine Gre wie er gleichfalls
den normalen Heldentod sterben mute?

Captain Ball war ganz gewi der Fhrer des Anti-Richthofen-Geschwaders,
und ich glaube, der #Englishman# wird es nun lieber aufstecken, mich zu
fangen. Das tte uns leid, denn dadurch wrde uns manche schne
Gelegenheit genommen, bei der wir die Englnder gut belapsen knnten.

Wre mein Bruder nicht am 5.Mai verwundet worden, ich glaube, er wre
nach meiner Rckkehr vom Urlaub gleichfalls mit Zweiundfnfzig auf
Urlaub geschickt worden.




Lothar ein Schieer und nicht ein Weidmann


Mein Vater macht einen Unterschied zwischen einem Jger (Weidmann) und
einem Schieer, dem es nur Spa macht, zu schieen. Wenn ich einen
Englnder abgeschossen habe, so ist meine Jagdpassion fr die nchste
Viertelstunde beruhigt. Ich bringe es also nicht fertig, zwei Englnder
unmittelbar hintereinander abzuschieen. Fllt der eine herunter, so
habe ich das unbedingte Gefhl der Befriedigung. Erst sehr, sehr viel
spter habe ich mich dazu berwunden und mich zum Schieer ausgebildet.

Bei meinem Bruder war es anders. Wie er seinen vierten und fnften
Gegner abscho, hatte ich Gelegenheit, ihn zu beobachten. Wir griffen
ein Geschwader an. Ich war der erste. Mein Gegner war bald erledigt. Ich
gucke mich um und sehe, wie mein Bruder hinter einem Englnder sitzt,
aus dem gerade die Flamme herausschlgt und dessen Maschine explodiert.
Neben diesem Englnder fliegt ein zweiter. Er machte weiter nichts, als
da er von dem ersten, der noch gar nicht mal 'runtergefallen war und
sich noch in der Luft befand, sein Maschinengewehr auf den nchsten
richtete und sofort weiterscho, kaum da er absetzte. Auch dieser fiel
nach krzerem Kampf.

Zu Hause fragte er mich stolz: Wieviel hast du abgeschossen? Ich
sagte ganz bescheiden: Einen. Er dreht mir den Rcken und sagt: Ich
habe zwei, worauf ich ihn zur Nachsuche nach vorn schickte. Er mute
feststellen, wie seine Kerle hieen usw. Am spten Nachmittag kommt er
zurck und hat nur einen gefunden.

Die Nachsuche war also schlecht, wie berhaupt bei solchen Schieern.
Erst am Tage darauf meldete die Truppe, wo der andere lag. Da er
'runtergefallen war, hatten wir ja alle gesehen.




Der Auerochs


Der Frst Ple hatte mir gelegentlich eines Besuches im Hauptquartier
erlaubt, bei ihm auf seiner Jagd ein Wisent abzuschieen. Der Wisent ist
das, was im Volksmund mit Auerochse bezeichnet wird. Auerochsen sind
ausgestorben. Der Wisent ist auf dem besten Wege, das gleiche zu tun.
Auf der ganzen Erde gibt es nur noch zwei Stellen, und das ist in Ple
und beim Revier des ehemaligen Zaren im Bialowiczer Forst. Der
Bialowiczer Forst hat natrlich durch den Krieg kolossal gelitten. So
manchen braven Wisent, den sonst nur hohe Frstlichkeiten und der Zar
abgeschossen htten, hat sich ein Musketier zu Gemte gefhrt.

Mir war also durch die Gte Seiner Durchlaucht der Abschu eines so
seltenen Tieres erlaubt worden. In etwa einem Menschenalter gibt es
diese Tiere nicht mehr, da sind sie ausgerottet.

