Project Gutenberg's Die unheilbringende Krone, by Ferdinand Raimund

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Title: Die unheilbringende Krone
       (oder Koenig ohne Reich, Held ohne Mut, Schoenheit ohne Jugend)

Author: Ferdinand Raimund

Posting Date: September 20, 2012 [EBook #7859]
Release Date: April, 2005
First Posted: May 26, 2003

Language: German

Character set encoding: ISO-8859-1

*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE UNHEILBRINGENDE KRONE ***




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Der Diamant des Geisterknigs, oder
Zauberposse mit Gesang in zwei Aufzgen

Ferdinand Raimund



Personen

Longimanus, Geisterknig.
Pamphilius, sein erster Kammerdiener.
Zephises, ein Magier, als Geist.
Eduard, sein Sohn.
Florian Waschblau, sein Diener.
Mariandel, Kchin.
Amine, eine Englnderin.
Kolibri, ein Genius.
Veritatius, Beherrscher der Insel der Wahrheit.
Modestina, seine Tochter.
Aladin, sein erster Hfling.
Erster und Zweiter Nachbar von Eduard.
Osillis.
Amazilli.
Bitta.
Lira.
Die Hoffnung.
Ein Herold.
Fee Aprikosa.
Fee Amarillis.
Erster und Zweiter Zauberer.
Koliphonius, Wchter des Zaubergartens.
Ein Feuergeist.
Die Stimme des singenden Baumes.
Erste und Zweite Drude.
Der Winter.
Der Sommer.
Der Herbst.
Der Frhling.
Ein Grieche.--Eine Griechin.

Feuergeister.  Luftgeister.  Genien.  Feen.
Inselbewohner.  Eduards Nachbarn.  Wache.




Erster Aufzug.
(Vorhalle im Palaste des Geisterknigs.)



Erste Szene.
Zauberer.  Feen.  Geister.  (Einige mit Bittschriften.) Ein
Feuergeist.


Chor.
Sollen wir noch lange harren?
Bald verlt uns die Geduld!
Sind wir Geister seine Narren?
Unverzeihlich ist die Schuld.


Fee Aprikosa.  Welche Beleidigung, Damen solange warten zu lassen,
als wren sie seine Domestiken!

Alle.  Das ist unerhrt!

Erster Zauberer.  Ich frage, wie kann man ein Geisterknig sein und
so lange schlafen?

Zweiter Zauberer.  Und ich frage, wie kann man vernnftig sein und
unvernnftig reden?  Geisterknig ist er; er mu fr uns alle
wachen, folglich mu er auch fr uns alle schlafen.

Erster Zauberer.  Seine Pflicht heischt aber, unsere Bitten zu
hren.

Fee Amarillis.  Und er kmmert sich gar nicht um uns; spart seine
Gunst nur fr die Menschen auf.

Erster Zauberer.  Er hat schon ungeheure Schtze der Luft entzogen
und sie der Erde zugewendet.

Zweiter Zauberer.  Sehen Sie, darum bauen sich die Leute jetzt so
viele Luftschlsser.  Wenn nicht das Sterben bei ihnen noch Mode
wre, so ging's dem Volk besser als uns.

Fee Aprikosa.  Was wollen Sie denn?  Er hat ja erst gestern einen
Menschen, den er auf der Erde kennen gelernt hat, unter die Geister
aufgenommen, weil ihn bei dem letzten Wetter der Blitz erschlagen
hat.

Erster Zauberer.  Ja, richtig; er heit Zephise, war Taschenspieler
und soll ein blitzdummer Kerl sein.

Zweiter Zauberer.  Sehr natrlich!  Dumm war er so schon, der Blitz
hat ihn auch getroffen, also ist er blitzdumm.

Fee Amarillis.  Der Zauberknig verschwendet zu viel.  Seine Reisen
auf die Erde kosten ihm enorme Summen.

Zweiter Zauberer.  Jawohl, ich bin ein einziges Mal auf die Erde
hinabgereiset, weil ich soviel von der schnen Gegend von Simmering
gehrt hab', und ich wei, was mich das gekostet hat.

Fee Aprikosa.  Und richtet er nicht das ganze Reich nach der Erde
ein?  Wir werden noch alle Moden von Paris und Wien heraufbekommen.

Fee Amarillis.  Ja, wenn nur in seinem Zauberreiche noch
Franzsisch gesprochen wrde, das wre doch nobel, aber seit er in
Wien war, spricht er wienerisch, und wir sollen es nachmachen.

Zweiter Zauberer.  Ich hab's schon nachgemacht.

Fee Amarillis.  Schmen Sie sich, wenn man das im Auslande erfhrt!
Das wird entsetzlich werden.

Erster Zauberer undr Fee Aprikosa.  Ja, unerhrt.

Zweiter Zauberer.  Ich wei, es kommt ein Krieg aus, blo wegen dem.
Aber wissen S', er denkt halt so, und so sollen manche denken,
besser schn lokal reden, als schlecht hochdeutsch.

Fee Aprikosa Kurz, die Menschen haben ihn ganz verdorben; er ist
nicht mehr zu kennen.

Erster Zauberer.  Er lt sie ja scharenweise zu sich heraufkommen
und gewhrt ihnen ihre Bitten.

Alle.  Wahr ist's!



Zweite Szene.
Vorige.  Ein Feuergeist.


Feuergeist (ganz rot gekleidet, rotes Gesicht und rote Hnde; er
hat die ganze Szene behorcht).  Potz Pech und Schwefel, das ist
zuviel!  Ich bin Feuergeist, Oberfeuerwerker und Kanonier des
Zauberknigs!  Wer kann sagen, da seit drei Jahren eine
menschliche Seele in seinen Palast gekommen ist?  Bin ich nicht auf
seine Kosten nach Neapel gereist, um den Vesuv aufzunehmen und
einen hnlichen ber seinen Palast zu bauen?  Ist das nicht
geschehen?  Blausure und Vitrioll!

Fee Aprikosa.  Und warum ist es geschehen?  Damit wir ihn nicht
sooft belstigen und mit unserm Wolkenwagen jetzt durch den Krater
fahren mssen, wie die Hexen durch den Rauchfang.

Feuergeist.  Nein!  Potz Pech und Schwefel!  Damit er von der
Menschheit, die sich durch verschiedene magische Knste in sein
Reich filoutiert hatte, um ihn mit Betteleien zu belstigen, Ruhe
bekomme.

Zweiter Zauberer.  Ja, ja, so ist der Kaffee.

Erster Zauberer.  Das mssen Sie Narren weismachen.

Feuergeist.  Aber, ins Geiers Namen, das tue ich ja; und wer's
nicht glauben will, den sollen alle kongreveschen Raketen--

Zweiter Zauberer (gleich einfallend).  Nun, nun, mein Herr
Feuergeist und Oberkanonier, moderieren Sie sich nur!  Sie znden
ja sonst den Palast an mit Ihren Raketen.

Alle.  Werft ihn hinaus!  Hinaus mit ihm!

Feuergeist.  Was?  Einen Feuergeist hinauswerfen?

Zweiter Zauberer.  Da haben wir schon andere hinausgeworfen.

Feuergeist.  Beim Brand von Moskau, das ist zuviel!  (Mit geballter
Faust) Wer mir in die Nhe kommt, dem werf' ich eine Leuchtkugel an
den Kopf, da ihm das bengalische Feuer aus den Augen spritzen soll.



Dritte Szene.
Pamphilius.  Vorige.


Pamphilius.  He, he!  was ist denn das!  Sie halten ja ein vlliges
Stiergefecht im Vorgemach des Zauberknigs!

Erster Zauberer (voll Freundlichkeit).  Ach, unser lieber
Pamphilius!

Alle Weiber.  Unser schner Pamphilius!  (Schmeicheln ihm.)

Zweiter Zauberer.  Gr' Sie der Himmel, Herr von Pamphilius!
(drngt die Weiber weg und umarmt ihr..)

Pamphilius.  Ich komme, Ihnen zu melden, da der Beherrscher seine
vierundzwanzigstndige Ruhe beendiget hat und sich alsobald mit
unglaublicher Schnelligkeit aus dem Bette begeben wird.

Erster Zauberer.  Ah, scharmant!

Beide Feen.  Der liebenswrdige Herr!

Zweiter Zauberer.  O, fidelibus!  fidelibus!

Feuergeist.  Jetzt reit mir die Geduld!  Herr Pamphilius, potz
Pech und Schwefel, ich bin ein treuer Diener des Zauberknigs, ich
kann nicht schweigen.

Pamphilius.  Was haben Sie denn fr einen Lrmen, Herr
Oberfeuerwerker?

Feuergeist.  I, potz Pech und Schwefel!--

Pamphilius.  Bleiben Sie mir nur mit Ihrem Pech vom Leibe, ich
picke schon am ganzen Krper.

Zweiter Zauberer.  Er mu glauben, wir sind Schuster.

Feuergeist.  Nun also, potz Schwefel und Phosphorus!

Pamphilius.  Den Schwefel kann ich auch nicht vertragen, ich habe
eine schwache Brust.

Feuergeist.  Nun, so hren Sie ohne Pech und Schwefel, da diese
ehrbare Versammlung ein schlechtes Gesindel ist, das ber den
Geisterfrsten schimpft und ihm vorwirft, da er alles den Menschen
anhngt.

Alle.  Das ist nicht wahr.

Feuergeist.  Was?  Ich schwr's bei allen Zndmaschinen von England.

Pamphilius.  Und ich bei allen Lschmaschinen von Frankreich, wenn
Er sein unsinniges Feuer nicht moderiert, la ich Ihn so
durchwssern, da Er an mich denken soll.  Hinaus mit Ihm!

Alle.  Hinaus mit Ihm!

Feuergeist.  Ich gehe!  Aber, bei dem griechischen Feuer des
Cardanus, das melde ich dem Zauberknig.  Potz Feuerzeug und
Zndbchsen!  Schwefelgeist und Salmiak!  (Geht ab.)



Vierte Szene.
Vorige ohne Feuergeist.


Pamphilius.  Reden Sie, einer nach dem andern.  Was hat's gegeben?

Erster Zauberer.  Gepriesener Pamphilius, Sie sind nun schon eine
lange Zeit in den Diensten des Geisterknigs.

Pamphilius.  Auf Martini sind's 2000 Jahr.

Erster Zauberer.  Haben Sie nicht selbst bemerkt, da er Menschen
mit Wohltaten berhuft, die sie mibrauchen und ihm mit Undank
lohnen, und uns versagt er so vieles?

Pamphilius.  Da haben Sie recht.

Zweiter Zauberer.  Ja, und wr's nicht besser, wenn er sich von uns
undankbar und schlecht behandeln liee als von andern?

Erster Zauberer.  Schweigen Sie.

Zweiter Zauberer.  Ich kann auch meine Meinung sagen; ich war auch
einmal ein starker Geist, jetzt bin ich ausgeraucht.

Fee Aprikosa.  An allem ist die Fee Diskantine schuld, ihre schne
Stimme hat ihn bezaubert.

Pamphilius.  Also das ist die einzige Klage gegen den Zauberknig?
Nun, da mu ich Ihnen schon aus dem Traum helfen.  Es ist wahr,
Diskantine hat durch ihren Gesang vieles fr die Menschen von ihm
erwirkt; da sie aber mit ihrer Protektion auf lauter Unwrdige
stie, so ist er darber so erzrnt, da er sie auf die Spitze
eines Berges verbannt und dort in einen Baum verwandelt hat.

Zweiter Zauberer.  Was Sie sagen!

Pamphilius.  Weil aber ihre herrliche Stimme ihn so oft entzckte,
so wollte er ihr dieselbe auch als Baum nicht entreien.

Erster Zauberer.  Also singt dieser Baum?

Pamphilius.  Alles vom Blatt.  Damit jedoch der Geisterfrst nicht
mehr so belstigt werde, hat er den Ausspruch getan, da von dem
Augenblicke an kein Sterblicher sich seinem Palaste nhern drfe,
ehe er nicht diesen Berg erstiegen und, ohne sich umzusehen, einen
Zweig von dem singenden Baume abgebrochen hat.

Fee Amarillis.  Und was ntzt dieser Zweig?

Pamphilius.  Er ist ein Talisman, der vor allen Gefahren schtzt
und sicher in das Reich des Zauberknigs geleitet.

Zweiter Zauberer.  Wollen Sie mir nicht sagen, mein Scharmantester,
wenn sich einer umschaut, was ihm geschieht?

Pamphilius.  Er wird sogleich, mein Stupidester, entweder in ein
Tier oder in eine Blume verwandelt; der bse Genius Koliphonius ist
dort angestellt mit 2000 Rubel jhrlich, damit er durch einen
listigen Hokuspokus die Leute zum Umschauen bringt.--Gelingt es ihm,
so sind sie in seiner Macht, und dann lt er sie auch nicht mehr
aus.  Er hat in der kurzen Zeit schon einen prchtigen Tiergarten
beisammen.  Und nun, was sagen Sie jetzt von dem Zauberknig?  Ist
er in Ihren Augen gerechtfertiget?

Alle.  Hoch lebe der Zauberknig!

Pamphilius.  Also folgen Sie mir, ich will Sie melden.

Chor.
Wie uns die Freude glhend belebt,
Wie sich die Hoffnung mchtig erhebt,
Schnelle Gewhrung wird unser Lohn,
Bringen die Bitten wir vor den Thron;
Jauchzet den Knig aus seiner Ruh,
Ewiges Vivat tne ihm zu

(Alle gehen ab.)



Fnfte Szene.
(Zauberkabinett.)


Longimanus liegt in einer idealen Bettsttte, reich verziert, in
welcher statt dem Bettgewande Wolken eingebettet sind.  Vier Genien
sind beschftigt, seine Kleider zu ordnen und ein Waschbecken
herzurichten, dann bleiben sie in horchender Gruppe stehen, sein
Erwachen abzuwarten.  Longimanus regt sich, die Genien entfliehen;
die Musik endet.

Longimanus (im Schlafrock mit goldenen Zaubercharakteren, wirft die
berdecke aus Wolken von sich, setzt sich im Bette auf und ghnt).
Ach ja!  Wieviel Uhr ist's denn schon?  (Sieht auf eine Stockuhr,
die neben seinem Bette auf einem goldenen Tische steht.) Siehst
du's!  Siehst du's!  Schon halb 11 Uhr!  Ich habe halt wieder
vergessen, da ich den Wecker aufgezogen, und der Pamphilius weckt
mich auch nicht auf.  (Lutet.) Pamphilius!  Wo steckt Er denn?



Sechste Szene.
Pamphilius.  Voriger.


Pamphilius (springt schnell herbei).  Was steht zu Befehl, Euer
Gromchtigkeit?

Longimanus.  Wo schliefst du denn herum?  Warum hast du mich nicht
aufgeweckt?  Und wer hat mir denn heute nacht aufgebettet?

Pamphilius.  Ich, mchtigster Sultan der Welt.

Longimanus.  Da du mir keine so feuchten Wolken mehr einbettest.
Ich will trocken liegen; ich glaub' gar, du hast Regenwolken
erwischt, weil ich heut nacht so in die Nassigkeit geraten bin.
Und was hr' ich denn fr einen Rumor drauen im Vorzimmer?  Ich
glaub' gar, du haltst dir junge Mus' oder was.

Pamphilius.  Allerhand Feen und verschiedene Zauberer sind drauen;
auch einige Hexen und anderes niederes Geisterg'sindel.

Longimanus.  Und was wollen s' denn schon wieder?

Pamphilius.  Ihre Bitten und Klagen zu deinen hochmchtigen Fen
niederlegen.

Longimanus.  Das kann nicht sein; ich bin noch zu sehr
vernegligiert.  Bring' Er mir nur die Bittschriften herein.
(Pamphilius geht ab.)



Siebente Szene.
Longimanus allein.


Longimanus.  Das Volk hat nichts als Streit miteinander!  ich kann
mich gar nicht retten.  Auf die Letzt werd' ich noch ein eigenes
Zeughaus errichten, wo nichts hineinkommt, als lauter Scheckel und
Haslinger.



Achte Szene.
Pamphilius mit Schriften.  Voriger.

(Pamphilius bergibt die Schriften.)


Longimanus.  Was hab' ich denn so Wichtiges jetzt sagen wollen?--Ja,
einen Sessel.

(Pamphilius bringt einen Stuhl.)

Longimanus (setzt sich).  Das werden wieder schne G'schichten sein
(liest).  Da haben wir's ja!  Nichts als schuldig sein s' einander.
"Die Fee Tritschitratschi hat dem Zauberer Rutschiputschi einen
Talisman geliehen, und er ihr ihn nicht zurckgestellt." Er soll
ihn zurckgeben.  Ich befiehl's.  Auf der Stell'!  (Nimmt eine
andere Schrift.) "Die zwlf Himmelszeichen haben untereinander eine
Rauferei gehabt.  Der Schtz hat dem Steinbock ein Aug'
ausgeschossen; dieser ist in die Wag' gesprungen und hat sie mitten
voneinander gerissen; die Zwillinge haben sich dareingemischt und
wren beinahe von dem Lwen zerrissen worden, wenn sie sich nicht
hinter die Jungfrau versteckt htten.  Alle sind beschdigt; der
einzige Krebs hat sich zurckgezogen.  Man bittet, sie reparieren
zu lassen." Das wird wieder was Schnes kosten!  (Nimmt die dritte
Schrift.) Was ist denn das?  Was wollen denn die schon wieder?
"Die zwei Vorsteherinnen der ehrsamen Drudenzunft bitten fr ihr
Gremium um Wiedereinsetzung ihres vorigen Amtes auf der Welt." Du
verdammte Bagage!  Die Druden wollen wieder auf die Welt hinunter!
Den Augenblick lat du mir s' hereinkommen.

