The Project Gutenberg EBook of Tunisias, by Johann Ladislav Pyrker

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Title: Tunisias
       Johann Ladislav Pyrker's smmtliche Werke (1/3)

Author: Johann Ladislav Pyrker

Release Date: November 30, 2017 [EBook #56086]

Language: German

Character set encoding: ISO-8859-1

*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK TUNISIAS ***




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                         [Illustration: Pyrker]




                        Johann Ladislav Pyker's

                           smmtliche Werke.


                   Neue durchaus verbesserte Ausgabe.

                              Erster Band.


                        Stuttgart und Tbingen.
                        J.B. Cotta'scher Verlag.
                                 1855.

                        [Illustration: Tunisias]




                               Tunisias.


                  Ein Heldengedicht in zwlf Gesngen.




                       Inhalt der zwlf Gesnge.


                             Erster Gesang.

Eingang. Ein Eilbothe meldet dem Kaiser, die Schiffsmacht der Feinde sey
gegen Barcellona im Anzug. Zugleich kommt Muley Hassan, der vertriebene
Knig von Tunis, von ihm Schutz zu erflehen. Des Kaisers Abendgebeth im
Dom zu Madrid. Die Stunde der Weihe. Muhamed in der Felsenhhle des
Aetna. Er erhebt sich mit seiner Geisterschar dem Hairaddin helfend zu
nahen.


                            Zweiter Gesang.

Der Kaiser beruft noch in der Nacht die Versammlung der Cortes, und eilt
mit Muley Hassan nach Barcellona. Aus dem Schooe des Erdballs ziehen
Hannibal, Hermann, und Regulus dem Kaiser zu Hlfe. Regulus eilt nach
Tunis voraus, und haucht den gefangenen Christen Trost ein. Muhamed ruft
aus dem bersinnlichen Raum noch den Attila zu Hlfe. Er erregt
Mitrauen in Muley Hassans Brust. Nchtliche Landung, und Raub der
Corsaren.


                            Dritter Gesang.

Ein Theil der Seemacht versammelt sich vor Barcellona. Erst kommt Doria,
dann Ludwig von Portugal, dann Ruyter mit den Niederlndern. Der andere
Theil an der wlschen Kste zu Porto Venere. Einschiffung der Wlschen
und Deutschen. Aufzhlung der deutschen Scharen. Ihre Abfahrt. Nacht.
Muhamed erregt den Corsaren, Abdul, das nachsegelnde Schiff Sarno's zu
entern. Sarno gefangen. Die rmische Macht vereint sich mit jenen.
Ankunft vor Neapel. Toledo, des Viceknigs Sohn, dessen von den Corsaren
geraubte Gattinn, Mathilde, sich zu Tunis befindet, schliet sich mit
Neapels Macht an. Abfahrt nach Cagliari.


                            Vierter Gesang.

Ankunft des Kaisers zu Barcellona. Einschiffung und Abfahrt nach
Cagliari. Ausbruch des Aetna. Seesturm. Morgen. Die feindliche
Schiffsmacht jener des Kaisers entgegen. Die Geister nahen. Muhamed eilt
nach Afrika voraus. Die brigen bleiben. Doria fordert vom Kaiser die
Schlacht, und die Leitung derselben. Hermann will den Kaiser selbst zum
Oberbefehle vermgen: dieser widersteht. Seeschlacht. Die feindliche
Flotte anfangs im Vortheil. Regulus dringt in den Doria sie zu trennen.
Die feindliche Schiffsmacht vernichtet. Sarno befreiet. Hannibal tritt
bei dem Anblick des waltenden Rmers auf die Seite Hairaddins, und eilt
in sein altes Vaterland. Abfahrt nach Tunis.


                            Fnfter Gesang.

Auf dem Wege schliet sich das Geschwader Maltha's an. Drohende
Wachfeuer an der afrikanischen Kste. Ankunft vor Buschatter (Utika),
dann am Vorgebirge Karthago's, und Goletta. Der Kaiser sendet zwei
Spherschiffe die Landungspltze zu erkunden. Hairaddin wird die Ankunft
der Christen gemeldet. Er eilt nach Goletta. Muhamed erregt ihn, eines
der Spherschiffe vernichten zu lassen. Drauf beruft er seine Feldherrn
zum Kriegsrath, und kehrt nach Tunis zurck. Regulus zeigt Hugo, dem
treuen Diener Mathildens, die Weise sie zu retten. Kurd.


                            Sechster Gesang.

Der Kaiser entlt aus dem Kriegsrath die versammelten Feldherrn.
Waffnet sich. Landung. Seine Rede an das gelandete Heer. Ordnung
desselben. Dragut, in dessen Macht sich Mathilde befindet, nahet mit dem
Vortrab. Vorkampf. Lichtstein verjagt die Feinde. Attila reitzt den
Dragut zurckzukehren; er fordert den feindlichen Fhrer zum Zweikampf.
Toledo ihm entgegen. Sie verwunden sich beide, und werden getrennt. Die
Maltheser beschieen vom Meere heran die feindliche Stellung, landen,
und verjagen mit Lichtsteins Reitern den Vortrab. Hairaddin, der ihm zu
Hlfe eilt, wird mit fortgerissen. Das christliche Lager noch in der
Nacht auf Karthago's Sttte erbaut. Der Kaiser im Kreise der Krieger
entschlummert. Ihm nahet Hermann, und kndet ihm seine Siege jenseits
der Meere. Die Krieger entflammen die Lagerfeuer, kochen ab, und
genieen das Nachtmahl. Kurd kndet Toledo die Rettung Mathildens.
Attila erregt den Sinam das Lager der Christen zu berfallen. Viele
Christen getdtet. Hardwins Opfertod. Rogendorf, der Feldzeugmeister,
feuert mit Donnerrhren in die Feinde. Salis verfolgt mit den
tyrolischen Schtzen die Fliehenden, und wird von dem Kaiser
ausgezeichnet.


                           Siebenter Gesang.

Morgen. Der Kaiser auf den Ruinen Karthago's. Muhamed und Attila mit
ihren Scharen erregen im Cedernwald von Zafrano eine Riesenschlange, die
Christen an der Errichtung der Schanzen zu hindern. Viele durch sie
getdtet. Ludwig eilt ihnen zu Hlfe. Regulus. Die Riesenschlange durch
Ludwig erlegt. Die Schanzen gegen Goletta erbauet. Sarno mit den
Wlschen besetzt die uersten Schanzen. Alba als Friedensgesandter zu
Tunis. Der Friede von Hairaddin verworfen. Mathilde. Hugo macht ihr die
Anstalten zu ihrer Rettung bekannt. Die Beschieung Goletta's beginnt.
Groe Hitze. Saleck greift die Schanzen der Wlschen an. Sarno, aus den
Schanzen gelockt, tdtet den Saleck, aber auch er wird durch eine Kugel
getdtet. Seine Krieger kehren mit seiner Leiche fechtend zurck.


                             Achter Gesang.

Der Kaiser trstet die Krieger Sarno's, und gebiethet der Veste durch
Schanzen und durch bedeckte Wege nher zu rcken. Hugo hilft Mathilden
entfliehen, und wird gefesselt in die Kerker der Hochburg geschleppt.
Mathilde in der Hhle des Olivenwaldes empfindet die Wehen der nahen
Entbindung. Cornelia. Hairaddins Unruhe. Muhamed erregt den
Verschnittenen Memi, ihn durch Tanz und Spiele circassischer Jungfrauen
zu erheitern, aber vergebens. Hairaddin heit den Tobukes die Schanze
der Spanier strmen. Die Spanier berwltigt, fliehen. Der Kaiser, von
Hermann gewarnt, eilt heran, und die Feinde werden zurckgetrieben.
Tobukes ermordet sich selbst. Hairaddin rckt durch das Olivengehlz
vor. Toledo mit Kurd auf dem Wege zur Hhle, kehrt bei Erblickung der
Feinde zurck in das Lager, wo der Kaiser eben Heerschau hlt. Dieser
sendet den Lichtstein mit erlesenem Volk die Bergschanze zu erstrmen,
und rckt mit einem Theile des Heeres dem Feinde entgegen.


                            Neunter Gesang.

Muhamed und Attila treiben die Feinde eilender vor. Angriff Hairaddins
in dem Olivengehlz. Die Spanier weichen. Mendoza fhrt sie wieder vor.
Er wird verwundet. Garzia Lasso fhrt ihm die Reiterschar zu Hlfe.
Erstrmung der Bergschanze. Hairaddin gebiethet erneuerte Schlacht.
Muhamed bringt Garzia Lasso in groe Gefahr, aus welcher ihn der Kaiser
errettet. Mathildens Tod. Toledo dringt zur Hhle vor, und findet dort
seine entseelte Gattinn. Heftiger Kampf an dem linken Flgel des Heeres.
Ursini, der rmische Feldherr, weicht; doch Alba bringt ihm mit den
schwergeharnischten Reitern Hlfe, und zwingt auch Hairaddin zum
Rckzug. Der Kaiser kommt zur Hhle, und fhrt Toledo nach dem Lager.


                            Zehnter Gesang.

Hannibal fordert den Sinam auf, das schwere Geschtz der Christen zu
vernageln. Muhamed aber eilt mit Attila, und ihren Scharen nach dem
Innern Aethiopiens, und erregt den Samum, da er mit seinem Flammenhauch
das christliche Heer vernichte. Giaffar strmt die Schanze der
Niederlnder und Portugiesen, und vernagelt einiges Geschtz. Zweikampf.
Don Ludwig tdtet den Giaffar. Sinam kommt den Seinen zu Hlfe. Heftiger
Kampf. Der Samum nahet, wird aber von einem Unsterblichen
zurckgetrieben. Erdbeben, Donner und Strme wthen. Der Kaiser befiehlt
in denselben Goletta's Erstrmung. Rckzug des Feindes. Die letzte
Beschieung der Veste beginnt. Die geordneten Scharen der Christen
dringen vor. Goletta erstrmt.


                            Eilfter Gesang.

Nacht. Hairaddin sinnt auf Selbstmord. Muhamed dringt in ihn, die
Christensclaven zu tdten. Sinam bringt ihn von seinem Entschlusse ab.
Die Einwohner von Tunis werden entwaffnet. Regulus bewegt den Renegaten,
Medelin, da er den Christensclaven die Bande lse. Des Kaisers Trauer.
Gesprch mit Eberstein, dem er seinen Entschlu entdeckt, einst in der
Einsamkeit sein Leben zu enden. Toledo ermannt sich. Morgen, Feier des
Abendmahls. Begrabung der Todten. Aufbruch des Heeres nach Tunis.
Hairaddin nahet von dort mit dem Heere. Der Angriff wird auf den
folgenden Tag verschoben. Er sendet den Abu-Sa-id, das Lager der
Christen, im Rcken, zu strmen. Hugo entkommt dem Kerker, und bringt
dem Kaiser von den Christensclaven Kunde.


                            Zwlfter Gesang.

Morgen. Der Kaiser gibt das Zeichen des Angriffs. Salis vereitelt
Abu-Sa-ids List, und tdtet ihn. Schlachtordnung der Christen. Der
Kaiser hlt eine Rede an sie, und fhrt sie dem Feinde entgegen. Die
Geister der Schlacht entrckt. Vorgefecht. Heftiges Schieen aus dem
groen Geschtz. Angriff. Dragut von Toledo getdtet. Allgemeine
Schlacht. Toledo von Hairaddin erlegt. Die Feinde dringen vor, und
umzingeln del Guasto, der sich in der Stellung des Vierecks wehrt. Der
Kaiser kommt ihm zu Hlfe, und verwundet den Hairaddin. Letzter
mrderischer Kampf. Flucht der Trken. Hugo findet seinen getdteten
Herrn, und begrbt ihn in der Hhle des Olivenwaldes, an der Seite
seiner Gattinn. Der Vortrab dringt in die Stadt. Der Kaiser langt an den
Thoren an, wo ihm die Aeltesten entgegen kommen. Befreiung der
Christensclaven. Einzug zu Tunis!




                             Erster Gesang.


   Tn' o Heldengesang, die Waffenthaten des Kaisers
   Carol, die er vollbracht' auf dem wogenden Meer' und dem Festland,
   Als er vom schmhlichen Joch tunisischer Ruber die Christen
   Ls'te mit Siegers Hand, Europa's zagenden Vlkern
   Frieden errang, und dem Meer' erkmpfte die heilige Freiheit.

   Haben Unsterbliche jetzt, in der Stunde der Weihe, vor allen
   Mir das Auge berhrt? Ich seh' urpltzlich der Geister
   Schauderumnachtetes Reich erhellt, und im freudigen Eilflug
   Zahllos schreiten einher die Heldenshne der Vorwelt,
   Die in dem Schlachtengefild', entzweiet, die Vlker empren;
   Sehe den Kaiser zuerst, im Sturm des Donnergeschtzes,
   Werfen des Feindes Schiffheersmacht in den brausenden Abgrund;
   Dann ihn, laut umjauchzt von Tausenden, landen vor Tunis,
   Schimmern die Fahne des Siegs von Goletta, vom blutigen Schlachtfeld
   Fliehen den Feind, und dort in dem Staub die entfesselten Sclaven
   Knieen, und netzen des Retters Hand mit glhenden Thrnen,
   Der, o Wonne, sie heim in das Vaterland, und entgegen
   Segnenden Lieben fhrt aus Schmach, und Qual, und Verzweiflung!
   O wie bebt mir die Brust: herauf aus den Tiefen des Herzens
   Strmt der Gesang, und kndet der Thaten erhab'ne Vollendung!

   Hoch auf dem Erker der Burg, im Duft der Acacienblthen,
   Sanftumschimmert vom Abendgold, sa jetzo der Kaiser,
   Sinnend allein. Er dachte des eilegebiethenden Heerzugs;
   D'rben vor Tunis der Schlacht, und des wechselnden Schlachtengeschickes
   Ernstumhlleten Blick's. Gestalten der mchtigen Vorzeit
   Schwebten ihm, druend, vorbei; er sah die verdeten Felder
   Einstigen Ruhms, wo Hannibals Stolz dem gewaltigen Rmer[1]
   Huldigte, und fr den Sieg des weltvershnenden Kreuzes
   Frankreichs Ludwig starb: frwahr ein heiliger Knig![2]
   Und ihm pochte die Brust laut auf in der Stille des Abends.
   Siehe, da scholl entlang die Wlbung des drnenden Thorwegs
   Hufesgerassel, und Leben erwacht' in den untersten Hallen!
   Nher die Stufen herauf, im Klirren des Waffengeschmeides,
   Kam ein Ritter: Alonzo-Cid, des spanischen Fuvolks
   Fhrer, das an dem Meer', unferne dem Strand Barcellona's,
   Harrte des heiligen Kampfs fr Recht, fr Glauben und Freiheit.

   Jetzo dem Herrscher genaht, sprach er, emprt in dem Busen:
   Herr, von Mendoza gesandt, dem tapferen Heldengebiether,
   Komm' ich, ein eilender Bothe heran: uns nahen die Gegner!
   Hairaddins[3] Seemacht kreuzt vor Hispania's schnen Gestaden,
   Jetzo gerstet zur Schlacht, dann wieder unendlichen Jammer
   Druend dem Kstenvolk und den heereversammelnden Schiffen.
   Wie, so rief ihm der Kaiser, erstaunt: noch wagte der Ruber
   Uns in Europa zu nah'n, da wir nach Afrika's Ksten
   Wenden den Kiel, und lsen die schimmernden Segel zur Abfahrt?
   Wehe dem Wthrich, denn dort, wo empor aus blutigem Raubwust
   Sein entsetzlicher Thron sich hob, und unzhlige Christen
   Decket in Kerkersnacht: dort treff' ihn die Rach' und Verderben --
   Treffe Fluch ihn, und Schmach zur Vergeltung unendlichen Jammers!
   Eile zurck', und entbiethe von mir dem tapferen Feldherrn,
   Da er versammle sein Volk an dem Meer', und wehre den Rubern
   Dort den Ueberfall und die Landung: denn nur im Dunkeln,
   Wie der hungernde Wolf, der Nachts die Hrde bestrmet,
   Dru'n sie Schrecken dem Feind, nicht im Lichte der brausenden
      Seeschlacht,
   Die mein Doria[4] kmpft, ein Adler im Fluge zum Himmel.
   Gehe mit Gott! Ich folge dir schnell zu dem Strande des Meers hin.
   Und er winkte mit Huld dem gepriesenen Fhrer zum Abschied.
   Aber er zgerte noch, und begann: Dem Ruber entfliehend,
   Wie vor dem grimmigen Luchs ein Reh durch Schnelle sich rettet,
   Stieg, erst heute vom Bord des raschhersegelnden Schiffes
   Muley-Hassan[5] an's Land, dem Hairaddin, schnaubend vor Herrschsucht,
   Jngst die Krone von Tunis geraubt. Er folgte mir schweigend
   Nach Madrid, zum Palast, ein Flehender, da du ihn hrest.
   Jetzt erhob sich, bewegt, der hochgesinnete Kaiser;
   Eilte die Wendeltreppe herab, und sah nach dem Fremdling
   Forschend umher. Er sa an der Marmorsule der Halle,
   Selber ein Marmorbild, auf die kreuzenden Beine gesunken,
   Die das rumige Kleid umfing, und der wallende Kaftan
   Deckte, mit Zobel umbrmt. Sein finsteres Auge, beschattet
   Tief von des Tulbans Bund, hing starr am glnzenden Estrich,
   Und er regte sich nicht, voll Grams hinbrtend, ein Schaubild
   Wechselnden Erdenglcks und leichtentschwindender Hoheit.
   Jetzo vernahm er den Tritt des nahenden Herrschers. Er bebte,
   Sank auf die Knie', und rief, mit tiefergreifender Stimme:
   Knig des Abendlands, dir wirft sich ein Knig zu Fen,
   Gleich den Sclaven, die einst vor ihm zum Staube sich bckten!
   Ach, ein Knig nicht mehr: ein Flchtling zu Land' und zu Wasser,
   Freundlos, reich nur an Gram und an Ha unzhliger Gegner,
   Fleht er um Hlfe zu dir -- ein Wrdiger, so du verzeihest,
   Christenbeherrscher, da er im Gesetz des Propheten geboren ...
   Also der Knig: da hob, im Innern erschttert, der Kaiser
   Schnell von dem Boden ihn auf. Er drckte, freundlichen Blickes,
   Ihm die zitternde Recht', und entgegnet' ihm rasch und entschlossen:
   Sey willkommen im Abendland! Den Glauben, o Fremdling,
   Wgt ein Hh'rer, denn wir; doch Menschen ist heilig das Unglck:
   D'rum verknde das deinige jetzt mit Muth und Vertrauen!
   Hassan staunte mit Thrnen ihn an, und als er, zum Zeichen
   Innigen Dankes, den wogenden Bart mit der Linken berhrte --
   Segnend die Recht' erhob, begann er mit Muth und Vertrauen:
   Gott, der Alles erschuf, und die Erde mit allen Gestirnen
   Lenkt, allmchtigen Winks, gewhre dir Flle des Segens,
   Weil du, o Herr, den Flehenden ehrst, den mitten im Frieden
   Hairaddins Meuchelschwert, noch rauchend vom Blute der Frsten,
   Jngst aus dem Erbe der Vter vertrieb. Er raubte Telmessans,
   Algiers Thron: hier Selim Euthemi, den Knig, erdrosselnd,
   Dort erwrgend zugleich Abu-Hamu, den Herrscher, und Masud,
   Dem er die Krone verhie, mit sieben aufblhenden Shnen.
   Soll, Hohn biethend dem Recht, noch Huldigung lohnen dem Frevel?
   Wehe, Suleyman,[6] der groe genannt von niedrigen Seelen,
   Ehrte des Rubers That, und gab mein herrliches Erbland
   Ihm zum Lohn', als schndlicher Treubruch auch in des Bruders
   Herzen die giftigen Keime geweckt! Al-Raschid, der Frevler,
   Zwillinggeboren mit mir, denn liebend sugt' uns die Mutter
   Selbst an der zrtlichen Brust, dem grauenden Vater zur Wonne,
   Eilte nach Istambul,[7] ein Flchtender, frecher Emprung
   Strafe scheuend. Sie ward ihm dort: denn meuchlingsgemordet,
   Frhnt' er nur Hairaddins List, der schnell Goletta, die Festung,
   Dann auch Tunis gewann, im Nahmen des Todten gebiethend,
   Welchem das Volk anhing, das immer der Neuerung hold ist.
   Schwer entrann ich des Wthrichs Hand, und beuge mich jetzo
   Tief im Staube vor dir, Hispania's mchtiger Knig,
   Da mir werde der Vter Thron im Kampfe der Rettung
   Tausender, den du beginnst! Dein sey von Tunis die Herrschaft --
   Muley Hassan, Mehemeds Sohn, dein treuer Vasall nur.
   Doch mit der Recht' an der Brust begann dann jener, betheuernd:
   Frei zu kmpfen mein Volk -- zu rchen die Schmach und die Freveln,
   Die von dem frechen Korsaren es litt an den heimischen Ksten
   Und auf dem Meer, das segenspendend die Welten vereine,
   Sey mir das heilige Ziel im Waffengefilde vor Tunis.
   Dein ist der Ahnen-Thron, und soll dir werden in Freiheit:
   De' sey Gott, der allwissend', ein Zeug', und ein Rcher des Meineids!
   Also rief er, bewegt, und Hassans finsteres Antlitz
   Leuchtete gleich dem Mond, der Wetterwolken entschwebte.
   Gastlich sah er sich dann im hohen Palaste beherbergt.

   Aber zum heiligen Dom' hinwandelte jetzt in des Abends
   Stille der Kaiser allein, um dort, auf die Kniee gesunken,
   Seine Seele mit Muth und Strke zu rsten. Er flehte:
   Ewiger, dein allmchtiger Arm hat Israels Scharen
   Durch die Tiefen gefhrt des seitwrtsweichenden Meeres,
   Da sie die Fluthenwand entlang, wie auf grnenden Matten
   Wandelten! Schnell, wie ein Sturm herbraust, so strzte dein Odem
   Ueber Pharao's Macht die Wsser zusammen, da alle,
   Mann, und Wagen, und Ro, wie Blei versanken im Abgrund.
   Deinem allmchtigen Hauch' erbebten Jericho's Mauern,
   Und versanken in Schutt, als Josua's Volk sie im Sieg'sruf
   Seiner Drometen umfing. Ich ziehe zu Felde: gewhre
   Mir ein Zeichen der Huld und der beifallwinkenden Allmacht!
   Also bethet' er leis'. Aus den farbigen Scheiben des Fensters
   Flog ein leuchtender Strahl der Abendsonn' ihm vorber;
   Aber zugleich ein Glanz, dem tausende Sonnen verlschen,
   Flammte mit Donnergetn' in dem Allerheiligsten nieder,
   Und des unendlichen Doms aufthrmende Sulen erbebten.
   Leise wogte der Grund. Aus der silbernstrahlenden Orgel
   Tneten hehr' Accorde heran, und Gesnge des Himmels,
   Wie kein Sterblicher sie noch vernahm, verhallten im Luftraum.
   Aber der Bethende schlo die lichtgeblendeten Augen:
   Denn nur ein leises Weh'n, die erblassenden Wangen vorber,
   Fhlt' er noch, und Schauder der nahen Vernichtung ergriff ihn.
   Ha, welch' Wunder, er rief's, da sinkt die sterbliche Hlle,
   Die mich im Staub' umgab, entseelt in lieblichen Schlummer,
   Und ich entschweb' ihr verzckt? Wie, wr's ein tuschender Traum nur,
   Oder ein Nachtgesicht, aus Himmelsdufte gewoben?
   Wie der schwebende Flaum, gerafft vom Hauche des Windes,
   Schnell zum Gewlk auffleugt: so hob sein geistiger Leib sich
   Leicht von der Erd' empor, und schwebt' im sausenden Eilflug
   Ueber dem Luftraum schon, den keiner der Erdebewohner,
   Lebend, durchschifft': er mit', urpltzlich, Besinnung und Odem.

   Jetzt an dem holden Gestirn, das sonst die Nchte des Erdballs,
   Wechselnd, mit silbernem Schimmer erhellt, erbrauste sein Aufflug.
   Dunkeles Land mit glnzenden Meeren, und Strmen, und Flssen,
   Ducht' ihn, umgeb' auch hier den rastloskreisenden Mondball,
   Und ihn ducht': er hrte das Rauschen der brandenden Wogen,
   Mchtigbevlkerter Stdte Gets', und, dem Brllen der Heerden
   Rings vermengt, Geschrei der befiederten Lftebewohner.
   Doch er verweilt', und staunte, da alle die Lnder des Erdballs
   Und das umgrtende Meer ihm jetzt ein schimmernder Punkt nur
   Schien in des Weltalls Raum, dem Ozean flammender Sonnen,
   Sonder Gestad' -- endlos nach oben, nach unten, und ringsum:
   Denn, wie in heiterer Nacht, wo jegliches Lftchen verstummet,
   Und im sanftergossenen Licht der silberne See ruht,
   Innig bewegt, ein Wanderer bald den schimmernden Aether
   Ueber sich schaut, und bald in des See's hinfluthendem Spiegel,
   Tiefhinuntergewlbt, ihn erblickt mit den goldenen Sternen:
   Also ersah der Bebende dort die unzhligen Welten,
   Schimmernd, und dacht', ohnmchtig im Aethergefild zu vergehen!
   Aber ihm nahete jetzt, voll Hast, der Himmlischen Einer.
   Lieblich strahlte sein Aug' und sandte dem Erdebewohner
   Zrtliches Mitleid zu. Holdseliges Lcheln umschwebte
   Seinen rosigen Mund; es wehten die goldenen Locken
   Ihm um die denkende Stirn' und die Flammensule des Nackens,
   Und vom glnzenden Leib, in Flle der ewigen Jugend,
   Wallte das Strahlengewand wie morgenrthlicher Schimmer.
   Als er den Fremdling sanft erhob, begann er, voll Anmuth:
   Frchte dich nicht! Unzhlbar blh'n in den Auen des Himmels
   Dir die Blumen der ewigen Huld: du pflckst sie mit Andacht,
   Und sie duften dir noch, erquickend, im irdischen Leben,
   Da du erringest das Ziel auf gottgeflliger Laufbahn.
   Sagt' es, und fat' ihn, und schwang sich mit ihm, urpltzlichen Fluges,
   Eilender stets, im Glanz' therischer Rume herunter.
   Nicht das lastende Blei, von der Zinne des Thurmes geschleudert,
   Sinket zur Erde so schnell; nicht der Sturm umbrauset des Erdballs
   Unermeliche Reiche so rasch, und des Menschen Gedanken
   Dringen nicht also geschwind vom eisigen Nord- zu dem Sdpol:
   Als der Hocherhobene jetzt, an der Seite des Freundes
   Aus therischen Hh'n zur heimischen Erde herabsank.
   Und, als htt' er Jahrhunderte schon in des schnellen Herabflugs
   Augenblicken durchlebt, so whnt' er: ein irrender Fremdling
   Diesseits noch, und gebannt in des Fleisches umschrnkende Hlle.

   Da, wo in engerer Bahn, an Siciliens Felsengestaden
   Und Calabriens Klippen vorbei, sich die salzige Meerfluth
   Strmend ergiet: traf jetzt mit sanften, melodischen Tnen,
   Brausender Wogen Gebrll' und wirbelnder Fluthen Getmmel
   Sein aufhorchendes Ohr, und seine erheiterten Augen
   Hafteten sehnsuchtsvoll an der dampfenden Kuppe des Aetna:
   Denn, nur eben entrckt dem mildbefreundeten Leben,
   War ihm die Erde noch stets die liebe, die trauliche Heimath.
   Doch auf den schwindligen Hh'n, wo Stille herrscht, und des Wand'rers
   Ohren kein Laut erschallt, wenn dort nicht der einsame Gemsaar,
   Von dem mittleren Raum, mit kreischender Kehle, sich aufschwingt;
   Wo in des Frhwinds frostigem Hauch nur gelbliches Steingras
   Rauschet, und gleit, und am Felsenkamm kein Rasen ergrnet:
   Dort erblheten jetzt rings her die erlesensten Blumen --
   Nickten, und trugen die beiden vereint auf den schimmernden Kelchen
   Sanft von der Erd' empor, und verbreiteten Dfte des Himmels.
   Doch der Unsterbliche sank auf die Knie', und sah zu dem Lichtreich
   Flehenden Blickes empor, die Stimme des Herrn zu vernehmen.
   Und sie erscholl leis' erst, wie ein Frhlingslftchen die Blthen,
   Lispelnd bewegt; dann hnlich dem Sturm, der hoch zu den Wolken
   Stubet die Felder, entwurzelt den Forst, und empret den Waldstrom,
   Da er mit schwellendem Grimm' ausbricht in die Fluren und wstet
   Thler und Hgel umher, zu trauererregendem Anblick;
   Wie der furchtbare Donner, der des umnachteten Himmels
   Eh'rnes Gewlb, weithin, durchbrllt, und mit krachenden Schlgen
   Dumpf fortrollt, und murrt, da die Vesten erzittern des Erdballs:
   Also, Vernichtung drohend, erscholl's dem sinkenden Fremdling,
   Als der Ewige sprach; doch jener vernahm's mit Entzcken.
   Wie der leis' Erwachende horcht, wenn nchtliche Lftchen,
   Flisternden Hauchs, die Saiten der Aeolsharfe durchsuseln,
   Und der entzckende Klang in den stillen Rumen dahinstirbt:
   Also horchte der Himmlische. Doch nun hob er den Fremdling
   Liebend an seine Brust, und drckte die rosigen Lippen
   Dann mit erweckender Gluth an seine geschlossenen Wimpern.
   Staunend blickt' er umher: er sah durch Thrnen der Wonne,
   Fest an den Busen des Holden geschmiegt, die Gefilde des Himmels
   Pltzlich enthllt, und stand verloren in seliger Anschau.
   Wie in des eisigen Winters Zeit, wenn dstere Nebel
   Lange die Thler umher, dicht lagernd, verhllten, der Ostwind
   Sausenden Flugs anstrmt, und die lstigen ferne verscheuchet:
   Da glnzt herrlicher noch der hochaufwlbende Luftraum,
   Und der bereifte Wald erhebt von den starren Gebirgshh'n,
   Schimmernd, das Haupt -- hell glhet der Strom im sonnigen Thal fort:
   Also zerflo auch hier, vor den Augen des staunenden Fremdlings
   Leise die Wolkennacht, und er sah ... wer wagt' es zu sagen,
   Was er geseh'n, gehrt, und gefhlt in den Tiefen des Herzens?
   Nur in dem Augenblick, wie er uns auf Erden entschwindet,
   Wurden die hohen Gesicht' ihm enthllt: im duftigen Goldglanz
   Schwanden sogleich vor seinen Blicken die Rume des Himmels.
   Aber er stand, und starrte noch immer, erschttert, vor sich hin,
   Wie der Wand'rer im strahlenden Blitz die nchtliche Gegend
   Pltzlich erhellet schaut, dann blind hinstarrt in die Sturmnacht.
   Und der Unsterbliche rief ihm jetzt ermunternden Blickes:
   Sohn des Staubes, o nie vergi der Huld des Erbarmers,
   Die zu Gefilden dich hob, wohin kein sterbliches Aug' noch
   Drang. Lobsinge dem Herrn, dem einigen Lenker des Weltalls!
   Hier auf den dampfenden Hh'n verknd' ich dir seine Beschlsse,
   Wie erst zuvor mein Ohr sie vernahm in unsglicher Wonne.
   Er durchschaute dein Herz, das hei fr unzhliger Vlker
   Wohlfahrt schlgt, und jetzt den Sclaven Errettung bereitet.
   Schn ist der Kampf fr Recht und des Menschen heilige Freiheit;
   Gottgesegnet der Muth, die schmhliche Kette zu brechen,
   Die der freche Tyrann, im Wahnsinn hhnenden Stolzes,
   Jenen ersann, die Brder ihm sind, und Erkor'ne des Himmels.
   Herrlichen Sieg gewhret dir Gott; erkenne die Zeichen
   Seiner unendlichen Huld und der beifallwinkenden Allmacht.
   Jener beugte die Stirne zum Staub'; erhob sich, und sah dann
   Freudig empor: sein Aug' erglnzte von Thrnen des Dankes.
   Jetzt ergriff er die Hand des Himmlischen, starrte verwundert
   Noch in die Lfte hinaus, und sprach mit leiserer Stimme:
   Ringsum sah ich die Luft von Scharen unsterblicher Geister
   Wimmeln, und dort die Wege der Sterblichen gierig erforschen.
   O, verhehl' es mir nicht: was sollen die hohen Gestalten,
   Die, verdunkelt, nicht dir, nicht mir, dem Fremdlinge, gleichen?
   Und der Unsterbliche rief mit ernstumwlketen Augen:
   Erdebewohner, du wolltest erschau'n des unendlichen Weltalls
   Tiefen und Hh'n; dich khn auf der Stufenleiter der Wesen
   Schwingen hinauf und hinab, und erkennen, wie Glied sich auf Glied dort
   Reih' an der Kette, mit dem die allmchtige Rechte des Ew'gen,
   Alles, was athmet, und lebt, und was nicht lebet, noch athmet,
   Liebend umschlungen hlt? Du snkest zurck' in den Urstaub
   Vor dem Geheimni des All's, dem selbst der Cherub erbebte.
   Sieh', in des Himmels Hh'n ist Seligkeit; tief in des Abgrunds
   Hllengefilden ist Qual: auf immer dort dem Gerechten
   Unaussprechlicher Lohn, hier Strafe verhrteten Frevlern!
   Aber inmitten der scheidenden Bahn des Heil's und Verderbens
   Dmmert der Pfad der Luterung noch: ihn wandeln die Seelen,
   Schuldig des leichteren Fehl's aus Irrthum, oder Verblendung,
   Dem auch jene Unglcklichen dort einst frhnten auf Erden,
   Da sie, gereint, der hohen Erbarmungen wrdig erscheinen,
   Wenn in des Richters erhobener Hand, an dem letzten Gerichtstag,
   Furchtbar die Wag' ertnt. Sie wandeln den luternden Weg noch.
   Sagt' es, und jener begann voll Hast: Wo weilen die armen?
   Ueber der Erd' umher, nicht ferne der Menschen Gemeinschaft,
   Oder fern' im Verborgenen? Doch, die lichte Gestalt rief:
   Als das _Werde!_ erscholl: da brausten die endlichen Wesen
   All', erschaffen aus Nichts, von des Herrn allmchtigem Odem
   In den unendlichen Raum geschleudert, mit Donnergets' hin!
   Aber im kreisenden Flug vereinte sich Sprdes und Weiches,
   Erd' und Gestein, und strebte hinaus, zur uersten Rundung
   Sich zu dehnen. So ward im finstern Schooe des Erdballs
   Weitverbreitete Leer' umwlbt, die nimmer der Sonne
   Strahlender Blick erfreut, nie Sterngefunkel und Mondglanz.
   Dort verweilt nicht selten die Schar der trauernden Geister,
   Deren so manchen du erst in den schimmernden Lften erblickt hast;
   Doch sie nah'n, zuweilen den nchtlichen Rumen entschwebend,
   Gerne dem Menschen als Freund', und suchen ihm Hlf' und Errettung,
   Kraft, und Muth, und, was sie noch sonst an edler Gesinnung
   Einst in dem Leben erhob, in die horchende Seele zu hauchen:
   Denn sie erkennen schnell der Seelen geheimste Gedanken,
   Sterblicher Hll' entrckt; sie schauen des irdischen Lebens
   Reinern Gehalt, und ihr Herz erglht in heiliger Sehnsucht
   Nach dem erquickenden Segensborn des Guten und Wahren.
   Bald in dem Schlachtengemeng', umschweben sie dich und die Deinen
   Hlfreich; aber du kennest das Wort des ewigen Lebens:
   Solchem vertraue allein mit nie zu erschtterndem Herzen.
   Sprach's, und die Stimme des Holden erklang, wie Harfengelispel
   Tnt in des Mondes Zauberlicht, wenn alles entzckt horcht;
   Doch sie erscholl, wohl hundert vereinten Donnern nicht ungleich,
   Welchen die Erd' erbebt, als, ber dem flammenden Abgrund
   Schwebend, er jetzt die tieferschtternden Worte hinabrief:
   Geister, herauf! Euch winkt die ersehnete Stunde vor Tunis.
   Und ein lautes Gets' erscholl in den Tiefen des Erdballs.
   Wie, vom strmenden Wind' emprt, sich Wogen auf Wogen
   Strzen; Geheul und Gebrll der schrecklichen schallt, und die Ksten
   Ringsumher dem wilden Tumult stets lauter erdrnen:
   Also erhob, und mehrte sich tief in der Wlbung des Erdballs
   Dumpfes Gemurmel zuerst, und sofort unendliches Jauchzen.
   Schauernd wogte der Grund; aufrauschten des Meeres Gewsser;
   Finsterer quoll der Rauch aus dem Schlunde des Berges; die Flammen
   Prasselten hoch in die Luft, und die glhenden Fluthen der Lava
   Braus'ten herauf und hinunter, im Flug durchwthend den Abgrund.

   Eilend erhob sich nun der Herrliche, der ihm der Geister
   Reich enthllt', in die schimmernde Luft, und, leiseverhallend,
   Tnten vom Aethergefild noch die lieblichen Worte herunter:
   Senke dich durch den Schlund, durch Qualm und flackernde Flammen
   Muthig hinab zur Hhl' im Schooe des dampfenden Aetna,
   Und erringe das Ziel nach der hehren Geistesverzckung.
   Weinend hob nun jener den Blick zu dem seligen Freund' auf,
   Der, umstrahlt vom Glanz unsterblicher Seelengemeinschaft,
   Fern' in den Lften schwand, und fuhr jetzt, brausenden Fluges,
   Nieder im finstern Schlund, durch Qualm und flackernde Flammen,
   Bis in dem Zwielicht weit vor seinen Augen der Eingang
   Klafft', und die Hhle sich wies in angsterweckender Anschau!
   Furchtbar wlbte die Felsenwand aus schwindligen Hhen
   Hher sich auf. Es jagte zuweilen der wirbelnde Zugwind
   Tief in den Riesendom die Flammensule; sie hob sich,
   Zngelnd, die Wnde hinan, und leuchtete hoch in die Nacht auf;
   Doch erflog ihr fernster Schimmer des nchtlichen Dunkels
   Hlfte noch kaum, das endlos herrscht' in des Felsens Umwlbung.
   Hier nicht weilet die Ruh', und athmet nicht liebliche Stille;
   Rastlos tobt -- aufbraus't im Sturm, der kochenden Lava
   Urstoff: Erz im Gestein, und Schwefel, mit dunkelem Erdharz
   Ghrend, zur Wolkenhh', an des Berges geffneten Rachen.
   Donnernde Strm' entstrzen rings den Schluchten; sie rauschen
   Tief in des Abgrunds Nacht, und wlzen, dem berstenden Kerker
   Unten entfloh'n, zum Meeresgestade die finstere Fluth fort.
   Ihrem Sturz' erdrnet die Hhl', und vom eisigen Abgrund
   Fleugt Entsetzen, Frost, und Schauder in Windesgeheul auf.

   Dorthin, kommend herab aus dem bersinnlichen Luftraum,
   War ihm Muhamed erst, umringt von Scharen der Geister,
   Die er entboth, voraus in die schaurige Hhle geflogen.
   Ueber der allbelebenden Luft, die rings an dem Erdball,
   So an dem Mond', und den endlos hin entflammten Gestirnen,
   Schwimmt umher, erhebt sich der bersinnliche Luftraum
   Druend in seiner Leer', und unwohnbar sterblichen Menschen:
   Denn, wie, umhllt vom glockengestalten Glase, der Sperling
   Schnell das Leben verhaucht, wenn wibegierige Forscher
   Schonungslos ihm rauben die Luft mit den knstlichen Pumpen
   Also wrd' in des Menschen Brust urpltzlich das Leben
   Stocken, der in das Uebersinnliche khn sich erhbe;
   Aber des sterblichen Leibes beraubt, bewohnen die _Frsten_,
   _Mcht'_, und _Gewalten_ des ewigen Feind's, auf Arges gesinnet,
   Solches mit Lust: Verworf'ne vom Herrn, die am letzten Gerichtstag
   Dann mit dem _Tode_ zugleich, dem _letzten_ der Uebel, vergehen.[8]
   Dorther schwang mit Gefolg sich Muhamed, glhenden Blickes,
   Jetzo herab. Er sa in der Hhl', auf dem ragenden Felsblock,
   Ueber die Scharen erhht. Der dunkelrthliche Schimmer,
   Welchen der Flammenstrom entsandt' aus der Ferne des Eingangs,
   Schwebt' in flatterndem Flug' an seinem blsseren Antlitz.
   Feuer sprhte sein Aug'; in silbernkruselnden Wellen
   Flo ihm der Bart in den Busen herab, und die luftigen Glieder
   Hllet' in Schatten das Unterkleid und der wallende Kaftan.
   Jetzt erhob er die Recht' an des Stirnbunds Zier; mit der Linken
   Whlt' er die Bltter des Korans auf: sie rauschten, den Strmen
   Aehnlich im Herbst, da ihr Hauch die trauernden Wlder entblttert.
   Hr' es, mein Volk, so rief er, was dir im nchtlichen Dunkel,
   Ferne vom sphenden Blick' uns feindlichgesinneter Geister,
   Meine Zung' enthllt, und zeige dich wrdig des Herrschers!
   Unheil droht von Hesperiens Ksten dem Lande g'en Aufgang --
   Dieser erwhlten Blum' im Kranz der Schpfungen Gottes,
   Dieser Perle der Welt, und der Wiege des Menschengeschlechtes.
   Jngst erhascht' es mein Ohr auf Deutschlands ghrenden Gauen,
   Die der Neuerung Flamme durchtobt: es sinne der Kaiser
   Jenem ein schmhliches Joch, und sich weltherrschende Hoheit.
   Seh't, was mich, den heimlichen Forscher, nur Tuschung bednkte,
   Fgt sich in Wahrheit schon! Er ruft, und rstet die Vlker
   Rings zum Kampf, von den schimmernden Hh'n zu Tunis den Halbmond
   Niederzuschmettern, und ha, fllt Afrika jetzo, gebndigt,
   Seiner Gewalt: dann lechzt er wohl gar nach Asia's Herrschaft,
   Da er die heiligen Stdt', und dort der glubigen Pilger
   Freudiges Ziel, mein Grab, mit stolzer Ferse zerstampfe?
   Aber nicht also gescheh's! Wir zieh'n, des edelsten Welttheils
   Shn', ihm entgegen, nicht scheuend den Trotz der Gegner im Luftraum,
   Welche zuvor des Erdballs Schoo' entschwebten, und uns stets
   Feindlichgesinnt, ihm bald mit thatenerweckendem Eifer
   Beisteh'n: denn auch Hairaddins Brust, des treuen Bekenners
   Meiner Lehre, will ich mit Kraft erfllen und Khnheit.
   Jetzo nach Tunis geeilt, und nie vergesset des Wortes:
   Wer das Eine nur will, fest will, der wird es erringen!
   Sagt' es, und hob sich empor. Ihm folgten unzhlige Geister,
   Jauchzend; aber es zischt' ihr Schrei nur schwach im Gewlb hin.
   So, wie in dunkler Gewitternacht der einsame Wand'rer,
   Keuchend, die Leucht' in der Hand mit halbverlschendem Flmmchen,
   Endlich die Hhle betritt im verborgenen Raume der Felswand:
   Ihm umschwirren sogleich die Fledermuse, geblendet,
   Rings das Haupt, und er wankt erschrocken zurck nach dem Eingang:
   Also bebte vor Angst der leis'aufhorchende Fremdling
   Vor den flchtenden Geistern zurck', und eilt', in des Tages
   Lichte Gefilde zu schau'n nach schrecklicher Nacht der Verbannung.
   Tief zerfleischte sein Herz, voll himmlischer Milde, des Sehers
   Haverkndendes Wort. Er sa, und drckte die Augen
   Fest in die Hand, und sieh', es schwebten aus kommenden Tagen
   Dunkler Ahnung Gebild' ihm vor: das wilde Gebren
   Thatenschwangerer Zeit, und zerstrendes End' im Beginne!
   Schatten floh'n, und kamen, und eilten vom wechselnden Schauplatz;
   Aber, weit durchstrmt von den schimmernden Fluthen der Elbe,
   Hllte sich Mhlbergs Heid' ihm auf. Er horchte dem Siegsruf;
   Sah die ihn hhnten, besiegt, ihm die Knie' umfassen, und whnte
   Schon die Deutschen vereint nach des Glaubens schrecklichem Zwiespalt:
   Wie, und er flieht dann bald im Grau'n der finsteren Sturmnacht,
   Wehrlos, alt, und krank, dem nimmergeahneten Undank
   Weichend, fort aus Tyrols, der Treue geheiligten Thlern?
   Und so bald versah er das Ziel weltherrschender Hoheit?[9]
   Aechzend erhob er den Blick: die trben Gesichte der Zukunft
   Schwanden in Nacht; er floh, und kehrt' in die sterbliche Hlle.

   Sieh', und es regte sich nun der schlummernde Kaiser! Ihm pochte
   Hrbar die Brust; sein Athem flog, und hufiger Schwei rann
   Ihm von der glhenden Stirn'. Er blickte lange verwundert
   Rings in den Hallen umher, und sann, ein wachender Trumer.
   Jetzt ein dmmernder Strahl, und jetzt -- kaum wagt' er's zu denken,
   Was so erhaben und gro vor seinem Geiste dahinschwand,
   Und ihn entzckte zuvor: ihm drohte vernichtende Wonne,
   Und, was unerhrbar war den Ohren sterblicher Menschen,
   Barg fr immer sein treues Gemth. Nie lchelt' er wieder
   Und sein sehnender Blick hing stets an dem Bilde des Grabes.
   Doch nun kehrt' er heim in die Burg, und Stille war ringsum.




                            Zweiter Gesang.


   Siehe, der Kaiser entboth im mitternchtlichen Dunkel
   Noch in die Knigsburg Hispania's hohe Cortezza:
   Denn kein Schlummer umfing sein glhendes Auge; des Kampfes
   Nahender Augenblick und die drngende Sorge der Rstung
   Scheuchten ihn fern': er sah, und hrte nur Sieg und Errettung!
   Jene harrten im prchtigen Saal des edelsten Herrschers.
   Nun, da er kam, entfuhren sie alle den schwellenden Pfhlen;
   Blten vor ihm, verneigend, das Haupt, und deckten es wieder,
   Wrdigen Ernstes voll, nach altherkmmlichem Vorrecht.
   Aber er schritt im Gefolg der Groen und Edeln zum Thron' auf,
   De' erlesene Pracht mit Staunen erfllte den Fremdling.
   Schwarz aufragte vom Dach der Doppel-Aar, mit dem Zepter
   Und mit der Krone geschmckt, voll hellaufblitzenden Demant's,
   Den der Hindou dem Schacht' entri, und der bataver Knstler
   Glttete, ringsumher verzierend mit schimmernden Kanten;
   Doch an dem Purpurtuch, vom Dach zu dem Sitze herunter
   Glnzten die Wapen, vereint, von Gott gesegneter Lnder,
   Die er beherrscht': ein Meisterwerk kunstfertiger Nadel.
   Dreizehn Knigreich', umschlingend Castiliens Kronen,
   Wies, vorstrahlend, das Tuch zum Ruhme der spanischen Herrschaft;
   Unter ihm Austria's Schild: den schneeigen Grtel im Blutfeld,
   Der in dem Kampf rein hielt von feindlichem Blute den Panzer
   Leupold, des Tugendhaften, vor Ptolemais: sein Denkmahl![10]
   Rechts, im schnen Verein von sechs verbrderten Reichen,
   Ungerns doppelten Schild; vier Strme durchfluthen den einen --
   Aber das Haupt der Karpathen hebt, dreizackig, im andern
   Ueber dem fruchtbar'n Land, das tapfere Vlker bewohnen,
   Schimmernd, die Kron' und das Doppelkreutz, von Silber, zur Luft auf.
   Links, in dem rothen Feld Bohemia's silbernen Lwen:
   Eines lwenmthigen Volks hochrhmliches Zeichen.
   Tiefer, im grnen Feld den flammensprhenden Panther:
   Stiria's eisenerzausschmelzenden Essen zu Ehren;
   Dann Carinthia's Leu'n und Pfeile, des trefflichen Landes,
   Wo das Blei ausbeutet der Bergmann: schrecklich ersetzte
   Tdlichschmetterndes Blei die Pfeil' im Felde der Waffen;
   Dann, aufstrebend zur Sonnenbahn, Carniolia's Adler --
   Morawa's Aar, und Tyrols, der Treue geheiligter Lnder.
   Aber der Lwe Brabants, im Schoo umgrnzender Gauen,
   Zeigt uns im hehren Ruhm des edelsten Kaisers Geburtsland.
   Ihm zur Seite verschlingt Lombardia's Schlange den Mohren;
   Ihn umgibt Neapoli's Lilienglanz, und ihm huldigt,
   Jugendlich schn aus des Meeres Fluth aufschwebend, des Morgens
   Freundlicher Strahl, und erhellt Amerika's winkenden Meerstrand.

   Dort die Stufen hinan, die ein niederlndischer Teppich
   Hllete, schn im Geweb' darstellend die Freude des Weidwerks,
   Schritt der Kaiser. Er stand, gewendet, im Glanze des Thrones;
   Blickte nach Allen umher, und, als er auf blhenden Purpur
   Nieder sich lie, begann er mit sanfterglhenden Augen:
   Edle des Reichs, und Rthe! Der Tag der Christenerrettung
   Ruft zu dem heiligen Kampf Europa's vereinte Geschwader,
   Und, entfaltend am Maste die Flagg' und die wehenden Wimpel,
   Harren die Vlker, vereint, der Abfahrt donnerndem Wink nur,
   Da sie im Felde des Ruhms, vor Tunis, am frevelnden Ruber
   Rchen die Schmach, und dem schrecklichen Joch' entreien die Brder.
   Laut ruft uns Barcellona's Gestad, wo dort auf des Meer's Hh'n,
   Nun gerstet zur Schlacht, nun wehrlosen Kstenbewohnern
   Jammer druend und Noth, sein Raubgeschwader sich zeiget.
   Gottes Segen mit uns und dem Lande! Mein endlicher Wille[11]
   Liegt gefertigt im Schrank: so im heiligen Kampf' ich erlge,
   Und nicht wiederkehrte zu euch, zur liebenden Gattinn,
   Und zu dem Sohn, der einst, so Gott will, wrdig den Zepter
   Fhre nach mir, vor allen Hispania's Lndern zum Frommen.
   Eurer Sorgfalt, Treu', und Liebe vertrau' ich die beiden
   Jetzt, und scheide getrost: sie sind da trefflich geborgen.
   Also der Frst. Da quoll's von Thrnen im Auge der Edeln;
   All' entfuhren der Bank, und streckten die Hnd' ihm entgegen.
   Wie der Giebach rauscht, der hoch vom dauernden Regen
   Angeschwollen, dem Felsenbett' entstrzet, und rastlos
   Rasselnde Kiesel wlzt, und Felsengerlle mit fortreit:
   Also erscholl in dem Saal' ihr lauterbrausender Zuruf;
   Doch bald hier, bald dort ertnt' er vernehmlicher, lauter:
   Kehre beglckt uns heim, und herrsch' in dem Segen der Vlker,
   Allgeliebter, noch lange! Mit strahlenden Lorbern des Sieges
   Kommt Europa dir bald, dem Retter, entgegen, und jauchzt dir
   Lauten Triumph in der Glocken Getn' und des ehrnen Geschtzes
   Freudigen Donnerhall: dein Ruhm erfllet den Erdkreis.
   Aber er stand, erschttert, am Thron', und sandte nach Allen
   Heien Dank aus der Himmelsblue der glnzenden Augen,
   Eilte die Stufen herab, und ging. Aufflogen der Thren
   Mchtige Flgel vor ihm; er schwand mit seinem Gefolg dann
   Fern' im Gang. Da kehrten zugleich die Groen des Reiches
   Nach der heimischen Flur, um dort in der einsamen Felsburg,
   Oder in menschenversammelnder Stadt noch heute zu frdern,
   Was zu dem Rettungskampf des Herrschers Wille gebothen.

   Eh' in des Erdballs Schoo, in die dstere Wohnung der Trauer,
   Noch der Ruf des Unsterblichen drang, erlesenen Geistern
   Dort zu verknden den bald umwthenden Kampf in Karthago's
   Rhmlichem Feld, schwang Hermann,[12] einst der khnen Cherusker
   Tapferer Hort, sich herunter. Ihm flogen die goldenen Locken
   Weit von dem Nacken, sein blitzendes Aug' und die glhenden Wangen
   Kndigten freudigen Muth und trostverheiende Bothschaft.
   Gierig forscht' er umher, die Freunde sogleich in den Scharen
   Gleichgesinneter Geister zu schau'n, und er fand sie vereint dort.
   Hannibal,[13] der dem Regulus[14] nah', auf schwellendem Mooswuchs
   Ruhte, erhob das Haupt, und rief ihm finster entgegen:
   Freude verkndet dein Flammenblick, unbndiger Krieger!
   Wie, nur Kampf, Gewrg', und Schlachtengetmmel ergetzt dich
   Noch, das rastlos fort im Geschlechte der Sterblichen wthet?
   Aber ich athme nicht Erdenluft, und meide, voll Unmuths,
   Seit Jahrhunderten schon, der Sonn' erfreuenden Anblick.
   Siehe, wir fhren erneueten Streit: ob wrdiger Roma,
   Oder Karthago gedacht, und gehandelt, als Herrscherinn? Roma
   Trat mit ehernem Fu' allwrts die Blthe der Menschheit
   Nieder, als Siegerinn, da Karthago der milderen Herrschaft,
   Segen pflanzend rings an den Ksten des Meer's, sich erfreute.
   O, ich htte mein Vaterland und die Welt, die ergrimmend,
   Sie in dem Sclavenjoch ausmordete, schrecklich gercht noch:
   Htte nicht Ha und niedriger Neid die Scharen verweigert,
   Die ich entboth, euch, Wolfesbrut, ganz niederzuschmettern!
   Regulus schwieg; doch Hermann rief den zrnenden Helden:
   Schon seit lange vershnt, und verbunden in traulicher Freundschaft,
   Wollet ihr euch denn heut' entzwei'n durch Worte des Haders?
   Lat die Vergangenheit; nur, wie im zaubergewaltigen Spiegel,
   Gaukelnd, kommen, und flieh'n die buntvermengten Gestalten,
   Stehe vor eurem Gemth' ihr grau'numhlletes Bild noch.
   Hrt, was, trstend fr uns, der Erde Bewohner beginnen!
   Schon ist dem Heldenvolk zum fernentlegenen Tunis
   Offen die glnzende Bahn; schon waffnet der edelste Kaiser
   Scharen der Krieger am Meeresstrand, wo unzhlige Schiffe
   Decken die schimmernde Fluth, und entfalten die Segel zur Abfahrt.
   Ein Welttheil entboth die Tapferen gegen den andern;
   Ringsum regt sich die Erd', und ihr denkt hier mig zu weilen?
   Auf, wir wollen vereint hinzieh'n, und entflammen die Krieger
   Oben im Kampf! Gedenket des Ruhms entflohener Zeiten!
   Hannibal schwang sich empor, und rief mit gewaltiger Stimme:
   Fort, auf die Oberwelt! Ich will in dem Felde der Waffen
   Schauen die Helden der neueren Zeit. So herrliche Krieger,
   Als am Trasimen und vor Cann die Erde gewahrte:
   Staunend den Shnen des Sieg's, die werd' ich wohl nimmer ersehen.
   Regulus stand, verdsterten Blicks, und sagte den Beiden:
   Mget ihr immerhin dem furchtbar'n Schlachtengetmmel
   Horchen mit Lust, und drngen, und treiben mit stachelnden Worten
   Eure Erwhlten: nur wenig frommt's, nur wenig gengt's euch!
   Aber mich reizet ihr nicht, zu entfliehen den nchtlichen Rumen.
   Wie, rief Hermann, du bliebest zurck', und rings in Karthago's
   Hehrem Gefild tnt bald Siegsruf im Getmmel der Waffen?
   Sehntest dich nimmer zu schau'n die Heldenmaale der Vorwelt?
   Zwar es fing dich im Kampf der hochgesinnte Spartaner,
   Xanthippos,[15] dem Volk Karthago's gebiethend als Feldherr:
   Doch du shntest die Schmach, gabst hin die unschtzbare Freiheit
   Fr dein Vaterland, und auf immer preist dich die Nachwelt.
   Komm', und folge mir, dort zu entflammen den Muth in den
      Schlachtreih'n!
   Also der Held: da erscholl des Unsterblichen donnernde Stimme,
   Die von des Aetna Schlund durch wirbelnder Flammen Geprassel
   Brausend, die Scharen der Geister hinauf zum erwachenden Kampf lud.
   Neunmal umkreis'te der Donnerruf den unendlichen Raum dort;
   Neunmal erwiedert' ihn auch der Geister emprterer Jubel,
   Und die beiden entschwebten, vereint, und von Kriegern umgeben,
   Welchen sie einst gebothen im Kampf, dem Schooe des Erdballs.
   Aber Regulus stand, verlassen von seinen Gefhrten,
   Sinnend, allein, und blickte starr in die Tiefe hinunter.
   Jetzo wollt' er entflieh'n, um fern' in des eisigen Nordpols
   Wlbung den glhenden Durst, der mchtig ihn drngte, zu stillen;
   Doch er entbrannte noch mehr: das Schmettern der Kriegesdrometen,
   Dann das Wiehern der stampfenden Ross', und der Wrgenden Schlachtruf
   Tneten, wechselnd, um ihn, und von tausend Gebilden ergriffen,
   Stand er, triefend von Schwei, und zitternd vor steigender Kampflust.
   Sieh', nun ballt' er die Faust, und rief mit gewaltiger Stimme:
   Deutschlands Hort, so sagte zuvor der khne Cherusker,
   Kommend herab von der oberen Welt, entboth Europa's
   Vlker zur Heldenfahrt: viel tausend gefangene Menschen
   Aus des Rubers Gewalt, aus Schmach und Fesseln zu retten? ...
   Weh', auch ich trug einst die schmhliche Kette! Sie both mir
   Ruhm und Lohn; doch fhlt' ich es oft in vernichtender Schwermuth,
   Wie in dem dumpfen Gewlb sie lastete, wo mich die Stunden
   Lnger als Tag', und diese zu trgen Jahren gedehnet,
   Dnkten. Auch mir erscholl die hhnende Stimme des Wthrichs --
   Drohte sein finsterer Blick stets grere Qualen; ich fhlte
   So die entsetzlichste: fern von der hochgesinneten Gattinn
   Und den Erzeugten, das Leben in Kerkersnacht zu verhauchen.
   Jetzo hinauf, hinauf nach Tunis, dem einstigen Schauplatz
   Dort unsterblichen Ruhms und herzzerreienden Jammers,
   Da ich vielleicht noch selbst Unglcklichen Hlfe gewhre!
   D'rauf schwang er sich empor zu den sonnigen Fluren des Erdballs,
   Dort vor allen zuerst die dstern Gefilde von Tunis
   Wiederzuseh'n. Nicht wandt' er den Blick nach dem Felde der Waffen,
   Wo der Griech' ihn bezwang, Xanthippos, der in die Schlachtreih'n
   Sein' Elephanten gestellt -- das Heer im Rcken bestrmend,
   Schnell die Reih'n durchbrach, ihn fing, und Karthago den Sieg gab.

   Nahe der Stadt, auf Felsen, erhob sich die thrmende Hochburg,
   Die in dem finsteren Schoo viel tausend gefangene Christen
   Eisern barg: die Wohnung der Qual und des Jammers Behausung!
   Dorthin eilt' er, und senkte sich leis' auf die Zinne der Burg hin.
   Ach, aus der Tief' erscholl der unglckseligen Sclaven
   Jammergesthn! Wie ein Falk, der schnell aus den Lften herabfhrt,
   Weil er die girrenden Kchlein sah im Schatten des Hofraums,
   Fuhr der Lftebewohner hinab, und schauderte, bebte:
   Denn in des Kerkers Nacht, in der Felsentiefe der Hochburg,
   Sah er, beim dsteren Schein der mattaufflimmernden Lampen,
   Bleiche, durch Moderluft und Hunger entfleischte Gestalten;
   Sah dort Qual und Verzweiflung zugleich auf den zuckenden Wangen
   Und im erloschenen Blick, der endlich zum grimmigen Hohn ward;
   Hrete Ketten-Geklirr, und dumpfes Aechzen und Sthnen
   In dem Gewlb. Sie rckte heran, die Stunde des Jammers,
   Wo Medelin, der Renegat aus Genua's Landen,
   Forschend die Hhlen des Graun's durchschritt, und mit eherner Geiel
   Peitschte die Murrenden dort, nach Hairaddins schrecklichem Machtwort.
   Zorn erglht' im Blick des edelgesinneten Geistes.
   Doch nun brauset' er ber sie hin, und rief im Gelispel
   Dunkelen Geisterrufs: Euch nahet ein Retter, erhebt euch!
   Alle fuhren empor, und schreckliches Kettengerassel
   Scholl im Gewlb: nicht wuten die armen die Trstung zu deuten.
   Doch er kehrte zurck, Hispania's Erd', und den Retter
   Dort zu erschau'n, der jetzt nah' war Barcellona's Gestaden.

   Muhamed sah ihn. Er schwebt' im Gefolg' unzhliger Geister
   Auf von des Aetna Schlund, und hie die Empreten harren,
   Bis er vom bersinnlichen Raum mit dem Bundesgenossen
   Kehrete: denn er ging, dort Attila's[16] Brust zu entflammen --
   Ihn zu erregen zum Kampf' und zu wichtiger Thaten Vollendung.
   Bald ersphte sein forschender Blick den Knig der Hunnen.
   Ueber dem caspischen Meer, wohl tausend Meilen erhoben,
   Sa er im Wolkenzelt, so wie einst, von den Helden umgeben,
   Nach vollendetem Mahl. Der Shne geliebtester, Ellack,
   Neigte sein Haupt ihm sanft auf die Schulter; der wilde Tuhutum
   Sa ihm zunchst; Zombor, der schreckliche Krieger, mit Tursol,
   Und mit Retel und Bojt, unbndigen Wrgern im Schlachtfeld,
   Saen im Kreis' um ihn her, dem liedergewaltigen Snger
   Horchend, der, im Sturm des pochenden Busens, der Zither
   Saiten emprender schlug, und jetzt der herrlichen Vorzeit
   Helden pries in dem Lied', unsterblicher Thaten gedenkend,
   Da sich des Ahnenruhms, gleich tapfer, erfreue der Enkel.
   All' aufhorchten ihm still'. Auf die brtigen Lippen der Krieger
   Strzte die schimmernde Thrne herab; sie wiegten das Haupt oft
   Bei des Gesangs Allmacht ergriffen von strmischer Wehmuth.
   Muhamed braus'te herein; der Snger verstummte; die Krieger
   Fuhren vom Sitz, da er so zum Kampf' aufboth den Beherrscher:
   Attila, auf, zur Rache, zum Sieg! Die mchtigsten Geister
   Hie des Unsterblichen Ruf entfahren dem Schooe des Erdballs,
   Da sie dem Christenvolk, nur uns zu verhhnen entschlossen,
   Stehen als Retter im Kampf. Wir sollten es dulden? Der Blutschuld
   Denkest du noch, die Roms entartete Shne nicht bten,
   Wie dein eisernes Herz es gewollt? Und fuhr nicht der Rmer,
   Trotzigen Blicks, erst hin, den Christen als Helfer zu nahen?
   Nun sey List dem Muthe vereint, stets wachsam die Rachgier,
   Schmach auf die Feinde gehuft, und errungen der herrlichste Sieg uns.
   Attila winket' ihm Beifall zu. Des schrecklichen Rohrwolfs
   Zhne, de' zottiger Pelz ihm Rcken und Fersen umhllte,
   Starrten von seiner Stirn', und tief, wie aus nchtlichem Schacht her
   Strahlet des Bergmanns Grubenlicht, ihm glommen die Augen
   Aus dem finstern Gesicht'. Er fate den blutigen Sbel
   Tyrs,[17] den einst (so kndet die Sage) der furchtbare Kriegsgott
   Selbst auf der Heide vergrub, da seiner Gewalt nicht die Vlker
   All' erlgen: umsonst! Der Schreckliche, der sich die Geiel
   Gottes im furchtbar'n Trotze genannt, entri ihn des Feldes
   Tiefverhllendem Schoo'. Auch jetzt aufschwang er das Eisen,
   Jauchzend, und eilte Muhamed nach. Unzhlige Scharen
   Folgten ihm, drstend nach Blut und brausendem Kampfesgetmmel.
   So durchstrmten die Luft ringsher die empreten Geister.

   Aber der Kaiser drckte voll Hast, Isabella, die Gattinn,
   Noch an die pochende Brust, und mengte die Thrne mit Thrnen;
   Segnete, tiefbewegt, sein strrischblickendes Shnlein,
   Schwang sich auf's wiehernde Ro, und flog aus dem drnenden Thorweg,
   Mitten im Ehrengefolg fnfhundert erlesener Reiter,
   Schnell g'en Barcellona hinaus, der prchtigen Seestadt.
   Nah' ihm spornte das Ro der einst gewaltige Knig,
   Muley Hassan, und sann, verstummend, und dster, den Pfad hin.
   Muhamed naht' ihm ergrimmt. Er sah, wie finsteres Mitrau'n
   Ihm zerwhlte die Brust vor Furcht und banger Erwartung:
   Ob der Christ ihm dereinst, wenn Hairaddins Macht er bezwungen,
   Treu dem heiligen Eidschwur, noch den Zepter von Tunis
   Frei gibt -- oder ihn selber behlt, mit rub'rischen Hnden?
   Sah's, und schwang sich herab. Gleich einem gewaltigen Uhu,
   Der vom Hunger geqult, mit erblindeten, feurigen Augen
   Harrt in der Felsenkluft der Dmmerung; dann, sich erhebend,
   Leis' in dem Thal' umher, mit weitgebreiteten Flgeln
   Flattert, nach Beute zu sph'n: so naht' auch Muhamed jetzo
   Hassans geistigem Leib, der leicht wie die Strahlen der Sonne,
   Jegliche Nerve durchdringt, und schnell, wie in dumpfer Betubung,
   Und wie entkrpert, vernahm er den Geist im Seelengelispel:
   Trumender, ha, du sankst erst jngst dem unglubigen Frsten
   Feig zu den Fen, und hoffst, auf die Rechte des Siegers dich sttzend,
   Den, nach schrecklichem Mord' ererbeten Thron zu besteigen?
   Thor, der also sich tuscht: der Christ, und ein Christenbeherrscher
   Zge fr dich in den Kampf, und opferte dir zu Gefallen
   Menschen und Gold, da du dich dann erfreuest der Herrschaft?
   Wiss' es: er sinnt dir Schmach und Verrath, und gibt dich der Rachgier
   Hairaddins hin -- vielleicht als Preis fr die Veste Goletta.
   Solltest du nicht, bald heimgekehrt, auf tuschendem Pfad' ihm
   Jammer bereiten, und ihn verderben, dir selber zur Rettung?
   Hassan horchte verwundert, und sann, wer ihm in dem Herzen
   Solch' Emprung erregt, das sonst schon zweifelerfllt war?
   Doch nun hemmt' er das Ro mit dem Zaum': im zgernden Schritte
   Sich zu entzieh'n der Schar, die rasch zum rhmlichen Ziel fort
   Eilete; sah dann zurck, nach Mosul, dem Sclaven, und sagte:
   Mosul, vernimm, wie dir des Busens geheimste Gedanken
   Dein Gebiether enthllt: denn ach, so beugete Hassans
   Haupt das Geschick, da er selbst dem niedrigen Sclaven sie kund thut!
   Siehe, wie dort hineilt der mchtige Christenbeherrscher,
   Bald an der Spitze des Heeres zu steh'n, zu entfalten die Segel,
   Und zu entschiffen, im Flug nach Tunis, dem herrlichen Erbland.
   Hoffst du, er werde des Schwurs, des heiligen: mir das Entriss'ne
   Wieder zu schaffen mit Waffengewalt, auch drben gedenken?
   Ach, mir sinnet er Schmach und sich unendlichen Vortheil,
   So er dem schrecklichen Feind mich verrth, dem solches ersehnt ist!
   Sagt' es, bewegt. Nicht zrn', o Herr, so entgegnete jener,
   Da ein niedriger Knecht vor deinem erhabenen Antlitz
   Sich zu reden erkhnt. Hast du nicht am dmmernden Abend
   Gestern geseh'n, wie mildgesinnt der Christenbeherrscher
   Dich aufnahm im Palast, wie gtig sein thrnender Blick war?
   Nicht vernommen den Eidschwur dort, beim einigen Gotte
   Dir geschworen, da er den entrissenen Zepter der Vter,
   So er den Ruber besiegt, dir wieder zu geben bereit sey?
   Ach, nicht brcht' ihm die Tuschung Gewinn: ein irrender Fremdling
   Stehst du vor ihm ... vertrau' im edelen Herzen dem Edeln!
   Schweig, so rief der Zrnende jetzt, im lchelnden Antlitz
   Lauert der Trug -- dein lacht im freundlichen Auge die Falschheit!
   Hat das unselige Volk nicht Hairaddins List mit Al-Raschids
   Leiche getuscht? Droht mir, dem Muselman, nicht von dem Christen
   Greres Unheil noch? Merk' auf! Im engenden Schiffsraum,
   Nicht wie im stolzen Palast durch weite Hallen gesondert
   Von dem Beherrscher selbst und den Seinen, erhaschest du leicht wohl,
   Achtlosscheinend, ein Wort, das uns die schndliche Tuschung
   Aufhllt: nicht mitraut sein Gefolg dem niedrigen Sclaven.
   Angelangt an dem heimischen Strand', erseh' ich den Vortheil
   Mir dann schnell, und entflieh' in der Dmmerung; oder ich heische,
   So er von Tunis den Thron mir wieder zu geben gesinnt ist,
   Selber von ihm das Schiff, Hlfsvolk aus den Bergen von Kabesch[18]
   Ihm zu schaffen, wo mir die tapfern Bewohner noch treu sind.
   Und er spornte das schnaubende Ro, der Seite des Kaisers
   Wieder zu nah'n, der eilender g'en Barcellona hinausritt.

   Doch, ach, welch Geschrei erschallt unferne der Seestadt,
   Drben am Strand' Areny's, des hainumsuselten Drfchens?
   Wer betrbte so tief des Drfchens stille Bewohner,
   Da sie mit Thrnen im Blick', entfrbete Todesgestalten,
   Stumm, und bebend vor Angst, aufschau'n zu dem nchtlichen Himmel,
   Ob er sie schirm', ob Flammen speie sein rchender Donner?
   Heiter entschwand die Sonn' im rosigen Duft', und der Himmel
   Lchelte mild. Wie ein Sugling am Busen der liebenden Mutter
   Schlummert, so lag, entzckend, am Saume der luftigen Berghh'n
   Abendrthliche Gluth. Im Gesang heimkehrten die Schnitter;
   Laut ertnte des Hirten Schalmei, und die blckenden Heerden
   Eilten durch Wolken Staub's, der hoch in den rthlichen Himmel
   Aufquoll, hpfend zum duftenden Stall, nach Ruhe sich sehnend.
   Als sich die Mden getrocknet den Schwei, und die dmmernde Kammer
   Alle versammelt' umher, da tischte die sorgliche Hausfrau
   Jenes zur Abendkost, was ihr der Garten gespendet,
   Was die Heerd' ihr both aus strotzenden Eitern. Sie stillten
   Frhlich den Hunger, und bald verstummte des Tages Getmmel
   Ringsum; nur vom Thurme herab noch mahnte das Glcklein,
   Fromm zu erheben das Herz. Sie betheten, eilten zu ruhen,
   Und der erquickende Schlaf umfing sie mit ser Betubung.
   Glckliche, wacht: denn nah' ist der Sturm, der pltzlich den Himmel
   Eures Friedens bewlkt mit schwarzumnachtender Trauer!

   Lauernd durchpflgte die See, mit hundert gersteten Schiffen,
   Hairaddins Liebling, Al-Mansor, dem, scheidend, am Bord' er
   Noch in die Seele gelegt: so drauen auf offener Meersfluth
   Khn dem Feind' entgegen zu steh'n, so rings an den Ksten
   Furchtbar'n Ueberfall in nchtlicher Stunde zu wagen,
   Und zu entwinden das Schwert des Feindes Hand in Europa,
   Das er nach Afrika, druend, gezckt, ihm selber zum Unheil.
   Whlend im rthlichen Bart, der ihm zu dem Grtel herabflo,
   Sprach nun Al-Mansor zu Omrah, dem tapferen Aga:
   Omrah, Mustapha's Sohn, vernimm mich jetzt, den Gebiether!
   Bald entsinket die Nacht dem erdumwlbenden Himmel;
   Spanne die Segel dem Wind'. Unferne der Stadt Barcellona
   Landend, raub' entschlummertes Volk der niedrigen Htte,
   Oder dem stolzen Palast, da wir erkunden in Wahrheit:
   Ob in die thrmende Stadt der Christenbeherrscher gekommen,
   Kampfgerstet, ob nicht? denn eilig gebth' er die Fahrt dann.
   Tapferer, was du beginnest mit Muth, vollende mit Khnheit!
   Omrah gehorchte dem Wort'. Er lste dem Winde die Segel,
   Und aus dem dunkeln Schoo Verderben druend und Jammer,
   Flog sein Schiff dem Strand' entgegen am dmmernden Abend.
   Dort in der Felsenbucht, nicht ferne den Marken Areny's,
   Harret' er, lauernd, der Nacht. Sie kam: rings schwanden die Lichter;
   Jeglicher Laut erstarb; nur die Wellen rauschten am Schiffskiel
   Leis' empor, nur die Brandung scholl an den fernen Gestaden.
   Eilig umschifft' er den bergenden Fels; dann flog er zum Strand hin,
   Landete, trieb sein Volk zum Raub', ihm Eile gebiethend.
   Und, wie in dunkler Mitternacht aus suselndem Schilfrohr,
   Pltzlich, die wilde Schar langhungernder Wlfe sich aufmacht,
   D'rauf, der Hrde genaht, einstrmt, und die zitternden Lmmer
   Raubet in Hast; wie jhrige Stier' im blutigen Rachen
   Tragend, die Jaguar, Westindiens schreckliche Tieger,
   Fliehen den Berg aufwrts: so drangen die furchtbaren Ruber,
   Grlichen Mord im Blick, durch berstende Thren und Fenster
   Ein in die Htten; so raubten sie dort den blhenden Jngling,
   Grauender Aeltern einzigen Trost, und des liebenden Weibes
   Theuern Gatten, und floh'n zum Bord des harrenden Schiffs hin.

   Wehklag' scholl. Als jetzt sie erweckte des Drfchens Bewohner,
   Die, noch solchem Geschick' entronnen, der Spur der Geraubten
   Folgten, chzend vor Schmerz und drngender Sorge der Rettung,
   Tnte schon fern' ihr Schrei von den rauschenden Wogen herber.
   Schrecklich zu schau'n! Da steht mit fliegendem Haar, mit Verzweiflung
   In dem Gesicht, mit Gluth in der Brust, die Gattinn, und breitet
   Zitternd die Arme dem Gatten nach: mit bebenden Lippen
   Will sie noch einmal zurck, mit Gewalt, ihn rufen, und sthnt nur.
   Dort auf den Sand hinstrzet der Greis, und rauft sich die Haar' aus
   Ob des Tchterchens, ob des Sohn's. Da knie't an dem Ufer,
   Schaudernd im Fieber, die Braut, und blickt mit wilden Geberden
   Jetzo dem Vater, und jetzt der weinenden Mutter in's Antlitz;
   Horcht nach den Fluthen hinaus, erhebt sich, und luft auf dem Sandpfad
   Pltzlich dahin. Ein gellender Schrei aus dem fliegenden Busen
   Fllet die Luft und die Herzen des Volk's, mit starrem Entsetzen.
   Ach, sie strzt' in die Fluth; doch hngen die zarten Geschwister,
   Wimmernd, an ihrem wehenden Kleid', und rufen ihr liebvoll
   Trost in das Herz, vereint dem Fleh'n des weinenden Volkes,
   Das an den Vater im Himmel sie mahnt, den Rcher der Unschuld!
   Aber schon nahte der Rcher, im Flug, Barcellona's Gefilden,
   Glhend im Herzen dem Ruf' erhabener Christenerrettung.




                            Dritter Gesang.


   Siehe, wie stolz erhebt Barcellona, die herrliche Seestadt,
   Heute die Stirn' in die Luft; wie schimmert so hell in des Meeres
   Fluthendem Spiegel ihr Bild; im freudigen Lrm und Getmmel
   Jauchzt in den Gassen das Volk, und jauchzt in dem hallenden Hafen:
   Heil uns, Doria kommt, der langersehnete Seeheld!
   Dreiig der Schiff' erkennet das Aug' an den flatternden Segeln
   Fern' auf dem Meer. Sie fhren fnftausend erlesene Krieger,
   Genua's tapferes Volk, zum heiligen Kampfe der Rettung.
   Dreiigmal grt das Donnerrohr von dem Walle den Helden:
   Also schallt von dem Meere sein Dank im Donner herber;
   Doch, wie die Echo, geweckt in der felsumstarreten Bergschlucht,
   Einen gewaltigen Ruf erst laut und mchtig erwiedert,
   Dann nur leis' aushaucht, und wieder verstummt in der Stille:
   So von des Meeres Hh'n herflog, mit ermattenden Schwingen,
   Dreiig Gren zum Dank, der dumpfummurrende Nachhall.
   Jetzt aufrauschte die Fluth: sie sprang an dem schwrzlichen
      Schiffskiel,
   Schumend, umher, und wogte sie all' in den schirmenden Hafen.
   Jetzt entsank dem Busen des Schiff's der gewichtige Anker,
   Rasselnden Schwungs, und ihm, geschleudert vom kreisenden Wellbaum,
   Folgte das mchtige Seil, bis er haftete fest in dem Boden.
   Lange wiegte die Fluth das eiserngeheftete Schiff noch.
   Doch nun schwang sich der Held, mit den obersten Schiffesgebiethern,
   Schnell in das zierliche Boot, und eilte dem Ufer entgegen:
   Ihn umbraus'te des Volks ringsher auftobender Jubel.
   Aber es scholl erneut in dem wimmelnden Hafen der Zuruf:
   Heil dem nahenden Freund! denn Ludwig,[19] der Bruder der Kais'rinn,
   Und Lusitaniens Stolz, kam jetzt mit zwanzig der Segel
   Nher dem Port'. Er warb viertausend tapfere Streiter
   Drben am Tajo, und kam, Siegsruhm zu erringen entschlossen.
   Als er, gelandet, am Strand hinging: da staunte mit Ehrfurcht
   Jegliches Aug' ihm nach, da er schon im Lenze des Lebens,
   Heiter die muthige Brust darboth des Krieges Gefahren.
   Wieder erscholl's: Heil dort den nahenden Schiffen! und sechzig
   Zhlte des Strandes Wart von dem hochaufthrmenden Leuchtthurm.
   Ruyter[20] kam, der jngst die flandrischen durch Gibilterra's
   Enge gefhrt, und auf Malaga's Hh'n mit jenen vereinte,
   Die Hispania's Stdte gesandt, im rhmlichen Wettstreit.
   Hundert Krieger am Bord trug jedes der rumigen Schiffe --
   Trug in dem dunkeln Schoo Gerthe des dauernden Krieges,
   Mundvorrath und Gescho, mit den ehernen Schlnden und Mrsern.
   Rastlos brllten die Donnerschlnd', als jetzt in des Morgens
   Stunden sich eint', im Port, zu dem Heldenzuge die Heersmacht.

