The Project Gutenberg EBook of Der Tabak, by C. J. Koning

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Title: Der Tabak
       Studien ber seine Kultur und Biologie

Author: C. J. Koning

Release Date: March 16, 2016 [EBook #51474]

Language: German

Character set encoding: ISO-8859-1

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DER TABAK

VON

C. J. KONING.




DER TABAK


Studien ber seine Kultur und Biologie

VON

C. J. KONING.


AMSTERDAM, LEIPZIG,
J. H. & G. VAN HETEREN. WILHELM ENGELMANN.

1900.




=J. FORSTER=, M. D., LL. D. (Edinburgh),

    Professor der Hygiene und Bacteriologie an der Universitt
    Strassburg, Correspondierendem Mitglied der Kgl. Academie der
    Wissenschaften zu Amsterdam, u. s. w.,

    gewidmet.




_Bei den chemischen Prozessen der Bildung und Zersetzung von Stoffen,
die in der Natur tglich stattfinden, spielt die Lebensthtigkeit
kleinster Organismen eine mchtige, einflussreiche Rolle. Nicht
bloss fr den Biologen, auch fr die Entwicklung des Chemikers
ist es demnach von hervorragender Bedeutung, neben der Chemie,
die Bacteriologie, die Lehre von diesen Organismen, zu betreiben.
Von dieser Erwgung ausgehend wnschte ich mich, nachdem ich mein
Fachstudium an der Amsterdamer Universitt vollendet hatte, auch mit
dieser jungen Wissenschaft zu beschftigen, die seit kurzem eine hohe
Flucht genommen hat und in die verschiedensten Gebiete eingreift. Die
gnstige Lage meines Wohnortes in der Nhe von Amsterdam ermglichte
mir den weiteren Besuch der Universittsanstalten, und so wendete ich
mich an Sie, verehrter_ ~Professor Forster~, _mit der Bitte, mir den
Weg auf dem mir fremden Terrain zu zeigen. Freundlich haben Sie mich
in Ihr Laboratorium aufgenommen und mich mit den bacteriologischen
Untersuchungsmethoden bekannt gemacht._

_Ich erinnere mich noch lebhaft, wie Sie nun vor vier Jahren mich auf
die Fermentation des Tabaks aufmerksam machten, mit welcher Sie sich
seit lngerer Zeit schon gelegentlich beschftigt hatten. Sie legten
mir diesen Gegenstand besonders ans Herz und wiesen mich damit auf ein
Gebiet, das nach verschiedenen Richtungen hin urbar gemacht werden
knne._

_Nachdem ich nun einmal unter Ihrer Leitung begonnen hatte, auf
diesem Gebiete zu arbeiten, trat mir bald, wie Sie voraus gesagt,
der hohe Nutzen deutlich vor Augen, den die eingehende Untersuchung
der Tabakskultur vom wissenschaftlichen Standpunkte aus und mit
Zuhilfenahme des durch die Bacteriologie gewonnenen Wissens bietet.
Die Beschftigung hiermit wurde mir tglich lieber und regte mich zu
fortwhrender neuer Arbeit an._

_Ihnen, verehrter_ ~Professor Forster~, _fhle ich mich zu Dank
verpflichtet. Sie haben mir den Weg erffnet, auf dem ich das Kleine
in der Natur, das so mchtige Wirkung bt, kennen lernte. Sie haben
mir in den freundlichen Rumen des Laboratoriums an der Amsterdamer
Universitt stets Ihre Beihilfe verliehen._

_Ihnen verdanke ich meine Entwicklung in dieser biologischen
Wissenschaft, zu der meine Neigung mich hin zog; und deshalb ist es mir
eine angenehme Pflicht, Ihnen hiermit die Frucht meiner Arbeit in der
Form dieses Buches zuzueignen._


Bussum, November 1899.

C. J. KONING.




DER TABAK

VON

C. J. KONING.

    ~Hanausek~ erwhnt im Anschluss an das von ~Suchsland~
    vorgeschlagene verbesserte Tabaksghrungsverfahren durch
    reingezchtete Bakterien, dass nach ~Semmler~ in Cuba einige
    beschdigte Tabakbltter von untadelhaftem Aroma in Wasser
    zum Faulen gebracht werden und dieses Wasser zum Besprengen
    des ausgegohrenen Tabaks gebraucht wird, wodurch das Aroma
    verbessert werden soll.

    ~Koch's~ Jahresbericht ber die Fortschritte in der Lehre von
    den Ghrungsorganismen 1892.


Vor mehr als zwei Jahren lenkte Professor ~Forster~ in Amsterdam
meine Aufmerksamkeit auf die Untersuchung der Ghrung des Tabaks.
Die Vermutung lag nahe, dass entweder die Hefen, oder die Bakterien
bei der Ghrung eine Funktion ausbten (~Suchsland~). Die Proben
sind also von mir in der Richtung hin genommen worden, dass ich in
erster Linie ungebrhten Tabak im Laboratorium knstlich zum Ghren
brachte, um spter die natrliche Ghrung mit dem erhaltenen Resultate
vergleichen zu knnen. Ich habe, durch verschiedene Umstnde dazu
gebracht, die Untersuchung ausgedehnt und sowohl den anatomischen Bau
der Pflanze, besonders des Blattes, als die Dngung und die chemische
Zusammensetzung des lebenden, des sterbenden und des toten Gewebes
untersucht. Dann habe ich die Ghrung und die dabei hervortretenden
Erscheinungen genau betrachtet und schliesslich die Krankheiten, welche
sich am meisten bei den Pflanzen zeigen, studiert.

Ehe ich diese Gegenstnde zu beschreiben anfange, spreche ich zuerst
Herrn Professor ~Forster~, jetzt in Strassburg, meinen Dank aus, der
mir zum Anstellen der Versuche seinen Rath und sein Laboratorium
zur Verfgung stellte, dann den Herren ~Herschel~ in Amersfoort und
~de Hartog~ in Wageningen, die mir den nichtfermentierten Tabak
zusandten und mir Gelegenheit gaben, fters die ghrenden Haufen
Tabak in Wageningen zu untersuchen und mich dadurch in den Stand
setzten, die Kulturen zu den bakteriologischen Untersuchungen an Ort
und Stelle anlegen zu knnen, dem Herrn ~N. v. Os~ in Amerongen fr
seine Bereitwilligkeit, mir die lebenden, toten und kranken Pflanzen
zuzuschicken und fr seine vielen wichtigen Mitteilungen bei meinem
wiederholten Besuche in den Tabaksfeldern. Allen meinen Dank fr ihre
Hlfe und Freundlichkeit, deren ich mich stets erfreut habe.

Als ~Columbus~ 1492 auf der Insel Guanahani landete, sah er, wie
die Rothute aus Nase und Mund Rauchwolken bliesen. Sie hatten ein
Kraut, welches, nachdem es getrocknet war, in ein Maisblatt hinein
gewickelt, an der einen Seite angezndet und am andern Ende im Munde
gehalten wurde. Dieses aufgerollte Kraut trug den Namen Tabaco.
Andere behaupten, der Name Tabak stamme von einer zu den Antillen
gehrigen Insel Tabago her. Wie dem auch sei, soviel ist sicher, dass
im Jahre 1558 in Lissabon eine Tabakspflanze aus Florida von ~Gonzales
Hernandes~ eingefhrt wurde, wovon ~Jean Nicot~ allda im Jahre 1560
mittels Samen viele Pflanzen aufzog und diese in verschiedene Lnder
Europas mit wunderlichen Erzhlungen verbreiten liess. Allmhlich wurde
die Pflanze in verschiedenen Gegenden angepflanzt, bald mit mehr,
bald mit weniger Erfolg. Von den am meisten kultivierten Arten knnen
genannt werden: _Nicotiana Tabacum_, _N. rustica_ und _N. macrophylla_.
Die Pflanze gehrt nach dem System von ~Eichler~ zu den _Tubiflorae_
und zwar zu der Unterabteilung der _Solonaceae_. Sie ist also der
_Datura Stramonium_, _Hyoscyamus niger_, _Capiscum annuum_, _Solanum
tuberosum_, _Lycopersicum esculentum_, _Atropa belladonna_ u. a. nahe
verwandt. Die Familie hat also zahlreiche Vertreter, welche krftig
wirkende Gifte bilden.

In den Tabaksblttern zeigt sich das bekannte flssige Alcaloid
Nicotin, gebunden an Apfelsure und zwar in wechselnden Quantitten
von 0,7-5%, abhngig vom Alter der Pflanze und den verschiedenen
Witterungsverhltnissen. Die schnen Untersuchungen von ~Ladenburg~,
~Hoffmann~ und ~Pinner~ liessen das Nicotin als ein Derivat von Pyridin
erkennen. Die chemische Structur dieses krftig wirkenden Giftes ist
bekannt geworden und daher die Synthese mglich.




Handel und Anwendung.


Ein jeder, welcher die Gegend um Wageningen, Elst und Amerongen, von
Amersfoort und Nijkerk, die Drfer in der Betuwe und in Maaswaal
besucht und dort durch die Tabaksfelder geht, wird den Eindruck
bekommen, dass die Tabakskultur hier im Lande noch eine grosse
Ausdehnung hat. Besonders fiel mir berall die aussergewhnliche
Sorgfalt auf, welche auf die Kultur, auf die Ernte, auf das Trocknen
und auf die Brhung verwendet wurde. Es mge den hollndischen
Tabakspflanzern ein erfreuliches Zeichen sein, dass diese wirklich
grosse Kultur und dieser grosse Handel in den letzten zwei Jahren
wiederum Fortschritte machen. Ehemals brachte der getrocknete, noch
nicht fermentierte Tabak 25 Gulden per 100 Pfund ein, in den schlechten
Jahren (87-92), als viele Zchter die Kultur einstellten, 7-12 Gulden,
und jetzt wieder 17-20 Gulden.

Man unterscheidet im Handel:

1^o _Boden- oder Sandgut._ Dies sind Tabaksbltter, welche zuerst
gepflckt werden, die untersten Bltter, welche viel Erde und Sand
enthalten und schon Ende Juli geerntet werden.

2^o _Erdgut._ Dies sind die mittelsten Bltter, die wohl den besten
Teil der Pflanze bilden.

3^o _Bestgut._ Dies ist weniger gut und wird vom oberen, der Knospe
beraubten Teil der Pflanze, erhalten.

4^o _Geizen._ Es sind diejenigen Bltter, welche nach dem Pflcken noch
am Stengel wachsen, es sind Auslufer, welche die Pflanze so viel wie
nur mglich aussaugen.

Die Durchschnittsernte ist gewhnlich 2  3 Millionen Pfund.

Von unserm hollndischen Tabak geht 7/8 der Ernte nach Deutschland,
Belgien, sterreich, Italien, Schweden, Norwegen und England; 1/8
bleibt im Lande zu verschiedenen Zwecken als Kerbtabak und Deckblatt.

Der Schnupf- und Kautabak wird hauptschlich geliefert von Amerongen,
Nijkerk, Wageningen, Rhenen und Umgegend; es ist Bestgut und wird zum
grssten Teil nach England, Belgien, Italien und Deutschland versandt,
whrend das Erdgut nach sterreich, Frankreich und auch nach Italien
und Deutschland geht.

Das Blatt aus Nijkerk ist, wie man es nennt ppiger; es ist
elastischer und piepst, wenn man es mit den Fingern spannt. Es sieht
auch fetter und dicker aus und eignet sich daher besser zum schweren
Kautabak und zum Schnupftabak. Die Betuwe liefert mit ihrem schweren
Lehmboden immer den besten Cigarrentabak, der deshalb mit 2 Gulden
per 100 Pfund mehr bezahlt wird. Der Tabak von Valburg jedoch mit
seinem hellgefrbten Blatt zeichnet sich vor allen andern aus und ist
sogar 8 Gulden per 100 Pfund mehr wert.--Der Tabak, der nach Schweden,
Norwegen, Dnemark und Deutschland ungebrht versandt wird, kommt
aus Valburg und Bemmel und zum kleinen Teil von Maaswaal. Er wird im
getrockneten Zustande, kalt gebrht, wie man es nennt, also ohne der
Fermentation ausgesetzt gewesen zu sein, sofort gebraucht. Dieser Tabak
hat eine helle, goldgelbe Farbe. Der Schnupf- und Kautabak hat ein
dickes Blatt; schon mit der Hand kann man bei gleich grossen Bscheln
den Gewichtsunterschied von dem Cigarrentabak deutlich herausfhlen
(Betuwe).

Um die hohen Zollabgaben in England, Deutschland und Belgien zu
umgehen, wird die Mittelnarbe aus den Blttern herausgenommen, die
Blatthlften auf einander gelegt und in zierliche Bschel gebunden.
Den gleichen Erfolg erhlt man, wenn man den Tabak ausdmpft d. h. das
Gewicht vermindert, indem man den Wassergehalt verringert. Auf diese
Weise ist es mglich, 50 kg auf ein Gewicht von 35 herabzudrcken. Ich
meine, dass die englische Regierung eine bestimmte Grenze gezogen hat,
und dass der Tabak also nicht so trocken gedmpft werden darf, wie man
dies frher that.

Der Einfluss auslndischer Ernten kann hier durch die nderung des
Preises zu Tage treten. Wenn das Ausland eine Missernte oder weniger
gute Ernte hat, so steigen die Preise hier und umgekehrt.

Die Zeit fr den Verkauf ihres Tabaks kann von den Zchtern selbst
bestimmt werden; der Grosshandel bezieht die getrockneten Bltter von
ihnen, wenn die Preise annehmbar sind.

Dieser Handel beruht hauptschlich bei den Herren ~Herschel~ in
Amersfoort, ~de Hartog~, ~de Voogt~ und ~Koch~ in Wageningen, ~Frowein~
in Arnheim und ~de Block~ und C^o. in Amsterdam, nebst einigen
Spekulanten in Maaswaal.




Dngung.


Das Klima, der Boden, die Dngung, die Trocknungsweise der Bltter und
die Fermentation ben einen grossen Einfluss auf die so sehr erwnschte
gute Qualitt der Tabaksbltter aus. Es ist also nicht mglich, alle
diese Bedingungen knstlich hervorzurufen oder zu beeinflussen.

Eine gute Ernte ist sehr abhngig von den Witterungsverhltnissen. Ein
einziger Hagelschauer kann in einigen Minuten ein zu Felde stehendes
Gewchs fast vernichten, whrend auf der anderen Seite eine Krankheit
unter den Pflanzen bisweilen zahlreiche Opfer heischt. Auch beim
Tabak findet ein Wechsel im Anbau statt; wozu die Leguminosen gewhlt
werden. Durch die eingehenden Untersuchungen von ~Hellriegel~, ~Nobbe~
und ~Hiltner~ ist dieser Wechsel studiert und erklrt worden. Die
Pflanze, die im Allgemeinen viel Stickstoff zum Aufbau des Eiweisses
bedarf, erhlt diesen Stickstoff aus dem Boden und der zugefhrten
Nahrung. Wenn ein und dasselbe Gewchs whrend einiger Jahre auf einem
Acker gezogen wird, so wird dieser Acker ungeachtet der Dngung stets
rmer an der gewnschten Nahrung fr die Pflanze werden. Durch die
Abwechslung in der Anpflanzung, die man nicht erklren konnte, wurde
diesem bel einigermassen abgeholfen. Man findet in den Leguminosen
(Erbsen, Bohnen m. a. W. Hlsenfrchte) Pflanzen, die den Acker fr
das nchste Jahr verbessern. Jetzt hat sich herausgestellt, dass
die kleinen Wurzelknllchen jener Hlsenfrchte eine sehr wichtige
Funktion bei der Assimilation des Stickstoffs ausben. Die Besprechung
des hchst interessanten Baues jener kleinen Knollen, sowohl als
die Entwicklung der Bakterien, welche da hinein dringen, das Gewebe
angreifen und dieses umbilden, wrde zu weit fhren.

Jedoch sei darauf hingewiesen, dass bestimmte Arten von Bakterien durch
die Wurzelhaare oder Verletzungen in die Wurzeln hineindringen, sich
stark vermehren und ein neues Pflanzengewebe hervorbringen, welches
sich in knollenartigen Verdickungen zeigt. Die Wirkung dieser kleinen
Knollen fngt erst dann an, wenn die auflsbaren Stickstoffverbindungen
aus dem Boden verbraucht sind.

[Illustration: Fig. 1. Nicht-geimpfte und mit bacterien-geimpfte
Serradella (Ornithopus sativus).]

Reinkulturen von verschiedenen Bakterien, welche augenscheinlich
dieselben kleinen Knollen bilden, habe ich jetzt unter dem
Namen Stikstofverzamelaars (Stickstoffsammler) in den Handel
gebracht. Eine Weinflasche dieser Kultur gengt fr 1/4 ha. So hat
man Stikstofverzamelaars fr _Pisum Sativum_ (gewhnliche Erbse) _fr_
_P. arvense_ (Sanderbse), _Lupinus_, _Ornithopus sativus_, _Trifolium
pratense_, _Lathyrus Sylvestris_ u. s. w.

Vergleichende Proben, mit diesen Kulturen genommen, zeigen in der
That den grossen Unterschied in der Entwicklung und in dem Wachstum
der Pflanze auf einem Acker mit solchen Reinkulturen gedngt, und dem
gleichen Acker, welcher im natrlichen Zustande geblieben ist[A].

Jeder Zchter ist davon berzeugt, dass die Anwendung einer bestimmten
Art Dnger fr ein bestimmtes Gewchs die Ernte bedeutend verbessern
kann. Das schwierige Problem, welcher Dnger in unserm Lande fr unsern
Tabak verwendet werden muss, ist zwar noch nicht ganz gelst, doch ist
ein Fortschritt in der Kulturweise der Pflanzen schon zu bemerken, dank
der Sorgfalt, die viele Pflanzer ihrem Gewchse widmen. Die Anweisung
tchtiger wissenschaftlich gebildeter Agronomen, Chemiker, und in der
letzten Zeit Bakteriologen ist von hchster Wichtigkeit, um Versuche
nach einer bestimmten Richtung hin anzustellen.

Die Erfahrung lehrt, dass ein hoher Gehalt an Chlorsure die
Brennbarkeit des Tabaksblattes nicht frdert, sondern sie stark
verringert. Ebenso wie in Ostindien hat man auch hier die Erfahrung
gemacht, dass derselbe Boden nicht jedes Jahr ein gleich gut brennendes
Produkt liefert (Salm 1877).

Viele aufmerksame Pflanzer meinen, ein tchtig beregneter Tabak liefere
meistens ein besser brennbares Produkt. In der Asche gut brennbaren
Tabaks findet sich viel kohlensaures Kali, in derjenigen des schlecht
brennbaren sehr wenig von diesem Salze; dahingegen viel schwefelsaures
Kali und Chlorkalium. Das kohlensaure Kali ist in diesem Zustande nicht
im Blatte anwesend, sondern entsteht beim Verbrennen aus Apfelsure,
Citronensure und oxalsaurem Kalium. Die sehr verbreitete Meinung, dass
der Salpeter die Brennbarkeit vermehre, ist nicht ganz richtig. Denn
Algier liefert Tabaksarten, welche viel Salpeter enthalten und doch
schlecht brennen. Dagegen bestehen andere Arten, welche keinen Salpeter
enthalten und doch gut brennen.

Man hat Recht, wenn man Zusammenhang sucht zwischen der Brennbarkeit
und dem Vorhandensein von organischen Salzen, und dies kann man
erklren und beweisen. (Indische Kulturen von ~Van Gorkom~.)
Unbrennbarer Tabak, welcher durch eine Auflsung eines organischen
Kalisalzes gezogen und nachher getrocknet wird, ist durch diese
Behandlung wirklich brennbar geworden. Macht man die nmliche Probe
mit gut brennbarem Tabak und einem anorganischen, einem Magnesium- oder
Kalk-Salze, so ergiebt sich, dass die Brennbarkeit gewichen ist. Die
Asche wird in diesem Falle kein kohlensaures Kali enthalten, das
wohl nach dem ersten Experimente gefunden wurde. Der Tabak erheischt
Kalium, viel Kalium, und damit jene Salze in die Pflanze aufgenommen
oder in ihr gebildet werden, muss man die Chlorverbindung vermeiden.
Die kohlensauren-, salpetersauren und schwefelsauren Salze des Kalium
dahingegen werden von den organischen Suren analysiert. Alljhrlich
werden von unsern Zchtern Tausende von Gulden auf die Dngung ihrer
Felder verwendet. Die Tabakspflanze braucht eine krftige Nahrung,
wodurch sie zu gleicher Zeit eine gewisse Immunitt den fungischen
Sporen gegenber erhlt.

Es ist sehr beachtenswert, dass die Pilzarten im Tabak, welcher in
unfruchtbaren Boden gepflanzt war, welcher also wenig gedngt wurde,
sich spter gerne in der Pflanze entwickeln. Der schlechte finanzielle
Zustand des Pflanzers ist indirekt Ursache davon. Allgemein kann man
bei sorgfltiger Behandlung des Tabaks annehmen, dass ein Hektar von
Boden, welcher schon in Kultur genommen ist, 35000 kg. Schafsmist
braucht, mit einem Durchschnittswert von 350 Gulden (etwa 600 Mk.)
Die Experimente mit der Tabakskultur in Zeeland haben bis jetzt nicht
den erwnschten Erfolg gehabt. Der hohe Gehalt des Meeresthons an
Chloriden ist hchst wahrscheinlich Ursache davon. Im Zusammenhang mit
dem dortigen Futter der Schafe ist auch der Mist dieser Tiere (_f_
1,50 per 1300 kg.) weniger wert als derjenige, welcher aus der Provinz
Utrecht und Sd-Holland angefhrt wird. Im grossen Ganzen ist die
Dngung unsrer Tabaksfelder noch sehr verschieden. Einen sehr guten
Erfolg erzielt man durch Anwendung von 45000 kg. Schafsmist und 500
kg. Chilisalpeter- Superphosphat per Hektar. Gleich gnstig wirkt eine
Dngung mit 45000 kg. Schafsmist und 350 kg. gemalenem (= aufgelstem)
Peruguano.

Die Zusammensetzung dieser Dngstoffe ist fr 1000 kg. frischen
Schafsmistes in ihren wirksamsten Bestandteilen angegeben: Stickstoff
8.3, Phosphorsure 2.3, Kali 6.7, Natron 2.2, Kalk 3.3, Chlor und Fluor
1.7 im Werte von _f_ 8,-- per 1000 kg., welche durch die Kosten fr
Fracht, Arbeitslohn, bis zu _f_ 9,-- steigen. Chilisalpeter enthlt 15%
Stickstoff im Werte von _f_ 11,50  _f_ 12,50 per 100 kg.

Aufgelster (= gemalener) Peruguano: 7% Stickstoff und 9.5% auflsbare
Phosphorsure im Werte von _f_ 10,-- per 100 kg.

Ebenso wie die meisten anderen knstlichen Dngstoffe, welche
unter Kontrolle gestellt werden knnen, wird der Gehalt fr
Chilisalpeter-Superphosphat angegeben mit 7% Stickstoff und 9%
Phosphorsure etwa im Werte von _f_ 8,50 per 100 kg. Unter dem
Namen Delidnger der besonders nach Indien geschafft wurde, war eine
Mischung im Handel, welche 6% Stickstoff, 5% Phosphorsure und 5% Kali
enthielt. Man behauptete, durch Anwendung dieses Kunstdngers erhielte
man ein hell gefrbtes Blatt.

In der letzten Zeit ist die Aufmerksamkeit auf die Torfstreu gelenkt
worden, welche aus den Pferdestllen herstammt. Sie zeichnet sich vor
allen anderen tierischen Dngstoffen dadurch aus, dass mit ihr der
Boden pors bleibt und deshalb mehr Feuchtigkeit festhlt als bei einer
Dngung mit Kuhmist.

Ein mir bekannter Zchter, der eine Reihe von Jahren Versuche mit
verschiedenen Dngstoffen machte, einzeln und gemischt, hat es jetzt so
weit gebracht, dass ein fr Holland sehr gutes Produkt erzielt wird,
zu gleicher Zeit noch mit dem Vorteile, dass die Kosten fr Dngung
bedeutend geringer sind.

Einige Zchter gebrauchen nebst Schafs- oder Kuhmist noch Taubenmist auf
ihren Feldern und zwar 20 bis 30 h.l. per h.a. Die Erfahrung lehrt,
dass so der Tabak krftiger ist, schwerer wiegt und mehr Glanz besitzt.
Ein gleiches Resultat wird hervorgebracht mit dem viel billigeren
Peruguano.

Alle 4 bis 5 Jahre werden auf dem Felde Leguminosen gezogen und noch
nachher im nmlichen Jahre weisse Rben, auch wohl Futtermhren. In
diesem Falle wird im Monat Mrz der Mhrensamen zu gleicher Zeit mit
Erbsen ausgest, die Rben hingegen erst Ende Juli, nachdem die Erbsen
eingeerntet sind. Im darauffolgenden Jahre wchst auf solchem Acker
die Tabakspflanze ppiger, trgt ein dnneres, schneres Blatt, das
besser brennt, doch weniger Gewicht hat bei gleicher Dngung als auf
anderem Boden. Wir sehen hier nochmals die krftige Nachwirkung der
Leguminosen, das Resultat des Wechselbaues.

Allgemein wird bemerkt, dass ein warmer, trockner Sommer ein dickeres,
schwerer brennbares Blatt liefert, ein feuchter regnerischer Sommer ein
dnneres, besser brennbares Blatt. ~Nessler~ suchte die Erklrung dafr
in der verschiedenen Absorptionsfhigkeit des Bodens dem Chlor und
Kalium gegenber, wonach in trocknen Sommern besonders die Chlorsalze
(NaCl.) mit dem Grundwasser aufsteigen sollten, indem diese in nassen
Sommern hinweggesplt wrden. Wie dem auch sei, es scheint mir, dass
der anatomische Bau des Blattes einen nicht unbedeutenden Anteil an
der Brennbarkeit hat. Ein Tabaksfeld in der Nhe von Amerongen war zum
Teil gelegen an einer mit schweren Buchen bewachsenen Allee; dieser
Teil wurde fast den ganzen Tag beschattet, war also feuchter als der
von der Sonne beschienene. Die Pflanzen im Schatten waren hher und mit
grsseren Blttern versehen.

Die mikroskopischen Untersuchungen zeigen in der That, dass
die Struktur der Bltter feiner ist, und dass besonders das
Schwammparenchym mit grsseren Luftgefssen versehen ist als dasselbe
Gewebe der von der Sonne beschienenen Bltter. Ebenso, jedoch in
schwcherem Grade, kennzeichneten sich die Bltter der Pflanzen, welche
durch den Schatten der Trockenscheunen nach 1 Uhr Nachmittags keine
Sonne mehr bekamen. Im Anschluss hieran lehrten mich die Versuche,
dass ein Blattteil ohne Hauptrippen einer beschatteten Pflanze weniger
wog als ein ebensogrosser Teil von einem besonnten Blatte. Als
Durchschnittswert bei frischen Blattteilen fand ich fr die im Schatten
wachsenden Pflanzen, bei einer Oberflche von 23 cm^2, 0.530 Gramm, fr
die im Sonnenlicht wachsenden Pflanzen 0.650 Gramm, also im Verhltnis
von 100 zu 122.

Zugleicherzeit muss hier die Bemerkung gemacht werden, dass Pflanzen,
welche im Schatten wachsen, im grossen Ganzen ein besser brennbares
Blatt liefern.

Aus diesen Betrachtungen erhellt die Macht der Dngung und der Einfluss
des Lichtes auf den anatomischen Bau des Blattes[B].

[Funote A: Siehe meine Abhandlung im Indische Mercuur, 17 Dec. 1898:
De Stikstofvoeding der Leguminosen.]

[Funote B: Siehe meine Abhandlung im Indische Mercuur, 13 Mai
1899, Martellin, een nieuwe meststof.]




Kultur


Anfang Mrz wird der Samen der Tabakspflanze auf eine sehr
eigentmliche Weise zur Aussaat prpariert. Zu einem Hektar braucht man
nur 18 Fingerhtchen von diesem sehr winzigen Samen. Man bringt weissen
Sand in Blumentpfe und oben darauf den ein wenig angefeuchteten Samen.
Eine Reihe dieser Tpfe, meistens fr verschiedene Zchter, wird in
ein kaltes mit Glasscheiben verschlossenes Mistbeet gestellt, in
welchem durch Brhung des hineingebrachten Pferdemistes die erwnschte
Temperatur erhalten wird, um die Saat keimen zu lassen. Sobald das
Wrzelchen sich zeigt, wird der Samen mit trocknem Sande vermischt
und dann in die Mistbeete ausgest. Der Boden dieser Mistbeete ist
mit Pferdemist und etwas Taubenmist zubereitet. In der Gegend von
Wageningen und Amerongen ist dieser Vogelmist leicht zu bekommen,
durch das Recht, welches einigen Herrlichkeiten gewhrt ist, hunderte
ja sogar tausende meist verwilderte Tauben halten zu drfen. Von
diesen uralten Herrlichkeiten knnen genannt werden: _Amerongen_,
_Molenstein_, _Zandenburg_ und _Leeuwenburg_. Der Handelswert dieses
Taubenmistes ist etwa 2 Gulden per Malter.

Die Kiste oder das Mistbeet, wovon der Glasrahmen mit geltem Papier
verklebt ist, wird jetzt derartig behandelt, dass der Pferdemist etwa 1
cm., der Taubenmist dahingegen etwa 3  4 cm. unter den Boden zu liegen
kommt. Nachher wird das Mistbeet triefnass gemacht, und der Samen mit
Sand vermischt darber gestreut. Die ersten 10 Tage braucht es nicht
begossen zu werden. Etwa am 15-30 Mai sind die Pflnzchen so gross,
dass die besten ausgesucht und gepflanzt werden knnen. Dies geschieht
auf dem schon schwer gedngten Land und zwar so, dass zwei Reihen der
Pflnzchen auf einen einigermassen erhhten Erdrcken gestellt werden.

Man erhlt hierdurch eine gute ~Ab~-wsserung und zugleicherzeit eine
sehr gute Gelegenheit, um spter beim Einernten zwischen die Pflnzchen
zu gelangen.

Auf einem ha. stehen ungefhr 38000 Pflanzen, welche je 45 cm. von
einander entfernt sind. Die Umgebung der jungen Pflnzchen wird immer
sorgfltig mittels Schaufel und Hacke vom Unkraute gesubert.

Die gefrchteten Feinde der Pflanzen sind nun die Kfer- und
Grauwrmer, die auf allen Tabaksfeldern, und die Erdraupen, die nur
auf einigen Feldern gefunden werden. Nicht selten werden whrend des
ersten Monats 2000 per ha. mit der Hand, also durch Ablesen entfernt.
Nach dieser Zeit verschwinden diese gefrchteten Eindringlinge von
selbst. Die Anpflanzung einer Reihe Salat lngs der hohen Erbsen- und
Bohnenhecken, scheint ein Lockmittel fr die Erdraupen zu sein; auf
diese Weise wird das Suchen und Entfernen erleichtert.

Der Geldersche Landmann versteht unter Kferwrmern Engerlinge, das
sind die Larven des Maikfers, _Melolontha vulgaris_. Unter Grauwrmern
versteht man gewhnlich die Emelten, die Larven der Erdschnaken:
_Tipula oleracea_, _T. paludosa_, _T. maculosa_, u. s. w. Unter
Nadelwrmern versteht man gewhnlich Erdraupen: _Agrotis segetum_,
_A. tritici_, _A. exclamationis_ u. s. w. Die Zchter verwechseln
gewhnlich diese Namen. Herr ~Professor Ritzema Bos~ hatte die Gte,
mir hier die richtigen Benennungen anzugeben. Nach 6 bis 7 Wochen ist
die Pflanze schon so gross, dass sie gekpft werden kann, d. h. in den
Morgenstunden wird mit gelten oder mit Speck eingeriebenen Fingern die
Knospe herausgenommen. Die Pflanze trgt bald darauf 14  15 tchtige
Bltter. An einer geringen Zahl gut gewhlter Pflanzen lsst man Samen
schiessen, entfernt die kleinen Blumen oder Frchte und lsst die
Grsseren zur vollen Reife kommen. Der Samen, der von berseeischen
Besitzungen zum Anstellen von Versuchen hierher gebracht wurde, ist
im Laufe der Jahre durch die natrliche Kreuzbestubung stets zurck
gegangen. Man hlt jetzt auf die beschriebene Weise eine Auslese zur
Ziehung der besten Arten. Ende Juli werden die untersten fnf Bltter,
das sogenannte Sandgut, gepflckt, 2 bis 3 Wochen spter das Erdgut,
und wieder nach derselben Zeit das Bestgut.