Ich kam am Nachmittag des 26.Mai in Ple an und mute gleich vom
Bahnhof losfahren, um den Stier noch am selben Abend zu erlegen. Wir
fuhren die berhmte Strae durch den Riesenwildpark des Frsten entlang,
auf der wohl manche gekrnte Hupter vor mir entlang gefahren sind. Nach
etwa einer Stunde stiegen wir aus und hatten nun noch eine halbe Stunde
zu laufen, um auf meinen Stand zu kommen, whrend die Treiber bereits
aufgestellt waren, um auf das gegebene Zeichen mit dem Drcken zu
beginnen. Ich stand auf der Kanzel, auf der, wie mir der Oberwildmeister
berichtete, bereits mehrmals Majestt gestanden hat, um so manchen
Wisent von da aus zur Strecke zu bringen. Wir warten eine ganze Zeit. Da
pltzlich sah ich im hohen Stangenholz ein riesiges schwarzes Ungetm
sich heranwlzen, genau auf mich zu. Ich sah es noch eher als der
Frster, machte mich schufertig und mu sagen, da ich doch etwas
Jagdfieber kriegte. Es war ein mchtiger Stier. Auf zweihundertfnfzig
Schritt verhoffte er noch einen Augenblick. Es war mir zu weit, um zu
schieen. Getroffen htte man ja vielleicht das Ungetm, weil man eben
an so einem Riesending berhaupt nicht vorbeischieen kann. Aber die
Nachsuche wre doch eine unangenehme Sache gewesen. Auerdem die
Blamage, vorbeizuschieen. Also warte ich lieber, da er mir nher
kommt. Er mochte wohl wieder die Treiber gesprt haben, denn mit einem
Male machte er eine ganz kurze Wendung und kam in windender Fahrt, die
man so einem Tiere nie zugetraut htte, heran, genau spitz auf mich zu.
Schlecht zum Schieen. Da verschwand er hinter einer Gruppe von dichten
Fichten. Ich hrte ihn noch schnaufen und stampfen. Sehen konnte ich ihn
nicht mehr. Ob er Wind von mir bekommen hatte oder nicht, wei ich
nicht. Jedenfalls war er weg. Noch einmal sah ich ihn auf eine groe
Entfernung, dann war er verschwunden.

War es der ungewohnte Anblick eines solchen Tieres oder wer wei was --
jedenfalls hatte ich in dem Augenblick, wo der Stier herankam, dasselbe
Gefhl, dasselbe Jagdfieber, das mich ergreift, wenn ich im Flugzeug
sitze, einen Englnder sehe und ihn noch etwa fnf Minuten lang
anfliegen mu, um an ihn heranzukommen. Nur mit dem einen Unterschied,
da sich der Englnder wehrt. Htte ich nicht auf einer so hohen Kanzel
gestanden, wer wei, ob da nicht noch andere moralische Gefhle
mitgespielt htten?

Es dauerte nicht lange, da kommt der zweite. Auch ein mchtiger Kerl. Er
macht es mir sehr viel leichter. Auf etwa hundert Schritt verhofft er
und zeigt mir sein ganzes Blatt. Der erste Schu traf, er zeichnet. Ich
hatte ihm einen guten Blattschu verpat. Hindenburg hatte mir einen
Monat vorher gesagt: Nehmen Sie sich recht viel Patronen mit. Ich habe
auf meinen ein halbes Dutzend verbraucht, denn so ein Kerl stirbt ja
nicht. Das Herz sitzt ihm so tief, da man meistenteils vorbeischiet.
Und es stimmte. Das Herz, trotzdem ich ja genau wute, wo es sa, hatte
ich nicht getroffen. Ich repetierte. Der zweite Schu, der dritte, da
bleibt er stehen, schwerkrank. Vielleicht auf fnfzig Schritt vor mir.

Fnf Minuten spter war das Ungetm verendet. Die Jagd wurde
abgebrochen und Hirsch tot geblasen. Alle drei Kugeln saen ihm dicht
berm Herzen, sehr gut Blatt.