   Aber auch drben an Wlschlands weitumkreisenden Ufern
   Wogten des Krieges Banner, erhht, in dem Wind', und die Vlker
   Harrten der Siegesfahrt. In Genua's uerstem Hafen,
   Den im holden Gefild schon lngst entschwund'ne Geschlechter
   Weihten der Liebesgttinn zum Sitz,[21] einschiffte die Scharen
   Genua's -- auch Hetruriens und Lombardia's Krieger,
   Guasto, der tapfere Greis, des Fuvolks oberster Feldherr.[22]
   Finster blickte sein Aug'. Ergraut in den eisernen Waffen,
   Nhrt' er im stetsumwlkten Gemth' unziemliches Mitrau'n
   Gegen die Welt: ihn scheuten -- nicht liebten die Waffengefhrten.
   Jetzt von der einsamen Burg von Ischia rief ihn der Kaiser
   Wieder zum Kampf, nach erkorener Ruh' im grauenden Alter:
   Denn er kannte die Kraft des schlachtanordnenden Greises.
   Als er vom Meeresstrand' einschiffte die Vlker: da nahte
   Eberstein,[23] zehntausend erlesene Krieger aus Deutschland
   Fhrend im freudigen Muth zu dem rhmlichen Kampfe der Rettung.
   Eine Ros' in dem Schild', enthllete, schimmernd, sein Fhnlein --
   Sie, des trefflichen Ahns Stammzier, den ehrend der Kaiser
   Heinrich, der Finkler genannt, zu der hohen Roma gesendet,
   Da er der Vlker Wohl mit dem Hirten der Kirche berathe.
   Dort an dem festlichen Tag, wo, Flammen gleich, von dem Himmel
   Sich auf die Jnger herab, der Geist, der _Heilige_, senkte,
   Ward ihm die Rose gereicht von dem Heiligen Vater, und Heinrich
   Pflanzte die Ros' in den Wappenschild des tapferen Ritters,
   Welcher die Freiheitsschlacht auf Mrsburgs sandigen Fluren
   Kmpfte mit ihm, das Volk zu erretten vom Joche der Ungern.
   Solchen Ahnen entspro der Fhrer germanischer Vlker.
   Aber er einte vor Mailand jngst die khnen Gefhrten,
   Die er in Deutschland warb -- in dem Vaterlande der Helden:
   Denn in Schwabens freundlichen Gau'n, wo silbernergossen
   Schimmert der Bodensee, und die rhmliche Quelle der Donau,
   Unversiegbar, nhrt des Schwarzwalds heiliges Dunkel,[24]
   Da sie, ein Ries', auf siebenhundert Meilen entlang hin
   Netze den Bord unzhliger Stdt', und Drfer, und Vesten,
   Frhlicher Traubengebirg', und erblhender Grten und Wlder,
   Und in dem Schwarzen-Meer, des Schwarzwalds Hhen entsprossen,
   Stets nach Osten gewandt, vollende die herrliche Laufbahn:
   Dort begrten zuerst zwlfhundert erlesene Krieger,
   Lanzenbewaffnetes Volk, mit Rmhild, dem tapferen Fhrer,
   Ebersteins Panier mit lautaufschallendem Jubel.
   Doch wo des Spessarts Grau'n, so wie auch des lieblichen Mainstroms
   Schimmer das Herz erhebt, im schnen Lande der Franken,
   Flatterte hoch in die Luft des Fhrers erhobenes Fhnlein,
   Werners: ihm folgte die Schar achthundert trefflicher Schtzen.
   Also das muthige Volk der bergbewohnenden Hessen
   Folgete Wittekind nach, dem Helden: er zhlte der Krieger
   Tausend um sich, und kam, ruhmdrstend, heran in dem Kriegszug.
   Und an den Ufern der Isar hinab zu dem freundlichen Mnchen,
   Reihte sogleich die Schar zweitausend gersteter Bayern
   Sich an den schwellenden Zug. Gedenkend der trefflichen Heimath,
   Schwur ein jeder ihr herrlichen Ruhm zu erkmpfen vor Tunis.
   Radburg fhrte sie an, des Herzogs tapferer Sprling.
   Auch wo im Sande die Spree der brandenburgischen Hauptstadt
   Blssere Fluthen entgegenrollt, und die Oder des Landes
   Blhende Fluren durchstrmt, ertnte der mchtige Heerruf.
   Schnell erhob sich die Schar von tausend erlesenen Kriegern,
   Lwenbeherzt, und folgete Siegfrieds winkendem Banner.
   Und wie folgte nicht, Stollberg, dir, im Muthe der Helden,
   Sachsens edeles Volk, das mchtig umher an der Elbe,
   So an der Plei' und der Ilm, ruhmwrdige Stdte bewohnet;
   Wo den Musen ihr Kranz erblht', und die forschende Weisheit
   Glnzende Hhen errang. Sie sendeten freudig nach Mailand,
   Ueber Tyrols Berghh'n, achthundert gewaltige Krieger.
   Treues Tyrol, auch deinen Gebirgen und Thlern entstrmte,
   Jauchzenden Muthes, die Schar gepriesener Schtzen! Sie nahten,
   Tausend an Zahl, und, vereint fnfhundert muthigen Bndtnern,
   Fhrte sie Salis zum Kampf, Oestreichs hochherziger Feldherr.
   Ha, nicht weilten daheim die Helden des glcklichen Reiches,
   Das in dem Bruderbund' unzhlige Vlker vereinet,
   Und den Vereinten durch Weisheit, Mild', und Gerechtigkeit obherrscht:
   Denn es entsandte zum Heer fnfhundert geharnischte Reiter:
   Bhmens tapferes Volk, das, eisern, im eisernen Schlachtfeld
   Ausharrt, und im entscheidenden Kampf den Feind in den Staub wirft;
   Sandte der Ungern muthige Schar, die auf feurigen Rossen,
   In der gewaltigen Faust den blinkenden Sbel erhebend,
   Schnell, wie der Blitz, im Flug, die feindlichen Reihen zerschmettern.
   Jenen geboth Waldstein, und diesen Hunyadi's[25] Enkel,
   Der, Europa's Hort, die Macht der Osmanen gebrochen.
   Ihnen gesellt, annahte das siegsruhmdrstende Fuvolk,
   Das sich aus deinem Wall' und Fluren erhob, Vindobona,
   Austria's herrliche Kaiserstadt! Wer rhmte dich wrdig?
   Ha, wie lieblich besphlt die breitherrollende Donau
   Deinen erhabenen Sitz! Wie stolz dir winken die Berghh'n,
   Suseln die Hain' umher, und die lustaushauchenden Grten!
   Herrlich umglnzt dich der Aehren Gold, des frhlichen Weinbergs
   Labende Frucht; dir blh'n rings Edens wonnige Fluren!
   Nun entbothst du die Schar fnfhundert erlesener Krieger.
   Aber noch dreimal die Zahl entsandten die trefflichen Lnder,
   Welche die March, die Muhr, und die Drau durchstrmet, und jenes,
   Das in dem freundlichen Schoo der Zirknitz[26] zaub'rischen See birgt:
   Wo in den Tagen des rollenden Jahrs bald emsige Fischer
   Jubeln der Beut' in dem Netz', und bald die Schnitter und Jger
   Strecken die Halm' und das Wild auf dem fluthentbleten Raum hin.
   Lichtstein fhrte die Volk. Hoch flattert' im Winde sein Fhnlein,
   Wo das purpurne Feld, vom gldenen Felde gesondert,
   Auf dem Schilde sich wies, und des Helms hochragender Fittig.
   Hinter den zahllosen kam, von schnaubenden Rossen gezogen,
   Nher die Wucht von hundert donnernden Schlnden und Mrsern.
   Rckwrts ghnet' ihr druender Mund, und jeglichem folgte,
   Rasch, mit der Lunt' an der Brust, der Wurfschtz -- folgten Gehlfen,
   Sonder Scheu, an dem Wagen, voll tdlicher Feuergeschosse.
   Rogendorf, der Feldzeugmeister im Heere des Kaisers,
   Fhrte des Feldzeugs Macht. Er hemmte zuweilen mit Vorsicht
   Sein gluthschnaubendes Ro, da all' ihm folgten in Ordnung.
   Trauer erfllte sein Herz. Ihm sank der Gefhrte der Jugend,
   Salm, auf Wiens hochragendem Wall, wo beide, den Leu'n gleich,
   Kmpften gegen Suleymans Wuth.[27] Dort schwand ihm des Glckes
   Freundlicher Strahl: vom Grau'n des nchtlichen Kummers umgeben,
   Sah er schweigend hinaus nach des Lebens verdeten Rumen.

   Also lenkte zum Meeresstrand die tapferen Vlker
   Ebersteins Heerruf. Laut wirbelte, drnte die Trommel;
   Schmetternd erklang die Dromet', und das Wiehern der stampfenden Rosse
   Scholl aus dem Waffengeblitz herber vom stubenden Fahrweg.
   Doch nun rollt' er die Reih'n am tosenden Strande des Meers auf:
   Guasto's Feldherrnauge zur Schau. Sie jagten hinunter,
   Jagten herauf das muthige Ro, die herrlichen Scharen
   Musternd, und staunenden Blicks ersah der oberste Feldherr
   Deutschlands Heldenvolk, das, trefflichgerstet, daherzog:
   Diese bewehrt mit dem Helm' und dem Panzerhemde von Eisen,
   Haltend die hochaufragende Lanze gelehnt an die Schulter;
   Jene, das Feuerrohr im Arm, dem krachend des Todes
   Kugel entfleugt, und fern' aus den Reihen die Mnner in Staub wirft.
   Allen umhllte die Brust der todabwehrende Koller,
   Von dem Felle des Elennthiers, und die eisernen Hauben
   Schirmten vor tdlichem Hieb ihr Haupt im Gemenge der Waffen.
   Aber die Reiterschar, gleich Flgeln umgebend das Fuvolk,
   Hob den blinkenden Stahl in der nervigen Rechte zur Schulter.
   Alle blickten nach Eberstein: Die rechts, und die Ander'n
   Links, wie er nun, zur Mitte gekehrt, vor den Scharen das Wort nahm:
   Seht uns am Strande des Meers! Verknden die thrnenden Wimpern,
   Kndet die Stille mir, wie jetzt des herrlichen Anschau
   Euern Busen ergriff in spracherstickender Wonne?
   Endlos wogt es dahin, in des Himmels umwlbenden Busen
   Schwindend: ein Bild der allumfassenden Liebe. Gesegnet
   Sey uns die Fluthenbahn: nach dem fernentlegenen Welttheil
   Fhre sie schnell die Helden zum Kampf fr Rettung und Freiheit!
   Brder, wir kmpfen ihn dort, als Deutsche, der heiligen Pflicht treu,
   Glhend von edelem Muth', und denkend des heimischen Ruhmes!
   Gott und der Kaiser mit uns, die stets den Tapferen hold sind!
   Tausende schrie'n, aufjauchzte das Heer: Gebiethe die Abfahrt:
   Gott und der Kaiser mit uns, die stets den Tapferen hold sind!
   Hastig drngten sich alle zum Strand', und sah'n auf die Meer'sfluth,
   Schweigend, hinaus. Erschttert bckte sich Dieser, und tauchte
   Freudig die Hand in die Fluth des schauererregenden Abgrunds;
   Jener staunte der Pracht der Kriegesschiff' und Galeeren --
   Auch der Menge der Tau' und der Hhe des thrmenden Mastbaums.
   Rastlos fuhren die Boot' umher. Da schifften am Ufer
   Haufen sich ein; dort stiegen auf hnfenen Leitern die andern,
   Eiliger, auf zu dem Raum des hochgewlbeten Schiffbords.
   Aber die Reiter und Ross', Feldzeug und Gerthe des Krieges
   Fate der breitere Raum der offenen, niedern Galeeren,
   Wo das muthige Ro, das erst, voll schnaubenden Ingrimms,
   Tobte, bezhmt, und zitternd stand, und den mhnigen Nacken
   Furchtsam erhob: zu schau'n die ringserhellten Gewsser.
   Jetzt erscholl der Abfahrt lauterdonnerndes Zeichen.
   Freundlich weht' aus Osten der Wind, und fhrte die Schiffe
   Auf die unendliche Flche hinaus. Die Menge des Volkes
   Sah den herrlichen Zug von hundert Segeln, und jauchzt' ihm,
   Lange vom schwindenden Strand, die Wnsche der gnstigen Meerfahrt
   Und des ersehnten Wiederseh'ns mit gewaltigem Laut nach.
   Abend nahte heran. In den weitvorstrebenden Segeln
   Suselte sanfter der Wind; die goldenstrahlende Sonne
   Sank g'en Westen hinab: sie taucht' ihr breiteres Antlitz
   Leis' in die Spiegelfluth, und blickt' auf der flammenden Bahn dort,
   Scheidend, heran, die, im Wellengeblitz erzitternd, ihr nachflog,
   Und an des Himmels Rand' entschwand. Im rosigen Aether
   Flatterten Wlkchen empor, die an ihrem verglhenden Saum noch
   Lange den huldausstrahlenden Wink der Lieblichen zeigten.
   Aber die Krieger ergriff die se Wonne der Wehmuth:
   Lautlos starrten sie hin, und dachten des lieblichen Schlafs nicht,
   Mahnte nicht Guasto's ernster Wink und die Stimme der Fhrer.

   Siehe, der finstere Schleier der Nacht umhllte des Heeres
   Fluthenbahn! Eintnig rauschten die schwankenden Wogen
   Jetzt an dem Kiele des Schiffs umher; scharf hauchte der Fahrwind,
   Und in Eil' entschwand die Heersmacht Genua's Ksten.
   Aber nicht achtlos sah der Christen ergrimmtester Gegner,
   Muhamed, her aus dem Wolkenreich: wie drben die Vlker,
   Lautaufjubelnden Rufs, entfalteten Segel auf Segel,
   Und vom hohen Verdeck die funkelnden Blicke des Kriegers
   Grause Vernichtung drohten dem Volk, das glubig ihn ehret.
   Gierig forscht' er umher, ob nicht ein wthender Sturmwind
   Fern' an des Himmels Rand' aufghrete? Doch in den Lften
   Herrschte liebliche Ruh', und hell erglnzte die Sternflur;
   Forschte zugleich: ob Al-Mansors vereintes Geschwader
   Nahete, den erst jngst aus Algier Hairaddin sandte,
   Da er des Kaisers Macht hintilg' in brausender Seeschlacht?
   Aber der Schreckliche trieb noch fern' auf den Fluthen des Meers um,
   Das, Sardiniens Strand von Siciliens lieblichen Ufern
   Trennend, die Bahn ihm wies, wo bald (so whnt' er vermessen)
   Ihm erliege, besiegt, der erhabene Herrscher der Christen;
   Dennoch entsandt' er erst heut zwei leichthinsegelnde Schiffe,
   Die, von Abdul beherrscht, vor Wlschlands schnen Gestaden
   Kreutzten, und sphten umher: wohin sich wende Del-Guasto?
   Abdul gewahrte des Heer's Abfahrt: denn zahllose Ruder
   Peitschten die See, und die Luft durchfchelten Segel auf Segel.
   Alsbald eilt' er nach Elba[28] hinaus, dem felsigen Eiland,
   Wo von dem Schacht, gehaltreich, schillerndes Eisen der Bergmann
   Frdert zu Tag', und steuerte, bald aus der dunkelen Felsbucht,
   Bald aus dem Eisenport, des Feindes Fahrt zu erkunden.
   Muhamed sah ihn ergrimmt, und naht' ihm, scheltenden Ruf's, so:
   Bebend schaust du das Christenvolk die Meere beherrschen?
   Sinne vielmehr ihm Leid, ein schwacher dem strkeren Gegner.
   Denke der List: denn sieh', wie dort ein zgerndes Fahrzeug
   Einsam die Wogen durchschifft! Ihm wirf dich muthig entgegen;
   Halte die Enterhaken bereit; mit der Sprache der Heimath
   Tuschend, raubst du dem Feinde noch heut den tapfersten Feldherrn.
   Abdul blickte verwundert um sich: wer Worte des Muthes
   Ihm in die Seele gehaucht? und lenkte sein khnes Geschwader
   Gegen das einsame Schiff, am Mast' erhhend die Flagge
   Genua's, und entflammend zum Trug den listigen Korsen,
   Der, geboren ein Christ, dem falschen Propheten sich hingab.

   Sarno, den tapferen Hort und Gebiether lombardischen Volkes,
   Trug das einsame Schiff: ein schlechterer Segler. Vor Ingrimm
   Ballt' er die Faust, da nur er, der jngste der Fhrer, zurckblieb.
   Wie vor dem rauheren Herbst der Strch' unendliche Scharen,
   Fliehend dahin durchsausen die Luft; doch einer aus allen
   Folgt aus der Ferne dem Zug (den Zgernden lhmte der Weidmann
   Jngst auf dem Stoppelfeld) und schreit, da jene verschwinden:
   Also schwand ihm das Heer im Schleier der dunkelen Nacht hin.
   Jetzo vernahm er Gerusch' annahender Schiffe: die Wogen
   Klatschten, geschleudert vom Kiel', und laut ersausten die Segel.
   Ahnend Gefahr, aufboth der tapfergesinnete Feldherr
   Schnell sein muthiges Volk. Der Wurfschtz harrte des Winks nur,
   Gegen die Feind', im Donnerhall, Verderben zu senden.
   D'rauf rief er: Wer naht? So schrie'n die Krieger zugleich auf.
   Aber vom nahenden Bord begann der Korse voll Arglist:
   Kennt ihr Genua's Flagge nicht mehr? Uns sandte der Feldherr,
   Da in dem zgernden Lauf kein Gegner die eure gefhrde.
   Also strmten die Feinde zugleich, auf beiden den Schiffen,
   Die, und auch jenseits an, und enterten, jauchzenden Rufes,
   Sarno's Schiff, an mchtigen Tau'n fnfklauige Haken
   Schleudernd: sie hafteten fest im Geblk', und mit schrecklichen
      Blicken,
   Hoch in der nervigen Faust den blitzenden Sbel erhebend,
   Schwangen sie sich dann auf zum Bord. Doch Sarno, der Feldherr,
   Nahte, das Schwert in der Hand, nicht feige zu sterben, entschlossen.
   Erst dem Korsen durchstie er das Herz, das falsche; zerschmettert
   Schnell an der Stirn', ihm sank Atha'r, und Ismail strzte
   D'rauf, in der Lunge durchbohrt, die tapfersten Aga der Scharen:
   Orta genannt dem Muselman, die hundert und fnfzig
   Krieger vereint. Doch jetzt, unedel im Rcken bestrmte
   Jenen die Meng', und ri mit wildem Gets' ihn zu Boden.
   Wie der Waldurochs, den wthende Rden umdrngen,
   Rings mit lautem Gebell, ergrimmter die Stirne vor ihnen
   Senkt, und den einen durchstt mit tdlichen Hrnern, den andern,
   Rasch mit den ehernen Klau'n zermalmt, und immer emprter
   Rache schnaubt; doch jetzt, an den blutenden Ohren verbissen,
   So an dem zottigen Halse zugleich und den krftigen Schenkeln,
   Zerrt die tobende Schar, bis berwltigt er hinsinkt
   Vielen, allein: so strzte der Held, und, schmhlich gefesselt
   Ward er mit seinem Volk', aus Haufen erschlagener Gegner,
   Nach dem feindlichen Schiffe geschleppt. Sein eigenes trieb nun,
   Menschenberaubt, umher, als Beute den strmischen Wogen.
   Dort im finsteren Schiffsraum lag der edelste Feldherr;
   Prete die Stirn' an die Wand, und heientquellende Thrnen
   Perlten, fort und fort, an seinen Wangen herunter:
   Thrnen, dem feindlichen Schicksal geweint, das jetzt, ihn der Freiheit
   Schndeberaubend, der Bahn entri, auf welcher die Brder,
   Drstend nach Sieg und Ruhm, forteilten nach Afrika's Ksten.
   Aber mit Freud' im Blick' und Stolz in dem Busen entschiffte
   Abdul zu Al-Mansor, der fern durchpflgte die Meerfluth.

   Sarno's Jammergeschick nicht ahnend, flog in dem Nachtwind
   Guasto dahin, und siehe, von Ostia, wo sich der Tiber
   Vielgepriesene Fluth ergiet in des Meeres Gewsser,
   Und aus der Vorwelt, nun erhabenen, mnnlichen Sinnes
   Herzerhebendes Bild, nun namenloser Entartung
   Schaudergestalten uns weckt, da wir, sie schauend, erbeben:
   Dorther fhrte der Held Ursini, altrmischen Stammes
   Edeler Zweig, ergraut im Kampf und Schlachtengetmmel,
   Sieben der Schiffe heran, mit tausend erlesenen Kriegern,
   Welche zu Guasto's Heer entsandte der Heilige Vater.
   Nahe dem westlichen Rand des meereinmndenden Stromes
   Thrmt sich, Warten gleich, ein Fels hoch ber die Fluth auf,
   Und beschirmt g'en Wind und Wogen die herrliche Seestadt.
   Dort auf dem ragenden Fels, umgeben von wimmelnden Scharen,
   Stand im Feiergewand, mit den dienenden Priestern und Laien,
   Auch der erhabene Hirt in schauererregender Hoheit:
   Denn er harrte der Kommenden schon. Als endlich sie nahten,
   Theilend die Meeresfluth mit dem gleitenden Kiele, da hallten
   Donnernde Schlnd' umher; harmonischer Glocken Getn' klang;
   Liebliche Dft' aufhaucht' in die Luft das silberne Rauchfa,
   Und weit brannte das Meer in zahlloslodernder Fackeln
   Mchtigem Wiederschein: denn Finsterni deckte die Welt noch.
   Jetzt, ergreifend schnell mit der Linken den hirtlichen Krummstab,
   Den ihm der _Gute Hirt_ vertraut', zu des Heiles Gefilden
   Hinzuleiten die Heerd', in Treu' und liebender Sorgfalt,
   Hob er zugleich die Recht' empor, und segnete dreimal,
   Rufend zum Vater, und Sohn', und Heiligen Geist, die Erwhlten
   Drben, im Herrn. Hochfeierlich scholl der segnende Zuruf
   Auf die Gewsser hinaus, und jen', auf die Kniee gesunken,
   Senkten die Flagg' und Gewehr', und sandten ein stilles Gebeth auf.
   Aber die schimmernden Segel, geschwellt vom gnstigen Fahrwind,
   Fhrten das jauchzende Heer im Eilflug fort nach Neapel.

   Lichter wurd' es in Osten. Des Morgens schauriger Odem
   Flog auf den Fluthen heran. Am dmmernden Saume des Himmels
   Schwamm ein zartes Gewlk, das, erst nur dunkelgerthet,
   Dann allglhend sich hob: der Sonne geflgelter Herold.
   Wonne, sie kam: die rosenumflossene Stirn' aus der Meerfluth
   Tauchend mit ernstem Hoheitsblick -- dann schnell, in Verklrung,
   Heller und strahlender stets, aufschwebend am blulichen Himmel,
   Schn, wie ein Sieger geschmckt, zu durchlaufen die herrliche Laufbahn!
   Ringsum jauchzte die Welt. Die gleitenden Wellen erhoben,
   Hpfend vor Freud', ihr Haupt, und, unabsehlich und endlos
   Flammten sie all' im hehren Glanz' therischen Lichtes.
   Aber mit pochender Brust, in strmischer Seelenentzckung,
   Sah'n die Krieger hinaus auf die schimmernden Fluthen -- vor allen
   Jene, welch' erst jngst dem Meer' als Fremdlinge nahten;
   Doch bald hob ein jeder den Blick zu dem Vater im Himmel,
   Der das Meer und die Sonne, so schn und so herrlich erschaffen.
   Frhlich whnten sie schon sich entrckt dem schrecklichen Unhold,
   Dem auch der tapferste Mann, seekrank, in schwindelnder Ohnmacht,
   Feig', auf dem niedrigen Lager erliegt; doch, als das Gesusel
   Schiffentfhrender Wind' in heierer Stunde des Mittags
   Leise verscholl, und schlaff an dem Maste das Segel herabhing;
   Als das geschaukelte Schiff auf unstttreibenden Wogen,
   Kreisend umher, nicht vorwrts kam: da fielen besiegt ihm
   Alle zugleich, die jngst dem schwankenden Rcken der Salzfluth
   Sich vertrauten zur Fahrt. Sie dachten, zu sterben. Die Schiffer
   Sah'n, mit Lcheln, des Kriegers Furcht: denn wieder erhob sich
   Nun der gnstige Wind, und trieb sie im sausenden Flug fort.

   Aber vom Jauchzen des Volks und dem Jubel des eh'rnen Geschtzes
   Freudig begrt, kam jetzt vor Neapolis schimmerndem Hafen
   Glcklich die Heersmacht an, und lud, mit gewaltiger Stimme,
   Jene zur Heldenfahrt, die dort der Kommenden harrten!
   Wie in dem Fhrengehlz, durchwhlt vom grausamen Wand'rer,
   Wimmelt ein Ameisennest von geschftigem Volke: sie laufen
   Auf und nieder, voll Hast, zu schirmen die glnzenden Eyer;
   Oder sie bauen ihr thrmendes Haus von Neuem mit Sorgfalt:
   So lief hastig das Volk in dem Hafen umher: das Geschwader
   Rstend, das an dem Bord dreitausend erlesene Krieger
   Zhlte. Den Kriegern geboth Toledo,[29] Don Pedro's Erzeugter,
   Der, des Kaisers Vasall, statthaltend herrscht' in dem Land dort.
   Ach, unsglicher Jammer zerri des edeln Toledo's
   Heldenbrust, und stie ihn schnell aus dem rosigen Morgen
   Tuschenden Erdenglcks in die Nacht endloser Verzweiflung!
   Jngst erst reicht' ihm die Hand, am Altar, des salernischen Herzogs
   Einziges Kind, Mathilde, die trefflichste, schnste der Frauen,
   Und sie entfloh'n der Stadt, in Calabria's Zaubergefilden
   Suchend die meerbeherrschende Burg, in lieblicher, stiller,
   Seliger Einsamkeit die sesten Stunden zu leben.
   Dort in dem Schatten umher des meerangrenzenden Fruchthains,
   Den im grnlichen Abendgold die suselnden Lftchen
   Wiegten, und rings durchtnte der Nachtigall wonniges Flten,
   Dort lustwandelten, Arm in Arm, in Liebe verschlungen,
   Beide die glcklichen jetzt. Nur Hugo, ihr redlicher Diener,
   Folgt' entfernter, und band die Bumchen, voll ppigen Wuchses,
   Die er im Herbste gepflanzt, an die sttzenden Pfhle mit Bast an.
   Aber sie lie, ermdet, im schwellenden Grase sich nieder,
   Kehrend den Rcken dem Meer', und sah mit thauenden Wimpern,
   Wie der Gatt' im Orangengehlz die Zweige durchsphend,
   Fern hinschwand: denn immer die schneren sucht' er mit Vorsicht
   Ihr aus der Flle der goldenen Frucht, erlesend, zu pflcken.
   Wehe, da lag in der Felsenhhle des hallenden Ufers,
   Von dem blhenden Genst und der Thrnenweide verhllet,
   Dragut, der freche Korsar, und harrte des nchtlichen Dunkels,
   Lauernd, im schwrzlichen Schiff'! Als fern', in dem schattenden
      Fruchthain,
   Forschend, Toledo entschwand: da brachen des Rubers Gefhrten
   Pltzlich heran, und schleppten die schne, die hohe Gestalt fort;
   Doch sie verstummte vor Angst, und verging vor Todesentsetzen.
   Wie die Schar ergrimmter Schakal', aus finsteren Hhlen
   Kommend, und drstend nach Blut, die erschrockene, sanfte Gazelle
   Fahet im Lauf -- da fllt mit dem Unschuldsblick sie im Sandstaub
   Lautlos nieder: so sank die arm' am Borde des Schiffs hin.
   Hugo gewahrte den Jammer. Er schrie; flog hin zu dem Ufer,
   Strzt' in die Fluthen, und schwang, ein rstiger Schwimmer, zum
      Schiffsbord,
   Eines der Thau' umklammernd, sich auf. Da zckte der Wthrich
   Dreimal den blitzenden Stahl, das grauende Haupt ihm zu spalten:
   Dreimal entsank ihm der Stahl: ihm brach des redlichen Dieners
   Treue das Herz. D'rauf hie er ihn selbst, mit sanfterer Stimme,
   Wecken die holde Frau aus seelenumschattender Ohnmacht.

   Schaudernd vor Angst und Entsetzen, vernahm ihr Gatte des Greises
   Klglichen Ruf, er schrie, noch die Ruber im Aug', auf die Fluthen
   Lautaufjammernd, hinaus, und both unendliche Lsung.
   Ha, schon whnt' er, entzckt, die kehrenden Segel zu schauen --
   Freundliche Laute zu hren vom Bord: da brauste der Sturmwind
   Pltzlich aus Westen heran: die triegenden Laute verhallten,
   Und an des Himmels Rand, wie ein leis' entfliehendes Wlkchen,
   Schwand ihm das Schiff! Der Mond erneute sein wechselndes Licht schon
   Siebenmal, seit er an dem Kstenlande der Ruber,
   Forschen, und biethen hie des Goldes die Flle zur Lsung.
   Doch nun sandte von ihrem Geschick die entsetzliche Bothschaft
   Hugo: zu Tunis, in Draguts Gewalt, des wilden Korsaren,
   Lebe Mathild', und wieg', als unglckselige Mutter,
   Bald den Sugling im Schoo: denn nimmer zur Wonne des Vaters,
   Ach, und voll Liebe nach ihm, erduld' unendlichen Jammer!
   Alsbald ahnet' er diesen im Geist', und kaltes Entsetzen
   Fuhr ihm durch Mark und Gebein. Doch jetzt dem rhmlichen Heerbann
   Bebte vor Freude sein Herz. Er nahte mit leuchtenden Augen --
   Trieb, und drngte die Krieger zugleich, und die hurtigen Schiffer
   Eilig an Bord: nicht hrend des Volks umschallenden Jubel,
   Nicht des Vaters segnenden Ruf, dem nimmer die Hand er,
   Fromm, und kindlich gesinnt, mehr kt, nicht die silberne Scheitel,
   Oder das freundliche Aug': da er bald hinsinket vor Tunis.
   So, mit Guasto vereint, entschiffte Neapels Geschwader,
   Gegen Sardinia's Hh'n, des ringsumflutheten Eilands,
   Steuernd, dort in dmmernder Frhe die herrliche Seestadt
   Cagliari zu schau'n, und zu harren des mchtigen Kaisers:
   Denn ihr wurde der Ruhm, aus dem schimmernden Port Europa's
   Furchtbare Macht, vereint, zu entlassen nach Afrika's Ksten.




                            Vierter Gesang.


   Horch, Barcellona's Thrmen entschallt mit jubelndem Wohllaut
   Glockengetn'; erschtternd rollt des eh'rnen Geschtzes
   Freudendonner vom Wall', und im Port, wo unzhlig die Masten,
   Gleich dem entbltterten Wald, aufragen zum Himmel, erglnzen
   Flaggen und Wimpel umher, die bald im blulichen Luftraum,
   Von umgaukelnden Winden gerafft, wie silberne Wlkchen
   Flattern, und bald, am thrmenden Mast heruntergesunken,
   Schlngelnd, ber den Bord hinsuseln zum schumenden Abgrund.
   Unabsehlich, die Straen entlang, erglnzt von den Erkern
   Festlich der Teppiche Pracht. Dort winken aus jeglichem Fenster
   Blumen in Meng', und hauchen elysische Dft' an den Husern
   Lieblich umher. Doch welch' ein Lrm auftobenden Jubels
   Fllet die Fenster zugleich, und die Erker; die schwindligen Hhen
   Ragender Zinnen und Thrm', mit unzhligen Menschen? Es starren,
   Wang' an Wange gepret, ein Haupt aufragend vom Haupt noch,
   Alle, mit leuchtendem Aug', in die wimmelnde Strae herunter,
   Whrend die wogende Menge hinaus auf den stubenden Heerweg
   Braust, wo Ludwig, der Held, und Doria, mchtigen Anseh'ns,
   Ordnen die Krieger in Reih'n, dem nahenden Herrscher zu Ehren.
   Jetzo noch lauter erschallt, wie unendliches Rauschen der Sturmfluth,
   Schn und furchtbar zugleich, ein Ruf: Hoch lebe der Kaiser!
   Sieh', er kam! Von Mendoza gefhrt, dem tapferen Feldherrn,
   Schritten vor ihm achttausend Krieger -- im Heere die Alten,
   Die, in der Reihe der Jahre versucht, und gesthlt in Gefahren,
   Siegbeherrschenden Muths und entscheidender Strke sich rhmten.
   Jetzo nach Wirbel und Schlag der heerebewegenden Trommel,
   Nahten sie all' im gemessenen Schritt, die Gewehr' an die Schulter
   Pressend im Arm, und zum Schall der Feldschalmeien und Flten,
   Ehernen Klange des Horns und des Brummrohrs tiefen Gewaltton
   Mengend, im schnen Verein, ihr fernhinhallendes Schlachtlied.
   Schauder ergriffen das Volk. Den Altgedienten am Fu nach
   Folgte die herrliche Schar viertausend erlesener Reiter,
   Welch' erst jngst in Hispania's Gau'n die Stimme der Cortes
   Aufboth, Jnglinge noch, doch lechzend nach Kampf und Gefahren.
   Hufesgerassel erscholl in's Geklirr des Waffengeschmeides
   Und in den ehernen Ruf der schmetternden Kriegesdrometen.
   Doch was schleudert noch helleren Glanz in den sonnigen Straen,
   Blendend, umher? Wer nennte die Rossebndiger wrdig,
   Die von silbernen Rstungen blank, die ragenden Lanzen
   Nervigen Rechten vertrau'n? Zweihundert der edelen Ritter
   Sind es: die Blthe genannt des hohen, hispanischen Adels.
   Aber vor allen hervor, ein Viergestirn in der Heersmacht
   Strahlen: Alba[30] der stattliche Held, der khne Alarcon,
   Welchem zur Huth Frankreichs gefangener Knig vertraut ward,
   Vor Pavia im Sieg;[31] Sarmento, und Garzia Lasso,[32]
   Der, ein Snger und Held, das blitzende Schwert und der Lyra
   Gold'ne Saiten mit einem Kranz zu umschlingen, sich sehnte.
   Jetzt entflammte sich jegliches Aug'. Der mchtige Kaiser
   Folgte der edelen Schar, und grte das jubelnde Volk dort
   Links und rechts, mit freundlichem Blick. Sein feuriges Prunkro
   Wlbete stolzer den mhnigen Hals, und tanzte die Straen
   Munter hinab: nun hin, nun her sich wendend, im Halbkreis.
   Dort, wo in festlichgeordneten Reih'n sein harrte das Fuvolk,
   Hemmt' er den Rappen, und sah: wie fertig das blanke Gewehr sie
   Schwenkten mit einetem Schlag'. Er winkte den schaltenden Fhrern
   Dank, die rasch zur Stirne den Degen erhoben, und senkten,
   Huldigend; dann aufschrie'n laut: Marsch! durch die hallende Stadt
      hin.
   Und in dem Jubelgedrng fortwogten die trefflichen Scharen:
   Eilend hinab in den Hafen, am Bord der harrenden Schiffe,
   Nun zu beginnen die Fahrt nach Afrika's fernen Gestaden.

   Staunend ersah die Meng' im Gefolge des mchtigen Kaisers
   Muley-Hassan. Er hob die trauerumflossenen Augen
   Nicht von der Erd' empor, und schwieg; doch inniges Mitleid
   Weckte der Jammer des heimathlosumirrenden Knigs.
   Jetzo dem Herrscher genaht, rief Doria laut vor den Scharen:
   Sehnest du dich schon heut nach dem Raum' _Karthago_, des Heerschiffs,
   Das vor jeglichem gro und kunstbeflissen gezimmert,
   Prangt in dem Port, und vom Schilde den Kranz unsterblichen Ruhmes
   Weist, der dir erblht auf Karthago's rhmlicher Sttte?
   Oder gefllt dir's mehr, zu ruhen im schnen Palast hier,
   Den dir schmckte die Stadt, Barcellona, mit liebender Sorgfalt?
   Nichts von Ruhe noch Rast mir gesprochen, so sagt' ihm der Kaiser,
   Eifernd, jetzt, wo mir's nur lauter im glhenden Busen
   Pocht, und strmt; kein Schlaf die ermdeten Augen erquicket,
   Die nur Tunis im Grau'n der einsamen Nchte, nur Tunis
   Schau'n in der Helle des Tags, und Schlacht, und Sieg, und Errettung!
   Spannet die Segel! Uns winkt, gebiethend, Afrika's Meerstrand.
   Doria fhrt' ihn an Bord. Ihm folgte der munteren Schiffer
   Hurrahgeschrei und unzhligen Volk's nachjubelnder Segen,
   Bis er vom hohen Verdeck die Treppe hinunter im Schiffsraum
   Leis' entschwand. Und siehe, dem Staunenden ffnete dort sich,
   Prunkend, ein hoher Saal, auf de' aufwlbenden Himmel
   Titian selbst ein Meisterwerk mit zaubrischem Pinsel
   Schuf, nach Doria's Wink! Ein Schlachtfeld hatt' er gebildet.
   Fern, wie in Nebel gehllt, ersphet der schrfere Blick nur
   Fliehende Feind' am Gebirg: so winzig ist Alles und Jedes
   Dort mit dem zarten Duft der dmmernden Ferne, verschmolzen.
   Nher heran, am Rain des saatdurchschlngelnden Baches,
   Wirft sich die Reiterschar auf Reiter, zum letzten Gemetzel
   Spornend das Ro, und es fleugt, und schnaubet, mit wallenden Mhnen,
   Flammendem Aug' -- fort ber zerschmetterter Leichen und Waffen
   Blutigen Wust, an des Gegners Ro. Die schrecklichen Kmpfer
   Schleudern den blinkenden Speer, und schrein, und brllen den
      Schlachtruf --
   Und uns ducht: als tne Geschrei von dem klaffenden Mund her.
   Aber schon kommen vom Waffengefild, dem druenden Sieger
   Folgend, mit Schmach im Blick', und die Hnd' am Rcken gebunden,
   Scharen Gefangner herauf, wo Constantin,[33] Kaiser des Weltreichs,
   Von dem Rosse sich wirft, die Kniee zum Staube zu beugen:
   Denn, noch schaut er, in Wonne verzckt, das Kreuz an dem Himmel
   Flammen im Sternenkranz; noch sieht er der hohen Verheiung
   Himmlische Wort' in dem strahlenden Kranz: Du siegest mit ihm nur.

   Dort zu dem herrlichen Bild', erschttert tief in dem Herzen,
   Sah der Kaiser empor, und trocknete schweigend die Thrnen.
   Abendrthlicher Glanz ergo durch leuchtende Fenster
   Strmend, sein heiliges Licht in dem Saal', und liebliche Stille
   Herrschete. Jetzt geboth sein flammendes Auge der Abfahrt
   Donnernden Ruf: er scholl vom Borde der hohen Karthago
   Freudig dem horchenden Krieger an's Ohr; durchbrllte der Seestadt
   Thrmende Straen, der Felsenhh'n verborgenste Schluchten
   Rings im Gefild', und verhallte mit oft auftobendem Grimm noch,
   Fern' am drnenden Rand des blulichen Himmelsgewlbes.
   Pltzlich erwachte Gets' und geschftige Hast in dem Hafen.
   Zahllos flattern die Segel vom Mast'; an den chzenden Winden
   Knistert das Seil umher, und bald enttauchet der Anker
   Zackige Wucht den Wogen, und ruht in die Quer' auf dem Balken,
   Vorn' an des Schiff's Brustwand. Die leitende Nadel betrachtend,
   Sitzet der Steuermann bedchtig am Ruder, und rauschend
   Folgt ein jegliches Schiff dem Ruderboot', an dem Schlepptau,
   Fort auf des Meeres Hhen hinaus, wo ein gnstiger Fahrwind,
   Sausend von Mitternacht, vorwlbet die schimmernden Segel.
   Aber es drngte das Volk sich am Strand', und bethete, weinte,
   Jauchzte den Schwindenden nach. Wohl Mancher lief an dem Ufer,
   Keuchend, noch hin, und schwenkte das wehende Tuch in den Lften --
   Schwenkte den Hut, zum Lebewohl, den theuern Bekannten!
   Zwar nicht jauchzte die liebende Braut, nicht die zrtliche Mutter
   Mehr an dem Strand; doch muthig bezwangen sie dennoch die Thrnen:
   Denn auf rhmlicher Bahn enteilten die Lieben der Heimath.

   Freudig schiffte des Kaisers Macht im sausenden Wind hin;
   Eilte den Balearen, im Flug, g'en Osten vorber,
   Und umkreisete bald im Sden Sardinia's Vorland:
   Nahend der herrlichen Stadt Cagliari, mit Guasto's Geschwader
   Sich zu der Heeresfahrt nach Afrika's Ksten zu einen.
   Doch nun schwebte die Nacht mit weitverbreiteten Flgeln,
   Leiseren Fluges, herab, und umhllte des Meeres Gewsser.
   Guasto's Macht trieb noch, auf der wogenden Wste verschlagen,
   Fern Cagliari's ersehnetem Port, in der dunkelen Nacht um:
   Denn jetzt fhrt', unhemmbaren Flugs, ein brausender Nordwind
   Ihn nach dem meereinengenden Thal hinunter, wo vormals
   Stets, der Charybdis zugleich und der furchtbarn Scylla der Schiffer
   Zitterte. Dort erscholl ihm jetzt urpltzlicher Aufruhr
   Von dem Schooe des Aetna heran. Mit Entsetzlichem schwanger
   Lag er, kreiend, in Weh'n. Er wthete: strzende Felsen
   Schleudernd mit lautem Gekrach', Orkanengetmmel, und Gluthsturm,
   Weit in den Tiefen umher, da rings das Meer und der Erdkreis
   Schwankte vor Angst, bis er jetzt aus- des Grauens Geburt warf.
   Erst aus dem finsteren Schlund', in meilenmessendem Umfang,
   Quoll Rauch auf: weithin am Himmel die Sterne verschlingend,
   Und in dem wirbelnden Flug durchzuckt von blulichen Blitzen;
   Dann aufbrauste wie Staub, vom Winde gerafft an dem Kreuzweg,
   Odemberaubender Schwefelqualm und Aschengestbers
   Dichtes Gewlk, und jetzt, in wthender Eile geschleudert,
   Rasselten glhende Stein' ihm nach; jetzt hob sich die Flamme
   Himmelempor, und leuchtete fern' in die finstere Nacht hin.
   Rings erglhte das Meer. So hoch die Flamm' an die Wolken
   Loderte, sank ihr Bild so tief in's dunkle Gewsser
   Nieder, und warf in die Unterwelt hellleuchtende Funken.
   Aber den kreienden Berg durchwhlten noch strkere Wehen.
   Unterirdischer Donner rollt', aufrauschten die Wogen --
   Schlugen das schumende Haupt im Kampfe zusammen; des Aetna
   Scheitel erbebte: denn, o des grausenerweckenden Anblicks,
   Jetzt ausspie sein Schlund die glhende Lava: sie wlzte
   Breiter und flammender stets, die feurigen Wogen herunter;
   Laut aufheulten die Lft', und die Schpfung schauderte ringsum!
   Doch Del-Guasto's Heer flog dann im sausenden Sturmhauch
   Eiliger fort auf dem Meer, Sardiniens Ksten entgegen.

   Aber nicht war in des Berg's Abgrnden allein der Emprung
   Wildes Getmmel erwacht: auch hoch in den Lften begann jetzt
   Furchtbardruender Kampf und seelenerschtternder Aufruhr:
   Denn von des Aetna Fluren umher, unendlich verbreitet,
   Hob der Flamme Gewalt auf rastlos fchelnden Schwingen
   Schnell die Dnste der Erd' empor zu des Aethers Gefilden.
   Wie, der sttzenden Balken beraubt, ein Schacht in dem Erzberg
   Pltzlich zusammenstrzt: da rollen zertrmmerte Felsen,
   Rollet die Erde, der Wald in die Tief', und weit aus dem Abgrund
   Fleugt Staub auf, und Gets' einsinkender Berge: so strzte
   In den verdnneten Raum, vom glhenden Sden herber,
   Dann sich die Meeresluft, und weckt' im Fluge des Sturmwinds
   Kaum besnftigte Wuth an Afrika's Felsengestaden.
   Dort auf des Atlas[34] Hh'n, des himmelanthrmenden Berges,
   Lag Gewittergewlk', und sandt' in die finsteren Thler
   Rthliche Blitze herab. Nur leis' ummurrte der Donner
   Noch in dem Schoo des Ghrenden; doch von dem brausenden Sturmwind
   Nher gejagt, aufflog's am funkelnden Himmel, und hllte
   Pltzlich des Kaisers Wogenpfad in schreckliches Dunkel.
   Frh' erkannten die Schiffer, vom Bord die perlenden Fluthen
   Schauend: es nahe der Sturm. Sie zogen die dichtesten Segel
   Auf an den Mittelmast, und ordneten sorglich die Thau' all'.
   Doch nun brauste der Wind fern her: dem thrmenden Wall gleich,
   Hob sich vor ihm die Fluth, und rauscht' auf die gleitenden Schiffe
   Nieder, und dann aufwogten sie rings unendlich und furchtbar.
   Jetzo in Wolkenhh'n auf dem Saum der heulenden Wogen
   Schwebten die Schiff', und jetzt, in des Meer's Abgrnde geschleudert,
   Deckte sie dunkler Fluthen Nacht, wie verloren auf immer.
   Ueber das hohe Verdeck hinber, herber ergo sich,
   Schumend, der Wogen Meng', und netzte die flatternden Wimpel.
   Muhameds Aug' erglnzte vor Lust, nach den ghrenden Blitzen
   Schauend im Donnergewlk, das ber den Schiffen der Christen
   Grau'nvoll hing. Er winkte, voll Hast, den grimmigen Geistern
   Attila's -- winkte den Seinen zugleich: sie brausten im Eilflug
   Nher, und, wie die Schar der schwarzbefiederten Raben,
   Aufgeschreckt vom Knall todtschmetternder Bchse, vom Anger
   Laut, mit Geschrei, sich erhebt, und immer in engeren Kreisen
   Ueber des Schtzen Haupt durchrauscht den sausenden Luftraum:
   So durchstrmten auch hier die unzhligen Geister der Wolken
   Ghrenden Schoo, bis solcher in feindlicher Reibung entbrannt war.
   Siehe, da zuckte der Blitz, und zerri den finsteren Himmel
   Schnell von Westen bis Osten hinauf! Dem rollenden Donner
   Drnte die Welt umher, und Strme des sausenden Regens
   Peitschten, mit eh'rnem Geprassel, die Fluth. Fort krachte der Donner --
   Krachte durch Sturmgeheul und Gebrll der emprten Gewsser,
   Endlos fort. Wie links und rechts die Schiffe sich beugten,
   Hoben zum finstern Gewlk ringsher, entsetzlich zu schauen,
   Flammende Wogengebirg' ihr Haupt: denn strahlender Blitzglanz,
   Schwrze der Nacht, traf wechselnd das Aug' des erblindeten Volks hier!
   Sieh', und allen umher auf dem Bord' erblaten die Wangen
   Jetzo vor Angst: sie harrten, verstummt, des nahen Verderbens;
   Doch der edele Kaiser sah nach dem Grauen des Meersturms
   In erhabener Ruhe hinaus: der hohen Verheiung
   Trstender Strahl erfllte sein Herz, das niemals gebebt hat.
   Bald entschwand im eilenden Flug das grause Gewitter.
   Regen sauste nicht mehr; die Winde verstummten; der Donner
   Wthete nicht; nur fern' am Rande des wlbenden Himmels
   Murrt' er dumpfer noch fort, wo flatternde Blitze zuweilen,
   Kehrend, und fliehend zugleich, die dunkeln Gewsser erhellten.
   Aber noch lange tobte das Meer, bis leise zu Hgeln
   Schwanden die Wogengebirg', und die Hgel zu fluthenden Eb'nen.

   Als die Sonn' ihr Strahlenhaupt aus den duftenden Wogen
   Aufhob; ringsum das Meer, und ber dem Meere der Himmel
   Golden erschien: da rief vom Korbe des schwindligen Mastbaums
   Laut der Spher herab: Uns nahen des Feindes Geschwader.
   Sieh', und des Himmels Rand' entschwebten die feindlichen Segel,
   Gleich dem Gewittergewlk' in glhender Stunde des Mittags!
   Jetzt auf jeglichem Schiffsverdeck war Lrm und Gewimmel
   Sphenden Volks. Es bebten vor heiem Verlangen die Krieger,
   Bald in des Feindes Auge zu schau'n, und im Kampf der Entscheidung
   Ihm zu vergelten die Schmach der verheereten Ksten der Heimath.
   Aber vor allen sah Held Doria gierig vom Bord hin:
   Prfend des Fernrohrs Wundermacht, das selber der Knstler,
   Janssen von Middelburg[35] zum Ehrengeschenke dem Kaiser
   Both: er lohnt' ihm's reichlich mit Gold und ehrendem Beifall,
   Schtzer alles Verdiensts, und Wrdiger solcher Erfindung.
   Attila brauste heran, und sah nach den wogenden Schiffen
   Finster hinab; doch jetzt dem sphenden Doria nahend,
   Drngt' ihn die Neugier mchtiger hin, voll Hast zu erforschen:
   Was sich im schimmernden Rohr dem Helden fr Wunder gestalten?
   Als er gebckt, ihm gleich, das Auge dem Glase genhert,
   Fuhr er betroffen zurck. Er bckte sich wieder, und forschte
   Jetzo mit freiem und jetzt bewaffnetem Aug' auf dem Meer' um,
   Schauend nach Al-Mansors Schiffsmacht, die weit in dem Anlauf
   Deckte das Meer. Er lchelte sinnend, und wiegte das Haupt oft;
   Doch nun hob er ergrimmter sich auf in den schimmernden Luftraum,
   Wo der Scythen erlesene Schar sein harrte. Dem Geist war
   Schnell das Geheimni enthllt: wie hier auf dem wlbenden Glasfeld
   Sich des Entfernten Bild abspiegelte, dann in des Auges
   Krystallfluth der Strahl, gebrochen, vom Glas' zu dem Glas' fort
   Strmt': im helleren Wiederschein, der Seele zur Anschau.
   Zorn entflammte sein Aug'. Er rief den Geistern ergrimmt so:
   Sey es der Nachwelt Ruhm: nur Trug zu ersinnen, und Arglist!
   Was die Ferne verhllt, bannt die erfindende Volk sich,
   Herrschend in seine Gegenwart mit dem schimmernden Fernrohr.
   Da sein Donnergescho hinstreckt in der Ferne die Reihen
   Tapferer, ducht ihm Gewinn. Es rhmt sich: die Hllenerfindung
   Krze den Krieg, und spricht von Schonung im blutigen Schlachtfeld.
   Ha, nicht also kmpften wir einst: denn nah' in die Augen
   Sah'n wir gerne dem Feind! Wohlan, nun lat uns die Scharen
   Al-Mansors empren zur Wuth und mordender Blutgier!
   Jene entfloh'n. Doch Doria sah die blulichen Wogen
   Schumen am strmenden Kiel wohl hundert feindlicher Schiffe,
   Die von dem Bord Schlachtruf herdonnerten, trotzend auf Khnheit
   Kampferfahrenen Volks und auf Sieg', errungen im Raubzug.
   Jetzt auf den Hhen des Meer's, unferne der Stadt Cagliari,
   Hemmte der Kaiser die Schiff' im Lauf, die anstrmenden Gegner
   Dort zu erwarten bereit. Ihm einte sich Guasto's Geschwader,
   Jauchzend, und weit umher bedeckten die Schiffe die Meersfluth.
   Auf den Zinnen der Stadt, auf den Warten der Berg' und der Hgel,
   Harrt' unzhliges Volk; so harrten im schimmernden Luftraum,
   Hingegossen auf zartes Gewlk (doch feindlich geschieden)
   All' die Geister, voll Gier, der grauenerregenden Seeschlacht.
   Aber nur Muhamed sah mit herzzernagendem Kummer
   Al-Mansors verderblichen Trotz. Von Thrnen umflossen
   Glnzte sein Aug', und er rief den Seinen, ein heuchelnder Seher:
   Eben vernahm mein Ohr den Flug des nchtlichen Schicksals,
   Dem, ach, ewig bestimmt, vorschwebt des sterblichen Menschen
   Wohl und Weh' -- dem Al-Mansor mit seinem Geschwader
   Nimmer entflieht! Nach Afrika fort, wo Hairaddin freudig
   Unserer Stimme gehorcht: ihm wollen wir Rettung ersinnen!
   Brausend schwebt' er, mit seinem Gefolg', in der heulenden Luft hin;
   Doch in den schimmernden Hh'n, des nahen Kampfes gewrtig,
   Harrten die brigen all', und sah'n auf die Fluthen hinunter.

   Doria lenkte sein Schiff dem Borde der hohen Karthago
   Nher, und rief dem erhabenen Herrscher mit leuchtendem Antlitz:
   Gnn' es, erlauchtester Herr, da hundert feindlichen Segeln
   Fnfzig der unsern entgegen sich reih'n; da hier auf der Meerfluth
   Doria kmpf', und siege, wie du auf dem eisernen Schlachtfeld!
   Aber da schwang aus der blulichen Luft sich Hermann herunter.
   Hell wie Sterne der Sommernacht ihm flammten die Augen,
   Als er dem stattlichen Kaiser genaht, ermuthigend, ausrief:
   Wie, du wolltest, ein Held, nicht selber verlangen des Sieges
   Lorbern? Lenke die Schlacht: so wird unsterblicher Ruhm dir!
   Also bestrmt' er das Herz des leis'aufhorchenden Kaisers,
   Der, erschttert im Geiste begann: Wie hebt sich der Migunst
   Schmachgebhrender Streit in meinem bewegten Gemth' auf?
   Schnell erkmpft' er den heiligen Sieg, der edlere Seelen
   Krnt in dem Kampf g'en Trug und Bethrungen niedriger Selbstsucht,
   Und sein schtzender Engel sank in hoher Verklrung
   Ihm an die Brust. Doch Hermann sah in dem Herzen des Edlen,
   Staunend, den hehren Sieg: er sah die himmlische Klarheit
   Leuchten um ihn, und floh betroffen zurck' in den Luftraum:
   Denn nicht durft' er schau'n den Himmlischen. So nach des Sommers
   Hei entschwundenem Tag', seh'n wir den zuckenden Blitzstrahl
   Flammen im Sternenzelt, und sprechen: der glhende Himmel
   Khle sich ab -- nicht hrend den fernverhallenden Donner:
   Also entwich, von dem hehren Glanze geblendet, der Geist hier.
   Aber der Kaiser sprach zu Doria lchelnden Blickes:
   Zwar ersehnte mein Herz, die Schrecken der strmenden Seeschlacht
   Hier zu besteh'n, und die Kraft zu versuchen in neuen Gefahren;
   Aber nicht Sorg' um des Herrschers Haupt erschlaffe die Schwingen
   Deines erhabenen Muths, und das siegerringende Schiffsheer
   Reiche nicht ihm den Kranz, der dir umwinde die Scheitel.
   Sieh', und mit Thrnen im Blick', entschiffte der treffliche Seeheld
   Jetzt an dem Borde des doppelten Aars, de Fittig' er liebend
   Whlte, sich aufzuschwingen zum Glanz' unsterblichen Ruhmes.
   D'rauf erlas er, behend', aus den schimmernden Reihen der Schiffe
   Fnfzig, bemannt mit tapferem Volk, das oft auf dem Meer schon
   Lorbern errang: die Schiffe der furchtbar'n Ruber besiegend.
   Wie der mchtige Aar, ausbreitend die rauschenden Flgel,
   Schnell hinfleugt in dem Wind, so flog die erlesene Schiffsmacht
   Fort auf der schimmernden See: denn rechts entfaltete Ruyter
   Fnfzehn flandrische Flaggen, und links, der khne Moncada,
   Mit Hispania's acht, Lusitania's sieben vereinend,
   Fnfzehn. Doch zu Wlschlands Ruhm, dem feindlichen Andrang
   Muthig entgegen zu steh'n in der Mitte des Heldengeschwaders,
   Pflanzte Genua's Flagg', und zugleich, die Rom und Neapel
   Einte der Heeresmacht, an zwanzig trefflichen Schiffen,
   Doria auf. Jetzt allen umher verstndliche Zeichen
   Donnernd, erscholl vom Bord sein rstunggebiethender Aufruf.
   Wie Gewitterstoff von der kreisenden Scheibe des Glases,
   Prasselnd, durch saugendes Messingrohr einstrmt in der Flaschen
   Dunkelen Schoo, und ein Mann, die leitende Kett' in der Linken,
   Reichet dem Nachbar die Recht', und dieser dem Nachbar, und so trifft
   Hunderte dann erschtternder Schlag urpltzlich, auf einmal,
   Wenn der glimmende Funk' aufflammt am entladenden Kolben:
   Also bewegte die Fhrer zugleich des Schlachtengebiethers
   Donnerruf, und, nahe dem Maste die rhmliche Stelle
   Whlend, geboth ihr Schrei dem Volke die Rstung. Am Mastbaum
   Kletterten Schiffer empor, und ordneten eilig die Segel,
   Whrend die Krieger in Reih'n ihr Feuergewehr auf dem Schiffsbord
   Luden. Sie gossen zuerst entflammendes Krot in des Zndlochs
   Pfanne; schmetterten Krot und Lot, mit dem glnzenden Ladstock,
   Fest in das Rohr, bis auf er hpfte vom klemmenden Lppchen,
   Und umspannten mit frhlichem Schlag' es am krftigen Kolben.
   Auch in die furchtbar'n Donnerschlnd' eindrngte der Wurfschtz,
   Dann mit dem Krote, die Wucht der eisernen Kugel; er bohrte
   Kundig das Brandrohr ein, und facht' an der Lunte die Gluth an.
   Aber mit tieferem Ernst' und erhhtem Vertrau'n in den Augen,
   Sah der Kaiser vom Bord dem schlachtanbiethenden Volk nach.

   Jetzt aufrauschte das Meer: es nahten die Feinde. Wie Nebel,
   Vom Herbstwinde gejagt, weithin verhllen der Sonne
   Liebliche Bahn: so flogen der Feind' unzhlige Segel
   Her auf der See. Doch Al-Mansor ergrimmte des Gegners
   Minderzahl, und Wuth, und Hohn verzerrte sein Antlitz.
   Doria's Stimme geboth vom Bord' in donnernden Lauten:
   Jegliches Schiff erwhle sich zwei der feindlichen -- trenne,
   Muthig, des Gegners Macht, und strmte, der erste, zum Angriff.
   Jetzt, wie zwei Sandhosen, gerafft vom Hauche des Aethers,
   Schweben im Luftraum hin, durchblinkt von der trauernden Sonne,
   Bis, von dem strmenden Ost und West sie pltzlich vermenget,
   Strzen zur Erde zugleich, und dort mit Orkanengetmmel
   Wsten die Fluren umher, und die wimmelnden Stdt' und die Drfer
   So, da bald nur Entsetzen und Grau'n die Gefilde verhllet;
   Wie der feurige Blitz, im nchtlichen Donnergewitter,
   Weitgesonderte Huser der Stadt entzndet auf einmal:
   Furchtbar hebt sich der Rauch; hoch lodert die prasselnde Flamme:
   Denn unbndig herauf, unbndig hinunter, im Eilflug,
   Wthet das Feuer die Stra' entlang; stets nher und nher
   Wlzt sich der Gluthenstrom entgegen dem kommenden Gluthstrom;
   Bald -- schon sind sie vereint, und schlagen entsetzlich zusammen:
   Also trafen sich hier die feindlichen Schiffe. Gehorchend
   Doria's Ruf', erkor ein jeglicher Fhrer der Christen
   Zwei der Gegner zum Kampf'. Und jetzt aus dem donnernden Schiffsraum
   Flog durch Rauch und Flammen der Tod in die feindlichen Reihen --
   Flog vom hohen Verdeck hinber der schmetternden Bchsen
   Tdliche Saat. Weit deckte der Rauch die Fluthen, und weithin
   Hallte Geschrei der Gedrngten und Drnger im Donnergetmmel.
   Leichen schwammen umher, von den Wogen geschaukelt, und trieben
   Nher an's Land; zerrissene Segel flogen im Wind hin;
   Berstende Mast' entstrzten dem Bord'; aufrauschte die Meersfluth,
   Als sie die Maste verschlang, und schumend wieder heraufstie.

   Sieh', Abdallah gelang's, der drben, dem Feinde zur Linken,
   Lenkte die Schlacht, das Schiff des khnvordringenden Ruyters
   Schnell zu umzingeln! Doch er harrt' auf dem Borde, der Gegner,
   Glhenden Muth's, wie ein Leu, der fern' ein paar Elephanten,
   Durch aufqualmenden Staub, mit furchtbar druenden Rsseln
   Kommen sieht, zu rchen die jngst gemordeten Jungen;
   Nicht erbebt ihm das Herz: genaht wuthfunkelnden Blickes,
   Strubt er die Mhnen, und haut um sich mit den schrecklichen Klauen:
   Also bestand er die Menge. Da fiel, an der Stirne zerschmettert,
   Neben ihm Otto, sein Freund und Waffengefhrt'. In der Kindheit
   Gold'nen Tagen vereinte sie schon des liebenden Herzens
   Mchtiger Zug. Nun sah er ihn kaum. Ein schmerzlicher Ruf drang
   Ihm aus der Brust; er drngte die Thrne zurcke; nur Eines
   Galt dem Tapferen jetzt; des heiligen Kampfes Entscheidung.
   Schnell, mit siegender Kraft, durchbrach er der feindlichen Schiffe
   Ringsumzingelnden Kreis, und bohrte noch zween in den Abgrund,
   Rechts und links abfeuernd das Donnergeschtz aus dem Schiffsraum.
   Doch g'en Doria hielt, ausdauernden, schrecklichen Muths noch
   Al-Mansor: denn Attilas herzblutdrstende Geister
   Drngten sein Volk mit stets emprterem Grimm' in das Feuer
   Mordender Schlnd' und Gewehre. Nicht rauschten die Wogen der See mehr,
   Leichen- und trmmerbedeckt, und vom ghrenden Blute gesttigt.
   Und schon wankte der Sieg wie das Znglein schwankt mit der Wagschal',
   Gleichem Gewichte zum Spiel. Dreimal erhob sich der Kaiser,
   Schauend die wankende Schlacht, den Seinen errettend zu nahen;
   So oft bezwang er sich wieder, und sah, dem Helden vertrauend --
   Ehrend sein tapferes Volk, in die grau'numnachtete Schlacht hin.

   Doria's Wurfschtz traf, wohlzielend, den Sarg mit dem Zndstaub,
   Der von der Wucht unzhliger Bomben und Kugeln umhuft war.
   Jetzt aufflammte die Welt. Ein Brand, entsetzlich und furchtbar,
   Hob sich von Al-Mansors entzndetem Schiff' in den Luftraum.
   Gleich dem feurigen Luftgebild, dem Vlker erbeben,
   Blutigen Krieg weissagend, und Pest, und schrecklichen Hunger,
   Flog das berstende Schiff, und schwand in den hheren Rumen
   Fern mit lautem Gezisch. Nur spt, nur langsam, und einzeln,
   Sank zertrmmert' Geblk, und sanken zerschmetterte Leichen,
   Jetzo entfernt, jetzt nah' in die dumpfaufpltschernden Fluthen.
   Stille herrschte umher: da schien des kreisenden Weltalls
   Odem gehemmt, des Windes Fittig erschlafft, und des Meeres
   Wogende Fluth erstarrt: da sah'n die Krieger am Schiffsbord
   Starrend sich an, und lalleten unverstndlichen Laut nur.
   Doch nun hob sich die Wuth im Busen der feindlichen Fhrer;
   Einer dem andern rief's mit schrecklicher Stimme: Wir entern!
   Und, alsbald mit dem sausenden Seil fnfklauige Haken
   Schleudernd, strmten sie an, die Gegner in wilder Verzweiflung
   Niederzuschmettern, und laut erhob sich des Kampfes Getmmel.

   Schaudernd sah'n die Geister zuvor der wthenden Seeschlacht
   Grauen emprt. Nun sprach zu Hannibal Regulus also:
   Dort in des Erdballs Nacht, wo wir Jahrhunderte schwinden
   Sah'n, erfllet von Gram, und von Banden gefesselt des Unmuth's,
   Sagten umwandernde Geister uns oft von dem schrecklichen Zndstaub
   Wunder, der, dem Blitz und dem furchtbarn Donner nicht ungleich,
   Tod und Vernichtung s'et, und traun, sie redeten Wahrheit;
   Doch, wie schmhlich ereilt den Helden der Tod in dem Kampf jetzt,
   Wo er die Brust ihm wehrlos beut, und von ferne besiegt fllt!
   Siehe, da lie sich Regulus schnell vor Doria nieder,
   Ihn zu erregen gesinnt, und lispelt' ihm leis' in die Ohren:
   Trenne des Feindes Reih'n: so stritt der khne Spartaner
   Xanthippos in dem Kampf mit Regulus, nahe vor Tunis.
   Ach, er fiel ihm besiegt: du erringst unsterblichen Ruhm dir!
   Doria griff an das Herz, das laut dem khnen Entschlusse
   Pocht', und heller flammte sein Aug', da er jetzo den Degen
   Hoch in die Luft aufschwang, und die Fhrer durch wehende Flaggen
   Schnell zum Sturmgang rief: denn all' aufmerkten den Zeichen
   Mitten in grau'numhlleter Schlacht. Die siegenden Flgel
   Wichen zurck', und pltzlich, zum spitzigen Keile gestaltet,
   Brach nun Doria's Schiffsheersmacht des Feindes Geschwader,
   Strmend, entzwei, da Mast' an Mast', und Segel an Segel
   Schlugen im wilden Gekrach, und dumpf ertnte der Schiffsraum.
   Aber, von Rach' entflammt, vordrang der khne Moncada,
   Jetzo zuerst: ihm tdteten jngst algierische Ruber
   Nchtlich am einsamen Ufer den Freund. Er traf im Gemeng dort
   Wthend auf Abdul selbst, der Sarno, den Helden, gefesselt
   Barg im Raume des Schiffs, und rasch bestrmten sich alsbald
   Beide vom Bord zum Bord', im Kampf der wilden Verzweiflung,
   Da ringsher der Lanzen Geklirr' erscholl, und die Leichen
   Schwammen im Blut. Doch, glhend vor Zorn, erfate Moncada
   Eines der Tau', und schwang sich behend' zum feindlichen Bord' auf,
   Dort zu erringen den Sieg. Ihm folgten der khneren Krieger
   Sieben, jauchzenden Ruf's, zum schreckenvollen Gewrg nach.
   Aber, geschmiegt an den Mastbaum, stand, und wehrte sich Abdul
   Gegen die Sieben zugleich, und rannte den Speer in Moncada's
   Heldenbrust, da er, khn vordringend am schirmenden Mast', ihm
   Blte die Seit': er sank, und rchelte sterbend. Nicht lnger
   Freute sich jener der blutigen Rach': ihn erlegte der Tapfer'n
   Heilige Schar, mit dem Volk, das kmpfend das Leben verschmhte.

   Doch aus dem Raume des Schiff's drang nun die flehende Stimme
   Sarno's den Kriegern an's Ohr: sie lsten die Bande dem Helden,
   Zitternd in freudiger Hast. Er drckte den khnen Gefhrten
   Schweigend die Hand, und erhob die thrnenden Blicke zum Himmel.
   Als er zum hohen Verdeck aufstieg, und in seliger Freiheit
   Himmel, und Erd', und Meer, lautjauchzend, begrte: da blinkt' ihm
   Aus dem blutigen Wust sein treffliches Schwert in die Augen,
   Das ihm der Ruber entri. Nicht der pflanzenkundige Wand'rer
   Freut sich so sehr, da er oben in Wolkenhhen der Alpen
   Blhende Matten durchspht, und dort die seltenste findet,
   Als der Held sich erfreute, sein Schwert auf dem Boden gewahrend.
   Eilig rafft' er es auf, und schwang es empor in den Luftraum,
   Gegen den Feind urschnell die tdliche Waffe zu kehren.
   Doch schon war errungen der Sieg, und des Feindes Geschwader
   Strich die Segel vor Doria's Macht. Wie dort auf dem Thronstuhl
   Sitzend im herrlichen Prunk, der neugekrnte Beherrscher
   Ringsher schaut das versammelte Volk, und jetzo mit Ehrfurcht,
   Mann fr Mann, die Erwhleten nah'n, die Hand ihm zu kssen,
   Huldigend: so in des Sieges Glanz' ihm huldigt' in Demuth,
   Ueberwunden der Feind. Da jauchzten unzhlige Menschen
   Rings von den Zinnen der Stadt, von den Warten der Berg' und der Hgel
      --
   Jauchzten umher vom Gewlk die feindlichgetrenneten Geister.
   Doch, der einst Karthago's Ruhm zu den Sternen erhhte,
   Hannibal, sah voll Zorn, wie Regulus erst dem Gebiether
   Doria Hlfe erwies: da erwachten der dsteren Vorzeit
   Trauergebilde in seinem Gemth', und zrnend begann er:
   Wie, der Rmer, und ich, vereint in dem Kampfe der Helden?
   Nimmer gescheh's! Eh' soll das zitternde Lamm an der Wlfinn
   Saugen -- der brausende Bach zurck zur Quelle sich heben,
   Ehe der Pune dem Rmer sich eint. Er nah' ihm als Feind nur!
   Jetzt in Eile hinaus nach Karthago's Jammergefilden,
   Da mich erneut empre der Rach' unendliches Drngen,
   Die ich ihm schwur: ein Feind dem Freund', den er sich erkoren.
   Also rief er den Seinen, ergrimmt, und flog in den Lften
   Schnell g'en Sden hinab. Ihm folgten die strmischen Geister.
   Lenkt, rief Doria jetzt, die Schiff' in den freundlichen Hafen,
   Da die Verwundeten all, und auch die gefangenen Gegner,
   Sorglich gepflegt, der menschenehrenden Milde sich freuen.
   Rauschend wogten die Schiffe zum Strand. So manche des Siegers
   Miten den Mast und die Segel; so manche, durchbohrt von Geschossen,
   Tauchte der Fluth einstrmende Last. Viel tapfere Christen
   Both, aufschumend, das Meer als Beute den gierigen Fischen.

   Jetzt, annahend im Boot', erklomm mit Gefolge der Kaiser
   Doria's glnzenden Bord, und schlo ihn mit heier Umarmung
   Lang' an das Herz: hochehrend vor allem Volke den Helden.
   Siehe, da flog auch Sarno heran! Mit leuchtenden Augen
   Sah er den Sieger belohnt, und sprach zu dem Herrscher sich wendend:
   Heil und Segen mit dir, Erlauchtester, da du den Helden
   Hoch vor allen erhebst, der mich aus schmhlichen Banden
   Rettete; doch nun sollen fr mich die tapfern Gefhrten
   Zeugen: nicht hab' ich durch eigene Schuld die Bande getragen!
   Aber ihm zrnete, seit dem Sieg' auf dem Felde Bicoccas,[36]
   Guasto, der tapfere Greis: dort hemmt' er des feurigen Jnglings
   Strmische Hast, und sogleich stie dieser verwundende Wort' aus.
   Jetzo mit finsterem Blick' erhob er die tadelnde Stimme:
   Wahrlich, der Feind erhascht' ein trghinsegelndes Fahrzeug,
   Weil es ein Feiger lenkt', und ihn nicht tapfer bekmpft hat!
   Todesblss' umzog, und flammende Rthe bedeckte
   Sarno's Wangen im wechselnden Flug'. Er fate des Degens
   Griff in zitternder Hast, trat vor ... da hemmt' ihn des Kaisers
   Ernster Blick, der, Guasto's ergrauete Haare betrachtend,
   Ruhe geboth. Ihm sank die ermattete Rechte vom Griffblatt.
   Schweigend stand er im Kreis', und an seiner Wange herunter
   Glnzte die Thrn'. Alsbald bezwang Del-Guasto des Busens
   Leichtaufwallenden Zorn, er seufzte vor innigem Herzleid,
   Trat vor Sarno, und reicht' ihm, vershnend, die Hand, und der Edle
   Nahm sie vershnt. Doch bald umwlkt der nchtlichste Kummer
   Sein verwundetes Herz, und schwindet im rhmlichen Tod nur.
   Jetzt aufboth der Kaiser sogleich die versammelten Feldherrn:
   Gott, de mchtiger Arm, die Feinde zerschmetternd, uns Ruhm gab,
   Leit' uns beglckt zum Ziel'! Entfaltet dem Winde die Segel,
   Da in des Sieges aufstrahlendem Glanz wir, landend vor Tunis,
   Ernten noch schneren Ruhm: die Wonne der Christenerrettung.
   Also geschah's. In Eil' auf die schimmernden Fluthen des Meeres
   Wogten die Schiffe hinaus; das Geschtz erdonnerte rastlos,
   Und in dem sausenden Wind' entschwand g'en Tunis die Heersmacht.




                            Fnfter Gesang.


   Schon entschwebten dem Meer des heiersehneten Welttheils
   Ksten im Abendduft; schon thrmten im rosigen Westen
   Berge sich auf, ringsher umlagernd den Grtel des Atlas,
   Dessen schneeiges Haupt anstaunt die glhende Sandwst',
   Als in die Reih'n des meerdurcheilenden Heers ein Geschwader
   Vier schnellsegelnder Schiffe noch kam, von dem felsigen Eiland
   Malta gesandt. Aurel, die erlesenste Zierde des Ordens,
   Fhrte der Christenheit verherrlichte Kmpen am Schiffsbord:
   Hundert Rittern gesellt, zweitausend tapfere Krieger.
   Ihnen zu Eigen gab der erhabene Kaiser das Eiland,
   Als sie von Rhodus Suleymann vertrieb, der, rings von den Leichen
   Seines Volks umhgelt, den Greis, und Heldengebiether,
   Villiers Lisle Adam,[37] dort ehrte mit wrdigem Lobspruch.
   Grend mit Donnergetn' und wehender Flagge den Herrscher,
   Schifften sie freudiger fort im Verein des mchtigen Heeres.
   Jetzo, der Kste genaht, hinstarrten die Krieger, vor Sehnsucht
   Glhend: den Palmenhain in den fremden Gefilden zu schauen,
   Oder das seltene Thier im Gefild', und die Htte des Menschen.
   Doch bald hllte das Land sich rings in des sinkenden Nachtgrau'ns
   Dsteren Schleier, und barg dem staunenden Fremdling sein Antlitz.

   Attila war im Gefolg des Geisterheeres im Eilflug
   Afrika's Fluren genaht. Wie an trberen Tagen des Winters
   Endlos, Schwrme der Krh'n und der schwarzbefiederten Raben,
   Laut vereinten Geschrei's, vor dem Schneegestber heranzieh'n:
   Also nahten im Grau'n der Nacht die empreten Geister.
   Attila stand, und forscht' in den Herzen der Landesgebornen,
   Welchen die Kste umher zur Huth von dem Herrscher vertraut war;
   Aber sie ruheten all' an dem Strand, vom Schlummer gefesselt.
   Zrnend sprach er darum den leis' aufhorchenden Geistern:
   Weckt entsetzliche Trume sogleich, aus dem Schlafe zu rtteln
   Die entnervte Geschlecht, und donnert: Es nahet der Feind uns!
   Ihm in die Ohren, da rings auf den luftigen Hhen und Warten
   Lodre die Flamm' empor, und schrecke die feindliche Schiffsmacht.
   Selber erreget die brausende Loh', und zeigt euch des Knigs
   Wrdig, dem, als der Geiel Gottes, erbebte der Erdkreis.
   Also rief er: da fuhr sein Volk, wie der brausende Sturmwind,
   Ueber die Schlafenden hin. Sie sah'n im Traume die Meerfluth
   Wildemprt; sie hrten aus ihr Scheusale des Abgrunds
   Heulen: Es nahet der Feind! und taumelten auf von dem Boden.
   Erst, mit seitwrtsgewendetem Ohr' im finsteren Nachtgrau'n
   Horchend, standen sie all', und hrten Gerusche (die Wellen
   Klatschten am schwrzlichen Kiel) dann, laufend umher an dem Meerstrand,
   Sah ihr, geschrft vor Gier umsphendes Aug' in den Lften
   Nher und nher heran den Wald hochthrmender Masten
   Schweben, und jetzt mit den flatternden Wimpeln unzhlige Segel,
   Von dem Winde geblht, anstrmen im freudigen Eilflug.
   Aber mit lautem Geheul erklomm die bebende Volksschar
   Jh' am Gestade, die Felsenhh'n: der Drohung gedenkend,
   Die jngst Hairaddins Grimm aussprach, des schrecklichen Herrschers,
   Und erweckte die Gluth im knisternden Reis, auf des Felsens
   Hochaufragenden Warten umher. Den Feigen im Rcken,
   Brauste die Geisterschar, und, als der schlummernde Nachtwind
   Noch den geschreten Brand nicht in Flammensulen emprte,
   Fachten die Geister, vereint, mit starrvorquellenden Augen
   Und geblheten Backen, erhellt vom Feuer, die Gluth an.
   Siehe, und bald erhob sich die wirbelnde Loh' auf den Hhen,
   Hellte die Nacht, und warf, urschnellfortrollenden Schimmer
   Ueber die schwankenden Fluthen des Meers. Weit brannte der Abgrund
   Unter dem Wogenpfad der vlkertragenden Schiffe.
   Endlos schien der Brand auf den Hh'n: denn, leuchtendem Blitz gleich,
   Hpften vor jedem umher die Flammengestalten der Geister.
   Solches vermgen sie noch, und necken den Wand'rer die Nacht durch,
   Mit Irrlichtern vereint am Moor', und feurigen Mnnern.
   Leise geweckt entfuhr der Hngematte der Kaiser,
   Stieg auf das hohe Verdeck, und sah nach dem leuchtenden Meerstrand,
   Lchelnden Blick's, hinber. Er hie den sorglichen Guasto,
   Der ihn gewarnt, annahend im Schiff, zur Ruhe sich legen:
   Denn er kannte die List des tuschungsinnenden Feindes.
   Aber nicht senkte der liebliche Schlaf mit fchelnden Schwingen
   Auf sein Auge sich mehr: er sah nur Kampf und Errettung.

