The Project Gutenberg EBook of Kino und Erdkunde, by Hermann Hfker

This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
almost no restrictions whatsoever.  You may copy it, give it away or
re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
with this eBook or online at www.gutenberg.org/license


Title: Kino und Erdkunde

Author: Hermann Hfker

Release Date: March 18, 2012 [EBook #39189]

Language: German

Character set encoding: ISO-8859-1

*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK KINO UND ERDKUNDE ***




Produced by Jana Srna, Katrin, Norbert H. Langkau and the
Online Distributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net









    [ Anmerkungen zur Transkription:

      Schreibweise und Interpunktion des Originaltextes
      wurden bernommen, lediglich offensichtliche
      Druckfehler wurden korrigiert. Eine Liste der
      vorgenommenen nderungen findet sich am Ende des
      Textes.

      Der Originaltext ist in Fraktur gesetzt. Im Original
      gesperrt gedruckter Text wurde _so_ markiert. Im
      Original in Antiqua gedruckter Text wurde =so= markiert,
      jedoch wurde aus Grnden der Lesbarkeit auf das Markieren
      einzelner Buchstaben und Abkrzungen verzichtet. Im
      Original fett gedruckter Text wurde #so# markiert.

      Die Tabelle auf S. 39 wurde an die inhaltlich passende
      Stelle verschoben. Der Eintrag Kinokritik im Sachregister
      hat auch im Original keine dazugehrende Seitenzahl.
    ]




    Kino und Erdkunde

    Von Hermann Hfker




    Lichtbhnen-Bibliothek Nr. 7
    Herausgegeben von der Lichtbilderei GmbH.
    M.Gladbach 1914, Volksvereins-Verlag GmbH.




    Inhalt


    Einleitung: Was will dieses Buch?                                3

      I. Erdkunde und Kino                                           7

     II. Wissenschaftliche Erdkunde                                 28

    III. Schulerdkunde und Kino                                     42

     IV. Kinoerdkunde im Theater und in der ffentlichkeit          47

      V. Zusammenschlu und Einrichtungen                           54

    Anhang: Ein Blick auf den gegenwrtigen Markt erdkundlicher
      Filme und Lichtbilder                                         64


    =Copyright 1914 by Volksvereins-Verlag GmbH., M.Gladbach=




Einleitung

_Was will dieses Buch?_


Vom Augenblick an, da die ersten Bewegungsbilder durch Varietees in
die ffentlichkeit drangen, hat man daran begeisterte Hoffnungen fr
die Verbreitung der Kenntnis der Erde und der Freude an ihr geknpft;
von da an haben alle wohlwollenden Frderer immer wieder auf groe
Naturaufnahmen als Hchstleistungen dieser Technik hingewiesen; und
die ganze Bewegung zur Hebung und Wiederberichtigung des Kinos,
besonders auch die, die es fr Schule und Volksbildung nutzbar machen
wollen, kommen immer wieder auf Kino und Erdkunde als Kern- und
praktischen Ausgangspunkt zurck. Nichts entzckt jedermann so und
erscheint jedem als die ureigenste Aufgabe der Bewegungsbilderkunst
als die Wiedergabe von Landschaften und allem, was sich darin bewegt.
Nichts leistet die Kinematographie so verhltnismig vollkommen. Sie
bedarf dazu keiner knstlichen und ihr fremden Hilfsmittel, keiner
Bhne, Maschinen, Kulissen, keines knstlichen Lichtes. Niemand
braucht sich in Pose vor sie hinzustellen und durch unwahre Gefhle
ein unreines Interesse wachzurufen. Hier zeigt sie auch die Dinge in
ihrer ungefhr natrlichen Gre und Bewegung, so wie wir sie zu sehen
gewohnt sind; die Phantasie bedarf insofern keiner knstlichen
Nachhilfe. Es braucht auch keines Mikroskops und keiner sonstigen
Vorrichtungen; der Aufnahmegegenstand hlt still und gibt sich
jederzeit in seiner ganzen erhabenen Wahrheit. Unverflschte
Wirklichkeitswiedergabe -- die wir als _eigentlichen_ Beruf der
Kinematographie erkannten -- im hchsten Sinne, nmlich der
Wirklichkeit, die auch den unbewaffneten Menschensinnen so erscheint,
ihre _Heimat_ ist, leistet unsere Technik eigentlich nur hier. Und
endlich ist auch die groe Natur das eigentliche Gebiet, auf dem sich
die _Schnheit der Bewegung an sich_, das Drama des freien und doch
von geheimen Gesetzen beherrschten Weltrhythmus am reinsten abspielt.
Auf der andern Seite ist gerade hier die Kinematographie zu Leistungen
befhigt, in denen keine _andere_ Kunst oder Technik mit ihr
wetteifern kann. So vieles Malerei und Dichtkunst, beschreibende
und wissenschaftliche Darstellung auch auf dem Gebiete der
Naturschilderungen vor dem Kino voraushaben und -behalten, in _einem_
mssen sie ihm doch den Rang lassen: in der _Genauigkeit_ und dem
_Reichtum_ der Einzelheiten, die _berhaupt_ das photographische Auge
erfat. _Hier_ ist der Menschheit -- trotz der unbelebten Photographie
-- in der Tat ein neuer knstlicher Sinn geschenkt, ein neues Werkzeug
zur berwindung der Schranken von Raum und Zeit. Das kann man -- wenn
man den Begriff der Erdkunde so weit wie mglich fat, und also
alles auf dem Hintergrunde der Gronatur vor sich Gehende darunter
versteht -- von den andern Gebieten des Kinos nicht in gleichem Mae
behaupten.

So strmen also auch hier gerade alle Erwartungen und Krfte am
reichsten zusammen, die sich von andern Bettigungsgebieten der
Kinematographie unbefriedigt und abgestoen fhlen, und die
mit ganzer Inbrunst nach einer Erhebung des Kinos zu einem
Menschheitsbildungsmittel hinstreben und dabei mittun wollen. Die
_Wissenschaft_ sucht sich des neuen Hilfsmittels fr Forschung und
Fachunterricht zu bedienen, der _Weltreisende_ wnscht den Kino im
Gefolge zu haben. Die _Schulen_ fassen kinematographischen
Erdkundeunterricht ins Auge. Naturwissenschaftliche und
Volksbildungs_vereine_ htten lngst gern ihre erd- und
vlkerkundlichen Darbietungen durch Bewegungsbilder bereichert, wenn
sie nur wten, _wie_. Weitblickende shen gern solche Bilder zum
Nutzen von _Vlkerverstndigung_ und _Gteraustausch_, Kenntnis der
_Heimat_ und der _Kolonien_ verbreitet. _Knstler und Kunstfreunde_
sind in keinem Punkte dem Kino geneigter als in dem der Darbietung von
Gronaturbildern. Die _Kinotheater_, die halb der Not gehorchend, halb
dem eignen Triebe, sich mit Bestrebungen und Besucherkreisen
freundlich stellen mchten, denen doch vielleicht die Zukunft gehrt
(und auerdem zum Teil doch vielleicht auch der auf die Dauer
zahlungsfhigere und -willigere Geldbeutel), haben den Ehrgeiz, vor
allem erdkundliche Filme einzufgen; und dementsprechend regt sich
auch in den groen _Filmfirmen_ ein lebhafterer Schaffenstrieb in
dieser Richtung. Aber mit dem bloen Wollen und selbst mit noch so
viel Kapital allein ist's nicht geschehen. Hier mu man sorgfltig
und gewissenhaft arbeiten und vor allem mancherlei _wissen_, um mit
Herstellung und Vorfhrung der Filme den Kenner zu befriedigen, aber
auch den Laien ebenso und mehr zu begeistern, als mit -- Schunddramen.
Allen diesen, die in einer der genannten Weisen interessiert sind,
etwas ber erdkundliche Bewegungsbilder, die Kunst ihrer Herstellung
und Vorfhrung, ihre Bezugsquellen und Bedingungen, die Mglichkeiten
und die Grenzen ihrer sachwrdigen Verwendung zu erfahren, will meine
Schrift dienen.

Sie will aber berdies und in nicht minderm Grade zweien dienen: der
_Kundschaft_ und der _Kritik_ der Kinotheater. Der Kundschaft, d. h.
jedermann in dem Sinne, da er knftig kinematographische
Landschaftsvorfhrungen mit tiefer dringendem Verstndnis und daher
wesentlich erhhtem Genu betrachte, wo immer er ihnen begegnet. Der
Kritik, d. h. wieder jedermann, insofern wir alle, die wir eine
Kinovorfhrung besuchen, auch ihre Kritiker, und zwar einflureiche
sind. Denn es unterliegt doch keinem Zweifel, da alle Kinogesundung
doch endlich nur von einem kritischen, d. h. verstndnis-, aber auch
anspruchsvoll _urteilenden Publikum_ getragen werden kann, das gute
Vorfhrungen lobt, schlechte ablehnt. Loben und Ablehnen hat aber nur
dann Wert, wenn es nicht -- wie es jetzt selbst von ffentlichen
Vorkmpfern einer Kinohebung manchmal geschehen soll -- nur aus der
Tiefe des Gemts, sondern aus vollem Eindringen in das Wesen der
technischen Bedingungen geschieht, unter denen der Kino arbeitet. Wir
verschmhen es doch auch nicht, uns liebevoll in die Technik der
Malerei und der Dichtkunst, der Radiernadel und des Modellierholzes
und in die ganzen uern Lebensbedingungen der Knste zu vertiefen,
und wer das je getan hat, wei, da er erst an diesem Tage den Keim
zum eignen _Urteil_ und zu tieferm Genu gelegt hat. Nicht anders ist
es mit der Kinematographie. Wer den Kino mit Genu und Nutzen besuchen
will, mu sich in gewissem Grade zum Kenner ausbilden. Er wird davon
auch mannigfachen Nutzen fr seine Bildung haben. Vor allem aber wird
er dadurch, und erst dadurch, ein wirkliches Gewicht auf der Wage
derer, die den Kino zu einem ernsthaften Kulturwerkzeug veredeln
wollen. Nicht Schriftsteller und Geistliche, Polizei und Lehrer knnen
den Kino heben, sondern nur ein anspruchsvolles Publikum.

Bei Kritik denke ich allerdings noch in ganz besonderm Grade an die
_Presse_. An die Zeitungen, sagte mir einmal ein einflureicher
Verleger, werden viel zu groe Forderungen gestellt. Es ist nicht
unsere Aufgabe, uns mit der Hebung der Kinos zu befassen. Ich will
nicht darber grbeln, was _berhaupt_ die Aufgabe der Zeitungen
ist. Ich denke einfach, ihre Aufgabe ist jede, die sie sich selber
setzen, und zu deren Bewltigung sie imstande sind. Und dazu sollte
die Mitwirkung an der Hebung der Kinos nicht gehren? Sind nicht heute
lngst _alle_ Zeitungen ber den Rahmen reiner Berichterstattung
hinausgegangen und rhmen sich, Volks- und Kulturerzieher zu sein? Ist
der Schundkino nur der Konkurrent der Kunst_theater_ und mu seine
ungehemmte Verbreitung nicht auch eine Menge Leser der ernstern,
immerhin geistige Ansprche stellenden _Zeitung_ in Stadt und Land
entfremden? Nun wohl, im eigensten, wenn nicht im allgemeinen
Interesse sollte jedes sich achtende Tageblatt den Kino -- nicht
_bekmpfen_, sondern zu _frdern_, seine Versuche, _hher_ zu kommen,
zu untersttzen suchen. Das kann nur durch verstndnisvolle und
unabhngige Wrdigung seiner bessern Leistungen, also vor allem seiner
erdkundlichen Darbietungen geschehen. Dazu gehrt aber _Kenntnis_ der
Dinge -- und zu dieser Kenntnis einen Grund zu legen, soll meine
Schrift dienen.

Freilich kann ich hier nicht _alles_ auch nur zur Beurteilung
erdkundlicher Bewegungsbilder Ntige geben, sondern nur das, was
besonders mit dem Stoff zusammenhngt. Es ist geradezu unerllich,
zur Ergnzung auch meine grundlegende Schrift _Kino und Kunst_
(Lichtbhnen-Bibliothek Nr. 2) zu lesen, deren _ganzer_ Inhalt fr das
Nachfolgende die Voraussetzung bildet. Alle _allgemeinen_ Fragen aber
und einige besondere, die sich dem _Laien_ vor dem Kino aufdrngen,
behandle ich in der allgemeinen Schrift _Das Buch vom Kino_,
(Lichtbhnenbibliothek Nr. 8). Diese ergnzt das vorliegende
Heft auch in der Hinsicht, da sie ausfhrlich die Technik der
_Liebhaber_aufnahmen behandelt, die naturgem zur Hlfte erdkundliche
sein werden.




I. Erdkunde und Kino


Um zu einer klaren Vorstellung davon zu gelangen, was uns die
Kinematographie in Beziehung auf Erdkunde sein und nutzen kann, mssen
wir uns zuerst Rechenschaft davon geben, was wir berhaupt von der
Erdkunde begehren, warum wir sie treiben, und welche Rolle sie im
Geisteshaushalt der Menschheit und des einzelnen spielt.

Unter Erdkunde verstehen wir alle diejenigen Wissenschaften, die uns
die Natur, wie sie unmittelbar unsern Sinnen erscheint, in ihrer
Beziehung auf die Erde kennen und verstehen lehren. In dieser
unmittelbaren Beziehung zu unsern Sinnen liegt ihre geheime Kraft,
liegt das Geheimnis des leidenschaftlich unwiderstehlichen Triebes,
den ihr die Menschheit zu allen Zeiten entgegengebracht hat, und der
in dem Mae gestiegen ist und sich ber immer breitere Kreise
ausgedehnt hat, wie die aufgesammelten Erfahrungen der Menschheit und
ihre vervollkommneten Hilfsmittel jedermann ein immer weiter
eindringendes _Verstndnis_ der Natur ermglicht haben. Die Erdkunde
ist unter allen Naturwissenschaften die eigentlich sthetische, d.
h. aus sinnlichem Bedrfnis hervorgegangene, auf seine Veredlung und
Durchgeistigung gerichtete, und deren eigentliches Werkzeug die Sinne
sind. Die Erdkunde ist die Wissenschaft, die uns die Erde zur _Heimat_
macht, dadurch, da sie ihr ihre Schrecken nimmt, die in ihr waltenden
Allgesetze entschleiert und sie uns dadurch untertan macht. Erdkunde
ist undenkbar ohne die seltsame Anlage des Menschen, dem Un- und
Auermenschlichen eine leidenschaftliche _Liebe_ entgegenzubringen,
die eben die Heimatliebe ist; sie ist undenkbar ohne die
unerschpfliche, der knstlerischen verwandte Freude an der
_Schnheit_ der Natur, worin sich wiederum ihr sthetisches Wesen
zeigt. In dieser unerschpflichen, mit Worten nicht auszuschpfenden
Freude an der Erde Schnheit fliet der dunkle Drang des Ungelehrten
mit der nchternen Arbeit des Forschers zusammen, und es hat keinen
groen Bahnbrecher der Erdkunde gegeben, der nicht auch ein Dichter,
wenn auch oft ein geheimer war.

Zur Heimat wird uns die Natur durch das, wodurch auch die Welt der
Kunst dem Eingeweihten zu einer Heimat im geistigen Sinne wird:
dadurch, da wir mehr und mehr ihre Linien und Formen, ihre Farben und
Glanze, ihren Duft und Klang und alles, wodurch sie an unsere Sinne
brandet, als eine Sprache verstehen lernen, die der _Ausdruck_ eines
allem Lebenden und auch uns verwandten _Wesens_ ist. Dieses
Verstehenlernen beginnt bei der einfachen Entdeckerfreude des
Hirtenknaben, der Jahr fr Jahr seine Eichenwlder am Rande der cker
in gleichen dunklen Formen rauschen, die gleichen Wolken und Wetter in
groen Rhythmen darber hinziehen sieht, dem die Ahnung aufgeht, da
hier ein geheimer lebendiger Wille alljhrlich bestimmte, nicht
willkrliche Lebensversuche den feindlichen toten Elementen
entgegenschickt; und da er selber mit Leben und Tod ein Ring in
dieser Kette, ein Ton in diesem Lied ist, unlsbar und glckhaft mit
diesem Ganzen verbunden. Es gipfelt -- ber die stammelnden Versuche
von Dichtern und Malern hinweg -- in der sorgsam unermdlichen Arbeit
eines Ringes von Wissenschaften, alle Einzelheiten, die zusammen das
Bild dieser Planetenoberflche bilden, festzustellen, in ihre Teile
und Teilesteile zu zerlegen, ihre notwendigen und zuflligen
Zusammenhnge zu zergliedern, ihrer Ursache und Folge nachzugehen und
eine Sprache dafr zu finden, und endlich wieder sie in ihrer
_Gesamtheit_ zu berschauen. So mu die Erdkunde das Weltall ins Auge
fassen, um die Bewegungen dieses Einzelsterns zu begreifen, aus denen
fr die Erde Tag und Nacht, Sommer und Winter werden. Von den
_Gestirnen_ nimmt sie die Linien her, um die Oberflche in feste Orte
zu teilen und ihren Maen auf die Spur zu kommen. Sie sucht etwas vom
_Innern_ dieses Krpers zu erahnen, dessen Ausbrche rtselhafte
Striche und Flecken auf sein ueres zeichnen; sie mu aus vielen
Wissensgebieten die Fingerzeige aufspren, die ein Bild von der
_Entstehungsgeschichte_ der Erde und besonders der Formen und Art
ihrer Oberflche geben. Die Grundlage all ihrer Arbeit bildet das
Zusammentragen einer mglichst lckenlosen und von keinen
Sinnestuschungen beeinfluten _Kenntnis_ aller Einzelheiten ihrer
Oberflche; und die groen Gruppen dieser Einzelheiten begrnden
wieder Wissenschaften an sich: Gesteins-, Gebirgs-, Wsten-,
Swasser-, Meereskunde, Pflanzen-, Tier-, Menschenkunde usw. Nicht
minder mu die Erdkunde sich auf die Erforschung des Luftschleiers der
Erde ausdehnen: _Klima-_, _Wetterkunde_ usw. Es gilt, die Reiche der
lebendigen Natur in ihrer Beziehung zu den Erdgebieten, ihrer
Abhngigkeit davon zu betrachten: Tiere-, Pflanzen- und
Menschenerdkunde. Die letztere erst erschliet eine neue Welt von
Aufgaben: die _Vlkerkunde_ im allgemeinen, die wir auch hier unter
den Begriff der Erdkunde einbeziehen, lehrt uns die Menschen als
Naturwesen wesentlich in ihrer _Abhngigkeit_ von der Erde kennen.
Dazu kommt dann die _politische Geographie_, die den Menschen als
Bildner von Gesellschaften, als Krieger, als Jger, Hirten,
Ackerbauer, Handwerker, Techniker, Kaufmann, Industriellen, als
Errichter von Bauten und Verteiler von Verkehrsmitteln und zuletzt als
Knstler und Wanderer in seiner Eigenschaft als _Bezwinger_ und
_Gestalter_ der Erde zeigt.

Ebenso mannigfach wie die Beziehungen, unter denen der Mensch die Erde
zu erforschen strebt, ist die _Art_ der Erkenntnis, mit der er an sie
herantritt, und die Art der Befriedigung, die sie ihm gewhrt. Zum
Begriff der Erdkunde gehren die Reisen des Odysseus, des edelsten
Urbildes aller Abenteurer, und die des Gilgamesch, des Urbildes
babylonischer Weisheit und aller Weisheitspilger ebensogut wie die der
heutigen Forscher von der Art Hedins und der Polreisenden. Der
Wanderer, der mit Rad und Rucksack langsam die nchste Heimat
durchfhrt, um nichts als ein Gesundungsbad der Sinne in ihr
zu nehmen, treibt ebensogut Erdkunde wie der Mann auf dem
Hochschulkatheder, und der Landschaftsmaler ebensogut wie der Geometer
oder Landwirtschaftsschler. Unendlich sind heute unsere _Interessen_
an einer grndlichen Kenntnis der Erde. Sie gehrt zu jedermanns
unerllicher Vorbildung, ohne die man kaum noch einen Beruf
vollkommen beherrschen, geschweige denn das ganze geistige Leben der
Gegenwart in Kunst und Wissenschaft, ja auch nur seine tgliche
Zeitung verstehen kann. Aus der Erdkunde schpfen nicht nur Wanderer,
Abenteurer, Weltreisende flchtigen Sinnesgenu und dauernde
Gesundheit; sie gibt auch all unsern Knsten -- Malerei, Dichtkunst,
Musik, Theater, Plastik -- Anregungen, will wenigstens von ihnen
achtungsvoll bercksichtigt sein (kein Dichter drfte uns heute noch
von der bhmischen Seekste fabulieren). Die Tatsache, da wir
beginnen, wirklich die ganze Welt als Heimat, unsere Heimat zu
empfinden, findet in dem Bestreben des _Weltnaturschutzes_ Ausdruck.
Wir streben Weltschutzparke, Welttierreservate usw. an, ein
unverkennbares Zeichen fr das an keinen Ort mehr gebundene
Verstndnis fr den Wert der unberhrten Naturschnheit. Einen
mchtigen Ansporn fr den Erwerb eingehender Erdkenntnis bildet ihre
heutige Ausnutzung: _Handel_, _Industrie_ und _Verkehr_ kennen keine
Orts-, keine Vlkergrenzen mehr. Auch das gesellschaftliche
(politische) Interesse des letzten Arbeiters umfat heute bereits den
Erdball: Erdkunde als allgemeines Bildungsgut ist der Boden, auf dem
unsere Trume von gegenseitigem _Vlkerverstndnis_, vom Austausch
geistiger Gter und damit _Weltfriede_ gedeihen knnen. Die
Wissenschaft ist noch nicht am Ende ihrer Aufgabe, die letzten leeren
Flecke auf dem Globus zu beseitigen; noch kmpfen ihre khnen
Bahnbrecher um die wissenschaftliche Eroberung der Pole, des
Innern Asiens, dunkler Gebiete Afrikas. Schon aber senkt die
Gedankenwissenschaft, die Philosophie, ihre Wurzeln in den reichen
Wissensboden, den ihr die heutige Erdkunde bereits zusammengetragen
hat, um daraus, in die Bahnen ihrer ltesten Vorbilder zurckkehrend,
die Grundlinien einer neuen naturwissenschaftlichen _Weltanschauung_
zu gewinnen, um das alte Menschenspiel der Vergleichung zwischen den
Gesetzen der Geisteswelt und den Erscheinungen unserer Sinnenheimat
fortzusetzen. Jener Gilgamesch, der aus der Heimat unseres
Geschlechtes an die Grenzen der damaligen Welt pilgerte, um Antwort
auf die Frage nach dem Wesen von Leben und Tod zu finden, das Urbild
aller Pilger in die Wste, in die lebensvolle Wste der Nur-Natur,
in der sie nichts suchten als Stille fr ihren Geist -- er ist und
bleibt auch das erhabene Urbild aller, die sich um Erdkunde bemhen.
_Genu_ -- _Nutzen_ -- _Wissen_ -- _Geistesklrung_ sind die vier
Sterne, die der Wissenschaft von der Erde voranschweben.

Welche Mittel hat nun der Mensch von heute, um diesem seinem Wissen
diejenige Tiefe und Vollstndigkeit zu geben, durch die es allein
seine Ansprche befriedigen, seinem Zeitgewissen gengen kann? Ein
Blick rings um unsere heutige Kultur sagt uns, da diese Mittel seit
kaum einem Jahrhundert eine Ausdehnung und Vervollkommnung erfahren
haben, die sich keines der Geschlechter, die vor uns ins Grab gesunken
sind, je hat trumen lassen. Wir knnen sagen, da erst die Flle
dieser Mittel uns in den Stand zu setzen beginnt, die Erdkunde aus
einem zur Hlfte phantastischen Traum vom Wissen zu einer wirklichen
nutzbaren Wissenschaft, einer wirklichen Bereicherung der allgemeinen
Menschenbildung zu machen, sie aus einem romantischen in ihr
klassisches Zeitalter zu berfhren.

Erdkunde ist ja nicht das Wissen von einem Teil der Erde als solchem,
sondern von ihrer _Ganzheit_. Erst die Mglichkeit, _alle_ Teile zu
vergleichen, alle unter dem Bilde einer Einheit zu sehen, von allen in
_einem_ Hirn auch eine der Wirklichkeit entsprechende Anschauung zu
vereinigen, erlaubt uns ja, berhaupt von Erdkunde zu sprechen. Die
Schwierigkeit, die jeder Erdkunde entgegenstand, war die _berwindung
von Raum und Zeit_. Entferntes vergleichen, Vergangenes gegenwrtig zu
haben, mute ermglicht werden. Dazu reichte frher, ohne unsere
Hilfsmittel, kein Menschenleben aus. Heute ist es eine Mglichkeit fr
jedermann geworden. Die Mittel, die es uns ermglichen, gliedern sich
in zwei Gruppen: solche, die den krperlichen Verkehr erleichtern,
und solche, die den Gedankenaustausch, den Austausch von
Beschreibungen und Abbildungen der Erde ermglichen: Werkzeuge des
krperlichen und Werkzeuge des geistigen Verkehrs. Es ist eine
wunderbare und nicht zufllige Fgung, da die Entwicklung beider
gleichzeitig und gleich groartig vor sich gegangen ist: da
wir auch heute imstande sind, sinnliche Anschauungen und
Anschauungsersatzmittel einander die Wage halten lassen zu knnen.
Eins ohne das andere htte die menschliche Begriffswelt einseitig
beeinflut.

Die Grundlage aller Erdkunde ist und bleibt fr alle Zeiten das
unmittelbare Sinnenerlebnis, die krperliche Anschauung der Dinge, und
kein Hilfsmittel wird es je ersetzen, sondern immer nur ergnzen
knnen. Aber die Anschauung selber bedarf der Hilfsmittel, soll sie
sich in einem einzelnen Kopfe in annhernd gengender Vollstndigkeit
ansammeln. Ich brauche nur leise zu erinnern, was wir in dieser
Beziehung heute zur Verfgung haben, heute zur Verfgung weniger, in
zwei, drei Jahrzehnten vielleicht zur Verfgung vieler -- wenn sie nur
aufwachen und es sich zunutze machen wollten! ber dem Gedanken an
Eisenbahn, Dampfschiff und Automobil, der uns zuerst einfllt, drfen
wir nicht vergessen, was heute aus dem _Straenwesen_ der Welt selber
geworden ist, wie es technisch und politisch, frei von Zllen und
Gefahren, doch der Anfang und die Voraussetzung fr alle Entwicklung
des Weltverkehrs war. Vor den Kpfen unserer Heerstraen und
Eisenbahnen fliehen die Geister der Wildnis, richten sich die Ruinen
verfallener Paradiese wieder auf, lernen Wilde die Sprache der
Verstndigung. Bald werden die Entfernungen durch elektrische und
Motorenbahnen, durch Wasser- und Luftflugapparate und Luftschiffe
abermals um die Hlfte und mehr verkleinert werden, immer wertvoller
wird unsere Lebenszeit, immer reicher die Flle von Stoff, die wir uns
unmittelbar verschaffen knnen. Auch an dieser Stelle mchte ich aber
nicht unterlassen, darauf hinzuweisen, da das vollkommenste Werkzeug,
um die Erde wirklich betrachtend zu erleben, das eigentlichste
Arbeitswerkzeug unmittelbarer Erdkunde das _Fahrrad_ ist -- das
rechtmige Kind des heutigen Straenwesens mchte ich es nennen, und
doch berall brauchbar, wo es nur die Spur einer Strae gibt; uns von
der Unzulnglichkeit der Fuwanderung befreiend, und doch all seine
Vorzge steigernd; uns und betrchtliche Lasten schleppend und doch
ganz unabhngig von Nahrung, Betriebsmitteln, Kosten und
Abfahrtzeiten; unser Freund und Diener auch, wo wir es nicht fahren,
sondern neben ihm her gehen; das Reisen aufs uerste verbilligend und
dabei es recht eigentlich erst ermglichend. Ich habe diesen Gedanken
ausfhrlich in meiner Schrift _Radzigeunerei_ (C. Ziehlke Verlag,
Liebenwerda, M1.50) behandelt, auf die ich verweise. Allein nicht
um dieses Verweises willen spreche ich hier so dringlich davon. Es
liegt mir daran, hier wie berall darauf hinzuweisen, da wir Menschen
vom Anfang des 20. Jahrhunderts _ganz allgemein gesprochen ber das
Wesen und die Ausnutzung fast all der technischen Hilfsmittel, die uns
dieses kurze Zeitalter der knstlichen Sinnenvervollkommnung geschenkt
hat und bald noch schenken wird, noch nicht entfernt genug
nachgedacht, da wir vor allem den Grundsatz, der in eisernen Lettern
an der Stirnseite unserer ffentlichen Bauten von heute, an der Wand
unserer Arbeitszimmer und auf der ersten Seite unserer Tagebcher
stehen sollte, noch nicht erfat, geschweige denn uns zu Fleisch und
Blut gemacht haben_: _da alle unsere Gaben und ebenso alle Gaben
technischer Vervollkommnung die der Menschheit in den Scho fallen,
uns nur und nur gegeben sind, um sie mit dem Aufgebot alles
Scharfsinns, aller Willenskraft und Selbstbeherrschung in den Dienst
unserer geistigen Vervollkommnung, unserer geistigen Weiterbildung zu
stellen, zu der Gesundheit, Krperkrfte und Maschinenkrfte einzig
und allein unentbehrliche, aber untergeordnete Mittel sind_. Das in
Beziehung auf eine _einzelne_ Technik nachzuweisen und immer wieder zu
betonen, und den Weg dazu finden zu helfen, ist im Grunde genommen der
einzige Zweck auch dieser unserer Lichtbhnen-Bndchen, wie es die
Seele und das A und O aller nicht in Redensarten stecken bleibenden
Kinobesserung ist.

Das zweite Hilfsmittel der Erdkunde, dem der unmittelbaren
Selbstsinnenbeobachtung nachgeordnet und von ihr abhngig, aber nicht
minder unentbehrlich, ist die Welt der _Anschauungsersatzmittel_. Sie
dienen dazu, uns erstens ein Bild von dem zu machen, was wir eben doch
nicht selber sehen knnen. Sie haben aber noch eine darber
hinausgehende Bedeutung: sie ermglichen uns auch, rumlich und
zeitlich Getrenntes nebeneinander oder in rascher Folge zu
_vergleichen_, das Flchtige in grerer Ruhe und Bequemlichkeit und
so hufiger Wiederholung, wie wir wollen, zu betrachten und es zu
_messen_, ja sie erlauben uns unter Umstnden und in gewisser Richtung
eine genauere sinnliche Wahrnehmung, eine grndlichere sinnliche
Vertiefung und darauf folgende geistige Verarbeitung als der Anblick
der Dinge selbst. Wenn sie diesem _vorangehen_, bilden sie auch eine
vortreffliche Vorbereitung, um sich von der Wirklichkeit weniger
berraschen und ihre kurzen Augenblicke desto trefflicher nutzen zu
knnen. Ein Teil dieser Hilfsmittel -- die schematischen
Veranschaulichungen z. B., aber im Grunde genommen jede Abbildung oder
Beschreibung -- ermglicht uns noch dazu, uns Dinge zu versinnlichen,
die gar nicht unmittelbar sinnenfllig in der Wirklichkeit
hervortreten: die Unterscheidung von Haupt- und Neben-Sachen,
Krftelinien usw. Jedes Bild _zerlegt_ zugleich das Veranschaulichte,
indem es einen Augenblick davon herausgreift und es uns so als eine
Kette von Augenblicken zu erfassen ermglicht.