(Pamphilius geht ab.)



Neunte Szene.

Longimanus (allein).  Das wr' eine schne Pastete, wenn die wieder
auf die Erde kmen, die Leut' seckiern!  Manchen Menschen drucken
schon seine Schulden genug; er braucht gar keine Drud'--(Von innen
wird geklopft.) Aha!  Nur herein!  Nur herein!



Zehnte Szene.
Voriger.  Pamphilius.  Zwei Druden,


grau gekleidet mit offenen Schleiern; das Haupt und die Brust
verhllt.  Das Kleid ist unten mit Zeichen des sogenannten
Drudenfues garniert; auch tragen sie einen Drudenfu als Medaillon
auf der Brust; das Gesicht mit alten Weiberlarven bedeckt; sie
strzen Longimanus zu Fen.

Die Druden.  Mchtiger Herrscher, erbarme dich!

Longimanus.  Schau', wie fein!  Grad' die subersten haben s'
ausg'sucht.  Womit kann ich dienen, meine schnen Damen?

Erste Drude.  Herr!  Es sind nun schon fnfzig Jahre, da du uns
von der Erde zurckberufen hast, und wir wissen nicht, wodurch wir
das verschuldet haben?

Longimanus.  Ja, meine lieben Frulein Drud', mir ist leid, aber es
kann nicht anders sein.

Erste Drude.  Hr' unser Flehen!  Gib uns wieder unsere Macht; die
Menschen sehnen sich nach uns.

Longimanus.  Ob du still bist oder nicht!--Was fllt euch ein?  Es
redt gar kein Mensch mehr von ihnen, denkt gar kein Mensch mehr an
sie, und jetzt wollen s' auf einmal wieder ihre vorige
Druckfreiheit haben.  Ich lass' die Menschen nicht mehr so
kujonieren.  Anno 1837 eine Drud'!  Die Leut' mten einen nur
auslachen.

Erste Drude.  Aber hat man uns denn nicht sogar durch eine Oper
verewigt; "Das Neusonntagskind"!

Longimanus.  Ah, was Oper!  was Neusonntagskind!  Die Leut' sind
oft die ganze Woche kindisch, nicht nur an einem Sonntag.  Es nutzt
nichts!  Ich hab' nichts gegen euch; ein jeder Stand verdient
Achtung, also auch eine Drud'.  Meine Mutter war selbst eine, und
ich bin doch Zauberfrst geworden.

Erste Drude.  Aber haben wir denn nicht stets unsere Schuldigkeit
getan?  Hier sind unsere Attestate von dem Genius der Trume.

Longimanus.  Ja, das ist wahr, ihr wart brave Druden, habt die
Leut' gedruckt, da es eine Schand' und ein Spott war.  Aber jetzt
ist's vorbei.  Ihr habt's eure Pension und da knnt's zufrieden
sein.  Und jetzt hinaus, auf der Stell'!

(Beide Druden kssen ihm weinend das Kleid und gehen ab.)



Elfte Szene.
Longimanus.  Pamphilius.


Longimanus.  Und jetzt ist's gar fr heute mit der Klagerei; ich
zrn' mich zuviel.  Die andern sollen bermorgen kommen oder aufs
Jahr.  La mir jetzt den Zephises herberkommen, den ich unter die
Geister aufgenommen habe.  Was macht er denn?

Pamphilius.  Er sitzt mit drei Feuergeistern bei einem Wolkentisch
und spielt Whist mit ihnen.

Longimanus.  Whist spielen s'?  Ist ein schnes Spiel, das Whist;
wenn nur nicht so viel ausg'macht wrde dabei.  Mich haben s'
einmal auf der Erde unten aus fnf Kaffeehusern hinausgeworfen,
weil ich gar so schlecht gespielt hab'.  Ja, damals war ich noch
ein rechter Wstling, aber jetzt freut's mich nicht mehr.  Na, so
la mir ihn nur herberkommen; wenn er auch ein paar Fisch'
verliert, wegen so ein paar Forellen wird's nicht aus sein, um
Goldfisch spielen s' doch nicht.  (Pamphilius geht ab.)



Zwlfte Szene.


Longimanus (allein).  Ich hab' ihn recht gern, den Zephises!  Wie
ich vor zwanzig Jahren auf der Erde herumgereist bin, so hab' ich
ihn in gypten kennen gelernt, wo er die Zauberei studiert hat, er
war just im dritten Jahr Magie.  Dann bin ich mit ihm nach
sterreich gereist, hab' ihm ein Haus und einen Garten gekauft und
sein Zauberkabinett eingerichtet.  Da ist ihm seine Frau gestorben--
war eine recht hbsche Frau--hernach hab' ich mich auch nicht mehr
lang aufgehalten, und weil er gar so lamentiert hat, hab' ich ihm
versprochen, wenn er stirbt, ihn unter die Geister aufzunehmen; und
jetzt hab' ich auf einmal g'hrt, da ihn der Blitz erschlagen hat;
da hab' ich ihn also durch meine Geister gleich heraufexpedieren
lassen.  Da kommt er schon!



Dreizehnte Szene.
Zephises.  Voriger.


Zephises (als Geist im weien Zaubertalar, mit schwarzen
Charakteren).  Frst der Lfte!  Wo soll ich Worte des Dankes
finden?

Longimanus.  Ist schon so gut!  Nur keine Komplimente unter guten
Freunden.  Mich freut's vom Herzen, alter Schwed'!  Hat er dich
einmal erwischt, der Tod, beim Zwiefachel?  Richtig, da auf der
Seiten hat er ihn g'streift, der Blitz; da schwefelt er ein wenig.
Wie g'fallt's dir denn bei mir heroben?  Haben wir nicht eine
frische Luft?

Zephises.  Herr, darf ich es dir gestehen, da selbst in dem
Wonnemeer von Herrlichkeiten, das mich in deinem Zauberreiche
umflieet, mein Vaterherz doch einen tiefen Schmerz empfindet, den
es dir nicht verhehlen kann?

Longimanus.  Aha!  (Fhrt mit der Hand an Zephisens Stirn vorbei.)
Hat ihn schon erwischt!  Zuckt schon!

Zephises.  Als du uns armen Sterblichen die Gnade deines Besuches
gewhrtest, hat deine Milde mich mit groen Schtzen beschenkt.

Longimanus.  Ja, richtig!  Hast du alle angebracht?

Zephises.  Nein, Herr!  Ich habe sie in meinem Kabinett verborgen
und dieses mit einem Zauber belegt, da kein Sterblicher es ffnen
kann, wenn ich ihm nicht die Mittel dazu anzeige.

Longimanus.  Nun, in meinem Reich brauchst keine Schtze, da lebt
man von der Luft, da es nur eine Freud' ist.

Zephises.  Hab' ich denn nicht einen Sohn, den ich hilflos
zurckgelassen habe?

Longimanus.  Du hast einen Sohn?

Zephises.  Erinnerst du dich nicht mehr des kleinen Eduards?

Longimanus.  Richtig!  Er hat ja zu meinen Fen gespielt und hat
mich immer in die Waden gezwickt, wie ich damals noch welche g'habt
hab'.

Zephises.  Ein schneller Tod hat mich der Erde entrissen, ich
konnte meinem Sohn kein Zeichen meines letzten Willens hinterlassen;
 darum erhre mein Flehen!  Sende ihm einen deiner Geister, lasse
ihm die Geheimnisse jenes Kabinettes enthllen, und erlaube dann,
da er sich selbst vor deinen Thron werfen und die Gewhrung einer
Bitte erflehen darf, die seinem Vater nicht mehr vergnnt war, an
dich zu wagen.

Longimanus.  Das kann nicht sein; zu mir darf er nicht herauf, wenn
er nicht einen Zweig mitbringt von meinem musikalischen Baum.  Ich
mcht' ihn recht gern einmal sehen, den kleinen Eduard;--aber ich
kann mein Wort nicht umstoen.

Zephises.  Mein Sohn wird keine Gefahr scheuen, sich dir zu nhern.

Longimanus.  Das geht mich nichts an.

Zephises.  Rette ihn nur vor Mangel und Verzweiflung.

Longimanus.  Siehst du's, jetzt wird dir bang'; aber so geht's
manchen Eltern, die Geld haben, lassen den Kindern nichts lernen.
Geschieht nachher ein Bissel ein Unfall, und ein solcher Mensch
soll sich selbst etwas verdienen, steht der Dalk da.  Da werden wir
gleich helfen.--Pamphilius!



Vierzehnte Szene.
Pamphilius.  Vorige.


Longimanus.  G'schwind zu dem sein' Sohn ein paar wohlttige
Geister hinunter, ich werd' ihnen schon sagen, was sie zu tun haben.

Pamphilius.  Ja, es ist nur fatal--

Longimanus.  Ich wei schon, freilich ist's fatal; sie sind jetzt
alle in der Arbeit, es ist keiner zu Hause, aber das ntzt nichts,
es mu einmal sein.  Schau halt, da du wo ein paar zusammenfangst.
Allez!

(Pamphilius geht.)

Zephises.  Herr, wie soll ich dir danken?

Longimanus.  Halt's Maul!  He, Pamphilius, noch eins!

(Pamphilius kehrt schnell um.)

Longimanus.  Den wievielten haben wir heut?

Pamphilius.  Den 27.  November.

Longimanus.  Warum nicht gar?  Du verdammte G'schicht!  Ich hab'
schon immer nachgedacht; November!  Und ihr habt ein Donnerwetter
g'habt?  Dich hat der Blitz erschlagen, statt da es schneien soll?

Pamphilius.  Ja, groer Sultan, das ist jetzt die allgemeine Klage
der Menschen, da es im Winter warm ist und im Sommer kalt.

Longimanus.  Ja.  fr was zahl' ich denn meine Jahrszeiten, wenn
sie mir so eine Konfusion machen?  Da mu ich ja mit dem polnischen
Donnerwetter dreinschlagen.  Pamphilius, geschwind la mir den
Winter heraufkommen.

(Pamphilius geht schnell ab.)

Longimanus.  Halt!  (Pamphilius kehrt schnell um.) Die andern
Jahrszeiten auch, g'schwind!

Pamphilius.  Na, heut lauf' ich mir noch die F' aus der Wurzel.
Verdammter Dienst!  (Luft schnell ab.)

Longimanus.  Hat ein recht ruhiges Brot bei mir, der Pamphilius; er
halt aber aus, wie ein Pferd.  Jetzt lauft er schon 2000 Jahr' und
hat noch gesunde Huf'; er kriegt keine Steingallen, nicht einmal
den Spat hat er noch g'habt.



Fnfzehnte Szene.
Die vier Jahreszeiten.  Vorige.

(Der hinter trgt einen schwarzen Pelz, Pudelmtze, einen kleinen
Stutzen [Muff], ganz beschneit.  Der Sommer im nankingenen Frack,
Beinkleid, einen modernen Strohhut mit Kornblumen darauf und ein
Parasol in der Hand.  Der Herbst, mit dicken Backen und wohlbeleibt,
hat eine grne Wirtsjacke, Frtuch, Kppchen mit Weinlaub besteckt,
unter dem Arme ein kleines Fchen, worauf Most steht, in der Hand
eine groe Traube.  Der Frhling, ein junges Grtnermdchen, mit
Rosen auf dem Hut und einem Rosenstock im Arme, treten furchtsam
ein.)


Longimanus.  Nur nher da, ihr vier Haimonskinder!  Was mu denn
ich hren?  Warum betragt ihr euch nicht, wie es sich fr
rechtschaffene Jahrszeiten schickt?  Was ist denn das fr ein
liederlicher Lebenswandel, Monsieur Winter?  Schmt Er sich nicht?
So ein eisgrauer Mann und fangt auf einmal an, hitzig zu werden!
Warum hat's eingeschlagen im November?  Ich will's wissen!

Winter (im Batone).  Euer G'streng', ich kann nichts dafr.  Der
Sommer tut mir alles mit Flei; er mcht' gern alles wissen, und da
blitzt er immer herber auf mich.

Longimanus.  Der Sommer soll sich gar nicht rhren; der ist seit
einigen Jahren wie ausgewechselt.  Ich glaub', er verlegt sich aufs
Trinken, weil er immer so na ist.

Herbst.  Eur' knigliche Durchlaucht, ich bitt' ums Wort!  Der
Sommer kann nichts dafr; der Winter lat ihm keine Ruh'.  Wann er
Eiszapfen brig hat, so schickt er ihm s' herber, da's im Sommer
schauert.  Nachher fangen sie zu disputieren an, der Sommer kommt
in Zorn, und so gibt's alle Tag ein Wetter.

Sommer.  Ja, das ist auch wahr; der Herbst ist noch mein einziger
Freund, er putzt mich wieder heraus!  Die Leute schimpfen ber mich,
und ich kann nichts dafr.

Longimanus.  Und jetzt basta!  Ich will haben, da ihr euch
vertragen sollt.  Auf die Letzt verderbt's mir da meinen Frhling
auch noch; das ist noch die bravste, das ist noch meine liebste
Jahrszeit, der Frhling!  (Kneift sie in die Wange und gibt ihr ein
Goldstck.) Da hast was auf ein Kipfel, du Tausendsasa, du!

Frhling.  Ich kss' die Hand, Euer G'streng'!  Ich werd' mich
schon gut auffhren.  (Kt ihm die Hand.)

Longimanus.  Und jetzt marschiert's!  Und wenn ich noch einmal eine
Klag' hr', so wei ich, was ich zu tun hab'; besonders der Sommer,
nehm' Er sich zusamm'.  Wenn aufs Jahr in Baden nicht alle
Quartiere verlassen sein, so schau' Er zu.  Und der Winter auch!
Da's heut noch schneit und morgen der Eissto geht.  Jetzt hinaus!

(Alle vier Jahreszeiten gehen ab.)

Longimanus.  Komm, mein lieber Zephises, jetzt werd' ich fr deinen
Sohn sorgen, ich werd' ihn glcklich machen.  Aber das sag' ich dir,
wenn du dich unterstehst, ihm einen heimlichen Wink oder Rat zu
geben, so hast du es mit mir zu tun.  Jetzt kannst mit mir ein
kleines Gabelfrhstck einnehmen; ich hab' ein bisserl ein
Eingemachtes von einem jungen Krokodil ang'schafft.

(Beide ab.)



Sechzehnte Szene.
(Geheimes Kabinett des Zephises.  Die Hinterwand, an der sich keine
Mbel befinden, ist mit magischen Zeichen und Figuren bemalt.  An
der Seite befindet sich ein Zaubertisch, worauf ein kleiner
Zauberer steht; neben ihm eine Glocke, auf welche er mit einem
Hammer schlgt.  Auf der entgegengesehen Seite eine Tre.)

Florian Waschblau kommt mit einer Butte auf dem Rcken, worin sich
verschiedene Kleidungsstcke befinden; stellt sie beim Eintreten
nieder.


Arie.
Ich bin der liebe Florian,
So heien mich die Leut',
Und wenn mich jemand brauchen kann,
Bin ich gleich bei der Schneid'.
Im Kopf hab' ich auf Ehr' nicht viel,
Noch weniger im Sack,
Nur da ich nichts als essen will,
Das ist mein' grte Plag'!
Ich g'hr' nur der Mariandl zu,
Auf d' Nacht sowie beim Tag,
Und wissen S', warum ich das tu'?
Weil mich sonst keine mag.
Und foppt mich einer, was er kann,
So fhl' ich keinen Neid;
Denn fangen d' Leut' zum Lachen an,
Das ist mein' grte Freud'!

