The Project Gutenberg EBook of Romanzero, by Heinrich Heine
(#5 in our series by Heinrich Heine)

Copyright laws are changing all over the world. Be sure to check the
copyright laws for your country before downloading or redistributing
this or any other Project Gutenberg eBook.

This header should be the first thing seen when viewing this Project
Gutenberg file.  Please do not remove it.  Do not change or edit the
header without written permission.

Please read the "legal small print," and other information about the
eBook and Project Gutenberg at the bottom of this file.  Included is
important information about your specific rights and restrictions in
how the file may be used.  You can also find out about how to make a
donation to Project Gutenberg, and how to get involved.


**Welcome To The World of Free Plain Vanilla Electronic Texts**

**eBooks Readable By Both Humans and By Computers, Since 1971**

*****These eBooks Were Prepared By Thousands of Volunteers!*****


Title: Romanzero

Author: Heinrich Heine

Release Date: May, 2004  [EBook #5607]
[Yes, we are more than one year ahead of schedule]
[This file was first posted on July 20, 2002]

Edition: 10

Language: German

Character set encoding: Latin1

*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK, ROMANZERO ***







Heinrich Heine

ROMANZERO

Gedichte

(Erstdruck 1851)




    Erstes Buch
    Historien



        Wenn man an dir Verrat gebt,
        Sei du um so treuer;
        Und ist deine Seele zu Tode betrbt,
        So greife zur Leier.

        Die Saiten klingen! Ein Heldenlied,
        Voll Flammen und Gluten!
        Da schmilzt der Zorn, und dein Gemt
        Wird s verbluten.



    Rhampsenit

Als der Knig Rhampsenit
Eintrat in die goldne Halle
Seiner Tochter, lachte diese,
Lachten ihre Zofen alle.

Auch die Schwarzen, die Eunuchen,
Stimmten lachend ein, es lachten
Selbst die Mumien, selbst die Sphinxe,
Da sie schier zu bersten dachten.

Die Prinzessin sprach: Ich glaubte
Schon den Schatzdieb zu erfassen,
Der hat aber einen toten
Arm in meiner Hand gelassen.

Jetzt begreif ich, wie der Schatzdieb
Dringt in deine Schatzhauskammern
Und die Schtze dir entwendet,
Trotz den Schlssern, Riegeln, Klammern.

Einen Zauberschlssel hat er,
Der erschlieet allerorten
Jede Tre, widerstehen
Knnen nicht die strksten Pforten.

Ich bin keine starke Pforte
Und ich hab nicht widerstanden,
Schtzehtend diese Nacht
Kam ein Schtzlein mir abhanden.

So sprach lachend die Prinzessin
Und sie tnzelt im Gemache,
Und die Zofen und Eunuchen
Hoben wieder ihre Lache.

An demselben Tag ganz Memphis
Lachte, selbst die Krokodile
Reckten lachend ihre Hupter
Aus dem schlammig gelben Nile,

Als sie Trommelschlag vernahmen
Und sie hrten an dem Ufer
Folgendes Reskript verlesen
Von dem Kanzelei-Ausrufer:

Rhampsenit von Gottes Gnaden
Knig zu und in gypten,
Wir entbieten Gru und Freundschaft
Unsern Vielgetreun und Liebden.

In der Nacht vom dritten zu dem
Vierten Junius des Jahres
Dreizehnhundertvierundzwanzig
Vor Christi Geburt, da war es,

Da ein Dieb aus unserm Schatzhaus
Eine Menge von Juwelen
Uns entwendet; es gelang ihm
Uns auch spter zu bestehlen.

Zur Ermittelung des Tters
Lieen schlafen wir die Tochter
Bei den Schtzen - doch auch jene
Zu bestehlen schlau vermocht er.

Um zu steuern solchem Diebstahl
Und zu gleicher Zeit dem Diebe
Unsre Sympathie zu zeigen,
Unsre Ehrfurcht, unsre Liebe,

Wollen wir ihm zur Gemahlin
Unsre einzge Tochter geben
Und ihn auch als Thronnachfolger
In den Frstenstand erheben.

Sintemal uns die Adresse
Unsres Eidams noch zur Stunde
Unbekannt, soll dies Reskript ihm
Bringen Unsrer Gnade Kunde.

So geschehn den dritten Jenner
Dreizehnhundert zwanzig sechs
Vor Christi Geburt. - Signieret
Von Uns: Rhampsenitus Rex.

Rhampsenit hat Wort gehalten,
Nahm den Dieb zum Schwiegersohne,
Und nach seinem Tode erbte
Auch der Dieb gyptens Krone.

Er regierte wie die Andern,
Schtzte Handel und Talente;
Wenig, heit es, ward gestohlen
Unter seinem Regimente.



    Der weie Elefant

Der Knig von Siam, Mahawasant,
Beherrscht das halbe Indienland,
Zwlf Knge, der groe Mogul sogar,
Sind seinem Szepter tributar.

Alljhrlich mit Trommeln,"Posauneo und Falnen
Ziehen nach Siam die Zinskarawanen;
Viel tausend Kamele, hochberuckte,
Schleppen die kostbarsten Landesprodukte.

Sieht er die schwerbepackten Kamele,
So schmunzelt heimlich des Knigs Seele;
ffentlich freilich pflegt er zu jammern,
Es fehle an Raum in seinen Schatzkammern.

Doch diese Schatzkammern sind so weit,
So gro und voller Herrlichkeit;
Hier berflgelt der Wirklichkeit Pracht
Die Mrchen von Tausend und Eine Nacht.

Die Burg des Indra heit die Halle,
Wo aufgestellt die Gtter alle,
Bildsulen von Gold, fein ziselieret,
Mit Edelsteinen inkrustieret.

Sind an der Zahl wohl dreiig Tausend,
Figuren abenteuerlich grausend,
Mischlinge von Menschen- und Tiergeschpfen,
Mit vielen Hnden und vielen Kpfen.

Im Purpursaale sieht man verwundert
Korallenbume dreizehnhundert,
Wie Palmen gro, seltsamer Gestalt,
Geschnrkelt die ste, ein roter Wald.

Das Estrich ist vom reinsten Kristalle
Und widerspiegelt die Bume alle.
Fasanen vom buntesten Glanzgefieder
Gehn gravittisch dort auf und nieder.

Der Lieblingsaffe des Mahawasant
Trgt an dem Hals ein seidenes Band,
Dran hngt der Schlssel, welcher erschleut
Die Halle, die man den Schlafsaal heit.

Die Edelsteine vom hchsten Wert
Die liegen wie Erbsen hier auf der Erd
Hochaufgeschttet; man findet dabei
Diamanten so gro wie ein Hhnerei.

Auf grauen, mit Perlen gefllten Scken
Pflegt hier der Knig sich hinzustrecken;
Der Affe legt sich zum Monarchen,
Und beide schlafen ein und schnarchen.

Das Kostbarste aber von allen Schtzen
Des Knigs, sein Glck, sein Seelenergtzen,
Die Lust und der Stolz von Mahawasant,
Das ist sein weier Elefant.

Als Wohnung fr diesen erhabenen Gast
Lie bauen der Knig den schnsten Palast;
Es wird das Dach, mit Goldblech beschlagen,
Von lotosknufigen Sulen getragen.

Am Tore stehen dreihundert Trabanten
Als Ehrenwache des Elefanten,
Und knieend, mit gekrmmtem Rucken,
Bedienen ihn hundert schwarze Eunucken.

Man bringt auf einer gldnen Schssel
Die leckersten Bissen fr seinen Rssel;
Er schlrft aus silbernen Eimern den Wein,
Gewrzt mit den sesten Spezerein.

Man salbt ihn mit Ambra und Rosenessenzen,
Man schmckt sein Haupt mit Blumenkrnzen;
Als Fudecke dienen dem edlen Tier
Die kostbarsten Schals aus Kaschimir.

Das glcklichste Leben ist ihm beschieden,
Doch Niemand auf Erden ist zufrieden.
Das edle Tier, man wei nicht wie,
Versinkt in tiefe Melancholie.

Der weie Melancholikus
Steht traurig mitten im berflu.
Man will ihn ermuntern, man will ihn erheitern,
Jedoch die klgsten Versuche scheitern.

Vergebens kommen mit Springen und Singen
Die Bajaderen; vergebens erklingen
Die Zinken und Pauken der Musikanten,
Doch nichts erlustigt den Elefanten.

Da tglich sich der Zustand verschlimmert,
Wird Mahawasantes Herz bekmmert;
Er lt vor seines Thrones Stufen
Den klgsten Astrologen rufen.

Sterngucker, ich la dir das Haupt abschlagen,
Herrscht er ihn an, kannst du mir nicht sagen,
Was meinem Elefanten fehle,
Warum so verdstert seine Seele?

Doch jener wirft sich dreimal zur Erde,
Und endlich spricht er mit ernster Gebrde:
O Knig, ich will dir die Wahrheit verknden,
Du kannst dann handeln nach Gutbefinden.

Es lebt im Norden ein schnes Weib
Von hohem Wuchs und weiem Leib,
Dein Elefant ist herrlich, unleugbar,
Doch ist er nicht mit ihr vergleichbar.

Mit ihr verglichen, erscheint er nur
Ein weies Muschen. Es mahnt die Statur
An Bimha, die Riesin, im Ramajana,
Und an der Epheser groe Diana.

Wie sich die Gliedermassen wlben
Zum schnsten Bau! Es tragen dieselben
Anmutig und stolz zwei hohe Pilaster
Von blendend weiem Alabaster.

Das ist Gott Amors kolossale
Domkirche, der Liebe Kathedrale;
Als Lampe brennt im Tabernakel
Ein Herz, das ohne Falsch und Makel.

Die Dichter jagen vergebens nach Bildern,
Um ihre weie Haut zu schildern;
Selbst Gautier ist dessen nicht kapabel, -
O diese Weie ist implacable!

Des Himalaya Gipfelschnee
Erscheint aschgrau in ihrer Nh;
Die Lilje, die ihre Hand erfat,
Vergilbt durch Eifersucht oder Kontrast.

Grfin Bianka ist der Name
Von dieser groen weien Dame;
Sie wohnt zu Paris im Frankenland,
Und diese liebt der Elefant.

Durch wunderbare Wahlverwandtschaft,
Im Traume machte er ihre Bekanntschaft,
Und trumend in sein Herze stahl
Sich dieses hohe Ideal.

Sehnsucht verzehrt ihn seit jener Stund,
Und er, der vormals so froh und gesund,
Er ist ein vierfiger Werther geworden,
Und trumt von einer Lotte im Norden.

Geheimnisvolle Sympathie!
Er sah sie nie und denkt an sie.
Er trampelt oft im Mondschein umher
Und seufzet: wenn ich ein Vglein wr!

In Siam ist nur der Leib, die Gedanken
Sind bei Bianka im Lande der Franken;
Doch diese Trennung von Leib und Seele
Schwcht sehr den Magen, vertrocknet die Kehle.

Die leckersten Braten widern ihn an,
Er liebt nur Dampfnudeln und Ossian,
Er hstelt schon, er magert ab,
Die Sehnsucht schaufelt sein frhes Grab.

Willst du ihn retten, erhalten sein Leben,
Der Sugetierwelt ihn wiedergeben,
O Knig, so schicke den hohen Kranken
Direkt nach Paris, der Hauptstadt der Franken.

Wenn ihn alldort in der Wirklichkeit
Der Anblick der schnen Frau erfreut,
Die seiner Trume Urbild gewesen,
Dann wird er von seinem Trbsinn genesen.

Wo seiner Schnen Augen strahlen,
Da schwinden seiner Seele Qualen;
Ihr Lcheln verscheucht die letzten Schatten,
Die hier sich eingenistet hatten;

Und ihre Stimme, wie'n Zauberlied,
Lst sie den Zwiespalt in seinem Gemt;
Froh hebt er wieder die Lappen der Ohren,
Er fhlt sich verjngt, wie neugeboren.

Es lebt sich so lieblich, es lebt sich so s
Am Seinestrand, in der Stadt Paris!
Wie wird sich dorten zivilisieren
Dein Elefant und amsieren!

Vor allem aber, o Knig, lasse
Ihm reichlich fllen die Reisekasse,
Und gib ihm einen Kreditbrief mit
Auf Rothschild frres in der rue Lafitte.

Ja, einen Kreditbrief von einer Million
Dukaten etwa; - der Herr Baron
Von Rothschild sagt von ihm alsdann:
Der Elefant ist ein braver Mann!

So sprach der Astrolog, und wieder
Warf er sich dreimal zur Erde nieder.
Der Knig entlie ihn mit reichen Geschenken,
Und streckte sich aus, um nachzudenken.

Er dachte hin, er dachte her;
Das Denken wird den Knigen schwer.
Sein Affe sich zu ihm niedersetzt,
Und beide schlafen ein zuletzt.

Was er beschlossen, das kann ich erzhlen
Erst spter; die indischen Mall'posten fehlen.
Die letzte, welche uns zugekommen,
Die hat den Weg ber Suez genommen.



    Schelm von Bergen

Im Schlo zu Dsseldorf am Rhein
wird Mummenschanz gehalten;
Da flimmern die Kerzen, da rauscht die Musik,
Da tanzen die bunten Gestalten.

Da tanzt die schne Herzogin,
Sie lacht laut auf bestndig;
Ihr Tnzer ist ein schlanker Fant,
Gar hfisch und behendig.

Er trgt eine Maske von schwarzem Samt,
Daraus gar freudig blicket
Ein Auge, wie ein blanker Dolch,
Halb aus der Scheide gezcket.

Es jubelt die Fastnachtsgeckenschar,
Wenn jene vorberwalzen.
Der Drickes und die Marizzebill
Gren mit Schnarren und Schnalzen.

Und die Trompeten schmettern drein,
Der nrrische Brummba brummet,
Bis endlich der Tanz ein Ende nimmt
Und die Musik verstummet.

Durchlauchtigste Frau, gebt Urlaub mir,
Ich mu nach Hause gehen -
Die Herzogin lacht: Ich la dich nicht fort,
Bevor ich dein Antlitz gesehen.

Durchlauchtigste Frau, gebt Urlaub mir,
Mein Anblick bringt Schrecken und Grauen -
Die Herzogin lacht: Ich frchte mich nicht,
Ich will dein Antlitz schauen.

Durchlauchtigste Frau, gebt Urlaub mir,
Der Nacht und dem Tode gehr ich -
Die Herzogin lacht: Ich lasse dich nicht,
Dein Antlitz zu schauen begehr ich.

Wohl strubt sich der Mann mit finsterm Wort,
Das Weib nicht zhmen kunnt er;
Sie ri zuletzt ihm mit Gewalt
Die Maske vom Antlitz herunter.

Das ist der Scharfrichter von Bergen! so schreit
Entsetzt die Menge im Saale
Und weichet scheusam - die Herzogin
Strzt fort zu ihrem Gemahle.

Der Herzog ist klug, er tilgte die Schmach
Der Gattin auf der Stelle.
Er zog sein blankes Schwert und sprach:
Knie vor mir nieder, Geselle!

Mit diesem Schwertschlag mach ich dich
Jetzt ehrlich und ritterznftig,
Und weil du ein Schelm, so nenne dich
Herr Schelm von Bergen knftig.

So ward der Henker ein Edelmann
Und Ahnherr der Schelme von Bergen.
Ein stolzes Geschlecht! es blhte am Rhein.
Jetzt schlft es in steinernen Srgen.



    Valkyren

Unten Schlacht. Doch oben schossen
Durch die Luft auf Wolkenrossen
Drei Valkyren, und es klang
Schilderklirrend ihr Gesang:

Frsten hadern, Vlker streiten,
Jeder will die Macht erbeuten;
Herrschaft ist das hchste Gut,
Hchste Tugend ist der Mut.

Heisa! vor dem Tod beschtzen
Keine stolzen Eisenmtzen,
Und das Heldenblut zerrinnt
Und der schlechtre Mann gewinnt.

Lorbeerkrnze, Siegesbogen!
Morgen kommt er eingezogen,
Der den Bessern berwand
Und gewonnen Leut und Land.

Brgermeister und Senator
Holen ein den Triumphator,
Tragen ihm die Schlssel vor,
Und der Zug geht durch das Tor.

Hei! da bllerts von den Wllen,
Zinken und Trompeten gellen,
Glockenklang erfllt die Luft,
Und der Pbel Vivat! ruft.

Lchelnd stehen auf Balkonen
Schne Fraun, und Blumenkronen
Werfen sie dem Sieger zu.
Dieser grt mit stolzer Ruh.



    Schlachtfeld bei Hastings

Der Abt von Waltham seufzte tief,
Als er die Kunde vernommen,
Da Knig Harold elendiglich
Bei Hastings umgekommen.

Zwei Mnche, Asgod und Ailrik genannt,
Die schickt' er aus als Boten,
Sie sollten suchen die Leiche Harolds
Bei Hastings unter den Toten.

Die Mnche gingen traurig fort
Und kehrten traurig zurcke:
Hochwrdiger Vater, die Welt ist uns gram,
Wir sind verlassen vom Glcke.

Gefallen ist der bere Mann,
Es siegte der Bankert, der schlechte,
Gewappnete Diebe verteilen das Land
Und machen den Freiling zum Knechte.

Der lausigste Lump aus der Normandie
Wird Lord auf der Insel der Britten;
Ich sah einen Schneider aus Bayeux, er kam
Mit goldnen Sporen geritten.

Weh dem, der jetzt ein Sachse ist!
Ihr Sachsenheilige droben
Im Himmelreich, nehmt euch in Acht,
Ihr seid der Schmach nicht enthoben.

Jetzt wissen wir, was bedeutet hat
Der groe Komet, der heuer
Blutrot am nchtlichen Himmel ritt
Auf einem Besen von Feuer.

Bei Hastings in Erfllung ging
Des Unsterns bses Zeichen,
Wir waren auf dem Schlachtfeld dort
Und suchten unter den Leichen.

Wir suchten hin, wir suchten her,
Bis alle Hoffnung verschwunden
Den Leichnam des toten Knigs Harold,
Wir haben ihn nicht gefunden.

Asgod und Ailrik sprachen also;
Der Abt rang jammernd die Hnde,
Versank in tiefe Nachdenklichkeit
Und sprach mit Seufzen am Ende:

Zu Grendelfield am Bardenstein,
Just in des Waldes Mitte,
Da wohnet Edith Schwanenhals
In einer drftgen Htte.

Man hie sie Edith Schwanenhals,
Weil wie der Hals der Schwne
Ihr Nacken war; der Knig Harold,
Er liebte die junge Schne.

Er hat sie geliebt, gekt und geherzt,
Und endlich verlassen, vergessen.
Die Zeit verfliet; wohl sechzehn Jahr
Verflossen unterdessen.

Begebt euch, Brder, zu diesem Weib
Und lat sie mit euch gehen
Zurck nach Hastings, der Blick des Weibs
Wird dort den Knig ersphen.

Nach Waltham-Abtei hierher alsdann
Sollt ihr die Leiche bringen,
Damit wir christlich bestatten den Leib
Und fr die Seele singen.

Um Mitternacht gelangten schon
Die Boten zur Htte im Walde:
Erwache, Edith Schwanenhals,
Und folge uns alsbalde.

Der Herzog der Normannen hat
Den Sieg davongetragen,
Und auf dem Feld bei Hastings liegt
Der Knig Harold erschlagen.

Kommt mit nach Hastings, wir suchen dort
Den Leichnam unter den Toten,
Und bringen ihn nach Waltham-Abtei,
Wie uns der Abt geboten.

Kein Wort sprach Edith Schwanenhals,
Sie schrzte sich geschwinde
Und folgte den Mnchen; ihr greisendes Haar
Das flatterte wild im Winde.

Es folgte barfu das arme Weib
Durch Smpfe und Baumgestrppe.
Bei Tagesanbruch gewahrten sie schon
Zu Hastings die kreidige Klippe.

Der Nebel, der das Schlachtfeld bedeckt
Als wie ein weies Lailich,
Zerflo allmhlig; es flatterten auf
Die Dohlen und krchzten abscheulich.

Viel tausend Leichen lagen dort
Erbrmlich auf blutiger Erde,
Nackt ausgeplndert, verstmmelt, zerfleischt,
Daneben die ser der Pferde.

Es wadete Edith Schwanenhals
Im Blute mit nackten Fen;
Wie Pfeile aus ihrem stieren Aug
Die forschenden Blicke schieen.

Sie suchte hin, sie suchte her,
Oft mute sie mhsam verscheuchen
Die frabegierige Rabenschar;
Die Mnche hinter ihr keuchen.

Sie suchte schon den ganzen Tag,
Es ward schon Abend - pltzlich
Bricht aus der Brust des armen Weibs
Ein geller Schrei, entsetzlich.

Gefunden hat Edith Schwanenhals
Des toten Knigs Leiche.
Sie sprach kein Wort, sie weinte nicht,
Sie kte das Antlitz, das bleiche.

Sie kte die Stirne, sie kte den Mund,
Sie hielt ihn fest umschlossen;
Sie kte auf des Knigs Brust
Die Wunde blutumflossen.

Auf seiner Schulter erblickt sie auch -
Und sie bedeckt sie mit Kssen -
Drei kleine Narben, Denkmler der Lust,
Die sie einst hinein gebissen.

Die Mnche konnten mittlerweil
Baumstmme zusammenfugen;
Das war die Bahre, worauf sie alsdann
Den toten Knig trugen.

Sie trugen ihn nach Waltham-Abtei,
Da man ihn dort begrbe;
Es folgte Edith Schwanenhals
Der Leiche ihrer Liebe.

Sie sang die Totenlitanein
In kindisch frommer Weise;
Das klang so schauerlich in der Nacht -
Die Mnche beteten leise. -



    Karl I.

Im Wald, in der Khlerhtte, sitzt
Trbsinnig allein der Knig;
Er sitzt an der Wiege des Khlerkinds
Und wiegt und singt eintnig:

Eiapopeia, was raschelt im Stroh?
Es blken im Stalle die Schafe -
Du trgst das Zeichen an der Stirn
Und lchelst so furchtbar im Schlafe.

Eiapopeia, das Ktzchen ist tot -
Du trgst auf der Stirne das Zeichen -
Du wirst ein Mann und schwingst das Beil,
Schon zittern im Walde die Eichen.

Der alte Khlerglaube verschwand,
Es glauben die Khlerkinder -
Eiapopeia - nicht mehr an Gott,
Und an den Knig noch minder.

Das Ktzchen ist tot, die Muschen sind froh -
Wir mssen zu Schanden werden -
Eiapopeia - im Himmel der Gott
Und ich, der Knig auf Erden.

Mein Mut erlischt, mein Herz ist krank,
Und tglich wird es krnker -
Eiapopeia - du Khlerkind,
Ich wei es, du bist mein Henker.

Mein Todesgesang ist dein Wiegenlied -
Eiapopeia - die greisen
Haarlocken schneidest du ab zuvor -
Im Nacken klirrt mir das Eisen.

Eiapopeia, was raschelt im Stroh?
Du hast das Reich erworben,
Und schlgst mir das Haupt vom Rumpf herab -
Das Ktzchen ist gestorben.

Eiapopeia, was raschelt im Stroh?
Es blken im Stalle die Schafe.
Das Ktzchen ist tot, die Muschen sind froh -
Schlafe, mein Henkerchen, schlafe!



    Maria Antoinette

Wie heiter im Tuilerienschlo
Blinken die Spiegelfenster,
Und dennoch dort am hellen Tag
Gehn um die alten Gespenster.

Es spukt im Pavillon de Flor'
Maria Antoinette;
Sie hlt dort Morgens ihr Lever
Mit strenger Etikette.

Geputzte Hofdamen. Die meisten stehn,
Auf Tabourets andre sitzen;
Die Kleider von Atlas und Goldbrokat,
Behngt mit Juwelen und Spitzen.

Die Taille ist schmal, der Reifrock bauscht,
Darunter lauschen die netten
Hochhackigen Fchen so klug hervor -
Ach, wenn sie nur Kpfe htten!

Sie haben alle keinen Kopf,
Der Knigin selbst manquieret
Der Kopf, und Ihro Majestt
Ist deshalb nicht frisieret.

Ja, Sie, die mit turmhohem Toupet
So stolz sich konnte gebaren,
Die Tochter Maria Theresias,
Die Enkelin deutscher Csaren,

Sie mu jetzt spuken ohne Frisur
Und ohne Kopf, im Kreise
Von unfrisierten Edelfraun,
Die kopflos gleicherweise.

Das sind die Folgen der Revolution
Und ihrer fatalen Doktrine;
An Allem ist Schuld Jean Jacques Rousseau,
Voltaire und die Guillotine.

Doch sonderbar! es dnkt mich schier,
Als htten die armen Geschpfe
Gar nicht bemerkt, wie tot sie sind
Und da sie verloren die Kpfe.

Ein leeres Gespreize, ganz wie sonst,
Ein abgeschmacktes Scherwenzen -
Possierlich sind und schauderhaft
Die kopflosen Reverenzen.

Es knixt die erste Dame d'atour
Und bringt ein Hemd von Linnen;
Die zweite reicht es der Knigin,
Und beide knixen von hinnen.

Die dritte Dam und die vierte Dam
Knixen und niederknieen
Vor Ihrer Majestt, um Ihr
Die Strmpfe anzuziehen.

Ein Ehrenfrulein kommt und knixt
Und bringt das Morgenjckchen;
Ein andres Frulein knixt und bringt
Der Knigin Unterrckchen.

Die Oberhofmeisterin steht dabei,
Sie fchert die Brust, die weie,
Und in Ermanglung eines Kopfs
Lchelt sie mit dem Steie.

Wohl durch die verhngten Fenster wirft
Die Sonne neugierige Blicke,
Doch wie sie gewahrt den alten Spuk,
Prallt sie erschrocken zurcke.



    Pomare

    I

Alle Liebesgtter jauchzen
Mir im Herzen, und Fanfare
Blasen sie und rufen: Heil!
Heil der Knigin Pomare!

Jene nicht von Otahaiti -
Missionrisiert ist jene -
Die ich meine, die ist wild,
Eine ungezhmte Schne.

Zweimal in der Woche zeigt sie
ffentlich sich ihrem Volke
In dem Garten Mabill, tanzt
Dort den Cancan, auch die Polke.

Majestt in jedem Schritte,
Jede Beugung Huld und Gnade,
Eine Frstin jeder Zoll
Von der Hfte bis zur Wade -

Also tanzt sie - und es blasen
Liebesgtter die Fanfare
Mir im Herzen, rufen: Heil!
Heil der Knigin Pomare!

    II

Sie tanzt. Wie sie das Leibchen wiegt!
Wie jedes Glied sich zierlich biegt!
Das ist ein Flattern und ein Schwingen,
Um wahrlich aus der Haut zu springen.

Sie tanzt. Wenn sie sich wirbelnd dreht
Auf einem Fu, und stille steht
Am End mit ausgestreckten Armen,
Mag Gott sich meiner Vernunft erbarmen!

Sie tanzt. Derselbe Tanz ist das,
Den einst die Tochter Herodias'
Getanzt vor dem Judenknig Herodes.
Ihr Auge sprht wie Blitze des Todes.

Sie tanzt mich rasend - ich werde toll -
Sprich, Weib, was ich dir schenken soll?
Du lchelst? Heda! Trabanten! Lufer!
Man schlage ab das Haupt dem Tufer!

    III

Gestern noch frs liebe Brot
Wlzte sie sich tief im Kot,
Aber heute schon mit Vieren
Fhrt das stolze Weib spazieren.

In die seidnen Kissen drckt
Sie das Lockenhaupt, und blickt
Vornehm auf den groen Haufen
Derer, die zu Fue laufen.

Wenn ich dich so fahren seh,
Tut es mir im Herzen weh!
Ach, es wird dich dieser Wagen
Nach dem Hospitale tragen,

Wo der grausenhafte Tod
Endlich endigt deine Not,
Und der Carabin mit schmierig
Plumper Hand und lernbegierig

Deinen schnen Leib zerfetzt,
Anatomisch ihn zersetzt -
Deine Rosse trifft nicht minder
Einst zu Montfaucon der Schinder.