Unter all diesen Anschauungs-, Ersatz- und Ergnzungsmitteln der
Erdkunde leuchtet nun die Kinematographie mit ihrem Auftauchen als
Stern der hchsten Hhe hervor. Noch niemals vorher hat ein Mensch,
hatte die Menschheit das Aussehen der Natur in solcher Vollkommenheit,
solchem Reichtum und solcher unverflschten Genauigkeit der
Einzelheiten im Bilde gesehen als damals, als zum ersten Male die
lebensgroe Photographie auf der Leinwand zu leben anfing, als
dort die Reize einfacher Blattaufnahmen vertausendfacht erschienen.
Und so, wie man im Traumesflgelschwingen wohl pltzlich, durch ein
unerklrliches und nun doch sofort ganz selbstverstndlich
und natrlich erscheinendes Wunder sich _wirklich_ von der
Schwergefhlsangst, vom Gefhl ewig unzulnglichen Strebens erlst,
und wirklich schwebend emporgetragen fhlt, wie man pltzlich leicht
und krperlich wie ein Vogel durch die Lfte getragen wird (nicht mit
sprungbereitem Mitrauen gegen einen, wenn auch noch so genial
erdachten Flugmechanismus) --, so sahen auch wir uns pltzlich leicht
und licht hinweggetragen ber das stille Bedenken, das innere
bngliche Hemmnis, das wir unausgesprochen bis dahin vor jeder, auch
der vollendetsten Naturdarstellung gefhlt hatten, ber die Frage:
Wunder-, wunderschn -- _aber_ wieviel ist Menschenhand,
Menschenphantasie, und wieviel ist -- _Wahrheit_?! Wer kennt nicht
die stille Selbstbescheidung, mit der der sehnschtig in die Ferne, in
die Wunder der Natur- und Menschenwelt Hinausdenkende, sein
illustriertes Geographiebuch zuklappte -- die _Wirklichkeit_ -- wird
doch wohl noch anders sein! Man denke anderseits an den Riesenerfolg,
den ein knstlerisch weniger bedeutender Zeichner, wie z. B. Allers,
mit seinen Reiseskizzen hatte, weil er in etwas dem Hunger aller Welt
nach _Wirklichkeitstreue_ an Stelle aller Knstlertrume entgegenkam.
Man erinnere sich ferner an die Einbue, die die wirkliche Kenntnis
von Lndern und Vlkern, die Geographie und Ethnographie als
_Wissenschaft_ infolge der Schwierigkeit, zu allgemeiner _Anschauung_
ihrer Gegenstnde zu gelangen, bis in unsere Zeit erlitten hat.
Gerade hier versagt ja angesichts der tausendfachen lebendigen
_Mannigfaltigkeit_ der Dinge, die hier gerade eine Hauptsache ist, der
Zeichenstift und auch, was ihn vornehmlich ergnzen mute, das
beschreibende Wort. Beide versagen, nicht nur, wo es gilt, dem
Reichtum und der Beweglichkeit der Erscheinungen gerecht zu werden,
sondern auch ihre Verhltnisse und ihre Bedeutung in gegenseitiger
Abmessung wirklichkeitsgetreu festzuhalten. Bezeichnend sind da die
bekannten Prospekte -- zeichnerische Wiedergaben von Landschafts-,
Stdte-, Raum- und Menschenszenerien. Man lege einen alten Merianschen
Kupfer oder eine beliebige andere Stdtedarstellung aus alter Zeit mit
Photographien zusammen, die das etwa heute noch erhaltene selbe
Stadtbild darstellen. Sofort hat man den Eindruck, als ob die Stadt zu
Zeiten Merians aus lauter dicht gedrngten, malerisch ragenden Kirch-
und Rathaustrmen, Burgen und Klstern bestanden htte, um die herum
die Wohnhuser verschwinden. Auf der Photographie werden die Trme
klein und rcken weit auseinander, die Hhen werden unscheinbar, die
Huser sind gewachsen. Der Zeichner sah eben vor allem, was ihn
_interessierte_: das _malerisch_ und das _gedanklich_ (z. B.
geschichtlich) Hervorragende; das wurde ihm unter dem Stift gro, und
das andere schrumpfte zusammen. Oder ein altes Platzbild: der Platz
selbst erscheint ungeheuer erweitert, aber auf ihm tummeln sich
Fugnger, Reiter, Equipagen in solcher Gre und in so interessanten
Stellungen und Beschftigungen, da man alles andere darber vergit.
Die Photographie rckt die Mae ernchternd zurecht. Diese
Darstellungsmngel alter Zeiten wirkten aber begriffsverwirrend.
Wesentlich mit durch sie glauben wir heute noch vielfach, das
Mittelalter sei so viel malerischer gewesen als die Gegenwart und
setzen auf unsern Bhnen das malerische Puppenspiel mit Fest- und
Prunkkleidern in jeder Alltagsszene fort. In architektonischen
Zeitschriften hat man manchmal Gelegenheit, ein und dasselbe Gebude,
ein und dieselbe Platzanlage nebeneinander photographisch und als
zeichnerische (Architekten-)Skizze zu sehen. Selbst hier, wo
doch mit genauen Mastben gearbeitet und zur Erhhung des
Wirklichkeitseindruckes sogar manchmal die photographische Technik
nachgeahmt wird, ist man oft verblfft, den Unterschied in der Wirkung
zu sehen. Die Photographie ist -- selbst in gelegentlicher
perspektivischer Unstimmigkeit -- nchterne Wirklichkeit, die
Zeichnung ein -- Knstlertraum. Woran liegt's? Khn hinschweifende
Wolken, ideal gehaltene Alleen, kleine Weglassungen von
Unwesentlichem -- es lt sich gar nicht aufzhlen. Vor mir liegt
ein geographisches Buch ber Deutschland. Die Umschlagzeichnung
(Vom Fels zum Meer) zeigt schneebedeckte Berge mit ausnahmslos nicht
unter 45 Steigung, daneben Dnen von der halben Hhe der
Eisbedeckten. Es _soll_ ja nur eine dekorativ wirkende Skizze sein
-- aber was fr falsche Vorstellungen sie bei denen weckt, die die
Sache selbst nicht kennen, ist kaum nachzumessen. Wir alle erinnern
uns doch wohl, wie grndlich wir unsere selbst aus den besten
Abbildungen und Beschreibungen gewonnenen Vorstellungen haben
umarbeiten mssen, als wir zum ersten Male _wirklich_ das Gebirge,
das Meer, die Tiefebene sahen. Oder man versuche festzustellen,
welche Vorstellung verschiedene Personen etwa von ein und demselben
Schauplatz eines Ereignisses haben, nachdem sie dessen ausfhrliche
Schilderung in einem Roman, in einer Gerichtsakte gelesen haben.
Meistens nehmen wir in einem solchen Falle unbewut die Zuflucht zu
einem mglichst hnlichen, irgendwo einmal gesehenen Bilde,
bestenfalls zu einem hnlichen, uns bekannten wirklichen Platze und
bleiben dabei. Vielleicht _ist_ er auch wirklich hnlich -- aber
gerade Kleinigkeiten ndern hier das Bild sofort wesentlich! Die
Schwierigkeit der Anschauung, der Mangel an Darstellungsmitteln, die
Notwendigkeit, mit gedanklich abgeleiteten Vorstellungen
(Abstraktionen) und Schemen (Typen) zu arbeiten, war die Hauptursache,
weshalb eine ernst zu nehmende _allgemeinere_ geographische Bildung
kaum in leisen Anfngen im 18. Jahrhundert begann. Was hier bereits
die Anfnge der Kinetographie -- erst das einfache Lichtbild, dann
aber entscheidend das unendlich berzeugendere, unendlich breiter
wirkende Kinobild gebessert haben, ist gar nicht abzusehen.[1]

  [1] ber Streben und Mngel der _literarischen_
  Erdbeschreibung ist es interessant, eine zusammenhngende
  Darstellung, z. B. Die Naturschilderung bei (!) den
  deutschen geographischen Reisebeschreibungen des 18.
  Jahrhunderts von Oertel (Leipzig 1899) nachzulesen.

Die Photographie allein bringt allerdings auch Wirklichkeit. Sie
_berichtigt_ unsere Vorstellungen, aber doch mehr auf dem Umwege ber
den rechnenden Verstand. Was ihr fehlt, ist die sinnliche Frische.
Gewi, ihre Landschaften, Huser und Menschen sind richtig -- aber
sie sind auch, von Ausnahmeleistungen abgesehen, langweilig. Die
Photographie gibt zu _wenig_ von ihnen. Sie will uns einreden,
Menschen und Dinge seien blo erstarrte Schatten. Infolge der
Kleinheit des Bildes sehen wir sie wie aus weiter Ferne. Was das
Knstlerbild zu sehr betonte, fehlt hier -- besonders bei
geographischen Bildern -- oft ganz: das Malerische, die Gedanken
anregenden, beziehungsreichen Einzelheiten. Das Stereoskopbild, das
die Plastik hinzufgt, wirkt um so bengstigender puppenhaft,
lufthaft, mitten in einem wirklichen Augenblick erstarrt.

Das kinematographische Bild ist ein Riesenschritt weiter. Echtes
Licht -- naturhnliche Gre -- zitterndes, schwelgendes
Bewegungsleben, und dadurch auch ein gewisser Ersatz der
Krperlichkeit -- das ist schon ganz etwas anderes! Da wird nicht nur
das Auge erregt -- ein Hauch vom fernen Leben selber umweht uns,
spannt all unsere Sinne, weckt Denken und Fhlen, weckt die eigne
_Mitttigkeit_, das Erfassen-, das Entdeckenwollen, und die
ununterbrochene Vernderung auf dem Schauplatz hlt die Aufmerksamkeit
wach, lt die Teilnahme nicht zur Ruhe kommen. Die zehnte Muse
-- Illusion -- spinnt von der Leinwand aus ihre Zauber: das Haus, die
Bnke, die Menschenkpfe und die Damenhte, die roten Lichter und die
Schatten der Nischen werden unwirklich, das lebenwimmelnde Bild wird
allbeherrschende Wirklichkeit. =We put the world before you= nennt
ein englisches Filmhaus mit Recht seinen Wahlspruch -- Wir bringen die
Welt zu euch her. Wenn Mohammed nicht zum Berge kam, mu der Berg zu
ihm hin -- das Wunder ist geschehen! Wenn wir nicht zu den Wundern der
Welt hinaus kommen -- und wer wird sich je den lckenlosen Anblick von
ihnen _selber_ verschaffen knnen, welches Menschenleben wre lang
genug dazu -- so mu nun die Welt, wo sie am schnsten ist, von ihrer
Oberflche her ihre lichten therwellen bis hinein zu euch in Schule,
Vortragssaal und Theater senden! Und damit es _jederzeit_ geschehen
kann, lassen wir die Wellen sich abdrcken in festem Stoff, packen sie
ein, versenden, bewahren sie und erwecken sie beliebig zu neuem Leben
-- so wie wir das Licht der Sonne, das sich vor hunderttausend Jahren
in Farrenwldern verkrperte, heute als Kohle einpacken, versenden,
aufbewahren und im Ofen wieder zum Licht erwecken! Und mehr: damit es
auch _allerorten_ geschehen kann, vervielfltigen wir die
therwellenspuren, so oft wir wollen. So sehen wir, was irgendwo
_ist_, an allen Orten, und was _war_ zu allen Zeiten! So scheint also
das Ideal der Schule, das Ideal der Welt von heute erfllt: Anschauung
berall statt Begriffe, Wirklichkeit statt Phantasien, Wahrheit,
unverflschte, auch hier als einzige Quelle unseres Wissens und
unserer Bildung; auch da, wo die persnliche Wahrnehmung versagt!

Ist es das wirklich? Wenn unsere Freude ber das Gewonnene uns nicht
einen Streich spielen, nicht in Krze in Enttuschung und berdru
umschlagen, ja den Segen der Kinematographie fr Wissenschaft und
Schule in sein Gegenteil wenden soll, so mssen wir mit demselben
Willen zur Ehrlichkeit, mit der wir ihre Vorzge anerkennen, uns ihre
_Grenzen und Mngel_ vor Augen halten. Das ist ja _auch_ ein
allgemeines Kennzeichen der Gegenwart, dieser berdru, der angesichts
so vieler schner Dinge zutage tritt -- nicht nur gegenber
technischen Hilfsmitteln, wie Kino, Fahrrad u. dgl., sondern ebenso
und aus denselben Grnden gegen Theater, Illustrationswesen, Presse,
die ganze sthetische Kultur -- dieser berdru gerade der Denkenden
und Gebildeten, der keine andere Ursache hat als die vorangegangene
berschtzung und daher den Mibrauch dieser Dinge zu Zwecken, denen
sie _nicht_ gewachsen sind, und in einer Art, die ihrem _Wesen_ nicht
entspricht. Wie kme es sonst, da _trotz_ der zahlreichen und oft mit
Riesenkosten hergestellten erdkundlichen Filme und trotz des lebhaften
Wunsches von Wissenschaftlern, Lehrern, Volksbildungsvereinen usw.
weder diese Filme einzeln, noch die Kinematographie im allgemeinen
ernstlich auf den betreffenden Gebieten Fu gefat hat? Es liegt auer
andern Ursachen, die wir untersuchen werden, daran, da die
Kinematographie berhaupt und die erdkundliche ebenfalls nicht
innerhalb ihrer Leistungsmglichkeiten und ihrem Wesen gem
angewendet wird, da ihr Unmgliches abgefordert und darber ihre
Hchstleistungen vernachlssigt werden. Es liegt von vornherein schon
in dem jeden, der die Sache ernst nehmen mchte, abstoenden Leugnen
aller Mngel berhaupt, dem hirnlos uneingeschrnkten Anpreisen der
Kinematographie, all dem Unwesen der geschmacklosen Reklame, von dem
sich auch viele ihrer nichtbezahlten Lobsprecher nicht freimachen
knnen. Die Kinematographie hat keine Feinde als die Ausbeuter, die
sachlich und moralisch an ihr Raubbau treiben!

Ich habe in meiner Schrift Kino und Kunst die der Kinematographie
berhaupt aus technischen und lebenswissenschaftlichen (physiologischen)
Grnden anhaftenden Mngel ausfhrlich dargestellt. Die Mngel
physiologischen Ursprungs liegen in unserm eignen Organismus.
Andere Bilder nehmen wir einfach mit den Augen auf; diese mssen
unsere Augen selber erst zu Bildern machen helfen. Ein kinematographisches
Bild ist eine Leistung zur Hlfte von Photographie und Projektionskunst,
zur andern Hlfte von sehenden Augen. Diese erst vollfhren die
betrchtliche Arbeit, die aber Tausende von Bildern -- an 53000
wurden fr eine durchschnittliche Kinovorstellung berechnet! --,
die ihnen da abwechselnd mit ebensoviel Verdunklungsunterbrechungen
vorgesetzt werden, durch berbrckung dieser Verdunklungen zu einer
sich scheinbar bewegenden Einheit zu verschmelzen. Gerade die
Bewegung des Bildes ist eine Arbeit nicht des Apparates, sondern
unserer Augen. Und sie haben diese Arbeit unter hchst erschwerenden
Umstnden zu tun: aufs uerste angestrengt durch den krassen und
ausschlielichen Gegensatz von Licht und Schatten und die berwindung
einer Menge anderer Mngel, die wiederum von einem _unserer_ Organe
geleistet werden mu: der mitwirkenden _Phantasie_, der blitzschnellen
Denk- und eignen Vorstellungsarbeit, die ununterbrochen die in
Wirklichkeit blo vorhandenen _Andeutungen_ des Bildes erfassen und
deuten und in ihnen die Vorstellung von Farbe, Plastik, Geruschen,
Dften und Berhrungen ergnzen mu, die das Bild doch erst zu dem
_machen_, als das es aufgefat sein mchte, als Wirklichkeitswiedergabe.
Erschwert wird diese Nerventtigkeit durch die Unvorbereitetheit und
Bruchstckhaftigkeit jedes Kinobildes. Dessen technische Mngel haben
wir aber zum Teil schon angefhrt. Wir vergessen ja gewhnlich ganz
(und das ist im Kino selbst auch recht gut, aber es flscht das
Ergebnis), da dieses Bild dennoch immer nur ein Schattenbild ist,
dem auer dem flchenhaften Schwarz-Wei-Bestandteil des
Wirklichkeitsanblicks so gut wie alles fehlt, was uns den Eindruck
des _Lebens_ vermittelt: eben Farbe, Plastik, Gerusche, Dfte,
Berhrungen. Und mehr: die Tiefenwirkung (Perspektive) ist mehr
oder minder falsch, daher auch ein Teil der Bewegungen unrichtig
wirkend; Querbewegungen kommen ruckweise usw. Der Apparat zeigt uns,
was er mit _einem_ Auge gesehen, wir sehen dies mit _zwei_ Augen,
daher wieder etwas _anders_, als es der Kino gesehen hat und meint
-- nicht die Wirklichkeit, sondern ein Bild, aber ein sich bewegendes;
aber nicht sich bewegende Krper, sondern sich bewegende
Flchenausschnitte -- Schatten. Unsere Nerven mssen fortwhrend eine
angestrengte bersetzungsarbeit -- aus dem Kinematographischen zurck
ins Wirkliche -- leisten, um so mehr, je mehr der Kino sich der
Wirklichkeit durch bestechende hnlichkeiten annhert; und diese
bersetzungsarbeit ermdet sie bald und sehr. Trotzdem versagen sie
_allein_ -- wenn wir nicht nachhelfen -- in der Hlfte ihrer Aufgaben;
sie versagen in vielen Fllen schon bei dem Bestreben, berhaupt zu
erkennen, _was_ das Bild wiedergeben will, besonders infolge des
Mangels an Farbe, Tiefe und Plastik, durch den sich oft vorn und
hinten kaum voneinander abhebt, Fremdes sich zu Lichtknueln
zusammenballt und Zusammengehriges blo etwa durch verschiedene
Beleuchtung seiner Teile auseinanderreit. Bei alledem habe ich nur
mehr _gute_, mit voller Beherrschung der Technik und an Kunstwerken
und Kunstdenken gebtem Geschmack hergestellte Bilder im Auge, wie ich
sie in Kino und Kunst beschrieben habe. Vor _andern_ Bildern
durchschnittlicher Art wachsen die Schwierigkeiten noch mehr. Selbst
die besten aber, das ist uns durch das Voraufgegangene hoffentlich
abermals klar geworden, sind fr sich allein so gut wie ohne _jeden_
erdkundlichen Wert -- sie zeigen weniges nur bruchstckhaft,
schattenhaft, falsch und irrefhrend. Der Kinofilm -- jeder, ganz
besonders aber der erdkundliche -- bedarf der _Ergnzung_,
um _berhaupt_ etwas zu sein. Um dem einen von vornherein
unterscheidenden sprachlichen Ausdruck zu geben, habe ich die mit
allen ntigen Mitteln zu einem Kunstwerk, d. h. zu einer in sich
geschlossenen Darstellungs- und Ausdrucks-Einheit erhobene
Kinematographie -- mit welchem Wort wir knftig die Herstellung und
Vorfhrung von Bewegungsbildern _allein_ bezeichnen -- mit dem Worte
_Kinetographie_ benannt. Kinetographie -- wie wir das Wort auch
hier anwenden wollen (ber seinen sprachlichen und sachlichen Sinn
vgl. Kino und Kunst) -- bedeutet also ausschlielich die
_Vorfhrung_ von Bewegungsbildern im Rahmen einer zu einem
Gesamtkunstwerk erhobenen Vorstellung, ergnzt durch alles, was dazu
dient, das Bewegungsbild selbst seelisch richtig vorzubereiten, Sinne,
Nerven und Hirn auf das Wesentliche einzustellen, seine nervsen
Kraheiten auszugleichen, und das, was der Film _nicht_ zeigen kann,
durch andere Mittel zur Anschauung und zum Verstndnis zu bringen.

Zum allgemeinen Verstndnis dieser Forderungen, soweit sie aus dem
_sthetischen_ Bedrfnis, der Schnheits-Forderung im
durchgeistigten Sinne des Wortes, hervorgehen, mu ich abermals auf
meine mehrmals genannte Schrift verweisen. Hier aber ist Gelegenheit,
noch einmal von der _andern_ Seite her, nmlich aus unserm rein
sachlich-wissenschaftlichen Gesichtspunkt, die Forderung nach
Vollendung _jeder_ kinetographischen Vorfhrung zu begrnden und zu
beleuchten. Es handelt sich nicht in erster Linie um den Wunsch,
der kinematographischen Landschaftsdarstellung an sich auch
knstlerische Werte abzugewinnen, etwa durch malerische Wahl des
Bildausschnittes und handarbeitliche Beeinflussung und Nachhilfe der
Herstellungsvorgnge. Sondern hier fordern wir die Anwendung
des gelutertsten Geschmacks und der gewissenhaftesten und
erfindungsreichen Erfllung aller Schnheitsforderungen lediglich im
sthetischen, d. h. (im Ursinne des Wortes) im Interesse der _Sinne_
unserer Zuschauerschaft, damit nmlich ihre Sinne geschont,
untersttzt, vervollkommnet und vor Irrschlssen bewahrt werden. Nicht
um ihnen Genu߫ von auen her zu verschaffen, sondern um ihnen eigne
richtige Erkenntnisarbeit zu ermglichen. _Nicht_: wissenschaftliche
oder Schulkinovorfhrungen drfen _auch_ knstlerisch vollkommen
sein, sondern sie in erster Linie _mssen_ vollkommene Kunstwerke im
Sinne der Vollendung in ihrem eignen Wesen sein, wenn sie berhaupt
irgendwelchen -- erdkundlichen Lehrwert haben sollen.

Welcher Art nun die notwendigen Ergnzungen sein mssen, kraft deren
Filmvorfhrungen zu einem brauchbaren Hilfsmittel der Erdkunde werden
knnen, wollen wir uns kurz berlegen. Zuerst spreche ich allem das
Wort, was die dem Kinobild mangelnden _begleitenden Sinneseindrcke_
ersetzen oder wenigstens zum Bewutsein bringen kann. Dieser Ersatz
ist gerade beim Kinobild viel mehr erforderlich als vor jedem andern
auch nur Schwarz-Wei-Bild, weil das Kinobild mehr wie andere den
Beschauer -- besonders den nicht selbstkritisch und durch eigne
Beobachtungen _sehr_ gebten -- in den Traum der Wirklichkeit
versinken lt. Vor einer Photographie verfallen wir keinen Augenblick
in die Vorstellung: so ist's oder auch nur so sieht's aus -- beim
Bewegungsbild ist die Gefahr grer, nun erst recht in eine
falsche Vorstellung vom wirklichen Aussehen und den wirklichen
Krfteverteilungen in der Natur zu versinken. Um so sorgfltiger
mssen wir dort vorbeugen. Diese Arbeit wird freilich _zumeist_ dem
menschlichen _Worte_ zufallen, wovon wir noch sprechen. Das Wort
allein wird uns ber Plastik, richtige Perspektive, Gren-, Luft- und
Wrmeverhltnisse im Dargestellten aufklren mssen, und zumeist auch,
wo es sich um wissenschaftliche und Lehrzwecke handelt, ber die
_Begleitgerusche_. _Vllig_ mchte ich diese aber -- denen ich in
volkstmlichen und Jugendvorstellungen einen breiten Raum befrworte
-- auch aus wissenschaftlichen Darstellungen nicht verbannt wissen.
_Geruschkunde_ ist ein meines Wissens als solcher nicht -- hchstens
als Nebengebiet der Dramaturgie -- abgetrennter Zweig der
Naturwissenschaft und findet, abgesehen von der Akustik, die sich
nicht mit den Geruschen, sondern mit ihren Ursachen beschftigt, der
Phonetik, der Musiklehre u. dgl., nur vielleicht in der Vogelkunde
berhaupt Beachtung. Wenn sie darber hinaus _nicht_ gepflegt worden
ist, so liegt das meines Erachtens nur daran, da man bisher
schlechterdings auerstande war, den _Stoff_ herbeizuschaffen, d. h.
Naturgerusche in wissenschaftlich brauchbarer Weise aufzufassen und
wiederzugeben. Wir sind, wie wir wissen, heute schon in der Lage, das
zu tun: durch die Phonographie. Sie schreibt bereits ebenso
selbstttig die Klang- und Geruschwellen aller Art auf wie die
Photographie die dem Sehen zugrunde liegenden ther-Bewegungen
(Kinetographie, d. i. Bewegungsselbstniederschrift). Sie ist wie jene
durchaus zwanglufig, d. h.: richtig eingestellt, gibt sie nach
Zeitma und Klangfarbe genau das Aufgenommene wieder, abzglich der
feststellbaren Wirkungen ihrer technischen Fehlerquellen. Der
gemeinsamen Aufnahme von Naturbewegungsvorgngen und der sie
begleitenden Gerusche steht also gedanklich nichts mehr im Wege.
Tatschlich ist aber diese Aufgabe noch nicht gelst (obgleich man von
ihrer endgltig erfolgten Lsung alle Augenblicke hrt). Zunchst
leidet die grammophonische Wiedergabe an sich noch besonders
an Nebengeruschen von solcher Strke, da sie _feinere_
Gegenstandsgerusche verschluckt, falls diese von der Wachsschicht
berhaupt richtig aufgenommen worden sind. Dann aber steht noch immer
die groe Aufgabe bevor, beides, kinematographische und
phonographische Aufnahme und Wiedergabe, in _einem_ Verfahren oder
doch mit zwanglufiger Gleichzeitigkeit zu verbinden. Alle
sogenannten Tonbilder (ein irrefhrender Titel), die man bis jetzt
sieht, werden so hergestellt, da erst eine grammophonische Aufnahme,
dann eine ihr nachtrglich angepate Mimik aufgenommen werden. Die
Wiedergabe wird dann mglichst der Gleichzeitigkeit angenhert; aber
selbst, wo diese Gleichzeitigkeit erreicht wird, fehlt doch die
_Echtheit_, die dem Ganzen erst wissenschaftlichen Wert geben wrde.
berdies ist mir nicht bekannt geworden, da _berhaupt_ erfolgreiche
Versuche gemacht worden wren, Naturgerusche -- z. B. die Brandung
des Meeres, den Ausbruch eines Kraters, das Rauschen im Wald, das
Gemurmel und Geheul der Grostadt -- grammophonisch aufzunehmen. Da
dies unmglich sein sollte, mchte ich daraus nicht schlieen -- kann
man _knstliches_ Pfeifen und Sprechen usw. aufnehmen, warum nicht
auch zunchst wenigstens die lauten (oft viel lautern!)
unwillkrlichen Naturgerusche! Und mgen zunchst diese Aufnahmen
selbst, alsdann ihre Zusammenstimmung mit der gleichzeitigen
Kinoaufnahme noch so viel Unvollkommenheiten aufweisen --, der Versuch
allein wrde lohnen, und die Vervollkommnung wrde meines Erachtens
nicht lange auf sich warten lassen, sobald nur der _Wert_ dieser Sache
allgemein erkannt wrde. Da eine solche Technik _berhaupt_ im Zuge
der Kinetographie liegt, ja eins ihrer nchsten und erreichbaren
Ziele sein mte, wird weniger bezweifelt werden. Wenn aber
Gerusch_nachahmungen_ von Wissenschaftlern und gebildeten Laien (zum
Teil mit Unrecht) belchelt werden, so bedeutet das nicht, da sie
auch dokumentarisch getreuen Gerusch_nachbildungen_ Achtung versagen
wrden. Im Gegenteil: _die Gerusche, die besonders die Bewegung in
der Natur begleiten, sind unentbehrlich fr die unmittelbare sinnliche
Bewertung der in dem betreffenden Vorgang spielenden Kraftmassen und
Kraftverteilungen_. Das einfachste Gefhl des Laien sagt ihm doch
schon, da ein lautlos ausbrechender Vulkan, lautlos heranschwingende
Meereswogen, eine lautlos dampfgebende Kanone, lautlos tanzende
Eingeborene, lautlos strzende Niagaras etwas Unsinniges, berhaupt
_gar nichts_ sind. In der Zeichnung, in der Photographie vermissen wir
dergleichen nicht, weil sie ja das Bewegungsleben nicht zu geben
beansprucht, wo aber die _Bewegung_ der Dinge gezeigt wird, da fordern
unsere Sinne auch ihr _Gerusch_. Ist dies somit eine sthetische
Forderung, so wird doch auch niemand bestreiten wollen, da diese
Gerusche an sich als Begleiterscheinungen von Naturbewegungen ein
ernstester Forschung hchst wrdiger Gegenstand sind. Ich bin der
Meinung, da auch bei rein wissenschaftlichen Vorfhrungen,
mindestens wenn die Teilnehmer daneben auch irgend Menschen mit
natrlichem Sinnenleben und Geschmack sind, in Ermangelung
grammophonischer Mittel _einige_ Begleitgerusche gegeben oder
angedeutet, allermindestens aber durch vorangehende Beschreibung der
Phantasie der Zuhrer zur Verfgung gestellt werden mten. So zeigte
ich einmal den Ausbruch eines Geisers, ein Bild, ber das ich wegen
seiner Krze und anderer Mngel ganz unglcklich war: es kam mir
vllig bruchstckartig und wertlos vor. Zufllig kam mir eine
ausfhrliche Beschreibung dieses selben Geisers in die Hnde, in der
auch genaue Angaben ber die Begleitgerusche enthalten waren. Ich
lie diese nun sorgsam hinzufgen, und von diesem Augenblick an erwies
sich das Bild -- rein erdkundlich-naturwissenschaftlich betrachtet! --
als einer der Glanzpunkte meines Programms. Gewi hatte _ich_ mir
allenfalls nach langem Studieren diese Begleitgerusche -- den
kanonenschuartigen Ausbruch von Schlamm und Steinen, das regenartige
Niederprasseln der Wassermengen usw., die vorangehende donnerartige
Erderschtterung -- auch denken knnen -- aber wie htten das meine
_Zuschauer_ tun sollen? Und wenn sie es gekonnt htten -- sollten sie
und ich uns dessen schmen, da wir uns eine mhsame und unvollkommene
Eigenttigkeit durch ein paar meinethalben theaterhafte Hilfsmittel
ersetzten? Und sollten sich endlich Studenten und Hochschullehrer
selber in diesem Punkte in einer andern Lage befinden als wir? Sollte
selbst jemand, der diese Gerusche einmal _erlebt_ hatte, sich ihrer
vor diesem Bilde vollkommener erinnern, als unsere Hilfskrfte sie mit
urwchsigen Mitteln nachzuahmen vermochten?

Mag man ber Geruschnachahmungen bei rein wissenschaftlichen
Gelegenheiten denken, wie man will, fr die unvorbereitete und mit
erdkundlichen Erscheinungen durchaus ungengend vertraute
ffentlichkeit sind sie unerllich sowohl um des Verstndnisses wie
um der sthetischen Befriedigung willen. Da und wie dabei die Grenzen
des Geschmacks einzuhalten sind, habe ich anderswo behandelt. Sicher
ist aber, da _die Kinematographie an sich nicht eher ein vollwertiges
erdkundliches Hilfsmittel ist, als bis sie wenigstens in zwanglufige
Vereinigung mit der Grammophonie gelangt ist_. Bewegung und Gerusch
sind zeitlich und rumlich, urschlich und in der Erscheinung,
sthetisch und gedanklich nicht voneinander zu trennen, ein Verfahren,
das das eine wiedergibt, mu auch das andere zeigen.