Florian.  Ja, ja, mein lieber Florian!  Jetzt wirst du halt bald
fort mssen aus dem Hause, wo dir die Tage in einem ewigen Rausch
hing'schwunden sind.  Mein armer junger Herr, wie wird's denn dem
gehen?  Keinen Kreuzer hat uns der Alte unterlassen, als das
einschichtige Haus.  Wenn er nur wo was zu leihen kriegte; aber
nicht einmal einen Satz bers Haus kann er machen, es ist ja ganz
verrufen.  Wer wird denn ein Haus kaufen, wo die Hexen wie die
Schwalben aus und ein geflogen sind?  Ich wei nicht, was er
anfangen wird; um mich ist mir nicht bang', ich werd' mich schon wo
anlehnen lassen an eine Planken.  Wenn ich nur ihn unterzubringen
wt', auf einem Kontor bei einem Sauerkrutler oder wo.--Er ist in
der grten Verzweiflung!  Gestern hat er geweint, hat mir das
letzte Dreiguldenzettel gegeben, und hat g'sagt, ich mcht' davon
vier Gulden unter die Armen austeilen, und mit dem, was brig
bleibt, soll ich hingehen, wohin ich will.  Ich kann ihn aber nicht
verlassen, es ist unmglich!  Ich hab' erst unlngst eine Schne
G'schicht' gelesen von einem rmischen Lwen, der sein' Herrn, dem
Anton Trokles, so anhnglich war;--und wenn ein solches Tier so
handeln kann, so werd' ich's doch auch noch zuwege bringen.  Ich
hab' schon angefangen, ich hab' alle meine Kleider zusammengepackt,
hab' auch der Mariandel, unserer Kchin, ihren ganzen Kasten
ausgerumt, hab' von dem Milchweib da diese Butten zu leihen
genommen, damit nichts ausplanscht wird, hab' die Kleider recht
hineing'stampft; und weil in das Kabinett, was unserm alten Herrn
sein Zauberlaboratorium war, selten wer kommt, so habe ich den
Juden herbestellt, dem verkauf' ich's, und das Geld steck' ich
heimlich in mein' Herrn sein Brieftaschel.  (Sieht auf den kleinen
Zauberer.) Jetzt hat der Spitzbub' alles g'hrt.  Wirst du denn wem
was sagen davon?  (Der kleine Zauberer deutet nein mit dem Kopfe.)
Der sagt einem alles.  Wird meinem Herrn ein Unglck zustoen?
(Zauberer deutet nein.) Etwann mir?  (Zauberer deutet ja, Florian
drohend.) Du!  Sag' du mir, bin ich ein g'scheiter Kerl?  (Zauberer
deutet nein.) Ist schon richtig;--bin ich etwa dumm?  (Zauberer
deutet ja.) Alles wei er.  Wie viel dumme Streiche werd' ich denn
noch machen?  (Der Zauberer schlgt auf die Glocke: eins, zwei,
drei, dann recht schnell und oft hintereinander.) Hrst auf, du
verdammter Kerl!  (Hlt ihm die Hand.) Solang leb' ich gar nicht.



Siebzehnte Szene.
Mariandel (von innen).  Voriger.
(Mariandel klopft von auen.)


Florian.  Aha, das ist der Jud'!  (ffnet, Mariandel tritt ein.)
Nein, schaut's, ist a Jdin.

Mariandel.  Ach, ich unglckliche Person, was fang' ich an?  Da
steht er herin, statt da er im Haus acht gibt.  Ach, warum hat
mich der Himmel gestraft, da ich einen solchen Einfaltspinsel zum
Liebhaber hab'.

Florian.  Das wird doch eine schne Stichelei sein!

Mariandel.  Was stehst denn da?--Was stehst denn da, du miserabler
Mensch; und mir rumen s' derweil den ganzen Kasten aus.  Ich bin
bestohlen!

Florian.  Hr' auf!  Haben s' dir etwann deinen blen Humor
g'stohlen?

Mariandel.  Nein, meine Kleider, meine Wsch', meine reiche Haube!--
Ich bitt' dich, den Diebstahl,--die schne Wsch'!

Florian.  Nein, mein Schatz, das ist eine wilde Wsch'!

Mariandel.  Und meine guten Perl'.

Florian (fr sich).  So?  Die hab' ich auch erwischt?  Das hab' ich
nicht einmal gewut.

Mariandel.  Ich glaub' gar, du lachst noch?  Jetzt geh' ich gleich
zum gndigen Herrn und erzhl' ihm alles.  Dem Dieb mu nachgesetzt
werden (will ab).

Florian.  Halt, sag' ich.  Du bleibst da!  Ich kenn' den Dieb.

Mariandel.  Was?

Florian.  Er ist ein sehr guter Freund von mir.

Mariandel.  So?  Du schlechter Mensch!  Auf die Letzt bist du ein
Ruberhauptmann!  Ich geb' dich an, auf der Stell' (will fort).

Florian.  Da bleibst, sag' ich, oder--

Mariandel.  Das nutzt nichts--ich will meine Sachen haben.

Florian.  Das Sachen ist da.

Mariandel.  Wo?

Florian.  In der Butten.

Mariandel.  Ah, Spektakel!  Heraus gibst mir's!

Florian.  Nur Geduld!

Mariandel.  Da mir nichts zermudelt wird.

Florian.  Ist alles in der schnsten Ordnung!  (Er leert die Butten
aus, seine und ihre Kleider fallen in der grten Unordnung heraus;
ganz kalt.) Such' dir deine Sachen heraus.

Mariandel.  Aber Florian, was hast denn gemacht?  Bist du besessen?

Florian.  Still, Marianne!  Du wirst wissen, da unsere Herzen
verbunden sind?

Mariandel.  Ja, leider bin ich so unglcklich, deine Geliebte zu
sein!  Was war ich fr ein Dalk!  Was hab' ich fr Partien
ausgeschlagen!  Ich htte vor kurzem noch knnen so einen reichen
Ochsenhndler heiraten, wr' eine reiche Frau worden, die so viele
Ochsen g'habt htt', und an dir hab' ich nur einen einzigen.

Florian.  Wer's Wenige nicht ehrt, ist's Mehrere nicht wert.  Doch
nichts mehr ber diesen Gegenstand, er ist zu subtil, um ihn lange
zu besprechen.  Wir sind jetzt sieben Jahr' in diesem Haus; ich
hab' dir diese Sachen geschafft, folglich kann ich s' auch wieder
an mich reien; ich hab' sie wollen von hier wegschicken.

Mariandel.  Wohin?

Florian.  Nach Judenburg.  Kurz, ich hab' sie wollen an einen
polnischen Juden verkaufen, um unserm jungen Herrn fr den
Augenblick aus seiner Verlegenheit zu helfen.  Wir sind seine zwei
einzigen Dienstboten, wir mssen ihm einmal zugetan sein.

Mariandel.  Aber Florian, schau, was treibst?  Warum hast du denn
mir nichts gesagt, so htten wir Mittel gemacht.  Von der Pistolen
hast ihm auch den Hahn heruntergeschraubt; er hat mich g'fragt, wo
er hingekommen ist?

Florian.  Der Hahn?  Httest du gesagt, du hast ihn abgestochen,
weil du keine Hndel mehr g'habt hast.

Mariandel.  Na, jetzt bin ich schon wieder ruhig!  Pack' nur die
Kleider zusammen, der Herr kommt.



Achtzehnte Szene.


Eduard.  Vorige.

Eduard (verdrielich).  Was macht ihr hier?  Lat mich allein.

Mariandel.  Schau ihn nur an, wie er aussieht.

Florian.  Was er vorn fr eine Blsse hat.  Gndiger Herr, schaffen
Sie vielleicht einen Melissengeist oder ein darniederschlagendes
Pulver?

Eduard.  Ich danke euch; geht nur.

Florian.  Der arme Mann!  Gndiger Herr, wenn Sie sollten in
Ohnmacht liegen, drfen Sie nur luten, wir werden gleich da sein.

Eduard.  Willst du mich bse machen?  (Fat sich.) Geh, Florian!

Florian.  Florian hat er g'sagt, hast das g'hrt?  Das ist ein
Unglck.

Mariandel.  Nun, wie soll er denn zu dir sagen, wenn du so heit,
etwa Annamiedel?  So geh' nur einmal!

Florian.  Mariandel, mit dem ist's zu, der lebt uns keine hundert
Jahr' mehr.  (Beide ab.).



Neunzehnte Szene.


Eduard (allein).  Nun bin ich allein, im wahren Sinne des Wortes;
denn meines Vaters Tod hat mein ganzes Glck vernichtet.  Welche
Wunder umgeben mich seit meiner Kindheit!  Sein Krper ist durch
bernatrliche Mchte pltzlich vor unsern Augen verschwunden.  Er
hat mir oft versprochen, nach seinem Tode groe Reichtmer zu
hinterlassen; doch im ganzen Hause findet sich keine Spur eines
Vermchtnisses.  Was soll ich beginnen?  Ich finde auch keine Hilfe
bei Freunden.  Als den Sohn eines berchtigten Zauberers flieht
mich jedermann, was soll aus mir werden?  Entsetzliche Lage!
Verzweiflungsvolles Los!  (Wirft sich in einen Stuhl.  Es wird von
unten geklopft.) Wer klopft?  Herein!



Zwanzigste Szene
Die Hoffnung, auf einen goldenen Anker gesttzt, kommt aus der Erde.


Hoffnung (ist ideal gekleidet, spricht sehr lebhaft und munter).
Sie pardonieren, mein Herr, da ich die rechte Tr verfehlte; doch
ein Frauenzimmer, die so viele Geschfte hat, wie ich, nimmt das
nicht so genau.  Nun, so heien Sie mich doch willkommen!  Sie sind
ja ganz verblfft?

Eduard.  Welch eine angenehme Erscheinung!  Mir wird so wohl in
Ihrer Nhe.

Hoffnung.  Wie?  Kennen Sie mich nicht, junger Herr?

Eduard.  Ich habe wirklich nicht die Ehre--

Hoffnung.  O pfui!  Sagen Sie das nicht!  Eine Person nicht zu
kennen, die in allen Kalendern und Taschenbchern schon bis zum
berdrusse abgebildet ist.  Kennen Sie mich wirklich nicht?  Ich
habe Sie als Kind auf meinen Armen getragen, als Knabe Ihre
Schmerzen verst, wenn Sie die Rute bekommen sollten; als Jngling
Ihnen die Leiter gehalten, wie Sie zu Ihrem Liebchen auf die
Terrasse gestiegen sind--

Eduard.  Ah, Sie sind--

Hoffnung.  Die Hoffnung, untertnigst aufzuwarten, nicht nur die
Ihrige, sondern die der ganzen Welt.

Eduard.  O, so la mich zu deinen Fen strzen, Tochter des
Himmels.

Hoffnung.  Langsam, mein Herr, nicht so rasch!  Sieh, sieh, wie
exaltiert.  Hat Sie meine Feindin, die Furcht, schon verlassen,
weil Sie so schnell wieder zu meiner Fahne schwren?  Wissen Sie
vielmehr, da das sehr unartig ist, eine Dame vor sich stehen zu
lassen, ohne ihr einen Sitz anzubieten!  Oder glauben Sie, weil
sich so viele Leute auf mich sttzen, da ich keiner Sttze
bedrfe?  Nein, mein Herr, einen Sitz.

(Eduard reicht ihr einen Sessel.)

Hoffnung.  So!  Nun stellen Sie sich in die erste Position vor mich
und hren Sie, was ich Ihnen zu sagen habe.

Eduard.  Ich hin ganz Ohr.

Hoffnung (hustet).  Monsieur!  Ich habe Ihnen ein sehr artiges
Kompliment von meiner Schwester auszurichten.  Was glauben Sie wohl,
wer sie sei?  (Eduard zuckt die Achseln.) Das Glck.

Eduard.  Das Glck?  Welch einen schnen Namen lassen Sie in meinen
Ohren ertnen!

Hoffnung.  Das knnte mich eiferschtig machen.  (Mit einem Seufzer.)
Doch ich bin es gewohnt, von ihr verdrngt zu werden.  Sie hat
versprochen, Sie in Protektion zu nehmen.  Ich knnte Ihnen zwar
sagen, da sie eine leichtfertige Person ist, die sich sehr stark
schminkt und nur von ferne schn ist; doch, Sie werden mir nicht
zumuten, da ich imstande wre, meine Schwester zu verkleinern.--
Jetzt zu meinem Auftrag!  Meine Schwester lt Ihnen sagen, Sie
mchten sans faon in jener Ecke des Zimmers den Boden ffnen,
einen goldenen Schlssel herausnehmen und damit diese Wand
aufschlieen; das brige wird Ihnen wie gebratene Tauben von selbst
in den Mund fliegen.  Ich aber habe die Ehre, mich als Ihre
ergebene Dienerin zu empfehlen.

Eduard.  Wie?  Sie knnten mich verlassen?--

Hoffnung.  Ihr Glck beginnt--meine Rolle ist ausgespielt.  Hten
Sie sich, da Sie mich nicht bald wieder rufen; oder glauben Sie,
ich habe nichts zu tun, als mit Ihnen die Zeit zu verschwtzen?  In
diesem Augenblicke bin ich zu Millionen bestellt, die nach mir
schmachten.  Advokaten, die ihre Prozesse gewinnen wollen; arme
Gefangene, die auf Erlsung hoffen; Sterbende sogar, die mich in
der letzten Minute noch zu sprechen wnschen; des Heeres der
Verliebten gar nicht zu gedenken, welches mich durch namenlose
Anforderungen fast zu Tode martert.  Darum adieu!  Nun kssen Sie
mir die Hand, Sie liebenswrdiger, junger Mann!  Adieu, Sie Loser!
Vergessen Sie nicht wieder ein Frauenzimmer, welches die Plage auf
sich hat, Sie durch Ihr ganzes Leben begleiten zu mssen.  (Macht
ihm einen Knix und geht durch die Tre ab.)



Einundzwanzigste Szene.


Eduard (allein).  Sonderbare Erscheinung!  Soll ich ihr Glauben
schenken?  Sie ist ein Frauenzimmer !  Nun, wr' ich der einzige
Mensch in dieser Welt, der sein Glck einem Frauenzimmer zu
verdanken htte?  La sehen, schne Hoffnung, wir wollen dich auf
die Probe setzen, ob deine launigen Versprechungen weniger tuschen,
als die heroischen Liebesschwre unserer heutigen Mdchen.  Dort
ist der Fleck.  (ffnet ein kleines Trchen im Boden.) Wahrhaftig!
Bald htt' ich meinem smaragdenen Engel unrecht getan.  Hier ist
der Schlssel.  Vivat, Eduard!  Schnell ans Werk!  (ffnet die Wand,
welche in die Hhe schwebt und einen Rahmen zurcklt, durch
welchen man in eine dunkelblaue, mit Gold verzierte runde Halle
sieht, in der auf jeder Seite drei weie mythologische Figuren
unbeweglich stehen.  Auf den sechs Piedestalen stehen die Worte:
Dukaten, Louisdor, Taler, Sovereigndor, Perlen, Granaten.  Mitten
aber steht ein leeres rosenrotes Piedestal, welches den halben
Kreis schliet, worauf kein Wort steht, aber eine Pergamentrolle
liegt.--Die ganze Gruppe ist hell beleuchtet.) Bin ich in einem
Feenpalaste?  Sind diese Schtze mein?  Ist es ein Traum?  (ffnet
eine von den Trchen der Piedestale, man sieht Gold aufgehuft.) O
nein!  Goldene Wirklichkeit!  Was bedeutet diese Pergamentrolle?
(entfaltet sie und liest.) "Teurer Sohn!  Die Schtze, welche Du in
diesem geheimnisvollen Gewlbe entdecktest, waren mein Eigentum,
sind nun das deinige.  Die sechs Statuen sind von hohem Werte; ich
habe sie in einer huldvollen Stunde durch die Gnade des
Geisterknigs zum Geschenk erhalten.  Mache einen weisen Gebrauch
davon.  Doch, sollte bei dem glcklichen berflu an Wnschen, zu
denen Dich Deine Jugend befeuert, auch der in Deiner Brust
aufsteigen, da Du die siebente Statue besitzen mchtest, welche
von rosenroten Diamanten und der grte Schatz ist, den Du auf
Erden besitzen kannst, so wende Dich bittend an den Zauberknig.
Du wirst in meinen magischen Werken, die ich Dir hinterlie, die
genaueste Anleitung finden, auf welchem Wege Du zu den Stufen
seines Thrones gelangen kannst." (Legt die Schrift wieder hin.)
Welch eine Reihe von Wundern drngt sich an meinen erstaunten
Sinnen vorber!  (Tritt heraus, die Wand schlie sich.) Ist es
Wahrheit?  Diese pltzliche Vernderung meiner Glcksumstnde!  Ich
war ein Bettler, jetzt bin ich ein Krsus!--Doch, was ist das fr
eine siebente Statue von rosenrotem Diamant?  Welch ein dunkles
Verlangen beherrscht mich, auch sie zu besitzen!  Ach, warum kann
ich nicht in dieser Minute zu des Geisterknigs Fen sinken!  Gb'
es denn keinen wohlttigen Genius, der mich augenblicklich in seine
Nhe bringen knnte?  (Die Figur des kleinen Zauberers auf dem
Tische verwandelt sich in den kleinen Genius Kolibri.)

Kolibri (kann vor Trnen kaum reden).  Ich!

Eduard.  Welch ein holder Knabe!  Wie heiest du, lieber Knabe?

Kolibri (immer weinerlich und verdrielich).  Ich bin der kleine
Kolibri.

Eduard.  Und was bist du denn?

Kolibri (verdrielich).  Ein Genius.  Siehst du denn das nicht?

Eduard.  Aber warum weinst du denn?

Kolibri.  Weil mich meine Mutter erst geschlagen hat.

Eduard.  Warum?

Kolibri.  Damit ich dir helfen soll.

Eduard.  Und willst du mir denn nicht helfen?

Kolibri.  I ja!--Aber ich habe gerade mit den andern Genien um
goldene pfel gespielt, und da hat mir meine Mutter geschafft, ich
mcht' es stehen lassen und zu dir herabgehen, weil der Zauberfrst
es befohlen htte; und weil ich nicht gleich ging, so hat sie mich
geschlagen (weint).