Die Bltter werden nach jeder Ernte in dem Hauptnerv eingeschnitten,
an Stbe oder Stangen gesteckt und dicht auf einander 3 bis 4 Wochen
in dazu hergerichteten, gut ventilierten, meistens hlzernen Scheunen
zum Trocknen aufgehngt. Bei feuchtem Wetter geschieht dies Trocknen
nicht immer nach Wunsch, die Bltter trocknen schlecht und in Folge
dessen entsteht die sogenannte Anschwellung, die in Fulnis bergehen
kann. Dadurch, dass man niedrige Feuer unter die trocknenden Bltter
anlegt, kann diesem bel abgeholfen werden, besonders im Sptsommer:
am 10^{ten} Tag der Trocknung wird dies beim Bestgut beobachtet,
die Anschwellung zeigt sich dann dadurch, dass die hngenden Bltter
sich gerade ausbreiten.

Das Sandgut, Bestgut und Erdgut, von dem beim Anfange der Trocknung
etwa 30  40 Bltter an einer Stange hingen, wird nach 3 bis 4 Wochen
umgesteckt und zwar derartig, dass die Bltter von 4 Stben auf eine
Stange gesteckt werden. Dann werden diese Stangen zu Haufen aufgetrmt
und zwar so, dass ein Kubus gebildet wird, dessen Hhe aus etwa 20 bis
25 Schichten besteht, wovon die Bltter alle nach innen gerichtet sind.

So bleiben sie liegen bis zum Oktober oder November, um dann sortiert
und in Bschel zusammen gebunden zu werden.




Anatomie und Physiologie.


Die Brennbarkeit des Tabaksblattes, wie wir schon sahen, ist abhngig
von der Anwesenheit organischer Kaliumsalze.

Die Art, wie die Pflanze diese bildet und aus welchen Salzen sie
entstehen, ist nicht mit Bestimmtheit anzugeben. Jede lebende Pflanze
(die meisten Parasiten ausgenommen) baut aus anorganischen Stoffen
diejenigen Krper auf, welche sie braucht. In welcher Weise das Nicotin
von der Tabakspflanze aufgebaut wird, ist unbekannt. Dies Alcaloid
scheint sich in allen Teilen der Pflanze zu finden.

Mit den allgemeinen Alcaloidreagentien wird berall im
Pallissadengewebe wie im Schwammparenchym eine Reaktion beobachtet.

Die Funktionen, welche die Organe der Pflanze ausben, sind genau
bekannt; man kennt die Rolle vom Xylem, Phlom, Parenchym, Collenchym,
Sclerenchym und von sovielen andern. Weniger bekannt ist die Weise,
in welcher die Pflanze die organischen Stoffe aufbaut, Stoffe, welche
so zusammengesetzt sind, dass man noch nicht den mindesten Begriff
hat von ihrer Konstitution oder ihrem chemischen Bau. Vor einigen
Jahren gab ~Baeyer~ seine Hypothese ber die Bildung der Kohlhydrate
unter dem Einflsse des Chlorophylls. Nach dieser Vermutung, die noch
nicht widerlegt worden ist, geht die Kohlensure in Ameisensure
ber, diese mittels Reduktion in Aldehyd, und dieses wieder unter
Polymerisation in ein Kohlhydrat, einen Zucker, ein Monosaccharid.
Nach den Untersuchungen von ~Curtius~, die im Anfange des Jahres
1897 bekannt gemacht wurden, ist es ihm gelungen, aus dem Brei der
Pappel- und Eschenbltter, mittels M--Nitrobenzhydrazid, ein Aldehyd
auszuscheiden und anzuzeigen, (C_{7} H_{11} O C O H). Weiter ist
bekannt, dass Asparagin oder Amido- Apfelsure ein stickstoffreicher,
kristallisirbarer Krper ist, welcher mit Traubenzucker Eiweiss bilden
kann, und umgekehrt, dass das Eiweiss den Stickstoff wieder abgeben
kann, um Asparagin aufzubauen, welches durch die Gewebe nach den
Myristemen gefhrt werden kann, um da zur Stelle wieder das erwnschte
Eiweiss entstehen zu lassen.

Der Bau des Tabaksblattes ist dem Typus der Dicotylenbltter gleich.
Wenn wir ein Tabaksblatt mikroskopisch auf dessen Querdurchschnitt
betrachten, sehen wir zu allererst die Cuticula, welche mit Wachs
berzogen ist; sie bildet einen Teil der Epidermis, die in unserm Falle
sowohl an der Aussen- als Innenwand cuticularisiert ist. Diese Epidermis
besteht aus flachen tafelfrmigen Zellen, welche mit unregelmssig
wellenden Linien in einander schliessen und hier und da Spaltffnungen
zwischen sich lassen.

Obgleich die Spaltffnungen in der Regel sich nur an der Unterseite der
Bltter zeigen, ist dieses beim Tabak nicht der Fall; sie finden sich
da an beiden Seiten.

[Illustration: Fig. 2. Querdurchschnitt eines jungen Tabaksblttchens
aus der Knospe genommen (Amerongen), 150 Male vergrssert.]

Viele Zellen der Epidermis sind zu Haaren ausgewachsen. Die Form
dieser Haare ist sehr verschieden und kennzeichnend. Die meisten
sind mehrzellig, sehr lang und tragen oben einen mit therischem
l gefllten mehrzelligen Krper; eine zweite Art ist gleichfalls
lang, doch endigt in einer Spitze, whrend eine dritte Art auf einem
kurzen einzelligen Stiele einen grossen angeschwollenen, mehrzelligen
Krper trgt. An beiden Seiten der Bltter zeigen sich Haare. Im
allerjngsten Zustande des Blattes sah ich sogar einige, welche stark
verzweigt waren. Unter der Epidermis liegt das Pallissadengewebe,
welches aus langen blattgrnreichen Zellen besteht, die sich dicht an
einander anschliessen. Darunter laufen, doch nicht an allen Stellen,
die Gefssbndel, welche aus Xylem und Phlom bestehen, von denen das
erstere zur Weiterbefrderung des Wassers, das letztere zum Transporte
des Eiweisses dient.

Die Holz- oder Xylemgefsse zeigen durch die eigentmlichen bandfrmigen
Anschwellungen die wohlbekannte Spirale, die Phlomgefsse kennzeichnen
sich durch die durchbohrten Zwischenwnde oder Siebplatten; weiter
treffen wir das Schwammparenchym, dass aus sehr grossen, gleichfalls
chlorophyllreichen Zellen besteht, welche zahlreiche grosse Luftrhren
zwischen sich einschliessen. Dann folgt wieder nach der Unterseite die
Epidermis mit ihren vielen Spaltffnungen und zu Haaren ausgewachsenen
Zellen.

In beigehender Zeichnung, die nach einem Querdurchschnitt von mir
angefertigt wurde, sehen wir die Lage der Organe. Der Durchschnitt
eines jungen Blattes, aus dem Keimpunkte genommen 12 cm. lang, ist
derartig, dass der Nerv und an beiden Seiten davon der Anfang der
beiden Blatthlften mit einem Teil des Gefssbndels, der sich nach
dem Blatte zuwendet, deutlich sichtbar ist. Wir sehen in der Mitte den
Xylembndel, aus Holzgefssen bestehend, ringfrmig umschlossen vom
Phlom. Um den Gefssbndel herum liegt das Collenchym, kenntlich an
den Anschwellungen der Zellenwnde in den Ecken. Das Collenchym ist
sehr dehnbar und in geringem Masse elastisch; daher kommt es, dass es
nach Ausreckung nicht wieder vollkommen die frhere Lnge annimmt. Es
besteht aus langen Zellen mit platten Enden; die Wnde sind weich und
wasserreich, wodurch es unter dem Mikroskop blulich aussieht.

Was die chemische Zusammensetzung betrifft, finden wir in den
Zellenwnden und in den cuticulren Schichten Suberin, einen Stoff, der
mit dem Korkstoff identisch ist. In den frischen Blttern sind Spuren
von Asparagin deutlich nachzuweisen (Alcohol abs.) Dieser Krper ist
quantitativ mit Nitras hydrargyrosus zu bestimmen, wozu vorerst der
Farbstoff mit basischem Bleiacetat niedergeschlagen wird. Quantitative
Bestimmungen von Asparagin und Eiweiss (letztere Bestimmung nach der
Methode ~Stutzer~) in den reifen Blttern, und whrend des Trocknens
der Bltter gemacht, deuten auf einen bergang von Eiweiss in
Asparagin. Je lnger die Bltter trocknen, desto reicher werden sie an
diesem Crystalloid.

Weiter kann im Blatte ein inversionsfhiges Kohlhydrat erkannt werden,
mutmasslich Rohrzucker. Von organischen Salzen sind anwesend: die der
Apfelsure, Citronensure und Oxalsure, von denen das letztere als
Calciumoxalat durch mikrochemische Reaktionen im Parenchym dargethan
werden kann (man sehe die Figur). Von den anorganischen Salzen mssen
die Chloride, Phosphate und Sulfate erwhnt werden. Das Kalium ist
teils an organische Suren, teils an Salpetersure gebunden.

Unmittelbar hier anschliessend wnsche ich die Prozesse zu behandeln,
die beim Trocknen der Bltter stattfinden. Sobald die Bltter in den
Trockenscheunen aufgehngt werden, sehen wir, wie in den ersten Tagen
schon grosse nderungen vor sich gehen: die Farbe der Bltter geht ber
in ein fahles Gelb und luft durch verschiedene Farben bis ins Braune.
Wir haben nach dem Pflcken nicht sofort mit einem toten, abgestorbenen
Blatte zu thun, sondern die Lebensfunktionen dauern noch Tage, ja
Wochen lang fort. Das sterbende Blatt schafft in seinem Gewebe vllige
Wandlungen, die schon durch die sichtbare Farbennderung angezeigt
werden. Durch Plasmolyse und durch Verwendung von Farbstoffen, wie
Eosin und Picro-Carminsaures-Ammoniak, kann dargethan werden, dass die
Zelle noch Tage lang eine zum Leben gehrige Function vollbringen kann.

Ich fand fr Bltter, die von mir selbst gepflckt und aufgehngt
wurden, dass dies 15 bis 20 Tage dauern kann.

Wenn Schnitte eines reifen Blattes in eine Jod-jodkaliumlsung gebracht
werden, sehen wir, dass das Strkemehl in usserst kleinen Krnchen
in grosser Zahl vorhanden ist; die Chlorophyllkrner erscheinen
wie Riesen daneben. Whrend des Trocknens des Blattes nehmen sie
in Anzahl ab, indem sie Zucker bilden. Die Versuche sind leicht zu
machen. Ein Blatt oder ein Teil davon wird in Wasser gekocht, mit
Kalilauge durchscheinend gemacht, nachher mit Essigsure neutralisiert
und weiter auf einen Porzellanteller ausgebreitet, in welchen man
Jodalcohol mit Wasser gebracht hat. Nach einiger Zeit zeigt sich aus
der Intensitt der Frbung die Lage des Strkemehls. Wenn hingegen ein
Blatt mittels Chloroformdampf gettet wird, so findet die Umsetzung
nicht statt, die Farbe verwandelt sich nicht in Gelb, ein Beweis,
dass das sterbende Blatt Lebensfunktionen besitzt und zeigt. Die
Verschwindung des Strkemehls geht zusammen mit der Entstehung von
Glucose, aber auch dieses Kohlhydrat ist whrend des Trocknens nicht
bleibend, verschwindet jedoch auch nicht ganz. Ich meine, dass einige
amerikanische Tabaksarten knstlich schnell getrocknet werden; doch
dann fragt es sich, ob sich dieser Prozess gnstig fr den Tabak
erweist. Whrend der Trocknung wchst auch der Gehalt an organischen
Suren, und da wir sahen, dass ein grosser Teil dieser Suren an
Kalium gebunden war, muss dies wieder die Brennbarkeit des Blattes
beeinflussen.

Quantitative Bestimmungen des Nicotin nach der Methode ~Kissling~
zeigen, dass dies Alcaloid whrend der Trocknung keiner nderung
unterworfen ist; ebensowenig werden die Nitrate angegriffen. Die
Eiweisse hingegen vermindern und als Produkte hiervon zeigen sich Amine
(~Behrens~).

Aus diesen Versuchen und Betrachtungen geht hervor, dass die Trocknung
der Tabaksbltter langsam geschehen muss. Die chemischen Prozesse,
welche unter dem Einfluss des Lebens whrend der Trocknung durchgemacht
werden, sind von grosser Wichtigkeit fr die hierauf folgende
Fermentation. Wir werden da sehen, dass lebende Organismen, Bakterien,
den Ghrungsprozess einleiten und beendigen.




Fermentation. Physische und chemische Untersuchung.


Durch die Fermentation wird der Tabak einer vlligen nderung
unterzogen, und ohne Zweifel ben die Brhungsweise, die Temperatur und
die Bakterien einen grossen Einfluss aus auf die Bildung derjenigen
Zersetzungsprodukte, welche was Geruch und Geschmack betrifft,
kennzeichnend sind. Ich bin fest berzeugt, dass hauptschlich die
Bakterien und nicht die ~Loew'~schen Enzyme[C], die Hauptrolle spielen.
Wir werden spter sehen, dass bei knstlicher Impfung mit Reinkulturen
ganz andere Prozesse stattfinden. ~Suchsland~ war der erste, welcher in
einer vorlufigen Mitteilung bekannt machte, dass Geruch und Geschmack
durch die Lebensprozesse der Mikroben entstehen; jedoch hat er spter
nie wieder diesen hchst interessanten Gegenstand aufgenommen.

In der Einleitung erwhnte ich schon, dass die Herren ~Herschel~ in
Amersfoort und ~de Hartog~ in Wageningen mir immer bereitwilligst Hilfe
verliehen, und dass in den Scheunen, wo die ghrenden Haufen Tabak
umgesetzt wurden, ein improvisiertes kleines Laboratorium mit den
allerntigsten Instrumenten von uns eingerichtet war.

Mit der grssten Sorgfalt wird ein Haufen Tabak zusammengesetzt. Die
musterhaft zusammengebundenen Bschel werden aufgeschichtet, so dass
man Haufen von etwa 3 m. hoch, 3.5 m. breit und 3.5 m. lang bekommt.
Diese Ziffern sind nicht normal, sondern Form und Grsse richten sich
nach dem anwesenden Raum, ein Haufen ist desshalb grsser als der
andere. Das Gewicht variiert gleichfalls, man hat solche von 15000
bis 30000 Pfund. Wenn ein Haufen fertig da steht, ist es wirklich
ein reizender Anblick. Man sieht von allen Seiten die Kpfe der
sorgfltig zusammengebundenen Bschel, welche dem Ganzen das Ansehen
eines Flechtwerks geben. Wenn ein Haufen einige Tage steht, fngt er
an zu sinken. Indem man lange Stangen hineinsteckt, kann man, wenn
man dieselben herauszieht und mit der Hand anfhlt, die Temperatur
beobachten und zugleicherzeit den Geruch beurteilen. Die Personen,
welche sich hiermit beschftigen, haben, was dies betrifft, eine
jahrelange Erfahrung. Es whrt nicht lange so wird der Haufen warm und
feucht, die Brhung oder Fermentation fngt an. Weil die Temperatur
immer steigt, kommen von allen Seiten Insekten hinzu, welche mit dem
Namen Luse angedeutet werden. Bei meiner Anwesenheit habe ich
dieselben nicht gesehen und habe also keine Gelegenheit gehabt, sie zu
bestimmen.

[Illustration: Fig. 3.

Eine Fermentationsscheune des Herrn ~Herschel~in Amersfoort.]

In Wageningen hat man die Erfahrung gemacht, dass Tabak aus der Veluwe
wohl, der aus der Betuwe nicht diese Insekten bei der Ghrung zeigt.

Ein Haufen bleibt ungefhr 3 oder 4 Monate in Ghrung, doch wird
whrend dieser Zeit meistens 3 mal umgesetzt, wodurch die usseren
Teile, welche frei an die Luft grenzen, sich auch an der Brhung
beteiligen knnen.

Eine bestimmte Regel ist hierfr nicht anzugeben, die Erfahrung ist
die beste Lehrerin. Ein Haufen von 20000 Pfund Bestgut von der Veluwe,
von einem mit Schafsmist gedngten Acker, wird, nachdem er 4 Wochen
gestanden hat, umgesetzt. Dieses Umsetzen, womit 5 Personen 2 bis 3
Tage beschftigt sind, geschieht meisten 3-mal. Erd- und Sandgut aus der
Betuwe (Valburg 60000 kg. Kuhmist per ha.,  200 Gulden an Wert) wird
gleichfalls 3-mal umgesetzt. Doch braucht man 4 Monate, um die Ghrung
zum erwnschten Ziel zu bringen.

Gemischte Haufen, das sind Haufen, welche Tabak von verschiedenen
Gegenden, Sandgut, Erdgut, Bestgut oder Geizen enthalten, brauchen eine
nicht zu bestimmende Ghrungszeit, die Erfahrung muss dies entscheiden.
Einige Male geschieht es wohl, dass Tabak schwer oder gar nicht zum
Ghren kommt (Erd- und Sandgut von 94 und 96); dies werde ich sofort
erklren.

Zu gleicher Zeit glaube ich unsern Tabakspflanzern und Hndlern eine
Mitteilung machen zu mssen, die vielleicht Veranlassung zu einem
Versuche geben knnte. Die Vermutung liegt nmlich nahe, dass ein hoher
Stickstoffgehalt des Tabaks die Ghrung zwar nicht bedingt aber doch
stark dazu beitrgt. Durch das Hineinbringen von gewhnlichem Klee
(Trifolium pratense) zwischen die Haufen sollte sie zu erreichen sein.
Man weiss, dass die Leguminosen stickstoffreich sind.

Wenn die Ghrung beendigt ist, werden die Bschel zu schmalen Reihen
angehuft. Hierdurch beugt man der Nachghrung soviel wie nur mglich
vor.

Bei einer Gelegenheit, wo ein Haufen zum zweiten Male umgesetzt wurde,
nahm ich auf ungefhr 60 cm. Tiefe eine Temperatur von 56 C. wahr. Der
Wassergehalt der Bltter war etwa von 25-35 %, welcher natrlicherweise
wechselt mit dem krzeren oder lngeren Stand des Haufens. Im
Algemeinen kann festgestellt werden, dass Tabak, welcher im Dezember
oder Januar gekauft wurde, nach der Brhung 6 % an Gewicht verloren
hat. Bei der Fermentation findet also Verlust an Gewicht statt.

Beim Umsetzen des Haufens zeigte sich deutlich ein honigssser, etwas
prickelnder Geruch, zugleicherzeit stieg ein feuchter Dunst empor, der
als Dampf sichtbar war.

Lackmuspapier, rotes und blaues, und ebenso Curcumapapier zeigten,
nachdem sie eine halbe Stunde zwischen den feuchten Blttern auf gut
1/2 m. Tiefe gelegen hatten, keine Reaktion, sodass man als sicher
annehmen darf, dass dieser Haufen im Augenblicke der Ghrung neutral
reagierte. Dies ist jedoch nicht immer der Fall. Tabak aus der Betuwe
entwickelt kein oder sehr wenig Ammoniak, der von der Veluwe hingegen
liefert als Zersetzungsprodukt Ammoniak. Spter werden wir sehen, dass
auch hier Bakterien Ursache davon sind, und dass dies durch knstliche
Impfung entsteht. Es gelang mir, einige dieser Ammoniakbilder zu
isolieren. Nach diesen wenigen vorhandenen Angaben, ist die Vermutung
berechtigt, dass in unsern berseeischen Besitzungen sich Mikroben
finden werden, die ihre eigenen Zersetzungsprodukte bilden; wir
sahen ja in dem Augusthefte der Monatsschrift de Natuur, dass
~Hansen~ Ghrungszellen gefunden hat, die in kleinen Entfernungen von
Baumschule zu Baumschule bersiedeln konnten, und auf der Oberflche
ssser, saftiger Frchte lebten und Umsetzungen vollzogen[D].

Bei einigen Tabakghrungen wird angegeben, dass Kohlensure entsteht,
aber es ist mir nicht gelungen, in den ghrenden Haufen oder im Raume
der Scheunen einen hheren CO_{2}-Gehalt der Luft darzuthun als
in der umgebenden Aussenluft. Auch die Versuche in den V-frmigen
Ghrungsrhren gaben dies zu erkennen. Glaubwrdige Mitteilungen,
dass bisweilen CO_{2} entsteht, wrden einen Beweis mehr liefern:
_dass Tabaksarten von bestimmten Gegenden von bestimmten Bakterien
beeinflusst werden und ungleiche Zersetzungsprodukte abgeben_.

Mutmasslich jedoch wird zu einer bestimmten Zeit im Haufen CO_{2}
entstehen knnen. Wenn sich zugleicherzeit NH_{3} bildet, so werden
beide im Status nascens ein Salz liefern. Das Gas hat also keine
Gelegenheit zu entweichen. Bei einem ghrenden Haufen haben wir
es wahrscheinlich mit Anaroben zu thun, es sei fakultativen oder
obligaten, oder mit obligaten Aroben.

Was den chemischen Teil betrifft, so finden wir einen grossen
Unterschied in der Zusammensetzung des Tabaks beim Anfange und beim
Ende der Ghrung. Allen stattfindenden Zersetzungen nachzuforschen
ist unmglich bei dem gegenwrtigen Stand der analytischen Chemie;
wir haben es nicht nur mit Lebensprozessen zu thun, sondern auch mit
den Umsetzungen der Stoffe, welche vom Leben herstammen. Von einer
Tabaksart fand ich die folgende Analyse, welche gemacht war vor und
nach der Fermentation (~Behrens~).

V = trockne, sandfreie Bltter vor und N = die Bltter nach der
Fermentation.

                                             V.        N.

    Totaler Stickstoffgehalt               3.09 %    3.24 %
    Eiweissstickstoff                      1.30      1.36
    Nicotin                                1.464     1.075
    therextract                           9.41      8.34
    Darin anwesende Sure, als
      Milchsure berechnet                 0.446     0.450
    Organische, nicht flchtige Sure,
      als Apfelsure berechnet            16.81     14.45
    Mit Wasserdampf flchtige Suren,
      als Buttersure berechnet            0.124     0.299
    Reduzierender Zucker, nach
      Klrung mit Bleiessig                1.26      0.
    Salpetersure (N_{2} O_{5})            0.201     0.
    Schwefelsure (SO_{3})                 2.147     2.201
    Sandfreie Asche                       19.83     21.01


Unter dem Einflusse verschiedener Dngerarten und verschiedener
Mikroben, die bei der Ghrung wirksam sind, variiert die Analyse. Nach
den Personen, welche sich bei uns mit der Fermentation beschftigen,
sollte der Veluwer Tabak durch die Dngung mit Schafsmist nicht
selten viel NH_{3} entwickeln, was natrlich den Stickstoffgehalt
beeinflusst. Nach obiger Analyse sinkt der Nicotingehalt, jedoch nicht
durch Verflchtigung des Alcaloids, da der totale Stickstoffgehalt
ungefhr konstant bleibt. Nicht unwahrscheinlich werden bestimmte
Mikroorganismen sich daran beteiligen.

Dass das Nicotin auf niedrige Organismen bisweilen nicht als Gift
wirkt, lehrt die _Botrytis cinereae_, welche lebt und sich vermehrt in
einem Nahrungsboden, welcher dieses Alcaloid enthlt.

Die Versuche, welche ich mit den Reinkulturen der NH_{3}-Bildner nahm,
deuten darauf hin, dass hchstwahrscheinlich das N von dem Eiweiss
(Protoplasma) herstammt. Es ist mir jedoch spter gelungen, die
Nitrate, Asparagin und Ammoniumsalze derartig zu ndern, dass NH_{3}
als Zersetzungsprodukt auftrat. Das Asparagin, die Amido-Apfelsure,
ist nach der Fermentation des Tabaks nicht mehr zu finden und hat sich
also auch an den Zersetzungsprozessen beteiligt.

Aus diesen Betrachtungen erhellt, welche tief eingreifende
Vernderungen bei der Ghrung stattfinden. Muss man jetzt noch daran
zweifeln, dass durch die Ghrung neu gebildete aromatische flchtige
und nicht flchtige Krper entstehen, welche dem Tabaksblatte eine
gute oder weniger gute Qualitt verleihen? Die Ghrung nimmt ihren
Verlauf, abhngig von den anwesenden Mikroorganismen. Sie werden einen
biologischen Prozess hervorrufen, abhngig von dem Boden, der ihnen zur
Nahrung dient. Dort, wo beide, oder eins von beiden, verschieden sind,
muss auch das Endprodukt der Wirkung verschieden sein.

Ich zweifle nicht daran, dass die Reinkulturen, welche von edeln
Tabaksarten gezogen werden, unsern einheimischen Tabak verbessern, wenn
sie auf denselben geimpft werden. Im folgenden bakteriologischen Teil
werde ich den experimentellen Beweis liefern, dass Mikroorganismen, die
Bakterien, die bedeutendste Funktion bei der Ghrung erfllen.

[Funote C: Siehe meine Abhandlung im Indische Mercuur vom 24. Juni
1899. Een critische beschouwing over ~Loew's~ theorie der oxidizing
enzymation.]

[Funote D: Siehe meine Abhandlung in De Natuur, Augustus
1897. Micro-organismen en het onderzoek der lucht.]




Bakteriologische Untersuchungen.


Die Untersuchungen der Fermentation und besonders das Suchen nach
den Bakterien, die hierbei funktionieren, sind Untersuchungen, die
viel Zeit kosten. Wenn wir bedenken, dass das Tabaksblatt nach der
Entfaltung der Knospe der Luft ausgesetzt ist und immer die Einflsse
der Witterungszustnde erfhrt, wobei die an Bakterien reiche Luft
dieselben oder die Sporen der Mikroorganismen auf dessen Oberflche
deponiert, wenn wir bedenken, dass der Staub in den Scheunen sehr reich
ist an Mikroben, dann brauchen wir uns nicht mehr zu fragen, wie es
kommt, dass beim Anlegen der bakteriologischen Kulturen so viele Arten
von Organismen gefunden werden. Um zu einem Resultate zu gelangen,
sind Hunderte von Kulturschlchen von mir angelegt worden und eben
so viele Teilungs- oder Trennungskulturen um zu entscheiden, ob die
Reinkulturen auch rein seien. Zuallererst suchte ich nach Hefen, doch
diese Untersuchungen erwiesen sich bald als fruchtlos. Weder die sofort
angestellten mikroskopischen Untersuchungen noch die Malzgelatine
zeigten mir das Erscheinen von Hefenarten bei dieser Fermentation. Dann
wurden Versuche mit der alkalischen Gelatine gemacht. Der ungebrhte
Tabak wird in kleine Stcke geschnitten und in gut schliessenden
glsernen Schlchen zusammengepresst. Der also zubereitete und mit
sterilem Wasser angefeuchtete Tabak wird mit einer Bleischeibe
beschwert und mit einigen andern Schlchen in eine Glasglocke gebracht
(fig. 4, D). Ein andrer Teil des grob geschnittenen Tabaks wird in eine
Glasglocke gebracht, deren oberer Teil hermetisch an den unteren Teil
schliesst und deren Deckel obendrein noch mit einer glsernen Rhre und
einem Hahn mit der Aussenluft correspondiert. Auch dieser Tabak ist
angefeuchtet und mittels einer Bleischeibe beschwert.

[Illustration: Fig. 4.

Versuchsanordnungen, welche die Methode, um die Aroben und Anaroben
zu zchten, angeben.]

Von einer Wasserstrahlluftpumpe, verbunden mit Manometer, wird die Luft
herausgesogen und Wasserstoffgas hineingebracht. Dies wird einige Male
wiederholt, um die Gewissheit zu erhalten, dass alle Luft ausgetrieben
ist, schliesslich ist und bleibt die Glocke mit Wasserstoff angefllt,
damit die Anaroben die Gelegenheit haben, sich zu entwickeln (fig. 4,
A). Wie die Schlchen wird auch diese Glocke in einen Brutschrank bei
40 C. gestellt. Nach Verlauf einiger Tage ist am Geruch merkbar, dass
die Ghrung angefangen hat.

Die Arobenkulturen werden wie gewhnlich in Petri'schen Schlchen
angelegt. Ein Wenig des ghrenden Tabaks wird mit sterilen
Instrumenten aus einem der Schlchen genommen, auf sterilem Papier
feingeschnitten und in flssige alkalische Gelatine gebracht. Die
Stckchen werden tchtig mit einer ausgeglhten Platinnadel abgerieben
und gleichmssig durch Schwenken der Rhre in derselben verteilt. Um
Verdnnungen von dieser Rhre zu machen, wird eine geringe Quantitt
dieser Gelatine mittels einer Platinspirale, die in diesem Falle 50
mgr. aufnimmt, in eine zweite Rhre hineingebracht, und hiervon nach
guter Teilung eine oder mehr Spiralen in eine dritte Rhre u. s. w.
Jede Rhre wird dann in ein Kulturschlchen ausgegossen. Nach einigen
Tagen haben die Bakterien sichtbare Kolonien gebildet, mit denen man
weitere Versuche anstellen kann.

Die Anlage der Anarobenkulturen geschieht in anderer Weise, und zwar
nach der Methode ~Liborius~ und ~Buchner~.

Im ersten Falle wird wieder der fein geschnittene Tabak aus der
mit Wasserstoff gefllten Glocke in flssige Gelatine gebracht und
verteilt, und hiervon werden wieder die nmlichen Verdnnungen gemacht.
In kaltem Wasser lsst man die Gelatine fest werden und nachher wird
die ganze Rhre bis zum Wattepfropfen mit steriler Gelatine angefllt
(fig. 4, B).

Im zweiten Falle wird der Tabak aus der nmlichen Glocke in derselben
Weise in die Gelatine-Rhre hineingebracht und werden gleichfalls
Verdnnungen angelegt. Nachdem die Gelatine fest geworden ist, wird
der Wattepfropfen fast bis zum Gelatine-niveau geschoben und nachdem
der obere Teil der Rhre mit einem Diamanten abgeschnitten worden ist,
wird diese kurze Rhre in eine weite Reagirrhre auf ein sich dort
befindendes kleines Stck Metallgaze gebracht (fig. 4, C). In diese
grosse Rhre ist unter das Drahtnetz, welches der Kulturrhre zum
Ruhepunkt dient, 2 Gramm Pyrogallol gebracht. Wenn dies alles fertig
ist, lsst man mit einer Pipette 10 cm^3 von einer 1 % KOH-lsung in
die weite Rhre hinein fliessen und schliesst dann sofort die Rhre
mit einem gut schliessenden Kautschukstpsel, der obendrein noch mit
Paraffin umgeben wird.

Nach beiden Methoden gelangen die Anaroben zum Wachstum und bilden,
obgleich langsam, gut sichtbare Kolonin. Damit man hiervon Impfungen
machen kann, wird die Gelatinerhre an denjenigen Stellen mit einem
Diamanten durchschnitten, an denen man die Kolonien mit einer Nadel
erreichen kann. Auch diese Impfungen, Strich- oder Stichkulturen,
geschehen derartig, dass entweder durch das Aufgiessen von Gelatine
oder in der genannten Weise mit alkalischer Pyrogallollsung die
Anaroben sich in dem sauerstofffreien Raum entwickeln knnen. Auf
diese Weise habe ich eine Anzahl Versuche gemacht, und als sich ergab,
dass die Anaroben fakultative Anaroben waren, wurden die Versuche
mit der alkalischen Gelatine in Petri'schen Schlchen fortgesetzt. In
der Zwischenzeit, im Winter von 96-97, wurde mir, wie beschrieben ist,
durch chemische Analyse bekannt, welche Stoffe bei der Fermentation
angegriffen wurden. Damals ist der Nhrboden, wie folgt, von mir
gendert worden:


    alkalische Gelatine (Koch)    100
    Kalium-nitrat                 0.2
    Asparagin                     0.1
    Glycerin                      1.5
    Glucose                       0.5
    Nicotin                     Spuren.


Auf diesem Boden entwickeln die Kolonien sich schneller und in grosser
Menge. Ein Beweis, wie ntzlich es ist, eine Untersuchung, welche
ursprnglich nur die Ghrung betraf, auf ein vlliges Studium des
Tabaks auszudehnen.

Bei der Untersuchung der Platten zeigen sich noch eine Menge
Schwierigkeiten, welche zu Irrtum Veranlassung geben knnten. Sehr
verfhrerisch scheinen die Verdnnungsplatten, auf denen sich 10
oder 20 Kolonien zeigen, die makroskopisch gleich aussehen und
doch nicht bei der Ghrung funktionieren: ich betrachte dieselben
entweder als zufllige rtliche Verunreinigungen in dem ghrenden
Tabak, oder als Kolonien, welche durch Teilung einer Bakterienkette
whrend der mechanischen Behandlung beim Anlegen der Kulturen
entstehen. Im ersteren Falle finden sich doch im ghrenden Tabak die
Lebensbedingungen fr eine bestimmte Bakterienart; es ist dort, dass
sie rtlich zur Entwicklung und Vermehrung kommen.