    IV

Besser hat es sich gewendet,
Das Geschick, das dich bedroht' -
Gott sei Dank, du hast geendet,
Gott sei Dank, und du bist tot.

In der Dachstub deiner armen
Alten Mutter starbest du,
Und sie schlo dir mit Erbarmen
Deine schnen Augen zu.

Kaufte dir ein gutes Lailich,
Einen Sarg, ein Grab sogar.
Die Begrbnisfeier freilich
Etwas kahl und rmlich war.

Keinen Pfaffen hrt' man singen,
Keine Glocke klagte schwer;
Hinter deiner Bahre gingen
Nur dein Hund und dein Friseur.

Ach, ich habe der Pomare,
Seufzte dieser, oft gekmmt
Ihr langen schwarzen Haare,
Wenn sie vor mir sa im Hemd.

Was den Hund betrifft, so rannt er
Schon am Kirchhofstor davon,
Und ein Unterkommen fand er
Spterhin bei Ros' Pompon,

Ros' Pompon, der Provenzalin,
Die den Namen Knigin
Dir mignnt und als Rivalin
Dich verklatscht mit niederm Sinn.

Arme Knigin des Spottes,
Mit dem Diadem von Kot,
Bist gerettet jetzt durch Gottes
Ewge Gte, du bist tot.

Wie die Mutter, so der Vater
Hat Barmherzigkeit gebt,
Und ich glaube, dieses tat er,
Weil auch du so viel geliebt.



    Der Apollogott

    I

Das Kloster ist hoch auf Felsen gebaut,
Der Rhein vorberrauschet;
Wohl durch das Gitterfenster schaut
Die junge Nonne und lauschet.

Da fhrt ein Schifflein, mrchenhaft
Vom Abendrot beglnzet;
Es ist bewimpelt von buntem Taft,
Von Lorbeern und Blumen bekrnzet.

Ein schner blondgelockter Fant
Steht in des Schiffes Mitte;
Sein goldgesticktes Purpurgewand
Ist von antikem Schnitte.

Zu seinen Fen liegen da
Neun marmorschne Weiber;
Die hochgeschrzte Tunika
Umschliet die schlanken Leiber.

Der Goldgelockte lieblich singt
Und spielt dazu die Leier;
Ins Herz der armen Nonne dringt
Das Lied und brennt wie Feuer.

Sie schlgt ein Kreuz, und noch einmal
Schlgt sie ein Kreuz, die Nonne;
Nicht scheucht das Kreuz die se Qual,
Nicht bannt es die bittre Wonne.

    II

Ich bin der Gott der Musika,
Verehrt in allen Landen;
Mein Tempel hat in Grcia,
Auf Mont-Parna gestanden.

Auf Mont-Parna in Grcia,
Da hab ich oft gesessen
Am holden Quell Kastalia,
Im Schatten der Zypressen.

Vokalisierend saen da
Um mich herum die Tchter,
Das sang und klang la-la, la-la!
Geplauder und Gelchter.

Mitunter rief tra-ra, tra-ra!
Ein Waldhorn aus dem Holze;
Dort jagte Artemisia,
Mein Schwesterlein, die Stolze.

Ich wei es nicht, wie mir geschah:
Ich brauchte nur zu nippen
Vom Wasser der Kastalia,
Da tnten meine Lippen.

Ich sang - und wie von selbst beinah
Die Leier klang, berauschend;
Mir war, als ob ich Daphne sah,
Aus Lorbeerbschen lauschend.

Ich sang - und wie Ambrosia
Wohlrche sich ergossen,
Es war von einer Gloria
Die ganze Welt umflossen.

Wohl tausend Jahr aus Grcia
Bin ich verbannt, vertrieben
Doch ist mein Herz in Grcia,
In Grcia geblieben.

    III

In der Tracht der Beguinen,
In dem Mantel mit der Kappe
Von der grbsten schwarzen Sersche,
Ist vermummt die junge Nonne.

Hastig lngs des Rheines Ufern
Schreitet sie hinab die Landstra,
Die nach Holland fhrt, und hastig
Fragt sie jeden, der vorbeikommt:

Habt ihr nicht gesehn Apollo?
Einen roten Mantel trgt er,
Lieblich singt er, spielt die Leier,
Und er ist mein holder Abgott.

Keiner will ihr Rede stehen,
Mancher dreht ihr stumm den Rcken,
Mancher glotzt sie an und lchelt,
Mancher seufzet: Armes Kind!

Doch des Wegs herangetrottelt
Kommt ein schlottrig alter Mensch,
Fingert in der Luft, wie rechnend,
Nselnd singt er vor sich hin.

Einen schlappen Quersack trgt er,
Auch ein klein dreieckig Htchen;
Und mit schmunzelnd klugen uglein
Hrt er an den Spruch der Nonne:

Habt ihr nicht gesehn Apollo?
Einen roten Mantel trgt er,
Lieblich singt er, spielt die Leier,
Und er ist mein holder Abgott.

Jener aber gab zur Antwort,
Whrend er sein Kpfchen wiegte
Hin und her, und gar possierlich
Zupfte an dem spitzen Brtchen:

Ob ich ihn gesehen habe?
Ja, ich habe ihn gesehen
Oft genug zu Amsterdam,
In der deutschen Synagoge.

Denn er war Vorsnger dorten,
Und da hie er Rabbi Faibisch,
Was auf Hochdeutsch heit Apollo -
Doch mein Abgott ist er nicht.

Roter Mantel? Auch den roten
Mantel kenn ich. Echter Scharlach,
Kostet acht Florin die Elle,
Und ist noch nicht ganz bezahlt.

Seinen Vater Moses Jitscher
Kenn ich gut. Vorhautabschneider
Ist er bei den Portugiesen.
Er beschnitt auch Souverne.

Seine Mutter ist Cousine
Meines Schwagers, und sie handelt
Auf der Gracht mit sauern Gurken
Und mit abgelebten Hosen.

Haben kein Plsier am Sohne.
Dieser spielt sehr gut die Leier,
Aber leider noch viel besser
Spielt er oft Tarock und L'hombre.

Auch ein Freigeist ist er, a
Schweinefleisch, verlor sein Amt,
Und er zog herum im Lande
Mit geschminkten Komdianten.

In den Buden, auf den Mrkten,
Spielte er den Pickelhering,
Holofernes, Knig David,
Diesen mit dem besten Beifall.

Denn des Knigs eigne Lieder
Sang er in des Knigs eigner
Muttersprache, tremulierend
In des Nigens alter Weise.

Aus dem Amsterdamer Spielhuis
Zog er jngst etwelche Dirnen,
Und mit diesen Musen zieht er
Jetzt herum als ein Apollo.

Eine dicke ist darunter,
Die vorzglich quiekt und grnzelt;
Ob dem groen Lorbeerkopfputz
Nennt man sie die grne Sau.



    Kleines Volk

In einem Pipott kam er geschwommen,
Hochzeitlich geputzt, hinab den Rhein.
Und als er nach Rotterdam gekommen,
Da sprach er: Juffruken, willst du mich frein?

Ich fhre dich, geliebte Schne,
Nach meinem Schlo, ins Brautgemach;
Die Wnde sind eitel Hobelspne,
Aus Hckerling besteht das Dach.

Da ist es so puppenniedlich und nette,
Da lebst du wie eine Knigin!
Die Schale der Walnu ist unser Bette,
Von Spinnweb sind die Laken drin.

Ameiseneier, gebraten in Butter,
Essen wir tglich, auch Wrmchengems,
Und spter erb ich von meiner Frau Mutter
Drei Nonnenfrzchen, die schmecken so s.

Ich habe Speck, ich habe Schwarten,
Ich habe Fingerhte voll Wein,
Auch wchst eine Rbe in meinem Garten,
Du wirst wahrhaftig glcklich sein!

Das war ein Locken und ein Werben!
Wohl seufzte die Braut: ach Gott! ach Gott!
Sie war wehmtig, wie zum Sterben -
Doch endlich stieg sie hinab in den Pott.

    *

Sind Christenleute oder Muse
Die Helden des Lieds? Ich wei es nicht mehr.
Im Beverland hrt ich die schnurrige Weise,
Es sind nun dreiig Jahre her.



    Zwei Ritter

Craplinski und Waschlapski,
Polen aus der Polackei,
Fochten fr die Freiheit, gegen
Moskowiter-Tyrannei.

Fochten tapfer und entkamen
Endlich glcklich nach Paris -
Leben bleiben, wie das Sterben
Fr das Vaterland, ist s.

Wie Achilles und Patroklus,
David und sein Jonathan,
Liebten sich die beiden Polen,
Kten sich: Kochan! Kochan!

Keiner je verriet den Andern,
Blieben Freunde, ehrlich, treu,
Ob sie gleich zwei edle Polen,
Polen aus der Polackei.

Wohnten in derselben Stube,
Schliefen in demselben Bette;
Eine Laus und eine Seele,
Kratzten sie sich um die Wette.

Speisten in derselben Kneipe,
Und da keiner wollte leiden,
Da der Andre fr ihn zahle,
Zahlte keiner von den Beiden.

Auch dieselbe Henriette
Wscht fr beide edle Polen;
Trllernd kommt sie jeden Monat,
Um die Wsche abzuholen.

Ja, sie haben wirklich Wsche,
Jeder hat der Hemden zwei,
Ob sie gleich zwei edle Polen,
Polen aus der Polackei.

Sitzen heute am Kamine,
Wo die Flammen traulich flackern;
Drauen Nacht und Schneegestber
Und das Rollen von Fiakern.

Eine groe Bowle Punsch
(Es versteht sich, unverzckert,
Unversuert, unverwssert)
Haben sie bereits geschlckert.

Und von Wehmut wird beschlichen
Ihr Gemte; ihr Gesicht
Wird befeuchtet schon von Zhren,
Und der Craplinski spricht:

Htt ich doch hier in Paris
Meinen Brenpelz, den lieben
Schlafrock und die Katzfell-Nachtmtz,
Die im Vaterland geblieben!

Ihm erwiderte Waschlapski:
O du bist ein treuer Schlachzitz,
Denkest immer an der Heimat
Brenpelz und Katzfell-Nachtmtz.

Polen ist noch nicht verloren,
Unsre Weiber, sie gebren,
Unsre Jungfraun tun dasselbe,
Werden Helden uns bescheren,

Helden, wie der Held Sobieski,
Wie Schelmufski und Uminski,
Eskrokewitsch, Schubiakski,
Und der groe Eselinski.



    Das goldne Kalb

Doppelflten, Hrner, Geigen
Spielen auf zum Gtzenreigen,
Und es tanzen Jakobs Tchter
Um das goldne Kalb herum -
Brum - brum - brum -
Paukenschlge und Gelchter!

Hochgeschrzt bis zu den Lenden
Und sich fassend an den Hnden,
Jungfraun edelster Geschlechter
Kreisen wie ein Wirbelwind
Um das Rind -
Paukenschlge und Gelchter!

Aron selbst wird fortgezogen
Von des Tanzes Wahnsinnwogen,
Und er selbst, der Glaubenswchter,
Tanzt im Hohenpriesterrock,
Wie ein Bock -
Paukenschlge und Gelchter!



     Knig David

Lchelnd scheidet der Despot,
Denn er wei, nach seinem Tod
Wechselt Willkr nur die Hnde,
Und die Knechtschaft hat kein Ende.

Armes Volk! wie Pferd und Farrn
Bleibt es angeschirrt am Karrn,
Und der Nacken wird gebrochen,
Der sich nicht bequemt den Jochen.

Sterbend spricht zu Salomo
Knig David: Apropos,
Da ich Joab dir empfehle,
Einen meiner Generle.

Dieser tapfre General
Ist seit Jahren mir fatal,
Doch ich wagte den Verhaten
Niemals ernstlich anzutasten.

Du, mein Sohn, bist fromm und klug,
Gottesfrchtig, stark genug,
Und es wird dir leicht gelingen,
Jenen Joab umzubringen.



     Knig Richard

Wohl durch der Wlder eindige Pracht
Jagt ungestm ein Reiter;
Er blst ins Horn, er singt und lacht
Gar seelenvergngt und heiter.

Sein Harnisch ist von starkem Erz,
Noch strker ist sein Gemte,
Das ist Herr Richard Lwenherz,
Der christlichen Ritterschaft Blte.

Willkommen in England! rufen ihm zu
Die Bume mit grnen Zungen
Wir freuen uns, o Knig, da du
streichischer Haft entsprungen.

Dem Knig ist wohl in der freien Luft,
Er fhlt sich wie neugeboren,
Er denkt an streichs Festungsduft -
Und gibt seinem Pferde die Sporen.



    Der Asra

Tglich ging die wunderschne
Sultanstochter auf und nieder
Um die Abendzeit am Springbrunn,
Wo die weien Wasser pltschern.

Tglich stand der junge Sklave
Um die Abendzeit am Springbrunn,
Wo die weien Wasser pltschern;
Tglich ward er bleich und bleicher.

Eines Abends trat die Frstin
Auf ihn zu mit raschen Worten:
Deinen Namen will ich wissen,
Deine Heimat, deine Sippschaft!

Und der Sklave sprach: Ich heie
Mohamet, ich bin aus Yemmen,
Und mein Stamm sind jene Asra,
Welche sterben, wenn sie lieben.



    Himmelsbrute

Wer dem Kloster geht vorbei
Mitternchtlich, sieht die Fenster
Hell erleuchtet. Ihren Umgang
Halten dorten die Gespenster.

Eine dstre Prozession
Toter Ursulinerinnen;
Junge, hbsche Angesichter
Lauschen aus Kapuz und Linnen.

Tragen Kerzen in der Hand,
Die unheimlich blutrot schimmern;
Seltsam widerhallt im Kreuzgang
Ein Gewisper und ein Wimmern.

Nach der Kirche geht der Zug,
Und sie setzen dort sich nieder
Auf des Chores Buchsbaumsthle
Und beginnen ihre Lieder.

Litaneienfromme Weisen,
Aber wahnsinnswste Worte;
Arme Seelen sind es, welche
Pochen an des Himmels Pforte.

Brute Christi waren wir,
Doch die Weltlust uns betrte,
Und da gaben wir dem Csar,
Was dem lieben Gott gehrte.

Reizend ist die Uniform
Und des Schnurrbarts Glanz und Gltte;
Doch verlockend sind am meisten
Csars goldne Epaulette.

Ach, der Stirne, welche trug
Eine Dornenkrone weiland,
Gaben wir ein Hirschgeweihe
Wir betrogen unsern Heiland.

Jesus, der die Gte selbst,
Weinte sanft ob unsrer Fehle,
Und er sprach: Vermaledeit
Und verdammt sei eure Seele!

Grabentstiegner Spuk der Nacht,
Mssen bend wir nunmehre
Irre gehn in diesen Mauern
Miserere! Miserere!

Ach, im Grabe ist es gut,
Ob es gleich viel besser wre
In dem warmen Himmelreiche -
Miserere! Miserere!

Ser Jesus, o vergib
Endlich uns die Schuld, die schwere,
Schlie uns auf den warmen Himmel -
Miserere! Miserere!

Also singt die Nonnenschar,
Und ein lngst verstorbner Kster
Spielt die Orgel. Schattenhnde
Strmen toll durch die Register.



    Pfalzgrfin Jutta

Pfalzgrfin Jutta fuhr ber den Rhein,
Im leichten Kahn, bei Mondenschein.
Die Zofe rudert, die Grfin spricht:
Siehst du die sieben Leichen nicht,
Die hinter uns kommen
Einhergeschwommen -
So traurig schwimmen die Toten!

Das waren Ritter voll Jugendlust -
Sie sanken zrtlich an meine Brust
Und schwuren mir Treue - Zur Sicherheit,
Da sie nicht brchen ihren Eid,
Lie ich sie ergreifen
Sogleich und ersufen -
So traurig schwimmen die Toten!

Die Zofe rudert, die Grfin lacht.
Das hallt so hhnisch durch die Nacht!
Bis an die Hfte tauchen hervor
Die Leichen und strecken die Finger empor,
Wie schwrend - Sie nicken
Mit glsernen Blicken -
So traurig schwimmen die Toten!



    Der Mohrenknig

Ins Exil der Alpuxarren
Zog der junge Mohrenknig;
Schweigsam und das Herz voll Kummer
Ritt er an des Zuges Spitze.

Hinter ihm auf hohen Zeltern
Oder auch in gldnen Snften
Saen seines Hauses Frauen;
Schwarze Mgde trgt das Maultier.

Hundert treue Diener folgen
Auf arabisch edlen Rappen;
Stolze Gule, doch die Reiter
Hngen schlottrig in den Stteln.

Keine Zymbel, keine Pauke,
Kein Gesangeslaut ertnte;
Nur des Maultiers Silberglckchen
Wimmern schmerzlich in der Stille.

Auf der Hhe, wo der Blick
Ins Duero-Tal hinabschweift,
Und die Zinnen von Granada
Sichtbar sind zum letzten Male:

Dorten stieg vom Pferd der Knig
Und betrachtete die Stadt,
Die im Abendlichte glnzte,
Wie geschmckt mit Gold und Purpur.

Aber, Allah! Welch ein Anblick!
Statt des vielgeliebten Halbmonds,
Prangen Spaniens Kreuz und Fahnen
Auf den Trmen der Alhambra.

Ach, bei diesem Anblick brachen
Aus des Knigs Brust die Seufzer,
Trnen berstrmten pltzlich
Wie ein Sturzbach seine Wangen.

Dster von dem hohen Zelter
Schaut' herab des Knigs Mutter,
Schaut' auf ihres Sohnes Jammer,
Und sie schalt ihn stolz und bitter.

Boabdil el Chico, sprach sie,
Wie ein Weib beweinst du jetzo
Jene Stadt, die du nicht wutest
Zu verteidgen wie ein Mann.

Als des Knigs liebste Kebsin
Solche harte Rede hrte,
Strzte sie aus ihrer Snfte
Und umhalste den Gebieter.

Boabdil el Chico, sprach sie,
Trste dich, mein Heigeliebter,
Aus dem Abgrund deines Elends
Blht hervor ein schner Lorbeer.

Nicht allein der Triumphator,
Nicht allein der sieggekrnte
Gnstling jener blinden Gttin,
Auch der blutge Sohn des Unglcks,

Auch der heldenmtge Kmpfer,
Der dem ungeheuren Schicksal
Unterlag, wird ewig leben
In der Menschen Angedenken.

Berg des letzten Mohrenseufzers
Heit bis auf den heutgen Tag
Jene Hhe, wo der Knig
Sah zum letzten Mal Granada.

Lieblich hat die Zeit erfllet
Seiner Liebsten Prophezeiung,
Und des Mohrenknigs Name
Ward verherrlicht und gefeiert.

Nimmer wird sein Ruhm verhallen,
Ehe nicht die letzte Saite
Schnarrend losspringt von der letzten
Andalusischen Gitarre.



    Geoffroy Rudl und Melisande von Tripoli

In dem Schlosse Blay erblickt man
Die Tapete an den Wnden,
So die Grfin Tripolis
Einst gestickt mit klugen Hnden.

Ihre ganze Seele stickte
Sie hinein, und Liebestrne
Hat gefeit das seidne Bildwerk,
Welches darstellt jene Szene:

Wie die Grfin den Rudl
Sterbend sah am Strande liegen,
Und das Urbild ihrer Sehnsucht
Gleich erkannt' in seinen Zgen.

Auch Rudl hat hier zum ersten
Und zum letzten Mal erblicket
In der Wirklichkeit die Dame,
Die ihn oft im Traum entzcket.

ber ihn beugt sich die Grfin,
Hlt ihn liebevoll umschlungen,
Kt den todesbleichen Mund,
Der so schn ihr Lob gesungen!

Ach! der Ku des Willkomms wurde
Auch zugleich der Ku des Scheidens,
Und so leerten sie den Kelch
Hchster Lust und tiefsten Leidens.

In dem Schlosse Blay allnchtlich
Gibts ein Rauschen, Knistern, Beben,
Die Figuren der Tapete
Fangen pltzlich an zu leben.

Troubadour und Dame schtteln
Die verschlafnen Schattenglieder,
Treten aus der Wand und wandeln
Durch die Sle auf und nieder.

Trautes Flstern, sanftes Tndeln,
Wehmutse Heimlichkeiten,
Und posthume Galantrie
Aus des Minnesanges Zeiten:

Geoffroy! Mein totes Herz
Wird erwrmt von deiner Stimme,
In den lngst erloschnen Kohlen
Fhl ich wieder ein Geglimme!

Melisande! Glck und Blume!
Wenn ich dir ins Auge sehe,
Leb ich auf - gestorben ist
Nur mein Erdenleid und -Wehe.

Geoffroy! Wir liebten uns
Einst im Traume, und jetzunder
Lieben wir uns gar im Tode
Gott Amour tat dieses Wunder!

Melisande! Was ist Traum?
Was ist Tod? Nur eitel Tne.
In der Liebe nur ist Wahrheit,
Und dich lieb ich, ewig Schne.

Geoffroy! Wie traulich ist es
Hier im stillen Mondscheinsaale,
Mchte nicht mehr drauen wandeln
In des Tages Sonnenstrahle.

Melisande! teure Nrrin,
Du bist selber Licht und Sonne,
Wo du wandelst, blht der Frhling,
Sprossen Lieb und Maienwonne!

Also kosen, also wandeln
Jene zrtlichen Gespenster
Auf und ab, derweil das Mondlicht
Lauschet durch die Bogenfenster.

Doch den holden Spuk vertreibend,
Kommt am End die Morgenrte -
Jene huschen scheu zurck
In die Wand, in die Tapete.



    Der Dichter Firdusi

    I

Goldne Menschen, Silbermenschen!
Spricht ein Lump von einem Thoman,
Ist die Rede nur von Silber,
Ist gemeint ein Silberthoman.

Doch im Munde eines Frsten,
Eines Schaches, ist ein Thoman
Glden stets; ein Schach empfngt
Und er gibt nur goldne Thoman.

Also denken brave Leute,
Also dachte auch Firdusi,
Der Verfasser des berhmten
Und vergtterten Schach Nameh.

Dieses groe Heldenlied
Schrieb er auf Gehei des Schaches,
Der fr jeden seiner Verse
Einen Thoman ihm versprochen.

Siebzehnmal die Rose blhte,
Siebzehnmal ist sie verwelket,
Und die Nachtigall besang sie
Und verstummte siebzehnmal -

Unterdessen sa der Dichter
An dem Webstuhl des Gedankens,
Tag und Nacht, und webte emsig
Seines Liedes Riesenteppich -

Riesenteppich, wo der Dichter
Wunderbar hineingewebt
Seiner Heimat Fabelchronik,
Farsistans uralte Knge,

Lieblingshelden seines Volkes,
Rittertaten, Aventren,
Zauberwesen und Dmonen,
Keck umrankt von Mrchenblumen -

Alles blhend und lebendig,
Farbenglnzend, glhend, brennend,
Und wie himmlisch angestrahlt
Von dem heilgen Lichte Irans,

Von dem gttlich reinen Urlicht,
Dessen letzter Feuertempel,
Trotz dem Koran und dem Mufti,
In des Dichters Herzen flammte.

Als vollendet war das Lied,
berschickte seinem Gnner
Der Poet das Manuskript,
Zweimalhunderttausend Verse.

In der Badestube war es,
In der Badestub zu Gasna,
Wo des Schaches schwarze Boten
Den Firdusi angetroffen -

Jeder schleppte einen Geldsack,
Den er zu des Dichters Fen
Knieend legte, als den hohen
Ehrensold fr seine Dichtung.

Der Poet ri auf die Scke
Hastig, um am lang entbehrten
Goldesanblick sich zu laben -
Da gewahrt er mit Bestrzung,

Da der Inhalt dieser Scke
Bleiches Silber, Silberthomans,
Zweimalhunderttausend etwa -
Und der Dichter lachte bitter.

Bitter lachend hat er jene
Summe abgeteilt in drei
Gleiche Teile, und jedwedem
Von den beiden schwarzen Boten

Schenkte er als Botenlohn
Solch ein Drittel, und das dritte
Gab er einem Badeknechte,
Der sein Bad besorgt, als Trinkgeld.

Seinen Wanderstab ergriff er
Jetzo und verlie die Hauptstadt;
Vor dem Tor hat er den Staub
Abgefegt von seinen Schuhen.

    II

Htt er menschlich ordinr
Nicht gehalten, was versprochen,
Htt er nur sein Wort gebrochen,
Zrnen wollt ich nimmermehr.

Aber unverzeihlich ist,
Da er mich getuscht so schnde
Durch den Doppelsinn der Rede
Und des Schweigens grte List.

Stattlich war er, wrdevoll
Von Gestalt und von Gebrden,
Wen'ge glichen ihm auf Erden,
War ein Knig jeder Zoll.

Wie die Sonn am Himmelsbogen,
Feuerblicks, sah er mich an,
Er, der Wahrheit stolzer Mann -
Und er hat mich doch belogen.

    III

Schach Mahomet hat gut gespeist,
Und gut gelaunet ist sein Geist.

Im dmmernden Garten, auf purpurnem Pfhl,
Am Springbrunnen sitzt er. Das pltschert so khl!

Die Diener stehen mit Ehrfurchtsmienen;
Sein Liebling Ansari ist unter ihnen.

Aus Marmorvasen quillt hervor
Ein ppig brennender Blumenflor.

Gleich Odalisken anmutiglich
Die schlanken Palmen fchern sich.

Es stehen regungslos die Zypressen,
Wie himmeltrumend, wie weltvergessen.

Doch pltzlich erklingt bei Lautenklang
Ein sanft geheimnisvoller Gesang.

Der Schach fhrt auf, als wie behext -
Von wem ist dieses Liedes Text?

Ansari, an welchen die Frage gerichtet,
Gab Antwort: Das hat Firdusi gedichtet.

Firdusi? - rief der Frst betreten -
Wo ist er? Wie geht es dem groen Poeten?

Ansari gab Antwort: In Drftigkeit
Und Elend lebt er seit langer Zeit

Zu Thus, des Dichters Vaterstadt,
Wo er ein kleines Grtchen hat.

Schach Mahomet schwieg, eine gute Weile,
Dann sprach er: Ansari, mein Auftrag hat Eile -

Geh nach meinen Stllen und erwhle
Dort hundert Maultiere und funfzig Kamele.

Die sollst du belasten mit allen Schtzen,
Die eines Menschen Herz ergtzen,

Mit Herrlichkeiten und Raritten,
Kostbaren Kleidern und Hausgerten

Von Sandelholz, von Elfenbein,
Mit gldnen und silbernen Schnurrpfeiferein,

Kannen und Kelchen, zierlich gehenkelt,
Lepardenfellen, gro gesprenkelt,

Mit Teppichen, Schals und reichen Brokaten,
Die fabriziert in meinen Staaten -

Vergi nicht, auch hinzuzupacken
Glnzende Waffen und Schabracken,

Nicht minder Getrnke jeder Art
Und Speisen, die man in Tpfen bewahrt,

Auch Konfitren und Mandeltorten,
Und Pfefferkuchen von allen Sorten.

Fge hinzu ein Dutzend Gule,
Arabischer Zucht, geschwind wie Pfeile,

Und schwarze Sklaven, gleichfalls ein Dutzend,
Leiber von Erz, strapazentrutzend.

Ansari, mit diesen schnen Sachen
Sollst du dich gleich auf die Reise machen.

Du sollst sie bringen nebst meinem Gru
Dem groen Dichter Firdusi zu Thus.

Ansari erfllte des Herrschers Befehle,
Belud die Muler und Kamele

Mit Ehrengeschenken, die wohl den Zins
Gekostet von einer ganzen Provinz.

Nach dreien Tagen verlie er schon
Die Residenz, und in eigner Person,

Mit einer roten Fhrerfahne,
Ritt er voran der Karawane.

Am achten Tage erreichten sie Thus;
Die Stadt liegt an des Berges Fu.