Die zweite Ergnzung, die nicht zu verachten wre, ist die _Farbe_.
Auch hier sind manche Versuche unterwegs, beachtenswerte Erfolge
errungen. Das bekannteste Verfahren ist _Urbans Kinemacolor_. Ich
habe dieses Verfahren vor einigen Jahren in London gesehen und wei
nicht, ob es inzwischen verbessert worden ist. Es strte, bei allem
unleugbaren Reiz, durch starkes Flimmern. Sein Hauptmangel ist, da
die Aufgabe, die eigentliche Bildfarbe zu bilden, wieder unsern
_Augen_ berlassen ist, und diesen wird sie um so schwerer, als sie
sie aus nicht mehr als zwei Grundfarben -- rot und grn -- herstellen
mssen, die dem farblosen Doppelpositiv durch zwei Filter mitgeteilt
werden. An der Ausbreitung des Kinemacolorverfahrens scheint auer den
betrchtlich hhern Kosten und dem zur Alleinbestreitung einer
Vorstellung nicht gengenden Erfolg auch die Monopolvergebung schuld
zu sein. Auf jeden Fall ist die Sache noch nicht vollkommen; trotzdem
sollte jeder sie kennen zu lernen suchen, und gutgestellte Kinotheater
sie einfgen. An sich aber ist die Naturfarbe der Bilder -- solange
sie nicht auf eine bisher unbekannte Weise auf photographischem
Wege selber gewonnen wird -- _nicht_ eine so unerlliche
Vollkommenheitsforderung wie die des Begleitgerusches. Es ist mir im
Gegenteil zweifelhaft, ob sie in jedem Falle erwnscht wre, da sie
die Ansprche an die Augen erhht, die Fehlerquellen vermehrt und
berdies dem Filmbild einen Vorzug wieder nimmt: den der
Vereinfachung und Zurckfhrung des Bildes auf seine einfachen
Schwarz-Wei-Verhltnisse. Noch weniger kommt freilich hier die
_knstliche_ Farbenergnzung in Betracht, wo wir ihr nicht aus
Grnden, die nichts mit Erdkunde zu tun haben (Augenerholung) einmal
nachsehen wollen. Die _echte_ Farbenselbstwiedergabe der Natur steht
noch in weitem Feld, und wir sehen vorlufig noch nicht einmal einen
Weg angedeutet, wie wir zu ihr zu gelangen vermchten.[2]

  [2] Inzwischen wird von einem neuen Verfahren der Firma
  _Gaumont_ (deutsches Haus) berichtet, das Kinemacolor in
  mancher Hinsicht bertreffen soll, wenn auch die
  Farbenabstimmung naturgem noch durch die Fehlerquellen
  beeinflut wird.

Anders die _Krperlichkeit_ (Plastik) des Dargestellten. Der Weg dazu
ist klar: wir lassen unsern Apparat, wie wir selber, mit _zwei_ statt
einem Auge sehen und zeigen dann, wie in der Wirklichkeit, jedem
unserer Augen gesondert das entsprechende Bild. Wege dazu gibt es
verschiedene, ihr einziger gemeinsamer Nachteil ist der, da wir dazu
das Auge bewaffnen mssen, sei es durch eine Brille mit zwei
verschieden gefrbten Glsern, sei es durch eine stereoskopartige
Vorrichtung. Ich habe solche Bilder noch nicht gesehen, meine aber,
wenn sie sich einbrgerten und sonst hbsch sind, wrde die
Beschaffung der Betrachtungshilfsmittel nicht so schwierig sein, wie
es immer dargestellt wird. Kinobesucher werden sich ihre optische
Brille kaufen, wie Theaterbesucher ihr Opernglas.

brigens habe ich ein anderes Verfahren zur Verkrperlichung von
Kinobildern gesehen, anscheinend auf Spiegelungen beruhend, das aber
nur eine puppenhafte Wirkung hatte. Warum irgend jemand eine bessere
krperliche Wirkung von erdkundlichen Kinobildern verschmhen sollte,
wenn er sie nicht etwa durch Nachteile anderer Art erkaufen mu, sehe
ich nicht ein.

Eine Menge anderer Wirklichkeitseigenschaften werden dem Kinobild
natrlich immer fehlen. So kann die Nachahmung von Begleit_gerchen_
immer nur ein gelegentlicher Scherz bleiben, und ebenso fehlt die
krperliche Wirkung von Wind und Wetter usw. auf den Beschauer. Etwas
anderes aber ist von grerer Wichtigkeit. Wir mssen ein Kinobild
immer gleichsam mit festgeklemmtem Kopfe oder mit starren Augen
besehen; wir knnen die Augen nicht in der Weise wandern lassen wie in
der Natur. Tun wir es dort, so bietet sich uns bei jeder Bewegung ein
anderes Bild; im Kino ist der Erfolg nur, da wir je einen andern Teil
desselben Bildes sehen. In einem gewissen Grade hilft dem freilich,
aber auch nur scheinbar (da die Krperlichkeit fehlt), die Erfindung
der _Panorama-Kinematographie_ ab, die man meines Wissens zurzeit nur
in Mnchen sehen kann. Sie erzeugt durch kreisfrmiges Drehen des
Objektivs die Tuschung eines Landschaftenrundblickes. Das ist
natrlich eine vielleicht sehr hbsche Spielerei, die aber als
erdkundliches Hilfsmittel geringen Wert haben wird. Das vor allem aus
praktischen Grnden; an sich mag die Sache fr seltenere Aufgaben, bei
denen es darauf ankommt, einen Gesamtberblick ber ein greres
Gebiet zu haben, brauchbar sein.

Ich mchte, ehe ich die beiden Haupthilfsmittel, das _Wort_ und das
_Lichtbild_, bespreche, noch eine Bemerkung ber die Mithilfe der
_Musik_ machen. Auf den ersten Blick hat sie in erdkundlichen Filmen,
die der Belehrung dienen sollen, nichts zu suchen. Eine Ausnahme
machen aber schon diejenigen _vlkerkundlichen_ usw. Filme, die
geradezu Musikszenen, z. B. Tnze, nach Musikrhythmen arbeitende
Kolonnen usw., darstellen. Wir knnen hier auf das ber
Begleitgerusche Gesagte verweisen; grammophonische Wiedergabe wre
Ideal, angepate Nachahmung in diesem Falle berechtigt, weil ja auch
die Urmusik knstlich ist; _unerllich_ in diesem Falle die eine
oder die andere. Einen Negertanz ohne dessen Begleitmusik vorzufhren,
halte ich fr geradezu unwissenschaftlich. -- Darber hinaus aber habe
ich mich einfach aus der Erfahrung heraus fr die vereinzelte
Anwendung musikalischer Begleitung selbst bei geeigneten erdkundlichen
Filmen aus _gesundheitlichen_ Grnden ausgesprochen. Es ist nun einmal
Tatsache, da _gute_ angepate Musik wie kein anderes Mittel die
Nerven abspannt, sie erfrischt und ihnen ihre Arbeit erleichtert.
Selbstverstndlich kommt Musik weder bei Filmen mit Geruschwiedergabe
in Betracht noch bei solchen mit bewegungsdramatischem Inhalt noch
bei allen andern; aber sie kann Wunder tun bei Bildern, die eine
ruhige rhythmische, in sich wiederkehrende Bewegung ausspinnen.
_Begleitmusik beflgelt die Phantasie_ -- aus diesem Grunde weise ich
sie nicht streng aus allen erdkundlichen Vorfhrungen heraus, sondern
spreche ihr selbst sachlichen Wert zu.

Was aber vllig unentbehrlich ist, sind zwei Dinge: das _Wort_ und das
_stehende Lichtbild_. Ich kann sie gemeinsam behandeln. ber die
Gestaltung des Begleitvortrags habe ich in Kino und Kunst alles
Ntige gesagt. Er hat zwei Aufgaben: erstens abermals das Bild
seelisch vorzubereiten und seine Lcken auszufllen, zweitens den
Geist darber hinauszutragen. Die letztere Aufgabe kann in Verbindung
mit einer Kinovorfhrung nur angesponnen, nicht ausgefhrt werden. Wir
wollen sie aber dennoch nicht unbeleuchtet lassen, um uns abermals
gewrtig zu bleiben, da alle Bildvorfhrung fr die Erdkunde nur
Mittel, nicht Zweck ist. So wie einerseits _keine_ noch so vollendeten
Naturnachbildungen ohne geistige Nachteile von Zuschauern aufgenommen
werden knnen, die nicht ber gengenden Vergleichsstoff aus _eigner_
unmittelbarer Anschauung verfgen (worber wir im Absatz Schule
gesondert sprechen) --, so ist anderseits alles von der Natur
Geschaute nur Mittel und Vergleichsstoff fr die _eigentliche_
geistige Aufgabe der Erdkunde: eben aus der Welt der Erscheinungen
zu den _Gedanken_ ber sie zu gelangen, ihre Gesetze und
Kraftverhltnisse, ihre Ursachen und ihre Zukunft, ihr Wesen und ihren
Geist zu untersuchen. _Darber_ spricht sich die Natur nicht, die
Abbildung noch weniger aus. Was uns das Bild zeigt -- auch das mssen
wir uns einmal wieder ins Gedchtnis rufen -- _sind_ ja gar
nicht die vom Menschen bereits genannten und gemessenen, mit
Erkenntnisgesichtspunkten und Gefhlswerten bersponnenen, menschlich
geaichten Naturwerte, sondern es ist die Urnatur in ihrer unentdeckten
Namenlosigkeit. Das ist nicht eine Grbelei, sondern eine sehr
wichtige Alltagswahrheit, deren bersehen wieder eine der
Hauptursachen fr die mangelhaften Erfolge reformerischer
erdkundlicher Vorfhrungen in Kinotheatern usw. ist. Man stelle sich
vor: da erscheint jenseits einer Fluflche ein schlicht kegelfrmig
zugespitzter hoher Berg, oben mit Schnee bedeckt. Im Vordergrund wogen
Binsen um einen Fischersteg. Vor dieses Bild setzt die Mgde und die
Kuhknechte, die Ksehndler und Pflasterarbeiter einer Kleinstadt. Was
sollen sie dazu sagen, was soll sie daran fesseln? Gewi, es ist ganz
schn -- aber das, was _sie_ urwchsigerweise im Kino suchen,
nmlich merkwrdige Bewegungen, sind gar nicht drin. Das Bild
gefllt nicht! Nun sagt der Vorfhrer einen Namen: Der Berg Fujijama.
Ah! entringt es sich den anwesenden gebildeten Besuchern. Das also
ist der Fujijama, so sieht er wirklich aus! Eine Flle von
Gedankenverbindungen erweckt ihnen das Wort -- ihnen, aber immer noch
nicht den andern! Wenn _denen_ nun ein Berufener in einer Sprache, die
sie verstehen, sagen wrde: Hier ist es gar nicht irgendeine
'merkwrdige' Bewegung, die euch fesseln soll, sondern ihr sollt das
und das dabei denken, wenn er ihnen etwa vorher ein paar japanische
Knstlerbilder von dem Heiligen Berge zeigt, ein japanisches Gedicht
oder eine Sage von ihm erzhlte -- oder wenn er statt dessen wertvolle
wissenschaftliche Angaben (immer in der Sprache der Einfachen) ber
ihn machte: damit wrde er ihnen die richtigen _Augen_ geben, mit
denen gesehen auch ihnen das Bild reizvoll erscheinen wrde. Denn sein
Wert liegt in dem, was wir, was ein ganzes Volk sich dabei denkt, in
dessen Phantasie der Berg den Mittelpunkt bildet; sein Hauptwert liegt
in dem, was das Bild _nicht_ zeigt, im Gedanklichen. Was ich hier am
Beispiel der Einfachen zeige, gilt in entsprechender Anwendung bis
hinauf zu den gelehrtesten Husern. Niemand ist so vielwissend, da
er im Augenblick, wo irgendeine Landschaft usw. vor ihm im Kinobild
auftaucht, gerade _den_ Wissensstoff genau gewrtig hat, der hier den
Mittelpunkt des Interesses bildet. _Jeder_ Beschauer eines Kinobildes
mu vorher darauf _eingestellt_ werden. Und das kann nur durch _Worte_
geschehen. -- Diese Worte haben aber nicht nur allgemeine
Gesichtspunkte zu geben, sondern sie mssen auch einen andern Mangel
des Kinobildes, das schnelle, unvorbereitete Vorberhuschen des Bildes
ausgleichen, indem sie auf seine hauptschlich zu beachtenden
Einzelheiten vorher hinweisen. Diese vorherige Hinweisung,
gewissermaen das Vorauserzhlen des Kommenden, ist ein znftiges
Kunstmittel des Theaters. Dadurch, da man eine erst knftig auf der
Bhne erscheinende Person vorher nach Tracht und Art von andern
beschreiben und ihre Meinungen darber tauschen lt, wird das
Interesse an dem Kommenden nicht vermindert, sondern vermehrt.

Das letzte, nicht das schlechteste Ergnzungsmittel des erdkundlichen
Bildes, das zugleich das Wort in hohem Grade entlastet, ist das
_Lichtbild_. Es hat vor dem Bewegungsbild den Vorzug, eine lange
ruhige Betrachtung zu ermglichen, die groen Grundformen einer
Landschaft usw. viel besser als der davonlaufende Film erkennen zu
lassen, und auch knstliche Darstellungen, Schemen, Landkarten,
Zeichnungen usw. zu ermglichen. Es ist zugleich eine Erholung fr das
Auge, auch insofern, als es in einem ganz andern Sinne als der Film
knstlerisch (malerisch) hervorragend sein und sowohl naturfarben wie
bemalt dem besten Geschmack entsprechen und zeigen kann, was dem Film
fehlt. Auf ihm kann man bequem die Stellen zeigen, an denen im
Laufbilde etwas Besonderes zu beachten ist, und man kann anschaulich
machen, wie sich die besondere rtlichkeit des Laufbildes einem groen
erdkundlichen Ganzen einordnet. Kein Film sollte ohne eingehende
Vorbereitung und Vorbesprechung auf der Wand erscheinen. Nichts ist
ein falscheres, stilwidrigeres Wirkungsmittel gerade fr das
Bewegungsbild als die _berraschung_ des Beschauers.

Alles, was wir genannt haben, luft darauf hinaus, erdkundliche
Bewegungsbilder in solcher Zurichtung, Vorbereitung, Ergnzung und
Umgebung zu zeigen, da die Beschauer das hchsterreichbare Ma von
Wirklichkeitsanschauung unter allersorgfltigster Unschdlichmachung
von Fehlerquellen und mglichster Erleichterung ihrer Sinnesttigkeit
erhalten. So durchgefhrt, vermag der Kino dem gebten Gelehrten den
Forschungsgegenstand selbst in einem gewissen Grade zu ersetzen, dem
Wissensbeflissenen wird er ein verlliches Hilfsmittel, dem Schler
ein nicht irrefhrender Wegweiser, dem Knstler ein Genu, jedermann
eine geistige Bereicherung und der Menschheit ein Nutzen und eine
kulturfrdernde Vlkerverbindung sein.




II. Wissenschaftliche Erdkunde


Das Wort wissenschaftlich wird im Zusammenhang mit Kinematographie
geflissentlich mibraucht. Man bezeichnet frischweg jeden Film nach
Naturvorgngen als wissenschaftlich. Fr alle andern bleibt ja das
schne Schildchen knstlerisch. In Wirklichkeit kann von
wissenschaftlicher Kinematographie im strengen Sinne nur da
gesprochen werden, wo diese Technik -- wie etwa das Mikroskop -- der
_Forschung_ neue Mglichkeiten erffnet, also etwa gestattet, Dinge zu
beobachten, deren man ohne sie nicht habhaft werden konnte, oder alte
in solcher Weise, die vorher nicht mglich war. Erst im weitern Sinne
lassen sich Filme als wissenschaftlich bezeichnen, die alle
Anforderungen erfllen, um wenigstens als Hilfsmittel im auf
wissenschaftliche Ziele gerichteten Unterricht verwendet werden zu
knnen. Beides gilt von den bisher geschaffenen erdkundlichen Filmen
nur ausnahmsweise, und wir wollen kurz untersuchen, wie weit die
Kinematographie berhaupt fr wissenschaftliche Zwecke brauchbar sein
mag, und welche Anforderungen in diesem Falle an sie gestellt werden
mssen.

Zunchst als _Forschungs_mittel im strengen Sinne kommt sie in zweierlei
Hinsicht in Betracht. Erstens fr die Erd_geschichts_wissenschaft,
insofern sie erdkundliche Erscheinungen, die der Vernderung oder dem
Vergehen ausgesetzt sind, dauernd festhlt und dadurch auch sptern
Forschern und Geschlechtern die Untersuchung und Vergleichung
ermglicht. So stellte sich z. B. heraus, da der Geiserfilm, den ich
schon erwhnte (Neuseelndische Geiser, Urban-Eclipse), gerade dadurch
einen auerordentlichen Wert hatte, da er eine interessante,
inzwischen aber verschwundene Naturerscheinung -- vielleicht die
groartigste ihrer Art -- festhielt.[3] Dergleichen Gegenstnde wrden
sich in der Welt viel finden, aber nicht blo auf dem Gebiete der
Superlative, der groartigsten usw., sondern mehr noch unter
unscheinbaren Naturerscheinungen. Hier berhren sich die Interessen
der Wissenschaft mit solchen der Allgemeinheit, fr die
erfreulicherweise das Verstndnis mehr und mehr um sich greift: denen
des _Naturschutzes_, und wo der nicht mehr mglich ist, der _Erhaltung
von Naturdenkmlern_ wenigstens im Bilde. Die Natur- und
_Heimatschutz_gesellschaften seien an dieser Stelle besonders auf das
Hilfsmittel der Kinematographie im genannten Sinne wie auch zur
_Werbung_ fr ihre Bestrebungen aufmerksam gemacht. Wenn z. B. jetzt
der Gedanke, groe _Naturschutzparks_ nicht nur in der engern Heimat,
sondern eben in der ganzen Welt, vor allem in den Kolonien, anzulegen
und im ursprnglichen Zustande zu erhalten, Gestalt gewinnt, so sollte
man das Interesse dafr aufrufen durch Bewegungsbilder der
betreffenden Gegenden, denen andere von bereits als unrettbar
erkannten Gegenden wirksam an die Seite gestellt werden
knnten. Besonders kommt dieses Sammeln von kinematographischen
Naturdenkmlerabbildungen fr die Gebiete der Pflanzen-, Tier- und
Menschengeographie in Betracht. Man vergleiche die ergreifenden
Darstellungen, mit denen _Paasche_ im Vortrupp und an andern Orten
die denkende Menschheit auf die entsetzliche Verdung der Natur gerade
in bis dahin jungfrulichen Jagdgrnden aufmerksam machen will, und
lese da nach, wieviel der prchtigsten und bezeichnendsten Tierarten
-- Elefanten, Wale usw. -- bereits dem Aussterben nahe sind. Ganz
besonders denken wir hier natrlich auch an die _Menschenkunde_ im
weitesten Sinne des Wortes (Ethnographie), Rassen-, Volkskunde
einschlielich urwchsiger Bauarten, Industrien, Trachten usw. Hier
handelt es sich ja ebenfalls leider hufig genug schon um
unabwendbares Aussterben; berall aber liegt ein stndiger, oft
langsamer, oft sehr pltzlicher _Wandel_ der Erscheinungen vor. Diesen
entwicklungsgeschichtlichen Wandel sowohl im Drum und Dran wie auf
krperlichem Gebiete kann die Kinematographie in hervorragender, oft
in einziger Weise der Forschung der Nachwelt vor Augen halten. Endlich
kommt die Festhaltung _einzelner_ Naturschauspiele, z. B. des
Ausbruchs und Werdens neuer Vulkane, in Betracht, zu deren Aufnahme
freilich meistens Zufallsglck gehrt. Es wre eine planmige
Aufnahme mglichst vieler derartiger Naturdenkmler ber die ganze
Welt zu befrworten. Fr diese Aufnahmen mten dann natrlich
_Sammlungen_ (Archive) angelegt werden, deren Inhalt nicht durch
zeitgenssische Vorfhrungen gefhrdet und im Wert gemindert werden
drfte. Ein solches Unternehmen wre, wie unten nachzuweisen, durchaus
kostenlos durchzufhren.

  [3] Und zwar leider dennoch auf Nimmerwiedersehen! Bei
  Nachforschung stellte sich heraus, da das unschtzbar
  wertvolle Negativ nach einer gewissen Anzahl Kopien wie
  blich vernichtet worden ist -- eine bezeichnende
  Illustration zum Thema Traum und Wirklichkeit in der
  Kinematographie. Filmarchive!

Aufmerksam mu ich aber auch hier darauf machen, da derartige Filme,
richtig hergestellt, einen ganz unschtzbaren, mit der Zeit ungeheuer
steigenden _Sammlerwert_ haben wrden. Es wrde also keineswegs eine
tote Geldanlage sein. ber Filme als Sammlergegenstand beabsichtige
ich mich, im _Buch vom Kino_ weiter auszulassen.

Die zweite Eigenart, durch die die Kinematographie fr die _Forschung_
unmittelbaren Wert hat, liegt in der Mglichkeit, die Aufnahmen zu
_Messungszwecken_ zu verwenden. Der Film zerlegt jede Bewegungseinheit
in eine groe Menge einzelner Teile, deren Zeitabstand voneinander
genau bemessen ist, und -- die zur genauen Nachbestimmung standhalten.
Sie erlauben daher, Bewegungen zu untersuchen, die in der Wirklichkeit
zu flchtig oder vereinzelt, oder auch zu klein und kurz sind, um mit
den Sinnen aufgefat zu werden. Dadurch wird der Wissenschaft geradezu
ein neues Bettigungsgebiet erschlossen, welches ich _Rhythmologie_
benennen mchte: die Erforschung der Zeitgesetze in den freien
Bewegungserscheinungen der Natur. Sie ist z. B. betreffs der
Wellenbewegung im Meere, des Aufschlagens bestimmter Wellen an
Fluufer usw. schon versucht worden, aber es standen keine andern
Hilfsmittel zur Verfgung als Uhr und Hand und etwa Instrumente, die
jedenfalls kein bestndiges (kontinuierliches) Bild der Erscheinungen
boten. ber den Wert einer solchen Forschung brauche ich dem
Gebildeten kein Wort zu sagen.

Endlich das dritte kinematographische Forschungshilfsmittel, dem
vorigen verwandt, wenn auch schon mehr auf das Gebiet der Lehr- und
Veranschaulichungshilfsmittel hinberweisend, ist die Aufnahme unter
knstlich vernderten Bedingungen. So ist es vor allem mglich,
Vernderungen, die sich in Wirklichkeit ber lngere Zeitrume
erstrecken, in wenige Minuten zusammenzudrngen und dadurch ebenfalls
wieder ihre Einheit und ihren Rhythmus sinnenfllig zu machen. Wenn
auch dergleichen wohl mehr fr andere Naturwissenschaften in Betracht
kommt, so gibt es doch auch Gelegenheiten, wo es fr die Erdkunde in
Betracht kommt, und wenigstens vielen bequeme Beobachtungen
ermglicht, die -- etwa wie die tglichen Meeresgezeiten, die
jhrlichen Gletscherschwankungen, allmhliche Verwitterungsvorgnge --
sonst nur vereinzelt ungenau, mhsam und mit unverhltnismigem
Aufwand gemacht werden knnten.

Ganz allgemein bildet der Kino eins der wertvollsten Hilfsmittel des
_Forschungsreisenden_, dem sie eine bequeme, dokumentarisch getreue
und dauernde Einheimsung seiner Beobachtungen, ihre schnelle
berfhrung in die Stoffmenge der Forschung ermglicht und zugleich
unter Umstnden ein unwiderlegliches _Beweismittel_ seiner Erfolge und
Behauptungen gibt. Wir wollen hier sogleich die Frage behandeln, auf
welche Weise sich der Gebrauch dieses Hilfsmittels _praktisch_
durchfhren lt. Es kommen hier namentlich zwei Schwierigkeiten in
Betracht: die Belastung des Gepcks und die Kostenfrage. Die _Technik_
der Kinoaufnahmen kann kein Hindernis bieten; sie ist im allgemeinen
sehr einfach und leicht. Eine kurze gute Einfhrung darin bietet
Liesegangs Lichtbild- und Kinotechnik (Lichtbhnen-Bibliothek Nr.
1), ausfhrlich desselben Verfassers Handbuch der Kinematographie
(Dsseldorf, 8M) und andere. ber die allgemein zu beobachtenden
Maregeln vgl. mein Kino und Kunst.

Der im Grobetrieb bliche Aufnahmekino, wie er von zahlreichen Firmen
hergestellt wird, bildet mit dem ntigen schweren Fu (Stativ) und
allem Zubehr allerdings eine betrchtliche Last, zu deren Bewltigung
auf lngere Mrsche mehrere Trger abwechseln mssen. Dennoch kommt er
in erster Linie in Betracht, da er doch wohl nicht nur allein die fr
die unvermeidliche Inanspruchnahme durch Befrderung usw. ntige
Festigkeit und Derbheit besitzt, sondern auch allein die Filme
liefert, deren Format und Durchlcherung den allgemein in Kinotheatern
usw. verbreiteten Vorfhrungsapparaten entspricht. Diese sind aber
wieder fr die Vorfhrung in _groen_ Rumen notwendig. Auf der
Mglichkeit aber, die aufgenommenen Bilder wenigstens zum Teil von den
Kinotheatern und in Vereinsvorfhrungen usw. geschftlich zu
verwerten, beruht aber hauptschlich die vorteilhafte Erledigung der
Kostenfrage. -- Es gibt aber auch mittlere und kleinere Aufnahme- und
Vorfhrungsapparate, die erstern Schul-, die letztern
Salon-Kinematographen genannt. Diese haben den Vorzug, sehr viel
handlicher zu sein, besonders die letztern, die kaum das Gewicht einer
9נ12-Kamera ausmachen, und deren Stativ natrlich ebenfalls leichter
sein kann. Die Bilder dieser Apparate gengen bei richtiger Behandlung
durchaus den meisten, auch wissenschaftlichen Zwecken, nur lassen sich
die Bilder nicht so gro und daher nicht in sehr groen Slen
projizieren. Die Filme sind nmlich nur von etwa halber Breite und die
Bildchen von halber Hhe der im Grobetrieb blichen, und
die Durchlcherung ist anders angeordnet. Dadurch sind sie
schwieriger und jedenfalls nur ausnahmsweise in Kinotheatern
usw. unterzubringen. Dadurch, da man sie auch sonst nur in
kleinern Kreisen zeigen kann, lassen sie sich auch finanziell
nicht so verwerten, ein belstand, dem allerdings die bedeutende
Film- und Behandlungsersparnis gegenbersteht. In der Kleinheit
liegt aber noch ein weiterer Nachteil: die Einzelheiten kommen
nicht so heraus, die Unterscheidungsgrenze liegt um die Hlfte
tiefer als bei Normalfilmen, und wenn man sie auf gleiches Format
zu projizieren versucht, so tritt das photographische Korn strend in
die Erscheinung. Der grte Mangel ist aber wohl der, da die
Kassetten, die diesen Apparaten angehngt werden, nur kurze Filme zu
fassen vermgen. Bei lngern wrde die ungleiche Abwicklung infolge
der unverhltnismigen Verminderung des Umfangs der Filmrolle auch
Ungleichmigkeit des Aufnahmezeitmaes zur Folge haben. (Ausfhrlich
gedenke ich die Frage der Liebhaber-Kinematographie in meiner Schrift
_Das Buch vom Kino_ zu behandeln.) Neuerdings sind aber auch eine
ganze Reihe von Apparaten mittleren Umfangs und Gewichts geschaffen
worden, die fr Normalfilme eingerichtet sind, und brigens lt die
lebhafte Ttigkeit hinter den Kulissen der Apparate-Fabriken auf
diesem Gebiete darauf schlieen, da hier bald Vollkommenes zutage
treten wird.

Wichtig ist die Kostenfrage. Sie kann indessen nicht ernstlich
schrecken, wenn man sich berlegt, da zwar jedes einzelne Meter
Rohfilm 1M kostet (ein 5 Minuten laufender Normalfilm ist ungefhr
100 Meter lang), fr ein Negativ und ein Positiv also ohne die
Behandlungskosten und Verpfuschtes, Abfall usw. 2M (im groen wird
es etwas billiger), da aber auf der andern Seite der fertige Film,
wenn er gelungen ist, einen groen unmittelbaren und einen grern
Zukunftswert besitzt. Von dem Zukunftswert wissenschaftlicher Filme
haben wir gesprochen. Es wird leicht einzufhren sein, ihn durch die
Anregung des Sammeltriebes vermgender Privater und interessierter
Krperschaften (Gemeinde, Staat usw.) unmittelbar zu verwirklichen.
Noch gewisser und leichter ist der Weg, wenigstens Teile guter
derartiger Aufnahmen der ffentlichen Benutzung, dem Turnus der
Kinotheater usw. zur Verfgung zu stellen. Naturgem werden
Forscheraufnahmen sowieso ein bedeutend greres Interesse selbst fr
die breite ffentlichkeit haben als gewhnliche Operateuraufnahmen,
die ja meistens von der Heerstrae stammen. Dieses Interesse wird sich
durch geeignete Behandlung bei der Vorfhrung wesentlich steigern
lassen, und die lebhafte Kinoreformbewegung wird ein briges dazu tun.
Eine Aufnahme aber, die erst mal die Runde durch die Kinotheater der
Welt gemacht hat, hat sich selber und viele andere reichlich bezahlt
gemacht. Hier ist also der Weg fr Forscher, wissenschaftliche
Institute und Sammlungen gegeben, kostenlos, ja mit berschu, sich
das Wertvollste zuzulegen. In welcher Weise das im einzelnen geschehen
knnte, darber werde ich im Abschnitt Kinogesundung sprechen. Hier
will ich nur hinzufgen, da an ein Kostenhereinbringen auf dem Wege
von Einzelvorfhrungen wohl in keinem Falle zu denken ist. Nur berhrt
sei, da auf Forschungsreisen selbst durch gelegentliche Vorfhrung
von eignen und fremden Aufnahmen dem Unternehmenden manche Gelegenheit
geffnet, mancher Nutzen geschaffen werden, und ntigenfalls auch eine
unmittelbare finanzielle Erleichterung entstehen kann.

ber Nutzen, Verwendung und Berechtigung der Kinematographie fr den
wissenschaftlichen Unterricht, also an Hochschulen, Handels-,
Kolonial- usw. Schulen, brauche ich mich kaum noch beweisend zu
verbreiten. Wenn dagegen hier und da noch Vorurteile bestehen mgen,
so liegen sie meines Erachtens nur in der ungengenden Beschaffenheit
und der Kostspieligkeit und besonders der Schwierigkeit der Erlangung
gengenden Filmstoffes. Die Anschaffung von Apparaten und
Einrichtungen lohnt natrlich nicht, solange nur wenige unvollkommene
Filme in Betracht kommen, und jeder Beflissene diese ebensogut im
nchsten Kinotheater sehen kann. Das wird ja ganz anders werden,
sobald Aufnahmen von Wissenschaftlern selbst in reichlicher Menge zur
Verfgung stehen. ber die zurzeit herrschende Schwierigkeit der
Beschaffung erdkundlicher Filme und ihre Behebung spreche ich an
anderer Stelle. Hier aber ist der Ort, ber die notwendige
Beschaffenheit wissenschaftlich brauchbarer Filme zu sprechen, und wir
kommen damit zu dem Gegenstand: _erdkundliche Filmaufnahmen_. Fr sie
gelten die allgemeinen, im erhhten Grade all die Vorschriften, die
ich in meiner Schrift Kino und Kunst als unerllich fr
kunstgerechte, d. h. einfach sachgeme und wohldurchdachte
Aufnahmen ausfhrlich behandelt habe. Wir wollen sie hier unter unserm
besondern Gesichtspunkte abermals durchnehmen.