   Als im rosigen Duft der heilige Morgen heraufstieg,
   Himmel und Erd', und Meer der freundlicherwachenden Sonne,
   Schauernd vor Lust, entgegen streckten die Arme: da flogen
   Eilig die Krieger im Frhwind hin, umkreisten den Vorberg
   Gomert:[38] Apollo's vordem genannt, und blickten nach Bona's
   Halbeiland, das einst dem schirmenden Hermes geweiht war,
   Und in die spiegelnde See sein Klippengestade hinausdehnt.
   Nun Buschatter genaht, wo mchtig in Tagen der Vorwelt
   Utika stand, aufseufzete laut der edelste Kaiser;
   Sah, mit Trauer im Blick, nach dem khnaufstrebenden Helden
   Ludwig, und sagte zu ihm, noch tiefbeklommen im Busen:
   Weh'n nicht der Vorzeit heilige Schauer dich an aus den Mauern
   Dort, wo Kato, der Knechtschaft zu gro, in das eigene Schwert sank?
   Achtung gebeut sein hohes Gemth, und die Liebe zur Freiheit,
   Der er gelebt, unwandelbar stets. Doch, dnket sein Tod dir
   Beifallswrdiger als ein Sieg, dem feindlichen Leben
   Abgerungen durch Kraft ausdauernden, muthigen Strebens?
   Frommt' es dem Vaterland, dem langentarteten, etwa,
   Da er, der Vorzeit Sitte getreu, verfolgte den Einen,
   Der mit mchtiger Hand das, mitten im Brausen der Sturmfluth
   Leckumtreibende Schiff vom Bruche zu retten vermochte --
   Da er den schrecklichen Dolch in die Hand des Sohnes gegeben?
   Schwer, ach, bte die Welt den Mord des Edeln: er bahnte
   Furchtbarn Wthrichen nur den Weg zu frecher Verachtung
   Jeglichen Rechts. Und wurde nicht strenge Vergeltung den Mrdern?
   Brutus kannte die Ruhe nicht mehr; nicht erquickte der Schlummer
   Mehr sein Aug'; auch wachend sah er Gespenster, und immer
   Hrt' er die Wort': Auch du, mein Sohn? in zermalmenden Tnen.

   Jetzt an dem Halbeiland, Karthago's verdeter Sttte,
   Wogten die Schiffe vorbei: beklemmende Schauer erfllten
   Jegliche Brust, und Stille herrscht' am Bord und im Schiffsraum;
   Eileten erst an dem Salzthurm hin: von der reichlichen Salzfluth
   Also genannt, die im Schoo der thrmenden Mauer emporwallt,
   Dann an dem Wasserthurm, de' silbernfluthende Khlung
   Auch aus dem fernen Gefild' anlockt den drstenden Wandrer.[39]
   Aber unzhliges Volk rann fort am Gestad', in der Rechten
   Schwingend den Speer im Geschrei der wildauftobenden Kampflust,
   Und schon sausten mit Donnergets gewaltige Kugeln
   Her von dem Strand; doch, so wie, im garbenbeladenen Wagen
   Sitzend, die Schnitter fern' im Gebirg den strmenden Regen
   Schauen, mit lchelndem Blick, da im heiteren Glanze der Sonne
   Sie von dem Aehrenfeld heimfhren den Segen des Sommers:
   So, nur lchelnd, ersah'n die Schiffenden, wie die Geschosse
   Harmlos sanken umher, von den schumenden Wogen verschlungen.
   Doch, im Schooe der Bucht, die aus felsumstarreter Mndung
   Eint vor Tunis den See mit des Meeres Gewssern, erhob jetzt,
   Schimmernd im Morgenroth, ihr Haupt die Veste Goletta,[40]
   Und einhelliges Jauchzen erscholl von den Schiffen: die Krieger
   Sehnten sich lange nach ihr, dem Ziel' unsterblicher Thaten.
   Hoch in die bluliche Luft aufragte die herrliche Festung,
   Und in die Fluth, die, sanftergossen, im Schimmer des Morgens
   Ruhete, sank ihr Bild, doch huptlings hinunter zum Abgrund.
   Jetzo schwankt' es umher, da, erregt von den nahenden Schiffen,
   Kruselnd, der Wellenzug nach dem Felsengestade sich wlzte,
   Und es ertnte zugleich der Feinde Geschrei aus den Mauern;
   Aber der Kaiser rief nach Doria selber hinber:
   Tapferer, send' alsbald auf zwei leichtsegelnden Schiffen,
   Wohlerfahrnen Fhrern gesellt, versuchtere Krieger,
   Dort zu ersph'n die Lag' und die Strke der Veste -- zu finden
   Gnstigen Landungsplatz fr den Reiter zugleich und das Fuvolk;
   D'rauf erschalle der Donnerruf zur strmischen Landung!
   Also geschah's. Weit vorwrts bog sich der Mast, und die Wellen
   Schumten nach jeglichem Ruderschlag', in kruselnden Ringen,
   Hinter dem eilenden Kiel. Wie zwei langhalsige Schwn' oft,
   Mnnchen und Weibchen, den silbernen Teich umrudern im Sptlicht:
   Jetzt, annahend dem Strand, wohlduftende Kruter zu pflcken,
   Jetzo, kehrend zur Mitte des Teich's, die schimmernden Furchen
   Ziehen die Fluth entlang, und mit stolzergewlbeten Hlsen
   Ihr Gefieder, wie Schnee, den Lftchen des Abends entfalten:
   Also erforschten die zween, bald nah', bald ferne dem Meerstrand,
   Jegliches so, wie zuvor der waltende Herrscher gebothen.

   Hairaddin ging auf dem Sller der Burg, hoch ber der Hauptstadt
   Tunis, sinnend umher. Nicht die wrzigen Dfte der Blumen
   Ringsum schufen ihm Lust, nicht des Springborns holdes Gesusel
   Reizte sein Ohr: er starrte, die Hnde zum Rcken gefaltet,
   Stets mit trberem Blick' auf den glnzenden Estrich vor sich hin.
   Wuth erfllt' ihm die Brust: denn Omrah, der Ruber Areny's
   War ihm genaht an dem Abend. Ihm Siegesverheiung zu bringen,
   Sendet' ihn Al-Mansor; doch sah er noch fern' auf des Meers Hh'n,
   Wie er dem Feinde, besiegt, hinsank mit all dem Geschwader.
   Schnell erwrgt' er im Zorn den jammerverkndenden Bothen.
   Doch nun kam ein Sclav', und rief, zur Erde sich beugend:
   Herr, die Christen sind da! Nicht nhrt des ragenden Oehlwalds
   Grund der Bume so viel', als feindliche Maste die See trgt.
   Hairaddin schnob vor Wuth: Hinweg du feiger Geselle,
   Eh' dich mein Fu zermalmt! Die Furcht erschuf dir die Gegner.
   Hat ihr Schiff die Schwingen des Aars und die Sehnen des Straues,
   Der auf dem Sand hinfleugt, und den Preis auch dem hurtigsten Rosse
   Raubet im Lauf? Nicht sollst du hinfort mir lgen: hinweg -- stirb!
   Jener entfloh, und strzte sich angstbetubt in die Fluthen.
   Hairaddin ging nun hastiger hin auf dem Sller; er kehrte
   Nun ergrimmter zurck', und sah lautknirschend zum Himmel.
   Aber ein Zweiter begann: Die Macht unzhliger Gegner
   Wogt an dem Vorgebirg Buschatters in Eile vorber.
   Und kaum war er entflohn, da kam ein Dritter, und sagte:
   Sinam kndet dir, Herr: fnfhundert feindliche Segel
   Hab' er gezhlt von den Zinnen der Vest', und nicht alle gezhlt noch.
   Nah' an Goletta dem Feind die gnstige Landung zu wehren,
   Stehe versammelt das tapferste Volk; doch mchtige Scharen
   Harren nur deines Geboths; du winkst: sie gehorchen in Demuth.
   Sende daher ihm noch die erlesensten Krieger, da jenes,
   Minder an Zahl, nicht im Kampf' erliege der feindlichen Mehrzahl.
   Hairaddin schrie: Erliegen meinte der Feige? So meint er?
   Eile, bescheide mir Giaffar her, den tapferen Aga.
   Jener gehorchte; doch Hairaddin sann, und rief in den Hofraum:
   Hrt! Die Feldherrn all' entbiethet ihr schnell nach Goletta;
   Aber da keiner verzieh': denn traun, er wrd' es bereuen!
   Wie, so murmelt' er jetzt, ergrimmt, die Worte fr sich hin,
   Wie, sie kommen heran, mir zu rauben das edelste Kleinod,
   Tunis, die jngst' und theuerste Kind? Nicht Telmessan, nicht Algier
   Acht' ich so hoch ... Den Frevel ben sie einst in Europa
   Furchtbar, wo nicht der Greis, nicht das Kind in der Mutter verschont
      sey!
   Dann aufschrie er: Mein Ro! Die Mauern des hohen Pallastes
   Drnten hinab zu dem untersten Grund', und die bebenden Sclaven
   Taumelten durcheinander vor Angst. Der stattliche Lufer
   Stand alsbald gesattelt im Raum des hallenden Thorwegs:
   Glnzend schwarz, von Arabia's edelstem Schlage; der Schneeschaum
   Flog von dem blanken Gebi, wie er nagt' an dem Eisen, und rastlos
   Scharrt' in dem Sand; wie er schnob, und bald auf den hinteren Fen
   Stand, erhebend die vordern, und bald aufwiehert', und ausschlug.
   Aber den Feurigen hielt der Sclav' am goldenen Zaum fest;
   Streichelt' ihm leise den Hals, und klopft' an die Decke von Purpur,
   Die den Sattel umhllte, mit Gold und Perlen verzieret.
   Hairaddin hob sich im kreisenden Schwung' auf das Ro, und der Reiter
   Hundert jagten ihm vor, so viele ihm nach, in dem Eilflug.
   Fernhin tnte Geklirr' und Getrab', und es bebte der Boden
   Unter dem stampfenden Huf' -- aufflog der flimmernde Sandstaub.
   Jetzt durchbraust' er voll Hast die erffneten Thore Goletta's,
   Und erstieg den gewaltigen Thurm, der nahe dem Meerstrand,
   Auch die Mndung des See's von Tunis, erhhet im Viereck,
   Schirmt: denn landeinwrts, wohl vier gemessene Meilen
   Dehnt sich der See, am Rand des Olivengehlzes zur Stadt hin.
   Hairaddin rettete dort, besorgt, viel hundert der Schiffe
   Noch; er hie die Mndung des See's mit lastenden Ketten
   Sperren, und pflanzte Geschtz, Abwehr ersinnend, am Strand' auf.
   Jetzt erklomm er die Zinne des Thurms, und sah nach der Gegend,
   Glhenden Blickes, hinab, wo unzhlige Schiffe des Gegners
   Deckten die schimmernde Fluth, und zwei vordringende Segler
   Sphten: er sah's, und finsterer Groll zernagte die Brust ihm.

   Aber schon lang' umflog, dem christlichen Heere Verderben
   Sinnend, Muhamed ihn, und hoffte der Wnsche Gewhrung,
   Als er das Herz erwog des thatengewaltigen Mannes.
   So wie im dsteren Flug, den Ohren nicht hrbar, die Nachtschwalb'
   Ueber uns flatternd schwebt: so flog um Hairaddin jener,
   Forschend, und sah ergrimmt, wie jetzt ihm der feindlichen Heersmacht
   Furchtbare Schau das Herz erfllte mit nagendem Kummer.
   Leise dem Ohre genaht des Sinnenden, sprach er ihm Muth ein:
   Solltest du beben, Hairaddin, du, ruhmwrdiger Krieger,
   De' zermalmender Kraft die Vlker erzittern? Nicht denkst du:
   Wer das Eine nur will, fest will, der wird es erringen?
   Hei den Wurfschtz dort vernichten den feindlichen Spher,
   Der tollkhn vordrang, und erreg' in der hohen Versammlung
   Deine Feldherrn. Horch, die kndet der groe Prophet dir!
   Alsbald stieg, der muthemprenden Worte gedenkend,
   Jener die Stufen herab, und eilte hinaus nach dem Walle,
   Wo der Wurfschtz sa, und gehuft die Donnergeschosse
   Lagen, unferne dem ehernen Schlund. Mit Zorn in den Blicken
   Und in dem Laut, rief er den bombenwerfenden Sldnern:
   Memmen ihr! Auf trglicher Fluth, die Freunden und Feinden
   Willig den Rcken beut, erblickt ihr die feindlichen Spher:
   Wie sie erkunden die Furt, die Macht und die Schwche der Mauern,
   Euch, ihr Feigen, zur Schmach. Zertrmmert mir eines der Schiffe --
   Jenes gleich, das dort vordringt, mit euren Geschossen.
   Alle zugleich, gehorchend dem zrnenden Herrscher, erhoben
   Brennende Lunten, und senkten sie schnell an des furchtbaren Mrsers
   Zndrohr. Rauch quoll auf, und, durch Rauch und Flammen sich hebend,
   Flogen mit Donnergets' empor die entsetzlichen Bomben,
   Fnfzig Mrsern entsandt, und Geheul des reienden Luftraums
   Scholl weit hin: die sinkenden whlten vom Grunde das Meer auf,
   Das, aufbrausend, schumt', und wirbelnde Wogen umherwarf.
   Eine gewaltige Todeslast zerschmetterte Benno's
   Fahrzeug. Wie in der Jahr' umkreisendem Lauf sich ein Felsblock
   Still losreit von dem Gipfel des Berg's -- alsbald in den Abgrund,
   Laut, mit Gekrach, herrollt, und unten die drftige Htte,
   Schmetternd, begrbt, da weder die Spur der armen Bewohner,
   Noch der Htte sich weist': denn Alles versinkt in dem Steinwust:
   Also vernichtete hier die entsetzliche Bombe den Helden
   Benno mit allem Volk'. Ach, vier unmndige Kinder
   Lie er in Genua's Mauern daheim mit der weinenden Mutter!
   Dort, in dem Heldenverein die schwankenden Bretter besteigend,
   Drckt' er noch einmal die Hand der zrtlichbekmmerten Gattinn,
   Abgewandten Gesichts, da selbe die Thrnen nicht she;
   Aber den Kindern, die ihm umfaten die Kniee, verhie er
   Baldiges Wiederseh'n, und kstliche Gaben des Ostlands;
   Doch nicht sollt' er den Tag erblicken der frhlichen Heimkehr,
   Nicht die Kinderchen mehr, nicht die liebenswrdige Gattinn:
   Denn ihn deckte die Fluth mit dreiig tapfern Gefhrten.
   Aber im Nebenschiff', umhagelt von Todesgeschossen,
   Floh Ulloa zurck, der Spanier, hnlich dem Schwan dort,
   Der, als, schmetternd, ein Ball ihm das Weibchen entri auf dem
      Schilfteich,
   Einsam flieht: sich fern' im dunkeln Gerhre zu bergen.
   Hairaddin jubelte; warf handvoll des schimmernden Goldes
   Unter die Schtzen, und ging, in der rumigen Halle die Feldherrn
   Anzufeuern zum Todeskampf. Sie spornten die Rosse
   Blutig im sausenden Ritt: wohl kennend den schrecklichen Herrscher,
   Und betraten die Hall' in drngender Hast und Verwirrung.

   Erst kam Sinam, der Jud'. Entschlummert am Strande des Meeres,
   Lag er in Smyrna, als Jngling noch: da raubt' ihn, gelandet,
   Sahir, der wilde Korsar, und zwang ihn, ein Ruber zu werden.
   D'rauf vertauscht' er, als Mann, des Moses fr Muhameds Lehren,
   Nur fr baaren Gewinn. Stets blieb er ein Jud' in dem Herzen,
   Schlauen Verkehrs. Doch fllt' ein seltener Muth ihm den Busen
   So, da er bald durch Kunde des Kriegs, auf der blutigen Laufbahn
   Schtze errang, und ihn Hairaddins Blick erkor zum Gebiether
   Seiner erlesensten Schar. In staunenerregender Hoheit
   Trat er heran; ihm flo der Bart, gleich silbernen Wellen,
   Tief in den Busen herab, und Ernst umhllt' ihm die Augen.
   Dragut kam, der Kilikier, der, ein Schrecken der Gegner,
   Nur der Satanbndiger hie im Munde des Volkes.
   Stets in dem schwarzen Gesicht, dem hlichen, dreht' er die Augen,
   Sphend, umher, und nagt' an seinen gedunsenen Lippen,
   Heimlichen Grimms, der auch an der zuckenden Wange sich kund that.
   Doch nun fllt' ihm die Brust noch heiere Wuth: fr Mathilden
   Kam er entbrannt daher, Toledo's herrlicher Gattinn,
   Die dem edeln Gemahl, mit der himmlischreinen Gesinnung,
   Treu bis zum Tod, des Wthrichs Gier gewahrte mit Abscheu.
   Ihm nachschritt der Bascha von Laodikea, Tobukes,
   Der das Fuvolk lenkt' in dem Heer'. Er hate den Herrscher,
   Hairaddin, da er ihn minder geehrt als Sinam, und er war's,
   Der ihm ersiegte den Thron von Algier in blutiger Feldschlacht.
   Rache kochte sein Herz; doch treu dem falschen Propheten,
   Nahet' er jetzt, entschlossen die christlichen Vlker zu tilgen.
   Salek brauste herein, der Ionier, der in der Heer'smacht
   Hairaddins reisigem Volk' obherrscht'. In Syriens Wsten
   Lenket' er einst, als Scheik, raubschtige Horden, und hufte
   Flle des Golds, Karavanen plndernd unseliger Pilger.
   Wohl, in dem heimlichen Ueberfall die Feinde zu morden,
   So wie im Grauen der Nacht Verwirrung zu schaffen, und Jammer,
   Hatt' er gelernt, und Hairaddin rief den Khnen zum Kampf' auf.
   Aber auch Giaffar kam, der Aga der Janitscharen,
   Stattlichen Gangs. Die flammenden Augen erhellten sein Antlitz,
   Das ihm die Herzen gewann, voll blhender, mnnlicher Schnheit.
   Spielend, ein Ries' an Kraft, vermocht' er des brllenden Stieres
   Haupt, mit dem sausenden Stahl', auf einmal vom Rumpfe zu hauen;
   Oder er fat' ihn am Horn, erhob ihn, und warf ihn zu Boden:
   Tobt' er auch noch so ergrimmt. Er griff in die Speichen des Rades,
   Rollte der Wagen dahin, von feurigen Rossen gezogen --
   Stand, und hemmte das rollende Rad, und hemmte die Rosse:
   Dennoch war er so mild, als tapfer- und edelgesinnet.
   Jetzo mit Abu-Sa-id, dem Scheik arabischer Reiter,
   Trat in den Saal der landesgebornen Numiden und Mauren
   Feldherr, Muhamed Temtes: voll List die freundlichen Mienen
   Heuchelnd: denn glhenden Ha, dem Trkenvolke geschworen,
   Nhrten die beiden mit ihrem Volk' im verschlossenen Busen.

   Rechts, in der Ecke des Saals, dem Ehrensitz fr die Moslems,
   Setzte sich Hairaddin nun, mit untergeschlagenen Beinen,
   Auf den schwellenden Pfhl, und um ihn, auf gebreitetem Teppich,
   Saen die Feldherrn all', ihm dort aufhorchend in Demuth.
   Eh' er begann, durchfuhr sein Flammenauge den Halbkreis,
   Forschend in jeglichem Blick', und der Khnst' erbebte dem Furchtbar'n.
   Jetzt durchwhlt' er den rthlichen Bart, tiefsinnend, und jetzo
   Fat' er des Tulbands Bund, des Kaftans glnzenden Zobel;
   Doch nun ruhte die Link' an des Sbels goldenem Griffblatt --
   Ruhte die Recht', auf den Schenkel gesttzt, und also begann er:
   Ehre dem einigen Gott, Ruhm sey dem groen Propheten!
   Gott, der Glubige schirmt, Unglubige schnell in den Staub wirft,
   Wie, herbrausend im Donnersturm, der prasselnde Hagel
   D'rauen im Saatenfeld die wogenden Halme zerschmettert,
   Hat nun eurem entsetzlichen Schwert den mchtigsten Frsten
   Unserer Gegner, am Bord viel hundert gersteter Schiffe
   Nahe gebracht, und ihn der Rache zum Opfer erlesen:
   Denn so will der Prophet sein Volk, nach seiner Verheiung,
   Jetzt verherrlichen, so schlug er den Gegner mit Blindheit:
   Da er den Angriff wag' in diesen gefrchteten Monden,
   Wo in des Himmels Gluth auch die Landesgebornen verschmachten?
   Und ihm erlge der Fremdling nicht in der lastenden Rstung?
   Sprech't, wie soll die feige Geschlecht, im Sande versinkend,
   Halten im blutigen Kampf die hochgepriesenen Reihen?
   Wie begegnen zugleich den Sbeln der Janitscharen
   Und dem mordenden Stahl der Araber, Mauren, Numiden,
   Welch' im Grauen der Nacht, in der Helle des Tages ihn drngen?
   Wir ersiegen uns bald ein unvergngliches Denkmaal
   Heldenruhms, wenn Carl, der grte der Christenbeherrscher,
   Bend die Khnheit, mit seinem Heer' in Stcke gehau'n wird,
   Oder, als ein Gefangener, uns erliegt auf dem Schlachtfeld.
   Hebe dich, Abu-Sa-id! Dir folg' auch Muhamed Temtes:
   Eil't, und verkndet den Euren, ein jeglicher freudigen Aufrufs,
   Da sie, der Beute bedacht, zum entscheidenden Kampfe sich rsten!
   Aber die beiden erhoben sich schnell, und Muhamed Temtes
   Sprach, sich beugend zuvor, mit demuthheuchelnden Blicken:
   Er, der Himmel und Erd' erschuf, verlng're dein Leben
   Fern' in die kommende Zeit. So wie die Sterne des Himmels,
   Wie der Sand an dem Meer, sey deiner Erzeugten Erzeugung,
   Und es erflle dein Ruhm die fernsten Rume des Weltalls!
   Jen' enteilten, und Hairaddin sprach: Wohl kenn' ich die Falschen.
   Trugvoll ist ihr Gemth, und keines ausharrenden Muthes,
   Fhig ihr Volk, das unzhlige, das, uns feindlich gesinnet,
   Nur durch Verheiungen groen Gewinns zum Heere gelockt ward.
   Aber uns ziemt: die Krieger Suleymans, des Prchtigen, Groen,
   Welchem die Erde sich beugt, uns ziemt die Heldengesinnung,
   Kmpfend mit eisernem Muth', ihm hier zu erhalten die Herrschaft,
   Und zu erhhen den Ruhm der Shne des groen Propheten.
   All' aufschrie'n, das Schwert von der Hfte sich reiend, und riefen:
   Gott ist Gott, und Muhamed sein erhab'ner Gesandter:
   Hairaddin sey die Treu' und dem Feinde die Rache geschworen!
   Froh des druenden Schwurs, begann jetzt Hairaddin wieder:
   Sinam, dir werde Goletta vertraut, die herrlichste Kleinod
   Unseres Reichs, und ruhig schlummr' ich, weil dir es vertraut ward;
   Dragut, Unwiderstehlicher, dir gehorche des Heeres
   Vorderzug, und dir, Tobukes, dem Schrecken der Gegner,
   Freudig, des Fuvolks Macht; doch du, Reih'nbndiger, Salek,
   Lenke die Reisigen khn zum Sieg'! Ich fhre den Nachzug.
   Sammelt die Scharen, vom Strand zu entfernen des Feindes Geschwader,
   Oder sogleich die Gelandeten dort zu erwrgen: denn wit es:
   Wer sich zuerst die Stirn' umflicht mit dem Lorber des Sieges,
   Raubet oft dem Besiegten den Muth in dem Felde fr immer!
   Aufsprang Dragut, und rief mit lautumschallender Stimme:
   Ha, nicht wehre dem Feind die khnbeschlossene Landung:
   Leicht entflh' er uns heut, geschreckt, auf dem rettenden Schiff noch!
   Eitele Furcht, sprach Hairaddin, o, dem christlichen Herrscher
   Schlgt ein tapferes Herz in dem Busen, und eiserner Starrsinn
   Drngt ihn fort auf erkorener Bahn: ihm wird er erliegen!
   Jetzt erhob er sich rasch, und ging, sich in Eile zu rsten;
   Aber die Feldherrn all', enteilten in's lrmende Lager.

   Regulus schwebte herbei: er sann den Sclaven der Hochburg,
   Rettend, zu nah'n, und lie in der wimmelnden Strae von Tunis
   Sich im Fluge herab. Da sa vor Draguts Behausung
   Hugo, und weinte vor Schmerz. Ihm war die Kunde gekommen,
   Freudig und furchtbar zugleich: da heute der Kaiser mit Heer'smacht
   Vor Goletta erschien, und wie nun befreien Mathilden,
   Listig umstellt von Draguts stets auflauernden Sphern?
   Regulus haucht' ihm, genaht, alsbald den trstenden Rath ein:
   Treugesinnter, du weinst, und weit nicht, die Gattinn zu retten
   Ihrem Gemahl? Wohl kam er heran, dem heiligen Aufruf
   Folgend des Vaterlands, und folgend dem Rufe des Herzens:
   Hier in dem Kampf, voll Muths, zu ersiegen die liebende Gattinn.
   Such' im Olivengehlz den einsamlebenden Fischer,
   Der, ein Christ, der Heimath entfloh, wo ihm Jammer zu Theil ward.
   Viele der Hhlen sind dort, einst Grber berhmter Geschlechter,
   Als Karthago's Ruhm noch erfllte den staunenden Erdkreis.
   Dort um die Mitternacht, in eine derselben geborgen,
   Mge Toledo sie wiederseh'n in beglckender Freiheit.
   Schnell erhob sich der Greis, und flehte, mit thrnenden Augen
   Schauend empor, um des Himmels Huld: in der That zu vollbringen,
   Was ihm so wunderbar vorschwebte -- die Rettung Mathildens:
   Denn er kannte schon lang den menschenfeindlichen Fischer,
   Der am Strande des See's, umschattet vom suselnden Oehlwald,
   Wohnt' in der Grabes-Hhl', und die Beute der Netz' und der Angeln
   Ihm feilboth vor den Thoren der Stadt am dmmernden Abend.
   Jetzt gewann er die Hhl' auf seltenbetretenen Pfaden,
   Keuchend vor Hast, und sah in des Eingangs Felsenumwlbung
   Liegen auf drrem Moos' den unglckseligen Fremdling.
   Drben im Frankenland, von edeln Geschlechtern entsprossen,
   Sah in des Lebens aufdmmerndem Strahl der treffliche Jngling
   Blhen holdselig die Braut, die liebende; prete den Freund auch,
   Treu und warm an die Brust, und jauchzte dem zweifachen Segen.
   Siehe, da rief ihn das Vaterland in den Kampf, und er folgte
   Freudig dem Ruf! Doch, als er nach Jahren, mit ehrenden Narben --
   Lohnenden Krnzen geschmckt, heimzog im Kreise der Tapfern,
   Trat im festlichen Zug die Braut an der Seite des Freundes
   Froh zum Altar'. Er eilt' aus dem brausenden Jubelgedrng weg,
   Fern in der neuern Welt ein Grab und den Frieden zu suchen.
   Doch auf Siciliens Meereshh'n von Korsaren gefangen,
   Ward er nach Tunis geschleppt, und ein Ruber schenkt' ihm die Freiheit,
   Ehrend sein Jammergeschick, zum Hohne des schndlichen Undanks.
   Tief in der Brust den finsteren Menschenha und der Heimath
   Abscheu nhrend, erkor er ein Grab zu seiner Behausung.
   Jetzt ihm genaht, sprach Hugo mit herzerschtternder Stimme:
   Kurd dein Nahm', Unglcklicher? Ha, nicht gabst du des Korans
   Tuschung dich hin, ein Christ! D'rum wird, wie schmachtende Fluren,
   Suselnd, der Regen erquickt, Mitleid mit himmlischer Wonne
   Laben dein blutendes Herz, und Gott, der ber uns waltet,
   Allerbarmend, Lohn und Frieden dir geben. Vernimm jetzt
   Greres Wehe denn dein's. Geraubt dem tapfersten Helden,
   Schmachtet sein edles Weib in Draguts grauser Gewahrsam.
   Kennst du nur eigenes Leid? Rechtfertige, Mensch, mit Ergebung
   Duldend, vor deinem Geschlecht die dunkelen Wege der Vorsicht,
   Neig' auch fremdem Jammer dein Ohr, und den eig'nen verse
   Mitleid dir! Denn, horch, auf dem Meer mit unzhligen Schiffen
   Kamen die Christen heran, zu strafen den Ruber, und siegend
   Ihm zu entreien den Herrscherthron, der Hassan geraubt ward.
   Bald erschallt Sieg'sruf -- erschallt geretteter Menschen
   Jubelnder Dank. Zieh' hin in das Lager der Brder, zu treffen
   Dort Toledo, und sprich: Wenn uns an dem Himmel der Vollmond
   Strahlt, da rettet in Grabesnacht ihm Hugo die Gattinn,
   Und du lenke den Liebenden her zur Hhle des Waldes.
   Jener regte sich nicht, und starrte hinab in die Fluthen,
   Aehnlich dem Felsenriff, das starr aufragt an dem Meerstrand.
   Kurd, so sagte der Greis, entfernt zehn Jahre der Trauer
   Bist du vom Vaterland; vergeudet wurde dein Erbtheil:
   Drftig kommst du zurck', ein Bettelnder unter den Deinen;
   Sieh', er spendet, willfahrest du ihm, dir Goldes die Flle,
   Dankbargesinnt, und freudig erblickst du die heimischen Fluren!
   Aber noch finsterer starrete Kurd: da umschlang ihm der Greis dort,
   Weinend, die Knie', und rief mit leis'erbebender Stimme:
   Hast du geliebt? Wie solltest du nicht, verstummender Dulder!
   Jammert die Gattinn nach dir? Welkt', ach, die Geliebte dir frh hin?
   Jetzt aufri sich vom Boden der Mann, der schrecklich geschwiegen,
   Taumelte wild umher, als sollt' er den Flehenden morden.
   Dennoch konnt' er nicht, tieferregt, von den Thrnen des Greises
   Mehr verwenden den Blick, und die ewige Huld, die, erbarmend,
   Lenket des Menschen Sinn gleich fluthenden Bchen, zerschmolz ihm
   Nun durch Thrnen das Herz, das, qualenbelastet, erstarrt war,
   Und ein glnzender Strom quoll ihm aus den Augen; er fate
   Hugo's Recht', und sprach: Du siegtest; ich stehe bereit dir.
   Aber der Greis entfloh, von der Wonne der Rettung beflgelt.




                            Sechster Gesang.


   Siehe, schon war die Stunde der heiersehneten Landung
   Jetzt an dem Abend genaht; schon rief, vom Borde Karthago's,
   Schimmernd, die Kaiserflagge zum Kampf! Von dem Zug' an den Ksten
   Kehrte Ulloa zurck', ein Trauernder, ob des Gefhrten,
   Der, mit dem Schiff' in den Grund gebohrt, dem Heere geraubt ward.
   Selber bewegt, rief doch den am Bord versammelten Feldherrn,
   Wo er des Angriffs Weise berieth, der Kaiser, erheitert:
   Jetzo, das Hchst' im Blick, lat uns die Trauer beherrschen,
   Die uns die Brust erfllt -- jetzt muthig und rasch an die Landung!
   Gegen Zafrano hinaus, an der Meer'sbucht stlichem Saum hin
   Schiffen, den Feind zu tuschen, wir erst; dann, kehrend im Eilflug,
   Bleib' uns zur Linken der Wasserthurm, zur Rechten der Salzthurm:
   Wir erringen das Ziel, wo Ulloa ersphte die Anlnd.
   Segen mit euch im schrecklichen Sturm und Drang der Entscheidung!
   Jen' enteilten. Ihm trat, voll demuthheuchelnden Mitrau'ns,
   Muley Hassan entgegen im Raume des Schiffs, und begann so:
   Herr, dich drnget dein Herz in den Kampf! Der Weltenerschaffer
   Gebe dir Ruhm; doch soll ich, inde du im Felde dich abmhst,
   Mig weilen am Bord? Gewhre mir eines der Schiffe,
   Das mich schnell nach der Meeresbucht von Kabesch, dem Stdtchen
   Fhre, wo mir, zum Trost, die tapfern Bewohner noch treu sind,
   Auch das khne Gebirgsvolk dort schon harret des Aufrufs:
   Abzuschtteln das Joch von Hairaddins grausamer Herrschaft.
   Dorther schaff' ich dir bald Hlfsvlker, und schaffe dir reichlich
   Mundvorrath fr das Heer, das solchen entbehrt in Karthago's
   Wstem Gefild, wenn fern des Krieges ersehnetes Ziel winkt.
   Sagt' es mit scheuverwendetem Blick'. Ihm entgegnete jener:
   Hassan, du bebst, und starr'st umher im zweifelnden Mitrau'n?
   Fasse nur Muth! Gleich soll das schnellhinsegelnde Schiff dich
   Fhren nach Kabesch hinauf; dann kehr' im Glcke mir wieder.
   Also der Kaiser, und sah dem raschenteilenden Frsten,
   Sinnend, nach: er hatt' ihn errathen. Doch jetzt ihn zu rsten
   Trug ihm mit heiterer Stirn' Ernest, der grauende Reiter,
   Den der herrliche Max, sein ruhmvollthronender Vorfahr,
   Liebte mit Vaterhuld, das treffliche Schwert und die Spornen,
   Auch den Harnisch und Helm aus dem hllenden Schranke herber.
   Silbern strahlte die Wehr', umrndert mit goldenem Laubwerk,
   Ihm von der Brust; hell blitzte der goldene Kamm von dem Helm her,
   De' stahlblinkendes Dach kein damaszenischer Sbel
   Je durchhieb', und das Schwert umfate des Wehrgehngs Purpur,
   Funkelnd von Perlenreih'n, und blitzend in Edelgeschmeides
   Wechselndem Farbenglanz. So stieg er, gerstet, zum Bord' auf.

   Dort entblt' er den Stahl: ein Ruf erscholl aus dem Schiffsraum,
   Donnernd rings in dem Busen des Meers. Wie am glhenden Mittag
   Wetterschweres Gewlk' auffleugt: da regt sich kein Lftchen;
   Brllend kehren die Heerden heim; die kreischenden Vgel
   Flieh'n zum Gehlz', und es fhrt die husliche Schwalb' in dem Hofraum,
   Wechselnden Fluges, umher, dem Boden nah', und die Lachen
   Streifend mit fchelndem Fittig -- der Mensch, im Busen beklommen,
   Stehet verstummt; doch jetzt aufblitzet es, kracht es herunter:
   Flammen entprasseln dem Dach', und fernher sauset der Hagel:
   Also die Stille zuvor, eh', landunggebiethend, der Aufruf,
   Donnernd, erscholl, und d'rauf, wie ein Strom entstrzet der Schleuen
   Weiterffnetem Thor', und Wogen auf Wogen sich drngen:
   Also strmten vom hohen Verdeck' in die flachen Galeeren
   Drngende Scharen herab, und ordneten schnell sich in Reihen,
   Whrend der Reiter das Ro festhielt an dem Zaum: denn gewahrend
   Drben das Land, umtobt' es im Raum des engenden Fahrzeugs.
   Gegen Zafrano hinaus, dem sphenden Feinde zur Tuschung,
   Strebten sie erst, und eilig dahin entsandt' er die Horden
   Seines Volks: da flog an dem fernen Gestade der Staub auf
   (Aehnlich dem Nebel, der, nach dauerndem Regen des Herbstes,
   Dicht am Gebirg fortwallt) durchblitzt von den Waffen der Krieger,
   Und verwirrtes Gets', und Geschrei, und das Wiehern der Rosse
   Brausete laut von der staubverhlleten Kste herber.
   Wieder ertnt' ein donnernder Ruf vom Borde des Kaisers:
   Siehe, und dieser galt, zum Sturm' aufbiethend die Krieger!
   All' aufschrie'n zugleich vor jubelndem Muth', und, die Seiten
   Wendend, flogen vereint die Galeeren zum herrlichen Ziel hin.
   Von den Rudern gepeitscht, aufschumte das Meer, und der Fahrwind
   Saust' in dem Segelgewlk der dichtnachfolgenden Schiffe.
   Solches gewahrend, sandte der Feind unzhlige Kugeln
   Von dem fernen Gestad' und den Wllen der Veste Goletta.
   Schrecklicher Donner erscholl. Doch als die Gegner, dem Salzthurm
   Nah', vorstrmten im eilenden Lauf: da wendete blitzschnell
   Wechselnd, der Steuermann die rumigen Seiten des Schiffes
   Nach dem bevlkerten Land. Sie spie'n aus flammenden Schlnden,
   Wie der Hagel prasselt, und saust, die Saat des Verderbens,
   Brllend, hinaus: von nah' und fern aufbrannten die Htten,
   Und des Feindes Geschtz lag rings, vernichtet, im Staub dort;
   Seine Horden entfloh'n, und Goletta's Donner verstummte.

   Dreimal die Lnge des Manns, schied noch ein Raum die Vereinten
   Von dem Gestad', als Deutschlands Volk,[41] den ragenden Speerschaft
   Senkend hinab in den Grund, im sausenden Schwunge der Glieder,
   Allen zuvor, den feindlichen Boden errang, und es whnten
   Dort die Krieger noch lang': es schwanke der Boden, und weiche
   Unter den Fen zurck. Rasch hpften die muthigen Rosse
   Nach dem Strande hinaus; der sandigen Bahn sich erfreuend,
   Hpften, und sprangen, und schlugen sie aus, und wieherten laut auf.
   Scharen auf Scharen entstiegen dem Bord', und bedeckten das Ufer
   Weitumher, wie im Morgenwind' aus tieferen Thlern,
   Kruselnd, der Nebel sich hebt, und des Bergs Abhnge verhllet.
   Doch nun trat im schimmernden Waffenschmucke der Kaiser
   Freudig an's Land, und hob sich im kreisenden Schwung' auf das
      Streitro,
   Das, von erles'nem Blut und Geschlecht', und herrlich gestaltet,
   Auf Andalusiens blhender Flur, freiweidend, heranwuchs.
   Als er, die Reihen entlang, hinflog auf dem schnaubenden Rosse,
   Tnte Gejauchz' ihm nach; er rief den Geordneten also:
   Krieger, wir stehen auf Feindes Land, wo herrlich des Ruhmes
   Laufbahn glnzt, und Gott uns ruft zur Christenerrettung!
   Schweben die Sieg' euch vor entschwundener Jahre? Gedenk't ihr
   Eures errungenen Ruhms, nicht harrend entflammenden Aufrufs
   Tapfer zu seyn? Ihr denkt's: denn Muth in den glhenden Augen
   Seh' ich, der nur vorwrts strebt, und voll Todesverachtung
   Lchelt im brausenden Sturm der Donnergeschosse. Nur haltet
   Eisern auf Mannszucht stets, und auf Ordnung. Wer solche verschmhet,
   Schafft Unheil sich selber, und schafft dem Heere Verderben.
   Ha, schon nahet der Feind! Jetzt vor: in geschlossenen Reihen
   Greift die Unzhligen an, und erringt euch herrlichen Siegsruhm!
   Sagt' es, und hie nun links und rechts die Flgel des Heeres
   Rasch vorgeh'n, und eilen, gesondert, des Vorder- und Nachzugs
   Ordnungen, er in der Mitte zugleich mit dem tapferen Guasto,
   Ueber Hispania's Volk, und Oestreichs Scharen gebiethend.

   Siehe, den Vorderzug, der tausend tyrolische Schtzen
   Zhlete -- sie, vor allen gebt, das Schwarz' in den Scheiben
   Und in dem Busen das Herz aus dem schmetternden Rohre zu treffen,
   Fhrete Lichtstein vor, und es folgten ihm, leuchtenden Blickes,
   Tausend Reiter, Bohemia's Shn', in Eisen gehllet;
   Aber das Fuvolk, das in dem Heere das Leichte benennet,
   Und aus den Reih'n der allvereinten Vlker erwhlt war,
   Rief Toledo in's Feld: fnftausend erlesene Krieger.
   Links an dem Flgel des Heers, Lusitania's Krieger und Flanderns,
   Einend, schaltete Ludwig, der Held, und zehenmal tausend
   Krieger zu Fu gehorchten ihm. Rechts, an der Zahl und an Kampfmuth
   Gleich, gehorchten Alarkons Ruf Italia's Vlker.
   Diesem zur Seit', entboth dreitausend geharnischte Reiter
   Alba zum Kampf', und, jenem gesellt, beherrschte der Sprling
   Hunyadis, gleich an der Zahl, rotummelnde, khne Magyaren.
   Aber im Nachhalt stand, mit dem tapfern Mendoza, der Ritter
   Edele Schar, und zugleich den Blick auf den Heldengebiether,
   Eberstein, gerichtet, der Hauf' gewaltiger Deutschen.

   Jetzo mit Allah-Geschrei und wildauftobender Mordgier
   Nahte der Feind, und Staub quoll auf. Wie im Laufe des Lenzes
   Hoch im Gebirg' ein Brand durchwthet die Waldung: da glimmt nur
   Dunkel die Gluth aus dem saftigen Holz, nur qualmender Rauch steigt
   Auf in die bluliche Luft: so umhllte der Staub die Umgegend.
   Dragut jagte die Scharen heran. Voll glhender Mordlust
   Sah er nur Feindes Blut, und dachte, die landenden Haufen
   Schnell zu erwrgen im Kampf; doch jetzt, die Geordneten schauend,
   Sa er erstarrt, und stumm in dem Sattel: ihm stockte der Odem.
   Dann aufsthnet' er laut, und rief zu den folgenden Scharen:
   Mute sie heute so bald entflieh'n die neidische Sonne,
   Uns nicht gnnend den Ruhm, des Feindes verchtliche Haufen
   Schnell mit wrgender Hand vom Antlitz der Erde zu tilgen?
   Aber sie schaue noch hier mit den letzten, verlschenden Blicken
   Unseren Sieg, und die Erde, von feindlichem Blute gerthet.
   Und er entri alsbald dem Numidier, fluchend, den Bogen,
   Zielte, und scho: da schwirrte der Pfeil in der sausenden Luft hin,
   Und durchbohrte die Brust Waldsteins, des tapferen Feldherrn,
   Der aus den Mauern Prags, Bohemia's glnzender Hauptstadt,
   Khn in den Kampf auszog, und daheim die Mutter und Gattinn,
   Jammernd, verlie. Sie harren, und schau'n durch quellende Zhren
   Oft nach der Strae hinaus, die er ging, und harren vergeblich
   Freudigen Wiederseh'ns: ihn decket die Erde von Tunis.
   Seitwrts sprang sein Ro, und er sank, festhaltend den Zaum noch,
   Huptlings hinab, und frbte mit glhendem Blute den Boden.
   Draguts Hohngelchter erscholl; zu den Seinen sich wendend,
   Rief er grimmig: Seht, der Himmel verkndigt den Sieg uns,
   Der die mordende Spitze gelenkt! Ein feindlicher Fhrer
   Schlft dort, blutend, im Staub', und wird wohl nimmer erwachen.
   Ha, nichts sehnlicher wnschte mein Herz, als alle mit einmal
   Also vernichtet zu schau'n, da keiner entrnne dem Tod hier!
   All' aufbrllten zugleich: Numidier, Mauren, und Trken;
   Schwangen den ragenden Speer, und tummelten feurige Ross' um.
   Dicht, wie Flocken des Schnees herstrmt der heulende Nordwind,
   Flog ihr Gescho: hellschwirrende Pfeil' und schmetternde Kugeln,
   Sausenden Lanzen vermengt. Da fiel in den Reihen des Vortrabs
   Mancher der Mnner -- es wlzten sich blutende Ross' in dem Staub dort.
   Doch schon brauste mit reisigem Volk' und verhngetem Zgel
   Lichtstein hin, um mchtiger, vorgebeugt aus dem Sattel,
   Einzuhau'n, links, rechts, in die wimmelnden Haufen, und Haufen
   Sanken in Strme von Blut. Tyrols kampfrstige Schtzen,
   Mit Toledo's erlesener Schar den Reisigen folgend,
   Eilten im Sturmschritt vor, und feuerten rasch in die Reihen
   Tdliches Blei: nun einzeln, dann vereint, im Gekrach, hin.
   Hunderte strzten, und jetzt, ergriffen von Angst und Entsetzen,
   Wandte den Rcken der Feind: er floh in dem stubenden Feld fort.
   Bald schied unabsehlicher Raum die Streitenden. Guasto,
   Nahend dem Herrscher voll Hast, erhob die warnende Stimme:
   Schnell entfloh der Feind; doch wie, so er, sinnend auf Unheil,
   Uns zu erlauern im Hinterhalt, den Rcken uns wendet?
   Hemme des Vortrabs Lauf, und gebiethe des Lagers Umwallung,
   Da noch Rogendorf an dem Strand des Meeres sich abmht,
   Auszuschiffen die Wucht des ehernen Donnergeschtzes,
   Auch die dunkele Nacht, gefahrendruend, herabsinkt.
   Also der Greis, und Gewhrung ersah er im Auge des Kaisers.
   Einer der Herolde, die, rittfertig, und stets an der Seit' ihm
   Harrten des Winks, hinber, herber zu jagen im Schlachtfeld,
   Eilt' im Fluge hinaus, und rief sein Halt! an die Scharen,
   Die, an die Stelle gebannt, zugleich dem Worte gehorchten.

   Drben auf schmhlicher Flucht ri Dragut den schnaubenden Lufer
   Pltzlich am Zaum, da er, lautaufsthnend, sich bumt', und zurck
      sank.
   Attila war ihm genaht: es reizte der schreckliche Krieger
   Ihn, den Schrecklichen einst, und noch erbebt' er vor Ingrimm,
   Da er, des sterblichen Leibes beraubt, nicht lenkte die Feldschlacht
   Mehr, nicht Gemetzel geboth, und grliche Lnderverheerung.
   Leise haucht' er ihm jetzt an die Seele den schmhenden Vorwurf:
   Dragut, du fliehst, nicht erwgend den Ruhm des entschwundenen Lebens,
   Nicht die Worte voll Muths und glnzender Siegesverheiung?
   Kehr' in Eile zurck: so folgen die fliehenden Scharen
   Schamerfllt, dir alle; wo nicht, so suche dir selber
   Ruhm in dem einzelnen Kampf. Vielleicht gelingt es dir heut noch,
   Glcklich bewahrt, hier deinen ergrimmtesten Gegner zu tdten.
   Als er des Geisterruf's erregende Laute vernommen,
   Wthete Dragut noch mehr: er spornte den fliehenden Haufen
   Oft sein Streitro vor, und trieb noch diesen und jenen,
   Scheltend, zurck'. Ihm horchte der Maur' und muthige Trk nur:
   Denn der Numidier floh g'en Tunis in Eile hinber.
   Sieh', oft naht in dem Feld der Furcht erstarrendes Schreckbild
   Nur dem Feigen: er wankt; dann fleugt es vom Gliede zum Glied hin,
   Und der Tapfere wankt mit dem Feigen: sie wenden den Rcken
   All', und entfliehn. Wie fern auf dem Meere der brausende Sturmwind
   Wogen auf Wogen wirft, und Schiff' an Schiffen zerschmettert:
   Also strzen sie fort, verderbend, und weder des Fhrers
   Scheltender Ruf, noch Strafe dereinst hemmt jetzo die Flucht mehr:
   Denn unbndige Furcht ergriff die ausreienden Scharen.
   Aber so weit wie ein Ball, vom schmetternden Rohre geschleudert,
   Fleugt, schied drben ein Raum nur mehr Toledo's und Lichtsteins
   Krieger vom Feind', als Dragut, von starrendem Staunen gefesselt,
   Hemmte das feurige Ro. In fest geschlossenen Reihen
   Harrten die Christen sein, und der zahllosen Scharen, und standen
   Ruhigen Blicks. Da rief er die schmhenden Worte herber:
   Seh' ich vor Todesfurcht in Stein verwandelt die Helden?
   Kommt, wenn Einer es wagt, ja zehen, und dreiig, und fnfzig,
   Gegen mich anzukmpfen im Feld, wie dort auf Granada's
   Flur mein Volk, der Rittersitte wohl kundig, mit euch focht,
   Eh' uns Verrath und Uebermacht Hispania's Herrschaft --
   Fluch dem Frevel, entri! Nun kommt, mir werde der Ruhm dann:
   Keiner obsiegte der Macht des Satanbndigers Dragut!
   Schon aufbrauste zuvor des Prahlers Worten Toledo's
   Heldenbrust; doch, als ein Nahme von drben heran scholl,
   Welcher der schrecklichst' ihm war, und verhateste aller auf Erden,
   Da hielt er sich nicht mehr; er spornte sein schnaubendes Reitro
   Auf die Flche hinaus, und schrie dem Wthrich entgegen:
   Ha, nur dich, den Ruber des edelsten Weibes, des meinen,
   Suchte mein glhendes Aug': nicht wirst du knftig mehr prahlen!
   Also mit lautem Gejauchz' aufschwang er den blitzenden Degen
   Ueber des Gegners Haupt, und es wre, zerschmettert, gesunken,
   Wenn nicht Attila schnell, wie ein Blitz, der oben im Nachtgrau'n,
   Leuchtend die Wolken durchzischt, heruntergeflogen, sein Streitro
   Drngte zum Seitensprung: denn fhlbarer nahen dem Thier noch,
   Und in den Nchten zumal, des Geisterreiches Bewohner,
   Bald vom Zorn gereitzt, und bald nur neckenden Launen
   Folgend: da schmiegt sich die winselnde Dogg' an die Fe des Menschen,
   Der mit Verwunderung horcht, und hinaus in das schweigende Nachtgrau'n,
   Schaudernd, starrt; im Gehft' aufflattern die kreischenden Hhner;
   Laut mit Geschrei entstrzen die Vgel dem Wald', und die Hirschkuh
   Fhrt aus dem rauschenden Laub' in die Hh', und horchet mit Beben:
   Denn hell blitzte der Geist an dem Auge des schlummernden Thier's hin:
   So, von dem Geiste geschreckt, aufsprang der schnaubende Rappe
   Draguts. Ihm zerhieb Toledo's sausender Mordstahl
   Nur die brtige Wang', und sie blutete. Siehe, nicht sumte
   Dragut, und vorgebeugt, durchrannt' er die Linke Toledo's
   Jetzt mit dem mchtigen Speer, da schnell der leitende Zgel
   Ihr entsank! Ein schrecklicher Kampf, und im Kampfe der Tod nur,
   Htte die beiden getrennt: da flog, gesendet von Lichtstein,
   Hanno, der Stabs-Herold, an die Seite Toledo's; er fate
   Dort sein Ro an dem Zaum', und fhrt' es zurck' in die Reihen.
   Jammernd folgt' ihm der Held: er dachte den Gegner zu tdten.
   Dragut knirschte vor Wuth, und entwich: das Strmen des Blutes
   Raubt' ihm die Kraft. Nun rief er dem maurischen Scharengebiether:
   Muhamed Temtes, ein Hort sey du des tapfersten Volkes,
   Und ein Zeuge vor Hairaddin mir: nicht erbebend in Feigheit
   Wr' ich gewichen dem Feind. Die blutende Wunde zu stillen,
   Eil' ich zur Stadt, wo mir der kruterkundige Diener,
   Hugo, umhllen sie soll mit dem weheinschlfernden Balsam,
   Und bald kehr' ich zurck', allwrts ein Schrecken der Gegner.
   Also jagt' er davon: doch jener den kommenden Scharen
   Khn entgegen zu kmpfen, bereit, sah forschend zum Rckhalt:
   Denn er hrete dort unfreundlichen Donner; vernahm auch
   Wrgender Feinde Geschrei, und ihm pochte das Herz in dem Busen.

   Doch, wer ordnete dort die entscheidende Rckenbestrmung?
   Traun, ein Held, Aurel, der erst mit den herrlichen Schiffen
   Malta's nahend dem Strand, die feinddurchwimmelte Gegend
   Mchtig bestreichen lie aus ehernen Schlnden und Mrsern!
   Donnergebrll' erscholl ringsum; aufwirbelte Sandstaub
   Nah' und fern', und die Feind' entstrzten vor Schrecken den Reihen.
   D'rauf verlie er den Bord mit fnfzig der tapfersten Ritter,
   Tausend Kriegern gesellt, drang vor, und wthete, mordend,
   Jetzt in dem Rcken des Heer's. So wthet die nchtliche Windsbraut
   Durch das Fhrengehlz: der Eigner jammert am Morgen,
   Schauend die Stmm' auf Stmme gehuft, in grauser Verwstung.
   So im Gesicht von Lichtstein, so in dem Rcken von Malta's
   Khnem Helden bekmpft, ausri in wilder Verwirrung
   All' das unzhlige Volk, und wandte nach Tunis den Lauf hin.

   Hairaddin trabte den stubenden Weg mit den _Schrecklichen_ nher:
   Also hie er die Schar viertausend erlesener Trken,
   Die er sich selber erlas aus den khnsten und tapfersten Kriegern.
   Wohl erwies sich ihr Muth; wohl waren die Muthigen furchtbar:
   Denn wo es galt, und, gehemmt, die Wage des Schlachtengeschickes
   Schwankte, da muten sie vor, zu erringen des eisernen Feldes
   Herrlichen Preis, und zu steh'n, muthfest, im Kampf der Entscheidung.
   Als er den wirbelnden Staub, und im Staube die fliehenden Haufen
   Gegen sich kommen sah: da erwog er im Herzen, noch zweifelnd:
   Ob er den Schrecklichen erst die Losung gebe zum Morden,
   Um in dem Blute der Feigen den Grimm zu snftigen; oder,
   Scheuend den Wankelmuth der Tunisier, heute noch schone?
   Gleichwie im Aethergefild der schiffaufstrmende Luftball,
   Jhlings vom Flammenhauche gerafft, des mchtigen Windes
   Wechselndem Strom' zu Beut' umfleugt, und nimmer des Schiffers
   Leitung gehorcht, nun hier- nun dorthin schwebend im Luftraum
   So, da Grauen ihn fat, und sinnverwirrender Schwindel:
   Also wankt' er umher. Ihm nahete Muhamed Temtes
   Jetzt mit dem flchtenden Volk'. Er ri sich, ergrimmter, den Sbel
   Von der Hft', und schlug mit der Breite der Klinge den Feldherrn
   Ueber die Stirne, da ihm aus den Augen sprhten die Funken.
   Aber der Sclave lchelte nur, und folgte von weitem:
   Denn auch Hairaddin floh, und das Volk nachbrausete zahllos.

   Schon sank tiefer die Nacht; schon gaukelten khlere Lftchen
   Ueber die See, und ringsumher aus unzhligen Augen
   Sah der funkelnde Himmel, als die Reisigen Lichtsteins,
   Kehrend, mit Staunen ersah'n, wie sie, nur im Blute zu ernten,
   Hier die Garben gehuft in des Todes entsetzlichem Saatfeld.
   Auch die Helden des Felseilands mit dem khnen Gebiether,
   Kehreten heim in die meerumwogte Behausung (am Bord nur
   Schlummert der Seemann s) und dort aufzhlend die Scharen,
   Miten sie dreiig, im Streit gefallene Krieger mit Wehmuth.
   Also rang in dem Vorkampf jetzt der erhabene Kaiser
   Gegen Hairaddins Macht, und der treffliche Lagergebiether,
   Guasto, begann, im vereinten Mh'n unzhliger Krieger,
   Dort die schirmenden Wlle zu bau'n, wo er forschenden Blickes,
   Erst die Stell' erkor, auf welcher Karthago gestanden:
   Auf da ihr herrliches Bild, aus Schutt und Trmmern sich hebend,
   Waffne des Kriegers Herz mit eisernem Muth' in der Feldschlacht.
   Gegen den Salzthurm hin, im sternnachbildenden Vorsprung
   Hob erlesenes Volk mit schimmernder Haue das Erdreich,
   Dmmend, zum Wall. Vor ihm aufghnte der dunkele Graben,
   Und das ehrne Geschtz, von schnaubenden Rossen gezogen,
   Rasselte nher, und stand alsbald, in gemessenen Fernen,
   Aufgefahren umher, zu wehren dem feindlichen Andrang.
   Schnell erfllten des Lagers Raum die jauchzenden Krieger,
   Dort zu erhh'n in Hast die luftigen Zelte. Sie bohrten
   Pfhl' in den Grund; dann spanneten sie die schimmernde Leinwand
   Vom Querbalken des Daches hinab, an haftenden Pflcken,
   Gegen der Strme Gewalt sie festigend, die- und auch jenseits.
   Tausende standen erhht, und flatterten, tnend, im Nachtwind.
   Aber vor allen ragte das Zelt des edelen Kaisers,
   Hochgewlbet, empor. Des hckergestalteten Lastthiers
   Wolle schirmte von auen das Zelt g'en Wetter und Regen;
   Innen deckte die Wnde Damast, und ein eisernes Feldbett
   Stand in dem Hintergrund', umhllt vom seidenen Vorhang.
   Aber mit Lcheln im Blick, der, rhmend, des Werkes Vollendung
   Wrdigte, sprach der Kaiser, erfreut, zu Guasto, dem Feldherrn:
   Herrlicher, so geling' es dir auch am kommenden Morgen,
   Schnell die Schanzen umher an Goletta zu bauen! Fr jetzo
   Hei' das Volk ausruh'n in des schirmenden Lagers Umwallung;
   Nach gehaltener Rast empre der frhliche Krieger
   Zahllos Flammen im Feld, bereite sein Mahl, und gedenke
   Heiterer Lust: nur mge der Wall nicht ermangeln der Wachen;
   Auch den Graben entlang mit hellumschauenden Blicken
   Forschend, die Vorhuth steh'n. Ermdet will ich hier schlummern,
   Wenn nicht feindlich Geschrei mich weckt im nchtlichen Anfall.
   Sagt' es, und lie sich, gehllt in den wolligen Mantel, im Sandstaub
   Nieder. Weder den schwellenden Pfhl, noch kstliche Speisen
   Kannt' er im Feld': erduldend jegliche Noth und Entbehrung
   Froh mit den Kriegern. Er lag in dem Kreis' umlrmenden Volkes
   Dort auf dem Sand', und bald umfing ihn der liebliche Schlummer.

   Gleich dem brausenden Sturm flog jetzt der Rmerbesieger,
   Hermann, mit seinem Gefolg', aus Amerika's Fluren herber:
   Denn ihn lockte des Kampfes Gets' mit freundlichem Wohllaut.
   Wie der muthige Falk', auf Beut' erpicht, in des Himmels
   Blauem Gezelt nun auf sich schwingt, nun eilender abwrts
   Fleugt, im wogenden Gras' und im schaurigen Dunkel des Fruchthains
   Sie zu ersph'n: so erforscht' auch Hermann das Lager. Sein Haupthaar
   Quoll aus dem duftigen Helm ihm golden herab auf den Nacken,
   Und des Ur's aufstarrende Mhn' umfing ihm die Schultern.
   Muthig schwang er die Keul', und aus trotzigblulichen Augen
   Sah er herab, die jetzt, gleich flammenden Sternen, erglnzten:
   Schauend Germania's Volk und den schlummernden Kaiser, des Volkes
   Edelsten Hort. Er haucht' ihm, genaht, die erregenden Wort' ein:
   Ruhig schlummerst du hier im Kreise der Helden, Erzeugter
   Meines gewaltigen Stamms! Von den fernen Meeren herber
   Kommen die Bothen des Siegs dir spt. Ich knde den Sieg dir
   Nun zur Freud', und zugleich den Jammer der Wilden, zur Trauer.
   Dein ist die Herrschaft der Welt: nie wendet die leuchtende Sonne
   Mehr die Blicke von deines Reichs endlosen Gefilden.
   Schon dient Mexiko dir; nun bndigt Peru, das Goldland,
   De' unschuldiges Volk der Sonne Kinder sich dnket,
   Dein Pizarro.[42] Er nahm Atahualba gefangen, den Inca,
   Und erwrgt ihn vielleicht: nicht hunderttausende scheuend,
   Nicht Millionen Volk's, von wenigen Tapfer'n umgeben,
   Wild, und grausamgesinnt. O, hemme die wthende Blutgier
   Jener Verblendeten, die in dem Wahn, Halbmenschen zu wrgen,
   Also freveln! Ich sehe dein Herz erbeben dem Jammer,
   Den die Ferne dir birgt. Ein gottbegeisterter Priester
   Deines Volks,[43] der Krnz' erlesensten wrdig, bewaffnet
   Sich mit erhabenem Muth, die armen, ein rettender Anwald,
   Khn zu beschirmen: ihn hre: so wird unsterblicher Ruhm dir.
   Schlummere ruhig und s, in dem Kampf dir nah' ich ein Helfer!
   Dann aufschwang er sich rasch in die Lfte: das tosende Lager
   Hier zu erforschen, und dort des Feindes gewaltige Heersmacht.
   Aber der Kaiser sthnt' in dem Schlaf'; erhob von dem Boden,
   Staunend, das Haupt, und sprach halbleise die Worte des Kummers:
   Knden, dsterer Ahnung vereint, auch Trume so schrecklich,
   Meiner Krieger unmenschliche Wuth? Fhr't, gnstige Wind', ach,
   Schnell das ernste Geboth der Schonung und christlichen Sanftmuth,
   Das ich gesandt in dem eilenden Schiff, zu dem fernen Gestad hin!
   Lispelte so, und versank von neuem in lieblichen Schlummer.

   Jetzt nach gehaltener Rast erhoben sich wieder die Krieger:
   Drres Reis, und die Trmmer lngstgestrandeter Schiffe,
   Tragend herbei, unzhlige Flammen im Feld zu empren.
   Wie die Sternenheer' erglh'n am nchtlichen Himmel,
   Glnzten die Lagerfeuer umher. Da knpfte der Reiter
   Sorglich das Pferd an den Pflock, und both ihm den Hafer im Vollma;
   Oder er brachte vom rieselnden Born, in rumigen Kbeln,
   Ihm die erfrischende Fluth. Nicht enthob er ihm jetzo den Sattel,
   Wie daheim, als ihm versiegte der Schwei nach dem Ritte:
   Denn in dem Felde gebeut des Augenblickes Entscheidung,
   Fertig zu stehen zur Wehr' und zum raschvorstrmenden Angriff.
   Andre besorgten den Brdern das Mahl. Des eisernen Kessels
   Ruigen Bauch umschlang die Loh', und die emsigen Krieger
   Hatten das Reismus gar gekocht, die Hmmel gebraten,
   Und vertheilet den Wein mit dem wohlernhrenden Kornbrot
   Jeglichem treu und gerecht. Bestrahlt von der freundlichen Flamme,
   Schmaus'ten sie dort, und wechselten stichelnden Scherz und auch Possen,
   Lautem Gelchter vermengt, und kriegerischtnenden Liedern.
   Also war auftobender Lrm und Gets' in dem Lager.
   Aber, gesondert im Kreis', kaum achtend des Mahles und Trunkes,
   Oder des herzerfreuenden Worts, ergaben die Einen,
   Heierpicht auf Gewinn, sich dem trglichen Locken der Wrfel:
   Schttelten erst in der hohlen Hand die klingenden lang' fort,
   Warfen sie dann querhin auf den weitgebreiteten Mantel,
   Sah'n, und zhleten laut die gewinnaufweisenden Augen.
   Andre langten die Karten hervor, vieljhrigen Ansehns
   (Htt' ein Fremder doch kaum den Buben vom Knig, die Grnen
   Kaum von den Rothen erkannt) vertheilten die klebenden Bltter,
   Netzend oft mit der Zunge den Daum, von der Linken zur Rechten,
   Allen umher, und spieleten Brand, und Bettel, und Mordbrand,
   Mit aufschlagender Faust und frhlichem, lautem Gelchter.

   Sieh', in dem einsamen Zelt, entfernt von frhlichen Menschen,
   Lag Toledo, verwundet am Arm; doch blutet' ihm heier
   Noch die Wund' in der Brust, versetzt vom grausamen Schicksal,
   Das ihn so furchtbar jngst der edelsten Gattinn beraubte.
   Jen' emprt' um ihn her die schwarzen Gebilde des Unmuths.
   Grimmig umdrngten sie ihn, und weckten in seinem Gemth nur
   Angst und Verzweiflung: er lag, erblindet bei offenen Augen,
   Dort auf dem Lager, und starrt' in die Nacht, und sthnte vor Jammer.
   Jetzt anlandete Kurd mit dem Kahn, und flog nach dem Lager,
   Eilenden Laufes, herab. Ein Wer da? scholl ihm entgegen:
   Gut Freund gab er zurck, und frug nach Toledo, dem Feldherrn.
   Aber gewahrend des Mauren Tracht, und feindlicher Arglist
   Denkend, fhreten ihn zwei tapfere Krieger mit Vorsicht
   Nach Toledo's Gezelt. Nun, dort den Leidenden schauend,
   Wollten von seiner beklommenen Brust sich die Worte des Trostes
   Lange nicht lsen. Er stand, erschttert, und leise begann er:
   Hugo's Worte vernimm: Wenn hoch an dem Himmel der Vollmond
   Strahlt, da berg' ich in Grabesnacht, errettet, Mathilden!
   Und ich lenke dich dann zur Felsenhhle des Oehlwalds.
   Forschend irrte Toledo's Aug' an dem seltsamen Fremdling
   Auf und nieder: er sann, in dstere Trume verloren;
   Aber ein leuchtender Blitz auf des Jammers nchtlichem Irrpfad
   War ihm die Vollmondsnacht, der Fels, und die Hhle des Waldes.
   Sthnend hob er sich auf, und hing am Halse des Fremdlings,
   Lautaufweinend. Ein Strom von glhenden Thrnen benetzte
   Diesem die Brust; er floh zum Strand', im gleitenden Fahrzeug
   Heimzuschiffen, und dort der rettenden Stunde zu harren.

   Sinam sah schon lang vom ragenden Thurme Goletta's
   Nach dem feindlichen Lager hinaus, und erbebte den Feuern,
   Welch' unzhlig umher aufloderten. Wie auf des Meeres
   Sturmempreter Fluth die, aus Wolken brechende Sonne,
   Pltzlich die Wogen entflammt, da sie endlos, hpfend, erblitzen:
   Also erschienen ihm dort die Lagerfeuer, unzhlbar,
   Und er dachte fr heut' auf keine entscheidende That mehr.
   Unmuthsvoll erforschte sein Herz der Hunnen Beherrscher
   Attila; flog um ihn her, und reitzt' ihn mit stachelnden Worten:
   Sinam, unkriegerisch, trg, und feig', erbebst du den Feinden?
   Wie, ist dem furchtbar'n Ueberfall nicht gnstig die Nachtzeit,
   Der, verderbender oft als blutige Schlachten, dem Gegner
   Jammer gebiert? Wie schwach erscheinst du dem Volke; wie hat dich
   Hairaddins Seele hinfort, der dir vertraute mit Unrecht!
   So vernahm, im Geist, die druenden Worte des Geistes
   Sinam, und blickte, verwundert, umher: wer also gesprochen?
   Doch er fand sich allein; besann sich der Angst, und es frbte
   Schnell sein blasses Gesicht der Scham hellrthendes Feuer.
   Jetzo murmelt' er leis': Ich, Thor, vergrble die Zeit hier
   Mig. Wohlan, der khne Gedank' -- er werde zur That jetzt!
   Sagt' es, und kam, und sprach zu Giaffar glhenden Blickes:
   Giaffar, stets entflammt dir die Brust die Heldengesinnung,
   Da du nicht Tausende scheu'st, wenn rings umdrngender Gegner
   Schlachtruf schallt, und, emprt, der Waffen Getmmel ertnet!
   Siehe, schon schwinden umher die Lagerfeuer des Feindes,
   Und schlaftrunken, vom Weine betubt, hinsinken die Feigen!
   Auf, wir strmen in Hast mit den Janitscharen das Lager,
   Und erwrgen das wehrlose Volk in dumpfer Betubung!
   Jener begann: Ha, nicht unwichtige Thaten ersinnst du,
   Schlachtenerfahrener Greis! Bald tilgt, entsetzlich, im Nachtgrau'n
   Unser Eisen die Schlummernden. Zwar in der Helle des Tages
   Mir ersehnt' ich den Kampf, nicht auf nachtumhlleten Pfaden;
   Dennoch will ich dir folgen: gebieth', und ich ordne die Scharen.
   Sinam geboth: aufflogen die mchtigen Thore Goletta's,
   Und die gerstete Schar zehntausend muthiger Krieger
   Drang, von Sinam gefhrt, und Giaffar, eilenden Laufes,
   Jetzt an die Wlle heran. So weit, als ehrner Drometen
   Klang dem Horchenden tnet im Feld, noch waren die Krieger
   Von dem Lager entfernt: da duckten sich alle zum Boden
   (Sinam geboth's) und schlichen, gebckt, gleich listigen Fchsen
   Welch', einkrmmend die Ruthe, mit weitvorgreifenden Pfoten
   So, da am Gras' ihr Bauch hinstreift, den stillen Gehften
   Nahen bei Nacht, um dort die befiederten Schlfer zu fahen.
   Jetzo, der Vorhuth nah', aufsprangen die Scharen, und furchtbar
   Tnete Allah-Geschrei, entsetzlich der Strmenden Schlachtruf,
   Und, dem Sbelgeklirr vermengt, das Schmettern der Bchsen.
   Aber nicht schliefen die Schtzen Tyrols: sie wachten, der Pflicht treu,
   Als die erlesene Huth an dem Graben, und weckten im Lrmschu
   Eilig, den Wall entlang, die khnen Gefhrten zum Kampf auf.

   Giaffar strmte der erst', und hieb dem khnen Ramiro,
   Fhrer des Schtzenvolks, die Stirn' entzwei mit des Sbels
   Sausendem Schlag: er sank, und verhauchte das Leben. In Trident
   Sah er im Handlungshaus, an der Seite des grauenden Vaters,
   Reichthum die Flle gehuft, der kstliche Waaren des Ostlands
   Vom venediger Freunde bezog, und versandte nach Deutschland;
   Aber ihn lockte zum Kampf gar mchtig der Kriegesdrometen
   Schmetternder Klang, auf Afrika's fernen Gefilden, und freudig
   Hofft' er, mit Siegeslorbern geschmckt, die heimischen Fluren
   Wieder zu schauen, und dort die Tage der schneren Zukunft;
   Doch ihn ereilte des Todes Geschick, und lachenden Erben
   Wurden die Gter zu Theil des, in Gram hinschwindenden Vaters.
   Giaffars schreckliche Kraft, verstrkt von khnen Gefhrten,
   Wrgt' auf dem Wall noch drei tyrolische Schtzen vom Innthal --
   Brder, und stets in dem Heere genannt das rhmliche Kleeblatt:
   Denn, als Jrg, der jngste, zu Freundsbergs[44] Fahne geschworen,
   Eilten auch Gnther und Jost ihm nach, zu schwren den Kriegseid
   Vor dem Vater des Volks, Freundsberg, dem Jeglicher hold war.
   Immer hielten sie treu und fest zusammen im Leben,
   Und wo im eisernen Felde Gefahr den einen bedrohte,
   Bothen die andern die Brust zum Schilde dem Bruder, und dachten,
   Liebend, des Bruders allein. Am herrlichen Tag vor Pavia
   Knpft' an die Heldenbrust der Tapfern ein ehrendes Zeichen
   Freundsbergs Hand; doch jetzt im nchtlichen Grau'n, an des Grabens
   Weitaufghnendem Schlund verhauchten sie, kmpfend, das Leben.
   Also htt' in dem Ueberfall noch viele der Christen
   Tod und Verderben ereilt, und der Feind erstiegen die Wlle;
   Aber da brach Hardwin, der tapfere Fhrer der Schtzen,
   Hohes beschlieend im Geist, durch Reihen der Gegner. Er hatte
   Sinam erseh'n, der vor- die Wrgenden trieb. Ihn zu tdten --
   So von den Brdern zu fernen die Noth, vorbraust' er, und zckte
   Rasch auf Sinam das Schwert. Doch Giaffar, schauend des Feldherrn
   Grause Gefahr, entboth die Seinen sogleich, und sie flogen
   Jenem zu Hlf'. Zwar fiel der Schtzen gewaltiger Feldherr,
   Salis, mit eiliggeordneter Macht dem Feind in den Rcken --
   Drngt' ihn zurck von dem Wall, und hufte Leichen auf Leichen;
   Aber es whlten in Hardwins Brust unzhlige Sbel
   Schon: der Tapfere sank, und lchelte heiter im Tod noch.

   Rogendorf, der stattliche Feldzeugmeister des Heeres,
   Hrte des Kampfes Gets'. Er sa in dem einsamen Kriegszelt,
   Trauernd noch stets um den Freund, den ihm entri das Verhngni;
   Doch, wenn Schlachtruf scholl, und ihn hie, unzhligen Feinden
   Khn entgegenzusteh'n: da blitzt' aus den finsteren Wimpern
   Ihm der Muth, da brachte sein Wink dem Feinde Verderben.
   Eilig erstieg er den Wall, und geboth dort jeglichem Wurfschtz,
   Fertig zu harren des Winks zu feuern, mit mchtiger Stimme:
   Mnner, vor allem gebeut uns die Nacht, dem Donnergeschtz erst
   Ein untrgliches Ziel zu ermessen im finsteren Blachfeld.
   Werf't aus dem Haubitzrohr Leuchtkugeln, sausenden Fluges,
   Ueber die Feinde hinaus, zu erhellen die Gegend, und furchtbar
   Wthe sogleich das Donnerrohr in die wimmelnden Scharen.
   Sinnig erfand erst jngst die erleuchtenden Kugeln der Feldherr:
   Mengte den Salzen Harz, und Schwefel und Kohle dem Spieglas;
   Dann umhllt' er mit Werg das Gemeng', und rundete solches.
   Jetzo des Brandrohrs Saum mit der brennenden Lunte berhrend,
   Warf der Schtz aus dem Haubitzrohre die leuchtenden Kugeln
   Weit in die dunkeln Gefilde hinaus: sie erhellten, dem Mondlicht
   Aehnlich, die Nacht. Wie entzndete Luft, urpltzlichen Fluges,
   Schimmernden Sternen gleich, durchzieht den nchtlichen Himmel;
   Oder vom lrmenden Kreis' der Jnglinge, tnend dem Faustschlag,
   Ein gewaltiger Ball, den Rindesblase geschwellt hat,
   Stolz in die Luft sich erhebt, dann senket: so flogen die Kugeln
   Ueber dem Feinde dahin. Er staunte dem Wunder, und jetzo
   Fat' ihn erschtternde Furcht, als rings erhellet die Nacht war,
   Die verrtherisch ihn preisgab nie geahntem Verderben.
   Doch schon winkete Rogendorf: da brllten auf einmal
   Dreiig Schlnde vom Wall. In die wimmelnden Haufen geschleudert,
   Warf der Achtzehnpfnder entsetzliche Wucht aus den Gegnern
   Hundert zu Boden: die andern entfloh'n nach der Veste Goletta,
   Schreiend, in keuchender Hast, nicht hrend die Stimme der Fhrer --
   Sinams Stimme nicht mehr, nicht Giaffars, die in dem Nachzug,
   Einend das khnere Volk, dem raschverfolgenden Gegner
   Bothen die Stirn': denn Salis, der khnen tyrolischen Schtzen
   Tapferer Hort, nachbrauste den fliehenden Feinden, dem Sturm gleich,
   Der auf der Heid' im Herbst die brtigen Disteln dahinjagt,
   Und er kehrte nur spt von der blutigen Feindesverfolgung.

   Jetzt, vom Schlummer geweckt durch Kampfgetmmel und Schlachtruf,
   Sprang der edelste Kaiser voll Hast vom nchtlichen Lager,
   Nahte dem Wall, und sah, wie Rogendorf nach dem Feind hin
   Sandte des Todes Geschoss'. Er winkt' ihm lohnenden Beifall,
   Und begann vor Salis, und seinen Gefhrten voll Huld so:
   Eure Stirn' umkrnze des Ruhms niewelkender Lorber!
   Muthig hab't ihr gekmpft: vor euren zerschmetternden Bchsen
   Floh'n in Eile die Feinde davon. Zum Lohne des Sieges
   Sollt' ihr auf jenen, so stolz sich erhebenden felsigen Hhen,
   Wo in Karthago's rhmlicher Zeit die mchtige Hochburg,
   Byrsa[45] stand, aufpflanzen die Fahn', und den Lagergenossen
   Stehen zur Huth auf der weitumschauenden Warte des Landes.
   Und er kehrt' in das Lager zurck. Doch jauchzenden Rufes
   Klommen, von Salis gefhrt, die tapferen Bergebewohner
   Jetzo die Felsen hinan. Gern weilt der sinnige Bergfreund
   Auf den luftigen Hh'n, wo er all' dem niedrigen Treiben,
   Drngen, und Sorgen der Erd' entrckt, des Himmels Gefilden
   Nher, so frei und selig sich fhlt; wo das sehnende Herz ihm
   Hher im Busen schwillt: da er bald des wlbenden Aethers
   Dunklerer Blue staunt, bald tief in den schwindligen Abgrund
   Starrt, und, mit Thrnen im Blick des Waldstroms silberne Fluthen
   Eilen sieht, und des schnellentfliehenden Lebens gedenket.
   Ach, der Gebirgssohn hngt mit kindlicher Lieb' an der Heimath!
   Wie, den Alpen geraubt, hinwelket die Blume: so welkt er,
   Ihr entrissen, dahin. Stets sieht er die trauliche Htte,
   Die ihn gebar, im hellen Grn umduftender Matten:
   Sieht das dunkele Fhrengehlz, die ragende Felswand
   Ueber ihm, und noch Berg' auf Berg' in erschtternder Hoheit
   Aufgethrmt, und glhend im Rosenschimmer des Abends.
   Immer schwebt es ihm vor -- verdunkelt ist alles um ihn her!
   Aengstlich horcht' er. Ihm ducht: er hre vom nahen Gehlz her
   Wieder das Muhen der Kh', und hoch von den Alpen herunter
   Glcklein klingen. Ihn ducht: er hre das Rufen der Hirten,
   Oder ein Lied der Sennerinn, die, mit umschlagender Stimme,
   Freudig zum Wiederhall aufjauchzt Melodieen des Alplands.
   Immer tnt es ihm nach. Ihn fesselt der lachenden Ebnen
   Anmuth nicht; er fliehet der Stdt' einengende Mauern,
   Einsam, und schaut, aufweinend, vom Hgel die heimischen Berghh'n:
   Ach, es zieht ihn dahin mit unwiderstehlicher Sehnsucht!

   Aber im Osten schwebte der Mond mit strahlendem Antlitz
   Ueber die Berg' empor. Auf des Meeres fernen Gewssern
   Schwamm sein zitterndes Licht; er hellte des suselnden Waldes
   Dunkelen Saum, und go den silbernen Schleier, aus Aethers-
   Dufte gewoben, umher auf den sanftentschlummerten Erdkreis.




                           Siebenter Gesang.


   Drben am stlichen Himmelsthor erglhte der Morgen.
   Schaurig wehte der Wind, und fuhr mit eisigem Odem
   Ueber das Heer. Von dem lockigen Haupt und dem Mantel des Kriegers
   Trufelte fort und fort der Thau gleich schimmernden Perlen,
   Und verwandelt' in Grau die dunkele Farbe der Rosse,
   Die, von Dampf umhllt, mit schlotternden Seiten sich drngten:
   Denn so glhend die Luft sich bei Tag auf Afrika's Fluren
   Senkt, so ergreifend haucht sie den Frost aus der schwindenden Nacht
      her.

   Dort nach dem Felsenhorst, den erst zum Lohne des Kampfmuths
   Sich errangen die Schtzen Tyrols, erhob sich der Kaiser
   Jetzo mit Ludwig allein. Er schwieg. Die umdsterte Vorzeit
   Schwebte ihm vor: denn, ach, er trat Karthago's Ruinen!
   Aermliche Drfchen gewahrt' er nur: El-Mersa, und Melcha
   Nher dem Meer' -- entfernter: Sidji-Mosaid, und Darilschut,
   Ruhend, Oasen gleich, auf Karthago's wsten Gefilden.
   Stille herrschte umher in den Htten des flchtenden Volkes:
   Denn o, furchtbar droht, und furchtbarer jede der Stunden
   Vor dem nahenden Feindesheer' in entsetzlicher Kriegszeit,
   Wenn, entrissen dem Schirm der vterlichwaltenden Obmacht;
   Hingegeben emprter Gewalt, unbndiger Willkhr,
   Und unleidlicher Schmach, der Mensch nach Rettung umherschaut:
   Jetzo der Gegenwart, dann wieder der nchtlichen Zukunft
   Schrecken ihn fat, und vernichtende Angst ihm raubt die Besinnung!
   Als sie erklommen des Felsens Hh'n: da schwebte die Sonne
   Aus dem glhenden Meer mit rosenumhlletem Antlitz
   Freundlich herauf. Ihr hauchten die Fluthen, ihr dampften die Berghh'n
   Lieblichen Opferduft empor; sie grten die Fluren,
   Funkelnden Blicks, und, freudigen Lautes, die Hain' und die Wlder.