Wohl durch das Westtor zog herein
Die Karawane mit Lrmen und Schrein.

Die Trommel scholl, das Kuhhorn klang,
Und laut aufjubelt Triumphgesang.

La Illa Il Allah! aus voller Kehle
Jauchzten die Treiber der Kamele.

Doch durch das Osttor, am andern End
Von Thus, zog in demselben Moment

Zur Stadt hinaus der Leichenzug,
Der den toten Firdusi zu Grabe trug.



    Nchtliche Fahrt

Es wogte das Meer, aus dem dunklen Gewlk
Der Halbmond lugte scheu;
Und als wir stiegen in den Kahn,
Wir waren unsrer drei.

Es pltschert' im Wasser des Ruderschlags
Verdrossenes Einerlei;
Weischumende Wellen rauschten heran,
Bespritzten uns alle drei.

Sie stand im Kahn so bla, so schlank,
Und unbeweglich dabei,
Als wr sie ein welsches Marmorbild,
Dianens Konterfei.

Der Mond verbirgt sich ganz. Es pfeift
Der Nachtwind kalt vorbei;
Hoch ber unsern Huptern ertnt
Pltzlich ein gellender Schrei.

Die weie, gespenstische Mwe wars,
Und ob dem bsen Schrei,
Der schauerlich klang wie Warnungsruf,
Erschraken wir alle drei.

Bin ich im Fieber? Ist das ein Spuk
Der nchtlichen Phantasei?
fft mich ein Traum? Es trumet mir
Grausame Narretei.

Grausame Narretei! Mir trumt,
Da ich ein Heiland sei,
Und da ich trge das groe Kreuz
Geduldig und getreu.

Die arme Schnheit ist schwer bedrngt,
Ich aber mache sie frei
Von Schmach und Snde, von Qual und Not,
Von der Welt Unflterei.

Du arme Schnheit, schaudre nicht
Wohl ob der bittern Arznei;
Ich selber kredenze dir den Tod,
Bricht auch mein Herz entzwei.

O Narretei, grausamer Traum,
Wahnsinn und Raserei!
Es ghnt die Nacht, es kreischt das Meer,
O Gott! o steh mir bei!

O steh mir bei, barmherziger Gott!
Barmherziger Gott Schaddey!
Da schollerts hinab ins Meer - O Weh -
Schaddey! Schaddey! Adonay! -

Die Sonne ging auf, wir fuhren ans Land,
Da blhte und glhte der Mai!
Und als wir stiegen aus dem Kahn,
Da waren wir unsrer _zwei_.



    Vitzliputzli

    Prludium

Dieses ist Amerika!
Dieses ist die neue Welt!
Nicht die heutige, die schon
Europisieret abwelkt. -

Dieses ist die neue Welt!
Wie sie Christoval Kolumbus
Aus dem Ozean hervorzog.
Glnzet noch in Flutenfrische,

Trufelt noch von Wasserperlen,
Die zerstieben, farbensprhend,
Wenn sie kt das Licht der Sonne.
Wie gesund ist diese Welt!

Ist kein Kirchhof der Romantik,
Ist kein alter Scherbenberg
Von verschimmelten Symbolen
Und versteinerten Perucken.

Aus gesundem Boden sprossen
Auch gesunde Bume - keiner
Ist blasiert und keiner hat
In dem Rckgratmark die Schwindsucht.

Auf den Baumessten schaukeln
Groe Vgel. Ihr Gefieder
Farbenschillernd. Mit den ernsthaft
Langen Schnbeln und mit Augen,

Brillenartig schwarz umrndert,
Schaun sie auf dich nieder, schweigsam -
Bis sie pltzlich schrillend aufschrein
Und wie Kaffeeschwestern schnattern.

Doch ich wei nicht, was sie sagen,
Ob ich gleich der Vgel Sprachen
Kundig bin wie Salomo,
Welcher tausend Weiber hatte

Und die Vgelsprachen kannte,
Die modernen nicht allein,
Sondern auch die toten, alten,
Ausgestopften Dialekte.

Neuer Boden, neue Blumen!
Neue Blumen, neue Dfte!
Unerhrte, wilde Dfte,
Die mir in die Nase dringen,

Neckend, prickelnd, leidenschaftlich -
Und mein grbelnder Geruchsinn
Qult sich ab: Wo hab ich denn
Je dergleichen schon gerochen?

Wars vielleicht auf Regentstreet,
In den sonnig gelben Armen
Jener schlanken Javanesin,
Die bestndig Blumen kaute?

Oder wars zu Rotterdam,
Neben des Erasmi Bildsul,
In der weien Waffelbude
Mit geheimnisvollem Vorhang?

Whrend ich die neue Welt
Solcher Art verdutzt betrachte,
Schein ich selbst ihr einzuflen
Noch viel grre Scheu - Ein Affe,

Der erschreckt ins Buschwerk forthuscht,
Schlgt ein Kreuz bei meinem Anblick,
Angstvoll rufend: Ein Gespenst!
Ein Gespenst der alten Welt!

Affe! frcht dich nicht, ich bin
Kein Gespenst, ich bin kein Spuk;
Leben kocht in meinen Adern,
Bin des Lebens treuster Sohn.

Doch durch jahrelangen Umgang
Mit den Toten, nahm ich an
Der Verstorbenen Manieren
Und geheime Seltsamkeiten.

Meine schnsten Lebensjahre,
Die verbracht ich im Kyffhuser,
Auch im Venusberg und andern
Katakomben der Romantik.

Frcht dich nicht vor mir, mein Affe!
Bin dir hold, denn auf dem haarlos
Ledern abgeschabten Hintern
Trgst du Farben, die ich liebe.

Teure Farben! Schwarz-rot-goldgelb!
Diese Affensteicouleuren
Sie erinnern mich mit Wehmut
An das Banner Barbarossas.

    I

Auf dem Haupt trug er den Lorbeer,
Und an seinen Stiefeln glnzten
Goldne Sporen - dennoch war er
Nicht ein Held und auch kein Ritter.

Nur ein Ruberhauptmann war er,
Der ins Buch des Ruhmes einschrieb,
Mit der eignen frechen Faust,
Seinen frechen Namen: Cortez.

Unter des Kolumbus Namen
Schrieb er ihn, ja dicht darunter,
Und der Schulbub auf der Schulbank
Lernt auswendig beide Namen -

Nach dem Christoval Kolumbus,
Nennt er jetzt Fernando Cortez
Als den zweiten groen Mann
In dem Pantheon der Neuwelt.

Heldenschicksals letzte Tcke:
Unser Name wird verkoppelt
Mit dem Namen eines Schchers
In der Menschen Angedenken.

Wrs nicht besser, ganz verhallen
Unbekannt, als mit sich schleppen
Durch die langen Ewigkeiten
Solche Namenskameradschaft?

Messer Christoval Kolumbus
War ein Held, und sein Gemte,
Das so lauter wie die Sonne,
War freigebig auch wie diese.

Mancher hat schon viel gegeben,
Aber jener hat der Welt
Eine ganze Welt geschenket,
Und sie heit Amerika.

Nicht befreien konnt er uns
Aus dem den Erdenkerker,
Doch er wut ihn zu erweitern
Und die Kette zu verlngern.

Dankbar huldigt ihm die Menschheit,
Die nicht blo europamde,
Sondern Afrikas und Asiens
Endlich gleichfalls mde worden - -

Einer nur, ein einzger Held,
Gab uns mehr und gab uns Beres
Als Kolumbus, das ist jener,
Der uns einen Gott gegeben.

Sein Herr Vater, der hie Amram,
Seine Mutter hie Jochebeth,
Und er selber, Moses heit er,
Und er ist mein bester Heros.

Doch, mein Pegasus, du weilest
Viel zu lang bei dem Kolumbus -
Wisse, unser heutger Flugritt
Gilt dem gringern Mann, dem Cortez.

Breite aus den bunten Fittig,
Flgelro! und trage mich
Nach der Neuwelt schnem Lande,
Welches Mexiko geheien.

Trage mich nach jener Burg,
Die der Knig Montezuma
Gastlich seinen spanschen Gsten
Angewiesen zur Behausung.

Doch nicht Obdach blo und Atzung,
In verschwenderischer Flle,
Gab der Frst den fremden Strolchen -
Auch Geschenke reich und prchtig,

Kostbarkeiten kluggedrechselt,
Von massivem Gold, Juwelen,
Zeugten glnzend von der Huld
Und der Gromut des Monarchen.

Dieser unzivilisierte,
Aberglubisch blinde Heide
Glaubte noch an Treu und Ehre
Und an Heiligkeit des Gastrechts.

Er willfahrte dem Gesuche,
Beizuwohnen einem Feste,
Das in ihrer Burg die Spanier
Ihm zu Ehren geben wollten -

Und mit seinem Hofgesinde,
Arglos, huldreich, kam der Knig
In das spanische Quartier,
Wo Fanfaren ihn begrten.

Wie das Festspiel war betitelt,
Wei ich nicht. Es hie vielleicht:
Spansche Treue! doch der Autor
Nannt sich Don Fernando Cortez.

Dieser gab das Stichwort - pltzlich
Ward der Knig berfallen,
Und man band ihn und behielt ihn
In der Burg als eine Geisel.

Aber Montezuma starb,
Und da war der Damm gebrochen,
Der die kecken Abenteurer
Schtzte vor dem Zorn des Volkes.

Schrecklich jetzt begann die Brandung -
Wie ein wild emprtes Meer
Tosten, rasten immer nher
Die erzrnten Menschenwellen.

Tapfer schlugen zwar die Spanier
Jeden Sturm zurck. Doch tglich
Ward berennt die Burg aufs neue,
Und ermdend war das Kampfspiel.

Nach dem Tod des Knigs stockte
Auch der Lebensmittel Zufuhr;
Krzer wurden die Rationen,
Die Gesichter wurden lnger.

Und mit langen Angesichtern
Sahn sich an Hispaniens Shne,
Und sie seufzten und sie dachten
An die traute Christenheimat,

An das teure Vaterland,
Wo die frommen Glocken luten
Und am Herde friedlich brodelt
Eine Ollea-Potrida,

Dick verschmoret mit Garbanzos,
Unter welchen, schalkhaft duftend,
Auch wohl kichernd, sich verbergen
Die geliebten Knoblauchwrstchen.

Einen Kriegsrat hielt der Feldherr,
Und der Rckzug ward beschlossen;
In der nchsten Tagesfrhe
Soll das Heer die Stadt verlassen.

Leicht gelangs hineinzukommen
Einst durch List dem klugen Cortez,
Doch die Rckkehr nach dem Festland
Bot fatale Schwierigkeiten.

Mexiko, die Inselstadt,
Liegt in einem groen See,
Inder Mitte, flutumrauscht:
Eine stolze Wasserfestung,

Mit dem Uferland verkehrend
Nur durch Schiffe, Fle, Brcken,
Die auf Riesenpfhlen ruhen;
Kleine Inseln bilden Furten.

Noch bevor die Sonne aufging,
Setzten sich in Marsch die Spanier;
Keine Trommel ward gerhret,
Kein Trompeter blies Reveille.

Wollten ihre Wirte nicht
Aus dem sen Schlafe wecken -
(Hunderttausend Indianer
Lagerten in Mexiko).

Doch der Spanier machte diesmal
Ohne seinen Wirt die Rechnung;
Noch frhzeitger aufgestanden
Waren heut die Mexikaner.

Auf den Brcken, auf den Flen,
Auf den Furten harrten sie,
Um den Abschiedstrunk alldorten
Ihren Gsten zu kredenzen.

Auf den Brcken, Flen, Furten,
Hei! da gabs ein toll Gelage!
Rot in Strmen flo das Blut,
Und die kecken Zecher rangen -

Rangen Leib an Leib gepret,
Und wir sehn auf mancher nackten
Indianerbrust den Abdruck
Spanscher Rstungsarabesken.

Ein Erdrosseln wars, ein Wrgen,
Ein Gemetzel, das sich langsam,
Schaurig langsam, weiter wlzte,
ber Brcken, Fle, Furten.

Die Indianer sangen, brllten,
Doch die Spanier fochten schweigend;
Muten Schritt fr Schritt erobern
Einen Boden fr die Flucht.

In gedrngten Engpakmpfen
Boten gringen Vorteil heute
Alteuropas strenge Kriegskunst,
Feuerschlnde, Harnisch, Pferde.

Viele Spanier waren gleichfalls
Schwer bepackt mit jenem Golde,
Das sie jngst erpret, erbeutet -
Ach, die gelbe Sndenlast

Lhmte, hemmte sie im Kampfe,
Und das teuflische Metall
Ward nicht blo der armen Seele,
Sondern auch dem Leib verderblich.

Mittlerweile ward der See
Ganz bedeckt von Khnen, Barken;
Schtzen saen drin und schossen
Nach den Brcken, Flen, Furten.

Trafen freilich im Getmmel
Viele ihrer eignen Brder,
Doch sie trafen auch gar manchen
Hochvortrefflichen Hidalgo.

Auf der dritten Brcke fiel
Junker Gaston, der an jenem
Tag die Fahne trug, worauf
Konterfeit die heilge Jungfrau.

Dieses Bildnis selber trafen
Die Geschosse der Indianer;
Sechs Geschosse blieben stecken
Just im Herzen - blanke Pfeile,

hnlich jenen gldnen Schwertern,
Die der Mater dolorosa
Schmerzenreiche Brust durchbohren
Bei Karfreitagsprozessionen.

Sterbend bergab Don Gaston
Seine Fahne dem Gonzalvo,
Der zu Tod getroffen gleichfalls
Bald dahinsank. - Jetzt ergriff

Cortez selbst das teure Banner,
Er, der Feldherr, und er trug es
Hoch zu Ro bis gegen Abend,
Wo die Schlacht ein Ende nahm.

Hundertsechzig Spanier fanden
Ihren Tod an jenem Tage;
ber achtzig fielen lebend
In die Hnde der Indianer.

Schwer verwundet wurden viele,
Die erst spter unterlagen.
Schier ein Dutzend Pferde wurde
Teils gettet, teils erbeutet.

Gegen Abend erst erreichten
Cortez und sein Heer das sichre
Uferland, ein Seegestade,
Karg bepflanzt mit Trauerweiden.

    II

Nach des Kampfes Schreckenstag
Kommt die Spuknacht des Triumphes;
Hunderttausend Freudenlampen
Lodern auf in Mexiko.

Hunderttausend Freudenlampen,
Waldharzfackeln, Pechkranzfeuer
Werfen grell ihr Tageslicht
Auf Palste, Gtterhallen,

Gildenhuser und zumal
Auf den Tempel Vitzliputzlis,
Gtzenburg von rotem Backstein,
Seltsam mahnend an gyptisch,

Babylonisch und assyrisch
Kolossalen Bauwerk-Monstren,
Die wir schauen auf den Bildern
Unsers Britten Henri Martin.

Ja, das sind dieselben breiten
Rampentreppen, also breit,
Da dort auf und nieder wallen
Viele tausend Mexikaner,

Whrend auf den Stufen lagern
Rottenweis die wilden Krieger,
Welche lustig bankettieren,
Hochberauscht von Sieg und Palmwein.

Diese Rampentreppen leiten,
Wie ein Zickzack, nach der Plattform,
Einem balustradenartgen
Ungeheuern Tempeldach.

Dort auf seinem Thronaltar
Sitzt der groe Vitzliputzli,
Mexikos blutdrstger Kriegsgott.
Ist ein bses Ungestm,

Doch sein ures ist so putzig,
So verschnrkelt und so kindisch,
Da er trotz des innern Grausens
Dennoch unsre Lachlust kitzelt -

Und bei seinem Anblick denken
Wir zu gleicher Zeit etwa
An den blassen Tod von Basel
Und an Brssels Mannke-Pi.

An des Gottes Seite stehen
Rechts die Laien, links die Pfaffen;
Im Ornat von bunten Federn
Spreizt sich heut die Klerisei.

Auf des Altars Marmorstufen
Hockt ein hundertjhrig Mnnlein,
Ohne Haar an Kinn und Schdel;
Trgt ein scharlach Kamislchen.

Dieses ist der Opferpriester,
Und er wetzet seine Messer,
Wetzt sie lchelnd, und er schielet
Manchmal nach dem Gott hinauf.

Vitzliputzli scheint den Blick
Seines Dieners zu verstehen,
Zwinkert mit den Augenwimpern
Und bewegt sogar die Lippen.

Auf des Altars Stufen kauern
Auch die Tempelmusici,
Paukenschlger, Kuhhornblser -
Ein Gerassel und Getute -

Ein Gerassel und Getute,
Und es stimmet ein des Chores
Mexikanisches Tedeum -
Ein Miaulen wie von Katzen -

Ein Miaulen wie von Katzen,
Doch von jener groen Sorte,
Welche Tigerkatzen heien
Und statt Muse Menschen fressen!

Wenn der Nachtwind diese Tne
Hinwirft nach dem Seegestade,
Wird den Spaniern, die dort lagern,
Katzenjmmerlich zu Mute.

Traurig unter Trauerweiden,
Stehen diese dort noch immer
Und sie starren nach der Stadt,
Die im dunkeln Seegewsser

Widerspiegelt, schier verhhnend,
Alle Flammen ihrer Freude -
Stehen dort wie im Parterre
Eines groen Schauspielhauses,

Und des Vitzliputzli-Tempels
Helle Plattform ist die Bhne,
Wo zur Siegesfeier jetzt
Ein Mysterium tragiert wird.

Menschenopfer heit das Stck.
Uralt ist der Stoff, die Fabel;
In der christlichen Behandlung
Ist das Schauspiel nicht so grlich.

Denn dem Blute wurde Rotwein,
Und dem Leichnam, welcher vorkam,
Wurde eine harmlos dnne
Mehlbreispeis transsubstituieret -

Diesmal aber, bei den Wilden,
War der Spa sehr roh und ernsthaft
Aufgefat: man speiste Fleisch,
Und das Blut war Menschenblut.

Diesmal war es gar das Vollblut
Von Altchristen, das sich nie,
Nie vermischt hat mit dem Blute
Der Moresken und der Juden.

Freu dich, Vitzliputzli, freu dich,
Heute gibt es Spanierblut,
Und am warmen Dufte wirst du
Gierig laben deine Nase.

Heute werden dir geschlachtet
Achtzig Spanier, stolze Braten
Fr die Tafel deiner Priester,
Die sich an dem Fleisch erquicken.

Denn der Priester ist ein Mensch,
Und der Mensch, der arme Fresser,
Kann nicht blo vom Riechen leben
Und vom Dufte, wie die Gtter.

Horch! die Todespauke drhnt schon,
Und es kreischt das bse Kuhhorn!
Sie verknden, da heraufsteigt
Jetzt der Zug der Sterbemnner.

Achtzig Spanier, schmhlich nackend,
Ihre Hnde auf dem Rcken
Festgebunden, schleppt und schleift man
Hoch hinauf die Tempeltreppe.

Vor dem Vitzliputzli-Bilde
Zwingt man sie das Knie zu beugen
Und zu tanzen Possentnze,
Und man zwingt sie durch Torturen,

Die so grausam und entsetzlich,
Da der Angstschrei der Gequlten
berheulet das gesamte
Kannibalen-Charivari. -

Armes Publikum am See!
Cortez und die Kriegsgefhrten
Sie vernahmen und erkannten
Ihrer Freunde Angstrufstimmen -

Auf der Bhne, grellbeleuchtet,
Sahen sie auch ganz genau
Die Gestalten und die Mienen -
Sahn das Messer, sahn das Blut -

Und sie nahmen ab die Helme
Von den Huptern, knieten nieder,
Stimmten an den Psalm der Toten,
Und sie sangen: De profundis!

Unter jenen, welche starben,
War auch Raimond de Mendoza,
Sohn der schnen Abbatissin,
Cortez' erste Jugendliebe.

Als er auf der Brust des Jnglings
Jenes Medaillon gewahrte,
Das der Mutter Bildnis einschlo,
Weinte Cortez helle Trnen -

Doch er wischt' sie ab vom Auge
Mit dem harten Bffelhandschuh,
Seufzte tief und sang im Chore
Mit den Andern: miserere!

    III

Blasser schimmern schon die Sterne,
Und die Morgennebel steigen
Aus der Seeflut, wie Gespenster,
Mit hinschleppend weien Laken.

Fest und Lichter sind erloschen
Auf dem Dach des Gtzentempels,
Wo am blutgetrnkten Estrich
Schnarchend liegen Pfaff und Laie.

Nur die rote Jacke wacht.
Bei dem Schein der letzten Lampe,
Slich grinsend, grimmig schkernd,
Spricht der Priester zu dem Gotte:

Vitzliputzli, Putzlivitzli,
Liebstes Gttchen Vitzliputzli!
Hast dich heute amsieret,
Hast gerochen Wohlgerche!

Heute gab es Spanierblut -
O, das dampfte so apptitlich,
Und dein feines Leckernschen
Sog den Duft ein, wollustglnzend.

Morgen opfern wir die Pferde,
Wiehernd edle Ungetme,
Die des Windes Geister zeugten,
Buhlschaft treibend mit der Seekuh.

Willst du artig sein, so schlacht ich
Dir auch meine beiden Enkel,
Hbsche Bbchen, ses Blut,
Meines Alters einzge Freude.

Aber artig mut du sein,
Mut uns neue Siege schenken -
La uns siegen, liebes Gttchen,
Putzlivitzli, Vitzliputzli!

O verderbe unsre Feinde,
Diese Fremden, die aus fernen
Und noch unentdeckten Lndern
Zu uns kamen bers Weltmeer -

Warum lieen sie die Heimat?
Trieb sie Hunger oder Blutschuld?
Bleib im Land und nhr dich redlich,
Ist ein sinnig altes Sprchwort.

Was ist ihr Begehr? Sie stecken
Unser Gold in ihre Taschen,
Und sie wollen, da wir droben
Einst im Himmel glcklich werden!

Anfangs glaubten wir, sie wren
Wesen von der hchsten Gattung,
Sonnenshne, die unsterblich
Und bewehrt mit Blitz und Donner.

Aber Menschen sind sie, ttbar
Wie wir Andre, und mein Messer
Hat erprobet heute Nacht
Ihre Menschensterblichkeit.

Menschen sind sie und nicht schner
Als wir Andre, manche drunter
Sind so hlich wie die Affen;
Wie bei diesen sind behaart

Die Gesichter, und es heit,
Manche trgen in den Hosen
Auch verborgne Affenschwnze -
Wer kein Aff, braucht keine Hosen.

Auch moralisch hlich sind sie,
Wissen nichts von Piett,
Und es heit, da sie sogar
Ihre eignen Gtter fren!

O vertilge diese ruchlos
Bse Brut, die Gtterfresser -
Vitzliputzli, Putzlivitzli,
La uns siegen, Vitzliputzli! -

Also sprach zum Gott der Priester,
Und des Gottes Antwort tnt
Seufzend, rchelnd, wie der Nachtwind,
Welcher koset mit dem Seeschilf:

Rotjack, Rotjack, blutger Schlchter,
Hast geschlachtet viele Tausend,
Bohre jetzt das Opfermesser
In den eignen alten Leib.

Aus dem aufgeschlitzten Leib
Schlpft alsdann hervor die Seele;
ber Kiesel, ber Wurzel
Trippelt sie zum Laubfroschteiche.

Dorten hocket meine Muhme
Rattenknigin - sie wird sagen:
Guten Morgen, nackte Seele,
Wie ergeht es meinem Neffen?

Vitzliputzlelt er vergngt
In dem honigsen Goldlicht?
Wedelt ihm das Glck die Fliegen
Und die Sorgen von der Stirne?

Oder kratzt ihn Katzlagara,
Die verhate Unheilsgttin
Mit den schwarzen Eisenpfoten,
Die in Otterngift getrnket?

Nackte Seele, gib zur Antwort:
Vitzliputzli lt dich gren,
Und er wnscht dir Pestilenz
In den Bauch, Vermaledeite!

Denn du rietest ihm zum Kriege,
Und dein Rat, es war ein Abgrund -
In Erfllung geht die bse,
Uralt bse Prophezeiung

Von des Reiches Untergang
Durch die furchtbar brtgen Mnner,
Die auf hlzernem Gevgel
Hergeflogen aus dem Osten.

Auch ein altes Sprchwort gibt es:
Weiberwille, Gotteswille -
Doppelt ist der Gotteswille,
Wenn das Weib die Mutter Gottes.

Diese ist es, die mir zrnet,
Sie, die stolze Himmelsfrstin,
Eine Jungfrau sonder Makel,
Zauberkundig, wunderttig.

Sie beschtzt das Spaniervolk,
Und wir mssen untergehen,
Ich, der rmste aller Gtter,
Und mein armes Mexiko.

Nach vollbrachtem Auftrag, Rotjack,
Krieche deine nackte Seele
In ein Sandloch - Schlafe wohl!
Da du nicht mein Unglck schauest!

Dieser Tempel strzt zusammen,
Und ich selber, ich versinke
In dem Qualm - nur Rauch und Trmmer -
Keiner wird mich wiedersehen.

Doch ich sterbe nicht; wir Gtter
Werden alt wie Papageien,
Und wir mausern nur und wechseln
Auch wie diese das Gefieder.

Nach der Heimat meiner Feinde,
Die Europa ist geheien,
Will ich flchten, dort beginn ich
Eine neue Karriere.

Ich verteufle mich, der Gott
Wird jetzund ein Gottseibeiuns;
Als der Feinde bser Feind,
Kann ich dorten wirken, schaffen.

Qulen will ich dort die Feinde,
Mit Phantomen sie erschrecken -
Vorgeschmack der Hlle, Schwefel
Sollen sie bestndig riechen.

Ihre Weisen, ihre Narren
Will ich kdern und verlocken;
Ihre Tugend will ich kitzeln,
Bis sie lacht wie eine Metze.

Ja, ein Teufel will ich werden,
Und als Kameraden gr ich
Satanas und Belial,
Astaroth und Belzebub.

Dich zumal begr ich, Lilis,
Sndenmutter, glatte Schlange!
Lehr mich deine Grausamkeiten
Und die schne Kunst der Lge!

Mein geliebtes Mexiko,
Nimmermehr kann ich es retten,
Aber rchen will ich furchtbar
Mein geliebtes Mexiko.




    Zweites Buch
    Lamentationen



        Das Glck ist eine leichte Dirne,
        Und weilt nicht gern am selben Ort;
        Sie streicht das Haar dir von der Stirne
        Und kt dich rasch und flattert fort.

        Frau Unglck hat im Gegenteile
        Dich liebefest ans Herz gedrckt;
        Sie sagt, sie habe keine Eile,
        Setzt sich zu dir ans Bett und strickt.



    Waldeinsamkeit

Ich hab in meinen Jugendtagen
Wohl auf dem Haupt einen Kranz getragen;
Die Blumen glnzten wunderbar,
Ein Zauber in dem Kranze war.

Der schne Kranz gefiel wohl Allen,
Doch der ihn trug hat Manchem mifallen;
Ich floh den gelben Menschenneid,
Ich floh in die grne Waldeinsamkeit.

Im Wald, im Wald! da konnt ich fhren
Ein freies Leben mit Geistern und Tieren;
Feen und Hochwild von stolzem Geweih,
Sie nahten sich mir ganz ohne Scheu.

Sie nahten sich mir ganz ohne Zagnis,
Sie wuten, das sei kein schreckliches Wagnis;
Da ich kein Jger, wute das Reh,
Da ich kein Vernunftmensch, wute die Fee.

Von Feenbegnstigung plaudern nur Toren -
Doch wie die brigen Honoratioren
Des Waldes mir huldreich gewesen, frwahr
Ich darf es bekennen offenbar.

Wie haben mich lieblich die Elfen umflattert!
Ein luftiges Vlkchen! das plaudert und schnattert!
Ein bichen stechend ist der Blick,
Verheiend ein ses, doch tdliches Glck.

Ergtzten mich mit Maitanz und Maispiel,
Erzhlten mir Hofgeschichten, zum Beispiel:
Die skandalose Chronika
Der Knigin Titania.