Wir fuhren nun an dem schnen Jagdhaus des Frsten vorbei und noch eine
Weile durch den Wildpark, in dem alljhrlich zu der Brunstzeit die Gste
des Frsten ihren Rothirsch usw. erlegen. Wir hielten noch und sahen uns
das Innere des Hauses im Promnitz an. Auf einer Halbinsel gelegen, mit
wunderschnem Blick, auf fnf Kilometer Entfernung kein menschliches
Wesen. Man hat nicht mehr das Gefhl, in einem Wildpark zu sein, wie man
sich wohl im allgemeinen vorstellt, wenn man von der Frstlich Pleschen
Jagd spricht. Vierhunderttausend Morgen Gatter sind eben kein Wildpark
mehr. Da gibt es kapitale Hirsche, die nie ein Mensch gesehen hat, die
kein Frster kennt, und die gelegentlich in der Brunstzeit erlegt
werden. Man kann wochenlang laufen, um ein Wisenttier zu Gesicht zu
bekommen. In manchen Jahreszeiten ist es ausgeschlossen, sie berhaupt
zu sehen. Dann sind sie so heimlich, da sie sich in den Riesenwldern
und unendlichen Dickichten vollstndig verkriechen. Wir sahen noch
manchen Hirsch im Bast und manchen guten Bock.

Nach etwa zwei Stunden kamen wir kurz vor Dunkelheit wieder in Ple an.




Infanterie-, Artillerie- und Aufklrungsflieger


Wre ich nicht Jagdflieger geworden, ich glaube, ich htte mir das
Infanteriefliegen ausgesucht. Es ist einem doch eine groe Befriedigung,
wenn man unserer am schwersten kmpfenden Truppe direkte Hilfe leisten
kann. Der Infanterieflieger ist in der Lage, dies zu tun. Er hat damit
eine dankbare Aufgabe. Ich habe in der Arras-Schlacht so manchen dieser
tchtigen Leute beobachten knnen, wie sie bei jedem Wetter und zu jeder
Tageszeit in niedriger Hhe ber den Feind flogen und die Verbindung mit
unserer schwer kmpfenden Truppe suchten. Ich verstehe es, wie man sich
dafr begeistern kann, ich glaube, so manch einer hat Hurra gebrllt,
wenn er die feindlichen Massen hat nach einem Angriff zurckfluten sehen
und unsere schneidige Infanterie aus den Grben hervorkam und den
zurckflutenden Gegner Auge in Auge bekmpfte. So manches Mal habe ich
den Rest meiner Patronen nach einem Jagdflug auf die feindlichen
Schtzengrben verschossen. Wenn es auch wenig hilft, so macht es doch
moralischen Eindruck.

Artillerieflieger bin ich auch selbst gewesen. Es war zu meiner Zeit
etwas Neues, mit Funkentelegraphie das Schieen der eigenen Artillerie
zu leiten. Aber dazu gehrt eine ganz besondere Begabung. Ich konnte
mich auf die Dauer nicht dazu eignen. Der Kampf ist mir lieber. Zum
Artilleriefliegen mu man wohl selbst zur Waffe gehren, um das ntige
Verstndnis mitzubringen.

Aufklrungsfliegen habe ich auch getrieben, und zwar in Ruland im
Bewegungskriege. Da war ich noch einmal Kavallerist, d.h. ich kam mir
so vor, wenn ich mit meinem sthlernen Pegasus loszog. Jene Tage mit
Holck ber den Russen sind mit meine schnste Erinnerung. Aber das Bild
der Bewegung kommt scheinbar nicht wieder.

Im Westen sieht der Aufklrungsflieger ganz etwas anderes, als das Auge
des Kavalleristen gewohnt ist. Die Drfer und Stdte, die Eisenbahnen
und Straen sehen so tot und still aus, und trotzdem ist auf ihnen ein
ungeheurer Verkehr, der aber dem Flieger mit groer Geschicklichkeit
verborgen wird. Nur ein ganz, ganz gebtes Auge vermag aus den rasenden
Hhen etwas Bestimmtes zu beobachten. Ich habe gute Augen, aber es
erscheint mir zweifelhaft, ob es berhaupt einen gibt, der etwas Genaues
aus fnftausend Metern Hhe auf einer Chaussee erkennen kann. Man ist
also auf etwas anderes angewiesen, was das Auge ersetzt, das ist der
photographische Apparat. Man photographiert also all das, was man fr
wichtig hlt, und was man photographieren soll. Kommt man nach Hause
und die Platten sind verunglckt, so ist der ganze Flug umsonst gewesen.