   Nicht, wie sonst, erfllte des holderwachenden Morgens
   Schimmer des Kaisers Brust mit Wonne der seligen Geister:
   Denn beklemmt war heute sein Herz, und dstere Schwermuth
   Hllt' ihm die Stirn' in Nacht: er dachte die Tage der Vorwelt.
   Sinnend irrte sein Blick von der steilabstrzenden Felswand
   Nach den schimmernden Fluthen hinaus; der suselnde Frhwind
   Wiegt' am Nacken sein lockiges Haar, und wiegte des Mantels
   Wogenden Saum. Nun setzt' er, entfernt von des Lagers Getmmel,
   Sich auf den moosigen Stein, und sprach zu dem horchenden Jngling:
   Siehe, so ferne dein gieriges Aug' erforschet die Fluren,
   Rings den Felsen umher, wo Byrsa, die eherne Burg stand,
   Lag Karthago, hehr, weitherrschend und mchtig verbreitet!
   Aber nicht kndet der krgliche Schutt, umwuchert von Mooswuchs,
   Wo die Herrliche stand, und mit Staunen erfllte den Erdkreis.
   Wehe, sie sank, des blhenden Reichs gewaltige Hauptstadt,
   Sie, der eisernen Roma zum Trotz, noch die Zierde der Welt, sank!
   Blut durchstrmte die Straen umher; die prasselnde Flamme
   Wthete rastlos fort: im Schutt versiegte die Wuth nur.
   Aber es lebt die Erhabene noch in der Kunde der Nachwelt.
   Hehre Begeisterung schwellt den Busen des Sngers; nicht fremd mehr
   Ist ihm des Helden Sinn, nicht die That, aus jenem geboren:
   Ihr ertnt sein Gesang in vielfachwechselnden Weisen,
   Die jetzt, brausenden Strmen gleich, erschttern des Hrers
   Pochende Brust, und jetzt, wie liebliche Lftchen des Abends
   Suselnd im Veilchenbeet, ihr sanfte Wonne gewhren.
   Ha, Karthago lebt, und ewig ertnet ihr Nachruhm:
   Meererforscherinn, Stdt'- und Vlkergrnderinn heiend;
   Lebt durch Hannibals Ruhm, des mchtigen, eidesgeweihten,
   Furchtbar'n Rcher des Vaterlands, und blhet fr immer
   Ob dem erschtternden Muth: verschmhend die schimpfliche Knechtschaft,
   Unterzugeh'n, auch im Falle noch gro, in wrdiger Freiheit!
   D'rum erhebe dein Herz, dem Guten und Wahren dich weihend:
   Denn sie allein entfhrt der Zeit fortrollende Fluth nicht,
   Und, umschwebend die Welt in ewigdauerndem Kreislauf,
   Reichen sie dir zum Lohne den Kranz nie welkender Blthen.
   Jetzt erhob er sich schnell, nach dem Lager zu kehren. Auch Ludwig
   Sumte nicht; doch ihm quoll die Thrn' aus den blitzenden Augen:
   Wohl ist es schn, so sprach er, im Lauf enteilender Zeiten
   Ueber der niedrigen Fluth, emporgehoben, zu stehen,
   Und zu erringen den Kranz gefeierter Helden der Vorwelt;
   Doch, ach, mich entreit die sorgliche Liebe des Herrschers
   Jeder Gefahr, und ruhmlos schwindet mir Leben und Thatkraft!
   Freudig erklang des Jnglings muthige Rede dem Kaiser,
   Und er entgegnet' ihm so: Schon nahet die Stunde, wo, kmpfend,
   Du in dem eisernen Feld die Schrecken der Schlachten bestehen,
   Und als Sieger, umjauchzt von tapferen Kriegesgefhrten,
   Kehren, oder im Kampf erliegen sollst fr die Rettung
   Tausender: ein's wie das and're erhebt; doch leitet die Vorsicht
   Dich nach der Heimath zurck, dort blhet ein schneres Feld dir
   Ewigen Ruhms: durch Herrscherweisheit im Segen zu walten
   Ueber ein glckliches Volk, und, also der Mit- und der Nachwelt
   Frommend, im Segen zu seyn den sptesten Menschengeschlechtern.

   Hannibal horchte mit Lust, wie ihn ehrte der mchtigste Herrscher.
   Seit er dem irdischen Leben entrckt, unmuthigen Herzens,
   Weilt' im dunkelen Raum des nachtumwlbenden Erdballs,
   Sah er zum erstenmal die trauten Gefilde der Heimath
   Wieder. G'en Zama[46] hinaus erhob er die glhenden Augen,
   Starrt', und ballte die Faust des Jammers Gebilden entgegen:
   Denn noch sah er die Miethlinge fliehn; durchbrochen die Reihen
   Seines Volks, und, emprt, die schreckliche Schar Elephanten
   Wthen im eigenen Heer -- entrissen auf immer den Sieg ihm:
   Sah's, und wandte sich schnell nach Karthago's Sttte hinber.
   Aber wohin entschwand die Herrliche? Neidischverschlungen
   Hatte der Strom der Zeit auch die letzten Maale des Ruhmes.
   War auch sie mit dem Rmer im Bund'? So seufzt' er, und hob sich
   Eilig den Felsen hinan. Dort hrt' er unsterblicher Thaten
   Seelenentzckendes Lob aus dem Munde des edelsten Kaisers:
   Ihm von der Stirn' entfloh'n des Unmuths dstere Wolken;
   Heiterer blickte sein Aug', und der Groll, vom Rmer empret,
   Schmolz aus seiner besnftigten Brust, wie schimmernder Frhreif
   Schmilzt im sonnigen Strahl. Schon dacht' er, den Christen ein Helfer
   Knftig im Kampfe zu steh'n: da naht' ihm jener im Eilflug.
   Regulus sah auf den Felsenhh'n um seinen Erwhlten
   Hannibals druende Nh', und whnte: verderbende Tuschung
   Sinn' er, ihm dort in die argloshorchende Seele zu hauchen.
   Wie aus dem sonnigen Thal der raubersphende Kondur --
   Er, der Riese des Geiergeschlechts, in sausender Schnelle
   Hoch empor sich schwingt zu dem Wolkennest, zu erforschen:
   Ob nicht Gefahr dort drohe den kreischenden Jungen? so naht' er,
   Jetzo dem Kaiser im Flug, und wachte mit liebender Sorgfalt,
   Wie er die Listen vereitle durch List, und vernichte die Tuschung.
   Hannibal schnob, erneut vor Zorn: mit druenden Blicken
   Schwebt' er davon, und sann dem Christenheere Verderben.
   Doch in die Zeltenstadt heimkehrte mit Ludwig der Kaiser.

   Aber welch' Getmmel erschallt an dem Strande des Meers jetzt?
   Gegen Zafrano hinaus, auf Bona's lieblichem Vorland,
   Thrmt ein Cedernwald die dunkelen Wipfel g'en Himmel.
   Noch in dem khleren Hauch des sanftaufdmmernden Morgens
   Schifften auf Ruderbooten dahin, von Guasto gesendet,
   Tausend, des Zimmerwerks wohlkundige Krieger: zum Schanzbau
   Stmme zu fllen. Da scholl in der hehren Stille des Morgens
   Drben des Beils dumpfschmetternder Schlag vom tnenden Stammholz:
   Sausend entstrzte der Wald. Jahrhunderte sah er der Umwelt
   Wandelbare Gestalt; er stand, und hob sich noch immer
   Hher empor: nun streckt' ihn die grausame Schrfe des Eisens
   Nieder: in Trauer gehllt aufragte das kahle Gebirgsland.
   Aber sogleich ersah'n die feindlichgesinneten Geister,
   Schwebend vor Muhamed her, und Attila, welche Gefahren
   Ihren Erwhlten der Christ bereitete: Schauder ergriff sie.
   Siehe, da flog Ellack, des Hunnenknigs Erzeugter,
   Nher, und rief dem Vater zugleich, und dem heuchelnden Seher:
   Schauet die Riesenschlange dort im Schatten der Felskluft
   Liegen: Unsterbliche selbst erbeben dem schrecklichen Anblick.
   Weck't sie vom Schlaf, und, emprt, hintilgt sie die khnen Gesellen!
   Muhamed sann umher; dann rief er den Zagenden also:
   Hebe dich, Muhameds Volk! Erhebt euch, Attila's Scharen;
   Fahr't in des Unthiers Bauch, und erreg't dem Feinde Verderben!
   Jetzo im sausenden Flug hinstrzten die strmischen Geister,
   Schrie'n, und fuhren zugleich in des Scheusals umringenden Bauch ein.
   Tief in der Felsenkluft, zum furchtbarn Knuel verschlungen,
   Lag die grliche Schlange (dem Rad, das, weichend des Bergstroms
   Riesengewalt, den Mhlstein dreht, im Kreise nicht ungleich)
   Schlummernd, und barg ihr Haupt in des Knuels Mitte mit Vorsicht.
   Nur im Dunkel der Nacht, nur selten im Lichte des Tages,
   Kroch sie lauernd hervor, um ein sorglosweidendes Hausthier,
   Rasches Gewild, und auch Menschen zu fah'n; da hie es: ein Berggeist,
   Hausend im Felslabyrinth des schauerumhlleten Waldes,
   Habe verschlungen den Raub, und der Iman heulte Gebet' auf.

   Als die strmende Schar, des Herrschers Winken gehorchend,
   Im unleidlichen Drang die furchtbarn Ringe des Scheusals
   Fllte: da hob es in zitternder Wuth das grliche Haupt auf,
   Warf es im Bogenwurf in der Hhl' umher, und ihm zischte,
   Flammengerthet, die Zung' aus dem weiterffneten Rachen.
   Schrecklich erglhte sein Aug' aus den giftgeschwollenen Kreisen,
   Und, geblht, erfllet' es ganz die rumige Felskluft.
   Doch, als jetzo die Schar erbotumtummelnder Geister
   Selbes noch wthender drngt', und stachelte, froh der Emprung:
   Da durchfuhr's die entsetzliche Hhl' im sausenden Eilflug --
   Attila bebte zurck mit Muhamed: denn an dem Felsen
   Stand es, emporgethrmt, hoch ber dem Haupte der Cedern.
   Heulend entstrzte die Schar holzhauender Krieger dem Dickicht,
   Eilte zum Strand', in dem Ruderboot zu entfliehen dem Tod noch;
   Aber nicht allen gelang's. Den Flchtenden jagten die Geister
   Jetzo das Ungethm nach, und es warf sich ergrimmter zum Boden.
   Weithin bebte der Grund; rings schwankten die luftigen Cedern,
   Welche die schnellhingleitende Schlange berhrt', und das Berggras
   Welkte vor ihrem Flammenhauch, da Felsengerll' ihr,
   Stubend, nachrauschte vom Berg; doch dort, vom Strande des Meeres,
   Fest mit dem Schweif umschlingend die weitnachbeugende Ceder,
   Schwang sie sich ber die Fluthen hinaus. Ihr blulicher Rcken
   Blitzt' in dem Sonnenlicht, als, lngs dem spiegelnden Meer hin,
   Schlngelnd, ihr Schatten flog, und sieh', da erhaschte sie pfeilschnell
   Eines der Boot', und warf's, mit schttelndem Grimm, in den Abgrund!
   Nichtigem Spielwerk gleich, das zrnend der Knabe zertrmmert,
   Flog des Schiffes Geblk mit lautem Gekrach aus den Fugen.
   Trmmer und Leichen bedeckten des Meer's aufwirbelnde Fluthen;
   Aber sie sank, ermattet, zurck, und rollt' an dem Stamme,
   Ringelnd, sich auf: wie ein Seil umringelt den kreisenden Wellbaum,
   Wenn von des Meeres Grund die gewichtigen Anker sich heben.
   Und die Ceder erbebte der Last des lauernden Unthiers.

   Staunend vernahm der Kaiser den Lrm an Zafrano's Gestaden,
   Blickte nach Ludwig hin, und dieser enteilte gewaffnet,
   Rasch dem Gezelt; dann schifft' er auf Dorias herrlichem Fahrzeug
   Eilig hinber zur Bucht, wo, lauernd, das Scheusal der Ceder
   Sul' umschlang. Er hielt, und sann, wie er solches bezwinge.
   Sieh', und, brausenden Flug's, naht' ihm der edelste Rmer,
   Regulus: denn, begrend den ruhmverklreten Schauplatz
   Seines, der Weltstadt Rom heilbringenden Todes, gewahrt' er
   Attila's Hohn, und Muhameds -- auch des gestachelten Unthiers
   Wthenden Grimm, und des Jnglings Angst! Da rief ihm der Geist zu:
   Denke des Regulus doch, der einst durch Schleudergeschosse
   Hier die Schlange besiegt, und dem Volk Errettung gebracht hat![47]
   Und es erhob sich sogleich das Bild des edelsten Rmers,
   Schimmernd, vor seinem Blick: denn laut entboth er die Krieger:
   Windet die Wucht des ehernen Donnerrohres an Tauen
   Auf an den Bord; scharf ziele der fernhintreffende Wurfschtz,
   Und zerschmett're das Haupt des unheilbrtenden Scheusals.
   Also geschah's. Wohl zielte der fernhintreffende Wurfschtz,
   Wendend den ehernen Schlund mit dem leichtbeweglichen Richtkeil,
   Senkte die Lunt', und wandte sich. Laut, mit Donnergetmmel,
   Sauste die Kugel hinan, und ri den Wipfel der Ceder
   Krachend vom Stamm: er bebt', und still verharrte das Unthier,
   Da es die Schiffenden nher gelockt, erhaschte; doch Ludwig
   Sann hochrhmlichen Kampf. Ihm funkelten heller die Augen:
   Denn er geboth dem Steuermann urpltzliche Landung,
   Schwang sich hinaus, um dort, auf die Kniee gesunken, zum Himmel
   Flehenden Blickes zu schau'n, und sieh', ein Glanz, wie im Nachtgraun
   Flammt der Blitz, erhellete jetzo den schimmernden Luftraum;
   Go ihm freudigen Muth in das Herz, und hie ihn nicht achten
   Seines Volkes Geschrei; und als er den schrecklichen Degen
   Hoch aufschwang: da glhte die Spitze des Eisens, wie nchtlich
   Glhet die Wetterstang' im Gewlk, wenn rings in den Lften
   Ghrender Donner wogt! Er drang auf das Scheusal beherzt ein.
   Schauder erfllte die Welt. In dem dverstummenden Blachfeld
   Scholl nur leises Gezisch des Lauernden. Jetzo dem Gegner
   Flog's in schlngelndem Blitzesflug' entgegen, und strebte
   Ihn zu erhaschen. Er wich ihm behend' nach jeglicher Seit' aus,
   Stets abwehrend mit blinkendem Stahl des offenen Rachens
   Druende Wuth; doch jetzt in die Luft aufschwang er den Degen,
   Hieb, und trennte das Haupt von dem Rumpfe des scheulichen Unthiers,
   Der, entsinkend dem Stamm, mit Blut umhllte den Boden.
   Heulend vor Schrecken und Angst, entfloh'n die Geister, und eilten
   Muhamed nach, und Attila: fern in therischen Hhen
   Greres Unheil noch zu ersinnen dem Heere der Christen.
   Ludwig kehrte gepriesen, zurck: da liefen die Mnner,
   Jubelnd, zum Strand', und sah'n das khnzerschmetterte Scheusal
   Liegen im schwrzlichen Blut, und zucken, und schauern im Tod noch,
   Schaudernd sie selbst: denn grlich war es noch immer zu schauen.
   Dann mit des Waldes Raub belastend das rumige Fahrzeug,
   Eileten sie, zu erbau'n die vest'umzingelnden Schanzen.

   Wohl von den Reihen beschirmt gewaffneter Brder -- nicht achtend
   Dicht im Donnersturm' hersausender Feindesgeschosse,
   Grub an den Schanzen das Volk, und, wo in dem sandigen Boden,
   Hgelnd, kein Damm sich hob, und den kreischenden Spaten des Aufwurfs
   Sinkende Last stets wieder ereilte: da fgten die Krieger
   Stmm' auf Stmme, dem Wall zur dauernden Sttze. Den Weiden
   Raubeten andre ihr schlankes Gezweig, und flochten die Schanzkrb',
   Welch', erfllet mit Sand, und erhht auf dem Damme, den Wurfschtz
   Und die Donnerschlnde zugleich beschirmten im Feuer.
   Also erbauten sie drei, verderbendruende Schanzen
   An Goletta umher, in Gestalt des wachsenden Mondes,
   Wenn er, silbergehrnt, hinschwebt am sternigen Himmel.
   Rechts an den Oehlbaumwald, und links an den felsigen Meerstrand,
   Stie ihr Horn, und umkreiste nur halb die trotzende Festung:
   Denn auf dem Meer' umfing sie, dem silbergehrneten Mond gleich,
   Wieder die Schiffheersmacht: aus ihres verehrten Gestirnes
   Bild, ihr kam der Jammer gesandt, und die grause Vernichtung.
   Aber das ehrne Geschtz, von schnaubenden Rossen gezogen,
   Rckte zgernd heran; die Rder, im Sande versinkend,
   Knarreten unter der Wucht, und Schaum bedeckte die Rosse.

   Guasto, im Ehrengefolg zu Thaten gersteter Feldherrn
   Nahend, rhmte des Werk's ersehnte Vollendung, und sagte:
   Dreiig eherne Schlnd' und zehn bomb'schleudernde Mrser
   Schirmt Alarkon, der Held, in der mittleren Schanze voll Thatkraft,
   Und ihm gehorche die Schar viertausend hispanischer Krieger;
   Aber, nicht minder an Zahl, erfllen die Schanz' an dem Meerstrand',
   Niederlndern gesellt, Lusitania's Krieger: ihr Hort sey
   Ludwig, der tapfere Frst; doch jen' an dem suselnden Oehlwald
   Sey fnftausend Wlschen vertraut, und mein ist des Volkes
   Schirmende Huth. Das ehrne Geschtz, in jeder an Zahl gleich,
   Und an verderbender Macht, entsende zur Veste Vernichtung.
   Aber nicht dacht' er im Ernst die Schanze der Wlschen zu schirmen:
   Denn er versuchete nur den tiefverwundeten Helden
   Sarno, den er der Feigheit zieh im unseligen Walten
   Raschauflodernden Zorns, und nimmer lchelte seither
   Sarno's trauerumflossenes Aug'. Emprt in dem Busen
   Trat er nun aus dem glnzenden Kreis', und sagte zu Guasto:
   Wolltest du mir, erlauchter Gebiether, die Stelle vertrauen
   Dort am Olivengehlz, zunchst dem feindlichen Andrang:
   Da sich erweis' in der That, ob ich feig' erbebte dem Gegner?
   Guasto's Aug' umwlkte die Thrn'; er sagt ihm dagegen:
   Edler, die Schanz' am Olivengehlz, dem feindlichen Andrang
   Nher, sey dir vertraut zum Gewinn unsterblichen Ruhmes.
   Ha, nicht des Wortes mehr, des unseligen, das in dem Zorn mir
   Jngst entfuhr, gedenk': den Tapferen ziere die Gromuth!
   D'rauf both er ihm noch freundlich die Hand, und eilte von dannen:
   Denn schon fllten den Raum der vest'umzingelnden Schanzen
   Treffliche Vlker im Freudengejauchz', und rings von den Wllen
   Ghnte der ehernen Schlnd' entsetzendruende Mndung.
   Aber vor allen ereilten, im hurtigen Laufe die Krieger
   Sarno's ihr Ziel: sie erhob des wiedererheiterten Feldherrn
   Siegverkndender Blick, den lange die Trauer umhllte.
   Dort auf des Wall's vorspringendem Horn erhht' er voll Hast nun
   Seines Volkes Panier, das blutroth auf in den Lften
   Flatterte; sah vom gehgelten Wall, mit steigender Sehnsucht,
   Nach der Plne hinaus, zu ersph'n die feindlichen Scharen.
   Tausende sollten ihm nah'n: er hatte beschlossen zu sterben.

   Jetzo wre der Donnerrohr' und der ehernen Mrser
   Schreckliche Wuth um Goletta erwacht; doch, sausenden Rittes,
   Sprengte der Kaiser heran; ihm folgte der tapfere Alba,
   Diesem die Heldenschar zweihundert Reiter, und schimmernd
   Wehte das Friedens-Panier vor den Eilenden: denn in dem Busen
   Schlug ihm das Herz voll Huld und menschenfreundlicher Schonung.
   Nahend den Feuerwerkern im Flug', erhob er die Stimme:
   Haltet ein! Nicht ertne des Krieg's entsetzlicher Mordruf,
   Der in dem blindumwthenden Grimm so vielfach des Jammers
   Opfer huft, und so viel schuldlose Herzen zermalmet,
   Eh' denn Alba gekehrt aus dem feindlichen Lager. Wir biethen
   Auf errungenem Feld, zu furchtbarer Rache gerstet,
   Ihm vershnend die Hand. So er, taub, und rasend im Unsinn,
   Von sich stiee die Hand, und verschmhte des Friedens Bedingni:
   Dann auflodere ringsumher die Flamme des Krieges.
   Sieh', und den stachelnden Sporn in die Seiten des Rosses versenkend,
   Flog nun Alba davon mit seinem erlesenen Huflein --
   Flog, wie ein Sturm die Heide durchtobt! Doch jetzt, von Goletta
   Kommend, scholl ihm Gets' und Waffengerassel im Rcken.
   Sinam war's, der schnell mit tausend maurischen Reitern
   Nahete: denn er sah in dem Wind das schneeige Fhnlein
   Flattern: des Friedens Bild, den er ersehnt' in dem Busen
   Ob der Schtze daheim besorgt im grauenden Alter.
   Hemmet die Ro', ihr Christen, so rief er, den shnenden Herold,
   Wenn mich das Auge nicht triegt, gewahrt' ich in eurem Gefolg dort!
   Kndigt er uns, wohlweise berathen, die Worte des Friedens?
   Ja, sprach Alba beherzt, wir bringen euch heute den Frieden;
   Nehmt ihn getrost: denn besseren Rath ersinnet ihr nimmer!
   Jener lchelte Hohn; doch hing in dem brausenden Ritt oft,
   Seitwrtsblickend, sein staunendes Aug' an dem christlichen Feldherrn,
   Der im schimmernden Waffenschmuck, ein trefflicher Reiter,
   Eisern im Sattel sa, und stolzverstummend dahinflog.
   Jetzo die Straen entlang von Tunis, im Donnergalopp fort
   Jagte die Schar, und das wimmelnde Volk lief ihr mit Geschrei nach:
   Denn wie im sonnigen Lenz, wenn voll von duftenden Blumen
   Pranget der Hain, und pranget das Feld und der zierliche Garten,
   Zahllos summen in wrziger Luft die geschftigen Bienen:
   Diese, mit goldner Last an jeglicher Seite beladen
   Kehren, im Korb zu erbau'n die knstlichen Zellen; die andern,
   Ihm entschwirrend in Hast, fortzieh'n, auf den blhenden Matten
   Lieblichen Honigseim mit zart eindringendem Stachel
   Aus dem duftenden Kelch zu saugen, und kehren, und ziehen
   Sonder Rast: so war des unzhligen Volkes Gewimmel.

   Ueber der lrmenden Stadt, in Barda's[48] Zaubergefilden,
   Wo die herrliche Sommerburg die goldenen Zinnen
   Aus dem dunkelen Grn umsuselnder Hain' in die Wolken
   Thrmt, verweilte Hairaddin jetzt, und ordnete kundig
   Heeraufstellung und Kampf, im Kreise der horchenden Feldherrn.
   Dort im luftigen Saal, auf schwellende Pfhle gesunken,
   Sprach er mit Salek, und sprach mit Dragut und Muhamed Temtes,
   Eifernd, als Pferdegetrab in die Ohren ihm scholl, und die Nachricht
   Kam: ein Friedensboth' erscheine der christliche Herold.
   Sieh', ein Wink fuhr ihm, wie ein Blitz, aus den finsteren Wimpern,
   Und im Waffengeklirr aufkrachten die Thren; des Vorhangs
   Purpur flog zur Seite gerollt: denn pltzlich umringten
   Hundert Janitscharn, gefhrt von Hassan, dem Aga,
   Schirmend des Herrschers Thron, und sah'n, verschlingenden Blickes,
   Hin nach dem Fremdlinge, der an Sinams Seite herankam,
   Und dem Throne genaht, erhob die muthige Stimme:
   Dir, gromchtiger Herr, entbiethet der Kaiser der Deutschen,
   Und Hispania's Knig, durch mich, den Herzog von Alba,
   Freundlichen Gru, und sendet, noch ehe der wrgende Schlachtruf
   Tunis Gefilde durchtobt, dir sanfte Worte des Friedens,
   Da unzhliger Vlker Glck dem deinen vereint sey!
   Nicht gedenket er, dir zu entreien die Krone von Algier;
   Aber er heischt, zum Ersatz, fr Hassan jene von Tunis,
   Die er, erst jngst, mit heiligem Eid, ihm wieder zu schaffen
   Schwur, aufbiethend unendliche Macht. Auch sollst du in Freiheit
   Ziehen mit deinem Volk; entfhren die Schtz' und die Waffen,
   Wenn du zuvor den Christensclaven die Bande gelset,
   Und gelobet ihm hast, zu entsagen der schrecklichen Willkhr,
   Die nur auf Menschenraub und Plnderung grndet die Herrschaft.
   Frei ist das Meer: ein Bild der ewigen Vorsicht, umher, rings,
   Hlt es die Erd' umfat! Auf seinen unendlichen Bahnen
   Fliege des emsigen Kaufmanns Schiff, mit schimmerndem Fittig,
   Schnell von Port zum Port, im vlkerverbindenden Handel
   Freudig den Segen der einen Welt der andern zu spenden;
   Willig trag' es, wenn Noth es erheischt, ein muthiges Kriegsvolk,
   Das sich erhob, des Wthrichs Macht zu begegnen -- zu wehren
   Unterdrckung und Schmach, im blitzebewaffneten Bollwerk
   Hin zum sicheren Sieg; doch mg' es, emprt, in den Abgrund
   Schleudern das Schiff und den Ruber zugleich, der schnden Gewinns
      froh,
   Seine Fluthen entweiht, der Knechtschaft Opfer zu hufen!
   Unsere Losung sey: des Meers allsegnende Freiheit!
   Dunkelrthliche Gluth flammt' auf in den Augen des Wthrichs,
   Als er die Worte vernahm; er schwang auf dem purpurnen Pfhl sich
   Rasch herum, und ballte die Faust, und knirscht', und begann so:
   Ha, verwegener Christ, so trotzest du mir in das Antlitz?
   Fluch sey dir, und auch ihm, der dich gesendet! Hinweg -- stirb!
   Jetzo ereilt' ihn der Tod auf hundert blitzenden Sbeln,
   Rief nicht Sinam dem Volk: Vergreife dich nicht am Gesandten!
   Alsbald bebt' es zurck. Da stand voll ruhiger Hoheit
   Alba, und starrte mit festem Blick dem Wthrich in's Antlitz,
   Der, erblassend dem Blick, verstrt zum Boden hinabsah.
   Stille herrscht' in dem Saal, und lange noch starres Entsetzen.
   Aber der Milde bedacht, sprach Sinam: Erwhlter des Himmels,
   Seiner Glubigen Hort, und Liebling des groen Propheten,
   Schone des Herolds: denn wie die Laute mit tnenden Saiten
   Lautlos schweigt, bis ihr, nun frohe, nun traurige Weisen,
   Wechselnd, des Knstlers Hand entlockt: so hat er auch jetzo
   Nur getreu verkndet das Wort, das Herrschergewalt ihn
   Sprechen hie. Nur den verfolg', ein furchtbarer Rcher,
   Der ihn gesendet zu dir, so er stolz verschmhte den Frieden,
   Welchen du noch aus dem Born reichstrmender Huld ihm gewhrest.
   Hairaddin rief: Wohlan, vernehmet es, was ich beschlossen!
   Erst schafft ihr in Banden herbei den schwarzen Verrther,
   Muley Hassan, der, Unglubigen selber zum Spott nur,
   Feig der Rach' entrann. Auch hundert der greren Schiffe
   Mget ihr ohne Verzug uns geben als rettende Shnung,
   Da ihr noch frei heimkehrt, und entflieht der grausen Vertilgung.
   Sumtet ihr, dann Weh' euch: denn Hunderttausende harren,
   Voll blutlechzender Gier, der schrecklichen Losung des Mordens
   Nur, und ihr werdet vor ihnen wie Spreu vor dem Sturme zerstieben!
   Und er entlie ihn jetzt mit schndem Winke der Rechten;
   Blickte nach Dragut dann, und wieder nach Muhamed Temtes,
   Lchelnd. Er that, als acht' er ihn kaum, und ihm bebte das Herz noch
   Wegen des todverachtenden, mutherhelleten Blickes,
   Der ihm die Tiefen der Brust, gleich flammenden Blitzen, durchbohrte.
   Aber noch weilte der Held, und sprach zu dem Herrscher noch einmal:
   Gnnet mir gndig Gehr! Die Gattinn des edelsten Feldherrn
   Schmachtet, seiner beraubt, in Draguts harter Gewahrsam;
   Doch er gebe sie frei; die Lsung heischend nach Willkhr,
   Da sie des Wiederseh'ns unnennbare Wonne vereine.
   Schnaubend vor Zorn erhob sich Dragut, und rief ihm entgegen:
   Ha, du biethest mir Gold fr sie, die schn ist wie Houris[49] --
   Gold, das mir zur Beut' Europa gespendet? Ich whnte,
   Kommen wird der Gemahl, das Weib zu ersiegen im Zweikampf.
   Liegt ihm Tunis zu fern? Erzhl' uns, ist er so furchtsam?
   Alba, des Sptters nicht achtend, ging. Der edlere Sinam
   Folgt' ihm schweigend, und gab, an dem Thor, die maurischen Reiter
   Ihm zum Geleit, fern ber Goletta hinaus zu dem Wall hin.
   Hairaddin hob sich ergrimmt von dem Pfhl, und sagte den Feldherrn:
   Eilt an das blutige Werk, und sucht im strmischen Angriff,
   Heimlich und offenbar, in der Khle der Nacht und des Tages
   Menschen- und thier'ermattender Gluth, dem Feinde zu schaden,
   Bis die vereinte Macht unzhliger Bundesgenossen
   Uns auf das Schlachtfeld ruft, zum schrecklichen Kampf der
      Entscheidung!
   Jeglicher eilte zum Heer; doch Dragut, emprt in dem Busen
   Flog zu Mathilden heim, zu Toledo's unglcklicher Gattinn.

   Ach, sie duldete dort jetzt unaussprechlichen Jammer!
   Wie die Rose, dem wonnigen Lenz entfaltend die Knospen,
   Rings Entzcken weckt, und freudiges Staunen: so war sie;
   Aber, der Lilie gleich, da auf ihre, noch sprossenden Blthen
   Sengender Mehlthau fiel, hinschwand die zarte Gestalt nun,
   Nahe dem Leidensziel', in des Lebens herber Vollendung:
   Denn nicht ahnte sie noch in der Stund' entsetzlicher Trennung
   Von Toledo, die grere Qual: dem Kranken nicht ungleich,
   Der in des Fiebers Gluth, von Schreckgebilden umgeben,
   Noch die Schmerzen nicht ahnt, die bald, nach der Wiederbesinnung,
   Seinen, vom Fieber entfesselten Leib empfindlicher stacheln.
   Erst in Draguts Gewalt, des Wthrichs, gewahrte sie, bebend,
   Flle der Schmach, wo seine, nach ihr verlangenden Augen
   Sprachen, sein Mund ihr rief: sie werde, des Kindes genesend,
   Lagersgenossinn ihm seyn. Da schwand ihr pltzlich der Hoffnung
   Letzter, leitender Stern vom graunumnachteten Himmel;
   Furchtbar ghnte vor ihr der Abgrund; schauderergriffen,
   Bebte sie matt und matter zurck, und Strme von Thrnen
   Khlten das brennende Weh' in ihrer zerrissenen Brust nicht.

   Hugo, der Treue, gewahrt', und hrte den Jammer Mathildens.
   Vllig war ihm gebrochen das Herz vor lastender Wehmuth;
   Dennoch log sein Greisengesicht stets heiteren Trost noch:
   Da nicht dem wankenden Stamm die einzige Sttze geraubt sey;
   Doch als nun der Kaiser mit Heeresmacht vor Goletta
   Stand, den Regulus ihm als Retter verheien: da schien ihm
   Blauer die Luft, die Sonne viel glnzender, grner das Erdrund;
   Da durchzuckt' ihm das Herz der Freude verjngendes Feuer,
   Und er strzte herein, und rief der Dulderinn also:
   Segen mit dir! Erheitere schnell dein trauerndes Antlitz:
   Drauen am Strand erschien der Christen unendliche Heersmacht,
   Hairaddins Frevelgewalt zu vernichten im Kampf der Entscheidung,
   Und wo Siegsruhm winkt, auf dem Felde der Ehre, da sollten
   Wlschlands Helden nicht seyn? Nicht mit ihnen der edle Toledo?
   Hrt' ich es -- hrt' ich es nicht: er sey zugegen? Er ist es.
   Himmlische Wort', o mchten sie Muth und freudige Hoffnung
   Wecken in deiner Brust! Dem Jammer mute sein Ziel steh'n;
   Krnze des Sieg's reicht euch, erbarmend, die ewige Vorsicht
   Nun am Ziel, in der Wonne der seligen Wiedervereinung.
   Staunend erst, dann zrnend vernahm Mathilde des Greises
   Jubelnde Worte. Sie whnte betrbt: unwrdigen Scherz nur
   Sinne der Greis; doch jetzt entzckenstrahlende Wahrheit
   Schauend in seinem Gesicht, ergriff sie vernichtender Schrecken.
   Bleich entfuhr sie dem Stuhl, ihr bebten geffnet die Lippen,
   Wankte nher, und stand, und hielt den pochenden Busen,
   Aechzend; wankte zurck, und starrte durch quellende Zhren.
   Wie, und du weinst? sprach Hugo erstaunt, das gnnt' ich dir endlich:
   Denn oft stillet die Thrn' unendliches Weh' in dem Herzen;
   Aber nicht Thrnen der Freud' ersieht mein Aug' in den deinen,
   Die es zu sehen gehofft, und ach, vergeblich gehofft hat!
   Und sie begann: Nicht Thrnen der Freud' erblickst du fr jetzt noch,
   Redlicher; doch versiegen wird nun jene des Kummers!
   Nein, ich weine nicht mehr: denn soll ich den Ewiggeliebten
   Wiederseh'n, o, dann, dann werden die heiesten Wnsch' all'
   Mir in dem einen gewhrt: da ich sterb' an dem Herzen Toledo's!
   Ach, so schluchzte der Greis, den Tod ersehntest du jetzo?
   Heimwrts schiffet ihr bald, und spt im grauenden Alter
   Schlummert ihr beide beglckt zum schneren Leben hinber!
   Aber sie schttelt' ihr Haupt, und begann in sinnender Schwermuth:
   Wie die unschuldige Taube, verscheucht, und im Fluge gemordet
   Von dem schmetternden Blei, ihr Nestchen verdet zurcklie:
   So aus der den Brust entfloh mir die Hoffnung fr immer;
   Nie kehrt sie mehr zurck. Des Ewigen Wille geschehe!
   Und noch hellere Fluth entstrzte den Augen Mathildens.

   Jetzt ertnte Gerusch, und Dragut, der Schreckliche, strmte
   Hastig herein: sie erbebte vor ihm, und wandte sich seitwrts.
   Hlicher noch von der Wund' im Gesicht', die gestern Toledo
   Ihm versetzte, begann er vor ihr mit grimmigem Lcheln:
   Thrnen umhllen dein Aug', nun dir der zrtliche Gatte
   Nah' ist? Die Schulter durchrannt' ich ihm, kmpfend, erst; von dem
      Nacken
   Htt' ich gehauen sein Haupt, und dir vor die Fe geworfen;
   Wr' er nicht feig entfloh'n vor dieser gefrchteten Rechten.
   Flammende Rth' umzog die Lilienwangen der Edlen,
   Und sie erhob die, sonst zur Erde gehefteten Augen
   Ob des schmhenden Wort's nun stolz, und voll khner Verachtung
   Gegen den Wthrich, und schwieg. Da sprach er von neuem ergrimmter:
   Whn't ihr thricht im Geist: wir sollen erliegen im Schlachtfeld
   Euerem Volk? Welch eiteler Wahn! Und sollt' es geschehen,
   Dann, ich schwr' es zu Gott und dem groen Propheten, erwrg' ich
   Dich mit eigener Hand, eh' dich dein Gatte mir raube!
   Also droht' er, und ging. Mathilde erforschte den Treuen,
   Aengstlichen Blicks; sie rang die Hnd', und sagte vergehend:
   Seine Schulter durchrannt von Draguts tdlichem Eisen?
   Weh', er starb: nicht an seiner Brust verhauch' ich das Leben!
   Hugo sphet' umher, und sagte mit leiserer Stimme:
   Traue dem Lgner doch nicht. Toledo's blitzendem Degen
   Wr' er genaht, und lebete noch? Bald leuchtet der Vollmond
   Dir auf dem nchtlichen Pfad zur Felsenhhle des Waldes.
   Staune nicht so: das Schiffchen harrt, und trgt dich, errettend,
   Ueber den See, Toledo's geffneten Armen entgegen.
   Hugo, und du, sprach jene bewegt, willst du mich verlassen?
   Unstt irrte sein Blick umher, dann sprach er im Abgeh'n:
   Lauern des Wthrichs Spher nicht auf? Nur diese zu tuschen,
   Harr' ich des Morgens noch, und werde dir, Gtige, folgen.
   Sagt' es, und ging voll Hast, als drngten ihn wichtige Sorgen;
   Aber sie stand, und bebte: sie hatte den Treuen errathen.

   Drben im Lager vernahm der Kaiser von Alba mit Staunen
   Hairaddins Trotz: wie er ihm auf Tod und Leben den Kampf both.
   Ernst umwlkte sein Aug', und jetzt, erhebend den Degen,
   Hie er beginnen den Sturm, von den Wllen umher, auf Goletta.
   Sieh', als wren der Hlle zugleich entronnen die Schrecken
   All', so wthete Lrm und Gets' um die Veste! Der Wurfschtz'
   Rhrte des Brndchens Rohr mit der Lunt': im blulichen Rauch flog
   Flamm' empor; zurck, dann eilender wieder zur Stelle
   Rollte der eherne Schlund, und warf durch Feuer und Flammen,
   Donnernd, im Bogenwurf die Kugel zur Veste hinber.
   So von den Schanzen, und so von dem Meer hinsausten die Kugeln;
   Aber nicht minder zurck von dem Wall der trotzenden Festung
   Sausten sie hin und daher, voll Grau'ns: denn hoch in des Himmels
   Blulichem Zelt durchkreuzten sich oft die feindlichen; bebend
   Drnte die Erd' umher, und laut aufheulte der Luftraum.

   Herrschend mit Allmacht sa die goldenstrahlende Sonne
   Nun auf ihrem mittglichen Thron, und schleuderte rastlos
   Glhende Pfeil' auf Afrika's Sandgefilde herunter.
   Nicht die befiederten Snger der Luft, nicht das zahmere Hausthier,
   Noch das Gewild, belebten die Welt; sie suchten des Hofraums
   Schatten, die Nacht der Hhl', und des suselnden Waldes Umlaubung.
   Auch der Stdter zugleich, und der niedrigen Htte Bewohner
   Schlummerte sorglos jetzt in der Khle der dunkelen Kammer.
   Aber nicht weht' in des Lagers Raum erfreuende Khlung,
   Wo das luftige Zelt nicht schirmte den lechzenden Krieger
   Gegen den glhenden Hauch des Tag's, und nirgend ein Bumchen,
   Nirgend ein Strauch ihm both die Zweige zum schattenden Obdach.
   Schweraufathmend und trg', umwandelten dort auf dem Walle,
   Und den Graben entlang, die Wachen; des blanken Gewehrs Last,
   Sonst dem Krieger ein Spiel, lhmt' ihm den Arm und die Schulter.
   Dster blickte sein Aug' aus den halbgeschlossenen Liedern
   Hinter dem glhenden Helm hervor; in gewichtigen Tropfen
   Rann ihm der Schwei von der schmerzgefalteten Stirne herunter,
   Und die schmachtende Zung' erstarrt' an dem trockenen Gaumen.
   Deutschlands Shne, vor allen zuerst, entnervte der Sonne
   Sengender Strahl: sie whnten sich all' in der Fremde verloren.
   D'rum rief Siegmar jetzt, der Hesse, zu Walther dem Bayer:
   Welch ein Geschick ereilt uns hier in dem Lande des Fluches:
   Wren wir nie ihm genaht! O Deutschland, edele Heimath,
   Schn vor jeglichem Land, das rings im kreisenden Umschwung
   Irgend die Sonne bescheint! Den Deutschen, der dich nicht ehrte --
   Liebte vor jeglichem, ha, den treffe nur Schmach und Verachtung!
   Siehe, wie lstig dahier der ewigheitere Himmel
   Lchelt, und o wie entzckt mich dort des strmischen Winters
   Ernste Stirn', umhllt von schneebelasteten Wolken:
   Denn sie entschtteln die Last, und ringsum schimmert die Gegend
   Hell bei Tag und bei Nacht, im Sterngefunkel und Mondglanz.
   Eisern fat mich am Morgen sein Hauch, und unter den Sohlen
   Knarrt der Schnee; mein Odem wallt, gleich Nebeln, um mich her.
   Bald ergreift mich die Lust, mit hherer Gluth auf den Wangen,
   Hinzugleiten auf spiegelndem Eis, das unter den Schlittschuh'n
   Ehern tnt; bald spann' ich mit Freuden das schellenbekrnzte,
   Dampfende Ro an den Schlitten, und flieg' in dem windenden Thal hin
   So, da das frohe Geklingel umher von den Bergen zurckhallt;
   Doch heimkehrend, erseh' ich, bewegt, wie im rosigen Abend
   Glhen die Berg', und fern' im Gefild vom lastenden Schneedach
   Wirbelt die Sule des Rauchs, der dort mich zu Freuden des Lebens
   Ladet im Kreise der Lieben, beim herzerheiternden Festmahl.
   Deutschland, edeles Land, stets sollst du vor jedem mir werth seyn!
   Unmuthvoll ihm sagte darauf der mrrische Walther:
   Froh gedenkst du des Schnee's, und der Freuden des eisigen Winters
   Nun; doch khlest du mir die Gluth der schmachtenden Brust nicht.
   So besprachen sich dort die tapferen Kriegesgefhrten.
   Auch die muthigen Ross' erschlafften des heieren Mittags
   Glhendem Hauch: sie beugten, und hoben ihr Haupt in die Luft auf,
   Rastlos; suchten, gedrngt im Kreis', des eigenen Schattens
   Khl', und stampften, und scheuchten, geqult, die lstigen Fliegen
   Sich mit dem tnenden Schweif, von der Seit' und dem zuckenden Bauch
      fort;
   Aber nur gieriger summten sie auf, und kehrten erboter.

   Muhamed sah vom Gewlk, wie Salek, der listige Feldherr,
   Ordnend den Hinterhalt, von Goletta herber im Hohlweg
   Mchtige Scharen barg, und mit tausend numidischen Reitern,
   Sphend den Wald entlang, herzog dem Feinde zum Unheil.
   Jetzt auf dem Wall erblickend die Wache besorgenden Christen,
   Hemmt' er, vor Angst erbebend, den Zug, und wre geflohen.
   Doch, wie die lauernde Spinne hervor aus dem Winkel am Fenster
   Dorthin fleugt, wo im schwebenden Netze die Fliege, gefangen,
   Nun vergeblich sich mht zu entkommen den klebrigen Fden:
   Denn sie ergeut der Bande noch mehr, sie ganz zu umspinnen:
   Muhamed strzete so zu Salek herunter, und nimmer
   Konnt' er entflieh'n, bethrt von des Geistes verderbenden Worten.
   Salek, so rief er ihm zu, die Shne der Fremde besiegte
   Frhe schon Hitz' und Durst; erkmpfe den leichteren Sieg dir
   Heut' in dem furchtbar'n Hinterhalt! Du lockest des Feindes
   Tapferen Hort, der dort umwandelt in sinnender Schwermuth,
   Durch verstellete Flucht in des Hohlwegs tdliche Falle.
   Also der Geist. Da flog, gehorchend, der Zgernde vorwrts.
   Sarno war's, der hoch auf dem Wall', in sinnender Schwermuth
   Wandelte. Jetzt, aufqualmenden Staub in der Ferne gewahrend --
   Hrend der Pferde Getrab, entri er der Scheide den Degen
   Halb, und stand, und harrte der Kommenden; aber voll Unmuths
   Drngt' er den Stahl in die Scheide zurck: denn viel zu gering' ihm
   Dnkte des Feindes Macht, und rief zu Belindo, dem Hauptmann:
   Eile den Frechen dort mit hundert erlesenen Kriegern
   Muthig entgegen; sie flieh'n vor eurem zermalmenden Blick schon.
   Jetzt, wie im dunkeln Forst der leis'auftretende Weidmann,
   Schauend die weidende Schar der Hirsch' auf den blumigen Matten,
   Die, an der Schnur gekoppelten Hund', entledigend, vortreibt:
   Diese entfahren mit lautem Gebell dem felsigen Abhang,
   Jene erheben ihr stiges Haupt, und fliehen geschreckt fort:
   So, von Belindo gefhrt, entfuhren die tapferen Krieger,
   Brausend, dem Wall', und streckten mit mordenden Feuergewehren
   Aus der fliehenden Schar wohl dreiig, getdtet, zu Boden.
   Bald entschwanden sie all', und jauchzend kehrten die Sieger.
   Aber nicht lange, da kam, von mchtigen Scharen umgeben,
   Salek zurck, und rief die hhnenden Worte herber:
   Traun, nicht unhold ist's, dort hinter den schirmenden Wllen
   Ruhig im Mittagsschlaf die faulen Glieder zu dehnen;
   Hinter gethrmetem Bollwerk sucht der feigere Krieger
   Gerne sein Heil -- der tapfere Mann in dem eigenen Muth nur!
   Kommt, wir sandten die Reiter zurck, vor welchen ihr bebtet;
   Lat uns in gleicher Zahl versuchen des Kampfes Entscheidung!
   Sarno schrie ergrimmt: Fnfhunderte mgen mir folgen!
   Sagt' es, und strzte vom Wall' -- ihm folgten die tapferen Krieger.
   Kaum entbrannte der Kampf; nur sparsam benetzte den Sand erst
   Maurisches Blut: da floh'n, ablenkend, die listigen Scharen
   Vom Olivengehlz zu dem trugverbergenden Hohlweg.
   Rastlos wthete Sarno's Schwert dem Feind in dem Rcken,
   Und er huft' ergrimmt die Leichen: dem Schnitter nicht ungleich,
   Der mit dem blinkenden Stahl die Garben huft auf dem Saatfeld;
   Doch, da strmte vom Walde heran, von Goletta herber,
   Und aus den Tiefen herauf des schlauverborgenen Feindes
   Wimmelnde Meng' auf Sarno: er stand, und es bebt' ihm das Herz nicht,
   Das nur Schlachten ersehnt, und Gefahren des Todes gewollt hat.

   Salek kam, wie ein Hagelgewlk im brausenden Sturmflug,
   Nher mit seinem Volk. Nie hatt' ihn das feurige Streitro
   Also getragen: so schnell, so wild emprt, und vor Ingrimm
   Schnaubend. Muhamed war's, der jetzt mit seinen Erwhlten
   Jeglichen Reiters Pferd durch schreckende Gaukelgestalten
   Vorwrts trieb: denn solches vermgen die luftigen Geister.
   Salek ersah das Wei' im druenden Auge des Gegners
   Schon, und ri sein wthendes Ro zurck mit dem Zgel:
   Aechzend bumt' es sich auf, und bog, umlenkend im Sandstaub,
   Gegen Sarno die Brust, der, eh' es den vorderen Huf noch
   Senkte, den blinkenden Stahl ihm tief in die Weiche des Bauches
   Stie, da es laut hinkracht' im Fall, und den Reiter herabwarf.
   Salek raffte sich auf, und schwang den blitzenden Sbel
   Ueber des Gegners Haupt; doch, ehe der tdliche Streich fiel,
   Bohrt' er auch ihm den rauchenden Stahl mit der nervigen Rechten
   Fest in die Brust. Sein Auge brach; die geffneten Lippen
   Bebten ihm; bleich im Tod hinsank er, und regte sich nimmer.

   Muhamed floh, und ihm heulte, bestrzt, sein luftiges Volk nach.
   Auch erstarrten die Mauren vor Angst: den sterbenden Feldherrn
   Schauend in seinem Blut; doch bald erwachte des Mordens
   Wthende Gier in allen zugleich; sie schrie'n zu dem Himmel
   Fluch und Verwnschungen auf, und umbrausten den Sieger. Nicht anders,
   Wenn der Jger im Hain, todsinnend dem kleinen Gevgel,
   Einen stattlichen Uhu mit List an den ragenden Lockbaum
   Aufstellt, wthen die Vgel um ihn, und kreischen, und schreien,
   Rach'erfllt: denn oft raubt' er im nchtlichen Dunkel,
   Von dem belaubten Zweig die Entschlummerten, oft aus der Felskluft;
   Aber er schaut, aus groen, der Sonn' erblindeten Augen,
   Ruhig umher, und scheuchet die furchtsamen hin und herber:
   Also umdrngten auch hier den edeln Sarno die Gegner,
   Rache schnaubend, und links, und rechts sank Reiter und Fuvolk,
   Das ihm genaht. Auch kmpften um ihn die treuen Gefhrten,
   Heldenmthigen Sinns, und tilgten die feindlichen Haufen.
   Jetzt an des Todes grimmigem Fest, umhgelt von Leichen,
   Triefend von Schwei und Blut, erwachte die Liebe des Lebens
   Mchtig in seiner Brust. Er wollte sich fechtend zurckzieh'n,
   Da er im rhmlichen Kampf, hier weichend der schrecklichen Mehrzahl
   Nur, so dacht' er, bewies: ihn schmht' einst Guasto mit Unrecht.
   Sieh', und als er das Volk in dem Rckzug ordnend, sich wandte,
   Und verrtherisch sich vom Helm' der glnzende Harnisch
   Sonderte, da durchfuhr mit schmetterndem Schlage die Kugel
   Ihm das Genick; er sank, und rchelte sterbend am Boden!
   Feindliches Jauchzen erscholl, und es droht' ihm entsetzlicher Frevel;
   Aber Belindo sprang vor ihn hin, und rief den Gefhrten:
   Ewige Schande fr euch, lat ihr die Leiche des Helden,
   Feiggesinnet, dem Feind' zum Gesptt' und frevelnden Unfug.
   Schon umstrmt' ihn der Feind; doch so wie die sugende Brinn
   Sich vor der Hhl' aufstellt, wenn rings die grimmigen Rden
   Von dem Jger gehetzt, ihr nah'n, und immer zurckschaut,
   Immer den nchsten erhascht, und mit furchtbarrstigen Klauen
   Ihn umklammernd zerreit, da heulend die andern entfliehen:
   Also hielt er die tobende Schar von der Leiche des Feldherrn,
   Fechtend, zurck, bis zween, an Kraft gepriesene Krieger,
   Ihn, zur Erde gebckt, auf die Schultern erhoben, und heimwrts
   Trugen voll Eil' und Hast, nach den trefflich geschirmeten Wllen.
   Ihnen folgten am Fu die schnellverwaisten Gefhrten --
   Auch von Belindo verwaist: denn ach, unzhlige Lanzen
   Whlten in seiner gewaltigen Brust, und, vom Rumpfe gehauen,
   Sollte sein edeles Haupt zur Schau dem gaffenden Volk seyn!
   Aber die Christen floh'n nicht feig' und in wilder Verwirrung:
   Denn sie wendeten oft die trotzige Stirne dem Gegner,
   Feuernd aus schmetterndem Rohr, entgegen. Da brausten die Scharen
   Wieder zurcke mit lautem Geschrei: wie die Hunde des Schfers,
   Die den muthigen Stier mit Gebell verfolgen im Blachfeld,
   Heulend entflieh'n, so oft er, gesenkt, die furchtbaren Hrner
   Gegen sie wendet, und brllt, und Sand aufschleudert zum Himmel.

   Jetzt ersah'n vom Wall die wachebesorgenden Krieger
   Unheilkndenden Staub; dann nher die flchtigen Scharen
   Ihres Volks, von dem Feinde gedrngt; sie hrten vernehmbar
   Kampfesgets' -- o Jammer, sie sah'n und erkannten den Todten!
   All' entfuhren zugleich dem Wall, den theuren Gefhrten
   Rettend zu nah'n, und es bebte der Feind den Druenden. Alsbald
   Wandt' er den Rcken, und floh nach Goletta's Mauern hinber.
   Schweigend nahten die Krieger dem Wall. Zur Erde geheftet
   Starrete jegliches Aug': es blickte zuweilen mit Angst nur
   Nach dem Entseeleten hin, und go dann hellere Tropfen
   Ueber die bebende Wang', auf die brtige Lippe herunter.

   Doch vor seinem Gezelt, auf zwlf, untadligen Schilden
   Lag er jetzt mit der Fahne des Ruhms, die er einst vor Pavia's
   Mauern errang, wo Frankreichs Stolz dem siegenden Kaiser
   Huldigte. Dort sollt' ihm ein Ehrenmaal sich erheben:
   Denn sie erhhten den Schaft hochragender Speere: zum Haupt hin
   Zween, und zween zu den Fen, gebohrt in den Rasen, im Viereck;
   Hingen zum Wappenschild gewehrdurchkreuzende Degen,
   Schimmernde Panzer und Helm', in der Mitte des ragenden Speers auf;
   Kehreten dann g'en Mitternacht, und kehrten zum Mittag,
   Auch zum Auf- und zum Niedergang des ehrnen Geschtzes
   Druende Mndung hinaus. Er lag, das Antlitz zum Himmel
   Wendend; die Linke bedeckte die Brust, und den tapferen Degen
   Hielt die Rechte umfat, noch wie zu dem Kampfe gerstet.
   Rings umstand ihn das Volk. Ein Tapferer rhmte mit Thrnen
   Allen umher den Heldenmuth des edelsten Fhrers,
   Als Amino gesprungen kam, der treffliche Sprer
   Hochgewilds: sein Liebling, ihm treu, und ergeben, und wachsam.
   Winselnd roch er das bleiche Gesicht und die schneeige Hand ihm;
   Sah zu den staunenden Kriegern empor, und heulte dann laut auf,
   Und von neuem begann Wehklag' um den edelsten Feldherrn.




                             Achter Gesang.


   Stets erschtternder scholl ob Sarno's Tod in dem Lager
   Lrm aufjammernden Volks: denn erst nur ein leises Geflister,
   Dann der Rache Geschrei flog schnell vom Zelt zum Gezelt hin
   Brausend. Wie der nahende Sturm das Laub in dem Hochwald
   Erst nur leise bewegt; dann bald, emprteren Grimmes,
   Schttelt, und wthender, Zweig' auf Zweig', und Wipfel auf Wipfel
   Schleudert, da zwei, zur Reise gesellt, hineilende Wand'rer,
   In dem Gebraus', auch schreiend, nicht hren das eigene Wort mehr:
   Also erscholl Wehklag' und Lrm umher in dem Lager,
   Bis er erreichte des Herrschers Ohr, der, stehend am Eingang
   Seines Gezelts, dem nahenden Guasto voll Ungeduld zurief:
   Haben die Feinde gesiegt? Uns irgend Verderben bereitet?
   Unser die Schuld! sprach jener. Vom Feind, in die Falle gelockt,
      starb
   Sarno den selbsterkorenen Tod; der tapfersten Krieger
   Fnfzig fielen mit ihm; Verwundete zhlen wir hundert.
   Und er kehrte zurck mit trauerndem Herzen. Des Helden
   Jammergeschick, den er im eifernden Zorne der Feigheit
   Zieh, schmolz nun sein starrendes Herz, und ihm thauten die Wimpern.
   Aber der Kaiser schwang sich rasch in den Sattel, und jagte
   Brausend zur Schanze hinaus, wo Sarno erhht auf dem Schildbett
   Lag. Nicht erkhnte sich jetzt sein Volk, das, trauererfllet,
   Ihn umgab, zum Herrscher den dsteren Blick zu erheben:
   Denn es erbebte der Schmach, den Lorber verwelket zu schauen,
   Der ihm die Fahn' umwand zum Lohn errungenen Sieges.
   Innig bewegt ersah der edelste Kaiser des Volkes
   Trauer; er lchelte mild, und rief mit ermunternden Blicken:
   Wandelbar ist der Schlachten Geschick. Wer schildert den Unhold,
   Der es beherrscht, und oft von dem frheren Gnstling das Antlitz,
   Schn und furchtbar zugleich, zu dem Letzterkorenen wendet?
   Aber ihn halte der muthige nur mit eisernen Sehnen
   Fest: er kehrt, und jauchzt mit donnerndem Schlund ihm den Sieg zu.
   Soll euch schmh'n der Tapf're, da ihr, gedrngt von der Mehrzahl,
   Und des Gebiethers beraubt, mit zgerndem Schritte gewichen?
   Ferne sey's! Doch jetzt versenket die Leiche des Feldherrn
   Schnell in das Grab; verhllt es mit grnenden Zweigen und huft dann
   Erde darauf, bis wir ihm erhh'n ein dauerndes Denkmaal.
   Eiliger ritt er zurck: da priesen die Krieger des Kaisers
   Unbegrenzete Huld, der statt verwundenden Tadels
   Worte des Trostes sprach, und den Tapferen Ehre gewhrte.
   Und sie bestellten die Leich' alsbald, dem Herrscher gehorchend.

   Aber es wthete fort und fort des schweren Geschtzes
   Donnernde Macht um Goletta: denn bald von den kreisenden Schanzen,
   Bald von dem wogenden Meer hinsausten die Bomben und Kugeln,
   Und nicht minder zurck von den Wllen der trotzenden Festung
   Sausten im Donnersturm die schrecklichen her nach den beiden.
   Stets verderbender warf die Macht der entsetzlichen Mrser
   Mauern und Schanzen in Schutt, und hufte zermalmend die Leichen.
   Dort in dem grausen Gets' umhagelnder Donnergeschosse
   Sprengte der Kaiser den Wall entlang, und erweckte die Vlker,
   Ruh'ausstrahlenden Blick's, zu freudigem Muth in Gefahren.
   D'rauf, zu Guasto gekehrt, aufboth er ihn, scheidend, noch also:
   Sieh', bald dmmert die Nacht: dann strebe, noch ehe der Vollmond
   Ueber die schlummernde Welt sein Strahlenantlitz heraufhebt,
   Durch Laufgrben[50] und Schanzenbau Goletta zu nahen,
   Da sie uns neige das Haupt, erstrmt am kommenden Morgen!
   Sieh', und als er jetzt zu dem Grab, das eben die Krieger
   Sarno erhheten, kam, da ducht' ihn: ein Sthnen und Aechzen
   Komm' aus dem schattenden Laub! Er sprang aus den sthlernen Bgeln,
   Innigbewegt: denn einen verwundeten Krieger zu schauen,
   Whnt' er, und, ach, ihm kroch, aufheulend, der treue Amino
   Sarno's entgegen, und leckt' ihm die Hand! Er streichelt' ihm freundlich
   Rcken und Haupt, und lockt' ihn fort, enteilend, und kehrend;
   Doch er schleppte sich langsam zurck, und senkt' auf die Pfoten
   Hin sein mdes Haupt; dann winselt' er sterbend am Grab noch
   Seines getdteten Herrn. Hei rann an den Wangen des Kaisers
   Jetzo die Thrne herab; er kehrte beklommen in's Lager.

   Abendlich zitterten schon die riesigen Schatten der Krieger
   Auf dem glhenden Sand; schon hauchte die schimmernde Meersfluth
   Khlere Luft, und es blickte die scheidende Sonne noch einmal
   Ueber der Flammenbahn endloser Fluthen herber --
   Nickt', und sank in ihr Wogenbett im rosigen Westen.
   Aber sie hauchte noch lang, mit sanftverglhendem Antlitz,
   Purpurrthlichen Duft nach Osten: des kommenden Morgens
   Heitre verkndend, und, sieh', in langen Zgen der Hochlust,
   Sog ein jeglicher Mann im Heere die liebliche Khlung
   Ein, und jubelte laut: denn schnell versiegte der Schwei ihm
   Jetzt an seinen, vom Abendwind umsuselten Gliedern!
   Diese besorgten das Mahl, unzhlige Flammen emprend;
   Jene gruben die blitznachahmenden Weg' in dem Zickzack,
   Sonst Laufgrben genannt, die Erde zur schirmenden Brustwehr
   Gegen die Vest' aufdmmend, und dort, dem Ziele genahet,
   Gruben sie auch die Schanzen umher, und fhrten Geschtz ein.
   Furchtbarer drnte die Erd'; aufheulte der flammende Luftkreis:
   Denn von neuem begann der vestenzertrmmernde Donner.

   Jetzt umhllte die Nacht mit dunkelem Schleier die Gegend:
   Jene, so langersehnete Nacht, des lieblichen Vollmonds
   Stille Verkndigerinn, die jngst, mit der Freiheit, Mathilden
   Himmelswonne verhie, und, ach, voll Jammers dahinschwand!
   Sieh', in dem schattenden Laubengang des zierlichen Gartens,
   Der an des See's Gestad', von thrmenden Mauern umfangen,
   Lag, lustwandelte sie in des Abends heiliger Stille
   Tglich umher! Sie erzhlete dort lautweinend den Bumen
   All ihr Wehe: sie suselten Trost, und den Blumen ihr Unglck:
   Ihr erglnzte die Zhr' aus dem duftenden Kelch, und ihr Wehruf
   Scholl, dem klagenden Laut der Nachtigall hnlich im Lenzmond.
   Keiner der Mnner betrat, die Straf' urpltzlichen Todes
   Scheuend, den Laubengang am dmmernden Abend; nur Hugo
   Durfte der Einsamen nah'n, dem Dragut vertraute vor allen.
   Aber es hatt' erst jngst ein Fischer die drftige Htte
   Nahe der furchtbar'n Mauer erbaut aus duftendem Schilfrohr;
   Zog im Grauen der Nacht das weitumschwimmende Fangnetz
   Nach dem gleitenden Kahn, und both den krglichen Vorrath
   Morgens, am Strande des See's dann feil, laut rufend, und rhmend.
   Nicht verdchtig erschien dort Kurd, der trauernde Fremdling.
   Emsig trocknet' er heute sein Netz am heimlichen Pfrtchen,
   Das im dunkeln Gebsch, in der Mauer der sphende Hugo
   Fand, und harrte mit Angst der Stunde der Flucht und Errettung;
   Doch von dem Minaret verkndete jetzt die ersehnte,
   Heiseren Ruf's, der finstere, stundausrufende Iman.
   Heftig bebte Mathild', als Hugo's eilender Futritt
   Nher erscholl. Was pocht die trauernde Herz so gewaltig?
   Sprach sie, und hielt sich die Brust, und schritt nun hin- und herber
   Eilend, als sollte sie flieh'n. Dann rief ihr flehender Blick noch:
   Lass' an des Gatten Brust es brechen, o ewige Vorsicht!
   Hugo ergriff Mathilden am Arm, und fhrte sie schweigend
   Durch verschlung'nes Gestruch zu dem leis'erffneten Pfrtchen,
   Sank auf die Knie', und drckte mit langem, mit innigem Kusse,
   Seinen Mund auf den Saum von ihrem wehenden Kleid noch.
   Aber sie stand todbleich, und fate mit zitternden Hnden
   Hugo's grauendes Haupt, und weint', und konnte nicht sprechen.
   Nun geboth er die Flucht, und eilte zurck in den Hofraum:
   Keiner gewahrte die Thrn' an seinen zuckenden Wangen.

   Siehe, der Vollmond hob sein silbernstrahlendes Antlitz
   Eben in Osten herauf, als Dragut zur eiligen Heimkehr
   Spornte sein schnaubendes Ro; im Klirren des Waffengeschmeides
   Sprang er vom Sattel, und schrie, da rings erbebten die Hallen:
   Hugo, weilt die Gebietherinn noch lustwandelnd im Schatten?
   Wehe dir, thrichter Arzt, wenn, khlumschwrmend, des Lftchens
   Hauch ihr Leiden erregt, und nagender Gram mir zu Theil wird!
   Schweigend winkt' ihm der Greis, und lang' umirrend, mit Absicht,
   Durch des laubigen Hains verschlungene Pfade, nur spt erst,
   Kam er zum Pfrtchen im Busch, und sprach: Die erbarmende Vorsicht
   Zeigte den Ausweg mir zur Rettung der edelsten Gattinn
   Meines Gebiethers: sie floh im gleitenden Kahn, und Toledo
   Trgt auf den Armen sie heim, wo im seligen Bunde der Herzen
   Sie vergesse des Raubs, und der schrecklichen Nhe des Rubers.
   Wthe nach Willkhr jetzt: hier liegt dein williges Opfer.
   Sagt' es, und both, auf beide Kniee gesunken, das Haupt ihm
   Lchelnd zum Tode dar. Im himmlischen Siege der Gromuth
   Schwelgte sein edeles Herz auf jener geheiligten Stelle,
   Wo er des scheidenden Engels Kleid an die Lippen gepret hielt.
   Leblos stand, und starrt', an jeglicher Miene verzerret,
   Dragut nach Hugo hinab; nur langsam lste der Wuthkrampf
   Seiner Glieder sich auf: sie bebten, vernehmlich den Ohren,
   Und das Knirschen der Zhn' erscholl in dem Laubengewlb' dort.
   Endlich begann er -- nicht mit des Zorns zermalmenden Lauten,
   Dennoch schrecklicher: kalt, und grimmig, so vor dem Alten:
   Elender, wie, durch Draguts Hnde zu sterben, verlangst du?
   Keiner ersann noch den Tod, der dir, Verruchter, zu Theil wird!
   Schnaubend floh er von ihm; bald klirrten die lastenden Ketten
   Nher. Mit lchelndem Blick darboth er den Knechten des Wthrichs,
   Die ihm nur schchtern genaht, die Hnd' und die Fe zur Fess'lung,
   Und sie schleppten ihn fort in die Todeshhlen der Hochburg.

   Aber die sanfte Dulderinn lag im eilenden Fahrzeug
   Dicht mit Netzen verhllt, und starrte hinauf in des Vollmonds
   Liebliche Helle: der Gegenwart zermalmende Leiden
   Schwanden vor ihrem Blick. Wie, fern verschlagen, der Schiffer
   Freudig den Hafen schaut durch schwindende Nebel des Morgens,
   Sah sie entzckt des Friedens Gefild', und hrte mit Wonne
   Sanft verhallen im Sternenzelt Harmonieen des Himmels.
   Jetzt, entronnen des Wthrichs Macht, am felsigen Ufer
   Landend, hob sie sich auf aus der Tiefe des schwankenden Kahnes.
   Kurd erschrack: denn ein' Unsterbliche whnt' er zu schauen:
   Also erhaben an Huld ihn dnkte die Gattinn Toledo's.
   Doch an der schroffen Bahn aufwrts zur Hhle der Felswand
   Klimmend, ruhte sie oft, gesttzt auf den redlichen Fhrer,
   Der mit heiliger Scheu an der Seite der Hehren emporstieg.
   Hier, so sprach er, im stillen Schoo der rumigen Felskluft,
   Mgest du ruh'n; bald kommt, auf Flgeln der Liebe getragen,
   Dein erlauchter Gemahl; du folgst ihm zur Wonne der Zukunft.
   Aber die Augen, von Thrnen schwer, erhob sie noch einmal,
   Dankend, zum Himmel, und stieg in die schaurige Hhle hinunter.
   Jener hufte den Schutt und die Felsentrmmer mit Vorsicht
   Auf an dem ghnenden Schlund, und bog das Laub mit den Zweigen
   Ueber ihn hin, da kein umsphendes Aug' ihn gewahre.
   D'rauf durchflog er im eilenden Lauf des schauernden Oehlwalds
   Schattenpfad, und kam Toledo die Rettung zu knden.

   Nicht erfreute die Nacht mit holdem Schlummer die Augen
   Hairaddins jetzt, und schon lange nicht mehr: des nahenden Kampfes
   Grau'n umschwebte sein Haupt, wie donnerschwangere Wolken
   Schwimmen des Alpbergs Hh'n umher. Auf schwellenden Pfhlen
   Sa er, und starrt' in die leuchtende Flamme, welch' in dem Prunksaal,
   Duftend von Rosenhl aus der goldenen Lampe sich aufhob.
   Muhamed war ihm genaht, und sucht' ihm Muth und Vertrauen
   Einzuhauchen -- umsonst! Er dachte des falschen Numiden
   Schlangenlist, den Ha des Mauren, des Arabers Feigheit,
   Und die erlesene Schar, so klein im Gedrnge der Feldschlacht,
   Wenn nicht Hlfe erschien, die er jngst entbothen aus Algier.
   Aber der strmische Geist entschwebte dem Saal, in der Burg dort
   Memi, des Harems Hort, und Hairaddins Lieblingsverschnittnen
   Suchend. Er sa in der Hall', und ballte mit sinnenden Blicken
   Grimmig die Faust: er wute nicht, wie zu verscheuchen des Unmuths
   Dauernde Wolkennacht von Hairaddins finsterem Antlitz!
   Als ihn der Geist umflog, da hob sein wehendes Kleid sich
   Ihm an der Brust: er sah im nchtlichen Dunkel der Halle
   Lange, verstrt, umher; doch Muhamed schalt ihn ergrimmt so:
   Wie, nicht Hlfe, nicht Rath ersinnest du, heilloser Schwchling,
   Da entschwinde der Gram aus der Seele des Vlkergebiethers?
   Wurde das _Thor der Wonne_[51] nicht jngst, vor allen Erwhlten,
   Dir zur Sorge vertraut, und schlummern nicht rosige Mgdlein,
   Die der Handelsmann aus Cirkassia's[52] Thlern gesendet,
   Hier in dem Harem, so hold und schn, wie liebliche Houris,
   Die sich Muhamed einst in himmlischen Fluren ertrumte,
   Ach, und erwachend, nicht fand? Wem red' ich die Worte vergeblich?
   Gehe, verstmmelter Sclav', und heie die zartesten Jungfrau'n
   Eilig durch Tnz' und Spiele der bergumschlossenen Heimath,
   Holdem Getne vereint, erfreuen die Seele des Herrschers!
   Dem gleich, welcher um Mitternacht vom leuchtenden Blitzstrahl
   Aus dem Schlummer geweckt, in Hast auffhrt von dem Lager,
   Fuhr auch Memi vom Stuhl, und, eilig die Pforte des Harems
   Oeffnend, schritt er, die Hallen entlang, zur entlegensten Kammer,
   Wo die erlesenen Drei, auf schwellende Pfhle gesunken,
   Schlummerten; sah, wie dort des Mondes lieblicher Schimmer
   Zart die Holden umfing, die Welle des schneeigen Busens
   Rastlos stieg, und sank; er hrte, hinbergebogen,
   Ihres Odems melodisches Weh'n, und erdrckte, vor Ingrimm
   Aechzend, die Thrn', die empor aus seinem zerrissenen Herzen
   Drang, und im eilenden Lauf' dem trberen Auge genaht war.
   Jetzo weckt' er sie, sanft an der Schulter berhrend, mit leisem,
   Lispelndem Ruf. So folgten sie, die Gefhrtinnen scheuend,
   Die, an der Zahl zweihundert, und mehr noch, in rumigen Kammern
   Ruheten: all' erwhlt des Herrschers Lsten zu frhnen.
   Sclavinnen nur, nicht Frau'n. Nicht im Worte des Heiles geschlossen
   Ward ihr Bund, wo die Einzige treu verharret dem Einen
   Bis in den Tod, und treu die Brde des Lebens ihm tragen
   Hilft, als Mutter der holdaufblhenden Kinder, als Gattinn,
   Und als Freundinn zugleich, in seliger Einung der Herzen.
   Eilen hie er sie erst zur badumwlbenden Halle
   Unten im Schooe der Burg. Sie tauchten die reizenden Glieder
   Dort in die liebliche Fluth, und salbten mit duftendem Oel sie.
   Dann aufschlo er mit lchelndem Blick den Schrank in der Mauer,
   Weisend die Pracht der Edelstein' und der festlichen Kleider.
   Freudige Rth' umzog die Wangen der Mdchen, als Memi
   Jetzo das Tuch darboth, gewebt von dem emsigen Hindou
   Aus der Wolle des Baums. So zart und duftig wie Nebel,
   Die in dem Morgenroth umflieen die blhenden Rosen,
   Hllet' ihr Unterkleid das zarte Geweb', und er both dann,
   Lchelnd, den Grtel dar, der unter dem schwebenden Busen,
   Schimmernd von Gold, den Leib umfing; den wallenden Kaftan
   Von blarother Seide, verbrmt mit brunlichem Zobel,
   Auch die Saffianschuh', des Hauptes Zierde, den Kalpack,
   Dem des Reihers Gefieder entstieg, und die kstlichen Perlen
   Fr den Lilienhals -- fr die Ohren Gehnge von Demant.
   Also geschmckt nachfolgten sie jetzt dem winkenden Aga.

   Leise die Pfort' erffnend, und erst mit sphenden Augen,
   Ueber die Schwelle gebeugt, vorschauend, sah er des Herrschers
   Leblosstarrenden Blick. Er drngte die schchternen Kinder
   Eilender vor: sie nahten mit Angst dem Sinnenden. Memi
   Weckte zugleich auf dem Schrank die fltenbeseelende Kunstuhr,
   Die an dem Strand Amalfi's jngst erbeutete Dragut,
   Plndernd die frstliche Burg, und Hairaddin dann zum Geschenk gab.
   Auch stand, Wunder zu schau'n, auf dem Schrank ein goldener Kfich,
   D'rinnen ein Vgelchen sa, ein Hnfling, wie lebend gestaltet.
   Als nun Orgelgetn im Schooe des zierlichen Schrankes
   Weckte die Uhr: da sang das Vgelchen zart, wie im Lenzmond
   Fltet der Hnfling im Busch; die tnende Kehle bewegend,
   Wandt' es den Kopf nun links, nun rechts, und breitete fchelnd
   Oft die Flgelchen aus, und whlt' in der Brust mit dem Schnabel.
   Weder des Hnflings Sang, noch Getne der knstlichen Orgel
   Traf nun Hairaddins Ohr: er starrte noch immer vor sich hin;
   Doch, als jetzt, verschlungen im Kreis', die Mdchen ihm nahten,
   Ihm zu erheitern das Herz mit Tnzen der Heimath, und Memi
   Schon aufhpfte vor Lust: da fuhr er vom Lager, und schrie laut:
   Fort, ich zertret' euch! Und sie entfloh'n, wie schchterne Tauben
   Flieh'n vom Feld, wenn Geiers Geschrei aus den Lften herabtnt.

   Schnaubend ging er umher: ihm scholl von dem fernen Goletta
   Donnergemurmel an's horchende Ohr, und er sandte dann endlich
   Nach Tobukes, nach Abu-Sa-id, und Muhamed Temtes.
   Doch sie nahten im Flug, und bebten der Rede des Herrschers:
   Fhrer der Vlker, die zu Fu, und auf feurigen Rossen
   Mchtige Heere zerstreu'n, vernehmt es, was ich gebiethe:
   Ehe des Morgens Dmmerlicht den stlichen Himmel
   Rthet, strmst du, Tobukes, gewohnt im heimlichen Anfall
   Sieger zu seyn, mit zwanzigtausend Erwhlten des Feindes
   Mittlere Schanz', und ich, von den schrecklichen Kriegern umgeben,
   Dringe durch das Olivengehlz, wenn, schimmernd, des Meeres
   Fluthen die Sonn' entsteigt, und dort auch Muhamed Temtes
   Von Goletta heran, zu erstrmen des Lagers Umwallung,
   Whrend uns Abu-Sa-id, Arabia's treffliche Reiter
   Fhrend, gleich dem Orkan, dem sinkende Wlder erkrachen,
   Rasch nachdringt, und den fliehenden Feind vernichtet auf einmal.
   Also gewahrt ihr im Sieg den Segen des groen Propheten!
   Jene, entflammt in der Brust von den Worten des furchtbaren Herrschers,
   Eilten zum Kampf. Entlang Medscherda's Ufern (Bagrada[53]
   Hie der mchtige Strom in Karthago's verschollenen Tagen)
   Wogten des Arabers brunliche Zelt' im Hauche des Windes
   Weit umher. Er bauet sein Zelt, dem hckrigen Lastthier
   Gleich an Gestalt, das fort, ein lebendes Schiff, in des Sandmeers
   Wsten wandelt: ihr Sohn, so fromm und so duldend. Es ruhte
   Noch entschlummert das Volk, und die losgebundenen Rosse
   Weideten frei im Gefild. Doch als nun die ehernen Becken
   Abu-Sa-ids erschollen; als laut ertnte der Schlachtruf:
   Da fuhr jeglicher Mann gerstet vom Lager, und rief dann
   Vor dem Gezelt sein edeles Ro bei'm Namen. Sie flogen
   Wiehernd herbei, und bothen dem wolligen Sattel den Rcken --
   Bothen die Zunge dem Zaum, und bumten sich hoch mit dem Reiter.
   Aber Afrika's brunliche Shn' erweckte Drometen-
   Schall, und Barda's Hh'n entstrmten die lrmenden Scharen,
   Wie im thauenden Lenz von der schimmernden Kuppe der Alpen
   Schneefluth kommt, und laut herrauscht in die Thler. Sie fhrte
   Muhamed Temtes zum Kampf, des Fuvolks khner Gebiether.
   Scheidend senkte der Mond im Westen sein blsseres Antlitz
   Jetzt in Nebelgewlk, und dmmernd erhob sich der Morgen.
   Hairaddin hielt am Olivengehlz mit den Schrecklichen. Allen
   Kam er zuvor, und hie, des Kampfs wohlkundig, die Schanzen
   Eilig erbau'n auf den Hhn des ragenden Felsengebirges,
   Das Mathilden im Schoo der schaurigen Hhle, seit gestern
   Barg. Dort lag die unglckliche Frau (der nahen Entbindung
   Wehen durchzuckten ihr Mark und Gebein) unsgliche Qualen
   Duldend, und harrend mit Angst des heiersehneten Gatten.