Sa ich am Bache, so tauchten und sprangen
Hervor aus der Flut, mit ihrem langen
Silberschleier und flatterndem Haar,
Die Wasserbacchanten, die Nixenschar.

Sie schlugen die Zither, sie spielten auf Geigen,
Das war der famose Nixenreigen;
Die Posituren, die Melodei,
War klingende, springende Raserei.

Jedoch zu Zeiten waren sie minder
Tobschtig gelaunt, die schnen Kinder;
Zu meinen Fen lagerten sie,
Das Kpfchen gesttzt auf meinem Knie.

Trllerten, trillerten welsche Romanzen,
Zum Beispiel das Lied von den drei Pomeranzen,
Sangen auch wohl ein Lobgedicht
Auf mich und mein nobeles Menschengesicht.

Sie unterbrachen manchmal das Gesinge
Lautlachend, und frugen bedenkliche Dinge,
Zum Beispiel: Sag uns, zu welchem Behuf
Der liebe Gott den Menschen schuf?

Hat eine unsterbliche Seele ein Jeder
Von euch? Ist diese Seele von Leder
Oder von steifer Leinwand? Warum
Sind eure Leute meistens so dumm?

Was ich zur Antwort gab, verhehle
Ich hier, doch meine unsterbliche Seele,
Glaubt mirs, ward nie davon verletzt,
Was eine kleine Nixe geschwtzt.

Anmutig und schalkhaft sind Nixen und Elfen;
Nicht so die Erdgeister, sie dienen und helfen
Treuherzig den Menschen. Ich liebte zumeist
Die, welche man Wichtelmnnchen heit.

Sie tragen Rotmntelchen, lang und bauschig,
Die Miene ist ehrlich, doch bang und lauschig;
Ich lie nicht merken, da ich entdeckt,
Warum sie so ngstlich die Fe versteckt.

Sie haben nmlich Entenfe
Und bilden sich ein, da Niemand es wisse.
Das ist eine tiefgeheime Wund,
Worber ich nimmermehr sptteln kunnt.

Ach Himmel! wir Alle, gleich jenen Zwergen,
Wir haben ja Alle etwas zu verbergen;
Kein Christenmensch, whnen wir, htte entdeckt,
Wo unser Entenfchen steckt.

Niemals verkehrt ich mit Salamandern,
Und ber ihr Treiben erfuhr ich von andern
Waldgeistern sehr wenig. Sie huschten mir scheu
Des Nachts wie leuchtende Schatten vorbei.

Sind spindeldrre, von Kindeslnge,
Hschen und Wmschen anliegend enge,
Von Scharlachfarbe, goldgestickt;
Das Antlitz krnklich, vergilbt und bedrckt.

Ein gldnes Krnlein, gespickt mit Rubinen,
Trgt auf dem Kpfchen ein jeder von ihnen;
Ein jeder von ihnen bildet sich ein,
Ein absoluter Knig zu sein.

Da sie im Feuer nicht verbrennen,
Ist freilich ein Kunststck, ich will es bekennen;
Jedoch der unentzndbare Wicht,
Ein wahrer Feuergeist ist er nicht.

Die klgsten Waldgeister sind die Alrunchen,
Langbrtige Mnnlein mit kurzen Beinchen,
Ein fingerlanges Greisengeschlecht;
Woher sie stammen, man wei es nicht recht.

Wenn sie im Mondschein kopfber purzeln,
Das mahnt bedenklich an Pissewurzeln;
Doch da sie mir nur Gutes getan,
So geht mich nichts ihr Ursprung an.

Sie lehrten mir kleine Hexereien,
Feuer besprechen, Vgel beschreien,
Auch pflcken in der Johannisnacht
Das Krutlein, das unsichtbar macht.

Sie lehrten mich Sterne und Zeichen deuten,
Sattellos auf dem Winde reiten,
Auch Runensprche, womit man ruft
Die Toten hervor aus ihrer Gruft.

Sie haben mir auch den Pfiff gelehrt,
Wie man den Vogel Specht betrt
Und ihm die Springwurz abgewinnt,
Die anzeigt, wo Schtze verborgen sind.

Die Worte, die man beim Schtzegraben
Hinmurmelt, lehrten sie mich, sie haben
Mir alles expliziert - umsunst!
Hab nie begriffen die Schatzgrberkunst.

Wohl hatt ich derselben nicht ntig dermalen,
Ich brauchte wenig, und konnt es bezahlen,
Besa auch in Spanien manch luftiges Schlo,
Wovon ich die Revenen geno.

O, schne Zeit! wo voller Geigen
Der Himmel hing, wo Elfenreigen
Und Nixentanz und Koboldscherz
Umgaukelt mein mrchentrunkenes Herz!

O, schne Zeit! wo sich zu grnen
Triumphespforten zu wlben schienen
Die Bume des Waldes - ich ging einher,
Bekrnzt, als ob ich der Sieger wr!

Die schne Zeit, sie ist verschlendert,
Und Alles hat sich seitdem verndert,
Und ach! mir ist der Kranz geraubt,
Den ich getragen auf meinem Haupt.

Der Kranz ist mir vom Haupt genommen,
Ich wei es nicht, wie es gekommen;
Doch seit der schne Kranz mir fehlt,
Ist meine Seele wie entseelt.

Es glotzen mich an unheimlich blde
Die Larven der Welt! Der Himmel ist de,
Ein blauer Kirchhof, entgttert und stumm.
Ich gehe gebckt im Wald herum.

Im Walde sind die Elfen verschwunden,
Jagdhrner hr ich, Geklffe von Hunden;
Im Dickicht ist das Reh versteckt,
Das trnend seine Wunden leckt.

Wo sind die Alrunchen? Ich glaube, sie halten
Sich ngstlich verborgen in Felsenspalten.
Ihr kleinen Freunde, ich komme zurck,
Doch ohne Kranz und ohne Glck.

Wo ist die Fee mit dem langen Goldhaar,
Die erste Schnheit, die mir hold war?
Der Eichenbaum, worin sie gehaust,
Steht traurig entlaubt, vom Winde zerzaust.

Der Bach rauscht trostlos gleich dem Styxe;
Am einsamen Ufer sitzt eine Nixe,
Todbla und stumm, wie 'n Bild von Stein,
Scheint tief in Kummer versunken zu sein.

Mitleidig tret ich zu ihr heran -
Da fhrt sie auf und schaut mich an,
Und sie entflieht mit entsetzten Mienen,
Als sei ihr ein Gespenst erschienen.



    Spanische Atriden

Am Hubertustag des Jahres
Dreizehnhundert drei und achtzig
Gab der Knig uns ein Gastmahl
Zu Segovia im Schlosse.

Hofgastmhler sind dieselben
berall, es ghnt dieselbe
Souverne Langeweile
An der Tafel aller Frsten.

Prunkgeschirr von Gold und Silber,
Leckerbissen aller Zonen,
Und derselbe Bleigeschmack,
Mahnend an Lokustes Kche.

Auch derselbe seidne Pbel,
Buntgeputzt und vornehm nickend,
Wie ein Beet von Tulipanen;
Nur die Saucen sind verschieden.

Und das ist ein Wispern, Sumsen,
Das wie Mohn den Sinn einschlfert,
Bis Trompetenste wecken
Aus der kauenden Betubnis.

Neben mir, zum Glcke, sa
Don Diego Albuquerque,
Dem die Rede unterhaltsam
Von den klugen Lippen flo.

Ganz vorzglich gut erzhlte
Er die blutgen Hofgeschichten
Aus den Tagen des Don Pedro,
Den man Knig Grausam nannte.

Als ich frug, warum Don Pedro
Seinen Bruder Don Fredrego
Insgeheim enthaupten lie,
Sprach mein Tischgenosse seufzend:

Sennor! glaubt nicht was sie klimpern
Auf den schlottrigen Gitarren,
Bnkelsnger, Maultiertreiber,
In Posaden, Kneipen, Schenken.

Glaubet nimmer, was sie faseln
Von der Liebe Don Fredregos
Und Don Pedros schner Gattin,
Donna Blanka von Bourbon.

Nicht der Eifersucht des Gatten,
Nur der Migunst eines Neidharts
Fiel als Opfer Don Fredrego,
Calatravas Ordensmeister.

Das Verbrechen, das Don Pedro
Nicht verzieh, das war sein Ruhm,
Jener Ruhm, den Donna Fama
Mit Entzcken ausposaunte.

Auch verzieh ihm nicht Don Pedro
Seiner Seele Hochgefhle
Und die Wohlgestalt des Leibes,
Die ein Abbild solcher Seele.

Blhend blieb mir im Gedchtnis
Diese schlanke Heldenblume;
Nie verge ich dieses schne
Trumerische Jnglingsantlitz.

Das war eben jene Sorte,
Die geliebt wird von den Feen,
Und ein mrchenhaft Geheimnis
Sprach aus allen diesen Zgen.

Blaue Augen, deren Schmelz
Blendend wie ein Edelstein, -
Aber auch der stieren Hrte
Eines Edelsteins teilhaftig.

Seine Haare waren schwarz,
Blulichschwarz, von seltnem Glanze,
Und in ppig schnen Locken
Auf die Schulter niederfallend.

In der schnen Stadt Coimbra,
Die er abgewann den Mohren,
Sah ich ihn zum letzten Male
Lebend - unglckselger Prinz!

Eben kam er vom Alkanzor,
Durch die engen Straen reitend;
Manche junge Mohrin lauschte
Hinterm Gitter ihres Fensters.

Seines Hauptes Helmbusch wehte
Frei galant, jedoch des Mantels
Strenges Calatrava-Kreuz
Scheuchte jeden Buhlgedanken.

Ihm zur Seite, freudewedelnd,
Sprang sein Liebling, Allan hie er,
Eine Bestie stolzer Rasse,
Deren Heimat die Sierra.

Trotz der ungeheuern Gre
War er wie ein Reh gelenkig,
Nobel war des Kopfes Bildung,
Ob sie gleich dem Fuchse hnlich.

Schneewei und so weich wie Seide
Flockten lang herab die Haare;
Mit Rubinen inkrustieret
War das breite goldne Halsband.

Dieses Halsband, sagt man, barg
Einen Talisman der Treue;
Niemals wich er von der Seite
Seines Herrn, der treue Hund.

O der schauerlichen Treue!
Mir erbebet das Gemte,
Denk ich dran, wie sie sich hier
Offenbart vor unsern Augen.

O des schreckenvollen Tages!
Hier in diesem Saale war es,
Und wie heute sa ich hier
An der kniglichen Tafel.

An dem obern Tafelende,
Dort, wo heute Don Henrico
Frhlich bechert mit der Blume
Kastilianscher Ritterschaft -

Jenes Tags sa dort Don Pedro
Finster stumm, und neben ihm,
Strahlend stolz wie eine Gttin,
Sa Maria de Padilla.

Hier am untern End der Tafel,
Wo wir heut die Dame sehen,
Deren groe Linnenkrause
Wie ein weier Teller aussieht -

Whrend ihr vergilbt Gesichtchen
Mit dem suerlichen Lcheln
Der Zitrone gleichet, welche
Auf besagtem Teller ruht:

Hier am untern End der Tafel
War ein leerer Platz geblieben;
Eines Gasts von hohem Range
Schien der goldne Stuhl zu harren.

Don Fredrego war der Gast,
Dem der goldne Stuhl bestimmt war -
Doch er kam nicht -ach, wir wissen
Jetzt den Grund der Zgerung.

Ach, zur selben Stunde wurde
Sie vollbracht, die dunkle Untat,
Und der arglos junge Held
Wurde von Don Pedros Schergen

Hinterlistig berfallen
Und gebunden fortgeschleppt
In ein des Schlogewlbe,
Nur von Fackelschein beleuchtet.

Dorten standen Henkersknechte,
Dorten stand der rote Meister,
Der, gesttzt auf seinem Richtbeil,
Mit schwermtger Miene sprach:

Jetzt, Gromeister von San Jago,
Mt Ihr Euch zum Tod bereiten,
Eine Viertelstunde sei
Euch bewilligt zum Gebete.

Don Fredrego kniete nieder,
Betete mit frommer Ruhe,
Sprach sodann: ich hab vollendet,
Und empfing den Todesstreich.

In demselben Augenblicke,
Als der Kopf zu Boden rollte,
Sprang drauf zu der treue Allan,
Welcher unbemerkt gefolgt war.

Er erfate, mit den Zhnen,
Bei dem Lockenhaar das Haupt,
Und mit dieser teuern Beute
Scho er zauberschnell von dannen.

Jammer und Geschrei erscholl
berall auf seinem Wege,
Durch die Gnge und Gemcher,
Treppen auf und Treppen ab.

Seit dem Gastmahl des Belsazar
Gab es keine Tischgesellschaft,
Welche so verstret aussah
Wie die unsre in dem Saale,

Als das Ungetm hereinsprang
Mit dem Haupte Don Fredregos,
Das er mit den Zhnen schleppte
An den trufend blutgen Haaren.

Auf den leer gebliebnen Stuhl,
Welcher seinem Herrn bestimmt war,
Sprang der Hund und, wie ein Klger,
Hielt er uns das Haupt entgegen.

Ach, es war das wohlbekannte
Heldenantlitz, aber blsser,
Aber ernster, durch den Tod,
Und umringelt gar entsetzlich

Von der Flle schwarzer Locken,
Die sich bumten wie der wilde
Schlangenkopfputz der Meduse,
Auch wie dieser schreckversteinernd.

Ja, wir waren wie versteinert,
Sahn uns an mit starrer Miene,
Und gelhmt war jede Zunge
Von der Angst und Etikette.

Nur Maria de Padilla
Brach das allgemeine Schweigen;
Hnderingend, laut aufschluchzend,
Jammerte sie ahndungsvoll:

Heien wird es jetzt, ich htte
Angestiftet solche Mordtat,
Und der Groll trifft meine Kinder,
Meine schuldlos armen Kinder!

Don Diego unterbrach hier
Seine Rede, denn wir sahen,
Da die Tafel aufgehoben
Und der Hof den Saal verlassen.

Hfisch fein von Sitten, gab
Mir der Ritter das Geleite,
Und wir wandelten selbander
Durch das alte Gotenschlo.

Indem Kreuzgang, welcher leitet
Nach des Knigs Hundestllen,
Die durch Knurren und Geklffe
Schon von fernher sich verkndgen,

Dorten sah ich, in der Wand
Eingemauert und nach auen
Fest mit Eisenwerk vergattert,
Eine Zelle wie ein Kfig.

Menschliche Gestalten zwo
Saen drin, zwei junge Knaben;
Angefesselt bei den Beinen,
Hockten sie auf fauler Streu.

Kaum zwlfjhrig schien der Eine,
Wenig lter war der Andre;
Die Gesichter schn und edel,
Aber fahl und welk von Siechtum.

Waren ganz zerlumpt, fast nackend,
Und die magern Leibchen trugen
Wunde Spuren der Mihandlung;
Beide schttelte das Fieber.

Aus der Tiefe ihres Elends
Schauten sie zu mir empor,
Wie mit weien Geisteraugen,
Da ich schier darob erschrocken.

Wer sind diese Jammerbilder?
Rief ich aus, indem ich hastig
Don Diegos Hand ergriff,
Die gezittert, wie ich fhlte.

Don Diego schien verlegen,
Sah sich um, ob Niemand lausche,
Seufzte tief und sprach am Ende,
Heitern Weltmannston erknstelnd:

Dieses sind zwei Knigskinder,
Frh verwaiset, Knig Pedro
Hie der Vater, und die Mutter
War Maria de Padilla.

Nach der groen Schlacht bei Narvas,
Wo Henrico Transtamare
Seinen Bruder, Knig Pedro,
Von der groen Last der Krone

Und zugleich von jener grern
Last, die Leben heit, befreite:
Da traf auch die Bruderskinder
Don Henricos Siegergromut.

Hat sich ihrer angenommen,
Wie es einem Oheim ziemet,
Und im eignen Schlosse gab er
Ihnen freie Kost und Wohnung.

Enge freilich ist das Stbchen,
Das er ihnen angewiesen,
Doch im Sommer ist es khlig,
Und nicht gar zu kalt im Winter.

Ihre Speis ist Roggenbrot,
Das so schmackhaft ist, als htt es
Gttin Ceres selbst gebacken
Fr ihr liebes Proserpinchen.

Manchmal schickt er ihnen auch
Eine Kumpe mit Garbanzos,
Und die Jungen merken dann,
Da es Sonntag ist in Spanien.

Doch nicht immer ist es Sonntag,
Und nicht immer gibts Garbanzos,
Und der Oberkoppelmeister
Regaliert sie mit der Peitsche.

Denn der Oberkoppelmeister,
Der die Stlle mit der Meute
Sowie auch den Neffenkfig
Unter seiner Aufsicht hat,

Ist der unglckselge Gatte
Jener sauren Zitronella
Mit der weien Tellerkrause,
Die wir heut bei Tisch bewundert,

Und sie keift so frech, da oft
Ihr Gemahl zur Peitsche greift -
Und hierher eilt und die Hunde
Und die armen Knaben zchtigt.

Doch der Knig hat mibilligt
Solch Verfahren und befahl,
Da man knftig seine Neffen
Nicht behandle wie die Hunde.

Keiner fremden Mietlingsfaust
Wird er ferner anvertrauen
Ihre Zucht, die er hinfro
Eigenhndig leiten will.

Don Diego stockte pltzlich,
Denn der Seneschall des Schlosses
Kam zu uns und frug uns
Hflich: ob wir wohlgespeist? - -



    Der Ex-Lebendige

Brutus, wo ist dein Cassius,
Der Wchter, der nchtliche Rufer,
Der einst mit dir, im Seelenergu,
Gewandelt am Seineufer?

Ihr schautet manchmal in die Hh,
Wo die dunklen Wolken jagen -
Viel dunklere Wolke war die Idee,
Die Ihr im Herzen getragen.

Brutus, wo ist dein Cassius?
Er denkt nicht mehr ans Morden!
Es heit, er sei am Neckarflu
Tyrannenvorleser geworden.

Doch Brutus erwidert: Du bist ein Tor,
Kurzsichtig wie alle Poeten -
Mein Cassius liest dem Tyrannen vor,
Jedoch um ihn zu tten.

Er liest ihm Gedichte von Matzerath -
Ein Dolch ist jede Zeile!
Der arme Tyrann, frh oder spat
Stirbt er vor Langeweile.



    Der Ex-Nachtwchter

Migelaunt, sagt man, verlie er
Stuttgart an dem Neckarstrand,
Und zu Mnchen an der Isar
Ward er Schauspielintendant.

Das ist eine schne Gegend
Ebenfalls, es schumet hier,
Geist- und phantasieerregend,
Holder Bock, das beste Bier.

Doch der arme Intendante,
Heit es, gehet dort herum
Melancholisch wie ein Dante,
Wie Lord Byron gloomy, stumm.

Ihn ergtzen nicht Komdien,
Nicht das schlechteste Gedicht,
Selbst die traurigsten Tragdien
Liest er - doch er lchelt nicht.

Manche Schne mcht erheitern
Dieses gramumflorte Herz,
Doch die Liebesblicke scheitern
An dem Panzer, der von Erz.

Nannerl mit dem Riegelhubchen
Girrt ihn an so muntern Sinns -
Geh ins Kloster, armes Tubchen,
Spricht er wie ein Dnenprinz.

Seine Freunde sind vergebens
Zu erlustgen ihn bemht,
Singen: Freue dich des Lebens,
Weil dir noch dein Lmpchen glht!

Kann dich nichts zum Frohsinn reizen
Hier in dieser hbschen Stadt,
Die an amsanten Kuzen
Wahrlich keinen Mangel hat?

Zwar hat sie in jngsten Tagen
Eingebt so manchen Mann,
Manchen trefflichen Choragen,
Den man schwer entbehren kann.

Wr der Mamann nur geblieben!
Dieser htte wohl am End
Jeden Trbsinn dir vertrieben
Durch sein Burzelbaumtalent.

Schelling, der ist unersetzlich!
Ein Verlust vom hchsten Wert!
War als Philosoph ergtzlich
Und als Mime hochgeehrt.

Da der Grnder der Walhalla
Fortging und zurcke lie
Seine Manuskripte alle,
Gleichfalls ein Verlust war dies!

Mit Corneljus ging verloren
Auch des Meisters Jngerschaft;
Hat das Haar sich abgeschoren,
Und im Haar war ihre Kraft.

Denn der kluge Meister legte
Einen Zauber in das Haar,
Drin sich sichtbar oft bewegte
Etwas das lebendig war.

Tot ist Grres, die Hyne.
Ob des heiligen Offiz
Umsturz quoll ihm einst die Trne
Aus des Auges rotem Schlitz.

Dieses Raubtier hat ein Shnchen
Hinterlassen, doch es ist
Nur ein giftiges Kaninchen,
Welches Nonnenfrzchen frit.

Apropos! Der erzinfame
Pfaffe Dollingerius -
Das ist ungefhr sein Name -
Lebt er noch am Isarflu?

Dieser bleibt mir unvergelich!
Bei dem reinen Sonnenlicht!
Niemals schaut ich solch ein hlich
Armesnderangesicht.

Wie es heit, ist er gekommen
Auf die Welt gar wundersam,
Hat den Afterweg genommen,
Zu der Mutter Schreck und Scham.

Sah ihn am Karfreitag wallen
In dem Zug der Prozession,
Von den dunkeln Mnnern allen
Wohl die dunkelste Person.

Ja, Monacho Monachorum
Ist in unsrer Zeit der Sitz
Der Virorum obscurorum,
Die verherrlicht Huttens Witz.

Wie du zuckst beim Namen Hutten!
Ex-Nachtwchter, wache auf!
Hier die Pritsche, dort die Kutten,
Und wie ehmals schlage drauf!.

Geile ihre Rcken blutig,
Wie einst tat der Ullerich;
Dieser schlug so rittermutig,
Jene heulten frchterlich.

Der Erasmus mute lachen
So gewaltig ob dem Spa,
Da ihm platzte in dem Rachen
Sein Geschwr und er genas.

Auf der Ebersburg desgleichen
Lachte Sickingen wie toll,
Und in allen deutschen Reichen
Das Gelchter widerscholl.

Alte lachten wie die Jungen -
Eine einzge Lache nur
War ganz Wittenberg, sie sungen
Gaudeamus igitur!

Freilich, klopft man faule Kutten,
Fngt man Flh im berflu,
Und es mute sich der Hutten
Manchmal kratzen vor Verdru.

Aber alea est jacta!
War des Ritters Schlachtgeschrei,
Und er knickte und er knackte
Pulices und Klerisei.

Ex-Nachtwchter, Stundenrufer,
Fhlst du nicht dein Herz erglhn?
Rege dich am Isarufer,
Schttle ab den kranken Spleen.

Deine langen Fortschrittsbeine,
Heb sie auf zu neuem Lauf -
Kutten grobe, Kutten feine,
Sind es Kutten, schlage drauf!

Jener aber seufzt, und seine
Hnde ringend er versetzt:
Meine langen Fortschrittsbeine
Sind europamde jetzt.

Meine Hhneraugen jcken,
Habe deutsche enge Schuh,
Und wo mich die Schuhe drcken,
Wei ich wohl - la mich in Ruh!



    Plateniden

Iliaden, Odysseen
Kndigst du uns prahlend an,
Und wir wollen in dir sehen
Deutscher Zukunft grten Mann.

Eine groe Tat in Worten,
Die du einst zu tun gedenkst! -
O, ich kenne solche Sorten
Geistger Schuldenmacher lngst.

Hier ist Rhodus, komm und zeige
Deine Kunst, hier wird getanzt!
Oder trolle dich und schweige,
Wenn du heut nicht tanzen kannst.

Wahre Prinzen aus Genieland
Zahlen bar was sie verzehrt,
Schiller, Goethe, Lessing, Wieland
Haben nie Kredit begehrt.

Wollten keine Ovationen
Von dem Publiko auf Pump,
Keine Vorschu-Lorbeerkronen,
Rhmten sich nicht keck und plump.

Tot ist lngst der alte Junker,
Doch sein Same lebt noch heut -
O, ich kenne das Geflunker
Knftiger Unsterblichkeit.

Das sind Platens echte Kinder,
Echtes Platenidenblut -
Meine teuern Hallermnder,
O, ich kenn euch gar zu gut!



    Mythologie

Ja, Europa ist erlegen -
Wer kann Ochsen widerstehen?
Wir verzeihen auch Danen -
Sie erlag dem goldnen Regen!

Semele lie sich verfhren -
Denn sie dachte: eine Wolke,
Ideale Himmelswolke,
Kann uns nicht kompromittieren.

Aber tief mu uns empren
Was wir von der Leda lesen -
Welche Gans bist du gewesen,
Da ein Schwan dich konnt betren!



    In Mathildens Stammbuch

Hier, auf gewalzten Lumpen, soll ich
Mit einer Spule von der Gans
Hinkritzeln ernsthaft halb, halb drollig,
Versifizierten Firlefanz -

Ich, der gewohnt mich auszusprechen
Auf deinem schnen Rosenmund,
Mit Kssen, die wie Flammen brechen
Hervor aus tiefstem Herzensgrund!

O Modewut! Ist man ein Dichter,
Qult uns die eigne Frau zuletzt,
Bis man, wie andre Sangeslichter,
Ihr einen Reim ins Album setzt.



    An die Jungen

La dich nicht kirren, la dich nicht wirren
Durch goldne pfel in deinem Lauf!
Die Schwerter klirren, die Pfeile schwirren,
Doch halten sie nicht den Helden auf.

Ein khnes Beginnen ist halbes Gewinnen,
Ein Alexander erbeutet die Welt!
Kein langes Besinnen! Die Kniginnen
Erwarten schon knieend den Sieger im Zelt.

Wir wagen, wir werben! besteigen als Erben
Des alten Darius Bett und Thron.
O ses Verderben! o blhendes Sterben!
Berauschter Triumphtod zu Babylon!



    Der Unglubige

Du wirst in meinen Armen ruhn!
Von Wonnen sonder Schranken
Erbebt und schwillt mein ganzes Herz
Bei diesem Zaubergedanken.

Du wirst in meinen Armen ruhn!
Ich spiele mit den schnen
Goldlocken! Dein holdes Kpfchen wird
An meine Schulter lehnen.

Du wirst in meinen Armen ruhn!
Der Traum will Wahrheit werden,
Ich soll des Himmels hchste Lust
Hier schon genieen auf Erden.

O, heilger Thomas! Ich glaub es kaum!
Ich zweifle bis zur Stunde,
Wo ich den Finger legen kann
In meines Glckes Wunde.



    K.-Jammer

Diese graue Wolkenschar
Stieg aus einem Meer von Freuden;
Heute mu ich dafr leiden,
Da ich gestern glcklich war.

Ach, in Wermut hat verkehrt
Sich der Nektar! Ach, wie qulend
Katzenjammer, Hundeelend
Herz und Magen mir beschwert!



    Zum Hausfrieden

Viele Weiber, viele Flhe,
Viele Flhe, vieles Jucken -
Tun sie heimlich dir ein Wehe,
Darfst du dennoch dich nicht mucken.

Denn sie rchen, schelmisch lchelnd,
Sich zur Nachtzeit - Willst du drcken
Sie ans Herze, lieberchelnd,
Ach, da drehn sie dir den Rcken.



    Jetzt wohin?

Jetzt wohin? Der dumme Fu
Will mich gern nach Deutschland tragen;
Doch es schttelt klug das Haupt
Mein Verstand und scheint zu sagen:

Zwar beendigt ist der Krieg,
Doch die Kriegsgerichte blieben,
Und es heit, du habest einst
Viel Erschieliches geschrieben.

Das ist wahr, unangenehm
Wr mir das Erschossenwerden.
Bin kein Held, es fehlen mir
Die pathetischen Gebrden.

Gern wrd ich nach England gehn,
Wren dort nicht Kohlendmpfe
Und Englnder - schon ihr Duft
Gibt Erbrechen mir und Krmpfe.