Fr Kinoaufnahmen kommen naturgem diejenigen Gegenstnde vornehmlich
in Betracht, in denen die _Bewegung_ irgendeine wichtige sachliche
oder sthetische Rolle spielt, soweit der Film imstande ist, sie
deutlich und richtig wiederzugeben. Vielleicht gibt es da _kein_
Gebiet der Erdkunde, das gar nicht in Betracht kme, aber doch einige
ganz vorwiegend. Die Erde als Weltkrper, also in ihren Beziehungen
zum Raum und zu den Gestirnen, bietet unmittelbar nur wenig Stoff fr
uns, ebenso als Gegenstand der Messung und Teilung. Fr die
_Erdgeschichte_ sind vorwiegend Archivaufnahmen wichtig, auf die wir
hingewiesen haben. Auerdem sind eine Menge alltglicher Vorgnge
erdgeschichtliche Entwicklungen im kleinen, so die unmittelbare
Beobachtung eines Sturzregens und seiner geologischen Folgen, die
Beobachtung von Lawinen, Gletscherbewegungen usw. Ferner knnen wir
hierher Erdbebenerscheinungen, Vulkanausbrche und Verwandtes rechnen,
dessen kinematographische Festhaltung von grtem Werte wre. Hieran
schliet sich die Meteorologie: Wetter- und Klimavorgnge und andere
atmosphrische Erscheinungen. Ich mchte hier deutlich dem etwaigen
Vorurteil entgegentreten, als ob atmosphrische Bildungen fr den
Kinematographen zu fein wren. Sie lassen sich alle, soweit das bloe
Auge sie erkennt, auch kinematographieren, wenn wir auch hier die
Farbe als etwas sehr Wesentliches vermissen werden. Zur
Veranschaulichung der Oberflchengestaltung der Erde, ihrer groen
Grundformen und ihrer feinen Einzelheiten ist das Bewegungsbild
viel berufener und ntiger, als man zunchst angesichts der
Bewegungslosigkeit des festen Landes denkt. Denn erstens regt es sich
und lebt berall in der Welt, selbst in der Wste, und je ruhiger der
Hauptgegenstand, desto feiner und fr das Ganze bezeichnender und
unentbehrlicher sind die _kleinen_ Bewegungen -- das Hinhuschen einer
Eidechse, das Hinhauchen einer Staubwolke usw. Zweitens aber bewegt
sich, wo die Erde regungslos ist, doch _auf_ ihr das Licht und zaubert
durch sein Spiel geheimnisvolles Leben. Dasjenige aber, was fast
berall die Welt belebt, und vielleicht der gewaltigste Gegenstand der
Kinematographie ist das _Wasser_ in allen seinen Formen. Ob es als
Salzlake berm Wstenboden blinkt, als Bchlein rieselt, als Flu
strmt, als Wasserfall herniederbraust, als Meer blinkt, kruselt,
brandet oder tobt, ob es als Regen oder Schnee herniederfllt, als Eis
funkelt oder als Nebel glnzt und wallt -- in all seinen Formen ist es
unerschpflich schn, unergrndlich gesetzmig, voll unendlicher
Aufgaben fr den Forscher, voll Lehren fr den Schler, der groe
Gestalter und Maler des Erdballs. Wenig einzelnes habe ich zu sagen
ber die Pflanzen-, Tier- und Menschengeographie. Mit den genannten
Dingen tritt ja das Leben selbst, die vom Geiste beherrschte Bewegung
auf die erdkundliche Bhne, und hier versagt jeder Versuch, das dem
Kinematographen Zugngliche auch nur in seinen Grundzgen aufzuzhlen.
An _Stoff_ fehlt es hier nicht, aber nicht der Stoff, sondern nur die
Art der Aufnahme macht den erdkundlichen wie den allgemeinen Wert des
Bildes aus.

Abermals mu ich hier, und zwar in der nachdrcklichsten Weise,
bitten, meine Schrift Kino und Kunst zur Ergnzung heranzuziehen,
denn ohne die groen allgemeinen Zusammenhnge und Gesichtspunkte, die
dort ausfhrlich behandelt werden, sind die nachfolgenden
Sonderangaben nicht voll zu verstehen. Vollendete Kinokunst -- und
jede Aufnahme ist ein Stck _Kunst_, d. h. freie menschliche
Hchstbettigung im Rahmen des technisch und zwecklich Angezeigten,
oder sie ist gar nichts --; vollendete Kinokunst lt sich nicht durch
Befolgung einzelner Vorschriften lernen, sondern nur aus Erfassung des
_Geistes_ der Sache heraus. Auch kann ich mich hier ber die Technik
im engern Sinne nicht auslassen, obgleich ihre meisterhafte Anwendung
natrlich die Hauptbedingung fr den Sachwert des Bildes ist.

Noch mehr wie sonst gilt auf dem Gebiete erd- und menschenkundlicher
Bewegungsaufnahmen, da ihr Wert einzig und allein in der
unverflschten, dokumentarisch genauen _Wirklichkeits_wiedergabe
beruht. Und zwar wollen wir die unbelauschte Wirklichkeit beobachten,
nicht -- den Eindruck, den Apparat und Aufnahme auf die Welt gemacht
haben. Erde, Wasser, Luft und Bume lassen sich ja dadurch nicht
beirren; Tiere aber mu man in den meisten Fllen durch oft sehr
schlaue Mittel und vor allem genaue Vorerforschung ihrer Gewohnheiten
und -- Geduld belauern und tuschen. Dafr ist eine wohlgelungene
Landschaftsaufnahme mit tierischer Staffage auch vielleicht das Bild,
das das meiste Entzcken und die hchste Bewunderung hervorruft, vor
allem aber auch eine wirkliche Hhenleistung der Kinokunst, und von
auerordentlichem Sachwert. Jeder erinnert sich ja an die wunderbaren
Tieraufnahmen von Kearton. Gewi hat aber auch jeder Kinobesucher mit
einem peinlichen Nebengefhl bemerkt, da fast alle derartigen
Aufnahmen in _knstlicher_ Umgebung, besonders in tuschend
ausgestatteten zoologischen Grten (Hagenbeck) gemacht worden sind.
Solche Bilder haben so gut wie gar keinen wissenschaftlichen und sehr
geringen Lehrwert, und kinematographisch sind es keine Leistungen.
Auch die Zuhilfenahme von knstlichem Kder, versteckten Zutreibern,
Magnesiumlicht usw. entspricht nicht dem Geiste des Kinos, denn alles
das bringt unwirkliche, unnatrliche Zge hinein. Noch schwieriger
fast als die natrliche Aufnahme von Tierbildern ist die von Menschen.
Das unerschpfliche Stoffgebiet der Vlkerkunde und Menschengeographie
wird bedeutend eingeengt durch die Sonderbarkeit jedes Menschenwesens,
sich vor dem Apparat anders als natrlich zu geben. Fast auf allen
derartigen Bildern gibt es -- manchmal mit, meist wider Willen des
Aufnehmers -- mindestens einige Personen, die die Kamera entdeckt
haben, und sich infolgedessen zu groer Heiterkeit und zur Zugabe von
Extrafaxen verpflichtet fhlen, oder sich pltzlich erinnern, da der
Mensch eigentlich seine Beine und Arme ganz anders gebrauchen mte,
als er es unbeobachtet tut, oder die aus Schchternheit, ja gar aus
Furcht -- ausreien. Die Aufnahme von Menschenszenen ist nicht nur
eine technische, sondern vor allen Dingen eine ganz bedeutende --
seelenkundliche Leistung. Es wird sich in vielen Fllen empfehlen, den
Aufnahmezweck und -vorgang nicht zu verhehlen, da eben doch die
Aufnehmenden dabei selber zuviel bewut mittun mssen -- sie mssen
innerhalb eines bestimmten Gesichtskreises bleiben usw. --, und da
eben eine _zufllige_ Entdeckung der Sache den _grten_ Schaden
stiftet. Der sichere Weg ist in solchen Fllen wohl der, den jeder
einschlagen mu, der volkskundlichen Stoff einsammeln will: sich erst
so das Vertrauen der Leute gewinnen und sie dabei so weit in das
Verstndnis einfhren, auch ihr eignes Interesse anregen, da der
Sache fr sie das Befremdende genommen wird, und sie, ntigenfalls
durch Vorproben, Befangenheitsfehler ablegen lernen. Da auch dann
noch das Unternehmen die grte Menschenkenntnis und geistige
berlegenheit, berdies sehr viel Umsicht und bung erfordert, ist
gewi. Denn: wenn auch das Menschenleben berall _interessant_ ist, wo
man hineingreift, so ist es doch nicht berall _kinematographisch_
erfabar. Namentlich spielt da ein anderer Umstand, nmlich die
Beleuchtung, eine oft recht unbarmherzige Rolle. Sie mu man bei
derartigen Aufnahmen lange vorher auskundschaften und berechnen.

Nur soweit der Wirklichkeitswert der Aufnahmen dadurch nicht
beeinflut wird, drfen wir andere Gesichtspunkte des guten Geschmacks
sprechen lassen. Diese sind vor allem: Auswahl des _Wesentlichen_ (das
sind hier hauptschlich Bewegungsvorgnge, nicht die Gegenstnde an
sich) und, aus geld- und kraftwirtschaftlichen Grnden mglichste
_Hufung_ desselben -- wiederum nur bedingungsweise. Was ich aber
besonders hervorheben will, ist die Notwendigkeit, jeder einzelnen
Szene die ntige _Lnge_ zu bewilligen. Sie mu so lange dauern, da
erstens mindestens eine vollstndige _Bewegungseinheit_ darauf kommt.
Es sollte ja selbstverstndlich sein, da die Filmparze dem mhenden
Bauern nicht gerade dann den Lebensfaden abschneiden darf, wenn er den
Arm zum Schwunge erhoben hat, ebenso wie sie ihn nicht mitten in einer
Ttigkeit das Licht der Bogenlampe erblicken lassen darf. Wo es sich
um systematisch wiederkehrende Bewegungen handelt, mssen diese
Rhythmen vollstndig und mehreremal zur Anschauung kommen. Ich
erinnere mich an eine groartige Meeresbrandung: wie rabiate Vorlufer
kommen lange flache Wellen schumend auf Klippen losgerannt und
scheinen vor ihnen umzukehren, um sich mit den nachkommenden zu
vereinigen. Dann strzen sie brandend heran ... mittlerweile sieht man
hinter ihnen eine der Groen sich sammeln, erheben, heranschweben
... sie strzt brllend und in Schaumkaskaden zerfetzt, ber die
Felsen weg. Nach dieser Kraftprobe tritt eine unheimliche Pause ein --
da sammelt es sich im Hintergrunde schwarz und mchtig, bumt sich
ungeheuer auf, den Himmel verdunkelnd, gleitet heran wie ein auf die
Hinterbeine gebumtes Ungeheuer und naht sich so drohend, da man
unwillkrlich die Augen schliet -- im nchsten Augenblick ist alles
auf der Leinwand ein Chaos. Schaudernd und doch mit einer
sthetischen Befriedigung, die nur die grten Szenen der reinsten
Kunstwerke gewhren, erleben wir das Kraftschauspiel der Natur. Aber
-- im selben Moment springt das Bild um, und es erscheint irgendeine
andere Szene. Das ist sachlich so falsch wie geschmacklich. Was wir
gesehen haben, war eine Wogenperiode -- es gehrt zu ihrem Wesen, da
sie sich im gleichen gelassenen Rhythmus je und je wiederholt: wir
mssen das _ein paarmal_ erleben, um es richtig zu erfassen. Aber auch
sthetisch ist es notwendig, denn unsere Seele ist bis ins Innerste im
Banne dieses Schauspiels; es mu sich ausleben und auswirken, unsere
Nerven mssen ihm gegenber den Halt wiederfinden, und es mu uns Zeit
gelassen werden, uns vollkommen in die _Stimmung_ hineinzuleben. Nur
nebenbei bemerke ich, da es natrlich Barbarismus schlimmster Art
ist, nach solcher Szene ohne Pause eine andere folgen zu lassen; es
mu eine Ruhepause folgen. In der blichen Kinematographie wird aber
noch viel schlimmer gegen die Gesetze des Nervenlebens, des Geschmacks
und der Sachlichkeit gesndigt. Szenen von zwei bis drei Sekunden sind
nicht selten, Szenen von sachgengender Lnge geradezu eine Ausnahme.
_Jede Bewegungsszene mu so lange dauern, bis die ber der wildesten
Bewegung schwebende heitere Weltruhe wieder im Beschauer zur
Herrschaft kommt._ Selbst die geringst bewegten Bilder -- Wste,
Waldeinsamkeit usw. -- ja diese, in denen abgeschlossene
Bewegungseinheiten eigentlich fehlen, erst recht, mssen so lange
dauern, da die in ihnen liegende _Stimmung_ deutlich und nachhaltig
zum Ausdruck kommt -- ganz abgesehen davon, da vor allem natrlich
das Auge Gelegenheit haben mu, das Dargestellte berhaupt sachlich
voll zu erfassen.

Eine weitere Bedingung fr die Brauchbarkeit erdkundlicher Aufnahmen
in irgendeinem Sinne ist die Besorgung und Beigabe ausfhrlichen
Sachfeststellungs- und Erluterungsstoffs. Auch dessen Mangel ist eine
Hauptursache fr die bisherige verhltnismige Erfolglosigkeit
erdkundlicher Bilder in Kinotheatern und ihre Ablehnung durch
wissenschaftliche und Unterrichtsfachleute. Es ist unglaublich, aber
wahr, da es bei den meisten im Handel befindlichen Filmen gar nicht
mglich ist, ihren Inhalt so festzustellen, wie es fr das volle
Verstndnis, ja auch nur dazu ntig wre, um zu erfassen, worin
eigentlich das Interesse des Bildes liegen soll. In sehr vielen Fllen
sind sogar die Bezeichnungen und Inhaltsangaben der Bilder _falsch_.
Von drei Palstinafilmen, die ich von drei Firmen erhielt, war je etwa
die Hlfte der Teile nicht aus Palstina, sondern anderswoher, und
zwar handelte es sich dabei nicht um hnlichkeiten -- da etwa Oasen
aus gypten und Palmenhaine aus Arabien eingelegt waren, sondern
ein angebliches Jerusalem war in Wirklichkeit einmal Kairo, einmal
Damaskus usw.; dabei hatte ich die Bilder persnlich von den
Ursprungsfirmen geholt, und sie waren fr mich zu besonders wichtigem
Zwecke gedruckt worden. Jene mehrmals erwhnten Geiser Neuseelands
waren mir als solche von den Fidschiinseln verkauft worden. Es
bedurfte im ersten Falle der Mitwirkung des Probstes von Jerusalem,
der zufllig am Orte war, um die Irrtmer festzustellen, der
Durchsicht umfangreicher Literatur, um sie zu berichtigen. Im zweiten
Falle habe ich mir mit Fachleuten lange den Kopf zerbrochen, bis wir
durch eine wahre Nick-Carter-Arbeit auf das Richtige kamen. Zahlreiche
andere, und zwar Glanzfilme jenes erdkundlichen Musterprogramms, die
wir teuer bezahlt hatten, muten wegen der Unmglichkeit, ihren
Gegenstand trotz der Beihilfe von Fachleuten festzustellen, ausgemerzt
werden, und ich wei heute noch nicht, was sie bedeuten. Die meisten,
die wir brachten, erhielten ihren Wert, ihr brennendes Interesse erst
durch Erluterungen, die wir den Zuschauern geben konnten, weil wir in
monatelanger mhsamer Durchackerung der Literatur diejenigen Hinweise
gefunden hatten, von denen die lcherlichen Begleittexte der Firmen
nichts wuten. So erhielt der Film Flufahrt auf dem Avon in
Neuseeland -- an sich eine der schnsten Aufnahmen, die ich kenne
(Urban) -- doch sein ich mchte sagen: pikantes, unmittelbar
ergreifendes, nicht nur menschliches, sondern auch erdkundliches
Interesse erst dadurch, da wir die Urgeschichte der Riesen- und
Trauerweiden aufstberten, die an beiden Ufern wogten. (Sie sind
Abkmmlinge eines einzigen Reises vom Grabe Napoleons auf St. Helena,
und zugleich ein Musterbeispiel fr die Gier, mit der der Boden
Neuseelands fremde Einfhrungen aufgenommen hat.) Diese Beispiele
knnte ich ins Unendliche vermehren. ber die Ursachen dieser Mngel
habe ich mich in Kino und Kunst ausgelassen.

Jede erdkundliche Aufnahme mu mit ihrem eignen _Tagebuch_ verbunden
sein, d. h. es mssen ausfhrliche Angaben nicht nur ber Ort, Datum
usw. der Aufnahme, sondern vor allem ber ihre Einzelheiten gemacht
werden, auch solche, die im Augenblick nebenschlich oder
selbstverstndlich erscheinen. Ich wrde vorschlagen, zunchst jedem
Negativ einen Aufnahmezettel folgender Art beizugeben (s. S. 39.)




  A

  Nr.        Bilderreihe: Neu-Seeland

  Aufgenommen von .............
  Rohfilm ...............
  Apparat ...............

  ---+---------+----------+-----------+--------+--------+------------------
  Nr.|  Tag    |   Ort    | Personen  | Blende | Dauer  |
     | Stunde  |Gegenstand|   usw.    |Beleuch-| Tempo, |   Bemerkungen
     |         |          |           |  tung  | Lnge  |
  ---+---------+----------+-----------+--------+--------+------------------
     |         |          |           |        |   40   | Dampf und hei.
     |14.III. |  Geiser  |Hintergrund|Bedeckt |  Sek.  | Wasser, nicht
  1. |  1914   | Wairoa | X...Berg  | Bl. 2  | Normal | sehr hoch, vorn
     | 11 v.  |          |           |        | (etwa  | links flchtender
     |         |          |           |        | 14m)  |       Mann
  ---+---------+----------+-----------+--------+--------+------------------
     |         |  Geiser  |           |        |   70   |   Kennzeichen:
     |         |Feder d. |           |        |  Sek.  | mehrere wie ein
     |14.III. |Prinzen v.|           |  Klar  | (etwa  | Federbusch aus-
  2. |  1914   |  Wales  |           | Bl. 3  | 25m)  | einanderfahrende
     |  3n    |Prince of|           |        |        | Strahlen, durch
     |         |  Wales   |           |        |        |   Schlamm usw.
     |         | Feather |           |        |        |   schattiert
  ---+---------+----------+-----------+--------+--------+------------------
     |         |          |
     |         |          |          Hierzu: drei Photos
     |         |          |
  ---+---------+----------+-----------+--------+--------+------------------
     |         |          |           |        |   30   |
     |16.III. |Dorf X... | Poi-Tanz  |  Klar  |  Sek.  |  Anmarsch mit
  3. |  1914   |bei Napier| (Nheres  | Bl. 2  | Normal |     Gesang
     |         |          |  Tageb.)  |        | (etwa  |
     |         |          |           |        | 10m)  |
  ---+---------+----------+-----------+--------+--------+------------------
  4. |         |          |     "     |        |   40   |   Erster Tanz
     |    "    |    "     |Fortsetzung|   "    |  Sek.  |




  B

  Firma ......
  Entwicklung ..............

  ---+--------+-------+-----------+-------+----------+------+--------------
     |        |       |           |  Bem. | Dauernde |      |
  Nr.|Erhalten| Entw. | Ergebnis  | f. d. |  Nummer  | Ver- | Verwendet in
     |   am   |       |           | Kopie |    d.    |bleib |
     |        |       |           |       | Negativs |      |
  ---+--------+-------+-----------+-------+----------+------+--------------
     |        |       |           |       |          |      |   Serie:
     |12.IV. |17.IV.| Sehr hell | Vira- |          |N. S. | Neu-Seeland
  1. |  1914  | 1914  | verstrkt |gieren |   342    | 1316 |    1316
     |        |       |           |       |          |      |   Serie:
     |        |       |           |       |          |      |Wasserwunder
     |        |       |           |       |          |      |     227
  ---+--------+-------+-----------+-------+----------+------+--------------
     |        |       |           |       |          |      |
     |        |       |           |       |          |      |
     |        |       |           |       |          |      |
  2. |   "    |   "   |   Gut     |  --   |   343    |  "   |  wie 342
     |        |       |           |       |          |      |
     |        |       |           |       |          |      |
     |        |       |           |       |          |      |
  ---+--------+-------+-----------+-------+----------+------+--------------
     |        |       |           |       |          |      |
     |        |       |           |       |          |      |
     |        |       |           |       |          |      |
  ---+--------+-------+-----------+-------+----------+------+--------------
     |        |       |           |       |          |      |   Serie:
     |        |       |           |       |          |      | Neu-Seeland
  3. |   "    |   "   |   Gut     |Virage |   344    |  "   |    1316
     |        |       |           |       |          |      |   Serie:
     |        |       |           |       |          |      | Volkstnze
     |        |       |           |       |          |      |    2703
  ---+--------+-------+-----------+-------+----------+------+--------------
  4. |   "    |   "   |    "      |   "   |   345    |  "   |   "     "




Die Angaben unter A werden vom Aufnehmenden ausgefllt, die unter
B von der entwickelnden Anstalt usw. Den Abschnitten entsprechende
Schluzeichen und Vermerke werden mit Bleistift auf dem Rohfilm
angebracht. Auerdem aber sind in einem besondern Tagebuch (unter der
in Sp. 1 vermerkten Nummer und Wiederholung der Bezeichnung in Sp. 3)
genaue Angaben ber den Inhalt des Films zu machen, als:

Allgemeiner Sinn und wissenschaftliche Bedeutung der Aufnahme.

Die Namen (nebst Aussprache!) und Kennzeichen aller Einzelheiten der
rtlichkeit (Berge, Wasser, Ansiedlungen, Bume, Tiere) und
kinematographisch hervorragenden Personen (Name, Stand oder Beruf,
Ttigkeit im Bilde, Kennzeichen, Tracht, Waffen usw.).

Verlauf der Szene, Geschehnisse, Bewegungsvorgnge.

Dabei wahrgenommene, im Bilde nicht wiedererscheinende, daher zu
ergnzende Nebenerscheinungen (Gerusche, Farben, eventuell Mae,
Reden, Ausrufe, Liedertexte, Noten usw.) und andere wissenswerte oder
wissenschaftlich ntige oder interessante Einzelheiten.

Es ist einleuchtend, da erst durch diese gedanklichen Ergnzungen
der Film seinen hchsten gegenstndlichen und eventuell
erscheinungsgeschichtlichen Wert erhlt. Ebenso einleuchtend aber ist
es, da diese Erluterungen nur von einem Fachmann, jedenfalls einer
dem Gegenstand wissenschaftlich ganz gewachsenen Persnlichkeit
gegeben werden knnen, und zweitens, da nur selten ein und dieselbe
Person das Bild aufnehmen _und_ die ntigen Beobachtungen und Notizen
dazu machen kann. Ja hufig werden sich in letztere Arbeit allein
mehrere Personen teilen mssen.

Die Unzulnglichkeit der bisherigen geschftsmigen erdkundlichen
Kinematographie beruht letzten Endes darauf, da sie zumeist von ganz
unberufenen Laien nach reinen Geschftsgesichtspunkten gemacht wird.
Die geschftlichen Gesichtspunkte bewirken, da die meisten Bilder von
den groen Heerstraen der Cookweltreisenden gemacht werden, wo sie
natrlich selten mehr ein wirkliches Stck natrliche Natur zeigen,
sondern fast immer jenes Fremdenindustrieelend, das alles, lebende und
tote Dinge, und die Menschen zumeist, auf den Fremdenfang frisiert
zeigt. Wer die blichen Kinobilder daraufhin beobachtet, wird das sehr
hufig besttigt finden. Derselbe Beweggrund bewirkt, da zumeist fade
Sensationsszenen unter der Herrschaft superlativer Schlagwrter
(die grten ... die berhmtesten ... der Welt usw.) und mit
alberner, theatermiger Staffage gemacht werden, weil sie so
vermeintlich besser ziehen. Dasselbe bewirkt die erdkundliche
Unbildung der meisten Operateure. Sie gehen nicht nach dem, was
erdkundlich wichtig und fesselnd ist, sondern nach dem, was sich am
tchtigsten bewegt -- und wenn sie mal etwas Wertvolles erwischen, so
wissen sie selber nicht warum, und die Sache bekommt dadurch etwas
Schiefes. _Wenn irgendwo, so ist auf dem Gebiete erdkundlicher
Aufnahmen eine enge Verbindung kinematographischer mit wissenschaftlichen
Fachleuten im beiderseitigen Interesse geboten._ Mit dem ungeheuern
Kapital, das von den Firmen in erdkundliche Aufnahmen gesteckt wird,
liee sich ein Material von unermelich sachlichem Werte aufhufen,
das sich aber auch durch ein zehnfach und hundertfach gesteigertes
Interesse der ffentlichkeit viel glnzender als jetzt verzinsen
liee. Die groen Firmen klagen ja alle, da sie mit ihren
Naturaufnahmen schlechte Geschfte machen, da trotz des groen
Aufwandes kein rechtes Interesse dafr, am wenigsten bei Fachleuten,
aber nicht einmal bei Schulbehrden zu erwecken ist. Nun, das liegt
einzig und allein an der Unsachgemheit der Aufnahmen. Ohne
magebende Mitwirkung erdkundlicher Fachleute, und zwar Spezialisten,
bei der Wahl, Vorbereitung, Ausfhrung und nachhaltigen Behandlung
kann keine erdenkliche Aufnahme von hherm Werte und wissenschaftlich
erzieherischer Brauchbarkeit entstehen. Geographische Fachleute aber
knnen dadurch, da sie derartige Aufnahmen machen helfen -- aber
natrlich nicht als eine populre Spielerei, mit der man eigentlich
seiner Wrde etwas vergibt, und der man nur die Brosamen zugute kommen
lt, die vom Tische ernster Wissenschaft abfallen, sondern mit
voller Hingabe und Gewissenhaftigkeit, und nach eingehender
schlermiger Einbung -- nicht nur sich selber und der Wissenschaft
manche khne Hoffnung erfllen, sondern auch ein tchtiges Stck
Arbeit im Dienste der allgemeinen Bildung, der Ausbreitung
erdkundlichen Wissens und des Interesses an und des Verstndnisses fr
diese Wissenschaft tun. Hier liegt der Keim aller Kinogesundung und
der Hebel, den Kino zu einem Kultur- und Bildungswerkzeug zu machen,
und die Geographen sind die berufenen Mitarbeiter dazu. Es ist keine
Schande fr sie, in diesem Sinne ber den Kreis ihrer engern
Fachinteressen hinaus zu blicken.

Besonders mchte ich hier auch noch auf den Nutzen hinweisen, den
beide Teile davon haben knnten, wenn sich Kinoleute und Missionare in
aller Welt verstndigten. Die letzteren sind naturgem oft groe
Kenner der Erd- und Vlkerkunde ihres Gebiets.




III. Schulerdkunde und Kino


Wer das Bisherige aus dem Interesse des Lehrers und Jugend-Erziehers
heraus gelesen hat, wird die Fragen so weit geklrt gefunden haben,
da wir nunmehr die besondere Frage des Kinos im erdkundlichen
Schulunterricht ohne zu viel Belastung mit Selbstverstndlichem und
Allgemeinem in Angriff nehmen knnen. Es handelt sich wohl vornehmlich
um drei Fragen, erstens: welche besondern Anforderungen sind etwa an
Unterrichtsfilme zu stellen, zweitens: wie bekommt man sie und
drittens: wie gestaltet sich die Vorfhrung und der ganze Unterricht?

_Da_ die Kinematographie im Schulunterricht, und vor allem im
erdkundlichen, eine groe Rolle zu spielen berufen ist, ist schon zu
oft von Fachleuten anerkannt worden, als da wir noch viel Worte
darber machen zu mssen glauben. Etwaige Zweifler hoffe ich besonders
durch die allgemeinen Ausfhrungen im ersten Abschnitt beruhigt zu
haben. Selbstverstndliche Voraussetzung ist die Umrahmung des
Bilderanschauungsunterrichts durch gesteigerte Eigenanschauung
einerseits und durch gedankliche Vorbereitung und Verarbeitung des
Stoffes anderseits. Der naturgeschichtliche Schulunterricht geht ja in
noch engerm Sinne als die Wissenschaft auf _Begriffe_ aus. In der
ganzen Richtung der heutigen Pdagogik liegt es aber, diesen Begriffen
durch erhhte Anschauung die Wage zu halten und sie vor Verkrppelung
zu bewahren. Da hierbei die unmittelbare Naturanschauung bei weitem
das Wichtigste und ihre Ausdehnung das Ntigste ist, ist zweifellos.
_Ich rede einer Ausdehnung des Anschauungsunterrichts durch
Ersatzmittel (also auch durch Kinematographie)_ nur unter der
_Bedingung das Wort, da sie einen Teil einer umfassenden
Gesamtunterrichtsreform bildet, in der Freiluftbildung der
wichtigste Programmpunkt ist_. Ohne das wirkt jede Erweiterung des
Ersatzmittelanschauungsunterrichts unverdaulich, und der Kino im
Schulunterricht geradezu irrefhrend und _ver_bildend.

Unter Wahrung dieser Voraussetzungen aber bildet der erdkundliche Film
das zeitsparendste, echteste und beredteste Mittel zur _Vorbereitung_
eigner Anschauung und zur _Vergleichung_ und richtigen Erfassung des
den Schlern nicht sinnenfllig zu machenden Stoffes. Hierzu kommen
aber nicht nur ausschlielich fachgem und kunstgerecht aufgenommene
und vorgefhrte Filme in Betracht, sondern wiederum nur solche, die
die besondern Wnsche der pdagogischen Fachleute erfllen, und
mglichst von vornherein auch unter ihrer Beratung, Mitwirkung und
Begutachtung hergestellt worden sind.

Die Wnsche der Lehrer werden dabei besonders zweierlei Filme
bevorzugen: solche, die in immer weitern Kreisen vom engsten ausgehend
die _Heimat_ darstellen, und solche, die von diesen und andern
erdkundlichen Gegenstnden das _Typische_ in besonderer Klarheit und
Vollkommenheit hervorheben. Zu den letztern werden auch solche Filme
gehren, die z. B. die Drehung der Erde in _schematischer Weise_
veranschaulichen. Eine allgemeine Forderung, die zum Teil durch die
genannten Eigenschaften erfllt werden wrde, ist die, da der Kino im
Unterricht nicht _zerstreuend_, sondern eben belehrend wirken soll.