   Eilenden Laufs war Kurd dem Lager der Christen genahet,
   Trat in Toledo's Gezelt, und sprach, tiefathmend, und bebend:
   Hugo's Worte verkndet mein Mund: ihn mgest du hren.
   Siehe, der Morgen grau't, der langgetrennete Herzen
   Wieder vereint! Schon harrt in traulicher Felsenumhllung
   Dein die Gattinn mit Angst: o trage sie jetzt auf den Armen,
   Freudigerrettend, heim zu nimmer versiegender Wonne --
   Heim in das Vaterland! Ein liebender Vater den Waisen
   Hugo's mgest du seyn, der dich in der hlflosen Kindheit
   Oft auf den Armen trug, dich frhliche Spiele gelehret,
   Und die Treue dir stets in dem redlichen Herzen bewahrt hat.
   Kurd, so jauchzte Toledo ihm zu, Kurd, waffne dich eilig,
   Du mein Freund fortan, mein Bruder und Waffengefhrt' jetzt;
   Sume nicht, schnell geleite mich hin zur Hhle des Waldes!
   Hastig reicht' er die Waffen ihm dar. Die finsteren Augen
   Kurd's entflammten sich hell, und des Kummers tiefere Furchen
   Schwanden von seiner Stirn' und Wange: nur Jauchzen des Sieges
   Scholl um ihn her aus den Tagen des Ruhms erretteter Heimath,
   Und, im vershnten Gemth gedacht' er nicht seines Geschicks mehr.
   Jetzo, im Waffenschmuck auf feurige Rosse sich schwingend,
   Jagten die Helden hinaus, entgegen der Hhle des Waldes.

   Lauter suselte schon aus Osten der schaurige Frhwind;
   Purpurrthlicher Glanz entflo des goldenen Morgens
   Weiterffnetem Thor; aus den dmmernden Wolkengefilden
   Sah die wirbelnde Lerche zuerst erwachen die Sonne,
   Und, jungfrulichverschmt, mit hherer Gluth auf den Wangen,
   Dort dem rosigen Lager entflieh'n: als schauernde Wlder,
   Noch in Dunkel gehllt, mit leisem Zwitschern und Flistern
   Ihr anstimmten den Morgengru, und die Wellen des Meeres,
   Hocherhebend das Haupt, sich sehnten, die Holde zu schauen;
   Aber nur Blut, nur Mord, nur sterbender Menschen Gerchel
   Wallt' ihr zum Morgengru aus Goletta's Fluren entgegen.
   Eilender strmte Tobukes heran. Wie ein reiender Bergstrom
   In der Gewitternacht anschwillt, und des Landes Bewohner
   Schnell vom lieblichen Schlaf erwecket zur Angst und Verzweiflung:
   Denn sie vernahmen es nicht, da fern im finsteren Waldthal
   Sausend die Wolke zerbarst, und Fluth entstrzte dem Abhang:
   So, von Tobukes gefhrt, herstrmten die Scharen, und strzten
   Auf Hispania's Macht. Da gaben die sphenden Wachen,
   Staub gewahrend, und Volk in dem Staub, durch Bchsengeschmetter
   Zeichen der Noth und Gefahr: aufrafften sich eilig die Krieger,
   Und sie folgten beherzt dem trefflichen Fhrer Alarkon.
   Brder, so rief er laut, nun vorwrts! Eiserngeschlossen
   Haltet die Reih'n, und drnget den Feind vom Rande des Grabens
   Muthig zurck; besiegt entflieh' er vor unseren Augen.
   Denket der Wlschen, die erst vorschnell, nur flammender Khnheit,
   Nicht vorschauendem Muth gehorchend, im Felde der Waffen
   Bluteten. Auf, Hispania's Volk: du stehe, dem Felsen
   Gleich im Sturme der Schlacht, des sicheren Sieges gewrtig!
   Und er fhrte die Reih'n zum schanzumkreisenden Wall hin.
   Aber wie dort an dem Mohrenstrand, hoch ber der Meersfluth,
   Schwebt die schreckliche Wassertrompet', ein winzig Gewlk erst;
   Dann urpltzlich mit Donnerschall auf die Fluthen herabfhrt,
   Wirbelnd sie fat, in die Luft aufhebt, und brausend im Jhsturz,
   Hier die Schiffe zerschellt auf dem Meer, und dort an dem Ufer
   Wthend, unseliges Volk, und Htten, und Saaten vernichtet:
   Also erstiegen die Feinde den Wall im schrecklichen Anlauf.
   Allah-Geschrei und Gekrach der strzenden Pfhl' an dem Graben
   Brauste vor ihnen daher; geschwungener Sbel Gezisch scholl;
   Staub flog auf. Schon wandten sich eilig die Christen: die Vorschar
   Strzt' auf die folgende, wie, vom wthenden Sturme gehoben,
   Wog' auf Woge sich strzt, und trennte die Ordnungen weithin.
   Jetzt vom Schrecken betubt, nicht hrend die Stimme des Fhrers,
   Wichen sie all'. Er stand, und bohrte den Flchtenden links, rechts,
   Zrnend, das Schwert in die Brust, und ging, und wr' er allein nur,
   Rhmlichen Kampf und Tod im Sinn, den Feinden entgegen.
   Aber, glhend vor Scham, gewahrten die Krieger sich alle
   Fortgerissen zu schmhlicher Flucht. Sie kehrten im Sturmschritt
   Wieder zurck; dann schnell die Gewehr' an die Wange sich pressend,
   Zielten, und drckten sie los, und Stein und Stahl an dem Schlosse
   Schleuderte Blitz'; aufflammt' an der Pfanne das Pulver: hinausfuhr
   Krachend die Kugel -- sie flog in die strmenden Haufen, und Volk sank.
   Dann mit glhendem Muth, stets unaufhaltsamer, jauchzend,
   Drangen die Tapferen vor, und warfen die strmenden Haufen
   Wieder zurck auf den Wall. Dort stand Alarkon vor allen.
   Sieh', ihm nahte, beherzt, der einzige Sohn Abdul Hamids,
   Des zu Tripoli herrschenden Dey's! Ihn sandte der Vater,
   Da er in Hairaddins Heer', erringend die Krnze des Sieges,
   Kehre zur Freud' ihm heim, und zum Trost im grauenden Alter.
   Aber er freue sich nicht, den Tag der frhlichen Heimkehr
   Seines Erzeugten zu seh'n: ihn hllet die Erde vor Tunis.
   Weitvorhaltend den Speer, eindrang er mit Wuth auf Alarkon,
   Da ihm der Schaft in der Faust erzitterte; dennoch, dem Kampf schon
   Lange gebt, vermied im Sprung', Alarkon des Speeres
   Tdlichen Sto. Er hieb, mit krftiger Rechte den Degen
   Schwingend, den Schaft entzwei, und rannte den blitzenden Stahl ihm
   Jetzt so tief in die Brust, da er, scharfgeschliffen, ihm alsbald
   Auch die Schulter durchfuhr: er sank, und sthnt' in dem Tod noch.
   D'rauf, entreiend den Stahl, zerschlug er dem Bascha von Tarsus,
   Ahmet, die ragende Stirn': er taumelt' am Rande des Walles
   Nieder, und fiel, die Hnd' ausbreitend, hinab in den Graben.
   Wie der flchtige Hirsch, den hei verfolget der Schweihund,
   Nah' an des schwindligen Abgrunds Rand, erlegt von dem Weidmann,
   Jhlings entstrzt: dumpf kracht sein Geweih an dem Felsen hinunter:
   Ahmet entstrzte so schnell: ihm krachten im Falle die Glieder.
   Aber da schlich Tobukes, ergrimmt, an den Rcken Alarkons;
   Jauchzt', und bohrt' ihm, weitausholend, den Dolch in den Nacken.
   Sterbend lag er am Wall, doch winkt' er dem khnen Sarmento,
   Fhrer zu seyn des Volk's in entsetzlicher Stunde des Wuthkampfs.
   Zrtliche Freundschaft wand die Blthen der frhlichen Jugend
   Immer noch frisch und duftend um beider Herzen: sie wallten,
   Innigvereint, des Ruhmes Pfad im Leben und Tod noch.
   Ob des Freundes Geschick aufsthnend, brauste Sarmento
   Vor, und schrie, und erweckte den Muth der zagenden Krieger,
   Und von neuem begann auf dem Walle das grause Gemetzel.
   Warf Sarmento den Feind, vordringend, zurck in den Graben,
   Strmte Tobukes ergrimmter herauf, nicht achtend der Haufen
   Seines getdteten Volks: denn viele der Christen erlegt' er.
   Gleich dem Nebelgewlk, das hoch in den blulichen Luftraum
   Aufschwebt; dann von zween sich bekmpfenden Winden ergriffen,
   Hier- und dorthin treibt: so schwankte des Kampfes Entscheidung.

   Einst Germania's Hort, und im Kampf: Legionenzertrmm'rer,
   Hermann, sah die Gefahr, und fuhr im sausenden Eilflug
   Nach des Kaisers Gezelt, der dort, tiefsinnenden Blickes,
   Einsam sa, und erregt' ihn so mit den muthigen Worten:
   Sume nicht: hei bestrmet der Feind Hispania's Krieger;
   Eile hinaus: dein Blick gebiethe den Sieg in dem Schlachtfeld.
   Hastig entfuhr er dem Stuhl', und blickte, verwundert, um sich her.
   Ahnt mir Gefahr? so dacht' er, dem Zelt enteilend. Er schwang sich
   Drauen auf's feurige Ro, und flog nach der Schanze hinber.
   Ihm nachjagte Gefolg', und unter den stampfenden Hufen
   Drnte der Boden umher; aufquoll der flimmernde Sandstaub.
   Jetzo der Schanze genaht, begann der zrnende Kaiser:
   Wie, Hispania's Volk, dich nannte die staunende Mitwelt,
   Rhmend, das Erst' im Feld, und du weichest dem feindlichen Andrang?
   Auf, und rette den heimischen Ruhm! Ein glnzender Leitstern
   Sey er dem Krieger im Kampf: nur mit ihm verlsche sein Leben!
   Lodernden Flammen gleich, ergriff die Herzen des Kaisers
   Zornausruf: da brannt' auch der schwchere Mann in den Reihen,
   Gegen die Feinde des Kriegs vernichtende Schrecken zu tragen,
   Und sie kehrten sogleich. Wie ein bergabtaumelnder Felsblock,
   Dem die Wlder erkrachen, Gerll' und Erde zerstubt weicht;
   Oder vom dauernden Regen geschwellt hinbrauset ein Bergstrom
   Durch die Fluren, und Hain' und blhende Saaten zerstret:
   So in des Feindes Reih'n umwtheten jetzo die Krieger,
   Rchend des Rckzugs Schmach. Doch wehe, da strzte Sarmento,
   Von Tobukes durchbohrt, und haucht' an dem Busen des Freundes,
   Der auf dem Walle getdtet lag, den muthigen Geist aus!
   Glckliches Los, das so die liebenden Freunde vereinte!
   Ueber ihn hin (betrbt zwar, doch des eisernen Krieges
   Stimme geboth's) und ber die Hgel erschlagenen Volkes,
   Eilten die Reihen auf Reih'n jetzt vor, und warfen die Gegner
   Von dem Wall' in den Graben -- aus ihm hinber in's Blachfeld,
   Raschverfolgend. Nicht half das Schrei'n des Fhrers, Tobukes,
   Nicht die knirschende Wuth des Volks: denn, Hagelgewittern
   Aehnlich, folgte der Sieger ihm nach, und grause Vertilgung.
   Unter den Letzteren floh Tobukes, und sthnte vor Ingrimm.
   Furchtbar war sein Arm in dem Kampf, und, glhend vor Sehnsucht,
   Gohr ihm die Brust, da Hairaddin bald vom Olivengehlz her
   Nahend, ihm eine die Macht, zu vernichten die feindlichen Scharen.
   Aber er harrt' umsonst, und jetzo, von Wunden ermattet,
   Sann, und erwog er im finstern Gemth': ob Hairaddins Rach' ihn,
   Da er ihn hate, vielleicht dem sicheren Tode hier preisgab?
   Unertrglich erschien dem Zweifler des nchtlichen Irrwahns
   Tuschendes Licht; er ri ergrimmt von der Seite den Mordstahl,
   Stie ihn tief in die Brust, und fiel, und rchelte sterbend.
   Aber, vor Schrecken erstarrt, gewahrten die Krieger des Feldherrn
   Blutige That, und floh'n jetzt eilender fort nach Goletta.

   Hairaddin hrte des Kampf's grau'nvolles Gets' in dem Waldthal;
   Doch ihm scholl's erfreuender, als in dem silbernen Mondlicht
   Liebenden tnt Harmonikaklang und Harfengelispel.
   Vorwrts drngt' ihn der Muth und die Blutgier; aber er hielt noch,
   Bis er die Schanz', erbaut auf den Felsenhhen, gewahrte,
   Und das eh'rne Geschtz, das weit in die Ferne hinber
   Schleudert den Ball (Feldschlange genannt), in jene geschafft war.
   D'rauf begann er so, vor dem Meister des schweren Geschtzes:
   Bujukdur, Sohn Hafis, horch! wenn auer dem Oehlwald
   Schimmert die Fahne des Vorderzugs: dann feu're, verderbend,
   Nach dem Lager hinaus. Abdallah, der muthige Feldherr,
   Sey dir schirmend gesellt mit tausend erlesenen Kriegern.
   Und nun fhrt' er das Heer, ihm tiefere Stille gebiethend,
   Durch den Olivenwald, dem Lager der Christen entgegen.
   Siehe, da jagte mit Kurd, auf schnaubendem Rosse, Toledo
   Nher. Es hing sein thrnendes Aug' an den Hhen der Felswand,
   Welche die Gattinn ihm barg, und im rosigen Morgen die Scheitel
   Glhend erhob. Wie dort dem leidenerfahrenen Jngling,
   Den ein feindlich' Geschick aus den Armen der liebenden Aeltern
   Ri, das Herz erpocht, so nach Jahren der schmerzlichen Trennung,
   Er, heimkehrend im Schiff von Amerika's wsten Gestaden,
   Jetzo die Thrme der Vaterstadt in der Ferne gewahret,
   Jetzt sein vterlich Haus, und jetzo den Hgel und Anger
   Wieder erkennet, wo ihm die seligen Jahre der Kindheit
   Schimmernd entfloh'n: nur vorwrts strebt er, und weiter entfernet
   Ducht ihn das Ziel, als einst von des Meer's endlosen Gewssern:
   Also pocht' ihm die Brust, und eilender jagt' er das Ro hin:
   Schauend den Fels, der hell vom Morgenschimmer ihm winkte.
   Pltzlich hemmt' er das Ro, und starrte mit tiefem Entsetzen
   Vor sich hin, da er nun die raschvordringenden Scharen
   Nahe der Hhl' ersah. Kurd rief mit leisem Gelispel:
   Kehr' in Eile zurck: dort nah'n unzhlige Feind' uns!
   Kurd, entgegnet er sanft, ich sehe die Feind' an dem Felsen:
   Hin ist die Hoffnung -- Mathild' ist todt! Nun will ich im Kampf hier
   Sterben, dem Schicksal zum Hohn, den Tod des tapferen Kriegers.
   Schnell entblt' er den blinkenden Stahl, und flog auf das Blachfeld
   Muthig hinaus: da erfate noch Kurd das Ro an dem Zgel,
   Ri es gewaltig zurck, und rief dem Tobenden also:
   Soll die unglckliche Frau vergehen in schrecklichem Jammer,
   Deiner beraubt? Sie ruht in der dunkeln Hhle geborgen.
   Lass' uns, des Ueberfalls Verkndiger, eilen in's Lager;
   Wecken die Brder zum Kampf', und erretten im Sieg' auch Mathilden!
   Hastig trieb er sein Ro, und mit diesem den Renner Toledo's
   Wieder zurck, der, tiefverstummend, die Augen zuweilen
   Gegen den Himmel erhob, und laut aufseufzte vor Herzleid.
   Aber in strmischer Hast hinflogen die schnaubenden Rosse;
   Staub quoll auf in die Lfte, der Wald, die Berg' und die Hgel
   Wichen im Fluge zurck, und die Helden durchbrausten das Lager.

   Dort des Ueberfalls, des nchtlichen, denkend mit Unmuth,
   Hatte der Kaiser das Volk ringsher gerufen zur Heerschau.
   Rastlos schmetterten fort die eh'rnen Drometen; die Trommeln
   Wirbelten dumpf, und riefen verstndliche Laute den Kriegern.
   Wie das unzhlige Volk der Schwalben im sonnigen Sptherbst
   Rings mit lautem Geschrei, vorahnend die Strme des Winters,
   Sich anschickt, entgegen zu zieh'n besonnten Gefilden:
   Meng' an Menge gedrngt, versammeln sich eilig die Scharen:
   Also vereinten sich hier die tapferen Krieger zur Heerschau.
   Ernsten, musternden Blicks, hinritt an den Reihen der Kaiser.
   Jegliche Fahne sank; die Feldherrn all', und die Fhrer,
   Hielten den Degen gesenkt zum ehrenden Grue; das Fuvolk
   Schwenkte die Lanz' und das blanke Gewehr, und der Reiter den Sbel.
   Aber die Trommel scholl, und Drometengeschmetter ertnte.
   Jetzo htt' er dem Heer gewichtige Worte gesprochen,
   Ruhm den Tapfern gezollt, und gergt Verblendung und Saumsal;
   Aber da flog mit Kurd, im eilenden Laufe, Toledo
   Nher, und hielt, kampfdrstenden Blicks, an der Spitze der Seinen.
   Jener, dem Herrscher genaht, erhob tiefathmend die Stimme:
   Herr, wie die Fluthen des Meer's im Hauch des strmischen Nordwinds,
   Zahllos, Wog' an Woge gereiht, zum Strande sich wlzen,
   So vom Olivengehlz dir nahen die feindlichen Scharen!
   Noch entfloh den Lippen nicht ganz die unfreudige Nachricht,
   Als von den Felsenhh'n mit Donnergets' und Gebrlle,
   Lastende Kugeln heran, in des Lagers Mitte geschleudert,
   Flogen: da sank in Reih'n und Gliedern, Jammer dem Anblick,
   Hufig der tapferste Mann! Schnell ri die zischende Kugel
   Diesem die Fe vom Leib, und warf sie, zerschmettert, zum Boden,
   Jenem den Arm, und dem Dritten das Haupt, entsetzlich und furchtbar
   Von dem taumelnden Rumpf', und es wlzten sich treffliche Rosse
   Dort mit dem Reiter, verwundet, im Blut. Unsichtbaren Fluges,
   Treffen des Todes Geschoss' aus den lautumdonnernden Schlnden:
   Weder Kraft, noch Muth errettet von grauser Vertilgung,
   Die aus der Fern' urpltzlich Bewehrt' und Wehrlose hinstreckt.
   Jetzo gebothen sogleich des Krieg's wohlkundige Fhrer
   Wechselnde Stellung, und vor- und rckwrts, schief, und gerad' hin,
   Wogte das Heer: das Ziel zu entrcken der feindlichen Obmacht.
   Aber der Kaiser sann. Er winkt'. Ihm nahte der Feldherr
   Lichtstein: denn er gewahrte den Blitz in dem Auge des Frsten.
   Lichtstein, also sprach er, du ziehst den engeren Thalweg
   Hinter dem Salzthurm fort, zu erstrmen die Schanze der Felshh'n:
   Weder Medscherda's reiende Fluth, noch die schroffe Gebirgswand
   Hemme des Siegers Lauf! Vier tausend muthige Schtzen,
   Tausend Reitern gesellt, gengen dir. Ist es gelungen:
   Dann bedrohe den Feind, nicht achtlos Unser, im Rcken.
   Jener entschwand: ihm hob die Heldenseele des Herrschers
   Ehrender Ruf, und erkor in Eile die tapfern Gefhrten:
   Oestreichs Reiter und Ungerns, die den tyrolischen Schtzen
   Folgten im munteren Schritt, und des Spessarts Kriegern, und Hessens.
   Auch entboth er den Tro der fhrschifffhrenden Wgen,
   Rossebespannt zu folgen der Schar werkkundiger Brckner.
   Wieder begann der Herrscher, und rief mit leuchtendem Antlitz:
   Fort in den Kampf! Voraus die Reisigen, welche Mendoza
   Heut' in dem Vortrab lenkt, zum Ruhme der hohen Cortezza.
   Ihnen folg' in gemessenem Schritt, im Trommelgewirbel,
   Und die Fahn' im Blick, Neapels muthiges Kriegsvolk,
   Jenem gesellt, das uns die erlauchte Roma gesendet.
   Ueber sie heischt Toledo's Blick die Leitung -- sie werd' ihm:
   Denn ihm winket des Sieges Preis in der Stille der Felsnacht.
   Aber die Ritter-Schar fhrt Garzia Lasso, und Alba,
   Flammenden Muth's, der Spanier schwergeharnischte Reiter
   Gegen den Feind; nur Eberstein verharr' in dem Lager,
   Ihm ein schirmender Hort, mit den treuverlssigen Deutschen.
   Also geordnet, eilte das Heer in die strmende Feldschlacht.




                            Neunter Gesang.


   Wie der Heuschrecken Heere, gejagt aus Syriens Wsten
   Von zerstrender Gier, anstrmen im Sommer, da weithin
   Sauset die Luft, und die Sonne verlischt in der Helle des Mittags:
   Also schwebten auch jetzt in zwei gesonderten Haufen,
   Brausend, die Geister heran, und jeglichem eilten die Herrscher,
   Muhamed erst, dann Attila vor: zwei finsteren Wolken
   Gleich, die donnerschwer, in druender Stille heraufzieh'n.
   Unmuth gohr in dem wilden Blicke des hunnischen Knigs;
   Auch die glhende Stirn' und Wange des Koran-Verknders
   Zuckte vor Wuth: nicht die Christen all' im Kampf der Entscheidung
   Schauend. Lechzende Gier nach Blut erfllte die Furchtbar'n.
   Muhamed rief: Erblick' ich dort Arabia's Krieger?
   Wehe, denn weder an Muth, noch an Thaten sind sie mir hnlich
   Mehr, die Feig'umschwrmenden! Jetzt, und hinfort mir ein Liebling
   Seye der Trk'. Aus Turkestans[54] sandiger Flur sich erhebend,
   Kam er, ein brausender Sturm, und ste des heiligen Korans
   Samen aus in die Welt, und lenkt' an die Keime den Blutstrom,
   Da er erwuchs, und die Ernt' in ppiger Flle sich fortmehrt.
   Hebe dich, luftige Schar: dem Christen errege die Gegner,
   Da er besiegt hinschwind', und nie rckkehre zur Heimath!
   Tapfere Scythen, ihr! rief laut der Hunnen-Beherrscher,
   Die, nach Attila's Wink, den allverheerenden Flammen
   Aehnlich, im Garbenfeld der schmachgereifeten Menschheit,
   Wthetet, als uns Rom auf den sieben Hgeln erbebte --
   Byzanz neigte das Haupt: erhebet die luftigen Waffen,
   Weil, der sterblichen Hll' entrckt, der Thaten Vollendung
   Nimmer den Busen uns labt, nicht der Sieg im Jauchzen der Mordlust;
   Auf, und drnget der Janitschar'n blutdrstende Rotten
   Rastlos vor zum Gewrg' in volkzermalmender Feldschlacht!
   Jauchzend vernahmen des Herrschers Ruf die luftigen Scharen;
   Aber so laut und so mchtig sie schrie'n -- es zischte nur leises,
   Schwaches Geflister herab. Wohl starrt' in der eilenden Heersmacht
   Mancher der Krieger empor; doch leer ihn dnkte der Luftraum.

   Leise, mit weitvorstrebendem Fu, die klirrenden Waffen
   Pressend im Arm, und das Ro, da es schweig', an den wallenden Mhnen
   Streichelnd, nahte der Feind in tuschender Stille vom Wald her.
   Doch als jetzt von den Felsenhh'n das wichtige Zeichen
   Donnernd erscholl, und fern in des Lagers Mitte Verderben
   Ste der eherne Schlund: da jagten die listigen Scharen
   All', im geflgelten Lauf, im Gets' empreter Mordwuth,
   Allah! Allah! brllend, heran an des Lagers Umwallung:
   Denn urschnell und in wilder Verzweiflung sollte der Christen
   Schlummerndes Volk, so whnete Hairaddin, Jammer ereilen.
   Siehe, und als dem Wald, wie am wetterverheienden Morgen
   Zrnende Bienen dem Korb', entstrmte sein lrmendes Kriegsvolk,
   Fhrt' ihm Mendoza, der Held, im Blitze des Waffengeschmeides
   Schon entgegen die reisige Schar: er selber den Kampfpreis
   Heischend vor ihm, und khneren Blick's vorstrmend zum Angriff!
   Wie, wenn lechzend nach Blut, der schreckliche Tieger im Dickicht
   Leises Gerusche vernimmt, und dort, nur scheue Gazellen
   Suchend, den Leu'n, den langvermied'nen, gewahret, da wankt' er
   Vor dem entsetzlichen Feinde zurck, und denket der Flucht schon;
   Doch bald kehrt ihm die Wuth: er senkt die Brauen ergrimmter
   Nieder, und fletschet die Zhn', ihm den letzten der Kmpfe zu biethen:
   So mit staunendem Blick sah Hairaddin jetzo die Gegner
   Kommen im Feld, die er, wrgend, vom Schlaf zu erwecken gedachte.
   Aber er sumte nicht, trieb, und jagte die Zgernden vorwrts,
   Und der Geister aufjauchzendes Heer flog brausend hernieder,
   Nahte den Kriegern, und schrie in das Ohr dort Jeglichem: Vorwrts!
   Wie der Bremsen erboter Schwarm in der Stunde des Mittags
   Rasch auf die Heerde des trgeren Hornvieh's, dann auf der Rosse
   Munt'res Gesttt' sich wirft, und all' in rasendem Taumel,
   Brllen, wiehern, und flieh'n: denn, ob ein schwindliger Abgrund,
   Oder die tobende Fluth tief unten druet -- sie strzen
   Unaufhaltsam hinab; so drngten die luftigen Geister
   Hairaddins Volk an die Feind', und furchtbar tnte der Schlachtruf.

   Siehe, die Reiterschar der Araber tauchte vor allen,
   Spornend das feurige Ro, und vorgebeugt aus dem Sattel
   Bis zu den Mhnen, die Spitze des hochaufragenden Speeres
   Dort in Mendoza's Reih'n. Da fiel Segorbia's Kampfheld,
   Aguillar, und mit ihm Morillo, den Murzia sandte,
   Fahnenjunker im Heer, mit dreiig erlesenen Kriegern,
   Und in dem Waffengemeng' erbebte Hispania's Jugend,
   Die zum ersten Male des Kriegs betubendem Schrecken,
   Hier in dem Feld, entgegen sich warf, und dachte der Flucht schon.
   Doch jetzt nahte mit Sturmes Flug vor seinen Gefhrten
   Hermann heran: ihn lockte des Kampfs erwachender Donner
   Fernher. Aehnlich dem Aar, der tief im schattigen Thalgrund
   Beut' ersehend, sogleich in sausender Schnelle herabfhrt:
   Also fuhr er herab, und rief dem edlen Mendoza:
   Sollten die Jnglinge flieh'n, ihr Ruhm ist gefhrdet fr immer.
   Schau in die Vorwelt auf, wie dort der Heldengebiether
   Hermann, den flchtenden Kriegern zur Schmach und Wiederbesinnung,
   Muthig den Schild ergriff, vordrang, und so, mit den Scharen
   Wiedervereint, sich herrlichen Siegsruhm ber des Varus[55]
   Drei Legionen errang in dem eisernen Felde der Waffen:
   Also mgest du jetzt den jngst geworbenen Kriegern,
   Kmpfend, ein Leitstern seyn auf dem grau'numnachteten Schlachtfeld!
   Glhende Rth' umzog Mendoza's Wangen; er dachte
   Seines errungenen Ruhms Verdunkelung; schrie, und begann so:
   Spanier, khn mir nach: nicht tuschet der edeln Cortezza
   Hohes Vertrau'n, die euch sandte zum Heer; nicht gewahre der Herrscher
   Euch unkriegerisch, feig; mir nach! Eh' treffe der Tod mich
   Selber durch Feindeshand, eh' hier die Schande mich treffe.
   Jauchzend flog er dahin, und voll khner Todesverachtung
   Sprengten die Reiter ihm nach. Entscheidend fr kommende Zeiten
   Lenkt ein Held im Gefecht den neugeworbenen Krieger:
   Denn nicht weicht er, und fllt, besiegt, im rhmlichen Tod nur:
   Stets erfllt ihm die Brust die erhabene Heldengesinnung.
   Jetzo die strmende Lanz', und jetzt des sausenden Sbels
   Blitz und Schlag ereilte der Araber dichte Geschwader
   Mordend; es sank das Volk, und es sanken die Rosse getdtet.

   Assad ri sich hervor, der Emir. Einst Beduine,[56]
   Zog er in Syriens Wsten umher, und hufte sich Reichthum,
   Dort der Karavan' auflauernd im einsamen Hohlweg.
   De' sich zu freu'n, wohnt' er zu Tunis im stolzen Pallast nun:
   Seinem Volke verhat, dem stets das Leben in Zelten,
   Drauen im Steppengefild des Menschen wrdiger dnket.
   Jetzo im sausenden Ritt Mendoza genaht, und vertrauend
   Eiserner Kraft, dacht' er, mit dem blinkenden Speer ihn zu tdten;
   Doch Mendoza ri an dem Zaum: sein mchtiges Streitro
   Setzt', im kreisenden Sprung', ihn schnell an die Seite des Emirs,
   Und er jagt' ihm das Schwert mit festnachstrmender Rechten
   Tief in die Brust: er sank vom Sattel, und sthnt' in dem Tod noch.
   Aber ihm naht' Abulkassem, sein Sohn, ein furchtbarer Rcher.
   Sthnend vor Wuth durchrannt' er Mendoza's Arm mit dem Sbel,
   Als er, gewendet, die Reih'n aufboth zum strmenden Angriff.
   Wieder erhob er den Stahl, und htt' ihn getdtet, da sprengte,
   Rettend, Alonzo Cueva heran, der tapfere Hauptmann,
   Schrie, und scheucht' ihn zurck. Er barg sich schnell im Gewimmel
   Seines Volk's, das jetzt, des Feldherrn Wunde gewahrend,
   Muthiger vorwrts drang, und laut aufbrllte vor Mordlust.
   Aber dem Schlachtengemeng' entrissen die Krieger den Helden;
   Eilten in's Lager zurck, da dort heilkundig der Arzt ihm
   Stille das Blut, und trufle den weh'einschlfernden Balsam.
   Und er ermahnete scheidend noch mit blsserem Antlitz,
   Alle, zu folgen dem Wink des Helden Alonzo Cueva.

   Heier entbrannte die Schlacht. Wie im Sd- und Norden empret
   Donnerstrme sich nah'n, und, vermengt, zur Erde Verderben
   Speien im Flammengezisch und im schrecklichen Hagelgeprassel:
   Also prallten die Araber an, und zugleich die Hispaner:
   Diese von Rach' entflammt ob ihres verwundeten Fhrers,
   Jene, voll Muths vorstrmend, und lautaufjubelnd im Vortheil.
   Als sich gemengt im Feld die Wthenden trafen, da tnte
   Schrecklich der Mordausruf und das Schmettern der Waffen, dem Donner
   Eherner Schlnde vereint, und Blut bestrmte den Boden.
   Schon warf zweimal der Christ des Mahoms Verehrer, im Sturmritt,
   Drngend, zurck; schon jauchzt' er des Sieg's aufstrahlender Hoffnung;
   Aber da warf, ergrimmt, auf Alonzo Cueva, den Drnger,
   Abu-Sa-id den Dolch, und durchbohrt' ihm den Hals und den Nacken,
   Solchem Kampfe gebt; er sank, und verhauchte das Leben.
   Siehe, den endlos Trauernden fat' am dmmernden Morgen,
   Vor des Kampfes Beginn, heut' ahnungentsprossene Schwermuth
   So, da ihm Jeglicher staunt'. Ach, seines erblindeten Vaters
   Greisengesicht, und das wankende Haupt, wie schneeiger Tauben
   Dunen, so wei, schien ihm noch immer zu dru'n ob dem Frevel
   Strmischer Jugendzeit: da er leis'annahend, des Vaters
   Hnden den Stab entwand, und der zrnende Greis, an der Schwelle
   Stolpernd, kopflangs strzt', und blutete -- Jammer zu schauen!
   Immer trbte die That ihm jegliche Freude des Lebens
   Seither. Aber der Vater horcht, vor dem Haus' auf der Bank sich
   Sonnend, dereinst begieriger auf, wenn kehrender Sieger
   Jauchzen, der Waffen Geklirr, und das Wiehern der Rosse herantnt;
   Ringsum Hast und Gets' die Heimgebliebenen aufregt,
   Und die Straen entlang: Willkommen uns in der Heimath!
   Jubelnden Rufs erschallt in mancherlei Stimmen des Alters.
   Vor vom Sitze gebeugt, horcht er: ob endlich des Sohnes
   Gru er vernehm', und harrt, hinzitternd, der frohen Umarmung:
   Ach, umsonst: ihm sank der Theuere kmpfend vor Tunis!
   Schrecken befiel die wiederverwaiseten Krieger: dem Unglck
   Bebt' ihr muthiges Herz, nicht den wildaufrasenden Gegnern.
   Also, verschchtert, wichen sie nun, und ihnen im Rcken
   Brauste der Feind, und huft' im Felde die blutigen Leichen.

   Sieh', welch tapferes Huflein kommt, die schnaubenden Rosse
   Spornend, heran? Hell sprht der zierliche Helm und der Harnisch
   Hpfende Funken umher; vom hochaufragenden Speerschaft
   Blitzet der tdliche Stahl, und es blitzen die Augen der Mnner.
   Fnfzig sind's der Edlen. Sie fhrt auf der rhmlichen Laufbahn
   Garzia Lasso, der Held, und Hispania's lieblichster Snger.
   Jetzo, dem Feinde genaht, und vorgebeugt aus dem Sattel,
   Senkten die Khnen den Speer, und warfen im sausenden Eilflug
   Fnfzig der Feind' in den Staub: da floh'n die entlasteten Rosse
   Wiehernd zurck: weit ghnte die Kluft im dichten Geschwader.
   Wie, wenn brckendes Eis auf dem breiten Rcken der Donau,
   Oder des Rheins, das heut' am Morgen noch eiserngefroren,
   Unter der Wucht des schweren Gespanns und der lastenden Wgen
   Drnete, nun ergriffen vom schmelzenden Hauche des Westwinds,
   Krachend zerbirst, und zertrmmert im Schwall der finsteren Fluthen
   Schwindet, da links am Gestad', und rechts das schimmernde Landeis
   Aufragt: also standen die Reih'n, im entsetzlichen Durchbruch
   Weitgeschieden im Feld': sie blickten erstarrt in den leeren,
   Scheidenden Raum: ihr Mordruf starb auf den bebenden Lippen.
   Aber nicht rasteten dort die Scharenzertrmm'rer: sie wrgten,
   Was entgegen sich warf, in siegbeflgelter Hast noch.
   Auch der Jnglinge Schar flog nun, um nimmer zu weichen,
   Wieder im Felde heran, und vereint den siegenden Rittern,
   Uebt' ihr blitzendes Schwert vergeltende Rach' an dem Gegner,
   Der, von Schrecken betubt, mit verhngtem Zgel den Lufer
   Rckwrts trieb zu Hairaddins dichtannahender Heersmacht.

   Unabsehbar herab vom Olivengehlz auf das Blachfeld
   Lenkt' er die Janitschar'n und fnfzig numidischer Horden
   Wimmelndes Volk zum Kampf, als hier die Zersprengten dem Vortrab
   Nahten. Er bi sich die Lippen vor Wuth; dann, eilig sich wendend,
   Hie er die Janitschar'n mit ausgebreiteten Armen,
   Trennen die mittleren Reih'n, und erretten die flchtenden Scharen,
   Jene gehorchten dem Wink: mit rckwrtsstrebenden Fersen
   Schwenkten die Reihen sich links und rechts: gerumigen Durchgang
   Oeffnend dem flchtigen Volk. So, wie, gehemmt in den Schleuen
   Ruhet der brausende Strom, ein See, bis frh an dem Morgen
   Oeffnen sie heit der Schwemm' erfahrener Meister: da strzen
   Wog' auf Wog' und Schwall auf Schwall, im Gebrause des Donners,
   Zur verschlingenden Kluft die langegehemmten Gewsser:
   Also strzten, gedrngt, und drngend, mit wildem Getmmel
   Durch den geffneten Raum zugleich die erretteten Scharen:
   Denn nachjagte der Feind, und rastete nicht; in dem Rcken
   Sauste des Sbels Schlag und der Lanz' einstrmender Mordsto.
   Aber die Janitscharen, die erst, sie schirmend, im Rckschritt
   Wichen, kehrten zurck, und heischten, geordnet, den Angriff.
   Hairaddin flog die Reihen entlang, und schrie im Gets' hin:
   Shne des groen Propheten, des Muths und der flammenden Khnheit,
   Denket, welch' ihm die Erde, besiegt, gleich niedrigem Schmel,
   Unter die Ferse gestellt: sie lag, und schmiegte sich duldend
   Ihrem Druck. O dessen gedenkt! Ihr sehet die Gegner
   Seines Nahmens vor euch; vernichtet sie, wrgt sie gesammt hin.
   Muhamed, der ihn stets umschwebte mit liebender Sorgfalt,
   Hrte mit Lcheln es an, wie er ihm vor glubigen Moslems
   Ruhm und Ehre gezollt; er selber, die Pfade des Lichtreichs
   Fliehend, warnete nicht die Verblendeten, lchelte stolz noch!
   Doch nun sah er erstaunt, da Attila selbst, vor Entsetzen
   Bebend, ihm nahte mit Sturmes Flug', und rief ihm entgegen:
   Haben die furchtbar'n Mchte gesiegt? Soll Schreckliches kommen,
   Fallen vom Himmel der Mond mit den glnzenden Sternen; die Sonne
   Ausgebrannt hinschwinden in ewige Nacht und Zerstrung,
   Spurlos? Attila bebt, der nie zu erschtternde Krieger?
   Jener wiegte das struppige Haupt, und als er noch einmal
   Nach den felsigen Hh'n aufsah, entgegnet' er grimmig:
   Sieh', dort fleugt ein Mann g'en Hairaddin! Angst und Verzweiflung
   Trgt er im Busen: er kommt, Unheil zu verknden dem Herrscher.
   Willst du vernehmen die That, die entsetzliche, der ich erbebte?

   Doch was kndet der Bote voll Angst? ... Da der tapfere Feldherr,
   Lichtstein, glhenden Muths, die Schanz' auf dem Felsen erstrmte.
   Schon durchzog er zuvor die schaurigen Pfade des Waldthals,
   Leis' nur, wie es der Kaiser geboth: nicht Trommelgewirbel
   Kndigte ferne den Zug, nicht schmetterten Lust die Drometen
   Heut' in dem eilenden Ritt dem Reiter und Ro in die Ohren;
   Doch, als jetzt Medscherda, mit lautaufrauschenden Wogen,
   Ihnen am Felsengestad' entgegen sich dmmte, da hoben
   Eilig die Brckner die Fhren herab von den knarrenden Achsen;
   Warfen sie all' in die Fluth, versenkten die zackigen Anker,
   Gegen den Strom mit Tau'n sie festigend, und in des Bogens
   Krmmung einete Fhr' auf Fhr' die gesonderten Ufer.
   D'rauf hinreihend das lange Geblk', und quer auf die Balken
   Breitend die Bohle, besiegten sie schnell die hemmenden Fluthen.
   Unter des Rosses Huf und den Fen der eilenden Krieger
   Drnete fort und fort die schwankende Brck' auf dem Strom hin.
   Aber drben vom schroffen Gestad' erhob sich die Felsbahn
   Schroffer noch himmelwrts. Der Reisige stieg aus dem Sattel,
   Fhrte das Ro am Zaum', und keucht', und strauchelte hufig,
   Ganz unkundig des Kletterns, und fremd in der hehren Gebirgswelt.
   Aber es klomm, wie die Gemse, der Schtze Tyrols an der Felswand,
   Tapferen Hessen vereint, und Spessartern, auf zu den Hhen.
   Also errungen waren sie jetzt, und die Scharen geordnet.
   Lichtsteins Ruf erscholl: Hinan, tyrolische Mnner!
   Spessarter, vor mit den Hessen! Euch folge das Reiter-Geschwader
   Dann, in gemessener Fern', entscheidend zum blutigen Angriff.
   Jauchzend, im Sturmlauf ging's an den Wall. Kaum trauend den Augen,
   Sah der staunende Feind den Scharen des Feindes entgegen.
   D'rauf erhob er Geschrei, und hie des eh'rnen Geschtzes
   Donnergebrll' mit dem Schmettern der Bchsen erschallen, und ste
   Saat der Vernichtung. Da fiel Arnulf, der khne Passeyer,
   Der sich am Ortheles einst, dem felsaufklimmenden Steinbock
   Folgend, verstieg, wo ihm bald der Strahl der Lebenserrettung
   Vllig erlosch. Erhob er die Blicke: da wlbte die Steinwand
   Ueber ihm thrmend sich auf, und senkt' er sie nieder, mit Vorsicht
   Fassend den zackigen Fels: da bebt' er, vom Schwindel ergriffen,
   Zitternd wieder zurck: denn weit hinaus auf den Abgrund
   Bog sich die Wand, und eingekrmmt entschwand ihm die Mauer.
   Kaum ersphte sein Aug' des Waldstroms Schimmer; verhallt war
   Ihm sein Gebraus', und verstummt das Leben im einsamen Luftraum.
   Dort sich mit reuigem Sinn, zum Hungertode bereitend,
   Sah er schon zweimal des Tages Licht aufdmmern im Osten,
   Zweimal erblassen im Abendroth; doch sieh', ihn vermite
   Jetzo der redliche Freund! Er wagte den Gang auf dem Felsgrath
   Muthig, und schrie, und Geschrei vernehmend, senkt' er das Bastseil
   Nieder vom jhen Geklipp', und rettete so den Gefhrten.
   Wie der Fischer empor zum Gestad', der Ruth', und des Fadens
   Leises Zucken gewahrend, schnellt das zappelnde Fischchen:
   Also entri er den Freund, lautjubelnd, dem schrecklichen Tod dort,
   Den er dahier nicht mied, durchbohrt von der schmetternden Kugel.
   Neben ihm sank auch Eberhard, der erste der Schtzen:
   Nie verfehlt' er das Schwarz' in der kreisenden Scheib', und er both
      sich
   Selber dahier zum Ziel', in des Herzens Mitte getroffen.
   Feuriger: denn der Getdteten furchtbare Rcher, bestrmten
   Ihre Gefhrten den Wall, und rastlos krachten die Bchsen,
   Rastlos tnte Geschrei, zu wecken den Muth der Entscheidung.
   Weder die Spessarter, noch die gleichgewaltigen Hessen
   Weileten fern', einmthig rang dem Helden der Held nach.
   Wo die sternnachbildende Schanz' im engeren Vorsprung
   Ragt', aufdrangen zuerst die muthigen Fhrer der Deutschen,
   Werner und Wittekind, vom Graben. Erbebend der Khnheit,
   Wichen die Feinde zurck: da both Abdallah, des Bollwerks
   Hort, im drometenden Ruf Stillstand, und rief im Gets' her:
   Stillstand bieth ich euch an: wir rumen den Wall und die Schanzen
   Eurer Gewalt, so ihr Abzug gnnt in wrdiger Freiheit;
   Oder, wollen wir erst den Wink der Herrscher erkunden?
   Hr't, schrie Lichtstein auf, euch tusche die feindliche List nicht!
   Muthig hinan: ihr kmpfet hinfort um den leichteren Sieg nur!
   Rascher eilten die Reih'n auf Reih'n jetzt vor, und erstiegen
   Kmpfend den Wall: denn schrecklich erwies sich der Feind in der
      Nothwehr.
   Werners Arm erlag Abdallah, der Schirmer des Bollwerks;
   Aber ihm bohrte zugleich ein Derwisch, Fluch und Verwnschung
   Brllend gegen das strmende Volk, den Dolch in den Nacken
   So, da dem Sinkenden schnell das Blut und das Leben entstrmte.
   Schwer vermit ihn daheim die liebende Mutter, in Kummer
   Lebend, seit ihr der Gatte versank in den Fluthen des Mainstroms,
   Wo er vom berstenden Eis lautjammernde Menschen gerettet.
   Nur ihr Einziger war ihr Trost in der schrecklichen Trennung
   Von dem Gemahl, und Ernhrer: denn stets heimbrachte der Sohn ihr,
   Frommgesinnet, den Sold, und kt' ihr die Hnde mit Ehrfurcht:
   Dankbar sorgend fr jene, die ihn mit Schmerzen geboren,
   Oft den Schlummer entbehrt', und viel herznagenden Kummer
   Duldet' um ihn mit Lieb', in hlfebedrftiger Kindheit.
   Ach, nun harrt sie umsonst des Guten! Ihn tdtet' ein Derwisch
   Hier auf dem Wall. Doch Wittekind ereilte den Meuchler
   Schnell; erhob den Degen, und traf ihn mit krftiger Rechten
   Tief in's Genick, da er rchelnd sank, und im Blute sich wlzte.
   Ihn umhufeten bald, ringsher, die tapfersten Krieger.
   Rasch umlenkend das Ro, aufschwang der Scharen Gebiether,
   Lichtstein, jetzo das Schwert: verstndlich blitzt' es dem Volk' auf.
   Alsbald rief die Dromet' in hellerklingenden Tnen
   Ro und Reiter zum Sturm, und zugleich, dem Sporn in den Seiten
   Sthnend, flogen die Lufer gestreckt an den Graben. Sie setzten
   Ueber ihn hin, und klommen, da fest an dem Hals' und den Mhnen
   Pochte des Reiters Brust, an dem sandgehgelten Wall auf.
   Dort war jetzt ringsum Gewrg', und Gemetzel, und Wuthschrei:
   Denn nicht der Hagel prasselt so laut aus berstenden Wolken
   Nieder auf's Breterdach (der Wandrer bebt vor Entsetzen,
   Der sich unter ihm barg, zu entflieh'n dem grausen Gewitter)
   Als der sausende Stahl, entlang den Wllen, auf Stirnbund,
   Tulban, Harnisch, und Helm herrasselte, mordend die Scharen.

   Mechmet entrann. Nun beugt' er die Stirne vor Hairaddin dreimal
   Tief in den Staub; dann stand er, und wollte beginnen, vermocht's nicht.
   Hairaddin fat' ergrimmt, des Zgernden Stirne zu spalten,
   Schon den Sbel; da rief der bleichaufathmende Krieger:
   Herr, stets glnze dein Ruhm, wie, strahlend, die Sonne vom Aufgang
   Glnzet zum Niedergang, und mgen die Feinde, vernichtet,
   Schwinden vor ihm! Doch weh'! Entsetzliches mu ich dir knden --
   Zittern vor deinem Zorn. Vernimm's! Die Schanz ist erstrmet.
   Keiner der Unsern lebt; ich allein entrann dem Gemetzel,
   Dir zum Wohl: denn siehe, dein Sclav' entri sich dem Kampf nur,
   Da du es hrest von ihm: dir nahen die Feind' in dem Rcken!
   Und er stie sich den Dolch in die Brust. Da flo an den Wangen
   Hairaddins wohl die Thrne herab, als dort in dem Sandstaub
   Jener verhauchte den Geist? Ach, niemals hoben sich Thrnen
   Ihm aus der Brust empor zu den grimmgertheten Augen;
   Ihnen entstrahlte kein Mitgefhl, kein himmlisches Mitleid!
   Schweigend starrt' er umher; dann, so, wie ein Blitz in der Sturmnacht
   Durch das finst're Gewlk hinfleugt, umrthete pltzlich
   Tiefaufghrender Zorn ihm die blssergewordenen Wangen,
   Und er rief, da Muhameds Aug' erglnzte vor Wonne,
   Grimmig den Janitschar'n entgegen, und schrie im Gets' hin:
   Mgen sie immer im Rcken uns nah'n. Nicht eher verlassen
   Wir die drstende Heide, bis satt mit feindlichem Blut wir
   Sie getrnkt, und gengend ihr tischten das schreckliche Schlachtmahl.
   D'rauf, wie dort in des Waldthals Schlucht, aus berstenden Wolken
   Niedergestrzt, ein Strom entgegen sich drnget dem ander'n,
   Laut mit wildem Gerusch', und im schrecklichen Wogengewirbel,
   Tief aus dem Grunde gewhlt, die Vesten der Berge versinken
   Links und rechts: da rollen die Felsen, da strzen die Wlder
   Gegen einander hinab in den brausenden Schaum der Gewsser:
   Also stieen auch hier die feindlichen Heere zusammen.

   Eilend vor Alba's Reiterschar, flog Garzia Lasso
   Jetzt mit den Rittern heran. Des Fuvolks treffliche Reihen
   Folgten dem Kaiser selbst, dem stattlichen: khn den Gefahren
   Stehend im Kampf', und stolz im Gefhle des sicheren Sieges.
   Furchtbar donnerten schon die mchtigen Schlnde; zugleich flog
   Lastendes Eisen, im Bogenwurf sich kreuzend im Luftraum,
   Hin, und daher gesandt, entsetzlichen Jammer zu schaffen.
   Fort und fort, im Gekrach der rastlosfeuernden Bchsen,
   Prasselte Kugelsaat auf den Feind; laut kreischte der Sbel,
   Zischte der Pfeil, ersausten die Speer' und die Lanzen, und ringsum
   Strmte das Blut: stets grimmiger wthete Mord und Emprung.
   Rechts, wo Hairaddins Heer, entfaltend die Flgel, der Mauren
   Reisiges Volk aufwies, zog Alba, und Garzia Lasso
   Links an die Araber, die voll Grimms gluthschnaubende Rosse
   Tummelten, ihm entgegen zu steh'n im Gemenge der Waffen:
   Denn im sausenden Flug' umschwebte sie Muhamed selber,
   Mit dem ergrimmten Gefolg ringsher anstrmender Geister,
   Rastete nicht, und haucht' emprende Gluth in die Herzen.
   Listengebt ersann er jetzt dem Garzia Lasso
   Schnelles Verderben. Er sah, wie er, senkend den Speer, an die Gegner
   Spornte das Ro; er eilet' ihm vor, und emprte die Natter,[57]
   Die, in dem Munde des Volks die Knigsschlange gepriesen,
   Gleich dem regen Gewrm die rhrigen Hrner bewegend,
   Sich in dem Sande vergrbt, dort schlau zu bercken die Vgel,
   Da sie ihr selbst, harmlos annahend, zur Beute sich bthen.
   Zischend fuhr das grimmige, sandaufschnellende Giftthier
   Vor dem Ro in die Hh', und es schnob im taumelnden Aufsprung.
   Dann, nicht achtend des Schmeichelworts, nicht des hemmenden Zgels,
   Flog es hinber, und trug den edelen Herrn an den Feind hin.
   Dort, von den Seinen getrennt, und dem sicheren Tode geopfert,
   Seufzt' er im Geist: Nun stirb -- doch nicht unrhmlich, ein Feiger!
   Und den blinkenden Speer fortschleudernd, ri er das Eisen
   Sich von der Hft', und hieb den ersten vor allen, Kilikdar,
   Emir des Steppenvolks, vom Sattel: er regte sich nicht mehr.
   Also blitzte sein Schwert nach jeglicher Seite, verderbend;
   Doch, nun jagten wohl Hunderte her, den Ruhm zu erringen:
   Da sie die tapferste Brust mit dem tdlichen Stahle durchbohrten.
   Hermann sah's, in der Luft herschwebend, welche Gefahr ihm
   Droht'; er schwang sich herab, und rief dem Kaiser mit Hast zu:
   Schaue von Feinden umringt den tapferen Garzia Lasso:
   Rett' ihn beherzt! Was schn und gro sich erweiset auf Erden,
   Fhret des Liedes Macht auf goldenen Schwingen zur Nachwelt.
   Nur ein Schwall im Strome der Zeiten, entschwindet das Leben;
   Aber der Snger hascht im Fluge die zartesten Strahlen,
   Die vom eilenden Schwall sich heben, therischer Schnheit,
   Eint, und hgt sie in treuer Brust, und rettet mit Sorgfalt
   Sie noch dem fernsten Geschlecht' in ewiglebenden Tnen.
   Also sprach er in Hast, und winkte den Lftegenossen,
   Mutheinhauchend, den Christen zu nah'n: sie jauchzten ihm Beifall,
   Schwingend den Speer und den Schild, aus schimmerndem Aether gebildet.
   Aber des Kaisers Brust erpocht' im hohen Gefhl jetzt,
   Retter zu seyn des schwert- und liedergewaltigen Mannes.
   Links, rechts, gab er dem Pferde die Sporn': ihm wichen die Reihen;
   Ihm nachjagte Gefolg', nicht forschend, nicht lange besinnend;
   Nur Del Guasto erblat'. Er hob die Hnde vor allen
   Ueber das grauende Haupt empor, und jammerte laut auf:
   Stirb, unglcklicher Greis, eh' brechend dein Auge des Jammers
   Flle gewahrt! Wagt also ein Herrscher das edelste Leben?
   Nichts gilt Weisheit mehr, nichts warnenden Alters Erfahrung.
   Auf, ihr Tapferen, auf, und rettet den Kaiser! Auch Alba
   Lenke die Reiter heran, zu erringen den herrlichsten Kampfpreis.
   Also geboth er dem Volk. Im Sturmlauf brachen die Scharen
   Gegen den Feind. Hinflog auf dem schnaubenden Rosse der Herold,
   Gomez, des Feldherrn Wort zu knden dem Heldengebiether,
   Alba, und sieh', nun schwebte der Angst umnachtendes Dunkel
   Ueber dem Christen-Heer', in des furchtbar'n Kampfes Entscheidung!

   Ha, schon fiel der Rappe Garzia Lasso's, getdtet.
   Mhend entwand er das Bein dem lastenden Thier, und ihm selber
   Warf jetzt Abu-Sa-id den blinkenden Speer in die Schulter,
   Da der erhobenen Faust, bluttriefend der Degen entschlpfte,
   Ihm einbrachen die Knie', und die Augen umhllete Nachtgrau'n.
   Wieder erhob Scheik Rolan das Schwert, ihm die Stirne zu spalten;
   Aber da flog aus der Rechte des nahenden Kaisers der Wurfspie:
   Rolan rchelt' im Sand', und schnell, noch ehe der Ritter
   Kommende Schar das Wei' im Auge des Feindes gewahrte,
   Fiel noch Jusuff, und Ismail Beg, und Haroun, der Emir,
   Seines mordenden Stahls Blutgier und der Rechte Gewalthieb.
   Nahend im Flug, und lautaufjauchzend den Thaten des Herrschers,
   Rchten die Ritter zugleich den schwerverwundeten Fhrer.
   Doch, wie ein mchtiger Schlag des lauterkrachenden Donners,
   Der von des Himmels Rand' auftobte zum finsteren Nordpol,
   Wieder von Osten zurck mit tiefempretem Ingrimm
   Kehrt, und aus Wolkennacht herrollet im dumpferen Nachhall:
   Also erscholl aus der Ferne heran der mchtigen Rosse
   Donnernder Huf: denn Alba kam mit den Reitern geflogen.
   Und, wie die strzende Last der Gewitterfluth auf dem Saatfeld
   Pltzlich die goldenen Halme zerschlgt: nicht im Windesgesusel
   Wogen sie mehr; sie liegen zerknickt, und zerschmettert im Staub dort:
   Eben so ritt hier Mann und Ro das eisengehllte,
   Krftige Reitervolk, andalusische Hengst' an die schlanken,
   Zartgestalteten Rosse der Araber, spornend, zu Boden.
   Lautes Geheul erscholl jetzt unter den stampfenden Hufen;
   Ringsum Waffengeklirr und tdlicher Bchsen Geschmetter.

   Drben rang in dem heieren Kampf Del Guasto, des Fuvolks
   Eiserngeschlossene Reih'n entgegendrngend dem Anfall
   Wthender Janitschar'n. Jetzt hin, dann wieder herber,
   Wie in der felsigen Bucht sich drehet die wirbelnde Brandung,
   Wogten die Kmpfenden. Sieh', und er wre gewichen! Da brachen,
   Fliehend vor Alba's blitzendem Schwert, Arabias Vlker
   Durch die Reihen der Janitschar'n; sie schufen Verwirrung
   Rings, und erfllten Hairaddins Brust mit Wuth und Verzweiflung.
   Furchtbar glhte sein Aug'; er ballte die Faust an der Stirn' hin,
   Hing aus dem Sattel vor, und sann entsetzliche Thaten;
   Doch, von geworfenen Haufen umdrngt, und der Rettung gedenkend,
   Fhrt' er die Scharen zurck: ihm brauste sein flchtendes Volk nach.
   Nicht der Sorge verga fr Garzia Lasso der Kaiser.
   Blutend lag er im Staub, und lehnte das Haupt an den Rcken
   Seines getdteten Thiers. Als nun der Retter vor ihm stand,
   Strebt' er noch den zerschmetterten Leib von dem Boden zu heben,
   Sah durch Thrnen ihn an, und lchelte. Jetzo begann er:
   Herrlich hast du gesiegt, und errettet den Snger. Von nun an
   Tne mein Saitenspiel nur dir, ruhmwrdiger Herrscher,
   Da im entzckenden Klang vernehme die staunende Nachwelt:
   Wie du, erhabengesinnt, nach der Brgerkrone dich sehntest,
   Die, in dem Schlachtengefild', einst Rom dem Retter des Kriegers
   Aus umdrngender Noth um die Heldenstirne geschlungen![58]
   Sprach's. Da wandte sich jener behend, die Thrne zu bergen;
   Winkte zugleich, und sanft erhoben die Krieger den Helden,
   Ihn zu entreien dem Sturm der Gescho', und eilten in's Lager,
   Da er, mit Liebe gepflegt, sich freue der holden Genesung.
   Aber auch allen umher den Verwundeten, sagte der Kaiser
   Trstende Wort', und geboth, was Aller Rettung erheischte:
   Ehrend den Menschen im hohen Gemth, der vielfachen Jammer
   Duldet, des Vaterlands erhabenem Rufe gehorchend.
   Jetzt ersah er mit Lust, wie schnell die Krieger Toledo's
   Ihm nachbrausten im Feld, des Sieges Preis zu erringen;
   Blte das Schwert, und rief dann laut dem tapferen Feldherrn:
   Dort des See's Gestad' entlang beschirme des Heeres
   Rcken mit Muth, und halte dich fest an dem Felsen, dem Fels gleich,
   Den die zrnende Fluth umbraust mit eitelm Getmmel.
   Herrlich strahlt aus dem Sieg das leidenlohnende Ziel dir.
   Mchtig erschttert hob die flammenden Augen Toledo
   Nach dem gtigen Herrscher empor, der, ahnend des Herzens
   Schreckliche Qual, mit erhabenem Sinn ihm lindernden Balsam
   Trufelte; ging, und fhrte sein Volk am Strande des See's hin.
   Wie auf dem Meer der kehrende Schiffer, den in der Sturmnacht,
   Nahe dem schirmenden Port', ein Donnergewitter ereilet,
   Mitten im lauten Gebrll der hochaufschumenden Wogen,
   Und in des Todes Grau'n, das rings sich lagert, der Hoffnung
   Sehnsuchtsblick stets fest auf die strahlende Flamme geheftet
   Hlt, die hoch auf dem Leuchtthurm nhrt die sorgliche Seestadt:
   Also haftete jetzt sein Aug' an den ragenden Felshh'n,
   Als an dem sicheren Port, in welchem sein Alles gerettet,
   Und geborgen ihm schien, nach dauernden Strmen des Lebens.

   Ach, und hatte die Dulderinn noch des bitteren Kelches
   Letzte Hefen geleert; noch sterbend vernommen den Donner
   Von dem Hgel herab; der Hhle vorber den Hufschlag
   Feindlicher Ross', und Eil' und Hast unmenschlicher Ruber;
   D'rauf die wilde Losung des Mords, Wuthschrei der Besiegten,
   Jauchzen der Sieger, Geheul Verwundeter, Sterbender Rcheln?
   Doch nur am tauben Gestein, am dunkeln Gewlbe des Grabes,
   Hallte der Jammer hin -- dem Ohre der Todten nicht hrbar.
   Dort, geborgen durch Treu' und Liebe des redlichen Greises,
   Lag sie auf schwellendem Moos', in der hehren Stille der Mondnacht.
   Schneidend' Weh und dumpfes Bangen drngte sich wieder
   Ihr durch Mark und Gebein: denn oft verging sie in Ohnmacht,
   Wachte wieder, und litt. Ach! keine mitleidigen Seelen
   Nhern sich hlfreich ihr in der Stunde der Angst und des Jammers?
   Siehe, und Roma's Stolz, Cornelia,[59] Mutter der Gracchen,
   Schwebte heran! So wie durch leuchtende Scheiben des Fensters
   Dringet der Sonnenstrahl; so dringt therisch der Geist auch
   Durch das dichte Gestein. Sie hrte die Jammernde, bebte,
   Forscht' in Hast ringsher: ob hlfekundig ein Wesen
   Athme, ihr Rettung zu bringen? Umsonst! Des Tages Gerusch' war
   Lange verhallt, entfernt die Stadt, und still das Gehlz her.
   Knieend hielt sie das Haupt der Leidenden, und, so verlassen,
   Suchte sie, leidengebt, ihr Muth in dem Herzen zu wecken.
   Jetzo entwand sich in Weh'n dem Schooe Mathildens ein Knblein.
   Aber sie legt' ihn matt an die todbleichschwebende Brust hin;
   Griff nach der rieselnden Fluth, und taufte mit zitternder Rechten,
   Ihn in dem heiligen Nahmen des Ein-Dreieinigen Gottes.
   Dann noch fhlte sie tief, im eisigen Schauer des Todes --
   Fhlt' es, mit liebendem Blick nach Oben: ein Himmlischer lse
   Sanft und mild das Band des irdischen Lebens. Ihr Herz schlug
   Immer leiser und leiser. Es stand, und regte sich nicht mehr.
   Schwebend ber dem Fels, im hehren Flug zu des Himmels
   Strahlenbahn, noch einmal senkte zur irdischen Heimath
   Sie den verklreten Blick, und sah am verblichenen Leichnam
   Liegen ihr wimmerndes Kind, und suchen vergeblich um Nahrung
   Dort an der bleicheren Brust umher. Da entstrzten die Thrnen
   Ihrem Aug'; doch Thrnen der Wonn': im himmlischen Eden
   Harre der zarten Knospe Gedeih'n und Flle der Nahrung,
   Da sie entfaltet blh' in nievergnglicher Schnheit,
   Frische, und Kraft: denn jetzt verlosch auf dem ruhenden Herzen,
   Aehnlich dem Abendstrahl, das mattaufflimmernde Leben.
   Doch, wie ein glhender Docht, der Flamme genahet, sich wieder
   Eilig entflammt: es hpft die fchelnde Lohe nach ihr hin:
   Wie die getrennte Fluth der bergentsprossenen Quelle
   Schnell den blumigen Hgel umfliet, den sinnig der Grtner
   Jngst in dem Lusthain schuf: die beiden Arme, gesondert,
   Streben sich wieder zu einen, und flieh'n im schneren Lauf fort:
   Wonne, so flog an die Brust der berseligen Mutter
   Nun ein Engel, ihr Kind; umschlang den glnzenden Hals ihr,
   Holdauflchelnd, und lallt' ihr entzckt Willkommen und Gru nach!
   Aber sie hob ihn empor; sie jauchzte hinauf in den Himmel,
   Eilt', und flog, wie ein Stern hinschwindend im glnzenden Aether,
   Nach dem Gezelt, wo ihr Gatte, versunken in tdlicher Schwermuth,
   Sa, und nach ihr sich sehnt' in unaussprechlicher Rhrung.
   Nah' ihm schwebte sie leis': ihr pochte das Herz in dem Busen
   Ob der Erinnerung ihres einstigen Glcks und der Leiden,
   Die sie erduldeten beid', in der Zeit entsetzlicher Trennung;
   Legte den einen Arm um den Nacken ihm, legte das Shnlein
   Ihm an die Brust. Er sthnt', und blickt' in schaudernder Ahnung
   Um sich her: ihn ergriff die Nh' unsterblicher Seelen.
   Sieh', ihn herzte das Kind, mit sanftumschlingenden Hndchen
   Hngend an seinem Hals, und pressend die Wang' an die Wangen!
   Doch sie sprach ihm leis' an die Seele die Worte des Trostes:
   Gottes Friede mit dir! Der seligen Wiedervereinung
   Stunde ist nah': denn bald, verhauchend das tapfere Leben,
   Eilst du mir freudig nach in die Segensgefilde des Himmels,
   Wo kein Scheiden mehr ist, kein feindliches Schicksal, kein Tod mehr
   Glckliche Herzen trennt; wo jegliche Thrne versieget,
   Jede Klage verstummt, und Mathild' dein harret mit Sehnsucht.
   Lispelte so. Sie kte die thrnenumflossenen Augen,
   Leis'erbebend, ihm noch im innigen Kusse der Seelen,
   Und entschwand, mit dem Engel im Arm, noch hufig herunter
   Schauend, verklrt, und strahlender stets, wie ein Blitz in den Lften.

   Dort von des Felsens Hh'n ihr folgten Cornelia's Augen.
   Weinend hob sie die Hnd' ihr nach, und sagte beklommen:
   Vieles duldet' ich einst: mit ehernem Muthe getragen
   Hab' ich den Tod der Shn', wie es heischte die Wrd' und der Ahnen
   Beispiel. Im Busen erglhte mir hei die Liebe des Nachruhms:
   Mutter der Gracchen zu seyn, und zu heien der rmischen Frauen
   Erst' in der Gegenwart und spt in der kommenden Zeit noch,
   Und mich ehrte mein Volk; doch, sah, bewundernd, ein Aug' hier,
   Welche Qualen sie litt, und wie, in der einsamen Felsnacht?
   Nur das hohe Gesetz des gttlichen Lehrers ihr Leitstern;
   Seine Lieb' ihr Trost; ihr Ziel das bessere Leben.
   O da ich fern ihm wandelte -- fern, auf dem dsteren Irrpfad!
   Ser als Harfengetn im Zauber der nchtlichen Stille
   Scholl aus dem Luftraum ihr der sanfteinladende Zuruf:
   Schweb' empor, Cornelia! Einst tnt dir aus den Himmeln,
   Wonnig-ersuselnd, der Born unendlicher Huld und Erbarmung!
   Wie des Morgens Strahl auffleugt am rosigen Himmel,
   Flog sie empor, auf einem der flammenden Sterne zu weilen,
   Welche, dem Lichtreich nah', im schneren Laufe dahinzieh'n.

   Doch nun drang Toledo, der Held, dem Sturme vergleichbar,
   Der die Heide durchtobt in trberen Tagen des Herbstes,
   Immer des See's Gestad' entlang zum Felsen hinber.
   Freudig brausten die Scharen ihm nach. An dem edelen Feldherrn
   Hing mit Liebe das Volk, der, immer so khn, in Gefahren
   Ruhm sich errang, und Ruhm und Ehre gewhrte dem Krieger.
   Schon erblickt' er das Ziel; doch, ach, von Schauder ergriffen,
   Sah er zugleich unendliche Macht der feindlichen Reiter,
   Sphend, umstellen den Fels, gefhrt von dem schrecklichen Dragut!
   Lautaufseufzte der Held: er whnte verrathen des Felsens
   Dunkele Hhl', und ihm entrissen das edelste Kleinod.
   Dragut gewahret' ihn auch, und sann: ob er dem Verhaten
   Nahe, ob nicht? Doch schnell gedacht' er der List, und urpltzlich
   Jagt' er davon, zum Hinterhalte die Feinde zu locken.
   Tapferer Greis, so rief Toledo dem rmischen Feldherrn,
   Sey des Volkes leitender Hort! Verfolge die Gegner
   Rasch hin, bis ich die Gattinn erlst' aus dem bergenden Fels hier,
   Und mit Kurd, dem edelen Freund, entsandt' in das Lager:
   Denn mich heiet die Pflicht noch frder im Kampfe zu stehen.
   Freudig gehorchte der tapfere Greis, Ursini. Des Jnglings
   Feuer beseelt' ihm die Brust: er eilte dem fliehenden Feind nach.
   Wie die Lwinn, die erst auf dem Lager die Jungen zurcklie,
   Hrend des Panthers Gebrll fernher, schnell wieder zurckkehrt,
   Vor die Hhle sich stellt, und harret des kommenden Gegners:
   Denn sie vertrauet dem Muth und der siegenden Strke: so muthig
   Blickte Toledo umher (nicht Tausenden wr' er gewichen)
   Sprang aus dem Sattel mit Kurd, und legte mit zitternden Hnden,
   Nahe dem Felseingang, die blinkenden Waffen dann nieder;
   D'rauf, nicht ahnend im Geist die entsetzliche Nhe des Jammers,
   Half er dem treuen Gefhrten, und hob, und wlzte vom Eingang,
   Sthnend, den mchtigen Block, und rumete Schutt und Gestruch weg.
   Weit aufghnte die Hhl'. Er stieg: Mathilde! Mathilde!
   Rufend, hinab. O Jammer, da strubten, wie Stacheln des Igels,
   Ihm von der Scheitel die Haare sich auf. Ein Schrei des Entsetzens
   Schmettert' aus seiner Brust; weit vorgebogen, und krampfhaft
   Faltend die Hnd' an der Stirn', hinstarrt' er mit leblosen Augen --
   Starrt', und sah die Gattinn entseelt auf dem Boden, und ihr gleich,
   Schlummernd an holder Mutterbrust den lieblichen Sugling.
   Leis' nur athmet' er noch, und sank erblassend zusammen.

   D'rben lag Ursini dem Feind, verfolgend, im Rcken.
   Unablssig erkrachte das Rohr, und ste Vernichtung
   Unter die fliehende Schar; doch pltzlich brach vom Gehlz her,
   Lauernd im Hinterhalte, der Feind auf den Sieger, und sandte
   Zahllosschwirrende Pfeile heran. Da wandte sich Dragut
   Eilig zu seinem Volk, und rief mit grimmigen Blicken:
   Jetzt umzingelt sie schnell. Sie sollen den Frevel mir ben,
   Den ihr Fhrer verbt'. Und, ha, nicht erseh' ich ihn drben
   Unter der Schar! Hat etwa der Unsern Gescho ihn ereilet,
   Oder, wich er feige zurck, weil Dragut ihm nahte?
   Flugs umbrausten mit wildem Geschrei die maurischen Reiter,
   Dragut folgend, und flugs numidische Horden, die Christen.
   Aber der tapfere Greis, dem jetzt die feindliche Kugel
   Strmend die Rechte durchfuhr, erhob mit der Linken den Degen,
   Ordnete schnell die Reihen, und rief den Geordneten: Feuer!
   Denn sie hatten gezielt: da feuerten alle mit einmal
   Ihre Gewehr' ab: sie krachten, durch Rauch und Flammen versendend
   Furchtbare Kugelsaat zur blutigen Ernte des Todes.
   Schnaubend prallten die Rosse zurck; der wilde Numider
   Wankte; von Schrecken betubt, verweilte der maurische Reiter.
   Nun gedacht' Ursini der Flucht, der rettenden. Fliehend
   Drngt' in das Feuerrohr der Krieger des Todes Geschosse;
   Stellte sich wieder, ereilt, und trieb die strmenden Haufen
   Mordend zurck. Doch wie der Staar' unzhlige Scharen,
   Lstern nach Traubenblut, die Rebenhgel umflattern:
   Weder der Hther Geschrei, noch die rastlos tnende Klapper
   Scheucht sie vllig hinweg -- stets kehren die Lstigen wieder:
   Also umschwrmte der Feind die Fliehenden: Manchem das Leben
   Raubend mit tdlichem Stahl, und fernhin scholl das Getmmel.
   Dragut sah, erstaunt, die Waffen Toledo's am Boden
   Liegen. Er sprang voll Hast aus dem Sattel, und stieg in den Felsschlund
   Rachebeflgelt hinab. Sein sphendes Auge gewahrte
   Bald den Ersehnten im Grabesgewlb', und er jauchzte vor Wuth auf;
   Aber sein Flammenblick, den starrenden Blicken Toledo's
   Folgend, sah die entseelete Frau. Da fate des Todes
   Schauer ihn an: der Laut erstarb auf den Lippen ihm; wankend
   Sucht' er des Tages Licht, und sthnte noch laut vor Entsetzen.
   Schon braust' ihm sein Volk entgegen im schmhlichen Rckzug,
   Von dem Feinde gejagt: denn Alba's siegende Reiter
   Brachten Ursini's umstrmter Schar ersehnete Rettung.
   Dragut schwang sich behend auf's Pferd, zu entkommen den Augen
   Hairaddins, da er nicht feig ihn heie, die blsseren Wangen
   Schauend im Waffenfeld: nicht ahnend, was ihn betroffen.

   Muhamed, der die Wlschen umdrngt, in grauser Verfolgung
   Weichen sah, erregte den Muth des flchtenden Herrschers,
   Hairaddin, khn zu besteh'n des Kaisers anstrmende Heersmacht.
   Wie, so rief ihm der Geist, du, Hairaddin, schrecklicher Krieger,
   Wendest den Rcken dem Feind'? Erschlafften des tapfersten Herzens
   Schwingen so ganz, da es scheu vor Schlachtengetmmel zurckbebt?
   Auf, und versuch' erneueten Kampf: denn Siegesgejauchz' tnt
   Dort von des See's Gestad', wo Dragut, der Schreckliche, kmpfte!
   Hairaddin horcht', und vernahm fernher Getmmel und Schlachtruf.
   Donnernd schrie er den Flchtenden: Halt! und stellte die Haufen
   Gegen des Feindes Macht mit kampfanbiethender Stirn auf.
   Auch das Siegel von Gold, das hell an der tapferen Brust ihm
   Schimmerte, sandt' er an Dragut hin: ein furchtbares Zeichen
   Groer Gefahr, und des Ungehorsams druender Strafen,
   Da er ihm eine die Macht. Wie auf Windes Flgeln enteilte --
   Spornte das Ro Ben-Dar, der Araber, der ihm ein Liebling
   War vor allen im Heer' mit dem khnvordringenden Kampfmuth.
   Aber vergebens spornt' er das Blut aus den Seiten des Renners;
   Hairaddin forschte nach Dragut umsonst: denn, fern von dem Schlachtfeld,
   Nahet' er schon im Flug den Thoren von Tunis, getrieben
   Von entsetzlicher Angst. Ihm keuchte sein bebendes Volk nach.
   Wie, verirrt auf Sibiriens schneeiger Heide, der Weidmann
   Aengstlich forschend sich mht, den ihm entschwundenen Heimweg
   Wieder zu finden, und jetzt am Rande des Himmels ein Wlkchen
   Leis' aufschwebt: da whnt' er, getuscht, die trauliche Htte
   Sey es, und freut sich der Gattinn schon und der harrenden Kindlein;
   Aber das Wlkchen schwand, und trostlos kehrt ihm der Abend:
   Also getuscht sah Hairaddin unmuthsvoll zu dem Seestrand
   Forschend hinaus: denn fern' ihm floh die ersehnete Kriegsschar.
   Sieh', und jetzt durchtobte zugleich das entsetzliche Schlachtfeld
   Lrmenden Sieges Gets', und Flucht und grause Verwirrung!
   Dort brach Lichtsteins Volk, des herrlichen Schanzenerstrmers,
   Jauchzend heran, und hier ihm brauste, dem wilden Orkan gleich,
   Alba's siegende Macht entgegen. Er blickte verzweifelnd
   Um sich her, und geboth den bebenden Scharen den Heimzug.
   Mordend folgten die Sieger ihm nach. Vom Blute gerthet
   Wies sich den Kehrenden weit die siegverherrlichte Laufbahn.

   Nahe dem Felsenschlund sa Kurd. Er senkte die Augen
   Tief zur Brust, und schimmernde Thrnen benetzten sein Antlitz,
   Als der Kaiser an ihm vorberzog in dem Siegslauf.
   Dieser sprengte das Ro jetzt nher, und forschte mit Sorgfalt:
   Was ihn betrbt'? Doch Kurd erhob sich, und fhrte den Herrscher
   Ein in des Grabes Nacht, in die Wohnung unsglicher Trauer.
   Dort erbebte sein fhlendes Herz des Menschengeschickes
   Nchtlichstem Bild. Er schwieg; doch dringender Hlfe gedenkend,
   Fat' er Toledo am Arm, und stieg in die Helle des Tages
   Rasch mit dem Wankenden auf; dann rief er dem treuen Gefhrten:
   Kurd, erhebe dich schnell, und hufe die Trmmer mit Vorsicht
   Auf an dem Schlund: denn bald erhh'n wir, als Sieger, Mathildens
   Denkstein, der ihr Trauergeschick verknde der Nachwelt,
   Und an den Wechsel des Erdenglcks den Sterblichen mahne!
   Also geschah's. Doch heim zu dem Zelte des gtigen Kaisers
   Schritt mit Toledo das trauernde Ro; er lenkte das eig'ne
   Sorglich ihm an der Seit', und sann voll Huld auf dem Heimweg,
   Wie er das leidenerstarrete Herz zum Leben erwrme?
   Und der ersehnete Abend sank. Die kehrenden Scharen
   Eilten mit Siegesgesang, vom Gewirbel der drnenden Trommel
   Und Drometengeschmetter umtnt, zurck nach dem Lager.
   Weithin dehnte sich schon der riesige Schatten der Krieger
   Und der Ross', auf dem Sand. Die Sonne blickte noch einmal
   Ueber des Meer's hellschimmernde Fluthen herber, und sandte
   Scheidend, aus Rosengluth, auf den Fittigen suselnder Lftchen,
   Endlich die Labung dem Heer' in der mildumschmeichelnden Khlung.




                            Zehnter Gesang.


   Noch umhllete Nacht mit finsterem Schleier Goletta's
   Schweigende Flur; nicht sanftaufdmmerndes Roth an des Ostens
   Duftigem Himmelsthor, nicht Geflister der lieblichen Snger
   Kndigte noch das Erwachen des Tag's aus schauernden Zweigen,
   Als im erleuchteten Zelt der Kaiser mit seinen Erwhlten,
   Doria, Guasto, und Eberstein, im wichtigen Kriegsrath
   Sa, und Jegliches ordnete, nun zu erstrmen die Festung.
   Nher gerckt war ihr das schanzende Volk, und gewahrte
   Jetzo gerechtes Ziel, die furchtbare Bombe zu schleudern.
   Mchtige Schlnde, den Kriegern genannt die Mauerzertrmmrer,
   Sah'n aus dem Schanzkorb schon zur Veste hinber, und ringsum
   Lagen am Wall Sturmleitern gehuft. Entlassend die Helden
   Aus dem Gezelt, sprach noch der erhabene Kaiser mit Nachdruck:
   Segen des Himmels mit euch! Bald soll in heieren Stunden
   Sturmdrometender Ruf vor Goletta's Mauern uns einen.
   Doria eilte zum Meeresstrand, zur sphenden Vorhuth
   Guasto; nur Eberstein stand noch, und sagte bekmmert:
   Nagender Gram erfllet die Brust der Deutschen; sie klagen:
   Nur Hispaniens Shn' und Wlschlands theilten Gefahren,
   Ruhm und Ehre mit dir; sie stnden vergessen im Lager,
   Minder geachtet im Heer und deines Vertrauens nicht wrdig.
   Lchelnden Blick's, doch sanft verweisend, entgegnete jener:
   Hget des muthigen Volkes Hort den nagenden Unmuth
   Auch in der tapferen Brust? Nicht vorlaut tadle der Krieger,
   Was ich im ernsten Gemth, auf Jegliches achtend, beschlossen.
   Spanier, Wlsch', und Deutsche, sie all' sind theuere Kinder
   Mir, und jen' errangen sich schon erfreuenden Siegsruhm;
   Aber noch hheren Muth erheischt, im Felde der Waffen,
   Winkend zu Thaten, das hhere Ziel. Bald sollt ihr ersehen,
   Ob ich dem Deutschen vertraut', ein Deutscher, und dankend mich ehren.
   Freudigen Blick's enteilte der Held, den harrenden Brdern
   Trstend zu nah'n, und zu ordnen die Scharen zum Sturme Goletta's:
   Denn schon wthete ringsumher des eh'rnen Geschtzes
   Furchtbar donnernde Macht. Bald hier von den kreisenden Schanzen;
   Bald von dem Meerstrand dort, hinsausten die schrecklichen Kugeln.
   Aber nicht minder zurck vom Walle der trotzenden Festung
   Sausten im Donnerlaut die schmetternden hin und herber:
   Bebend drnte die Erd', aufheulte der flammende Luftkreis.