Manchmal kommt mir in den Sinn
Nach Amerika zu segeln,
Nach dem groen Freiheitstall,
Der bewohnt von Gleichheitsflegeln -

Doch es ngstet mich ein Land,
Wo die Menschen Tabak kuen,
Wo sie ohne Knig kegeln,
Wo sie ohne Spucknapf speien.

Ruland, dieses schne Reich,
Wrde mir vielleicht behagen,
Doch im Winter knnte ich
Dort die Knute nicht ertragen.

Traurig schau ich in die Hh,
Wo viel tausend Sterne nicken -
Aber meinen eignen Stern
Kann ich nirgends dort erblicken.

Hat im gldnen Labyrinth
Sich vielleicht verirrt am Himmel,
Wie ich selber mich verirrt
In dem irdischen Getmmel. -



    Altes Lied

Du bist gestorben und weit es nicht,
Erloschen ist dein Augenlicht,
Erblichen ist dein rotes Mndchen,
Und du bist tot, mein totes Kindchen.

In einer schaurigen Sommernacht
Hab ich dich selber zu Grabe gebracht;
Klaglieder die Nachtigallen sangen,
Die Sterne sind mit zur Leiche gegangen.

Der Zug, der zog den Wald vorbei,
Dort widerhallt die Litanei;
Die Tannen, in Trauermnteln vermummt,
Sie haben Totengebete gebrummt.

Am Weidensee vorber gings,
Die Elfen tanzten inmitten des Rings;
Sie blieben pltzlich stehn und schienen
Uns anzuschaun mit Beileidsmienen.

Und als wir kamen zu deinem Grab,
Da stieg der Mond vom Himmel herab.
Er hielt eine Rede. Ein Schluchzen und Sthnen,
Und in der Ferne die Glocken tnen.



    Soliditt

Liebe sprach zum Gott der Lieder,
Sie verlange Sicherheiten,
Ehe sie sich ganz ergebe,
Denn es wren schlechte Zeiten.

Lachend gab der Gott zur Antwort:
Ja, die Zeiten sich verndern,
Und du sprichst jetzt wie ein alter
Wuchrer, welcher leiht auf Pfndern.

Ach, ich hab nur eine Leier,
Doch sie ist von gutem Golde.
Wieviel Ksse willst du borgen
Mir darauf, o meine Holde?



    Alte Rose

Eine Rosenknospe war
Sie, fr die mein Herze glhte;
Doch sie wuchs, und wunderbar
Scho sie auf in voller Blte.

Ward die schnste Ros im Land,
Und ich wollt die Rose brechen,
Doch sie wute mich pikant
Mit den Dornen fortzustechen.

Jetzt, wo sie verwelkt, zerfetzt
Und verklatscht von Wind und Regen -
Liebster Heinrich bin ich jetzt,
Liebend kommt sie mir entgegen.

Heinrich hinten, Heinrich vorn,
Klingt es jetzt mit sen Tnen;
Sticht mich jetzt etwa ein Dorn,
Ist es an dem Kinn der Schnen.

Allzu hart die Borsten sind,
Die des Kinnes Wrzchen zieren -
Geh ins Kloster, liebes Kind,
Oder lasse dich rasieren.



    Auto-da-f

Welke Veilchen, stubge Locken,
ein verblichen blaues Band,
Halb zerrissene Billette,
Lngst vergener Herzenstand -

In die Flammen des Kamines
Werf ich sie verdronen Blicks;
ngstlich knistern diese Trmmer
Meines Glcks und Migeschicks.

Liebeschwre, flatterhafte
Falsche Eide, in den Schlot
Fliegen sie hinauf - es kichert
Unsichtbar der kleine Gott.

Bei den Flammen des Kamines
Sitz ich trumend, und ich seh,
Wie die Fnkchen in der Asche
Still verglhn - Gut Nacht - Ade!



    Lazarus

    I. Weltlauf

Hat man viel, so wird man bald
Noch viel mehr dazu bekommen.
Wer nur wenig hat, dem wird
Auch das Wenige genommen.

Wenn du aber gar nichts hast,
Ach, so lasse dich begraben -
Denn ein Recht zum Leben, Lump,
Haben nur die etwas haben.

    II. Rckschau

Ich habe gerochen alle Gerche
In dieser holden Erdenkche;
Was man genieen kann in der Welt,
Das hab ich genossen wie je ein Held!
Hab Kaffee getrunken, hab Kuchen gegessen.
Hab manche schne Puppe besessen;
Trug seidne Westen, den feinsten Frack,
Mir klingelten auch Dukaten im Sack.
Wie Gellert ritt ich auf hohem Ro;
Ich hatte ein Haus, ich hatte ein Schlo.
Ich lag auf der grnen Wiese des Glcks,
Die Sonne grte goldigsten Blicks;
Ein Lorbeerkranz umschlo die Stirn,
Er duftete Trume mir ins Gehirn,
Trume von Rosen und ewigem Mai -
Es ward mir so selig zu Sinne dabei,
So dmmerschtig, so sterbefaul -
Mir flogen gebratne Tauben ins Maul,
Und Englein kamen, und aus den Taschen
Sie zogen hervor Champagnerflaschen -
Das waren Visionen, Seifenblasen -
Sie platzten - Jetzt lieg ich auf feuchtem Rasen,
Die Glieder sind mir rheumatisch gelhmt,
Und meine Seele ist tief beschmt.
Ach, jede Lust, ach, jeden Genu
Hab ich erkauft durch herben Verdru;
Ich ward getrnkt mit Bitternissen
Und grausam von den Wanzen gebissen;
Ich ward bedrngt von schwarzen Sorgen,
Ich mute lgen, ich mute borgen
Bei reichen Buben und alten Vetteln -
Ich glaube sogar, ich mute betteln.
Jetzt bin ich md vom Rennen und Laufen,
Jetzt will ich mich im Grabe verschnaufen.
Lebt wohl! Dort oben, ihr christlichen Brder,
Ja, das versteht sich, dort sehn wir uns wieder.

    III. Auferstehung

Posaunenruf erfllt die Luft,
Und furchtbar schallt es wider;
Die Toten steigen aus der Gruft,
Und schtteln und rtteln die Glieder.

Was Beine hat, das trollt sich fort,
Es wallen die weien Gestalten
Nach Josaphat, dem Sammelort,
Dort wird Gericht gehalten.

Als Freigraf sitzet Christus dort
In seiner Apostel Kreise.
Sie sind die Schppen, ihr Spruch und Wort
Ist minniglich und weise.

Sie urteln nicht vermummten Gesichts;
Die Maske lt jeder fallen
Am hellen Tage des jngsten Gerichts,
Wenn die Posaunen schallen.

Das ist zu Josaphat im Tal,
Da stehn die geladenen Scharen,
Und weil zu gro der Beklagten Zahl,
Wird hier summarisch verfahren.

Das Bcklein zur Linken, zur Rechten das Schaf,
Geschieden sind sie schnelle;
Der Himmel dem Schfchen fromm und brav,
Dem geilen Bock die Hlle!

    IV. Sterbende

Flogest aus nach Sonn und Glck,
Nackt und schlecht kommst du zurck.
Deutsche Treue, deutsche Hemde,
Die verschleit man in der Fremde.

Siehst sehr sterbebllich aus,
Doch getrost, du bist zu Haus.
Warm wie an dem Flackerherde
Liegt man in der deutschen Erde.

Mancher leider wurde lahm
Und nicht mehr nach Hause kam -
Streckt verlangend aus die Arme,
Da der Herr sich sein erbarme!

    V. Lumpentum

Die reichen Leute, die gewinnt
Man nur durch platte Schmeichelein -
Das Geld ist platt, mein liebes Kind,
Und will auch platt geschmeichelt sein.

Das Weihrauchfa, das schwinge keck
Vor jedem gttlich goldnen Kalb;
Bet an im Staub, bet an im Dreck,
Vor allem aber lob nicht halb.

Das Brot ist teuer dieses Jahr,
Jedoch die schnsten Worte hat
Man noch umsonst - Besinge gar
Mcenas' Hund, und fri dich satt!

    VI. Erinnerung

Dem Einen die Perle, dem Andern die Truhe,
O Wilhelm Wisetzki, du starbest so fruhe -
Doch die Katze, die Katz ist gerettet.

Der Balken brach, worauf er gekommen,
Da ist er im Wasser umgekommen -
Doch die Katze, die Katz ist gerettet.

Wir folgten der Leiche, dem lieblichen Knaben,
Sie haben ihn unter Maiblumen begraben, -
Doch die Katze, die Katz ist gerettet.

Bist klug gewesen, du bist entronnen
Den Strmen, hast frh ein Obdach gewonnen -
Doch die Katze, die Katz ist gerettet.

Bist frh entronnen, bist klug gewesen,
Noch eh du erkranktest, bist du genesen -
Doch die Katze, die Katz ist gerettet.

Seit langen Jahren, wie oft, o Kleiner,
Mit Neid und Wehmut gedenk ich deiner -
Doch die Katze, die Katz ist gerettet.

    VII. Unvollkommenheit

Nichts ist vollkommen hier auf dieser Welt.
Der Rose ist der Stachel beigesellt;
Ich glaube gar, die lieben holden Engel
Im Himmel droben sind nicht ohne Mngel.

Der Tulpe fehlt der Duft. Es heit am Rhein:
Auch Ehrlich stahl einmal ein Ferkelschwein.
Htte Lucretia sich nicht erstochen,
Sie wr vielleicht gekommen in die Wochen.

Hliche Fe hat der stolze Pfau.
Uns kann die amsant geistreichste Frau
Manchmal langweilen wie die Henriade
Voltaires, sogar wie Klopstocks Messiade.

Die bravste, klgste Kuh kein Spanisch wei,
Wie Mamann kein Latein - Der Marmorstei
Der Venus von Canova ist zu glatte,
Wie Mamanns Nase viel zu rschig platte.

Im sen Lied ist oft ein saurer Reim,
Wie Bienenstachel steckt im Honigseim.
Am Fu verwundbar war der Sohn der Thetis,
Und Alexander Dumas ist ein Metis.

Der strahlenreinste Stern am Himmelzelt
Wenn er den Schnupfen kriegt, herunterfllt.
Der beste pfelwein schmeckt nach der Tonne,
Und schwarze Flecken sieht man in der Sonne.

Du bist, verehrte Frau, du selbst sogar
Nicht fehlerfrei, nicht aller Mngel bar.
Du schaust mich an - du fragst mich, was dir fehle?
Ein Busen, und im Busen eine Seele.

    VIII. Fromme Warnung

Unsterbliche Seele, nimm dich in Acht,
Da du nicht Schaden leidest,
Wenn du aus dem Irdischen scheidest;
Es geht der Weg durch Tod und Nacht.

Am goldnen Tore der Hauptstadt des Lichts,
Da stehen die Gottessoldaten;
Sie fragen nach Werken und Taten,
Nach Namen und Amt fragt man hier nichts.

Am Eingang lt der Pilger zurck
Die staubigen, drckenden Schuhe -
Kehr ein, hier findest du Ruhe,
Und weiche Pantoffeln und schne Musik.

    IX. Der Abgekhlte

Und ist man tot, so mu man lang
Im Grabe liegen; ich bin bang,
Ja, ich bin bang, das Auferstehen
Wird nicht so schnell von Statten gehen.

Noch einmal, eh mein Lebenslicht
Erlschet, eh mein Herze bricht -
Noch einmal mcht ich vor dem Sterben
Um Frauenhuld beseligt werben.

Und eine Blonde mt es sein,
Mit Augen sanft wie Mondenschein -
Denn schlecht bekommen mir am Ende
Die wild brnetten Sonnenbrnde.

Das junge Volk, voll Lebenskraft
Will den Tumult der Leidenschaft,
Das ist ein Rasen, Schwren, Poltern
Und wechselseitges Seelenfoltern!

Unjung und nicht mehr ganz gesund,
Wie ich es bin zu dieser Stund,
Mgt ich noch einmal lieben, schwrmen
Und glcklich sein - doch ohne Lrmen.

    X. Salomo

Verstummt sind Pauken, Posaunen und Zinken.
An Salomos Lager Wache halten
Die schwertgegrteten Engelgestalten,
Sechstausend zur Rechten, sechstausend zur Linken.

Sie schtzen den Knig vor trumendem Leide,
Und zieht er finster die Brauen zusammen,
Da fahren sogleich die sthlernen Flammen,
Zwlftausend Schwerter, hervor aus der Scheide.

Doch wieder zurck in die Scheide fallen
Die Schwerter der Engel. Das nchtliche Grauen
Verschwindet, es gltten sich wieder die Brauen
Des Schlfers, und seine Lippen lallen:

O Sulamith! das Reich ist mein Erbe,
Die Lande sind mir untertnig,
Bin ber Juda und Israel Knig -
Doch liebst du mich nicht, so welk ich und sterbe.

    XI. Verlorene Wnsche

Von der Gleichheit der Gemtsart
Wechselseitig angezogen,
Waren wir einander immer
Mehr als uns bewut gewogen.

Beide ehrlich und bescheiden,
Konnten wir uns leicht verstehen;
Worte waren berflssig,
Brauchten uns nur anzusehen.

O wie sehnlich wnscht ich immer,
Da ich bei dir bleiben knnte
Als der tapfre Waffenbruder
Eines dolce far niente.

Ja, mein liebster Wunsch war immer,
Da ich immer bei dir bliebe!
Alles was dir wohlgefiele,
Alles tt ich dir zu Liebe.

Wrde essen was dir schmeckte
Und die Schssel gleich entfernen,
Die dir nicht behagt. Ich wrde
Auch Zigarren rauchen lernen.

Manche polnische Geschichte,
Die dein Lachen immer weckte,
Wollt ich wieder dir erzhlen
In Judas Dialekte.

Ja, ich wollte zu dir kommen,
Nicht mehr in der Fremde schwrmen -
An dem Herde deines Glckes
Wollt ich meine Kniee wrmen. - -

Goldne Wnsche! Seifenblasen!
Sie zerrinnen wie mein Leben -
Ach, ich liege jetzt am Boden,
Kann mich nimmermehr erheben.

Und Ade! sie sind zerronnen,
Goldne Wnsche, ses Hoffen!
Ach, zu tdlich war der Faustschlag,
Der mich just ins Herz getroffen.

    XII. Gedchtnisfeier

Keine Messe wird man singen,
Keinen Kadosch wird man sagen,
Nichts gesagt und nichts gesungen
Wird an meinen Sterbetagen.

Doch vielleicht an solchem Tage,
Wenn das Wetter schn und milde,
Geht spazieren auf Montmartre
Mit Paulinen Frau Mathilde.

Mit dem Kranz von Immortellen
Kommt sie mir das Grab zu schmcken,
Und sie seufzet: Pauvre homme!
Feuchte Wehmut in den Blicken.

Leider wohn ich viel zu hoch,
Und ich habe meiner Sen
Keinen Stuhl hier anzubieten;
Ach! sie schwankt mit mden Fen.

Ses, dickes Kind, du darfst
Nicht zu Fu nach Hause gehen;
An dem Barrieregitter
Siehst du die Fiaker stehen.

    XIII. Wiedersehen

Die Geiblattlaube - Ein Sommerabend -
Wir saen wieder wie ehmals am Fenster -
Der Mond ging auf, belebend und labend -
Wir aber waren wie zwei Gespenster.

Zwlf Jahre schwanden, seitdem wir beisammen
Zum letzten Male hier gesessen;
Die zrtlichen Gluten, die groen Flammen,
Sie waren erloschen unterdessen.

Einsilbig sa ich. Die Plaudertasche,
Das Weib hingegen schrte bestndig
Herum in der alten Liebesasche.
Jedoch kein Fnkchen ward wieder lebendig.

Und sie erzhlte: wie sie die bsen
Gedanken bekmpft, eine lange Geschichte,
Wie wackelig schon ihre Tugend gewesen -
Ich machte dazu ein dummes Gesichte.

Als ich nach Hause ritt, da liefen
Die Bume vorbei in der Mondenhelle,
Wie Geister. Wehmtige Stimmen riefen -
Doch ich und die Toten, wir ritten schnelle.

    XIV. Frau Sorge

In meines Glckes Sonnenglanz,
Da gaukelte frhlich der Mckentanz.
Die lieben Freunde liebten mich
Und teilten mit mir brderlich
Wohl meinen besten Braten
Und meinen letzten Dukaten.

Das Glck ist fort, der Beutel leer,
Und hab auch keine Freunde mehr;
Erloschen ist der Sonnenglanz,
Zerstoben ist der Mckentanz,
Die Freunde, so wie die Mcke,
Verschwinden mit dem Glcke.

An meinem Bett in der Winternacht
Als Wrterin die Sorge wacht.
Sie trgt eine weie Unterjack,
Ein schwarzes Mtzchen, und schnupft Tabak.
Die Dose knarrt so grlich,
Die Alte nickt so hlich.

Mir trumt manchmal, gekommen sei
Zurck das Glck und der junge Mai
Und die Freundschaft und der Mckenschwarm -
Da knarrt die Dose - da Gott erbarm,
Es platzt die Seifenblase -
Die Alte schneuzt die Nase.

    XV. An die Engel

Das ist der bse Thanatos,
Er kommt auf einem fahlen Ro,
Ich hr den Hufschlag, hr den Trab,
Der dunkle Reiter holt mich ab -
Er reit mich fort, Mathilden soll ich lassen,
O, den Gedanken kann mein Herz nicht fassen!

Sie war mir Weib und Kind zugleich,
Und geh ich in das Schattenreich,
Wird Witwe sie und Waise sein!
Ich la in dieser Welt allein
Das Weib, das Kind, das, trauend meinem Mute,
Sorglos und treu an meinem Herzen ruhte.

Ihr Engel in den Himmelshhn,
Vernehmt mein Schluchzen und mein Flehn:
Beschtzt, wenn ich im den Grab,
Das Weib, das ich geliebet hab;
Seid Schild und Vgte eurem Ebenbilde,
Beschtzt, beschirmt mein armes Kind, Mathilde.

Bei allen Trnen, die ihr je
Geweint um unser Menschenweh,
Beim Wort, das nur der Priester kennt
Und niemals ohne Schauder nennt,
Bei eurer eignen Schnheit, Huld und Milde,
Beschwr ich euch, ihr Engel, schtzt Mathilde.

    XVI. Im Oktober 1849

Gelegt hat sich der starke Wind,
Und wieder stille wirds daheime;
Germania, das groe Kind,
Erfreut sich wieder seiner Weihnachtsbume.

Wir treiben jetzt Familienglck -
Was hher lockt, das ist vom bel -
Die Friedensschwalbe kehrt zurck,
Die einst genistet in des Hauses Giebel.

Gemtlich ruhen Wald und Flu,
Von sanftem Mondlicht bergossen;
Nur manchmal knallts - Ist das ein Schu? -
Es ist vielleicht ein Freund, den man erschossen.

Vielleicht mit Waffen in der Hand
Hat man den Tollkopf angetroffen
(Nicht jeder hat so viel Verstand
Wie Flaccus, der so khn davongeloffen).

Es knallt. Es ist ein Fest vielleicht,
Ein Feuerwerk zur Goethefeier! -
Die Sontag, die dem Grab entsteigt,
Begrt Raketenlrm - die alte Leier.

Auch Liszt taucht wieder auf, der Franz,
Er lebt, er liegt nicht blutgertet
Auf einem Schlachtfeld Ungarlands;
Kein Russe, noch Kroat hat ihn gettet.

Es fiel der Freiheit letzte Schanz,
Und Ungarn blutet sich zu Tode -
Doch unversehrt blieb Ritter Franz,
Sein Sbel auch - er liegt in der Kommode.

Er lebt, der Franz, und wird als Greis
Vom Ungarkriege Wunderdinge
Erzhlen in der Enkel Kreis -
So lag ich und so fhrt ich meine Klinge!

Wenn ich den Namen Ungarn hr,
Wird mir das deutsche Wams zu enge,
Es braust darunter wie ein Meer,
Mir ist als grten mich Trompetenklnge!

Es klirrt mir wieder im Gemt
Die Heldensage, lngst verklungen,
Das eisern wilde Kmpenlied -
Das Lied vom Untergang der Nibelungen.

Es ist dasselbe Heldenlos,
Es sind dieselben alten Mren,
Die Namen sind verndert blo,
Doch sinds dieselben Helden lobebren.

Es ist dasselbe Schicksal auch -
Wie stolz und frei die Fahnen fliegen,
Es mu der Held, nach altem Brauch,
Den tierisch rohen Mchten unterliegen.

Und diesmal hat der Ochse gar
Mit Bren einen Bund geschlossen -
Du fllst; doch trste dich, Magyar,
Wir Andre haben schlimmre Schmach genossen.

Anstndige Bestien sind es doch,
Die ganz honett dich berwunden;
Doch wir geraten in das Joch
Von Wlfen, Schweinen und gemeinen Hunden.

Das heult und bellt und grunzt -ich kann
Ertragen kaum den Duft der Sieger.
Doch still, Poet, das greift dich an -
Du bist so krank, und schweigen wre klger.

    XVII. Bses Getrume

Im Traume war ich wieder jung und munter -
Es war das Landhaus hoch am Bergesrand,
Wettlaufend lief ich dort den Pfad hinunter,
Wettlaufend mit Ottiljen Hand in Hand.

Wie das Persnchen fein formiert! Die sen
Meergrnen Augen zwinkern nixenhaft.
Sie steht so fest auf ihren kleinen Fen,
Ein Bild von Zierlichkeit, vereint mit Kraft.

Der Ton der Stimme ist so treu und innig,
Man glaubt zu schaun bis in der Seele Grund;
Und alles was sie spricht ist klug und sinnig;
Wie eine Rosenknospe ist der Mund.

Es ist nicht Liebesweh, was mich beschleichet,
Ich schwrme nicht, ich bleibe bei Verstand; -
Doch wunderbar ihr Wesen mich erweichet,
Und heimlich bebend k ich ihre Hand.

Ich glaub, am Ende brach ich eine Lilje,
Die gab ich ihr und sprach ganz laut dabei:
Heirate mich und sei mein Weib, Ottilje,
Damit ich fromm wie du und glcklich sei.

Was sie zur Antwort gab, das wei ich nimmer,
Denn ich erwachte jhlings - und ich war
Wieder ein Kranker, der im Krankenzimmer
Trostlos daniederliegt seit manchem Jahr. - -

    XVIII. Sie erlischt

Der Vorhang fllt, das Stck ist aus,
Und Herrn und Damen gehn nach Haus.
Ob ihnen auch das Stck gefallen?
Ich glaub, ich hrte Beifall schallen.
Ein hochverehrtes Publikum
Beklatschte dankbar seinen Dichter.
Jetzt aber ist das Haus so stumm,
Und sind verschwunden Lust und Lichter.
Doch horch! ein schollernd schnder Klang
Ertnt unfern der den Bhne; -
Vielleicht da eine Saite sprang
An einer alten Violine.
Verdrielich rascheln im Parterr
Etwelche Ratten hin und her,
Und Alles riecht nach ranzgem le.
Die letzte Lampe chzt und zischt
Verzweiflungsvoll, und sie erlischt.
Das arme Licht war meine Seele.

    XIX. Vermchtnis

Nun mein Leben geht zu End,
Mach ich auch mein Testament;
Christlich will ich drin bedenken
Meine Feinde mit Geschenken.

Diese wrdgen, tugendfesten
Widersacher sollen erben
All mein Siechtum und Verderben,
Meine smtlichen Gebresten.

Ich vermach euch die Koliken,
Die den Bauch wie Zangen zwicken,
Harnbeschwerden, die perfiden
Preuischen Hmorrhoiden.

Meine Krmpfe sollt ihr haben,
Speichelflu und Gliederzucken,
Knochendarre in dem Rucken,
Lauter schne Gottesgaben.

Kodizill zu dem Vermchtnis:
In Vergessenheit versenken
Soll der Herr eur Angedenken,
Er vertilge eur Gedchtnis.

    XX. Enfant perdu

Verlorener Posten in dem Freiheitskriege,
Hielt ich seit dreiig Jahren treulich aus.
Ich kmpfe ohne Hoffnung, da ich siege,
Ich wute, nie komm ich gesund nach Haus.

Ich wachte Tag und Nacht - Ich konnt nicht schlafen,
Wie in dem Lagerzelt der Freunde Schar
(Auch hielt das laute Schnarchen dieser Braven
Mich wach, wenn ich ein bichen schlummrig war).

In jenen Nchten hat Langweil ergriffen
Mich oft, auch Furcht - (nur Narren frchten nichts) -
Sie zu verscheuchen, hab ich dann gepfiffen
Die frechen Reime eines Spottgedichts.

Ja, wachsam stand ich, das Gewehr im Arme,
Und nahte irgend ein verdchtger Gauch,
So scho ich gut und jagt ihm eine warme,
Brhwarme Kugel in den schnden Bauch.

Mitunter freilich mocht es sich ereignen,
Da solch ein schlechter Gauch gleichfalls sehr gut
Zu schieen wute - ach, ich kanns nicht leugnen -
Die Wunden klaffen - es verstrmt mein Blut.

Ein Posten ist vakant! - Die Wunden klaffen -
Der Eine fllt, die Andern rcken nach -
Doch fall ich unbesiegt, und meine Waffen
Sind nicht gebrochen - Nur mein Herze brach.




    Drittes Buch
    Hebrische Melodien



        O la nicht ohne Lebensgenu
        Dein Leben verflieen!
        Und bist du sicher vor dem Schu,
        So la sie nur schieen.

        Fliegt dir das Glck vorbei einmal,
        So fa es am Zipfel.
        Auch rat ich dir, baue dein Httchen im Tal
        Und nicht auf dem Gipfel.



    Prinzessin Sabbath

In Arabiens Mrchenbuche
Sehen wir verwnschte Prinzen,
Die zu Zeiten ihre schne
Urgestalt zurckgewinnen:

Das behaarte Ungeheuer
Ist ein Knigsohn geworden;
Schmuckreich glnzend angekleidet,
Auch verliebt die Flte blasend.

Doch die Zauberfrist zerrinnt,
Und wir schauen pltzlich wieder
Seine knigliche Hoheit
In ein Ungetm verzottelt.

Einen Prinzen solchen Schicksals
Singt mein Lied. Er ist geheien
Israel. Ihn hat verwandelt
Hexenspruch in einen Hund.

Hund mit hndischen Gedanken,
Ktert er die ganze Woche
Durch des Lebens Kot und Kehricht,
Gassenbuben zum Gesptte.

Aber jeden Freitag Abend,
In der Dmmrungstunde, pltzlich
Weicht der Zauber, und der Hund
Wird aufs Neu ein menschlich Wesen.

Mensch mit menschlichen Gefhlen,
Mit erhobnem Haupt und Herzen,
Festlich, reinlich schier gekleidet,
Tritt er in des Vaters Halle.

Sei gegrt, geliebte Halle
Meines kniglichen Vaters!
Zelte Jakobs, eure heilgen
Eingangspfosten kt mein Mund!

Durch das Haus geheimnisvoll
Zieht ein Wispern und ein Weben,
Und der unsichtbare Hausherr
Atmet schaurig in der Stille.

Stille! Nur der Seneschall
(Vulgo Synagogendiener)
Springt geschftig auf und nieder,
Um die Lampen anzuznden.

Trostverheiend goldne Lichter,
Wie sie glnzen, wie sie glimmern!
Stolz aufflackern auch die Kerzen
Auf der Brstung des Almemors.

Vor dem Schreine, der die Thora
Aufbewahret und verhngt ist
Mit der kostbar seidnen Decke,
Die von Edelsteinen funkelt -

Dort an seinem Betpultstnder
Steht schon der Gemeindesnger;
Schmuckes Mnnchen, das sein schwarzes
Mntelchen kokett geachselt.

Um die weie Hand zu zeigen,
Haspelt er am Halse, seltsam
An die Schlf den Zeigefinger,
An die Kehl den Daumen drckend.