Dem Aufklrungsflieger begegnet es oft, da er in einen Kampf verwickelt
wird, aber er hat Wichtigeres zu tun, als sich mit dem Kampf zu
beschftigen. Oft ist eine Platte wichtiger als das Abschieen eines
ganzen Apparates, deshalb ist er in den meisten Fllen gar nicht dazu
berufen, luftzukmpfen.

Es ist eine schwere Aufgabe heutzutage, im Westen eine gute Aufklrung
durchzufhren.




Unsere Flugzeuge


Wie wohl jedem klar ist, haben sich im Laufe des Krieges unsere
Flugzeuge etwas verndert. Der grte Unterschied ist zwischen einem
Riesenflugzeug und einem Jagdflugzeug.

Das Jagdflugzeug ist klein, schnell, wendig, trgt aber nichts. Nur die
Patronen und die Maschinengewehre.

Das Riesenflugzeug -- man mu sich blo das erbeutete englische
Riesenflugzeug ansehen, das auf unserer Seite glatt gelandet ist, ist
ein Kolo, nur dazu bestimmt, durch groe Flchen mglichst viel zu
tragen. Es schleppt unheimlich viel; dreitausend bis fnftausend
Kilogramm sind gar nichts dafr. Die Benzintanks sind die reinen
Eisenbahntankwagen. Man hat nicht mehr das Gefhl des Fliegens in so
einem groen Ding, sondern man fhrt. Das Fliegen wird nicht mehr
durch das Gefhl, sondern durch technische Instrumente gemacht.

So ein Riesenflugzeug hat unheimlich viel Pferdekrfte. Die Zahl wei
ich nicht genau, aber es sind viele tausend. Je mehr, je besser. Es ist
nicht ausgeschlossen, da wir noch mal ganze Divisionen in so einem Ding
transportieren knnen. In ihrem Rumpf kann man spazierengehen. In der
einen Ecke ist ein unbeschreibliches Etwas, da haben die Gelehrten
einen Funkentelegraphen hineingebaut, mit dem man sich im Fluge mit der
Erde vllig verstndigen kann. In der anderen Ecke hngen die schnsten
Zervelatwrste, die berhmten Fliegerbomben, vor denen die unten solche
Angst haben. Aus jeder Ecke starrt der Lauf eines Gewehrs. Eine
fliegende Festung ist es. Die Tragflchen mit ihren Streben kommen einem
vor wie Sulenhallen. Ich kann mich fr diese Riesenkhne nicht
begeistern. Ich finde sie grlich, unsportlich, langweilig,
unbeweglich. Mir gefllt mehr ein Flugzeug wie #le petit rouge#. Mit
dem Ding ist es ganz egal, ob man auf dem Rcken fliegt, es senkrecht
auf den Kopf stellt oder sonst welche Zicken macht, man fliegt eben wie
ein Vogel, und doch ist es kein Schwingenfliegen wie der Vogel
Albatros, sondern das ganze Ding ist eben ein fliegender Motor. Ich
glaube, wir werden noch so weit kommen, da wir uns Fliegeranzge fr
zwei Mark fnfzig Pfennig kaufen knnen, in die man einfach
'reinkriecht. An einem Ende ist ein Motrchen und ein Propellerchen, die
Arme steckt man in die Tragflchen und die Beine in den Schwanz, dann
hopst man etwas, das ist der Start, und dann geht es gleich einem Vogel
durch die Lfte.

Du lachst gewi, lieber Leser, ich auch, aber ob unsere Kinder lachen
werden, ist noch nicht heraus. Man htte auch gelacht, wenn einer vor
fnfzig Jahren erzhlt htte, er wrde ber Berlin hinwegfliegen. Ich
sehe noch Zeppelin, wie er im Jahre 1910 zum ersten Male nach Berlin
kam, und jetzt guckt die Berliner Range kaum noch nach oben, wenn so ein
Ding durch die Luft braust.

Auer diesen Riesenflugzeugen und dem Ding fr Jagdflieger gibt es nun
noch eine unzhlige Menge von anderen in jeder Gre. Man ist noch lange
nicht am Ende der Erfindungen. Wer wei, was wir in einem Jahr verwenden
werden, um uns in den blauen ther zu bohren!