   Hannibal sah vom Gewlk die Christen im mchtigen Vortheil;
   Sah nach Goletta hin die Donnerschlnde gewendet,
   Ringsum Gedrng' und Hast, das herrliche Ziel zu erringen,
   Und erbebte vor Zorn. Der Kampferfahrne gedachte
   Jetzo der List, und flog nach der Veste hinber, wo Sinam
   Erst auf dem Rasen des Walls entschlummerte, sorgenermdet:
   Denn in dem nchtlichen Grau'n vernahm er Gets' in den Schanzen,
   Und entsandte die Spher sogleich. Nun sah er im Traumbild
   Rings versinken den Wall umher, und die Mauern Goletta's
   Strzen, zertrmmert, in Staub, da furchtbar ghnte der Abgrund.
   Krampfhaft fat' er den Rasen, und sthnt', als Hannibal jetzt ihn,
   Leise genaht, aufboth mit den mutherregenden Worten:
   Sinam, du ruhest dahier, ein Trumender? Schande dem Trgen!
   Sieh' schon whlte der Feind, wie im nchtlichen Boden der Maulwurf,
   Viel verzweigte Gnge sich bahnt, Laufgrben von Neuem,
   Gegen die Veste sich auf; er hufte die Schanzen, und fhrte
   Riesenschlnde heran, zermalmenden Donner zu wecken!
   Schwand dir vllig die Kraft, Abwehr zu ersinnen und Kriegslist?
   Wie, wenn Tapfere, nur das Geschtz zu verderben, entschlossen,
   Hastig am Zndrohr dort einkeilten den eisernen Nagel
   So, da im weicheren Erz die scharf gehmmerten Kanten
   Hafteten, und der Entschlu Errettung schaffte den Eu'ren?
   Auf, und erwge die That: dem Khnen gesellt sich das Glck nur!
   Sinam entfuhr dem Rasen voll Hast, und dachte verwundert:
   Ob er getrumt -- ob Gottes Prophete den khnen Gedanken
   Ihm in die Seele gelegt? Doch als er die Spher vernommen,
   Flog er zu Giaffar hin, und sagte mit leuchtendem Antlitz:
   Tapferer Aga, vernimm mit Staunen, was Gottes Prophet' erst
   Mir an die Seele gehaucht, im sinnebetubenden Schlummer!
   Wieder gelang's, so melden die Spher, dem Feinde, Goletta's
   Mauern durch Schanzen zu nah'n: uns droht gewisses Verderben
   Heute noch, wo uns nicht rettet der Muth und entschlossene Khnheit.
   Auf zu dem herrlichsten Sieg! In der glhenden Stunde des Mittags,
   Wenn, ermattet, die Fremdlinge ruh'n, bestrme die Schanzen
   Du mit erlesenem Volk. Das schwere Geschtz zu verderben,
   Hastig am Zndrohr dort einkeil' es den eisernen Nagel
   So, da im weicheren Erz die scharfgehmmerten Kanten
   Haften, und uns hinfort die Vestezertrmmrer nicht schaden.
   Gro ist des Sieges Gewinn, und dein: unsterblicher Nachruhm!
   Giaffar blickte mit Ernst dem stattlichen Schirmer Goletta's
   Lang' in die flammenden Augen, und sprach, als jener verstummte:
   Nicht Unwichtiges sann, du Tapferer, jetzo dein Geist aus;
   Oder dir nahte der groe Prophet, wie du sagtest, in Wahrheit,
   Sturm gebiethend, und dort das Vernageln des Donnergeschtzes,
   Wo in den Schanzen umher unzhlig die tapferen Vlker
   Wachen! Aber, wohlan: nie bebte des Kampfes Gefahren
   Giaffar noch, und sollt' er im Sturm auch fallen, er bebt nicht!
   Also enteilt' er sogleich, und rief die khnen Gefhrten,
   Jauchzend, zum Sturmgang auf; doch Sinam sah ihm erstaunt nach.

   Schon entfloh'n die Schatten der Nacht; der freundliche Morgen
   Streuete Rosen umher an des hellaufstrahlenden Ostens
   Goldenem Thor, und mit glhender Stirn' erhob sich die Sonne,
   Froh zu durchlaufen die Bahn in des Weltalls endlosen Rumen;
   Aber nicht lange, so fleugt vor ihrem Blicke Verderben,
   Jammer, und Tod aus den furchtbar'n Gluthgefilden der Wsten
   Ueber die Christen heran: denn schon empret der Windsto,
   Wirbelnd, den flimmernden Sand; weit ghrt, und zischet die Meersfluth.
   Wer entflammte den Unhold dort, dem Heere der Christen
   Tdlich zu nah'n? Wer stand ein Rettender ber dem Kriegsheer?
   Muhamed sa, ergrimmteren Blick's, auf dem goldenen Halbmond,
   Der von den Zinnen des Minarets, des wolkengethrmten,
   Ueber die mchtige Stadt hinschimmerte, Moslems zur Wonne.
   Wie Gewittergewlk auf das Hochgebirge sich lagert:
   Ghrende Blitz' umrthen den Saum des finster'n, und furchtbar
   Droht in die Thler herab sein bald erkrachender Donner:
   Also sa er erhht auf dem Thurm. Die Schanzen gewahrend,
   Dacht' er Goletta's Sturz, und der Feind' unendlichen Sieg'sruhm --
   Dacht' es, und knirschte vor Wuth, und whlte mit zuckender Rechten
   Dann in dem Busen; die Linke zerkrmmte die Hrner des Halbmonds.
   Jetzt auffuhr er in Hast. Wie aus tiefen Trumen erwachend,
   Starrt' er umher, und winkte den ringsumschwebenden Geistern:
   Attila selbst, mit dem wilden Gefolg, dann seinen Erwhlten;
   Jetzt auch Hannibals Schar: denn er umschwebte Goletta's
   Mauern, und harrte des Kampfs im schlndeverderbenden Anfall.
   Mir nach, rief er der Geisterschar, Aethiopiens Scheusal
   Beut uns schreckliche Macht zur Rach', in des Feindes Vernichtung!
   Und sie entflogen all' im Schrei des empreten Ingrimms.

   Ueber Zender und Gingir[60] hinaus, wo rings um den Erdball
   Sich der Gleicher[61] schlingt, gleich fern von dem Sd- und dem Nordpol
   (Denn so ersann der stern'erforschende Weise das Zeichen:
   Ahnend der Erd' Umschwung um die eigene Achse, mit jenem
   Schrg' an der Sonn' umher, in des Jahrs umrollenden Tagen)
   Dort in Afrika's Schoo, wo im den Gefilde nicht, schattend,
   Suselt der Baum, nicht liebliches Grn entzcket die Augen,
   Und von dem Flammenthron, senkrecht, versengende Strahlen
   Schleudert die Sonn' auf den kochenden Sand, der ewig der Wsten
   Unermelichen Raum in des Todes Trauergewand hllt:
   Dort umstarrt, gen Himmel gethrmt, ein Felsengebirg rings
   Ein entsetzliches Thal, wohl hundert Meilen im Umkreis.
   Nicht die Gems' mit dem eisernen Muth und den ehernen Klauen,
   Fnd', aufklimmend, Bahn an der steilaufragenden Felswand,
   Und aus der Tiefe herauf, die grulich, vom Donner gespalten,
   Ghnet, erhebt sich ein Flammenmeer, und wirbelt, und brauset
   Auf zu des Kessels Rand, vom kochenden Schwefel und Erdharz
   Unversiegend genhrt. Doch weh', wenn, bergefllet,
   Ihm entstrzet die Fluth! Da erbraust urpltzlich der Luftraum;
   Weit erbebet die Erd'; aufhebt sich des Windes Vermgen:
   Sul' an Sule gedrckt, fortstrzt er im Flug um den Erdball.
   Wenn er vom Mittelmeer nach Hesperiens Zaubergefilden
   Fleugt: da glhet sein Odem noch, und erschlaffet die Menschen,
   Trbumwlkten Gemth's. Umkreist er aus Sden des Nordpols
   Eisige Stirn: da deckt der glnzende Reif ihm die Schwingen,
   Und er schttelt uns Schnee und den bltheverderbenden Frost her;
   Aber, im schnelleren Flug durchbrausend des rosigen Aufgangs
   Fluren, und d'rauf, heimkehrend im Sturm, von des Abends Gefilden,
   Haucht er den Regen heran, den dauernden, der aus dem Weltmeer
   Dunstgeboren sich hebt, und die schimmernden Lfte verdstert --
   So wie im Gegenlauf, an des Altais[62] Hh'n, und des Urals[63]
   Oestlichem Rcken erfrischt, er die Regengewlke verscheuchet
   So, da lieblich und khl die Blue des Himmels herabglnzt.
   Also kehret er stets nach den grau'numhllenden Felshh'n
   Wieder, an welchen er ruht, und die Lft' umschwimmen im Gleichma.

   Dorthin, glhend vor Hast, kam Muhamed jetzt mit den Scharen
   Zahlloser Geister, und hie sie, mit drohendem Winke der Brauen,
   Schnell umringen den Saum des furchtbarn Felsengebirges;
   Aber er stand. Ihm leckten die dunkelgertheten Flammen,
   Prasselnd, die F', und floh'n, und kehrten in wirbelnden Wogen.
   Finster blickte sein Aug', und glht' im Glanze des Feuers
   Schrecklicher noch, da er laut erhob die gewaltige Stimme:
   Seht, Erwhlte des Ruhms, vor allen Scythia's Helden,
   Welchen des Sdens Wundergebieth erst heute sich aufhellt,
   Hier im flammenden See den Samyel[64] -- Vlker erbeben
   Schon dem Nahmen allein des todaushauchenden Unholds --
   Lauern! Er mordet, geweckt, das Leben; im sausenden Eilflug
   Hebt er die Wst', und stubt sie empor in die Lfte: sie wandelt
   Hoch in dem Wolkenreich, nun schnell, nun zgernder vorwrts
   Schreitend die Bahn, und deckt, entstrzend, mit thrmenden Bergen
   Weit die Gefilde. O seh't, o seh't, nach Sahara hinber!
   Dort in dem Sandmeer wallt, verschmachtenden Herzens, seit Monden
   Schon Karawanengefolg' den heimischen Fluren entgegen;
   Weh', und Araber sind's, mein Volk! O, nimmer erblicken
   Sie das Heimathland! Von sinkenden Hgeln begraben,
   Schwinden sie all': ein Schauspiel noch entfernten Geschlechtern,
   Wenn verweht die Hgel entflieh'n, und die Starren enthllt sind.
   D'rum jetzt Rache verbt, die schrecklichste, die noch verbt ward,
   Dort an der christlichen Heeresmacht, der zahllose Moslems
   Schon erlagen im Kampf fr den welterleuchtenden Koran,
   Fr errungenen Ruhm, und die vlkerverschlingende Herrschaft.
   Strzet vereint in den Flammensee, und emprt der Vernichtung
   Ghrende Fluth noch mehr, da selbe nach Tunis hinber
   Sende den Samyel, der, verschonend die tapferen Moslems,
   Tilge sogleich die Unglubigen dort mit erstickendem Gluthhauch.
   Siehe, da strzten sich all', emprt von dem schrecklichen Herrscher,
   Jauchzenden Ruf's in den Flammensee. Sie tauchten hinunter
   Bis in des Abgrunds Nacht, und fuhren herauf, und erregten
   Also die Fluth, da Wog' auf Woge geschleudert dahinsank.
   So, wie der Schilfteich braust, wenn pltzlich auf ihn des Orkans Wuth
   Niederstrzt vom Gewlk, und rings die umufernden Dmme
   Ueberfluthend, ergeut sein dunkles Gewsser: so strzte
   Von dem Felsen die feurige Fluth. Entsetzlich zu schauen!
   Himmel und Erd', im furchtbar'n Wuthkampf ringend; die Sandwst'
   Wandelnd in Wolkenhh'n, und der todaushauchende Gluthwind
   Prasselnd im Sturmesflug nach dem Lager der Christen hinber,
   Drohten der zitternden Welt die Schrecken des letzten der Tag' an.

   Doch, auf Goletta's Wall stand Giaffar, herrlichgerstet,
   Schon vor den Reihen der Janitschar'n. Sie staunten dem Hauptschmuck,
   Der von des Tulbans Bund herschimmerte, zierend des Reihers
   Schneegefieder, und gleich dem Fittig des Aars, sich entfaltend;
   Staunten des Sbels Gehng', voll blitzenden Edelgeschmeides,
   Den Suleyman ihm both, der Prchtige, als er vor Rhodus
   Ruhm sich erwarb, im Sturm durchbrechend das eiserne Seethor.
   Nie gewahrt' ihn das Volk so reichgeschmckt in dem Feld noch.
   Jetzo mit leuchtendem Blick' erhob er die mchtige Stimme:
   Hrt mich, Shne des Siegs! Schon oft erlagen im Schlachtfeld
   Eurem schrecklichen Arm die Unglubigen; aber er wthe
   Heute noch mehr, als dort im Sden der wilde Hamaddan,[64]
   Der im Feuergewlk auffleugt, und mit glhendem Odem
   Bald das Lebende tilgt. Auch tdte sie Gram und Verzweiflung,
   Jetzt in dem Ueberfall ihr Geschtz vernichtet zu schauen.
   Auf, und erringet des Sieges Preis, nicht der sinkenden Brder
   Achtend! Falle wer mu: nur mgen die Seinen ihn rchen!
   Also entflammt' er das Volk. Da scholl, wie brandender Wogen
   Rauschen im Meeressturm, und das Brausen im dunkelen Eichwald,
   Den der heulende Nord durchtobt, des strmischen Volkes
   Wuthausruf, von Goletta's geffnetem Thore; da rannten
   Alle voll Hast nach der Schanze hinaus, die Ludwig, als Feldherr,
   Strahlend in Jugendglanz, mit den niederlndischen Helden
   Und Lusitania's tapferem Volk, krieg'skundig beschirmte.
   Dort war lautes Gets', war Rufen. Zur muthigen Abwehr
   Eilte das Volk; doch unaufhaltsam, die Schanzen entlang hin --
   Nicht des hagelnden Donnerrohr's, nicht der sinkenden Brder
   Achtend, drangen die Wthenden auf, und ihr gieriger Aarblick
   Hing an den ehernen Schlnden allein. Ach, sieben umringten
   Sie, vorstrmend in Hast! Bald tneten schmetternde Hmmer
   An dem geflachten Kopf der eisernen Ngel: sie drangen
   Fest in das weichere Erz, des Zndrohrs Hhle verkeilend,
   Und zerstrend des Feldzeugs Macht mit den schneidenden Kanten.

   Jetzo wre noch mehr des schrecklichen Frevels geschehen;
   Aber schon kam, und schrie Lusitania's Zierde den Scharen:
   Brder, hrt! So ihr feig nicht rchet den schndlichen Frevel,
   Welchen der Feind verbt', entsag' ich dem Stabe des Feldherrn
   Jetzt, und hinfort, den mir der edelste Herrscher vertraute,
   Euch zu lenken im Waffenfeld zu Thaten des Ruhmes.
   Ha, willkommen der Tod, wo Schande, nicht Ruhm, mir zu Theil wird!
   Alsbald strmt' er vor, und hieb mit dem sausenden Mordstahl
   Ein in die Scharen, da links und rechts die Getdteten sanken.
   Wie in dem dunkelen Forst, im Gebell verfolgender Rden,
   Schnaubend daher ein Eber fleugt: er suchet des Dickichts
   Rings umschattende Nacht, und mht mit den schrecklichen Hauern
   Nieder die schlanken Stmme -- dem Wthenden sinket der Wald hin:
   Also strzete Mann auf Mann des Heldengebiethers
   Wrgendem Schwert. Sein Volk, vernehmend den schrecklichen Vorwurf --
   Schauend den Helden im Kampf, schnob Rache. Nicht Bchsengeschmetter,
   Sausen des Sbels und Speers war jetzt zu vernehmen: die Krieger
   Faten den Lauf des Feuerrohr's, und schlugen, und drngten,
   Mordend, die Feinde vom Wall. Sie floh'n, und Sterbender Rcheln
   Scholl aus dem Graben herauf. Doch bebte das Herz in dem Busen
   Giaffars nicht; er einte die Fliehenden schnell, und gedachte
   Jetzt verderbender noch in den Schanzen des spanischen Volkes,
   Wthend im Ueberfall, den ehernen Schlnden zu nahen.
   Siehe, da schwebt' aus Wolkenhh'n im brausenden Flug' ihm
   Attila nher, und schalt im Geistergelispel ihn also:
   Trotzest du nicht auf Kraft und Strk' in dem Heere vor allen?
   Aber nur eitelen Trotz, nicht Thaten gewahrte das Heer noch.
   Kehre zurck, und ford're die tapfersten Gegner zum Zweikampf:
   Ob nicht der Feldherr selbst, im glhenden Muthe der Jugend,
   Dir sich stellt, und erliegt, und zur Sonne dein Nahme sich
      aufschwingt?
   Giaffar stand, und sann: Heut hol' ich, so rief er, den Tod mir,
   Oder den herrlichsten Ruhm. Drometer, gebiethe den Stillstand!
   Frhlich ertnte das Erz, und Ludewig, kundig der Ritter-
   Sitte, horchte dem ehernen Ruf', und hemmte die Seinen.
   Wer sich von euch, schrie Giaffar laut, im Heere vor allen
   Tapfer erwies, der trete hervor, und stehe zum Kampf mir,
   Einzeln dem einzelnen Mann, so wie einst in der schneren Vorzeit,
   Schild auf Schild, nah' an, die muthigen Helden sich trafen,
   Eh' noch Pulver und Blei, o Schmach, aus der Ferne den Tapfer'n
   Tckisch zu Boden schlug, und dem Feigeren schonend vorbeiflog!
   Keiner besorge mir Trug und Hinterlist. Ehre gewinnen
   Will ich nach Ritterbrauch: de ruf' ich Allah zum Zeugen.

   Grimmig schritt Alfred, der niederlndische Hauptmann,
   Gegen ihn vor, de' Riesenkraft in dem Heere gerhmt war --
   Stand, und fhrte den Streich: doch Giaffar schlug ihm das Eisen
   Aus der erstarrenden Faust, da es blitzend am Sande dahinfuhr.
   Raubet' er jetzo vielleicht dem wehrlosen Christen das Leben?
   Nein: denn edeler Stolz erfllt' ihm die Seele mit Gromuth.
   Schnell barg er das blitzende Schwert in die Scheid', und es faten
   Beide Kmpfer zugleich mit festumklammernden Armen
   Eisern sich an, und beugten einander gleich ringenden Bren,
   Pressend die Brust an die Brust, zur Rechten, zur Linken, da beiden
   Knirschte der Rcken, und Schwei von den Gliedern in Strmen herabrann.
   Jener gedachte der List, und schlug von hinten dem Trken
   Rasch mit der Ferse die Beuge des Knie's: ihn niederzustrzen;
   Aber Giaffar stand wie die Eiche so fest auf dem Boden.
   Jetzo, der Uebermacht sich bewut, und zrnend der Arglist,
   Hob er den Gegner empor, und drckte mit eisernen Sehnen
   Ihn stets fester zur ehernen Brust, da er, odemberaubet,
   Dort verhauchte den Geist: aus seinen erffneten Armen
   Fiel er, langgestreckt, auf den Sand. Wie im Schimmer des Abends,
   Lauernd, die Riesenschlang' vom Wipfel des Baums, auf den Tieger,
   Der ihm vorberzieht, urpltzlichen Flugs sich hinber
   Schwingt, ihn schnell umringelt, und dann zum schtternden Stamm zieht;
   Wie er auch brllt, und sich mhet, der klemmenden Reife nur einen
   Fest mit den Zhnen und Klau'n zu fassen -- umsonst: sie erwrget
   Ihn an dem Stamm', da ihm laut zerkrachen die Knochen: so wrgte
   Giaffars mchtiger Arm den Gegner, und streckt' ihn entseelt hin.
   Ganz unduldbarer Schmerz ergriff des tapferen Ludwigs
   Brust: er schrie laut auf, und strzte dem Trken entgegen.
   Sieh', da nahte, gelockt von des Kampfes Getse, der Kaiser,
   Und erstaunte, wie dort Lusitania's herrlicher Sprling
   Khn in die Schranken trat mit dem strkeren Gegner! Ihm schwebte,
   Angstgeweckt, auf die Zung' ein Laut, der muthige Krieger
   Htte gerufen zum Kampf und zur Rettung des trefflichen Jnglings;
   Aber er hemmt' auf der Zunge den Laut, da unrhmliches Mitrau'n
   Nicht mit giftigem Zahn, wie der Borkenkfer im Hochwald
   Sprossende Bume zernagt am Mark, da sie, trauernd, verdorren,
   Ihn verwundete. Doch wie erblick' er den Stahl in den Busen
   Seines Lieblings versenkt, und dampfend vom Blute des Theuern?
   Dennoch beherrscht' er die Angst, und sah vom gehgelten Erdwall
   Nach dem Waffengefild', ein Sinnender, schweigend hinber.

   Giaffar, stolz des sicheren Sieg's, gewahrte den Jngling,
   Lchelnd: er pries nun Gott, und dankte dem groen Propheten,
   Der den blhenden Frstensohn ihm entgegengefhrt hat;
   Doch, da er jetzt, wie ein junger Leu dem strkeren Panther
   Khn entgegen sich wirft, im schimmernden Felde der Waffen,
   Ueber den blanken Helm den Degen erhebend, daherkam,
   Und sein Blick, mit des Todes Schrecken bewaffnet, ihn fate,
   Ha, da pocht' ihm das Herz, ergriffen von heimlichem Schauder!
   Nun das glhend' Aug' auf das Auge des Gegners geheftet --
   Vorwrts stemmend den rechten Fu im knisternden Sandstaub,
   Strebten die beiden, ergrimmt, die tdlichen Streiche zu fhren,
   Und es erbebte die Luft dem rastlos sausenden Mordstahl.
   Da von dem Helm, und dort von dem Stirnbund, Panzer, und Leibrock
   Wute der Kmpe, gewandt, die Waffe des Kmpen zu fernen:
   Jetzt auffangend den Hieb, und jetzo vereitelnd den Herzsto.
   Und so htte die sinkende Nacht allein, in dem Dunkel,
   Heute die Helden getrennt, nicht des Sieg's entscheidender Vortheil;
   Doch als Giaffars Arm zum schrecklichsten Schlage den Sbel
   Hoch aufschwang: da kreischete Ludwigs blitzender Degen
   Laut, an des Sbels Kling' abgleitend; da bohrte den Mordstahl
   Sein nachstrmender Arm ihm tief in die pochende Brust ein.
   Rcklings strzte der stattliche Held; hoch spritzte der Sand auf,
   Als er sank, von der Hand des tapferen Jnglings getdtet.
   Aehnlich der Fichte lag er, die erst die nchtliche Windsbraut
   Krachend dem Boden entri; der Weidmann schauet am Morgen
   Forschend nach ihr, die rings ihm diente zum leitenden Merkmaal:
   Denn sie ragete hoch, vor allen Bumen des Waldes,
   Schon Jahrhunderte lang; nun liegt sie zertrmmert am Boden:
   Also lag er im Staub, und erschtternde Stille war ringsum.
   Attila schttelte grimmig das Haupt: denn seinem Geflister
   Horchte der Khne zuvor. Er floh, umschart, in der Luft fort.
   Als ein lohnender Ruf den Lippen des Kaisers entfloh'n war,
   Und den Sieger umjauchzte sein Volk: da brachen die Gegner
   Furchtbar heran, und Gebrll, und Fluch, und Verwnschung ertnte
   Schrecklicher noch als der Sbel Geklirr und Geschmetter der Bchsen.

   Hoch von Goletta's Wall gewahrte der tapfere Sinam,
   Wie sein muthiges Volk, erstrmend die Schanze des Feindes,
   Dort zerstrte das eh'rne Geschtz, und er hpfte vor Lust auf;
   Doch als Giaffar wich; zum Zweikampf rief der Drometer --
   Rief zu Giaffars Fall: da hob er die Hnde vor allen,
   Himmelempor, und schrie den versammelten Kriegesgefhrten:
   Weh, unseliger Muth, der, treulosen Feinden entgegen,
   Giaffars Seele gereizt! Hinaus, durch jegliches Thor fort,
   Drben aus grauser Noth den tapfersten Mann zu erretten!
   Also geschah's. Da brausten die Wthenden nher: so brausen
   Strme vom Nord, und schleudern die schumende Fluth zu dem Meerstrand.
   Zwar nicht rettet' ihr Muth den Tapferen: denn auf dem Boden
   Lag er gestreckt im Blut, von Ludwigs Rechter getdtet;
   Aber sie strzten, zur Wuth entflammt, und entsetzlicher Rachgier,
   Eilig daher an den Wall, und grlich ertnte der Mordruf.

   Jetzo ersah das streitende Volk vom fernen Kairwan[65]
   Und Constantina[66] herauf, des wildemprten Hamaddans
   Druenden Flug, und bebte. In tausend gewirbelten Sulen
   Eilte die Wst' ihm vor: im Knistern des Feuergewlkes
   Deckend des Himmels Blue mit Grau'n und Entsetzen. Die Sonne
   Blinkete trauernd aus ihr, und go nur dstere Dmm'rung
   Ueber die Welt. Ein flammendes Meer aus den schwrzlichen Lften,
   Und dem Boden nah', anstrmend, der prasselnde Gluthstrom,
   Drohte den Lebenden rings urpltzliche, schnelle Vernichtung.
   Doch zu den Kriegern gewandt, rief laut der erhabene Kaiser:
   Sollt' uns der Samyel nah'n, der flammende Menschenerwrger,
   Da gedenket des warnenden Winks: zur Erde geworfen,
   Hll't in Gewande das Haupt, und harr't an dem Boden, nicht athmend,
   Einige Zeit. Bald tobt der Unhold vorber -- ihr lebet.
   Dann noch rief er, den flehenden Blick zum Himmel erhebend:
   Allmacht fleugt vor deinem Hauche daher, du Erbarmer;
   Nah' uns mit Huld, und errett' uns jetzt vor des Samyels Wuth dort!
   Und aus dem Aethergefild flog nun, dem strahlenden Blitz gleich,
   Seraph Eloa herab, den Christen zur Rettung gesendet.
   Sonst sein Auge so mild wie des Himmels Blu', und die Stimme
   Sanft wie Harfengetn, war jetzt entsetzlich zu hren,
   Furchtbar zu schau'n. Er rief dem Samyel: Halt, und entweiche!
   Und der Schreckliche floh. Auch kehrten die wirbelnden Sulen,
   Seinem Winke gehorchend, zurck in die einsamen Wsten.
   Dann auf Muhamed, der zuvor in dem furchtbaren Gluthwind
   Nahte, voll heier Gier, die Christen vernichtet zu schauen,
   Warf er einen der Blicke herab, der thrmende Felsen
   Hb' aus den Vesten der Erd', und aus Nachtabgrnden die Meersfluth.
   Jener entwich. Wie drres Laub, verweht von dem Sturmwind,
   Schwindet: so schwand er mit seinem Volk. Auch Attila folgte,
   Schreckenbetubt, ihm nach; aufheulten die flchtenden Scharen.

   Sinam drngete zweimal schon die Christen vom Blachfeld
   Bis an des Grabens Rand, und so oft, nur schrecklicher warf ihn
   Ludwig wieder dahin, wo, umhgelt von starrenden Leichen,
   Giaffar lag, und im Blutbad schwamm: denn heier entflammte
   Dort des Getdteten Schau in dem Busen der Seinen des Mordens
   Schreckliche Gier, da sie standen im Kampf der Entscheidung, und
      furchtbar
   Wthete jetzo der Tod auf der siegverherrlichten Stelle.
   Als der Samyel erst, des Seraphs Stimme gehorchend,
   Heim in die Wste floh, da weckte sein brausender Odem
   Hoch in der Luft und im Schooe der Erd' Aufruhr und Emprung.
   Pltzlich thrmte Gewittergewlk am blulichen Himmel
   Furchtbar sich auf, und go ein mitternchtliches Dunkel
   Ueber das Waffenfeld, da der Gegner dem Gegner entrckt schien.
   Nur das Blitzen des Feuerrohr's erhellte zuweilen
   Noch das umnachtete Volk, entflammte des starrenden Kriegers
   Aug', und Harnisch, und Helm, und wies auf dem Feld des Entsetzens
   Leichen auf Leichen gehuft. Nun schwankte, den Wellen des Meer's
      gleich,
   Unter den Fen des Kriegers der Grund; des Kampfes Getmmel
   Schwieg, und Erdbeben! scholl's die zitternden Reihen hinunter.
   Grau'nvoll rauschte das Meer; das Schmettern der Schiff' an die Schiffe
   Tnete schrecklich, vereint dem Geheul aus der Veste, dem Brllen
   Aus dem Gehlz, und rings dem Kreischen des kleinen Gevgels,
   Das dem erschtterten Wald entstrzte mit klglichem Angstruf.
   Jetzt aufflammte der Blitz, und zerri, von Osten bis Westen
   Strahlend, die finstere Wolkennacht: der furchtbare Donner
   Rollt' auf ehernen Rdern ihm nach, und krachte zum Abgrund
   Dumpf, und dumpfer hinab, an des Himmels drnendem Rand hin.
   Brausend erhob der Sturm die sandige Flche; die Fahnen
   Haucht' er zum Himmel empor, und ri auch die Zelt' in dem Lager
   Von dem ragenden Pfahl, und wlzte sie fort auf dem Flugsand.
   Schreckenbetubt entfloh der Feind; doch Ludewig folgte,
   Unerschtterten Muth's, dem flchtenden nach bis Goletta.

   Guasto aufathmete tief; er hielt, von dem Sturme gewendet,
   Jetzo des Mantels flatternden Saum, und sagte dem Kaiser:
   Wie, du weilest noch hier, unbndigen Sinnes, und achtlos
   All der Gefahr, die uns heut' aus den hellaufflammenden Lften,
   Und aus dem Schooe des Abgrunds drut? Auch strzet des Regens
   Prasselnde Fluth nun bald aus dem berstenden Wettergewlk her;
   Eile nach deinem Gezelt: es trotzte dem schrecklichen Sturm noch,
   Festeren Bau's; schon fliehen die Feinde vor deinen Erwhlten.
   Weder der donnererweckende Blitz, noch der schwankende Boden
   Zog des Kaisers sinnenden Blick vom Kampfe der Helden
   Ab. Er lchelte sanft auch jetzt, und sprach zu Del-Guasto:
   La mir den Frieden, o Greis! Ein Gleiches erduldet ihr Tapfer'n
   Alle mit mir. Wer schirmt vor Gefahr, die hoch aus den Lften,
   Tief aus des Abgrunds Nacht uns drut', als Er, der Erbarmer?
   Sein ist die Macht! Mir wohnt der Fried' im vertrauenden Herzen.
   Doch nun flammte sein Blick, nun bebt' ihm die Rechte; den Harnisch
   Hob ihm die pochende Brust, und furchtbar scholl's, da er sagte:
   Donner und Blitz sind mir die Stimme des Herrn, da ich eile.
   Hebe dich nun, mein tapferer Held, an's Werk der Entscheidung:
   Lenke die Vlker heran. Laut brlle sogleich von den Schanzen --
   Brlle vom Meer das Donnergeschtz zum endlichen Wallbruch,
   Da wir jetzt in dem Sturm erringen die Veste Goletta!
   Schaudernd blickte der Greis in die flammenden Augen des Herrschers,
   Horcht' ihm, schweigend, und ging, nun Jedes in Eile zu ordnen.

   Schon entstrmte der Wolkennacht unendlicher Regen,
   Prasselnd durch Windesgeheul und Gebrlle des rollenden Donners,
   Und umflo, ein See, die Fe der triefenden Krieger.
   Aber er lschte den Staub, und fesselte mchtig den Flugsand.
   Wie in des Frostes Hauch der fluthende Weiher gefesselt
   Starrt, da auf ihm, lrmfroh, die muntere Jugend der Eisbahn
   Rume durchfleugt: so erstarrte der Sand, und brachte den Christen
   Frohen Gewinn: denn gebt, im ermattenden Sande zu laufen,
   Nahte der fliehende Feind den Thoren der Veste Goletta.
   Ihm nachbrauste der Sieger im Flug', und Sinam gewahrte,
   Bebend vor Schrecken und Angst, im nah'umzingelnden Vorsprung,
   Hier den Gedrngten vermengt die Drnger zugleich, und er rief nun,
   Rettung gebiethend, dem Volk'. Aufkrachten des mchtigen Thores
   Flgel, und d'rauf, wie ein Bergstrom braust, wenn hoch von dem
      Gletscher
   Niedergerollt, ein Block erfllet die engere Thalschlucht,
   Bis er des Bergs Abhang, mit steigendem Grimme, durchwhlend,
   Bahn sich bricht, und die langgehemmten Fluthen zum Abgrund
   Wlzet in schumender Hast: so strzten die flchtenden Scharen
   Sinams durch das geffnete Thor, mit Lrm und Getmmel.
   Doch nun sandte der Feind, dem also die Rettung gelungen,
   Hagelnde Donnergeschoss' und befiederte Pfeile vom Wall her,
   Jubelnd, und warf aus der Schar der raschnachstrmenden Christen
   Manchen Tapferen todt in den Staub. Da dachte des Heimzugs
   Ludwig, der Held, und hie im drometenden Rufe die Krieger
   Kehren. Nicht folgte des Feldherrn Ruf Diego Davila,
   Fahnenjunker im Heer, entsprossen aus Lissabons Mauern,
   Trotzend auf Jugendkraft, und khnerer Thaten sich freuend.
   Als er das Jubeln der Feinde vernahm: da ergrimmt' er im Herzen,
   Eilte zurck, und klomm, ein kundiger Kletterer, jauchzend
   Auf an dem Wall', und erhhte die Fahn' auf den Zinnen der Festung.
   Jene wehrten es nicht, von erstarrendem Staunen gefesselt;
   Doch bald whlten in seiner Brust unzhlige Lanzen.
   Sinkend fat er die Fahn', und warf sie herab von der Mauer,
   Sie zu entreien dem Feind'. Er rief dem getreuen Gefhrten:
   Albin, rette die Fahne! Sie stand erhht auf dem Wall hier:
   Herrlichen Siegesruhm winkt' euch ihr wehender Schimmer;
   Rette sie khn, und jenseits noch dir dankt es Davila!
   Sieh', er lchelte sanft, und freute sich sterbend der That noch!
   Aber der Muthige kam, ergriff, von sausenden Kugeln
   Rings umstrmt, die Fahn', und brachte sie freudig in's Lager.
   Diesem entstrmten jetzt die Tapferen, herrlich geordnet.
   Rechts hin fhrete Guasto die Macht hispanischen Fuvolks,
   Wlschen vereint, und Eberstein, in der Mitte, die Heerschar,
   Die er in Deutschland warb, nun endlich zu Thaten gerufen.
   Aber die Macht lusitanischen Volks und brabantischer Scharen,
   Fhrete drben der Held, der Giaffarn siegend erlegte.

   Laut erkrachten die Schlnd' und Mrser zum endlichen Wallbruch.
   Furchtbar wthete zwar der Sturm und das grause Gewitter
   Noch, und der rthliche Blitz, im Gefolg des schrecklichen Donners,
   Zischt' umher im Gewlk, erhellend die sinkenden Fluthen;
   Aber entsetzlicher noch, mit den Schrecken der Lfte vermenget,
   Scholl das Krachen der Schlnd' umher an der Veste. Der Wurfschtz
   Rhrte des Brndchens Rohr mit der Lunt': im blulichen Rauch flog
   Flamm' empor; zurck, dann eilender wieder zur Stelle
   Rollte der eherne Schlund, und warf durch Feuer und Flammen,
   Donnernd, im Bogenwurf, die Kugel zur Veste hinber.
   So von den Schanzen, und so von dem Meer hinsausten die Kugeln;
   Aber nicht minder zurck von dem Wall der trotzenden Festung,
   Sausten im Donnerlaut die schrecklichen her, und hinber.
   Rings erbebte der Grund, als sollten die Vesten des Erdballs,
   Von den Orkanen der ewigen Nacht erschttert, versinken,
   Und die Gefild' umher nachstrzen in wster Zertrmmrung.
   Drben umfing sie am Meer, dem silbergehrneten Mond gleich,
   Doria's wogende Macht. Aus ihres verehrten Gestirnes
   Bild ihr kam der Jammer gesandt, und die grause Vertilgung.
   Immer entfuhr die _Volle Lage_[67] dem Raume des Schiffes,
   Das sich der furchtbar'n, eiserne Last, aus Rauch und aus Flammen
   Schleudernden Donnergewalt nachbog, und mit sinkendem Rand noch
   Streifte die Fluth. Die sanftergossene Flche des Meeres
   Rauscht' aufbrandend empor. Bald schumten die blulichen Wogen,
   Bald erglhten sie tief im Glanze des rthenden Feuers,
   Welches im Flug durchzuckte die Luft. Die Mauern erkrachten --
   Sanken in Schutt, und dumpf ertnte der Steine Gerassel.
   Sieh', die Malta gesandt, die nchsten dem felsigen Ufer,
   Schleuderten sonder Rast nach dem Thurm, der hoch aus dem Vorgrund
   Ragte, Verderben! Er neigte das Haupt, sturzdrohend, ein paar Mal;
   Zitterte jetzt, und sank mit grausem Gepolter zusammen:
   Staub flog auf, und Geschrei, wehklagend, und jubelnd ertnte.
   Aber der Kaiser rief: Verdoppelt das Feuer! So riefen
   Guasto, und Rogendorf, und jeglicher Schanze Gebiether,
   Und noch schrecklicher tobte die Wuth des ehernen Feldzeugs.
   Doria brach von dem Meer' her donnernd, das eiserne Seethor
   So, da des Feindes Geschtz dort schon auf dem Walle vernichtet
   Lag, und verstummt'. Dann ffnete dicht am Thor von Buschatter
   Ludwig aus seiner Schanz', urpltzlich nach jenem, den Wallbruch,
   Weit, da ein Wagen durchfuhr, der heim die Garben vom Feld fhrt;
   Aber die breitere Kluft, da zwanzig der Krieger, gereihet
   Aneinander, sie leicht durcheileten, sah nach dem Oehlwald,
   Ghnend hinaus: erffnet mit Macht aus der Schanze der Wlschen,
   Die von Toledo verwaist, nun Guasto's Winken gehorchten.
   Vorwrts strzte der Wall und die Mauer, und ebnete weithin
   Dort die ersehnete Bahn den Strmenden, fllend den Graben.

   Nun verstummte zugleich am Himmel das grause Gewitter,
   Nur an des Erdballs drnendem Rand noch murrte der Donner
   Dumpfer hinab, wenn dort der Blitz die feurigen Schwingen,
   Fchelnd, erhob. Aus zerriss'nem Gewlk sah blulich der Himmel
   Her auf das regenerfrischte Gefild, und die scheidende Sonne
   Go aus dem rosigen Duft des Abends Schimmer herber,
   Und erhellte gar wunderbar die belagerte Festung.
   Lauter pochte die Brust des edelsten Kaisers; ihm rief nun
   Ahnend das Herz: schon sey die entscheidende Stunde gekommen.
   Jetzt erhob er das Schwert, den Feldherrn Thaten gebiethend,
   Und sie gehorchten dem Wink'. Auf dem Land und im wogenden Schiffsraum
   Schwieg, verhallend umher, der ehernen Schlnde Getmmel.
   So an dem felsumstarreten See verhallet des Waldhorns
   Klang, den fern im Ruderschiff erweckte der Knstler,
   Horchenden Freunden zur Lust: nun da, nun dort am Gebirg hin,
   Tnt er im Wiederhall, bis er dann, stets leiser, dahinstirbt.
   Aengstliche Stille herrschte rings, und beklemmendes Schweigen.
   All' aufmerkten dem Wink: da zogen in brausendem Eilflug
   Scharen auf Scharen dahin, und jauchzten der rhmlichen Arbeit.
   Dort an den Mauerbruch, der weit aufghnte zum Oehlwald,
   Eileten Wlsch' und Hispaner, zum Thor von Buschatter die Deutschen;
   Doch Lusitania's Volk, den Niederlndern und Malta's
   Muthigen Kriegern vereint, erreichte das eiserne Seethor.
   Tausend ergriffen bei jeglicher Schar die ragenden Leitern:
   Khneres Volk, zu erklimmen den Wall im strmenden Anlauf.

   Welches der Vlker kam dem andern zuvor in dem Wettlauf?
   Erst das hispanische; d'rauf nachdrangen den Wlschen die Krieger
   Portugalls und Brabants. Wie, strmten die tapferen Deutschen
   Nicht vor allen zuerst? Sie hemmte der khne Cherusker,
   Hermann: denn, sein edeles Volk vor Tcke zu wahren,
   Schwang er in Hast nach Eberstein sich herunter, und rief ihm:
   Hemme den rascheren Lauf, vorschauend, und Tcke vermeidend:
   Weit durchhhlte der Feind, vor deinem Ziele, des Erdreichs
   Dunkelen Schoo; ihm nahet die Lunt', und donnernd erhebt sich
   Bald entsetzlicher Rauch, und Feuer, und wilde Zertrmm'rung.
   Jener hemmte sein Volk. Zwar chzte der Krieger, und Thrnen
   Netzten sein glhendes Aug', im Vorsprung schauend die Fremden;
   An dem Gewehr' ihm bebte die Faust, und die strebenden Fersen
   Bohrten tiefere Spur unwilliger Rast in den Sand ein.
   Doch nun schwankte der Grund: aufflog, die Lfte verfinsternd,
   Qualmender Rauch, und Loh', und Wust des berstenden Erdreichs
   Ueber den Flatterhhlen umher, die rings an dem Wall sich
   Kreuzten, erfllt mit der Last des entflammenden, schrecklichen
      Zndstaubs.
   Bebend strzten die Reihen zurck; aus den Augen der Krieger
   Glnzte dem Feldherrn Dank, der so sie entri dem Verderben.
   Aber er wandte sich nun, und rief mit gewaltiger Stimme:
   Dort das herrliche Ziel, wo Siegespalmen dir winken,
   Schaue, mein edeles Volk -- nicht des Todes ghnenden Abgrund!
   Schwer ist die That; die Stelle gefahrvoll; aber uns ehrte
   Deutschlands edelster Hort, da er Deutschen das Hchste vertraut hat.
   Tapferer Radburg, vor mit den muthigen Bayern, und Stollberg
   Vor mit den Sachsen zum Sieg! Du, Rmhild, entflamme die Helden
   Schwabens, und jene aus Brandenburg ermuthige, Siegfried,
   Jetzo dein Ruf. Vereint erringet den Preis der Entscheidung.
   Hermanns luftige Schar aufjauchzte des Heldengebiethers
   Worten, und kam, und mehrte den Muth ruhmdrstender Mnner,
   Dort zu erstrmen den Wall, wo am blutigsten winkte des Sieg's Preis.

   Sinams Riesenkraft rang dort den Strmern entgegen.
   Ihm war Hannibal brausend genaht: denn mchtig erschreckt' ihn
   Drben das Strzen der Wll' und das Jauchzen der kommenden Sieger,
   Ringsum. Listengebt haucht' er ihm jetzo den Rath ein:
   Ha, nun gilt's mit festausharrendem Muthe des Feindes
   Wuthandrange zu steh'n, und nicht entehrender Feigheit
   Heute zu opfern den Ruhm entschwundener Jahre! Wohlan, horch!
   Schafft der gewichtige Ball, vom Donnerrohr in die Haufen
   Wimmelnder Feinde geschleudert, schon entsetzliches Unheil:
   Welch' entsetzlicher's noch ershst du mit staunenden Blicken,
   Wenn, umhllt von geplttetem Eisen, die Bchsengeschosse
   Mit zertrmmertem Blei in die nah'anstrmenden Gegner
   Wtheten? Auf, und gebiethe den Mord und die grause Vernichtung!
   So rief Hannibal; doch nun sah, voll Zorn in dem Busen,
   Hermann zugleich, wie schnell, dem listigen Gegner gehorchend,
   Sinam die Donnerrohr' in der Breite des ghnenden Wallbruchs
   Pflanzen hie, da im kreuzenden Feuer der grliche Hagel
   Tilge des Feindes Reih'n. Er jammerte laut und begann so:
   Schmacherfindende Zeit! Da nichts mehr gelte des Tapfer'n
   Eigene Kraft; da nimmer das Aug' in das Auge des Gegners
   Schleudre des Todes Blitz', und, heimgekehret, der Krieger
   Nimmer weise mit Stolz dem grauenden Vater, der Mutter,
   Oder der Gattinn die ehrende Narb' an der Brust und der Scheitel,
   Und erzhle zugleich, wie solche der Feind ihm geschlagen
   Dicht im Gemeng', wo jener ihm sank, in dem Kampfe getdtet --
   Nein, da er dort: ob feig', ob tapfer, ein elender Krppel
   Arm- und beineberaubt, umhinke, den Seinen zur Trauer,
   Hast du das Scheusal erzeugt, die Wrgerinn heiend Karttsche!

   Sieh', Ursini der Greis, flog hin, wie ein feuriger Renner
   Fort auf der Rennbahn fleugt, zu erringen dem Reiter den Wettpreis:
   Hoch von dem Nacken ihm flattert die Mhn', und vom blanken Gebisse
   Ueberschneiet der Schaum ihm die Brust; er schnaubet, und sprhet
   Gluth aus der starrenden Nas', und ihm blitzen die sphenden Augen
   Feuriger stets, da er jetzt mit lauterem Hufesgerassel,
   Sprung auf Sprung, im Galopp vorbraust zum winkenden Ziel hin;
   Fern ihm folgen, gespornt von den Reitern, die schwcheren Rosse:
   Also strebte der Greis im edelen Muthe des Herzens
   Gegen den Wall, wo Darjuh, an Giaffars Stelle der Aga,
   Nach den Gefahren des Kampf's und glnzenden Thaten sich sehnte.
   Als er den Greis ersah, da entri er das mchtige Schierohr,
   Doppelhaken genannt, den Hnden des Kriegers, und jagte,
   Schmetternd, verdoppeltes Blei in die Stirne des tapferen Feldherrn.
   Lautlos sank er zur Erd': ihm frbte das silberne Haupthaar
   Quellendes Blut. Ach, nimmer bewirthet der freundliche Greis mehr
   Fremd' in seinem Palast, die aus nahen und fernen Gefilden
   Heilige Sehnsucht trieb, der ewigen Roma zu nahen,
   Und im Schutt noch die Wunder zu schau'n gewaltiger Vorzeit:
   Denn er strzte verwundet zur Erd', und verhauchte das Leben.
   Aber Ludewigs Schar rang dort am zertrmmerten Seethor,
   Schnell zu erklimmen den Wall, wo, emprt durch Attila's Ingrimm,
   Und durch Hannibals Muth, das Volk in grausamer Nothwehr
   Wthete. Pech, noch siedend, und Oehl, noch wallend der Flamme
   Go, erbittert, der Feind auf die Strmenden -- wlzte der Mauer
   Lastende Blcke herab, und solch' unrhmlichem Tod, ach,
   Sanken die Tapfersten schon! Auch tdtete Manchen der Speerstahl,
   Manchen das krachende Rohr, wenn, khnerhhend, die Leitern,
   Sie aufrangen zum Wall aus der Tiefe des dunkelen Grabens.
   Doch weit schrecklicher noch, und entsetzlicher, scholl vor Buschatters
   Thor Mordruf und Gewrg', wo Deutschlands herrlichvereinte,
   Siegsruhmdrstende Schar, im Auge den Heldengebiether --
   Muth und Gluth in der Brust, und des kreuzenden Feuers nicht achtend,
   Vorwrts drang. Schon dreimal flog, mit dem khnen Geschwader
   Brandenburgs, dort Siegfried hinan, den Wall zu erklimmen,
   Und er kehrete stets erbitterter, hnlich dem Rden,
   Der, vom Jger gedrngt, dem verwundeten Bren genaht ist --
   Doch bald flieht, bald kehrt: denn immer scheuchen die Klauen
   Und das Gebrlle des Thiers ihn fern: so wthete jener.
   Jetzt, im erneueten Lauf, durchbohrte das muthige Herz ihm
   Schmetterndes Blei, und er sank. Auch blutete neben ihm Hinkmar,
   Strebend mit matter Hand, den Pfeil aus der Lunge zu reien.
   Eberstein sah dort hinsinken die tapferen Helden
   Brandenburgs; alsbald entri er die Fahne dem Junker,
   Schwang sie empor in die Luft, und rief hellleuchtenden Blickes:
   Jetzo mir nach, wem deutsches Blut in der Ader und Kampfgier
   Glht in der mnnlichen Brust! Wir lschen das feindliche Feuer,
   Das entsetzlich die Unser'n tilgt aus der grausen Karttsche,
   Nur mit des Feindes Blut; mir nach! Nie sterben die Tapfern!
   Sagt' es, und drang, wie ein Pfeil, in sausender Eile zum Wall hin.
   Aber Stollberg zog mit krftiger Rechten den Helden
   Wieder zurck, und rief: Nicht dir -- uns werde die Stelle!
   Also jubelten laut wohl tausend Stimmen auf einmal.
   D'rauf, erklimmend den Wall, und durcheilend die Tiefe des Grabens,
   Drangen mit Lrm und Gets' Germania's tapfere Vlker
   Ein in den Mauerbruch, wo erlesene, muthige Gegner
   Standen zur Gegenwehr, der sinkenden Brder nicht achtend,
   Und zu sterben bereit, ein Jeglicher -- alle fr Einen.
   Wenn dem Donnergewlk' entstrzen die Fluthen, und pltzlich
   Ueberschwemmen die Stadt, da laut in den engenden Gassen
   Brauset der Strom, aufschumt die Wog' an die Fenster: da flchtet
   Volk auf die Berge hinaus, und Volk auf die luftigen Zinnen:
   Also erklommen auch hier die muthigen Deutschen die Hhen --
   Stollberg allen zuvor; dann Scharen auf Scharen, und wrgten,
   Racheschnaubenden Grimm's, die Kmpfenden rings auf der Mauer.
   Sinam entfloh. Nicht mied er zuvor des wthenden Kampfes
   Schrecknisse, fest, wie ein Fels, die Stirn' darbiethend den Feinden;
   Doch, als jetzt im Sturm eindrangen die Deutschen: da wankte,
   Bebte der tapfere Greis, und floh, das heimliche Pfrtchen
   Oeffnend am Damme des See's, mit tausend Gefhrten nach Tunis.
   Dorther naht' ihm unzhliges Volk, von dem Herrscher gesendet;
   Aber mit Thrnen im Blick, erhebend die Rechte, geboth er
   Allen errettende Flucht aus den Hnden des schrecklichen Feindes.

   Schon war Siegesgejauchz' am Seethor, schon an dem Wallbruch
   Dort, wo Wlsch' und Hispaner im Sturm erstiegen die Mauern,
   Wo ringsher Mordruf ertnete -- rings in den Straen
   Strmte das Blut, bis jetzt, zu den Fen des Siegers gesunken,
   Bleich, mit verstrtem Gesicht, der Feind erflehte die Schonung.
   Nun verklang das Gets'; nur Jubel des Kriegers ertnte,
   Der von den Wllen herab in den Graben den finsteren Roschweif
   Warf, und dort aufpflanzte mit Stolz die Fahne der Heimath.
   Lieblich flog sie umher in dem Abendwind, und erregte,
   Ruhmausstrahlend, in jeglicher Brust noch hhere Wonne.
   Durch das hallende Thor, umjauchzt von unzhligen Stimmen,
   Kam in die Veste der Kaiser herauf. Stets enger, und enger
   Schlo sich der Lrmenden Kreis um ihn her, und, als sie verstummten,
   Hob er die Hnd' empor zu dem Himmel, und stimmte das Loblied:
   Herr, dich loben wir! an. Ein heiliges Feuer entflammte
   Jegliches Herz. Erschtternd zu schau'n: wie aus Tausender Augen
   Strzen die Thrnen zugleich; wie Tausender Hnde zum Himmel
   Fleh'n, und zu hren erschtternder noch: wie Tausender Stimmen
   Wirbeln empor in die Luft, und sie all' Dank rufen im Einklang.

   Hassan, der Knig, erschien. Er war an dem dmmernden Abend
   Gestern gelandet, und barg sich scheu in der einsamen Herberg,
   Die Zafrano ihm both, von schattenden Cedern umfangen.
   Weder gerstetes Volk, noch Mundvorrath, in des Krieges
   Zehrenden Tagen ersehnt, bracht' er dem Bundesgenossen:
   Denn er lauerte nur, ob Hairaddin, oder der Christen
   Mchtiger Herrscher erringe den Sieg? in den Mauern von Kabesch.
   Tief sich beugend zuvor, begann er jetzt vor dem Herrscher:
   Gott ist mit dir, und Segen die Flle: des herrlichsten Sieges
   Ruf verkndet es bald den fernsten Vlkern zum Staunen.
   Ach, nicht bieth' ich dir Mundvorrath und tapferes Hlfsvolk,
   Wie ich's verhie! Nicht horchte der Muselman mehr dem Knig,
   Der sich dem Christenvolke verband: hier steh' ich als Bettler!
   Und er sank auf die Knie'; da sah der edelste Kaiser,
   Wie der Mond, umflort vom Regengewlk auf den Hgel
   Heftet den Schwermuthsblick, nach dem Flehenden trauernd hinunter,
   Hob ihn empor, und rief ihm mit trostverheiendem Lcheln:
   Sieh' erffnet des Reiches Thor, das Hairaddins Herrschgier
   Dir entri;[68] dein sey's mit jeglichem Segen des Himmels!
   Hassan stammelte Dank; laut zollt' ihn der Kaiser den Helden
   Allen umher, die im Sturm errangen die trotzende Festung.
   Aber zu Stollberg sprach er dann mit lohnendem Blick so:
   Werde Goletta's Hort und Vertheidiger; ordne der Mauer
   Feind'abwehrenden Bau; doch jetzt gebiethe mit Sorgfalt,
   Da die Verwundeten all' errettender Hlfe sich freuen!
   Morgen am Tage des Herrn, das Denkmaal unseres Heiles
   Feiernd, gedenken wir auch, zu bestatten die Todten, und dankbar
   Ihnen die Maale des Ruhm's zu erhh'n fr die kommende Zeit noch.
   Jetzo fhrt' er die Scharen zurck in des Lagers Umwallung,
   Sie zu erquicken durch Rast; doch Stollberg ging, da er be
   Alles und Jedes sogleich nach dem Willen des gtigen Herrschers.
   Und die Schatten der Nacht umhllten den schlummernden Erdkreis.




                            Eilfter Gesang.


   Hairaddin stand auf dem Sller der Burg, aufhorchend im Zwielicht
   Sinkender Nacht. Von Goletta heran vernahm er des Feldzeugs
   Rastlosdonnernden Sturm, dem die Erd' erbebte, die Fenster
   Klirrten, und drnte die Wand zu dem untersten Grunde der Mauern,
   Und, wie im Abendwind die Welle des fluthenden Weihers
   Nun sich hebt, nun sinket: so wechselte Furcht und Verzweiflung
   Oft mit der Hoffnung des Sieg's in seinem zerrissenen Herzen;
   Aber er horcht' umsonst noch gieriger jetzt, nach Goletta
   Wendend das Ohr, nicht athmend, die starrenden Blicke zum Boden
   Heftend. Nicht donnerten mehr die entsetzlichen Schlnde; verhallt war
   Drben der Mrser Gebrll und das Schmettern des Feuergewehres.
   Sie ist verloren! so rief er, stampfte den Estrich, und eilte
   Schnaubend herab. Dann schritt er im hellerleuchteten Saal hin,
   Kehrete wieder, und stand, und horchte, die Bothen erwartend.
   Immer vernehmlicher whnt' er Getrab anstrmender Rosse --
   Whnte verwirrtes Geschrei heimflchtender Krieger zu hren:
   Aehnlich dem sturmentmasteten Schiff, das fern auf dem Weltmeer
   Wechselnde Strmung entrafft, und endlos dreht auf dem Irrpfad,
   Schwankt' er umher, im Gemth nicht Die', nicht Jenes beschlieend.
   Bald erhob sich Suleymans Grimm wie ein nchtlicher Unhold,
   Druend, vor seinem Blick; bald lchelte Muley Hassan
   Hohn ihm entgegen im Glanz der wiedergewonnenen Herrschaft.
   Ihn umnachtete rings nur wilde Verzweiflung: den Schimmer
   Seines errungenen Ruhms auf immer erloschen zu schauen.
   Ha, so rief er ergrimmt, eh' solche Schande mich treffe ...
   Schande? Er fate den Dolch; nach dauerndem Schweigen begann er:
   Fiel Goletta, erstrmt, so werden sie kommen, mir Algiers
   Und Telmessans Thron, und den Zepter von Tunis zu rauben;
   Werden mich strzen hinab in den Staub, da sich krmme des Glckes
   Liebling, ein Sclave, voll Angst, an des Siegers zermalmenden Fersen.
   Ha, nicht des Tages Licht gedenk' ich frder zu schauen:
   Denn es enthllte nur Schmach! D'rum fort -- hinab in das Dunkel
   Ewiger Nacht, zu entgeh'n der Qual, die jetzo mir droht! ... Doch
   Soll ich verschleudern das Ein', und Einzige, das ich erkenne?
   Schwand mir vllig die Hoffnung dahin? Ist Alles verloren?
   Drngt nicht Hunderttausende noch mein Wink in die Feldschlacht,
   Heute -- sogleich? Zurck in die Scheide, geschliffener Mordstahl:
   Nur dem Gegner, nicht mir, zerfleische das Herz in dem Busen!
   Sagt' es, und barg in den Grtel den Dolch. Mit schchternen Blicken:
   Denn er scheut' Eloa's Zorn, war Muhamed jetzt ihm
   Wieder genaht. Er hrte die zagenden Worte des Herrschers,
   Ballte die Faust vor Wuth, und kam, der schrecklichsten Thaten
   Allerschrecklichste noch, in die ghrende Brust ihm zu hauchen.
   Wie auf des Sdens Meereiland der scheuliche Vampyr[69]
   Ueber dem Schlummernden schwebt, und, mit weitgebreiteten Flgeln
   Fchelnd, den Schlaf ihm mehrt, das Blut zu entsaugen der Ader:
   Also schwebt' auch Muhamed leis' auf Hairaddin nieder,
   Schaudernd und bleich, der Fluchthat selber erbebend: er hauchte
   Hllenfrevel ihm ein, und floh durch die finstere Nacht fort.
   Hairaddin stand, und sann: ihm rollten die feurigen Augen,
   Aehnlich dem Blitz im Gewittergewlk, in den finsteren Wimpern.

   Jetzo die Straen herauf ertnte des eisernen Hufes
   Schmetternder Schlag; in dem Hofraum scholl absitzender Krieger
   Rufen. Nicht lang, so trat der tapfere Sinam mit Dragut,
   Muhamed Temtes, und Abu-Sa-id, tieftrauernden Blickes,
   In den erleuchteten Saal, den zrnenden Herrscher zu shnen.
   Rasch ging dieser umher vor den Bebenden, und nur zuweilen
   Traf sein verachtender Blick vor Sinams Fen den Boden;
   Doch nun stand er, und rief, durch die festgeklammerten Lippen,
   Sthnend, das Wort: Ihr Feigen! und lchelte grimmig fr sich hin.
   Stolzer erhob nun Sinam das Haupt, und sagte verweisend:
   Welch ein Wort, Gewaltiger! floh dir, scheu, von den Lippen,
   So die tapferen Mnner zu schmh'n? Wir feig in der Feldschlacht?
   Zahllos jammern daheim die Verwaiseten -- jammern die Brute,
   Wie auch die Gattinnen, bald, und auf immer die Lieben vermissend,
   Die, zu Hgeln gehuft, wir tdteten rings um den Wall her.
   Galt es, mit Sterblichen nur in die Schranken zu treten: wir htten
   Herrlich gesiegt. Doch heimlich vereint mit den Geistern der Hlle,
   War der bebende Grund mit jeglichem Schrecken des Luftraums
   Aufgestrmt um Goletta: wir wichen den furchtbaren Mchten,
   Aber nicht feig', da wir zu dem blutigsten Kampfe bereit steh'n.
   Also der tapfere Greis; da hhnete Dragut den Helden:
   Armer, du schwrmst vor Angst! Auch uns erklangen die Ohren,
   Als der brllende Donner erscholl; mit dem bebenden Boden
   Wankten auch wir; uns schlug nicht minder der prasselnde Regen.
   O, da ich fern' war! Nein, nie htte den Geistern der Hlle
   Dragut gebebt, von dem das Volk sich erzhlet: er wrde
   Selber den Satan besteh'n in nie zu erschtternder Khnheit.
   Sinam schwieg; doch Hairaddin trat den Hadernden nher,
   Fate den Dolch, und sprach mit zornausblitzenden Augen:
   Denket der Trauer nicht mehr, weil uns die Veste geraubt ward,
   Die mit wuchernden Blutes Gewinn ein herrlicher Sieg uns
   Wieder erringt. Zum Kampf denn! Am Morgen ertne der Schlachtruf --
   Tne so schrecklich, so laut, da umher die Gefilde des Todes
   Schauern vor Angst. Doch hrt, was dringend erheischet die Vorsicht,
   Und die Rache gebeut ob Giaffars Fall, und Goletta's.
   Unter den Kerkern der Burg, wo in Banden die christlichen Sclaven
   Liegen, und all', im thrichten Wahn: der tapfere Moslem
   Falle dem Christen so leicht, nun harren des kommenden Retters,
   Huften im ringsdurchhhleten Grund die Sldner des Zndstaubs
   Furchtbare Last. Entflammt aufschleudre sie jetzo die Hochburg --
   Schleudre zerschmettert die Sclaven all' empor in den Luftraum
   So, da nicht einer entrinne dem Tod und dem grausen Verderben.
   Also gescheh's, noch ehe der Morgen im Osten heraufglnzt!
   Sinam erblat'; auch Abu-Sa-id und Muhamed Temtes
   Zitterten; doch noch frecher begann der schreckliche Dragut:
   Wahrlich, so rief er, nur Gott, und sein erhabner Prophet nur
   Gab den Gedanken dir ein: ich beuge mich tief vor Erstaunen!
   Alle zugleich! So mge mit Jenen der heuchelnde Graukopf,
   Der mir Mathilden entri, zerschmettert, verhauchen das Leben:
   Denn ich sann ihm entsetzlichen Tod: er fahre zur Hlle!
   Grimmig lchelt' er nun. Da wandt' ihm, von Schauder ergriffen,
   Sinam den Rcken, und sprach zu Hairaddin schmeichelnden Lautes:
   Mchtiger, wie, du solltest den Ruhm errungener Lorbern
   Heute durch solch' entsetzliche That auf immer beflecken,
   Die von der Feigheit gezeugt, und Verzweiflung geboren, zum Abscheu
   Allen, Suleymans Huld dir entzge fr jetzt und auf immer?
   Wie der Morgenstern vor jeglichem strahlt an dem Himmel,
   Also zieret sein Herz der Tugenden schnste, die Gromuth.
   Was vermcht' in der Felsenburg der wehrlosen Sclaven
   Fesselbelastete Schar? Sie mg' in festlichen Reihen,
   Nach vollendetem Krieg, den Siegeswagen dir schmcken!
   Aber der Wthrich schwieg. Noch kmpfte die Furcht mit der Mordlust,
   Ob Suleymans Zorn, in seinem beklommenen Busen;
   Endlich obsiegte die Furcht. Er sprach, tiefsinnenden Blickes:
   Ha, wenn Reue mir wrde dereinst, der klgelnden Weisheit
   Sinams gewichen zu seyn! Ich bebe der dunkelen Ahnung,
   Die mich ergreift. Wohlan, ich weiche dir! Eilt in das Lager,
   Dort zu erregen das Heer; ich entwaffne die Freunde des Hassan
   Hier in der Stadt, die mich verriethen im Kampf der Entscheidung.
   Jene, gehorchend dem Wort, enteileten; aber der Wthrich
   Zog in den Straen umher mit Gefolg, das Volk zu entwaffnen.
   Wie in der Schreckenszeit volktdtender Seuche, der Hauptstadt
   Einsame Straen entlang, nur leichensammelnder Trger
   Futritt schallt, und mit Angst erfllet die Herzen der Menschen,
   Die sich, verborgen daheim in der Kammer, ergeben der Hoffnung,
   Dort zu entgehen der scheulichen Pest: so flchteten, bebend,
   Jetzt die Tunisier heim in der Nacht, als rings mit Getmmel
   Hairaddins Wrgerschar durchtobte die hallenden Straen.

   Trauernden Blickes sa auf der Zinne der luftigen Hochburg
   Regulus: denn er sah, wie jngst der grausame Wthrich
   Unter den Kerkern umher, die Last des schrecklichen Zndstaubs
   Hufen lie, die Sclaven gesammt urpltzlich zu tdten.
   Muhamed brauste heran, der grau'nerregenden Unthat
   Zeuge zu seyn, die er Hairaddin erst einhauchte voll Arglist.
   Auf der Zinne der Burg den Einsamen schauend, begann er:
   Stets entfernt von der Heldenbahn, der rhmlichen Vorzeit
   Nicht gedenkend, nur Hlf' und Errettung sinnend dem Volk hier,
   Das nicht deines Geschlechts, nicht deines Glaubens sich rhmet,
   Irrst du umher, Verblendeter! Bald vernimmst du mit Schauder --
   Schauest mit Schrecken es an, wie die Lunt' ein khner Geselle
   Hin zu dem Zndstaub senkt, die Flamm' auffleugt zu dem Himmel,
   Donner erkracht, und der Berg, aus seinen berstenden Vesten
   Taumelnd vor Angst, empor in den sturmbewegeten Luftraum
   Schleudert unendlichen Wust, und im Wuste die christlichen Sclaven,
   Die dein Herz erkor, zerschmettert entschwinden dem Erdkreis.
   Jammere dann! Nichts half dir all dein wstes Beginnen.
   Rief's, und entschwand. Doch Regulus sah nach Medelin: er horchte
   Von dem Erker der Burg in die Nacht. Vor dem kommenden Sieger
   Schwieg das Gefild umher, und der Lrm verhallte zu Tunis.
   Bald des Siegers gedacht' er mit Angst: denn schndlich verrathen
   Hatt' er sein Volk, und fr Trug verschmhet die heilige Wahrheit;
   Bald umgaukelten ihn die Bilder der lieblichen Heimath,
   Dort die frhliche Jugendzeit, verlebt in dem Umgang
   Holder Gespielen, und dort die liebende Mutter in Jammer
   Ob des Sohnes Verlust -- in Trauer die Freund' und Verwandten.
   Gleich dem starrenden Eis, das schnell des laueren Westwinds
   Odem schmilzt, begann ihm die Wuth in dem Busen zu schmelzen,
   Und sein Aug', das lange nicht mehr des reuigen Herzens
   Sanftere Thrne gekannt, erhellten schimmernde Perlen.
   Regulus schwebte herab, umschlang den Nacken Medelins,
   Da er in seiner Brust entflammte des himmlischen Mitleids
   Glimmende Funken, und regt' ihn auf in dem Seelengelispel:
   Hast du dem Vaterland, den Lieben daheim und dem Glauben
   Deiner Vter entsagt, und geopfert fr schndlichen Reichthum
   Ruh' und Glck? Doch sieh', nicht bringt dir solcher hienieden
   Jemals Gewinn: denn bald, in entsetzlicher Stunde der Nothwehr
   Wenn nicht Sinam es hemmt, der mildergesinnete Feldherr,
   Schleudert des Wthrichs Grimm die Sclaven, und schleudert dich selber,
   Flammenumbraust, in die Luft. O, rette die armen: dem Mitleid
   Oeffne dein Herz, und der Reue, zu shnen den schndlichen Undank!
   Schaudernd vernahm im Geist die schrecklichen Worte Medelin;
   Stieg die Stufen herab, und Regulus blickte, vor Wonne
   Bebend, ihm nach: er ging, die Brder zu retten, entschlossen.
   Jetzt urpltzlich umstrahlt von seelenentzckender Klarheit,
   Und vernehmend den Ruf unendlicher Lieb' und Erbarmung,
   Fuhr der Geist verklrt empor, in lichteren Rumen
   Seliger stets, der Himmelshuld entgegen zu harren.
   Doch schon stand Medelin umringt von den Christen im Kerker;
   Ri sich das Kleid entzwei; zerschlug sich die Brust und die Hften,
   Lautaufjammernd, und rief mit thrnenumhlletem Blick so:
   Wehe mir schndlichem Mann: den heiligen Glauben verlugnet
   Hab' ich fr schnden Gewinn, verkauft dem falschen Propheten
   Ruh' und Glck; doch ber das Haupt des schndlichen Rubers,
   Hairaddin, komme der Fluch! Ihr all', o Frevel der Hlle,
   Solltet jetzt, in die Luft geschleudert, zerstieben im Zndstaub,
   Den er gehuft im Fels tief unter den Kerkern! Nur Sinam
   Hemmte den Wthenden noch, und siegt'. Mir schwand die Verblendung
   Schnell vor den Augen: ich schwur, dem Gruel erbebend, euch Rettung,
   Und, wenn Reue noch frommt, so wird erbarmende Huld mir.
   Hr't, nur tdt' euch die Freude nicht, hr't! Euch Freiheit zu
      schaffen,
   Rckten die Christen mit Heer'smacht an; im Sturme bezwungen,
   Liegt Goletta im Staub; die goldenen Zinnen von Tunis
   Beben dem Sieger; der Wthrich flieht, und der schimmernde Halbmond
   Sinkt vor dem heil'gen Panier, das unser'n Erlser getragen.
   Rief's, und, als er die Bande gelst von den Hnden und Fen
   Hugo's, da sprach er zu ihm, mit thrnenerhelleten Augen:
   Eile zu unserm Gebiether und Herrn, dem Kaiser, und knd' ihm,
   Was hier eben gescheh'n. Die eisernen Thore der Hochburg
   Will ich verschlieen vor Hairaddins Wuth, die entfesselten Sclaven
   Waffnen, und harren des Wink's zum Verein mit ihm und der Heersmacht;
   Aber er eile heran: denn furchtbar wre das Sumen.
   Als er geendet, da scholl um ihn her entsetzliches Rufen,
   Weinen, und Jauchzen des Volk's, da er selber in bebenden Schauern,
   Wonn'entseelt, hinsank, und sthnete. Freudig enteilte
   Hugo des Kerkers Nacht, dem Kaiser die Kunde zu bringen.

   Liebliche Still' umfing das Lager der Christen. Entschlummert
   Ruhte der Krieger im luftigen Zelt; nur rings um den Wall her
   Stand die Wache, nicht scheuend fr heut' den feindlichen Anfall
   Mehr, und summte, gelehnt an's Gewehr, ein munteres Liedchen
   Leis' in die Stille hinaus, sich die nchtlichen Stunden zu krzen.
   Ueber die Cedern herauf, an Zafrano's entfernteren Hhen,
   Schwebte der Mond, und erhellete rings den schweigenden Erdkreis.
   Drauen im duftigen Meer, auf den fern entgleitenden Wellen,
   Glomm sein dsteres Licht; er zog in dem finstern Gewsser
   Hin die strahlende Bahn. Vom Schilf her suselte Khlung;
   Summend wiegten die Mcken der Nacht sich in wrzigen Lften,
   Und in das leise Gets' der fern' aufbrandenden Wogen
   Mengte vom dunkelen Hain die kreischende Stimme der Laubfrosch:
   Rings verstummte die Welt, und entschlummert ruhten die Krieger.
   Aber kein Schlummer umfing die glhenden Augen des Kaisers.
   Sinnend sa er vor seinem Gezelt, und blickte zuweilen
   Schwermuthsvoll in die liebliche Helle des Mondes, zuweilen
   Nach dem trblichen Schimmer hinaus auf den gleitenden Wellen,
   Hrte der Wogen Gerusch am fernen Gestade; der Mcken
   Summenden Flug, und das Kreischen der grnlichen Zweigebewohner,
   Und er seufzte dann laut des Herzens nagendem Kummer.

   Sieh', nicht schlummert' auch Eberstein! Ihm brannten die Wunden
   Noch an dem Arm, den erst, im Sturm der Veste Goletta,
   Ein befiederter Pfeil durchfuhr. Er lag in dem Mondlicht,
   Vor dem Gezelt, die Labung khlumsuselnder Lftchen
   Athmend. Nun horcht' er bewegt, und blickte verwundert um sich her,
   Als er die Seufzer vernahm vor dem Zelteingange des Herrschers.
   Wer durchsthnet die Nacht? so rief er, dem einsamen Denker
   Nahend mit zgerndem Schritt. Er selber? Da wich er betroffen,
   Kehrete wieder, und sann: ob er dort den Einsamen stre?
   Doch sein trauerndes Aug' entlockte dem Zweifler das Wort jetzt:
   Hat mich das Lftchen getuscht, das leis' in den Zweigen des Oehlbaums
   Suselt, Seufzenden gleich? Geut Blsse des Todes der Mond nur
   Dir auf die Wangen? Wie, du wachest, in Trauer versunken,
   Nach dem Tage des herrlichsten Sieg's, dem Falle Goletta's?
   Sprich, Erlauchter, warum denn ewig dir finstere Schwermuth
   Falte die Stirn'? Enthlle dem Treuen des Herzens Geheimni:
   Haben die Sorgen des Thron's, hat unverschuldetes Herzleid
   Sie schon frhe gezeugt, und grogezogen zum Jammer?
   Ernster wandte nach ihm die sinnenden Blicke der Kaiser;
   Legte die Hand auf die Brust, und begann mit erschtternder Stimme:
   Lasest im Antlitz du die Zge des nagenden Kummers?
   O, so schaue sie kenntlicher noch mir im Herzen, und schweige!
   Frher Gram, vermengt mit den zartesten Freuden der Kindheit
   Wurzelt' in dieser Brust, die dort des herrlichen Vaters
   Tod, und um ihn, der Mutter im Wahnsinn endende Trauer,
   Grausam zerri. Doch winkte mir ewig der Vlkerbeherrschung
   Ernstes Ziel; ihm weiht' ich die frhlichen Jahre der Jugend,
   Schweigend, der Bldigkeit Bild, bis Valladolids Turnierbahn,[70]
   Und des Schild's hochsinniger Spruch mir glnzenden Ruhm gab.
   Als ich Hispania's Zepter ergriff, durchtobten des Aufruhrs
   Schrecken das herrliche Land. Von Brgerblute besudelt,
   Weckt' es Entsetzen mir an den Schranken der furchtbaren Laufbahn;[71]
   Aber zugleich erstand auf der dornenvollen ein Feind mir,
   Unvershnlich, den Thron des heiligen, rmischen Reiches
   Neidend, und glhend vor Ha, in Frankreichs stolzem Beherrscher.[72]
   Hat er nicht endlos Krieg, und ach, unnennbares Elend
   Rings auf unsere Vlker gewlzt: zu Bundesgenossen,
   Er, de' Thron in dem Nachruhm prangt des _Christlichsten Knigs_,[73]
   Mahoms Shne gewhlt,[74] des Kreutzes schrecklichen Erbfeind,
   Den ich im seligen Jugendtraum, dereinst Europa's
   Rettender Hort, zurck nach Asia's Steppen zu drngen
   Hoffte? Sieh', auch jetzt, als uns viel tausender Christen
   Schreckliche Noth nach Afrika's ferne Gestade gerufen,
   Weckt er daheim mir Ha, und nhrt verderbenden Aufruhr!
   Deutschland -- Mann, du erbebst dem Jammergeschicke der Heimath,
   Frhnt ihm sogar, verkennend mein treues und redliches Streben:
   Durch den freien Verein so vielfachgesonderter Gauen
   Endlich die heimische Macht und Wrde fr immer zu grnden!
   Doch nun trennt sie ein Streit, das Heiligste, Hchste der Menschheit:
   Gottes Wort, sich erkiesend zum strenggebiethenden Vorwand:
   Jeden Verein zum Wohl noch kommender Zeiten zu fernen.[75]
   Wahr, da Schatten das Licht umhlleten; heilig wie Gottes
   Satzung, der Unfug dnkte dem Volk', und die Wiedergestaltung
   So an dem Haupt wie den Gliedern ersehnt' auch die bessere Mehrzahl,
   Die dem Heiland getreu verharrt fr immer und ewig!
   Doch nur von Schlacken das Gold, von der Spreu zu sondern das
      Fruchtkorn,
   Heischte die Lieb', und es hob sich schon der Tempel der Eintracht
   Herrlich empor: er ward zertrmmert in schrecklicher Willkhr.
   Nur zerstrend wollte man bau'n. Die reitzende Neu'rung
   Und der emprende Ruf unwahrgedeuteter Freiheit
   Lockte das Volk -- das Eigen der Kirche die Frsten. So rang ich,
   Denkend des schrecklichen Bauernkriegs,[76] und der Grueln der Zukunft,
   Lang' entgegen dem Strom, dem Jammer zu wehren, vergebens!
   Ha, ein Gesicht, erst jngst in des Heiligthums Dunkel enthllet,
   Strubte das Haar an der Scheitel mir auf! Ich zitterte, bebte:
   Deutschland sah ich erwrgt nach dreiigjhrigem Wuthkampf,[77]
   Rauchend im Schutt die Burgen, Palst', und Htten, und Tempeln;
   Heiliges frech entweiht, die Mler der Knste vernichtet,
   Und verdet die Gau'n. Wo frher die goldenen Aehren
   Wogten im schimmernden Abendroth; wo blckende Heerden
   Hpften im lachenden Grn; der Mensch in seliger Unschuld
   Gleichbeseligte Menschen ersah, und sich freute des Daseyns,
   Herrschte nur Grabesstill', und im dornumwucherten Saatfeld
   Bleichte das nackte Gebein weithin erschlagener Vlker.
   Spt erst wagte, mit schchternem Blick, der Verscheucht' aus dem
      Schutte
   Sich zu erheben, und sah er nun dort den Schchternen kommen,
   Dacht' er, We Glaubens er sey? und brtete Ha und Verfolgung.
   Sieh', Jahrhunderte floh'n! Da lag auf den Fluren der Heimath
   Finstres Gewlk; die rthlichen Blitz' erhellten zuweilen
   Hinter der Wolkennacht, die Jammergefilde der Zukunft.
   Ueber dem Rhein scholl Mordausruf: bald wirbelten endlos
   Auch in die deutschen Gau'n, vernichtend, herber des Aufruhrs
   Flammen, und laut umher ertnte Gebrlle von Freiheit!
   Gleichheit! Doch von dem Wagen des lautumjauchzeten Siegers
   Klirrten die Fesseln schon entehrender, schimpflicher Knechtschaft.
   Fiele der Deutsche so tief? Er beugte den krftigen Nacken
   Selber der Schmach? O dahin, ich wut' es, unselige Trennung,
   Fhrst du mein edeles Volk: dir rang ich vergeblich entgegen![78]

   Jetzo verstummt' er, und neigte zum pochenden Busen das Antlitz,
   Thrnenumflossen, herab; doch sieh', er hob es, erschttert,
   Wieder empor: im Blitz erhab'ner Gesichte der Zukunft
   Schwand ihm die Gegenwart! Er sah in beglckteren Tagen,
   Freiheit bringend und Ruhm, an den lieblichen Ufern der Pleisse[79]
   Siegender Heere Verein: erstanden in ihrem Vermgen
   Deutschlands Vlker, geschlossen den Bund hochsinniger Frsten,
   Schlacht und Feindesflucht, im helleren Glanze des Rheinstroms
   Freihinwallende Fluth, und Sieg auf Siege gehuft fort --
   Sah vorstrahlend im Frstenbund den glcklichen Enkel:
   Glcklich im hohen Gefhl des ruhmgekrneten Lebens,
   Und in der Liebe des Volk's, das treu und redlich ihm anhing,
   Auch in dem nchtlichsten Sturme der Zeit.[80] Da schwand ihm des
      Anblicks
   Zauber; er starrt' umher, und rief: Ein tuschender Traum war's!
   Und mit dem Blick voll inniger Trauer begann er von neuem:
   Solcher Kummer belastet mein Herz: ich denke der Zukunft.
   Alles, was ihr die Herz mit Liebe zu weihen sich sehnte,
   Hemmte der Sectenwuth blindlingsvernichtender Unsinn,
   Der, mein Leben begeifernd mit Gift, mir Ha in der Nachwelt
   Fernsten Tagen erregt, und Schmhung bereitet die Flle.
   D'rum lechzt meine verwundete Brust nach freieren Lften,
   Ferne vom Thron, wo nie die Freude mir lchelte, rastlos
   Feindlicher Ha mich traf, und herzzermalmender Undank.
   Aber ich sehe das Morgenroth, das mir an dem Abend
   Noch die Sonne verheit nach dauernden Strmen des Tages.
   Jngst, nach ermdendem Weidwerk, both in Estremadura's
   Lieblichem Thal, Sankt-Just,[81] der Hieronymitaner
   Einsames Kloster uns Ruh'. In der hehren Stille des Abends
   Fat' uns gar wunderbar vom erhelleten Dome der Psalmen
   Herrliche Festmelodie, der Orgel mitwallender Jubel,
   Und das wehmuthsvolle Getn der Glocke vom Thurm her,
   Die zum Abendgebeth uns lud, und zu stiller Betrachtung.
   Schweigend durchirreten wir des vielfachgesonderten Gartens
   Dunkle Pfade, wo frei, nach Lust unschuldiger Willkhr,
   Jeder im Bruderverein mit Sorgfalt baute sein Grtchen.
   Einer mit silbernem Haupt und himmlischheiterem Antlitz,
   Wandelte dort: er band, dem festlichen Morgen zur Feier,
   Krnze, mit zartem Sinn vermengend mancherlei Farben;
   Knpfte, hinwandelnd im Duft, gesunkene Blumen an Stbchen
   Fest, und labte die schmachtende Flur, aus der Flle des Springquells
   Schpfend die Silberfluth mit hellerglnzender Kanne.
   Freundlich nickt' er den Gru erst mir, dann meinen Gefhrten
   Freundlicher noch; er ging, und waltete, meiner nicht achtend,
   Wieder so ruhig fort in berseligem Frieden.
   O, so dacht' ich, nicht fhlt er die herzzernagenden Sorgen,
   Die mein Antheil sind auf des Lebens verworrenen Pfaden!
   Ihm ist sein Blumenbeete die Welt, von sanften Bewohnern
   Blhend und duftend belebt; sie lohnen mit seligen Freuden
   Stets ihm jegliche Mh': er herrscht und waltet im Segen.
   Schnell wie ein Blitz aufflammt' in meinem Busen ein Vorsatz,
   Welchen das Herz ergriff, festhielt, und erwhlte fr immer.
   Staune nicht so, mein Held! Einst siehst du mich glcklicher. Reift nur
   Mein Erzeugter zum Manne heran, auf dem Pfade des Herrschers
   Wrdig zu wandeln: dann, o sehnlich erwarteter Festtag,
   Eil' ich mit Adlers Flug in des Friedens himmlische Thler:
   Denn, wie, kmpfend mit Sturm und Noth, der zagende Schiffer
   Fern auf dem Meer umtreibt, als berstend die Maste vom Bord ihm
   Strzen, die schumende Fluth fortwlzt die Tau' und die Segel,
   Und sein Fahrzeug, leck, schon tiefer sinket, er pltzlich
   Land! Land! hrt, da fllt ihm die Brust unnennbare Sehnsucht,
   Und sein thrnender Blick hngt starr an den fernen Gestaden:
   Also zieht mich das Herz hinber nach Estremadura's
   Winkendem Friedensport, und Sankt-Justs heiligen Mauern.
   Dort, den Sorgen der Erd' entrckt, vom Menschengewhl fern,
   Und dem Himmel geweiht, entschwind' in seliger Stille
   Jede Erinnerung mir der leidenerflleten Vorzeit!
   Sieh', schon glnzet der Abendstern, verwandelt, des Morgens
   Herold: die Nacht entweicht! Schon wecken die rasselnden Trommeln --
   Wecken Drometen das schlummernde Volk. Nun will ich des Sonntags
   Heilige Feier begeh'n im Kreise der tapferen Krieger,
   Dann, will's Gott, erringen das Ziel in dem Kampfe vor Tunis!