Trllert vor sich hin ganz leise,
Bis er endlich lautaufjubelnd
Seine Stimm erhebt und singt:
Lecho Daudi likras Kalle!

Lecho Daudi likras Kalle -
Komm, Geliebter, deiner harret
Schon die Braut, die dir entschleiert
Ihr verschmtes Angesicht!

Dieses hbsche Hochzeitkarmen
Ist gedichtet von dem groen,
Hochberhmten Minnesinger
Don Jehuda ben Halevy.

In dem Liede wird gefeiert
Die Vermhlung Israels
Mit der Frau Prinzessin Sabbath,
Die man nennt die stille Frstin.

Perl und Blume aller Schnheit
Ist die Frstin. Schner war
Nicht die Knigin von Saba,
Salomonis Busenfreundin,

Die, ein Blaustrumpf thiopiens,
Durch Esprit brillieren wollte,
Und mit ihren klugen Rtseln
Auf die Lnge fatigant ward.

Die Prinzessin Sabbath, welche
Ja die personifizierte
Ruhe ist, verabscheut alle
Geisteskmpfe und Debatten.

Gleich fatal ist ihr die trampelnd
Deklamierende Passion,
Jenes Pathos, das mit flatternd
Aufgelstem Haar einherstrmt.

Sittsam birgt die stille Frstin
In der Haube ihre Zpfe;
Blickt so sanft wie die Gazelle,
Blht so schlank wie eine Addas.

Sie erlaubt dem Liebsten alles,
Ausgenommen Tabakrauchen -
Liebster! Rauchen ist verboten,
Weil es heute Sabbath ist.

Dafr aber heute Mittag
Soll dir dampfen, zum Ersatz,
Ein Gericht, das wahrhaft gttlich -
Heute sollst du Schalet essen!

Schalet, schner Gtterfunken,
Tochter aus Elysium!
Also klnge Schillers Hochlied,
Htt er Schalet je gekostet.

Schalet ist die Himmelspeise,
Die der liebe Herrgott selber
Einst den Moses kochen lehrte
Auf dem Berge Sinai,

Wo der Allerhchste gleichfalls
All die guten Glaubenslehren
Und die heilgen zehn Gebote
Wetterleuchtend offenbarte.

Schalet ist des wahren Gottes
Koscheres Ambrosia,
Wonnebrot des Paradieses,
Und mit solcher Kost verglichen

Ist nur eitel Teufelsdreck
Das Ambrosia der falschen
Heidengtter Griechenlands,
Die verkappte Teufel waren.

Speist der Prinz von solcher Speise,
Glnzt sein Auge wie verklret,
Und er knpfet auf die Weste,
Und er spricht mit selgem Lcheln:

Hr ich nicht den Jordan rauschen?
Sind das nicht die Brelbrunnen
In dem Palmental von Beth-El,
Wo gelagert die Kamele?

Hr ich nicht die Herdenglckchen?
Sind das nicht die fetten Hmmel,
Die vom Gileathgebirge
Abendlich der Hirt herabtreibt?

Doch der schne Tag verflittert;
Wie mit langen Schattenbeinen
Kommt geschritten der Verwnschung
Bse Stund - Es seufzt der Prinz.

Ist ihm doch als griffen eiskalt
Hexenfinger in sein Herze.
Schon durchrieseln ihn die Schauer
Hndischer Metamorphose.

Die Prinzessin reicht dem Prinzen
Ihre gldne Nardenbchse.
Langsam riecht er - Will sich laben
Noch einmal an Wohlgerchen.

Es kredenzet die Prinzessin
Auch den Abschiedstrunk dem Prinzen -
Hastig trinkt er, und im Becher
Bleiben wen'ge Tropfen nur.

Er besprengt damit den Tisch,
Nimmt alsdann ein kleines Wachslicht,
Und er tunkt es in die Nsse,
Da es knistert und erlischt.



    Jehuda ben Halevy

    I

Lechzend klebe mir die Zunge
An dem Gaumen, und es welke
Meine rechte Hand, verg ich
Jemals dein, Jerusalem -

Wort und Weise, unaufhrlich
Schwirren sie mir heut im Kopfe,
Und mir ist als hrt ich Stimmen,
Psalmodierend, Mnnerstimmen -

Manchmal kommen auch zum Vorschein
Brte, schattig lange Brte -
Traumgestalten, wer von euch
Ist Jehuda ben Halevy?

Doch sie huschen rasch vorber;
Die Gespenster scheuen furchtsam
Der Lebendgen plumpen Zuspruch -
Aber ihn hab ich erkannt -

Ich erkannt ihn an der bleichen
Und gedankenstolzen Stirne,
An der Augen ser Starrheit -
Sahn mich an so schmerzlich forschend -

Doch zumeist erkannt ich ihn
An dem rtselhaften Lcheln
Jener schn gereimten Lippen,
Die man nur bei Dichtern findet.

Jahre kommen und verflieen.
Seit Jehuda ben Halevy
Ward geboren, sind verflossen
Siebenhundert funfzig Jahre -

Hat zuerst das Licht erblickt
Zu Toledo in Kastilien,
Und es hat der goldne Tajo
Ihm sein Wiegenlied gelullet.

Fr Entwicklung seines Geistes
Sorgte frh der strenge Vater,
Der den Unterricht begann
Mit dem Gottesbuch, der Thora.

Diese las er mit dem Sohne
In dem Urtext, dessen schne,
Hieroglyphisch pittoreske,
Altchaldische Quadratschrift

Herstammt aus dem Kindesalter
Unsrer Welt, und auch deswegen
Jedem kindlichen Gemte
So vertraut entgegenlacht.

Diesen echten alten Text
Rezitierte auch der Knabe
In der uralt hergebrachten
Singsangweise, Tropp geheien -

Und er gurgelte gar lieblich
Jene fetten Gutturalen,
Und er schlug dabei den Triller,
Den Schalscheleth, wie ein Vogel.

Auch den Targum Onkelos,
Der geschrieben ist in jenem
Plattjudischen Idiom,
Das wir Aramisch nennen

Und zur Sprache der Propheten
Sich verhalten mag etwa
Wie das Schwbische zum Deutschen -
Dieses Gelbveiglein-Hebrisch

Lernte gleichfalls frh der Knabe,
Und es kam ihm solche Kenntnis
Bald darauf sehr gut zu Statten
Bei dem Studium des Talmuds.

Ja, frhzeitig hat der Vater
Ihn geleitet zu dem Talmud,
Und da hat er ihm erschlossen
Die Halacha, diese groe

Fechterschule, wo die besten
Dialektischen Athleten
Babylons und Pumpedithas
Ihre Kmpferspiele trieben.

Lernen konnte hier der Knabe
Alle Knste der Polemik;
Seine Meisterschaft bezeugte
Spterhin das Buch Cosari.

Doch der Himmel giet herunter
Zwei verschiedne Sorten Lichtes:
Grelles Tageslicht der Sonne
Und das mildre Mondlicht - Also,

Also leuchtet auch der Talmud
Zwiefach, und man teilt ihn ein
In Halacha und Hagada.
Erstre nannt ich eine Fechtschul -

Letztre aber, die Hagada,
Will ich einen Garten nennen,
Einen Garten, hochphantastisch
Und vergleichbar jenem andern,

Welcher ebenfalls dem Boden
Babylons entsprossen weiland -
Garten der Semiramis,
Achtes Wunderwerk der Welt.

Knigin Semiramis,
Die als Kind erzogen worden
Von den Vgeln, und gar manche
Vgeltmlichkeit bewahrte,

Wollte nicht auf platter Erde
Promenieren wie wir andern
Sugetiere, und sie pflanzte
Einen Garten in der Luft -

Hoch auf kolossalen Sulen
Prangten Palmen und Zypressen,
Goldorangen, Blumenbeete,
Marmorbilder, auch Springbrunnen,

Alles klug und fest verbunden
Durch unzhlge Hngebrcken,
Die wie Schlingepflanzen aussahn
Und worauf sich Vgel wiegten -

Groe, bunte, ernste Vgel,
Tiefe Denker, die nicht singen,
Whrend sie umflattert kleines
Zeisigvolk, das lustig trillert -

Alle atmen ein, beseligt,
Einen reinen Balsamduft,
Welcher unvermischt mit schndem
Erdendunst und Migeruche.

Die Hagada ist ein Garten
Solcher Luftkindgrillenart,
Und der junge Talmudschler,
Wenn sein Herze war bestubet

Und betubet vom Geznke
Der Halacha, vom Dispute
ber das fatale Ei,
Das ein Huhn gelegt am Festtag,

Oder ber eine Frage
Gleicher Importanz - der Knabe
Floh alsdann sich zu erfrischen
In die blhende Hagada,

Wo die schnen alten Sagen,
Engelmrchen und Legenden,
Stille Mrtyrerhistorien,
Festgesnge, Weisheitsprche,

Auch Hyperbeln, gar possierlich,
Alles aber glaubenskrftig,
Glaubensglhend - O, das glnzte,
Quoll und spro so berschwenglich -

Und des Knaben edles Herze
Ward ergriffen von der wilden,
Abenteuerlichen Se,
Von der wundersamen Schmerzlust

Und den fabelhaften Schauern
Jener seligen Geheimwelt,
Jener groen Offenbarung,
Die wir nennen Poesie.

Auch die Kunst der Poesie,
Heitres Wissen, holdes Knnen,
Welches wir die Dichtkunst heien,
Tat sich auf dem Sinn des Knaben.

Und Jehuda ben Halevy
Ward nicht blo ein Schriftgelehrter,
Sondern auch der Dichtkunst Meister,
Sondern auch ein groer Dichter.

Ja, er ward ein groer Dichter,
Stern und Fackel seiner Zeit,
Seines Volkes Licht und Leuchte,
Eine wunderbare, groe

Feuersule des Gesanges,
Die der Schmerzenskarawane
Israels vorangezogen
In der Wste des Exils.

Rein und wahrhaft, sonder Makel
War sein Lied, wie seine Seele -
Als der Schpfer sie erschaffen,
Diese Seele, selbstzufrieden

Kte er die schne Seele,
Und des Kusses holder Nachklang
Bebt in jedem Lied des Dichters,
Das geweiht durch diese Gnade.

Wie im Leben, so im Dichten
Ist das hchste Gut die Gnade -
Wer sie hat, der kann nicht sndgen
Nicht in Versen, noch in Prosa.

Solchen Dichter von der Gnade
Gottes nennen wir Genie:
Unverantwortlicher Knig
Des Gedankenreiches ist er.

Nur dem Gotte steht er Rede,
Nicht dem Volke - In der Kunst,
Wie im Leben, kann das Volk
Tten uns, doch niemals richten. -

    II

Bei den Wassern Babels saen
Wir und weinten, unsre Harfen
Lehnten an den Trauerweiden -
Kennst du noch das alte Lied?

Kennst du noch die alte Weise,
Die im Anfang so elegisch
Greint und sumset, wie ein Kessel,
Welcher auf dem Herde kocht?

Lange schon, jahrtausendlange
Kochts in mir. Ein dunkles Wehe!
Und die Zeit leckt meine Wunde,
Wie der Hund die Schwren Hiobs.

Dank dir, Hund, fr deinen Speichel -
Doch das kann nur khlend lindern -
Heilen kann mich nur der Tod,
Aber, ach, ich bin unsterblich!

Jahre kommen und vergehen -
In dem Webstuhl luft geschftig
Schnurrend hin und her die Spule -
Was er webt, das wei kein Weber.

Jahre kommen und vergehen,
Menschentrnen trufeln, rinnen
Auf die Erde, und die Erde
Saugt sie ein mit stiller Gier -

Tolle Sud! Der Deckel springt -
Heil dem Manne, dessen Hand
Deine junge Brut ergreifet
Und zerschmettert an der Felswand.

Gott sei Dank! die Sud verdampfet
In dem Kessel, der allmhlig
Ganz verstummt. Es weicht mein Spleen,
Mein weststlich dunkler Spleen -

Auch mein Flgelrlein wiehert
Wieder heiter, scheint den bsen
Nachtalp von sich abzuschtteln,
Und die klugen Augen fragen:

Reiten wir zurck nach Spanien
Zu dem kleinen Talmudisten,
Der ein groer Dichter worden,
Zu Jehuda ben Halevy?

Ja, er ward ein groer Dichter,
Absoluter Traumweltsherrscher
Mit der Geisterknigskrone,
Ein Poet von Gottes Gnade,

Der in heiligen Sirventen,
Madrigalen und Terzinen,
Kanzonetten und Ghaselen
Ausgegossen alle Flammen

Seiner gottgekten Seele!
Wahrlich ebenbrtig war
Dieser Troubadour den besten
Lautenschlgern der Provence,

Poitous und der Guienne,
Roussillons und aller andern
Sen Pomeranzenlande
Der galanten Christenheit.

Der galanten Christenheit
Se Pomeranzenlande!
Wie sie duften, glnzen, klingen
In dem Zwielicht der Erinnrung!

Schne Nachtigallenwelt!
Wo man statt des wahren Gottes
Nur den falschen Gott der Liebe
Und der Musen angebeten.

Clerici mit Rosenkrnzen
Auf der Glatze sangen Psalmen
In der heitern Sprache d'oc;
Und die Laien, edle Ritter,

Stolz auf hohen Rossen trabend,
Spintisierten Vers und Reime
Zur Verherrlichung der Dame,
Der ihr Herze frhlich diente.

Ohne Dame keine Minne,
Und es war dem Minnesnger
Unentbehrlich eine Dame,
Wie dem Butterbrot die Butter.

Auch der Held, den wir besingen,
Auch Jehuda ben Halevy
Hatte seine Herzensdame;
Doch sie war besondrer Art.

Sie war keine Laura, deren
Augen, sterbliche Gestirne,
In dem Dome am Karfreitag
Den berhmten Brand gestiftet -

Sie war keine Chatelaine,
Die im Bltenschmuck der Jugend
Bei Turnieren prsidierte
Und den Lorbeerkranz erteilte -

Keine Kurechtskasuistin
War sie, keine Doktrinrrin,
Die im Spruchkollegium
Eines Minnehofs dozierte -

Jene, die der Rabbi liebte,
War ein traurig armes Liebchen,
Der Zerstrung Jammerbildnis,
Und sie hie Jerusalem.

Schon in frhen Kindestagen
War sie seine ganze Liebe;
Sein Gemte machte beben
Schon das Wort Jerusalem.

Purpurflamme auf der Wange,
Stand der Knabe, und er horchte,
Wenn ein Pilger nach Toledo
Kam aus fernem Morgenlande

Und erzhlte: wie verdet
Und verunreint jetzt die Sttte,
Wo am Boden noch die Lichtspur
Von dem Fue der Propheten -

Wo die Luft noch balsamieret
Von dem ewgen Odem Gottes -
O des Jammeranblicks! rief
Einst ein Pilger, dessen Bart

Silberwei hinabflo, whrend
Sich das Barthaar an der Spitze
Wieder schwrzte und es aussah,
Als ob sich der Bart verjnge -

Ein gar wunderlicher Pilger
Mocht es sein, die Augen lugten
Wie aus tausendjhrgem Trbsinn,
Und er seufzt': Jerusalem!

Sie, die volkreich heilge Stadt
Ist zur Wstenei geworden,
Wo Waldteufel, Werwolf, Schakal
Ihr verruchtes Wesen treiben -

Schlangen, Nachtgevgel nisten
Im verwitterten Gemuer;
Aus des Fensters luftgem Bogen
Schaut der Fuchs mit Wohlbehagen.

Hier und da taucht auf zuweilen
Ein zerlumpter Knecht der Wste,
Der sein hckriges Kamel
In dem hohen Grase weidet.

Auf der edlen Hhe Zions,
Wo die goldne Feste ragte,
Deren Herrlichkeiten zeugten
Von der Pracht des groen Knigs:

Dort, von Unkraut berwuchert,
Liegen nur noch graue Trmmer,
Die uns ansehn schmerzhaft traurig,
Da man glauben mu, sie weinten.

Und es heit, sie weinten wirklich
Einmal in dem Jahr, an jenem
Neunten Tag des Monats Ab -
Und mit trnend eignen Augen

Schaute ich die dicken Tropfen
Aus den groen Steinen sickern,
Und ich hrte weheklagen
Die gebrochnen Tempelsulen. - -

Solche fromme Pilgersagen
Weckten in der jungen Brust
Des Jehuda ben Halevy
Sehnsucht nach Jerusalem.

Dichtersehnsucht! ahnend, trumend
Und fatal war sie, wie jene,
Die auf seinem Schlo zu Blaye
Einst empfand der alte Vidam,

Messer Geoffroi Rudello,
Als die Ritter, die zurck
Aus dem Morgenlande kehrten,
Laut beim Becherklang beteuert:

Ausbund aller Huld und Zchten,
Perl und Blume aller Frauen,
Sei die schne Melisande,
Markgrfin von Tripolis.

Jeder wei, fr diese Dame
Schwrmte jetzt der Troubadour;
Er besang sie, und es wurde
Ihm zu eng im Schlosse Blaye.

Und es trieb ihn fort. Zu Cette
Schiffte er sich ein, erkrankte
Aber auf dem Meer, und sterbend
Kam er an zu Tripolis.

Hier erblickt er Melisanden
Endlich auch mit Leibesaugen,
Die jedoch des Todes Schatten
In derselben Stunde deckten.

Seinen letzten Liebessang
Singend, starb er zu den Fen
Seiner Dame Melisande,
Markgrfin von Tripolis.

Wunderbare hnlichkeit
In dem Schicksal beider Dichter!
Nur da jener erst im Alter
Seine groe Wallfahrt antrat.

Auch Jehuda ben Halevy
Starb zu Fen seiner Liebsten,
Und sein sterbend Haupt, es ruhte
Auf den Knien Jerusalems.

    III

Nach der Schlacht bei Arabella
Hat der groe Alexander
Land und Leute des Darius,
Hof und Harem, Pferde, Weiber,

Elefanten und Dariken,
Kron und Szepter, goldnen Plunder,
Eingesteckt in seine weiten
Mazedonschen Pluderhosen.

In dem Zelt des groen Knigs,
Der entflohn, um nicht hchstselbst
Gleichfalls eingesteckt zu werden,
Fand der junge Held ein Kstchen,

Eine kleine gldne Truhe,
Mit Miniaturbildwerken
Und mit inkrustierten Steinen
Und Kameen reich geschmckt -

Dieses Kstchen, selbst ein Kleinod
Unschtzbaren Wertes, diente
Zur Bewahrung von Kleinodien,
Des Monarchen Leibjuwelen.

Letztre schenkte Alexander
An die Tapfern seines Heeres
Darob lchelnd, da sich Mnner
Kindisch freun an bunten Steinchen.

Eine kostbar schnste Gemme
Schickte er der lieben Mutter;
War der Siegelring des Cyrus,
Wurde jetzt zu einer Brosche.

Seinem alten Weltarschpauker
Aristoteles, dem sandt er
Einen Onyx fr sein groes
Naturalienkabinett.

In dem Kstchen waren Perlen,
Eine wunderbare Schnur,
Die der Knigin Atossa
Einst geschenkt der falsche Smerdis -

Doch die Perlen waren echt -
Und der heitre Sieger gab sie
Einer schnen Tnzerin
Aus Korinth, mit Namen Thais.

Diese trug sie in den Haaren,
Die bacchantisch aufgelst,
In der Brandnacht, als sie tanzte
Zu Persepolis und frech

In die Knigsburg geschleudert
Ihre Fackel, da laut prasselnd
Bald die Flammenlohe aufschlug,
Wie ein Feuerwerk zum Feste.

Nach dem Tod der schnen Thais,
Die an einer babylonschen
Krankheit starb zu Babylon,
Wurden ihre Perlen dort

Auf dem Brsensaal vergantert.
Sie erstand ein Pfaff aus Memphis,
Der sie nach gypten brachte,
Wo sie spter auf dem Putztisch

Der Kleopatra erschienen,
Die die schnste Perl zerstampft
Und mit Wein vermischt verschluckte,
Um Antonius zu foppen.

Mit dem letzten Omayaden
Kam die Perlenschnur nach Spanien,
Und sie schlngelte am Turban
Des Chalifen zu Corduba.

Abderam der Dritte trug sie
Als Brustschleife beim Turnier,
Wo er dreiig goldne Ringe
Und das Herz Zuleimas stach.

Nach dem Fall der Mohrenherrschaft
Gingen zu den Christen ber
Auch die Perlen, und gerieten
In den Kronschatz von Kastilien.

Die katholischen Majestten
Spanscher Kniginnen schmckten
Sich damit bei Hoffestspielen,
Stiergefechten, Prozessionen,

So wie auch Autodafs,
Wo sie, auf Balkonen sitzend,
Sich erquickten am Geruche
Von gebratnen alten Juden.

Spterhin gab Mendizabel,
Satansenkel, diese Perlen
In Versatz, um der Finanzen
Defizit damit zu decken.

An dem Hof der Tuilerien
Kam die Schnur zuletzt zum Vorschein,
Und sie schimmerte am Halse
Der Baronin Salomon.

So ergings den schnen Perlen.
Minder abenteuerlich
Gings dem Kstchen, dies behielt
Alexander fr sich selber.

Er verschlo darin die Lieder
Des ambrosischen Homeros,
Seines Lieblings, und zu Hupten
Seines Bettes in der Nacht

Stand das Kstchen - Schlief der Knig,
Stiegen draus hervor der Helden
Lichte Bilder, und sie schlichen
Gaukelnd sich in seine Trume.

Andre Zeiten, andre Vgel -
Ich, ich liebte weiland gleichfalls
Die Gesnge von den Taten
Des Peliden, des Odysseus.

Damals war so sonnengoldig
Und so purpurn mir zu Mute,
Meine Stirn umkrnzte Weinlaub,
Und es tnten die Fanfaren -

Still davon - gebrochen liegt
Jetzt mein stolzer Siegeswagen,
Und die Panther, die ihn zogen,
Sind verreckt, so wie die Weiber,

Die mit Pauk und Zimbelklngen
Mich umtanzten, und ich selbst
Wlze mich am Boden elend,
Krppelelend - still davon -

Still davon - es ist die Rede
Von dem Kstchen des Darius,
Und ich dacht in meinem Sinne:
Km ich in Besitz des Kstchens,

Und mich zwnge nicht Finanznot
Gleich dasselbe zu versilbern,
So verschlsse ich darin
Die Gedichte unsres Rabbi -

Des Jehuda ben Halevy
Festgesnge, Klagelieder,
Die Ghaselen, Reisebilder
Seiner Wallfahrt - alles lie ich

Von dem besten Zophar schreiben
Auf der reinsten Pergamenthaut,
Und ich legte diese Handschrift
In das kleine goldne Kstchen.

Dieses stellt ich auf den Tisch
Neben meinem Bett, und kmen
Dann die Freunde und erstaunten
Ob der Pracht der kleinen Truhe,

Ob den seltnen Basrelieffen,
Die so winzig, doch vollendet
Sind zugleich, und ob den groen
Inkrustierten Edelsteinen -

Lchelnd wrd ich ihnen sagen:
Das ist nur die rohe Schale,
Die den bessern Schatz verschlieet -
Hier in diesem Kstchen liegen

Diamanten, deren Lichter
Abglanz, Widerschein des Himmels,
Herzblutglhende Rubinen,
Fleckenlose Turkoasen,

Auch Smaragde der Verheiung,
Perlen, reiner noch als jene,
Die der Knigin Atossa
Einst geschenkt der falsche Smerdis,

Und die spterhin geschmcket
Alle Notabilitten
Dieser mondumkreisten Erde,
Thais und Kleopatra,

Isispriester, Mohrenfrsten,
Auch Hispaniens Kniginnen,
Und zuletzt die hochverehrte
Frau Baronin Salomon -

Diese weltberhmten Perlen,
Sie sind nur der bleiche Schleim
Eines armen Austertiers,
Das im Meergrund blde krnkelt:

Doch die Perlen hier im Kstchen
Sind entquollen einer schnen
Menschenseele, die noch tiefer,
Abgrundtiefer als das Weltmeer -

Denn es sind die Trnenperlen
Des Jehuda ben Halevy,
Die er ob dem Untergang
Von Jerusalem geweinet -

Perlentrnen, die verbunden
Durch des Reimes goldnen Faden,
Aus der Dichtkunst gldnen Schmiede
Als ein Lied hervorgegangen.

Dieses Perlentrnenlied
Ist die vielberhmte Klage,
Die gesungen wird in allen
Weltzerstreuten Zelten Jakobs

An dem neunten Tag des Monats,
Der geheien Ab, dem Jahrstag
Von Jerusalems Zerstrung
Durch den Titus Vespasianus.

Ja, das ist das Zionslied,
Das Jehuda ben Halevy
Sterbend auf den heilgen Trmmern
Von Jerusalem gesungen -

Barfu und im Berkittel
Sa er dorten auf dem Bruchstck
Einer umgestrzten Sule; -
Bis zur Brust herunter fiel

Wie ein greiser Wald sein Haupthaar,
Abenteuerlich beschattend
Das bekmmert bleiche Antlitz
Mit den geisterhaften Augen -

Also sa er und er sang,
Wie ein Seher aus der Vorzeit
Anzuschaun - dem Grab entstiegen
Schien Jeremias, der Alte -

Das Gevgel der Ruinen
Zhmte schier der wilde Schmerzlaut
Des Gesanges, und die Geier
Nahten horchend, fast mitleidig -

Doch ein frecher Sarazene
Kam desselben Wegs geritten,
Hoch zu Ro, im Bug sich wiegend
Und die blanke Lanze schwingend -

In die Brust des armen Sngers
Stie er diesen Todesspeer,
Und er jagte rasch von dannen,
Wie ein Schattenbild beflgelt.

Ruhig flo das Blut des Rabbi,
Ruhig seinen Sang zu Ende
Sang er, und sein sterbeletzter
Seufzer war Jerusalem! - -

Eine alte Sage meldet,
Jener Sarazene sei
Gar kein bser Mensch gewesen,
Sondern ein verkappter Engel,

Der vom Himmel ward gesendet,
Gottes Liebling zu entrcken
Dieser Erde und zu frdern
Ohne Qual ins Reich der Selgen.

Droben, heit es, harrte seiner
Ein Empfang, der schmeichelhaft
Ganz besonders fr den Dichter,
Eine himmlische Srprise.

Festlich kam das Chor der Engel
Ihm entgegen mit Musik,
Und als Hymne grten ihn
Seine eignen Verse, jenes

Synagogen-Hochzeitkarmen,
Jene Sabbathhymenen,
Mit den jauchzend wohlbekannten
Melodieen - welche Tne!

Englein bliesen auf Hoboen,
Englein spielten Violine,
Andre strichen auch die Bratsche
Oder schlugen Pauk und Zimbel.

Und das sang und klang so lieblich,
Und so lieblich in den weiten
Himmelsrumen widerhallt es:
Lecho Daudi likras Kalle.

    IV

Meine Frau ist nicht zufrieden
Mit dem vorigen Kapitel,
Ganz besonders in Bezug
Auf das Kstchen des Darius.

Fast mit Bitterkeit bemerkt sie:
Da ein Ehemann, der wahrhaft
Religise sei, das Kstchen
Gleich zu Gelde machen wrde,

Um damit fr seine arme,
Legitime Ehegattin
Einen Kaschemir zu kaufen,
Dessen sie so sehr bedrfe.

Der Jehuda ben Halevy,
Meinte sie, der sei hinlnglich
Ehrenvoll bewahrt in einem
Schnen Futteral von Pappe

Mit chinesisch eleganten
Arabesken, wie die hbschen
Bonbonnieren von Marquis
Im Passage Panorama.

Sonderbar! - setzt sie hinzu -
Da ich niemals nennen hrte
Diesen groen Dichternamen,
Den Jehuda ben Halevy.