Anderseits wird die Zahl und Mannigfaltigkeit der Filme, die im
Schulunterricht bentigt werden, verhltnismig gering sein. Es
handelt sich ja im groen und ganzen in allen Schulen fr alle
Schlergeschlechter um ein und denselben Lehrgang, der in den hhern
Schulen ausfhrlicher, in den niedern einfacher immer wiederkehrt. Es
wrde also wohl mglich sein, eine typische Liste wnschenswerter
Bewegungsaufnahmen fr den erdkundlichen Unterricht in allen Schulen
z. B. Deutschlands aufzustellen. Diese Aufnahmen wren fr engere
Bezirke durch Heimataufnahmen zu ergnzen.

Diese Verhltnisse weisen darauf hin, da Schulfilme als solche eine
Sache fr sich sind, die einer besondern Organisation zu unterwerfen
sind und am ehesten von Kinotheatern und dem blichen Geschftsturnus
unabhngig gehalten werden knnen. Sehr wohl knnte eine
Reichsvereinigung aller Schulkinointeressenten die Herstellung der
bentigten Filme selbst in die Hand nehmen, sie knnte ein gemeinsames
Negativarchiv schaffen, von wo aus die bentigten Positive an die
Einzelstellen geleitet werden knnten. Diese wren wieder nicht die
einzelnen Schulen, sondern landschaftliche und rtliche Schulverbnde,
die sich gemeinsam die ntige geringe Zahl von Positiven anschaffen
wrden. Diese wrden dann in einem geregelten Verleihungskreislauf
jeweils vor alle Schler gebracht werden. Das noch brige, die
kinetographische Einrichtung, mte m. E. jede Schule einzeln
besitzen, da es niemals gedeihen kann, wenn der kinematographische
Unterricht jedesmal mit ganzen Klassenwanderungen durch die Straen zu
der oder jener Projektionsanstalt verbunden sein mte. Damit ginge
zuviel Zeit verloren, und die Ablenkung wre grer als der Gewinn.
Vielmehr knnte das Physikzimmer oder auch der Festsaal in jeder
Schule dazu eingerichtet werden, und die Erdkundestunde wrde dann
immer dorthin verlegt werden.

Neuerdings sind von verschiedenen Firmen Apparate von so geringem
Umfang und einfacher Handhabung (fr Normalfilme) in den Handel
gebracht worden, da mit ihnen auch in jeder Schulklasse Bilder von
etwa 100נ80cm vorgefhrt werden knnen. Die Lichtquelle bildet
eine Glhlampe ohne Lichtgehuse, die an die Hausleitung oder eine
kleine Batterie angeschlossen werden kann. Auch dann wre die
Einrichtung gar nicht so schwierig, wenn, was wegen der besondern
Verhltnisse recht gut mglich, eine andere kleine oder mittlere
(Salon- oder Schul-)vorstellungseinrichtung gewhlt werden knnte. Es
wrde sich ja nur darum handeln, da _ein_ Typ, wenigstens nur die auf
_ein_ Filmformat eingerichteten Typen fr alle Schulen vereinbart
wrden. Die Wahl eines solchen Typs wrde es auch erleichtern, da
besonders die Aufnahmen aus der engern Heimat von Lehrern selbst
hergestellt werden knnten. Wohlhabende und anspruchsvolle Schulen
knnten einen groen Kinoapparat daneben bereithalten, um auch mal
etwas Besonderes zeigen zu knnen.

Alles hier Gesagte ist aber noch Zukunftsmusik, und es bleibt die
Frage zu besprechen, wie sich erdkundliche Bewegungsbilder _zurzeit_
in den Unterricht einfgen lieen.

Dazu gibt es nun zwei Wege: gelegentliche Einzelvorstellungen von
Unternehmern oder Liebhabern in der Schule oder das Mieten oder der
gemeinsame Besuch von Kinotheatern. Die Einzelanschaffung von
Apparaten fr Schulen ist aus Grnden, die ich nebst der ganzen Frage
besonders im Buch vom Kino behandeln werde, und mit der sich
brigens ein weiteres Bndchen dieser Bcherei gesondert
beschftigen wird, zurzeit unmglich, d. h. unwirtschaftlich. Zu
Einzelgastspielen wird die Gelegenheit aber auch selten sein (auch
drften sie sich schwerlich lohnen); und so bleibt zurzeit als
Hauptsache die _Verbindung der Schule mit Kinotheatern_.

Was darber allgemein zu sagen ist, gehrt ebenfalls an einen andern
Ort. Bemerken will ich nur, da u. a. in Hamburg 30000 Schulkinder
mit Genehmigung der betreffenden Behrde unter Leitung des dortigen
Lehrerkinoausschusses vormittags -- zur Schulzeit -- in ein Kino
gefhrt wurden, um dort ein von mir mit groer Mhe und Kosten
geschaffenes erdkundliches Musterprogramm zu sehen. Einige
Vernderungen und Abstreichungen, die man sich zu machen bemigt
fand, boten freilich den Vorwand, meine Autorschaft zu verschweigen
und andere damit zu schmcken. Immerhin zeigt die Gelegenheit, da es
geht. Daneben aber knnen Kinotheater sich die Frderung der Lehrer
und Schulbehrden sowie Vormittagseinnnahmen usw. dadurch sichern, da
sie erdkundliche wie berhaupt naturwissenschaftliche Vorstellungen
unter Wahrung aller hier und in Kino und Kunst geltend gemachten
Gesichtspunkte und unter Ausschlu aller andern Sachen bieten. Da
werden sie dann freilich wieder mit dem Grundbel, der schwierigen
Beschaffung guter und der Hebung mangelhafter Filme, zu kmpfen haben.
Und bestehen bleibt der Einwand, da derartige Dauervorstellungen
gehufter Gegenstnde vom erzieherischen Standpunkt aus immer ein mit
vielen Gebrechen behaftetes Nothilfsmittel bleiben.

Den ernsthaften und ber vollkommene Mittel verfgenden Unterricht der
Zukunft denke ich mir nmlich keineswegs so, da nun die
Erdkundestunden eine Art lustiges Kinotheater werden. Vielmehr wird es
sich darum handeln, in einer Stunde oder auch je mehrern _einen_
Begriff durch reichliche Vorbehandlung allmhlich so weit in den
Kpfen klar werden zu lassen, da er endlich durch die -- ntigenfalls
wiederholte -- Vorfhrung eines _einzelnen_ Bewegungsbildes gleichsam
in hchster Wirklichkeitskraft zusammengefat wird. Ein Kinobild darf
nicht eher erscheinen, als bis alle Schler in ihm nicht mehr das
Stoffliche allein, sondern durch es hindurch gleichsam die
verkrperten Begriffe sehen, um die es sich handelt. So mag zuerst die
Lehre von der Kugelgestalt der Erde in der blichen Weise vorgetragen
werden: Feststellung des falschen _Scheines_, seine Bezweiflung,
Aufzhlung ihm widersprechender Erscheinungen des tglichen Lebens,
Veranschaulichung der wirklichen Verhltnisse durch schematische
Zeichnung, durch Globus usw., Feststellung der Grenverhltnisse
durch Zahlen usw., dann ausfhrliche Besprechung des sich daraus
ergebenden Anblicks etwa von einem senkrecht aufsteigenden Ballon aus,
und dann erst, nachdem alle diese Erscheinungen selber gleichsam
errechnet haben, ihre Besttigung durch das vom Ballon aufgenommene
Kinobild, das das Aufsteigen ferner Kirchturmspitzen, dann des Daches,
der Kirchwnde usw. zeigt. In hnlicher Weise wird ein andermal, auch
nach Lesung klassischer Beschreibungen, ein Stck Wste nebst Oase
usw. vorgefhrt. Nur in dieser Behandlung wrde der Kino im
Erdkundeunterricht nicht zerstreuend und verwirrend, sondern wahrhaft
begriffbefestigend wirken. Die Schlerprogramme, die zurzeit
manchmal ffentlich oder geschlossen gezeigt werden, sind -- abgesehen
von allen Mngeln -- nur hbsche, der Erholung dienende
Veranstaltungen zum Lohn fr saure Wochen --; mit der Kinetographie
als Unterrichtshilfsmittel haben sie so gut wie gar nichts zu tun. Ja
sie haben -- eben infolge der falschen Mastbe, die sie lieferten --
mehr zur Hemmung als zur Frderung ernster Schulkinematographie
beigetragen.

Inzwischen ist in dieser Sammlung ber den Gegenstand die beraus
reichen Stoff bringende Sonderschrift von Prof. _Sellmann_ _Kino und
Schule_ erschienen, auf die ich besonders verweise.




IV. Kinoerdkunde im Theater und in der ffentlichkeit


Wenn ich dem Gegenstand ffentliche erdkundliche Vorstellungen einen
rumlich nicht sehr umfangreichen Abschnitt widme, so liegt das nur
daran, da Wesentliches -- und zwar unentbehrlich Wesentliches --
darber in den vorangegangenen und den folgenden Abschnitten, vor
allem aber in meiner Schrift Kino und Kunst enthalten ist. Besonders
in letzterer habe ich ausfhrlich nachgewiesen und begrndet, weswegen
erdwissenschaftliche Darstellungen die Haupt- und vornehmste Aufgabe
fr den Kino sind; ich habe dort aber auch so eingehend wie mglich
beschrieben, _wie_ derartige Auffhrungen als Gesamtkunstwerk
beschaffen sein mssen, wenn sie Wert haben sollen. Daselbst ist, und
ausfhrlicher in dieser Schrift wiederholt, auch angegeben, wie
schon bei der Aufnahme selber die Rcksicht auf meisterhafte
Vorfhrungswirkung beginnen mu, und welche Anforderungen die Filme
sachlich erfllen mssen. Es ist somit nunmehr jedem Miverstndnis
vorgebeugt, von was fr einer Art von geographischen Vorstellungen ich
mir den Erfolg verspreche, von dem hier die Rede ist. Es kann mir ganz
und gar nicht mehr entgegnet werden, erdkundliche Filme
interessierten das Publikum nicht, da die Filme, an denen solche
Erfahrungen gemacht worden sind, weder selbst noch so, _wie_ und in
welcher Umgebung sie aufgefhrt wurden, eine hheres Interesse hatten.
In dieser Schrift sind wiederum schon mehrmals die starken Fden
aufgewiesen worden, die sowohl die erdkundliche Forschung wie den
erdkundlichen hhern und Schulunterricht mit den Kinotheatern und der
ganzen Organisation des Filmmarktes verbinden. Hiervon soll noch
besonders die Rede sein. Jedenfalls wiesen wir darauf hin, da zur
Erreichung einer anstndigen Hhe der ffentlichen Kinematographie
diese nicht nur emporsteigen, sondern auch erdkundliche und
erzieherische Wissenschaft zu ihr hinabsteigen, besser gesagt, sie
eng zu sich heranziehen mssen. Hinzuzufgen wre, da wieder das
eigens hierzu eingerichtete Kinotheater der eigentliche Mittelpunkt
ffentlicher Vorfhrungen ist und bleibt. _Vereine_ -- z. B.
Volksbildungs-, kaufmnnische Vereine -- werden selten in der Lage
sein, eigne Vorstellungen ohne Mithilfe der Kinotheater und anders als
in deren Rumen zu veranstalten. Das liegt in der Organisation des
Geschfts begrndet, wovon ich das zu wissen Ntige, soweit es nicht
der nchste Abschnitt bringt, im Buch vom Kino mitteilen werde. Aus
demselben Grunde sind die Einrichtungen nach Art der _Urania_ in
Berlin und Wien, des Poloptical Institute in London usw. auf diesem
Gebiete vor den Kinotheatern im Nachteil; _ihnen ganz eigentlich_ und
viel mehr als den Menschentheatern sind die Kinos eine Konkurrenz,
vor der sie sich nur dadurch retten knnen, da sie sich nach
Organisation und Vorfhrungsplan ganz in ihre Reihen stellen, d. h.
selber Kinotheater werden. Das in den zu einer Vorstellung ntigen
Filmen enthaltene Kapital kann -- abgesehen natrlich von der Mithilfe
von Wohlttern oder ffentlichen Mitteln -- nur ein _Ring_ von
regelmigen Abnehmern verzinsen, deren ganzer Betrieb also auch
gleichmig geregelt sein mu.

ffentliche erdkundliche Vorstellungen werden also in der Hauptsache
immer Kinovorstellungen bleiben, und darber freuen sich
ausnahmsweise mal die Kinobesitzer und die ganze Fachwelt ebenso wie
die bsen Kinoreformer. Denn diese wnschen nicht nur sich und ihren
Freunden in erster Linie musterhaft ausgebildete Erdkundeabende um
des Genusses willen, sondern sie versprechen sich auch gerade davon
die unwiderstehliche Verdrngung minderwertiger Kinodarbietungen. Um
so mehr haben wir Ursache, dem Thema Kino und Erdkunde im engern
Sinne peinlich genau nachzugehen, um zu prfen, ob wir uns nicht
Tuschungen hingeben, denen dann frher oder spter die Ernchterung
folgen mu. Warnend steht uns ja das Schicksal all der Panoramen vor
Augen, in denen allwchentlich oder fter wechselnd erdkundliche
Stereoskopbilderreihen gezeigt werden, und die trotz des Reizes und
des Lehrwerts des Dargebotenen meist sozusagen am Hungertuche nagen.
berhaupt bildet ja der Mierfolg so manches gut und bildend oder
lehrreich gemeinten und angefangenen Unternehmens das
Hauptschlagwort aller Gegner einer Veredlung geistiger Volkskost.

Das Kinotheater hat aber vor dem Panorama und hnlichem dreierlei
voraus: erstens eine viel gnstigere wirtschaftliche _Organisation_
berhaupt, die ihm stndigen Wechsel des Dargebotenen ohne Belastung
des einzelnen mit bleibenden Filmanschaffungen ermglicht; zweitens
den unvergleichlich mannigfaltigen _Reiz_ seiner Techniken, der sich
durch kunstgeme Vorfhrung vielfltig steigern lt. Drittens die
stndige Aktualitt, d. h. das -- leicht zu erhaltende --
Tagesinteresse des Vorgefhrten. Dadurch, da die Kinematographie
tglich neu aus aller Welt ihre Bilder holt, kann sie auch das tglich
neue und besonders Fesselnde zeigen. Allerdings wre sie in der Lage,
gerade diese Aktualitt -- den intimen Augenblicksreiz ihrer
Vorfhrungen dadurch noch besonders zu steigern, da sie den
unermelichen Schatz ihrer einmal eingeheimsten erdwissenschaftlichen
Negative beweglicher und anpassungsfhiger als bisher zur Ergnzung
aktueller Programme bereithielte. _Nicht die Einzelaufnahme_ ist in
der Regel aktuell in dem Sinne wie etwa eine Zeitungsnachricht --
_sondern im Programm mu die Aktualitt liegen_. Wirklich aktuelle
Einzelaufnahmen sind gewhnlich berhaupt nicht mglich, da aktuelle
Ereignisse sich nicht so anzukndigen pflegen, da der Kino
rechtzeitig dazu kommt; und der Weg des Films von der Aufnahme durch
die Ateliers und die Vertreterrume in die Kinos ist fr gewhnliche
Flle immer noch zu lang. Seine bedeutende Beschleunigung fr erd- und
vlkerkundliche Aufnahmen -- wozu zum Teil ja auch politische zu
zhlen sind -- wre sehr zu wnschen.

Ein _Programm_ aktuell zu gestalten, dazu reicht aber die Zeit immer
noch aus. Das ist berhaupt viel mehr Sache der geistvollen und
lebendigen Behandlung des Ganzen durch den Leiter, als der zuflligen
Beziehung auf Tagesereignisse. Diese letztere Beziehung sollte --
besonders in erdkundlichen Vorstellungen -- berhaupt nicht die
Hauptsache sein. Wenn auf dem Balkan Krieg ist, so kann die
Kinematographie von dem, was wohl lohnend wre -- Schlachten und all
die Begleitgreuel des Krieges -- in der Regel _nichts_ bringen, weil
es erstens ein zu groes Wagnis fr den Aufnehmenden, zweitens mit zu
groen technischen Schwierigkeiten verbunden wre, namentlich die
Ereignisse nicht vorher zu berechnen wren, drittens es zumeist von
den interessierten Parteien verhindert wrde, und endlich, wenigstens
in diesem Falle -- die Vorfhrung der Aufnahmen wohl gar anstig,
aufhetzend usw. gefunden werden wrde. Das letztere leider ohne da
man sich erfolgreich dagegen wenden knnte, solange nicht der
Gegenstand, sondern die bliche _Art_ der kinematographischen
Behandlung so geschmacklos und dumm ist. In Ermangelung derartiger
Aufnahmen dann irgendein Landschaftsbild aus Serbien oder Albanien zu
geben, ist aber -- abermals in Anbetracht der _Art_ dieser Aufnahmen
-- etwas, was wenig Dank beim Publikum findet. Besserung, d. h.
Erfolgsbrgschaft knnte nur durch eine Reihe von Aufnahmen geboten
werden, die in der in meinen Schriften angegebenen Weise gemacht,
zusammengestellt und vorgefhrt wrden. -- Aber es gibt eine Menge
geographischer Aufnahmen -- und gerade dieser --, die nicht durch
Beziehung auf ein einmaliges Tagesereignis, sondern auf Gedanken,
Bewegungen, Strmungen, Interessen aktuell sind, die auf lngere
Zeitrume die Hirne der Besten beschftigen, und von da auch durch
tausend Kanle der Presse usw. in die groe Masse gelangen. Einer der
wichtigsten dieser Gedanken ist der _vaterlndische_, mit seiner von
ihm unzertrennbaren Kehrseite, dem _internationalen_ Interesse. Wir
mssen uns gegenwrtig halten, da jeder Film ein Vaterland, eine
Menschenheimat und je nachdem ein Stck nationale Landwirtschaft,
Industrie, Verkehrswesen, Kunst usw. vorfhrt. Bei uns leider meist
nur _auslndische_ Heimatbilder, die bei uns Deutschen mehr oder
minder beabsichtigt, uns mehr oder minder bewut fr die Eigenart, die
Erzeugnisse, die Fruchtbarkeit usw. des betreffenden Landes _werben_.
D. h. sie erfllen uns nicht nur (erfreulicherweise!) mit dem Gefhl
warmer menschlicher Teilnahme, die berall leicht erweckt werden kann,
wo wir unbefangenes menschliches Glck, besonders aber tchtige
Leistungen sehen, sondern sie veranlassen uns auch, Erzeugnisse des
Auslandes zu kaufen und zu schtzen, unsere Reisen dahin zu richten,
unter Umstnden ziehen sie auch wertvolle Volksgenossen zu Tausenden
dahin. Ganz bewut im Dienste solcher Zwecke arbeitet bekanntlich z.
B. zurzeit Kanada. Aber nicht minder bewut und unwillkrlich stehen
auch die Filmfirmen Frankreichs, Englands, Amerikas, Italiens,
Norwegens im Dienste ihrer Lnder, geben uns ein anschauliches,
werbendes Bild von ihrer Gre und Macht, ihrem Wohlstand, ihrer
Arbeit; lassen uns an eindrucksvollen politischen Ereignissen wie am
intimen Leben ihres letzten Dorfes teilnehmen. Es ist gar nicht
abzusehen, wieviel infolgedessen diese Lnder im Vergleich zu andern
der Vorstellung breitester Kreise im Auslande nahe gerckt sind, und
in welchem Grade das ihrer Exportindustrie, aber auch ihren mehr
geistigen Interessen gentzt haben mag. Fern liegt es mir, dieser Form
anstndigen Wettbewerbs um unsere Achtung, unsere Freundschaft, unser
Verstndnis und -- unsere Kundschaft irgendwelche Einschrnkung zu
wnschen. Aber wo bleiben _wir_? Bekanntlich werden in Deutschland
auerordentlich wenige Filme hergestellt, am wenigsten erdkundliche
usw. Ausnahmen tauchen freilich auf, aber es wre wertvoll, einmal
festzustellen, wie weit deutsche Landschaften, landwirtschaftliche,
Industrie-, Volkslebenaufnahmen in den Theatern Frankreichs, Englands,
Italiens, Amerikas usw. auch zur _Anschauung_ gebracht werden, und ob
man dort etwa von den deutschen Mittelgebirgen, Strmen und Stdten,
vom Spreewald und vom Schwarzwald, von der deutschen Eisen- und
Maschinenindustrie, unserer Volks- und Arbeitsorganisation usw. usw.
ebensoviel und hufig zu sehen kriegt, wie wir etwa von der
Herstellung der lsardinen in Frankreich, Italien und Afrika und dem
Teebau in China. Fr uns selber htten natrlich diese Aufnahmen nicht
minder Wert wie fr das Ausland; _wir_ sen gleichsam hinter der
Leinwand, und die Fremden davor. Es ist hier hnlich wie mit den
Filmen zeitgeschichtlichen Inhalts, von denen ich in Kino und
Kunst sprach. So wie diese ihren aktuellen Wert, d. h.
Gegenwartswert, gerade dadurch erhalten, da wir sie mit den Augen des
fernen Nachkommen betrachten, der die Kulturgeschichte unserer Zeit
studiert, so liegt das stetige aktuelle Interesse deutscher erd- und
volkskundlicher Aufnahmen darin, da wir uns sagen: Das sehen nun in
diesem selben Augenblick Hunderttausende und vielleicht Millionen
Menschen in der weiten Welt. Hierdurch und so lernen sie Deutschland,
seine Schnheit und Eigenart, seine Arbeit und -- uns kennen. Ist das
der richtige Eindruck, den sie bekommen? Und haben wir Grund, stolz
darauf zu sein, oder wre hier und da etwas zu verschweigen gewesen?
Natrlich soll dieses Sehen mit den Augen des Auslandes uns nur
veranlassen, die eignen besser aufzumachen. Nicht etwa das Bestreben
erzeugen, das Ausland als Muster und nachzuahmende Hhe zu
vergleichen, sondern im Gegenteil die heimische _Eigenart_ immer mehr
zu begreifen, zu lieben und zu frdern. Aber immer nicht in dummem
Partikularismus, sondern mit Weltblick. Die Kinematographie kann ein
gut Stck gesunden _internationalen_ Sinn erziehen, gerade in dem sie
recht anschaulich macht, wo die Kraft und Eigenart des _Vaterlandes_
liegt und -- wo wir sie _nicht_ suchen mssen. -- Wir haben aber auch
genug vaterlndische Gesichtspunkte, die uns jede gute eigne
Heimataufnahme jederzeit aktuell machen. Ich erinnere an
_Heimat_kenntnis, Heimatverstndnis, -schutz und -pflege, an die
besondern Bestrebungen fr Heimat- und Natur_denkmlerschutz_, Sitten-
und Trachtenerhaltung usw., worauf ich schon hinwies. Ich erinnere
ferner an die groen Aufgaben des innern und uern _Kolonial- und
Besiedlungswesens_. Zeigt uns doch Kinoaufnahmen aus unsern deutschen
Kolonien, um uns fr sie zu begeistern, lehrt aber auch den
Westdeutschen, wie es im Osten hergeht usw.; zeigt dem Gebirgler den
Gemsebau des Elblandes und die Kornfelder der Goldenen Aue, zeigt dem
Binnenlndler unsere, aber _unsere_ Handels- und Fischerflotte, zeigt
uns, wie unser Brot, unsere Kleider, unsere Maschinen gemacht werden,
zeigt das Leben der deutschen Volksstmme berall in ihrer Landschaft,
zeigt dem weltabgeschiedenen Drfler das Gewimmel der Grostadt, aber
dem Grostdter auch wieder die Arbeit und die Daseinsbedingungen der
Landwirtschaft! Treibt Volksverstndigung durch den Kino, sowie ihr an
Vlkerverstndigung teilnehmt!

Unzhlig sind -- wie ich ja eingangs allgemein ausgefhrt habe -- die
Gesichtspunkte, unter denen _jedermann_ heute erdkundliche
Vorstellungen aller Art interessant, ja von brennendem Tagesinteresse
sind. Wenn sie nur gut sind und richtig vorgefhrt werden. Auch heute
schon lieen sich wertvolle und dankbare Programme dieser Art fr
Kinotheater zusammenstellen, wenn auch lngst nicht so reichlich wie
dramatische und gemischte. Bedingung wre nur, da das gesamte, also
auch ltere Filmmaterial der Welt dauernd zugnglich bliebe, wovon ich
im folgenden Abschnitt spreche. Bedingung fr den Erfolg wre aber
ferner natrlich die _vllige Lostrennung erdkundlicher
Vorfhrungen von andern_, sowohl dramatischen wie auch sonst
naturwissenschaftlichen usw. Diese Lostrennung ist erforderlich
erstens um der Wirkung der betreffenden Filme usw. selber willen, die
ja eine geschlossene Vorstellung mit einheitlicher Idee bilden mssen,
und deren meist feinere Reize in Umrahmung durch Sensationsdramen,
Possen usw. nicht entfernt zur Vollwirkung kommen wrden. Zweitens ist
sie erforderlich, weil die Besucherkreise _solcher_ Vorstellungen im
allgemeinen vllig andere als die der gemischten und Sensationsprogramme
sind. Die einen wollen dies, die andern jenes nicht sehen.
Erdkundliche Bilder vertragen sich mit Sensationsbildern wie Feuer und
Wasser. Die Kinotheater sollten z. B. -- je nach den Verhltnissen --
alle zwei Wochen oder jede Woche _Montags_ oder _Montags und
Donnerstags_ bekanntgeben:

    Heute: _Naturschauspiele_,
    Kinematographisches Programm ...

oder etwa die Nachmittage diesem Gegenstand widmen oder jeden Monat
eine Woche u. dgl. Die Ankndigung mte ferner enthalten Angabe des
Themas und seiner Gliederung, der einzelnen Bewegungs- und
Lichtbilder, des Vortragenden und des _geistigen Urhebers_,
gegebenenfalls auch der Hauptaufnahmeknstler usw. Jeder sieht ein,
da die geistige Urheberschaft eines solchen Programms -- umfassend
die Zusammenstellung der Filme und Lichtbilder, der Ausarbeitung des
Begleitvortrags und der Erluterungen, der Musik- und Regieangaben
usw. -- dasjenige ist, wovon wesentlich der Wert und also auch die
Werbekraft eines solchen Programms abhngt. Aus hundertmal angegebenen
Grnden kann ja der einzelne Kinobesitzer als solcher sein Programm
nicht frei zusammenstellen, es mu ringmig vorgefhrt werden. Die
Programmschaffung mu also an Mittelstellen geschehen, wozu
Reformkino-Verleihanstalten, aber auch populrwissenschaftliche
Vereine usw. berufen wren, in deren Auftrage natrlich jeweils ein
einzelner oder ein kleiner Ausschu die geistige Arbeit zu leisten
htte. Die Vorfhrung selber wrde aber ebenfalls mindestens die
Mitwirkung eines Fachgebildeten als Vortragenden und Leiter erfordern.
Dieser brauchte nicht jedesmal wissenschaftlicher Geograph, Lehrer
oder dergleichen zu sein; im Gegenteil ist hier ja das _erste_
Erfordernis eine gute klare Vortragsgabe und im besten Sinne
volkstmliche Wirkung; unerllich ist aber auch volles eignes
Verstndnis fr den vorgetragenen Stoff.

Es ist sicher, da erdkundliche Vorstellungen, nach diesen
Gesichtspunkten und in dieser Art gestaltet, groen Erfolg haben
wrden. Auch hier hat reformbeflissenes, aber zu billigen
Zugestndnissen nur zu leicht geneigtes, von keinerlei Sach- und
Fachkenntnis beschwertes, schngeistiges Laientum bereits viel
Schaden getan, indem es erfolglose Versuche veranlate und sich daran
beteiligte, und die Begriffe von dem, was eigentlich anzustreben ist,
verwirrte. Entweder es wird mit diesem verantwortungslosen Laientum im
Kinoreformwesen unerbittlich gerumt, und sach- und fachkundiger Ernst
zieht ein, oder wir mssen alle Hoffnung auf Besserung fr lange
vertagen.




V. Zusammenschlu und Einrichtungen


Ich habe im vorangehenden gezeigt, wie gerade erdkundliche
Kinematographie infolge der Anforderungen, die ihr _Gegenstand_
stellt, aus Grnden der Wirtschaftlichkeit und endlich wegen der
Allgemeinheit und Vielseitigkeit des Interesses, das sie bietet, nicht
ohne ein enges Zusammengehen der verschiedensten Mitarbeiter,
Fachleute und Interessenten gedeihen kann. Die Aufnahme brauchbarer
erdkundlicher Filme kann nicht ohne vorherige Beratung und Planung mit
wissenschaftlichen und teilweise Schulfachleuten, und nicht ohne
wesentliche Mitwirkung der erstern ihre Leitung und Bearbeitung
geschehen. Die wertvollsten Aufnahmen werden von Forschern selber auf
ihren Reisen usw. gemacht werden mssen; wo nicht, werden
deren Gesichtspunkte und gegebenenfalls gleichzeitig die von
Unterrichtsfachleuten fr Gegenstand und Art der Aufnahme magebend
sein mssen. Daneben aber bleibt fr Aufnahme wie Ausarbeitung der
Filme der technische Fachmann unentbehrlich. Aber diese Sachfachleute
sind ebensowenig wie die Einzelinteressenten imstande, die gewnschten
Aufnahmen wirtschaftlich zu ermglichen und auszuntzen. Die
Kostspieligkeit derartiger Filme einerseits, die Kostspieligkeit und
Schwerflligkeit der zu ihrer Vorfhrung ntigen Vorrichtungen
anderseits verweisen auf einen grozgigen geschftlichen Organismus
fr ihre Herstellung, Verteilung und wirtschaftliche Ausntzung.
Dieser geschftliche Organismus ist aber zugleich eine der
Eigenschaften der Kinematographie, auf der ihre gewaltige
Kulturbedeutung im Guten wie im Bsen beruht. Diese ihre
Kulturbedeutung zieht wieder alle diejenigen Schichten und Kreise der
ffentlichkeit unter die engern Interessenten der Kinematographie,
denen gesunde und nahrhafte geistige Kost fr sich und fr ihre minder
urteilsfhigen und anspruchsvollen Volksgenossen Gewissenssache ist.
So wenig sich die Kino- und Geschftsleute auf die Dauer ihren
Ansprchen entziehen knnen, so wenig knnen Kinoreformer selber
irgend etwas unabhngig von jener groen Weltorganisation zu erreichen
hoffen. Die Erdkinetographie aber ist, weil sich in ihr die hchste
Leistungsfhigkeit des Kinos mit den allgemeinen Interessen aller
Kreise deckt, und weil ihre Wesensbedingungen von denen anderer
Kinogebiete verschieden sind, gerade dasjenige Gebiet, auf dem -- wie
eingangs dargestellt -- alle Hoffnungen und alle Arbeitskraft und
-lust der fhrenden Geister am reichsten zusammentreffen. Sollen diese
Hoffnungen und Krfte nicht scheitern, so mssen sie sich zu einem
Sonderzusammenschlu zusammenfinden, der allen Lebensbedingungen
dieses Kinozweiges Rechnung trgt.

Ich mchte meine Auffassung von der dazu ntigen Organisation in den
folgenden _Hauptsatzungsentwurf_ kleiden, den ich der Beratung aller
Sachverstndigen zur Verfgung stelle.