Eduard.  Du armes Kind!  Wer ist denn deine Mutter?

Kolibri.  Eine Fee, die von ihren eigenen Mitteln lebt.

Eduard.  Nun, sei nur ruhig!  Sieh, wenn du mir hilfst, so
verspreche ich dir nicht nur einen, sondern viele hundert goldene
pfel.

Kolibri (pltzlich freudig).  Ist das wahr?  Ach, das ist schn.
(Springt vor Freuden.) Jetzt gib acht, wie ich mich ansetzen werde.

Eduard.  Sage mir, auf welche Weise kannst du mir denn helfen?

Kolibri.  Ich werde dir die Mittel zeigen, durch welche du zum
Geisterknig gelangst.  Du mut vorher einen hohen Berg ersteigen,
und das weitere werde ich dir schon noch heimlich stecken.  Du hast
viele Gefahren zu bestehen; wir machen eine Luftreise.  Wirst du
auch standhaft bleiben?

Eduard.  Gefahren sthlen den Mut!  Mein Verlangen nach dem
Zauberschatze wird immer glhender.  Komm und geleite mich.

Kolibri.  O, das geht nicht so geschwind, es ist gar ein weiter Weg;
ich mu mich erst um eine Landkutsche umsehen.  Du darfst dich
nicht frchten, da ich dich umwerfe; ich bin ein guter Postillon
und blasen will ich, da dir die Ohren zerspringen werden.

Eduard.  Nun gut, ich will mich reisefertig machen.

Kolibri.  Du kannst dir auch einen Bedienten mitnehmen, denn du
scheinst mir ein sehr kommoder Herr zu sein.  Also, es bleibt
dabei?  Leb' wohl!  In einer Viertelstunde komm' ich wieder zurck;
und wegen der pfel:--Ein Mann, ein Wort!

(Eduard reicht ihm die Hand hin.)
(Kolibri schlgt ein und geht gravittisch ab.)

Eduard (allein).  Bravissimo!  Das geht ja prchtig!  Schlag auf
Schlag!  Mein Glck fngt an mutwillig zu werden, und soviel ich
merke, so habe ich's mit lauter dienstfertigen Geistern zu tun; da
mu ja mein Frohsinn erwachen.



Zweiundzwanzigste Szene.
Mariandel.  Florian kommt mit einem Trupp Nachbarsleute herein.
Voriger.


Chor.
Kommt herein!  Kommt herein!
Werden schon willkommen sein.
Feinde schleichen sich herein,
Freunde treten rstig ein.

Florian.  Gndiger!  Da haben Sie s', losg'lassen hab' ich s'.
Jetzt reden S' mit ihnen.

Eduard.  Was treibst du denn, da du mir diesen Trupp Menschen ins
Zimmer bringst?

Mariandel.  Ja, ich bitt', Euer Gnaden, er wird nrrisch.  Die
Leute!  (Zu Florian.) Ich brcht' noch mehr, wenn ich wie du wre!

Florian.  Ja, woher nehmen und nicht stehlen?  Ich hab' die berall
zusammeng'sucht und hab' s' hergetrieben.

Eduard (zornig).  Was wollen sie denn aber hier?  Dummrian!

Florian (zum Nachbar).  So red' der Herr!

Ein Nachbar.  Gndiger Herr, der Florian hat uns zusammengerufen
und hat uns Ihre Verlegenheit erzhlt.  Sie waren gegen uns immer
ein guter Herr, der uns manchmal ein Glas Wein gezahlt hat; wenn's
auch mit dem alten Herrn nicht richtig zugegangen ist, das macht
nichts.  Wenn wir Ihnen helfen knnen und knnen Ihnen einen Dienst
erweisen, so schaffen S' mit uns.  Wir sind ja Ihre Nachbarn, wer
wei, wer unsern Kindern einmal was tut.

Alle.  Ja!  ja!  Schaffen S' nur, gndiger Herr!

Eduard.  Ihr guten Leute, nehmt meinen herzlichen Dank!  Ich kann
zwar keinen Gebrauch von euren freundschaftlichen Gesinnungen
machen, doch ich werde sie dankbar in mein Herz schreiben.  Es hat
sich ein Vermchtnis meines Vaters vorgefunden, das mich bestimmt,
noch heute eine groe Reise anzutreten, und wenn ich glcklich
zurckkehre, will ich den ersten Abend meiner Ankunft in eurem
frhlichen Zirkel hinbringen.

Alle Nachbarn.  Vivat!  Unser Nachbar soll leben!

Ein Nachbar.  So nehmen Euer Gnaden denn nichts fr ungut; und
nachher hab' ich noch eine Bitt': Werfen S' auf den Florian da auch
keine Ungnad'!  Er meint's nicht bs' und er ist gar ein gutes
Schaf!

Florian.  O.  du gemeiner Kerl!

Ein Nachbar.  Und jetzt reisen S' recht glcklich und kommen S'
gesund wieder zurck.

Alle.  Glckliche Reise!  (Gehen mit Bcklingen ab.)



Dreiundzwanzigste Szene.
Eduard.  Florian.  Mariandel.


Eduard.  Florian!  Du hast meinen Entschlu gehrt, mache dich
reisefertig, du wirst mich begleiten.  Der Mariandel bergebe ich
die Schlssel meines Hauses; ich kann mich auf deine Treue
verlassen.

Florian.  Besser als ich!

Mariandel.  Also Euer Gnaden wollen wirklich fort?  Und der Florian
geht auch mit?

Florian.  Ja, der Florian geht auch mit, und die Florianin bleibt
da.

Eduard.  Nur mu ich dich benachrichtigen, da unsere Reise durch
die Luft geht.

Florian.  Fr mich just recht; ich bin ohnedem ein lftiges
Brschel.

Eduard.  Also nehmt euren zrtlichen Abschied, und dann Mut,
Florian!  In einer Viertelstunde geht es den Sternen zu!  (Geht ab.)



Vierundzwanzigste Szene.
Mariandel.  Florian.


Mariandel.  O Spektakel!  Also ist unser Herr auch mit den Geistern
im Bunde?  Und du willst wirklich mit ihm in die Luft fahren?  Wie
lang bleibt ihr denn aus alle zwei?

Florian.  Einige Vierteljahr'.

Mariandel.  So lange?  Wenn ihr aber herunterfallt?

Florian.  Dann sind wir eher da.

Mariandel.  Nein, die Angst steh' ich nicht aus; ich spring' ins
Wasser.

Florian.  Willst du mich zur Witwe machen?

Mariandel.  Du unempfindlicher Mensch!  Ist dir gar nicht leid um
mich?

Florian.  Schau', Mariandel, ich hab' dich g'wi recht gern, du
bist mein drittes Leben; aber wenn's mein' Herrn gilt, so verkauf'
ich alle Mariandeln, wie s' sein, um zwei Groschen.

Mariandel.  Ich seh's schon, ich mu nachgeben.  Geh nur auf deine
Luftreise, aber gib wenigstens acht auf dich, da du mir nicht etwa
wo in ein Luftloch fllst und brichst dir einen Arm oder ein Paar
F'.

Florian.  Gibst du mir kein Andenken mit?

Mariandel.  Ja, was denn?

Florian.  Einen Zehnguldenzettel.

Mariandel.  Du hast ja mein Herz.

Florian.  B'ht' dich Gott und denk' an mich, wannst Zeit hast

Duett.

Florian.
 Mariandel, Zuckerkandel
Meines Herzens, bleib' gesund.

Mariandel.
 Floriani, um dich wan' i,
Wenn du fort bist, jede Stund'.

Florian.
 Selbst mein Leben will ich geben,
Wenn ich tot bin, fr dich hin.


Beide.
 Florian.  Selbst mein Leben will ich geben,
Wenn ich tot bin, fr dich hin.
 Mariandel.  Selbst sein Leben will er geben,
Wenn er tot ist, fr mich hin.


Mariandel.
 Wirst du, mein Florl, treu mir bleiben,
Weil dich mein Herz auch nie vergit?

Florian.
 Ich werd' mit nchster Post dir schreiben,
Da du mein Herzensbinkerl bist.

Mariandel.
 Ich mache dich zum einz'gen Erben,
Wenn dich mein Auge nimmer sieht.

Florian.
 Wann du vielleicht derweil willst sterben,
So gib mir lieber all's gleich mit.

Mariandel.
 Erst wann ich kann ans Herz dich drcken,
Dann strahlt mein Auge hell und klar.

Florian.
 Da wirst du g'wi nichts Neu's erblicken,
Denn ich bleib' stets der alte Narr.


Mariandel.
 Ah, das wird ja prchtig,
Da spring' ich hochmchtig,
Vor Freuden in d' Hh',
Als wie ein jung's Reh!

Florian.
 Dann gehst du zum Sperl,
Mit dein' lieben Kerl,
O jegerl, o je!
Das wird ein' Gaudee.

Beide.
Dort zechen wir beide beim frhlichen Schmaus,

Florian.
 Und wenn ich ein' Rausch krieg', so fhrst mich nach Haus.

Mariandel.
 Und wenn du ein' Rausch kriegst, so fhr' ich dich nach Haus'.

Florian.
 O Wonne, o Wonne!  sie fhrt mich nach Haus'.

Mariandel.
 O Wonne, o Wonne!  da fhr' ich ihn z' Haus'.

(Beide ab.)



Fnfundzwanzigste Szene.
(Kurze Gegend mit Schnee bedeckt vor Eduards Hause.  Man hrt eine
Musik mit Posthornbegleitung, die das Anfahren eines Postwagens
ausdrckt.)


Kolibri (als Postillion gekleidet, kommt in einer Postkalesche, mit
zwei russischen Fchsen bespannt, gefahren.  Er blst sein Posthorn,
steigt ab, schnalzt mit der Peitsche und stampft mit dem Fue vor
dem Haustor.) Mordkreuztausend Bataillon!  Die Schnellfuhr' ist da,
aufgemacht!  (Klopft an der Haustr.)

Eduard (kommt aus dem Hause in einem grnen Oberrocke, mit Pelz
ausgeschlagen).  Ah, mein kleiner Fuhrmann, schon hier?  Brav!  Das
hei' ich Wort halten!

Kolibri.  Ja, bei uns geht alles auf der Post.  Es ist ja spt,
sonst fahren wir in die Nacht hinein.

Eduard (ruft).  Florian, tummle dich!



Sechsundzwanzigste Szene.
Florian (reisefertig, einen Livreefrack und einen warmen Spenser
darber.  Fustlinge, eine Reisemtze, er trgt mehrere Schachteln,
zwei Parapluies, einen Stiefelknecht und eine Kaffeemaschine in den
Armen).  Alles in der Ordnung!


Eduard (lacht).  Du heilloser Kerl!  Was hast du dir alles
aufgeladen?  Wirst du's gleich zurcklassen?  Du siehst ja aus wie
ein Packesel!

Florian.  Ich mu ja doch das Notwendigste mitnehmen.

Kolibri.  Gleich la es zurck!  Bist du nicht allein schwer genug
mit deinem Krbiskopf?

Florian.  Wegen meiner!  (Wirft die Sachen ins Haus.) Das wird eine
schne Reis' werden, nicht einmal einen Koffer; und der Postknecht!
Sein Posthrndel ist grer als er; den verlieren wir unterwegs.



Siebenundzwanzigste Szene.
Mariandel (kommt aus dem Hause, hat eine runde Schachtel, worin ein
Gugelhupf ist, und einen groen Wschekorb).  Um des Himmels willen,
Euer Gnaden werden doch nicht so fortfahren?  Nehmen Euer Gnaden
doch ein bisserl Wsch' mit; es ist alles aufg'schrieben: zwlf
Hemden, acht Paar Strmpfe, zwanzig Halstcheln, zwei Dutzend
Halskrgen--


Kolibri.  Mordbataillon!  Das knnen wir nicht brauchen!  Einsitzen!
Die Pferd' wollen nicht mehr stehn.

Mariandel (kt Eduard die Hand).  So wnsch' ich Euer Gnaden halt
eine glckliche Reise!  Ich werd' schon das Haus hten.

Eduard.  Steig ein, Bursche!

Florian.  Mariandel, bleib g'sund!

Mariandel.  Florian, mach' dich gut zusammen, da du mir keinen
Eselshusten kriegst.  Da hast ein altes Pelzpalatin'l von mir (sie
gibt ihm's um).  Und in der Schachtel da ist ein Gugelhupf; aber
bei dir keinen Zahn aus.  (Sie stellt ihn neben sich.) Und jetzt
leb' wohl, lieber Florian!  Vielleicht seh' ich dich nimmermehr.

Florian.  O Mariandel, mir druckt's mein Herz ab (weint).

Mariandel.  Nicht wahr, du wirst mich nicht vergessen?

Florian (weinend).  Nein!  Wo ist denn der Gugelhupf?

Mariandel.  Florian!

Florian (weint stark).  Den Gugelhupf!

Mariandel.  Knntest du in mein Herz sehen!

Florian.  Sein Weinberl drin?

Mariandel.  Nu, da hast ihn, du Vielfra!  (Gibt ihm die Schachtel.)

Kolibri (stampft).  Jetzt weiter, ins Teixels Namen!  (Haut Florian
mit der Peitsche unter die Fe und treibt ihn so auf den Lffel.
Alle sitzen auf, und unter dem Ausrufe: Florian leb' wohl.
Mariandel, denk' an mich!  fahren sie unter Posthornschall ab.)



Achtundzwanzigste Szene.
Mariandel (allein).  Jetzt sind sie fort, und mich arme Kchin
lassen s' allein in der Brisil.  Wenn nur mein Florian nicht krank
wird, er ist gar so schwchlich; ich hab' ihm mit Flei seine Brust
recht eingemacht, weil s' so zart ist.  Er hat das Frhjahr ohnedem
eine Kur gebraucht, hat Molken getrunken und Plutzerbirn' dazu
gegessen, half aber nicht viel.  Wann er aber glcklich zurckkommt,
so will ich eine Mahlzeit kochen, die sich sehen lassen soll.


Arie.
Die Ehre ist frwahr nicht klein,
Recht eine gute Kchin z' sein;
Doch wann die Lieb' im Kpfchen schnalzt,
G'schieht's, da die Suppe sie versalzt.
Wenn hbsche Herren bei uns speisen,
Mu unser Herr die Zimmer weisen,
Doch oft, mit ganz zerstreutem Sinn,
Stehn s' mitten in der Kuchel drin.

Da sagen s' gleich: "Schne Mariandel,
O gib mir doch dein liebes Handel!"
Doch ich, ich dreh' mich nicht herum,
Und rhre meine Zuspeis' um.

Will einer Liebe mir beweisen,
Und Ksse von den Lippen speisen:
Bei dem wird meine Treue kund,
Dem wisch' ganz hflich ich den Mund.

(Geht ab.)



Neunundzwanzigste Szene.
(Tiefe Gegend mit einem hohen Berg, auf welchen sich ein breiter
Weg hinaufwindet, so, da er drei Etagen bildet.  Oben am Ende des
dritten Weges ein Portal, mit der transparenten Ausschrift:
Zaubergarten.  Weiter entfernt sieht man im Perspektiv den Vesuv
des Zauberknigs rauchen.  An den Kulissen sind lauter
hervorragende Hgel angebracht, an diesen sowohl als am Berge
wachsen viele farbige Blumen, in Gestalt der Sonnenwende; statt dem
mittlern Kopf aber sind kleine Menschengesichter gemalt.  Bei
Verwandlung der Bhne ist das Theater rckwrts mit mehreren Tieren
besetzt; ein indianischer Hahn, mehrere Affen, ein Br, ein
Fleischhauerhund, welche alle auf den Gesang des Baumes horchen.
Der Baum singt eine beliebige Polonaise gleich bei der Verwandlung.)


Koliphonius (tritt auf mit einer Giekanne und einem Korb mit
Frchten.  Wie er hereinkommt, schweigt der Baum.  Er hat ein
weites Kleid mit roten Flammen garniert, und eine Schlangenkrone
auf dem Haupte).  Nun, vierfiges Gesindel!  Wie steht's?  (Die
Tiere versammeln sich um ihn.) Jetzt mu ich meine Verwunschenen
fttern!  Ein schnes Institut!  Toren, warum habt ihr so
bewegliche Kpfe gehabt, die zum Umschauen gemacht waren?  Der
Koliphonius ist gar ein feiner Kerl.  Alle habe ich sie noch in
mein Netz gebracht.  Keiner ist zum Zauberknig gelangt.  Da!  Und
jetzt trollt euch.  (Gibt ihnen die Frchte preis, sie gehen
langsam damit ab.) Die Tiere waren Mnner.  Jetzt wollen wir die
bezauberten Blumen begieen; das waren lauter neugierige
Frauenzimmer, die den Geisterknig um ewige Schnheit bitten
wollten (begiet sie).  Was seh' ich?  Beim neunarmigen Styx, dort
kommen Menschen an!  Heia!  Koliphonius, nimm dich zusammen!  Ihr
sollt mir nicht entwischen.  Frisch ans Werk!  Tut eure
Schuldigkeit, ihr singenden Zweige oben; lockt sie hinauf, singt
bezaubernde Melodien; singt Rossinische: sie locken ja ins
Schauspielhaus, so werden sie auch hier ihre Wirkung nicht
verfehlen.