_Verlag Ullstein & Co, Berlin_


Die Abenteuer des Fliegers von Tsingtau

Meine Erlebnisse in drei Erdteilen von Kapitnleutnant Gunther Plschow

_550.-600. Tausend_

Aus dem Inhalt:

Der letzte Tag von Tsingtau / Beim Mandarin von Hai-Dschou / Als
Millionr nach Amerika -- als Schlossergeselle nach Europa / In Gibraltar
gefangen / In England hinter Mauern und Stacheldraht / Die Flucht aus
dem Gefangenenlager / Als Vagabund in London / Schwarze Nchte an der
Themse / Als blinder Passagier nach Holland / Wieder im Vaterland


Die Abenteuer des Ostseefliegers

von Leutnant zur See Erich Killinger

_301.-350. Tausend_

Aus dem Inhalt:

Abgeschossen / Fnf Stunden im Eiswasser / In der Peter-Pauls-Festung /
Sibirien! / Der Sprung aus dem Schnellzug / Sechs Wochen in der
mandschurischen Wste / Als Monsieur du Fais in Japan / Erster Klasse
nach Amerika / Als Vollmatrose nach Norwegen


Zeppeline ber England

von ***

_140.-170. Tausend_

Eine lebensvolle und von der ersten bis zur letzten Zeile aufs hchste
spannende Schilderung der Taten unserer Luftflotte. Wir sehen die
rastlose harte Arbeit auf der Werft und begleiten eines der neuen
Riesenfahrzeuge auf einer Abnahmefahrt. Donnernd und brausend stimmen
dann die Motoren ihr Lied an zur groen Fahrt in Feindesland, bers
Meer, nach London.


300000 Tonnen versenkt!

Meine #U#-Boots-Fahrten

von Kapitnleutnant Max Valentiner

_1.-100. Tausend_

Aus dem Inhalt:

Im Kampf mit #U#-Boots-Fallen / Im Schwarzen Meer / Was wir vor einem
Damenbad erlebten / Unser gefhrlichstes Abenteuer / Jagd auf hoher See
/ Im Schlepp nach Madeira / Ein Sonntagmorgen in Funchal / Mann ber
Bord / Im Netz


Die Fahrt der Deutschland

von Kapitn Paul Knig

_501.-550. Tausend_

In einer Sprache, in der noch die ganze Unmittelbarkeit des Erlebnisses
nachklingt, gibt Kapitn Paul Knig die Geschichte seiner fr alle
Zeiten denkwrdigen Fahrten. Vom Bau der Deutschland erzhlt er, von
der Ausreise, vom Kampf mit den Elementen, von der Verfolgung durch die
Feinde, von der Ankunft in Baltimore, von der glcklichen Heimkehr.


Als #U#-Boots-Kommandant gegen England

von Kapitnleutnant Freiherrn v.Forstner

_86.-95. Tausend_

Zum erstenmal berichtet hier ein deutscher Unterseeboots-Kommandant von
dem, was unserem schlimmsten Feind Angst und Schrecken einjagt, von den
Erfolgen im Handelskrieg gegen England. Im Nordatlantik, im Kanal, in
der Irischen See hat Kapitnleutnant von Forstner mit seiner Mannschaft
khne Beutezge unternommen.


Die Fahrten der Goeben im Mittelmeer

von Leutnant zur See Kraus

Ein Offizier der Goeben erzhlt die Taten seines Schiffes, den groen
Durchbruch bei Messina, die wilde Jagd durch das Ionische Meer, das
Entrinnen. Voll atemloser Spannung ist die Darstellung des Leutnants
Kraus und sieghaft heiter auch in den drohendsten Momenten dieser Fahrt,
die mit dem Aufsteigen des Roten Halbmonds an der Gaffel der Goeben
abschliet.


Die Fahrten der Breslau im Schwarzen Meer

von Oberleutnant zur See Dnitz

Ein Offizier der Breslau--Midilli hat dieses Werk verfat, das ihre
abenteuerlichen Kriegsfahrten durch das Schwarze Meer wiedergibt, nicht
als Darstellung eines Unbeteiligten, sondern als packendes Erlebnis. In
dichtester Folge drngen sich die Kriegsepisoden. Und auch der Ruhezeit
am Goldenen Horn, des farbenbunten Orientlebens gedenkt dieses
frhliche, temperamentvolle Buch von der Breslau.