Liebstes Kind, gab ich zur Antwort,
Solche holde Ignoranz,
Sie bekundet die Lakunen
Der franzsischen Erziehung,

Der Pariser Pensionate,
Wo die Mdchen, diese knftgen
Mtter eines freien Volkes,
Ihren Unterricht genieen -

Alte Mumien, ausgestopfte
Pharaonen von gypten,
Merovinger Schattenknge,
Ungepuderte Percken,

Auch die Zopfmonarchen Chinas,
Porzellanpagodenkaiser -
Alle lernen sie auswendig,
Kluge Mdchen, aber Himmel -

Fragt man sie nach groen Namen
Aus dem groen Goldzeitalter
Der arabisch-althispanisch
Jdischen Poetenschule,

Fragt man nach dem Dreigestirn,
Nach Jehuda ben Halevy,
Nach dem Salomon Gabirol
Und dem Moses Iben Esra -

Fragt man nach dergleichen Namen,
Dann mit groen Augen schaun
Uns die Kleinen an - alsdann
Stehn am Berge die Ochsinnen.

Raten mcht ich dir, Geliebte,
Nachzuholen das Versumte
Und Hebrisch zu erlernen -
La Theater und Konzerte,

Widme einge Jahre solchem
Studium, du kannst alsdann
Im Originale lesen
Iben Esra und Gabirol

Und versteht sich den Halevy,
Das Triumvirat der Dichtkunst,
Das dem Saitenspiel Davidis
Einst entlockt die schnsten Laute.

Alcharisi - der, ich wette,
Dir nicht minder unbekannt ist,
Ober gleich, franzs'scher Witzbold,
Den Hariri berwitzelt

Im Gebiete der Makame,
Und ein Voltairianer war
Schon sechshundert Jahr vor Voltair' -
Jener Alcharisi sagte:

Durch Gedanken glnzt Gabirol
Und gefllt zumeist dem Denker,
Iben Esra glnzt durch Kunst
Und behagt weit mehr dem Knstler -

Aber Beider Eigenschaften
Hat Jehuda ben Halevy,
Und er ist ein groer Dichter
Und ein Liebling aller Menschen.

Iben Esra war ein Freund
Und, ich glaube, auch ein Vetter
Des Jehuda ben Halevy,
Der in seinem Wanderbuche

Schmerzlich klagt, wie er vergebens
In Granada aufgesucht hat
Seinen Freund, und nur den Bruder
Dorten fand, den Medikus,

Rabbi Meyer, auch ein Dichter
Und der Vater jener Schnen,
Die mit hoffnungsloser Flamme
Iben Esras Herz entzunden -

Um das Mhmchen zu vergessen,
Griff er nach dem Wanderstabe,
Wie so mancher der Kollegen;
Lebte unstet, heimatlos.

Pilgernd nach Jerusalem,
berfielen ihn Tartaren,
Die an einen Gaul gebunden
Ihn nach ihren Steppen schleppten.

Mute Dienste dort verrichten,
Die nicht wrdig eines Rabbi
Und noch wenger eines Dichters,
Mute nmlich Khe melken.

Einstens, als er unterm Bauche
Einer Kuh gekauert sa,
Ihre Euter hastig fingernd,
Da die Milch flo in den Zuber -

Eine Position, unwrdig
Eines Rabbis, eines Dichters -
Da befiel ihn tiefe Wehmut,
Und er fing zu singen an,

Und er sang so schn und lieblich,
Da der Chan, der Frst der Horde,
Der vorbeiging, ward gerhret
Und die Freiheit gab dem Sklaven.

Auch Geschenke gab er ihm,
Einen Fuchspelz, eine lange
Sarazenenmandoline
Und das Zehrgeld fr die Heimkehr.

Dichterschicksal! bser Unstern,
Der die Shne des Apollo
Tdlich nergelt, und sogar
Ihren Vater nicht verschont hat,

Als er, hinter Daphnen laufend,
Statt des weien Nymphenleibes
Nur den Lorbeerbaum erfate,
Er. der gttliche Schlemihl!

Ja, der hohe Delphier ist
Ein Schlemihl, und gar der Lorbeer,
Der so stolz die Stirne krnet,
Ist ein Zeichen des Schlemihltums.

Was das Wort Schlemihl bedeutet,
Wissen wir. Hat doch Chamisso
Ihm das Brgerrecht in Deutschland
Lngst verschafft, dem Worte nmlich.

Aber unbekannt geblieben,
Wie des heilgen Niles Quellen,
Ist sein Ursprung; hab darber
Nachgegrbelt manche Nacht.

Zu Berlin vor vielen Jahren
Wandt ich mich deshalb an unsern
Freund Chamisso, suchte Auskunft
Beim Dekane der Schlemihle.

Doch er konnt mich nicht befriedgen
Und verwies mich drob an Hitzig,
Der ihm den Familiennamen
Seines schattenlosen Peters

Einst verraten. Alsbald nahm ich
Eine Droschke und ich rollte
Zu dem Kriminalrat Hitzig,
Welcher ehmals Itzig hie -

Als er noch ein Itzig war,
Trumte ihm, er sh geschrieben
An dem Himmel seinen Namen
Und davor den Buchstab H.

Was bedeutet dieses H?
Frug er sich - etwa Herr Itzig
Oder Heilger Itzig? Heilger
Ist ein schner Titel - aber

In Berlin nicht passend - Endlich
Grbelnsmd nannt er sich Hitzig,
Und nur die Getreuen wuten:
In dem Hitzig steckt ein Heilger.

Heilger Hitzig! sprach ich also,
Als ich zu ihm kam, Sie sollen
Mir die Etymologie
Von dem Wort Schlemihl erklren.

Viel Umschweife nahm der Heilge,
Konnte sich nicht recht erinnern,
Eine Ausflucht nach der andern,
Immer christlich - Bis mir endlich,

Endlich alle Knpfe rissen
An der Hose der Geduld,
Und ich anfing so zu fluchen,
So gottlsterlich zu fluchen,

Da der fromme Pietist,
Leichenbla und beineschlotternd,
Unverzglich mir willfahrte
Und mir Folgendes erzhlte:

In der Bibel ist zu lesen,
Als zur Zeit der Wstenwandrung
Israel sich oft erlustigt
Mit den Tchtern Kanaans,

Da geschah es, da der Pinhas
Sahe, wieder edle Simri
Buhlschaft trieb mit einem Weibsbild
Aus dem Stamm der Kananiter,

Und alsbald ergriff er zornig
Seinen Speer und hat den Simri
Auf der Stelle totgestochen -
Also heit es in der Bibel.

Aber mndlich berliefert
Hat im Volke sich die Sage,
Da es nicht der Simri war,
Den des Pinhas Speer getroffen,

Sondern da der Blinderzrnte,
Statt des Snders, unversehens
Einen ganz Unschuldgen traf,
Den Schlemihl ben Zuri Schadday. -

Dieser nun, Schlemihl I.,
Ist der Ahnherr des Geschlechtes
Derer von Schlemihl. Wir stammen
Von Schlemihl ben Zuri Schadday.

Freilich keine Heldentaten
Meldet man von ihm, wir kennen
Nur den Namen und wir wissen,
Da er ein Schlemihl gewesen.

Doch geschtzet wird ein Stammbaum
Nicht ob seinen guten Frchten,
Sondern nur ob seinem Alter -
Drei Jahrtausend zhlt der unsre!

Jahre kommen und vergehen -
Drei Jahrtausende verflossen,
Seit gestorben unser Ahnherr,
Herr Schlemihl ben Zuri Schadday.

Lngst ist auch der Pinhas tot -
Doch sein Speer hat sich erhalten,
Und wir hren ihn bestndig
ber unsre Hupter schwirren.

Und die besten Herzen trifft er -
Wie Jehuda ben Halevy,
Traf er Moses Iben Esra
Und er traf auch den Gabirol -

Den Gabirol, diesen treuen
Gottgeweihten Minnesnger,
Diese fromme Nachtigall,
Deren Rose Gott gewesen -

Diese Nachtigall, die zrtlich
Ihre Liebeslieder sang
In der Dunkelheit der gotisch
Mittelalterlichen Nacht!

Unerschrocken, unbekmmert
Ob den Fratzen und Gespenstern,
Ob dem Wust von Tod und Wahnsinn,
Die gespukt in jener Nacht -

Sie, die Nachtigall, sie dachte
Nur an ihren gttlich Liebsten,
Dem sie ihre Liebe schluchzte,
Den ihr Lobgesang verherrlicht! -

Dreiig Lenze sah Gabirol
Hier auf Erden, aber Fama
Ausposaunte seines Namens
Herrlichkeit durch alle Lande.

Zu Corduba, wo er wohnte,
War ein Mohr sein nchster Nachbar,
Welcher gleichfalls Verse machte
Und des Dichters Ruhm beneidet'.

Hrte er den Dichter singen,
Schwoll dem Mohren gleich die Galle,
Und der Lieder Se wurde
Bittre Wehmut fr den Neidhart.

Er verlockte den Verhaten
Nchtlich in sein Haus, erschlug ihn
Dorten und vergrub den Leichnam
Hinterm Hause in dem Garten.

Aber siehe! aus dem Boden,
Wo die Leiche eingescharrt war,
Wuchs hervor ein Feigenbaum
Von der wunderbarsten Schnheit.

Seine Frucht war seltsam lnglich
Und von seltsam wrzger Se,
Wer davon geno, versank
In ein trumerisch Entzcken.

In dem Volke ging darber
Viel Gerede und Gemunkel,
Das am End zu den erlauchten
Ohren des Chalifen kam.

Dieser prfte eigenzngig
Jenes Feigenphnomen,
Und ernannte eine strenge
Untersuchungskommission.

Man verfuhr summarisch. Sechzig
Bambushiebe auf die Sohlen
Gab man gleich dem Herrn des Baumes,
Welcher eingestand die Untat.

Darauf ri man auch den Baum
Mit den Wurzeln aus dem Boden,
Und zum Vorschein kam die Leiche
Des erschlagenen Gabirol.

Diese ward mit Pomp bestattet
Und betrauert von den Brdern;
An demselben Tage henkte
Man den Mohren zu Corduba.

(Fragment)



    Disputation

In der Aula zu Toledo
Klingen schmetternd die Fanfaren;
Zu dem geistlichen Turnei
Wallt das Volk in bunten Scharen.

Das ist nicht ein weltlich Stechen,
Keine Eisenwaffe blitzet -
Eine Lanze ist das Wort,
Das scholastisch scharf gespitzet.

Nicht galante Paladins
Fechten hier, nicht Damendiener -
Dieses Kampfes Ritter sind
Kapuziner und Rabbiner.

Statt des Helmes tragen sie
Schabbesdeckel und Kapuzen;
Skapulier und Arbekanfe
Sind der Harnisch, drob sie trutzen.

Welches ist der wahre Gott?
Ist es der Hebrer starrer
Groer Eingott, dessen Kmpe
Rabbi Juda. der Navarrer?

Oder ist es der dreifaltge
Liebegott der Christianer,
Dessen Kmpe Frater Jose,
Gardian der Franziskaner?

Durch die Macht der Argumente,
Durch der Logik Kettenschlsse
Und Zitate von Autoren,
Die man anerkennen msse,

Will ein jeder Kmpe seinen
Gegner ad absurdum fhren
Und die wahre Gttlichkeit
Seines Gottes demonstrieren.

Festgestellt ist: da derjenge,
Der im Streit ward berwunden,
Seines Gegners Religion
Anzunehmen sei verbunden,

Da der Jude sich der Taufe
Heilgem Sakramente fge,
Und im Gegenteil der Christ
Der Beschneidung unterliege.

Jedem von den beiden Kmpen
Beigesellt sind elf Genossen,
Die zu teilen sein Geschick
Sind in Freud und Leid entschlossen.

Glaubenssicher sind die Mnche
Von des Gardians Geleitschaft,
Halten schon Weihwasserkbel
Fr die Taufe in Bereitschaft,

Schwingen schon die Sprengelbesen
Und die blanken Rucherfsser -
Ihre Gegner unterdessen
Wetzen die Beschneidungsmesser.

Beide Rotten stehn schlagfertig
Vor den Schranken in dem Saale,
Und das Volk mit Ungeduld
Harret drngend der Signale.

Unterm gldnen Baldachin
Und umrauscht vom Hofgesinde
Sitzt der Knig und die Kngin;
Diese gleichet einem Kinde.

Ein franzsisch stumpfes Nschen,
Schalkheit kichert in den Mienen,
Doch bezaubernd sind des Mundes
Immer lchelnde Rubinen.

Schne, flatterhafte Blume -
Da sich ihrer Gott erbarme -
Von dem heitern Seineufer
Wurde sie verpflanzt, die arme,

Hierher in den steifen Boden
Der hispanischen Grandezza;
Weiland hie sie Blanch' de Bourbon,
Donna Blanka heit sie jetzo.

Pedro wird genannt der Knig
Mit dem Zusatz der Grausame;
Aber heute, milden Sinnes,
Ist er besser als sein Name.

Unterhlt sich gut gelaunt
Mit des Hofes Edelleuten;
Auch den Juden und den Mohren
Sagt er viele Artigkeiten.

Diese Ritter ohne Vorhaut
Sind des Knigs Lieblingsschranzen,
Sie befehlgen seine Heere,
Sie verwalten die Finanzen.

Aber pltzlich Paukenschlge,
Und es melden die Trompeten,
Da begonnen hat der Maulkampf,
Der Disput der zwei Athleten.

Der Gardian der Franziskaner
Bricht hervor mit frommem Grimme;
Polternd roh und widrig greinend
Ist abwechselnd seine Stimme.

In des Vaters und des Sohnes
Und des heilgen Geistes Namen
Exorzieret er den Rabbi,
Jakobs maledeiten Samen.

Denn bei solchen Kontroversen
Sind oft Teufelchen verborgen
In dem Juden, die mit Scharfsinn,
Witz und Grnden ihn versorgen.

Nun die Teufel ausgetrieben
Durch die Macht des Exorzismus,
Kommt der Mnch auch zur Dogmatik,
Kugelt ab den Katechismus.

Er erzhlt, da in der Gottheit
Drei Personen sind enthalten,
Die jedoch zu einer einzgen,
Wenn es passend, sich gestalten -

Ein Mysterium, das nur
Von demjengen wird verstanden,
Der entsprungen ist dem Kerker
Der Vernunft und ihren Banden.

Er erzhlt: wie Gott der Herr
Ward zu Bethlehem geboren
Von der Jungfrau, welche niemals
Ihre Jungferschaft verloren;

Wie der Herr der Welt gelegen
In der Krippe, und ein Khlein
Und ein chslein bei ihm stunden,
Schier andchtig, zwei Rindviehlein.

Er erzhlte: wie der Herr
Vor den Schergen des Herodes
Nach gypten floh, und spter
Litt die herbe Pein des Todes

Unter Pontio Pilato,
Der das Urteil unterschrieben,
Von den harten Pharisern,
Von den Juden angetrieben.

Er erzhlte: wie der Herr,
Der entstiegen seinem Grabe
Schon am dritten Tag, gen Himmel
Seinen Flug genommen habe;

Wie er aber, wenn es Zeit ist,
Wiederkehren auf die Erde
Und zu Josaphat die Toten
Und Lebendgen richten werde.

Zittert, Juden! rief der Mnch,
Vor dem Gott, den ihr mit Hieben
Und mit Dornen habt gemartert,
Den ihr in den Tod getrieben.

Seine Mrder, Volk der Rachsucht,
Juden, das seid ihr gewesen -
Immer meuchelt ihr den Heiland,
Welcher kommt, euch zu erlsen.

Judenvolk, du bist ein Aas,
Worin hausen die Dmonen;
Eure Leiber sind Kasernen
Fr des Teufels Legionen.

Thomas von Aquino sagt es,
Den man nennt den groen Ochsen
Der Gelehrsamkeit, er ist
Licht und Lust der Orthodoxen.

Judenvolk, ihr seid Hynen,
Wlfe, Schakals, die in Grbern
Whlen, um der Toten Leichnam'
Blutfragierig aufzustbern.

Juden, Juden, ihr seid Sue,
Paviane, Nashorntiere,
Die man nennt Rhinozerosse,
Krokodile und Vampire.

Ihr seid Raben, Eulen, Uhus,
Fledermuse, Wiedehpfe,
Leichenhhner, Basilisken,
Galgenvgel, Nachtgeschpfe.

Ihr seid Vipern und Blindschleichen,
Klapperschlangen, giftge Krten,
Ottern, Nattern - Christus wird
Eur verfluchtes Haupt zertreten.

Oder wollt ihr, Maledeiten,
Eure armen Seelen retten?
Aus der Bosheit Synagoge
Flchtet nach den frommen Sttten,

Nach der Liebe lichtem Dome,
Wo im benedeiten Becken
Euch der Quell der Gnade sprudelt -
Drin sollt ihr die Kpfe stecken -

Wascht dort ab den alten Adam
Und die Laster, die ihn schwrzen;
Des verjhrten Grolles Schimmel,
Wascht ihn ab von euren Herzen!

Hrt ihr nicht des Heilands Stimme?
Euren neuen Namen rief er -
Lauset euch an Christi Brust
Von der Snde Ungeziefer!

Unser Gott, der ist die Liebe,
Und er gleichet einem Lamme;
Um zu shnen unsre Schuld,
Starb er an des Kreuzes Stamme.

Unser Gott, der ist die Liebe,
Jesus Christus ist sein Name;
Seine Duldsamkeit und Demut
Suchen wir stets nachzuahmen.

Deshalb sind wir auch so sanft,
So leutselig, ruhig, milde,
Hadern niemals, nach des Lammes,
Des Vershners, Musterbilde.

Einst im Himmel werden wir
Ganz verklrt zu frommen Englein,
Und wir wandeln dort gottselig,
In den Hnden Liljenstenglein.

Statt der groben Kutten tragen
Wir die reinlichsten Gewnder
Von Moulin, Brokat und Seide,
Goldne Troddeln, bunte Bnder.

Keine Glatze mehr! Goldlocken
Flattern dort um unsre Kpfe;
Allerliebste Jungfraun flechten
Uns das Haar in hbsche Zpfe.

Weinpokale wird es droben
Von viel weiterm Umfang geben
Als die Becher sind hier unten,
Worin schumt der Saft der Reben.

Doch im Gegenteil viel enger
Als ein Weibermund hienieden,
Wird das Frauenmndchen sein,
Das dort oben uns beschieden.

Trinkend, kssend, lachend wollen
Wir die Ewigkeit verbringen,
Und verzckt Halleluja,
Kyrie Eleison singen.

Also schlo der Christ. Die Mnchlein
Glaubten schon, Erleuchtung trte
In die Herzen, und sie schleppten
Flink herbei das Taufgerte.

Doch die wasserscheuen Juden
Schtteln sich und grinsen schnde.
Rabbi Juda, der Navarrer,
Hub jetzt an die Gegenrede:

Um fr deine Saat zu dngen
Meines Geistes drren Acker,
Mit Mistkarren voll Schimpfwrter
Hast du mich beschmissen wacker.

So folgt jeder der Methode,
Dran er nun einmal gewhnet,
Und anstatt dich drob zu schelten,
Sag ich Dank dir, wohlvershnet.

Die Dreieinigkeitsdoktrin
Kann fr unsre Leut nicht passen,
Die mit Regula-de-tri
Sich von Jugend aufbefassen.

Da in deinem Gotte drei,
Drei Personen sind enthalten,
Ist bescheiden noch, sechstausend
Gtter gab es bei den Alten.

Unbekannt ist mir der Gott,
Den ihr Christum pflegt zu nennen;
Seine Jungfer Mutter gleichfalls
Hab ich nicht die Ehr zu kennen.

Ich bedaure, da er einst,
Vor etwa zwlfhundert Jahren,
Einge Unannehmlichkeiten
Zu Jerusalem erfahren.

Ob die Juden ihn gettet,
Das ist schwer jetzt zu erkunden,
Da ja das Corpus Delicti
Schon am dritten Tag verschwunden.

Da er ein Verwandter sei
Unsres Gottes, ist nicht minder
Zweifelhaft; so viel wir wissen,
Hat der letztre keine Kinder.

Unser Gott ist nicht gestorben
Als ein armes Lmmerschwnzchen
Fr die Menschheit, ist kein ses
Philantrpfchen, Faselhnschen.

Unser Gott ist nicht die Liebe;
Schnbeln ist nicht seine Sache,
Denn er ist ein Donnergott
Und er ist ein Gott der Rache.

Seines Zornes Blitze treffen
Unerbittlich jeden Snder,
Und des Vaters Schulden ben
Oft die spten Enkelkinder.

Unser Gott, der ist lebendig,
Und in seiner Himmelshalle
Existieret er drauf los
Durch die Ewigkeiten alle.

Unser Gott, und der ist auch
Ein gesunder Gott, kein Mythos
Bleich und dnne wie Oblaten
Oder Schatten am Cocytos.

Unser Gott ist stark. In Hnden
Trgt er Sonne, Mond, Gestirne;
Throne brechen, Vlker schwinden,
Wenn er runzelt seine Stirne.

Und er ist ein groer Gott.
David singt: Ermessen liee
Sich die Gre nicht, die Erde
Sei der Schemel seiner Fe.

Unser Gott liebt die Musik,
Saitenspiel und Festgesnge;
Doch wie Ferkelgrunzen sind
Ihm zuwider Glockenklnge.

Leviathan heit der Fisch,
Welcher haust im Meeresgrunde;
Mit ihm spielet Gott der Herr
Alle Tage eine Stunde -

Ausgenommen an dem neunten
Tag des Monats Ab, wo nmlich
Eingeschert ward sein Tempel;
An dem Tag ist er zu grmlich.

Des Leviathans Lnge ist
Hundert Meilen, hat Flofedern
Gro wie Knig Ok von Basan,
Und sein Schwanz ist wie ein Zedern.

Doch sein Fleisch ist delikat,
Delikater als Schildkrten,
Und am Tag der Auferstehung
Wird der Herr zu Tische beten.

Alle frommen Auserwhlten,
Die Gerechten und die Weisen -
Unsres Herrgotts Lieblingsfisch
Werden sie alsdann verspeisen,

Teils mit weier Knoblauchbrhe,
Teils auch braun in Wein gesotten,
Mit Gewrzen und Rosinen,
Ungefhr wie Matelotten.

In der weien Knoblauchbrhe
Schwimmen kleine Schbchen Rettich -
So bereitet, Frater Jose,
Mundet dir das Fischlein, wett ich!

Auch die braune ist so lecker,
Nmlich die Rosinensauce,
Sie wird himmlisch wohl behagen
Deinem Buchlein, Frater Jose.

Was Gott kocht, ist gut gekocht!
Mnchlein, nimm jetzt meinen Rat an,
Opfre hin die alte Vorhaut
Und erquick dich am Leviathan.

Also lockend sprach der Rabbi,
Lockend, kdernd, heimlich schmunzelnd,
Und die Juden schwangen schon
Ihre Messer wonnegrunzelnd,

Um als Sieger zu skalpieren
Die verfallenen Vorhute,
Wahre spolia opima
In dem wunderlichen Streite.

Doch die Mnche hielten fest
An dem vterlichen Glauben
Und an ihrer Vorhaut, lieen
Sich derselben nicht berauben.

Nach dem Juden sprach aufs neue
Der katholische Bekehrer;
Wieder schimpft er, jedes Wort
Ist ein Nachttopf, und kein leerer.

Darauf repliziert der Rabbi
Mit zurckgehaltnem Eifer;
Wie sein Herz auch berkocht,
Doch verschluckt er seinen Geifer.

Er beruft sich auf die Mischna,
Kommentare und Traktate;
Bringt auch aus dem Tausves-Jontof
Viel beweisende Zitate.

Aber welche Blasphemie
Mut er von dem Mnche hren!
Dieser sprach: der Tausves-Jontof
Mge sich zum Teufel scheren.

Da hrt alles auf, o Gott!
Kreischt der Rabbi jetzt entsetzlich;
Und es reit ihm die Geduld,
Rappelkpfig wird er pltzlich.

Gilt nichts mehr der Tausves-Jontof,
Was soll gelten? Zeter! Zeter!
Rche, Herr, die Missetat,
Strafe, Herr, den beltter!

Denn der Tausves-Jontof, Gott,
Das bist du! Und an dem frechen
Tausvesjontof-Leugner mut du
Deines Namens Ehre rchen.

La den Abgrund ihn verschlingen,
Wie des Korah bse Rotte,
Die sich wider dich emprt
Durch Emeute und Komplotte.

Donnre deinen besten Donner!
Strafe, o mein Gott, den Frevel -
Hattest du doch zu Sodoma
Und Gomorrha Pech und Schwefel!

Treffe, Herr, die Kapuziner,
Wie du Pharaon getroffen,
Der uns nachgesetzt, als wir
Wohl bepackt davongeloffen.

Hunderttausend Ritter folgten
Diesem Knig von Mizrayim,
Stahlbepanzert, blanke Schwerter
In den schrecklichen Jadayim.

Gott! da hast du ausgestreckt
Deine Jad, und samt dem Heere
Ward ertrnkt, wie junge Katzen,
Pharao im roten Meere.

Treffe, Herr, die Kapuziner,
Zeige den infamen Schuften,
Da die Blitze deines Zorns
Nicht verrauchten und verpufften.

Deines Sieges Ruhm und Preis
Will ich singen dann und sagen,
Und dabei, wie Mirjam tat,
Tanzen und die Pauke schlagen.

In die Rede grimmig fiel
Jetzt der Mnch dem Zornentflammten:
Mag dich selbst der Herr verderben,
Dich Verfluchten und Verdammten!

Trotzen kann ich deinen Teufeln,
Deinem schmutzgen Fliegengotte,
Luzifer und Belzebube,
Belial und Astarothe.

Trotzen kann ich deinen Geistern,
Deinen dunkeln Hllenpossen,
Denn in mir ist Jesus Christus,
Habe seinen Leib genossen.

Christus ist mein Leibgericht,
Schmeckt viel besser als Leviathan
Mit der weien Knoblauchsauce,
Die vielleicht gekocht der Satan.

Ach! anstatt zu disputieren,
Lieber mcht ich schmoren, braten
Auf dem wrmsten Scheiterhaufen
Dich und deine Kameraden.

Also tost in Schimpf und Ernst
Das Turnei fr Gott und Glauben,
Doch die Kmpen ganz vergeblich
Kreischen, schelten, wten, schnauben.

Schon zwlf Stunden whrt der Kampf,
Dem kein End ist abzuschauen;
Mde wird das Publikum,
Und es schwitzen stark die Frauen.

Auch der Hof wird ungeduldig,
Manche Zofe ghnt ein wenig.
Zu der schnen Knigin
Wendet fragend sich der Knig:

Sagt mir, was ist Eure Meinung?
Wer hat Recht von diesen beiden?
Wollt Ihr fr den Rabbi Euch
Oder fr den Mnch entscheiden?

Donna Blanka schaut ihn an,
Und wie sinnend ihre Hnde
Mit verschrnkten Fingern drckt sie
An die Stirn und spricht am Ende:

Welcher Recht hat, wei ich nicht -
Doch es will mich schier bednken,
Da der Rabbi und der Mnch,
Da sie alle beide stinken.