Dreiigste Szene.
Kolibri.  Eduard.  Vorige.


Eduard.  Also hier ist dein berchtigter Zauberberg?  Und jener
feuerspeiende Berg, sagtest du, ist die Wohnung des Geisterknigs?

Florian.  Logiert der in einem Rauchfang?

Kolibri.  Dort ist seine Wohnung.

Eduard.  Und diesen Berg mu ich ersteigen, ohne umzublicken?  Und
dem hchsten Baum in jenem Garten mu ich einen Zweig entreien?

Kolibri.  Ja!  Doch mu ich dich jetzt verlassen, und darf dich
erst wiedersehen, wenn du glcklich vollendet hast.

(Baum singt einige Takte aus einer bekannten Rossinischen Oper.)

Eduard.  Was hr' ich fr angenehme Melodien!  Ich kenne euch, ihr
habt mich oft vergngt.

(Baum singt einige Takte von Mozart.)

Eduard.  Ha, das ist Mozart!  O, meine vaterlndischen Tne!  Ihr
knnt nicht nur vergngen, ihr knnt auch begeistern.  Lebt wohl!
Ich besteige den Berg.

Kolibri.  Hte dich!  Sieh dich nicht um, ich darf dich nicht
beschtzen.  (Zu Florian.) Komm, Bursch'!

Florian.  Marsch, Bursch'!  Ich bleib' bei meinem Herrn.  (Kolibri
geht ab.)

Melodram.

Eduard (beginnt seine Wanderung.  Er betritt den ersten Weg.  Vier
reizende Nymphen zeigen sich und suchen ihn durch Winke zum Umsehen
zu bringen; endlich formieren sie bei einer Ferma in der Musik eine
ihn umschlingende und zurckhaltende Gruppe.  Eduard reit sich los,
 ohne sich umzusehen, und ruft; Lat mich, Bajaderen!  Die Nymphen
verschwinden schnell.  Eduard betritt den zweiten Weg; es wird
pltzlich finster.  Der Donner rollt und schlgt vor ihm in einen
Baum ein, welcher einen Augenblick brennt.  Pause in der Musik.) Du
schreckst mich nicht!  Vorwrts!  (Der Baum verlischt, die Bhne
wird wieder hell.  Eduard betritt den dritten Weg; ein Grieche mit
gezcktem Dolche verfolgt ein Mdchen, welches sich an Eduard von
rckwrts anklammert und Hilfe!  Hilfe!  ruft; er reit sich los
und ruft.  Zurck!  Beide versinken.) Viktoria, es ist gelungen!
(Eilt in die Pforte.  Man hrt durchs Sprachrohr Koliphonius'
Stimme: Verdammt!  Die Musik drckt den Triumph aus.)

Florian (hat whrend der ganzen Szene seine Empfindungen mimisch
ausgedrckt, macht einen Rundsprung).  Juhe!  Das ist ein Mandel
mit Kren, mein Herr!  Und ich soll hier stehen bleiben, wie ein
Spatzenschrecker?  Nein!  Hinauf auf den Lepoldiberg!  Vielleicht
erwisch' ich auch eine bezauberte Nagelwurzen!  (Musik; er eilt auf
den Berg; vier Oberlndler-Kchenmdchen mit Linzerhauben und
schwarzen Vortchern machen das vorige Spiel.  Pause in der Musik.)
Zurck, ihr Kuchelmamsellen!  (Die vier Mdchen verschwinden.  Er
tritt den zweiten Weg an, es kommen zwei Mann Soldaten mit
angeschlagenem Gewehre, einen Korporalen dabei, welcher kommandiert:
 Schlagt an!  Habt acht!  Gebt Feuer!  Auf das Wort: Feuer fllt
Florian auf das Gesicht vorwrts nieder; die Soldaten schieen ber
ihn weg und verschwinden.  Er rafft sich auf und ruft: Weit davon
ist gut vorm Schu!  Er betritt den dritten Weg.  Ein Kellner hlt
ihn zurck, und ruft: Meine zehn Gulden!  er schlgt rckwrts aus:
Zurck, Ungeheuer!  und wirft ihn nieder; Kellner entflieht.)
Triumph!  Es ist gelungen!  (Er will ins Portal; in dem Augenblick
erscheint Mariandels Gestalt hinter ihm und ruft: Florian!  Florian!
Florian schaut sich schnell um und ruft: Mariandel!  Er will auf
sie zu, sie verschwindet; eine Furie reit ihn rckwrts nieder.)

Koliphonius (erscheint am Fu9e des Berges).  Er ist mein!
Verwandle dich in einen Pudel!  (Eine Hundshtte erhebt sich ber
Florian; er luft als Pudel ber den Berg herab und sucht ngstlich
seinen Herrn.  In dem Augenblick kommt Eduard frohlockend, den
Zweig in der Hand, aus dem Garten ber den Berg und ruft: Florian!
Florian!  Der Pudel springt an ihm hinauf und liebkoset ihn.  Pause.)

Eduard.  Was ist das?  Was will der Pudel?

Kolibri (tritt heraus).  Es ist dein Diener.

Eduard.  Unglcklicher!  Was hast du getan?  (Pause.) Ich will dich
auch so nicht verlassen.  Komm, Sinnbild der Treue!  Fort von
diesem Ort!  (Nimmt den Pudel bei dem Halsbande und will ihn
fortziehen.)

Koliphonius (ruft).  Halt!  Er bleibt hier!  Mein ist der Hund; ich
bin hier Herr.

Eduard.  Mit meinem Leben will ich ihn verteidigen!  Er bleibt
nicht hier.

Koliphonius.  Nicht?  (Verwandelt sich in einen Jger.) So
erschie' ich ihn.  (Bckt sich, sein Gewehr aufzunehmen, ein
Genius bringt es, Koliphonius spannt den Hahn.)

(Kolibri winkt.  Pltzlich springen acht Pudel, eben so gezeichnet
wie Florian, auf die Bhne und bilden mit ihm ein Tableau, das
ganze brige Theater aber ist auf allen Bergen und Seitenhgeln mit
lauter gemalten Pudeln angefllt, welche sich nach Verhltnis der
Tiefe perspektivisch kleiner zeigen, in komischen Gruppen, und ein
Tableau formieren.)

(Koliphonius will zielen, prallt zurck.)

Eduard.  Bravo, Kolibri!  Jetzt schie den rechten, wenn du ihn
kennst, aber schnell, denn alle nehm' ich sie nicht mit mir.

Koliphonius.  So will ich sie alle verderben.  (Winkt; die Bhne
verfinstert sich.  Blitze leuchten, heftiger Regen.  Das Wasser
schwillt immer hher, Kolibri und Eduard befinden sich mitten auf
einem Felsen, welcher sich aus dem Wasser emporhebt und hoch
herausragt.  Die Pudel schwimmen um ihn herum.  Pause in der Musik.)

Eduard.  Er ist verloren!

Kolibri.  Wirf ihm den Zweig zu.

Eduard (wirft den Zweig ins Wasser und ruft) Florian, Apport!  Der
Pudel sucht ihn zu haschen, arbeitet sich mit dem Zweig in dem Mund
auf den Felsen hinan, wo Eduard steht.  Wie er oben ist, ruft
Eduard unter Musik: Er ist gerettet!  Der Felsen verwandelt sich in
ein Segelschiff und fhrt mit den Dreien davon.

Koliphonius (ruft).  Fluch und Verderben ber euch!  (Der Pudel
bellt im Fortfahren mit Wut auf ihn hinaus.)

(Die Kurtine fllt.)

Ende des ersten Aufzuges.




Zweiter Aufzug.
(Palast des Longimanus mit einem Seitenthron.)



Erste Szene.
Longimanus sitzt auf dem Throne, um ihn mehrere dienstbare Geister.

(Groer Tanz von idealen Geistern, am Ende eine Gruppe.)


Chor.  Heil, Longimanus!

Longimanus.  Ist schon gut, schon gut!  Bedank' mich aufs
allerschnste.  (Fr sich) Freut mich recht, da s' mir haben heute
einen kleinen Tanz gemacht, weil morgen mein Namenstag ist.

(Der Chor ab).



Zweite Szene.
Pamphilius.  Vorige.


Pamphilius (berreicht dem Longimanus einige Visitenkarten).
Zauberer Vanille; Fee Maraskino!

Longimanus.  Aha!  Kommen schon die Billetten ang'stochen.  (Liest.)
La Hexe de Marascino et sa famille.  Monsieur Vanille,
Professeur de la Magie.  Ich lass' mich bedanken; meine Empfehlung.
Auf mein' Namenstag freu' ich mich immer, wie ein Kind, blo wegen
die Zugbilletten.  (Nimmt ein Zugbillett.) Da schau' einmal, wie
man bei dem Kerl anzieht, reckt er den Fu in die Hhe.  (Lacht.)
Ist das nicht prchtig?

Pamphilius (lacht).  O, scharmant!  Das ist ein herrlicher Gedanke.

Longimanus.  Wie den Neujahrstag; den hab' ich auch so gern, wenn
die Leut' glckwnschen kommen.  Warum?  Weil man gewi berzeugt
ist, da es ihnen vom Herzen geht.  (Man hrt den Pudel von auen
bellen.) Wer bellt denn da drauen?

Pamphilius (sieht hinaus).  Ein gromchtiger Pudel!

Longimanus.  Will er mir vielleicht auch zum Namenstag gratulieren?
Schau doch hinaus.

(Pamphilius geht ab.)

Longimanus.  Wenn der mir seine Aufwartung machen wollt', das war'
wirklich zu viel; da mt' ich protestieren.



Dritte Szene.
Pamphilius.  Vorige.


Pamphilius (kommt zurck).  Herr!  Zephises' Sohn hat die Reise
nach dem Zaubergarten glcklich vollendet und wagt es, sich dir zu
Fen zu werfen.

Longimanus.  Hr' auf!  Das ist ein Tausendsasa!  Hat sich nicht
umgeschaut!  Auf die Letzt hat er gar das Rheumatische im Hals, da
er den Kopf nicht hat umdrehen knnen.  Er soll hereinkommen; doch
seinem Vater sagst, da er nicht herber kommt; er darf nicht reden
mit ihm.  Aber wegen was hat er denn einen Pudel?

Pamphilius.  Vielleicht ist er ein Pudelnegoziant.  Ich werd' ihn
gleich hereinschicken.  (Geht an die Kulisse und lt Eduard herein.)



Vierte Szene.
Eduard.  Vorige.


Eduard.  (kommt, hat den Zweig in der Hand und strzt zu des
Longimanus Fen).  Mchtiger Zauberfrst!

Longimanus.  Ich bitt' recht sehr, stehen Sie auf, ist alles zuviel.
(Hebt ihn auf, zu Pamphilius.) Bring' Er Sesseln!

(Pamphilius bringt zwei Sesseln.)

Longimanus.  So!  Jetzt geh nur hinaus!  (Pamphilius geht ab.)
Nehmen S' Platz.

Eduard.  Sonne der Welt!  Du zermalmst mich durch deine Gte.

Longimanus.  Warum nicht gar!  Reden S' nur frei heraus von der
Leber weg.  Mit was kann ich dienen?  Sie sind also der kleine
Eduardl?

Eduard.  Ja, ich bin die arme Waise.

Longimanus.  Nun, wenigstens mssen S' in Ihrem Waisenhaus eine
gute Kost gehabt haben; Sie sind recht auseinander gangen.

Eduard.  Nur durch das Vermchtnis meines unglcklichen Vaters bin
ich seit kurzer Zeit in den Besitz jenes groen Reichtums gelangt,
den er durch deine hohe Gunst erhalten hat.  Ich bin hier, dich um
eine Gnade anzuflehen.  Doch, bevor ich diese Bitte wage, liegt
eine andere mir--(Der Pudel bellt.)

Longimanus.  Ja, Apropos!  Du hast ja einen Kameraden bei dir?  La
mir ihn doch herein.  He, lat den Pudel herein!

(Der Pudel springt herein, zuerst auf Eduard und liebkost ihn, dann
zum Zauberknig.)

Longimanus.  Nun, mich freut's, Ihre Bekanntschaft zu machen.  Das
ist ein spaiger Kerl.  Wie spricht der Hund?  Schau', gibt keine
Antwort.  Ach, den mssen Sie mir zum Prsent machen, ich werd' ihm
gleich die Ohren schneiden lassen.  He!

(Der Pudel fangt zu lamentieren an und verkriecht sich hinter
Eduard.)

Eduard.  Um alles in der Welt nicht!  Eben das Schicksal dieses
armen Pudels war es ja, worber ich dich um Gnade anflehen wollte.

Longimanus.  Das ist doch schrecklich, was das Schicksal treibt;
jetzt kommt's gar ber die Pudeln!

Eduard.  Dieser rmste ist mein Diener; seine Anhnglichkeit an
mich verleitete ihn, den Zauberberg nach mir zu besteigen, und ein
einziger Rckblick hat ihn in diese schreckliche Lage versetzt.

Longimanus.  Wie ist er denn dem Koliphonius entwischt?  Hat gewi
wieder das kleine Spitzbbel, der Kolibri, sein' Hokuspokus gemacht.
Dem Buben lass' ich noch einmal einen Schilling geben.

Eduard.  Habe Mitleid!  Schenke ihm seine vorige Gestalt wieder!

Longimanus.  Nu, wegen meiner; so la ihn da in den Zauberkasten
hinein.  (Er ffnet den Kasten und lt den Pudel hinein.) Ich
bitt', hineinzuspazieren.  (Zu Eduard.) Und jetzt ruf ihn dreimal
beim Namen.

Eduard.  Florian!  Florian!  Florian!

Florian (im Kasten).  Na, aufmachen da!  Sapperment!

(Eduard ffnet den Kasten.)

Florian (kmmt im grten Zorn heraus).  Ah, das ist ja inpertinent!
 Mord dividomine!  (Stt pltzlich gegen den Zauberknig und
fllt ngstlich auf beide Knie nieder.) Ui jeges!  Ich bitt'
tausendmal um Verzeihung, Euer Langmchtigkeit!

Longimanus.  Das ist ein zorniger Nickel!  So geht's, wenn man
manchmal Leuten Geflligkeiten erweist, so sind s' noch recht grob
dafr.

Eduard.  So bedank' dich doch, unartiger Bursche!  Dem
Geisterknige verdankst du deine jetzige Gestalt wieder.

Florian.  Ich kss' die Hand, Euer Hochmchtigkeit!

Longimanus.  Ich wei nicht, ob Er viel profitiert hat bei seiner
Verwandlung; Er ist mir als Pudel viel gescheiter vorgekommen als
jetzt.  Also wei Er jetzt, wie einem Pudel zumute ist?

Florian.  Ah, das war ja ein Hundsleben; das mcht' ich meinem
rgsten Feind nicht wnschen.  Aber wie ist denn meine Mariandel
daher kommen?

Longimanus.  Das war nicht Seine Mariandel!  Wir haben Mariandeln
g'nug.  Punktum!  Also knftig g'scheiter sein.  (Zu Eduard.) Also,
mein lieber Eduard, den htten wir.  Was willst denn noch, mein
Kind?

Eduard.  La mich niedersinken und--

Longimanus.  Der Mensch hat so schwache Nerven, alle Augenblick'
sinkt er.

Eduard.  Du hast meinem Vater sechs Statuen zum Geschenk gemacht,
doch die siebente, kostbarste, mchtiger Zauberknig!  zrne nicht,
wenn ich mich erkhne, auch ihren Besitz von deiner
unerschpflichen Gromut zu erflehen.

Longimanus (macht groe Augen und sagt mit Gewicht).  Die siebente
Statue willst du?  Ja, die hat einen Wert; da kriegt man schon in
einem jeden Versatzamt was d'rauf.

Eduard.  O, schenke sie mir!

Florian.  Rucken S' heraus damit!

Longimanus.  Nur Geduld!  Weit du was?  Umsonst ist der Tod!  Wenn
man etwas haben will, so mu man auch etwas dafr tun; nicht wahr?

Florian.  Ja, springen mu man immer was lassen.

Longimanus.  Also Schwierigkeit gegen Schwierigkeit!  Du sollst die
diamantene Statue haben, aber--du mut mir dafr ein Mdchen
aussuchen, welches in ihrem achtzehnten Jahre ist und noch in ihrem
Leben keine Lge ber ihre Lippen gebracht hat.

Florian Da kriegen wir s' nicht, die Statue!

Eduard.  Hoher Herr!  Du machst eine groe Forderung an mich
schwachen Sterblichen; doch ich will auch das Unwahrscheinliche
wagen fr den Besitz dieses Zauberschatzes.

Longimanus.  Du willst also?  Eh bien!  Wenn du sie aber gefunden
hast, so bringst du sie augenblicklich hierher und erwartest mich
am Fue meines rauchenden Palastes.  Unterstehst du dich aber,
einen Augenblick mit ihrer bergabe zu zgern, so ist dein Leben
verloren.  Ja, schau' mich nur an!  Ich mach' kein' Spa!
Augenblicklich, da kommt kein Pardon!