Dergleichen Erscheinungen beim Anlegen der Kulturen erschweren die
Untersuchungen. Auch spter fand ich bei den Untersuchungen der
lebenden Bltter, dass ihre Oberflche durch das Wachstum bestimmter
Bakterienarten eingenommen wird (~Rhizobium Frank~ u. a.). Auch hier
scheint also auf der Blattoberflche der Kampf ums Dasein zu bestehen.
Nicht selten gelang es mir, von den Blttern die nmlichen Arten zu
isolieren. Der Gebrauch starker Verdnnungen ist bei Untersuchungen
wie diese Hauptsache. Ein Quantum ghrenden Tabaks, welches noch
nicht die Oberflche von einem Gulden einnahm, brachte in einzelnen
Fllen tausende Kolonien zur Entwicklung. In einem zuerst angelegten
Petri-Schlchen berechnete ich einmal 40.000 Kolonien, ein Beweis, dass
Verdnnung das angezeigte Mittel ist, Ordnung in das Chaos zu bringen.

Von dem Tabak, welcher in den Schlchen und in der Glocke zum
Ghren gebracht wurde, wurden einmal die Woche, neun Wochen lang,
die Kulturen angelegt. Dadurch, dass eine grosse Menge Platten auf
diese Weise untersucht wurden, war es nicht schwer, diejenigen
Kolonien zu isolieren, welche schon in grosser Masse anwesend waren.
Besonders in den ersten Wochen zeigten sie sich in wachsender Anzahl
und verursachten deshalb nicht selten, dass die Platten ganz sich
verflssigten, ungeachtet der starken Verdnnungen, auf die man soviel
Sorgfalt verwendet hatte. In derselben eben beschriebenen Weise wurden
in Wageningen die Kulturen angelegt.

       *       *       *       *       *

Fast nie fehlte der _B. mycoides_ und der _B. subtilis_; beide sind
streng arobe Bakterien. Ersterer bildet NH_{3} aus Eiweiss, doch lebt
nur in O-haltigen Rumen, der zweite knnte gleichfalls bei der Ghrung
die Rolle spielen, dass er daran mitarbeitet dem Haufen die ntige
Temperatur zu geben. Der _B. subtilis_, der nach ~Cohn~ die Brhung des
Heus und des Stalldngers verursacht, knnte gleichfalls in dem bereit
stehenden Haufen den noch anwesenden freien O verbrauchen.

Wenn also in dieser Weise die Lebensbedingungen auch fr die Anaroben
geschaffen werden, wird sich die Temperatur durch die biologischen
Prozesse der Mikroben zu jener Hhe steigern, die im ghrenden Haufen
beobachtet wurde. Jedoch muss hier wieder bemerkt werden, dass immer
fakultative Anaroben aus den Kulturen von mir isoliert worden sind,
die also zusammen mit dem _Mycoides_ und _Subtilis_ erst den Sauerstoff
verbrauchen, um spter getrennt von diesen letzeren Mikroben, welche
streng arob sind, ihre Lebensfunktionen fortzusetzen. Durch den
Einfluss dieser fakultativen Anaroben bekommt der Tabak sein Arom,
insofern wir bei unserm hollndischen Tabak davon reden knnen.

Bei der Fermentation haben wir also zu thun mit Zersetzungen,
nicht hervorgerufen durch chemische Agentien, sondern durch einige
Mikroorganismen. Dass die von mir isolierten Mikroben eine entschiedene
Wirkung ausben, stimmt mit meinen letzten Untersuchungen, die noch im
Monat September des Jahres 1897 gemacht worden sind, berein. Alsdann
ist es mir gelungen, als ich nach der Ursache der Mosaikkrankheit
suchte, von der Epidermis der lebenden Bltter, Bakterien zu isolieren,
welche denjenigen, die ich in grosser Zahl aus dem ghrenden Haufen
in Kultur brachte, vllig glichen. Sie fanden sich auf jenen Blttern
nicht als latente Mikroben, als Sporen, sondern in vegetativen Formen
als rtliche Kulturen. Hierdurch auch zeigten meine Kulturplatten
jenen Reichtum, nicht an Arten, sondern an Reinkulturen. Die
Bakterien, die ich im Allgemeinen im ghrenden Tabak fand, sind,
ausser den genannten _Mycoides_ und _Subtilis_, Mikroben, welche ich
in Flgges System in die Gruppe der _Subtilis_ und _Proteus_ bringe.

In Figur 5, I-V sind deren Kulturen, in Gelatine, auf Agar und
Kartoffel wiedergegeben, ebenso die Form der Bakterien und der
Kolonien in den verschiedenen Stadien ihrer Entwicklung. Ich nenne die
funktionierenden Bakterien: _Bacillus Tabaci I_, _II_, u. s. w.

Wie die Figur zeigt, haben die Gelatine-Stichkulturen I_a_ und IV_c_
nebst VI_a_ mit B. anthracis (zur Vergleichung) grosse hnlichkeit;
gleichfalls die Kulturen auf Kartoffel von I_c_ und II_c_, wobei
erstere hell rosa und feinkrnig, letztere milchweiss und schwer
gefaltet ist. Weiter zeigen die Strichkulturen auf Gelatine von IV_b_
und V_a_ bereinkunft in den Auslufern, welche federartig sind; bei
IV_b_ liegen sie auf der Gelatine und durchdringen dieselbe, bei V_a_
liegen sie besonders regelmssig nur auf der Gelatine. Alle von I-V
sind Stbchen oder _Bacillen_. Von den Eigenschaften der Kulturen I,
II und IV nenne ich die Bildung von NH_{2} aus Eiweiss. Ebenso wie der
_B. Mycoides_, ist der _B. Tabaci I_, _II_ und _IV_ im Stande, die
Eiweisse, Peptone und den sterilen Tabak derartig zu zersetzen, dass
NH_{3} entsteht. --Es sind Aroben.--

[Illustration: Fig. 5. (I-V) Reinkulturen der Bakterien, welche
allgemein in ghrendem Tabak angetroffen werden und wobei die _B. T.
I_ und _III_ die Hauptrolle spielen. VI zur Vergleichung _Bacillus
anthracis_.]

Der _B. Tabaci III_ bewirkt den neutralen Verlauf der Ghrung;
dabei wchst er anarob, doch ist selbst eine fakultativ
anarobe Bakterie. Er besitzt jedoch unter ihren verwandten
Formen Eiweissfermente und Saprophyten der Fulnis; er bildet weiter
2 Sporen (?) in einem etwas gekrmmten Stbchen (III), ist nicht
beweglich, bildet kein Indol, macht Lfflersche Bouillon trbe, und
bildet ein dnnes Hutchen an der Oberflche. Er verflssigt die
Gelatine, giebt einen dnnen, matt ausgebreiteten Niederschlag auf Agar
und eine rahmartige, dicke nicht gefaltete Kultur auf Kartoffel. Dieser
_B. Tabaci III_ muss in die Gruppe des _Subtilis_ untergebracht
werden.

Der _B. T. IV_ gehrt wie der _B. T. I._ zu der Gruppe des Proteus und
ich betrachte sie als sehr nahe verwandt mit dem _B. Proteus Zopfii_.

Die Entstehung der Kolonien auf und in alkalischer Gelatine ist sehr
eigentmlich. In der Figur ist IV_e_ und IV_g_ die Kolonie, welche an
der Oberflche, IV_ff_ dieselbe welche in Gelatine wchst.

Ursprnglich ist diese letztere hellblau von Farbe und geht allmhlich
in hellgrn ber. Es besteht also in diesem Wachstum, mikroskopisch
betrachtet, eine hnlichkeit mit dem _B. Mycoides_, jedoch bildet _B.
T. IV_ keine Sporen. Die Kolonie wchst anarob sehr schwach.

Von der ursprnglich gebildeten Kolonie IV_e_ strahlen Bakterienfden
in allen Richtungen aus. An bestimmten Punkten entstehen
Tochterkolonien, welche wiederum Fden aussenden, um neue Kolonien zu
bilden, wie IV_f_, _g_ zeigt. Auch bei _B. anthracis_ wird bekanntlich
eine derartige Erscheinung beobachtet, VI_b_.

Hchst wahrscheinlich spielt der verwandte _B. Tabaci V_ auch eine
Rolle bei der Ghrung. In einer grossen Anzahl Platten habe ich ihn
gefunden; auch er ist, ebenso wie _B. T. IV_, schwach anarob und
stimmt in vielen Eigenschaften mit diesem berein.

Das Wachstum der Kolonie in der Gelatine zeigt die nmliche Erscheinung
wie beim _B. T. IV_. In Unmasse entstehen um die ursprnglich gebildete
Kolonie Tochterkolonien, V_c_. Durch eine chemotactische Wirkung des
noch unverbrauchten Nhrbodens entsteht die concentrische Anordnung der
Tochterkolonien, die alle einem einzigen Bakterienfaden, der von der
Mutterkolonie radial austritt, ihre Entstehung verdanken.

In groben Zgen ist dies die Beschreibung der Mikroben, welche
die Ghrung unseres Tabaks verursachen. Spter komme ich hierauf
ausfhrlich zurck.

Die Erscheinung, dass der Betuwer Tabak weniger NH_{3} bildet, muss
hchstwahrscheinlich der geringen Anwesenheit des _B. T. I_, _II_,
_IV_ oder _V_ zugeschrieben werden, da der _B. Mycoides_ allgemein
verbreitet ist. Wenn der Betuwer Tabak knstlich mit _B. T. I_, _II_,
_IV_ oder _V_ geimpft wird, entsteht im Anfange der Ghrung reichlich
NH_{3}.

Es zeigte sich in den Jahren 1894 und 96 (Tabak von 94 und 96), dass
das Erd- und Sandgut nicht brhen wollte, whrend das Bestgut, welches
zuletzt gepflckt worden war, sich nicht so hartnckig erwies. Es
muss hierfr eine Ursache vorhanden sein. Es fiel mir auf, als ich
in den Monaten August und September des Jahres 1897 die lebenden
Bltter untersuchte, dass der _B. T. I_, _IV_ und _V_ fast immer von
mir gefunden wurden, whrend ich sie nicht auf den jungen Blttern im
regnerischen Monat Juni fand.

Alle Bakterien, welche auf die Bltter fallen, kommen von der
Erdoberflche und werden durch Luftstrme darauf gebracht. Im Anschluss
an meine Untersuchungen der Luft, die ich frher mitgeteilt habe,
ist die Luft am rmsten an Keimen, wenn der Boden nass ist. Desshalb
vermute ich, dass die regnerischen Sommer von 94 und 96 einen nicht
geringen Anteil an dem trgen Verlauf der genannten Ghrung gehabt
haben. Die Tabakspflanzer und Fermentierer sollten knftighin
darauf achten. Das Bestgut, welches lnger der Luft ausgesetzt war,
hat auch besser Gelegenheit gehabt, whrend der verschiedensten
Witterungszustnde mehr Bakterien auf seinen Blttern festzuhalten.

Hiermit am Ende dieser Arbeit, habe ich Veluwer Tabak von einer
Sorte in glsernen Schlchen sterilisiert, mit den Kulturen _B. T.
I_, _II_, _III_, _IV_, _I_ + _II_, _I_ + _III_ u. s. w. geimpft, mit
einer Bleischeibe beschwert und langsam auf eine Temperatur von 40 C.
gebracht. Die Ghrung habe ich reichlich 6 Wochen ihren Verlauf nehmen
lassen und dann gehemmt. Die Reaktion wurde stets kontrolliert und in
bereinstimmung gefunden mit dem, was schon beschrieben worden ist.

Dann habe ich unparteiisch diesen Tabak von erfahrenen Hndlern und
Zchtern beurteilen lassen, mit dem Erfolge, dass alle, nl. die Herren
~A. Herschel~ in Amersfoort, ~H. de Hartog~ und ~v. Druijnen~ in
Wageningen, ~Gijsberts Jr.~, in Valburg und ~N. v. Os Fz.~ in Amerongen
ohne Zaudern denjenigen Tabak erwhlten, welcher geimpft war mit _B.
Tabaci I_ + _III_, whrend ein alter Arbeiter der Impfung mit _B. T.
IV_ den Vorzug gab und nach dieser gleichfalls die Impfung mit _B. T.
I_ + _III_ als die beste angab.

Durch die Impfung mit der Reinkultur von _Bacillus Tabaci I_ + _III_
erhlt der Tabak ein angenehmes, honigssses Aroma. Die Zukunft wird
zeigen, wie die Ghrung unseres Tabaks verlaufen wird, wenn ich diesen
mit den Reinkulturen impfe, welche ich aus unserm indischen und dem
Havanna-Tabak isolieren werde. Von der Versuchsstation in Buitenzorg
erwarte ich eine Sendung ungebrhten Tabaks edler Arten, und dann
hoffe ich spter das Resultat dieser Untersuchungen mitzuteilen. Ebenso
nehme ich mir vor, _nicht-sterilisierten_ Tabak mit Reinkulturen zu
impfen.




Krankheiten.


Von einer grossen Zahl Mikroorganismen ist bewiesen worden, dass sie
Tier und Pflanze zu infizieren vermgen. Ebenso wie der knstlich
prparierte Nhrboden sie zur Entwicklung bringen kann, kann das
lebende Wesen, sei es Tier oder Pflanze, solches thun. In beiden Fllen
wachsen und vermehren sie sich auf Kosten der angebotenen Nahrung; im
erstern Falle wird die tote Materie, der Nhrboden, im zweiten Falle
werden das Gewebe und die Sfte des lebenden Organismus durch ihr
Wachstum gendert. Die nderungen, welche Tier und Pflanze, im ganzen
genommen, hier zeigen, treten hervor als _Krankheitserscheinungen_.

Man nennt die Mikroorganismen Parasiten, wenn sie sich in oder auf dem
lebenden Organismus entwickeln und vermehren, Saprophyten wenn sie auf
totem, organischem Stoff leben.

Die Sporen vieler Fungi, Hefen und Bakterien, und auch die nicht
Sporenbildenden Formen, knnen die Gesundheit von Tier und Pflanze also
bedrohen und sogar den Tod verursachen, aber die lebenden Wesen sind
nicht alle gleich empfindlich fr dieselben pathogenen Mikroben.

Meerschweinchen und Kaninchen sind sehr empfindlich fr Tuberkulose,
weniger ist dies der Fall mit den Feldmusen, Katzen, weissen Musen,
Ratten und Hunden, whrend die kaltbltigen Tiere dem Bacillus
tuberculosis gegenber sogar immun sind (Koch).

Die natrliche und knstliche Immunitt kann auf verschiedene Weisen
entstehen oder erhalten werden.

In den jngsten Jahren hat sich herausgestellt, dass, die schon lngst
bekannte parasitre Wucherung der hheren Fungi ausgenommen, auch die
Bakterien Krankheiten unter den Pflanzen verursachen (_Migula_, _Ludwig
Russell_, _Heintz_ u. a.), und es wrde mich nicht Wunder nehmen,
wenn durch die eigentmliche Nahrung (Dngung) unserer Tabakspflanze,
wodurch die Gewebe und Sfte einen gewissen Reichtum an bestimmten
anorganischen und organischen Salzen erhalten, diese Pflanze, der
nachher nher zu beschreibenden Ursache der Mosaikkrankheit gegenber,
nicht so immunisiert wre, wie andere. Verwandte der Familie der
_Solanaceae_ sind dem das Tabaksblatt krankmachenden Gewebesaft der
Tabakspflanze, welche an Fleckkrankheit leidet, gegenber immun.

Von Pflanzenkrankheiten, die durch Bacterien verursacht werden, sind
schon bekannt und beschrieben:


     1^o der Pear-blight und Apple-blight der Amerikaner,
     2^o der Hirsebrand,
     3^o die Bakterienkrankheit des Mais,
     4^o der Rotz der Hyazinthen,
     5^o die Nassfule der Kartoffeln,
     6^o die Gallenkrankheit der Aleppokiefer,
     7^o die Gallenkrankheit der Oliven,
     8^o der gelbe Rotz der Hyazinthen,
     9^o die Bakteriosis der Weintrauben,
    10^o die Bakteriosis der Zuckerrben.


~Flgge~ giebt diese Namen (1-9) in seinem Mikroorganismen Bd. I, pg. 418.

       *       *       *       *       *

Die Folge der Infektion ist bei der Pflanze meistens eine
Zellendegeneration, Wucherung oder Sekretion. Sehr wenig
Pflanzenvarietten sind empfnglich fr den nmlichen infizierenden
Stoff, die meisten sind immun.

Meistens hat man hier die natrliche Immunitt in dem Bau der Gewebe
zu suchen. Viele Arten von Birnbumen, welche bei der natrlichen
Infection den Geschlechtsorganen entlang resistent sind, knnen nach
Injection in das parenchymatse Gewebe ebenso gut infiziert werden
mit dem _Bacillus Amylovorus_ wie die empfindlichen Arten. Durch die
mehr oder weniger grosse Festigkeit der Zellenwnde wird der Lauf des
Infektionsstoffes durch die Pflanzengewebe beherrscht, daher, dass die
jngsten Sprossen bei den Pflanzen die empfindlichsten Teile fr die
Verbreitung der Krankheit sind (Mosaikkrankheit).

Viele Mikroorganismen weiterhin knnen sich nicht den sauren Zellensaft
entwickeln, whrend andere darin wohl gedeihen. Bis jetzt ist es
aber nicht gelungen, im Pflanzengewebe einen mikrobiciden Stoff zu
finden, so wie das Alexin von ~Buchner~ im tierischen Organismus.
Nhrversuche, Chlornatrium- und Sulfatinjektionen von mir an gesunden
Tabakspflanzen gemacht, werden vielleicht lehren, ob es mglich ist,
einen alexin-artigen Stoff aufzufinden oder zu verstrken, welcher
den Bakterien der Fleckkrankheit gegenber baktericide Eigenschaften
besitzt.

Eine specifische Immunitt, welche nach Heilung einer
Infektionskrankheit erhalten werden kann, ist bei der Pflanze noch
nicht beobachtet worden. Ein ganzes Feld bietet sich hier der Forschung
dar.

       *       *       *       *       *

Als ich im Sommer 1897 nach der Ursache der Fleckkrankheit bei unserm
Tabak suchte, brauchten meine hierzu verwendeten Pflnzchen noch einige
Wochen um sich krftig zu entwickeln. In jener Zwischenzeit wurde
der Rost des Sumatra-Tabaks mikroskopisch von mir untersucht. Dass das
unerwnschte Hervortreten dieser Flecken bei jenem Tabak nicht ohne
Wichtigkeit ist, ergiebt sich aus dem Wert der von mir empfangenen
Bltter, der von _f_ 0.35 bis _f_ 0.40 per lb betrug, whrend bei
Abwesenheit dieser zahlreichen grsseren und kleineren Flecken der Wert
mit _f_ 4.--bis _f_ 4.50 angegeben wird.

Unter dem Namen Rost oder Bunt werden eine Anzahl Krankheiten
der Tabaksbltter zusammengefasst, welche alle darin mit einander
bereinstimmen, dass sie sich als Flecken zeigen, die aber im Ursprung
vllig von einander verschieden sind. Was man hier in Holland Roest
oder Brand nennt, ist meistens die Krankheit, welche auch wohl mit
dem Namen Mosaikkrankheit bezeichnet wird. Auf den frischen Blttern
findet man mosaikartig abwechselnde helle und dunkle Flecken; letztere
haben ein strkeres Wachstum, die Zellen der dunkelgrnen Flecken
sterben spter und letztere werden dann braungelb wie das tote Blatt.
Die unregelmssigen Windungen der Blattoberflche entstehen durch das
ungleiche Wachsen der verschiedenen Teile; dadurch bekommt jene ein
hckeriges Ansehen. Die Narben und Nrbchen laufen durch jene Flecken
mit einer rein hellgrnen Farbe wie Kanlchen weiter. rtlich liegen
die dunkelgrnen Flecken ursprnglich immer zwischen den kleinen Narben
oder in den Ecken derselben. Nach dem Trocknen und der Fermentation
ist das Blatt derartig gefleckt und sprde, dass es keinen Wert mehr
hat, es sei denn, dass man schwach gefleckte Exemplare noch so viel wie
mglich heraussucht.

Bei unserm Sumatra-Tabak entstehen die Flecken und Fleckchen durch
verschiedene Ursachen. Es ist bekannt, dass durch das Stieben des
Sandes oder durch Thau oder Regentropfen nach krftigem Sonnenschein
sich Fleckchen bilden; im ersteren Falle ist die mechanische Wirkung
des Sandes, im letzteren Falle sind die als Linsen wirkenden Tropfen
schuld daran.

Mikroskopisch sieht man den Unterschied zwischen hier und der Wucherung
der Fungi. Auf folgende Weise gelang es mir, sehr deutliche Prparate
der trocknen Bltter zu bekommen.

Zuerst wird ein gefleckter Teil einige Minuten in KOH schwach erhitzt,
dann gut in Wasser ausgesplt und nachher mit Essigsure neutralisiert;
auf die nmliche Art werden die Querschnitte behandelt. Bei 100 maliger
Vergrsserung ist das Blatt noch durchsichtig und knnen an vielen
Stellen Myceliumfden oder Hyphen beobachtet werden. Viele dieser
Hyphen finden durch die Spaltffnungen ihren Weg in die Bltter. In
einigen Fllen konnte ich in diesen Flecken Strkemehl auffinden,
woraus sich folgern lsst, dass unter dem Einflusse der krankhaften
Beschaffenheit die frher beschriebene Wandlung von Amylum in Dextrose
im sterbenden Blatte, also unmittelbar nach dem Pflcken, nicht
stattgefunden hat; es sind also diese Fungi saprophytisch aufgetreten.

Hier und da sah ich braune Hyphen, welche Sporen bildeten. Es stellte
sich heraus, dass sie zu _Cladosporium_ gehrten; an einer andern
Stelle fand ich ein _Macrosporium_, einen Pilz, der ebenfalls in der
Lebensweise dem _Cladosporium_ verwandt ist. Diese Fungi entwickeln
das Mycelium in dem Gewebe der toten Pflanzen und senden dann
Hyphen aus; es sind gewhnlich Saprophyten, aber sie werden auch
auf Blttern, Stengeln und Halmen von reifem Getreide gefunden. Der
Freundlichkeit der Herren ~Prof. Ritzema Bos~ und ~Prof. C. A. J. A.
Oudemans~ verdanke ich es, die Namen der gefundenen Pilze mitteilen zu
knnen; hchstwahrscheinlich haben dieselben sich saprophytisch auf
den sterbenden Blttern entwickelt: _Phyllosticta Tabaci Passerini_,
_Cladosporium herbarum Link_, _Macrosporium commune Rabenhorst_.

Die Bibitkrankheit des Tabaks auf Sumatra's Ostkste, welche zuerst im
Jahre '89 beobachtet wurde, wird nach einem vorlufigen offiziellen
Bericht von ~Dr. van Breda de Haan~ (1893) gleichfalls von einem Pilz
verursacht (_Peronosporeae_).

Derselbe Autor (1896) erwhnt eine Krankheit im Delitabak, welche
durch das Tabakslchen verursacht wird. Als Ursache der Flecken auf
unserm Tabak, ausgenommen diejenigen, welche von der Mosaikkrankheit
hervorgerufen werden, kann genannt werden _Phyllosticta Tabaci_.
Hierbei erscheinen die Bltter durch die Anwesenheit zahlreicher
heller Stellen gefleckt, welche spter austrocknen und weiss werden;
an einzelnen Punkten sind nicht selten _Pycniden_ als kleine schwarze
Pnktchen sichtbar.

Wenn _Ascochyta Nicotianae_, gleichfalls ein Pilz, Ursache der
Erkrankung ist, so zeigen sich trockne, braune Flecken von
unregelmssiger Form.

Ebenso entstehen Flecken durch _Thrips Tabaci_, ein kleines Insekt, das
hchstens 1 mm lang ist. Man sieht hierbei schmale, bandfrmige, weisse
Flecken an der Mittelnarbe und entlang den Seitennarben. Hier hat das
Insekt die eine Oberhaut und das Blattparenchym bis auf die unterste
Oberhaut weggefressen.

Ganz anders ist bei unserm Tabak die Ursache der Fleckkrankheit, die
mehr speziell _Mosaikkrankheit_ genannt wird.

In de Tabaksteelt von ~H. Hartog~ (Haarlem 1889) wird mitgeteilt, dass
der in Holland bestehende Roest durch einen Pilz verursacht wird; von
Fleck- oder Mosaikkrankheit ist nicht die Rede.

In Die landwirthschaftlichen Versuchs-Stationen, Berlin 1885, macht
~Prof. Adolf Mayer~ die erste Mitteilung ber die Mosaikkrankheit. Mit
vielem Scharfsinn beobachtete er die Erscheinungen und gab als seine
Vermutung zu erkennen, dass hchstwahrscheinlich Bakterien die Ursache
davon sein sollten.

In Die schdlichsten Insekten des Tabaks in Bessarabien, Moskau
1888, beschreibt Dr. ~K. Lindeman~ eine Krankheit, die mit unserer
Fleckkrankheit viel bereinkunft zu haben scheint. In Russland ist sie
sehr verbreitet und verursacht viel Schaden.

Im Laufe des Sommers 1897 habe ich persnlich bei unsern
Tabakspflanzern ber die Mosaikkrankheit viele Erkundigungen eingezogen
und die sonderbaren Erscheinungen dabei beobachtet. Die Pflanzer
teilten mir mit, dass diese gefrchtete Krankheit laut berlieferung
nicht abnimmt, sondern sich strker ausbreitet. Sowohl in der Betuwe,
wie auf der Veluwe heischt sie ihre Opfer. In Elst in der Betuwe
und zwar auf de Vergert traf ich einen kleinen Acker (~Wittwe
Jansen~), der so weit die Erinnerung reicht, niemals kranke Exemplare
hervorgebracht hat. Die Dngung geschieht da mit Kuhmist wie auf vielen
andern Feldern.

Wenn man nach der mutmasslichen Ursache der Fleckkrankheit fragt, sind
die Antworten sehr verschieden und knnen zunchst keine Veranlassung
zum Stellen einer Hypothese geben. Die bedeutensten Zchter aber, und
unter ihnen finden sich sehr gebildete Leute, die mit grossem Interesse
auf alle Einzelheiten aber auch auf fr sie gleichfalls unerklrliche
Sachen hinweisen, haben mir solche Ausknfte gegeben und solche
abweichende Krankheitsbilder gezeigt, dass ich im Stande bin, hier eine
vorlufige Mitteilung ber die mutmassliche Ursache der Mosaikkrankheit
zu machen.

Wie ich schon sagte, sind die Antworten sehr verschieden. Der eine
Zchter sucht die Ursache in der weniger guten oder schlechten Dngung,
wodurch die Pflanze durch unzureichende Nahrung krank wird und dadurch
Flecken auf ihren Blttern zeigt.

Ein anderer meint, der Witterungswechsel habe schuld daran. Oftmals
zeigen die Bltter, z. B. nach kalten Nchten, dunkelgrne Flecken
Kopbont wie man sagt. Wenn diese Erscheinungen sich nur schwach
offenbaren, verschwinden die Flecken allmhlich wieder.

Ein dritter vermutet, der Zustand des Bodens, eine grosse Feuchtigkeit,
rufe die Fleckenkrankheit hervor.

Ein vierter glaubt sicher, dass ein ihm unbekannter Zustand des Samens
und dessen Herkunft einen nicht geringen Anteil habe.

Noch andere nehmen ihre Zuflucht zu bernatrlichen Krften, und
erwhnen Personen, welche keine glckliche Hand beim Pflanzen der
jungen Pflnzchen haben. Einer der Arbeiter erhielt sogar den
Namen Jantje Bont (~Mayer~).

Ferner misst man einigen Frauen eine Kraft bei, die eine derartige
Wirkung auf die Pflanzen hat, dass die Fleckkrankheit entsteht.

Die Dngung mit Taubenmist und mit menschlichen Faeces, wird auch nicht
selten herbeigezogen, als sollte dies die Krankheit hervorrufen.

Grssere Bedeutung muss folgendem beigelegt werden:

Die Krankheit dehnt sich immer mehr aus; wenn sie einmal auf einem
Felde ist, so bleibt sie da. Ich sah Felder in der Nhe von Amerongen,
welche die Fleckkrankheit fast Blatt fr Blatt zeigten, die grossen
Bltter schienen blutbergossen; jedes Jahr findet sich die Krankheit
daselbst und Wechselbau alle 4 Jahre hat keine nderung darin
gebracht. Die Pflanzen kamen aus den nmlichen Mistbeeten wie die
andern, welche auf dem unmittelbar daran grenzenden Felde standen
und nur im geringen Masse die Fleckenkrankheit zeigten. Meine Frage,
ob bei einem kleinen Teile (etwa 12 Pflanzen, die zusammen standen),
welcher die Krankheit zeigte, im vorigen Jahre auf derselben Stelle die
Erscheinung auch beobachtet war, wurde bejaht.

Wenn man eine kranke Pflanze aus dem Boden herauszieht und an derselben
Stelle eine gesunde einpflanzt, so zeigen sich etwa nach 4 Wochen auch
die Flecken bei den Blttern der letzteren.

Auf neuen in Kultur gebrachten Feldern zeigte sich die Krankheit nicht,
wenn auf diese Felder die Mistbeete gestellt waren. Wenn man jedoch
Pflanzen einbringt, welche von einem Felde herstammen, auf dem die
Fleckkrankheit jedes Jahr erscheint, so ist es sehr wahrscheinlich,
dass einige Pflanzen angegriffen werden.

Wenn ein Teil des Feldes oder eines Mistbeetes, das jedes Jahr kranke
Pflanzen hervorbringt, 30 bis 40 cm. ausgegraben wird, und wenn Erde
von weit entlegenen Feldern oder ~Vom Berge~ wie man in der Gegend von
Amerongen sagt, hier hineingebracht wird, so ist die Mosaikkrankheit
vertrieben, und die Pflanzen entwickeln sich normal darauf.

Um die Zeit, zu welcher die letzten Bltter geerntet werden, sieht man,
dass die Auslufer oder Geizen in grosser Zahl die Kennzeichen der
Fleckenkrankheit tragen, whrend die Pflanze frher keine gefleckten
Bltter hatte.

Viele geschulte Zchter sagen, die Mistbeete seien schuld an der
Fleckenkrankheit. Wenn das Mistbeet angesteckt ist, so erkranken von
den 1000 Pflanzen etwa 900 nach der Pflanzung auf das Feld, wenn
das Mistbeet nicht angesteckt ist, so werden von 1000 z. B. 100 die
Fleckenkrankheit zeigen. Diese letztere Erscheinung, diese
niedrige Ziffer, ist der Art, dass man dennoch nicht den Mistbeeten
allein die Schuld geben darf; aber daraus erhellt, ebenso wie aus
all dem Vorhergehenden, _dass der Boden ein infizierendes Vermgen
besitzt_. Sehr bemerkenswert, jedoch nur von einer Wahrnehmung
herstammend, ist der Fall, dass nach einer Dngung mit 35000 kg.
Schafsmist, 500 kg. Kainit und 500 kg. Thomasphosphat die Krankheit
unter den Pflanzen abnahm und dass das gleiche ein nchstes Jahr wieder
beobachtet wurde.

Als ich zu der berzeugung gekommen war, dass ein infizierendes Etwas
vorhanden sein musste, habe ich mit einer Reihe von Pflanzen Versuche
angestellt, wobei ich zu folgenden in Krze angegebenen Ergebnissen
gelangte:

1^o Bringt man in einem Einschnitt in die Hauptnarbe einer gesunden
Pflanze einen kleinen Streifen von einem kranken Blatte (gefleckter
Teil).

2^o Bringt man den Saft von kranken Blttern irgendwo, gleichviel wo,
in das Gewebe gesunder Pflanzen.

3^o Bringt man den Saft von kranken Blttern rund um die Wurzel herum,
also auf die Erde.

4^o Zerreibt man zwischen den Fingern ein krankes Blatt und bringt
den feuchten Finger an die Wundflche eines abgebrochenen Blattes bei
einer gesunden Pflanze, so zeigen sich in all diesen Fllen, bei jungen
Pflanzen innerhalb 3 bis 4 Wochen, die Flecken an den jngsten Blttern.

Abwechselndes Wetter, z. B. tagelang Sonnenschein und nachher ein
einzelner Regenschauer, ist im Stande, die Flecken rascher entstehen zu
lassen und dadurch sichtbar zu machen, jedoch nie frher als innerhalb
14 Tagen habe ich diese Wirkung beobachtet.

Das Kochen und die Papierfiltration entnehmen nach ~Prof. Adolf Mayer~
dem Safte das Vermgen zu infizieren. Aus seinen Nachforschungen
erhellt, dass weder die chemische Zusammensetzung der Erde eines
angesteckten Feldes oder eines angesteckten Mistbeetes, noch die
pltzliche knstliche nderung der Temperatur beim Auspflanzen,
noch die Verletzungen oder Verdrehungen der Wurzel die Krankheit
herbeifhren knnen.