_Hauptsatzungsentwurf fr eine Deutsche Erdkundliche
Kinogenossenschaft_

1. Die _Deutsche Erdkundliche Kinogenossenschaft_ ist eine
eingetragene _G.m.b.H._ aller Krperschaften, Firmen und Personen
in Deutschland, sterreich, der Schweiz und Skandinavien, die an
erdkundlichen Kinoaufnahmen und ihrer sachgemen und geschmackvollen
Ausntzung und Vorfhrung interessiert sind.

2. Die Deutsche Erdkundliche Kinogenossenschaft wird die Grndung
gleichgerichteter Genossenschaften in allen brigen Erdteilen
anstreben, begnstigen und mit ihnen in Arbeitsgemeinschaft (Kartell)
treten, deren Endziel ein Erdkundlicher Kino-Weltbund ist.

3. Zweck der Deutschen Erdkundlichen Kinogenossenschaft ist:

a) vollendete erdkundliche Kinoaufnahmen zu ermglichen, dadurch,
da dem Geist des wissenschaftlichen Fachmanns in Beziehung auf
Gegenstand und Art der Aufnahme die unbedingte Fhrung eingerumt
wird;

b) diese Kinoaufnahmen ihren wissenschaftlichen, Unterrichts-,
Volksbildungs-, Unterhaltungs- und Sammlungszwecken in vollkommener
Weise zuzufhren und sie ihnen alle jederzeit zur Verfgung zu halten;

c) sie durch geeignete geschftliche Organisation wirtschaftlich zu
ermglichen, auszuntzen und die Ertrge in einer dem Verdienst und
Interesse aller Beteiligten entsprechenden Weise zu verteilen;

d) sie zum Ausgangs- und Mittelpunkt aller auf Kinogesundung und
-gesunderhaltung gerichteten Bestrebungen zu machen.

4. Zur Erreichung dieses Zweckes dient ein stndiger Arbeitsausschu,
der zu je einem Drittel aus Vertretern der Wissenschaften, der
Kinofachleute und Geschftsinteressenten und aus Vertretern von
Schulen und gemeinntzigen Volksbildungskrperschaften besteht. Ihre
Wahl geschieht durch geeignete Gesamtverbnde der genannten drei
Interessengruppen.

5. Die Aufgabe dieses Ausschusses ist es:

a) auf Antrag alle erdkundlichen Kinoaufnahmen nebst Begleit- und
Ergnzungsmaterial zu prfen, zu begutachten und sie, falls sie allen
Sachansprchen gengen, zu kennzeichnen und in ein allen Interessenten
zugngliches Verzeichnis einzutragen;

b) alle fr die ffentliche Vorfhrung bestimmten
Gesamtvorstellungen oder den Stoff dazu ebenso zu prfen und die
einwandfreien zu bezeichnen;

c) auf Wunsch geplante derartige Aufnahmen und Vorstellungen vorher
zu begutachten und zu beraten, Mitarbeiter dazu nachzuweisen usw.

d) die Zusammenarbeit der Interessentengruppen zu vermitteln, und in
Streitigkeiten zwischen ihnen zu entscheiden.

6. Fr diese Ttigkeit sind fr jeden geprften Film von der
betreffenden Filmverlagsanstalt nach der Filmlnge zu bemessende
Gebhren zu zahlen, deren Hhe durch die Genossenschaft festgesetzt
wird. Von den Gebhren sind die Honorare fr die Prfungsteilnehmer
und die sonstigen Geschftskosten zu bestreiten. Der berschu dient
zur Bildung eines Vermgens, das ausschlielich fr eigne
Unternehmungen der Genossenschaft im Sinne ihrer Satzungszwecke
verwendet werden darf und im Auflsungsfalle verwandten gemeinntzigen
oder wissenschaftlichen Bestrebungen anheimfllt.

7. Die Mitglieder der Deutschen Erdkundlichen Kinogenossenschaft
verpflichten sich smtlich, von der Deutschen Erdkundlichen
Kinogenossenschaft bezeichnete Filme nicht mit andern zugleich und nur
in dem vom Arbeitsausschu begutachteten Zusammenhange vorzufhren und
als solche zu bezeichnen.

8. Die Deutsche Erdkundliche Kinogenossenschaft gibt ein Verzeichnis
smtlicher von ihr empfohlener erdkundlicher Filme heraus, das
enthlt:

Titel, Ort und Datum der Aufnahme,

die Namen des oder der Aufnehmenden und sonstigen Mitarbeiter und ihre
Ttigkeit,

die Verlagsfirma und den Verbleib des Negativs,

die genaue Beschreibung der einzelnen Szenen nebst Lngenangabe usw.,

genaue Angaben des Begleitmaterials (eventuell Gerusch- und
Musikaufnahmen, ergnzende Lichtbilder, Regieangaben, Vortragstext und
dessen Verfasser),

die einzeln zu erhaltenden Teile.

9. Die Negative und ein Positiv der von der Deutschen Erdkundlichen
Kinogenossenschaft empfohlenen erdkundlichen Aufnahmen sollen in einer
einzurichtenden Mittelstelle geordnet aufbewahrt und verwaltet werden.
Interessenten sollen jederzeit die Positive gezeigt und Abzge auch
nach ltern Negativen sowie abgeschlossenen Teilen davon abgegeben
werden.

10. Von den von der Deutschen Erdkundlichen Kinogenossenschaft
begutachteten erdkundlichen Aufnahmen sollen geschlossene Programme
geschaffen werden, die in den der Deutschen Erdkundlichen
Kinogenossenschaft angeschlossenen Kinotheatern in zu vereinbarender
Weise kreisen werden.

11. Die der Deutschen Erdkundlichen Kinogenossenschaft angeschlossenen
Einzelmitglieder zahlen einen Jahresbeitrag von 1 bis 2M und haben
dafr Vorzugspreise in den betreffenden Kinovorstellungen und
sonstigen Veranstaltungen.

12. Die der Deutschen Erdkundlichen Kinogenossenschaft angeschlossenen
Krperschaften zahlen je nach Bedarf eine jhrlich festzusetzende
Summe zu den Arbeitskosten.

13. Die Deutsche Erdkundliche Kinogenossenschaft wirkt auer durch
ihre Verzeichnisse durch eine eigne Zeitschrift, Zeitungskorrespondenzen
usw. sowie eventuell eigne Veranstaltungen fr die geschaffenen
Filme und Programme und fr die Bestrebungen der erdkundlichen
Kinoreform berhaupt.

14. Der Deutschen Erdkundlichen Kinogenossenschaft angeschlossen und
mit ihr im Austauschverhltnis wirken hnliche Genossenschaften fr
erdkundliche Schul- und dergleichen Liebhaberkinematographie.

15. Zwecks Verwirklichung dieses Planes wird nach vorangegangener
Besprechung in den Fachblttern aller beteiligten Kreise sowie der
ffentlichen Presse eine Zusammenkunft von bevollmchtigten Vertretern
aller Interessenten zur Grndung der Deutschen Erdkundlichen
Kinogenossenschaft an einem Orte innerhalb der unter 1. genannten
Lnder veranstaltet. Die dazu ntigen Vorarbeiten werden durch einen
Geschftsausschu der sich Beteiligenden erledigt.

       *       *       *       *       *

Absichtlich habe ich diesen Entwurf auch in wichtigen Einzelheiten
ganz allgemein gehalten, so da nur der Zweck, die geistigen Leitstze
und die mglichen Grundbedingungen einer solchen Organisation scharf
hervortreten. Schon das Vorliegen eines solchen Entwurfs wird m. E.
die gute Folge haben, unzweideutig zu zeigen, ob und wie weit es allen
Stellen, die fr eine Kinoreform in Betracht kommen und sich zum Teil
stark dafr ins Zeug legen, _Ernst_ ist. Ich betone ganz besonders,
da meiner Meinung nach weder ein anderer Weg vorhanden ist, um
zunchst auf einem Teilgebiete der Kinematographie zum Ziele zu kommen
und damit wenigstens den haltbaren Grund zur umfassenden Kinogesundung
zu legen -- noch diese aus einer (auer in unwesentlichen Punkten) von
der in meinen genannten Schriften niedergelegten abweichenden
Auffassung hervorgehen kann. Es handelt sich da ja in der Hauptsache
kaum um diese oder jene freigestellte Auffassung, sondern einfach um
die Frage: Sachkenntnis und Sacheindringen oder nicht? Es ist kein
Zweifel, da die bisherigen so gut wie vollkommenen Mierfolge der
Kinoreform (gemessen an ihrem irgend ernst zu nehmenden Ziele)
wesentlich auf dem Mangel an Sachkenntnis und berblick, der Neigung
zu verantwortungslosem Nachgeben und oberflchlicher Spielerei
beruhen. Auf keinem Gebiete erfordert die Reform so ernste,
umfangreiche und gewissenhafte _Arbeit_, fhrt dann aber auch so
sicher und grozgig zum Ziele, wie auf dem der Kinematographie, denn
hier gibt es nur _einen_ geschlossen entgegenstehenden Feind, der
entweder gewonnen wird und dann selber das mchtigste Bollwerk
internationaler Kinokultur ist, oder weiter trotzt. Eigenbrdeleien
sind hier von vornherein zum Mierfolg verurteilt. Die erdkundliche
Kinematographie zum Ausgangs- und Mittelpunkte der Kinetographie
berhaupt machen, heit an sich schon ein Stck Kinoreform tun,
nmlich den Kino auf _sein_ Gebiet zurechtrcken. Die erdkundliche
Kinematographie und Kinetographie organisieren, heit nicht nur eine
ffentliche Bildungs- und Unterhaltungsquelle gesund machen, sondern
zugleich der Schule und der Wissenschaft einen wesentlichen Dienst tun
und sie auf ihrem eignen Gebiete um einen groen Schritt frdern.

Zu den Einzelheiten meines Satzungsentwurfs wren Erluterungen zu
geben. Die unten genannten Lnder bilden nicht nur nach der
vorherrschenden Rasse und nach geschichtlichen Gesichtspunkten eine
Art Kulturgemeinschaft, sondern sie haben auch insofern gemeinsame
Kinointeressen, als sie alle zusammen im wesentlichen nur Abnehmer
sind, d. h. ihren Filmsegen zurzeit hauptschlich aus dem Ausland
erhalten. Eine Ausnahme macht etwa nur Dnemark-Norwegen, insofern
dort am Welthandel selbstndig beteiligte Filmfirmen vorhanden sind;
gerade diese Lnder einschlielich Schweden gehren aber um so mehr zu
uns, als sie mit Deutschland zusammen schon lngst am eifrigsten und
tatkrftigsten Kinoreformbestrebungen huldigen. Die gesunde Auffassung
von dem wesentlich erdkundlichen Beruf des Kinos drfte in allen
genannten Lndern mehr wenigstens als in den romanischen allgemein
einleuchten. Dies freilich auch in englischen Kreisen, aber doch
abgeschwcht durch das dortige, wesentlich geringere Interesse an der
uns so sehr beschftigenden Organisation der Bildung und des Schul-
und Unterrichtswesens. Auch Deutschland erzeugt ja Filme, darunter ja
erfreulicherweise mehr und mehr gute erdkundliche, es berwiegen aber
doch wohl dramatische und melodramatische (Tonbilder) von Berliner
Firmen. Sie alle zusammen sind aber von geringer Bedeutung gegen die
Auslandeinfhrung. Aus allen Grnden steht auch diesen Staaten als
wirkungsvolles gemeinsames Notmittel der Ausschlu auslndischer
Filmeinfuhr zu Gebote. Natrlich ist in andern Kulturlndern ein
hnlicher Zusammenschlu gleichfalls zu erwarten, aber unter
wesentlich andern Bedingungen. Mit solchen Genossenschaften mte
natrlich zusammengearbeitet werden (2). Anderseits ist ein
Zusammenschlu ber ein greres Gebiet als etwa nur Deutschland
ntig, da dieses Land als Kundschaft allein nicht eine gengende Macht
ausben wrde, um einen wirkungsvollen Druck auf das auslndische
Kinokapital auszuben. -- Zum stndigen Arbeitsausschu߫ (4) knnte
ntigenfalls noch eine Berufungsstelle treten. Es mu den Firmen
natrlich freigestellt bleiben, ihre erdkundlichen Aufnahmen nach wie
vor nach eigner Verantwortung und eignem Geschmack auszufhren, oder
aber, wenn sie Wert darauf legen, sie dem groen, von der Deutschen
Erdkundlichen Kinogenossenschaft zu schaffenden Turnus einzufgen, sie
prfen und mglichst schon vom Plane an begutachten zu lassen,
und dabei die Wnsche und Gesichtspunkte erdkundlicher und
Volksbildungsberufsleute als magebend zu bercksichtigen. -- Ich
denke mir unter diesen Umstnden den gewhnlichen Gang erdkundlicher
Aufnahmen etwa wie folgt. Die _Anregung_ geht je nachdem von einem
Geographen, einem Forschungsreisenden oder dem Kenner eines
bestimmten, z. B. heimatlichen Gebietes aus, oder von wissenschaftlichen
oder volkswissenschaftlichen Erdkundevereinen, Fremdenverkehrs-,
Heimatschutz-, Denkmalsschutz-, Weltnaturschutz- oder sonstigen
interessierten Vereinen u. a. aus. Auch Schulbehrden knnen es sein
oder auch Industrievereinigungen, landwirtschaftliche Krperschaften,
Firmen; ferner Kolonial- und andere Behrden, die Geschftsleitungen
von Ausstellungen; endlich Private aller Art, und daneben natrlich
nach wie vor Filmfirmen usw. Es wird nun, gewnschtenfalls schon durch
Vermittlung des Deutschen Erdkundlichen Kinogenossenschafts-Ausschusses,
die Planung der ganzen Aufnahme so vorbereitet, da _neben_ den
besondern Wnschen und Interessen der Anregenden mglichst auch den
_allgemeinen_ Wnschen und Interessen, besonders auch denen der
Wissenschaft und der Volksbildung und -unterhaltung (der allgemeinen
ffentlichkeit) Rechnung getragen wird. Dies geschieht, um sowohl
wirtschaftlich wie ideell der oder den Aufnahmen eine mglichst weite
und dauernde Verwendbarkeit zu sichern. Nur durch diese wird
einerseits ein solches Unternehmen wirtschaftlich ermglicht und
ertragreich, und es wird anderseits erreicht, da die immerhin nicht
hufig wiederkehrende Aufnahmegelegenheit mglichst vollkommen
ausgentzt wird. -- Die Aufnahme wrde nun jedesmal irgendwie unter
der Leitung geographischer Fachleute oder doch unter Bercksichtigung
ihrer Angaben und der in dieser Schrift angegebenen Regeln von
Berufenen ausgefhrt werden, als welche sich alsbald besondere
Begabungen finden wrden, denen eine Mischung von wissenschaftlichem,
knstlerischem, Lehr- und technischem Sinne eigen sein mte. -- Die
fertigen Filme wrden nun nebst ausgearbeiteten Angaben der
Filmprfungsabteilung der Deutschen Erdkundlichen Kinogenossenschaft
berwiesen werden, die sie begutachtete, eventuell Anregungen zu ihrer
Verbesserung im einzelnen gbe und die wertvoll befundenen, wie im
Entwurf angedeutet, beurkundete und ihnen ein geschtztes Abzeichen
verliehe. Die Negative wrden -- falls nicht gegenteilige Wnsche der
Beteiligten vorlgen -- der Mittelstelle bergeben, die fr sie und
ihre den Wnschen des oder der Eigentmer entsprechende
Benutzungsweise haftete. Diese Mittelstelle soll -- ganz wie der
Kommissionr im Buchhandel, oder als eine Art Dauermesse -- lediglich
der Erleichterung und Beschleunigung des Austausches zwischen
Filmverlag und Kufer dienen. Es ist daher kaum anzunehmen, da ihre
Ttigkeit in dieser Hinsicht irgendwie mit andern Interessen in Zwist
kme. Sie soll nicht nur die Negative aufbewahren, sondern vor allem
auch je ein Positiv, um dies jederzeit zur Ansicht vorfhren zu
knnen (dies braucht bekanntlich nicht immer auf der Projektionswand
zu geschehen, sondern es gibt auch Apparate fr nur je einen
Betrachter). Diese Einrichtung soll dem gegenwrtigen belstand
abhelfen, da namentlich ltere Aufnahmen, nachdem sie in den
Kinotheatern die bliche Frist abgelaufen haben, so gut wie nicht mehr
zu erlangen, jedenfalls vom Interessenten nicht mehr zu besichtigen
sind. Gerade fr sachgeme erdkundliche Vorfhrungen ist aber
natrlich das Zurckgreifen auf ltere Aufnahmen unbedingt ntig; und
die ganze Organisation, wie wir sie hier im Auge haben, wird auch das
bisherige _Interesse_ der Verlagsfirmen an der Auerdienststellung
ihrer ltern Aufnahmen, namentlich erdkundlicher, beseitigen. Dieses
Interesse beruhte namentlich auf der Befrchtung, da die Mglichkeit
der Kinobesitzer, beliebig auf ltere Aufnahmen zurckgreifen zu
knnen, den Absatz der jeweils neuen Wochenschpfungen unsicher machen
knnte. Das wre aber eine Gefhrdung des oft auerordentlichen
Kapitals, das namentlich in die im Vergleich mit den meisten
erdkundlichen ungleich kostspieligern dramatischen Sachen gesteckt
wird. Durch die vllige Loslsung der erdkundlichen Vorfhrungen von
den dramatischen und ihre verabredungsgeme Beschrnkung auf
bestimmte Tage oder Wochen (1 bis 2 in der Woche, im Monat oder
hnlich) einerseits, durch den grern, auf dem nunmehr
eingeschlagenen Wege erforderlichen Kapitalaufwand und die grere
Rentabilitt erdkundlich-aktueller Filme anderseits wrde jenes
Bedenken hinfllig werden. Aus denselben Grnden wre aber die Abgabe
von _Filmteilen_ ebenso im Verbraucher- wie im Hersteller-Interesse
gelegen. Wenn ein Gesamtfilm beispielsweise Bilder aus Bosnien
heit, so ist er vielleicht aus Teilen zusammengesetzt, deren einer
mehr landschaftlich-geologisches, ein anderer militrisches, ein
dritter volkskundliches, ein vierter zoologisches Interesse hat; es
wre ein unbilliges Verlangen, da nun z. B. ein Zoologe, der ein
Programm mit dem zoologischen Abschnitt wertvoll bereichern knnte,
den ganzen Film Bosnien kaufen mte, noch dazu ohne ihn vorher
sehen zu knnen. Zurzeit ist dies aber meistens so, d. h. die
Filmfirmen verweigern meist die Abgabe lterer Bilder und erst recht
von Teilen lterer Bilder. Der Grund liegt auer in den geschilderten
geschftlichen Bedenken in der Zerstreutheit der Negative in London,
Paris, Florenz, Amerika usw., in der berlastung der Firmen mit der
notwendigen Tagesproduktion, die jeweils alle verfgbaren
Kopiermaschinen, Hnde und Kpfe in Anspruch nimmt, und
in der Unmglichkeit -- weil unlohnend -- einer geordneten
Negativ-Archiv-Fhrung. Besonders das Heraussuchen einzelner
Negativteile, wenn sie nicht von vornherein uerlich sichtbar
bezeichnet sind, wrde ja eine zu groe Zumutung sein. Eine nur diesen
Aufgaben dienende Mittelstelle knnte das aber leicht und schnell
leisten.

Auf dem gedachten Wege wren nun also namentlich Forschungsreisende,
wissenschaftliche Lehrinstitute, Sammlungen, Schulen usw. bereits in
den Besitz derjenigen Aufnahmen gekommen, um die es ihnen zu tun ist;
es wre ihre Privatsache, sich ber die Eigentums- und gegenseitigen
Entschdigungsverhltnisse auseinanderzusetzen, und die Art der
Benutzung bliebe natrlich ganz ihre eigne Sache. In den meisten
Fllen wird aber nun als wirtschaftlicher Neben- oder als Hauptzweck
die berfhrung der Aufnahmen oder eines Teiles von ihnen in den
Turnus ffentlicher Auffhrungen, besonders also der Kinotheater,
erwnscht sein. Diese zu bewirken, bliebe die geschftliche Aufgabe
des Verlegers durch Vermittlung der Deutschen Erdkundlichen
Kinogenossenschaft-Mittelstelle; durch deren Ttigkeit und die ganze
Organisation wrde aber das Ergebnis gleichmiger und sicherer
erreicht und von vornherein -- schon bei der Planung -- in gewissem
Grade schon mit verabredet und in Rechnung gezogen werden knnen. Von
vorher sorgfltig geplanten und fachmnnisch vorbereiteten
Kinoaufnahmen etwa einer Expedition durch Tibet oder einer
Landes-Naturdenkmler-Aufnahme lieen sich von vornherein einige
ffentliche Programme versuchsweise entwerfen, und deren Ertrag liee
sich, eben infolge der eigenartigen Organisation dieses
Geschftszweiges berhaupt, mit einer gewissen Sicherheit bersehen.
Das wrde also die vorherige Kostenberechnung solcher Unternehmungen
erleichtern. -- Bestimmte erdkundliche Theaterprogramme zu schaffen
wre dann aber eine zweite Autorenaufgabe, die wieder von
verschiedenen Interessenten in Angriff genommen werden knnte. -- Fr
die unter 5 a bis d genannten Zwecke wrde der Ausschu
vorteilhaft mehrere stndige Kammern bilden. -- Die Ttigkeit der
Mitglieder des Ausschusses wrde in ehrenamtliche und honorierte
zerfallen. Da jede im Zuge eines geschftlich angelegten Unternehmens
eintretende wirkliche Arbeit und Zeitopferung ihres Lohnes wert ist,
ist ebenso selbstverstndlich, wie da eine unverpflichtete und
verantwortungslose, rein sogenannt gemeinntzige Ttigkeit _auf die
Dauer_ in Verfall gert und stets zweifelhaften Wert besitzt. Auer
Honoraren und Gehltern wrden der Mittelstelle durch Einrichtung und
Mieten fr Geschfts-, Aufbewahrungs-, Vorfhrungsrume usw. Kosten
entstehen, endlich durch die gesamte Werbearbeit, besonders
Zeitschrift und Filmfhrer. Mein Entwurf begngt sich mit dem
Hinweise, da dem eine Menge natrlicher und die Industrie keineswegs
ungebhrlich belastender Einnahmequellen gegenberstehen. -- Zu 7:
Keinem der an die Deutsche Erdkundliche Kinogenossenschaft
Angeschlossenen kann die Verpflichtung auferlegt werden, _nur_ von ihr
begutachtete Aufnahmen herzustellen, zu vertreiben, vorzufhren oder
anzusehen. Das Interesse, dies zu tun, kann nur in dem fr alle
Beteiligten daraus entspringenden tatschlichen Nutzen bestehen.
Anderseits wrde natrlich durch Vermischung der Deutschen
Erdkundlichen Kinogenossenschaftsfilme mit andern aus gengend
gekennzeichneten Grnden der ganze Zweck und Erfolg des Unternehmens
hinfllig. Es mu darauf bestanden werden, da als Deutsche
Erdkundliche Genossenschaftsfilme nur von ihr geprfte und empfohlene
Aufnahmen, aber auch nur in der von ihr angegebenen Weise, und in den
Kinotheatern nur im Zusammenhange der von ihr empfohlenen
Gesamtprogramme vorgefhrt werden. Das letztere aus denselben
technischen Grnden, weswegen auch sonst die Kinotheater nicht
Einzelfilme, sondern nur ganze Programme leihen knnen, soweit sie
nicht selber die Urheber der letztern sind. -- Zu den Interessenten
der Deutschen Erdkundlichen Kinogenossenschaft gehren also auch die
Lichtbilderfirmen, die erdkundliche Lichtbilder zu verleihen oder zu
verkaufen haben. Diese wrden, soweit ntig, den Gesamtprogrammen
beizufgen sein. -- Den sozusagen urschlich -- also geschftlich,
wissenschaftlich oder volksbildnerisch interessierten Kreisen
gegenber wre nun als wichtige von der Deutschen Erdkundlichen
Kinogenossenschaft zu frdernde Aufgabe ein loser Zusammenschlu der
Schauinteressenten, d. h. des erdkundlich interessierten
Kinopublikums herbeizufhren. Die unter 11 genannte Manahme wrde m.
E. dazu gengen und alles Erreichbare umfassen.

       *       *       *       *       *

Ich hoffe mit diesem wenigen den Grundgedanken einer Deutschen
Erdkundlichen Kinogenossenschaft gengend veranschaulicht und seine
Wichtigkeit verstndlich gemacht zu haben. Sollte es mir damit
gelungen sein, auf Grund jahrelanger Arbeit und umfassender, mit
groen Opfern erkaufter Erfahrungen einen Grundstein zu fruchtbarer,
schpferischer, aufbauender Kinogesundungsarbeit gelegt und zugleich
der erdkundlichen Wissenschaft und dem Schulunterricht der Zukunft
neue Mglichkeiten klren geholfen zu haben, so wre diese meine
Arbeit reichlich belohnt.




Anhang

_Ein Blick auf den gegenwrtigen Markt erdkundlicher Filme und
Lichtbilder_


Mit unermdlichem Entgegenkommen hat die Lichtbilderei GmbH. in
M.Gladbach alles Erdenkliche getan, um meinen Wunsch, einen
praktischen berblick ber die zurzeit zugnglichen Quellen
erdkundlichen kinematographischen Stoffes zu gewinnen, zu erfllen.
Dennoch wrden die auf unsere Rundfragen ergangenen Antworten
besonders betreffend der _Film_erzeugung ohne die Benutzung
anderweitig gewonnener Erfahrungen ein sehr lckenhaftes Bild geben.
Der Gesamtberblick bezeugt sowohl betreffend der Lichtbilder wie der
Filme vor allem einen gewissen Mangel an Beweglichkeit in der
Organisation, insofern erstens zumeist nur ganze Serien von
Lichtbildern und Kinoaufnahmen verliehen (von letztern auch verkauft)
werden, zweitens auch dies noch mannigfachen Beschrnkungen und
Schwierigkeiten unterliegt. Die Unmglichkeit, die Sachen vorher _zur
Ansicht_ zu haben oder sonst prfen zu knnen, liegt ja in der Natur
der Sache. Sie liee sich nur -- wie im vorangehenden angedeutet --
durch eine wohlorganisierte stndige _Projektionsbildermesse_
nebst Zentralverleihstelle und in Verbindung mit einem nach
wissenschaftlichen und gemeinntzigen praktischen Gesichtspunkten
durchgearbeiteten illustrierten und beschreibenden _Realkatalog_
beheben. Dazu mte ein beweglicheres _Leihaustauschsystem_ treten.
Eine Hauptursache fr die verhltnismig geringe Rolle, die das
Projektionswesen als ernsthaftes Bildungsmittel noch spielt, liegt
darin, da die Bilder, die man nach den Titeln beschafft, selten
gerade das zeigen, was man zeigen will. Ist dieser belstand auf dem
Lichtbildergebiet schon empfindlich, so wirkt er gegen die Ausbreitung
der Filmbenutzung geradezu entscheidend.

Da nach unserer berzeugung das Kinobild, besonders das erdkundliche,
fast stets vom stehenden untersttzt werden mu, so geben wir zunchst
einen berblick ber die Quellen fr erdkundliche Lichtbilder.
Zunchst Firmen, die geschftsmig an jedermann verkaufen und
verleihen, soweit uns nheres Material vorliegt (alphabetisch):

1. _Evangelischer Verein fr kirchliche Zwecke_, Berlin SW 68,
Oranienstr. 105l. Hat besonders aus Missionsgebieten (Kolonien und
innere Mission) auch einige geographisch interessierende Serien. Alle
Bilder sind koloriert (5M). Mitwirkung von Kunstmalern,
Missionsleuten, Pastoren. Es werden nur Serien verliehen, Texte werden
beigegeben. Verleiht auch Apparate.

2. _Graystone Bird_, Kunstphotograph, 3, Milsom Street, Bath, England.
Pflegt besonders das Gebiet von Landschafts- (See-, Wolken-,
Winterlandschaften usw.) Diapositiven nach _knstlerischen_
Gesichtspunkten. Wetter, Stimmungen usw., ferner britische und
Schweizer intime Aufnahmen.

3. _Bruno Hentschel_, Leipzig, Kunstverlag (Kollektion Hentschel):
Landschaften-, Trachten- und Stdtebilder aus dem _Orient_ (gypten,
Palstina, Syrien, Kleinasien, Konstantinopel, Griechenland). Bilder
auch einzeln (15Pf.), jedoch Mindestgebhr 7.50M. _Versendet zur
Ansicht Papierkopien_ sowie ganze _Serien_.

4. Die _Lichtbilderei_ GmbH., M._Gladbach_, verfgt ber nicht weniger
als 450 Lichtbilderserien, von denen die erste der 13 Untergruppen der
_Erdkunde_ gewidmet ist (Land und Leute -- Deutschland, deutsche
Kolonien, Ausland). Auch die Abteilungen Naturwissenschaft,
Industrie und Technik, Handwerk, Landwirtschaft, Volkswirtschaft
u. a. bieten manchen ergnzenden Stoff. Die Lichtbilderei, die unter
Mitwirkung des Volksvereins-Verlags vor sieben Jahren gegrndet wurde,
verfolgt auf geschftlicher Grundlage den Zweck, die Projektionskunst
durch knstlerischen Geschmack und wissenschaftliche Grndlichkeit in
der Auswahl der Bilder und durch die Beigabe von Vortragstexten, die
sich ber den vielfach blichen oberflchlichen Dilettantismus
erheben, zu einem ernsthaften Mittel fr die mglichst allseitige
tiefgehende und nachhaltige Bildung breitester Volksschichten zu
erheben und so ein vorbildliches Musterinstitut zu werden. Als
Verfasser der geographischen und ethnographischen Vortragstexte wirken
hervorragende Fachleute. Bilder und Texte werden an jedermann
verliehen. Katalog kostenlos. ber ihre Filmverleihzentrale siehe
unten. Verkauft und verleiht auch Apparate und Zubehr.

5. _Ed. Liesegang, Dsseldorf._ Der Katalog verzeichnet eine groe
Auswahl erd- und vlkerkundlicher Serien sowie solche aus den Gebieten
Naturkrfte und Naturwissenschaft. Besonders zahlreich (mit Betonung
von Architektur und Kunst) die Serien Italien, Palstina und
Deutschland. Eine groe Menge in Woodburydruck (eine Art getntes
Gelatinerelief, das viel transparenter als die aus undurchsichtigem
Metallniederschlag bestehenden Silberkopien sein soll). Meist nur
Serienverleihung. Verkauft auch Apparate usw.

6. Die _Neue Photographische Gesellschaft, Steglitz-Berlin_, verleiht
nicht, sondern verkauft. Die umfassende Sammlung geographischer
Lichtbilder (Album mit 110 verkleinerten Bildertafeln je 15 Bilder
Mk.20 auch leihweise) ist von Prof. Dr. Deckert an der Akademie fr
Sozial- und Handelswissenschaften in Frankfurt a. M., die betreffs
Geologie des Norddeutschen Flachlandes von Prof. Dr. Wahnschaffe,
Berlin, zusammengestellt. Auerdem zahlreiche aus andern
Naturwissenschaften. Die Diapositive sind teils im Kontaktverfahren,
teils im nassen Verfahren hergestellt. (Katalog Das photographische
Anschauungsmittel 2M.)

7. _Richard Rsch, Dresden-A._ Viele Serien erdkundlicher Bilder.
Verleiht auch einzeln (10Pf. fr Bild und Woche).