Eduard.  Ich fge mich deinem Ausspruche.  Doch, wie wird es mir
mglich werden, diese Priesterin der Wahrheit zu erkennen?  Wie
kann ich erfahren, ob ein Mdchen auch nicht im Scherze noch
gelogen hat!  Wer im ganzen Hause wird mir das sagen knnen?

Florian.  Nur beim Hausmeister erkundigen.

Longimanus.  Da hast du recht.  Da mu ich dir ein Kennzeichen
geben.

Florian.  Ja.  fragen S' nur mich allemal; ich werd' Ihnen's schon
sagen.

Longimanus.  Richtig, durch den sollst du's wissen, weil er gar so
eine Freud' damit hat, unser Freund.

Florian.  Ja, ich bitt', Euer Herrlichkeit!  Ich g'freu' mich schon.

Longimanus.  Wenn du ein Frauenzimmer prfen willst, so ergreife
ihre Hand; hat sie schon einmal gelogen, so wird dieser Bursche da
im ganzen Krper entsetzliche Schmerzen empfinden.

Florian (ganz erstarrend).  Mich trifft der Schlag!

Longimanus.  Es wird ihn reien, stechen, kurz, alles mgliche, was
er sich nur selbst wnschen kann.

Florian.  Ich bitt', das ist wirklich zuviel!

Longimanus.  Und je mehr Lgen, als eine in ihrem Leben gesagt hat,
in desto grere Zuckungen wird er verfallen.

Florian.  Sie verzeihen, aber ich mu hinaus!  (Will fort.)

Eduard.  Halt!  Warum denn?

Florian.  Mir wird nicht gut.

Longimanus.  Du bleibst da!

Florian.  Euer Herrlichkeit, das geht nicht; das bringet mich ja
ins Spital!

Longimanus.  Schweig!  Also--wo sind wir geblieben?  Richtig, desto
mehr Reien wird er empfinden.

Florian (will fort).  Hren Euer Herrlichkeit mit dem Reien auf,
oder es reit mich zur Tr hinaus.  Wer wird denn in einem
rheumatischen Dienst bleiben?

Longimanus.  Langsam!  Auf Regen folgt Sonnenschein.  Wenn du aber
eine findest, die noch nie gelogen hat, so wird er ein
auerordentliches Wohlbehagen empfinden.  Es wird ihm so leicht
sein und so froh, als wie einem Menschen, der das erstemal einen
Langaus tanzt.

Florian.  Ja, wenn er sieben Jahre die Gicht g'habt hat.  Nun, ins
Himmelsnamen, lassen wir uns halt eine Weile herumreien.

Eduard.  Sei ruhig, Florian!  Wenn ich mein Ideal gefunden habe, so
will ich dich reichlich belohnen.

Florian.  Mich?  O je, wo bin ich da schon?  Bis dorthin reit's
Ihnen ein dreihundert Bediente z'samm', wie nichts.

Longimanus.  Und jetzt macht's, da Ihr weiter kommt.  Wie willst
denn fahren?  (Ruft.) He, Pamphilius!



Fnfte Szene.
Pamphilius.  Vorige.


Longimanus (zu Pamphilius).  La ihnen meine zwei alten Drachen
einspannen, die ich vor meinem Galawagen habe, das sind doch ein
Paar sichere Tiere.

Pamphilius.  Mchtiger Herrscher, das ist unmglich!  Der Handige
hat sich einen Flgel gebrochen.

Longimanus.  Da hast es ja.  Das ist von dem g'schwinden Fahren.
Jetzt darf ich wieder langmchtig suchen, bis ich einen gleichen
dazu krieg'.  Weit du was?  Fahr du in einem Luftballon, und wo er
mit dir niedergeht, dort probier' dein Glck.  Geht's hinber in
die Schupfen um einen Luftballon, der Kolibri soll kutschieren.

(Pamphilius geht ab.)

Longimanus.  Also viel Glck!  Fr ein schn's Wetter werd' ich
schon sorgen, und wollt Ihr andere Kleider, nur drben mein'
Schneider sagen, in fnf Minuten sind sie fertig.

Eduard.  Hoher Geisterfrst!  Mit mutigem Vertrauen trete ich meine
Reise an, mein hchstes Glck liegt in deiner Hand.

Florian.  Mchtiger Zauberfrst und wohlgeborner Zechmeister der
lblichen Geisterzunft!  Mit der entsetzlichsten Tremarola tret'
ich meine Reise an; haben Sie Mitleid mit meiner schwachen
Konstitution, und denken Sie, da ein Mensch keine solchen
Schmerzen mehr auszustehen vermag, der sich erst vor kurzem noch so
herumgepudelt hat.

Longimanus.  So wart' Er noch ein wenig!  Das ist ein nrrischer
Mensch!  Es geschieht Ihm ja nichts, wegen was lamentiert Er gar so?

Florian.  Sehen Euer Herrlichkeit, mir ist nur, wenn ich eine
verrissene Physiognomie bekme, meine Mariandel schauet' mich in
ihrem Leben nicht mehr an.

Longimanus.  Was ist denn das fr eine Person, die Mariandel?  Ist
s' denn gar so hbsch?

Florian.  No, wann S' was g'spannen; das ist eine barbarische
Schnheit.  Die ganze Welt darf man ausreisen, es gibt keine.--Ach,
ich glaub' nicht, da man in der Walachei eine findet.

Longimanus.  Nu, bravo!  Die mu Er mir einmal auffhren.

Florian (lacht).  Ach nein!  Euer Herrlichkeit sind gar ein
G'spaiger?  Sie knnten mir s' abwendig machen.

Longimanus.  So sei Er nur nicht so kindisch; was fallt Ihm denn
ein?

Florian.  Nein, nein!  Was ntzt denn das?  Ich gib s' nicht aus
der Hand.  Wer mir meine Mariandel stehlet, der wr' ein Kind des
blassen Todes!  Ha!  da wrde ja gerauft!  Euer Herrlichkeit sind
ein stattlicher Mann, aber die Schlg' mcht' ich Ihnen nicht
wnschen, denn meine Mariandel ist meine einzige Passion!

Arie.
D' Mariandel ist so schn,
D' Mariandel gilt mir all's,
Und wenn ich s' nur erwischen kann,
Fall' ich ihr um den Hals.
Es gibt zwar der Mariandeln viel
Auf dieser weiten Welt,
Doch keine, die so herzig ist,
Und die mir so gefllt.
D' Mariandel ist so zart,
Ja, ich gesteh' es frei,
Bis sie ein halbes Kndel it,
Derweil hab' ich schon drei.
Und wenn ich oft recht hungrig bin,
Zerspringt ihr fast das Herz,
Da lauft s' nur g'schwind in d' Kuchel naus
Und kocht mir einen Sterz.

D' Mariandel ist so treu,
D' Mariandel ist so frumm,
Und wenn ich s' nicht bald z'sehen krieg',
So bring' ich mich noch um.
Denn wer nur a Mariandel hat,
Der wei es so, wie ich;
Nicht wahr?  So oft man an sie denkt,
Gibt's einem einen Stich!

Repetition.
D' Mariandel ist gar g'scheit,
D' Mariandel ist nicht dumm,
D' Mariandel meint, in Wien dahier
Wr's beste Publikum!
Drum glaub' ich der Mariandel auch,
Sie hat mich nicht vexiert;
Ich hab' auf ihren Spruch vertraut
Und hab' mich nicht geirrt!  (Ab.)

Longimanus (allein).  Jetzt haben s' schon Zeit gehabt, da sie
gegangen sind.  Nicht einmal sein Schalerl Kaffee kann man mit Ruhe
trinken.  (Ruft.) Pamphilius!



Sechste Szene.
Pamphilius.  Voriger.


Longimanus.  Die neuen Bcher, die ich aus der Leihbibliothek
gekriegt hab', tragst ins Lesekabinett hinber und bringst alles in
Ordnung, ich will lesen.

Pamphilius.  Befiehlst du auch einen aromatischen Rauch im Zimmer?

Longimanus.  Spter kannst du mir ein bil einen blauen Dunst
vormachen.  Und jetzt hinber, richt' alles her.  Mein Tischerl,
zwei Wachskerzen und dann das Buch von der Agnes Bernauerin; das
Stck les' ich jetzt schon vierzehnmal, und ich wei immer noch
nicht, warum sie s' denn eigentlich ins Wasser geworfen haben.
Jetzt komm, Pamphilius.  (Beide gehen ab.)



Siebente Szene.
Platz, von hohen schnen Gebuden umschlossen, doch alle ohne
Fenster im griechischen Geschmacke erbaut.  Rechts der Eingang in
den Palast des Veritatius.  Links vorne eine Erhhung von
steinernen Stufen, worauf der Sitz sich befindet, hinter dem die
Statue der Wahrheit steht.  Eine nackte Figur mit der Sonne auf der
Brust.)


Chor der Einwohner.
Stille, stille!  Harrt bescheiden,
Bis des Hornes Ruf ertnt.
Schrecklich mu der Freche leiden,
Der des Herolds Wort verhhnt.
Was wird er uns wohl verknden,
Was mu vorgefallen sein?
Doch wir werden's bald ergrnden,
Seht, hier tritt er ja schon ein.



Achte Szene.
Vorige.  Zwei Diener des Herolds treten vorauf und stoen dreimal
in ihr goldenes Horn, welches der rmischen Tuba gleicht.  Dann
tritt der Herold in die Mitte.


Rezitativ.
Herold.
Bewohner des friedlichen Landes!
Ich bin erschienen, euch zu verknden
Die Befehle unseres Herrschers.
Schon wenn die nchste Stunde tnt,
Mt ihr euch hier auf sein Gehei versammeln.
Er wird ein Mdchen heut bestrafen,
Und sie verscheuchen aus des Landes Grenzen,
Weil frech die Sitten sie verhhnet,
Die doch mit Milde uns beglcken,
Und die allein sind unsres Landes Stolz.

Arie mit Chor.

Herold.
 Hier im einsam stillen Lande,
Wo der ew'ge Friede wohnt,
Webt die Freundschaft feste Bande,
Wird die Liebe s belohnt.

Chor.
 Webt die Freundschaft feste Bande,
Wird die Liebe s belohnt.

Herold.
 Darum wandelt, meine Brder,
Mit Bedacht zur Arbeit hin,
Nur der Vorsicht weihet Lieder,
Denn die Hast bringt nie Gewinn.

Chor.
 Nur der Vorsicht weihet Lieder,
Denn die Hast bringt nie Gewinn.

(Alle gehen ab.)

(Die Musik geht nach dem Chor in eine artige Variation, ber das
Thema: "Es reisen drei Schneider zum Tore hinaus, ade!" ber.)



Neunte Szene.
(Der Luftballon, welcher eine dunkelblaue Kugel vorstellt, aber
nicht mit den gewhnlichen Streifen, sondern quer ein Paar weie
Bordren hat und zwei weie Flgel, welche zu beiden Seiten
angebracht sind, geht langsam nieder.)


Eduard, Florian, Kolibri als Luftfahrer mit einem rosenroten
Fhnlein steigen aus dem daranhngenden goldenen Schifflein.
Eduard trgt eine grne Zivil-Uniform, weies Beinkleid und
Federhut.  Florian rote Livree mit Goldborten.

Kolibri.  Also hier wren wir, Mongolfier hat seine Schuldigkeit
getan.  Jetzt vollende du das weitere.

Eduard.  Wo sind wir denn eigentlich?

Kolibri.  Das wirst du schon erfahren; ich handle ganz zu deinem
Besten.  Kolibri ist nicht dumm.  Jetzt verlasse ich dich, und wenn
du mich brauchen wirst, werde ich gleich bei der Hecke sein.
(Nimmt einen andern Ton an und den Hut ah.) Euer Gnaden, ich bitt'
um mein Trinkgeld!

Eduard.  Ja, richtig!  Hier, mein kleiner Fuhrmann!  (Gibt ihm ein
Goldstck.)

Kolibri.  Euer Gnaden verzeihen, ich habe noch etwas gut von der
letzten Station; wissen S', mit die Fchseln?  Es waren zwei
Goldfchsel, und Sie haben mir da nur eines gegeben (hlt ihm das
Goldstck vor).

Eduard (gibt ihm noch eines).  Ja so!  Bist du so geldgierig?

Kolibri.  Das versteht sich!  Ich mu mir ja was zusammensparen auf
meine alten Tag'.  Empfehle mich gar schn.  (Macht einen Kratzfu
und steigt in den Luftballon, der mit ihm sogleich fortfhrt.)

Eduard.  Eine sonderbare Stadt!  Es ist alles so stille in den
Straen, als ob sie unbewohnt wre.  Nun, Freund Florian, warum so
betrbt?  Gefllt es dir hier nicht?

Florian (der durch die ganze Szene sehr trbselig aussah und fters
nachzudenken schien).  Nein!  Fr mich blhen auf diesem Boden
keine Rosen!

Eduard.  So sei nur nicht so einfltig!  Es wird ja den Hals nicht
kosten.

Florian.  O, ich bitte, schweigen Sie!  Glauben Sie, das ist ein
Spa, wenn's einem was wegreit?  So weit hab' ich's gebracht!  Das
ist das Los des Schnen auf der Erde!

Eduard.  Jetzt befehle ich dir, zu schweigen und an jenem Palast zu
luten, da wir hren, wo wir sind.

Florian.  Na, es ist recht; ich will alles tun.  Verzweiflung, nimm
dein Opfer.  (Er lutet.)



Zehnte Szene.
Aladin, der Aufseher dieses Palastes, ffnet die Tore und tritt
heraus.  Vorige.


Aladin.  Was seh' ich?  Fremdlinge?  Durch welche Zaubermacht seid
ihr hierher gelangt und was begehret ihr von uns?

Eduard.  Willst du, wrdiger Unbekannter, mir wohl vorher die Frage
beantworten, wo ich mich eigentlich befinde?

Aladin.  Du befindest dich in dem Lande der Wahrheit und der
strengen Sitte, und dein Fu berhrt den Boden unserer Hauptstadt.

Eduard.  Freue dich, Florian, wir sind unserem Ziele nah'.

Florian.  Ich wollt', ich wr' noch weit von meinem Ziel.

Aladin.  Hier ist der Palast unsers Herrschers; ich bin nur sein
Diener.

Florian.  Jetzt ist der auch nur ein Bedienter.

Eduard.  Willst du mich bei deinem Herrscher melden?  Ich bin weit
ber dem Meere, ein Prinz aus dem Lande der Aufrichtigkeit und habe
mit meinem treuen Diener (Florian verbeugt sich) in einer
neuerfundenen Luftmaschine die Reise in euer Land gemacht, um mir
eine Braut nach Hause zu fhren, die ich durch treue Liebe und
ungeheure Reichtmer zu beglcken gedenke.

Aladin.  Deine Gesinnungen sind gut, und ich werde sie unserm
Herrscher treu berichten.

Eduard.  Doch jetzt mache mich auch mit den Gewohnheiten eures
Insellandes bekannt.

Florian.  Ja, erzhlen S' uns ein bissel was.

Aladin.  Auf unserer Insel wirst du den Streit vergebens suchen;
wir haben gar keinen Verkehr mit irgend einem Lande.  Feste geben
wir nie, wir glnzen nur durch Wahrheit.

Florian.  Das ist sehr schn von Ihnen.

Aladin.  Einsam ist es in den Straen, denn man geht nur aus, wenn
es sehr notwendig ist.

Eduard.  Doch ich sehe keine Fenster an den Husern.

Aladin.  Die gehen in den Garten, die Aussicht ist zurck.

Florian.  Sie werden halt die Augen auf dem Rucken haben, weil s'
vorn zuviel Aufsehn machten.

Aladin.  Mit groer Strenge wird bei uns die Lge bestraft, je
nachdem sie nachteilige Folgen verursacht; doch ist man gegen
Weiber nachsichtiger, als gegen Mnner.  Verleumdung kennen wir nur
dem Namen nach auf der Insel der Wahrheit und Sittsamkeit.

Florian.  Erlauben Sie, mein Teurer!  wenn einer in seiner
Sittsamkeit etwas stiehlt, so wird er doch ganz bescheiden
eingefhrt?

Aladin.  Wer fehlt, mu bestraft werden.

Florian.  Und da bekommt er hernach seine soliden fnfzig Strichel?

Aladin.  Das geschieht nicht.  Wir schlagen nur die Kleider des zu
Bestrafenden, nicht den Mann; und das ist bei uns die grte
Schande.

Florian.  Das geschieht bei uns auch.  Man schlagt auch nur die
Kleider, aber man wartet so lange, bis sie derjenige an hat, den
wir--(macht die Pantomime des Prgelns).

Eduard.  Wie ist es rcksichtlich eurer Heiraten?

Aladin.  In ihrem zwanzigsten Jahre werden unsere Mdchen
verheiratet, ohne da sie ihren Brutigam zu Gesichte bekommen
haben.  Als Frauen drfen sie keinen Schritt mehr aus dem Hause
machen.

Florian.  Das ist gut.  Wenn eine Geld im Sack hat, kann s'
wenigstens keins verlieren auf der Gasse.

Aladin.  Nur bei ffentlichen Versammlungen mssen sie erscheinen.
brigens darf kein Mdchen allein ausgehen, wenigstens vier, wo
eine die andre beobachtet, denn es darf sich keine umsehen.