   Waffengerusch erscholl im dunkeln Gezelte des Kaisers,
   Wo seither dem dsteren Schmerz ergeben, Toledo
   Trauerte. Ihn zu erheitern sann der gtige Herrscher;
   Aber umsonst: denn kalt und schweigend verschlo er die Brust ihm.
   Jetzt, aufhorchend im Zelt dem Klagenden, fhlet' er pltzlich
   Wieder erglhen den Muth im schmerzerstarreten Busen;
   Sprang vom Lager behend', umfate die glnzenden Waffen,
   Grtete sich, und kam, und sprach zu dem Staunenden also:
   Wie, so wohnet denn Gram auch im edelsten Herzen? So lohnt ihm
   Vlkerbeglckende Mh' und Sorge nur schndlicher Undank?
   Schwinde, mein Leid! Verstumm't, ihr Klagen! Ich whnet' euch endlos;
   Doch nun tret ich, beschmt, vor diesen erhabenen Dulder,
   Der dem greren Schmerz obsiegt, und handelt, der Pflicht treu.
   Hr' ich drometenden Ruf -- der weckenden Trommel Gewirbel?
   Fleugt das Schlachtro wiehernd im Feld, und blitzen die Waffen
   Tod in den Feind? Ich komme! Mit Schrecken gewahrt er Toledo's
   Waffen, und netzt sie mit Blut, und, wenn auch Thrnen sie netzten --
   Meine Thrnen: ich trockne sie schnell, des Dulders gedenkend.
   Rasch enteilt' er dem Zelt. Dem Nahenden jauchzten die Krieger
   Freudigen Gru: denn liebend hing das Volk an dem Helden.
   Aber ihm folgte bewegt, mit den tapfersten Fhrern der Kaiser
   Jetzt in das Lager hinaus, Aufbruch zu gebiethen der Heersmacht.

   Schon versank am fernen Gebirg der blssere Vollmond;
   Leise verhllten die Stern' ihr Strahlenhaupt, und im Frhroth
   Glomm die erwachende Welt, als jetzt das geordnete Kriegsheer
   Sich nach Goletta erhob. In tieferschtternder Stille
   Schritt es einher. Nun wurde die finstere Stirne des Kriegers
   Mild, nun sanft sein drohender Blick: denn heiliger Andacht
   Sollt' er am Tage des Herrn sich weih'n; des gttlichen Mahles
   Andenken wrdig feiern, und dann die erschlagenen Krieger
   Senken in's dunkele Grab, und den Tapfern erhhen den Denkstein,
   Da er entflamme des Kriegers Brust in der kommenden Zeit noch.
   Sieh', am Strande des See's, auf dem weitumschauenden Hgel
   Hob sich ber dem Zelt aus Zweigen des suselnden Oehlwalds
   Eine Laube, dem Opferaltar zum wlbenden Dom auf.
   Krieger pflanzten die Laub' in Hast, und zur Linken und Rechten
   Neben dem Bild des Gekreuzigten, nhrt' auf silbernen Leuchtern
   Emsiger Bienchen Flei die fchelnde Flamme der Kerzen.
   Als die erlesene Heeresmacht, dem schimmernden Halbmond
   Aehnlich, die Laub' umgab: da folgte der stattliche Priester
   Eilig, im Feiergewand, dem dienenden Jngling zum Altar.
   Dort vor dem Allerheiligsten sprach er die offene Schuld erst;
   Dann lobsang er dem Herrn, und bethet' um Himmelserleuchtung,
   Da das sehnende Herz erkenne die Wege der Wahrheit;
   Kndigte dann aus dem Brief des groen Jngers die Trstung
   An die fromme Gemein': Einst soll, was dunkel im Leben,
   Wie in umflortem Spiegel erschien, auf immer entrthselt,
   Schimmerndhell uns werden im Anschaun ewiger Wahrheit.
   Dann die Worte des Evangeliums, mild und erhebend:
   Liebet auch euren Feind, als Kinder des Einen und Hchsten,
   Der mit Vaterhuld fr den Frommen und Bsen die Sonne
   Aufgehn heit mit erwrmendem Strahl, und gedeihlichen Regen
   Sendet der Saat des einen, und andern! Auch sprach er des Glaubens
   Frohes Bekenntni, und opferte Brot und Wein zur Vershnung
   Unserer Schuld; doch bald nach dem Dreimal-Heilig erhob er
   Nun das Heiligste selbst, und, als er im frommen Gebeth auch
   Jener gedacht, die, schon entrckt, im Lande des Friedens
   Schlummerten, sprach er das hohe Gebeth des Herrn, und, in Demuth
   Schlagend die Brust vor dem Lamm, das, uns Erlsung zu bringen
   Sich in den Tod hingab, geno er die Speise der Seelen.
   Jetzt noch fleht' er um frohe Geduld in den Tagen der Trbsal,
   Und entlie mit segnender Rechte die Christenversammlung.
   Aber das Haupt entblt, und die Augen zur Erde geheftet,
   Stand umkreisend das Heer, und ehrte die heilige Shnung
   Durch erhabnen Gesang: die melodischen Laute des Herzens
   Flogen zum Himmel empor, und weckten die sanfteren Thrnen,
   Die nur die Andacht weint in wonn'erhhter Empfindung.
   Glnzender wlbte sich rings des Himmels blaues Gezelt auf,
   Und ein Sonnenmeer umwogte das hehre Geheimni
   Unseres Heils. Der schimmernde See, von milderen Lftchen
   Leise gekt, erhob in schauernder Wonne die Wellen
   Nach dem Strand, wo in lispelndem Grn der Opferaltar stand.
   Freudig neigten sich ihm die Wipfel der Cedern Zafrano's;
   Auch das Olivengehlz ersuselte sanft, und des Luftraums
   Liebliche Snger horchten still in den flisternden Zweigen;
   Feierlich schwieg umher die tiefanbethende Schpfung.

   Als gefeiert das Fest, und vollendet das gttliche Mahl war:
   Da geboth der Kaiser dem Volk die Begrabung der Todten.
   Eilt, so rief er, an's heilige Werk: der Erde zu geben
   Leichtverwesliche Saat zur Ernte des ewigen Lebens,
   Wenn der Posaune Klang uns all' aus den Grbern hervorruft!
   Denket des tapferen Sarno zugleich, den ehrenden Denkstein
   Ihm erhhend. Auch Giaffar sey an den Mauern Goletta's
   Ehrend die Sule geweiht: denn schn ist es, kommenden Zeiten
   Noch den Heldenmuth erschlagener Feinde zu knden.
   Eilig gruben die Krieger das Grab; weit ghnte das Erdreich,
   Biethend die Ruh' im dunkeln Schoo den entschlummerten Todten.
   Thrnenden Blick's hintrug so mancher den treuen Gefhrten,
   Der auf des Lebens Dornenpfad' ihm redlich die Brden
   Tragen half, und treu sich bewhret' in Noth und Gefahren.
   D'rauf, als alle das Grab umfing, und der ehrende Hgel
   Deckte: da hob, aufblickend, der Priester den Trauergesang an;
   Sprengte geweihetes Wasser umher, und schwenkte des Fchens
   Weihrauchduftende Gluth der Ruhesttte zum Segen.
   Dann versenkten sie auch im gesonderten Grabe, die Leichen
   Ihrer Gegner, vereint; erhhten mit Liebe den Denkstein
   Sarno's Ruhme geweiht -- auch Giaffars. Freudig gewahrte
   Ludwig das Ehrenmaal des Tapferen, den er erlegte.

   Hell, in des Mittags Gluth erglnzten die Zinnen der Festung,
   Als die christliche Heeresmacht, dem Herrscher gehorchend,
   Sich g'en Tunis erhob. Der Wetterwolke nicht ungleich,
   Die an dem fernen Gebirg aufschwebt, dann eilenden Fluges,
   Rings die Lft' umhllt, und des Himmels Blue verschlinget,
   Deckten die Kriegsheerscharen das Land. Sonst tapfere Krieger,
   Lechzend vor Durst im qualmenden Staub, der unter des Rosses
   Huf und des Mann's vorstrebendem Fu zu den Wolken emporstieg,
   Murreten jetzt in den Reih'n: da schwang der Kaiser voll Hast sich
   Aus dem Sattel; er zog in mutheinflender Hoheit,
   Selbst mit den Scharen einher, und fhrte sie vor auf dem Heerweg.
   Pltzlich verstummte die Klag', und, wie durch khlendes Wasser,
   War die lechzende Zunge gelabt, der finstere Sandstaub
   Ohne Beschwerd', und die Gluth der schrecklichen Sonne verloschen.
   Doch als jetzt in des Meeres Fluth g'en Westen ihr Antlitz,
   Goldumflammt, sich spiegelte; dort- und vom nahen Gehlz her
   Liebliche Khlung kam: da ersah'n die staunenden Krieger
   Tunis, mit thrmenden Minarets und prangenden Husern
   Glhen im rosigen Licht der ersehneten Stunde des Abends.
   Lautaufjauchzten sie all', und schlugen mit nervigen Rechten
   Dann an die blanken Gewehr': entscheidender Thaten sich freuend.
   Aber der Kaiser geboth, urschnell erforschend die Gegend,
   Seinen Tapferen Halt! denn links am Gestade des See's hin,
   Rechts am Olivengehlz, wo droben die Schanze der Felshh'n
   Salis bewhretem Muthe vertraut, der lagernden Heersmacht
   Sichere Stellung verhie, und die silbernrieselnde Quelle
   Labung ihm both, gedacht' er des Heers kampfrstige Flgel
   Auszubreiten, und dort der Morgenrthe zu harren.
   Und, wie im wlbenden Dom die unzhligen Laute der Orgel,
   Von dem Knstler geweckt, sich all' in brausender Strmung
   Herzerschtternder Harmonie'n vereinen zum Wohlklang;
   Oder so wie die Rder all' im vollendeten Uhrwerk
   Willig sich dreh'n nach des Penduls Schlag, und die Zeiger der Stunden
   Kreisenden Lauf und die Bahn der Stern', und der Sonn' und des Mondes
   Weisen zugleich auf dem Zifferblatt: so folgten die Krieger
   Jetzo des Herrschers Wink. Und schnell, wie im knstlichen Webstuhl,
   Kreisenden Spuhlen entfloh'n, im Zug sich entwirren die Fden,
   Und verschlingen zum schnen Gebild: so entwirrten sich alsbald
   Hier die verschlungenen Reih'n, und lagerten dann in dem Blachfeld
   Trefflich geordnet umher. Die Reiter, auf jedem der Flgel
   Deckten schirmend des Fuvolks Macht und des eh'rnen Geschtzes
   Ordnungen, die von dem Vorderzug das mittlere Treffen
   Sonderten. So gestellt, nachtlagerten jetzo die Krieger.

   Sieh', da nahten die Feind' unzhlig herber von Tunis,
   Hairaddins drohendem Blick und schrecklichem Rufe gehorchend!
   Wie auf dem Stillen-Meer des Sturms erbrausender Odem
   Weit die Fluthen emprt, und endlosstarrende Wogen
   Fort zum entferneten Welttheil wlzt -- sie strzen gedrngt hin:
   Zahllos so, herbergejagt von dem furchtbaren Herrscher,
   Nahten die Moslemim: denn im Gemth nicht Tausender Leben
   Achtend, ducht' es ihn leicht, die schmhlichverlorene Festung,
   Jetzt im nchtlichen Ueberfall dem Feind' zu entreien.
   Grimmig verlacht' er darum die Worte der Spher: ihm stehe
   Druend entgegen der Feind, und ordne die Scharen zum Kampf schon;
   Dennoch drngt' er den Sporn in die Seite des chzenden Rosses,
   Das ihn im Staubgewlk und im sausenden Donnergalopp hin
   Bis an die Vorhuth trug. Dort hielt er, und sah, vor Erstaunen
   Starr, die Gersteten: Wuth und Verzweiflung engte die Brust ihm.
   Wie die Wetterfahn' im Hauch des wechselnden Windstroms,
   Bald nach Osten, und bald nach Westen gewendet, umherfleugt:
   Also schwankte sein Geist, im Sturm und Drange des Herzens,
   Unentschlossen, umher: denn schnell, mit dem Blicke des Adlers,
   Heeraufstellender Kunst und Angriffs kundig, gewahrte
   Sein umsphendes Auge das Heer des mchtigen Gegners
   Trefflich beschirmt, und ihm entfloh'n die Stunde des Angriffs.
   Schweigend kehrt' er zurck, und rief den Scharengebiethern,
   Frohsinn heuchelnd, und Muth, weil Angst ihm fllte den Busen:
   Preist den Herrn der Welt und seinen erhabnen Propheten,
   Der uns herrlichen Sieg verheit, und dem Feinde Verderben
   Sendet! Die Nacht entsinkt dem Sternengefilde; nicht kmpfen
   Heut' wir mehr: denn hr't! Nur tobenden Muthes Getmmel,
   Sang und Klang ertne vom Lager; unzhlige Feuer
   Mgen die dunkle Nacht umwandeln zur Helle des Tages,
   Und enthllen das Heer, das schon an dem kommenden Morgen,
   Gleich dem Sturm vorbrausend im Feld, hintilge die Christen.
   Abu-Sa-id, dich ruft vor jeglichem Fhrer dein Knig
   Heute zur That! Zeuch hin mit zwanzigtausend Erwhlten,
   Sonder Gerusch, entlang die felsigen Ufer Medscherda's,
   Nach Buschatter, um dort zu umgehen das feindliche Lager;
   D'rauf, den flammenden Blitz des Donnerrohrs und der Bchsen,
   Schauend in dmmernder Frh', und des Kampf's erwachtes Getmmel
   Hrend, erklimme die Hh'n, und strze dich, hnlich dem Giebach,
   Der im zerstrenden Lauf fortbraust nach unendlichem Regen,
   Rasch in das Lager hinab, da uns die flchtigen Scharen,
   Seiner Wlle beraubt, dann all' erliegen im Schlachtfeld.
   Denke des herrlichen Zugs, und der Beut' unsglichen Werthes!
   Sagt' es, und Abu-Sa-id ging stolzumschauenden Blickes,
   Seinem harrenden Volk und dem nahen Verderben entgegen.
   Doch, auf Hairaddins Wink, des furchtbar'n Mannes, erwachte
   Jetzt Aufruhr, und Lrm, und Gets' in dem wimmelnden Lager:
   Denn des Kessels schmetternden Klang hier mengten die Einen --
   Dort des Horns Gebrll die Andern (mit schwellenden Backen
   Und vorquellendem Aug' erzwingend des Erzes Gewaltton)
   Furchtbarer stets, in das laute Geschrei der rasenden Krieger
   So, da die schlummernde Welt vor Angst aufschauderte ringsum!
   Und in den hellsten Tag verwandelte, prasselnd, des Reisigs
   Mchtige Lohe die Nacht. An den Zelten der Vlker hinunter
   Trugen ragende Pfhl' unzhlbarflammende Kessel,
   Leuchtend, empor: ihr fchelnder Schein durchblitzte die Gegend
   Endlos, immer geweckt von des Harzes aufwallenden Fluthen.
   Raschelnd wogte vor Hairaddins Zelt die _Heilige_ Schlachtfahn' --
   Also dem Volke genannt, in die Lfte. Die trkische Tonkunst
   Feierte dort ihr Fest: die Trommel polterte; Teller
   Zischten mit ehernem Laut; hell klingelten Schellen und Glocken;
   Pfeifchen gellten mit Zink- und Hrnerklngen vereinet.
   Doch vor des Bascha Zelt, vor jeglichem rings in dem Lager,
   Stand das dstre Panier, von des Rosses buschigem Schweifhaar
   Zwei- auch dreifach erhht: die Wrde des Orta-Gebiethers
   Kndend. Also durchwachten die Nacht die empreten Vlker.

   Abu-Sa-id entschlich, dem wildaufsprenden Weidmann
   Aehnlich, dem Heer', und eilte Medscherda's Fluthen hinunter,
   Mit erlesenem Volk, ihm Stille gebiethend, zum Ziel hin.
   Lange noch hrt' er des Lagers Gets', und freute der List sich.
   Aber da lag auf des Felsens Hh'n, im Kreise der Schtzen,
   Salis, der tapfere Hort, und sah nach den Sternengefilden
   Schweigend empor. Er bebte, da dort, millionen von Meilen
   Ueber dem glnzenden Sirius noch, das Aug', mit des Fernrohrs
   Zaubermacht bewehrt, aufdrang, und dennoch kein Ziel fand;
   Zahllos ber ihm noch die Sonnen wandeln, und zahllos
   Erden und Monde sich dreh'n im Raum des unendlichen Weltalls:
   Das erfllt' ihm die Brust mit Schauern der nahen Vernichtung!
   Weinend senkt' er den Blick zum niedrigen Staube hinunter --
   Dachte sich selber nur Staub im wehenden Hauche der Allmacht.
   Sieh', da flog, auf des Lftchens Fittigen suselnd im Nachtgrau'n,
   Eilender Schritte Gets' und klirrender Waffen Getmmel
   Ihm an das horchend' Ohr. Mit dem sphenden Auge des Falken,
   Der aus Wolkenhh'n im dunkelen Grase den Raub sieht,
   Forscht' er rings in den Thlern umher, und sah an Medscherda's
   Ufer annahendes Volk. Schnell ahnt' er, besorgt in dem Herzen,
   Feindlichen Ueberfall, und, gedenkend entscheidender Abwehr,
   Flog alsbald, gesendet von ihm, Ruinard in das Lager,
   Von dem Kaiser verstrkende Macht zu erfleh'n: und sie ward ihm.
   Bald erklommen die Hh'n noch tausend erlesene Schtzen,
   Lwenbeherzt, und froh der feindabwehrenden Arbeit.

   Aber am Strande des See's, wo im Lager die Scharen der Christen
   Ruheten, war nicht Gets' auftobenden Volkes zu hren.
   Nicht erleuchtete Flammenschein (so wollt' es der Herrscher)
   Dort die dunkele Nacht, da in ihrem Schleier geborgen,
   Fest vertrauend dem Muth in der Brust und der leitenden Weisheit,
   Lchle der Tapfre getrost des schreckenvollen Getmmels,
   Das die Verzweiflung gebar, nur feigeren Seelen zur Tuschung.
   D'rauf erquickte nur Brot die Lagernden, heute zum Sptmahl
   Krglich gespendet; sie lschten den Durst nur am Born, und gedachten,
   Scherzend, des reichlichen Mahls zu Tunis, am kommenden Abend.
   Aber der Kaiser ging im Kreise der schmausenden Krieger,
   Zgernden Schrittes umher, und sagte mit Lcheln dem Einen,
   Und dem Ander'n ein freundliches Wort, beim Nahmen ihn nennend:
   Da in dem zahllosen Heer' kein Tapferer fremd ihm geblieben.
   Doch nun rief ihm der Reisige, Horst, der frher des Kaisers
   Dienender Mundschenk war, da er ging, im heiteren Scherz nach:
   Carolus, unser gebiethender Herr, so spttelt' er, winkend
   Noch mit den Augen, ihm nach, vermisset mit trauerndem Herzen,
   Heute wohl auch die erlesene Menge der Speisen im Prunksaal,
   Wo er dem Tisch sonst naht in traulicher, lieber Gesellschaft:
   Denn nicht dampfen aus China's buntem Geschirr ihm die Brhen
   Wrzig entgegen, und nicht das Fleisch gemsteten Rindes,
   Mancherlei Brhen gesellt, nicht das zarte Gemse, des Rehes
   Saftiger Rcken, des Wildschweins Kopf, mit grnenden Struchen
   Zierlich umhllt, nicht der Braten von zahm- und wildem Geflgel.
   Auch das feine Gebck, so vielfachgestaltet aus Rohrmehl,
   Das uns die Neue Welt hersendet in schimmernden Kegeln,
   Reitzt nicht heut' ihm den Gaum, nicht das Obst, erzwungen im Treibhaus,
   Oder weit schner gereift von Gottes gewaltiger Sonne.
   Weder des Rheinweins Gold, noch Malaga's dunkler Gewrzsaft,
   Und des Tokayers Gluth weckt ihm aus silbernen Bechern
   Heute mehr Lust. Erwnscht nun wre mir selber der Speisen
   Abhub, der uns Dienenden ward nach vollendetem Gastmahl;
   Aber getrost: uns winkt aus Tunis der freundliche Wirth schon!
   Also sprach er im Scherz, und laut auflachten die Krieger.
   Abgewandten Gesichts horcht' ihm der edelste Kaiser;
   Doch nun wandt' er sich schnell, und lchelt' ihm, als er den Finger
   Gegen ihn drohend erhob. Dem Scheidenden folgte der Krieger
   Jubelgeschrei, noch weit zu seinem erhellten Gezelt hin.

   Sieh', jetzt kam ein christlicher Sclav' im nchtlichen Dunkel
   Eilenden Lauf's zur Vorhuth; stand, und streckte zum Himmel,
   Dankend, die Hnd' empor; dann rief er: Erkennet ihr Hugo?
   Ich bin's! O, wer fhrt mich schnell zu dem waltenden Herrscher?
   Hugo? so rief Toledo im Schlaf, und ri sich vom Boden,
   Lautaufsthnend. Er lag, der uersten Scharen Gebiether,
   Dort entschlummert im Feld. Nun kte die bebende Hand ihm,
   Auf die Kniee gesunken, der Greis, und schluchzete sprachlos;
   Aber Toledo hing mit schrecklicherblassendem Antlitz
   Ueber dem weinenden Greis', und tief aus den Tiefen des Herzens
   Seufzend, sah er ein strahlendes Bild hinschwinden im Nachtgrau'n:
   Dann noch dunkler das Leben umher; er strzte zum Meer fort.
   Hugo, bebend vor Angst, vernahm von den Kriegern Mathildens
   Trauergeschick und Toledo's herzzermalmenden Jammer,
   Und im wechselnden Kampf erblutete jetzo die Brust ihm:
   Denn bald sah er die Flucht des unglckseligen Gatten,
   Bald vernahm er im Ohr Wehklag' und Geschrei nach Errettung
   Tausender, die ihn gesandt aus den scheulichen Hhlen des Todes;
   Doch, was hher ihm schien, und galt im redlichen Herzen,
   War ihm Gesetz. In Hast eintretend zum Herrscher, begann er:
   Herr, kein Fremdling vor dir, erscheine ich heut' ein Gesandter
   Zwanzigtausend in Noth und Jammer verschmachtender Christen!
   O, ich habe den Jammer geseh'n, und wre gestorben,
   Htte nicht himmlische Huld mich bewahrt bei dem grlichen Anblick!
   Allerbarmend ist Gott, er lenkte die Seele Medelins
   Wieder zurck auf die Wege des Heil's, die er treulosen Sinnes
   Abschwur, und erbot, den Christensclaven ein Henker,
   Wthete. Sieh', er kam, und lste den armen die Fesseln --
   Lste sie mir, dem Draguts Rache den schrecklichsten Tod sann,
   Da ich dir knde zuvor: verschlieen wird er der Hochburg
   Eiserne Thore des Wthrichs Macht, die entfesselten Sclaven
   Waffnen, und harren des Wink's zum Verein mit dir, und den Deinen!
   Als ich der Hhl' entfloh, da tnte herauf aus dem Abgrund
   Freudengeschrei und Gerassel der sinkenden Ketten, da alsbald
   Mir erstarrte das Blut in den Adern vor Angst und Entzcken.
   Wahrlich, mich leitete jetzt der Himmlischen einer in's Lager
   Her, in der dunkeln Nacht, Medelins Worte zu knden:
   Herr, der Rettung gedenk': denn furchtbar wre das Sumen!
   Hastig enteilt' er jetzt, die Spur zu erforschen Toledo's.
   Aber mit pochender Brust, mit thrnenumflossenen Wimpern
   Blickte der Kaiser ihm nach, und rief den tapferen Radburg,
   Dann auch Rmhild auf, die Fhrer der Bayern und Schwaben:
   Eil't, ihr beide, vereint, mit tausend erlesenen Kriegern
   Jeglicher, nach der Felsenburg; im nchtlichen Dunkel
   Fhrt euch Hugo, der Greis, und dort erffnet Medelin
   Euch die Thor', aus welchen noch heut', o Wonne, der Christen
   Eiserngefesselte Schar auszieht in seliger Freiheit!
   Haltet die Veste besetzt, bis wir im schallenden Sieg'sruf
   Nah'n, und die armen all', entfloh'n dem Kerker, uns danken.
   Also geschah's: denn schnell entbothen die muthigen Fhrer
   Ihr erlesenes Volk, die Burg zu erreichen im Nachtgrau'n.

   Drauen am Meeresgestad', am schwindligen Rande des Felsens,
   Stand Toledo gebeugt, und sah mit erblassendem Antlitz
   Starr in die schimmernde Fluth. Ihm schwand dort die Erd' und der
      Himmel:
   Denn jetzt horcht' er, verwirrt, dem fluthenden Geistergelispel --
   Sthnete dann, und horchte wieder: die wechselnden Wellen
   Sanken, stiegen, und schienen allein in dem frostigen Meergrund
   Fr sein brennend Weh' ihm labende Khlung zu biethen.
   Also fand ihn der Greis! er hob die Hnd' und die Augen
   Weinend zum Himmel empor, und bethete leise fr sich hin:
   Der du, ein guter Hirt in der Wste das irrende Schflein
   Suchtest, und so das Gefundene, liebendumfat, auf den Schultern
   Heimtrugst: la auch ihn nicht verloren seyn, du Erbarmer!
   Dann umfat' er ihn schnell; bedeckte mit brennenden Kssen
   Ihm den Nacken, und rief mit leisem Gewimmer: Mathilde!
   Lautaufsthnt' er dem Wort', und wandte sich, starrend in Hugo's
   Thrnendes Aug'; doch jetzt ergriff er die Hand des Getreuen,
   Prete sie heftig, und floh nach dem Lager zurcke. Der Wogen
   Dumpfes Rauschen erfllte noch fern ihm die Seele mit Schauder.




                            Zwlfter Gesang.


   Hairaddins Vlker umfing noch bleierner Schlaf und Betubung.
   Wie aus dem dmmernden Saal, nach lautem Gelage der Fastnacht,
   Schleicht ermdetes Volk; das schimmernde Licht von den Leuchtern
   Schwindet; Tanz und Getne verstummt, und Getmmel verhallet;
   Also verhallte der Lrm in dem weitumkreisenden Lager
   Hairaddins; doch, vom Schlummer erquickt, und zum Kampfe gerstet,
   Harrten die Christen schon des donnernden Zeichens zum Angriff.

   Siehe, der Morgen erhob die Stirn' an dem stlichen Himmel,
   Rosenumkrnzt, und sah mit schchternerrthenden Wangen
   Nach der Erde herab, die, sich des nchtlichen Grauens
   Arm entwindend, aus Wolkenhh'n mit dem Jubel der Lerchen,
   Und in den Fluren rings mit schimmernden Thrnen ihn grte!
   Jetzt, in des Morgens Hauch, zum Kampf entbiethend die Scharen,
   Schwang der Kaiser das Schwert in die Luft. Des Winkes gewrtig,
   Eilte der Wurfschtz vor, und senkte die Lunte mit Vorsicht
   Hin an des Zndrohrs dunkelen Rand: aufflammte das Pulver.
   Erst nur ein weniges vor -- dann eilender wieder zur Stelle
   Rollte der eherne Schlund, und warf im Donnergetmmel
   Durch die Lfte den Ball nach dem feindlichen Lager hinber.
   Einst, wie zum Weltgericht die Posaun' erschallt in dem Luftraum,
   Schnell die Gebein' aus Staub und Moder zum Leben sich regen,
   Und in schaudernder Hast, dem Rufe folgend, die Todten
   Alle ersteh'n: so scholl, in der heiligen Frhe, des Schlachtrufs
   Donnergetmmel dem Feind'. Alsbald ergreifend die Waffen,
   Strzeten alle zugleich mit Lrm und Gets' in die Reihen.
   Rings in die Umwelt flog auf den Fittigen suselnder Lftchen,
   Donnergetn, und traf in dem fernentlegenen Waldthal
   Abu-Sa-ids aufhorchendes Ohr. Er whnte: begonnen
   Wthe die Schlacht -- besiegt von Hairaddin, fliehe der Fremdling
   Schon, dem er den schirmenden Wall zu entreien herankam.
   Schnell entboth er sein Volk, und klomm an der ragenden Bergwand
   Aufwrts, keuchend vor Hast, und triefend von Schwei an den Gliedern:
   Denn ihn drngte nach Beute die Gier, die Hairaddin gestern,
   Trumend von Siegen, ihm both. Er hie die folgenden Scharen
   Leis' erklimmen den Berg, und winkte mit Augen und Hnden;
   Zischt', und pressete fest an die Lippen den druenden Finger,
   Da sie den wehrlosen Feind erwrgten im pltzlichen Anfall.
   Aber nicht achtlos sa auf dem buschigen Saume der Felshh'n
   Salis, der Held. Im Kreise der ringsumsphenden Schtzen,
   Sah er hinschwinden die Nacht, und jetzt vernahm er vom Wald her
   Nahender Laute Gezisch: denn unter den eilenden Fen
   Rauschte das Laub, und verrieth die Kommenden. Muthigen Herzens
   Fuhr er vom Boden, und rief dem Volk: Gebt Acht! und die Schtzen,
   Beugend das rechte Knie', an die Wange pressend des Rohres
   Zierlichen Schaft, mit gespanntem Hahn, scharf zielenden Augen
   Harrten des Feuer! gebiethenden Ruf's. Da fate der Feldherr
   Selber den kunstgezogenen Lauf, den er auf dem Herweg
   Kaufte fr blinkendes Gold von dem tridentinischen Meister,
   Stand, und zielete. Jetzt, in des dunkel'n Waldes Umlaubung,
   Schauend Abu-Sa-id, der stolz vor den Seinen daherkam,
   Lie er erkrachen das tdliche Rohr. Die schmetternde Kugel
   Rthete schnell ihm die Stirn', und sterbend sank er zu Boden.
   Also birgt sich im Schoo des hundertjhrigen Ahorns,
   Lauernd, der Luchs, da im Lauf hereilt der muntere Rehbock;
   Aber er fahet ihn nicht: denn drben erkrachet des Hirsches
   Sechzehnendiger Krone bereits der hemmende Hochwald,
   Und er strzt sich jetzt auf den harmlos Nahenden, Blutgier
   Athmend, herab, und zernagt den Hals und den Rcken des armen,
   Im verzweifelten Lauf, bis ganz ermattet er hinsinkt:
   Salis erlauerte so vor allen den Fhrer des Volkes,
   Abu-Sa-id, und warf ihn entseelt hinunter am Abhang.
   Schreckenbetubt, nicht ahnend woher die entsetzliche Kugel
   Brausete, stand sein Volk, und starrt' umher in dem Dunkel;
   Doch als endlos fort vom Gebsch der Bchsen Geschmetter
   Tobte; nach jeglichem Schu Gejauchze des Schtzen ertnte,
   Der, scharfzielend, durchbohrte die Brust des einmal Erkornen;
   Als die schreckliche Wucht entrollender Steine, des Berges
   Saum entlang, wo in dunkeler Nacht sie huften die Schtzen,
   Donnernd die Reihen begrub, und Reihen verwundet umherwarf:
   Da scholl Jammergesthn' verwundeten -- Lrm und Getmmel
   Flchtenden Volk's, das schnell hinunter den stubenden Abhang
   Strmt' und von Schrecken gejagt, im Thal forteilte g'en Tunis.
   Stille herrschete rings, und so, wie berstende Wolken
   Brausen vom Hochgebirg in das Thal, die entwurzelte Waldung
   Schwindet, und kahl aufstarrt das Gefild: so brausten die Mauren,
   Flchtend, im Waldthal fort, und rings verstummte die Gegend.

   Freudig erscholl fernher das Schmettern der Bchsen des Kaisers
   Horchendem Ohr; doch freudiger noch ihr schnelles Verstummen:
   Denn er ahnte den Sieg auf den Hh'n, und fhrte die Scharen
   Eilender vor. Da flog, vom schnaubenden Rosse getragen,
   Guasto, der Greis, ihm entgegen, und rief, ein Flehender, also:
   Herrlich dmmert dein Siegestag, erlauchter Gebiether;
   La die grauende Haupt mit dem schnsten der Krnze geschmcket,
   Kehren vom Kampf, so ich heut', beherrschend den muthigen Vortrab,
   Dir bereite die Bahn zu dem Sieg voll ewigen Nachruhms!
   Als ihm des Herrschers lchelnder Blick die Bitte gewhrte,
   Spornte das Ro Del-Guasto, und flog, wie Wettergewlk fleugt,
   Von dem Sturme gejagt, an die Spitze des muthigen Vor-Zugs,
   Wo des Fuvolks Reih'n, fnftausend erlesener Wlschen,
   Oestreichs tapferen Reitern gesellt, mit Jubel ihn grten.
   Jene lenkte Toledo zum Kampf, und die Reisigen Lichtstein:
   Beide Shne des Ruhms, erzogen im Felde der Waffen.
   Wie in dem Sternenzelt, verherrlicht vor allen, des Morgens
   Glnzender Stern aufschwebt: so kam an dem Flgel zur Linken
   Ludwig, der siegverherrlichte Held, neuntausend der Krieger,
   Die aus Brabant, und mit ihm her aus Lusitanien zogen,
   Vorzufhren im Feld. So folgten zur Rechten die Deutschen
   Ebersteins Panier, der khn, wie ein Eber des Waldes
   Sich auf den Gegner warf im Gefecht; wie ein Fels in dem Meergrund
   Stand im wilden Tumult umdruender Todesgefahren,
   Und in dem Busen (den Edelstein) das edelste Herz trug.
   Hunyady eint' ihm die Macht rotummelnder, khner Magyaren
   Hier, voll Muths vorstrmend im Feld; dort nahte mit Ludwig
   Alba heran, der stets ein Schrecken der Feinde, der Heimath
   Schwergeharnischte, reisige Schar, entflammte zu Thaten.
   Doch, wie Sterne der Mond, den Mond, aufstrahlend, die Sonne
   Schnell verdunkelt an Pracht: so ragte der edelste Kaiser
   Vor in der Mitte des Heers. Ihm folgten aus jedem der Vlker
   Tausend Erwhlte zum Kampf, da jegliches, gleich in Gefahren,
   Gleich in des Ruhms hochlohnendem Glanz, sich freue des Vorzugs.
   Aber im Nachhalt stand Aurel mit den Tapfern von Malta,
   Und, den Rittern gesellt, den furchtbarn, standen die Reiter,
   Die Hispania's Cortes entsandt' im rhmlichen Wettstreit:
   Doria's Heldenkraft vertraute der Kaiser die Scharen.

   Jetzo herauf und hinunter im Feld, die Reihen zu mustern,
   Jagt' er das feurige Ro, und es streute vom blanken Gebisse
   Schneeigen Schaum, und wieherte stolz in dem sausenden Ritt hin.
   Doch nun hemmt' er, zur Mitte gekehrt, den schnaubenden Lufer,
   Hob vom Haupte den Helm, und wandte sich gegen die Krieger.
   Siehe, da fuhr an des Himmels Rand' im Osten die Sonne,
   Rosigschimmernd, herauf, und weckte den lieblichsten Morgen,
   Der sich je zur Erd' auf goldenen Fittigen senkte!
   Ringsum jauchzt' ihr entgegen die Welt: denn wonnige Khlung
   Hauchte das Meer und der See von Tunis herber, des Kriegers
   Busen erfllend mit dauernder Kraft, und am blaueren Himmel,
   Dem erhabnen Altar des Herrn des kreisenden Weltalls,
   Schwamm ein zartes Gewlk umher, gleich duftendem Weihrauch,
   Der zum Dank aufwallt in der heiligen Stunde der Andacht.
   Als er entblte das Haupt, da hellte die strahlende Sonne
   Ihm die erhabene Stirn'; er bethete laut vor den Scharen:
   Herr, nun strke dein Volk! Nicht trieb uns im dunkelen Schiffsraum
   Gier nach Beute heran; nur deinen Bekennern die Freiheit --
   Frieden dem raubgefhrdeten Meer zu erkmpfen im Schlachtfeld,
   Ziehen wir freudig das Schwert. Von dir kommt Sieg und Errettung.
   Dann aufschwang er den Stahl mit der Rechten; er barg mit der Linken
   Schnell das Haupt in den Helm, und rief, erschtternd, den Kriegern:
   Golgotha's Hgel herab entstrmte des sterbenden Mittlers
   Kreuze die knechtschafttilgende Huld: sie bracht' uns Erlsung.
   Christen, des Kreuzes gedenkt, und errettet die schmachtenden Brder!
   All' aufjauchzten dem Wort mit thrnendem Blick, und im Sturmflug
   Ihres empreten Muths erscholl ihr brausender Zuruf:
   Fort, in die blutige Schlacht! Nicht allein auf dem Felde vor Tunis
   Streite dein Volk; auch fern an Jerusalems heiligen Mauern
   Stirbt es den Heldentod fr dich, zu erringen der Kronen
   Erste dem edelsten Haupt. Jetzt hin, wo im Donnergetmmel
   Blitzt das wrgende Schwert; wir schmettern die Feinde zu Boden!
   Also erscholl's in dem Heer. Da flammte pltzlich der Luftraum
   Auf; die Wolken floh'n; laut rauschten des Meeres Gewsser,
   Und es erbebte die Erd', als sollte zerstieben das Weltall:
   Denn aus den glnzenden Hh'n der endlosen Rume des Himmels
   Kam Eloa herab: von den streitenden Heeren der Geister
   Wilden-Muth-emprende Schar zu entfernen. Sie bebten,
   Als er das flammende Schwert aufschwang, und mit druendem Blick rief:
   Hr't, da Keiner aus euch den Vlkern: nicht diesem, nicht jenem,
   Nahe mit thatenerweckendem Hauch: denn selber bewhren
   Soll sich der Muth, der hier den Sclaven erringet die Freiheit!
   Nun, da er fern' im blulichen Aethergefilde dahinschwand,
   Sah'n sie trauernd ihm nach. Ihr Herz erfllte die Sehnsucht
   Nach dem seligen Land: des Friedens ewiger Heimath.
   Dann, gesondert im Kreis', auf schimmernden Wolken sich lagernd,
   Ruheten all' umher, und blickten herunter auf's Schlachtfeld.
   Muhamed floh mit den Seinen davon: ihn schreckte des Seraphs
   Druender Blick, und Gram entflohener Hoffnung ergriff ihn.

   Sieh', auch Hairaddin trieb des brausenden Heeres Geschwader
   Zahllos gegen die Christen heran: so brauset des Meeres
   Sturmgeschaukelte Fluth in tausender Wogen Emprung!
   Erst die reisige Schar der Araber, feurige Rosse
   Bndigend, und ermdend im Kampf durch wechselnden Anfall,
   Flog den Numidiern vor, die rasch von der Sehne des Bogens
   Schnellen den schwirrenden Pfeil, und fern durchbohren den Gegner.
   D'rauf, wie die Schwrme der Krh'n anstrmen im Herbst, und erfllen
   Weit mit lautem Gekrchze die Luft: so folgte der Mauren
   Lanzengewaltiges Volk den Numidiern, und in dem Rcken
   Dieser Unzhligen kam, von schnaubenden Rossen gezogen,
   Rasselnd, im sanddurchpflgenden Zug, des schweren Geschtzes
   Druende Macht. Nach jeglichem Donnerrohr', in der Rechten
   Schwingend die dampfende Lunte zur Luft, und den Helfern gebiethend,
   Schritt der Wurfschtz her, und siebenzig waren der Schtzen:
   Dragut fhrte die Volk, dem Vorderzuge gebiethend.
   Aber die Janitschar'n, gewaltiger Thaten sich freuend:
   Jetzo des Feindes Reih'n mit des Sbels sausendem Mordschlag
   Niederzuwerfen, und jetzt, aus schmetternden Feuergewehren,
   Mitten in Feindesbrust zu entsenden die tdliche Kugel,
   Eilten im Nachzug vor. Da waren die Brauen der Krieger
   Tiefer gesenkt, das Auge gerthet vor Wuth, und die Lippen,
   Gleich dem gespannten Bogen gekrmmt, voll schrecklichen Ingrimms.
   Hairaddin spornte das Ro herauf und hinunter: von Unmuth
   Gohr ihm die Brust, da er jngst von Sinam bethret, nicht wrgte
   Dort die Sclaven gesammt, aufschleudernd die Burg in den Luftraum.
   Grimmig hing sein Blick an der Burg, und er wandte das Schlachtro
   Nach den felsigen Hh'n, den armen verderbend zu nahen;
   Doch schon brausten die Christen heran, und heischten drometend,
   Trommeln wirbelnd, Kampf, und Gemenge der mordenden Waffen.

   Jetzt, wie im thauenden Lenz von zween aufstarrenden Bergen
   Pltzlich der Schnee sich ls't, und gegen einander gewirbelt,
   Link's, und rechts herdonnern in's Thal die grausen Lawinen:
   Weit erbebet die Luft; zerschmetterte Wlder erkrachen,
   Und die Htten umher mit den Lebenden deckt die Zertrmm'rung;
   Aber zugleich wie zween aufbrausende Strme der Lava,
   Der aus Sden gejagt, und jener aus Norden, sich pltzlich,
   Tief in des Abgrunds Nacht begegnen im feindlichen Ansturz:
   Siehe, da zittert die Welt; im Beben der Erde versinken
   Mchtige Stdt', und der berstende Berg speit Flammen zum Himmel:
   Also trafen dahier die feindlichen Heere zusammen:
   Da war Mordesgets' und Geschrei, war Sausen der Lanzen,
   Zischen der Pfeil', und Klirren der Sbel umher in dem Blachfeld.
   Dragut strmte zuerst mit einem erlesenen Haufen
   Khner Araber vor, und hieb in den Reihen der Vorhuth
   Ein, wo Wlschlands blhendes Volk entgegen ihm kmpfte.
   Blut durchstrmte den Sand: denn hundert blhende Krieger
   Lagen erwrgt, eh' noch mit verhngtem Zgel die Reiter
   Oestreichs nahten, und schnell fr jeden erschlag'nen Gefhrten
   Zween erlegten dem Feind' im Gemenge der blitzenden Sbel.
   Aber so tapfer die reisige Schar, vereint mit dem Fuvolk,
   Drngte des Drngers Macht, so vieler Getdteten Blut flo,
   Dennoch siegten sie nicht: denn zahllos strmten die Mauren,
   Mit den emprten Numidiern vor, und strkten des Vor-Zugs
   Wankende Reih'n. So stemmen umsonst des berstenden Eises
   Tausendfltiger Macht die Pfhl' in dem Strom sich entgegen:
   Krachend thrmen die Schollen sich auf, und ber den Damm hin
   Braust ihr verheerender Zug: wie hier den wimmelnden Scharen
   Guasto's tapfere Krieger umsonst entgegen sich stemmten.
   Doch schon nahte der Greis. Er fhrte die Scharen vom Nachzug
   Eilig im Sturmlauf vor, und die ehernen Kriegesdrometen
   Schmetterten heller, und lauter erscholl im Sturme der Trommeln
   Wirbelnder Ruf; empreter stets aufjauchzten die Krieger,
   Sthnten die Rosse hinan zum entsetzlichen Kampf der Entscheidung.

   Wer durchsprengt im sausenden Flug die Reihen, vor allen
   Heischend den Todeskampf? Wer wagt es, entgegen zu stehen
   Dragut, dem Schrecklichen? Wer, als Toledo, der edelste Feldherr?
   Frhlich umgab er sich heut' am dmmernden Morgen die Rstung,
   Die ihm der Kaiser gab zum Geschenk, und trat aus dem Zeltthor
   Heiteren Blickes zu Kurd, dem treubefundenen Freund hin.
   Schttelnd ihm traulich die Hand, begann er mit sanfterer Stimme:
   Kurd, in der Blthe der Jahr', im Rosenschimmer des Morgens,
   Go ein Gewittersturm urpltzlich ein nchtliches Dunkel
   Um mich her; zerknickte voll Wuth die Blthen mir alle:
   Hinschwand jegliches Licht, und ich taumelte fort an des Abgrunds
   Schwindligem Rand; doch jetzt erseh' ich des schneren Morgens
   Hellaufdmmernden Strahl, und die hehren Gefilde des Friedens,
   Wo des Dulders lohnendes Ziel, Mathilde, mir winket,
   Ewig beglckt! Leb' wohl, und fall' ich, so denke mit Sorgfalt
   Hugo's, des treuen, und werd' ein Trster dem trauernden Vater!
   Ach, der arme, nicht ahnt' er's nun, da der trauernde Vater,
   Ob des Sohnes Geschick, erst jngst verhauchte das Leben,
   Und ihn deckte das Grab mit tiefumnachtenden Schauern!
   Also sprach er dem Freund, in den Sattel sich schwingend, und horchte
   Gierig des schlachtgebiethenden Ruf's. Die Kriegesdrometen
   Schmetterten kaum, so flog er hinaus, und strmte die Reihen
   Seiner Erlesenen durch. Er hatte Dragut ersehen.
   Aber auch Dragut sah ihn schon fern', und dachte, Verderben
   Ahnend, der Flucht; doch, ach, wie ertrg' er Hairaddins Ingrimm,
   Wie den hhnenden Blick des feindlichgesinneten Sinam!
   Zweifelnd wankt' ihm die Hand an dem leitenden Zaum; vor den Augen
   Dunkelte rings ihm die Welt, und aus seinen erblassenden Lippen
   Sthnte die Wuth; doch sieh', nun rafft' er in seinem Vermgen
   Nur ergrimmter sich auf, und warf mit umschwingender Rechten,
   Zielend, den blinkenden Dolch dem furchtbar'n Rcher Mathildens
   Weit entgegen! Er traf, im sausenden Fluge, Toledo
   Meidend, den tapferen Kurd, der rasch dem Freunde gefolgt war:
   Lautlos sank er vom Sattel herab, in die Stirne getroffen,
   Und verhauchte den Geist. Toledo, vor allen den Einen
   Nur im Aug': denn rach'entflammt, gewahrte des Freundes
   Schrecklichen Unfall nicht. Er spornte den schumenden Lufer
   Dicht an das Schlachtro Draguts hin, da die wallenden Mhnen
   Beider sich streiften im Gegensprung, und, jetzt ihn ereilend,
   Brach durch Stirnbund, Haut und Bein sein schmetternder Degen
   Sich die blutige Bahn: er neigte die Stirn', wie ein Mohnhaupt,
   Das in der Reife, vom Sturm zerknickt, sich neigt, und des Samens
   Schwrzlichen Strom zur Erd' ergeut; dann folgend dem Blutstrom,
   Sank er vom Sattel hinab, und rchelte sterbend im Sand dort.
   Doch nun wandte das schnaubende Ro der Rcher Mathildens
   Von dem Todten, und rief zu vereintem Gewrge den Freund auf.
   Wehe, er lag entseelt auf dem Sand'! Er blickte verstummend
   Auf ihn nieder: nur zwei, im Sturz, hellschimmernde Thrnen
   Weihet' er, hingebeugt, dem Theuern; drckte die Spornen
   Dann in des Rosses Bauch, und schwang, vor entsetzlicher Rachgier
   Sthnend, das Schwert: um ihn her, zur Shne, die Leichen zu hufen.
   Wie der schreckliche Wolf, vom wthenden Hunger getrieben,
   Weder der nahenden Hunde Gebell, noch drben der Hirten
   Lautes Geschrei, die gern von der Heerde der Lmmer ihn scheuchten,
   Achtet: denn er wrgt voll Hast die in Haufen Gedrngten
   Links und rechts, und nach jeglichem Mord noch wchst ihm die Blutgier:
   Also rcht' er den Freund in des Feindes Blut. Abdorrahman
   Sank ihm zuerst, der laut mit Geschrei vordrngte die Mauren;
   Dann Ben-Esrid, der Scheik arabischer Horden (im Schlachtgrau'n
   War er den Reisigen stets ein Leitstern) ihn aus dem Sattel
   Ri er behend', und hieb, mit krftigem Schwunge des Degens,
   Ihm die Scheitel entzwei, da lautaufsthnend er hinsank.
   Wie auf der Heid', im Herbst, das Feuer die brtigen Disteln
   Tilgt, vom Sturme gejagt; so tilgte sein Eisen die Gegner.

   Nahend dem Vorderzug gewahrte der Kaiser Toledo's
   Waffenthaten, und schrie mit jubelndem Laut im Gets' hin:
   Tapferer, so besiegst du Tausende! Muthig, nur vorwrts!
   Ha, der sank, und dort auch jener, und nimmerermdend
   Wrgt dein schrecklicher Stahl? Nie welkenden Lorber erringt dir
   Heute dein Muth: er reit im Sturm die Helden zum Sieg fort!
   Aber wie Glockengelut' im Sturm bald nher und nher,
   Heller und lauter erschallt, bald wieder vom wechselnden Windschwall
   Ferne verweht, in der sausenden Luft verhallet den Ohren:
   So verschlang das Gets' des Kaisers lohnenden Zuruf.
   Jetzo nach Rogendorf, dem tapferen Meister des Feldzeugs,
   Sah er zurck, und erhob, zum verstndlichen Wink ihm, den Degen.
   Jener entschwand auf dem feurigen Ro, und, als er vom Nachhalt,
   Gegen den Vorderzug die Donnerrohre zu fhren
   Nahete, rief er noch laut den Feuerwerkern, im Vorgeh'n:
   Schaffet mir Ruhm! Euch winkt im Feuer mein blitzender Degen
   Heute zum letzten Mal. Mit trauerndem Herzen des Freundes,
   Salm, gedenkend, will ich hinfort in der einsamen Kammer
   Weilen daheim, und harren des Tag's ersehnter Vollendung.
   Also entflammt' er das Volk, und, schnell zur Stelle gefahren,
   Schleuderten jetzt die Donnerrohr' in den Reihen des Feindes
   Tod und Verderben umher: obsiegend dem donnernden Feldzeug
   Hairaddins. Denn wie ein Sturm, der, pltzlich die Lfte verfinsternd,
   Saust, entschttelt das Eis, und die wogenden Saaten zerschmettert,
   Warf des Kaisers Geschtz im dichten Gedrnge der Gegner
   Hunderte nieder, da hier in den Reih'n der tapferen Christen,
   Jenes nur wenige traf, durch Schuld unkundiger Schtzen.
   Hairaddin bebte vor Wuth, und fluchte laut vor den Scharen
   Auf das schwere Geschtz, das dort im Donnergetmmel
   Weder verstummen hie das feindliche, noch in dem Blutfeld,
   Jenem gleich, vertilgte das Volk: ihm schrecklich zu schauen!

   Doch nun spornte Del-Guasto das Ro in die Nhe des Kaisers,
   Neigte vor ihm das Haupt, und rief mit leuchtenden Augen:
   Jetzt, wo hochentflammt die Seele des Kriegers nach Thaten
   Lechzet, das Aug' ihm glht, in das Auge zu schauen des Gegners,
   Und die Faust ihm zuckt, und die strebenden Fe nicht rasten:
   Jetzo gebieth' im Sturmanlauf des Kampfes Entscheidung!
   Doch du weiche zurck: o sume nicht, weiche zum Nachhalt,
   Da du, gefahrenumdroht, nicht Angst erweckest den Deinen!
   Kaum da der warnende Ruf den Lippen des Greises entflohn war,
   Warf zerschmetternd ein Eisenball den tapferen Ottmar,
   Oberleitmann im Heer', an der Seite des Kaisers zu Boden:
   Blutend lag er im Staub. Entsprossen der freundlichen Hauptstadt,
   Die in dem weitumkreisenden Thal mit silbernen Wellen
   Rasch durchfluthet die Muhr,[82] ein Sohn ruhmwrdiger Aeltern,
   Whlt' er des Kriegers Bahn, als dort der stattliche Kaiser,
   Nahend in siegender Heere Verein Vindobona, der hohen,
   Mchtigen Kaiserstadt, Suleyman, den schrecklichen Groherrn,
   Fliehen hie mit unzhliger Macht.[83] Stets folget' er seither
   Seinem Panier; doch jetzt hinsank er im Kampfe vor Tunis.
   Laut aufschrie'n die Krieger vor Angst; es erblate Del-Guasto,
   Ob des Herrschers besorgt; da rief er mit lchelndem Antlitz:
   Fernet die Angst: kein Kaiser erlag dem Donnergeschtz noch![84]
   Und er geboth alsbald des Angriffs Weisen den Feldherrn.
   Wie, durch Flammen geweckt, die Dmpfe des siedenden Wassers
   Aus dem eisernen Bauch des ringsumschlossenen Kessels
   Drngen im unaufhaltsamen Flug; doch wei sie der Meister
   Sinnig zu hemmen, und heit sie Gewaltiges wirken, und schaffen
   So, da Unkundige Furcht und Schauder ergreifet bei'm Anblick
   Jener verborgenen Macht: so wundersam lenkte zum Angriff
   Hier die unendlichen Reih'n ein Wink des waltenden Herrschers,
   Und von neuem begann des schrecklichen Kampfes Getmmel.
   Ludwig warf vor allen zuerst vom schimmernden See her
   Sich auf die feindlichen Reih'n. Das Feuerrohr an die Wangen
   Pressend, feuerten, bald im Verein, bald einzeln, die Krieger
   Jauchzend, es los: dumpf, schmetternd, scharf, erkrachten die Bchsen,
   Und in des Mittags Glanz umhllte des flammenden Pulvers
   Dichtaufwallender Rauch die Vlker mit nchtlichem Dunkel.
   D'rauf hinstrmt' im Flug, von dem tapfersten Helden gefhret,
   Alba's reisige Schar. Sie schmetterte da Janitscharen,
   Dort Numider, und hier arabische Reiter zu Boden,
   Pferd' und Mannen zugleich: weit deckten die Todten den Staub dort.
   Rechts vom Olivengehlz drang Eberstein mit den Deutschen,
   Ehernen Muth's in der Brust, unzhligen Mauren entgegen,
   Die, von Muhamed Temtes emprt, gleich wthenden Thieren,
   An die gesenkten Speer' und die flammenden Rohre sich strzten.
   Aber da rief Held Eberstein den Tapferen laut zu:
   Jetzt noch fester geschlossen die Reih'n! Des edleren Muthes
   Flammendrang in der Brust, nicht blind umtobender Ingrimm,
   Heit den Krieger zum winkenden Ziel vorstrmen im Schlachtfeld!
   Also ermahnt, besiegte die Macht des empreten Feindes
   Deutschlands tapferes Volk: es stemmte sich, gleich der Gebirgswand,
   Die vom blhenden Thal des Sturm's verderbenden Ingrimm
   Abwehrt, ihm entgegen, und drngt' unbndigen Muth's ihn,
   Wieder zurck. Auch warf die tapferen Reisigen Ungerns
   Hunyady jetzt, in gedehneten Zgen ihm rasch in die Seiten.
   Hochaufqualmte der Staub, und den stampfenden Hufen erbebte,
   Drnend, der Grund, als vor- zu dem mhnigen Halse sich beugend,
   Und zu des Kalpacks Zier erhebend den blitzenden Sbel,
   Flogen die Reiter im Feld. Den Kommenden streckten die Mauren
   Speere, so dicht, wie im Forst aufragen die Fichten, entgegen;
   Doch der muthige Reiter zerhieb, im gewaltigen Aufschwung
   Fhrend den schneidenden Stahl von der Linken zur Rechten, von unten
   Aufwrts, jeglichen Speerschaft so, da umher in den Lften
   Sausten die Trmmer im Flug', und die Geister da oben erbebten:
   Denn entsetzlich erscholl des wrgenden Kampfes Getmmel.
   Aber im Vortrab, wo Toledo geboth, und der Ritter
   Glnzende Schar, entflammt zum blutigen Kampf der Entscheidung,
   Eilete, scholl entsetzlicher noch Getmmel und Schlachtruf.
   Wie der schreckliche Brand, der fern an den uersten Straen
   Einer ummauerten Stadt sich erhob, bald weiter und weiter
   Wthet im brausenden Sturm, bis rings die unzhligen Huser,
   Dom', und Thrme zugleich, auflodern, und Jammer erschallet:
   Also entbrannte die Riesenschlacht, und schrecklich ertnte
   Sterbenden Volk's Wehklag', vermengt dem Jauchzen des Siegers,
   Und der Verwundeten Schrei dem Wiehern der tobenden Rosse.
   Blut durchstrmte das Feld, und wandte den schumenden Lauf oft,
   Von den Haufen der Todten gehemmt, an Menschen und Thieren.

   Hairaddin sah der Seinen so viel' im Kampfe getdtet,
   Und erblate vor Wuth. Doch, als auch Dungur Toledo's
   Blitzendem Schwert erlag, der Algiers Thron ihm zu schaffen,
   Selber mit frevelnder Hand Euthemi, den Knig, erwrgte,
   Da verflucht' er sich selbst, und rief, da die Vlker erbebten:
   Wer verschlinget, voll schrecklicher Gier, die Theuren mir alle?
   Ha, nicht schaut er hinfort die leuchtende Sonn' an dem Himmel!
   Sieh', und er spornte sogleich, den Speer erhebend, das Streitro
   Vor, und drang auf Toledo mit todausblitzendem Aug' ein!
   Diesem erpochte vor Wonne die Brust: den mchtigsten Gegner
   Dort zu besteh'n, ihn siegend zu bndigen, oder des Lebens
   Dornenbesete Bahn zu vollenden im rhmlichen Wettlauf.
   Flugs hinspornte das Ro auch er, und hieb, in den Bgeln
   Sich erhebend, auf Hairaddin ein; doch dieser entwich ihm,
   Und sein Schwert durchschnitt nur die Riemen des leitenden Zgels,
   Auch das muthige Ro am wlbenden Halse verwundend,
   Da es, gebumt, aufschnob, und chzte, von Schmerzen gefoltert.
   Jetzt war's um ihn gescheh'n; doch Hairaddin lenket' im Eilflug
   Sein gelehriges Thier, mit eisernem Drucke der Schenkel
   Wieder herum, und stie den tdlichen Speer ihm so mchtig
   Durch die tapfere Brust, da er flugs dem Sattel entstrzend,
   Auch den Schaft aus Hairaddins festumklammernder Faust ri.
   Wie der ragende Mast, der erst die wehenden Wimpel
   Noch in die bluliche Luft erhob, vom Donner getroffen,
   Sausend dem Bord' entstrzt: auffleugt im Falle des Leines
   Schimmergewebe: so fiel er, den Speer im pochenden Herzen
   Tragend, vom Ro. Sein Auge verglomm, wie drben des Abends
   Schimmer, und sein verblutendes Herz bewegte den Speer noch
   Leis'; dann stand's, entrckt des Lebens Geschossen fr immer:
   Denn die Krone des Siegers im Schoo der himmlischen Freundinn
   Schauend, entschwebte der Geist den trben Gefilden des Erdballs.
   Hairaddin kehrte zurck: mit noch emprterer Blutgier
   Fhrt' er die Janitschar'n und die Reihen der Schrecklichen vorwrts,
   Und von neuem begann des wthenden Kampfes Getmmel.

   Dort, wo vor Toledo zuvor, das maurische Kriegsvolk
   Wich, da brausete jetzt mit Orkanengewalt und des Blitzes
   Flug', erhebend sein Allah-Geschrei, der schreckliche Trk her.
   Rechts war Eberstein, und links Lusitania's Ludwig
   Vorgedrungen, und so das mittlere Treffen gesondert,
   Feind'umschart, und verloren im Feld. Es erblate Del-Guasto;
   Aber nicht wich ihm der Muth. Er rief den tapferen Fhrern:
   Trennet die Reihen des Volk's, und heit sie nach Osten und Westen,
   Heit sie nach Sden und Norden, die Stirn' im druenden Viereck
   Wenden sogleich, und bestehen den Kampf, wie es Helden geziemet!
   Also der Greis: da tnte der Ruf, da erblitzte der Degen
   Tapferer Fhrer; es stand das Volk geschlossen im Viereck,
   Und in dem mittleren Raum, mit den Herolden, schaltend, Del-Guasto.
   Mochte der Feind nun da, nun dort anprallen: dem Felsen
   Gleich, den drauen im Sturm umbrausen die wthenden Wogen,
   Standen die Tapfer'n im Feld; sie hielten die strmenden Scharen
   Kmpfend zurck, und huften umher unzhlige Leichen.
   Solches gewahrend, entboth der edelste Kaiser die Vlker,
   Die zum entscheidenden Schlag er heut' erkor in dem Heer', so:
   Jetzo hinaus an den Feind! Dem winket der schnste der Lorbern,
   Der hier seiner Gewalt entreit die tapfer'n Gefhrten.
   Vorwrts! Hier in dem Feld und dort in der felsigen Hochburg
   Winket des Sieges Preis erhabener Christenerrettung.
   Sieh', und er fhrte sogleich die erlesenen Scharen vom Nachhalt
   Gegen des Feindes Macht! Die jauchzenden Krieger bewegten,
   Eilend dahin im Waffenfeld, die hurtigen Schenkel,
   Wie das muthige Ro, dem Ziele genaht, in dem Wettlauf,
   Immer schnelleren Flugs durchbraust die stubende Rennbahn.
   Hairaddin sah die Kommenden. Ihm erbebte der Busen
   Jetzo vor Angst: denn ach, sein mchtiger Gegner, der Kaiser,
   Flog an der Spitze der Khnen daher! Er wandte das Reitro
   Schnell, und entfloh. Da erhellte des Sieg's aufstrahlende Hoffnung
   Sein umwlktes Gemth: er fluchte der niedrigen Feigheit,
   Die so fremd ihm war, wie drauen dem schrecklichen Lwen,
   Der die Wste durchbrllt, den Gegner zu wecken; dann fat' er
   Gierig den ragenden Speer, und schwang sich zurecht in dem Sattel.
   Doch schon war ihm dahier der siegverherrlichte Kaiser,
   Brausend genaht, und warf ihm die Lanze mit krftiger Rechten,
   Weitausholend zuvor, so rasch entgegen, und traf ihn
   Jetzt in die Rechte so fest, da ihr entschlpfte der Speerschaft,
   Und der Verwundete floh, von Wuth und Schmerzen gefoltert,
   Schnaubend zurck: ihm schlug der Feind' umhallender Sieg'sruf
   Jetzo der Wunden noch mehr; dann hie er die Schrecklichen vorgeh'n,
   Kmpfen, und metzeln, von Rach' erfllt, und schrecklicher Mordgier.

   Ha, zu dem letzten Gewrg' ereilten sich jetzo die Gegner!
   Nicht der sturmentwurzelte Wald, nicht der schreckliche Donner,
   Der in des Mittags Gluth den schwarzumnachteten Himmel
   Durchras't, krachet so laut, als hier erkrachten die Waffen,
   Und wie im engeren Thal des Strom's ergossenen Fluthen
   Strzt das Fhrengehlz, da, bereinandergeworfen,
   Liegen die Stmm' auf dem Grund', und mengen die Aest' und die Wipfel:
   Also lagen im Feld die Erschlagenen, welche vor allen
   Sich in dem Vorderzug hinwrgten in Hast und Erbitt'rung.
   Aber nicht lang': da floh'n die vlliggeworfenen Scharen
   Hairaddins fort mit Geschrei und in wilder Verwirrung nach Tunis,
   Und er folgte den Flchtigen stumm, und verachtenden Blick's, nach.
   Sinam, des Nachzugs Hort, erwgend des fliehenden Heeres
   Noth, und scheuend des Herrschers Grimm, da er gestern die Sclaven
   Rettete, hielt nun da, nun dort die ausreiende Schar auf;
   Aber vergeblich. Wie dort die flchtigen Gemsen der Weidmann
   Ein in das felsenumstarrete Thal, wo gierig die Schtzen
   Harren, im Lrm und Gets' nachstrmenden Volkes zu treiben
   Nimmer vermag: denn fern erwitterten jene die Schtzen
   Schon, und brechen dahier und dort durch lrmende Treiber:
   Also entfloh sein Volk. Doch er, wohlkundig des Krieges,
   Rastete nicht, und deckte mit tausend erlesenen Trken:
   Jetzo entfliehend mit List, und jetzt mit unbndiger Khnheit
   Wagend erneueten Kampf, den Rcken des flchtigen Heeres,
   Bis urschnell, wie ein Hagelgewlk, hervor aus dem Nachhalt
   Doria kam, und den Feind sein reisiges Volk mit dem Faustrohr,
   Das an dem Sattel ihm, links und rechts in der Halfter geborgen,
   Ruhte, vertrieb: den Zaum mit den Zhnen fassend im Anlauf,
   Und aus jeglicher Hand abfeuernd das knallende Faustrohr.
   Jen' entfloh'n wie Spreu im Hauch des strmenden Windes.

   Jetzt, am errungenen Ziel, der nchtlichen Weihe gedenkend,
   Welch' ihm Solches verhie, erhob der stattliche Kaiser
   Seine, von Thrnen des Danks umhlleten Blicke zum Himmel.
   Zahllos schwebten die Geister herab: sie umjauchzten des Siegers
   Ruhmgekrnetes Haupt und des Heer's unendliche Reihen.
   Aber, so laut und so mchtig sie schrie'n: des horchenden Kriegers
   Ohren vorber erscholl nur ein leises Geflister; er blickte
   Staunend umher. Da hob zu dem bersinnlichen Luftraum
   Attila finster sich auf. Sein Aug', erhellet von Muth sonst
   War erloschen -- erschttert sein Herz. Er zrnte dem Seher
   Muhamed, der ihn mit ruhm- und siegverheissenden Worten
   Wieder herab aus den Hhen gelockt. Nun sah er von dorther
   Mit umdstertem Blick entgegen der dunkelen Zukunft.
   Aber die andern entfloh'n, und zogen umher in den Lften,
   Wie das Herz sie drngt' auf dem Pfade der Luterung, jenseits.

   Hugo nahte voll Angst. Nicht ersphte sein Auge Toledo's
   Schimmernden Helm in dem Vorderzug, nicht das blitzende Schwert mehr,
   Dem die Feinde gebebt; doch jetzt gewahrt' es ihn blutend --
   Todt in dem Staub, und neben ihm Kurd, den treuesten Freund auch.
   Gleich zween sugenden Leu'n, die ein grimmiger Panther erwrgte,
   Als entfernt nach Beut' umirrte die sorgliche Mutter,
   Lagen sie dort; und, wie die Kehrende heulet, und wehklagt
   Um die Lieben, da rings, mittrauernd, die Wlder erschallen:
   So wehklagte der Greis, und rief zu Toledo gebeugt hin:
   Mutest du sterben dahier im fern entlegenen Welttheil,
   Ferne der Heimath: den Lieben fern, du Herzensgeliebter!
   Hugo kehret allein! Nicht schaust du vom kehrenden Schiff mehr
   Dort den hohen Palast, wo in unbehlflicher Kindheit
   Er dein erstes Lallen vernahm, auf den Armen dich wiegend;
   Nicht umfngt, aufweinend vor Wonne, der frstliche Vater
   Dich Gelandeten dort, nicht die zrtliche Gattinn -- was sagt' ich?
   Sie ist nicht mehr! Schon floh der Engel zur besseren Heimath
   Wieder zurck: du folgtest ihm schnell in liebender Sehnsucht.
   Ruhet denn beide vereint, im nmlichen Grab, und es ruhe
   Neben euch dort im Frieden die Hlle des theuersten Freundes!
   Dann erhoben, auf seinen Wink, die tapferen Krieger,
   Die er so oft zum Kampf' und zum Siege gefhret, den Helden
   Dort mit dem treuesten Freund' auf die Schultern, und folgten ihm,
      schweigend
   All', und mit Thrnen im Blick, zum moosumwucherten Fels hin.
   Als er den finsteren Schlund der Hhl', entfernend den Steinwust,
   Selber enthllt'; als jetzt an der Seite Mathildens Toledo
   Lag, zu dem Engel gewandt, der ruhend am Herzen der Mutter
   Lchelte, sah er sie lange noch an, und sagte mit Andacht:
   Schlummert im Frieden dahier der Auferstehung entgegen,
   Bis der Posaunenruf euch dann zu dauernder Wonne
   Wiedererweckt. So sey's! Sie wandelten weinend, und s'ten
   Saat der Verwesung; allein, bald kehren sie jauchzend, und tragen
   Freudig die Garben heim in die Scheuern des ewigen Lebens.[85]
   Sieh', und als er auch Kurd, den redlichen Freund, an des Freundes
   Seite gelegt, und das Schwert ihm dort in die Rechte gegeben,
   Das er zur Rettung des Freundes gezckt: da stieg er beklommen,
   Und mit thrnendem Blick noch oft zu den Todten sich wendend,
   Wieder zur Tageshelle herauf. Er winkte den Kriegern,
   Und sie wlzten sogleich den lastenden Stein an der Hhl' auf:
   Vor unheiligem Blick die Hlle der Edeln zu wahren.
   Aber er ging, und harrt' am Strand der ersehneten Heimfahrt.

   Hairaddins Vlker floh'n, durchbrausend die Straen von Tunis,
   Und er folgte den Feigen voll Grimms; doch jetzo die Hochburg
   Schauend im Abendglanz, erwog er noch zweifelnden Sinnes:
   Ob er erklimme die Hh'n, und dort, die entfesselten Sclaven
   Waffnend, stehe zur Wehr', und fall' im rhmlichen Tod nur?
   Hastig spornt' er das Ro bergan, zu erklimmen die Hhen;
   Doch nun hielt er erstaunt. Ihm brausete Fluch und Verwnschung
   Schrecklich an's Ohr; hellschwirrende Pfeil' und schmetternde Kugeln
   Whlten um ihn, entsinkend der Luft, im Staub, und die Mrser
   Spie'n mit Donnergets' ihm zermalmende Kugeln entgegen.
   Und, o schreckliche Schau: es wehte die Fahne des Kaisers
   Hell von den Zinnen der Burg, die dort aufpflanzten die Deutschen!
   Jetzt ergriff er die Flucht. Entfaltend die nchtlichen Flgel,
   Rauscht' ihm Verzweiflung, Angst, und Todes-Grau'n in dem Rcken;
   Doch gewahrend im flchtenden Heer' auch Sinam, des Nach-Zugs
   Tapferen Hort, ergrimmt' er sogleich, und schmhte den Greis so:
   Ha, wer siegte mir ob mit tnender Zunge voll Arglist,
   Da ich die Sclaven gesammt nicht erwrgen lie in der Burg dort?
   Sey verflucht dein Rath -- verflucht du selber auf immer!
   So vom Zorn entflammt, entri er dem Krieger den Bogen,
   Zog die Sehn' an die Brust, und scho nach den Zinnen der Hochburg,
   In ohnmchtiger Wuth, den breitbefiederten Pfeil hin;
   Dann entfloh er nach Bona hinaus, wo seiner die Schiffsmacht
   Harrt', und Sinam folgt' entfernt mit dem schweigenden Heer nach.

   Als nun rings im Gefild' des Krieges Getmmel verhallt war,
   Herrschte, die Straen entlang, in der meilenumkreisenden Hauptstadt,
   Grabesstille. Verstummt, und zitternd bei jeglichem Laut schon
   Saen die Menschen daheim, und harrten des nahenden Feindes.
   Aber mit wankendem Schritt und thrnenumflossenen Wimpern
   Traten, je zwei und zwei, die Greis' aus dem Thore von Tunis:
   Aelteste nennt sie das Volk, die am Markt und im wlbenden Stadtthor
   Sitzend, sprechen des Rechts Urtheil als kundige Richter.
   Fnfzig kamen der Greis'. Ihr Haupt von silbernen Haaren
   Sprlich umhllt, erweckete Mitleid; Achtung geboth ihr
   Schneeiger Bart, der tief zu dem goldenen Grtel herabflo.
   Jeglicher trug in der Rechte herbei den grnenden Oehlzweig, --
   Trug in der Linken Geschenk', und horcht', erbebend vor Angst, auf:
   Denn schon tnete laut, und lauter des eisernen Hufes
   Schmetternder Schlag: schon klang das Rasseln der blitzenden Waffen
   Nher; des Vor-Zugs reisige Schar herbrauste, dem Sturmwind
   Aehnlich, und drang in die Stadt, der bebenden Greise nicht achtend.
   Dort, noch glhend vom Kampf, und entrstet in blutiger Arbeit,
   Wrgt' ihr Schwert unseliges Volk, das thrichten Herzens
   Hairaddins Worten vertraut', und, dem Schrecklichen treu sich bewhrend,
   Muthige Abwehr sann, und furchtbarer Rache gedachte.[86]
   Aber umsonst: bald floh die unzhlige Menge zerstubt fort.

   Jetzt an der Spitze des jauchzenden Heer's, in eherner Trommeln
   Wirbelndem Ruf, im Drometengetn, und der flatternden Fahnen
   Sanftem Gesusel, erschien der stattliche Kaiser. Die Feldherrn,
   Eberstein und Doria rechts -- links Guasto mit Ludwig
   Folgten ihm. Doria, gro und mchtig im Sturme der Seeschlacht,
   Sah ihn erringen den Sieg, und heftete seitdem die Augen
   Schweigend auf ihn; ihm pochte die Brust vor erschtternder Ehrfurcht.
   Als der Herrscher die Greise, gebeugt im Staube, gewahrte,
   Sprang er vom Sattel, und hie sie mit sanftgebiethender Stimme
   Stehen, und sprechen vor ihm mit Muth und wrdiger Freiheit.
   Siehe, da sprach El-Had, der hundertjhrige Greis so:
   Segen mit dir, gewaltiger Heer'- und Vlkerbesieger,
   Der du mit Huld uns hrst! Nun herrsch' in Flle des Glckes
   Ueber ein Volk, das jngst im strafenden Zorne die Vorsicht
   Hairaddins Wuth preis gab, des grausamgesinneten Mannes!
   Ach, und wir haben doch einst viel bessere Tage gesehen,
   Als auf dem Thron von Tunis ein Frst voll gttlicher Weisheit,
   Maula Mehemed, sa, de' Staub der Segen des Himmels,
   Wie die Sommerflur der thauende Morgen, erquicke;
   Als des Siegers Schwert' erbebten die Gegner, im Frieden
   Blhte die Land, und rings auf dem weltverbindenden Meer noch
   Wogte sein Handelsschiff, des Segens Flle verbreitend --
   Sammelnd im frohen Verkehr! Doch zrne dem eifernden Greis' nicht,
   Herr: denn stets umschwebt ihn das Bild entflohener Zeiten,
   Und errette das Volk in den Mauern der zitternden Hauptstadt,
   Wo nach dem schrecklichen Kampf der rach'erfllete Sieger
   Wthet. Vielleicht, da auch dir ein grauender Vater daheimblieb,
   Welcher im Gram des Tages gedenkt, an welchem du hingingst;
   Oder am Strande des Meer's die Mutter des blhenden Suglings
   Deiner, des Gatten, beraubt, aufweint in trauernder Sehnsucht.
   Solches erwg', und errette -- gebiethe dem strmischen Krieger,
   Da er den lsternen Blick, voll heiliger Scheu, von des Harems
   Thre verwende, und Leib und Gut dir opfert dein Volk dann!
   Also der Greis, und mild, wie ein liebender Vater den Kindern
   Streichelt die Wange zum Trost, zur Ermunterung, nahte der Kaiser
   Jetzo dem flehenden Greis', und sprach mit erheiterten Blicken:
   Ein, und derselb' erbarmende Gott ist ber uns allen,
   Der den Sieg uns gab, und den frevelnden Ruber in Staub warf.
   Aber nicht mir und den Meinen, nur Muley Hassan, dem Knig,
   Huldige frder die Land: ihm werde das Erbe der Vter,
   Ihm der entrissene Thron, die Lieb' und die Treue des Volkes.
   Mge die Zukunft ihm und euch im Segen erblhen!
   Sagt' es, und nahm die Geschenk' an kstlichen Frchten und Blumen,
   Die, nach der Sitte des Land's, ihm die zitternden Greise verehrten,
   Nahend je zwei und zwei, und die Herolde hie er, den Kriegern
   Einhalt thun mit gebiethendem Wort', in den Straen von Tunis.
   Jene gehorchten, und bald verstummte der Waffen Getmmel.