Aus einer grossen Menge bakteriologischer Kulturen, welche angelegt
waren mit Tabaksaft-Malz-Gelatine, habe ich oft, doch nicht immer, eine
Mikrobe isolieren knnen, welche in der That eine infizierende Kraft
besitzt.

Da es sich nun zeigt, dass wir hier mit einem infizierendem Stoff
zu thun haben, mssen alle Mittel zu Hlfe genommen werden, die
bertragung desselben zu verhindern.

Es scheint mir nicht unmglich, (vergleiche sub 4) dass die Personen,
welche mit dem Kpfen der Pflanzen und dem Ernten der Bltter
beauftragt sind, mit ihren von kranken Blattteilen infizierten Fingern
den Ansteckungsstoff auf gesunde Pflanzen bringen knnen; daher im
Sptsommer die zahlreichen Flle, wo die Geizen und jungen Bltter die
Fleckkrankheit zeigen. Die Grndngung ist auf Feldern, welche die
Mosaikkrankheit zeigen, aus obengenannten Grnden nicht zu empfehlen.

Die mikroskopischen Untersuchungen der kranken Bltter lassen eine
Desorganisation des Chlorophyll erkennen, das schliesslich ganz und gar
aus dem Zelleninhalt verschwindet. Sehr bemerkenswert sind die kurzen
Luftstreifen zwischen den Pallisadenzellen und der linienfrmigen
Zeichnung der Zellenwand. Myceliumfden oder Hyphen knnen es nicht
sein.

Da ich im Winter '97 Gelegenheit habe, die Versuche fortzusetzen, hoffe
ich spter diesen Gegenstand wieder aufzunehmen.




Mittel zur Verbesserung unsres Tabaks.


Aus allen Untersuchungen, die bis jetzt mit Bezug auf die Dngung
angestellt worden sind, knnen keine allgemeinen Regeln mehr abgeleitet
werden als die schon angegebenen, die sich hauptschlich auf den
Chlor-, Stickstoff- und Kaligehalt beziehen.

Chloridreiche natrliche oder knstliche Dngstoffe mssen vermieden
werden, ebenso ein zu hoher Gehalt an Stickstoffverbindungen. Eine
Dngung mit mehr Stickstoff als angezeigt, entwickelt ein dunkelgrnes,
fleischiges, lang gedehntes, schmal dicknarbiges Blatt, das sich also
nicht zum Cigarrentabak eignet.

Schon ~Hermbstadt~ nahm wahr, dass humusreiche Pflanzenerde und Kuhmist
den besten Tabak liefern.

Wie ich schon schrieb: Die Tabakspflanze fordert Kalium, viel Kalium!

Die ganze Tabakskultur muss darauf hinzielen, dass sie einen
kalireichen Stalldnger bekommt.

In der letzten Zeit hat sich aus Versuchen ergeben, dass die
Tabakspflanze viel kohlensaures Kali vertragen kann, mehr als man
frher je dachte.

Eine Dngung im Frhjahr sogar mit 1000 kg. kohlensaurem Kali per ha,
was man frher nicht zu thun wagte, hat keine schdlichen Folgen gehabt.

Als Versuch sei dies unsern Pflanzern anempfohlen. Die
bekannten Internationale Guano- und Superphosphatwerke in Zwijndrecht
bringen dieses Salz in den Handel mit einem Gehalt von 50-55 Prozent
Kali und zu einem Wert von _f_ 20 (etwa 34 Mk) per 100 kg. Wegen der
Eigentmlichkeit dieser Kali-pottasche, die Feuchtigkeit anzuziehen,
wird sie in doppelten Scken von 62-1/2 kg. verpackt.

Der innere Sack ist prpariert, hemmt also die Aufnahme der
Feuchtigkeit aus der umringenden Luft.

Schon lngst hat man bemerkt, dass man durch Holzasche und Pferdemist
einen hellfarbigen Tabak erhlt, Ziegen- und Schafsmist dahingegen geben
ein dunkles Produkt.

In Japan bekommt man sogar ein schnes hell gefrbtes Blatt, angenehm
von Geschmack, dadurch, dass man es mit Kuchen von Leinsamen dngt
nebst ein wenig Stalldnger.

Wir wissen, dass Valburg den besten Cigarrentabak unsres Landes
liefert, (_f_ 28.25 per 100 lb) und dass dort die einfache Dngung
mit Kuhmist auf dem sandigen Boden (dem Teil des Dorfes, welcher Het
Hoog (= Die Anhhe) genannt wird), ohne dass man jemals sich des
Wechselbaus bediente, das schne goldgelbe, breitgeformte Blatt
hervorbringt.

Die berfhrung von Erde aus Valburg (wo man auch Lehmboden antrifft)
auf die Veluwe, hat keine Resultate beim Anbau des Tabaks geliefert.

Jeder Zchter muss die Dngversuche auf seinem eigenen Boden anstellen
und dabei der Gefahren eingedenk sein, die entstehen knnen, wenn man
die genannten schdlichen Elemente oder Salze anwendet. In der letzten
Zeit hat man die Aufmerksamkeit auf die Dngung mit Silicaten gerichtet
(Martellin = Kalium-silicat), wodurch die Brennbarkeit und die Farbe,
nebst dem anatomischen Bau des Blattes verbessert wird[E].

Nach der schnen Lehre von ~Darwin~, welche sich auf wissenschaftliche
Forschungen grndet, wird die Pflanzen- und Tierwelt in einer Gegend
sich den da anwesenden physischen Lebensbedingungen anpassen und
sich demgemss entwickeln. In _the struggle for life_ werden die
bevorzugtesten Arten, Rassen und Varietten siegreich aus dem Kampfe
hervorgehen, bekrnzt, nicht mit der Siegespalme, sondern mit der
krftigen Lebensfhigkeit fr ihren Stamm.

Dies muss auch anwendbar sein auf unsere Tabakskultur.

Meine Nachforschungen gaben mir die berzeugung, dass viele
Tabakspflanzer ihr Fach wissenschaftlich auffassen und weder Mhe noch
Kosten scheuen, Versuche zu machen, welche die Kultur frdern knnen.

Ich kann nicht genug darauf hinweisen, dass man die grsste Sorgfalt
auf das Gewinnen des Samens verwende. Man muss hiezu nicht einige
Pflanzen in zeitweise gnstige Lebensverhltnisse bringen dadurch,
dass man sie besser oder rtlich starker dngt, sie auf gut gewhlten
gerumigen Stellen des Feldes Samen schiessen lsst, sondern man
muss diejenigen Pflanzen mitten auf dem Felde auswhlen, welche sich
durch schnen Bau, Blattform u. s. w. auszeichnen, dann hat man die
grsste Gewhr, dass die erblichen Eigenschaften des Samens auf die
Nachkommenschaft bertragen werden.

Durch die Kultur der Tabakspflanze hat der Bau der Blume sich gendert.
Die bei uns schwach vorhandene Protogynie ist im Naturzustande
deutlicher und schrfer hervortretend, wodurch Kreuzbestubung mehr
erwartet werden kann. Der Bau der Kulturblume ist jetzt derartig,
dass Staubfden und Stempel nicht nur etwa auf derselben Hhe stehen,
sondern dass die weibliche Periode der Blume in unserm Klima im
geschlossenen Knospenzustand verlebt wird.

Dies erleichtert uns die knstliche Kreuzbestubung; man braucht nur
die Knospe welche im Entfalten begriffen ist, zu ffnen und die Pollen
von gleichfalls gut gewhlten Pflanzen mit einem kleinen Pinsel auf
den Stempel zu bringen. Nach zwei Stunden ist die Gefahr vorber, dass
Insekten durch ihren Besuch andere Pollen mit demselben in Berhrung
bringen. Verhllung mit Gaze oder mit einem Papierbeutelchen whrend
einiger Stunden sei deshalb empfohlen. Auf diese Weise kann krftiger
Samen gewonnen werden.

Weiter lehren die Versuche, dass die mittelsten Blumen (Samenkapsel)
am Stengel den krftigsten Samen enthalten. Sehr erwnscht ist es
zugleicherzeit, die gewhlten Pflanzen die Bltter behalten zu lassen
und sie nicht abzureissen, wie es bisweilen geschieht.

Krftig entwickelte Pflanzen werden den Kampf ums Dasein leichter
bestehen als schwchere, sie werden zugleich besser im Stande sein, den
Krankheiten zu widerstehen.

In Valburg hat man eine eigentmliche Gewohnheit, den Samen zum Keimen
zu bringen. Man bringt ihn in ein angefeuchtetes Leinenlppchen oder
Sckchen, nachdem es im Wasser angeschwollen ist.

Dann hngt man es in mssiger Entfernung vom warmen Ofen auf. Die
Folge hiervon ist, dass der Samen zwar sichtlich gut ausluft, aber
dabei mittels Diffusion lsliche Nahrungsstoffe abgiebt, welche als
Reservenahrung dem zuknftigen Pflnzchen entzogen werden. Auf diese
Weise wird das keimende Pflnzchen geschwcht und der Kampf, den es
beim bergange zu einer sich selbst nhrenden Pflanze zu bestehen hat,
wird ihm erschwert.

Dass der Verlust von Salzen, Aschenbestandteilen, grsser ist als man
sich denkt, geht hieraus hervor, dass, wenn der Aschengehalt des Samens
4% ist, dieser nach Behandlung mit Wasser whrend der 24 Stunden des
Tages 1/4 Teil verloren hat. In dieser Weise verliert der Samen schon
einen grossen Teil des so sehr erwnschten Kali, nl. 25.8%, und 6.4%
Phosphorsure (~Behrens~).

Weiter lsst man in Valburg, nach dem Pflcken, die Bltter noch
einige Tage auf dem Felde liegen, erst dann werden sie an Stangen
angereiht. Aus der Physiologie des sterbenden Blattes ersahen wir,
dass das Trocknen langsam geschehen soll. Hierdurch entstehen
Zersetzungsprodukte, welche bei der Ghrung erwnscht sind.

Beim Ghrungsverlauf haben wir gesehen, dass bei unserm Tabak der
Bacillus Tabaci I + III, die Hauptrolle spielt, er giebt ihm den reinen
Geruch und Geschmack, insofern wir dies bei unserm Tabak wahrnehmen
knnen. Da, wo die Ghrung nicht stattfindet oder nicht gut verluft,
knnen diese Mikroben knstlich angebracht oder geimpft werden.

Die Versuche, die Mosaikkrankheit zu verhindern, knnten schon jetzt
beim Wechselbau angestellt werden. Der Anbau von Erbsen, Bohnen, Klee
und andern Hlsenfrchten sei anempfohlen.

Folgende Dngung wird von einigen grossen Zchtern versucht werden.

Im Sptjahr wird per ha. 750-3000 kg. ungelschter Kalk auf die
Oberflche des Feldes gebracht und gleichmssig darauf ausgestreut.
Dies lsst man ungefhr einen Monat liegen und bringt dann 400-600 kg.
Kainit und 400-600 kg. Thomasphosphat hinzu, nachher wird es im Januar
oder Februar, wenn der Witterungszustand dies erlaubt, mit dem Spaten
untergegraben. Auf die gebruchliche Weise werden dann die Erbsen,
Bohnen u. a. gepflanzt oder gest.

Die Versuche, welche angestellt werden, um auf eine andere Weise der
Mosaikkrankheit vorzubeugen, werden fortgesetzt, nehmen aber viel Zeit
in Anspruch.

Die Grndngung auf angesteckten Feldern kann aus obenerwhnten Grnden
nicht empfohlen werden.

Das Ausgraben der infizierten Mistbeete etwa 30 cm. tief und das
Hineinbringen gesunder Erde, also von unbebautem Boden, verdient
Empfehlung. Ein Pflanzer, der niemals Fleckkrankheit auf seinem Felde
gehabt hat, knnte dadurch, dass er junge Pflnzchen, welche von
infiziertem Boden herstammten, lieh oder kaufte, sein Feld auf immer
anstecken und dadurch die Mosaikkrankheit hervorrufen.

       *       *       *       *       *

Und hiermit habe ich einen Gegenstand behandelt, der immer mehr mein
Interesse erregte. Dabei habe ich viele unsrer Tabakspflanzer als
Personen kennen gelernt, die alles aus Liebe zur Sache thun, und
ungeachtet des grossen Aufschwunges unsrer indischen Kultur, wodurch
soviele edle Tabakssorten ber die ganze Welt verbreitet werden, mit
Mut, Ausdauer und Lust zur Arbeit, unsern einheimischen Tabak zchten,
bearbeiten, und zu verbessern trachten. Mgen sie, indem sie so
fortfahren, auch die Frchte ihrer Arbeit geniessen!

[Funote E: Siehe meine Abhandlung im Indische Mercuur 13 Mai
1899 Martellin, een nieuwe meststof.]




Verbesserung durch Reinkulturen.

(Fortsetzung der Untersuchungen von 1897).


Die Untersuchung der Ghrung unseres einheimischen Tabaks ist, da
wir es hier mit einem Prozesse zu thun haben, bei dem fakultative
anarobe Bakterien eine Rolle spielen, enorm von mir gekrzt worden.
Spter wurde ich mit den an der Oberflche der Platten angelegten
bakteriologischen Kulturen bekannt, wodurch man makroskopisch schon
deutlich die verschiedenen Arten des Wachstums von Bakterien und andern
Mikroorganismen wahrnemen kann.

Dies Verfahren hat unendlich viel vor derjenigen Untersuchungsmethode
voraus, bei der die Kulturen auch in Gelatineplatten wachsen.

Im letzteren Falle doch sieht man, nur einige Variationen in
verfliessenden Kulturen ausgenommen, welche meistens kugelfrmig in
der Gelatine wachsen, fast immer gelbe Pnktchen, bald rund, bald
linsenfrmig.

Will man gerade jene Mikroorganismen auffinden, welche arob oder
fakultativ anarob sind und bei irgend einem Prozesse eine Funktion
zu erfllen haben, so bietet diese Methode sehr grosse Vorteile und
nicht weniger eine Abkrzung was die Zeit betrifft. Sogar zu einer
quantitativen Bestimmung von Mikroorganismen eignet sich diese
Untersuchungsmethode. Was die Untersuchungen der Tabaksghrung
betrifft, so sind diese in folgender Weise abgekrzt worden.

Die frher beschriebenen Stckchen fein geschnittenen Tabaks werden in
ein Rhrchen mit 10 cm physiologische Kochsalzlsung (0.75 Prozent)
gebracht und mit der Platinnadel wiederholt in dieser Flssigkeit
bewegt, whrend man sie dann und wann noch durch einander schttelt.

Vom Inhalte dieses Rhrchens werden dann eine oder mehr Platinspiralen
(welche in meinem Falle 0.048 gr. Flssigkeit festhalten) auf ein
zweites und drittes Rhrchen gebracht. Die Erfahrung giebt hier bald
einen Fingerzeig. Es stehen einige sterile Kulturschlchen mit dem
beschriebenen festen Nhrboden bereit. Nun wird der Inhalt des I^{en},
II^{en} u. s. w. Rohres ber die Oberflche ausgegossen. Was zu viel
ist an Flssigkeit, lsst man wegfliessen, indem man einfach das ein
wenig geffnete Schlchen schrg hlt. Weiter bewegt man das Schlchen
noch einen Augenblick hin und her, um die geringe Quantitt Wasser,
in welchem die Mikroorganismen verteilt liegen, gut zu verbreiten.
Die Berechnung lehrte mich, dass die Oberflche des beschriebenen
Petri-Schlchens whrend dieser Manipulationen ungefhr 0.5 gr.
Flssigkeit festhielt.

Wenn man genauer dieses Gewicht kennen lernen will, so kann das
Schlchen vor und nach dem Anfeuchten gewogen werden, und dies Gewicht
berechnet werden auf die respektiven Rhrchen und die gebrauchte
Quantitt Tabak im Rhrchen I, der zwischen zwei sterilen Uhrglsern
vor dem Experiment gewogen wird.

Nach Verlauf einiger Tage kommen die Plattenkulturen zur sichtbaren
Entwickelung und ist es viel leichter, eine bersicht ber den
Totalgehalt an Sorten zu bekommen. Quantitativ betrachtet hat diese
Methode Fehler. Die Ursache davon liegt darin, dass die Bakterien in
mehr oder weniger starkem Masse in den von ihnen selbst abgeschiedenen
Schleimhllen liegen und dadurch sehr am Medium haften, dem Blatte,
auf dem sie, sei es auch kurze Zeit, lebten, und spter ein latentes
Leben fhrten, um bei der Ghrung wieder energisch aufzuleben. Weder
durch Abreibung mit der Platinnadel, noch durch immerwhrendes Hin- und
Herschtteln, kann man alle Mikroorganismen vom Substrat trennen. Damit
hier eine Verbesserung angebracht werde, habe ich die Sache anders
gemacht und habe dies schon im Prinzip im Pharm. Weekblad No. 10,
1898, beschrieben. Das Resultat dieser Untersuchungsweise war ein
brillantes und hat die allergnstigsten Folgen gehabt. Diese Methode,
die ich zuerst auf den Tabak anwendete, lsst sich auf eine Unmasse
anderer Gegenstnde anwenden.

Sie ist wie folgt. In einige Reagirrhren werden gewhnliche Pinselchen
so hineingebracht, dass der Federkiel auf dem Boden der Rhre ruht und
das Bschelchen nach oben gerichtet ist. Durch einen Wattepfropfen
werden die Rhren geschlossen und dann whrend einer Stunde bei 110
C. in strmendem Dampfe erhitzt. Die Temperatur bt keine nachteilige
Wirkung auf die Pinsel aus. Ferner wird ein hohes Petrischlchen
gewhlt, 10 cm^3 sterilisierte physiologische Kochsalzlsung
hineingebracht und natrlich sofort geschlossen.

Ein Teil eines ghrenden Tabaksblattes wird in diese Flssigkeit
hineingetaucht und einige Minuten daselbst in Ruhe gelassen. Dann
nimmt man mit einer sterilen Pincette das Pinselchen aus einem der
Reagierrhrchen und reibt, indem man eins der Enden des Blattes mit der
Pincette festhlt, krftig ber die Oberflche der beiden Blatthlften.
Indem man das Schlchen hin- und herbewegt, werden die Mikroorganismen
gleichmssig im Wasser verteilt. Von dieser bakterienreichen
Flssigkeit werden 1 cm^3, 1/2 cm^3 oder Verdnnungen hiervon mittels
steriler Pipetten ber die Oberflche der Platten gebracht.

Auf diese Weise werden nach der Bohnmethode (der Name ist von mir
nach dem Bohnen der Fussboden gewhlt) auch diejenigen Bakterien
von der Blattoberflche entfernt, welche innig mit diesem Substrate
zusammenhingen. Nach Berechnung kann man auf diese Weise bestimmen,
wieviel Bakterien sich auf den beiden Blatthlften befanden.

[Illustration: Fig. 6.

_Bohnmethode._ Links Pinselstriche von Betuwer Tabak im Anfange der
Ghrung (Diplococcen). Rechts whrend der Ghrung (B. T. I + B.
subtilis + B. mycoides).]

Wenn es sich um eine qualitative Bestimmung handelt, so bekommt
man nicht weniger schne Kulturplatten auf folgende Weise. Das
Tabaksblttchen, das schon im Wasser untergetaucht war und nicht
bewegt wurde, wird mit einer sterilen Pincette auf sterilisiertes
Papier gelegt.

Es liegt also feucht darauf. Nachher wird die obere Seite des
Blttchens mit dem trocknen Pinsel, welcher also steril ist,
abgebohnt. Mit diesem noch nassen Pinsel macht man Striche ber die
festen Oberflchen von Gelatineplatten. Nach einigen Tagen sieht man
denn, dass der erste Strich die grsste Zahl Kolonien hervortreten
lsst, gewhnlich zu viel als dass man sie unterscheiden knnte; der
zweite Strich schon weniger, der dritte und vierte noch weniger, u.
s. w. Letztere Methode wurde immer von mir angewendet bei unserm
einheimischen Tabak, beim Deli- und Havanna-Tabak.

Das Resultat war ein glnzendes. Die Untersuchungen nach der Ghrung
des Tabaks erlauben diese Methode, weil hierbei keine obligaten
aneroben Bakterien im Spiele sind. Sie ist natrlich unbrauchbar,
wenn es sich um Mikroorganismen handelt, welche Sauerstoff nicht
ertragen. Die Petri'schen Kulturplatten sind auf lichtempfindliches
Papier gesetzt, 25 Secunden vom Sonnenlicht beschienen und oben
photographisch, ohne Retouche reproduziert. Die Glaskratzer am Boden
des Schlchens sind hierbei deutlich sichtbar.

Bei den Untersuchungen unsres einheimischen Tabaks, die im Jahr 1897
von mir in de Natuur publiziert wurden, hat sich herausgestellt, dass
wir es hier zu thun haben mit einer Ghrung, bei welcher fakultative
anarobe Bakterien, also auch unter Hinzutretung von freiem Sauerstoff
oder Luft, eine Rolle spielen. Sogleich ergab sich daraus, dass im
ghrenden Tabak von verschiedener Herkunft aus unsern Gegenden (Betuwe,
Veluwe, Maaswaal) verschiedene Mikroorganismen mehr oder weniger hufig
anwesend waren, jedoch in berwiegender Zahl diejenigen, welche sich an
der Ghrung beteiligten.

Meine zunchst liegende Vermutung hat sich besttigt. Fnf verschiedene
Bakterien, welche, aus verschiedenem Tabak herstammten, sind damals von
mir abgebildet und kurz nach ihren morphologischen und biologischen
Eigenschaften beschrieben worden. Alsdann ist Tabak von mir
sterilisiert worden, d. h. alle Mikroorganismen, welche sich auf und in
demselben befanden, wurden gettet und nachher ist jener Tabak mit den
verschiedenen Reinkulturen geimpft worden. Alsdann stellte sich heraus,
dass die Impfung mit dem B. T. I. und III (Bacillus Tabaci I. und III)
dem Tabak das richtige Arom verlieh, ein Arom, welches, hier in Holland
fr das beste gehalten wird. Meine Vermutung, dass jene Ghrung doch
noch einen andern Verlauf haben wrde, wenn die nmliche Tabaksart
nicht sterilisiert, dahingegen mit den genannten Tabaksbakterien
geimpft wrde, hat sich besttigt. Jedoch mssen wir hierbei in
Betracht ziehen, dass nebst den in grosser Zahl knstlich angebrachten
Mikroben, noch mehr Arten ihre Wirkung ausben, Arten, welche
gleichfalls das feuchtgewordene Tabaksblatt angreifen, aber ausserhalb
der eigentlichen Ghrung stehen und nichts anders thun knnen als
Zersetzungen hervorrufen, welche ungnstig wirken oder gar nicht dazu
beitragen, ein erwnschtes Produkt zu erhalten. Es ergab sich, dass die
Impfung mit den Tabaksbakterien, welche gnstig beim sterilen Tabak
wirkten und ihm das reine Arom gaben, in nicht sterilem Tabak ohne
Wirkung blieben, insofern ohne Wirkung, dass jenes Arom bei weitem
nicht so ausgesprochen war als beim sterilen Tabak. Diese Versuche
wurden im Februar 1898 in den Ghrungsscheunen des Herrn ~de Hartog~ in
Wageningen angestellt. Damals musste die Frage gelst werden, wie das
Produkt der natrlichen Ghrung, also ohne Sterilisation bertroffen
werden konnte, wenn man von den Impfungen mit einer oder mehreren
Reinkulturen auf die nmlichen, also nicht sterilisierten Tabaksarten
Gebrauch machte.

Die Versuche im Laboratorium lehrten also, dass steriler Tabak durch
Impfung mit zwei Mikroben vorzgliche Eigenschaften erhielt, sodass
dieser Tabak sofort von den Fachmnnern als der beste bezeichnet werden
konnte. Die Quantitt war jedoch eine zu geringe, als dass man Cigarren
davon anfertigen lassen und alle Eigenschaften, die man so gerne
kennen lernen mchte, kontrollieren konnte. Eine Sterilisation des
Tabaks im Grossen ist faktisch unmglich. Damit das Resultat der schon
beschriebenen Untersuchung praktisch verwendet werden konnte, mussten
also Versuche mit verschiedenen Reinkulturen und deren Mischungen
angestellt werden. Es stellte sich heraus, dass einige dreissig
Bschel, welche ohne Sterilisation mit den B. T. I + III + IV geimpft,
im Februar in Haufen gelegt und nachher der Ghrung ausgesetzt worden
waren, nicht solche gnstige Eigenschaften erhalten hatten als der
sterilisierte und nachher geimpfte Tabak, wie es in meinem Laboratorium
stattfand.

Zugleicherzeit erwhne ich hier, dass der nicht-fermentierte
Deli-Tabak, der mir aus Batavia von ~Dr. v. Breda de Haan~ zugesandt
wurde, gleichfalls einer Untersuchung unterzogen worden ist. Nach dem
Beispiele von ~Semmler~ aus Cuba habe ich einen kleinen Teil dieses
Tabaks mit Wasser faulen lassen und mit diesem Wasser einheimischen
Tabak, der dann gleichfalls mit andern Bscheln in den Haufen hinein
gelegt wurde, besprengt. Dieser Tabak gerieth zwar in Fermentation,
aber als die Ghrung beendigt war, ergab sich, dass die besprengten
Bschel keine andern Eigenschaften bekommen hatten als eine nderung
in der Farbe der Bltter, die von der feuchten Behandlung herrhrte.
Dieser Versuch, welcher durch einen Zufall auf Cuba gnstig verlief,
ist Ursache gewesen, dass man die Aufmerksamkeit auf die Tabaksghrung
hinlenkte und die Vermutung laut werden liess, dass Mikroorganismen bei
jener Ghrung sich wirksam bethtigten.

Als es mir nach wiederholten Versuchen deutlich geworden war, dass
die Impfung unseres einheimischen Tabaks mit den B. T. I + III also
nicht ganz den Erfolg hatte, wie immer beim sterilen Tabak, habe ich
diesen Gegenstand weiter untersucht und eine Reihe von Versuchen
mit Mischungen von Reinkulturen angestellt. Die Herren ~de Hartog~
und ~v. Druijnen~ in Wageningen, welche diesem Gegenstand ihre ganze
Aufmerksamkeit widmeten, halfen mir bei diesen Versuchen und gaben
mir jedesmal ihr Urteil ab, ein Urteil, das ich sehr schtzte, da es
ausgesprochen ward von sehr kundigen, erfahrungsreichen Fachmnnern.
Nicht entmutigt empfing ich am 8. Mrz die Nachricht, dass man
damit anfangen wrde, einen Haufen ghrenden Tabak aus der Betuwe
umzusetzen. Es war die beste Tabaksart, welche Holland hervorbringt.
Am 10. Mrz besuchte ich die Fermentierscheune und stellte wiederum
Versuche an, aber in der jetzt sehr gekrzt beschriebenen Weise. Es
war ein schner Anblick, jenen prachtvoll aufgebauten Haufen mit
den Tausenden goldgelben Bscheln emporragen zu sehen. Eine grosse
Menge Kulturschlchen wurde von mir infiziert mit Blattfragmenten der
obersten Tabaksbschel ( 22 C.) Nach einigen Tagen zeigten sich die
Kolonien, und mit Bewunderung sah ich wieder die im vorigen Jahre von
mir beschriebenen Arten zum Vorschein kommen. Meine Aufmerksamkeit
richtete sich auch noch, nicht auf die bekannten Verunreinigungen,
sondern auf andere Arten, welche ich nun bei niedriger Temperatur
in grosser Anzahl vorfand. Einige davon brachte ich in Kultur und
wartete darauf, welche Rolle sie mit andern Bakterienarten in nicht
sterilisiertem Tabak spielen wrden.

Um den praktischen Teil des Problems zu lsen, hatte ich damals
sechs Arten Tabaksbakterien, welche bezglich ihrer Wirkung in nicht
sterilem Tabak controlliert werden mussten, und die also den berall
herrschenden Struggle for life kmpfen mussten. Es war nicht vorher
zu sagen, wer siegen wrde. Ein logisches Verfahren nach Wahl war
nicht mglich, der Versuch musste entscheiden. Um die Frage der
Tabaksverbesserung zu lsen dadurch, dass man Gebrauch machte von den,
in dem vorzglichsten Betuwer Tabak vorgefundenen Mikroben, wurden
eine Menge nicht sterilisierter Tabaksarten mit Reinkulturen und deren
Mischungen bespritzt. Dieses Bespritzen lsst sich ausgezeichnet
durch den Druck der Wasserleitung bewerkstelligen; ich werde durch
Abbildung zeigen, wie das Verstieben in meinem Laboratorium geschieht.
Was die sehr geringe Farbenvernderung des Blattes betrifft, die
durch Befeuchtung verursacht wird, so ist es mir als bald gelungen,
hierin eine Verbesserung anzubringen, indem ich die Reinkulturen
von Agar- Oberflchen mit feinem Tabakspulver vermischte und dies
gleichfalls in die Bschel hineinspritzte oder verstieben liess, also
der trocknen Behandlung gemss. Nach Beendigung der Ghrung wurden
die Eigenschaften der derartig behandelten Sorten kontrolliert, und
diese sorgfltig ausgesucht. Ich werde hier all diese Versuche, die
noch nicht den erwnschten Erfolg hatten, der Krze halber nicht
aufzhlen; nur lohnt es sich, zu wissen, dass ich daraus den Schluss
zog, dass viele Arten von Mikroorganismen, unter denen auch die von mir
abgebildeten, die Temperaturerhhung verursachen, und dass ich drei
Arten in Mischung, knstlich in grosser Menge in die verschiedenen
Tabaksarten hinein brachte. Es waren die Reinkulturen von Bacillus
Tabaci I, B. T. III und dem neu isolierten Diplococcus Tabaci. Diese
Mischungen erhielten folgende Marken:


    Marke I: Bacillus Tabaci Hollandicus I.
                 "       "        "      III.
    Marke II: Diplococcus Tabaci Hollandicus.
              Bacillus       "        "       III.
    Marke III: Mischung der Marke I und Marke II.


Diese Reinkulturen von Agar-Oberflchen wurden sorgfltig in steriles
Wasser verteilt.

Die unten angegebenen Tabaksarten wurden mit dem Inhalte dieser
Flschchen bespritzt und von den Herren ~de Hartog~ und ~v. Druijnen~
mit den gegebenen Marken versehen. Erst nachdem die Ghrung beendigt,
die Cigarren gemacht, und mein Urteil abgegeben war, sollte das
Resultat dieser Versuche, die auch von andern in unserer Umgebung
beurteilt werden sollten, bekannt gemacht werden.


          A. geimpft:             B. nicht geimpft:

      I _a_ = Betuwer Erdgut      _a_^1 = Betuwer Erdgut
        _b_ = Veluwer Erdgut      _b_^1 = Veluwer Erdgut
     II _c_ = Betuwer Sandgut     _c_^1 = Betuwer Sandgut
        _d_ = Veluwer Sandgut     _d_^1 = Veluwer Sandgut
    III _e_ = Betuwer Erdgut      _e_^1 = Betuwer Erdgut
        _f_ = Veluwer Erdgut      _f_^1 = Veluwer Erdgut


Ende Juli habe ich diese Cigarren, nur mit den Marken _a_, _a_^1,
_b_, _b_^1 u. s. w. empfangen. Nichts war bekannt von Impfung oder
nicht Impfung, von Nummer u. s. w. Jetzt befand ich mich in der
schwierigen Lage, mein Urteil abgeben zu mssen. Es handelte sich ja
hier um kleine Unterschiede in der Brennbarkeit, Konsistenz der Asche,
des Aroms, des Geschmacks u. s. w. Aus dem Grunde habe ich dies den
befugteren Personen, den eigentlichen Fachmnnern berlassen, die ihrer
Beschftigung gemss dies viel besser beurteilen knnen. Herr ~G. P.
Voorwijk~ in Amsterdam, welcher in der Tabakswelt seines richtigen
Urteils wegen so gnstig bekannt ist, hat sehr freundlich meiner
Bitte, einige Abende zu mir zu kommen und zu rauchen, Folge geleistet,
wofr ich ihm hiermit herzlich danke. Jedes Packetchen bestand aus
2 Cigarren, die nur die Marke _a_, _a_^1, _b_ oder _b_^1 u. s. w.
trugen. Als die Reihenfolge _a_ und _a_^1 abgeraucht war, untersuchte
Herr ~Voorwijk~, indem er dabei die andere Cigarre aus dem nmlichen
Packetchen benutzte, ob die Eigenschaften der Cigarren aus ein und
demselben Packetchen dieselben wren, was vllig stimmte. Den 29 Juli
schrieb ich Herrn ~de Hartog~ folgendes:


_Geehrter Herr_,


Weil mein Geschmack, was den Tabak im allgemeinen betrifft, nicht
so besonders entwickelt ist, und es sich hier hchstwahrscheinlich
um kleine Unterschiede und typische Kennzeichen der Brennbarkeit,
Konsistenz der Asche und die grssere oder geringere Leichtigkeit
handelt, mit der eine Cigarre zieht, so habe ich mein Urteil ber diese
Versuche, welche einen praktischen Leitfaden abgeben sollen, befugteren
Personen bertragen. Da die Impfung von dieser oder jener Marke nur
Ihnen allein bekannt ist, und da ich nicht daran zweifle, dass Sie aus
den jetzt von mir gegebenen Nummern oder Buchstaben unsere Urteile
vergleichen werden, so habe ich Ihnen die berreste der gerauchten
Cigarren gesandt, jedoch mit der Bitte, nochmals die Zeichen auf ihre
Richtigkeit hin zu kontrollieren, da dies von grosser Wichtigkeit ist.