Florian.  Das heit, sie drfen niemand ber die Achsel ansehen.

Aladin.  Und gehen immer in Begleitung von zwei Mohren.

Eduard.  Himmel, welch ein qualvolles Leben!

Aladin.  Wenn ein Mann ein Frauenzimmer auf der Strae sieht, mu
er sein Haupt zur Erde beugen und darf sie nicht ansehen, sonst ist
er des Todes.

Florian.  Wenn das bei uns der Brauch wr', da schaueten manche
junge Herren den Frauenzimmern nicht so unter die Hte.

Eduard.  Ist das beim Fremden auch der Fall?

Aladin.  Es kommen selten Fremde zu uns.  Doch sind sie von diesen
Gebruchen ausgeschlossen, soweit es der Anstand gestattet, und es
ist ihnen erlaubt, ehrerbietig ihre Hand zu kssen.  Selten vergit
ein Frauenzimmer ihren Stolz.  Wenn aber ein unwrdiges Betragen
von einer den andern zu Ohren kommt, so emprt sich auch ihr Gefhl
so sehr, da sie in groen Tadel ber die Unwrdige ausbrechen.

Eduard.  Das ist eben kein sicherer Beweis von eigener
Unverdorbenheit des Herzens.

Florian.  Ah, das ist der Neid--mit mir reden!

Eduard.  Ich danke dir fr deine Auskunft und bedaure die
Unglcklichen; sie wrden wahrscheinlich edle Geschpfe werden,
wenn man ihren Handlungen weniger Zwang auflegen mchte.

Aladin.  Bedauern?  Sprich dieses Wort nicht aus in Gegenwart
meines Herrschers, bei dem ich dich jetzt melden werde.  Im Lande
der Wahrheit ist niemand zu bedauern, als der, den die Gtter mit
Blindheit geschlagen haben, den unbedingten Wert unserer Handlungen
nicht einzusehen.  (Ab in den Palast.)

Florian.  Geh der Herr zu.



Elfte Szene.
Eduard.  Florian.


Eduard.  Aus allem, was ich gehrt habe, schpfe ich wenig Hoffnung,
ein Mdchen hier zu finden, welches die strengen Anforderungen
meines zauberischen Gnners erfllen wird.  Solch ein unnatrlicher
Zwang erweckt Verschlossenheit, und Verschlossenheit ist die Mutter
der Lge.  Doch sieh, dort kommen einige Frauenzimmer!  Ich will
mein Glck versuchen, Florian, halte dich standhaft.

Florian.  Um alles in der Welt, Gndiger, sein Sie menschlich!
Denken Sie, solange Sie eine bei der Hand halten, halten Sie mich
beim Schopf; nur gleich wieder auslassen.



Zwlfte Szene.
Vier verschleierte Mdchen erscheinen, von zwei Mohren begleitet.
Sie prallen bei Eduards Anblick etwas zurck.  Vorige.


Eduard.  Tulpe der Schnheit, verzeihe einem Fremdling, der es wagt,
dir seine hchste Verehrung darzubringen.

Florian.  Mir ist, als wenn ich ausg'fhrt wrde.

Osillis.  Ein artiger Mann.

Amazilli.  Welch sonderbare Tracht?

Eduard.  Erlaube mir, deine reizende Hand zu kssen.  (Ergreift
ihre Hand.)

Florian (schreit).  Uijegerl!  Ausgelassen!  (schwcher) Auslassen!
(Seufzt.)

(Eduard lt ihre Hand los.)

Osillis (erschrickt).  Was ist das?  (Zu Florian.) Was ist dir,
Fremdling?

Florian.  Nichts!  Ist schon vorbei!  Wir wissen schon, wie viel's
geschlagen hat.

Osillis.  Aber du erschreckst uns durch--

Florian.  Ist ja nicht wahr; ist alles erlogen.

Eduard.  Verzeihe ihm; und auch du, holdes Mdchen!  (Ergreift die
Hand der Zweiten.)

Florian.  Auweh!  Auweh!  Auweh!  Die lgt noch strker.  O,
Sapperment!

(Eduard lt sie los.)

Florian.  Ah, das ist eine Komdie!

Eduard.  Schweig, Bursche!

Osillis.  Ist er wahnsinnig?

Eduard.  Mein schnes Mdchen!  (Tritt zwischen die beiden andern
und ergreift zugleich ihre Hnde.)

Florian.  Um alles in der Welt!  Ich halt's nicht aus!  Ich geh'
zugrund!

(Die Mdchen reien ihre Hnde los und entsetzen sich.)

Osillis.  Welche Verwegenheit!  Flieht, Schwestern, das ist ein
Rasender!  (Alle vier Mdchen entfliehen mit den Mohren in den
Palast.)



Dreizehnte Szene.
Eduard.  Florian.


Eduard.  Nun, Freund Florian, was sagt dein Barometer?

Florian.  Lgen hat's geregnet.  Ich werd' ein miserabler Mensch!
Wenn wir zurckkommen, drfen S' mich gleich auf sieben Jahr nach
Gastein oder ins Brndelbad schicken.

Eduard.  Armer Schelm, du dauerst mich.

Florian.  Das ist eine sittsame Bagage.  Die zwei letzten mssen
schon gelogen haben, bevor sie auf die Welt gekommen sind; es ist
nicht mglich sonst.

Eduard.  Die Forderung grenzt aber auch an Unmglichkeit.  Doch wir
wollen unsere Hoffnung nicht aufgeben.

Florian.  Ja, haben S' die Gnad'.  (Deutet auf's Reien.)

Eduard.  Willst du, da wir dieses Land verlassen und in ein
anderes ziehen?

Florian.  Ah, hren S' auf, sie lgen berall.  Es ist doch
g'scheiter, ich geh' hier zugrund', als wenn ich wegen dem noch
eine Weile wohin reisen soll.

Eduard.  Es wird ja doch nicht berall so arg sein.

Florian.  Ja, ist schon recht!  Jetzt, wenn S' erst auf eine
treffen, die einen reichen Liebhaber hat, den sie fr einen Narren
hlt; die knnen erst lgen!  Da reit's mich in der Mitten
voneinander.

Eduard.  Still!  Man kommt.



Vierzehnte Szene.
Aladin.  Vier Mann Wache mit Pfeilen.  Vorige.


Aladin.  Fremdling!  Der Herrscher wird in diesem Augenblicke hier
erscheinen, um ffentliches Gericht zu halten, und bei dieser
Gelegenheit will er dich bewillkommen und deine Bitten hren.

Eduard.  Nimm meinen Dank fr deine Botschaft.

Aladin.  Doch haben wir Befehl erhalten, deinen Diener in das
Irrenhaus zu bringen, und ihn mit Ketten zu belasten, wie es sich
fr einen Rasenden geziemt.

Florian.  Was?  Mich wollen s' in den Narrenturm sperren, und ich
bin gescheiter, als sie alle?

Aladin.  Ergreift ihn.

Florian.  Ich sag's ja, wo ich hinkomme, halten mich die Leute fr
einen Narren.  So nehmen S' Ihnen doch an um mich!  Wird sich doch
einer um den andern annehmen?

Eduard.  Halt!  Er ist mein Diener, und niemand hat ein Recht auf
ihn, als ich.  Ich stehe fr seinen Verstand und fr sein knftiges
Betragen gut.

Florian.  Ja, wir setzen was ein.

Aladin.  Wohl, doch bei dem kleinsten Anfall werden wir unsere
Befehle vollziehen.

Eduard.  Also hte dich!

Florian.  Jetzt mu ich mir eine Ehr d'raus machen, wann's mich
reit.

Aladin.  Fremdling!  Folge mir, bis ich dich dem Beherrscher
vorstellen darf.  (Geht mit Eduard ab.)

Eduard (im Abgehen).  Florian, nimm dich in acht.  (Ab.)

Florian.  Reden Sie nichts auf mich; Sie haben auch schon
ausgedient bei mir.  (allein.) Ich unglckseliger Mensch, was fang'
ich an?  Wenn ich auch durchging', es nutzt nichts; denn wenn er in
England eine bei der Hand nimmt, so fangt's mich in Holland zum
Reien an.  Es ist kein Mittel, als sukzessiv hin zu werden; immer
matter, bis es aus ist.

Quodlibet.
Werd' ich denn hier sterben mssen?
Soll ich nicht die schne Gegend
Draust bei Whring wiedersehn?
Nimmermehr am heitern Ufer,
Beim Kanal spazieren gehn?
Nein, du armer Michel,
Der Tod kommt mit der Sichel!
Wie traurig ist doch mein Geschick!
Mir blht auf dieser Welt kein Glck.
Kein Mdchen, das stets Wahrheit spricht;
O jegerl, g'fallt mir nicht, die G'schicht.  
Welche Lust gewhrt das Reien,
Wenn eine reicht stark lgt.
Glauben Sie's mir!
Ach, ist es denn gar so schwer,
Ein Mdchen z'finden,
Das ein treues Herz besitzt,
Das man kann ergrnden?
    O nrrische Leut', o komische Welt!
    Einmal war es ganz anders!
    Da gab es noch Mdchen,
    Die saen am Rocken
    Und spannen am Rdchen.

Jetzt putzen und zieren sie sich, wie die Affen,
Und lassen sich hinten und vorne begaffen.
Hab' ich nicht recht?  Nun, wenn S' erlauben!
Und meine Mariandel, die wird zu Hause fragen:
Was macht denn der Florl?  sag', ist er recht g'sund?
Er liegt im Spital draust, ist ganz auf den Hund.
Ist das wahr?  Der arme Narr!
Lieber Herr Franzel, nur jetzt kein Tanzel!
Denn erster Liebe Kraft,
Bleibt ewig Leidenschaft!
Und ihr Florl, meint sie,
Gilt ihr alles, meint sie,
Von Amstetten, meint sie,
Bis Hernals, meint sie,
Gibt's kein Mann, meint sie,
So wie er, meint sie,
Ich wr' schn, meint sie, au contraire!

    Drum will ich lustig sein,
    Und mich des Lebens freun!
    Nur in dem Landel,
    Wo mein Mariandel
    Sehnsuchtvoll wartet,
    Mcht ich schon sein.

Denn mir liegt nichts an Stammersdorf und an Paris,
Nur in Wien ist's am besten, das wei man schon g'wi;
Man wei, da's in hundert Jahren auch noch so is'!
Aber, ob wir nicht g'storben sein, wei man nicht g'wi.
Drum, wenn ich hier sterben sollt', und Sie nimmer sich,
So bitt' ich halt gar schn, so denken S' an mich!



Fnfzehnte Szene.
Man hrt einen Marsch.  Alles Volk erscheint und stellt sich in
einen halben Zirkel, dessen Mitte frei bleibt.  Die Frauenzimmer
stehen vor den Mnnern unverschleiert.  Veritatius erscheint mit
seiner Tochter Modestina.  Aladin, Wachen, dann Eduard und Florian.


Chor.
Stellt euch um der Wahrheit Thron,
Sprecht der frechen Lge Hohn.


Veritatius (besteigt mit Modestina seinen erhabenen Stuhl).  Volk
dieser Stadt!  Ich habe dich versammeln lassen, um Zeuge zu sein
bei der Verbannung eines Geschpfes, welches schon seit langer Zeit
durch ausgelassene Manieren die Gebruche unserer Insel mit Fen
tritt.

Alle.  Hoch lebe Veritatius!

Veritatius.  Doch bevor wir den Vorhang dieser unangenehmen Szene
erffnen: Aladin, fhre den Fremden vor.  (Aladin geht und bringt
Eduard und Florian.)

Veritatius.  Sei mir willkommen, Fremdling!  Du bist also der Herr
vom Lande der Aufrichtigkeit?--Was ist denn das fr eine pitoyable
Figur, die dort an deiner Seite steht?

Eduard.  Es ist mein Diener.  (Deutet Florian, da er sprechen soll.)

Florian.  Bin so frei, meine ergebenste Aufwartung zu machen.

Veritatius.  Das ist ein spaiger Mensch, ich mu ber ihn lachen.
(Lacht; zu den brigen.) Man lache auch ein wenig ber ihn.

(Alle lachen.)

Florian.  Das ist eine dumme Nation!

Veritatius.  Und nun zur Sache!  Ich habe gehrt, da du dir eine
Braut erkiesen willst, und weil du mir so wohl gefllst, auch aus
vornehmem Stande bist, so stelle ich dir hier meine Tochter vor.
Man verwundere sich.  (Alles verwundert sich.) Wenn er dir gefllt
und seine Abkunft beweiset, will ich mit Freuden euere Hnde
ineinander legen.

Modestina.  Fremdling!  Gewohnt, den Befehlen meines Vaters zu
gehorchen, reiche ich dir mit Freuden meine Hand, wenn du mich
vorher berzeugst, da dein Edelmut sie verdient.

Florian.  Ui jegerl, ich freu' mich schon.

Eduard.  Nimm meine Huldigung, Holdeste deines Geschlechtes.
(ergreift ihre Hand.)

(Florian empfindet Schmerz, sucht ihn aber durch unartikulierte
Tne und Lippenbeien zu verbergen.)

(Eduard sieht auf Florian; dieser deutet nein, er lt ihre Hand
mit Anstand los.)

Modestina.  Er gefllt mir recht wohl.

(Dumpfer Lrm von auen, man hrt Aminens Stimme.)

Aminens Stimme.  Lat mich!  Lat mich!


Sechzehnte Szene.
Amine.  Wachen.  Vorige.


Amine (strzt herein, hinter ihr Wache).  Lat mich, ihr
abscheulichen Mnner!  (Strzt zu Veritatius' Fen.) Gtiger Herr!
Was hat die arme Amine verbrochen, da sie solchen Mihandlungen
preisgegeben wird?  Ich bin ja ein armes, unschuldiges Mdchen, das
noch niemand auf der Welt etwas zuleide getan hat.

Veritatius.  Wie kannst du es wagen, vor meine Augen zu treten,
ohne da ich dich rufen lie?  Ausgelassenes Geschpf, ber dessen
Verbrechen sich alle Bewohner dieser Stadt entsetzen.

Amine.  Aber worin bestehen denn meine Verbrechen?  Da ich ber
die spitzige Nase deines Trstehers gelacht habe, da ich auf der
Strae herumgelaufen bin, meinen Papagei zu fangen, da ich mein
Haupt mit keinem Tuche umwinden will, weil ich Kopfschmerzen davon
bekomme, und da ich endlich keine traurige Miene machen kann, weil
ich ein frhliches Herz im Busen trage, sieh, das kann ich nicht
lassen, lachen mu ich; und wenn du noch so zornig auf mich
blickest und deine Augenbrauen so hinauf ziehest, so werd' ich
wieder recht zu lachen anfangen mssen.

Veritatius.  Welch unerhrte Frechheit!  Man rgere sich mit mir!
(Pause.) Nein, man rgere sich nicht; es will sich nicht geziemen,
da wir wegen dieser Verbrecherin in rger geraten.  Als eine arme
Waise hat man sie hier aufgenommen, weil ihr Vater, ein englischer
Kapitn, mit seinem Schiffe an dieser Insel strandete und seinen
Tod in den Wellen fand; und diese Bettlerin wagt es, das rgernis
einer ganzen Stadt zu werden?  Man ergreife sie, setzte sie in ein
Schifflein und treibe es hinaus in die See, fern hin von dem Lande
der Wahrheit, damit die Wellen das Spiel mit ihr treiben, das sie
nur zu lange mit uns getrieben hat.  (Die Wachen ergreifen sie.)

Aladin.  Fhrt sie fort.

Eduard.  Halt!  (Fr sich.) Ein unwiderstehliches Gefhl reit mich
hin, sie auf die Probe zu stellen.

Florian.  Ah, das ist ja entsetzlich; das nimmt ja gar kein Ende.

Eduard (laut).  Erlaube mir, mchtiger Herrscher, eine einzige
Frage an dieses Mdchen zu stellen.

Veritatius.  Man stelle sie.

Eduard.  Gutes Kind, hast du Vertrauen zu mir?

Amine.  Ach ja!  Du hast kein bles Gesicht und scheinst ein guter
Mensch zu sein.  Amine fhlt das gleich.

Eduard.  Reiche mir deine Hand.

Amine.  Hier hast du sie.  (Gibt sie ihm.)

Florian (fngt an, einen unendlichen Frohsinn und eine innere
Lustbarkeit auszudrcken).  Euer Gnaden, die b'halten wir, die
lassen wir nimmer aus.

Alle.  Was soll das bedeuten?

Amine.  Ach, nimm dich meiner an; ich bin gewi nicht schuldig!

Eduard.  Nein, das bist du nicht, du gutes Mdchen.  Wahrheit
besteht nicht blo durch uere Form, sie wohnt im Innersten des
Herzens, und Ungezwungenheit und Naivitt drfen immer ihre
lieblichen Schwestern sein.

Veritatius.  Habt ihr ihn verstanden?

Alle.  Ja!

Veritatius.  Ich nicht.  Man verstehe ihn auch nicht!

Eduard.  Hre mich, Veritatius!  Ich verzichte auf die Hand aller
Mdchen deines Landes; la mir Amine, und ich fhre sie als meine
Gemahlin mit mir in mein Reich.