   Doch welch' dunkeler Strom ergeut sich vom Felsengebirg her?
   Zahlloswimmelndes Volk entstrmt den Thoren der Hochburg.
   Ha, die Geretteten sind's -- sie sind's, erschtternd zu schauen!
   Wie, zum Schwarme gereift, die unzhlige Menge der Bienen,
   Summend, dem duftenden Korb entfhrt am sonnigen Lenztag:
   Also entstrmten auch hier wohl zwanzigtausend der Christen --
   Jetzo nicht Sclaven mehr, den Kerkern der Stadt und der Hochburg:
   Bleich, ermattet durch Qual, durch Hunger und grause Behandlung!
   Glckliche, die nun zuerst umschlangen die Kniee des Kaisers,
   Knieend im Staub; auf die Hand ihm preten die zitternden Lippen --
   Netzten mit glhenden Thrnen sein Kleid! Nur Sthnen und Schluchzen
   Tnte noch ringsumher aus der angsterregenden Stille.
   Jetzt ein Weinen und Heulen erscholl, und jetzo mit einmal,
   Furchtbar, hallte Geschrei: O Vater, Retter, Befreier!
   Wie die Meeresfluth, vom nahenden Sturme gehoben,
   Erst nur leis' aufrauscht; doch bald im schrecklichen Aufruhr
   Heulet in Wolkenhh'n, und braust in des ghnenden Abgrunds
   Tiefen, da, schaudernd vor Angst, ihr die Erd' und der Himmel erdrnet:
   Also ertnte der Schrei der Glcklichen rings um den Kaiser.
   Tausender Hnd' empor zu dem Vater im Himmel gehoben,
   Zeigten die Bahn, auf welcher des tieferschtterten Herzens
   Dank aufflog, und des Segens Fll' erflehte dem Retter.

   Lauter ward das Gets', und bewegter die wimmelnde Schar dort.
   Einer dem andern sank an die Brust, und fragte noch zweifelnd:
   Ist es gewi: wir frei -- entronnen auf immer den Banden?
   Einzeln, dann wieder vereint, dann immer gewaltiger scholl's nun:
   Werd' ich dich wiederseh'n, o Vaterland -- in der Heimath
   Seh'n dich, vterlich Haus, wo mir der frhlichen Kindheit
   Jahre entschwanden im Glck? Werd' ich den zrtlichen Vater --
   Ich die liebende Mutter umfah'n -- die holde Geliebt' ich,
   Liebend und treu, und ich, den Freund, die Kinder, und Gattinn?
   Also erscholl's aus dem brausenden Strom endlosen Entzckens;
   Aber der Retter stand im Kreise der staunenden Feldherrn,
   Von den seligen Scharen umjauchzt. Er blickte, verstummend,
   Ueber die Menge hinaus, in des hochaufwlbenden Aethers
   Schimmernden Raum empor (an seinen Wangen herunter
   Strzte die Thrn') und als er nun senkte das Haupt, und voll Dankes
   Prete die Recht' an das pochende Herz: da wandt' er sich lchelnd,
   Weinend, nach Eberstein, und sagte mit leiserer Stimme:
   Strb' ich doch jetzt: denn ach, mir wurde die Wonne des Himmels!
   D'rauf mit erheitertem Blick begann er, und sagte zu Guasto:
   Edeler Greis, vertraut sey dir die Pflege der Freien,
   Da du mit Vaterhuld, und weis'umschauender Sorgfalt
   Stillest die Noth der Hungrigen, und bekleidest die Nackten!
   Heimwrts schiffen wir bald. In des Meer's freiwogenden Fluthen
   Rauschet der Kiel, und vom Mast erglnzen die Krnze der Sieger:
   Dort den Lieben zur wonnigen Schau. Doch nimmer entschwindet
   Uns das errungene Ziel hinfort; nicht welket der Kranz mehr,
   Der uns geworden: denn seht: er keimte hienieden, und blhet
   Unvergnglich fort in den hehren Gefilden des Himmels!
   Jener fhrte die jauchzende Schar zu des Meeres Gestad hin,
   Sorgend fr Aller Wohl nach dem Willen des edelsten Herrschers;
   Aber er trat voll Wehmuth ein in die Thore von Tunis!




                       Anmerkungen zur Tunisias.


                             Erster Gesang.

                            [1] Vers 27.

Nach der Schlacht von Zama, soll P. Corn. Scipio den Hannibal gefragt
haben: wen er fr den grten Feldherrn halte? Dieser nannte zuerst
Alexander den Groen, dann Pyrrhus den Epiroten, und den dritten sich
selber. Scipio, darber empfindlich, sprach weiter: und was wrdest du
erst gesagt haben, wenn du auch mich berwunden httest? -- Dann
entgegnet' ihm jener -- wrde ich mich weit ber jene Beiden gesetzt
haben.

                            [2] Vers 29.

Ludwig IX. (der Heilige), Knig von Frankreich, Sohn Ludwigs VIII. und
Blanca's von Castilien (geb. den 25. April 1215), der durch seine
Frmmigkeit, Weisheit in Regierungsgeschften, und durch persnliche
Tapferkeit sich allgemeine Hochachtung erworben hatte, unternahm zuerst
einen Kreutzzug nach dem gelobten Lande; eroberte im Jahre 1249 Damiata,
und schlug den Sultan von Aegypten zu wiederholten Malen. Allein durch
Hungersnoth und ansteckende Krankheiten zum Rckzug gezwungen, verlor er
die errungenen Vortheile mit der Freiheit, die er nur durch die
Zurckgabe von Damiata, und durch ein groes Lsegeld fr sein
mitgefangenes Heer, wieder erhielt. Im Jahr 1270 unternahm er einen
zweiten Kreutzzug, schiffte nach Afrika ber, und eroberte die Veste von
Tunis; doch auch hier, wie in Syrien, raffte eine ansteckende Krankheit
einen Theil seines Heeres weg, deren Opfer er selbst, am 25. August
desselben Jahres, geworden ist. (Siehe _dessen Lebensbeschreibung_ durch
_Delachaise_ und des Abtes _de Choisi_.)

                            [3] Vers 40.

_Hairaddin_ (Chereddin) und Horuc-Barbarossa, von Mitylene, auf der
Insel Lesbos, gebrtig, und, als Korsaren, der Schrecken des
mittellndischen Meeres, bemchtigten sich des Thrones von Algier, wohin
sie Selim-Euthemi, der Knig, gegen die Spanier zu Hlfe gerufen hatte.
Chereddin bertraf seinen Bruder noch an Khnheit, und begrndete
eigentlich das so lange, zur Schande Europa's, bestehende System der
Seeruberei an der Nordkste Afrika's. Nachdem er Constantina und noch
andere Stdte daselbst wegnahm, ernannte ihn Solyman II., oder
_Prchtige_, zum Oberbefehlshaber seiner Flotten. Im Jahr 1535
bemchtigte er sich durch Verrath der Stadt Tunis; sammelte dort eine
bedeutende Seemacht, und anstatt, wie im vergangenen Jahre, nur die
Ksten Italiens zu plndern, ging er mit nichts Geringerem um, als
Sicilien mit einer Menge Trken und Mauren zu erobern, wodurch er sich
die Wege zu dem Throne Neapels zu bahnen gedachte. In demselben Jahre
wurden seine unabsehbaren Plane durch Carls V. herrlichen Zug nach Tunis
vereitelt. Doch Carls unvershnlicher Feind, Franz I., Knig von
Frankreich, ward Chereddins Verbndeter, mit dessen Macht vereint, er im
Jahr 1543 Nizza wegnahm. Er starb im Jahr 1546 zu Constantinopel, -- im
88. seines Lebens. An dem Strande des Meeres zu Beschiktasch, am
europischen Ufer des Bosphorus, ist sein Grabmahl (wie Hofrath v.
Hammer in seiner Verfassung des osmanischen Reichs Theil II., Seite 317,
sagt), und erregt ernste Gefhle bei dem Gerusche der Wogen, die an ihm
emporklimmen. (__Paul. Jov. in Elog._ I. 6. -- _Hist._ I. 33. 41. 44. --
_Thuan. Hist._ L. III._)

                            [4] Vers 55.

_Andreas Doria_ (geb. 1468) aus einem altadelichen Geschlechte Genua's,
war frher franzsischer Admiral, whlte aber freiwillig Kaiser Carls V.
Flagge, und blieb zur See in dessen Diensten bis zu seinem Tode im J.
1560. Er war der grte Seeheld seiner Zeit; gab Genua eine bessere
Verfassung, und ward der _Vater und Befreier des Vaterlandes_ genannt,
das er im J. 1528 vom Joche der Franzosen befreiet hatte.

                            [5] Vers 61.

_Muley Hassan_ (Maula-Hascen), Maula Mehemeds Sohn, Knig von Tunis. Er
war der jngste Sohn von zwei und zwanzig Geschwistern, unter welchen er
seine Brder, auf den Rath seiner unnatrlichen Mutter, theils blenden,
theils tdten lie, um also zum Throne zu gelangen. Sein lterer
Zwillingsbruder, Al-Raschid, entfloh nach Constantinopel, bei Solyman
Hlfe zu suchen. Er ward heimlich erwrgt, und der eben von dort
absegelnde Chereddin eilte nach Tunis, und bekam bald, im Nahmen des
todten Al-Raschid gebiethend, dem das Volk anhing, Goletta die Veste,
und dann auch Tunis in seine Gewalt. Muley Hassan ward zwar durch den
siegreichen Kaiser in sein ihm entrissenes Land wieder eingesetzt, wurde
aber nach wenigen Jahren von seinem Sohn, Hamida, des Thrones beraubt,
und geblendet. So kam er zu dem Kaiser nach Augsburg, nochmals um Hlfe
zu flehen, und starb auf der Rckreise in Rom. (Siehe: __M. Cardonne
Histoire de l'Afrique et de l'Espagne_ etc. T. III. _Paris_ chez
Saillant_ 1765, und __Jov. Hist._ 33. c._)

                            [6] Vers 99.

_Solyman II._ (Suleyman, der _Prchtige_ benannt) folgte Selim I.,
seinem Vater, im Jahre 1520 in dem trkischen Kaiserreiche nach. Nie ist
dieses Reich auf einer glnzenderen Stufe der Macht und des Ruhmes
gestanden, als unter diesem, durch Herrscherweisheit und Thatkraft
ausgezeichneten Frsten. Im Jahre 1521 eroberte er Belgrad, und im
folgenden Jahre die Insel Rhodus, von wo er die Johanniter-Ritter
vertrieb. Im Jahre 1526 gewann er in der Schlacht von Mohatsch den Sieg
ber den Knig der Ungern, Ludwig II., der sammt seinem Pferde in einem
Moraste zu Grunde ging, und, nachdem er einen groen Theil von Ungern in
seine Gewalt bekommen hatte, rckte er im J. 1529 vor Wien, von wo er
nach einer vergeblichen Belagerung, da der Kaiser, Carl V., mit einem
Heere nher gerckt war, sich schnell nach Ungern hinabzog. Er starb
daselbst am 4. September 1566, bei der Belagerung der Veste Sigeth, die
Niklas Zriny, ein zweiter Leonidas, so heldenmthig gegen ihn
vertheidigt hatte, im 72. Jahre seines Alters, und im 46. seiner
Regierung. (__Paul Jov. in Solim.__)

                            [7] Vers 105.

_Istambul_, Stambul, nennen die Trken die Stadt Constantinopel.

                            [8] Vers 406.

Die heiligen Urkunden sprechen von einem Orte der ewigen Seligkeit,
wohin die _Guten_ kommen, und von welchem die _Bsen_ auf immer
ausgeschlossen bleiben. Aus ihnen schpfte die Allgemeine Kirche die
Lehre von einem Mittelzustande, von jenem der _Luterung_, durch welche
der Uebergang zu jenem mglich wird. Ueber alle drei ist in dieser
Kirche, seit der ersten Zeit ihrer Verbreitung bis zu dem heutigen Tage,
ein, und derselbe Glaube geblieben, welchen sie bestimmt, und deutlich
gelehret hat. In Bezug auf dieses dreifache _Geisterreich_, von welchem
die Kirche Beschreibungen zu geben, weder konnte, noch wollte, lie sie
auch einige Stellen in den Briefen des Apostel Paulus unberhrt, die mit
jenem in Verbindung gebracht werden konnten. Die sind die Stellen, in
welchen er von den, im Luftraum wohnenden Geistern spricht, und auf
welche der Snger der Tunisias, und des Rudolph von Habsburg, sein
_Wunderbares_ im Epos, (nicht als Exeget, sondern als Dichter) gegrndet
hat. Im Brief an die Epheser VI. vom 11-13. Vers (Ziehet an die volle
Rstung Gottes, damit ihr stehen knnet gegen die Nachstellungen des
Versuchers: denn unser Kampf ist nicht wider Fleisch und Blut, sondern
wider Frstenthmer, Gewalten und Weltherrscher der finsteren Gegenwart:
wider die bsen Geister im Uebersinnlichen) ist von Geistern die Rede,
die bser Natur sind, und gegen deren Einflisterungen der Christ zu
kmpfen hat. Vorher, III. Cap. 10. V. (Damit den Mchten und Gewalten,
im Uebersinnlichen, durch die Kirche -- die Bekenner der christlichen
Lehre, die mannigfaltige Weisheit Gottes bekannt werde) spricht er
aber von solchen, welchen auf dem Pfade der Luterung ein Aufschreiten
vergnnt zu seyn scheint. Besonders die erstere Stelle fnde ihre
Erluterung in jener im I. Brief an die Chorinther XV. Cap. 24. V. &c.,
wo Paulus von dem _Weltende_ spricht: (... Dann ist das Ende, wenn Gott
die Frsten, Mchte und Gewalten -- im Uebersinnlichen -- auer
Wirksamkeit gesetzt haben wird. Das Letzte aber, was sein Ende erreichen
soll, ist der Tod.)

Da diese Stellen in den Briefen des Apostel Paulus schon in den ersten
Jahrhunderten der christlichen Zeitrechnung auf eine hnliche Art
ausgelegt wurden, beweisen die merkwrdigen Worte des grten
Schriftauslegers aller Zeiten, des h. Hieronymus, der zu obiger Stelle
im VI. Cap. des Briefes an die Epheser, sagt: _Haec autem omnium
Doctorum opinio est: quod aer iste, qui coelum et terram medius
dividens, inane appellatur, plenus sit contrariis Fortitudinibus. _S.
Hieronym. Comment. in Epist. ad Ephes. Q. 3. c. 5.__

                            [9] Vers 465.

Die grundlose Beschuldigung, die der Sectenha so vielen, selbst
ausgezeichneten Geschichtschreibern eingab, da nmlich Carl V. nach der
Alleinherrschaft in Europa gestrebt habe, ist dem Unpartheiischen wohl
aus seinem ganzen Herrscherleben klar genug; doch findet er sie vllig
widerlegt durch seine Lage nach dem berhmten Siege, den er bei Mhlberg
(24. April 1547) ber den Smalkaldischen Bund errungen hatte. Seine
ergrimmtesten Gegner sanken dort berwunden zu seinen Fen; seine
spanischen Veteranen, mit vielen italienischen Scharen, standen ihm zu
Geboth, und er -- begngte sich dem frechen Uebermuth, der ihn nur als
_Carl von Gent_ mehr gelten lie, ein Ziel gesetzt zu haben, entlie
seine sieghaften Scharen, baute auf Treu und Glauben: denn das hatte er
wohl nie gedacht, da sein Liebling, Moritz von Sachsen, den er an
seinem Herzen gro gezogen hatte, so undankbar an ihm handeln wrde, und
gerieth, von diesem mit einem Ueberfall bedroht, schon fnf Jahre (J.
1552) nach jenem Siege, in solche Gefahr, da er sich, von
Gichtschmerzen gefoltert, in einem Tragsessel noch in der Nacht von
Innsbruck fort ber die Gebirge nach Krnthen, als ein Flchtender,
mute tragen lassen.


                            Zweiter Gesang.

                            [10] Vers 23.

_Ortilo_, dessen wichtige _Fragmente von den Babenbergern_, als
Herrschern Oestreichs, Chrysostomus Hanthaler aufgefunden und bekannt
gemacht hatte, sagt zu dem Jahr 1191 von _Leopold_ dem _Tugendhaften_,
unter anderm: Da der Herzog bei der Belagerung (von Ptolemais) so
tapfer focht, da sein ganzer Krper, mit Ausnahme jenes Theils, den der
Leibgurt umgab, mit Feindes Blut bespritzt war, so hat in der Folge der
Kaiser, Heinrich VI., den Schild Oestreichs, in dem bisher fnf Lerchen
zu sehen waren, gendert, und zeichnete solchen durch ein _rothes Feld_
aus, das durch einen _weien Querbalken_ mitten durchschnitten ist.
Ortilo war ein Zeitgenosse Leopold des Tugendhaften, und vier Jahre
darauf, bei seiner Begrbni in heil. Kreuz, gegenwrtig. Sptere
Schriftsteller, wie Cuspinian, Lazius &c. &c. sind anderer Meinung ber
die Bedeutung dieses Wapens. (Siehe __Fast Campil._ T. I. pag._ 434, und
__Recens. Dipl. Geneal. Arch. Campil._ pag. 196._)

                            [11] Vers 58.

In dem Werkchen: __Eutropii Diarium Expeditionis Tunetanae_ a. 1535_,
die in der Sammlung _Scriptores Rer. Germ. per S. Schardium_, Gieen,
1673, enthalten ist, wird ausdrcklich gesagt, da der Kaiser whrend
seiner Abwesenheit die Regierung Spaniens seiner Gemahlinn, Isabella,
bergeben, und sogar sein Testament hinterlassen habe: _priusquam
Madritio discederet, omnibus adhibitis solemnitatibus testamentum suum
condidit, pag. 321_.

                            [12] Vers 91.

_Hermann_, der Sohn des Cherusker-Frsten, Siegmar (geb. 18 J. vor
Chr.), ward in Rom erzogen, und im rmischen Heere angestellt. Doch, er
beschlo der Retter seines Vaterlands zu werden; vernichtete in seinem
26. Jahre die Legionen des Quintilius Varus in dem Teutoburger Walde,
und nachdem er zwlf Jahre hindurch die Angelegenheiten Deutschlands
geleitet hatte, besiegte er Marbod, den Knig der Marcomannen, zwei
Jahre vor seinem Tode. Er soll, weil er nach Alleinherrschaft strebte,
von seinen Anverwandten ermordet worden seyn. (__Tacit._ L. I. et II.
_Annal.__)

                            [13] Vers 97.

_Hannibal_, der Sohn des Hamilkar Barkas (geb. im J. 247 vor Chr. zu
Karthago), nach seinem berhmten Zuge ber die Alpen der Besieger der
Rmer an der Trebbia, am Trasimenus, vor Cann &c., wurde bei Zama von
dem ltern Scipio besiegt, und starb als Flchtling in Bithynien (183 J.
vor Chr.) in seinem 65. Jahre, nachdem er in seinem 26. den groen Kampf
gegen die Rmer begonnen hatte. (_Polyb. L. III. c. 17 et 64. _Livius_.
L. 21._)

                            [14] Vers 97.

_Regulus_ (Marcus Attilius), um das Jahr 254 vor Chr. Consul von Rom,
ward (_siehe die folgende Anmerkung_) in der Schlacht von Tunis
gefangen, und von den Karthagern, wegen der Auslsung ihrer Gefangenen,
mit noch andern Abgeordneten, nach Rom gesandt, wo er dem Senat, mit
wahrer Rmergre, rieth: die Gefangenen nicht zu lsen. Er kehrte,
seinem Eidschwur treu, als Gefangener nach Karthago wieder zurck, und
soll dort, nach Einigen, grausam hingerichtet, nach Andern, eines
natrlichen Todes gestorben seyn. (__Polyb. Lib. I._ -- _Liv_. 17 et 18.
-- _Palmerius, in Appian._ pag. 151._)

                            [15] Vers 143.

_Xanthippos_ hie der edle Spartaner, der Karthago einen glnzenden Sieg
ber Rom verschaffte. Nach der Niederlage von Eknomos, die jene im J.
254 v. Chr. zur See gegen die Consuln Cajus Sulpitius, und Attilius
Regulus erlitt, ward sie von dem Letzteren, der in Afrika landete, und
Tunis zu seinem Waffenplatze erkor, an den Rand des Verderbens gebracht.
Da landete mit einem Schiffe griechischer Miethlinge auch Xanthippos,
der von Gestalt unansehnliche, aber geist- und kraftbegabte Spartaner,
von dem _C. Sil. Pun. L. 6_ singt:

   Nulla viro species, decorisque et frontis egenum
   Corpus; in exiguis vigor, admirabile, membris
   Vividus, et nisu magnos qui vinceret artus.

Er machte den Senat auf die Fehler seiner Heerfhrer aufmerksam; bte
das ihm anvertraute Heer nach griechischer Kriegskunde zuvor ein;
besiegte die Rmer in der Schlacht von Tunis, und nahm den Consul A.
Regulus mit dem Ueberreste seines Heeres gefangen. -- Ihm war das stolze
Bewutseyn genug: eine ganze Nation dem Untergange entrissen zu haben:
denn er kehrte gleich darauf wieder nach seinem Sparta zurck. (_Siehe
Fr. Mich. Vierthalers_ vortreffliche _Philosophische Geschichte der
Menschen und Vlker_ V. B. S. 306.)

                            [16] Vers 212.

_Attila_, Knig der Hunnen, die aus Scythien kommend, sich in Pannonien
niedergelassen hatten, gelangte im J. 434 zur Herrschaft. Nachdem er
sich gerhmt: das Schwert Tyr's, des Kriegsgottes, aufgefunden zu haben,
ermordete er seinen Bruder Bleda, und entboth ein ungeheuer zahlreiches
Heer, um als _die Geiel Gottes_, wie er sich nannte, die Erde
verheerend zu durchziehen. Er fiel um das J. 441 zuerst in Thrazien ein,
drang bis nach Armenien vor, und verwstete dann das morgenlndische
Kaiserthum, zwingend den Kaiser Theodosius, den er berwunden hatte, ihm
einen Tribut zu zahlen. Auf seinem zweiten groen Verheerungszuge nach
Frankreich wurde er bei _Chalons sur Marne_, durch die vereinte Macht
der Rmer unter Aetius, und der Westgothen unter Theodorich, auf das
Haupt geschlagen; zog sich ber den Rhein zurck, und wandte sich zu dem
dritten, gegen Rom selbst, da er Honoria, die Schwester Valentinian
III., zur Ehe verlangte, und diese ihm abgeschlagen worden war. Er
verwstete ganz Ober-Italien, bei welcher Gelegenheit die Flchtlinge
auf den Inseln der Lagune dem berhmten Venedig den Ursprung gaben. Von
der Zerstrung Roms hielt ihn der Papst, Leo der Groe, ab. Er kehrte
nach Pannonien zurck, wo er im J. 453, in der Nacht nach seiner
Vermhlung mit der baktrianischen Prinzessin, Ildiko, in seinem Blute
erstickt gefunden ward. (_Siehe Jornandes_; und __Bonfinii Hist. Decad._
I. L. 7._)

                            [17] Vers 245.

_Tyr_ nach der nordischen Gtterlehre, der Sohn Odins, und der tapferste
unter den Gttern, wie es bei den Griechen _Ares_ war, den die Rmer
Mars benannten.

                            [18] Vers 321.

_Kabesch_. Kabes, eine Stadt im Knigreiche Tunis von 25,000 Einwohnern.
Sie liegt in dem Golf gleiches Nahmens, sonst auch die Kleine-Syrte
genannt.


                            Dritter Gesang.

                            [19] Vers 26.

_Ludwig_, Infant, Bruder des Knigs Emanuel von Portugal, und der
Isabella, Gemahlinn des Kaisers Carl V.

                            [20] Vers 35.

_Ruyter_. Hier ist keineswegs der berhmte hollndische Seeheld, Michael
Hadrian Ruyter (geb. zu Vlieingen im J. 1607, gest. 1676) gemeint, der
sich vom gemeinen Matrosen bis zum Range eines Admirals aufschwang; die
englische Seemacht zu verschiedenen Malen schlug; von seinem Vaterlande
nach Verdienst geehret ward, und endlich bei der Untersttzung der
Spanier in Sicilien, dem Aetna gegenber, in einem Treffen durch eine
Kanonenkugel den Fu verlor, an welcher Wunde er bald darauf in der Bay
von Syrakus starb, sondern _Franz Ruyter_, den Paul Jovius in seiner
Geschichte des tunetanischen Feldzugs unter den Feldherrn auffhrt.
(_Siehe:_ __Paul Jov. Hist. Lib._ 34. pag. 284 _Basileae_ an. 1578._)

                            [21] Vers 47.

_Porto Venere_ an der sdwestlichen Spitze des Genueser Gebiethes.

                            [22] Vers 49.

Alphons Avalos, Marchese del Vasto (auch _Guasto_), einer der
berhmtesten Feldherrn Carls V. aus dem Hause der Pescara im Knigreich
Neisen, im J. 1502 geboren, wohnte der Schlacht von Bicocca (im J. 1522)
bei; wurde nach Anton Leyva's Tode Gouverneur von Mailand, und hatte den
Oberbefehl des Heeres bei dem Kriegszug nach Tunis. Im J. 1543 entsetzte
er Nizza, das von den Franzosen, und ihrem Verbndeten, Chereddin
Barbarossa, belagert war. Er starb im J. 1546 zu Vigevano,
wahrscheinlich aus Kummer, den ihm die gegen die Franzosen verlorne
Schlacht von Cerisoles in Piemont (14. April 1544) zugezogen hatte.
(__P. Jov. Hist._ et _Roscio Capit. illustr._ p. 288._)

                            [23] Vers 57.

Das Geschlecht der _Ebersteine_ soll schon zu Carl d. Gr. Zeiten in
groem Ansehen gestanden seyn. Was die Geschichte Gewisseres von ihnen
gibt, ist: da Eberhard, der Stammvater der Ebersteine, Hedwig, die
Tochter Kaisers Heinrich I. geehlicht, und seinen Hof in Hohentviel
gehabt habe. Als Abgesandter des Kaisers an den Papst, erhielt er von
diesem am Pfingstfeste zu Rom die goldne Rose zum Geschenk, die er, nach
dem Gebrauche der rmischen Kirche, getragen hatte, und die bei seiner
Heimkunft der Kaiser in den Wapenschild der Ebersteine setzen hie. Sein
Sohn Ludwig wohnte der Schlacht Heinrichs I. gegen die Ungern vor
Merseburg bei. -- Die zweite Stammlinie der Ebersteine richtete Graf
Otto I. in Pommern zu Neugarten auf. Otto III. der um das Jahr 1370
gelebt, soll der Stifter der wrtembergischen Hauptlinie seyn. -- Otto
II. ein anderer Stammvater der Ebersteine, verbesserte die Herrschaft an
der Weser, und erbaute das Schlo Ottenstein. Man sieht noch die Ruinen
des Schlosses Eberstein unweit Holzminden an der Weser. (__Meibom. Rerum
Germ._ T. II. p. 515. Luca:_ _Grafen-Saal_, _pag. 943._)

                            [24] Vers 74.

_Donau_, _Danubius_ (Ister hie er den Alten von Wien hinab) einer der
grten Flsse Europas, da er nach Bsching eine Strecke von 700 Meilen
durchluft, und mehr als 160 grere und kleinere Flsse in sich
aufnimmt, entspringt, nach der gewhnlichen Meinung, am Schwarzwalde bei
Donaueschingen, obschon Andere diese Ehre zwei anderen Quellen, der
_Brega_ und _Brigach_, mit welcher sich jene vereinigt, ertheilen. Die
Donau endet an der Kste Bessarabiens ihren Lauf, und strzt sich durch
sechs Arme mit solcher Gewalt in das schwarze Meer, da ihr Wasser
mehrere Meilen weit im Meer noch s und erkennbar seyn soll.

                            [25] Vers 119.

_Hunyady_ (Johann Corvinus Hunniades), den, nach einigen, ein
walachischer Bojar mit der Elisabeth Palologa, aus dem Geschlechte der
letzten griechischen Kaiser; nach Andern, Knig Sigismund, auerehlich
-- mit der Tochter eines edeln Walachen erzeugt haben soll, wurde zu
Ende des vierzehnten Jahrhunderts geboren. Er war, whrend der
Minderjhrigkeit des Knigs Ladislaus Posth., Statthalter von Ungern,
whrend seines ganzen Lebens ein Schrecken der Trken, die er in
verschiedenen Schlachten besiegte, und zuletzt (am 6. August 1456) von
Belgrad vertrieb, und starb am 16. Sept. desselben Jahrs. Von seinen
zwei Shnen wurde der ltere, Ladislaus, im folgenden Jahre zu Ofen
enthauptet. Der jngere, Mathias (Corvinus), gelangte zur ungarischen
Krone. (__Bonfin. Hist. Hung.__)

                            [26] Vers 132.

_Zirknitz_ (Czirknitzer See) im Lande Krain, sechs Stunden von Laibach,
gibt dem anstoenden See den Nahmen, der eine Meile lang, und eine halbe
breit ist. Das Wasser dieses wunderbaren Sees versinket gewhnlich des
Jahres einmal durch Oeffnungen, die sich in seinem Bette befinden.
Sobald es sich zum Ablauf neiget, eilt Jung und Alt, die Fische in
groer Menge herauszuziehen. Nach beilufig zwanzig Tagen wchst dort,
wo erst das Wasser stand, vortreffliches Gras, und nachdem dieses
eingeerntet ist, wird noch Hirse darin gebaut, wo auch die Jagdfreunde
an Hasen und wildem Geflgel reichliche Beute finden.

                            [27] Vers 149.

Niclas _Salm_ und Wilhelm _Roggendorf_, dessen Tochter die Gemahlinn des
ersteren war, vereinte auch das Band der zrtlichsten Freundschaft.
Beiden als Feldherrn, war die Vertheidigung Wiens gegen Solymans
zahlloses Belagerungsheer anvertraut. Eine Kanonenkugel fuhr in den
Wall, und schleuderte einen zertrmmerten Stein gegen Salms Schenkel,
bei dem letzten Sturm, den Solyman am 14. October 1529 gegen die Wlle
Wiens unternahm. An der erhaltenen Wunde starb dann Salm am 4. Mai 1530
zu Marcheck, wohin er sich hatte bringen lassen. (_Siehe Taschenbuch fr
die vaterlndische Geschichte durch Freih. von Hormayr &c. vierter
Jahrgang._ S. 102.)

                            [28] Vers 238.

_Elba_, eine kleine Insel des mittellndischen Meeres, von beilufig
zwlf Meilen, Livorno gegenber. Ihr Hauptreichthum sind die Eisenminen
von Rio, deren Erze mehr als die Hlfte reines Metall geben, und von
ihrer schillernden Farbe (_Eisenglanz_) bekannt sind. Porto Ferrajo
(_Eisenport_), mit einer guten Rhede und 3000 Einwohnern, ist die
Hauptstadt der Insel.

                            [29] Vers 372.

_Toledo_, Pedro Alvarez de Toledo, Vice-Knig von Neapel, ein Sohn des
zweiten Herzogs von Alba, bekam mit seiner Gemahlinn Maria Osorio
Pimentel den Staat von Villafranca, und war der Schwieger des ersten
Herzogs von Florenz, Cosmus von Medicis.


                            Vierter Gesang.

                            [30] Vers 43.

_Alba_ (Ferdinand Alvarez von Toledo, Herzog von) war im J. 1508
geboren. Erst unter Carl V., dann unter Philipp II., seinem Sohn, war er
stets ein siegreicher Feldherr ihrer Heere. In dem Kriege gegen die
Niederlnder hatte er nach seiner und seines Herrn Ueberzeugung,
Rebellen bekmpft, und in solchen Kriegen hat man wohl sonst auch von
hnlichen, und noch greren Grausamkeiten gehrt; doch da dieser Krieg
den Protestanten fr einen Religionskrieg galt, und noch heut zu Tag
dafr gegeben wird, so mute er, besonders seit Schillers
poetisch-entworfenem Bilde von ihm, als einer der grausamsten Wthriche
geschildert, erscheinen. Andere rhmen an ihm, nebst seinen groen
Feldherrntalenten, seine unerschtterliche Treue, und dabei sein freies,
offenes Benehmen gegen seinen Regenten, seinen Edelmuth und Weisheit.
Inde ist er von Hrte und Grausamkeit nicht frei geblieben. Er starb im
J. 1582 im 74sten Jahre seines Lebens.

                            [31] Vers 43.

_Alarcon_ (Ferdinand d'Alarzon), einer der tapfersten spanischen
Feldherrn Carls V. Nach dem Siege von Pavia (24. April 1525), wurde ihm
die Bewachung des gefangenen Knigs von Frankreich, Franz I.,
anvertraut, so wie zwei Jahre spter, jene ber den Papst, Clemens VII.,
der sich den Kaiserlichen ergeben hatte. (__Jov. Hist._ 34. cap. --
_Imhof. Geneal. 20. Fam. Hisp._ p. 203._)

                            [32] Vers 45.

_Garzia Lasso_ (Garzilaso de la Vega), im J. 1503 zu Toledo geboren, ein
berhmter spanischer Dichter in der Gattung der Ekloge, Epistel, Oden,
Lieder und Sonette. Er wohnte unter Carl V. den Feldzgen im Jahr 1529
gegen Solyman, und im J. 1535 gegen Tunis bei; in dem letzteren wurde er
an dem Arm verwundet. Im folgenden Jahre zog er mit dem Kaiser gegen
Marseille, als Befehlshaber eines Heertheils, und erhielt bei der
Bestrmung eines Thurms die gefhrliche Kopfwunde, an welcher er nach
drei Wochen im 33. Jahre seines Alters starb. Sein Leichnam wurde in der
Folge nach Toledo gebracht. (__Jov. Elog.__)

                            [33] Vers 97.

_Constantin der Groe_ (geb. im J. 274), erster christlicher Kaiser,
soll vor der Entscheidungsschlacht an dem Ponte Milvio (h. z. T. Ponte
Molle) bei Rom, gegen den Maxentius, am hellen Mittage, unterhalb der
Sonne, ein flammendes Kreuz mit der Inschrift: __In hoc vinces__,
erblickt haben. (__Eusebius in Vita Constantini_ M. et _Hist.__)

                            [34] Vers 179.

_Atlas_. Der Berg, besteht eigentlich aus zwei Ketten, die sich ber den
grten Theil von Nordafrika verbreiten. Die eine heit der _Groe_
Atlas (mehr als 11,000 Fu ber der Meeresflche erhht), welcher sich
vom Reiche Marrokko bis zur Wste Sahara hinabzieht, und die andre der
_Kleine_ Atlas, der sich von Osten nach Westen bis zum Mittellndischen
Meere erstreckt. -- Nach der Mythologie der Griechen war er einer der
Titanen, dem Zeus die Strafe auferlegte, das Himmelsgewlbe zu tragen.

                            [35] Vers 239.

_Janssen von Middelburg._ Zacharias Janssen, ein Brillenmacher zu
Middelburg in Seeland, war der Erfinder des Fernrohrs im Jahre 1590,
indem er zwei Linsen, eine convex, die andere concav, in verschiedener
Richtung von dem Auge hielt. Er brachte sie dann in eine Rhre, und bot
die gelungensten zwei, von 16 Zoll Lnge, dem Prinzen Moritz von Nassau,
und Erzherzog Albert an. Der berhmte Galili hrte davon in Venedig,
und machte sogleich darauf einen Versuch. (Siehe: __Hier. Sirturus de
Telescop__; und __Petr. Borell de vero Telescopii Inventore.
Hagae-Comitum.__ 1655.)

                            [36] Vers 526.

Die Franzosen, unter Lautrec, und die mit ihnen vereinten Schweitzer,
wurden bei Bicocca, unweit Mailand, im Mai 1522 durch die Truppen Carls
des V. mit groem Verluste geschlagen.


                            Fnfter Gesang.

                            [37] Vers 13.

_Villiers-L'isle-Adam_ (Philipp v.), zu Ende des fnfzehnten
Jahrhunderts in Frankreich geboren, und zum Gromeister des
Johanniter-Ordens von Jerusalem im J. 1521 erwhlt. Im folgenden Jahre
berzog Solyman die Insel mit einer groen Belagerungsmacht, die jener
so tapfer gegen ihn vertheidigte, da ber 100,000 Trken dabei das
Leben einbten. Amarat, des Ordens Kanzler, ward an ihm zum Verrther,
und nur so gelang es endlich Solyman, die Insel gegen Capitulation, und
unter der Bedingni eines freien Abzugs der Ritter und der christlichen
Einwohner, zu erringen. Vergeblich suchte er L'isle-Adam in seine
Dienste zu ziehen, dessen Heldenmuth er vor seinem Heere, und
mitten unter den Leichen der Gefallenen lautes Lob ertheilte.
Villiers-L'isle-Adam starb im J. 1534 als Gromeister des Ordens zu
Maltha, welche Insel Carl V. ihm zum neuen Ordenssitze geschenkt hatte.
(Siehe: __Bouhors Sige de Rhodes__.)

                            [38] Vers 75.

_Gomert_ oder _Zafrano_ rechts, und _Bona_ links, heien h. z. T. die
zwei Vorgebirge, von welchen jenes einst dem Apoll, und dieses dem
Hermes geweiht war, welchen vorber die Einfahrt in den tiefer liegenden
karthaginensischen Meerbusen geschah. Von dort dehnt er sich im halben
Zirkel, bis an die Mndung des hinterhalb liegenden Landsees von Goletta
hin, wobei die Landschaft der vormals wegen ihrer heilsamen Bder
berhmten Stadt Rada zur Linken bleibt, und jener gegenber zeigt sich
dann die Lage des zerstrten Karthago, des Oehlwalds, und der steilen
Hgel, ber welche man zu dem Flusse _Makar_ gelangte. (__Jov. Hist.
Lib._ 34._)

                            [39] Vers 105.

Der _Wasserthurm_ steht nrdlich von dem steilen Felsen -- einst die
hohe Byrsa, auf welcher der berhmte Tempel des Aeskulap stand, und nahe
der schmalen Erdzunge, die das feste Land mit der Halbinsel verband, auf
welcher Karthago erbaut war. Auf dieser befanden sich wahrscheinlich die
Stlle der Elephanten. Obige Cisternen sind fast die einzigen noch
erhaltenen Ueberreste der zerstrten Karthago.

                            [40] Vers 117.

_Goletta_, die Veste, hatte zur Zeit Carls V. eine beinahe viereckige
Form, und zwei Abtheilungen, von welchen die Wlle der oberen 40, und
der unteren 50 Schritte breit waren. Sie enthielt eine vortreffliche
Cisterne, in welcher sich das Regenwasser sammelte, und viele
bombenfeste Gewlbe zur Aufbewahrung des Kriegsbedarfs. Mit ihr in
Verbindung stand vorne an der Mndung des Sees von Tunis, ein mit Wllen
versehener Thurm, der vom Meere her jedem Schiffe den Eingang verwehrte.
Der See, beilufig 12,000 Schritte breit und eben so lang, erhlt aus
dem karthaginensischen Meerbusen sein Gewsser, und ist auf beiden
Seiten so seicht, da man nur in der Mitte desselben auf kleinen
Fahrzeugen nach Tunis gelangen kann. (__Eutropii Diar. Exp. Tunet. apud
Schard._ pag. 331._ und __Jov. Hist. Lib. 34.__)


                            Sechster Gesang.

                            [41] Vers 83.

_Eutropius_ in seinem __Diar. Exped. Tunet._ p. 325. (_Rerum Germ.
Scrip. apud Schard_)_, sagt ausdrcklich: da vor Allen die Deutschen
bei der Landung, ber jeden Aufschub ungeduldig, sich auf ihren, in das
Wasser gesenkten Speeren auf das Land hinaus geschwungen, und den Kampf
mit dem Feinde sogleich begonnen haben.

                            [42] Vers 79.

_Pizarro_ (Francisco), ein Spanier, von unbekannter Herkunft, ging mit
noch andern Abenteurern nach der neuen Welt, verband sich im J. 1524 mit
Diego d'Almagro, und eroberte Peru, nachdem er den Inca Atahualba auf
eine grausame Art hatte hinrichten lassen. Er war schon frher zum
Statthalter der neu zu entdeckenden Lnder ernannt worden, und er traf
wirklich sehr viele Vorkehrungen zum Besten jener Lnder, die um so mehr
in Erstaunen setzen, da er nicht einmal des Lesens und des Schreibens
kundig war. Er wurde im Jahr 1541 durch einen Anverwandten Almagro's
getdtet, nachdem frher dieser von Pizarro zum Tode verurtheilt worden
war. Die Stadt Lima verdankt ihm ihre Grndung. Sonst ist sein Nahme mit
der Beigabe eines grausamen Eroberers auf die Nachwelt gekommen. (Siehe
__W. Robertson History of America in II Volumes London_ 1777_.)

                            [43] Vers 386.

_Casas_ (Bartholomeo de las), Bischof von Chiapa in Mexico, im J. 1471
in Sevilla geboren. Schon in seinem 19. Jahre reiste er mit dem
Weltentdecker Columbus nach St. Domingo, kehrte aber von dort wieder
nach Spanien zurck, um sich im Orden der Dominikaner zum Missionr
vorzubereiten. Voll glhendem Enthusiasmus fr ein wichtiges Anliegen
der Menschheit, stand er beinahe durch 50 Jahre als ein Anwald der
mihandelten Einwohner der neuen Welt da, und schrieb, und unternahm
hufige Reisen nach Europa, sie vor dem Throne zu vertreten; doch war
das Interesse so vieler Groen dabei gefhrdet, und er starb im Jahr
1556 zu Madrid, ohne da er bedeutende Vortheile fr jene erwirkt htte.
Unter seinen Schriften (gedruckt Sevilla im J. 1552) ist auch eine
Geschichte von Westindien. (Siehe _Perez del Castillo Mex. Hist._)

                            [44] Vers 521.

_Freundsberg_ (Georg von _Frundsberg_, _Frondsberg_ &c. Herr von
Mindelheim, geb. 1475 und gest. 1528 daselbst), kaiserlicher Feldherr,
wegen seiner persnlichen Tapferkeit und Leibesstrke berhmt, da er ein
wildanlaufendes Pferd sogleich fest halten, und den strksten Mann mit
einem Finger von der Stelle drngen konnte. Er bildete sich unter Max I.
und Carl V. in der Kriegskunst aus, half dem Letztern die Schlacht von
Pavia (im J. 1525) gewinnen, und fhrte auch das folgende Jahr 12,000,
auf eigene Kosten geworbene Krieger, dem kais. Feldherrn Carl von
Bourbon, gegen Clemens VII. nach Italien zur Verstrkung zu, wo ihn bei
Ferrara, bei einem Aufstand der Krieger wegen rckstndiger Lhnung, der
Schlag traf, und dann zwei Jahre darauf sein Tod erfolgte. (_Siehe Herrn
Georgen und Kasparn von Frundsberg ritterliche Kriegsthaten. -- _Jov. in
Elog. Hist.__)

                            [45] Vers 592.

_Byrsa_ hie die Burg von Karthago, auf dem Gipfel eines steilen
Felsens, um welchen ringsher die einst mchtige Stadt Karthago erbaut
war. Dort befand sich der herrliche Tempel des Aeskulap, zu welchem man
auf 50 Stufen hinanstieg, und in dessen Flammen die Gattinn Hasdrubals,
der zu dem Zerstrer Karthago's, Scipio, berging, sich strzte, nachdem
sie vorher im Angesichte der Rmer und ihres feigen Gemahls, ihre beiden
Kinder ermordet hatte. J. 146 vor Chr. G. (_Siehe Vierthalers phil.
Gesch. der Menschen und Vlker. V. Band._)


                           Siebenter Gesang.

                            [46] Vers 85.

_Zama_, der Ort, vor welchem der groe Held Karthagos, Hannibal, durch
den rmischen Feldherrn Scipio im J. 201 vor Chr. berwunden ward, lag
zwischen Adrumetum und dem, fnf Tagreisen davon entfernten, Karthago.

                            [47] Vers 190.

An dem Ufer des _Bagrada_ (h. z. T. Medscherdah), der nicht fern von
Utika vorberflo, soll der Consul M. Atil. Regulus eine ungeheure
Schlange, deren Lnge auf 120 Fu angegeben wird, mit Katapulten
beschossen, und getdtet haben. (__A. Gell._ L. VI. c. 3. -- _Valer.
Max._ L. I. c. 8._) Wahrscheinlich war sie eine Riesenschlange (_Boa
Constrictor_).

                            [48] Vers 329.

_Barda_ heit die Sommerresidenz des Dey von Tunis, mit einem
weitlufigen Schlosse, und den schon zu Carls V. Zeiten berhmten
bardischen Grten an der Kste von Maritia. Sie liegt an der Westseite
von Tunis, und hngt durch die Grten mit der Stadt zusammen.

                            [49] Vers 410.

_Houris_ sind, nach Muhameds Lehre, die blendend schnen Jungfrauen,
welche von zarter, therischer Gestalt, die Seligkeit der Mnner in
seinem Paradiese ausmachen. Die Schilderungen von ihnen sind ganz in dem
orientalisch-ppigen Geschmack entworfen.


                             Achter Gesang.

                            [50] Vers 54.

_Laufgrben_ (_tranche's_) sind drei bis sechs Fu tiefe, zehn und
zwlf Fu breite, in verschiedener Richtung gegrabene Wege, welche mit
der zum Wall, gegen eine belagerte Festung aufgeworfenen Erde, die
Belagerer in den Stand setzt, sich ihr mit Sicherheit nhern zu knnen.

                            [51] Vers 199.

_Thor der Glckseligkeit_, heit der Eingang zu dem Harem des Groherrn,
der dem Aga der Verschnittenen anvertraut ist. (_Siehe Hrn. Joseph von
Hammers Verfassung des osmanischen Reichs, Band II. Seite 9._)

                            [52] Vers 201.

_Circassien_, eine groe Landschaft in Asien, welche sich von dem
schwarzen bis zum caspischen Meere erstreckt, und nrdlich von dem
Caucasus begrnzt wird. Ihre Bewohner, sowohl mnnlichen als weiblichen
Geschlechts, sind sehr wohlgestaltet, und die Letzteren werden
vorzglich fr die trkischen Harems gesucht. Ihre Mnner sind
treffliche Reiter, ungemein tapfer im Felde, und daheim Verehrer des
Gastrechts. Der grte Theil ihres Landes ist dermalen unter russischer
Bothmigkeit.

                            [53] Vers 284.

_Bagrada_, h. z. T. Medscherdah, ein Flu, der in der Nhe von
Buschatter (Utika) sich in das Mittelmeer ergiet.


                            Neunter Gesang.

                            [54] Vers 15.

_Turkestan_, das eigentliche Stammland der heutigen Trken, ist eine
Landschaft in Mittel-Asien, die von dem Knigreiche des groen Moguls,
von der groen Tartarey, von Catay und Zagatey begrnzt wird. Das Land
ist sehr fruchtbar, dessen Einwohner Tartaren sind, und sich zur
muhamedanischen Lehre bekennen.

                            [55] Vers 58.

_Varus_ (Quintilius), unter Augusts Regierung erst Proconsul in Syrien,
dann in denen, seit Julius Csar eroberten deutschen Provinzen, wurde
durch das Haupt der Cherusker, Hermann, aus seinem verschanzten Lager
bis in den Teutoburger-Wald, h. z. T. Grafschaft Lippe, gelockt und dort
sammt seinen drei Legionen zu Grunde gerichtet. Varus entleibte sich
selbst. August soll sich bei der erhaltenen Nachricht die Haare gerauft,
und ausgerufen haben: _Varus, schaffe mir meine Legionen wieder!_
(__Tacit. Sveton. Velej. Pater._ L. I. 2._)

                            [56] Vers 103.

_Beduinen_, oder nomadische Araber, sind unabhngige, freie Stmme
muhamedanischer Religion, die unter ihren Frsten (Emir) oder
Familienhuptern (Scheich) die Wste, grten Theils unter Zelten
lebend, bewohnen. Sie sind Krieger und Hirten zugleich, und verachten
stolz alle brigen Beschftigungen. Seit Jahrtausenden sind ihre Sitten
dieselben geblieben, wie sie in den allerltesten Urkunden, nmlich in
der h. Schrift, durch Moses, geschildert werden. (_Niebuhr, Beschreibung
von Arabien_, S. 379 und f. -- _D'Arvieux_ III. 125.)

                            [57] Vers 382.

_Natter_. (_Cerastes_) _Hornschlange_ -- nach dem Volksglauben auch die
_Knigsschlange_ genannt, weil sie, laut jenem, eine Krone auf dem
Haupte haben soll. Die arabischen Gaukler pflegen der Hornschlange zarte
Vogelklauen einzusetzen, um damit das Volk zu tuschen.

                            [58] Vers 477.

_Brgerkrone_, war bei den Rmern eine groe Auszeichnung fr Jenen, der
in der Schlacht einem Brger das Leben gerettet hatte. Sie war von
Eichenlaub gemacht, und fhrte die Aufschrift: _Ob civem servatum._
Bei Schauspielen, oder im Senate, wo sie getragen wurden, stand die
ganze Versammlung vor ihm auf.

                            [59] Vers 520.

_Cornelia_, die Mutter der Gracchen, war die Tochter des lteren Scipio,
des Siegers bei Zama, und hatte zwei Shne, Tiberius Sempronius, und
Cajus, mit ihrem verstorbenen Gatten, Tib. Semp. Gracchus, erzeugt, der
zweimal Consul war, und die Insel Sardinien eroberte. Jene beiden, von
ihrer trefflichen Mutter gebildeten, und mit den schtzbarsten
Eigenschaften ausgersteten Shne, fanden in den, von ihnen erregten
brgerlichen Ghrungen (der ltere im J. 133, und der jngere im J. 121
vor Chr.) den Tod, indem sie als Tribunen zu sehr nach der Volksgunst
gestrebt, und das agrarische Gesetz gegen den Senat durchzusetzen
gesucht hatten. (__Liv._ I. 41. c. 12. -- _Valer. M. Plutarch_ etc._)


                            Zehnter Gesang.

                            [60] Vers 116.

_Zender_ und _Gingir_, zwei groe, gen Sden unterhalb des Aequators
liegende Lnder in Afrika, unter dem 50-55. Grad der Lnge, und dem 5-8.
Grad der Breite.

                            [61] Vers 117.

_Gleicher_, Aequator der Erde, oder Aequinoctial-Linie, und von den
Seefahrern die _Linie_ genannt, ist derjenige grte Kreis unserer
Erdkugel, der von den Polen der Erde in allen Punkten um neunzig Grade
absteht. Alle Orte, die er durchschneidet, haben gleich lange Tage und
Nchte: daher der Nahme _Aequator_.

                            [62] Vers 146.

_Altai_, auch _Belgian_ genannt, ein groes Gebirg Asiens in der
Nord-Tartarey, und im Knigreiche Montgal.

                            [63] Vers 146.

_Ural_, in der tartarischen Sprache ein _Grtel_, ist die beinahe 300
Meilen lange Gebirgskette, die von dem caspischen Meere beginnend,
Europa von Asien scheidet, und Sibirien von dem brigen Theile Rulands
trennt.

                            [64] Vers 160.

_Samum_ von den Arabern; von den Hebrern [Hebrisch: zil'afa]; von den
Trken _Samyel_, und in Afrika Hamaddan genannt, ein heier Wind, der in
den Monathen Juni und Juli in Arabien, Persien, Babylonien, und in den
Wsten von Aegypten; aber am heftigsten, zuweilen schon im Mrz und noch
im November, in Nubien weht. Er dauert hchstens nur 7 bis 8 Minuten,
aber er tdtet augenblicklich Alle, die aufrecht stehen; daher ist es
nthig, sich auf das Antlitz niederzuwerfen, die Sohlen dem Winde
zuzukehren, und so wenig als mglich Athem holend, den Mund auf den
Boden zu pressen. So streicht er dann unschdlich vorber, da er zwei
Schuh hoch ber der Erde dahin zieht, aber dennoch ein heftiges Zittern
und starken Schwei verursacht. Die Thiere tdtet er zwar nicht, doch
senken auch sie den Kopf zur Erde, und zittern am ganzen Leibe. Die
Vorbothen des Samums sind, nach Brce, rthliche Sandsulen, die sich in
die Luft erheben und stets nher schweben. Die Getdteten werden
sogleich schwarz und zu Mumien gedrrt. (_Brce's Reisen &c. im Auszug
Rinteln_ I. S. 496 und S. 129 folg. &c. -- __Thevenot Voy.__ 295. --
Ives II. 83. &c.)

                            [65] Vers 358.

_Kairvan_ (Cairoan, Carvan), eine Stadt im Gebiethe von Tunis nicht
ferne von dem Meerbusen von Kabesch. Sie war die erste, welche die
Muhamedaner in Afrika, unter dem dritten Kalifen in Syrien, Ottmann,
gegrndet hatten, und wegen ihrer hohen Schule berhmt. Doch wurde sie,
bald nach der Heimkehr Carls V. von Tunis, mit diesem Knigreiche
vereinigt. (_Marmol. Africae L. 6._)

                            [66] Vers 359.

_Constantina_ (Cuguntina), die Stadt, nach Einigen das alte Cirtha, in
Nord-Afrika, liegt auf einem hartzugnglichen Felsengebirge, wewegen
sie beraus fest ist, und gehrt nun zu Algier. Zu Anfange des vierten
und fnften Jahrhunderts sind da zwei Concilien gehalten worden, von
welchen in den Werken des h. Augustinus die _Acta_ aufbewahrt sind.

                            [67] Vers 510.

_Die volle Lage geben_, heit das schnelle Abfeuern aller Kanonen auf
der Seite eines Kriegsschiffes.

                            [68] Vers 732.

_The Emperor marched into the Goletta through the breach; and turning
to Muley-Hassan, who attended him, Here -- Says he -- is a gate open
to you, by which you shall return to take possession of your dominions.
(_Robertson Histor. of Charles V. III. T. Book V._)_


                            Eilfter Gesang.

                            [69] Vers 44.

_Vampyren_, die grte Gattung der Fledermuse; und unter diesen wird
hier der so genannte _Blutsauger_ (_V. Spectrum_) gemeint, dessen
Heimath die neue Welt, Surinam, Guiana, Brasilien u. s. w. ist. Durch
das Wehen seiner Flgel erquickt er den Schlummernden, leckt ihm mit
seiner rauhen Zunge die Haut auf, und wenn das Blut, an welchem er sich
satt gesogen hatte, aus einer Hauptader strmt, so kann sich der
Fortschlummernde leicht verbluten. (_S. Tob. Wilhelm Unterh. aus der
Naturgeschichte der Sugethiere_, 1. Thl.)

                            [70] Vers 255.

_Valladolids Turnierbahn_. Carl V. lie in seinem bereits vorgerckten
Jnglingsalter noch wenig von dem hohen Verstande, und der Thatkraft
ahnen, die ihn in der Folge als Herrscher so sehr auszeichneten, so, da
Viele, die nicht tief genug sahen, versucht waren, ihn fr bldsinnig zu
halten, bis er auf dem Turniere zu Valladolid (im J. 1517), durch seine
Gewandtheit in allen ritterlichen Uebungen, und den Wahlspruch seines
Schildes: __Nondum!__ All' in Erstaunen setzte. (Siehe _Freih. von
Hormayrs Oestr. Plut. 6. Heft_ S. 423.)

                            [71] Vers 259.

Whrend Carl V. nach seiner Wahl zum rm. Kaiser, und wegen entstandener
Feindseligkeiten mit Frankreich, in Deutschland, in den Niederlanden und
in England, von Spanien abwesend war, brach Emprung und Brgerkrieg in
allen Theilen dieses Knigreichs aus. Er begann im Mai 1520 zu Toledo,
wo das Haupt der Emprer, Don Juan de Padilla, Sohn des Commandanten von
Castilien, war, und in den sptern Gefechten, im April des Jahrs 1521
von dem Generale der kniglichen Truppen gefangen und enthauptet ward.
(__Robertson History of the Reign of the Emp. Charles V. II. Volume. B.
3.__)

                            [72] Vers 262.

_Franz I._, Knig von Frankreich, bewarb sich sehr hei um die deutsche
Kaiserkrone; da aber diese seinem Nebenbuhler, Carl V., zu Theil ward,
so trieb ihn, von jener Zeit an, die Rachgier unaufhrlich, diesen zu
demthigen, und ihm in seinen Unternehmungen Hindernisse in den Weg zu
legen. Vereint -- und Beide hatten so viele Ursache, sich gegenseitig zu
achten! -- htten sie unsglichem Jammer, der erst Deutschland, dann
mehrere Lnder Europa's traf, wehren knnen. (_Siehe obiges Werk_, II.
B.)

                            [73] Vers 265.

Den Titel _christlichste Majestt_, fhrten die Knige von Frankreich
bis auf die neuesten Zeiten, und zwar seit Chlodwig dem G. J. 496, wo er
ihm selber von dem Pabst beigelegt ward.

                            [74] Vers 266.

Franz I. war der erste christliche Frst, der mit dem Erbfeind der
Christenheit offenbar in ein Bndni trat. La Forest, sein
Geschftstrger in Constantinopel, schlo (im J. 1336) solches mit
Solyman II. ab, vermge welchem dieser Neapel und Ungarn feindlich
berziehen sollte. Es wurde ihm auf eine furchtbare Art Genge
geleistet! (_Siehe obiges Werk_, III. B.)

                            [75] Vers 278.

Man sehe _Vogts Staats-Relationen_. VI. Bandes 2. Heft.

                            [76] Vers 289.

Der _Bauernkrieg_ in Franken und Schwaben wurde durch _Johann Bhme_,
einen Bnkelsnger im Wrzburgischen, veranlat, wo er Freiheit und
Gleichheit aller Stnde predigte. Der Krieg kam dort im J. 1525 zum
Ausbruch, und kostete ber 50,000 Bauern das Leben. Mehr als 180
Schlsser und Burgen lagen im Schutt, und 26 Klster waren vernichtet.
-- Er verpflanzte sich auch nach Sachsen und Thringen, wo _Thomas
Mnzer_, erst Schullehrer in Aschersleben, dann Prediger in Zwickau,
sich mit dem Haupte der Wiedertufer, _Klaus Storch_, verband, und
spter zu Altstedt in Thringen die Gemeinschaft der Gter predigte. Er
kehrte nach Sachsen zurck, verband sich mit einem andern Schwrmer,
_Pfeiffer_, und sammelte einen groen Haufen Aufrhrer um sich, bis er
gegen die ausgesandten schsischen, hessischen und braunschweigischen
Heerhaufen (15. Mai 1525) die Schlacht verlor, sammt seinem Anhnger,
Pfeiffer, gefangen, und in Mhlhausen hingerichtet ward. (__Sleidan. de
statu rel._ L. 5. -- _Fabritius de orig. Sax.__)

                            [77] Vers 293.

_Der dreiigjhrige Krieg_ (von 1618-1649) -- eine Folge der Reformation
-- biethet ein Schauspiel unerhrter Grausamkeiten dar. Whrend diesen
ward Deutschland von einem Ende zum andern durch Mord und Brand verdet,
und um viele Millionen Menschen rmer gemacht. Der westphlische Friede
setzte ihm zwar ein Ziel; aber was durch ihn zerstrt worden, wird wohl
keine Zeit mehr ersetzen. (_Siehe Schillers und Westenrieders Geschichte
des dreiigjhrigen Krieges._)

                            [78] Vers 315.

Die Geschichte von beinahe zwei Jahrzehenden vor der Vlkerschlacht von
Leipzig liefert die unwiderlegbaren Belege zu dieser Stelle!

                            [79] Vers 320.

18. Oktober 1813!!

                            [80] Vers 328.

_Leser!_ mchte dir der Zuruf nicht fremd seyn, welchen der gtigste
Landesvater am 1. Hornung 1806 an seine Vlker richtete, und der mit den
Worten beginnt: Ich habe meinen guten und treuen Vlkern den Frieden
gegeben! -- und mit den Worten endet: Durch das wechselseitige Band
des festesten Vertrauens und der innigsten Liebe mit meinen Unterthanen
verbunden, werde ich nur dann erst glauben, meinem Herzen als Frst und
Vater genug gethan zu haben: wenn Oestreichs Flor fest gegrndet, wenn
vergessen ist, was seine Brger litten, und nur das Andenken an meine
Opfer, an ihre Treue, und an ihre hohe unerschtterliche Vaterlandsliebe
noch lebt!

                            [81] Vers 342.

_St. Just_. Nicht ferne von der Stadt Placenzia, in Estremadura, lag das
einsame Kloster der Hieronymitaner, St. Just, das Carl V. viele Jahre
vor seiner Abdankung zu seinem einstigen Asyl erkoren hatte. Es lag in
einem lieblichen Thale mit einem hellen Bach, mit Hgeln und Wldern
umher, und war wegen seiner gesunden Luft berhmt. Einige Monate vor
seiner Ankunft erschienen dort Werkleute, die seine aus fnf bis sechs
Klosterzellen bestehende Wohnung, mit einem Ausgang in den Garten, den
er selbst pflegen, und dem andern in die Capelle, wo er seine Andacht
halten wollte, bereiteten. Er zog daselbst am 24. Februar des J. 1557
ein, und starb am 12. September 1558 in seinem 59. Lebensjahre.


                            Zwlfter Gesang.

                            [82] Vers 336.

_Grtz_, die Hauptstadt der Steyermark, und der Sitz des Guberniums von
Inner-Oestreich, mit beilufig 40,000 Einwohnern.

                            [83] Vers 340.

Im Jahre 1532 stand Solymann II. mit einer ungeheuren Macht vor Wien,
und zog sich bei der Annherung Carls V., der an der Spitze eines Heeres
von mehr denn 90,000 Mann zum Entsatz herbeieilte, durch Ungarn bis nach
Constantinopel zurck. (__Jov. Hist._ L. 30. p. 100._)

                            [84] Vers 344.

Bei der Beschreibung des letzten Kampfes vor Tunis, fhrt Jovius
(__Hist._ L. 34. p. 361 _apud Schard.__) die Worte Carl V. an, der
mitten im Kugelregen Del Guasto diese Antwort gab. (_Subridens Caesar,
et ne id timeret, subdens, quando Augustorum Caesarum nemo unquam
tormenti violentia concidisset._)

                            [85] Vers 555.

Psalm 125.

                            [86] Vers 608.

Robertson sagt von der Plnderung der Stadt Tunis durch die Christen
(__History of the Reign of the Emperor Charles_ V. Vol III. p. 115_):
_Above thirty thousand of the innocent inhabitants perished on that
unhappy day, and ten thousand were carried away as slaves._ --
Eutropius im Werke (__Diarium Expeditionis Tunetanae_ p. 334. _apud
Schard.__) sagt: _Post introitum Imperatoris in urbem, ecce tibi Miles
Hispanus aliquotque alii stationarii, passim in aedes magno impetu
irruunt, .... _Mauros resistentes_ occidunt, spoliant, compilant,
evertunt omnia cum pulvere._ -- __P. Jovius Hist. Lib._ 34. pag. 363
_apud Schard__ sagt: _Primus inhiantium praedae impetus, uti
invadentium et effringentium fores varii casus tulerunt, promiscua caede
cruentus fuit._ -- Beide setzen hinzu: __Caesar sevitiae modum
imposuit, pronunciarique jussit, capitale fore, si quis Tunetanum
violaret civem, aut in servitutem abduceret.__ -- Sepulveda, dem Carl
V. sein ganzes Leben erzhlte, und mit jenen Beiden ihm gleichzeitig
war, sagt: _In hac direptione ex oppidanis _pauci_ gladio conciderunt,
et hi suo magna ex parte stulto consilio, qui muros rebus desperatis, ne
conati quidem tueri, suas domos, uxoresque et liberos defendere quidam
tentaverunt. Qua temeritate milites irritati _in nonnullos_ sine
discrimine parumper saevierunt, praesertim Germani etc._ (Siehe:
__Opera P. Sepulvedae_ Vol. I. p. 405. Matriti ex Typ. Reg. 1780._) --
Die zur Wrdigung obiger Geschichte!




                     Anmerkungen zur Transkription


Die Schreibweise der Buchvorlage wurde weitgehend beibehalten.

Satzzeichen wurden in eindeutigen Fllen stillschweigend korrigiert.
Einige wenige weitere Fehler wurden korrigiert wie hier aufgefhrt,
teilweise unter Verwendung weiterer Ausgaben (vorher/nachher):

   [S. 50]:
   ... Horcht nach den Fluthen hinaus, erhebt sich, und lauft auf
       dem Sandpfad ...
   ... Horcht nach den Fluthen hinaus, erhebt sich, und luft auf
       dem Sandpfad ...

   [S. 405]:
   ... Samum von den Arabern; von den Hebrern [Hebrisch:
       vil'afah]; von den ...
   ... Samum von den Arabern; von den Hebrern [Hebrisch: zil'afa];
       von den ...






End of the Project Gutenberg EBook of Tunisias, by Johann Ladislav Pyrker

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Project Gutenberg-tm License available with this file or online at
www.gutenberg.org/license.

Section 1. General Terms of Use and Redistributing Project
Gutenberg-tm electronic works

1.A. By reading or using any part of this Project Gutenberg-tm
electronic work, you indicate that you have read, understand, agree to
and accept all the terms of this license and intellectual property
(trademark/copyright) agreement. If you do not agree to abide by all
the terms of this agreement, you must cease using and return or
destroy all copies of Project Gutenberg-tm electronic works in your
possession. If you paid a fee for obtaining a copy of or access to a
Project Gutenberg-tm electronic work and you do not agree to be bound
by the terms of this agreement, you may obtain a refund from the
person or entity to whom you paid the fee as set forth in paragraph
1.E.8.

1.B. "Project Gutenberg" is a registered trademark. It may only be
used on or associated in any way with an electronic work by people who
agree to be bound by the terms of this agreement. There are a few
things that you can do with most Project Gutenberg-tm electronic works
even without complying with the full terms of this agreement. See
paragraph 1.C below. There are a lot of things you can do with Project
Gutenberg-tm electronic works if you follow the terms of this
agreement and help preserve free future access to Project Gutenberg-tm
electronic works. See paragraph 1.E below.

1.C. The Project Gutenberg Literary Archive Foundation ("the
Foundation" or PGLAF), owns a compilation copyright in the collection
of Project Gutenberg-tm electronic works. Nearly all the individual
works in the collection are in the public domain in the United
States. If an individual work is unprotected by copyright law in the
United States and you are located in the United States, we do not
claim a right to prevent you from copying, distributing, performing,
displaying or creating derivative works based on the work as long as
all references to Project Gutenberg are removed. Of course, we hope
that you will support the Project Gutenberg-tm mission of promoting
free access to electronic works by freely sharing Project Gutenberg-tm
works in compliance with the terms of this agreement for keeping the
Project Gutenberg-tm name associated with the work. You can easily
comply with the terms of this agreement by keeping this work in the
same format with its attached full Project Gutenberg-tm License when
you share it without charge with others.

1.D. The copyright laws of the place where you are located also govern
what you can do with this work. Copyright laws in most countries are
in a constant state of change. If you are outside the United States,
check the laws of your country in addition to the terms of this
agreement before downloading, copying, displaying, performing,
distributing or creating derivative works based on this work or any
other Project Gutenberg-tm work. The Foundation makes no
representations concerning the copyright status of any work in any
country outside the United States.

1.E. Unless you have removed all references to Project Gutenberg:

1.E.1. The following sentence, with active links to, or other
immediate access to, the full Project Gutenberg-tm License must appear
prominently whenever any copy of a Project Gutenberg-tm work (any work
on which the phrase "Project Gutenberg" appears, or with which the
phrase "Project Gutenberg" is associated) is accessed, displayed,
performed, viewed, copied or distributed:

  This eBook is for the use of anyone anywhere in the United States and
  most other parts of the world at no cost and with almost no
  restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it
  under the terms of the Project Gutenberg License included with this
  eBook or online at www.gutenberg.org. If you are not located in the
  United States, you'll have to check the laws of the country where you
  are located before using this ebook.

1.E.2. If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is
derived from texts not protected by U.S. copyright law (does not
contain a notice indicating that it is posted with permission of the
copyright holder), the work can be copied and distributed to anyone in
the United States without paying any fees or charges. If you are
redistributing or providing access to a work with the phrase "Project
Gutenberg" associated with or appearing on the work, you must comply
either with the requirements of paragraphs 1.E.1 through 1.E.7 or
obtain permission for the use of the work and the Project Gutenberg-tm
trademark as set forth in paragraphs 1.E.8 or 1.E.9.

1.E.3. If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is posted
with the permission of the copyright holder, your use and distribution
must comply with both paragraphs 1.E.1 through 1.E.7 and any
additional terms imposed by the copyright holder. Additional terms
will be linked to the Project Gutenberg-tm License for all works
posted with the permission of the copyright holder found at the
beginning of this work.

1.E.4. Do not unlink or detach or remove the full Project Gutenberg-tm
License terms from this work, or any files containing a part of this
work or any other work associated with Project Gutenberg-tm.

1.E.5. Do not copy, display, perform, distribute or redistribute this
electronic work, or any part of this electronic work, without
prominently displaying the sentence set forth in paragraph 1.E.1 with
active links or immediate access to the full terms of the Project
Gutenberg-tm License.

1.E.6. You may convert to and distribute this work in any binary,
compressed, marked up, nonproprietary or proprietary form, including
any word processing or hypertext form. However, if you provide access
to or distribute copies of a Project Gutenberg-tm work in a format
other than "Plain Vanilla ASCII" or other format used in the official
version posted on the official Project Gutenberg-tm web site
(www.gutenberg.org), you must, at no additional cost, fee or expense
to the user, provide a copy, a means of exporting a copy, or a means
of obtaining a copy upon request, of the work in its original "Plain
Vanilla ASCII" or other form. Any alternate format must include the
full Project Gutenberg-tm License as specified in paragraph 1.E.1.

1.E.7. Do not charge a fee for access to, viewing, displaying,
performing, copying or distributing any Project Gutenberg-tm works
unless you comply with paragraph 1.E.8 or 1.E.9.

1.E.8. You may charge a reasonable fee for copies of or providing
access to or distributing Project Gutenberg-tm electronic works
provided that

* You pay a royalty fee of 20% of the gross profits you derive from
  the use of Project Gutenberg-tm works calculated using the method
  you already use to calculate your applicable taxes. The fee is owed
  to the owner of the Project Gutenberg-tm trademark, but he has
  agreed to donate royalties under this paragraph to the Project
  Gutenberg Literary Archive Foundation. Royalty payments must be paid
  within 60 days following each date on which you prepare (or are
  legally required to prepare) your periodic tax returns. Royalty
  payments should be clearly marked as such and sent to the Project
  Gutenberg Literary Archive Foundation at the address specified in
  Section 4, "Information about donations to the Project Gutenberg
  Literary Archive Foundation."

* You provide a full refund of any money paid by a user who notifies
  you in writing (or by e-mail) within 30 days of receipt that s/he
  does not agree to the terms of the full Project Gutenberg-tm
  License. You must require such a user to return or destroy all
  copies of the works possessed in a physical medium and discontinue
  all use of and all access to other copies of Project Gutenberg-tm
  works.

* You provide, in accordance with paragraph 1.F.3, a full refund of
  any money paid for a work or a replacement copy, if a defect in the
  electronic work is discovered and reported to you within 90 days of
  receipt of the work.

* You comply with all other terms of this agreement for free
  distribution of Project Gutenberg-tm works.

1.E.9. If you wish to charge a fee or distribute a Project
Gutenberg-tm electronic work or group of works on different terms than
are set forth in this agreement, you must obtain permission in writing
from both the Project Gutenberg Literary Archive Foundation and The
Project Gutenberg Trademark LLC, the owner of the Project Gutenberg-tm
trademark. Contact the Foundation as set forth in Section 3 below.

1.F.

1.F.1. Project Gutenberg volunteers and employees expend considerable
effort to identify, do copyright research on, transcribe and proofread
works not protected by U.S. copyright law in creating the Project
Gutenberg-tm collection. Despite these efforts, Project Gutenberg-tm
electronic works, and the medium on which they may be stored, may
contain "Defects," such as, but not limited to, incomplete, inaccurate
or corrupt data, transcription errors, a copyright or other
intellectual property infringement, a defective or damaged disk or
other medium, a computer virus, or computer codes that damage or
cannot be read by your equipment.

1.F.2. LIMITED WARRANTY, DISCLAIMER OF DAMAGES - Except for the "Right
of Replacement or Refund" described in paragraph 1.F.3, the Project
Gutenberg Literary Archive Foundation, the owner of the Project
Gutenberg-tm trademark, and any other party distributing a Project
Gutenberg-tm electronic work under this agreement, disclaim all
liability to you for damages, costs and expenses, including legal
fees. YOU AGREE THAT YOU HAVE NO REMEDIES FOR NEGLIGENCE, STRICT
LIABILITY, BREACH OF WARRANTY OR BREACH OF CONTRACT EXCEPT THOSE
PROVIDED IN PARAGRAPH 1.F.3. YOU AGREE THAT THE FOUNDATION, THE
TRADEMARK OWNER, AND ANY DISTRIBUTOR UNDER THIS AGREEMENT WILL NOT BE
LIABLE TO YOU FOR ACTUAL, DIRECT, INDIRECT, CONSEQUENTIAL, PUNITIVE OR
INCIDENTAL DAMAGES EVEN IF YOU GIVE NOTICE OF THE POSSIBILITY OF SUCH
DAMAGE.

1.F.3. LIMITED RIGHT OF REPLACEMENT OR REFUND - If you discover a
defect in this electronic work within 90 days of receiving it, you can
receive a refund of the money (if any) you paid for it by sending a
written explanation to the person you received the work from. If you
received the work on a physical medium, you must return the medium
with your written explanation. The person or entity that provided you
with the defective work may elect to provide a replacement copy in
lieu of a refund. If you received the work electronically, the person
or entity providing it to you may choose to give you a second
opportunity to receive the work electronically in lieu of a refund. If
the second copy is also defective, you may demand a refund in writing
without further opportunities to fix the problem.

1.F.4. Except for the limited right of replacement or refund set forth
in paragraph 1.F.3, this work is provided to you 'AS-IS', WITH NO
OTHER WARRANTIES OF ANY KIND, EXPRESS OR IMPLIED, INCLUDING BUT NOT
LIMITED TO WARRANTIES OF MERCHANTABILITY OR FITNESS FOR ANY PURPOSE.

1.F.5. Some states do not allow disclaimers of certain implied
warranties or the exclusion or limitation of certain types of
damages. If any disclaimer or limitation set forth in this agreement
violates the law of the state applicable to this agreement, the
agreement shall be interpreted to make the maximum disclaimer or
limitation permitted by the applicable state law. The invalidity or
unenforceability of any provision of this agreement shall not void the
remaining provisions.

1.F.6. INDEMNITY - You agree to indemnify and hold the Foundation, the
trademark owner, any agent or employee of the Foundation, anyone
providing copies of Project Gutenberg-tm electronic works in
accordance with this agreement, and any volunteers associated with the
production, promotion and distribution of Project Gutenberg-tm
electronic works, harmless from all liability, costs and expenses,
including legal fees, that arise directly or indirectly from any of
the following which you do or cause to occur: (a) distribution of this
or any Project Gutenberg-tm work, (b) alteration, modification, or
additions or deletions to any Project Gutenberg-tm work, and (c) any
Defect you cause.

Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg-tm

Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
electronic works in formats readable by the widest variety of
computers including obsolete, old, middle-aged and new computers. It
exists because of the efforts of hundreds of volunteers and donations
from people in all walks of life.

Volunteers and financial support to provide volunteers with the
assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
remain freely available for generations to come. In 2001, the Project
Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
and permanent future for Project Gutenberg-tm and future
generations. To learn more about the Project Gutenberg Literary
Archive Foundation and how your efforts and donations can help, see
Sections 3 and 4 and the Foundation information page at
www.gutenberg.org



Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation

The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification
number is 64-6221541. Contributions to the Project Gutenberg Literary
Archive Foundation are tax deductible to the full extent permitted by
U.S. federal laws and your state's laws.

The Foundation's principal office is in Fairbanks, Alaska, with the
mailing address: PO Box 750175, Fairbanks, AK 99775, but its
volunteers and employees are scattered throughout numerous
locations. Its business office is located at 809 North 1500 West, Salt
Lake City, UT 84116, (801) 596-1887. Email contact links and up to
date contact information can be found at the Foundation's web site and
official page at www.gutenberg.org/contact

For additional contact information:

    Dr. Gregory B. Newby
    Chief Executive and Director
    gbnewby@pglaf.org

Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation

Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
spread public support and donations to carry out its mission of
increasing the number of public domain and licensed works that can be
freely distributed in machine readable form accessible by the widest
array of equipment including outdated equipment. Many small donations
($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
status with the IRS.

The Foundation is committed to complying with the laws regulating
charities and charitable donations in all 50 states of the United
States. Compliance requirements are not uniform and it takes a
considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
with these requirements. We do not solicit donations in locations
where we have not received written confirmation of compliance. To SEND
DONATIONS or determine the status of compliance for any particular
state visit www.gutenberg.org/donate

While we cannot and do not solicit contributions from states where we
have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
against accepting unsolicited donations from donors in such states who
approach us with offers to donate.

International donations are gratefully accepted, but we cannot make
any statements concerning tax treatment of donations received from
outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff.

Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
methods and addresses. Donations are accepted in a number of other
ways including checks, online payments and credit card donations. To
donate, please visit: www.gutenberg.org/donate

Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic works.

Professor Michael S. Hart was the originator of the Project
Gutenberg-tm concept of a library of electronic works that could be
freely shared with anyone. For forty years, he produced and
distributed Project Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of
volunteer support.

Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
editions, all of which are confirmed as not protected by copyright in
the U.S. unless a copyright notice is included. Thus, we do not
necessarily keep eBooks in compliance with any particular paper
edition.

Most people start at our Web site which has the main PG search
facility: www.gutenberg.org

This Web site includes information about Project Gutenberg-tm,
including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to
subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks.