Unten folgt das Urteil des Herrn ~Voorwijk~, der durch tgliche
Fachbeschftigung bedeutend mehr berechtigt ist, eine Meinung hierber
auszusprechen, als ich es thun kann.

_a_ ist enorm besser als _a_^1, das Aroma des Rauches ist zwar das
nmliche und in dem Aroma des Deckblattes ist wenig Unterschied, aber
die Art _a_ hat ein suerlicheres, volleres Aroma als _a_^1. Die
Brennbarkeit ist bei _a_ und _a_^1 die nmliche; soweit man es von
einheimischem Gewchs erwarten kann, brennen sie sehr gut.

_b_ und _b_^1 haben die nmlichen Eigenschaften, aber, wenn man
weiter raucht, bleibt _b_ besser von Geschmack als _b_^1. Beim ersten
Anbrennen und in der ganzen Breite geraucht, hat _b_ eine geringe
hnlichkeit mit _a_. Hierbei muss bemerkt werden, dass fr gewhnlich
der einheimische Tabak einen holzartigen Geschmack hat, der noch an
_a_, _a_^1, _b_ und _b_^1 auffllig ist. Bei _b_ ist die Asche etwas
weniger hart als bei _b_^1.

_c_ und _c_^1 zeigen keinen Unterschied. Beide sind schmackhaft, jedoch
ist bei _c_ die Brennbarkeit besser als bei _c_^1.

_d_ ist etwas gnstiger als _d_^1, hierbei ist die Asche viel besser
und lockerer als bei _d_^1.

_e_ ist viel besser als _e_^1. Die Brennbarkeit ist hier auch sehr
verschieden und zum Vorteile von _e_. Bei diesen zwei Arten wird bis
jetzt der grsste Unterschied wahrgenommen, _e_ und _e_^1 sind zugleich
schwerer von Geschmack.

_f_ und _f_^1 sind gleichfalls schwerer von Geschmack als die vorigen,
_f_ ist edeler von Aroma und Geschmack als _f_^1, die letztere ist
sogar ordinr. Falls _f_ geimpft wurde, so ist diese Sorte viel
veredelt und verbessert.--Ein Fachmann, wie Herr ~Voorwijk~ macht die
Mitteilung, dass das einheimische Gewchs dieses Jahr besonders gut ist.


Hochachtungsvoll und mit freundlichem Danke,

~C. J. KONING~.

_Bussum, 29/7 '98._


Einige Tage nach diesem Schreiben empfing ich die Antwort, dass durch
die Impfung der Tabak faktisch verbessert ist, und dass nur die Reihe
A. geimpft war.

Der _Diplococcus Tabaci Hollandicus_ besteht, wie der Name schon
andeutet, aus kugelfrmigen Mikroben, Coccen, welche je zwei und
zwei liegen, also zwei gegen einander liegenden Kugeln am besten zu
vergleichen sind. Dieser Organismus wchst auf Gelatine in der Form
eines hellgelben, scharf begrenzten dicken Streifens, welcher die
Gelatine nicht verflssigt. Auf Agar entsteht gleichfalls ein gelber,
breiter Streifen und auf Kartoffel eine prachtvoll gelb hochaufragende
Kultur. Alcalische Bouillon wird schwach getrbt. Dieser arobe
Organismus erzeugt gleichfalls im Anfang der Ghrung Ammoniak.

Vergleichende Versuche mit den Agarreinkulturen, angestellt bei
erhhter Temperatur, zeigen, dass der _Bacillus Tabaci Hollandicus I_
bei niedriger Temperatur sich schneller vermehrt als der Diplococcus,
der bei 24 (?) C. sein Optimum erreicht. Hieraus lsst sich folgern,
dass die Ghrung unseres Tabaks verschiedene Phasen durchluft.

Von praktischem Interesse ist in Bezug hierauf das wiederholte Umsetzen
der Haufen, wodurch sowohl die Luft wieder Zutritt erhlt, um die
Aroben und fakultative Anaroben energischer leben zu lassen, als auch
die usseren Bschel der genannten Wirkung ausgesetzt werden. Wird
die Temperatur von mehr als 60 C. erreicht, so wird der biologische
Prozess, welcher ausschliesslich der Ghrung eigen ist, zum Stehen
gebracht.

Zugleich mit den temperaturerhhenden Mikroorganismen entwickeln sich
im Anfange der Ghrung die Diplococcen und die B. T. H. I., welche den
oben mitgetheilten Impfproben nach, die Brennbarkeit und das Aroma
verbessern; jetzt schon entsteht Ammoniak als Zersetzungsprodukt. Wenn
die Temperatur steigt, geraten die Diplococcen auf den Hintergrund
und entwickeln die B. T. H. sich krftiger, sodass durch ihre
Lebensthtigkeit das Tabaksblatt derartig zersetzt wird, dass das Aroma
sich bessert.

In beifolgender Figur ist die Steigerung der Temperatur in einem
ghrenden Haufen angegeben. Die Erfahrung hat hier gelehrt, dass man
bei  53 C. den Haufen ohne Schaden umsetzen kann, wodurch schon eine
Zeitersparnis erzielt wird. Die Temperatur wurde mittels mehrerer
Thermometer beobachtet, welche in die Spalte eines hlzernen Stabes
gestellt worden sind. Diese Stbe liegen in Bambuskchern und werden
einige Meter weit in den Haufen hineingeschoben. Nach der graphischen
Darstellung findet die strkste Temperaturerhhung statt von 29-50 C.
Vor und nach diesen senken sich die Linien bedeutend.

[Illustration: Fig. 7.

Graphische Darstellung der Temperaturerhhung in den ghrenden
Haufen Tabak A, B und C, im Monat Juni aufgestellt.]

Merkwrdig und sehr beachtenswert sind die Eigenschaften, welche an a.
beobachtet werden. Aus der nmlichen Tabaksart, aus dem Betuwer Erdgut
also, ist der B. T. I. isoliert worden. Wenn dieser in _grsserer
Menge_ knstlich in diesen Tabak hineingebracht wird, so bessert
sich das Aroma desselben beim Anbrennen betrchtlich. Ein Beweis um
so mehr dafr, dass eine grosse Zahl Mikroben, welche sich auf der
Blattoberflche befinden oder knstlich darauf angebracht worden sind,
bedeutend dazu mitwirken, die guten Eigenschaften, welche guter,
einheimischer Tabak besitzen soll, ansehnlich zu verstrken und dadurch
den Tabak zu verbessern.

Aus den Impfungen erhellt ausserdem, dass durch B. T. I. das Aroma
(siehe A. I.), durch den Diplococcus die Brennbarkeit (A. II.)
verbessert wird; wenn sie zugleicherzeit angewendet werden, verbessern
sie Aroma und Brennbarkeit. (A. III.) B. T. I. bertrgt sogar, durch
seine Lebensfunktionen, das Aroma des Betuwer Tabaks auf andere
Tabaksarten (A. I. b.).

Wir erkennen aus diesen Versuchen deutlich die Wirkung der Mikroben
bei der Ghrung, und dass es jetzt auf praktischem Wege mglich ist,
der Fermentation einen gnstigen Verlauf zu geben. Am Schluss dieser
Beschreibung einige kurze Mitteilungen.

       *       *       *       *       *

Vor allem meinen Dank den Herren ~Dr. v. Breda de Haan~ in Buitenzorg
fr die Zusendung des unfermentierten Deli-Tabaks ausgezeichneter
Qualitt, wodurch ich Gelegenheit gehabt habe, Indischen Tabak in
meinem Laboratorium zum Ghren zu bringen und Nachforschungen darber
anzustellen.

~Dr. A. van Bijlert~, gleichfalls in Buitenzorg, fr seine erneuten
Untersuchungen der Deli-Bodenarten, auf denen der Tabak solche
bekannten vorzglichen Eigenschaften erhlt, und in denen ein
colloidales Silicat solch eine gnstige Wirkung hat.

Nicht weniger wichtig ist der von Herrn ~Dr. v. Breda de Haan~ gegebene
Bericht ber Regenfall und Reboisation in Deli, welcher von so grosser
Bedeutung fr die Zukunft dieses Landes ist.

Die Untersuchungen des Deli- und des Havanna- Tabaks sind, was
den bakteriologischen Teil betrifft, von mir angestellt worden.
Die praktische Anwendung der Reinkulturen werde ich hier nicht
antizipieren, doch nur die Mitteilung machen, dass beide, ebenso wie
unser einheimischer Tabak eine ammoniakale Ghrung durchmachen, welche
Mitteilung, was den Deli betrifft, mit dem Bericht des Herrn ~Dr.
Vernhout~ stimmt.

Dieser hatte die Gte, mir das Ergebnis der Untersuchungen, welche
mit etwa siebzig Blttern angestellt wurden, zuzuschicken. Auch hier
stellte sich heraus, dass die Ghrung durch die Wirkung von Mikroben
verursacht wird. Es gelang ~Vernhout~ immer, dieselben in Reinkultur
zu bekommen. Diese Untersuchungen, welche in den Tropen mit solchen
grossen Schwierigkeiten verbunden sind, werden fortgesetzt.

Aus dem Deli-Tabak isolierte ich Bakterien und eine Hefenzelle. Die
Bakterien sind sehr klein, whrend immer eine gefunden wurde, die bei
37 C. gar nicht mehr auf dem Nhrboden wuchs, sondern bei 24 C. ihr
Wachstumsoptimum hatte; weiter ein Stbchen, welches keine Sporen
bildete, ein Diplococcus und ein der Rosahefe verwandter Saccharomyceet.

In Folge des Amerikanisch-Spanischen Krieges, war keine Gelegenheit,
unfermentierten Tabak zu bekommen, so dass ich, ohne diesen
Untersuchungen viel Gewicht beizumessen, die Mikroorganismen aus
Bscheln Tabak isolierte, welche acht Jahre lang in Amsterdam gut
aufgehoben gelegen hatten. Merkwrdig ist es jedoch, dass daraus
doch einige Arten, alles Bakterien, isoliert worden sind. Aus den
Bscheln habe ich unter allen Vorsichtsmassregeln die inneren Bltter
herausgesucht und sie von neuem in eine feuchte Umgebung und erhhte
Temperatur gebracht. Trotzdem sie acht Jahre trocken gelegen hatten,
sind daraus 7 Arten Mikroorganismen in Reinkultur gezchtet worden.
Nach dem Petunieren des amerikanischen Tabaks mit Ammonsalzen, wobei
eine Alkalinitt des Blattes entsteht, und nunmehr ein intensives
Bacterienleben mglich ist, ist eine bakteriologische Untersuchung ohne
Werth.

       *       *       *       *       *

Weiter ist von mir ein deutsches Prparat, um den Tabak, was den
Geschmack betrifft, zu verbessern, untersucht worden.

Weil es einfach benutzt wird, um die Tabaksbltter, ehe sie zu Cigarren
verarbeitet werden, einzureiben, und diese schon sofort nachher
gebraucht werden knnen, kann von einer eigentlichen Ghrung, bei
welcher Reinkulturen mit im Spiele sind, nicht die Rede sein. Die
Untersuchungen betreffen nur ein Muster, das mir zuflligerweise nach
einem Schreiben des Herrn ~Haas~ in London in die Hnde geriet. Es ist
eine gelbliche Flssigkeit, welche sauer reagiert, ein spezifisches
Gewicht von 1.10 besitzt und ein gelbbraunes Sediment enthlt. Der
Geruch hnelt altem Biere, der Gehalt an festem Stoff, in Extractform
bei 100 C. getrocknet, ist 1.34 Prozent, whrend der Glhverlust 1.05
Prozent betrgt. Bei der Glhung wird ein hchst unangenehmer Geruch
bemerkt. In der Flssigkeit lsst sich weiter Nitrat, Phosphorsure,
reduzierender Zucker und Alcohol nachweisen.

Mikroskopisch betrachtet, besteht das Sediment aus langen wurstformigen
Hefenzellen, die bekanntlich, wenn sie mehrmals in Reinkultur gebracht
werden, in eifrmige bergehen. Auf der sauren Malzgelatine bilden sich
graue Kolonien, mit weissem Saume, welcher wieder ins Graue bergeht.
Wahrscheinlich ist diese Hefenzelle eine Verunreinigung des Prparates.

Weiter ist noch ein Prparat im Handel, welches hellbraun gefrbt ist,
und aus aromatischen Krpern, sogenannten Estern, von angenehmem Aroma
besteht, welches einigermassen an Amylacetat erinnert.

Nach einer beigegebenen Erklrung wird auch dieses Prparat benutzt,
um das Aroma zu verbessern. Ich glaube nicht, das die genannten
Hilfsmittel Beifall gefunden haben. Nach meiner Meinung muss da, wo
wir die meteorologischen Einflsse nicht in unserer Gewalt haben,
die Verbesserung unsres Tabaks darin gesucht werden, dass der Samen
in der vorher beschriebenen Weise eingesammelt wird, weiter in der
Dngung und, zu nicht geringem Teil, in der Fermentationsweise. Mge
die Zukunft uns zeigen, dass die Arbeit des Herrn ~Dr. v. Bijlert~
mit seinen interessanten Untersuchungen der Bodenarten von Deli, wo
das Colloidal-Silicat und der Colloidal-Silicat-Humat-Complex eine so
grosse Rolle spielt, auch fr unsere Kultur von Wichtigkeit ist.




Morphologie und Biologie der Tabaksbakterien.


Die Hauptrolle bei der Ghrung unseres Tabaks spielen der _Bacillus
Tabaci I_ und der _Diplococcus Tabaci_. In ihrer Form und Lebensweise
ist, wie hierunten beschrieben wird, ein sehr grosser Unterschied.

_Der Bacillus Tabaci Hollandicus I_ ist ein Stbchen von wechselnder
Grsse, je nach der Beschaffenheit des Mediums, in oder auf welchem
er sich entwickelt. Eine 24 Stunden alte Agarkultur zeigt bei einer
Temperatur von 37 C. Stbchen von 5-7 Mikron Lnge und 1-3 Mikron
Dicke. (Fig. 8).

[Illustration: Fig. 8.]

Eine 24 Stunden alte Agarkultur, welche bei 24 C. gestanden hat, zeigt
Stbchen von 6-8 Mikron Lnge und von 1-1.2 Mikron Dicke.

Der Bacillus Tabaci I wchst auf der schwach alkalischen Gelatine sehr
eigentmlich und ausserordentlich schn in der Farbe, Entwicklung und
Form.

[Illustration: Fig. 9.]

Erstens entstehen an der Oberflche kleine graue Pnktchen, die
vom Rande ab schon frh einen wellenartigen Lauf zeigen. Besonders
am Rande wird die Kolonie zierlich gewellt und sie bekommt bei
auffallendem Lichte eine graublaue, bei durchfallendem Lichte eine
schne himmelblaue, eisartige oder eine blassblaue Farbe. (Fig. 9).
Bald treten vom Rande ein oder mehr Fden aus, welche gleichfalls
wellenartig ber die Gelatine verlaufen. Von einigen Punkten aus
luft ein Faden ganz isoliert weiter, an andern Stellen geschieht
das Auswachsen von der Mutterkolonie mittels mehrerer Fden, welche
neben einander sich ausstrecken. Es will mich bednken, dass die
Bakterien in den isolierten Fden lnger sind als dort, wo Gruppen
von Fden sich einen Weg durch die Gelatine bahnen. Bei 24 C., nach
3  24 Stunden sinkt die jetzt grnliche Kolonie, whrend sie radiale
Falten bildet, peptonisiert die Gelatine sehr schwach und bildet dann
an ihrer Oberflche ein grnliches gefaltetes Hutchen. Die Bakterie
entwickelt Ammoniak aus diesem Nhrboden. Bei einem durch Carbolfuchsin
gefrbtem Klatschprparat sieht man bei den jungen Kulturen die schne
Lage der Fden und ihren Fortschritt ber die Gelatine. Die Kolonien
unter der Oberflche bleiben klein, erscheinen gelb und sind rund oder
linsenformig.

Der Gelatinestrich ist ebenso wie das Wachstum auf den Platten, er
zeigt aber die blaue eisartige Frbung der Kolonie in ihrem gelappten
Rand noch zierlicher. Die Gelatine verfliesst nach ein paar Tagen bei
Zimmertemperatur, wobei sie ein runzliches, graulichgrnes Hutchen mit
sich fhrt.

Der Gelatinestich lsst erkennen, dass die Bakterie eine aerobe ist,
sie verfliesst oben und bildet oft in der Nhe der Oberflche weiche,
kleine, baumartige Auslufer.

Der Stich in glukosehaltiger Gelatine ist krftiger entwickelt als in
der gewhnlichen Gelatine; eine Gasbildung wird jedoch nicht dabei
wahrgenommen.

Der Strich auf dem gewhnlichen alkalischen Agar ist hellgrau und
glnzend. Das Temperaturoptimum liegt zwischen 37 und 40 C.

Der Stich in alkalischem Agar zeigt wie der Gelatinestich sehr schwache
Auslufer; das Wachstum weist auch hier auf eine aerobe Bakterie.
In alkalischer Bouillon entstehen Flckchen, die von der Oberflche
nach dem Boden des Reagierrhrchens hinabsinken; daselbst entsteht
ein schleimiges Sediment, dass sich beim Schtteln spiralfrmig in
die Hhe windet und am Boden festgeklebt bleibt. Auch hier bildet
sich Ammoniak, das mittels Lakmuspapier und Aufnahme des Gases in
~Nessler's~ Flssigkeit bei Zimmertemperatur nachgewiesen werden kann.
Das Wachstum in Bouillon, welche 2 % Glukose enthlt, ist krftiger,
als in zuckerfreier Bouillon.

In saurer Bouillon findet kein Wachstum statt.

Auf einem Nhrboden, der wie folgt zusammengesetzt ist, wchst die
Bakterie ausserordentlich gut:


    Tabakssaft            15.0
    Kaliumphosphat         0.050
    Asparagin              0.5
    Glukose                2.0
    Agar                   2.0
    Wasser               100.0
    Reaction             schwach alcalisch.


Die Strichkultur ist auf diesem dunkeln Agar-Nhrboden grau, glnzend,
glatt, dick und mit scharfem Rande versehen. Konnte ich in den soeben
beschriebenen Nhrbden, auch nach monatelanger Beobachtung, wenig
Vernderung in der Form des Bakterienkrpers wahrnehmen, so liegt hier
die Sache ganz anders. Nach einer Woche erleiden die Stbchen eine
eigentmliche Vernderung (Fig. 10). Oberflchlich betrachtet wre man
geneigt anzunehmen, dass wir es hier nicht mit einer Reinkultur zu thun
haben. Nachdem das intensive Wachstum auf dem Tabakssaftenthaltenden
Medium stattgefunden hat, verdicken sich die Stbchen und gehen
ein, wobei nicht selten die Lage der Individuen an Saccharomyceten
denken lsst. Einige Stbchen, welche mehr Lebensenergie besitzen,
haben noch ihre Form behalten, whrend auch ihr Bakterienkrper mehr
gleichmssig die basischen Anilinfarben aufnimmt. Wenn man sie whrend
15-30 Sekunden mit kaltem Karbolfuchsin frbt, kommt der Unterschied
in der Beschaffenheit des Bakterienprotoplasmas mehr zum Vorschein.
Das Protoplasma erleidet von einem Punkte aus eine Vernderung. Diese
Vernderung greift von dort aus mehr und mehr um sich, bis endlich der
ganze Krper, ausgenommen die beiden Enden, die Eigenschaft verloren
hat, den Farbstoff gleichmssig festzuhalten. Die Enden des Stbchens
frben sich viel strker als der Inhalt. Meistens sind noch ein oder
mehrere Pnktchen im Krper nachzuweisen, die gleichfalls den Farbstoff
strker aufnehmen.

[Illustration: Fig. 10.]

Nach einigen Sekunden Frbung habe ich oft ein schwach gefrbtes
Pnktchen sich lngs einer der Seiten im Bakterienkrper hin und her
bewegen sehen, als ob da gewissermassen ein Todeskampf dem chemischen
Agens gegenber stattfnde. Legt man von diesen Hemmungsbildungen
Strich- oder Plattenkulturen an, so zeigt sich wieder die Stbchenform,
whrend einige der lteren Formen noch im Ruhezustand sind, jedoch
erkennt man leicht, dass man es mit einer Reinkultur zu thun hat.
Dieser Nhrboden ist noch weiter merkwrdig, da die Bakterie hier bei
37 C. noch mit einem Alkaliegehalt von 15 cm^3 normal KOH auf 100
Teile Nhrboden wchst.

In einer Tabakssaftlsung, wie sie oben angegeben, zeigen sich die
nmlichen Erscheinungen. Hierin kommen lange Fden mit kurzen Gliedern
zur Entwicklung. Auch dies Nhrmaterial entwickelt Ammoniak. Von Natur
liefert der Tabakssaft der grnen und trocknen Bltter Nitrat, welches
von der Bakterie zu Nitrit reduziert wird.

Die Bakterie trbt eine schwach alkalische Tabakssaftflssigkeit und
Wasser (20: 100) whrend sie kleine Flckchen bildet.

In einer von Haus aus schwach sauren, Tabakssaft enthaltenden
Flssigkeit findet anfnglich fast kein Wachstum statt. Der Suregehalt
vermindert langsam, damit wchst die Bakterie dann besser.

Der Bacillus Tabaci I wchst zu sehr langen Fden mit kurzen Gliedern
in einer Flssigkeit, die auf folgende Weise zusammengesetzt ist:


    Kaliumphosphat      0.050
    Asparagin           0.5
    Glukose             2.
    Wasser            100.
    Reaction          nicht gendert.


Das Asparagin wird zersezt und als Zersetsungsprodukt ist Ammoniak
nachzuweisen, sowohl wenn man rotes Lakmuspapier ber der Flssigkeit
anbringt, als dadurch, dass man beim Erhitzen, die gasfrmigen
Zersetzungsprodukte in ~Nessler's~ Flssigkeit auffngt. Dies Reagens
kann man nicht anwenden im Kulturmedium, da Glukose bei niedriger
Temperatur gleichfalls mit gelber Verfrbung auf ~Nessler's~
Flssigkeit einwirkt.

Damit man die Wirkung auf Nitrat beobachten knne, wird die Bakterie in
die hierunten angegebene Flssigkeit geimpft.


    Kaliumphosphat      0.050
    Asparagin           0.5
    Kaliumnitrat        0.2
    Glukose             2.0
    Wasser            100.
    Reaction          nicht gendert.


Sowohl diese als die vorige Flssigkeit reagiert sehr schwach
alkalisch. Die Bakterie zersetzt hier das Nitrat zu Nitrit, welches
man leicht mit der bekannten Jodzinkstrkelsung und sehr deutlich mit
Metaphenylendiamin nachweisen kann.

Bei den oben angegebenen Nhrbden ist, unter gleichen Bedingungen
wie Grsse der Gefsse, Temperatur u. s. w. nach der colorimetrischen
~Fleck'~schen Methode mehr Ammoniak nachzuweisen; woraus folgt, dass
wie bei den ~Petri'~schen und ~Lewandowski'~schen Versuchen der
_Bacillus Proteus vulgaris_, auch der _Bacillus Tabaci I_ Nitrat zu
Nitrit und teilsweise zu Ammoniak reduziert.

Gelatine-Nhrbden, welche aus Pflanzensften (Leguminosen) mit
Hinzufgung von 2% Glukose zusammengesetzt sind, lassen die B. T. I
nicht zur Entwicklung kommen. Wenn die Reaktion schwach alkalisch
genommen wird, so tritt eine sehr krftige Verflssigung ein.

Weder in saurem noch alkalischem Malz (gehopfte Wrze aus den
Tropfscken) findet Entwicklung statt.

In ~Lfflers~ Bouillon wird kein Indol gebildet.

Auf Kartoffeln, sowohl normalen wie alkalischen, findet ein krftiges
Wachstum statt. Auch hier wird die Alkalessenz vorgezogen. Es bildet
sich eine graulichbraune, dicke, glnzende Kultur. Monatelang sieht man
darin microscopisch die Stbchenform.

Auf alkalischer Kartoffelgelatine ist das Wachstum ein sehr langsames.

Milch, sowohl die normale als die alkalische oder saure, wird nicht von
der Bakterie verndert, ebensowenig wchst sie auf Blutserum.

Wenn auch Zahlenangaben ber eine Verminderung von Glukose ohne
besonderen Werth sind, weil wir es mit eine aroben Bakterie zu thun
haben, ist es doch wichtig zu wissen, dass die Glukose zersetzt wird.

In ein ~Erlenmeyer~'sches Klbchen wurden 100 cm der auf Seite 50
angegebenen Flssigkeit (ohne Agar) gebracht und mit der Bakterie
geimpft. Nach verlauf van 8 Tage war der Glukosegehalt von 2% auf
1.6-1.7% vermindert.

Vorher habe ich schon angegeben, dass keine Verghrung der Glukose
stattfindet. Nach der Mglichkeit, ob Milchsure oder eine andre
organische Sure gebildet wird, werden Versuchen angestellt.

Der Bacillus Tabaci I ist eine obligat arobe, unbewegliche Bakterie,
welche auf verschiedenen Nhrbden sehr verschieden ist in der Grsse.
Sie frbt sich leicht mit den basischen Anilinfarben, dagegen entfrbt
sie sich nach der Methode _Gram_. Sie bildet keine Sporen und wird
bei 100 C. innerhalb einer Minute gettet. Sie stirbt bei folgender
Temperatur:


    100 C. innerhalb      1 Minute.
     60 C. nach           5 Minuten.
     55 C.  "            15    "
     50 C.  "            30    "


Diese Bakterie gehrt, den beschriebenen Eigenschaften nach, zu der
Gruppe der _Proteus_.

Der _Diplococcus Tabaci Hollandicus_ zeigt viel weniger Abweichung in
seinem Wachstum als der B. T. I. Die beiden Coccen haben eine Lnge
von etwa 2.5 Mikron. In allen Kulturen findet man auch isolierte
Coccen. (Fig. 11).

[Illustration: Fig. 11.]

Dieser Diplococcus wchst auf der schwach alkalischen Gelatineplatte
als eine scharf begrenzte, runde, glnzende, citronengelbe,
kleine Kolonie, woran nicht viel besonderes zu bemerken ist. Bei
Zimmertemperatur wchst der Organismus am besten und entwickelt
Ammoniak wie der B. T. I.

Der Gelatinestich hat auch hier eine citronengelbe Farbe und lsst erst
nach einigen Wochen eine sehr schwache Verflssigung erkennen.

Der Gelatinestich bietet nichts Besonderes; nur erkennt man an ihm
schon den aroben Charakter der Kultur.

Auf alkalischem Agar wachst der Diplococcus gleichfalls sehr langsam
und bildet eine citronengelbe Kolonie, welche sich allmhlich in
die Breite ausdehnt. Der Stich in Agar zeigt auch hier nichts
Bemerkenswerthes.

Alkalische Bouillon wird schwach getrbt, whrend auch die saure
Bouillon sich wenig verndert.

Auf dem Agartabakssaftnhrboden, wie er beim B. T. I beschrieben
worden, wchst der Diplococcus mit einer gelblichgrauen Farbe. Die
Alkalittsgrenze liegt hier bei 3 cm normal KOH auf 100 Teile
Nhrboden, ist also viel niedriger als beim B. T. I gefunden worden ist.

Auch in einer derartig zusammengesetzen Flssigkeit findet Wachstum
statt; dabei werden die Lagen an der Oberflche, welche mit der Luft in
Berhrung kommen, etwas dunkel gefrbt.

Der Diplococcus vertrgt im Gegensatz zu dem B. T. I ein _saures_
Medium.

In der beschriebenen Asparagin-Flssigkeit kommt der Diplococcus nicht
zur Entwicklung.

Gelatinenhrbden, welche aus Pflanzensften mit Hinzufgung von 2%
Glukose zusammengesetzt sind, verflssigen sich schneller als die
gebruchliche Nhrgelatine, die alkalisch reagiert. Auch auf saurer
Malzgelatine wchst der Diplococcus mit einer gelblichweissen Farbe,
wobei er sehr langsam die Gelatine verflssigt.

In saurem Malz entsteht ein geringer Niederschlag.

Auf Kartoffel, welche schwach sauer reagiert, wchst der Diplococcus
langsam mit einer prachtvoll citronengelben Farbe, whrend er auf
alkalischer Kartoffel fast nicht wchst.

Milch, sowohl normale wie alkalische oder saure, wird nicht vom
Diplococcus verndert.

Auf Blutserum entsteht sehr langsam eine hell-graulich-gelbe Kolonie.

Der Diplococcus ist ebenso wie der B. T. I ein obligat arober
Organismus, welcher sich nicht bewegt; vielleicht besitzen die
Diplococcen, welche von der sauren Malzgelatine genommen wurden, einige
Bewegungsfhigkeit.

Es besteht wenig Unterschied in der Lnge der Diplococcen auf den
verschiedenen Nhrbden.

Der Organismus frbt sich leicht mit den basischen Anilinfarben und
entfrbt sich nach der _Gramschen_ Methode. Bei der Frbung fallen
die Diplococcen gewhnlich auseinander, wobei zugleicherzeit die nicht
selten ovale Form der kugelrunden weicht.

Der Diplococcus wird bei der nmlichen Temperatur gettet, wie der B.
T. I.

Es findet keine Indolbildung statt.

Auf den beschriebenen Nhrbden hat der Diplococcus sein krftigstes
Wachstum bei 24-30 C.

Merkwrdig ist die Eigenschaft, dass er im Gegensatz zu dem B. T. I
eine saure Umgebung vertrgt und sich darin vermehrt, whrend der B. T.
I bei hherer Alkalitt ebenso gut wchst als bei niedrigerer.

Hiermit sind die vornehmsten Eigenschaften des Diplococcus beschrieben;
Morphologie und Biologie bieten also hier nicht so viel Merkwrdiges
als bei dem B. T. I.

Ausser den beschriebenen Mikroorganismen sind immer in grsserer oder
geringerer Menge _whrend_ der Ghrung _Proteusarten_ von mir gefunden
worden. Auch deren Morphologie und Biologie ist hchst interessant.
Schon frher habe ich in Krze ihr Wachstum auf den verschiedenen
Nhrbden angegeben und abgebildet und zugleicherzeit die fakultative
anarobe B. T. III behandelt, welche wahrscheinlich einen nicht
geringen Anteil an der Temperaturerhhung hat.

Die _Proteusarten_, welche keine Sporen bilden und bei 50 C. schon
nach kurzer Zeit sterben, sind also nach einem gnstigen Verlauf der
Fermentation _nicht mehr zurckzufinden_.

In den meisten Fllen sieht man im allgemeinen Grade bei der
Bruttemperatur von 37 C. (30-40), dass die Mikroben krftigere
Lebensenergie besitzen. Jene Lebensenergie geht mit dem schnellen
Temperaturwechsel zusammen, welcher zwischen 30-40 C. bei unserer
hollndischen Tabaksghrung beobachtet wird.

Hier schliessen sich die beschriebenen Versuche mit den Reinkulturen
der _Proteusartigen_ an, welche immer in grosser Zahl _whrend_ der
Ghrung bei 30-40 C. nachgewiesen werden knnen, und die bei der
darauffolgenden langsamen Temperaturerhhung, wie schon frher von mir
beschrieben wurde, langsam aber gewiss ihrem Tode entgegen gehen.

Diese _Proteusarten_ entwickeln sich zu gleicher Zeit mit dem B. T.
I (der gleichfalls zu dieser Gruppe gehrt) und mit dem Diplococcus
beim Anfange der Fermentation. Erst hrt der Diplococcus auf,
sich zu vermehren (nahe bei 30 C.), wonach die _Proteusarten_
energisch zu leben anfangen, sodass nicht selten die Temperatur
_innerhalb 24 Stunden von_ 31 auf 34 C. _steigt_. Die Subtilis,
die Mycoides und andere Bakterien, welche obligat arob sind, jedoch
in grosser Minderheit in diesem Stadium der Fermentation ber die
Blattoberflche verteilt sind, werden gleichfalls den Sauerstoff aus
dem Haufen benutzen und dadurch mit Ursache sein, dass die Gruppe der
_Proteus_ (B. T. IV u. a. aber nicht der B. T. I) ihren anaroben
Charakter offenbart. Weil diese bei hherer Temperatur und der damit
zusammenhngenden verringerten Lebensenergie einen verminderten
Stoffwechsel haben, so wird die Temperatur von nun an langsamer
steigen, bis der Tod der _Proteus_ eintritt. Die briggebliebenen
Bakterien leben noch weiter in dieser so vernderten Umgebung und
bilden schliesslich Sporen, wodurch der biologische Prozess dieser
Ghrung zum Stehen gebracht wird.