Modestina.  Wie?  Du wagst es?

Alle.  Entsetzlich!

Veritatius.  Ruhig!  Man schweige!  Sieh, Verblendeter!  Weil du es
wagst, meine Gastfreundschaft durch solchen Undank zu lohnen, so
will ich dich auch dafr bestrafen.  Du sollst sie haben; aber
augenblicklich meidest du dieses Land und tust ihm nie wieder die
Schande an, es zu betreten.

Eduard.  Dank deiner Gte!  Kolibri, lichte die Anker, schwelle die
Segel!

Kolibri (fhrt mit dem Luftballon nieder).  Komm' schon; bin schon
da.

Eduard.  Und nun komm, Amine, und du, Veritatius, traure; denn ich
entfhre dir ein seltenes Kleinod, dessen Wert du nicht zu schtzen
wutest.  (Musik ertnt, Eduard, Amine, Florian und Kolibri steigen
ein, und fahren fort.)

(Veritatius geht mit seiner Tochter und Aladin in den Palast, die
brigen bleiben zurck.)

Chor.
Fahret, fahret fort!
Steuert durch die Welt,
Bis zum Ort, bis zum Ort,
Wo euch Reue qult.


Ein Fallschirm kommt herab, worauf steht: "Krbchen fr die Schnen
dieses Landes." Vier Genien kommen aus der Tiefe und teilen goldene
Krbchen an die Frauen aus.r

Chor.
Seht die frechen Laffen hier,
Krbchen uns zu spenden!
Rache kocht im Busen mir,
Blutig soll es enden!

(Heftiger Schlag in der Musik.  Sie wollen auf die Genien hin,
diese heben die Finger warnend auf; ein augenblickliches Tableau.
Die Genien ziehen aus den Krbchen verschiedene Schmuckwaren hervor,
die Weiber ergreifen sie freudig.  Die Musik und die Singstimmen
sehr piano.)

Chor.
Doch piano, haltet ein!
In dem Land der Sitten
Mu man fein manierlich sein,
Hier wird nicht gestritten;
Drum verlasset diesen Ort,
Hret auf zu tosen,
Traget eure Krbchen fort,
Fllet sie mit Rosen!

(Alle schleichen behutsam fort.)

(Die Genien zur Seite ab.)



Siebzehnte Szene.
(Frchterlicher Wald, Blitze leuchten.  Man hrt das Brausen des
Vulkans.)


Eduard, Amine, Kolibri, Florian treten ein.

Kolibri.  Wir sind am Ziele, dort ist der Vesuv.

Amine.  Welch ein frchterlicher Wald!

Eduard.  Ja, immer finstrer wird der Wald und finstrer wird es auch
in meinem Innern.

Kolibri.  Siehst du dort den Rauch?

Florian.  Aha, da ist eine Ziegelbrennerei!

Kolibri.  Narr!  Es ist der Feuerberg; dorthin geht die Reise.
Eduard, lebe wohl!  Ich reite jetzt als Kurier voraus und bereite
alles zu deinem Empfang.  (Ab.)



Achtzehnte Szene.
Vorige ohne Kolibri.


Amine.  Was soll das alles heien?  Warum stehst du so in dich
gekehrt?  Hat dir Amine etwas zuleide getan?

Eduard.  Ja, Amine, du bereitest meinem Herzen bitteren Schmerz.
(Fr sich.) Mein Unglck ist entschieden; ich liebe sie!

Amine.  Ich verstehe dich nicht; du sprichst so dunkel.  Sieh, ich
wei nicht warum?  aber ich habe dich in dieser kurzen Zeit so lieb
gewonnen, da ich niemanden auf dieser Erde wei, dem ich so gut
sein knnte, wie dir, und du hast doch auf der ganzen Reise
verdrieliche Mienen gemacht.  Komm, ziehen wir weiter; und ging'
es durch den Feuerberg, ich ziehe berall mit dir.

Eduard.  Es ist umsonst, ich mu es ihr entdecken.  So wisse, armes
Geschpf, ich habe dich betrogen; du wirst nicht meine Gemahlin.

Amine.  Nicht?

Eduard.  Nein.  Siehst du jenen Feuerberg, wo die Blitze durch den
Rauch sich winden?  Dort wird deine Wohnung sein; jenem
Geisterfrsten hab' ich gelobt bei meinem Leben, dich zu
berliefern.

Amine.  Das hast du getan?  Du?  (Wehmtig.) Nein, das ist
unmglich!  Du lgst--und das mut du nicht, Amine hat noch nie
gelogen.

Eduard.  O httest du es getan, so waren wir beide glcklicher!

Amine.  Wirklich?  Nun, so will ich das in Zukunft wieder gut
machen und mir recht viele Mhe geben, es zu lernen, wenn ich nur
wei, da dich das glcklich macht.

Eduard.  Zu spt, ich kann nicht mehr zurck.  Amine, du mut mir
folgen.  Ich habe diesen Schwur geleistet, bevor ich dich noch
kannte.  Wenn ich dich dem Zauberknig nicht berliefere, so strzt
der Augenblick, indem ich diesen Entschlu fasse, mich tot zu
deinen Fen nieder.

Amine.  Schrecklich!  Schrecklich!  Ach, warum hast du mich nicht
den Wellen berlassen?  Jetzt vielleicht schon wre ein ewiger
Friede in meiner Brust.  Doch ich sehe das Entsetzliche deiner Lage
ein, und fge mich meinem unerbittlichen Geschicke, das von
Kindheit an mich schon so hart verfolgt.  Hier ist meine Hand,
fhre mich zu dem Zauberknig.

Eduard.  Treffliches Mdchen!  Ich kann dich nicht berliefern; o
armseliger Diamant, wie verlischt dein Glanz vor den Strahlen
dieser Unschuld.  Was soll ich beginnen?

Florian (der sich whrend der ganzen Szene zurckgezogen hatte und
ganz ruhig war, kommt vor).  O mein lieber, gndiger Herr, ich
halt's nimmer lnger aus!  berliefern S' mich dem Zauberknig,
statt ihr, und geben S' ihm halt ein paar hundert Gulden aus; oder
noch was; unser alter Herr war ja alleweil ein gescheiter Mann, und
voller Zauberei war er auch, vielleicht kann der uns helfen?
Machen S' eine Beschwrung, kitzeln wir ihn wo heraus bei einem
Loch, wie einen Grillen, da er uns einen guten Rat gibt.

Eduard.  Ja, du hast recht, Florian!  Diesen Gedanken hat dir ein
wohlwollender Geist eingehaucht.  Hre mich, Vater, wenn du die
Stimme deines Sohns noch erkennst, steig herauf zu mir und rette
mich von meiner Verzweiflung.  Vater, Vater!  hre mich!  (Es
donnert.) Freude, Amine, er hat mich gehrt, er kommt!



Neunzehnte Szene.
(Zephises kommt aus der Erde in seinem vorigen Geisterkleide.
Vorige.)


Eduard.  Geist meines Vaters, rate deinem unglcklichen Sohne!  Was
soll ich beginnen?

Zephises (mit ernster Stimme).  Ich bin dein Vater Zephises und
habe dir nichts zu sagen als dieses!  (verschwindet wieder.)

Eduard (spricht langsam).  Er ist mein Vater Zephises.--

Florian.  Und hat uns nichts zu sagen als dieses!  Nun, das knnen
wir ja tun; riskieren tun wir nichts dabei.

Eduard (rasend).  Treibt die Hlle ihren Spott mit mir?  Wohlan,
geendet sei dies Spiel!  Longimanus, ich lse dir mein Wort!
(Schrecklicher Donnerstreich.  Die Bhne verwandelt sich in eine
Felsengegend, in der Mitte erhebt sich der Vulkan; Lava strmt aus
dem Krater, fliet ber den Berg und bildet um dessen Fu einen
feurigen See.  Alle Elemente sind in Aufruhr.  Musik.) Wo bist du,
Amine?

Amine.  Himmel, welch ein frchterlicher Anblick!

Eduard.  Mir ist er es nicht.  Geisterknig, ich rufe dich!

Heftiger Donnerstreich, auf welchen eine totale Stille folgt; unter
sanfter Musik verwandelt sich die Szene.  Die Kulissenfelsen werden
zu grauen Hgeln mit Blumen beset, der Vesuv wird ein grnender
Berg, der statt der Lava farbige Blumen auswirft, die man statt den
Streifen der Lava sich herabwinden sieht.  Das Lavameer wird ein
Silbersee.  Der Geisterknig erscheint mit Gefolge.



Zwanzigste Szene.
Longimanus.  Gefolge.  Feuergeister.  Vorige.


Longimanus.  Nun, bin ich ein galanter Kerl, oder nicht?  Du hast
g'laubt, ich werd' meine Braut mit Donner und Blitz empfangen?
Nein!  Narren hat's geregnet!  Blumen sind da!

Eduard.  Seine Braut!

Amine.  Himmel!

Longimanus.  Du hast also doch eine g'funden?  Siehst du's, wann
ich was sag'!--Was fr eine Landsmnnin?

Amine (furchtsam).  Eine Englnderin.

Longimanus.  Also ein Wasserkind.  Brav!  Nun also, die Sache ist
in Ordnung, nicht wahr?  (Zu den Feuergeistern.) Fhrt sie hinein.

Eduard (fr sich).  Nein, diese Qual ist zu gro!  (Laut.)
Longimanus, du darfst sie mir nicht entreien!  Lat sie hier!

Longimanus (macht groe Augen und erstarrt fast vor Zorn).  Was ist
das fr ein Diskurs?  Den Augenblick hinein mit ihr!  (Die
Feuergeister fhren sie fort.)

Eduard.  Kehrt zurck, oder--(er will nach).

Longimanus (winkt; Donnerschlag; Gewitterwolken fallen vor, aus
welchen fliegende Ungeheuer Eduard entgegengrinsen).  Sein schon da!
Was ist denn das?  Was unterstehst denn du dich, mir zu drohen?
Du Bursch'!  Du Hergelaufener oder Hergeflogener!  Wie er gekommen
ist, hat er schon ein Geschrei gehabt, da ich ihn bis ins dritte
Zimmer hinein gehrt hab', und jetzt untersteht er sich gar und
begehrt ordentlich auf mit mir.  Ah, da mu ich bitten!  (Scharf.)
Red', was willst du?

Eduard.  Longimanus, Gnade!  (Fllt auf ein Knie.)

Longimanus.  Und Longimanus sagt er nur in der Geschwindigkeit so
zu mir, als wann wir schon hundert Jahre bekannt wren.

Eduard.  Verzeihung, mchtiger Geisterfrst!  Ich bin ein
Wahnsinniger, ich kann ohne Aminen nicht leben!  Habe Mitleid und
schenke mir ihre Hand.

Longimanus.  Untersteh dich nicht mehr, ein Wort zu sagen!  Jetzt
schaut's ihn an!  Macht der auf einmal einen Ernsthaften!  (Dreht
die geffnete Hand.) Ein Wahnsinniger ist er?  Geh, geh, geh, geh,
du Spaiger!  Was du begehrt hast, wirst du erhalten.  Du hast dir
Reichtum gewnscht, du wirst ihn finden.  Du kriegst den Diamant
und ich das Mdel, so hat ein jeder einen Schatz.

Eduard.  O Zauberfrst, nimm alle deine Schtze zurck, ich will
sie nicht, ich verlange sie nicht.  Gib mir Aminens Hand, und ich
will auf alles verzichten.

Longimanus.  Jetzt fangt er gar zum Handeln mit mir an, als ob wir
auf dem Tandelmarkt wren.  Was wir ausgemacht haben, dabei
bleibt's; du bekommst die diamantene Statue und sonst nichts, und
damit du geschwind nach Haus kommst, so werd' ich kutschieren.
Allons!  (Winkt.  Die Wolken erheben sich, und es prsentiert sich
Zephises' Zaubersaal mit sechs Statuen.  Auf dem roten Postament,
worauf jetzt das transparente Wort: Diamant geschrieben ist, steht
Amine im rosensarbnen Kleide mit einem reich mit Flitter gestickten
Schleier, der ihr Gesicht nicht verhllt, sondern mit hbschem
Faltenwurf um den ganzen Krper fliet, ihre Figur mu sehr grell
beleuchtet sein.) Da ist sie, ich bergeb' sie dir; wir sind quitt!

Eduard (ohne hinzusehen).  Ist sie mein Eigentum?

Longimanus.  Ja!

Eduard.  So will ich sie vernichten, denn sie ist die Ursache
meiner Verzweigung!  Ich will sie nicht haben, ich zerschlage sie!
(Eilt mit Wut gegen die Statue.)

Amine (steigt von dem Piedestale und sinkt in seine Arme).  Eduard,
ich bin dein!

Eduard.  Amine!  Meine Amine!

Florian.  Er hat sie nicht zerschlagen.

Eduard (strzt freudig zu Longimanus Fen).  Herr, wie soll ich
dir danken?

Longimanus.  Ja, jetzt!  Gelt, ich hab' dich erwischt?  Du
Tausendsapperment!  Ich hab' dich nur auf die Prob' g'stellt, wenn
dir das Geld lieber g'wesen wr', als sie, httest du sie in deinem
Leben nicht bekommen.  Da hast du s' jetzt.  Ein Weib, wie die sein
wird, ist der schnste Diamant, den ich dir geben hab' knnen.

Florian.  Vivat!  Jetzt hole ich meine Mariandel.  (Will ab.)



Einundzwanzigste Szene.
Kolibri.  Mariandel.  Nachbarsleute.  Vorige.


Kolibri.  Da bring' ich Gste zur Hochzeit.

Eduard.  Kommt, Freunde, nehmt teil an meiner Freude.

Mariandel.  Florian!

Florian.  Mariandel, du bist mein!  Du bist zwar kein Diamant, aber--
wo bist her?

Mariandel.  Aus Prag.

Florian.  Bist ein bhmischer Stein.

Longimanus.  Und damit wir einen Tanz bei der Hochzeit haben, so
sollen (auf die Statuen deutend) die ein wenig herumspringen.  (Die
Statuen steigen von den Postamenten und tanzen unter dem Ritornell.)

Schlugesang
(beginnt mit Tanz, dann:)

Mariandel.  Der kleine Liebesgott!

Florian (singt es nach).  Der kleine Liebesgott!

Mariandel.  Treibt mit uns allen Spott.

Florian.  Treibt mit uns allen Spott.

Mariandel.  Kaum trifft er uns ins Herz,

Florian.  Kaum trifft er uns ins Herz,

Mariandel.  So fliegt der kleine Schelm davon.

Florian.  Er fliegt davon.

Chor.  Er fliegt davon!  Er fliegt davon.

Mariandel.  Die allerschnste Sach'--

Florian.  Die allerschnste Sach'--

Mariandel.  Sprichst du denn alles nach?

Florian.  Sprichst du denn alles nach?

Mariandel.  So hr' doch einmal auf!

Florian.  So hr' doch einmal auf!

Mariandel.  Du dummer, dummer Tlpel du!

Florian.  Du Tlpel du!

Chor.  Du Tlpel du!  Du Tlpel du!

(Zwischentanz, Gruppe.)

Mariandel.  Bin ich nur Frau hernach--

Florian.  Bin ich nur Frau hernach--

Mariandel.  Dann sprichst du g'wi nicht nach.

Florian.  Dann sprichst du g'wi nicht nach.

Mariandel.  Ich red' den ganzen Tag.--

Florian.  Ich red' den ganzen Tag--

Mariandel.  Und du verhltst dich muschenstill.

Florian.  Ja muschenstill!

Chor.  Ja muschenstill!  Ja muschenstill!

Florian.  Drum bitt' ich nur geschwind--

Mariandel.  Drum bitt' ich nur geschwind--

Florian.  Wenn Sie's zufrieden sind--

Mariandel.  Wenn Sie's zufrieden sind--

Florian.  Wir machen jetzt ein End'--

Mariandel.  Wir machen jetzt ein End'--

Florian.  So bleibt ihr doch heut 's letzte Wort.

Mariandel.  Das letzte Wort.

Chor.  Das letzte Wort!  Das letzte Wort!

(Am Schlusse gruppiert sich alles.  Die Statuen besteigen die
Postamente, Amine auf dem mittleren.  Eduard kniet vor ihr;
Longimanus steht auf der andern Seite, Florian kniet vor Mariandel.
Die Nachbarn gruppieren sich mit freudigem Erstaunen.)

(Der Vorhang fllt.)

Ende.


Ende dieses Projekt Gutenberg Etextes Der Diamant des Geisterknigs,
oder Zauberposse mit Gesang in zwei Aufzgen, von Ferdinand Raimund.











End of Project Gutenberg's Die unheilbringende Krone, by Ferdinand Raimund

*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE UNHEILBRINGENDE KRONE ***

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To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
and the Foundation information page at www.gutenberg.org


Section 3.  Information about the Project Gutenberg Literary Archive
Foundation

The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
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permitted by U.S. federal laws and your state's laws.

The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S.
Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered
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North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887.  Email
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Foundation's web site and official page at www.gutenberg.org/contact

For additional contact information:
     Dr. Gregory B. Newby
     Chief Executive and Director
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