8. _E. A. Seemanns Lichtbildanstalt, Leipzig._ Serien China und
Marokko; ferner (hauptschlich in knstlerischer Hinsicht) Regensburg
und Nrnberg. Zum Teil farbig (Dreifarbenaufnahmen und Lumire).
Durch bestimmte Herstellungsmethoden wird die Schicht und das Glas
des Diapositivs vor den Gefahren groer Hitze bewahrt, wodurch auch
bei hoher Lichtstrke ein besonderer Schutz (Wasserkammer) entbehrlich
wird. (Farbenproben, die ich gesehen habe, waren _sehr_ schn; und
das Feuerschutzverfahren wre ja fr Mitbenutzung im Kino sehr
wertvoll!) Projektionseinrichtungen.

9. _Unger & Hoffmann_, A.-G., _Dresden-A._ Sehr groes Lager
geographischer und naturwissenschaftlicher Bilder. Serienverleihung.
Ansichtssendungen, auch _Papierabzge_ zur Auswahl. Fhren auch
Apparate usw.

10. _Emil Weises Buchhandlung, Dresden-A._ Farbig: Palstina, Orient,
Sachsen, Indien, Rhein, Deutsche Kolonien (Mission). Serien mit Text.

11. _York & Son_, 67, Lancaster Road, Notting Hill, London W.
Katalog mit groer Auswahl, 1 Schilling. Nur Verkauf. Sehr viel
geographische Serien.

Zu diesen Firmen (weiteres Material fr sptere Auflagen usw.
erwnscht!) treten nun einige Vereine und Institute, die ihre Bilder
nur an Mitglieder oder unter Beschrnkungen verleihen.

12. _Gesellschaft fr Verbreitung von Volksbildung_, Berlin NW 52,
Lneburger Str. 51 (an 8000 angeschlossene Vereine!). Dieser
gemeinntzige Verein verleiht nur an Mitglieder (Schulen und andere
Bildungsinstitute) usw. Falls Vortragstexte mitgeliefert werden, nur
mit diesen. (Diese Maregel wird mit dem im Titel bezeichneten Zweck
begrndet.) Einzelne Bilder (auer Tierwelt) werden nicht verliehen,
wohl aber verkauft. Die Texte stammen aus der Feder von Fachleuten.
254 Serien, von welchen die berwiegende Zahl erdkundlichen und
naturwissenschaftlichen Inhalts sind. Betreffs Kinematographie siehe
unten. Stellt auch Apparate und Vorfhrer usw.

13. _Sddeutsche Lichtbilderzentrale, Mnchen._ Ist eine Einrichtung
der Hauptstelle sddeutscher katholischer Arbeitervereine. Verleihen
und verkaufen auch Apparate. (Nheres siehe unter Kinematographie.)

14. _Verein Naturschutzpark, Sitz Stuttgart_, Pfizerstr. 5. Verleiht
kostenlos nur zur Agitation fr die Schaffung und Frderung von
Naturschutzparken. Bilder und Texte.

15. _Stiftung fr Heimatschutz_, Verwaltungssitz Meiningen. Besitzt
eine groe Lichtbildersammlung betreffend Heimatschutz.

16. Die _Gesellschaft fr wirtschaftliche Ausbildung_ (Frankfurt a.
M.), 17. _Groh. Techn. Hochschule Darmstadt_ (Prof. Dr. Greim)
verleihen nicht. 18. Die _Oberschulbehrde Lbeck_ besitzt zahlreiche
erdkundliche Lichtbilder in den hhern und mittlern Schulen.

Ganz anders als bei den Lichtbildern liegt die Sache auf dem Gebiete
der _erdkundlichen Kinematographie_. Whrend ein einmal hergestelltes
gutes Lichtbild und Negativ ein Schatz frs Leben ist, ist in der
Kinematographie alles in bestndigem Flu. Die teuren erdkundlichen
Aufnahmen, die oft mit groen Reisekosten usw. hergestellt worden
sind, verlieren ein Vierteljahr nach dem Erscheinen der ersten
Positive jede Aktualitt, d. h. sie sind in den Augen der
Kinobesitzer und Filmverleihanstalten Ladenhter. Und nach wenigen
Jahren ist es unwahrscheinlich, da auch nur das Negativ davon noch
vorhanden ist. Das hat zwei Hauptursachen: erstens die groe
Inanspruchnahme auch der Negative durch das Kopieren, wodurch sie nach
einer verhltnismig geringen Zahl von Abzgen ebenso verregnen
(und dies dann natrlich auf weitere Abzge bertragen wrden) wie
vielgebrauchte Positive. Zweitens aber ist ein Zurckgreifen auf
ltere Aufnahmen, wie mehrmals bemerkt, im Kinogeschftsorganismus
weder vorgesehen und bequem durchfhrbar noch gewnscht. Wer
erdkundliche Kinofilme unter gegenwrtigen Umstnden benutzen will,
hat dazu also im Grunde nur _einen_ Weg: er lasse sich die Prospekte
ber die wchentlichen Neuerscheinungen regelmig zusenden, fahre,
wenn etwas ihn interessiert, zum angegebenen Zeitpunkt nach Berlin,
lasse es sich dort zeigen und kaufe es gegebenenfalls, um es dann so
lange liegen zu lassen, bis der Zeitpunkt des Gebrauches kommt.
Selbst in den Fabriken gibt es begreiflicherweise keine Positive, es
sei denn, da einmal zufllig eins liegen geblieben ist -- welches
Kapital wrde sonst in solchem bloen Vorfhrungsmaterial tot liegen!
Erst eine Organisation, wie ich sie beschrieben habe, kann bei
geregeltem Filmkauf durch Reforminteressenten da Wandel bringen.
Vollkommen verfehlt ist natrlich auch der Glaube, dem man in
dilettantischen Reformkreisen so oft begegnet, da Kinotheater und
Filmverleihanstalten -- von vereinzelten zuflligen Ausnahmen
abgesehen -- gute Einzelbilder fr gute Worte oder Geld abgeben
knnten. Wenn eine Verleihanstalt oder ein Kinotheater selbst
erdkundliche Filme kauft, so werden diese natrlich sofort einem der
blichen Gesamt-Programme eingefgt und machen mit diesem die Runde
durch die darauf abonnierten Kinotheater. Da sie whrend dieser Zeit
nicht willkrlich herausgenommen werden knnen, leuchtet ein, und
ebenso, da sie, wenn sie frei werden, eben ausrangiert
sind, d. h. in einem Zustande, in dem sie nur eben noch fr --
Kinoreformvorstellungen gut sind (?). -- Der Ankauf einzelner Filme
ist aber ebenfalls eine praktisch fr den einzelnen kaum durchfhrbare
Sache. Wer unsere Vortrags- und Vereinsverhltnisse kennt, wei, da
es kaum durchfhrbar ist, ein eventuell in die Tausende gehendes
Kapital in ein einzelnes Programm zu stecken, zumal die Vorfhrung
dann noch jedesmal bedeutende besondere Kosten verursacht. Da sind als
fr Vereine, Schulen, einzelne Redner usw. einstweilen rettender
Ausweg die _Kinoreformverleihinstitute_ willkommen. Das sind
Verleihanstalten, die ausschlielich Kinoreformbedrfnissen dienen
wollen. Da diese Bedrfnisse aber wenigstens einstweilen noch
geschftlich kaum ins Gewicht fallen, auch die ganze Einrichtung immer
noch einen nur vorlufigen Ausweg darstellt, so liegt diese Art von
Filmverleih zurzeit fast ausschlielich in den Hnden gemeinntzig
arbeitender Volksbildungsvereine. Von diesen sind mir drei bekannt
geworden.

1. Die _Gesellschaft zur Verbreitung von Volksbildung_, Berlin NW 52
(siehe oben), hat neben ihrem Lichtbilderdienst auch eine Verleihung
von kinematographischen Apparaten und Filmen eingerichtet. Auerhalb
Berlins und der Vororte werden die Apparate in der Regel nur behufs
Vorfhrung durch einen eignen Monteur der Gesellschaft verliehen. Die
Verleihung erfolgt nur an Mitglieder der Gesellschaft (Schulen,
Behrden, Vereine, Reformkinos usw.). Das Verzeichnis weist 31 eigne,
daher sofort verleihbare Filme auf, freilich nur wenig erdkundliche.
Es ist jedoch eine bedeutende Summe fr den Ausbau dieses Unternehmens
eingestellt worden. Es werden nur je etwa 1000, gewhnlich 2000m
zusammen verliehen. Auerdem vermittelt die Gesellschaft aber auch
das Leihen von andern Filmen. (Ich mchte hier die Bemerkung einfgen,
da juristisch nach Hellwig nicht von einem Leihen, sondern
Pachten der Filme gesprochen werden mu.) Ich wrde auerdem
Programme, die allein 1000 oder gar 2000m Filme umfassen, fr viel
zu lang halten. Ich gehe dabei von der meines Erachtens aber schon
allgemein anerkannten Auffassung aus, da 1. Filme nur in Verbindung
mit Lichtbildern und Vortrag vorfhrbar sind (so zeigen es auch die
neuen Programmbeispiele der Gesellschaft zur Verbreitung von
Volksbildung), 2. der Vortrag nicht whrend der Filmvorfhrung,
sondern nur dazwischen stattfinden darf. Auf diese Weise dauert mit
den unentbehrlichen Pausen ein Programm mit etwa 800m schon reichlich
2 Stunden. Auerdem stellt die Gesellschaft ihren Mitgliedern ein
_Wanderkino_ zur Verfgung, das Apparate, Filme und Lichtbilder
(ganze Programme), zwei Vorfhrungen tglich (eine mit Lichtbildern)
und Erluterungen umfat. Fr die Filme werden Aufnahmen mit
Farbenphotographie bevorzugt (darunter sind wohl kolorierte Filme zu
verstehen). -- In hnlicher Weise versorgt

2. _die Sddeutsche Lichtbilderzentrale Mnchen_ (siehe oben)
die ihr angeschlossenen Vereine mit fertig zusammengestellten
Volksbildungsabenden, die Lichtbilder, Filme, Vortrag, Gedichte,
Lieder u. a. umfassen (Wanderkino). Die mir mitgeteilten Programme
machen einen sehr ansprechenden und geschmackvollen Eindruck.

3. Bei weitem die meisten Filme dieser Art (schtzungsweise 500, nebst
101 fertigen Programmen), darunter eine groe Menge erdkundliche und
andere naturwissenschaftliche, hlt die _Lichtbilderei_ GmbH.,
M._Gladbach_ (siehe oben), bereit, und ihr Verleihsystem ist wohl auch
das beweglichste, das sich daher den Bedrfnissen von Schulen,
Bildungsvereinen, Reformkinos usw. am meisten anpassen lt. (Kataloge
Belehrende Filme fr Schule und Volk -- Belehrende Programme fr
Volk und Schule.) Da die Lichtbilderei auch eine Verleihanstalt fr
Kinos selbst hat (die natrlich nur, wenn auch mit Zugestndnissen an
manche Vorurteile des Kinobesitzerdurchschnitts, sittlich einwandfreie
und geschmacklich diskutable Programme liefert), so ist sie in der
Lage, der Reformsache bedeutende Opfer zu bringen. Wer also fr
einzelne Vortrge und Veranstaltungen einigermaen frei whlen will
(im allgemeinen knnen natrlich auch hier nicht Filmteile, sondern
nur ganze Filme abgegeben werden), der findet hier am ehesten, und
zwar zu sehr billigen Bedingungen, was er braucht.

Die Lichtbilderei ist aber auch im Begriffe, die weitern in dieser
Schrift geforderten Verbesserungen zu organisieren, indem sie
aktuelle, vollstndig ausgearbeitete Reformprogramme -- freilich nicht
nur erdkundliche, sondern von jedem rechtmigen Gebiete der
Kinematographie -- gebrauchsfertig mit allem Zubehr (Filme,
Lichtbilder, Texte, Musik, ausfhrliche Vorfhrungsanweisungen usw.)
_unmittelbar fr den geschftlichen Turnus in Kinotheatern
bereitstellt_. Die Ausarbeitung dieser Programme liegt in meiner Hand
(_Reformprogramme Hfker_). Damit ist der wesentliche Schritt zur
Verpflanzung wirklicher Kinoreform in die Kinotheater getan, _wohin
sie gehrt_ -- denn alle Versuche auerhalb dieser Theater sind,
abgesehen von der Unterrichtskinematographie, ja doch nur Anregungen
und Versuche, die stets zu einer gewissen Unvollkommenheit verurteilt,
mindestens auf die Dauer ohne groe Opfer nicht durchfhrbar sind.

Bestrebungen, den Kinotheatern und namentlich den Schulen ganze
Programme und einzelne Filme zugnglich zu machen, werden auch vom
Rektor _Lemke_, Storckow (Mark) nicht ohne Sachkenntnis und
praktischen Blick vertreten. Es wrde mich zu weit ber den Gegenstand
dieser Schrift hinausfhren, diese Bewegung eingehend zu besprechen;
dies geschieht an anderer Stelle. Vorlufig ist auch hier sowohl dem
Rektor _Lemke_ wie der Firma _Path Frres_ gegenber (mit der er in
engem Zusammenhange steht) _Vorsicht_ anzuraten, da die
kinoreformerischen Zugestndnisse von dieser Seite mit viel Phrasen,
abzulehnenden Geschftsinteressen und -- besonders von Path Frres --
mit dem Bestreben verbunden sind, andere, ernster zu nehmende und
grndlichere Kinoreformarbeit zu hintertreiben. So willkommen und
erfreulich selbstverstndlich gerade die Zugestndnisse
leistungsfhiger Firmen an die Sache der Kinoreform sind, so unbedingt
ist doch dem Laien zur berlegung zu empfehlen, was mir krzlich
eine besonders der Frderung der wissenschaftlichen und
Schulkinematographie dienende, ernstzunehmende Zeitschrift
schrieb: Es macht so den Anschein, als ob sich unter dem Titel
wissenschaftlicher Film manches verbergen wrde, was, unter der Lupe
besehen, sich als etwas ganz anderes entpuppt. Leider ist es nun mal
so, da groe Firmen nur einen redegewandten Reiseschriftsteller oder
Reisevertreter zu harmlosen Schulmnnern zu schicken brauchen, um
alsbald mit einem an schnen Phrasen berreichen Empfehlungsschreiben
dieser Herren tchtig Reklame zu machen. Solche Flle lassen sich
mehrere aufzhlen. Das kann ich nur Wort fr Wort besttigen und fge
hinzu, da verantwortungsloser und launischer Kinoreformdilettantismus
der Sache mehr geschadet hat als die gesamte Schundproduktion gewisser
Firmen.

Firmen, die erdkundliche Filme im weitern Sinne des Wortes regelmig
in die Welt senden, sind u. a. _Urban_ (London), _Eclipse_ (Paris),
_Cines_ (Rom), _Raleigh & Robert_ (Paris), _Edison_ (Amerika), _Path
Frres_ (Paris), _Eclair_ (Paris), _Gaumont_ (Paris), _Neue
Photographische Gesellschaft_ (Berlin), _Meters Projektion_ (Berlin),
_Expre-Films_ (Freiburg i. B.). Alle diese Firmen haben (auer
Expre?) ihre deutschen Vertretungen und Filialen in Berlin, zum Teil
auch in andern deutschen Stdten. Die meisten bringen etwa als ein
Achtel ihrer Wochenproduktion aktuelle (d. h. nicht gestellte)
Filme, darunter naturgem viele geographische. Besondere (englische
und franzsische) Kataloge darber -- die aber nicht dauernd
mageblich sind -- bringen u. a. die Firmen _Urban_, _Eclipse_,
_Radios_ gemeinsam heraus. Einen deutschen Auszug daraus erhlt man
von der Firma Eclipse (Berlin). Von den andern lasse man sich die
regelmigen Prospekte schicken. Besondere Mitteilungen machten mir
die folgenden Firmen:

1. _Expre-Films-Co._, GmbH., _Freiburg i. B._ Redaktion und Verlag
Der Tag im Film, erste und lteste internationale _tgliche_
kinematographische Berichterstattung. -- Diese Firma fertigt _nur_
Naturaufnahmen und Aktualitten (wissenschaftliche Filme, Militr,
Industrie, Sportbilder usw.) und hat besondere Expeditionen dazu teils
ausgerstet, teils ausgesandt. Abzge von allen bisher erschienenen
erdkundlichen Filmen werden an Hndler (nur? -- warum?) unverbindlich
fr 80Pf. fr das Meter verkauft. Begleittexte usw. und Material dazu
werden stets an Ort und Stelle gesammelt. Intelligente geeignete Leute
werden in Kursen zu Aufnahmeoperateuren ausgebildet. Besonders
wertvoll sind natrlich die Expeditionsbilder, von denen die Firma
folgende Liste aufstellt:

     _Expeditionsbilder_

     Eine Reise quer durch Afrika.

     Eine Reise durch Indien.

     Eine Reise in die arktischen Regionen.

     Die deutsche arktische Zeppelin-Luftschiff-Studienreise
     1910 nach Spitzbergen unter Leitung Sr. Kgl. Hoheit
     Prinz Heinrich von Preuen und Sr. Exzellenz Graf v.
     Zeppelin.

     Die Besteigung des Himalaja durch Se. Kgl. Hoheit den
     Herzog der Abruzzen, Welthhenrekord 7493m.

     Die Molukken-Expedition der Herren Dr. Deninger und Dr.
     Tauern.

     Die Expedition des Herrn Dr. Koch (Grnberg) nach dem
     Quellgebiet des Amazonenstromes.

     Die schweizerische Grnland-Expedition des Herrn Dr. A.
     de Quervain.

     Die deutsche Hilfsexpedition Lerner nach Spitzbergen
     zur Auffindung der Schrder-Strantz-Expedition.

     Die offizielle Reise Sr. Kgl. Hoheit des Kronprinzen
     von Griechenland in die eroberten Gebiete.

     Mit der Kamera in der Schlachtfront, Aufnahmen vom
     griechisch-bulgarischen Krieg, welche unsere Reporter
     auf Befehl Sr. Majestt des Knigs von Griechenland
     aufgenommen haben usw. usw.

Auch sonst weisen die Listen eine Flle geographischer Aufnahmen auf.
Es ist hier wie berall zu bercksichtigen, da die internationalen
Firmen auch Aufnahmen untereinander austauschen oder sie gegenseitig
fr bestimmte Lnder unter ihre geschftlichen Fittiche nehmen.

Besonders interessant ist die Bemerkung der Firma: _In Deutschland
ist fr belehrende Filme groer Rckschritt zu verzeichnen, in England
und Amerika groer Fortschritt._

Diese -- auch sonst besttigte -- Bemerkung berrascht mich durchaus
nicht. Die Ursachen sind zum Teil aus dieser meiner Schrift zu
ersehen. Wir Deutschen unterscheiden uns von andern Vlkern dadurch,
da wir, besonders wo Wissenschaft und Bildung in Betracht kommen,
entweder grndlich mittun wollen oder gar nicht. Wenig Vlker stehen
auf solcher Hhe wissenschaftlicher, keines auf solcher Hhe
pdagogischer und volkserzieherischer Gewissenhaftigkeit wie das
deutsche; niemand kann sich nach Feinheit und Durchgeistigung der
Lehrmethoden, niemand nach dem Stande _allgemeiner_ bewuter
sthetischer Volkskultur mit uns messen. Das fhrt gewi einerseits
auch gerade in Deutschland zu unliebsamen Erscheinungen: Pedanterie,
Trockenheit, Schulmeisterei, beflissene Vielgeschftigkeit,
bersehen des Wesentlichen und Hngenbleiben in Kleinigkeitskrmerei,
weltfremder Idealismus. Gewi, solche Nebenerscheinungen auch in der
Kinoreform selbst haben viel dazu beigetragen, die Jugend und das Volk
von Reformprogrammen eher abzuschrecken. Das Beiwort belehrend
mute durch solchen Zusammenhang einen unangenehmen Beigeschmack
bekommen. Ebenso wie mit Worten wie Bildung und Gebildete bei uns
viel Mibrauch getrieben wird. (Es ist bezeichnend, da andere
Sprachen berhaupt keine Bezeichnung fr diesen Begriff haben.) So
kommt es wohl, da die Massen anderswo -- zumal wo, wie in Frankreich,
England, Amerika, ein frischerer internationaler Wind, mehr Odem vom
Weltmeer, weht als leider immer noch bei uns, geographische,
ethnographische usw. Bilder leichter und lieber aufgenommen werden.
Man nimmt sie eben hin, wie sie sind, empfindet sie gar nicht als
besonders belehrend, denkt sich nicht viel dabei und macht noch
weniger Ansprche. Wenn uns Deutschen das Spielzeug gefallen soll, so
mu es solider und namentlich feiner ausgefhrt sein. Das Bessere --
wovon wir infolge unserer verhltnismig hohen allgemeinen
Volksbildung doch mindestens ein Gefhl in uns tragen -- ist hier der
Feind auch des Guten. Das bloe Gaffen befriedigt uns nicht, wir
wollen auch fr den Geist was haben. In Deutschland wird die
erdkundliche Geographie nicht eher durchdringen, als bis sie in dem
Geiste, dem ich in dieser und meiner vorigen Schrift Ausdruck gegeben
habe, durchgefhrt ist. Filme allein, und wenn sie noch so gut sind,
sind nur -- Rohstoff.

2. =Socit des Etablissements _Gaumont_=, _Paris, Deutsche
Gaumont-Gesellschaft m.b.H., Berlin_. Bringt jede Woche ein bis zwei
erdkundliche Filme heraus. ltere Aufnahmen knnen nur nach Katalog
hergestellt werden. _Teile_ von Negativen werden nicht kopiert.
Erdkundliche Aufnahmen wurden unter Mitwirkung von Gelehrten, Lehrern
und Forschungsreisenden, solche fr Schulzwecke unter Aufsicht eines
Pdagogen gemacht. Der sprechende Film Gaumont ist meines Wissens
nur eine neue Synchronvorrichtung, die fr erdkundliche Aufnahmen
nicht in Betracht kommt; doch wurde u. a. ein krhender Hahn damit
gezeigt. Die Firma rhmt sich auch, _eine komplette Lsung der
Naturfarbenkinematographie_ gefunden zu haben. Die Erfindung, die
Kinemacolor bertreffen soll, wird von der Presse sehr gelobt. Von
Gaumont wurden u. a. die Sdpolaufnahmen der Expeditionen Shackleton
und Scott gemacht. Wir hoffen, da die Schulen endlich einsehen
werden, welche materiellen Opfer die groen Filmfabriken im Interesse
der Schulkinematographie bringen. Es liegt im Interesse dieser
Filmfabriken, da sie der Organisation einer Filmmesse usw., wie ich
sie vorgeschlagen habe, ebenso wie andern Bestrebungen zur
_Verwirklichung_ von Reformbestrebungen nicht wie bisher
Gleichgltigkeit entgegenbringen oder gar Schwierigkeiten machen. Nur
wenn Naturfilme in einem Zustande, der allen Ansprchen entspricht, in
den Verkehr kommen, wird ihre Herstellung fr die Fabriken nicht mehr
ein _Opfer_ sein.

3. Die Firma _Meters Projektion_ GmbH., _Berlin_ S 61, erzeugt etwa
20 v. H. erdkundliche Aufnahmen, darunter solche von Prof. C. H.
Schillings (Berlin), Prof. Dr. Neuhaus, Prof. Dr. Bockenheimer, Sr.
Hoheit Herzog Adolf Friedrich von Mecklenburg, Marinemaler Rave
(Schrder-Strantz-Expedition). Hat auch Aufnahmen eigens fr
Schulzwecke gemacht. Auf Begleittexte, Material dazu usw. hat die
Firma keinen Wert gelegt. Baut auch besondere Apparate fr Schule und
Liebhaberzwecke, fr Expeditionen (leichtes Gewicht usw.); u. a.
einen Apparat, mittels dessen auf einen Film oder Reihen Bilder
nebeneinander genommen werden knnen. Wir halten die Bestrebung,
naturwissenschaftliche Filme zu machen, durch den Mangel an Kufern
fr solche Bilder fr nicht rentabel.

4. Die _Neue Photographische Gesellschaft_ A.-G., _Berlin-Steglitz_,
deutsche Vertretung fr wissenschaftliche Filme: _Gesellschaft fr
wissenschaftliche Filme und Diapositive_ GmbH., _Berlin, Wilhelmstr.
1a_, bringt auer andern naturwissenschaftlichen Filmen auch
erdkundliche (allgemeine und astronomische Geographie, Aufnahmen von
Meeresstrmen in der biologischen Anstalt in Helgoland unter Leitung
von Prof. Dr. Berndt, aus der Folge Aus dem Leben des Meeres).
Unter den Aufnehmenden Herr G. N. Mendel, der sich viel mit
naturwissenschaftlichen Studien beschftigt hat. Wir halten es fr
angebracht, da die Schule sich mit den Kinobesitzern in Verbindung
setzt derart, da die Kinobesitzer wchentlich oder zweimal
wchentlich wissenschaftliche Kinovorstellungen unter Leitung der
Schule zu billigern Preisen abgeben.

Aus sonst eingelaufenen Antworten auf unsere Fragebogen ist --
abgesehen von Verneinungen smtlicher Fragen und Antwortablehnungen --
hervorzuheben: eine Klasse fr sich sind Institute wie die
_Urania_ sowie die _Treptower Sternwarte_ in Berlin, die auch die
Kinematographie in den Dienst ihrer volksbildenden Ttigkeit gestellt
haben. Die Treptower Sternwarte (Dir. Archenhold) berichtet,
trotzdem die Programme nur belehrend sind, da die Vortrge,
namentlich auch die Sondervorstellungen vor Vereinen, groen Beifall
finden.

Prof. Dr. _Karl Sapper_ vom _Geographischen Seminar_ der Universitt
Straburg i. E. schreibt: Kinematographische Vorfhrungen haben wir
hier noch nicht gemacht, weil die Mglichkeit fehlt; ich wrde sie
aber in der Vlkerkunde, Wirtschafts- und Verkehrsgeographie, auch
physischen Erdkunde fr sehr instruktiv halten (bei geeigneter
Auswahl).

In _Altenburg_ (Sachsen-Altenburg) ist die Schulbehrde dabei, eine
Sammlung erdkundlicher Filme zu beschaffen.

Die _Industrielle Gesellschaft Mlhausen i. E._ hat mit
zufriedenstellendem Erfolge erdkundliche Filme fr wissenschaftliche
und populre Vortrge benutzt, nur ist es noch schwierig, geeignete
Filme leihweise zu erhalten.

Das _Institut fr Zuckerindustrie_ der Landwirtschaftlichen
Hochschule, _Berlin_ N 65, hat einen Film ber Zuckerrbenkultur
in Arbeit und besitzt Filme ber Ahornzuckerfabrikation,
Zuckerrohrfabrikation, Champagnerfabrikation. Die Haltbarkeit der
Filme ist gut. Die Aufbewahrung findet im khlen, feuchten Raum statt.
Verliehen werden Filme und Diapositive nicht.

Manchen weitern Beitrag zum Thema sowie Nachweise usw. enthlt
_Sellmann_, Kino und Schule (Lichtbhnen-Bibliothek Nr. 6);
pdagogisch besser als kinematologisch ist _Knospe_, Der
Kinematograph im Dienste der Schule, unter besonderer Bercksichtigung
des erdkundlichen Unterrichts. Manchen guten Gedanken neben manchem
oberflchlichem enthalten die Schriften von _Lemke_, auch in dessen
Zeitschrift _Lichtbildkunst_ findet sich Brauchbares; es ist aber zu
beachten, da hier berall das Bild durch geschftliche Interessen
getrbt und einseitig koloriert ist. Wer in der Angelegenheit der
Nutzung der Kinetographie fr Schule, Wissenschaft, Volksbildung und
Kinoreform auf dem laufenden bleiben will, halte sich an die
ernstzunehmenden Zeitschriften _Bild und Film_, Zeitschrift fr
Lichtbilderei und Kinematographie, Verlag der Lichtbilderei
M._Gladbach_ (das einzige Fachblatt, das ausschlielich von
allgemeinen Gesichtspunkten ausgehend ernster Kinoreform dient), und
_Film und Lichtbild_ _Stuttgart_, das derselben Sache ebenso
ernsthaft besonders vom Interesse der Wissenschaft und Schule aus
nachgeht.




Sachregister


    Abruzzen, Herzog der 71

    Adolf Friedrich von Mecklenburg 73

    Afrika 71

    Aktualitt s. Tagesinteresse

    Altenburg 74

    Amazonas 71

    Amerika 72

    Anschauung und Begriffe 11 16 25 42

    Anschauungsmittel 11 12 f

    Anschauungsunterricht 42

    Apparate 31 74

    Archenhold 74

    sthetik 6 34 f

    sthetische Kultur 17 18/19

    Aufnahmen 33
      -- Organisation 41 59

    Aussprache 40


    Begleitnotizen, Schema 38

    Berndt 74

    Besiedlungswesen 51

    Bewegungseinheiten 36

    Bild und Film 75

    Bockenheimer 73

    Buch vom Kino (= Kino und Laien) 6


    Cines 70


    Darstellungsmittel, erdkundliche 9 10 ff

    Deninger 71

    Deutsche Erdkundliche Kinogenossenschaft 55

    Deutsche Filmerzeugung 59 71 f

    Deutschland in der Kinematographie 50
      -- Interesse an erdkundlichen Filmen 72 f


    Eclair 70

    Eclipse 28 70

    Edison (Filmfirma) 70

    England 72

    Erdgeschichte 8 28 33

    Erdkunde, Wesen 6

    Erluterungen 20 25

    Erluterungsstoff 37 ff 56

    Ethnologie s. Vlkerkunde

    Evangelischer Verein fr kirchliche Zwecke 65

    Expre-Films 71 f


    Fahrrad 11 f

    Farben 18 22 40 73

    Film, Format usw. 31

    Film und Lichtbild 75

    Filmarchive 29 33

    Filmbeschreibungen 37

    Filmfirmen 4 70 ff

    Filmmarkt 47 64 ff 67

    Filmprfungen 56 60

    Forschung, erdkundliche 28

    Forschungsreisen 30

    Freiluftbildung 42

    Fremdenverkehrsvereine 59

    Friedensbewegung 9

    Fujijama 28


    Gaumont 70 73

    Geiser 28

    Geographie s. Erdkunde

    Geographisches Seminar Straburg 74

    Geologie 8 33

    Gerusche 18 20 f 40

    Gesellschaft fr Verbreitung von Volksbildung 66 68

    Gesellschaft fr wirtschaftliche Ausbildung 67

    Gesellschaft fr wissenschaftliche Filme und Diapositive 74

    Gezeiten 30

    Gilgamesch 9 10

    Gletscher 30 33

    Grammophon s. Phonograph

    Graystone Bird 65

    Griechenland 72

    Grnland 71


    Handel 9

    Hedin 9

    Heimatkenntnis 4 7 43 51

    Heimatschutz 29 51
      -- (Stiftung) 67

    Heinrich, Prinz von Preuen 71

    Hellwig 69

    Hentschel 65

    Himalaja 71


    Jerusalem 38

    Illusion 16

    Indien 71

    Industrie 9 59

    Industrie-Gesellschaft Mlhausen i. E. 74

    Institut fr Zuckerindustrie 74


    Kanada 50

    Kinemacolor 23

    Kinematographie, Wesen 3/4
      -- und Erdkunde 13 16
      -- Grenzen und Mngel 16
      -- Mibrauch 17

    Kinetographie 19

    Kino und Kunst 6 17 31 33 34 47

    Kino und Laien s. Buch vom Kino

    Kino und Schule (Sellmann) 46 75

    Kinokritik

    Kinoreform 3 4 5 48 52/53 54 ff 58

    Kinotheater 4 32
      -- und Schule 44 47 ff 52 57 70 74

    Knospe 75

    Koch (Grnberg) 71

    Krperlichkeit (Plastik) 18 23

    Kolonien 51 59

    Kosten 32 60 usw.