Kreuzerfahrten und #U#-Bootstaten

von Otto von Gottberg

Mit Untersttzung der Flottenleitung hat Otto von Gottberg die packenden
Berichte niedergeschrieben, die hier in einem Ehrenbuch der deutschen
Kriegsmarine vereinigt sind. Er schildert die khnen Fahrten unserer
Kreuzer und #U#-Boote, die durch rollende Fluten dem Feinde
entgegenziehen.


_Jeder Band 1 Mark_

[Illustration: Ullstein & Co Berlin SW 68]



[Anmerkungen zur Transkription: Die nachfolgende Tabelle enthlt eine
Auflistung aller gegenber dem Originaltext vorgenommenen Korrekturen.

S. 070: [Punkt ergnzt] einen Gesinnungstchtigen zu finden.
S. 074: As junger Flugzeugfhrer -> Als
S. 081: da wir nach Rulang gingen -> Ruland
S. 092: [Zeichensetzung vereinheitlicht] mut du's machen. -> machen.
S. 097: [vereinheitlicht] etwa vierzig kennen gelernt -> kennengelernt
S. 152: [Punkt ergnzt] mein Lord verschwindet in der Tiefe.

Das Originalbuch ist in Frakturschrift gedruckt. Textauszeichnungen
wurden folgendermaen ersetzt:

Sperrung:       _gesperrter Text_
Antiquaschrift: #Antiquatext# ]



[Transcriber's Notes: The table below lists all corrections applied to
the original text.

p. 070: [added period] einen Gesinnungstchtigen zu finden.
p. 074: As junger Flugzeugfhrer -> Als
p. 081: da wir nach Rulang gingen -> Ruland
p. 092: [normalized punktuation] mut du's machen. -> machen.
p. 097: [normalized] etwa vierzig kennen gelernt -> kennengelernt
p. 152: [added period] mein Lord verschwindet in der Tiefe.

The original book is printed in Fraktur font. Marked-up text has been
replaced by:

Spaced-out: _spaced out text_
Antiqua:    #text in Antiqua font# ]





End of Project Gutenberg's Der rote Kampfflieger, by Manfred von Richthofen

*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DER ROTE KAMPFFLIEGER ***

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Section  2.  Information about the Mission of Project Gutenberg-tm

Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
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including obsolete, old, middle-aged and new computers.  It exists
because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from
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Volunteers and financial support to provide volunteers with the
assistance they need, is critical to reaching Project Gutenberg-tm's
goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
remain freely available for generations to come.  In 2001, the Project
Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations.
To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
and the Foundation web page at http://www.pglaf.org.


Section 3.  Information about the Project Gutenberg Literary Archive
Foundation

The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
Revenue Service.  The Foundation's EIN or federal tax identification
number is 64-6221541.  Its 501(c)(3) letter is posted at
http://pglaf.org/fundraising.  Contributions to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
permitted by U.S. federal laws and your state's laws.

The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S.
Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered
throughout numerous locations.  Its business office is located at
809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email
business@pglaf.org.  Email contact links and up to date contact
information can be found at the Foundation's web site and official
page at http://pglaf.org

For additional contact information:
     Dr. Gregory B. Newby
     Chief Executive and Director
     gbnewby@pglaf.org


Section 4.  Information about Donations to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation

Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
spread public support and donations to carry out its mission of
increasing the number of public domain and licensed works that can be
freely distributed in machine readable form accessible by the widest
array of equipment including outdated equipment.  Many small donations
($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
status with the IRS.

The Foundation is committed to complying with the laws regulating
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considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
with these requirements.  We do not solicit donations in locations
where we have not received written confirmation of compliance.  To
SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any
particular state visit http://pglaf.org

While we cannot and do not solicit contributions from states where we
have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
against accepting unsolicited donations from donors in such states who
approach us with offers to donate.

International donations are gratefully accepted, but we cannot make
any statements concerning tax treatment of donations received from
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with anyone.  For thirty years, he produced and distributed Project
Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support.


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editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S.
unless a copyright notice is included.  Thus, we do not necessarily
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