    Nachwort zum Romanzero

Ich habe dieses Buch Romanzero genannt, weil der Romanzenton
vorherrschend in den Gedichten, die hier gesammelt. Mit wenigen
Ausnahmen schrieb ich sie whrend der letzten drei Jahre, unter
mancherlei krperlichen Hindernissen und Qualen. Gleichzeitig mit
dem Romanzero lasse ich in derselben Verlagshandlung ein Bchlein
erscheinen, welches Der Doktor Faust, ein Tanzpoem, nebst kuriosen
Berichten ber Teufel, Hexen und Dichtkunst betitelt ist. Ich
empfehle solches einem verehrungswrdigen Publiko, das sich gern ohne
Kopfanstrengung ber dergleichen Dinge belehren lassen mchte; es ist
eine leichte Goldarbeit, worber gewi mancher Grobschmied den Kopf
schtteln wird. Ich hegte ursprnglich die Absicht, dieses Produkt dem
Romanzero einzuverleiben, was ich aber unterlie, um nicht die Einheit
der Stimmung, die in letzterem waltet und gleichsam sein Kolorit
bildet, zu stren. Jenes Tanzpoem schrieb ich nmlich im Jahre
1847, zu einer Zeit, wo mein bses Siechtum bereits bedenklich
vorgeschritten war, aber doch noch nicht seine grmlichen Schatten
ber mein Gemt warf. Ich hatte damals noch etwas Fleisch und
Heidentum an mir, und ich war noch nicht zu dem spiritualistischen
Skelette abgemagert, das jetzt seiner gnzlichen Auflsung
entgegenharrt. Aber existiere ich wirklich noch? Mein Leib ist so sehr
in die Krmpe gegangen, da schier nichts brig geblieben als die
Stimme, und mein Bett mahnt mich an das tnende Grab des Zauberers
Merlinus, welches sich im Walde Brozeliand in der Bretagne befindet,
unter hohen Eichen, deren Wipfel wie grne Flammen gen Himmel
lodern. Ach, um diese Bume und ihr frisches Wehen beneide ich dich,
Kollege Merlinus, denn kein grnes Blatt rauscht herein in meine
Matratzengruft zu Paris, wo ich frh und spat nur Wagengerassel,
Gehmmer, Gekeife und Klaviergeklimper vernehme. Ein Grab ohne
Ruhe, der Tod ohne die Privilegien der Verstorbenen, die kein Geld
auszugeben und keine Briefe oder gar Bcher zu schreiben brauchen -
das ist ein trauriger Zustand. Man hat mir lngst das Ma genommen
zum Sarg, auch zum Nekrolog, aber ich sterbe so langsam, da solches
nachgerade langweilig wird fr mich, wie fr meine Freunde. Doch
Geduld, alles hat sein Ende. Ihr werdet eines Morgens die Bude
geschlossen finden, wo euch die Puppenspiele meines Humors so oft
ergtzten.

Was soll aber, wenn ich tot bin, aus den armen Hauswrsten werden, die
ich seit Jahren bei jenen Darstellungen employiert hatte? Was soll
z. B. aus Mamann werden? Ungern verla ich ihn, und es erfat mich
schier eine tiefe Wehmut, wenn ich denke an die Verse:

    Ich sehe die kurzen Beinchen nicht mehr,
    Nicht mehr die platte Nase;
    Er schlug wie ein Pudel frisch, fromm, frhlich, frei,
    Die Purzelbume im Grase.

Und er versteht Latein. Ich habe freilich in meinen Schriften so
oft das Gegenteil behauptet, da Niemand mehr meine Behauptung
bezweifelte, und der rmste ein Stichblatt der allgemeinen Verhhnung
ward. Die Schulbuben frugen ihn, in welcher Sprache der Don Quixote
geschrieben sei? und wenn mein armer Mamann antwortete: in spanischer
Sprache - erwiderten sie, er irre sich, derselbe sei lateinisch
geschrieben und das kme ihm so spanisch vor. Sogar die eigene Gattin
war grausam genug, bei huslichen Miverstndnissen auszurufen, sie
wundere sich, da ihr Mann sie nicht verstehe, da sie doch Deutsch
und kein Latein gesprochen habe. Die Mamnnische Gromutter, eine
Wscherin von unbescholtener Sittlichkeit und die einst fr Friedrich
den Groen gewaschen, hat sich ber die Schmach ihres Enkels zu Tode
gegrmt; der Onkel, ein wackerer altpreuischer Schuhflicker, bildete
sich ein, die ganze Familie sei schimpfiert, und vor Verdru ergab er
sich dem Trunk.

Ich bedaure, da meine jugendliche Unbesonnenheit solches Unheil
angerichtet. Die wrdige Waschfrau kann ich leider nicht wieder ins
Leben zurckrufen, und den zartfhlenden Oheim, der jetzt zu Berlin in
der Gosse liegt, kann ich nicht mehr des Schnapses entwhnen; aber ihn
selbst, meinen armen Hanswurst Mamann, will ich in der ffentlichen
Meinung wieder rehabilitieren, indem ich alles was ich ber seine
Lateinlosigkeit, seine lateinische Impotenz, seine magna linguae
romanae ignorantia jemals geuert habe, feierlich widerrufe.

So htte ich denn mein Gewissen erleichtert. Wenn man auf dem
Sterbebette liegt, wird man sehr empfindsam und weichselig, und mchte
Frieden machen mit Gott und der Welt. Ich gestehe es, ich habe Manchen
gekratzt, Manchen gebissen, und war kein Lamm. Aber glaubt mir, jene
gepriesenen Lmmer der Sanftmut wrden sich minder frmmig gebrden,
besen sie die Zhne und die Tatzen des Tigers. Ich kann mich rhmen,
da ich mich solcher angebornen Waffen nur selten bedient habe. Seit
ich selbst der Barmherzigkeit Gottes bedrftig, habe ich allen meinen
Feinden Amnestie erteilt; manche schne Gedichte, die gegen sehr
hohe und sehr niedrige Personen gerichtet waren, wurden deshalb in
vorliegender Sammlung nicht aufgenommen. Gedichte, die nur halbweg
Anzglichkeiten gegen den lieben Gott selbst enthielten, habe ich
mit ngstlichstem Eifer den Flammen berliefert. Es ist besser, da
die Verse brennen als der Versifex. Ja, wie mit der Kreatur, habe
ich auch mit dem Schpfer Frieden gemacht, zum grten rgernis
meiner aufgeklrten Freunde, die mir Vorwrfe machten ber dieses
Zurckfallen in den alten Aberglauben, wie sie meine Heimkehr zu Gott
zu nennen beliebten. Andere, in ihrer Intoleranz, uerten sich noch
herber. Der gesamte hohe Klerus des Atheismus hat sein Anathema ber
mich ausgesprochen, und es gibt fanatische Pfaffen des Unglaubens,
die mich gerne auf die Folter spannten, damit ich meine Ketzereien
bekenne. Zum Glck stehen ihnen keine andern Folterinstrumente zu
Gebote als ihre Schriften. Aber ich will auch ohne Tortur alles
bekennen. Ja, ich bin zurckgekehrt zu Gott, wie der verlorene Sohn,
nachdem ich lange Zeit bei den Hegelianern die Schweine gehtet. War
es die Misre, die mich zurcktrieb? Vielleicht ein minder miserabler
Grund. Das himmlische Heimweh berfiel mich und trieb mich fort
durch Wlder und Schluchten, ber die schwindlichsten Bergpfade der
Dialektik. Auf meinem Wege fand ich den Gott der Pantheisten, aber ich
konnte ihn nicht gebrauchen. Dies arme trumerische Wesen ist mit der
Welt verwebt und verwachsen, gleichsam in ihr eingekerkert, und ghnt
dich an, willenlos und ohnmchtig. Um einen Willen zu haben, mu
man eine Person sein, und, um ihn zu manifestieren, mu man die
Ellbogen frei haben. Wenn man nun einen Gott begehrt, der zu helfen
vermag - und das ist doch die Hauptsache - so mu man auch seine
Persnlichkeit, seine Auerweltlichkeit und seine heiligen Attribute,
die Allgte, die Allweisheit, die Allgerechtigkeit u.s.w. annehmen.
Die Unsterblichkeit der Seele, unsre Fortdauer nach dem Tode, wird uns
alsdann gleichsam mit in den Kauf gegeben, wie der schne Markknochen,
den der Fleischer, wenn er mit seinen Kunden zufrieden ist, ihnen
unentgeltlich in den Korb schiebt. Ein solcher schner Markknochen
wird in der franzsischen Kchensprache la rjouissance genannt, und
man kocht damit ganz vorzgliche Kraftbrhen, die fr einen armen
schmachtenden Kranken sehr strkend und labend sind. Da ich eine
solche rjouissance nicht ablehnte und sie mir vielmehr mit Behagen zu
Gemte fhrte, wird jeder fhlende Mensch billigen.

Ich habe vom Gott der Pantheisten geredet, aber ich kann nicht umhin
zu bemerken, da er im Grunde gar kein Gott ist, so wie berhaupt die
Pantheisten eigentlich nur verschmte Atheisten sind, die sich weniger
vor der Sache als vor dem Schatten, den sie an die Wand wirft, vor dem
Namen, frchten. Auch haben die meisten in Deutschland whrend der
Restaurationszeit mit dem lieben Gotte dieselbe funfzehnjhrige
Komdie gespielt, welche hier in Frankreich die konstitutionellen
Royalisten, die grtenteils im Herzen Republikaner waren, mit dem
Knigtume spielten. Nach der Juliusrevolution lie man jenseits wie
diesseits des Rheines die Maske fallen. Seitdem, besonders aber nach
dem Sturz Ludwig Philipps, des besten Monarchen, der jemals die
konstitutionelle Dornenkrone trug, bildete sich hier in Frankreich
die Meinung: da nur zwei Regierungsformen, das absolute Knigtum und
die Republik, die Kritik der Vernunft oder der Erfahrung aushielten,
da man Eins von Beiden whlen msse, da alles dazwischen liegende
Mischwerk unwahr, unhaltbar und verderblich sei. In derselben Weise
tauchte in Deutschland die Ansicht auf, da man whlen msse zwischen
der Religion und der Philosophie, zwischen dem geoffenbarten Dogma
des Glaubens und der letzten Konsequenz des Denkens, zwischen dem
absoluten Bibelgott und dem Atheismus.

Je entschiedener die Gemter, desto leichter werden sie das Opfer
solcher Dilemmen. Was mich betrifft, so kann ich mich in der Politik
keines sonderlichen Fortschritts rhmen; ich verharrte bei denselben
demokratischen Prinzipien, denen meine frheste Jugend huldigte und
fr die ich seitdem immer flammender erglhte. In der Theologie
hingegen mu ich mich des Rckschreitens beschuldigen, indem ich,
was ich bereits oben gestanden, zu dem alten Aberglauben, zu einem
persnlichen Gotte, zurckkehrte. Das lt sich nun einmal nicht
vertuschen, wie es mancher aufgeklrte und wohlmeinende Freund
versuchte. Ausdrcklich widersprechen mu ich jedoch dem Gerchte, als
htten mich meine Rckschritte bis zur Schwelle irgend einer Kirche
oder gar in ihren Scho gefhrt. Nein, meine religisen berzeugungen
und Ansichten sind frei geblieben von jeder Kirchlichkeit; kein
Glockenklang hat mich verlockt, keine Altarkerze hat mich geblendet.
Ich habe mit keiner Symbolik gespielt und meiner Vernunft nicht ganz
entsagt. Ich habe nichts abgeschworen, nicht einmal meine alten
Heidengtter, von denen ich mich zwar abgewendet, aber scheidend in
Liebe und Freundschaft. Es war im Mai 1848, an dem Tage, wo ich zum
letzten Male ausging, als ich Abschied nahm von den holden Idolen,
die ich angebetet in den Zeiten meines Glcks. Nur mit Mhe schleppte
ich mich bis zum Louvre, und ich brach fast zusammen, als ich in den
erhabenen Saal trat, wo die hochgebenedeite Gttin der Schnheit,
Unsere liebe Frau von Milo, auf ihrem Postamente steht. Zu ihren Fen
lag ich lange, und ich weinte so heftig, da sich dessen ein Stein
erbarmen mute. Auch schaute die Gttin mitleidig auf mich herab, doch
zugleich so trostlos, als wollte sie sagen: siehst du denn nicht, da
ich keine Arme habe und also nicht helfen kann?

Ich breche hier ab, denn ich gerate in einen larmoyanten Ton, der
vielleicht berhandnehmen kann, wenn ich bedenke, da ich jetzt auch
von Dir, teurer Leser, Abschied nehmen soll. Eine gewisse Rhrung
beschleicht mich bei diesem Gedanken; denn ungern trenne ich mich von
Dir. Der Autor gewhnt sich am Ende an sein Publikum, als wre es ein
vernnftiges Wesen. Auch dich scheint es zu betrben, da ich Dir
Valet sagen mu; du bist gerhrt, mein teurer Leser, und kostbare
Perlen fallen aus deinen Trnensckchen. Doch beruhige Dich, wir
werden uns wiedersehen in einer besseren Welt, wo ich dir auch bessere
Bcher zu schreiben gedenke. Ich setze voraus, da sich dort auch
meine Gesundheit bessert und da mich Swedenborg nicht belogen hat.
Dieser erzhlt nmlich mit groer Zuversicht, da wir in der andern
Welt das alte Treiben, ganz wie wir es in dieser Welt getrieben, ruhig
fortsetzen, da wir dort unsere Individualitt unverndert bewahren
und da der Tod in unserer organischen Entwickelung gar keine
sonderliche Strung hervorbringe. Swedenborg ist eine grundehrliche
Haut, und glaubwrdig sind seine Berichte ber die andere Welt, wo er
mit eigenen Augen die Personen sah, die auf unserer Erde eine Rolle
gespielt. Die meisten, sagt er, blieben unverndert und beschftigen
sich mit denselben Dingen, mit denen sie sich auch vormals
beschftigt; sie blieben stationr, waren veraltet, rokoko, was
sich mitunter sehr lcherlich ausnahm. So z. B. unser teurer Doktor
Martinus Luther war stehen geblieben bei seiner Lehre von der
Gnade, ber die er whrend dreihundert Jahren tagtglich dieselben
verschimmelten Argumente niederschrieb - ganz in derselben Weise wie
der verstorbene Baron Eckstein, der whrend zwanzig Jahren in der
Allgemeinen Zeitung einen und denselben Artikel drucken lie, den
alten jesuitischen Sauerteig bestndig wiederkuend. Aber, wie
gesagt, nicht alle Personen, die hienieden eine Rolle gespielt, fand
Swedenborg in solcher fossilen Erstarrung; sie hatten im Guten wie im
Bsen ihren Charakter weidlich ausgebildet in der anderen Welt, und da
gab es sehr wunderliche Erscheinungen. Helden und Heilige dieser Erde
waren dort zu Lumpen und Taugenichtsen herabgesunken, whrend auch das
Gegenteil stattfand. So z. B. stieg dem heiligen Antonius der Hochmut
in den Kopf, als er erfuhr, welche ungeheure Verehrung und Anbetung
ihm die ganze Christenheit zollt, und er, der hienieden den
furchtbarsten Versuchungen widerstanden, ward jetzt ein ganz
impertinenter Schlingel und liederlicher Galgenstrick, der sich mit
seinem Schweine um die Wette in den Kot wlzt. Die keusche Susanne
brachte der Dnkel ihrer Sittlichkeit, die sie unbesiegbar glaubte,
gar schmhlich zu Falle, und sie, die einst den Greisen so glorreich
widerstanden, erlag der Verlockung des jungen Absalon, Sohn Davids.
Die Tchter Lots hingegen hatten sich im Verlauf der Zeit sehr
vertugendhaftet und gelten in der andern Welt fr Muster der
Anstndigkeit; der Alte verharrte leider bei der Weinflasche.

So nrrisch sie auch klingen, so sind doch diese Nachrichten eben so
bedeutsam wie scharfsinnig. Der groe skandinavische Seher begriff
die Einheit und Unteilbarkeit unserer Existenz, so wie er auch die
unveruerlichen Individualittsrechte des Menschen ganz richtig
erkannte und anerkannte. Die Fortdauer nach dem Tode ist bei ihm kein
idealer Mummenschanz, wo wir neue Jacken und einen neuen Menschen
anziehen; Mensch und Kostm bleiben bei ihm unverndert. In der
anderen Welt des Swedenborg werden sich auch die armen Grnlnder
behaglich fhlen, die einst, als die dnischen Missionre sie bekehren
wollten, an diese die Frage richteten: ob es im christlichen Himmel
auch Seehunde gbe? Auf die verneinende Antwort erwiderten sie
betrbt: der christliche Himmel passe alsdann nicht fr Grnlnder,
die nicht ohne Seehunde existieren knnten.

Wie strubt sich unsere Seele gegen den Gedanken des Aufhrens unserer
Persnlichkeit, der ewigen Vernichtung! Der horror vacui, den man der
Natur zuschreibt, ist vielmehr dem menschlichen Gemte angeboren. Sei
getrost, teurer Leser, es gibt eine Fortdauer nach dem Tode, und in
der anderen Welt werden wir auch unsere Seehunde wiederfinden.

Und nun, lebe wohl, und wenn ich Dir etwas schuldig bin, so schicke
mir Deine Rechnung. -

Geschrieben zu Paris,
den 30. September 1851.                               Heinrich Heine.




*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK, ROMANZERO ***

This file should be named 5607-8.txt or 5607-8.zip

Project Gutenberg eBooks are often created from several printed
editions, all of which are confirmed as Public Domain in the US
unless a copyright notice is included.  Thus, we usually do not
keep eBooks in compliance with any particular paper edition.

We are now trying to release all our eBooks one year in advance
of the official release dates, leaving time for better editing.
Please be encouraged to tell us about any error or corrections,
even years after the official publication date.

Please note neither this listing nor its contents are final til
midnight of the last day of the month of any such announcement.
The official release date of all Project Gutenberg eBooks is at
Midnight, Central Time, of the last day of the stated month.  A
preliminary version may often be posted for suggestion, comment
and editing by those who wish to do so.

Most people start at our Web sites at:
https://gutenberg.org or
http://promo.net/pg

These Web sites include award-winning information about Project
Gutenberg, including how to donate, how to help produce our new
eBooks, and how to subscribe to our email newsletter (free!).


Those of you who want to download any eBook before announcement
can get to them as follows, and just download by date.  This is
also a good way to get them instantly upon announcement, as the
indexes our cataloguers produce obviously take a while after an
announcement goes out in the Project Gutenberg Newsletter.

http://www.ibiblio.org/gutenberg/etext04 or
ftp://ftp.ibiblio.org/pub/docs/books/gutenberg/etext04

Or /etext03, 02, 01, 00, 99, 98, 97, 96, 95, 94, 93, 92, 92, 91 or 90

Just search by the first five letters of the filename you want,
as it appears in our Newsletters.


Information about Project Gutenberg (one page)

We produce about two million dollars for each hour we work.  The
time it takes us, a rather conservative estimate, is fifty hours
to get any eBook selected, entered, proofread, edited, copyright
searched and analyzed, the copyright letters written, etc.   Our
projected audience is one hundred million readers.  If the value
per text is nominally estimated at one dollar then we produce $2
million dollars per hour in 2002 as we release over 100 new text
files per month:  1240 more eBooks in 2001 for a total of 4000+
We are already on our way to trying for 2000 more eBooks in 2002
If they reach just 1-2% of the world's population then the total
will reach over half a trillion eBooks given away by year's end.

The Goal of Project Gutenberg is to Give Away 1 Trillion eBooks!
This is ten thousand titles each to one hundred million readers,
which is only about 4% of the present number of computer users.

Here is the briefest record of our progress (* means estimated):

eBooks Year Month

    1  1971 July
   10  1991 January
  100  1994 January
 1000  1997 August
 1500  1998 October
 2000  1999 December
 2500  2000 December
 3000  2001 November
 4000  2001 October/November
 6000  2002 December*
 9000  2003 November*
10000  2004 January*


The Project Gutenberg Literary Archive Foundation has been created
to secure a future for Project Gutenberg into the next millennium.

We need your donations more than ever!

As of February, 2002, contributions are being solicited from people
and organizations in: Alabama, Alaska, Arkansas, Connecticut,
Delaware, District of Columbia, Florida, Georgia, Hawaii, Illinois,
Indiana, Iowa, Kansas, Kentucky, Louisiana, Maine, Massachusetts,
Michigan, Mississippi, Missouri, Montana, Nebraska, Nevada, New
Hampshire, New Jersey, New Mexico, New York, North Carolina, Ohio,
Oklahoma, Oregon, Pennsylvania, Rhode Island, South Carolina, South
Dakota, Tennessee, Texas, Utah, Vermont, Virginia, Washington, West
Virginia, Wisconsin, and Wyoming.

We have filed in all 50 states now, but these are the only ones
that have responded.

As the requirements for other states are met, additions to this list
will be made and fund raising will begin in the additional states.
Please feel free to ask to check the status of your state.

In answer to various questions we have received on this:

We are constantly working on finishing the paperwork to legally
request donations in all 50 states.  If your state is not listed and
you would like to know if we have added it since the list you have,
just ask.

While we cannot solicit donations from people in states where we are
not yet registered, we know of no prohibition against accepting
donations from donors in these states who approach us with an offer to
donate.

International donations are accepted, but we don't know ANYTHING about
how to make them tax-deductible, or even if they CAN be made
deductible, and don't have the staff to handle it even if there are
ways.

Donations by check or money order may be sent to:

Project Gutenberg Literary Archive Foundation
PMB 113
1739 University Ave.
Oxford, MS 38655-4109

Contact us if you want to arrange for a wire transfer or payment
method other than by check or money order.

The Project Gutenberg Literary Archive Foundation has been approved by
the US Internal Revenue Service as a 501(c)(3) organization with EIN
[Employee Identification Number] 64-622154.  Donations are
tax-deductible to the maximum extent permitted by law.  As fund-raising
requirements for other states are met, additions to this list will be
made and fund-raising will begin in the additional states.

We need your donations more than ever!

You can get up to date donation information online at:

https://www.gutenberg.org/donation.html


***

If you can't reach Project Gutenberg,
you can always email directly to:

Michael S. Hart <hart@pobox.com>

Prof. Hart will answer or forward your message.

We would prefer to send you information by email.


**The Legal Small Print**


(Three Pages)

***START**THE SMALL PRINT!**FOR PUBLIC DOMAIN EBOOKS**START***
Why is this "Small Print!" statement here? You know: lawyers.
They tell us you might sue us if there is something wrong with
your copy of this eBook, even if you got it for free from
someone other than us, and even if what's wrong is not our
fault. So, among other things, this "Small Print!" statement
disclaims most of our liability to you. It also tells you how
you may distribute copies of this eBook if you want to.

*BEFORE!* YOU USE OR READ THIS EBOOK
By using or reading any part of this PROJECT GUTENBERG-tm
eBook, you indicate that you understand, agree to and accept
this "Small Print!" statement. If you do not, you can receive
a refund of the money (if any) you paid for this eBook by
sending a request within 30 days of receiving it to the person
you got it from. If you received this eBook on a physical
medium (such as a disk), you must return it with your request.

ABOUT PROJECT GUTENBERG-TM EBOOKS
This PROJECT GUTENBERG-tm eBook, like most PROJECT GUTENBERG-tm eBooks,
is a "public domain" work distributed by Professor Michael S. Hart
through the Project Gutenberg Association (the "Project").
Among other things, this means that no one owns a United States copyright
on or for this work, so the Project (and you!) can copy and
distribute it in the United States without permission and
without paying copyright royalties. Special rules, set forth
below, apply if you wish to copy and distribute this eBook
under the "PROJECT GUTENBERG" trademark.

Please do not use the "PROJECT GUTENBERG" trademark to market
any commercial products without permission.

To create these eBooks, the Project expends considerable
efforts to identify, transcribe and proofread public domain
works. Despite these efforts, the Project's eBooks and any
medium they may be on may contain "Defects". Among other
things, Defects may take the form of incomplete, inaccurate or
corrupt data, transcription errors, a copyright or other
intellectual property infringement, a defective or damaged
disk or other eBook medium, a computer virus, or computer
codes that damage or cannot be read by your equipment.

LIMITED WARRANTY; DISCLAIMER OF DAMAGES
But for the "Right of Replacement or Refund" described below,
[1] Michael Hart and the Foundation (and any other party you may
receive this eBook from as a PROJECT GUTENBERG-tm eBook) disclaims
all liability to you for damages, costs and expenses, including
legal fees, and [2] YOU HAVE NO REMEDIES FOR NEGLIGENCE OR
UNDER STRICT LIABILITY, OR FOR BREACH OF WARRANTY OR CONTRACT,
INCLUDING BUT NOT LIMITED TO INDIRECT, CONSEQUENTIAL, PUNITIVE
OR INCIDENTAL DAMAGES, EVEN IF YOU GIVE NOTICE OF THE
POSSIBILITY OF SUCH DAMAGES.

If you discover a Defect in this eBook within 90 days of
receiving it, you can receive a refund of the money (if any)
you paid for it by sending an explanatory note within that
time to the person you received it from. If you received it
on a physical medium, you must return it with your note, and
such person may choose to alternatively give you a replacement
copy. If you received it electronically, such person may
choose to alternatively give you a second opportunity to
receive it electronically.

THIS EBOOK IS OTHERWISE PROVIDED TO YOU "AS-IS". NO OTHER
WARRANTIES OF ANY KIND, EXPRESS OR IMPLIED, ARE MADE TO YOU AS
TO THE EBOOK OR ANY MEDIUM IT MAY BE ON, INCLUDING BUT NOT
LIMITED TO WARRANTIES OF MERCHANTABILITY OR FITNESS FOR A
PARTICULAR PURPOSE.

Some states do not allow disclaimers of implied warranties or
the exclusion or limitation of consequential damages, so the
above disclaimers and exclusions may not apply to you, and you
may have other legal rights.

INDEMNITY
You will indemnify and hold Michael Hart, the Foundation,
and its trustees and agents, and any volunteers associated
with the production and distribution of Project Gutenberg-tm
texts harmless, from all liability, cost and expense, including
legal fees, that arise directly or indirectly from any of the
following that you do or cause:  [1] distribution of this eBook,
[2] alteration, modification, or addition to the eBook,
or [3] any Defect.

DISTRIBUTION UNDER "PROJECT GUTENBERG-tm"
You may distribute copies of this eBook electronically, or by
disk, book or any other medium if you either delete this
"Small Print!" and all other references to Project Gutenberg,
or:

[1]  Only give exact copies of it.  Among other things, this
     requires that you do not remove, alter or modify the
     eBook or this "small print!" statement.  You may however,
     if you wish, distribute this eBook in machine readable
     binary, compressed, mark-up, or proprietary form,
     including any form resulting from conversion by word
     processing or hypertext software, but only so long as
     *EITHER*:

     [*]  The eBook, when displayed, is clearly readable, and
          does *not* contain characters other than those
          intended by the author of the work, although tilde
          (~), asterisk (*) and underline (_) characters may
          be used to convey punctuation intended by the
          author, and additional characters may be used to
          indicate hypertext links; OR

     [*]  The eBook may be readily converted by the reader at
          no expense into plain ASCII, EBCDIC or equivalent
          form by the program that displays the eBook (as is
          the case, for instance, with most word processors);
          OR

     [*]  You provide, or agree to also provide on request at
          no additional cost, fee or expense, a copy of the
          eBook in its original plain ASCII form (or in EBCDIC
          or other equivalent proprietary form).

[2]  Honor the eBook refund and replacement provisions of this
     "Small Print!" statement.

[3]  Pay a trademark license fee to the Foundation of 20% of the
     gross profits you derive calculated using the method you
     already use to calculate your applicable taxes.  If you
     don't derive profits, no royalty is due.  Royalties are
     payable to "Project Gutenberg Literary Archive Foundation"
     the 60 days following each date you prepare (or were
     legally required to prepare) your annual (or equivalent
     periodic) tax return.  Please contact us beforehand to
     let us know your plans and to work out the details.

WHAT IF YOU *WANT* TO SEND MONEY EVEN IF YOU DON'T HAVE TO?
Project Gutenberg is dedicated to increasing the number of
public domain and licensed works that can be freely distributed
in machine readable form.

The Project gratefully accepts contributions of money, time,
public domain materials, or royalty free copyright licenses.
Money should be paid to the:
"Project Gutenberg Literary Archive Foundation."

If you are interested in contributing scanning equipment or
software or other items, please contact Michael Hart at:
hart@pobox.com

[Portions of this eBook's header and trailer may be reprinted only
when distributed free of all fees.  Copyright (C) 2001, 2002 by
Michael S. Hart.  Project Gutenberg is a TradeMark and may not be
used in any sales of Project Gutenberg eBooks or other materials be
they hardware or software or any other related product without
express permission.]

*END THE SMALL PRINT! FOR PUBLIC DOMAIN EBOOKS*Ver.02/11/02*END*