Der Tabakshaufen wird bei 52-56 C. umgesetzt, sodass neue Bltter,
welche sich noch nicht an der Fermentation beteiligten, nach innen
kommen und der Prozess wiederum von neuem anfngt. Die Personen, welche
sich bei uns mit der Fermentation beschftigen, versicherten mir, dass
der Tabak, welcher einmal an der Brhung Teil genommen hat, nicht mehr
im Stande sei, von neuem in energische Ghrung zu treten. Dies erklrt
sich durch das Absterben des Diplococcus und des B. T. I nebst der
andern _Proteusarten_ bei ungefhr 50 C.

Die Ghrung unseres Tabaks hat also verschiedene Phasen aufzuweisen,
welche mit dem Temperaturoptimum der wirksamen Bakterien bereinstimmen.

Die Ghrung wird also von Aroben und facultative Anaroben eingeleitet
und vollendet.

Den Forschern, welche sich also mit der Beobachtung der Fermentation
des Tabaks von irgend welchem Weltteil beschftigen, muss man also aus
den beschriebenen Grnden anraten, die Bltter _whrend_ der Ghrung zu
untersuchen[F].

Der angezeigte Weg mchte das Anfertigen einer graphischen Darstellung
der Temperaturerhhung sein, woraus man am besten erkennen kann, wie
die Temperatur verluft. Nachher knnen links und rechts von den
Stellen der Linie, wo die strkste Steigung der Temperatur wahrgenommen
wird, Plattenkulturen angelegt werden, damit beobachtet werden
knne, welche Mikroorganismen auftreten, welche bei einer bestimmten
Temperatur eine krftige Lebensenergie besitzen, und welche von ihnen
bei hherer Temperatur nicht mehr aufgefunden werden, also gestorben
sind.

Weiter bemerke ich hier, dass man bei einem biologischen Prozesse, wie
er hier stattfindet, nicht erwarten muss, dass durch die Bakterien das
Gewebe vernichtet wird. Denn die verschiedenen Mikroorganismen scheiden
Stoffe aus, welche sich durch die Stomata, Membrane und Gefsse
verbreiten knnen, um da ihre chemische Wirkung zu entfalten.

Wahrscheinlich sind dies gnstig wirkende Enzyme oder andere hchst
zusammengesetzte Krper.

Bei dem Delitabak, der bei mir in Fermentation gebracht wurde, fand ich
eine mit unsrer einheimischen Tabaksghrung analoge Ghrung. Ich sah
dort bestimmte Sorten von Mikroorganismen auftreten, andere bei hherer
Temperatur krftiger leben, dagegen wieder andere sterben. Ich erwhne
hier nur ein Stbchen, welches von einer, auf alkalischer Gelatine
wachsenden, runden, blauglnzenden Kolonie herstammte, welches sich
bei 37 C. nicht mehr vermehrt und bei 50 C. stirbt. Welche Funktion
dieses bei der Ghrung ausbte, konnte ich praktisch nicht bestimmen,
jedoch bleibt in dergleichen Fllen die Mglichkeit, dass die nur kurze
Zeit lebenden Mikroorganismen ein Enzym bilden knnen, das grade bei
hherer Temperatur krftiger einwirkt.

Aus dieser umfangreichen Untersuchung der Fermentation geht hervor,
dass Bakterien, also Mikroorganismen, die Ghrung einleiten und
beendigen. Von einer eigentlichen _Ghrung_, wobei _massenhaft
entweichende Gase_ entstehen, kann man allerdings hier _nicht_ sprechen.

Im Vorstehenden habe ich beschrieben, wie Mikroorganismen whrend
ihrer Lebensfunktionen das Blatt angreifen, Ammoniak entwickeln,
Glukose, Nitrate und Asparagin zersetzen, um schlielich aus dem
Tabake ein Produkt zu bilden, wie es der Handel wnscht. Ebenso habe
ich die Wirkung der wiederholten knstlichen Impfung mit Reinkulturen
beschrieben und auf dem Wege der Empirie gezeigt, welche Vernderungen
in Geruch, und Brennbarkeit dabei auftreten. Die weitere Erfahrung muss
zeigen, welchen Nutzen die Praxis aus dem bisher Erkannten ziehen kann.

[Funote F: Siehe meine Abhandlung im Indische Mercuur 24 Juni
1899. Een critische beschouwing over ~Loew's~ theorie der oxidizing
enzymation.]




Gifte und Infektionskrankheiten.


Die Fleckenkrankheit beim Tabak ist noch immer ein Gegenstand
des Studiums, und wenn auch die wahre Ursache, die nur durch das
Experiment festzustellen ist, noch nicht bekannt geworden, so habe
ich doch Beobachtungen genug, um ein Urteil ber ihr Wesen abgeben zu
knnen. Meine Untersuchungen sind von langer Dauer gewesen, weil die
Erscheinungen, welche ausschliesslich bei dieser Krankheit auftreten,
sich bei den gesunden Pflanzen in den gnstigsten Verhltnissen erst
drei Wochen nach der Infektion zu zeigen anfangen. Eine grosse Zahl von
Pflanzen sind von mir verschiedenen Versuchen unterzogen worden. Dass
hier ein sehr toxischer Stoff wirksam ist, geht schon aus der Thatsache
hervor, dass 5 mgr. eines getrockneten kranken Blattes im Stande sind,
die krftigsten Pflanzen zu infizieren. (Ich gebrauche hier das Wort
Infektion und nicht Intoxikation; spter wird sich zeigen aus welchem
Grund). Wie ich frher schrieb, habe ich oft, jedoch _nicht immer_,
eine Mikrobe isolieren knnen, welche ein infizierendes Vermgen
besitzt.

Wenn wirklich Bakterien Ursache der Fleckenkrankheit sind, so mssen
diese doch immer aus kranken Exemplaren von _Nicotiana_ isoliert werden
knnen, um den Beweis zu liefern, dass nur ihnen eine infizierende
Kraft zukommt. Bis jetzt ist noch nicht eine Bakterie in Kultur
gebracht worden, welche fr _Nicotiana_ als pathogen zu betrachten
ist. Aus der grossen Menge Versuche werden wir ersehen, dass wir es
zu thun haben mit einem schweren Gifte, gebildet von unbekannten
Mikroorganismen, oder richtiger gesagt, von unsichtbaren Teilchen,
welche sich selbst vermehren und sich in den Pflanzen, oder auch in der
Nhe derselben, befinden knnen.

Wenn wir nach dem heutigen Stand der Wissenschaft folgende Regel,
welche bei den Infektionskrankheiten beobachtet wird, festhalten, so
handelt es sich hier um allerwinzigste Wesen, Teilchen, welche sich
vermehren, und welche als Gift fr die Pflanzen zu betrachten sind.

I. Wenn der durch eine ~Chamberland~-Pasteurkerze filtrierte kranke
Blattgewebesaft gesunde Pflanzen infiziert, und dieser Saft wieder nach
Filtration neue Exemplare u. s. w., so haben wir es mit Mikroorganismen
zu thun, mit einem infektisen Pflanzen-Krankheitskeim (vergleiche
spter Maul- und Klauenseuche).

II. Wenn der filtrierte kranke Blattgewebesaft in gesunde Pflanzen
hineingebracht wird und die Krankheit verursacht, wenn weiter der aus
den zweiterkrankten Pflanzen gewonnene Saft wieder nach Filtration
einer neuen Reihe Pflanzen eingespritzt wird, und dies keine Krankheit
erregt, so handelt es sich um toxische Stoffen, welche gebildet sind
von Mikroorganismen in der ersten Versuchsreihe (wie bei Diphtherie,
Tetanus.)

Ehe ich mich ber diesen Gegenstand verbreite, folgen hier einige
allgemeine Betrachtungen ber Gifte und Infektionskrankheiten. Eine
bersicht hiervon ist notwendig, um spter die Fleckenkrankheit damit
vergleichen zu knnen.

Zuerst hat man Gifte, welche von Mikroorganismen erzeugt werden,
abgesondert aus faulenden organischen Stoffen. Es waren meist
stickstoffhaltige Basen. ~Selmi~ nannte diese entweder giftigen oder
nicht giftigen Basen Kadaver-Alkaloide oder Ptomaine. Damals waren
diese Gifte noch nicht chemisch rein gewonnen sondern noch mit toxisch
wirkenden Extraktionsstoffen vermischt. Erst ~Nencki~ gelang es,
aus faulender Gelatine und faulendem Eiweiss einen kristallinischen
Stoff zu isolieren von der Zusammensetzung C_{8} H_{11} N mit einer
wahrscheinlichen Struktur von:


          -- CH_{3} --
C_{6}H_{4}            NH_{2}
          -- CH_{2} --


Diese Basis ist also isomer mit _Collidin_, doch verhlt sich bei
Erhitzung anders. Von vielen Forschern wurden bald toxische Stoffe in
sehr reinem Zustande isoliert, so z. B. von ~Gautier~ 2 Alkaloide aus
faulendem Fisch, _Parvolin_, C_{9} H_{13} N, und das stark reduzierende
_Hydrocollidin_, C_{8} H_{13} N; von ~Guareschi~ aus faulendem
Rindfleisch eine Basis von der Zusammensetzung C_{10} H_{15} N.

Dieses Suchen nach den Giften ist mit eigentmlichen Schwierigkeiten
verbunden. Nicht nur, dass der Amylalcohol, welchen man beim
Ausschtteln der Flssigkeiten ntig hat, selbst Spuren von Giften
enthlt, sondern nach ~Gram~ knnte auch das _Cholin_, welches, nach
~Brieger~ wieder, immer die _Ptomaine_ begleitet oder einen Teil
derselben ausmacht, leicht in das giftige _Neurin_ bergefhrt werden.

Besonders ~Brieger~ hat die Untersuchungen der Gifte bernommen und
glnzende Resultate erzielt. Aus verschiedenen faulenden Substanzen
hat er stickstoffhaltige Basen isoliert, von denen viele keine giftige
Wirkung zeigten, andere dahingegen als schwere Gifte auftraten.
Letztere nannte er _Toxine_.

Zu den nicht giftigen oder zu denen, welche erst in grossen Dosen als
Gift wirkten, gehren:

_Neuridin_, C_{5} H_{14} N_{2}, welches sich allgemein vorfindet
beim Faulen von Kse, Fleisch und nach 3 Tagen bei der Fulnis von
Menschenleichen,

_Gadinin_, C_{7} H_{17} NO_{2}, aus faulendem Fisch,

_Cadaverin_, C_{5} H_{16} N_{2}, in Leichnamen nach dem 4^{ten} Tage,

_Putrescin_, C_{4} H_{12} N_{2}, wie oben,

_Saprin_, wie oben,

_Cholin_, C_{5} H_{15} NO_{2}, wie oben, aber in den ersten Tagen; es
zersetzt sich spter in _Di-_ und _Trimethylamin_ und _Triaethylamin_;

das _Cholin_ ist zu betrachten als
_Trimethyl-oxyaethylammonium-hydroxyd_. (CH_{3}){3} N. OH. C_{2} H_{4}
OH;

_Mydatoxin_ und _Mydin_, wie oben.

Zu den usserst giftigen Basen gehren:

_Peptotoxin_, der giftige Bestandteil vieler Peptone; es entsteht z.
B. auch bei der Verdauung von Fibrin durch knstlichen Magensaft,
wahrscheinlich ebenfalls durch die peptonisierende Wirkung von Mikroben,

_Neurin_, C_{5} H_{13} N O, aus faulendem Fleische nach 5-6 Tagen,

_Muscarin_, C_{5} H_{15} N O_{3}, ein Oxydationsprodukt von _Cholin_,

_Tyrotoxicon_, ein schweres Gift, gefunden in Vanille-Eis von
~Vaughan~, weiter in Milch und vielen andern Nahrungsmitteln, besonders
whrend der heissen Sommertage.

Chemisch nhert sich dieser Krper den _Diazobenzol_-verbindungen.
Die toxische Wirkung giebt sich durch Diarrhen kund. Es ist ~Flgge~
gelungen, dieses heftig wirkende Gift abzusondern und durch Versuche an
Tieren zu zeigen, dass furchtbare Diarrhen dadurch entstehen knnen,
und sogar der Tod eintreten kann.

Man behauptet, dieses Gift entstehe durch eine sporenbildende,
mittels Abkochung nicht zu ttende Bakterie, welche bei der gnstigen
Temperatur, wodurch im Sommer schnelle Vermehrung stattfindet, das
Eiweiss so zersetzt, dass heftig wirkende Toxine gebildet werden.

Noch bedeutender waren die Untersuchungen der Gifte, welche aus
Reinkulturen gewonnen waren. Auch hier hat ~Brieger~ sich usserst
verdienstlich gemacht. Er bekam aus dem _Staphylococcus pyogenes
aureus_ und dem _Streptococcus pyogenes_ nicht giftige Ptomaine.
Ersterer entwickelt hauptschlich Ammoniak, letzterer Trimethylamin.
Aus Typhusbacillen erhielt ~Brieger~ einen sehr toxischen Stoff,
das _Typhotoxin_ C_{7} H_{17} N O_{2}. Weiter aus Cholera-Mikroben
_Spermin_, aus Tetanusbacillen 4 Toxine, von denen das _Tetanin_ sehr
giftig ist, dann das _Tetanotoxin_ und das _Spasmotoxin_.

Ausser diesen Alkaloid-artigen Stoffen wurden aus den Reinkulturen
anderer pathogenen Mikroben noch Gifte isoliert, welche eine sehr
toxische Wirkung besitzen, jedoch in chemischer Zusammensetzung sich
mehr den Eiweissen nhern und deshalb auch wohl _Toxalbumine_ genannt
werden. In wsseriger Lsung sind diese Gifte von schwachem Bau,
da sie schon bei 60 C. in kurzer Zeit, bei 100 sehr schnell
zerstrt werden. Ferner besitzen sie noch die Eigenschaft, dass sie
in Wasser oder verdnntem Alcohol gelst, durch starken Alcohol
prcipitiert werden, durch ~Chamberland-Pasteur~-Kerzen gehen, langsam
oder gar nicht dialysieren und die Eiweissreaktionen geben. Diese
Eiweissreaktionen sind nicht nur dem Eiweisse, sondern auch dessen
Zersetzungsprodukten eigen. Das eigentliche Gift kann also, ausser dem
Eiweisse, auch Verunreinigungen zugeschrieben werden. ~Brieger~ und
~de Boer~ nl. haben das Tetanus- und Diphtheriegift durch Prcipitation
mit Zinkchlorid als Doppelverbindung, ausgeschieden und es nicht nur
qualitativ, sondern auch quantitativ bestimmt und zwar aus Lsungen,
welche nicht die Spur von Eiweiss enthielten.

Die Absonderung der Toxalbumine, Toxine u. s. w. von den
Bakterien geschieht meistens mittels Filtration durch
~Chamberland-Pasteur~-Kerzen, oder, da sie, nach ~Sirotinin~, nicht
alle gelsten Stoffe durchlassen, durch ~Berckefeld-Nordtmeijers~
Infusorienerdefilter.

[Illustration: Fig. 12. Filtration durch eine
~Chamberland-Pasteur~-Kerze unter dem Drucke der Wasserleitung.]

In beigehender Figur 12 ist die Einrichtung wiedergegeben, wie sie
in meinem Laboratorium besteht, und wie sie benutzt wird, um die
Reinkulturen, welche in einen Vaporisator gebracht worden sind, in die
Tabaksbschel unter Luftdruck verstieben zu lassen. Links sieht man
eine Wasserstrahlluftpumpe abgebildet, welche zugleicherzeit durch
Wasserleitungsdruck einen konstanten Luftstrom erzielt. Die Vorrichtung
ist oberhalb eines Kbels aufgestellt. Der Wasserleitungshahn lsst das
Wasser (der Minimumdruck ist 2 Atmosphren) in der Richtung der Pfeile
W die Vorrichtung durchstrmen, whrend zugleicherzeit die Luft in
der Richtung der Pfeile L durch die Kautschukverbindung in die rechts
abgebildete ~Chamberland-Pasteur~-Kerze gepresst wird.

Diese Kerze ist in einem glsernen Mantel mit der gebruchlichen
Frsorge mittels Watte abgeschlossen, mittels strmenden Wasserdampfes
eine Stunde bei 110 C. sterilisiert worden und, um etwaiger Infektion
von aussen vorzubeugen, unmittelbar in Anwendung gebracht.

Diese Kerze wird nach Benutzung noch mittels Lufteinpressung
kontrolliert, ob sie etwa unsichtbare Sprnge oder Risse hat, in
dem Falle bilden sich Luftblasen unter Wasser. In die Kerze wird 
20cm^3 kranken Gewebesaftes von _Nicotiana_ gebracht, der Verschluss
hergestellt und die Filtration unternommen. Durch die zusammengepresste
Luft wird innerhalb der Kerze ein Druck ausgebt, sodass der grne,
immer bakterienreiche Gewebesaft nun hell braungelb und frei von
Bakterien, die auf der Kerze zurckbleiben, aus der Kerze hervortritt.

Diese Filtration geschieht sehr langsam und das Filtrat ist vollkommen
steril. Aus der Kontrolleprobe, welche auf dieses Filtrat angewendet
wurde, ergiebt sich, dass 10-20 Tropfen auf dem sauren und alkalischen
Nhrboden (~Koch~) keine einzige Kolonie entstehen lassen. Alle
Mikroben, welche bis jetzt mit den strksten Vergrsserungen und als
Kontrolle auf von ihnen angelegten Kulturen wahrgenommen werden knnen,
dringen also nicht durch das unverglaste Porzellan hindurch.

Der Fall kann vorkommen, doch er wrde einzig dastehen in der
Litteratur, dass bei genannten Vorsorgen Mikroorganismen bestehen
(siehe Maul- und Klauenseuche), welche unmittelbar die Kerze
durchdringen, doch deren Dasein sich weder bei den mikroskopischen
Untersuchungen noch nach dem Inkulturbringen auf diversen Nhrboden
offenbart. Letzteres ist nicht von so berwiegender Bedeutung, da viele
sichtbare, besonders fr den Menschen pathogene Mikroorganismen, lange
nicht beim Zchten auf knstlichen Nhrboden zur Entwicklung gebracht
werden konnten.

Ferner erwhne ich, dass erst neulich (Sept. '98) mir der Fall bekannt
geworden ist, dass ein Filtrat, sichtbar und bei den Untersuchungen,
frei von lebenden Wesen, eine unbegrenzte Infektion von Individuum auf
Individuum entfaltete. Ein Gramm kranken Gewebesaftes von _Nicotiana_
enthielt meinen Kulturproben nach reichlich 2900 Mikroorganismen in
sechs Arten, und keine von allen konnte Pflanzen infizieren.

Das schon genannte _Tetanusgift_, genau von ~Kitasato~ studiert, wird
bei Erhitzung auf 65 C. innerhalb weniger Minuten, bei 55 innerhalb
anderthalb Stunden vernichtet.

Bei Eintrocknung in einem Exsiccator zeigt sich, dass es seine toxische
Wirkung behalten hat. Diffuses Tageslicht nimmt dem Gifte innerhalb
einiger Wochen, helles Sonnenlicht innerhalb 15-18 Stunden seine
Wirkung, in beiden Versuchen mit Zutritt von Luft. ~Brieger~ und ~Cohn~
fanden, dass 0,000.0003 gr. dieses Giftes innerhalb 4 Tagen eine weisse
Maus von 20 gr. ttete, es ist also ein Gift von eminenter Wirkung.
Zum Verstndnis der Fleckenkrankheit beim Tabak ist es auch nicht ohne
Interesse, hier zu bemerken, dass ~Petri~ aus Cholerakulturen nebst
anderen Giften auch eine giftigen Substanz isolierte, welche in ihren
Reaktionen an die Peptone denken lsst, das sogenannte _Toxopepton_,
das sogar die Temperatur von 100 C. _lngere Zeit_ ertrgt, also nicht
zersetzt wird, und seine toxische Wirkung dabei behlt.

Weiter muss bemerkt werden, dass in den ersten Tagen der Fulnis viele
Fulnisbakterien zusammen usserst giftige Toxalbumine erzeugen, dass
diese Giftstoffe jedoch nach Verlauf von 14 Tagen verschwunden sein
knnen. (~Scholl-Nielsen~).

Zum Schluss dieser allgemeinen Betrachtungen, welche notwendig waren
zum Verstndnis der Gifte, einige die Fermente betreffende Mitteilungen.

Unter Enzymen und Fermenten versteht man sehr zusammengesetzte
organische, sich leicht zersetzende Stoffe, welche innerhalb bestimmter
Temperaturgrenzen relativ sehr grosse Mengen anderer Stoffe umsetzen
knnen. In der Physiologie spielen sie eine grosse Rolle. Ihre
Aufgabe ist es, die Stoffe, welche sich in einem, zur Aufnahme in den
Organismus ungeeigneten Zustande befinden, derartig umzubilden, dass
sie aufgenommen werden knnen.

Ich nenne hier nur den bergang von Eiweiss in Pepton, Amylum und
Cellulose in Zucker, Fette in Fettsure und Glycerin, Saccharose in
Glukose und Fructose u. s. w. Meistens knnen diese Umsetzungen auch
durch physische und chemische Wirkungen hervorgerufen werden. So u.
a. die von Eiweiss in Pepton durch Wasserdampf unter Druck, die des
Rohrzuckers durch die Abkochung mit Suren; jedoch sind diese Mittel
natrlich fr den lebenden Organismus nicht passend. Aus dem Grunde
stehen den lebenden Wesen die Fermente zur Verfgung, sowohl den am
meisten zusammengesetzten wie den einfachsten Wesen. Bei ersteren
liegt die Fermentproduktion in bestimmten Drsen, bei den letzteren
in dem Zellenkrper selbst. Eine kleine Menge Ferment ist im Stande,
eine scheinbar unbestimmte Quantitt Stoff umzusetzen, und zwar in
solcher Weise, dass das Ferment selbst sich dabei kaum ndert. Dies
war Ursache, dass man frher das Ferment in die nmliche Klasse wie
die allereinfachsten Wesen einreihte, welche Ghrung und Fulnis
zum Vorschein rufen. Lebende Wesen, welche Ghrung verursachten und
Enzyme, wurden mit dem nmlichen Namen Ferment bezeichnet. Schwieriger
wurde die Unterscheidung da, wo bei der Ghrung zugleicherzeit Enzym
produziert wurde. Einen deutlicheren Unterschied kann man erst angeben
nach dem Studium der Ghrung und der Enzym-Wirkung.

Enzyme im engeren Sinne sind chemisch aufgebaute, also unorganisierte
Krper. ~Buchner~ in Tbingen hat in der letzten Zeit Versuche mit
dem ausgepressten Saft feingeriebener Hefezellen angestellt, welcher
unter einem Drucke von 500 Atmosphren gewonnen ist. Dieser kann
unabhngig von lebenden Wesen die Ghrung erwecken und erhalten.
Der Ghrungsprozess muss also seiner Meinung nach nicht als eine
physiologische Funktion, sondern als ein verwickelter chemischer
Prozess betrachtet werden, welcher durch einen enzym-artigen Stoff, die
_Zymase_, hervorgerufen wird, der aber in der Natur nur in der lebenden
Hefezelle gebildet wird. Spter stellte sich allerdings heraus, dass
dieser ausgepresste Saft eine sehr beschrnkte Wirkung habe.

       *       *       *       *       *

Pathogene Mikroorganismen knnen sich in bestimmten Wesen vermehren,
Krankheiten erregen und sogar den Tod verursachen. Einmal geschieht
die Vermehrung rtlich, d. h. auf oder in sehr begrenzten Teilen
des lebenden Individuums, ein anderes Mal findet man, dass sie
sich langsam im Krper oder auch ganz durch die Organe verbreiten.
Es ist also mglich, den Effekt der Infektion an einem Punkte zu
finden, ohne die Mikrobe, welche doch Ursache hiervon ist, entdecken
zu knnen. All diese Flle muss man in Betracht ziehen, und sie
erleichtern die Untersuchungen nicht. Alle infektise Mikroben haben
eine lokale Wirkung und reagieren krftig im lebenden Individuum.
Jetzt zweifelt man nicht mehr daran, dass solche Effekte durch die
Verbreitung aufgelster Stoffe entstehen, welche ihren Ausgang von
der Infektionsstelle nehmen, m. a. W. _die Infektion geht zusammen
mit einer Vergiftung_. Auch bei denjenigen Krankheiten, wo die
pathogenen Mikroben durch den ganzen Krper verbreitet sind, wie bei
den _Septicaemien_ der hheren Wesen, muss man die Anwesenheit solcher
Gifte annehmen. Der Unterschied liegt nur hierin, dass im letzteren
Falle das Gift einen krzeren Weg zurckzulegen hat, um die Zellen und
Gewebe zu erreichen und anzugreifen. Warum sollte dergleichen bei der
Pflanze im allgemeinen nicht auch mglich sein? In der Erde, die sie
umgiebt, an den Wurzeln oder in denselben, in den Gefssbndeln, im
Xylem oder Phlom, im Parenchym und an andern Stellen knnen doch auch
rtliche Bakterienwucherungen entstehen, welche Gifte absondern und
diese weiter fhren und dann irgendwo anders das Bild der Krankheit
erzeugen. Bei der Fleckenkrankheit wird aus der grossen Menge Versuche,
welche an Pflanzen von mir gemacht worden sind, erhellen, dass es sich
hier um ein stark wirkendes Gift handelt, welches nach unmittelbarer
Wahrnehmung frei von Mikroorganismen ist, geradeso wie ein offenbar
toxischer Stoff gesunde Pflanzen vergiftet.

Dies ist nicht unmglich und schliesst sich dem an, was vorher
behandelt worden ist. Merkwrdiger wird der Fall, wenn diese kranken
Pflanzen wieder gesunde Pflanzen, in einer grossen Reihe auf einander
folgender Versuche, befllt und da eine Infektion erregt. Man msste
also annehmen, dass wir es hier mit einem sich vermehrenden Gifte
zu thun haben, wobei die unmittelbare oder mittelbare Wirkung der
Mikroorganismen notwendig ist.

Zwar ist z. B. ein Individuum empfnglich fr Diphterie, zwar bilden
sich da rtlich die Toxine nach der Infektion und verbreiten sich von
da aus, und zwar lsst das Filtrat der Diphterie-Bouillon-Kulturen
ein zweites Individuum erkranken, aber dieses ist wegen der grossen
Abschwchung des Giftes und durch die Bildung von baktericiden Stoffen
nicht im Stande, andere Individuen zu vergiften oder zu tten.

       *       *       *       *       *

Voriges Jahr erzielte ich mit Reinkulturen einer Bakterienart, der
_Rhizobium Leguminosarum_, und mit einer _Beggiatoa_ Infektion, jedoch
nicht immer.

Wenn ich eine Quantitt von krankem Gewebesaft benutze, um Platten
davon anzulegen, so bringe ich doch das unbekannte Virus auf oder in
die Gelatine.

Die ganze Menge Gelatine wird gewiss die Pflanzen vergiften, also dort
Intoxikation oder Infektion entstehen lassen, denn der Gewebesaft thut
es ja.

Es scheint mir denn auch gar nicht so unmglich, ja selbst
sehr wahrscheinlich, dass weder die Bakterienkultur, noch die
_Beggiatoa_-Art die Pflanze infiziert, sondern das anklebende Gift
oder das unbekannte, unsichtbar lebende Virus. Wenn man immer neu
geimpfte Reinkulturen gebrauchte und hiermit die Pflanzen einspritzte,
knnte man in diesem Punkte sicher gehen; dann ist das Gift oder der
unbekannte Mikroorganismus, welcher sich auf dem knstlichen Medium,
das ihm kein Nhrboden ist, nicht entwickelt, zu sehr verdnnt, oder zu
viel verbreitet um immerfort Infektion oder Intoxikation hervorzurufen.

Bei der strksten Vergrsserung unter Immersion, bemerkt man im kranken
Gewebe, im Protoplasma, schwach unregelmssig sich bewegende Teilchen,
wahrscheinlich in der _Brownsche_ Moleklarbewegung begriffen. Auch
beim gesunden Gewebe wird dies wahrgenommen, und wer wird, selbst
mit dem bewaffneten Auge, lebende Wesen von so usserst winzigen
Dimensionen von dem krnigen Protoplasma unterscheiden knnen?

Es ist von Bedeutung hier noch einen Augenblick ber die _Hundswut_
(_Rabies Canina_) zu sprechen. Hier hat man es mit einem fr alle
warmbltigen Tiere schweren Gifte zu thun, das in der Regel mittels des
Speichels der hundswtigen Tiere bertragen wird. Meistens wird der
Hund, doch auch der Wolf, die Katze u. a. davon ergriffen.

Der Infektionsstoff befindet sich nach den Untersuchungen
~Pasteurs~ besonders im Centralnervensystem. Bis jetzt hat man noch
keine Mikroorganismen darin nachweisen knnen, obwohl ~Gibier~,
~Fol~, ~Babes~ und ~Cornil~ verschiedene Formen gefunden haben.
Infektionsversuche, welche hiermit angestellt wurden, blieben ohne
Erfolg. Verschiedene Forscher wie ~Golgi~, ~Germano~, ~Schaffer~,
~Giantarco~ u. a. haben ziemlich dieselben histologischen Vernderungen
im Rckenmark und dem Gehirne der angesteckten Tiere nachgewiesen.
Ausser an diesen Stellen findet sich der Infektionsstoff noch in den
grossen peripherischen Nervenstmmen und, schon einige Tage vor dem
Auftreten der Krankheitserscheinungen, im Sekret der Speicheldrsen.

Die Infektion ist am sichersten zu erzielen durch Einspritzungen
einer Rckenmark-Emulsion der Menschen und Tiere, welche an der
Hundswut starben (subdurale Einspritzung). Eine subcutane Einspritzung
ruft nicht immer diese gefrchtete Krankheit hervor. Nach ~Helmann~
erklrt dies sich hieraus, dass bald Nerven verletzt werden, bald
wieder nicht; daher auch, dass grosse Verletzungen, welche bis in
die Muskel hineindringen, und weiter Bisse in nervenreiche Teile,
wie des Antlitzes und der Hand, besonders gefhrlich sind. Nicht
unwahrscheinlich wird bei Bissen durch Kleidungsstcke hindurch
das Gift entweder nicht oder nur in geringer Menge in die Wunde
hineingebracht. Die Verbreitung des Giftes kann so schnell stattfinden,
dass das Ausbrennen der Wunden, oft kurz nach der Infektion, ohne
Erfolg bleibt. Die Krankheit offenbart sich bei Menschen selten vor
dem 15^{ten} Tag, gewhnlich erst im Laufe des zweiten Monats, selten
nach dem dritten und ausnahmsweise erst nach dem sechsten Monat.
Zwischen dem Augenblicke der Infektion und dem Ausbrechen der Tollwut
werden die Einspritzungen nach der von ~Pasteur~ angegebenen Methode
verrichtet. Er hat das unbekannte Gift zuerst durch wiederholte
Impfungen auf Affen geschwcht, und auch durch wiederholte Impfungen
von Kaninchen auf Kaninchen, einen Krankheitsstoff von bestimmtem
Infektionsvermgen erhalten. Indem man das Gift durch eine Reihe
von, durch ~Pasteur~ ausgewhlten, Tieren hindurch gehen liess, und
deren Rckenmark in einem mit Watte verschlossenen Kolben, ber
Kalk aufgehngt, konservierte, erhielt man innerhalb 14 Tagen ein
einigermassen geschwchtes Material, welches Hunde nicht mehr ttete,
sondern gegen die Krankheit schtzte. Hunde, welche tglich subcutan
kleine Stcke dieses Materials injiciert bekamen, das 14, 13, 12 Tage
u. s. w. bis auf einen Tag auf obige Weise getrocknet worden war,
wurden unempfindlich gegen das schwere oder ungeschwchte Gift[G].

Das Gift der Hundswut, dies muss noch erwhnt werden, kann durch Licht,
durch erhhte Temperatur (50-60 C.) durch Antiseptica, weiter durch
knstliche Behandlung geschwcht und vernichtet werden. Filtration des
giftigen Rckenmarks durch Gypsplatten lieferte ein Filtrat, welches
nach ~Paul Bert~ nicht mehr infizieren konnte.

Nachdrcklich muss ich darauf hinweisen, dass es vom grssten Interesse
ist zu wissen, auf welch specielle Weise eine infektise Krankheit
entsteht, und wie die Gifte sich physicalischen und chemischen
Einflssen gegenber verhalten.