    Kriegsdarstellungen 49 72

    Kunst und Knstler 4 5 14
      -- im Kino 5 18

    Knstliche Aufnahmen 30


    Laien 4 5 53

    Landschaftsmalerei 9

    Landwirtschaft 4 50 59

    Lemke 70 75

    Lichtbild und Kinotechnik (Liesegang) 31

    Lichtbilder 15 26 f 65

    Lichtbilderei GmbH. 65 69

    Lichtbilderverleihung 65 f

    Lichtbildkunst 75

    Lichtbhnen-Bibliothek 12

    Liebhaberaufnahmen 6 31

    Literatur 75

    Luftschiffahrt 11


    Meer 8 15 30 74

    Menschenerdkunde 8 29 35

    Messungen, kinematographische 12 30

    Meter 71 73

    Meteorologie s. Wetterkunde

    Missionen 41

    Molukken 71

    Musik 24 40


    Naturfarbenkinematographie 23 73

    Naturschutz 9 29 51

    Naturschutzpark (Verein) 67

    Negative, Aufbewahrung 61

    Nervenbeanspruchung 17/18

    Neue Photographische Gesellschaft 66 70 74

    Neuhaus 73

    Neu-Seeland 28 38


    Odysseus 9

    Operateure 40

    Organisation 48 54

    Organisationsreform s. Zusammenschlu


    Paasche 29

    Palstina 37

    Panoramaaufnahmen 24

    Panoramen (Schaustellungen) 48

    Path-Frres 70

    Perspektive s. Tiefenwirkung

    Pflanzengeographie 8

    Phonograph 20 22

    Phonographie 14 15

    Photographie 14 15

    Polforschung 9 71 73

    Politik 50 59

    Poloptical Institute 48

    Presse 5 57

    Programme 49 52/53 57 62

    Projektionsbildermesse 64

    Propaganda, politische, wirtschaftliche 50

    Prospekte (Zeichnungen) 14


    Querbewegungen 18

    Quervain 71


    Radios 71

    Radzigeunerei 11

    Raleigh & Robert 70

    Rave 73

    Realkatalog 64

    Reformprogramme 70

    Rhythmologie 30 36

    Rsch 66


    Sammeln von Filmen 29 32 57

    Sapper 74

    Schematische Darstellungen 43

    Schillings 73

    Schulbildung in Deutschland 72

    Schulerdkunde 43 70

    Schlerprogramme 46

    Schulfilme 43 73

    Schulkinematographen 31 44

    Schulvorstellungen 44 74

    Schrder-Strantz-Expedition 71 73

    Scott 73

    Seemann 66

    Sellmann 46 75

    Shackleton 73

    Spitzbergen 71

    Stdtebilder 14

    Stereoskop 15

    Straenwesen 11

    Sddeutsche Lichtbilderzentrale 67


    Tagesinteresse erdkundlicher Bilder 49 52

    Tagebuch 38

    Tauern 71

    Technik 31

    Technik und Kultur 12

    Teile von Filmen 61

    Theater (Konkurrenz) 5

    Tiefebene 15

    Tiefenwirkung (Perspektive) 18

    Tiergeographie 8 35

    Tonbilder 21 59 73

    Treptower Sternwarte 74


    Urban 22 28 38 70

    Unger & Hoffmann 65

    Unterricht, wissenschaftlicher 33

    Unterrichtsstunde, erdkundliche 45

    Urania 48 74


    Vereine 4 48 59

    Verkehr 9 11

    Verleihanstalten 60 64

    Vlkerkunde 8 24

    Vlkerverstndigung 4 9 51/52

    Volksbildung 25/26 47 ff
      -- deutsche 72 f

    Vorfhrung 19

    Vortrag 25

    Vortrupp 29

    Vulkane 33


    Wanderkinos 69

    Wandern 9

    Waise 66

    Wellenbewegung 30 36

    Weltanschauung 9

    Weltbund 55

    Weltfriede 9

    Weltnaturschutz 9

    Weltreisen 4

    Weltschutzparke 9

    Weltwirtschaft 4 50

    Wetterkunde 8 34

    Wirklichkeitsdarstellung 13 35

    Wissenschaftliche Erdkunde 4 28 ff 72

    Wste 8 37


    York & Son 66

    Zeitungen 5/6 9

    Zeitschriften 75

    Zeppelin 71

    Zusammenschlu 49 54 ff




_Lichtbhnen-Bibliothek_


Lichtbild- und Kino-Technik.

Von _F. Paul Liesegang_. 8 (76) Mit 55 Abbildungen. Broschiert
M.1.--.                                                   Heft 1.

_Inhalt_: Der Lichtbilderapparat und seine Wirkungsweise. Die
Lichtquellen. Zubehr zum Lichtbilderapparat. Anschaffungs- und
Betriebskosten des Lichtbilderapparates. Die Glasbilder und deren
Aufbewahrung. Aufstellung und Handhabung des Lichtbilderapparates. Die
episkopische Projektion. Wissenschaftliche und mikroskopische
Projektion. Der Lichtbilderapparat als Scheinwerfer. Der
Lichtbilderapparat als photographischer Vergrerungsapparat. Die
Darstellung lebender Lichtbilder. Handhabung des Kinematographen.
Behandlung und Pflege des Kinematographen. Das kinematographische
Aufnahmeverfahren. Die Herstellung des Trickfilms. Die wissenschaftliche
Kinematographie.


Kino und Kunst.

Von _Hermann Hfker_. 8 (72) Broschiert M.1.--           Heft 2.

_Inhalt_: _Allgemeines_: Der Ruf nach Kunst. Das Wesen der
Kinematographie. Die knstlerische Aufgabe. -- _Die Herstellung des
Films_: Die knstlerischen Gesichtspunkte in der technischen
Filmherstellung. Technische, industrielle usw. Lehr- und
Verdeutlichungsaufnahmen. Geschichtliche und kulturgeschichtliche
Aufnahmen. Die Schnheit der natrlichen Bewegung. -- _Die
Vorfhrung_: Gestellte Bilder. Kinematographie oder Kinetographie. Das
Programm. Einzelheiten. Wege.


Kino und Gemeinde.

Von Dr. _Willi Warstat_ und _Franz Bergmann_. 8 (112) Broschiert
M.1.50.                                                     Heft 3.

_Inhalt_: 1. Teil: Die Bedeutung des Gemeindekinos fr die Reform des
Kinematographenwesens. 1. Die Mistnde im Kinematographenwesen und
ihre Ursache. 2. Die Unzulnglichkeit prohibitiver Mittel bei der
Reform des Kinematographenwesens. 3. Die positive Reformarbeit der
kinematographischen Musterbhnen, der Gemeindekinos. 4. Die
Gemeindekinobewegung und ihre Erfolge. Die Arten der Gemeindekinos. 5.
Die Aufgaben der Gemeindekinos. 6. Der Gemeindekino und sein
Verhltnis zu den Privattheatern und der Industrie. 7. Die
Zentralisation der Gemeindekinos. Zentralverband fr Kinoreform. -- 2.
Teil: Das Kinowesen vom verwaltungsrechtlichen und wirtschaftlichen
Standpunkte. 1. Polizeiliche Mittel gegen den Kinoschund. 2.
Besteuerung der Kinematographentheater. 3. Gemeindelichtspielhuser.
4. Zentralorganisation fr Gemeindekinos. Anhang.


Kino und Bhne.

Von _Willy Rath_. 8 (52) Broschiert M.1.--                 Heft 4.

_Inhalt_: 1. Emporkmmling Kino. 2. Die Bhne in Not? 3. Knstlerische
Mglichkeiten des Lichtspiels.


Rechtsquellen des ffentlichen Kinematographenrechtes.

Von Dr. _Albert Hellwig_. 8 (256) Geb. M.5.--              Heft 5.


Kino und Schule.

Von Prof. Dr. _Adolf Sellmann_. 8 (72) Broschiert M.1.--   Heft 6.

_Inhalt_: 1. Wider den Schulkino. 2. Fr den Schulkino. 3. Der Kino
und die einzelnen Unterrichtsfcher. 4. Der Kino und die verschiedenen
Schulgattungen. 5. Der Schulfilm. 6. Kino und Unterricht. 7.
Erfahrungen auf dem Gebiete der Schulkinematographie.


In kurzem wird erscheinen:

8. Heft: Allerlei vom Kino fr jedermann. Von _H. Hfker_.




Bild und Film


     Zeitschrift fr Lichtbilderei und Kinematographie.
     Verlag der Lichtbilderei GmbH. in M.Gladbach.
     Quartformat. Erscheint monatlich. Abonnement
     halbjhrlich M.2.40. _Redaktion_: Dr. Lorenz Pieper,
     M.Gladbach, Waldhausener Strae 100.

     Das Abonnement kann durch jede Buchhandlung, durch die
     Post und auch direkt durch den Verlag bewirkt werden;
     im letztern Falle liefert der Verlag im
     Postberweisungsverfahren, lt Bezugsgebhr und
     Bestellgeld durch die Post einfordern und liefert an
     diese. Probehefte stehen gratis zur Verfgung.

_Bild und Film_ war als erste Kinozeitschrift auf dem Plane, frei
von Geschfts- und Parteircksichten ausschlielich dem idealen Ziele
einer ethischen und literarischen Hebung des Kinowesens die Wege zu
bahnen. Sie lt es sich vor allem angelegen sein, die zahlreichen
_Bildungsmglichkeiten_ aufzuweisen, die der Kinematograph im
Interesse der _modernen Volksbildung_, des _Unterrichts_ und der
_Jugendpflege_ fr _Volk_ und _Schule_ in sich trgt. Als Organ der
vom vierten Westflischen Provinzial-Landgemeindetag in Mnster (1912)
eingesetzten Kinematographischen Kommission (Vorsitzender: Amtmann
Berkermann, Eickel) frdert sie speziell die Errichtung und Leitung
von Kinematographentheatern durch die Gemeinden. Das Abonnement ist
vor allem zu empfehlen den zahlreichen, weitverstelten
Volksbildungsorganisationen, der Presse, den Kommunen,
Polizeiverwaltungen, Lehrerkreisen, Volks-, Fach-, Fortbildungs- und
Hochschulen, den kirchlichen Kreisen der verschiedenen Konfessionen
und den verschiedenen Standesorganisationen, die ja alle auch die
Volksbildung auf ihre Fahne geschrieben haben. Ebensosehr aber sind
interessiert die _Kinobesitzer_ selbst, denen an der allseitigen
Hebung des Kinowesens gelegen ist.

    #Es liegen abgeschlossen vor:#

     #I. Jahrgang 1912.# Vier Hefte. gr. 4 (128) Geb. M.3.20

    #II. Jahrgang 1913.# Zwlf Hefte. gr. 4 (270) Geb. M.6.--

    Preis der Einbanddecke M.1.10

    Durch alle Buchhandlungen zu beziehen

       *       *       *       *       *

    Volksvereins-Verlag GmbH., M.Gladbach

    3954




  [ Im folgenden sind die nderungen am Originaltext aufgefhrt.
    Unter der Beschreibung der nderung steht jeweils zuerst die
    Textstelle im Original, dann die genderte Textstelle.


    Falsche Seitenzahl im Inhaltsverzeichnis korrigiert:
    IV. Kinoerdkunde im Theater und in der ffentlichkeit          48
    IV. Kinoerdkunde im Theater und in der ffentlichkeit          47

    ererfat gendert zu erfat:
    stehen sollte, noch nicht ererfat, geschweige denn uns zu Fleisch und
    stehen sollte, noch nicht erfat, geschweige denn uns zu Fleisch und

    wir gendert zu wie:
    auch nur Schwarz-Wei-Bild, weil das Kinobild mehr wir andere den
    auch nur Schwarz-Wei-Bild, weil das Kinobild mehr wie andere den

    Ermaugelung gendert zu Ermangelung:
    natrlichem Sinnenleben und Geschmack sind, in Ermaugelung
    natrlichem Sinnenleben und Geschmack sind, in Ermangelung

    a s gendert zu als:
    Auge, auch insofern, a s es in einem ganz andern Sinne als der Film
    Auge, auch insofern, als es in einem ganz andern Sinne als der Film

    Naturschutzparkes gendert zu Naturschutzparks:
    der Gedanke, groe _Naturschutzparkes_ nicht nur in der engern Heimat,
    der Gedanke, groe _Naturschutzparks_ nicht nur in der engern Heimat,

    Liehaber-Kinematographie gendert zu Liebhaber-Kinematographie:
    gedenke ich die Frage der Liehaber-Kinematographie in meiner Schrift
    gedenke ich die Frage der Liebhaber-Kinematographie in meiner Schrift

    fehlendes Komma ergnzt:
    wissenschaftlichen Unterricht, also an Hochschulen Handels-,
    wissenschaftlichen Unterricht, also an Hochschulen, Handels-,

    Gewohnheitenn gendert zu Gewohnheiten:
    schlaue Mittel und vor allem genaue Vorerforschung ihrer Gewohnheitenn
    schlaue Mittel und vor allem genaue Vorerforschung ihrer Gewohnheiten

    nd gendert zu und:
    nd -- Geduld belauern und tuschen. Dafr ist eine wohlgelungene
    und -- Geduld belauern und tuschen. Dafr ist eine wohlgelungene

    ewas gendert zu etwas:
    tchtigsten bewegt -- und wenn sie mal ewas Wertvolles erwischen, so
    tchtigsten bewegt -- und wenn sie mal etwas Wertvolles erwischen, so

    Ausnahme gendert zu Aufnahme:
    kann keine erdenkliche Ausnahme von hherm Werte und wissenschaftlich
    kann keine erdenkliche Aufnahme von hherm Werte und wissenschaftlich

    mittere gendert zu mittlere:
    Verhltnisse recht gut mglich, eine andere kleine oder mittere
    Verhltnisse recht gut mglich, eine andere kleine oder mittlere

    Erdkundeuntericht gendert zu Erdkundeunterricht:
    Erdkundeuntericht nicht zerstreuend und verwirrend, sondern wahrhaft
    Erdkundeunterricht nicht zerstreuend und verwirrend, sondern wahrhaft

    Fehlendes Anfhrungszeichen ergnzt:
    des Lehrwerts des Dargebotenen meist sozusagen am Hungertuche nagen.
    des Lehrwerts des Dargebotenen meist sozusagen am Hungertuche nagen.

    Fehlenden Punkt ergnzt:
    Leinwand, und die Fremden davor Es ist hier hnlich wie mit den
    Leinwand, und die Fremden davor. Es ist hier hnlich wie mit den

    Fehlendes Ausfhrungszeichen ergnzt:
    darauf zu sein, oder wre hier und da etwas zu verschweigen gewesen?
    darauf zu sein, oder wre hier und da etwas zu verschweigen gewesen?

    st gendert zu ist:
    hoffen. Die Erdkinetographie aber st, weil sich in ihr die hchste
    hoffen. Die Erdkinetographie aber ist, weil sich in ihr die hchste

    ein gendert zu eine:
    ntig, da dieses Land als Kundschaft allein nicht ein gengende Macht
    ntig, da dieses Land als Kundschaft allein nicht eine gengende Macht

    Doppeltes oder gelscht:
    oder oder auch Industrievereinigungen, landwirtschaftliche
    oder auch Industrievereinigungen, landwirtschaftliche

    Fehlenden Abkrzungspunkt ergnzt:
    Oranienstr 105l. Hat besonders aus Missionsgebieten (Kolonien und
    Oranienstr. 105l. Hat besonders aus Missionsgebieten (Kolonien und

    Fehlendes Komma ergnzt:
    Landschaften- Trachten- und Stdtebilder aus dem _Orient_ (gypten,
    Landschaften-, Trachten- und Stdtebilder aus dem _Orient_ (gypten,

    Fehlenden Punkt ergnzt:
    und Nrnberg. Zum Teil farbig (Dreifarbenaufnahmen und Lumire)
    und Nrnberg. Zum Teil farbig (Dreifarbenaufnahmen und Lumire).

    duchfhrbar gendert zu durchfhrbar:
    mindestens auf die Dauer ohne groe Opfer nicht duchfhrbar sind.
    mindestens auf die Dauer ohne groe Opfer nicht durchfhrbar sind.

    Fehlenden Abkrzungspunkt ergnzt:
    auf Befehl Sr Majestt des Knigs von Griechenland
    auf Befehl Sr. Majestt des Knigs von Griechenland

    Fehlendes Ausfhrungszeichen ergnzt:
    physischen Erdkunde fr sehr instruktiv halten (bei geeigneter
    Auswahl).
    physischen Erdkunde fr sehr instruktiv halten (bei geeigneter
    Auswahl).
  ]





End of the Project Gutenberg EBook of Kino und Erdkunde, by Hermann Hfker

*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK KINO UND ERDKUNDE ***

***** This file should be named 39189-8.txt or 39189-8.zip *****
This and all associated files of various formats will be found in:
        http://www.gutenberg.org/3/9/1/8/39189/

Produced by Jana Srna, Katrin, Norbert H. Langkau and the
Online Distributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net


Updated editions will replace the previous one--the old editions
will be renamed.

Creating the works from public domain print editions means that no
one owns a United States copyright in these works, so the Foundation
(and you!) can copy and distribute it in the United States without
permission and without paying copyright royalties.  Special rules,
set forth in the General Terms of Use part of this license, apply to
copying and distributing Project Gutenberg-tm electronic works to
protect the PROJECT GUTENBERG-tm concept and trademark.  Project
Gutenberg is a registered trademark, and may not be used if you
charge for the eBooks, unless you receive specific permission.  If you
do not charge anything for copies of this eBook, complying with the
rules is very easy.  You may use this eBook for nearly any purpose
such as creation of derivative works, reports, performances and
research.  They may be modified and printed and given away--you may do
practically ANYTHING with public domain eBooks.  Redistribution is
subject to the trademark license, especially commercial
redistribution.



*** START: FULL LICENSE ***

THE FULL PROJECT GUTENBERG LICENSE
PLEASE READ THIS BEFORE YOU DISTRIBUTE OR USE THIS WORK

To protect the Project Gutenberg-tm mission of promoting the free
distribution of electronic works, by using or distributing this work
(or any other work associated in any way with the phrase "Project
Gutenberg"), you agree to comply with all the terms of the Full Project
Gutenberg-tm License (available with this file or online at
http://gutenberg.org/license).


Section 1.  General Terms of Use and Redistributing Project Gutenberg-tm
electronic works

1.A.  By reading or using any part of this Project Gutenberg-tm
electronic work, you indicate that you have read, understand, agree to
and accept all the terms of this license and intellectual property
(trademark/copyright) agreement.  If you do not agree to abide by all
the terms of this agreement, you must cease using and return or destroy
all copies of Project Gutenberg-tm electronic works in your possession.
If you paid a fee for obtaining a copy of or access to a Project
Gutenberg-tm electronic work and you do not agree to be bound by the
terms of this agreement, you may obtain a refund from the person or
entity to whom you paid the fee as set forth in paragraph 1.E.8.

1.B.  "Project Gutenberg" is a registered trademark.  It may only be
used on or associated in any way with an electronic work by people who
agree to be bound by the terms of this agreement.  There are a few
things that you can do with most Project Gutenberg-tm electronic works
even without complying with the full terms of this agreement.  See
paragraph 1.C below.  There are a lot of things you can do with Project
Gutenberg-tm electronic works if you follow the terms of this agreement
and help preserve free future access to Project Gutenberg-tm electronic
works.  See paragraph 1.E below.

1.C.  The Project Gutenberg Literary Archive Foundation ("the Foundation"
or PGLAF), owns a compilation copyright in the collection of Project
Gutenberg-tm electronic works.  Nearly all the individual works in the
collection are in the public domain in the United States.  If an
individual work is in the public domain in the United States and you are
located in the United States, we do not claim a right to prevent you from
copying, distributing, performing, displaying or creating derivative
works based on the work as long as all references to Project Gutenberg
are removed.  Of course, we hope that you will support the Project
Gutenberg-tm mission of promoting free access to electronic works by
freely sharing Project Gutenberg-tm works in compliance with the terms of
this agreement for keeping the Project Gutenberg-tm name associated with
the work.  You can easily comply with the terms of this agreement by
keeping this work in the same format with its attached full Project
Gutenberg-tm License when you share it without charge with others.

1.D.  The copyright laws of the place where you are located also govern
what you can do with this work.  Copyright laws in most countries are in
a constant state of change.  If you are outside the United States, check
the laws of your country in addition to the terms of this agreement
before downloading, copying, displaying, performing, distributing or
creating derivative works based on this work or any other Project
Gutenberg-tm work.  The Foundation makes no representations concerning
the copyright status of any work in any country outside the United
States.

1.E.  Unless you have removed all references to Project Gutenberg:

1.E.1.  The following sentence, with active links to, or other immediate
access to, the full Project Gutenberg-tm License must appear prominently
whenever any copy of a Project Gutenberg-tm work (any work on which the
phrase "Project Gutenberg" appears, or with which the phrase "Project
Gutenberg" is associated) is accessed, displayed, performed, viewed,
copied or distributed:

This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
almost no restrictions whatsoever.  You may copy it, give it away or
re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
with this eBook or online at www.gutenberg.org/license

1.E.2.  If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is derived
from the public domain (does not contain a notice indicating that it is
posted with permission of the copyright holder), the work can be copied
and distributed to anyone in the United States without paying any fees
or charges.  If you are redistributing or providing access to a work
with the phrase "Project Gutenberg" associated with or appearing on the
work, you must comply either with the requirements of paragraphs 1.E.1
through 1.E.7 or obtain permission for the use of the work and the
Project Gutenberg-tm trademark as set forth in paragraphs 1.E.8 or
1.E.9.

1.E.3.  If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is posted
with the permission of the copyright holder, your use and distribution
must comply with both paragraphs 1.E.1 through 1.E.7 and any additional
terms imposed by the copyright holder.  Additional terms will be linked
to the Project Gutenberg-tm License for all works posted with the
permission of the copyright holder found at the beginning of this work.

1.E.4.  Do not unlink or detach or remove the full Project Gutenberg-tm
License terms from this work, or any files containing a part of this
work or any other work associated with Project Gutenberg-tm.

1.E.5.  Do not copy, display, perform, distribute or redistribute this
electronic work, or any part of this electronic work, without
prominently displaying the sentence set forth in paragraph 1.E.1 with
active links or immediate access to the full terms of the Project
Gutenberg-tm License.

1.E.6.  You may convert to and distribute this work in any binary,
compressed, marked up, nonproprietary or proprietary form, including any
word processing or hypertext form.  However, if you provide access to or
distribute copies of a Project Gutenberg-tm work in a format other than
"Plain Vanilla ASCII" or other format used in the official version
posted on the official Project Gutenberg-tm web site (www.gutenberg.org),
you must, at no additional cost, fee or expense to the user, provide a
copy, a means of exporting a copy, or a means of obtaining a copy upon
request, of the work in its original "Plain Vanilla ASCII" or other
form.  Any alternate format must include the full Project Gutenberg-tm
License as specified in paragraph 1.E.1.

1.E.7.  Do not charge a fee for access to, viewing, displaying,
performing, copying or distributing any Project Gutenberg-tm works
unless you comply with paragraph 1.E.8 or 1.E.9.

1.E.8.  You may charge a reasonable fee for copies of or providing
access to or distributing Project Gutenberg-tm electronic works provided
that

- You pay a royalty fee of 20% of the gross profits you derive from
     the use of Project Gutenberg-tm works calculated using the method
     you already use to calculate your applicable taxes.  The fee is
     owed to the owner of the Project Gutenberg-tm trademark, but he
     has agreed to donate royalties under this paragraph to the
     Project Gutenberg Literary Archive Foundation.  Royalty payments
     must be paid within 60 days following each date on which you
     prepare (or are legally required to prepare) your periodic tax
     returns.  Royalty payments should be clearly marked as such and
     sent to the Project Gutenberg Literary Archive Foundation at the
     address specified in Section 4, "Information about donations to
     the Project Gutenberg Literary Archive Foundation."

- You provide a full refund of any money paid by a user who notifies
     you in writing (or by e-mail) within 30 days of receipt that s/he
     does not agree to the terms of the full Project Gutenberg-tm
     License.  You must require such a user to return or
     destroy all copies of the works possessed in a physical medium
     and discontinue all use of and all access to other copies of
     Project Gutenberg-tm works.

- You provide, in accordance with paragraph 1.F.3, a full refund of any
     money paid for a work or a replacement copy, if a defect in the
     electronic work is discovered and reported to you within 90 days
     of receipt of the work.

- You comply with all other terms of this agreement for free
     distribution of Project Gutenberg-tm works.

1.E.9.  If you wish to charge a fee or distribute a Project Gutenberg-tm
electronic work or group of works on different terms than are set
forth in this agreement, you must obtain permission in writing from
both the Project Gutenberg Literary Archive Foundation and Michael
Hart, the owner of the Project Gutenberg-tm trademark.  Contact the
Foundation as set forth in Section 3 below.

1.F.

1.F.1.  Project Gutenberg volunteers and employees expend considerable
effort to identify, do copyright research on, transcribe and proofread
public domain works in creating the Project Gutenberg-tm
collection.  Despite these efforts, Project Gutenberg-tm electronic
works, and the medium on which they may be stored, may contain
"Defects," such as, but not limited to, incomplete, inaccurate or
corrupt data, transcription errors, a copyright or other intellectual
property infringement, a defective or damaged disk or other medium, a
computer virus, or computer codes that damage or cannot be read by
your equipment.

1.F.2.  LIMITED WARRANTY, DISCLAIMER OF DAMAGES - Except for the "Right
of Replacement or Refund" described in paragraph 1.F.3, the Project
Gutenberg Literary Archive Foundation, the owner of the Project
Gutenberg-tm trademark, and any other party distributing a Project
Gutenberg-tm electronic work under this agreement, disclaim all
liability to you for damages, costs and expenses, including legal
fees.  YOU AGREE THAT YOU HAVE NO REMEDIES FOR NEGLIGENCE, STRICT
LIABILITY, BREACH OF WARRANTY OR BREACH OF CONTRACT EXCEPT THOSE
PROVIDED IN PARAGRAPH 1.F.3.  YOU AGREE THAT THE FOUNDATION, THE
TRADEMARK OWNER, AND ANY DISTRIBUTOR UNDER THIS AGREEMENT WILL NOT BE
LIABLE TO YOU FOR ACTUAL, DIRECT, INDIRECT, CONSEQUENTIAL, PUNITIVE OR
INCIDENTAL DAMAGES EVEN IF YOU GIVE NOTICE OF THE POSSIBILITY OF SUCH
DAMAGE.

1.F.3.  LIMITED RIGHT OF REPLACEMENT OR REFUND - If you discover a
defect in this electronic work within 90 days of receiving it, you can
receive a refund of the money (if any) you paid for it by sending a
written explanation to the person you received the work from.  If you
received the work on a physical medium, you must return the medium with
your written explanation.  The person or entity that provided you with
the defective work may elect to provide a replacement copy in lieu of a
refund.  If you received the work electronically, the person or entity
providing it to you may choose to give you a second opportunity to
receive the work electronically in lieu of a refund.  If the second copy
is also defective, you may demand a refund in writing without further
opportunities to fix the problem.

1.F.4.  Except for the limited right of replacement or refund set forth
in paragraph 1.F.3, this work is provided to you 'AS-IS' WITH NO OTHER
WARRANTIES OF ANY KIND, EXPRESS OR IMPLIED, INCLUDING BUT NOT LIMITED TO
WARRANTIES OF MERCHANTIBILITY OR FITNESS FOR ANY PURPOSE.

1.F.5.  Some states do not allow disclaimers of certain implied
warranties or the exclusion or limitation of certain types of damages.
If any disclaimer or limitation set forth in this agreement violates the
law of the state applicable to this agreement, the agreement shall be
interpreted to make the maximum disclaimer or limitation permitted by
the applicable state law.  The invalidity or unenforceability of any
provision of this agreement shall not void the remaining provisions.

1.F.6.  INDEMNITY - You agree to indemnify and hold the Foundation, the
trademark owner, any agent or employee of the Foundation, anyone
providing copies of Project Gutenberg-tm electronic works in accordance
with this agreement, and any volunteers associated with the production,
promotion and distribution of Project Gutenberg-tm electronic works,
harmless from all liability, costs and expenses, including legal fees,
that arise directly or indirectly from any of the following which you do
or cause to occur: (a) distribution of this or any Project Gutenberg-tm
work, (b) alteration, modification, or additions or deletions to any
Project Gutenberg-tm work, and (c) any Defect you cause.


Section  2.  Information about the Mission of Project Gutenberg-tm

Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
electronic works in formats readable by the widest variety of computers
including obsolete, old, middle-aged and new computers.  It exists
because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from
people in all walks of life.

Volunteers and financial support to provide volunteers with the
assistance they need, are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
remain freely available for generations to come.  In 2001, the Project
Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations.
To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
and the Foundation web page at http://www.pglaf.org.


Section 3.  Information about the Project Gutenberg Literary Archive
Foundation

The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
Revenue Service.  The Foundation's EIN or federal tax identification
number is 64-6221541.  Its 501(c)(3) letter is posted at
http://pglaf.org/fundraising.  Contributions to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
permitted by U.S. federal laws and your state's laws.

The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S.
Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered
throughout numerous locations.  Its business office is located at
809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email
business@pglaf.org.  Email contact links and up to date contact
information can be found at the Foundation's web site and official
page at http://pglaf.org

For additional contact information:
     Dr. Gregory B. Newby
     Chief Executive and Director
     gbnewby@pglaf.org


Section 4.  Information about Donations to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation

Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
spread public support and donations to carry out its mission of
increasing the number of public domain and licensed works that can be
freely distributed in machine readable form accessible by the widest
array of equipment including outdated equipment.  Many small donations
($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
status with the IRS.

The Foundation is committed to complying with the laws regulating
charities and charitable donations in all 50 states of the United
States.  Compliance requirements are not uniform and it takes a
considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
with these requirements.  We do not solicit donations in locations
where we have not received written confirmation of compliance.  To
SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any
particular state visit http://pglaf.org

While we cannot and do not solicit contributions from states where we
have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
against accepting unsolicited donations from donors in such states who
approach us with offers to donate.

International donations are gratefully accepted, but we cannot make
any statements concerning tax treatment of donations received from
outside the United States.  U.S. laws alone swamp our small staff.

Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
methods and addresses.  Donations are accepted in a number of other
ways including checks, online payments and credit card donations.
To donate, please visit: http://pglaf.org/donate


Section 5.  General Information About Project Gutenberg-tm electronic
works.

Professor Michael S. Hart is the originator of the Project Gutenberg-tm
concept of a library of electronic works that could be freely shared
with anyone.  For thirty years, he produced and distributed Project
Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support.


Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S.
unless a copyright notice is included.  Thus, we do not necessarily
keep eBooks in compliance with any particular paper edition.


Most people start at our Web site which has the main PG search facility:

     http://www.gutenberg.org

This Web site includes information about Project Gutenberg-tm,
including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to
subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks.