       *       *       *       *       *

Zum Schlusse noch eine kurze Besprechung der _Maul- und Klauenseuche_
(_Aphthae epizoticae_), in Bezug auf welche in der letzten Zeit solche
wichtigen Entdeckungen gemacht worden sind, deren Kenntnis von grsster
Bedeutung hinsichtlich der Fleckenkrankheit des Tabaks ist. Um gengend
Aufschlsse ber die Ergebnisse der jngsten Nachforschungen auf diesem
Gebiete zu erhalten, habe ich mich an die Herren Tierrzte ~Van der
Sluys~, Unterdirector am Abattoir in Amsterdam, und ~Busing~ in Naarden
gewandt, die mir bereitwilligst ihre Litteratur in Bezug auf diesen
Gegenstand zur Verfgung stellten. Beiden meinen herzlichsten Dank fr
ihre Hilfe.

In allen Lndern Europas zeigt sich diese fr das Rindvieh so
gefrchtete Seuche. Sie verbreitet sich von einem Individuum zum
andern, also mittels Contact. Maul- und Klauenseuche wird, wie man
annehmen muss, verursacht durch noch unbekannte, unsichtbar lebende
Wesen, Mikroorganismen, die entweder selber oder durch die von ihnen
abgesonderten Stoffe die Krankheitserscheinungen schon nach einigen
Tagen auslsen. Alle bisher gefundenen Bakterien (~Starcovici~,
~Piana~, ~Fiorentini~, ~Behla~, ~Jurgens~, ~Bussenius-Siegel~)
Protozoen, protoplasmatische Krperchen oder andere corpusculre
Elemente, und irgend welche, mit dem Mikroskop sichtbare Teilchen,
haben offenbar mit der tiologie der Maul- und Klauenseuche nichts zu
schaffen. Kein Wunder also bei dem einander vielfach widersprechenden
Befunden, dass eine ganze Reihe Forscher sich diesem fr Ackerbau
und Viehzucht so wichtigen Gegenstand widmen. In den letzten zwei
Jahren ist denn auch die Berliner Tierrztliche Wochenschrift und
berhaupt die tierrztliche Literatur voll von Meinungen, Theorien und
experimentellen Nachforschungen. Jedenfalls sind die Untersuchungen
nach der Ursache dieser Krankheit eben so schwierig wie nach derjenigen
der Blattern, Masern, des Flecktyphus und Scharlachfiebers. Unstreitig
hat in dieser Frage aber Herr ~C. Hecker~, Tierarzt in Ermsleben, sich
sehr verdient gemacht. Er hat den Weg gezeigt, die Tiere gegen Maul- und
Klauenseuche zu schtzen m. a. W. sie zu immunisieren (B. T. W. No.
1897).

Dass die deutsche Regierung einsah, wie ntzlich die Bekmpfung dieser
Krankheit ist, geht daraus hervor, dass sie eine Kommission ernannte,
in welcher ~Prof. Dr. Loeffler~ und ~Dr. Frosch~ Sitzung hatten. Mit
Aufopferung grosser Kosten hat die Regierung sie mit den Untersuchungen
beauftragt, und diese sind von ihnen derartig angestellt worden,
dass sie die strengste wissenschaftliche Kritik bestehen knnen. Der
Bericht dieser hchst wichtigen Untersuchungen, in welchem wir analoge
Erscheinungen wie bei der Fleckenkrankheit des Tabaks antreffen werden,
ist u. a. aufgenommen worden im Centralblatt fr Bakteriologie,
Parasitenkunde und Infektionskrankheiten No. 9/10 pag. 371, dem auch
folgendes entnommen worden ist.

Wie der Name andeutet, zeigt sich die Maul- und Klauenseuche, beim
Rindvieh, in der Form von Blschen am Munde, an den Klauen und Eutern.
Der Inhalt jener Blschen besteht aus einer Flssigkeit, einer Lymphe,
worin sich corpusculre Elemente vorfinden, doch worin normal keine
Bakterien zu finden sind. Die von ~Siegel~ und ~Bussenius~ aus den
Blschen isolierte Mikrobe ist von aussen hineingedrungen, besitzt eine
starke Giftwirkung im Darmkanal, ist jedoch nicht als das tiologische
Moment der Maul- und Klauenseuche zu betrachten. ~Loeffler~ und ~Frosch~
fanden konstant in den Blschen farblose Lymphzellen, gekrnte Zellen,
rote Blutkrperchen, kleine runde granulierte Scheibchen ohne Kern,
bewegliche, unregelmssige, protoplasmatische Krperchen und stark
lichtbrechende Krner verschiedener Grsse, keine selbststndigen
Mikroorganismen. Die Krankheit kann durch die Lymphe bertragen
werden auf Rinder und Klber, bei Schweinen erkrankt nur die Hlfte.
Immun scheinen sich zu verhalten: Kaninchen, Meerschweinchen, Katzen,
(wiewohl ~Hecker~ von der Katze das Gegenteil behauptet in B. T. W.
No. 6, 1898) Ratten, Muse, Hhner und Tauben.

Der Inhalt der frischen Blschen ist usserst virulent, whrend das
Blutserum erkrankter Tiere bis zu 14 cm, drei Klbern subcutan
eingespritzt, das Krankheitsbild nicht hervorrief. Drei Klber,
die 12, 17, und 22 Tage nach der ersten Einspritzung mit sehr
wirksamem Material eingespritzt waren, erkrankten mit typischer
Temperaturerhhung, ohne dass sich Blschen an Maul oder Klauen
zeigten. Nur das erste Kalb zeigte sehr kleine Blschen an der Stelle,
wo die Einspritzung geschehen war. Unfehlbar die Krankheit erregend
zeigte sich die Einspritzung der Lymphe ins Blut. Hierbei entstehen
schon nach 24-48 Stunden die Blschen an Maul und Klauen und beim
Milchvieh an dem Euter. Ganz unsicher wirkt dieselbe Lymphe, wenn sie
in oder unter die Haut eingespritzt wird (Vergl. Hundswut).

Weiter ist es von Bedeutung, zu wissen, dass die Lymphe durch
Eintrocknung bei Sommertemperatur whrend 24 Stunden, durch Erhitzung
auf 37 C. whrend 12 Stunden, und durch Erhitzung auf 70 whrend 1/2
Stunde unwirksam wird.

In kapillaren Rhrchen bei 0 C. bewahrt, bleibt die Lymphe 3-4
Monate wirksam. Dass wir es hier mit einem hchst giftigen Stoff zu
thun haben, beweist die kleine Menge, welche bentigt ist, um nach
Einspritzung die Krankheit hervorzurufen; nl. bei 1/5000 cm^3 ist die
Wirkung gewiss, erst bei Mengen von 1/10000-1/20000 ungewiss.

Zweckdienlich und Schutz gewhrend gegen Maul- und Klauenseuche zeigten
sich die Einspritzungen mit einer Mischung von Lymphe und Serum von
Tieren, welche die Krankheit durchgemacht hatten.

Wie schon mitgeteilt, erhalten nicht alle Tiere, welche die Krankheit
berstanden haben, Immunitt. Dies gab Anlass zu der Meinung, dass es
nicht mglich sei, mittels Impfung oder Einspritzung gegen die Maul- und
Klauenseuche zu schtzen (~Friedberger~, ~Frhner~). Etwas hnliches
nimmt man aber auch wahr bei den Blattern und Masern des Menschen.
Auch hier erhalten nicht alle Individuen nach berstandener Krankheit
sichere Immunitt. Es zeigen sich also hier Unterschiede in der
natrlichen Immunitt, in der grsseren oder geringeren Empfnglichkeit.

Wird jedoch Blutserum von gesunden Tieren genommen und dies mit Lymphe
vermischt, so erscheint die Maul- und Klauenseuche wohl. Um mich jedoch
in meinen Mitteilungen ber diesen so bedeutungsvollen Gegenstand kurz
zu fassen, folgen nur noch einige merkwrdige Eigenschaften des
unbekannten Giftes. Die schon frher beschriebenen Filtrationsversuche
mittels Kerzen werden wahrscheinlich auch ein Licht aufgehen lassen
ber vielerlei Krankheiten, deren Ursache noch im Dunkeln liegt.
~Loeffler~ und ~Frosch~ filtrierten 1 cm^3 Lymphe verdnnt mit 39
Teilen Wasser mit Hinzufgung des _Bacillus fluorescens_ zur Kontrolle.
Das Filtrat zeigte sich als ein ganz keimfreies. Weder die zugefgte
Bakterie noch andre Mikroorganismen kamen in ihren Kulturplatten zum
Vorschein. Das Filtrat erzeugte die Maul- und Klauenseuche, als es in
das Blut von Klbern eingebracht wurde. Die nmliche Erscheinung, die
als Intoxication bezeichnet wird, ist auch bei andern Krankheiten
beobachtet worden; was jedoch noch unbekannt war, ist, dass der Inhalt
der jetzt gebildeten Blschen neuerdings filtriert, immerfort wieder
die Krankheit hervorrief.

Im Filtrate befinden sich also Krankheitskeime, welche durch die Poren
der Kerze hindurchdrangen, es wre denn, dass das Filtrat ein Gift von
eminenter Wirkung enthielte. Nach mancherlei Versuchen hat sich jedoch
herausgestellt, dass eine Vermehrung des Giftes stattfindet. ~Brieger~
fand, dass 1 cm^3 des so heftigen Tetanus-giftes 20000 Muse ttete.
Die Berechnung jedoch giebt bei dem Filtrate ~Lffler's~ zu erkennen,
dass eine Verdnnung von 1: 2-1/2 Trillion noch im Stande ist, Tiere
zu vergiften, und zwar schon als das unbekannte Virus nur durch zwei
Tiere hindurch gegangen war. Solche und noch durch weitere Tierpassage
hervorgerufenen Verdnnungen knnen nicht mehr auf ein gelstes Gift
bezogen werden.

In einem spteren Bericht der mehrere Male erwhnten Kommission,
welcher u. a. in der Wochenschrift fr Tierheilkunde und Viehzucht,
No. 39, Sept. '98 enthalten ist, finden wir, dass wiederholte
Filtration der verdnnten Lymphe durch sehr dichte ~Kitasato~-Kerzen
die Tiere nicht mehr mit Maul- und Klauenseuche krank machen konnte.
Das krankheiterregende Agens ist also jetzt zurckgehalten worden. Wir
haben es demnach zu thun mit _Infektion_. Weiter giebt die Kommission
noch die Mitteilung, dass Rinder noch immunisiert werden knnen mit
einer Mischung von Immun-Serum und Lymphe, welche also eine Zeit lang
mit einander in Kontakt gewesen sind. Wichtig ist auch die Beobachtung,
dass das Junge eines immunisierten Rindes, welches vor dem Anstellen
des Versuches sich schon in den Stllen befand, nach der Geburt sich
sofort als immun erwies. Drei Tage nach der Geburt wurde es mit 1/100
cm^3 sehr wirksamer Lymphe mit dem Resultate behandelt, dass das
Tier nicht erkrankte, selbst nicht nach einer zweiten Einspritzung
mit 1/10 cm^3 6 Tage spter. Die Mutter hat hier ihre Immunitt auf
das Junge bertragen. Da das von der immunen Kuh geworfene Kalb
sich immun zeigte, ist es deutlich, dass die Einspritzung gegen
Maul- und Klauenseuche, bei krftigen Tieren angewendet, eine immune
Nachkommenschaft erzeugen wird.

Es ist zu erwarten, dass die Resultate der hier geschilderten Versuche
bald fruchtbringend in der Praxis angewendet werden knnen.

Die kleinsten der bekannten lebenden Wesen sind die von ~Pfeiffer~
aufgefundenen Influenzabakterien. Wren die Mikroorganismen der
Maul- und Klauenseuche 1/10-1/5 so gross wie diese, was nicht unmglich
sein wrde, so knnten sie nach der Berechnung von ~Prof. Abbe~ in
Jena, als die Grenze des Vergrsserungsvermgens unserer Mikroskope
bersteigend, selbst unter den besten modernen Immersionssystemen nicht
mehr wahrgenommen werden. Die Untersuchungen nach ihrer Anwesenheit im
Filtrate werden fortgesetzt und sind von grsster Wichtigkeit. Die Zeit
wird dann ausweisen, ob andere ansteckende Krankheiten, deren Ursachen
jetzt noch unbekannt sind, auch hnliche Verhltnisse darbieten.
Man denke nur an die Blattern, das Scharlachfieber, die Masern, den
Flecktyphus, die Rinderpest u. a. m., nach deren Ursache so oft
vergebens gesucht worden ist.

Aus diesen Beschreibungen der Gifte, welche Krankheiten erregen
und oft den Tod zur Folge haben, erhellt, dass sie sich chemischen
Reagenzien, physicalischen Einflssen, der Filtration durch Kerzen
und dem Experimente auf lebenden Wesen gegenber ungleich verhalten.
Fremdartig und noch unerklrlich ist hierbei das Gift der Hundswut und
das der Maul- und Klauenseuche.

Jetzt nach diesen Betrachtungen ber verschiedene Krankheitsstoffe ist
zu sehen, wie es mit dem Gift der Fleckenkrankheit beim Tabak steht,
und mit welchem Virus es sich vergleichen lsst.

[Funote G: Aus diesen fr den Menschen spter so wichtigen
Versuchen, erhellt der Nutzen des Tierexperiments, welches allerdings
nur erfahrenen Personen anvertraut werden darf. Meiner Meinung nach
muss jedoch der zwecklos wiederholte Nachweis schon konstatierter
Vergiftungen bei Tieren auf mechanischem, chemischem oder
bakteriologischem Wege unterlassen werden, wenn, was nach dem heutigen
Stande der Technik mglich ist, durch die Projektion von Lichtbildern
ein deutliches Bild der Versuche geliefert werden kann.]




Die Flecken- oder Mosaikkrankheit des hollndischen Tabaks.


Wie bereits im vergangenen Jahre mitgeteilt, offenbart sich die
Flecken- oder Mosaikkrankheit bei unserem Tabak in der Form von
dunkelgrnen Flecken, die stets bei jungen Blttern zwischen den Nerven
und lngs derselben ihren Ursprung nehmen. Bei lteren Pflanzen zeigt
sie sich in der Form von unregelmssig liegenden Flecken, die allmhlig
braun werden. Wenn auch in der Regel der Tod der Pflanze bei dieser
Krankheit nicht eintritt, so werden die Bltter doch so verndert und
missgestaltet, dass sie keinen Handelswert mehr besitzen. Wenn man in
Betracht zieht, dass die von den Zchtern so sehr gefrchtete Krankheit
jedes Jahr mehr um sich greift, so ist es nicht ohne Bedeutung, ihre
Ursache zu erforschen und wo mglich die Mittel liefern, welche der
Flecken- oder Mosaikkrankheit vorbeugen. Im Laufe dieses Jahres sind
mit einer grossen Anzahl von Pflanzen Versuche angestellt worden. Um
ein deutliches Bild von dem Verlauf der Krankheit zu erhalten, folgt
hier die Beschreibung eines der zahlreichen Flle, bei welchen die
Fleckenkrankheit knstlich verursacht worden ist.

Am 2. Juni 1898 wurden mir durch Herrn ~N. van Os~ zu Amerongen einige
Hundert junge Tabakspflanzen geschickt, die soweit sichtbar, vollkommen
gesund waren. Einige Tage spter erhielt ich zwei fleckenkranke
Pflanzen, die streng isoliert und in stndiger Beobachtung gehalten
wurden. Diese kranken Exemplare wuchsen sehr langsam; die Flecken
wurden immer dunkler, whrend die Krankheit sich in den verschiedenen
Blttern langsam verbreitete.

Eine vollkommen gesunde, junge Pflanze erhielt am 5. Juli, wie Figur
13 _A_ angiebt, einen Einschnitt mit einem sterilisierten Messer in
den Stengel bis an das Gefssbndel. In diesen Einschnitt wurde ein
sehr kleines Stckchen eines gefleckten Blattes von einer der kranken
Pflanzen gebracht. Ein gleiches Stckchen Tabaksblatt wurde gewogen,
nach Trocknung der Gewichtsverlust bestimmt und dieser als die
Menge Gewebesaft berechnet, der ursprnglich darin war. Nach meiner
Berechnung waren ungefhr 34 mgr. Blattsaft in den Einschnitt gebracht
worden. Man kann aber ruhig annehmen, dass unter den gnstigsten
Verhltnissen wenige Milligramm, ja vielleicht nur Zehntel oder
Hundertel eines Milligramms durch das Gefssbndel aufgenommen und
fortgefhrt werden. Am 20. Juli begann sich am Rande eines jungen
Blattes zwischen ein paar kleinen dnnen Nerven ein dunkles Fleckchen
zu zeigen. Im Verlauf der folgenden Tage erschienen an den anderen
jungen Blttern ebenfalls Fleckchen, whrend das Blatt selbst durch
~Vergrsserung des Pallisadengewebes~ ein unebenes, unregelmssiges
Aussehen bekam. Auch der Blattrand wurde gleichzeitig sehr abnormal,
hier und da eingeschnrt oder eingebuchtet. (S. die Formen der fnf
jungen Blttchen rechts unten in fig. 14.)

[Illustration: Fig. 13. Die Flecken- oder Mosaikkrankheit des Tabaks.]

Die Anzahl der Flecken, die noch stets von Tag zu Tag an Ausdehnung
zunahmen, jedoch untereinander isoliert blieben, wurde stndig grsser.
Am 1. August waren die inneren Bltter vollkommen dunkelgrn und
zeigten nur hier und da noch das reine normale Hellgrn. Einige der
lteren Bltter, solche also, die sich unten an der Pflanze befanden,
hatten unregelmssig liegende, kleine Fleckchen von einer andern Farbe.
Man sollte nicht vermuten, dass die Krankheit auf solche verschiedene
Art in die Erscheinung treten kann, da doch die Ursache dieselbe ist.
Wir finden hier eben die Wirkung des Giftes auf junge, zarte und auf
ltere Gewebeelemente. Am 9. August waren zwei der untersten Bltter
stark punktiert. Hier lagen die Fleckchen nicht zwischen den Nerven,
sondern scheinbar ganz unregelmssig verteilt. In _B_ sehen wir den
Zustand eines jungen, also Spitzenblattes, in _C_ denjenigen eines der
untersten Bltter abgebildet. Die Farbe der Fleckchen der punktierten
Bltter zeigt sich zuerst als graublau, doch geht sie im Laufe der
Tage in rotbraun ber und endigt dort mit dem Tod des Gewebes. Bei
den grsseren Flecken nimmt man konzentrisch gefrbte Ringe wahr, von
denen die am meisten nach aussen liegenden stets am dunkelsten sind.
(Fig. _M_.) Wenn wir die Tabaksfelder besuchen, sehen wir bei den
kranken Exemplaren die jngsten Bltter im Zustande _B_, die lteren im
Zustande _C_. Einige Felder sind selbst rot gefrbt und scheinen wie
mit Blut bergossen. Die Krankheit herrscht dann auf solch einem Felde
sehr stark und zeigt sich in dieser Form Jahr fr Jahr. Es ist eine
fters beobachtete Erscheinung, dass Pflanzen, die verwundet oder krank
sind, einen roten Zellsaft bilden. Wahrscheinlich ist dieser Umstand,
auch nach den neueren Untersuchungen von ~Flammarion~, gnstig fr die
Atmung. Nicht alle Lichtstrahlen haben dabei eine gleiche Wirkung. Im
gelben Licht ist die Zerlegung der Kohlensure am strksten und nimmt
nach den Spektrumfarben nach links und rechts ab. Die Spaltung der
Kohlensure findet also strker hinter gelben und roten, schwcher
dagegen hinter blauen Farben statt. Dies ist auffallend, da doch gerade
die blauen Farben mit ihrer krzeren Wellenlnge zu den intensiv
wirkenden chemischen Strahlen gehren, und z. B. das photographische
Papier am strksten zersetzen. Knnte auch hier nicht die rotbraune
Farbe der Flecken die Pflanze im Kampfe gegen die schdlichen Einflsse
der Krankheit beschtzen und dadurch die Assimilation befrdern? Im
September sind alle jungen Bltter dunkelgrn gefleckt und dabei
vollstndig missgestaltet, whrend die lteren ganz dunkelbraun
gefleckt sind. Nicht selten fallen aus den Blttern ganze Stcke heraus
und scheint es, als ob Insekten das Blatt ausgefressen htten. (S. die
punktierte Linie in Fig. _C_)[H].

Dies ist der gewhnliche Verlauf der Krankheit. Unter den gnstigsten
Verhltnissen werden im Sommer und nach abwechselndem Wetter die jungen
Pflanzen innerhalb drei Wochen krank. Gelangt das Virus in ltere
Pflanzen, dann entsteht die Krankheit etwas spter. Dabei ist noch ein
Unterschied in der Zeit zu beobachten, wenn das Gift in den Stamm oder
in den Hauptnerv der jungen oder lteren Bltter gebracht wird. Bei
einer nur oberflchlichen Verwundung des Parenchyms des Stammes habe
ich mehrere Male die Krankheit ausbleiben sehen. Es hat den Anschein,
als ob das Gift sich den Gefssbndeln entlang verbreitet und dann ist
das Phlombndel hierfr der angewiesene Weg.

Die mikroskopische Untersuchung der kranken Blattteile bringt nicht
viel an's Licht. Man sollte eigentlich das Gegenteil vermuten, da
doch gerade das Krankheitsbild hier so scharf umschrieben ist. Im
allerjngsten Zustand der Fleckchen bei sehr jungen Blttern, wo noch
keine Trennung in Pallisaden- und Schwammparenchym stattgefunden hat,
trifft man zwischen den Zellen dunkelblaugrn aussehende Streifen sowie
Blschen an, die man am besten mit Luftstreifchen vergleichen kann,
welche sich zwischen den Zellenwnden befinden (_D_). Es ist mir nicht
gelungen, die Flecken dadurch zum Verschwinden zu bringen, dass ich ein
Blatt in einen luftleeren Raum brachte und darin behielt. Auch in einem
lteren Stadium, wo bereits die Trennung zwischen Pallisadengewebe
und Schwammparenchym eingetreten ist, werden Streifen und Blschen
noch angetroffen (_E_). Macht man einen Lngsschnitt, dann wird wieder
dasselbe wahrgenommen (_F_ _H_). Stets zeigen sich bei den dunkelgrnen
Flecken obige Abweichungen zwischen den Zellen, die ich durch schwarze
hier und da untergebrochene Linien angegeben habe (_D_ _E_ _F_ _H_). An
der Oberhaut (_I_) werden keine Vernderungen beobachtet. Betrachtet
man die Flecken _C_ bei strkerer Vergrsserung, dann sieht man die
Oberhaut zusammengeschrumpft, vertrocknet und verfrbt. Das Chlorophyll
ist desorganisiert und ~die Zellwnde sind verschwunden~. Es ist gerade
so, als ob Insekten das Blattparenchym weggefressen htten (_G_). Dies
sind die einzigen Vernderungen, die mit dem Mikroskop beobachtet
werden konnten.

Eine grosse Anzahl Pflanzen ist von mir auf Mikroorganismen untersucht
worden, jedoch nur in einzelnen Fllen habe ich Bakterien in
Pallisadenzellen gefunden, welche aber nach wiederholter bertragung
auf Nhrbden, wobei wie beschrieben das vielleicht vorhandene,
unsichtbare Virus verdnnt wurde, keine Pflanzen zu infizieren
vermochten. Wiederholte Versuche wurden gemacht, um vermittelst feiner
Pincetten von einem kranken Blattteilchen die Epidermis an beiden
Seiten zu entfernen, was einige Male gelang. Vom Inneren des Blattes
wurden dann Plattenkulturen angelegt, die abgesehen von einzelnen
bekannten, sehr viel vorkommenden Pilzcolonien scheinbar steril
blieben. Als Nhrbden hierfr wurden gebraucht die alkalische und
saure Nhrgelatine von ~Koch~, Tabakssaft-Gelatine, Malz-Gelatine
und der von ~Beyerinck~ angegebene _Leguminosen_-Nhrboden. Ebenso
entwickelten sich auf oder in einem sauren oder alkalisch reagierenden
Nhrboden, der wie folgt zusammengestellt war, keine Kolonien:
Tabakssaft 5, Kaliumphosphat 0, 050, Asparagin 0,5, Glukose 2,0,
Gelatine 10,0 oder Agar 1,5, Wasser 100,0.

Ein einziges Mal entwickelte sich Gas in schwach alkalischer Bouillon,
welche zu anarober Kultur benutzt wurde (verursacht durch einen
Organismus, welcher schwierig von Coccen zu unterscheiden ist).

Viele Male sind auch grssere kranke Blattteile zur Untersuchung
genommen worden. Zuerst wurden die beiden Blattoberflchen gut
abgewaschen, dann mit sterilen, nassen Wattepfropfen abgerieben und
darauf mit sterilem Wasser abgespritzt. Es gelang mir unter einer
ganzen Reihe von Platten mehrere Male, Mikroorganismen zu isolieren,
die, von der Plattenoberflche genommen, junge Tabakspflanzen krank
machten. Die Krankheit trat ~nicht stets ein~, wenn ich mit viele
Malen bergeimpften Kulturen arbeitete. Ich erreichte eine Erkrankung
mit drei Mikroorganismen, mit einem _Rhizobium Leguminosarum_, einer
_Beggiatoa-_ und einer _Streptothrix_-Art. Wie gesagt, trat eine
Erkrankung fters nicht ein, wenn ich berimpfungen gebrauchte. Das
fiel mir besonders auf, und bestrkte mich in meiner schon oben
erwhnten Ansicht, dass die von den ursprnglichen Platten abgenommen
Kulturen ein unbekanntes, ~unsichtbares~ Gift, wenn auch in hchst
starker Verdnnung, enthielten; denn eine minimale Menge ~Saftes~ von
krankem Gewebe ist immer im Stande, die Fleckenkrankheit zu verursachen.

Im Oktober 1897 wurde in einen khlen Treibkasten Tabakssamen gest,
um Versuchspflanzen zu bekommen. In der Zwischenzeit wurde Erde,
in der kranke Pflanzen gestanden hatten, und die an deren Wurzeln
hngende Erde auf Mikroorganismen untersucht. Nach Lage der Sache ist
dies eine sehr schwierige Untersuchung, wenn man bedenkt, dass die
Anzahl Mikroorganismen per Gramm darin einige Hunderttausenden bis
Millionen betrgt. Aus einer grossen Anzahl Platten wurden damals
8 Mikroorganismen isoliert, die im Februar 1898 auf junge Pflanzen
geimpft, die Fleckenkrankheit ~nicht~ hervorbrachten. Sie waren also
nicht das tiologische Moment derselben. Auffallend war es, dass an
den jungen Wurzeln der Tabakpflanzen hufig _Streptothrix chromogena
Gasperini_ angetroffen wurde.

Dieser Mikroorganismus, welcher zur Familie der _Streptothricheen_ oder
besser _Actinomyceten_ gehrt, hat in seiner Form viel hnlichkeit mit
den Fadenpilzen, auch erinnert er an die Bakterien. Ebenso wie die
Pilze bildet er aus runden Keimzellen (Sporen) cylindrische Fden,
welche sich dichotomisch verzweigen, und sich dem unbewaffneten Auge
als ein Mycelium darstellen. Einige fruchttragende Hyphen erheben sich
ber dem Substrat in die Luft und fallen dann, als Oldien in Ketten von
runden Keimzellen oder Sporen aus einander. Bei starker Vergrsserung
zeigen die _Streptothricheen_ viel hnlichkeit mit den Bakterien. Es
sind sehr dnne Faden, welche ursprnglich keine Scheidewnde besassen,
und welche sich durch Sprossungen verzweigen. In lteren Kulturen
zerfallen die Fden in kurze Stbchen und kokkenartige Glieder. Nicht
selten findet man auch die Spirillenform, weil die _Streptothricheen_
stark gekrmmt und gewunden sind. Die Untersuchungen, welche in der
letzten Zeit ber diese Pilzgruppe angestellt wurden, haben die Frage
aufwerfen lassen, ob sie nicht im genetischen Verhltnis zu der Gruppe
der _Diphtherie_ und der _Tuberculose_ stehen.

Dies ist noch nicht ganz sicher festgestellt, jedoch knnten dann die
beiden letzteren Gruppen von den _Actinomyceten_ hergeleitet werden.
Es sind sehr verbreitete Saprophyten, die pathogenen unter denselben
(_Aktinomyces_ bovis etc., _S._ sen _A. violacea_ u. a.) scheinen nicht
selten parasitisch werden zu knnen. Genannte _S._ sen _A. chromogena
Gasperini_ ist bekannt als einer, der aus Nitraten leicht Nitrite
bildet. Wie sich spter zeigen wird, ist er nicht als pathogen fr
_Nicotiana_ zu betrachten, wiewohl ich nach Impfung der Pflanze mit
Erde eine Vernderung im Blatte traf.

Hufig habe ich, wie ich schon in de Natuur pg. 330, 1899 beschrieben
habe, den _St._ sen _A. chromogena_ in den Risse der verwitternden
Granite, Basalte und Hornblendeschiefer der erratischen Blcke unseres
~Gooiln~dischen Diluviums, und in ~Zandbergen's~ Waldboden, wenn ich
nach ~Frank's~ Mykorhizen vergebens suchte, aufgefunden.

Wenn der _Lffler'_schen Bouillon ein wenig Nitrat zugesetzt wird,
so ist innerhalb 24 Stunden nach Impfung mit diesem Pilze durch das
bekannte Reagens schon Nitrit nachzuweisen. In Leitungswasser geschieht
dies nicht.

Erst nachdem ich die berzeugung erhalten hatte, dass auf diese Weise
die pathogenen Mikroorganismen nicht aufzufinden wren (weder durch
arobe noch durch anarobe Methoden), habe ich einen anderen Weg
eingeschlagen, um dem unbekannten Virus auf die Spur zu kommen.

Allein schon die Thatsache, die auch weiter unten bei den Versuchen
angegeben ist, dass eine kleine Menge--einige Milligramme--Saft von
krankem Gewebe im Stande ist, gesunde Pflanzen krank zu machen, und
einige Milligramme Blattgewebe dieser letzteren Pflanzen immer wieder
von Neuem auf andere gesunde Pflanzen die Krankheit bertragen knnen,
diese Thatsache musste in mir die Vermutung erwecken, dass hier
eine Vermehrung des Giftes vorlag, und dass diese Vermehrung nichts
anderem zugeschrieben werden konnte, als lebenden Organismen, die sich
vorlufig noch der Wahrnehmung entzogen.

Die folgenden Versuche machen dies deutlich. Die Versuche sind nicht
an einzelnen Exemplaren, bei denen es sich um etwas Zuflliges handeln
knnte, sondern bei mindestens 5-10 Pflanzen angestellt worden.


Versuchsreihen.

I. Erde, aus Amerongen stammend, in der im Herbst 1897 kranke Pflanzen
gestanden hatten, wurde durch eine ~Chamberland~kerze im Verhltnisse
von 300 Erde zu 300 Wasser filtriert. Etwas von dem Filtrat wurde
in die Hauptnerven eines jungen Blattes gebracht. Es entstand keine
Erkrankung.

II. Dieselbe Erde, nicht filtriert, bewirkte ebenfalls keine Erkrankung.

III. Erde aus Amerongen, in der im Frhjahr 1898 kranke Pflanzen
gestanden hatten, wurde wie oben filtriert und vom Filtrat etwas in den
Hauptnerv eines jungen Blattes gebracht. Keine Erkrankung.

IV. Dieselbe Erde, nicht filtriert, verursachte auch keine Erkrankung.

V. Erde aus Amerongen, im September 1897 von den Wrzelchen kranker
Pflanzen gesammelt, im Verhltnisse von 20 Erde zu 20 Wasser wie oben
filtriert, gab keine Veranlassung zur Erkrankung.

VI. Dieselbe Erde, nicht filtriert, auch nicht.

VII. Erde, im Juni 1898 von den Wrzelchen kranker Pflanzen gewonnen
und filtriert, liess die Krankheit nicht zur Entwickelung kommen.

VIII. Dieselbe nicht filtrierte Erde war auch wirkungslos.

IX. Im Oktober 1897 wurden 8 Pflanzen, die alle krank waren und in
Tpfen standen, abgeschnitten. Die Tpfe mit der Erde wurden dann
draussen an einem trockenen Platz aufbewahrt. Im Frhjahr 1898 wurden
die Erde und die noch anwesenden Wurzeln fein zerrieben. Darauf wurden
in diese junge Pflanzen gesetzt, die das ganze Jahr hindurch gesund
blieben. Bei einem gleichen Versuch, der ausserhalb meines Wohnsitzes
angestellt wurde, hatte man beobachtet, dass nur einige Pflanzen in
diesem Sommer Flecken zeigten, und dass die Flecken bald darauf wieder
verschwanden. Dies stimmt wahrscheinlich berein mit dem sogenannten
~Kopbont~, von dem die Zchter behaupten, dass es der Einwirkung
kalter Nchte zugeschrieben werden muss.

Aus all diesen Erdversuchen erhellt, dass das Krankheitsagens aus
der Erde verschwinden oder doch so abgeschwcht werden kann, dass es
nicht mehr im Stande ist, die Krankheit zu erregen. Im Versuch VII
und VIII wird wahrscheinlich das Virus nicht vorhanden gewesen sein.
Ich vermute auf Grund obiger Versuche, ~dass im Boden Verhltnisse
obwalten knnen, die das Gift entweder zerstren oder abschwchen~.
Dies stimmt mit dem berein, was in Wirklichkeit auf den Tabaksfeldern
beobachtet wird. Es wrde traurig mit der ganzen Kultur bestellt sein,
wenn das Gift sich stndig im Boden hielte. Die unvermeidliche Folge
wrde sein, dass im Laufe der Jahre dort, wo einmal die Krankheit
bestanden hat, sie sich stets auf ~alle~ Pflanzen ausbreiten wrde.
Wird eine kranke Pflanze aus dem Boden herausgezogen und auf demselben
Platz eine gesunde eingesetzt, dann zeigt diese bald die Symptome der
Fleckenkrankheit. Dies ist eine allgemein beobachtete Thatsache. Ein
infizierendes Vermgen muss dem Boden, auf dem die Pflanzen stehen,
bestimmt zugeschrieben werden. Das ~Trocknen~ infizierter Erde scheint
auf Grund der oben beschriebenen Versuche ~desinfizierend~ zu wirken.

X. Ein Streifchen eines getrockneten kranken Blattes vom Herbst 1897
wurde in den Stamm einer gesunden Pflanze gebracht mit dem Resultat,
dass die Fleckenkrankheit eintrat, allerdings etwas spter, als man
erwartet hatte.

XI. Ein Streifchen eines frischen kranken Blattes, von einer der mir
zugesandten kranken Pflanzen herstammend, wurde in den Stamm einer
gesunden Pflanze gebracht. Nach drei Wochen begann sich die Erkrankung
an den jungen Blttern zu zeigen. Wenn ich hier annehme, dass die mir
zugeschickte Pflanze das thatschliche Agens der Fleckenkrankheit
enthielt, dann reprsentiert die geimpfte Pflanze die erste
Versuchsreihe. Hier knnte also noch eine Intoxikation eingetreten
sein.

XII. Unter den nthigen Vorsichtsmaassregeln wurde aus dem Stamm der
Pflanze XI das Xylem- und Phlombndel in der Nhe des Hauptnerven eines
Blattes ausgeschnitten, und in den Hauptnerven eines jungen Blattes
einer gesunden Pflanze gebracht. Die Fleckenkrankheit trat ein. Hier
haben wir die zweite Versuchsreihe vor uns und hier kann man schon
weniger gut annehmen, dass eine Intoxikation stattgefunden habe.
Mikroskopisch zeigt der Gefssbndelschnitt absolut keine ~Ab~weichung.
Das Prparat ist in allen seinen Teilen durchsichtig, und es befinden
sich in ihm keine Luftstreifen.

XIII. Kranke, fein geschnittene Blattteile wurden in frischem Zustande
im September 1897 in Glycerin ausgezogen. Den Winter ber sind diese
stehen geblieben mit dem Zweck, wenn mglich ein organisches Gift oder
Enzym aus ihnen zu erhalten. Junge, gesunde Pflanzen zeigten nach
Einspritzung des filtrierten oder nicht filtrierten Glycerins keine
Erkrankung. Es schien mir, als ob die Pflanzen in gewisser Weise unter
der Einwirkung des Glycerins litten, was sich durch ein schlaffes
Herabhngen der Bltter offenbarte.

XIV. In gleicher Weise wurde eine grosse Menge kranker Erde mit
ebenfalls negativem Resultat behandelt. In den beiden letzten Fllen
hatten sowohl das erkrankte Blattgewebe wie die Erde ihre Giftigkeit
verloren. ~Glycerin wirkt also zerstrend.~

XV. In geschlossenen Rhrchen wurde Saft von krankem Blattgewebe,
von Pflanze XII abstammend, zehnmal mit Wasser verdnnt und in
verschiedener Weise erwrmt.


    30 Minuten bei          40 C.
    20    "     "           50 C.
    20    "     "           60 C.
    10    "     "           70 C.
    10    "     "           80 C.
     5    "     "           90 C.
     5    "     "          100 C.


Mit dem so behandelten Gewebesaft wurden gesunde Pflanzen in den
Hauptnerven eines Blattes geimpft mit dem Erfolg, dass alle Pflanzen
krank wurden. Hier haben wir also mit der ~dritten~ Impfungsreihe
zu thun. Die Wahrscheinlichkeit, dass ich mit einem Toxin zu thun
hatte, wurde geringer. ~Alle Versuche wiesen auf die Anwesenheit von
Mikroorganismen hin.~ Voraussetzend, dass alle Pflanzen gleich stark
waren, ist allerdings nach Erwrmung auf 100 eine ~Abschwchung~ des
Krankheitsagens wahrgenommen worden. Die Erkrankung trat hier beinahe
14 Tage spter auf als in den andern Fllen.

XVI. Ein Streifchen eines kranken Blattes von einer der Pflanzen aus XV
wurde in den Hauptnerven eines jungen Blattes einer gesunden Pflanze
gebracht. Es kam wiederum zur Erkrankung, ohne dass eine Abschwchung
sich durch eine Verlngerung der Inkubationszeit bemerkbar machte. Wir
befinden uns hier bereits in der vierten Reihe der Ueberimpfungen.

XVII. Der verdnnte Blattsaft einiger durch die Fleckenkrankheit
angegriffenen Pflanzen wurde durch eine ~Chamberland~kerze filtriert.
Das Filtrat war, soweit wahrzunehmen, steril. Wenn mit dem Filtrat
gesunde Pflanzen in den Blattnerven geimpft wurden, trat wiederum die
Krankheit auf. Die Zeit zwischen Impfung und Erkrankung war ~viel
grsser~ als sonst, ebenso wie bei XV beobachtet wurde[I].

~Wiederholte Filtration~ (2-4 mal) von Gewebesaft kranker Pflanzen
lieferte ein Filtrat, das nicht mehr im Stande war, die Pflanze zu
infizieren.

XVIII. Der Saft der kranken Bltter von XVII wurde ebenfalls filtriert
mit dem Erfolg, dass gesunde hiermit geimpfte Pflanzen auch erkrankten.
Ich meine, dass dieser Versuch berzeugend darthut, ~dass man hier mit
Mikroorganismen~ zu thun hat, die so klein sind, dass sie die Kerzen
durchdringen knnen. Ich habe es hier mit ~einem sich vermehrenden,
also lebendigen Gifte~ zu thun und bringe daher dies Virus zu den
Mikroorganismen. Wir htten hier also eine ~Infektion~ vor uns.
Wahrscheinlich besitzt der unbekannte Organismus zwei Formen, eine
vegetative und eine Sporenform, analog den Bakterien.

XIX. Der Saft kranker Bltter wurde mit absolutem Alkohol behandelt.
Die klar obenstehende Flssigkeit wurde mittels Hebels abgenommen
und neuer absoluter Alkohol hinzugefgt. Dieses wurde einige Male
wiederholt, um die Einwirkung des starken Alkohols auf den Gewebesaft
zu erhalten. Es entstand ein grau-grner Niederschlag, der bei
niedriger Temperatur eingedampft wurde. Das so erhaltene Prcipitat
wurde in den Blattnerven einer gesunden Pflanze gebracht. Erkrankung
trat nicht ein. ~Absoluter Alkohol wirkt also zerstrend.~

XX. Den Saft von erkrankten Blattteilen, der Pflanzen infiziert, hatte
ich 4 Wochen lang in einem durch Watte verschlossenen Klbchen sich
selbst berlassen. Wurden hiermit Pflanzen geimpft, dann blieben sie
vollkommen gesund. Das unbekannte Virus wird also zerstrt, wenn man
den infektionstchtigen ~Saft lngere Zeit stehen lsst~.

XXI. Die an den Wurzeln von _Nicotiana_ gefundene _St._ sen _A.
chromogena Gasperini_ konnte Pflanzen nicht infizieren. Einige Pflanzen
wurden einer krftigen Ernhrung mit Kaliumnitrat ausgesetzt. Die in
die umgebende Erde und in das Gewebe gebrachte _Streptothrix_ machte
die Pflanze nicht krank. Es scheint hier nicht so viel Nitrit gebildet
zu werden, dass dies schdlich auf die Pflanzen wirkt. Jedoch zeigten
die sehr dunkelgrnen Bltter viele reinweisse Pnktchen. Ob dies
zufllig war, konnte ich nicht entscheiden, da nur an zwei Pflanzen
dieser Versuch gemacht worden war. Auf einigen Feldern beobachtete man
viele dieser weissen Pnktchen auf den Blttern.

XXII. In den Monaten September und October erweckten die Einspritzungen
des Saftes von kranken Blttern in gesunde Pflanzen, die draussen
standen, keine Mosaikkrankheit. Ende November sind diese Pflanzen
bis auf 20 cm mit sterilen Messern abgeschnitten und an einem Orte
aufgestellt worden, wo nicht geheizt wurde. Whrend der Wintermonate
entstanden die Geizen, woran sich im Monat Mrz erst Flecken zeigten.

XXIII. Bei den Pflanzen, welche im September in den Geizen die Flecken
zeigten, _verschwanden diese allmlig beim Eintritt der Klte_, so dass
die gefleckten Bltter im November wiederum die normale grne Farbe
bekamen.

Wie ich frher angab, wird dies auf den Feldern auch beobachtet und
schreibt man es den kalten Nchten zu. _Die Temperatur scheint also von
Einfluss zu sein auf das Virus._

XXIV. Auf den von ~Fermi~ angegebenen 1% Carbol-10% Gelatine-Platten
konnte kein proteolytisches Enzym in den Blttern und Stengeln
von lebendigen gesunden und fleckenkranken Tabakspflanzen von mir
nachgewiesen werden, ebensowenig in den trocknen fermentierten und
nicht fermentierten Blttern.

Es fiel mir besonders auf, dass die fleckenkranken Blatt- und
Stengelteile auf diesen Platten sich strker rosa frbten als dieselben
Theile von gesunden Pflanzen. Es kam mir so vor, als ob in den kranken
Pflanzen ein oxydierender Krper entstnde, der krftiger auf Carbol
einwirkt, als das oxydierende Agens der gesunden Pflanzenteile.

XXV. Unter den erforderlichen Vorsichtsmassregeln gelang es mir,
einige Stengelteile von gesunden Tabakspflanzen rein in Rhrchen auf
Wattepfrpfchen zu bekommen.

Ein Trpfchen durch eine ~Chamberland~kerze filtrierter Saft von
kranken Pflanzen hierauf geimpft, zeigte auch jetzt, obgleich viel
weniger krftig, einen Unterschied in Farbe gegenber dem nmlichen
Safte von gesunden Pflanzen.

XXVI. In ein ~Erlenmeijer'~sches Klbchen wurde Saft von gesunden
Pflanzen filtriert und mit einem Trpfchen filtriertem Saft von
kranken Pflanzen geimpft. Nach 3 Monaten entstand in diesem Safte ein
Niederschlag, der nicht von Mikroorganismen herrhrte. Der Saft war
wohl virulent, doch war keine Verstrkung der Wirkung zu constatieren.

XXVII. _Datura Stramonium_, _Hyoscyamus niger_, _Solanum tuberosum_
und _Petunia nyctaginiflora_ reagierten nicht auf den Saft von kranken
Tabakspflanzen[J].

Aus diesen Versuchen geht hervor, dass unser Agens bereinstimmung
besitzt mit dem Agens der Maul- und Klauenseuche, obgleich ich die
Lebewesen bei der Fleckenkrankheit fr grsser halte. Im Filtrat finden
wir bei den letzteren eine Abschwchung, bei der Maul- und Klauenseuche
absolut nicht. Wenn es sich bei den ersteren um eine Bacterie handelt,
so msste diese eine sporenbildende sein. (Vergl. XV.)

Obgleich es noch nicht gelungen ist, den Mikroorganismus, der als
Ursache der Fleckenkrankheit betrachtet werden muss, zu sehen oder zu
zchten, so habe ich dennoch in diesem Jahre (1898) eine Reihe von
Versuchen zur Bekmpfung der Krankheit vorgenommen. Ausgehend von der
Meinung, dass die Ernhrung der Pflanzen auf die Zusammensetzung des
Gewebssaftes von _Nicotiana_ Einfluss haben knnte, und dass durch
diese Vernderung das unbekannte Virus in irgend einer Weise tangiert
werden knnte, habe ich einer grossen Anzahl Pflanzen bestimmte
Salze gegeben, manchmal in Mengen, die nicht vertragen wurden. Viele
Pflanzen gingen daran zu Grunde. Wenn die Salzgabe, einmal in der
Woche bei trockenem Sommerwetter in Lsung gegeben, sich durch das
Hinsiechen oder den Tod der Pflanze als zu gross erwies, wurde die Gabe
vermindert. Zuerst erhielten die Pflanzen 1 gr., spter 0,5 bis 0,25
gr. u. s. w., so viel sie nur ertragen konnten. Nach dem Absterben
einer Pflanze wurden also die anderen, die in derselben Reihe auf
freiem Felde standen, mit kleineren Mengen Salz gefttert. Da mir
weiter bekannt war, dass Zchter schon lange beobachtet hatten,
dass sich die Fleckenkrankheit auf Feldern, die mit ~Kainit~ oder
~Thomasphosphat~ gedngt waren, sehr wenig zeigte, habe ich auch mit
diesem Salzgemisch Versuche angestellt. Ich erhielt also die folgenden
Versuchsreihen:


    Ftterung mit:

    1. Kaliumkarbonat,
    2. Kaliumsulfat,
    3. Natriumchlorid,
    4. Kaliumnitrat,
    5. Kaliumphosphat,
    6. Kaliumnitrit,
    7. Kainit und Thomasphosphat.


[Illustration: Fig. 14.

Tabakspflanzen, welche nach starker Dngung mit anorganischen Salzen am
Leben geblieben sind.]

Die Ernhrung mit ~Kaliumnitrit~ musste, wie zu erwarten war, schon
bald aufgegeben werden, da 0,5 gr. bereits innerhalb weniger
Stunden ttlich wirkten. Weiter herrschte ein grosses Absterben
unter den Pflanzen, die ~phosphorsaures Kali~, ~Chlornatrium~ und
~Kaliumkarbonat~ erhalten hatten. In nebenstehenden Figuren sind einige
Pflanzen und deren Bltter abgebildet, die bei obiger Ftterung am
Leben blieben. Die mittlere zwergartige Pflanze (Fig. 14) ist in Folge
der Kochsalzftterung sehr zurckgeblieben; dabei sind alle Bltter
missgestaltet. Auch bei den anderen Salzernhrungen wurde hnliches
wahrgenommen. In Fig. 15 sind die Bltter in derselben Hhe der
Pflanzen abgenommen und abgebildet.

[Illustration: Fig. 15. Bltter von Tabakspflanzen, die im freien Lande
bermssig gedngt worden sind mit Natriumchlorid (I), mit Kaliumsulfat
(II), mit Kaliumkarbonat (III) und Kaliumphosphat (IV).]

I. ist das Blatt einer Pflanze, die mit Kochsalz, II. mit Kaliumsulfat,
III. mit Kaliumkarbonat und IV. mit Kaliumphosphat gefttert war.
Auffallend sind hier die unregelmige Blattform und die sehr langen
Spitzen an den Blttern. Hierbei ist es von Interesse zu wissen, dass
die Pflanzen im Schatten gestanden haben; dasselbe ist bei Pflanzen
beobachtet worden, die unter ~normalen~ Ernhrungsverhltnissen im
Schatten gestanden haben, wenn auch in weit geringerem Masse. Am 1.
September wurden alle diese Pflanzen mit infektionstchtigem Gewebesaft
in die Hauptnerven eines Blattes geimpft. Alle Pflanzen wurden krank,
jedoch nicht in derselben Zeit. Trat frher die Krankheit in der Regel
nach drei Wochen ein, so war dies bei der Kainitftterung erst viel
spter der Fall. ~Wenn auch sicherlich Kainit und Thomasphosphat die
Pflanzen gegen die Fleckenkrankheit nicht schtzen knnen, so scheint
doch eine Abschwchung des Giftes eingetreten zu sein.~ Im Laufe der
Wochen sah ich dann auch bei den drei briggebliebenen Pflanzen die
Flecken kleiner werden, einige selbst ganz verschwinden, ohne dass die
anderen Krankheitserscheinungen auftraten. (Fig. 13 _C_.)

Durch diese Ftterungsversuche wurde also das Ziel noch nicht
erreicht. Ein ganz anderes Resultat aber hatte der folgende im Grossen
angestellte Versuch.

Es drngte sich die Frage auf, ob es mglich wre, ein Feld, auf dem
jedes Jahr die Krankheit sich an beinahe allen Pflanzen zeigte, zu
desinfizieren und zwar durch einen Stoff, der tzend wirkte. Das Mittel
musste so gewhlt werden, dass die zuknftige Ernte nicht darunter zu
leiden hatte. Das Gift musste also durch Zersetzung wieder unwirksam
werden. Herr ~N. van Os~ in Amerongen, der sich lebhaft fr die Sache
interessierte, hat diesen Versuch mit sehr gnstigem Erfolg im Grossen
ausgefhrt. Im Februar 1898 wurde auf das am strksten infizierte
Feld, wo jedes Jahr beinahe alle Pflanzen erkrankten, ~ungelschter
Kalk~ in einer Menge von 10 hl. pro Hektar gebracht. Nach Verlauf
einiger Wochen wurde das Land umgearbeitet und im Monat Mai die jungen
Tabakspflnzchen eingesetzt. Jedes Jahr hatte die Krankheit sonst fast
alle Pflanzen befallen; diesmal war dies nicht der Fall: die Zahl der
erkrankten Pflanzen betrug nur 7%.

Weiter sind von Herrn ~van Os~ auf mein Ersuchen im vergangenen Jahre
eine grosse Anzahl Dngversuche angestellt worden, wofr ich ihm hier
meinen herzlichen Dank ausspreche. Die Versuche erstrecken sich nicht
auf einige Pflanzen, sondern auf einen halben Hektar. Folgende Tabelle
giebt eine bersicht der Versuche und ihrer Ergebnisse:

Feldversuche mit Bezug auf die Fleckenkrankheit.


===================++==============+===========+===========+=========
                   ||              | =Krank-   | =Krank-   | =Krank-
     =Dnger.=     ||  =Gewchs    | heit im   | heit in   | heit im
                   ||    1898.=    | Gewchs.= | zuig-    | Gewchs
                   ||              |           | ers=[K]. | 1897.=
===================++==============+===========+===========+=========
   I. Torfstreu-   ||    gut.      |    3%.    |  alle.    | keine.
      Pferdemist   ||              |           |           |
      70000 K.     ||              |           |           |
      pr. ha.      ||              |           |           |
                   ||              |           |           |
  II. Torfstreu,   || prchtig,    |  keine.   |  keine.   |  10%.
      Kainit       || schwerer     |           |           |
      700 Kilo,    || Tabak, steht |           |           |
      Schlacken-   || dunkel auf   |           |           |
      mehl         || dem Feld und |           |           |
      700 Kilo.    || ist nach     |           |           |
                   || Trocknen von |           |           |
                   || guter Farbe  |           |           |
                   ||              |           |           |
 III. Torfstreu,   || etwas        |  keine.   |   30%.    |  10%.
      Peruguano    || weniger      |           |           |
      500 Kilo.    || als II.      |           |           |
                   ||              |           |           |
  IV. Frischer     || gut, doch    |  keine.   |  keine.   | keine.
      Schweine-    || kleines      |           |           |
      mist         || Blatt.       |           |           |
      70000 Kilo,  ||              |           |           |
      Heiderasen,  ||              |           |           |
      Patent- Kali ||              |           |           |
      500 Kilo.    ||              |           |           |
                   ||              |           |           |
   V. Frischer     ||    gut.      |  keine.   |  spora-   | Erbsen,
      Schweine-    ||              |           |  disch.   | Karotten
      mist         ||              |           |           | gebaut.
      70000 Kilo,  ||              |           |           |
      Heiderasen,  ||              |           |           |
      ohne         ||              |           |           |
      Patent-Kali. ||              |           |           |
                   ||              |           |           |
  VI. Torfstreu,   || keine        |  keine.   |   30%.    | keine.
      Patent-Kali  || grossen      |           |           |
      500 Kilo.    || Pflanzen,    |           |           |
                   || Farbe nicht  |           |           |
                   || besser als   |           |           |
                   || da, wo kein  |           |           |
                   || Patent-Kali  |           |           |
                   || gebraucht    |           |           |
                   || worden ist.  |           |           |
                   ||              |           |           |
 VII. Pferde-      ||    gut.      |  keine.   |  keine.   | keine.
      Kuhmist      ||              |           |           |
      100000  Kilo,||              |           |           |
      Heiderasen.  ||              |           |           |
                   ||              |           |           |
VIII. Schafsmist   || gutes,       |    2%.    |   15%.    |  5%.
      70000 K.     || krftiges    |           |           |
                   || Blatt.       |           |           |
                   ||              |           |           |
  IX. Torfstreu-   ||    gut.      |  keine.   |   20%.    | keine.
      Ruth.        ||              |           |           |
                   ||              |           |           |
   X. Torfstreu-   ||    gut.      |    7%.    |   40%.    | 100%.
      Kalk (CaO)   ||              |           |           |
      10 HL.       ||              |           |           |
                   ||              |           |           |
  XI. Compost-     || vorzglich   |  keine.   |  keine.   | keine.
      Fkalien     || gefrbtes    |           |           |
      45000 Kilo,  || Blatt.       |           |           |
      Peruguano    ||              |           |           |
      500 Kilo.    ||              |           |           |


Aus diesen Versuchen erhellt, dass in Bezug auf die Fleckenkrankheit
mit ~Kainit~ und ~Thomasphosphat~ ein ausgezeichnetes Resultat erreicht
worden ist.

Eine gleich gnstige Wirkung halten die Dngstoffe, die mit
~Heiderasen~ gemengt waren. Die Verwendung von den genannten
Dngstoffen und von Erde, die wie der Heideboden von einem ~reinen~
Terrain herstammt, kann ebenso wie die Anwendung von ~ungelschtem
Kalk~ empfohlen werden.

Was die Dngung mit Kompost-Fkalien und Peruguano (f. 135 pro Hektar
= 225 Mk.) betrifft, so erwies sich diese als ausgezeichnet und ist f.
250 = 416 Mk. billiger als die Dngung mit Schafmist und Peruguano.

Auch mit Bezug auf die Ursachen, welche die Krankheit so allgemein an
den Zuigers hervortreten lassen, sind sehr interessante Versuche
angestellt worden. Die Vermutung, die ich im vorigen Jahre hatte (s.
de Natuur 1897 pag. 371), hat sich als richtig erwiesen. Herr ~van
Os~ hat die Gte gehabt, Versuche in grossem Massstabe zu machen.
Einige kranke Pflanzen wurden gekpft und unmittelbar darauf wurde
einer grossen Anzahl gesunder Pflanzen mit den infizierten Fingern
die Spitze abgebrochen. Alle Pflanzen blieben unter Beobachtung; das
Resultat war, dass 88% derselben krank wurden.

Aus diesem Grunde verdient es Empfehlung, zuerst alle kranken Pflanzen
zu entspitzen und nach Desinfektion der Hnde oder einige Tage spter
die anderen, gesunden Pflanzen. Auf diese Weise wird das Gift nicht
bertragen und werden also durch die Hand des Pflanzers gesunde
Pflanzen nicht infiziert. Erst, wenn das schdliche Agens gefunden,
und weiter seine knstliche Kultur im Laboratorium gelungen ist, erst
dann wird es durch ein eingehendes Studium seiner Eigenschaften mglich
sein, auf einem anderen Wege unsere Tabakskultur gegen eine der am
meisten gefrchteten Krankheiten zu schtzen.


_Bussum_, Nov. 1899.

[Funote H: Im Sommer 1899 habe ich die Tabaksfelder mit dem Zweck
besucht, zu erforschen, ob auch Pflanzen zu finden wren, welche die
nicht infektise Pockenkrankheit zeigten, (~Iwanowski~). Allerdings
waren auf _einem_ Feld drei Pflanzen vorhanden, die auf den mittelsten
Blttern kleine Fleckchen hatten, die von denen der Mosaikkrankheit
abwichen. Bei einem zweiten Besuch nach Verlauf von etwa 10 Tagen
jedoch erwies es sich, dass dieselben Pflanzen in ihren Spitzenblttern
die Symptome der Fleckenkrankheit zeigten.

Ich hoffe, hierauf spter zurckzukommen, wenn ich fr diese
Untersuchung geeignetes Material finden kann.]

[Funote I: Nach dem Erscheinen meiner hollndischen Verffentlichung
im Jahre 1898 und 1899 und meiner Publikation in Zeitschrift fr
Pflanzenkrankheiten herausgegeben von ~Prof. Sorauer~ (IX. Bd., 2.
Heft) wurde mir durch Briefwechsel mit ~Dr. Iwanowski~ in Petersburg
bekannt, dass er bereits frher durch die Filtrationsversuche mit
mosaikkranken Blttern von _Nicotiana_ zu demselben Resultat gekommen
war. Auch ~Beijerinck~ beschreibt im Centralblatt fr Bacteriologie,
Parasitenkunde und Infectionskrankheiten, II^e Abth., pg. 27, 1899,
hnliche Erscheinungen bei der Filtration durch Porzellanfilter. Weiter
sind die voorloopige Mededeelingen over het Peh-sem of de Mozaiekziekte
in de Tabak te _Deli_ von ~Dr. van Breda de Haan~ (Teysmannia 9den
jaargang afl. 11-12) sehr interessant.]

[Funote J: Als Bemerkung mchte ich hier hinzufgen, dass die
veredelten Sorten von _Beta vulgaris_ nicht selten dunkelgrne Flecken
in den Blttern zeigen mit den nmlichen Abweichungen, wie bei
_Nicotiana Tabacum_ beschrieben ist. Der Saft dieser gefleckten Bltter
konnte normal gebildete Exemplare von _Beta vulgaris_ nicht krank
machen. Das Auftreten dieser Flecken ist also von ganz verschiedener
Art wie bei _Nicotiana Tabacum_.]

[Funote K: Zuiger ist wohl mit Geize zu bersetzen, bezeichnet aber
nur die Seitenzweige, die aus den Achseln der abgenommenen Bltter sich
entwickeln.]




DRUCKFEHLER.


Seite  1 Zeile  4        von oben  lies  Versuchen  statt Proben.
  "    2   "   13         "  unten  "    Solanaceae   "   Solonaceae.
  "    2   "   12         "    "    "    Capsicum     "   Capiscum.
  "    3   "    5 und 14  "    "    "    versand      "   versandt.
  "    6   "    3         "  oben   "    Versuchen    "   Proben.
  "    7   "    3         "    "    "    zersetzt     "   analysiert.
  "   13   "   17         "    "    "    m.M.         "   c.m.
  "   17   "    1         "  unten  "    Hefezellen   "   Ghrungszellen.
  "   19   "   13         "  oben   "    Nhrboden    "   Nahrungsboden.
  "   23   "   12         "    "    "    fakultative Anaroben
                         und Aeroben statt fakultative Anaroben.
  "   23   "   16        von oben  lies fakultative Anaroben
                         und Aeroben statt fakultative Anaroben.
  "   37   "   14        von unten  lies fakultative Anaroben
                         und Aeroben statt fakultative Anaroben.

Anmerkungen zur Transkription:

    hochgestellte Zeichen als z.B. 10^{ten} prsentiert
    tiefgestellte Zeichen als z.B. C_{7} prsentiert
    mit _ Symbol ist kursiv gedruckter Text prsentiert
    mit = ist fett gedruckter Text prsentiert
    mit ~ Symbol ist gesperrt prsentiert
    Interpunktion Fehler gelscht
    "" prsentiert als "i"
    gunstige korrigiert als gnstige
    groszen korrigiert als grossen
    is korrigiert als ist
    gewnhnlich korrigiert als gewhnlich
    Phloem korrigiert als Phlom
    beiten korrigiert als beiden
    asseren korrigiert als usseren
    Zersetsungsprodukte korrigiert als Zersetzungsprodukte
    Zersetsungen korrigiert als Zersetzungen
    Blelessig korrigiert als Bleiessig
    Zollen korrigiert als Zellen
    frisschen korrigiert als frischen
    letzere korrigiert als letztere
    mittgeteilt korrigiert als mitgeteilt
    allmlich korrigiert als allmhlich
    letzere korrigiert als letztere
    was korrigiert als war
    einen korrigiert als einem
    ganzo korrigiert als ganze
    Weize korrigiert als Weise
    anerobe korrigiert als anarobe
    geimfpte korrigiert als geimpfte
    wio korrigiert als wie
    sorfltig korrigiert als sorgfltig
    Geerhter korrigiert als Geehrter
    ensteht korrigiert als entsteht
    ans korrigiert als an
    Laboratium korrigiert als Laboratorium
    Troztdem korrigiert als Trotzdem
    angenehnem korrigiert als angenehmem
    durchfallenden korrigiert als durchfallendem
    Bij korrigiert als Bei
    swach korrigiert als schwach
    wahrnemen korrigiert als wahrnehmen
    lasst korrigiert als lsst
    volendet korrigiert als vollendet
    kan korrigiert als kann
    herrgestellt korrigiert als hergestellt
    enstehen korrigiert als entstehen
    wurden korrigiert als worden
    missgetaltet korrigiert als missgestaltet
    gift korrigiert als Gift
    Schwamm-parenchym korrigiert als Schwammparenchym





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Hart, the owner of the Project Gutenberg-tm trademark.  Contact the
Foundation as set forth in Section 3 below.

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effort to identify, do copyright research on, transcribe and proofread
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collection.  Despite these efforts, Project Gutenberg-tm electronic
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property infringement, a defective or damaged disk or other medium, a
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that arise directly or indirectly from any of the following which you do
or cause to occur: (a) distribution of this or any Project Gutenberg-tm
work, (b) alteration, modification, or additions or deletions to any
Project Gutenberg-tm work, and (c) any Defect you cause.


Section  2.  Information about the Mission of Project Gutenberg-tm

Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
electronic works in formats readable by the widest variety of computers
including obsolete, old, middle-aged and new computers.  It exists
because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from
people in all walks of life.

Volunteers and financial support to provide volunteers with the
assistance they need, are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
remain freely available for generations to come.  In 2001, the Project
Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations.
To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
and the Foundation web page at http://www.pglaf.org.


Section 3.  Information about the Project Gutenberg Literary Archive
Foundation

The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
Revenue Service.  The Foundation's EIN or federal tax identification
number is 64-6221541.  Its 501(c)(3) letter is posted at
http://pglaf.org/fundraising.  Contributions to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
permitted by U.S. federal laws and your state's laws.

The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S.
Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered
throughout numerous locations.  Its business office is located at
809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email
business@pglaf.org.  Email contact links and up to date contact
information can be found at the Foundation's web site and official
page at http://pglaf.org

For additional contact information:
     Dr. Gregory B. Newby
     Chief Executive and Director
     gbnewby@pglaf.org


Section 4.  Information about Donations to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation

Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
spread public support and donations to carry out its mission of
increasing the number of public domain and licensed works that can be
freely distributed in machine readable form accessible by the widest
array of equipment including outdated equipment.  Many small donations
($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
status with the IRS.

The Foundation is committed to complying with the laws regulating
charities and charitable donations in all 50 states of the United
States.  Compliance requirements are not uniform and it takes a
considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
with these requirements.  We do not solicit donations in locations
where we have not received written confirmation of compliance.  To
SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any
particular state visit http://pglaf.org

While we cannot and do not solicit contributions from states where we
have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
against accepting unsolicited donations from donors in such states who
approach us with offers to donate.

International donations are gratefully accepted, but we cannot make
any statements concerning tax treatment of donations received from
outside the United States.  U.S. laws alone swamp our small staff.

Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
methods and addresses.  Donations are accepted in a number of other
ways including checks, online payments and credit card donations.
To donate, please visit: http://pglaf.org/donate


Section 5.  General Information About Project Gutenberg-tm electronic
works.

Professor Michael S. Hart is the originator of the Project Gutenberg-tm
concept of a library of electronic works that could be freely shared
with anyone.  For thirty years, he produced and distributed Project
Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support.


Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S.
unless a copyright notice is included.  Thus, we do not necessarily
keep eBooks in compliance with any particular paper edition.


Most people start at our Web site which has the main PG search facility:

     http://www.gutenberg.org

This Web site includes information about Project Gutenberg-tm,
including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to
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